Urlaub? Von wegen!

  • Ich versuche mich also nun auch mal mit einer Fan Fiction... Es ist eine Ben-Geschichte und auch meine allererste.
    Wundert euch aber nicht
    , wenn ich nicht jeden Tag schreibe, da die Geschichte noch nicht fertig ist. Ich hoffe sie gefällt euch!


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    Urlaub? Von wegen!


    Montag, 16:15 Uhr
    Zu viel Autobahn!

    Es war ein herrlicher Tag. Mitte Juni, sonnige 30°C und leichter Wind. Alle freien Schwimmbäder liefen auf Hochtouren, die Ferien würden in zwei Wochen anfangen. Alles war perfekt, wäre da nur nicht der Stau auf der A2 gewesen. „Sag mal, haben die heute nichts anderes zu tun, als ausgerechnet hier langzufahren?“, fragte Semir Gerkhan bestimmt schon zum hundertsten Mal. „Ich weiß doch auch nicht, wo die alle hinwollen, Semir… Vielleicht wollen sie sich mal von nervigen Sachen erholen?“, antwortete Ben Jäger leicht gereizt und betonte dabei die letzten drei Wörter besonders. „Außerdem sind wir doch auch auf dieses blöde Seminar für „Vorsichtigen Umgang im Straßenverkehr“ weggewesen! Wozu braucht man denn so ein Seminar überhaupt? Ich bin eigentlich einfach nur froh, da wieder weg zu sein…“ Da musste Bens Partner und Freund einfach zustimmen. Semir vermisste seine Familie, da sie fast ganze zwei Wochen in Dortmund gewesen waren, nur um sich anzuhören, wie man sich im Straßenverkehr verhält. Als ob sie das nicht schon vorher gewusst hätten! Er hatte immer noch den grimmigen Gesichtsausdruck von Bernhard Stramm, dem Seminarleiter, vor Augen. Da war ihm der Stau doch lieber. Aber andererseits… „Warum muss der blöde Stau ausgerechnet hier sein? Es gibt doch auch so viele andere Autobahnen… Mir wird langsam echt warm, die Klimaanlage von deinem Auto funktioniert nicht, wir kommen fast gar nicht vorwärts und die nächste Ausfahrt ist erst in 2,6 Kilometern, wie ich auf dem Schild dort lesen kann!“, nörgelte Semir, zeigte dabei mit ausgestrecktem Finger aus dem Fenster auf das riesige Autobahnschild neben sich und sah dabei Ben beschuldigend an. „Ich kann doch für das alles nichts!“, antwortete dieser prompt und hängte noch an: „Wer hat denn meinen superneuen Dienstwagen kurz vor unserer Abfahrt noch geschrottet?“ Aber Semir konterte sofort: „Was kann ich denn dafür, wenn plötzlich von rechts ein LKW kommt, wenn ich mich darauf konzentriere den Gangster vor mir zu schnappen? Schließlich habe ich da ja nicht in den Rückspiegel geguckt! Und wenn dieser Holländer nicht rübergefahren wäre, wär ich auch nicht mit vollem Tempo in dessen Wohnwagen gerauscht… Mein Wagen konnte ich nicht nehmen, der war ja in der Werkstatt und da dachte ich mir…“ „Dass du einfach meinen Wagen nimmst“, vollendete Ben den Satz. „Genau“, bestätigte der kleine Deutsch-Türke. „Ja klar. Und während du die Gangster verfolgt hast, durfte ich mir die Predigt von der Krüger anhören lassen, von wegen, dass ich schon wieder einen neuen Wagen hätte. Und als du dann mit dem schrotten Wagen angekommen bist… tja… der Gesichtsausdruck der Krüger war einfach genial!“, erinnerte sich Ben und musste dabei leicht grinsen, bevor er wieder ernst wurde. „Außerdem ist das hier eh nicht mehr der neuste Wagen, was ich laut unserer Chefin auch verstehen kann… die Klimaanlage ist ja wohl das kleinste Problem“, meinte der junge Hauptkommissar und musste daran denken, wie ihm am ersten Tag gleich der Rückspiegel abgebrochen war. „Und nun hör auf zu nörgeln, wir kommen ja nun immerhin noch etwas voran“, bemerkte Ben und sah seinen Kumpel an, während er mit gut Tempo 20 vorwärts fuhr. „Ist ja gut“, meinte Semir nur und schloss die Augen.

  • „Hey guck mal!“, meinte der junge Kommissar plötzlich. „Der Stau lichtet sich. Das heißt, wir sind bald wieder zu Hause!“ Tatsächlich löste sich der Stau langsam auf, sodass man wieder freie Fahrt hatte. Plötzlich rauschte jedoch an ihnen ein roter Golf vorbei. „Hey!“, beschwerte sich Semir augenblicklich. „Ist der bekloppt oder was?“ „Der Sache werden wir nachgehen…“, meinte Ben und schaltete das Blaulicht an. Aber Moment… „Semir! Wieso funktioniert das Blaulicht nicht?“, fragte Ben. „Woher soll ich denn das wissen? Und jetzt gib einfach Gas sonst entwischt der uns noch!“, antwortete er und schaute Ben an. Der schaute verdattert zurück. „Na worauf wartest du denn noch? Dass ein Elefant auf die Autobahn läuft oder was? Gib Gas! Mit oder ohne Blaulicht ist doch wohl egal!“, meinte Semir und da endlich zuckte Ben mit dem Fuß und stieg auf das Gaspedal. Der rote Golf war mittlerweile ziemlich weit vorneund fuhr im Zickzackkurs um die anderen Autos herum. „Mist! Der ist doch bekloppt“, murmelte Ben und gab noch ein bisschen mehr Gas. „Das wird teuer…“, sagte er und wie auf Kommando funktionierte das Blaulicht plötzlich. „Versteh mal einer diese neumoderne Technik“, sagte Semir. Ben grinste in sich hinein. Semir und Technik waren einfach zwei unterschiedliche Welten! Nun hatten sie es geschafft den Golf einzuholen und setzten sich vor ihn. Semir schaltete die LED-Anzeige für hinten ein und es erschien der Text „Polizei! Bitte folgen!“ Tatsächlich wurde der Golffahrer langsamer und hielt nun auf dem Seitenstreifen hinter den beiden Polizisten an. Semir und Ben stiegen aus, gingen zu dem Fahrer und dieser ließ das Fenster herunter. „Gerkhan und Jäger, Kripo Autobahn. Warum sind wir denn so schnell gefahren?“, stellte Semir sich und seinen Partner vor und auch gleich die wichtige Frage. „Ich muss doch schnell zu meinem Termin, der ist sehr wichtig!“, antwortete der Fahrer. „Ahja… Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!“, kommandierte nun Ben und der Mann holte alles aus dem Handschuhfach. „Ralf Schmitt, 20 Jahre alt… was für ein Termin ist denn das?“, fragte Ben den Mann, von dem er den Namen und das Alter auf dem Führerschein ablesen konnte. „Ich muss zu meiner Arbeit! Die Frau von meinem Chef hat heute Geburtstag und ich hab die Party doch anstelle von ihm organisiert! Da muss ich unbedingt hin, sonst reißt mir der Chef den Kopf ab, weil er doch nicht weiß, wie so was funktioniert, also wo der Kuchen hin muss und so weiter“, antwortete Schmitt und sah die beiden Männer vor ihm an. „Okay… Sie bekommen eine Anzeige wegen zu schnellen Fahrens, eine Geldstrafe und außerdem drei Punkte. Sie können froh sein, dass niemanden etwas passiert ist!“, meinte Semir, sah den jungen Mann eindringlich an und gab ihm die Papiere zurück, außerdem auch das Protokoll über sein Vergehen. „Okay, okay…darf ich jetzt bitte weiterfahren?“, bettelte Schmitt. „Ja, aber bitte ordnungsgemäß… wir sind dicht hinter ihnen!“, mahnte Ben und sofort ließ Schmitt den Wagen wieder an. Kaum traten die beiden Beamten zurück, fuhr er auch schon los. „Glaubst du ihm das?“, fragte Ben Semir, kaum dass der Golf weg war. „Nein, aber es ist mir auch egal. Solange er jetzt ordentlich fährt, ist doch alles gut.“ Schulterzuckend ging er wieder zum Wagen und Ben folgte ihm. So fuhren sie also weiter dem Golf immer hinterher, bis er von der Autobahn runterfuhr. Ben setzte einmal kurz die Lichthupe und dann fuhren sie ohne neue Komplikationen weiter.

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  • Die letzte Strecke zur PAST verging wie im Flug und als beide endlich um 20 Uhr ankamen, waren die beiden Kriminalhauptkommissare doch sehr erleichtert. Alle Freunde und Kollegen erwarteten sie schon. Natürlich warteten auch Andrea mit Lilly auf dem Arm und Ayda an der Hand. Semirs große Tochter rannte, sobald er aus dem Auto gestiegen war, auf ihn zu und umarmte ihn stürmisch. „Na meine Große? Wie geht es dir?“, fragte er Ayda und nahm sie auf den Arm. „Supi, Papi, jetzt wo du wieder da bist!“, antwortete sie und wurde auch gleich mit zu Andrea getragen. „Hallo, mein Schatz!“, sagte Semir zu seiner Frau und gab ihr einen zärtlichen Kuss, die ihm noch ins Ohr flüsterte, bevor er sich Lilly widmete: „Ich liebe dich…“ und Semir flüsterte das gleiche zurück.
    Während Semir nun seine Familie begrüßte, machte Ben dies erst mal bei seinen Kollegen. Nur kurz winkte er Andrea zu, da sie voll und ganz ihrem Mann zugewandt war. Dann begrüßte er Jenny Dorn und Dieter Bonrath. Überrascht stellte er fest, dass sogar Hartmut Freund gekommen war. „Hartmut! Was machst du denn hier?“, fragte er den Rotschopf sogleich und gab ihm die Hand. „Na ja… ohne euch ist es in der KTU ja ziemlich langweilig. Da habe ich halt nichts mehr zu untersuchen!“, grinste dieser und nahm Bens Hand gerne an. Danach begrüßte Jäger noch Susanne König und ging ganz zum Schluss noch zu Kim Krüger. „Tag, Chefin! Na? Alles im grünen Bereich?“, begrüßte Ben diese. „Bei mir schon. Geht es Ihnen denn auch gut? Und vor allem dem Wagen?“ Mit diesen Worten besah sie sich skeptisch erst Ben und dann Semir, der sich nun ebenfalls an die Begrüßung der Kollegen machte, um schließlich noch den silbernen Mercedes zu inspizieren. „Bei uns ist alles gut, da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Nur kann ich eventuell…“, begann Ben, wurde jedoch von Kim sofort unterbrochen. „Nein, Sie bekommen keinen neuen Wagen. Ich meine… der da fährt doch!“ „Noch“, setzte Ben leise an, sodass nur er es hören konnte. Semir war inzwischen auch bei Kim angekommen. „Guten Tag, Frau Krüger! Wie haben Sie es eigentlich ohne uns ausgehalten?“, fragte er direkt. „Das war gaaaanz einfach…“, lachte Kim und gemeinsam gingen alle in die PAST.


    Montag, 20:30 Uhr
    Überraschung!

    „Mein Schreibtisch!“, rief Ben und schmiss sich quasi auf seinen Bürostuhl und seinen Tisch. „Man hab ich dich vermisst!“ Semir schmunzelte. „Ich hab ja unser Büro auch vermisst, aber ich werde mich sicher nicht so auf meine Sachen stürzen so wie du…“ Ben setzte sich langsam wieder auf, da er wirklich halb auf seinem Schreibtisch lag. Da mussten einfach alle anfangen zu lachen und Ben konnte, nachdem er in die lachenden Gesichter seiner Freunde geschaut hatte, sich das Lachen auch nicht mehr verkneifen. Als alle ihre Lachtränen aus den Augenwinkeln gewischt hatten, zog die Krüger Jäger und Gerkhan kurz zur Seite. „Meine Herren… während Sie auf dem Seminar waren, haben sich hier ein paar Dinge geändert.“ Semir zog eine Augenbraue hoch und schaute Ben an, der ebenfalls verwundert war. Was würde jetzt kommen?

  • „Und was hat sich bitte verändert? Also ich finde, hier sieht’s so aus wie vorher…“ - „Eigentlich stimme ich Ihnen zu, aber der Polizeipräsident ist da wohl anderer Meinung.“ „Der Polizeipräsident?“, fragte Semir. „Ja, genau der!“, bestätigte Kim. „Der Herr hat hier vorgestern angekündigt, dass vier Polizeireviere, unseres eingeschlossen, renoviert werden sollen. Morgen müssen wir hier also für zwei Wochen ‚ausziehen‘, wenn Sie es so nennen wollen. Vielleicht haben Sie auch schon gesehen, dass alle Schreibtische so gut wie leer sind. Und da dachte ich mir, weil wir hier sowieso nicht arbeiten können, dass Sie und ein paar andere Kollegen diese zwei Wochen frei bekommen. Na, wie finden Sie das?“, erklärte Kim und sah kurz darauf in zwei strahlende Gesichter. „Wie geil ist das denn?“, fragte Semir Ben übermütig und schlug in dessen hingehaltene Hand ein. „Wer bekommt denn noch frei und wo arbeiten dann die anderen?“, wollte Ben wissbegierig wissen. „Bonrath, Dorn und König bekommen noch frei. Alle anderen werden im Innenstadtrevier weiterarbeiten.“ - „Wissen die drei denn schon von ihrem Glück?“ - „Nein, ich wollte damit noch warten, bis Sie wieder da sind. Aber jetzt werden sie es auch erfahren…“ Somit ging die Chefin zu den anderen zurück und zog nun auch die besagten Glücklichen zur Seite. Die beiden Hauptkommissare beobachteten kurz darauf wie Frau Krüger den drei Auserwählten alles erzählte, schließlich mit einer kurzen Handbewegung in Bens und Semirs Richtung zeigte und zum Schluss in drei weitere strahlende Gesichter schaute. Semir sah Ben an. „Na, dann lass uns die freudige Kunde doch mal Andrea überbringen…“ „Sagte der Ritter und schritt zu seiner Gemahlin“, hängte Ben grinsend an und wurde leicht von seinem Kollegen in die Seite geknufft. „Hey!“, beschwerte er sich sofort. „Na komm…“, grinste Semir zurück und ging gemeinsam mit Ben zu seiner Frau und seinen Kindern. „Andrea, mein Schatz…“, fing er an, „wir bekommen zwei Wochen Urlaub! Ist das nicht toll?“ „Aber das weiß ich doch schon längst, Semir! Schließlich hat mir Kim das schon gestern berichtet!“, antwortete Andrea und küsste ihren verwunderten Mann sofort darauf. „Na wenn das so ist…“, meinte Ben und hielt Andrea seine Wange hin. „Och Ben!“, meinte sie darauf stark grinsend und drückte ihm schließlich auch einen Kuss auf, natürlich nur auf die Wange. „Aber eine Frage hab ich noch, Semir…“, meinte Andrea und sah ihn an. „Die da wäre?“, fragte er zurück. „Warum habt ihr solange gebraucht? Ich meine, ihr habt doch so um 16 Uhr angerufen, dass ihr um ungefähr 19 Uhr da seid. Mittlerweile ist es nach halb neun! Wieso habt ihr
    solange gebraucht?“ Prüfend sah Andrea die beiden Männer vor sich an. ‚Was für ein Kopf Kino sie jetzt wohl schon wieder hat…‘, dachte Ben und sagte laut: „Wir standen ziemlich lange im Stau. Außerdem…“ Er sah seinen Partner an, der kaum merklich den Kopf schüttelte. „Außerdem was?“, fragte Andrea und sah Ben erwartend an. „Nichts“, sagte dieser und dachte kurz an den Golfraser zurück. „Und das soll ich euch jetzt glauben?“, gab Andrea zweifelnd von sich, aber bevor sie weiterreden konnte und Ben zu sehr in die Enge zwängte, mischte Semir sich ein und wechselte schnell das Thema. „Genau, Andrea, du hast es erfasst… Und was wollen wir in diesen zwei Wochen unternehmen?“, fragte er seine Lebensgefährtin, die inzwischen Ayda mit Lilly zum Spielen zu Dieter und Jenny geschickt hatte. „Wieso ‚wir‘?“, fragte diese wiederum zurück.

  • Montag, 20:50 Uhr
    Ein Schock mit Ideen
    Geschockt sah Semir Andrea an. „Hast du einen anderen?“, platzte er sofort heraus. Andrea schaute ihn ebenfalls geschockt an. „Oh mein Gott, nein! Wie kommst du denn darauf?“ „Naja, ich dachte als du sagtest ‚Wieso wir?‘, dass du… na…“, druckste Semir herum. „Semir… ich dachte mir doch nur, dass du auch mal was mit deinen Freunden unternehmen kannst oder auch möchtest.“ Damit zeigte sie mit der Hand auf Ben. „Ach so…“ Erleichtert atmete Semir aus. „Das ist eine super Idee. Was hältst du denn davon, Ben?“ Ben, der die ganze Zeit über geschwiegen hatte, ließ ebenfalls die angehaltene Luft heraus und schaute nun von Semir zu Andrea und wieder zurück. Kurz überlegte er: Was sollte er nun antworten? Hatte er irgendwas Dringendes zu tun z.B. Verwandtenbesuche? Nein, eigentlich nicht. Standen irgendwelche Feiern oder Geburtstage an? Nein. „Super Idee!“, äußerte er sich schließlich mit brustvoller Überzeugung. Doch dann stockte er. „Was wollen wir denn überhaupt machen?“, wandte er sich fragend an Semir. Bevor dieser jedoch antworten konnte, sprang Andrea für ihn ein. „Ihr könntet doch gemeinsam irgendwohin fahren… zur Abwechslung von eurem Job nicht immer nur zusammen im Auto sitzen, sondern auch durch Städte laufen oder was auch immer. Wo wollt ihr beide denn gerne mal hin?“, fragte sie schließlich. Die beiden sahen sich an. „Wo willst du denn mal gerne hin, Ben?“, fragte der ältere der beiden. „Also ich war schon in Russland, Dänemark, Tschechien, Schweden, Norwegen, auch in…“, fing Ben an, doch er wurde augenblicklich unterbrochen. Lachend sagte Semir: „Du solltest sagen, wo du hinwillst, nicht wo du schon überall warst!“ Auch Andrea lachte, Ben grinste. „Wie wär’s denn mit…“ Er überlegte kurz. „…Österreich?“ Semir nickte zustimmen. Er war bisher sowieso nur ein paar Mal außerhalb Deutschlands gewesen und zwar in der Türkei und hätte sich über jeden Vorschlag von Ben gefreut. Damit war es also beschlossene Sache: Gerkhan und Jäger würden für zwei Wochen nach Österreich fahren.


    Dienstag, 18:15 Uhr
    Sachen packen
    Nachdem die beiden Hauptkommissare dann am nächsten Tag kurz vor Dienstschluss ihre ganzen Sachen von ihren Tischen zusammengepackt und in Semirs Wagen gebracht hatten, verabschiedeten sie sich noch kurz von ihren Kollegen, wünschten Dieter, Jenny und Susanne einen schönen Urlaub und fuhren dann anschließend zu Ben, damit er schon mal seine Sachen packen konnte. „Was braucht du denn alles?“, fragte Semir ihn, nachdem er kopfschüttelnd Bens Wohnung betreten hatte. „Wie es hier nur wieder aussieht…“, murmelte der kleine Deutsch-Türke und dachte an die arme Putzfrau, die hier immer aufräumen musste. Er folgte seinem Freund ins Schlafzimmer. Dort zog Ben seinen Reisekoffer unter dem Bett hervor, um seine Sachen darin zu verstauen. „Du kannst ja schon mal meine Gitarre holen, Semir!“, meinte Ben und stopfte alles Mögliche an Kleidung in den Koffer. „Wird erledigt, Sir!“, salutierte Semir und ging mit kerzengradem Rücken ins Wohnzimmer zurück. Ben warf ihm nur einen kurzen grinsenden Blick hinterher, bevor er sich wieder seinem Koffer widmete. „Wo liegt denn das gute Stück? Ach, da ist sie ja…“, redete Semir mit sich selbst, als er die Gitarre in der einen Ecke des Zimmers sah.

  • Nach ungefähr einer viertel Stunde war alles eingepackt. Jacken, Hosen, T-Shirts, ein Pulli, Schuhe, Unterwäsche, Socken, ein Schlafanzug und natürlich auch die Gitarre, wobei diese neben dem Koffer lag. Alles hatte irgendwie hinein gepasst und darüber war Ben auch ziemlich froh, denn er hätte sich nicht entscheiden können, welche Teile er hier hätte lassen müssen.„So… ich hoffe, ich habe alles dabei!“, stöhnte Ben und ging nochmal alles eingepackte innerlich durch. „Ich glaube, mehr passt da sowieso nicht rein!“, lachte Semir und besah sich den prallgefüllten Koffer, den die beiden gemeinsam fast nicht zugekriegt hätten. Semirs Partner lächelte zufrieden. „Ok, ich bin fertig! Und was ist mit dir?“ - „Andrea packt für mich.“ - „Das ist doch jetzt wohl nur ein Scherz oder?“ - „Nein, mein voller Ernst!“, grinste Semir. ‚Es ist einfach toll so eine nette, liebenswürdige und hilfsbereite Frau zu haben‘, dachte Ben bei sich. Vielleicht sollte er auch heiraten, doch dazu bräuchte er erstmal die richtige Frau… Doch aus seinen Tagträumen wurde er jäh unterbrochen, als sein Handy klingelte. Er sah auf das Display: Kim Krüger. „Ja hallo, Chefin! Was gibt’s?“, fragte er in den Hörer. „Ja ich weiß… Nein, ich brauche sie nicht. Der Urlaub… Ja, ich bin mir sicher… Ja… Schließen Sie sie einfach weg… Ja okay… Danke… Ciao!“ Semir sah Ben fragend an und dieser erklärte ihm: „Das war die Krüger. Sie hat gesagt, dass ich meine Waffe vergessen hätte. Ich habe gemeint, dass ich Urlaub habe und sie deswegen auch nicht brauche. Sie wird das gute Stück also wegschließen.“ Gerkhan begann herumzudrucksen. „Also… naja… ich… ähm… Ich habe meine Waffe dabei…“, brachte er schließlich heraus und kassierte einen geschockten Blick von seinem Partner. „Semir! Wir fahren in den Urlaub und nicht auf irgendein Seminar!“ - „Ich weiß, aber ich bin nun mal Polizist. Urlaub hin oder her.“ - „Dann tu, was du nicht lassen kannst… du wirst sie ja doch sowieso nicht benutzen“, grinste Ben. Semir verabschiedete sich noch, bevor er dann nach Hause fuhr. Er musste ja schließlich gucken, was Andrea ihm da einpackte. „Bitte nicht das rosafarbene Hemd…“, flehte er inständig und gab noch ein bisschen mehr Gas. Die beiden Hauptkommissare würden morgen in aller Frühe losfahren, um abends in Österreich zu sein. Die Mütze Schlaf würden sich beide also nicht entgehen lassen. Bis zu diesen Zeitpunkt wussten beide allerdings noch nicht, was sie erwarten würde, geschweige denn, dass die Waffe doch noch Gebrauch finden würde…


    Mittwoch, 4:00 Uhr
    Auf Wiedersehen!
    Ein nervtötendes Piepen machte den Deutsch-Türken um Punkt 4 Uhr wach. „Komm, Semir… Aufstehen, mein Schatz!“ Sanft rüttelte Andrea an ihm herum. „Nur noch einen kleinen Moment…“, murmelte Semir verschlafen und vergrub seinen Kopf unter dem Kissen. Jetzt wusste er wieder, wieso er Auslandsreisen nicht mochte. „Nichts da! Alles muss noch ins Auto, du musst Ben abholen und du willst dich sicher noch von den Kindern verabschieden!“, mahnte Andrea ihn und schlagartig war er dann doch wach. „Dann mach mal die Süßen wach, während ich mich schon mal anziehe.“ Und bevor seine Frau etwas erwidern konnte, war Semir schon aufgestanden und mitsamt Klamotten im Bad verschwunden. „Okay, wird gemacht…“ So stand Andrea grinsend auf. Was Kinder doch alles bewirken können…

  • Während sich Semir abfahrbereit machte, schlief Ben Jäger noch tief und fest. Er hatte mit seinem Partner abgemacht, dass er erst um 5:30
    Uhr da sein sollte. Er, Ben, konnte also noch schlafen. Als dann der Wecker doch um 5 Uhr klingelte, grummelte Ben vor sich hin. Er war ja eher der Langschläfer und liebte es morgens gemütlich aufzustehen, weswegen er auch öfters mal zu spät zu seiner Arbeit kam. Als Ben jedoch das nächste Mal auf den Wecker sah, erschrak er sich so sehr, dass er erstmal kräftig husten musste. „Shit, schon vierundzwanzig!“ Also sprang er schnell aus dem Bett und hetzte ins Badezimmer, um sich anzuziehen und notdürftig die Frisur herzurichten. Gerade als er seine Hose anziehen wollte, klingelte es an der Tür. Es war punkt halb fünf. Mit der Zahnbürste im Mund lief er zur Tür und öffnete sie, nachdem er in die Türüberwachungskamera geguckt hatte. Semir betrat sofort seine Wohnung und als er seinen Freund mit Zahnbürste im Mund und halb angezogener Hose sah, musste er grinsen. „Na?“, fragte Semir. „Wie lange bist du schon wach?“ „Ungeschähr scheit fünf Minuten…“, antwortete Ben nuschelnd, bevor er wieder im Badezimmer verschwand. „Wo liegt denn dein Koffer? Ich kann den mit der Gitarre ja schon mal zum Auto bringen!“ Als Antwort bekam er von Ben ein genuscheltes „Im Wohnschimma!“ „Okay, ich geh dann schon mal runter, Ben!“, rief der ältere Hauptkommissar und verschwand mit Bens Klamotten aus der Wohnung.

    Während Ben sich also etwas verspätet abfahrbereit machte, packte Semir also schon mal den Koffer zu seinem eigenen, der deutlich kleiner und leichter war, in den Kofferraum. Er ächzte dabei, da der Koffer doch einiges wog. Die Gitarre legte er auf den Rücksitz, genauso wie seine
    Waffe. Man konnte ja nie wissen… er ging zurück zum Kofferraum, um ihn zu schließen. Dann dachte er zurück an die Verabschiedung seiner Familie…


    Nachdem er fertig aus dem Bad kam, hatte Andrea Ayda schon geweckt. Lilly aber schlief noch, sie war noch zu klein und brauchte ihren Schlaf. Also ging der Papa zu Lillys Bettchen und gab ihr ein leichtes Küsschen auf die Wange, damit sie nicht wach wurde. Lilly räkelte sich etwas, bevor sie wieder ruhig weiterschlief. „Bis in zwei Wochen, meine Kleine…“, murmelte Semir noch, dann verließ er leise das Zimmer, um zu seinem Auto zu gehen, den Koffer einzupacken und um sich vom Rest der Gerkhans zu verabschieden. Unten angekommen, sprang Ayda ihm schon entgegen. Automatisch kniete er sich zu ihr herunter. „Papa, wann kommst du wieder?“ - „In zwei Wochen, meine Maus“, antwortete Papa zurück und drückte seiner Tochter einen Kuss auf die Stirn. „So lange? Kannst du nicht früher mit Onkel Ben nach Hause kommen?“, bettelte Ayda und hatte Tränen in den Augen. „Wir werden sehen“, lächelte Semir und drückte ihr noch einen Kuss auf. „Und pass mir ja schön auf Lilly auf, ja?“, fragte er seine Tochter zuletzt. Ayda nickte zustimmend. Dann stand er auf und wandte sich an Andrea, die ihn die ganze Zeit angeguckt hatte. „Mein Schatz... Ich liebe dich und ich hoffe, dass du das weißt… die nächsten beiden Wochen werden wohl sehr anstrengend für dich, aber ich weiß, dass du das schon schaukeln wirst. Deswegen…“ Weiter kam er jedoch nicht, da seine Frau ihn unterbrach: „Jetzt halt den Sabbel und küss mich!“ Das ließ sich ihr Mann nicht zweimal sagen und drückte Andrea einen langen, gefühlvollen Kuss auf die Lippen. Ein „Bäh!“ von Ayda unterbrach jäh die Stille und da mussten die beiden Erwachsenen lachen. Nur kurz darauf packte Semir seinen Koffer ins Auto, stieg dann in seinen BMW und als er schließlich losfuhr, winkten ihm Ayda und Andrea Gerkhan noch lange hinterher, bis er hinter einer Kurve verschwand und man die Rücklichter nicht mehr sehen konnte…

    „Na Partner? Alles paletti?“ Während Semir seinen Gedanken nachgeschweift war, hatte er gar nicht gemerkt, wie Ben nach unten zum Auto gekommen war. „Wie lange willst du denn noch mit einer Hand an der Kofferraumtür hängen? Hallo? Erde an Semir, bitte melden!“, rief Ben und da endlich reagierte sein Freund. „Was?“, fragte er verdutzt und sah seinen Kumpel verwirrt an. „Können wir jetzt losfahren oder wartest du auf den Weltuntergang?“, grinste Ben und Semir schaute zurück. „Nee, sicher nicht. Ich habe jetzt ja Urlaub, da will ich sicher nicht, dass die Welt untergeht. Also los geht’s!“ Mit diesen Worten machte er den Kofferraum zu und ging zur Fahrertür. „Das ist die richtige Einstellung… also auf nach Österreich!“, jubelte Ben und gemeinsam stiegen sie ein.

  • Mittwoch, 9:15 Uhr
    Hunger mit Folgen
    So viel Elan wie die beiden um viertel vor fünf noch hatten, so viel Langeweile war jetzt an diese Stelle gerückt. Mittlerweile hatten sie schon mindestens 5 CDs durch - natürlich nur die besten der insgesamt 25 - und sie suchten auch schon ständig nach einem guten Radiosender. Zwischendurch griff Ben nach seiner Gitarre und spielte ein paar Lieder aus dem Radio nach oder auch welche, die er mit seiner Band selbst komponiert hatte. Das lockerte die Stimmung und die Langeweile war verflogen. Ab und zu machte Ben auch mal die Augen zu, um sich etwas auszuruhen und versuchen zu schlafen. Doch als dann um halb elf sein Magen knurrte, wurde er wach und Semir musste schmunzeln. „Hast du Hunger?“, fragte er. „Naja, ich nicht… aber mein Magen!“, meinte Ben. „Das ist eine echt schlechte Ausrede!“ Die beiden Freunde grinsten
    sich an und bei der nächsten Raststätte - sie waren mittlerweile in der Mitte von Hessen - fuhr Semir schließlich an die nächste freie Zapfsäule. „Ich tanke kurz und hole uns dann Brötchen, okay?“, fragte er und sah Ben dabei an. „Alles klar!“, sagte dieser und während Semir tankte, klimperte Ben weiter auf seiner Gitarre herum. „Sie können aber schön spielen…“, meinte plötzlich eine Frau aus dem Auto, welches gegenüber von ihnen tankte. „Danke!“, sagte Ben und besah sich die Frau genauer. Braune, lange Haare, braune Augen, schön geschwungene Lippen und eine kleine Stupsnase. „Ich bin Ben und wie heißen Sie?“, flirtete er sofort mit ihr. „Jennifer“, sagte Jennifer und lächelte ihn an. Plötzlich räusperte sich Semir. „Schatz, ich wollte dann gerne auf den Parkplatz fahren, wenn es dir nichts ausmacht…“, sagte er und ging auf die Beifahrerseite. Er legte eine Hand auf Bens Schulter und sah die Frau an. „Tut mir Leid, aber er ist schon vergeben“, sagte Semir und musste sich ein Lachen verkneifen. Währenddessen strich er leicht mit seiner Hand durch Bens Haare. „Oh“, machte die Frau nur, bevor sie sich verabschiedete und davon fuhr. Ben sah Semir an. „Was sollte das denn?“, fragte er leicht wütend, doch sein Freund konnte nicht antworten, denn er kugelte sich vor Lachen. „Tut… mir echt… Leid“, brachte er schließlich japsend hervor. „Jetzt denkt sie, ich wäre schwul!“, beschwerte sich Ben. „Das war ja auch meine Absicht“, meinte Semir, der sich nun einigermaßen wieder eingekriegt hatte. „Das zahl ich dir heim!“, sagte Ben, doch bevor er Semir packen, sprang dieser zur Seite und lief zur Fahrerseite. „Mach das später!“, lachte er, stieg ein und parkte schließlich den BMW auf dem angrenzenden Parkplatz. „Du bist doch blöd…“, grinste Ben. „Und jetzt hol uns endlich Brötchen und zwei Bier“ „Abgemacht. Bis gleich…“, verabschiedete Semir sich. „Hoffentlich bringt er die richtigen Biere mit…“, murmelte Ben und musste daran denken, wie Semir einmal Sekt mitgebracht hatte. Der musste natürlich sofort umgetauscht werden. So was kann man(n) ja nicht trinken! Oder als…


    Während Ben in alten Zeiten schweifte, war Semir schließlich bei der Raststätte angekommen. Er kaufte fünf Brötchen und zwei alkoholfreie Bier - natürlich Bens Lieblingsbier - und gerade als er die Raststätte wieder verlassen wollte, sprang ihm ein Mann entgegen. Er hatte braune, schulterlange Haare, grüne Augen und ein spitz zulaufendes Kinn. Er war etwas größer als Semir und trug einen langen Mantel, ziemlich ungewöhnlich für diese Jahreszeit. „Her mit dem Bier und den Brötchen! Und auch die Brieftasche!“, forderte der Unbekannte. Semir benahm sich ganz natürlich, wie man es von einem Polizisten erwartete. „Ganz ruhig! Sie setzen sich wieder und wir vergessen…“ Doch der Hauptkommissar hielt sofort inne, als er sah, wie der mysteriöse Mann eine Waffe aus dem Mantel zog. Langsam hob Semir seine Hände über den Kopf. Warum hatte er seine Waffe nur auf den Rücksitz gelegt? Jetzt hatte er das Ding schon mit und konnte es nun nicht benutzen… Und warum rief hier niemand die Polizei? Schließlich standen da zwei Verkäuferinnen, aber ansonsten war er allein. „Okay… ganz ruhig…“ Langsam legte Semir die Brötchen und die Biere auf den Tisch, der ihm am nächsten war, und führte langsam seine rechte Hand zur Hosentasche. Er erklärte dem Dieb, was er nun vorhatte, damit dieser nicht auf dumme Gedanken kam. „Ich werde jetzt meine Brieftasche herausholen uns sie auf den Tisch dort legen. Also können Sie ganz ruhig bleiben.“ Er sah, wie sein Gegenüber mit der Waffenhand zitterte. Aus dem Augenwinkel bekam er mit, wie sich eine der Verkäuferinnen langsam bewegte. „STEHEN BLEIBEN!!!“, schrie der Mann und zielte mit der Waffe auf die Frau. Der Finger am Abzug zuckte. Ein Schuss löste sich.

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  • Der Gangster sah Semir mit großen Augen an, bevor er nach vorne über kippte. Er hatte ein Einschussloch im rechten Oberarm. Semir fing ihn auf und ihm gegenüber stand plötzlich Ben… mit seiner Waffe! Semir nahm schnell die Waffe des Gegners an sich, bevor dieser wieder wach wurde und doch noch abdrückte. „Semir… was machst du nur für Sachen“, murmelte Ben kopfschüttelnd. „Danke, Partner…“, meinte dieser nur und kurz darauf hörte er Polizeisirenen und auch die von einem Krankenwagen. Auf seinen fragenden Blick, antwortete Ben: „Ich erzähle dir gleich alles im Auto.“ Die Beamten und Sanitäter kamen, Semir und Ben stellten sich kurz vor, dass sie Kriminalhauptkommissare aus NRW waren und wie sie hießen und dass der Mann versucht hatte abzudrücken. Semir zog zur Sicherheit seinen Ausweis als Kriminalhauptkommissar aus dem Portemonnaie, den er immer dabei hatte - im Gegensatz zu Ben - und zeigte diesem den Kollegen aus Hessen, damit diese glauben konnten, dass sie wirklich Beamte waren und sich hier nicht irgendwas zusammenreimten. Der Verletzte wurde von den Sanitätern weggetragen und die Beamten verabschiedeten sich. Die Verkäuferin bedankte sich kurz bei Ben, bevor sie von weiteren Sanitätern untersucht wurde. Ben gab Semir seine Waffe, die er dankend mitsamt dem Holster an seine Hosenseite steckte. Dann gingen die beiden mit den Brötchen und den zwei Bier zurück zum Auto und setzten sich hinein. „Na dann erzähl doch mal, Ben…“


    Mittwoch, 10:30 Uhr
    Erklärungen
    Sie öffneten die Brötchentüte und das alkoholfreie Bier, was mittlerweile warm geworden war, und begannen zu essen. Kurz darauf begann Ben zu erzählen: „Also erst habe ich mir nichts gedacht, doch als du nach einer viertel Stunde noch nicht zurück warst, bin ich losgegangen, um zu gucken, warum du so lange brauchst. Als ich gerade reingehen wollte, sah ich wie dieser Mann dich mit einer Waffe bedrohte. Ich bin zurück zum Auto gerannt und habe mir deine Waffe vom Rücksitz geschnappt. Ich wusste ja, dass du sie mitgenommen und da hingelegt hast. Dann bin ich zurückgelaufen und gerade als der Typ mit der Waffe auf die Frau zielte und abdrücken wollte, tat ich ihm das zuvor. Naja… den Rest kennst du ja…“ Ben sah Semir an, bevor er nun auch in sein Brötchen biss und an seinem alkoholfreiem Bier nippte. Dann mussten beide losprusten. „Was machen wir nur bloß immer falsch, dass uns die Gangster sogar im Urlaub verfolgen?“, fragte Ben und grinste Semir an. „Ich habe keine Ahnung“, meinte Semir lachend und startet den Motor des BMWs. Sie fuhren wieder auf die Autobahn und ließen sich den Rest des Bieres und der Brötchen schmecken, während im Radio gerade das Lied „Wake me up“ von Avicii anfing. Semir drehte das Radio voll auf. „Das ist eins meiner Lieblingslieder!“, schrie er gegen die Musik an und sang lautstark den Refrain mit. Auch Ben grölte ordentlich mit und es störte sie nicht, dass die anderen Autofahrer schon vorwurfsvolle Blicke in Richtung silbernen Mercedes warfen. Als das Lied dann zu Ende war, machte Ben das Radio wieder leiser und beide grinsten sich an. „Danke, dass du mein Partner bist… Schlag ein!“, sagte Semir und natürlich tat Ben gesagtes. Und beide dachten gleichzeitig: Was war es doch schön, so einen Freund zu haben…

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  • Mittwoch, 11:15 Uhr
    Schreck auf der Autobahn
    Nachdem sich die beiden also über alles ausgetauscht hatten, fuhren sie weiter ihrem Ziel entgegen. Sie waren nun ungefähr am Ende von Bayern. Gerade fuhren sie an der Ausfahrt für Garmisch-Partenkirchen vorbei. Die beiden hatten sich mittlerweile mit dem Auto fahren abgewechselt, sodass nun auch Semir sich ausruhen konnte, obwohl er Ben nur ungern die Schlüssel für seinen Wagen gegeben hatte. Schließlich war es ja SEIN Wagen und wer weiß, was alles passieren kann... Doch schließlich hatte Semirs Müdigkeit gesiegt und so hatten sie die Sitze erst mal umgestellt. Ben musste den Sitz nach hinten stellen und tiefer, sonst wäre er ziemlich eingequetscht gewesen und er hätte sich den Kopf gestoßen. Still hatte er sich darüber aufgeregt, wie man den Sitz doch nur so hoch stellen könnte, doch dann hatte er Semir angesehen und musste schmunzeln. Sein Partner war halt nicht der Größte. Und er hatte schon die ganze Zeit vor sich hin geschimpft, dass er das mit Sitz höher stellen nicht hinkriegen würde. „Soll ich dir helfen?“, hatte Ben angeboten, doch Semir hatte vehement den Kopf geschüttelt und es doch noch irgendwie hingekriegt. Es vergingen kostbare 4 ¾ Minuten, wie Ben es zu Semir gesagt hatte, der nur den Kopf geschüttelt hatte, da Ben doch wirklich die Zeit, wie lange er, Semir, für das Umstellen des Sitzes brauchte, mit seinem Smartphone gemessen hatte. Doch auf diese Minuten käme es doch wirklich nicht an, hatte sein kleinerer Partner gemeint, woraufhin sie beide lächelnd eingestiegen sind. Während Semir nun also etwas schlief - und dabei auch noch schnarchte, wie Ben leider bemerkte - fuhr er selbst weiter Richtung Grenze zu Österreich. Ben hatte sich vorgenommen Semir vorher zu wecken, damit er auch mitbekam, wie sie Deutschland verlassen. Semir war ja so gut wie nie außerhalb Deutschlands gewesen, höchstens irgendwo in der Türkei, wie Ben sich erinnerte. Und bei einem Einsatz waren sie beide in der Türkei gewesen. Es hätte so schön werden können, wenn da nicht die Entführung von Semirs Tochter aus einer anderen Beziehung gewesen wäre. Wie hieß sie noch gleich…? Doch weiter kam Ben nicht, denn in diesem Moment passierte etwas Schreckliches, wovon auch Semir wach wurde. Bens Magen knurrte. „Ben…“, murmelte Semir und sah seinen Partner verschlafen an. „Du kannst doch nicht schon wieder Hunger haben…“ „Ich nicht, sondern…“ „Dein Magen… jaja… ich weiß…“, beendete Semir Bens unvollständigen Satz und streckte sich erst mal. „Sind wir schon über der Grenze?“, fragte der ältere Hauptkommissar. „Nein“, antwortete Ben und hängte noch ein „Aber bald“ an. „Können wir nicht runterfahren? Ich habe da eben ein Schild zu einem 5 Sterne Restaurant gesehen“, fragte er und sah Semir an. „Welches 5 Sterne Restaurant steht schon an der Autobahn?“, fragte der wiederum zurück. „Naja… Mecces halt…“, antwortete Ben und grinste Semir kurz an, bevor er wieder vor sich auf die Straße schaute. „Du meinst doch nicht etwa McDonalds, oder?“, fragte Semir und musste grinsen. „So viel zum Thema 5 Sterne Restaurant… aber okay… ich kriege auch langsam Hunger. Schließlich hast du meine Notfallration an Müsliriegeln aufgegessen“, meinte er und machte wieder die Augen zu. Ben erstarrte. „Woher…?“, begann er. Semir aber unterbrach ihn. „Na so laut, wie du bist, sei es nun Tüten aufreißen oder schmatzen, kann dich ja sogar ein Tauber hören!“, meinte er leicht belustigt und drehte sich zur Fensterseite. „Egal, wir fahren in 700m runter“, sagte Ben und sein Freund musste schmunzeln. Wie schnell Ben doch das Thema wechseln konnte…

  • Mittwoch, 12 Uhr
    Hände hoch!
    Nach besagten 700m fuhren sie also ab und auf den Parkplatz der Fastfood Kette. Dieser war ganz gut gefüllt für diese Zeit und so mussten die beiden „Helden“ einen Platz ziemlich weit hinten nehmen. „Man hab ich einen Hunger!“, meinte Ben, kaum dass er eingeparkt war. „Jetzt hab dich mal nicht so… ich habe heute so gut wie gar nichts gegessen!“ Mit diesen Worten stieg Semir aus und streckte sich erst mal gründlich. So eine lange Autofahrt war doch für den Rücken etwas anstrengend. Ben stieg ebenfalls aus. „Na komm, alter Mann! Lass uns Essen gehen“, rief Ben seinem Freund zu, der sofort antwortete: „Ich bin kein alter Mann! Wie oft soll ich das noch sagen? Nur weil du 35 bist und ich 47, heißt das nicht, dass ich alt bin, Jungchen!“ Grinsend lief Semir auf Ben zu, doch der rannte schon lachend davon. „Hol mich doch ein, wenn du das schaffst!“, rief er über seine Schulter. „Na warte du!“, rief Semir und lief noch etwas schneller.


    Ein etwas älterer Herr stieg gerade in sein Auto und schaute den beiden Erwachsenen nach, die sich gegenseitig versuchten zu fangen. „Diese kleinen Kinder…“, murmelte er, bevor er in sein Auto stieg. „Ey!“, beschwerte er sich kurz darauf, als ein schwarzer Jeep im fast beim Ausparken vorne reingefahren wäre. „Passen Sie doch auf!“, rief er durch das Fenster seines Autos in das offene Fenster des anderen Wagens. „Ich werde Sie bei der Polizei…“ Weiter kam er jedoch nicht. Der Jeep Fahrer zog eine Waffe mit Schalldämpfer, zielte auf den Mann und schoss ihm in den Kopf. Dann kurbelte er das Fenster hoch und fuhr weiter. Niemand hatte etwas bemerkt. Ebenfalls bemerkte keiner, wie der Jeep weiter hinten parkte und zwei bewaffnete Männer ausstiegen.


    „Hab ich dich!“, lachte Semir und packte Ben an seiner Kapuze. „Sag noch einmal ‚alter Mann‘ zu mir, dann setzt es was! Dann werde ich dich auskitzeln, bis du keine Luft mehr kriegst!“, sagte er streng zu Ben, der immer noch leise lachte. „Ist ja gut! Ich ergebe mich! Bitte… alles aber nicht kitzeln!“, lachte er und da ließ ihn Semir los. „Geht doch!“, grinste dieser. „Und jetzt lass uns was zu essen bestellen. Ich hab jetzt echt Hunger… zum hier essen oder mitnehmen?“, fragte Ben und schaute schon sehnsüchtig auf die Bestellkarte über der Kasse. „Na zum hier essen, was denkst du denn? Ich will ja nicht, dass mein Auto zugemüllt wird!“, sagte Semir und schaute nun ebenfalls hoch, um sich für einen Burger zu entscheiden. „Du hast vielleicht Sorgen, Semir…“, meinte Ben und grinste Semir an. „Hallo? Der Wagen ist mein zweites Zuhause und er soll sicher nicht so aussehen, wie deiner oder deine Wohnung… Bist du fertig mit entscheiden oder dauert das noch?“, fragte Semir schließlich erwartend. „Nein, ich bin fertig. Ich bestelle schon mal meins.“ Gerade als er dem jungen Mann an der Kasse die Bestellung sagen wollte, kamen zwei Männer in das Fastfood Restaurant gestürmt. „ALLE AUF DEN BODEN!“, schrie einer der beiden und zog, ebenfalls wie sein Partner, eine Waffe hinter dem Rücken hervor. Eine MP5, der andere eine CP99 mit Schalldämpfer.

  • Semir, der sich gerade von Ben weggedreht hatte und mit dem Rücken zum Eingang stand, wirbelte herum. Er sah die beiden Männer mit den Waffen in der Hand an. Beide waren ungefähr 1,80m groß und trugen Masken, sodass man nur die Augen sehen konnte. Der mit dem Schalldämpfer hatte blaue Augen, der andere braune. Diese Augen kamen Semir irgendwie bekannt vor… er wusste nur nicht mehr woher. „AUF DEN BODEN, HAB ICH GESAGT!!!“, schrie der erste wieder. „NA WIRD’S BALD?!“ Alle im Raum legten sich sofort hin, auch Ben und Semir. „Was haben die vor?“, flüsterte Ben seinem Partner zu. Doch bevor Semir antworten konnte, kam der blauäugige auf die beiden zu. „Was wird denn hier getuschelt, hä?“, blaffte er und zog Ben auf die Knie. „Ey, alles ist gut ja?“, sagte Semir und wollte sich ebenfalls aufsetzen, doch er wurde zurück nach unten gestoßen. „Jetzt ist Ruhe hier… ist das klar?“, sagte nun der braunäugige, doch seine Hand, mit der er Semir festhielt, zitterte. War er sich etwa unschlüssig? Das würde einen entscheidenden Vorteil bringen… Semir überlegte, was er nun tun könnte, doch da ließen die beiden sowohl ihn als auch Ben wieder los, sodass sie beide auf den Bauch fielen. „Wo ist denn der Chef des ganzen hier?“, fragte Blue, wie ihn Semir jetzt nannte. „WO IST DER CHEF?“, brüllte der diesmal noch lauter. Einer der Kassierer antwortete. „Hinten… in der Küche…“ Fragend sah Ben Semir an. Doch der schüttelte auch nur den Kopf, um ihm zu zeigen, dass er nicht wusste, was die vorhatten. Da hatte er plötzlich einen Gedankenblitz. „Ben…“, flüsterte er ganz leise und sah zu seinem Partner herüber. Langsam hob Semir seine Jacke und sein Oberteil an und darunter erschien… seine Waffe! Bens Augen leuchteten kurz auf, doch dann erblasste der Schimmer wieder. Leicht schüttelte er den Kopf und formte mit dem Mund die Worte „Noch nicht“. Semir verstand und ließ seine Jacke wieder herunterfallen. Mittlerweile waren die beiden bewaffneten Männer an der Küchentür. „Herr Schubert? Sind sie da drin?“, trällerte Blue. Der andere sah seinen Partner an. „Wie wäre es, wenn du einfach nachschaust und ich hier warte?“, fragte er. „Gute Idee… Was würde ich bloß ohne dich tun, Ralf?“, sagte Blue und klopfte Ralf auf die Schulter. ‚Moment… Ralf?‘, dachte Semir. Den Namen hatte er doch erst neulich gehört, oder? Aber ihm fiel es einfach nicht ein! „Herr Schubert! Kommen Sie raus? Oder soll ich reinkommen? Sie wissen doch ganz genau, warum wir hier sind oder etwa nicht? Sie haben letzte Woche unsere Vereinbarung noch nicht abgeschlossen. Das wissen Sie doch oder? Wie soll es denn nun ihrer Tochter gehen?“, ratterte Blue die tausend Fragen herunter. Ben überlegte: Ging es hier etwa um Erpressung? Was war diese Vereinbarung von letzter Woche? Und was war nun mit der Tochter von diesem Schubert? Und die allerwichtigste: Wer war dieser Schubert überhaupt? Fragen über Fragen häuften sich in seinem Kopf, aber einen kurzen Blick zu Semir zeigte auch nur, dass sein Partner nicht mehr verstand, als er, Ben, selbst. „Herr Schubert, ich komme jetzt rein. Und zwar in 3… 2… 1…“ und bei null stürmte Blue in die Küche. „Jetzt!“, sagte Ben und Semir reagierte sofort. Darauf hatte er nur gewartet. Er sprang auf die Füße, zog seine Waffe. „Waffe weg und Hände über den Kopf!“, rief er und zielte auf den zurückgebliebenen Gangster.


    Ich werde den nächsten Beitrag leider erst in guten eineinhalb Wochen posten, da ich in den Urlaub fahre. Die Stelle hier hört jetzt spannend auf, aber ihr werdet es schon überleben. Das hoffe ich jedenfalls! ;)

  • So... dann schreibe ich auch wieder. Tut mir Leid, dass das jetzt ein bisschen länger gedauert hat... aber ich erinnert euch wohl noch an den letzten Teil ;)


    Er nahm seine Maske vom Kopf und stopfte sie in seine Hosentasche. „Herr Schubert? Wo sind Sie?“, trällerte Blue durch die Küche. „Muss ich erst drohen und Ihr Küchenpersonal erschießen oder zeigen Sie sich auch so? Was soll denn Ihre Tochter nur denken?“, drohte er und fuchtelte mit der Waffe in seiner Hand herum. „Ich… bin… bin hier…“, stammelte plötzlich eine kleine Stimme aus der Ecke. Schubert stand auf. „Da bist du ja!“, freute sich Blue und trat auf den Mann zu. Herr Schubert hatte kurze, braune Haare und braune Augen. Zusätzlich einen kleinen Ansatz von einem Bierbauch. „Sebastian, Sebastian, Sebastian… warum hast du das Geld diese Woche nicht bezahlt?“, murmelte Blue und hielt dem besagten Mann die Waffe vor die Brust. „Ich… ich…“, stammelte Sebastian, bevor er mutiger weiterredete: „Ich will meine Tochter sehen, Max! Wie lange soll das denn noch gehen?“, doch seine Stimme brach sich. „So jetzt pass mal auf, mein Freund! Mein Boss ist nicht sehr erfreut darüber, dass du das Geld für diese Woche noch nicht einbezahlt hast. Und wenn das nicht bald passiert, dann…“ Weiter kam er nicht, denn zuerst hörte man einen Schuss und dann vereinzelte Schreie. Max verdrehte die Augen. „Ralfi, was hast du jetzt schon wieder ge…“, fing er an und stürmte aus der Küche. Doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Da zielte doch tatsächlich ein Typ mit der Waffe auf seinen Partner und auf ihn selbst! „Waffe weg und Hände hoch!“, rief der kleine Mann. Max bemerkte ein Einschussloch neben Ralf in der Wand. Der Kleine da hatte also einen Warnschuss gegeben und die dummen Leute hier haben angefangen zu schreien. Langsam bückte Max sich Richtung Boden. Er sah aus dem Augenwinkel, dass Ralf seine Waffe schon abgelegt und die Hände erhoben hatte. Er legte seine Waffe hin.


    Mittwoch, 12:45 Uhr
    A
    ufgeben? Nee… Erklärungen!
    Ben hatte sich in der Zwischenzeit aufgesetzt. Er betrachtete den einen mit der Maske. Bei ihm konnte man nur die braunen Augen erkennen. Dann schweifte sein Blick zu dem anderen, der eben aus der Küche zurückkam. Der hatte seine Maske abgenommen und anscheinend hieß er Max, wie Ben es aus dem Gespräch zwischen diesem Schubert und dem da vor ihm hatte hören können. Es ging also tatsächlich um eine Entführung und zwar um die von Herr Schuberts Tochter! Dieser Schubert musste also Geld bezahlen und hatte es nicht gemacht… deswegen waren die beiden wahrscheinlich hier. Langsam verstand Ben den Überfall. Was war es doch gut, so ein gutes Gehör zu haben… Er besah sich also Max: Er hatte blondes Haar und blaue Augen, seine Nase sah ziemlich krumm aus und außerdem konnte man ein leichtes Doppelkinn erkennen, obwohl der Mann ziemlich schlank aussah. „So und jetzt langsam die Hände über den Kopf!“, kommandierte Semir den Gangster. Der erhob sich langsam. Doch im letzten Moment schnellte er nach unten, griff nach seiner Waffe… und zielte auf Semir. Ben erkannte die Situation sofort und schrie: „Achtung Semir!“ Er warf sich zu seinem Partner und packte ihn. Gemeinsam fielen sie zu Boden. Der Schuss hatte sich bereits gelöst. Doch er bohrte sich in die Wand zu Semirs Rücken, sodass er nicht getroffen wurde. Der mit der Maske hob seine Waffe auf. Die beiden Übeltäter rannten los.

  • „Schnell Semir! Die entwischen uns noch! Komm hoch, alter Mann!“, sagte Ben und half seinem Partner auf die Füße. „Du sollst mich nicht alter Mann nennen!“, motzte Semir, doch Ben verdrehte die Augen. „Können wir das später regeln? Du rennst den beiden hinterher und ich führ mal ein Verhör mit diesem Herr Schubert. Okay?“, fragte Ben und Semir nickte. „Bis gleich!“, sagte er nur noch, bevor er aus der Tür rannte. Ben sah sich im Raum um. „Alles okay bei Ihnen?“, fragte er in den Raum und als er zustimmendes Nicken erkannte, begab er sich in die Küche. Das Küchenpersonal sah ebenfalls geschockt aus, doch manche gingen schon wieder ihren Tätigkeiten nach. ‚Noch nicht mal ein Überfall kann die Leute hier erschrecken oder was?‘, dachte Ben, grinste und schüttelte den Kopf. „Herr Schubert? Sind Sie hier?“, fragte der Kriminalhauptkommissar und schaute sich um. „Ja, hier hinten…“, kam es murmelnd von der anderen Seite des Raumes. Ben ging in die Richtung und sah einen Mann, der sich auf dem Boden, an die Wand gelehnt, gesetzt hatte. Ben tat es ihm nach. „Ich bin Ben Jäger, Kripo Autobahn Kreis Köln, NRW“, stellte er sich vor und reichte dem geschockten Mann die Hand. „Kripo? Na toll…“, murmelte der und nahm Bens Hand an. „Sebastian Schubert, aber das haben Sie wohl schon mitgekriegt“, stellte er sich selbst nun vor. Ein betretenes Schweigen setzte ein. Man konnte nur die Küchengeräte hören und ab und zu ein kleines Schluchzen von Schubert selbst. Nach kurzer Zeit sagte Ben: „Ich rufe dann mal die örtliche Polizei“ und zückte sein Handy, doch Schubert nahm es ihm blitzschnell aus der Hand. „Nein!“, sagte er entschlossen, stand auf und marschierte aus der Küche, bevor Ben sich beschweren konnte. Verwundert stand er auf und begab sich ebenfalls aus dem kleinen Raum. „… und niemand ruft hier die Polizei!“, sagte Schubert gerade zu den Kunden in dem Laden und Ben wunderte sich noch mehr, doch anscheinend hatten alle zugestimmt, denn Schubert setzte sich an einen Tisch in der hinteren Ecke des Fastfood Restaurants. Ben setzte sich zu ihm. „Darf ich Sie ein paar Sachen fragen?“, fragte er und nachdem Schubert genickt hatte, fing Ben an. „Berichtigen Sie mich falls ich falsch liege… Sie heißen Sebastian Schubert, Ihnen gehört der Laden hier und Ihre Tochter wurde entführt. Stimmt das?“ Schubert nickte. „Ja… Ich bin 45 und der Halter aller McDonalds Filialen in Bayern, meine Tochter heißt Tanja Schubert, sie ist 16. Und sie wurde entführt…“, murmelte er und Tränen bildeten sich in seinen Augen. "Wie lange ist sie schon entführt?“, fragte Ben weiter. „Seit vier Wochen… Meine Frau, Sanna, ist bei der Geburt verstorben und deswegen ist meine Tochter so gut wie das Einzige, was mir noch bleibt. Und jetzt wurde sie entführt und ich soll jede Woche 10.000€ an ein bestimmtes Konto bezahlen, um sie irgendwann wieder zu sehen. Wann… keine Ahnung… und zur Sicherheit, dass sie noch lebt, kriege ich immer kurze Videos per Mail, wo sie drauf zu sehen ist. Weil wenn sie schon nicht mehr leben…“ Er verstummte. Ben schwieg ebenfalls, bevor er fragte: „Wer ist denn der Absender der Mail und kennen Sie die Verbrecher? Haben Sie irgendwelche Feinde?“ Schubert wartete, bevor er antwortete, was ihm zu den Fragen einfiel. „Der Absender ist unbekannt und Feinde habe ich sicherlich keine… und die Verbrecher… ich weiß nur, dass sie Max und Ralf heißen, weil sie sich immer so gegenseitig angeredet haben. Jede Woche kommen sie und fordern, dass ich das Geld übertrage. Auch wenn ich es schon getan hab! Und diese Woche habe ich es noch nicht gemacht…“, sagte Schubert und sah Ben an. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll… das Ganze geht schon seit vier Wochen so!“ Schweigend betrachtete Schubert den Gegenstand in seiner Hand und gab Ben sein Handy wieder, als er erkannte, um was es sich handelte. Ben überlegte angestrengt. Ralf… Ralf… woher kannte er den Namen? Und da plötzlich fiel es ihm ein: Dieser Ralf war niemand anderes als Ralf Schmitt, der rote Golfraser auf der A2!

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  • Semir rannte aus der Tür ins Freie. Wo waren die beiden schlanken Gangster nur? Er schaute sich um und sah gerade noch, wie die beiden Flüchtigen in einen schwarzen Jeep einstiegen und losbrausten. Er selbst rannte also zu seinem BMW, der natürlich ganz weit hinten auf dem Parkplatz stand, da, wo Ben ihn vorher geparkt hatte. Semir stieg ein, der Motor heulte auf und er brauste mit Tempo 20 über den Parkplatz. Als er endlich an der Ausfahrt ankam, schaltete er das Blaulicht und die Sirene ein und schoss voran. Dank dieser beiden Hilfsmittel konnte er ziemlich schnell auf der Autobahn fahren und… ja! Da vorne waren die beiden! Er trat noch mehr auf das Gaspedal, ebenso wie die beiden Verbrecher. Plötzlich jedoch zog ein Opel Fahrer auf seine Fahrbahn, die mittlere, und Semir musste stark abbremsen. „Hallo? Geht’s noch? Polizei! Los weg!“, regte er sich lauthals auf und hupte dreimal hintereinander. Doch ihm ging es nicht schnell genug, denn bevor der Fahrer wieder auf die rechte Bahn fuhr, brauste Semir auf die ganz linke. Doch genau in dem Moment, als er den Opel Fahrer überholte, sah er gerade noch, wie der schwarze Jeep in hohem Tempo von der Autobahn runterfuhr, geradeso vor einem LKW in die Ausfahrt. Semir bremste wieder ab und wollte nach rechts fahren, doch da kam schon wieder der Fahrer vom Opel. So musste Semir also wieder Gas geben und ehe er sich versah, war er an der Ausfahrt vorbei gerauscht. „Mist, Mist, Mist…“, murmelte er und regte sich still über diesen bekloppten Fahrer auf, der einfach nicht die Polizei respektierte. Gerkhan schaltete das Blaulicht und die Sirene aus und suchte nach der nächsten Ausfahrt, um zurück zu Mecces zu gelangen. Immerhin hatte er sich das Nummernschild gemerkt: GAP-JL-1625, aber der Wagen war wahrscheinlich sowieso geklaut.



    „Nach rechts, nach rechts!“, rief Ralf Schmitt und sah nervös in den Rückspiegel. „Ja doch…“, rief Max zurück und lenkte den Wagen noch knapp vor einem LKW nach rechts auf die Ausfahrt zu. Sie brausten diese hinunter und wieder schaute Ralf nervös zurück. Dann fiel die Abspannung von ihm ab. „Ich glaube, der ist weg… wir haben ihn abgehängt!“, sagte er und seufzte tief. Er hasste diesen Job… „Juhu! Ich wusste, dass wir es schaffen würden, Ralfi!“, jubelte Max, ging vom Gas und legte eine Hand auf Ralfs Schulter. Dieser schüttelte sie jedoch ab. „Du sollst mich nicht Ralfi nennen!“, sagte er wütend. Dieser Typ, mit dem er arbeiten musste, war einfach nur ein großer Trottel. Wie gesagt: Er hasste diesen Job. Warum hatte er sich nicht gestellt? Dann wäre alles vorbei gewesen. Aber woher hätte er dann das Geld nehmen sollen? Und außerdem… Bulle war Bulle, da kann man nichts ändern. „Und nun fahr zum Boss. Wir müssen ihm sagen, dass Schubert unfreiwillige Unterstützung von zwei Bullen bekommen hat!“, hängte Ralf an und Max schaute ihn an. „Na dann lass uns unseren Lohn abholen!“, jubelte er wieder und fuhr in Richtung seines Bosses. ‚Trottel‘, dachte Ralf, ‚Großer Trottel‘.

  • Mittwoch, 15 Uhr
    Aufgeklärt, Idee gehabt
    „Ben?“ Fragend sah Semir sich im Restaurant um. Zu seiner Überraschung lief hier alles wieder wie in Gewohnheit. Alle Kunden aßen gemütlich und die Angestellten taten ihren Job. „Ben?“, fragte er diesmal lauter und erhielt eine Antwort. „Wir sind hier drüben, Semir!“ Ben winkte ihm von einem Tisch ganz hinten in der Ecke zu und Semir ging zu ihm. Ben saß einem Mann gegenüber, der wahrscheinlich dieser Herr Schubert war. Sofort stellte sein Partner ihn vor. „Herr Schubert, das ist mein Partner und Freund Semir Gerkhan, ebenfalls Kripo Autobahn Kreis Köln. Und Semir, das hier ist Sebastian Schubert, Halter aller McDonalds Filialen in Bayern“, sagte er und wies mit der Hand erst auf Semir und dann auf Schubert. Semir zeigte seinen Ausweis, die beiden gaben sich die Hand und Semir setzte sich. Wissbegierig sah Semir erst Schubert an und dann Ben. Ben räusperte sich. „Herr Schubert… soll ich alles erzählen oder wollen Sie das machen?“, fragte er und sah den Mann vor ihm an. Der Gedankenverlorene starrte nur auf den Tisch vor ihm und murmelte ein leises „Machen Sie das bitte“. Also fing Ben an alles zu erzählen, was ihm kurz zuvor berichtet worden war. „Also…“, begann er, „dieser Mann hier ist Sebastian Schubert. Er ist 45 Jahre alt und hat eine Tochter namens Tanja, sie ist 16 und sie wurde entführt vor vier Wochen.“ Semir unterbrach. „Weiß die Mutter denn von der Entführung?“, fragte er hinein und Ben murrte, dass er ihn doch mal ausreden lassen solle. „Die Mutter, Sanna, ist bei der Geburt verstorben. Also weiter… Tanja wurde entführt und nun soll Herr Schubert jede Woche 10.000€ an ein bestimmtes Konto bezahlen, von wem, keine Ahnung! Und so wenig ist doch eher eine Überraschung, die beiden Gangster sind wohl nicht die Hellsten… Also… dann bekommt er von einem unbekannten Absender ein kurzes Video per Mail geschickt, worauf man seine Tochter sehen kann, zum Beweis, dass sie noch lebt. Das geht, wie gesagt, seit vier Wochen so und wann er seine Tochter wiedersieht, ist ungewiss. Feinde hat er keine, meint er jedenfalls, und die beiden Verbrecher heißen Max und Ralf. Der eine Typ so Mitte zwanzig. Und mir ist soeben eingefallen, dass der andere, dieser Ralf…“, erzählte Ben und machte eine Pause. Semir beendete den Satz. „…dass dieser Ralf niemand anderes ist als Ralf Schmitt, der 20-jährige Golffahrer auf der A2, der so dringend zu einem Fest von seinem Chef musste.“ „Genau!“, sagte Ben und Schubert blickte auf. „Sie kennen einen der beiden?“, fragte er und sofort hellte sich sein Gesicht auf. „Naja… kennen würde ich das jetzt nicht nennen, aber begegnet sind wir ihm auf jeden Fall!“, sagte Semir und wandte sich wieder an seinen Partner. „Und wie sollen wir hier ermitteln? Bayern liegt außerhalb unserer Reichweite! Und die Chefin können wir sicher nicht anrufen!“, sagte Semir enttäuscht. Schubert nickte zustimmend. „Also erstens will ich Sie beide nicht in Gefahr bringen und wo Sie Recht haben, da haben Sie Recht, Herr Gerkhan! Denn zweitens ist das hier nicht Ihr Einsatzgebiet und ich will Ihnen nicht unnötig Ärger machen. Die Polizei darf ich eh nicht einschalten… Wenn dann müssten Sie undercover, oder wie auch immer das genannt wird, arbeiten…“, sagte er halb murmelnd und versank wieder in seiner eigenen Welt. „Also Herr Schubert… Natürlich haben Sie Recht, aber wir haben schon mal außerhalb von unserem Einsatzgebiet gearbeitet. Damals hat die Chefin das zwar erlaubt, aber das ist ja fast das gleiche!“, grinste er und Semir lächelte ebenfalls. Der ältere der beiden erklärte weiter. „Sie bringen uns also nicht wirklich in Schwierigkeiten, es muss ja keiner davon erfahren…“ Damit wandte sich Semir zu seinem Partner. „Also kein Wort zu Jenny, Dieter, Susanne, weder zur Chefin noch zu Andrea! Ist das klar?“, fragte er streng zu Ben und musste an die Strafpredigten der Krüger oder von Andrea denken, wenn einer der beiden etwas erfuhr. „Abgemacht!“, sagte Ben und schlug in Semirs Hand ein. Schubert schaute verwirrt. „Unsere Kollegen…“, sagte Semir. „Ach so…“, murmelte der. Bzzzt! Gedankenblitz! In Bens Kopf flammte eine Idee auf. „Und was ist mit Einstein?“, grinste er und Semir grinste zurück.

  • Immer noch Mittwoch, 16:15 Uhr
    Autsch!

    „Boss, wir sind wieder da!“, rief Max und ging durch die Tür in den großen Aufenthaltsraum. Der Leibwächter des Bosses hatte sie beide problemlos durchgelassen. Ralf stellte sich neben seinen Partner und knibbelte an seinen Händen herum. Diese Momente mochte er nicht… Der Boss saß mit dem Rücken zu ihnen in seinem großen Sessel und schaute aus dem Fenster. „Gut gemacht…“, murmelte er und gab seinem Leibwächter ein Zeichen. Dieser warf Max und Ralf jeweils einen kleinen Sack zu, in diesen war das Geld. Ralf schaute erst gar nicht rein, sondern wandte sich schon zum Gehen… im Gegensatz zu Max. Dieser machte den Beutel auf und besah sich das Geldbündel darin. Er zählte es schnell durch. „Boss…“, fing er an und Ralf wusste, dass dies nicht gut ausgehen würde. Erste Regel: Widersprich nie deinem Boss, vor allem nicht, wenn er unberechenbar ist. Zweite Regel: Mach das, was er von dir verlangt ohne Wiederrede, sonst könnte alles Mögliche passieren. Ralf wollte gar nicht wissen, was jetzt passierte. „Das ist weniger Kohle als letztes Mal!“, beschwerte sich Max also und Ralf drückte die Augen zu, bevor er sich langsam umdrehte und sie wieder öffnete. Oh, oh… „Letztes Mal haben wir beide mehr bekommen, 1100€ um genau zu sein. Und jetzt nur noch 900? Warum das denn? Wir müssen doch die ganze Drecksarbeit erledigen!“ Langsam drehte sich der Boss um. Ralf merkte genau, wie der Leibwächter neben ihm sich anspannte, als ob er wüsste, was jetzt passierte. „Max…“, säuselte der Boss und hatte sich inzwischen komplett umgedreht. Ralf sah ihn zum ersten Mal richtig an. Braune, langsam ausfallende, kurze Haare, spitzes Kinn und grüne Augen. Stechend grüne, undurchdringliche Augen… „Hast du ein Problem damit?“, säuselte er weiter. „Komm schon, Max…“, murmelte Ralf und zerrte etwas an dessen Ärmel. Doch Max reagierte nicht und empörte sich weiter. „Ja, ich habe ein Problem damit, ein ziemlich großes und zwar kann ich nicht verstehen, wieso wir diesmal weniger bekommen, als…“, erzählte er. In diesem Moment zog der Boss blitzschnell eine Waffe aus der Schublade und richtete sie auf Max. Er drückte ab und traf genau die Stelle, die er angepeilt hatte: Max‘ rechten Oberarm. Ralf zuckte erschrocken zurück und Max fing an laut aufzuschreien. Er hielt sich den Oberarm mit schmerzverzerrten Gesicht und betrachtete stöhnend seine Wunde. Der Boss, immer noch die Waffe in der Hand haltend, lachte. Er lachte einfach nur. Ralf sah geschockt drein. Er hatte abgedrückt. Skrupellos. Einfach abgedrückt. Jetzt erst erfasste er genau die Situation und stütze Max, der langsam nach vorne kippte. Er hob seinen Anteil hoch, den er vor Schreck hatte fallen lassen und dann auch noch Max seinen, der ebenfalls auf dem Boden lag. Der Leibwächter stand immer noch da, allerdings weiterhin angespannt, aber gemacht hatte er nichts, obwohl er alles mitgekriegt hatte. Naja… was sollte er auch tun? Sich selbst erschießen lassen? Nein, sicher nicht. Warum machte Max auch immer nur Scheiße? Er konnte Glück haben, überhaupt noch zu leben. Der Boss konnte nämlich anscheinend gut zielen. Richtig gut zielen… Gemeinsam gingen sie mehr oder weniger aus dem Raum heraus. Draußen hörten sie den Boss immer noch lachen. Einfach nur lachen. Doch sie bekamen schon nicht mehr mit, wie der Boss sich zum Fenster drehte und hinausschaute. Die Waffe noch immer lachend in der Hand.

  • „Wer ist denn Einstein?“, fragte Schubert verwundert und schaute die beiden Hauptkommissare vor ihm verwirrt an. „Sie meinen doch nicht etwa Albert Einstein oder?“ Ben grinste und erklärte: „Einstein oder besser gesagt Hartmut Freund ist ein guter Freund und Kollege von uns. Er arbeitet in der Kriminal Technischen Untersuchung, kurz KTU.“ „Ach so…“, sagte Schubert und lächelte nun leicht über den Spitznamen. „Dürfen wir ihn einweihen oder wollen Sie das lieber nicht? Er könnte uns eventuell mit den Nummernschildern und so weiterhelfen…“, fragte Semir erwartungsvoll. „Okay, wenn Sie sagen, dass er uns weiterhelfen kann…“, murmelte Schubert und schaute wieder auf den Tisch. Er sah ziemlich verzweifelt aus. Über was er wohl gerade nachdachte? „Na dann, Ben. Lass uns Einstein anrufen und ihm alles erzählen!“, sagte Semir und Ben zog sein Handy hervor. „Du oder ich?“, fragte er und hielt das Handy fragend in die Höhe. „Mach du… Aber stell auf laut, damit Herr Schubert und ich auch was mithören können…“, sagte Semir und rückte näher zu Ben heran. Der hatte schon die Nummer der KTU gewählt und stellte schließlich auf laut. „Hartmut Freund, KTU! Wer ist da?“, meldete sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung. „Hallo Einstein“, trällerte Ben sofort drauf los. „Oh nein, Ben! Egal was es ist. Ich will es nicht wissen!“, antwortete der Techniker sofort. „Aber Hartmut! Wer sagt denn, dass wir dich anrufen, nur um dich was zu fragen? Also wirklich…“, trällerte Ben unbeirrt weiter. Semir verkniff sich ein Lachen. Dass Hartmut gleich schon wieder an so was dachte, war einfach typisch! „Okay, okay… sagt es einfach und redet nicht um den heißen Brei herum. Aber vorher lasst mich raten… ihr seid noch nicht in Österreich, ihr habt einen neuen Fall, ich soll der Krüger oder anderen nichts verraten, ich bin der einzige Mensch auf der großen weiten Welt, der euch helfen kann und ihr habt euren Wagen geschrottet?“, ratterte er die Fragen hinunter. Semir grinste. „Stimmt alles, Hartmut, bis auf das Letzte. Das haben wir noch nicht geschafft!“, antwortete er in den Hörer und am anderen Ende der Leitung hörte er ein Stöhnen. „Wisst ihr, ich bin auch mal mit anderen Dingen beschäftigt. Nicht nur immer mit dem, was ihr mir gerade so sagt. Momentan bin ich dabei Anthrazitkohle herzustellen, die in Deutschland auch abgebaut wird. Beim Inkohlungsprozess werden pflanzliche Ausgangsstoffe unter Luftabschluss und hohem Druck umgebildet, mit zunehmendem Gehalt an Kohlenstoff. Der Kohlenstoffgehalt von Anthrazit kann bei über 90 % liegen. Als Brennstoff sehr geschätzt und…“ „Hartmut!“, sagten Ben und Semir gleichzeitig genervt in den Hörer und Hartmut stöhnte auf. Wie konnte man sich dafür nicht interessieren? „Also… legt los…“, kam es murmelnd und die beiden erzählten alles, was ihnen gesagt wurde. Von der Entführung bis hin zum Überfall. Das Nummernschild gab Semir durch, aber der Wagen war natürlich geklaut, wie er schon vermutet hatte. Momentan gab es nichts, was sie weiterbringen würde. Alles erzählt stöhnte es wieder am anderen Ende. „Also hilfst du uns jetzt?“, fragte Ben erwartungsvoll. „Okay…“, murmelte Hartmut und stellte sich schon mal auf lange Nächte ein. „Oh Einstein! Ich könnte dich knuddeln!“, freute sich Semir und Hartmut hörte ein Geräusch, dass sich wie ein Handschlag anhörte. „Ciao, ciao!“, sagte Semir nur noch, dann war da ein Tuten in der Leitung. Kopfschüttelnd wandte sich der Techniker wieder an sein Experiment.

  • „Aua!“, beschwerte sich Max und biss sich auf die Lippe. „Das brennt!“, jammerte er und Ralf tupfte noch mehr auf der Wunde herum. Er hatte den Oberarm bereits abgeschnürt. „Warum machst du auch so einen Mist?“, fragte Ralf wütend und nahm sich ein neues Tuch, das er erneut auf die Wunde legte. „Aber es ist doch… au… wahr, dass es weniger Kohle war!“, meckerte Max zurück und zuckte immer wieder, wenn das Tuch seinen Oberarm berührte. „Du musst ins Krankenhaus! Die Kugel muss da raus, sonst entzündet sich das alles!“, kommandierte der 20-jährige und besah sich seinen Partner, der vehement den Kopf schüttelte. „Das kannst du vergessen! Was soll ich denn sagen? Mein Boss hat mich angeschossen, weil ich nach mehr Geld verlangt habe, nachdem ich zum vierten Mal in einen McDonalds Laden gestürmt bin und den Halter bedroht habe, dass er das Geld bezahlen soll für seine Tochter, die entführt wurde? Und ganz nebenbei habe ich auch noch einen Typen erschossen und auf einen Bullen gezielt? Wohl kaum… Nicht zu vergessen die Verfolgungsjagd…“, erzählte er und verzerrte wieder sein Gesicht. „Stimmt… aber was dann?“, fragte Ralf verzweifelt und musste daran denken, was passieren würde, wenn er Max Leiche irgendwo hinlegen müsste. Ihm wurde ganz flau davon. „Du musst die Kugel rausholen!“, bestimmte der 26-jährige und bereitete sich schon mal auf den Schmerz vor. „Was?“, fragte Ralf ungläubig, doch Max meinte es wohl ernst. Also nahm er eine Pinzette und fing an in der Wunde herumzustochern. Ralf schrie vor Schmerz mehrere Male laut auf, doch er blieb sitzen. Schließlich hatte Ralf die Kugel in seiner Hand. Er drehte sich um und entleerte erst mal seinen Magen in den nächstgelegenen Mülleimer. Danach drehte er sich mit immer noch grünem Gesicht wieder zu Max um, der sich mittlerweile mit hochrotem und schmerzverzerrtem Gesicht eine Aspirin Tablette genommen hatte und sie ohne weiteres runtergeschluckt hatte. Ralf verband den Oberarm mit einem langen Stück weißen Verbands und kämpfte dagegen an sich nicht noch mal zu übergeben. Nachdem alles erledigt war, nahm er die Tücher und schmiss sie in den Müll mitsamt der Kugel aus der Waffe des Bosses. „Das wird ihm noch leidtun…“, drohte Max und sprang vom Tisch herunter. „Mach nicht schon wieder irgendwelche Scheiße, Max!“, meinte Ralf. „Du wirst schon sehen. Das wird er büßen…“ Mit diesen Worten verließ Max den Raum. Ralf schüttelte den Kopf und trat ebenfalls hinaus. Der nächste Auftrag würde erst nächste Woche kommen. Er war trotzdem nicht stolz auf sein Tun…


    Mittwoch, mittlerweile 17:50 Uhr
    Essen vergessen!

    „Und was passiert jetzt?“, fragte Schubert. Ben sah den Mann an und wollte gerade antworten, als sein Magen knurrte und zwar richtig laut. In all der Aufregung hatte er sein Hungergefühl unterdrückt und als kurz darauf auch noch Semirs Magen verdächtig knurrte, wusste Schubert Bescheid. „Okay, ich denke Sie werden erst mal ordentlich essen. Deswegen sind Sie auch sicher hier gelandet… das Essen geht natürlich aufs Haus!“, meinte Schubert und Ben grinste. Endlich Essen fassen! Also bestellten sie ordentlich Burger und Pommes dazu und ließen es sich endlich schmecken. „Danke!“, brachte Semir zwischen zwei Bissen hervor. Ben aß einfach nur.

  • Kim Krüger ging die Straße zur KTU hinunter. Sie hatte fünfmal versucht den Techniker anzurufen, doch immer war besetzt gewesen. Sie hatte sich gewundert, wie Hartmut doch solange telefonieren konnte, doch da ihr Anliegen eigentlich sehr dringend war, hatte sie sich also mit dem Auto auf den Weg gemacht. Denn vor guten drei Stunden hatte ein Mann einen Fahrzeugklau gemeldet. Der blaue Ford stand nicht mehr in der Garage des Besitzers, als der heute Mittag nachgeschaut hatte. Der Mann war auf einer Geschäftsreise gewesen und Dienstagabend wiedergekommen. Er hatte die offene Garage erst am nächsten Tag entdeckt, als er los zur Arbeit wollte. Das Kennzeichen war direkt aus Köln, K-AL-1603. Kim war mittlerweile bei der KTU angekommen. „Hartmut?“, fragte sie in den großen Raum. „Wo sind Sie?“ „Hier!“, kam es als Antwort von weiter hinten. Kim ging zu der Stelle und fand den Rotschopf, der gerade an irgendwas rumbastelte. „Hartmut, was machen Sie da?“, fragte sie und schaute die komischen Konstruktionen auf dem Tisch vor ihr an. „Also ich stelle Anthrazitkohle her, die in Deutschland auch abgebaut wird. Beim Inkohlungsprozess werden nämlich pflanzliche Ausgangsstoffe…“, begann er, wurde aber diesmal noch schneller unterbrochen. „Okay, es interessiert mich nicht!“, meinte Kim und wollte gerade weiter reden, über ihr eigentliches Anliegen, als das Telefon klingelte. Genervt machte die Krüger eine Handbewegung in Richtung Telefon und Hartmut nahm ab. „Hartmut Freund KTU! Wer ist da?“, fragte er in den Hörer. Er erstarrte und sah nervös zu Kim hinüber. Semir hatte sich am anderen Ende der Leitung gemeldet.


    „Starte den Wagen und lass uns den Toten hier endlich wegbringen! Zum Glück haben ihn die beiden Bullen noch nicht gesehen oder irgendwer anders!“, zischte der Mann und sein Freund tat dies, was ihm gesagt wurde. Er selbst stieg in den Wagen mit dem sie hergekommen waren und startete diesen. Gemeinsam fuhren sie vom McDonalds Parkplatz ganz hinten los, den alten, toten Mann in einem der Wagen. Es ging auf die Autobahn, über Landstraßen bis hin zu einem Steinbruch. „Schmeiß ihn darunter!“, kommandierte der erste wieder und der stämmige zweite tat, was getan werden musste. Der Alte landete im See unter ihnen und ging unter. Nie würde man ihn finden! „Und nun der Wagen!“ Dieser wurde also auch in den See geschubst und ging unter. Perfekt! „Und nun zurück zum Mädchen! Wer weiß, was die sonst ohne uns noch anstellt! Hinterher macht Timo was Böses…“, sagte der Kommandierende und lachte. Der andere stimmte mit ein. Die kleine Göre von diesem reichen Schnösel sah gar nicht so schlecht aus. Dreimal konnten die Männer ihren männlichen Trieben einfach nicht widerstehen. Und wer weiß, was Timo gerade anstellte? Eventuell das vierte Mal? Der Mann grinste. Solange der Boss nichts sagte, konnte sie tun und lassen, was sie wollten. Hatte er ja selbst gesagt. Sie fuhren zurück zum Versteck.

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