„Ich bin einfach nur mit meinem Hund hier gewesen. Wissen Sie, ich suche nach einer Nachteule, die sehr selten geworden ist und…mein George fing an zu bellen und riss sich los. Und dann…sah ich sie…oh mein Gott… ich dachte erst sie schläft aber…dann…sie war noch so jung. Ist sie vergewaltigt worden?“, fragte Anna besorgt. „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Frau Goldblum… haben Sie sonst jemanden gesehen, der sich hier herum trieb? Oder ein Auto was weg gefahren ist oder eine Person die sich entfernt hat?“, wollte Olaf Bräuning wissen. Anna schüttelte den Kopf. „Nein….hier war nichts. Glauben Sie, dass…“, fragte Anna weiter. „Sie müssen noch zum Revier kommen und Ihre Aussage unterschreiben. Halten Sie sich bitte zu unserer Verfügung…“, bat Olaf ohne auf die Frage von ihr einzugehen. „Ja sicher… ich… ich bin in der Uni auf jeden Fall zu erreichen…“, nickte sie. „Ich lasse Sie und Ihren Hund jetzt nach Hause bringen. Wir melden uns bei Ihnen…“, lächelte Olaf und winkte einen der uniformierten Kollegen heran. „Bringst du die Dame und ihren Hund bitte nach Hause…“, befahl er freundlich. Wenig später fuhr der Wagen ab. Olaf sah auf die Sachen, die die KTU langsam zusammen trug. „Hier… das haben wir in der Nähe gefunden.“, meinte einer der Männer und hob ein Stück Draht hoch. Olaf nahm es und stellte fest, dass es kein Draht war. „Was ist das?“, fragte er. „Das ist eine Saite…also für ein Musikinstrument. Von der Größe her würde ich sagen, Violine. Vielleicht hat der Mörder das hier liegen lassen, oder fallen lassen oder einfach vergessen…“, mutmaßte der Mann. „Ja kann schon sein. Okay… lasst es alles untersuchen. Spermaspuren….Blutspuren, Hautpartikel…alles klar!“, forderte er auf. „Ja sicher… wie immer….“, murmelte der Spezialist und ging wieder zu den Kollegen.
Nico stieg vor seiner Haustür aus. „Hey… danke Freunde…es war wirklich klasse. Wisst ihr…Elena ist…sie ist…sie…“, suchte Nico nach richtigen Worten. Doch sie fielen ihr nicht ein. „Sie ist ein Engel auf Erden….?“, grinste Ben. „Ja…wenn du es so siehst ist sie das und ….Mia ist mir ans Herz gewachsen…sie ist ein noch größerer Engel. Immerhin ist Mia es gewesen, die mich und Elena zusammen gebracht hat. Sie und ihre Violine. Sie wollte Unterricht haben und hat sich bei mir danach erkundigt…also Elena für Mia…“, erklärte Nico und wurde rot. „Ich bin verliebt….ich bin wirklich verliebt…“, entschuldigte er lachend. „Ja…und Romeo muss nun ins Bett…weil David und Goliath auch morgen ihren Dienst schieben müssen…gute Nacht Nico und angenehme Träume…“, lachte Ben. Nico hob die Hand, als Semir Gas gab. „David und Goliath…ja? Darf ich mal fragen wer wer ist?“, wollte Semir auf der Fahrt wissen. „Ist das denn nicht offensichtlich? Ich bin David und du bist Goliath.“, grinste Ben. Semir sah ihn erstaunt an, denn immerhin war Goliath ja ein Riese. „Wieso das?“, harkte er deshalb nach. „Weil ich…im Gegensatz zu Gerkhan ein Gewinner bin…. Also bin ich David…“, grinste Ben. „Sehr witzig...“, gab Semir lachend zurück. „Morgen hole ich dich dann gegen acht ab. Also ab ins Körbchen David…“, meinte er, als er vor Bens Tür hielt. „Du auch Goliath… und angenehme Träume…bis morgen…“, verabschiedete Ben sich.
Lars kam mit seinem silbernen Alfa Romeo, dank der Hilfe des aufgesetzten, eingeschalteten Blaulichts, schnell zum Tatort und stieg mit zwei to-go-Bechern aus seinem Wagen. „N’Abend Olaf... hier für dich.“, meinte der Familienvater und Hauptkommissar. „Danke... willst du sie dir ansehen, ehe sie weggebracht wird?“, wollte sein Kollege wissen und nahm den Becher entgegen, führte ihn gleich zum Mund und trank einen kräftigen Schluck daraus. „Nein, ich schau sie mir dann morgen in der Rechtsmedizin an... Sag mir nur die traurigen Details, damit ich schnell zu meiner Familie kann.“, meinte Lars Weinheimer zu seinem gleichaltrigen Kollegen. Dieser nickte. „Also, Wegener meint, dass die Nutte erwürgt worden ist. Die Kleidung hatte der Täter ihr mit ziemlicher Brutalität ausgezogen und daneben gelegt.“, erklärte er und ging mit seinem Partner zum Fundort, wo die Kleidung noch lag und die Umriss der Leiche noch deutlich erkennbar waren. „Was ist deine Meinung?“, wollte Lars dann wissen, nahm einen Schluck aus seinem Becher und sah seinen Kollegen an. Olaf blickte seinen Chef an und legte dann mit vollem Einsatz los. „Okay... ich denke, es ist so abgelaufen. Wahrscheinlich ist der Täter mit der kleinen Nutte hier reingefahren und wollte seinen Spaß haben... Sie wollte nicht, wollte aussteigen und wegrennen. Zu ihrem Pech war er schneller, packt sie, wirft sich mit ihr zu Boden und reißt ihr die Kleider vom Leib. Der Doc meinte, er kann eine Vergewaltigung nicht ausschließen. Dann, als er seinen Spaß gehabt hat, erwürgt er die Kleine, damit sie nicht reden kann.“, endete Olaf mit seinen Vermutungen. Dann stand er wieder auf, nahm die in Plastikfolie eingewickelte Musiksaite hervor und zeigte sie seinem Partner. „Das haben wir neben der Leiche gefunden.“ „Eine Saite? Vom Täter?“ „Mit großer Sicherheit. Sie wird bestimmt nicht so musikalisch gewesen sein.“, meinte Olaf mit reichlich Zynismus in der Stimme. „Gut, bring alles in die KTU und find schon mal raus, wer sie war. Wir machen dann morgen weiter.“, erklärte Lars und ging zu seinem Wagen zurück. „Ja, und du? Wieso muss eigentlich ich immer anfangen?“, kam es klagend von Olaf hinterher. „Weil ich der Dienstältere und dein Chef bin und du außerdem keinen hast, der zu Hause auf dich wartet.“, grinste Lars und fuhr zu seiner Familie.