Nach wie vor: Das hier ist das Beste, was man aus der aktuellen Situation noch rausholen konnte. Klar, am Ende ist es eigentlich eine Actionserie. Aber die Action ist ja nicht gänzlich gestrichen. Sie geht nach 24 Jahren nur mal anders als über fliegende Autos und explodierende Tanklaster, die, wie ich ehrlich zugeben muss, mir spätestens in der Renner-Ära einfach irgendwann langweilig geworden sind. Weil man dieselbe Leier ein Vierteljahrhundert abgespult hat, wenn auch immer mal wieder auf sehr kreative Art und Weise, was ich keineswegs schlechtreden möchte. Cobra 11 hat sich für mich nur nie ausschließlich über die Action definiert. Gut, anfangs vielleicht, als ich vor 2013 immer mal wieder sporadisch reingezappt habe ohne wirklich Fan zu sein, aber später, beim Schauen der Kranich-Folgen auf Nitro war es für mich auch ein Format über Team-Zusammenhalt, Emotionen, kleinen humorvoll erzählten Nebenplots... und den Kern des Ganzen erkennt man noch immer. Wenn man es genau nimmt, ist die Cobra frühestens mit Tom Kranichs endgültigem Ausstieg, spätestens aber Ende 2015 mit „Windspiel“ beerdigt worden. Sorry, aber es kann mir echt keiner erzählen, dass die Renner-Ära (die letzten drei Staffeln vielleicht noch größtenteils ausgeklammert) mehr Cobra 11 war als das hier. Gerade wenn man die Alex-Ära sehr gemocht hat und bei Folgen wie Die dunkle Seite und Angst auch kein Problem damit hatte, dass man actiontechnisch nicht wirklich viel zu bieten hatte.
Mittlerweile ist es mir sogar total egal, dass da erstmals ne Frau neben Semir sitzt - und zwar, weil es keinen Unterschied mehr macht. Die Chemie stimmt schon mal mehr als zwischen Atalay und Roesner - und im Jahr 2020 reicht mir das schon. Man macht da kein großes Ding draus, es passiert einfach und es gibt keine blöden Sprüche darüber oder über sonst irgendwas. Veränderungen sind mitunter hart, aber genau durch jene Veränderungen überlebt ein Format überhaupt so lange. 2016 war ich noch Pro Absetzung, 2017 dann mehr denn je, aber momentan bin ich es nicht. Weil es einfach interessant ist, zu sehen, was man noch alles aus dem Format rausholen kann.
Man muss es mal so sehen: Da hat man sich erstmals erwiesenermaßen nach vier Jahren wieder wirklich mal ernsthaft Gedanken gemacht, wie’s weitergehen kann. RTL geht einen mutigen Weg und ja, vielleicht ist es der Letzte bzgl der Serie. Aber es wird endlich wieder promotet, man produziert sogar extra ein Hörspiel und wagt sich an etwas heran, was für den Sender schon 2 Mal in der Serie gescheitert ist. Eden, FKK, Scheisstag und Klassenfahrt, die waren alle der reinste Schrott, da hat man sich dann verzweifelt die Haare gerauft oder Ähnliches. Das musste man hier nicht. Man muss Vicky nicht mögen, aber dass Roesner mehr Cobra war als die aktuellen Folgen das sehe ich einfach überhaupt nicht. Und ich finde es am Ende irgendwie heftig, wenn für einen Fan, der sich noch nahezu seit der ersten Stunde dabei ist, 90 Minuten komplett ausreichen (wohlgemerkt eben nicht gefüllt mit schlechten Witzen), um hundertprozentig das Handtuch zu werfen. Ist ja nicht so, als würde das, was man zeigt, plötzlich viel mehr zu Rosamunde Pilcher passen. Hätte man einfach das immergleiche Programm der ersten Kranich-Ära weiter abgespielt ohne mal an irgendeiner Stellschraube zu drehen, wir wären heute alle längst nicht mehr hier.