Deal um ein Leben

  • Hallo liebe Leser,
    heute geht es wieder los. Um 20.15 wird geschrottet, was das Zeug hält. Um die Zeit bis dahin angenehmer zu gestalten, geht heute meine neue Story on. Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen und beim Feeden natürlich. ;)


    LG Christopher007
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    Gehetzt sah sie immer wieder in den Rückspiegel. Der Wagen holte auf, kam immer näher und näher. Klara zog auf die rechte Spur, immer weiter, bis sie auf dem Standstreifen an den Autos vorbei rauschte. Sie musste die Leute los werden, die ihr folgten. Immer wieder ließ sie ihre Blicke schweifen, zog ihren kleinen Corsa nach links rüber, schnitt einen großen Lkw und fuhr an einem Wohnmobil vorbei. Die wilden und wütenden Gesten der anderen Fahrer sah sie nicht. Ihre Augen klebten auf der Straße, im Seiten- und Rückspiegel. Doch der schwarze Geländewagen ließ sich nicht abschütteln. Langsam wurde sie nervös. Lange konnte sie dieses Tempo nicht mehr beibehalten. Ihr kleines Auto war für große Geschwindigkeiten auf langer Zeit einfach nicht gebaut. Wieder holte der Verfolger auf, rammte den kleinen Corsa und drängte ihn an die mittlere Leitplanke. „Hilfe...“, schrie Klara verzweifelt und sah sich um, blickte in die Autos neben sich, doch niemand wurde auf sie aufmerksam. Erst, als es bereits zu spät war. Sie versuchte, den Wagen abzubremsen, doch der schwarze Jeep hinter ihr schob sie einfach weiter. Sie nahm allen Mut zusammen, legte den vierten Gang ein und zog kurz vor einem Lkw-Hänger rüber auf die andere Seite. Der Landrover, nicht so wendig und klein, stieß an den Hänger und wirbelte quer über die Autobahn. Klara atmete auf. Jetzt war sie in Sicherheit. So dachte sie jedenfalls.


    „Verdammt, da soll mal was klappen und dann das.“, fluchte Semir und klappte sein Handy wieder ein. „Was hast du denn?“, wollte Ben wissen. „Ach, es geht um die Lieferung von der Waschmaschine und dem Trockner. Die sollten heute kommen. Andrea hat sich extra dafür frei genommen und jetzt rate mal, was passiert ist.“, forderte Semir mit großer Wut und holte sein Handy hervor, sah Ben eindringlich an. „Na sag schon, ehe du platzt.“, grinste Ben nur. „Wir liefern zwischen 8 und 18 Uhr.“, äffte der Deutschtürke die Frau vom Kundenservice nach. „Ja, und was ist? Tut mir Leid, Herr Gerkhan, aber ihre Artikel passten nicht mehr auf die heutige Tour drauf. Bitte lassen sie sich einen neuen Termin geben. So eine blöde Ziege...“, schnaufte Semir und nahm das Handy hervor. „Alle hacken auf den kleinen Semir Gerkhan rum...erst die Bank, dann die Handwerker und sicherlich auch noch nachher die Chefin.“, kam es grinsend von Ben. „Ja, mach du dich nur über mich lustig. Jetzt muss ich mir an einem Tag frei nehmen, weil Andrea zu einem Jugendseminar muss.“, fauchte Semir nur. „Sieh es doch mal von der positiven Seite. Du kannst hier mit mir ruhigen Dienst schieben. Wärst du im Ländchen müsstest du dort über Stock und Stein nach einem Pärchenmörder suchen.“, grinste Ben. „Ach ja...die Kollegen da haben es auch schwer.“, erwiderte Semir und sah neben sich aus dem Fenster.
    „Wow...“, stieß er aus, als ein roter Corsa an ihm vorbei zog. „Hey, das ist der Standstreifen...“, kam es von Ben. Im nächsten Moment rauschte auch noch ein schwarzer Geländewagen an ihnen vorbei und fing an, auf den Corsa zu schießen. „Verdammte Scheiße...“, fluchte Ben und zog ebenfalls auf den Standstreifen rüber. „Kannst du deinen Frust über die Handwerker dazu nutzen und diesen Verkehrsrowdy vielleicht zum Anhalten überreden?“ „Ja, ich bin gerade in der richtigen Stimmung dafür.“, fauchte Semir. Er zog seine Waffe, entsicherte sie am Knie und ließ das Fenster runter. Mit der anderen Hand nahm er die Kelle vor. „So, jetzt zeigen wir es ihnen.“


    „Verdammt, die Bullen.“, stieß Engin unter seiner Maske aus. Aslan gab mehr Gas und sah seinen Beifahrer an. „Na los, tu was dagegen.“, fauchte er und sah nach hinten der silberne Mercedes holte auf und die rote Kelle aufblitzen. „Na wartet...“, knurrte er, ließ das Fenster runter und schoss die Kelle ab. „So, und jetzt du...“ Engin lehnte sich raus, entsicherte die Maschinenpistole und ließ die Kugeln nur so auf den Mercedes einprasseln. „Wow...mein Auto.“, stieß Ben aus, stieg in die Eisen und lenkte nach rechts rüber. „Die haben meine Kelle kaputt geschossen.“, kam es von Semir, als er nur noch den Plastikstiel in der Hand hielt. „Wie wäre es mal, wenn du zurückschießt, anstatt hier deiner Kelle nach zu weinen.“, knurrte Ben nur. „Ja, ich mach ja schon.“, stieß Semir aus und schoss zurück. Doch immer wieder mussten er und Ben Deckung nehmen. Die Kugeln schlugen in die Motorhaube und die Windschutzscheibe ein. „Verdammt, wenn wir nicht bald was unternehmen, ist unser Wagen nur noch ein Sieb mit vier Rädern.“, kam es von Ben. „Ja, ich mach ja schon.“, knurrte Semir und schoss erneut. Dieses Mal traf er den hinteren Reifen. Sofort brach der Wagen aus und durchstieß die Leitplanke, ratterte die Böschung runter und verschwand dann zwischen den Bäumen. „Jetzt haben wir sie.“, kam es von Semir. Ben nickte und stoppte den Mercedes oder das, was von ihm übrig war. Sofort sprangen die beiden Kommissare aus dem Wagen und rannten die Böschung hinunter.
    Engin und Aslan sprangen aus dem Auto und eröffneten sofort das Feuer. „Macht, dass ihr weg kommt.“, schrie Aslan und schoss immer weiter. Engin sah sich um. „Los, lass und verschwinden. Die Kleine schnappen wir uns bei anderer Gelegenheit.“, fauchte er und rannte in den Wald hinein. Aslan folgte und Ben und Semir wollten sie verfolgen, doch die Kugeln hinderten sie daran. „Verdammte Scheiße.“, fluchte Semir. „Die sind weg. Lass uns nach dem Corsafahrer sehen.“, meinte Ben. Gemeinsam gingen sie wieder die Böschung hoch und näherten sich dem kleinen, roten Corsa, der nicht weit von ihrem Wagen an einer Notrufsäule stand. Klara lehnte mit ihrem Kopf auf dem Lenkrad. Ihr Atem ging stoßweise und der Puls raste nur so dahin. Fürs Erste war sie in Sicherheit. Doch für wie lange? Sie erschrak, als jemand an ihre Fensterscheibe klopfte. „Hallo...Kripo Autobahn, kommen sie bitte mal aus dem Wagen.“, forderte ein südländischer Typ. Klara nickte und stieß aus. „Was...was wollen sie von mir?“ „Keine Angst, wir wollen ihnen helfen. Wissen sie, wer die Typen waren, die sie verfolgt haben?“, fragte Semir und blickte mit warmen Augen auf die Frau hinunter. „Können sie mich auf ihr Revier bringen?“, fragte sie dann. Semir sah Ben an und dieser zog nur die Schultern hoch. „Na gut...wenn sie es wünschen.“


    ...

  • Wenig später waren sie im Büro und Klara Weber erzählte, den Kommissaren, warum diese Typen hinter ihr her war. „Ich...ich bin Mitarbeiterin in einer großen Handelsfirma. Wir beschäftigen uns mit dem Verkauf und Vertrieb von großen Maschinenteilen ins Ausland.“, erklärte sie. „Gestern hab ich meinen Chef und einen Mann, ich glaube ein Türke oder so, in unserem Lager beobachtet. Eigentlich ist es nicht meine Art, zu schnüffeln, aber der Chef geht sonst nie ins Lager. Sie standen vor großen Kisten und als sie eine öffneten waren darin Waffen.“, erklärte sie und machte eine Pause, in der Ben ihr einen Kaffee hinstellte. „Danke...ich konnte einige Fotos mit meinem Handy machen, doch dann wurde ich entdeckt und heute morgen sind die Typen bei mir aufgetaucht, sind in meine Wohnung eingebrochen und wollten mich umbringen.“, endete sie dann. Semir nickte nur. „Kann ich die Bilder mal sehen?“, fragte er und hielt seine Hand hin. Klara nickte und reichte ihr Handy an den Hauptkommissar weiter. Dankend nahm Semir es entgegen und sah sich die Fotos an. „Ben, sieh mal...das sind ganz schwere Kaliber.“, stieß er aus und reichte das Handy an seinen Kollegen weiter.
    Ben nahm das Handy an sich und blickte auf die Bilder. „Wow...Raketenwerfer, schwere Maschinenpistolen und Sturmgewehre.“, staunte er nicht schlecht. Semir nickte nur. „Wo ist das Lagerhaus?“, wollte er von Klara wissen. Sie nahm einen Zettel und einen Stift und schrieb die Adresse für die beiden Polizisten auf. „Hier bitte...“, meinte sie und reichte das Papier weiter. „Gut, sie warten bitte hier. Wir gehen zur Chefin.“ Semir stand auf, nahm das Handy und den Zettel mit und Ben folgte ihm. „Susanne, ist die Chefin zu sprechen?“, wollte der Deutschtürke wissen. Susanne sah auf und blickte zur Tür. „Moment, ich frage nach.“, meinte sie, griff zum Hörer und wählte das Büro der Chefin an. „Chefin, Semir und Ben wollten sie sprechen.“ „Schicken Sie die Beiden rein.“, kam es von Kim zurück. „Ihr könnt zu ihr.“ Semir nickte dankend und klopfte Ben an die Schulter. Dieser ging hinter seinem Partner her und gemeinsam betraten sie das Büro von Kim. „Chefin, wir müssen sie sprechen.“ „Ich mit ihnen auch. Haben sie eigentlich eine Ahnung, der wievielte Dienstwagen dies diesen Monat war?“, fragte sie wütend. Semir und Ben blickten sich an. „Ähm...also, das...das war nicht unsere Schuld. Immerhin haben die Kerle auf uns geschossen, Chefin.“, erklärte Semir. Ben nickte zustimmend. „Sie waren ja nicht dabei, Frau Krüger. Die Kugeln sind nur so in die Motorhaube eingeschlagen.“ „Danke, ich hab den Wagen gesehen. Das war der achte Dienstwagen diesen Monat und wir haben erst den 12. Mai. Was sagt ihnen das?“, fauchte Kim die Beiden an.


    „Also...also ehrlich Chefin, so viele waren es nicht.“, protestierte Semir. „Nein? Die Wagen, oder das, was von ihnen übrig ist, stehen ja noch auf dem Gelände der KTU.“, schnaubte sie dann und blickte ihre beiden Kommissare mit einem eindringlichen, alles durchdringenden Blick an. „So, jetzt hab ich sie genug angeschrieen. Was wollten sie denn von mir?“, fragte Kim dann, lehnte sich zurück und sah ihre beiden Männer an. „Es geht um die Frau, bei der wir unseren Dienstwagen verloren haben. Sie hat diese Fotos hier in ihrer Firma gemacht. Anscheinend scheint ihr Chef mit diesem Mann dort eine Lieferung schwerer Waffen vorzubereiten. Wir haben die Adresse des Lagerhauses und würden uns gerne mit dem SEK dort umsehen.“, meinte Semir. Kim nickte und griff zum Telefon. „Begeben sie sich vor Ort und warten sie auf das SEK.“ „Was wird so lange mit Frau Weber?“, fragte Ben. „Ich werde das LKA informieren und bitten, dass man sie unter Zeugenschutz stellt.“, erklärte Kim. Semir und Ben nickten, standen auf und gingen wieder ins Büro zurück. „Frau Weber, wir müssen leider weg. Bitte, warten sie hier auf uns, bis wir wieder da sind.“, forderte Semir und nahm seine Jacke vom Haken. Klara nickte und blickte den beiden Polizisten hinterher. Dann sah sie auf ihre Hand. Sie zitterte vor Angst, wie ihr ganzer Körper. „Sie sind hier in Sicherheit.“, hatte der junge Kommissar zu ihr gesagt, als sie auf dem Parkplatz standen. In Sicherheit? Nein, daran glaubte sie nicht. Noch nicht. Sicherlich würden die Typen doch alles versuchen, um sie zu töten. Und dafür würden sie sich doch auch mit der Polizei anlegen. Das sah sie schon auf der Autobahn. Sie hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache.


    ...

  • Hans Moosfinger hing nervös am Telefon. „Hören sie, ich weiß, dass es Verzögerungen mit der Lieferung gab. Bitte, was kann ich denn für eine Schneelawine in den Karpaten?“, zischte er durch das Telefon. „Bitte...lassen sie mich das Ganze regeln.“ „Ha...Hallo? Hören Sie, das geht so...Hallo? Scheiße...“, fluchte der Mann und schlug den Hörer auf die Gabel. „Chef, da kommt gerade viel Polizei auf das Gelände gefahren.“, kam es aus der Gegensprechanlage von seiner Sekretärin. „Gerade, wenn man denkt, es kann nicht schlimmer kommen...“, zischte er, doch schon im nächsten Moment wurde die Tür aufgeschlagen und mehrere vermummte Kerle mit Maschinenpistolen in das Büro, krallten sich den Mann und warfen ihn auf die Tischplatte. „Herr Moosfinger, sie sind festgenommen.“ Ein kleiner Mann mit hochgezogenen Haaren und einem entschlossenen Blick kam aus der Gruppe heraus und legte den Mann Handschellen an. „Bitte? Was wollen sie eigentlich von mir?“, fauchte der Geschäftsmann und richtete sich langsam wieder auf.
    „In ihrem Lager befinden sich Waffen. Waffen, die sie verkaufen wollen.“, kam es von dem Mann. „Sie sind ja nicht ganz dicht.“, lachte Moosfinger und wandte sich in den Handschellen. „Das kostet sie schon mal 300 Euro. Und jetzt, zeigen sie uns ihr Lagerhaus.“, forderte Semir. Die Männer drängten Moosfinger vorwärts und wenig später standen sie vor der Tür, die auf dem Foto zu sehen war. „Los, aufmachen.“, forderte Semir. „Ja, und wie soll ich das machen? Sie haben mir ja diese schönen Armbänder angelegt.“, knurrte Hans nur. „Sie haben sicher einen Schlüssel dazu. Also, sagen sie, wo er ist und ich werde ihn holen.“, lächelte Ben nur. „Das können sie vergessen. Sie kommen hier einfach rein, ohne Durchsuchungsbefehl, misshandeln mich und verlangen dann noch von mir, dass ich ihnen hier meine Räume öffne.“ „Ja genau. Auch, wenn sie sich jetzt weigern, den Schlüssel hat mir schon ihre Sekretärin gegeben.“, grinste Ben nur und schloss die Tür auf, zog sie mit einem kräftigen Ruck auf und sah dann, was sich dort drinnen befand.


    „Semir....Semir, komm mal schnell. Verflucht...“, stieß Ben aus. Sofort kam Semir angelaufen und blickte in die große, prall gefüllte Halle. „Verdammt, das hat nicht mal Ähnlichkeiten mit Waffen. Das...das sind einfach nur Maschinenteile. Weiter nichts. Nur Maschinen.“, schrie er und sah sich um. Nichts, rein gar nichts wies darauf hin, dass hier Waffen gelagert waren. „So eine Scheiße...“, fluchte Ben und schlug gegen die Tür. „Durchsucht die ganze Firma und die KTU soll herkommen. Wenn hier auch nur die Spur einer Waffe war, dann will ich das wissen.“, fauchte Semir. „Haben sie gefunden, was sie gesucht haben?“, grinste Moosfinger und reckte sich in die Höhe, sah die Hauptkommissare herausfordernd an. „Pass mal auf, wir sind hier noch lange nicht fertig und wenn du jetzt mit Durchsuchungsbefehl kommst, dann geb ich dir deine eigene Krawatte zum Fressen. Haben wir uns verstanden?“, fauchte Ben und packte den Mann am Kragen. „Hey...lassen sie mich los, sie irrer Psychopath.“, stieß Hans Moosfinger aus. „Sie sollten tun, was mein Kollege sagt. Er ist ziemlich verrückt.“, meinte Semir grinsend und sah zu Ben. Dieser stieß Moosfinger vorwärts, während die anderen mit dem Durchsuchen der ganzen Firma anfingen. Selbst die Lastwagen und die privaten Pkws wurden unter die Lupe genommen, doch nirgends waren Spuren von Waffen zu finden. „So eine Scheiße...“, stieß Semir nochmals aus, als sie bereits wieder im Wagen saßen und zurück zur PASt fuhren.


    Fasil Atanur saß in seinem Haus und blickte seine Männer an. „Die Waffen sind sicher in unserem Flugzeug verstaut. Wenn alles gut geht, bin ich morgen damit in der Heimat und kann sie unseren armenischen Brüdern überreichen. Ihr sorgt inzwischen dafür, dass die Zeugen verschwinden. Der große Boss will keinerlei Spuren haben.“, meinte er zu Engin und Aslan. „Darauf können sie sich verlassen. Wir werden sie umlegen und die Leichen einfach verschwinden lassen.“, grinste Engin hämisch. „Sehr gut...in vier Tagen bin ich wieder zurück. Bis dahin muss alles erledigt sein. Ansonsten erledige ich euch.“, fauchte Fasil und verließ den Raum. Engin und Aslan sahen sich an. „Wir sollten uns dafür noch zusätzliche Männer holen und erstmal in Erfahrung bringen, was die Bullen mit ihr anstellen werden.“, meinte Engin. Aslan war einverstanden. „Gut, dann trommle die Leute zusammen und ich versuche irgendwie die Telefone anzuzapfen. Einen Weg werde ich sicherlich finden.“, lachte er nur und machte sich dann gleich an die Arbeit. Aslan fand noch drei Männer, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützten. Alles ehemalige schwere Jungs, die nur darauf aus waren, der Polizei eins auszuwischen. „So, die Männer haben wir, aber um die Fangschaltung installieren zu können, muss ich zur Station der Polizei.“, erklärte Engin. „Okay, dann fahren wir gleich rüber.“, erklärte Aslan und ging mit seinem Partner zum Wagen.


    ...

  • „Das war verdammt schlecht vorbereitet.“, stieß Kim aus, als Semir und Ben wieder im Büro waren und ihren mündlichen Bericht abgaben. „Wie konnten wir denn etwas vorbereiten? Unsere Zeugin hat uns nur den Zettel und die Fotos liefern können. Wir sind vollkommen auf Verdacht hin.“, meinte Semir mit gepresster Stimme. „Was wird nun aus ihr? Die Kerle sind immer noch auf freiem Fuß.“, fragte Ben und sah die Chefin an. „Ich habe versucht, das LKA anzurufen, doch da ist schon Wochenende und die anderen Beamten befinden sich auf einen Ausflug. Vor Montag können die uns nicht helfen.“, erklärte Kim. „Das heißt, wir sind für sie verantwortlich.“, kam es nachdenklich von Semir. „So sieht es im Moment aus. Semir, Ben...ich kann sie natürlich nicht zwingen, aber wenn diese Typen von heute morgen wieder kommen, dann werden sie Frau Weber töten. Und wir brauchen sie. Dass in dem Lagerhaus Waffen waren steht außer Zweifel und sicherlich wird Hartmut etwas in den Papieren finden. Nur, bis das LKA den Fall und die Frau übernehmen kann, ist sie in unserer Obhut.“, erklärte Kim und schickte ihre Kommissare dann aus dem Büro.
    „Was machen wir jetzt? Wo sollen wir sie denn hinbringen?“, fragte Semir und wischte sich übers Gesicht. Ben strich sich über seinen Bart und nahm sich seine angefangene Schachtel Fastfood und aß sie weiter. „Wie wäre es, wenn wir sie erstmal in meinen Probenraum bringen?“, fragte Ben. Semir sah angewidert auf seinen Partner. „Boah, wie kannst du das noch essen? Das steht schon seit drei Tagen hier rum und gammelt vor sich hin.“, meinte er. „Wieso? Ist doch noch gut. Also, was ist nun mit dem Probenraum?“, wollte Ben wissen. „Hm, könnte gut sein. Aber der liegt mitten in der Stadt und ist etwas unübersichtlich.“, erwiderte Semir. „Was heißt unübersichtlich? Der ist aufgeräumt.“, protestierte Ben. „So mein ich das nicht. Aber falls die Typen da aufkreuzen, kann es unübersichtlich werden.“ „Ach so. Na dann nehmen wir was anderes. Ein Freund von mir hat außerhalb von Köln einen kleinen Bungalow. Da könnten wir untertauchen.“ „Okay, dann fahren wir in einer Stunde los. Ruf ihn an und frag, ob es okay ist.“, forderte Semir und stand auf, um mit Kim darüber zu reden.


    Engin und Aslan standen vor der PASt auf Posten und zapften die Leitung an, bekamen den Anruf beim LKA mit. „So, so ... das LKA kann vor Montag morgen also nicht. Sehr gut...“, lachte Engin und nahm die Kopfhörer runter. „Dann haben wir leichteres Spiel. Wo wollen sie mit der Frau hin?“, fragte Aslan. „Wir folgen den Beiden und dann schlagen wir zu. So einfach ist das.“, gab Engin bekannt. Aslan nickte und sah kurz darauf einen BMW vom Gelände fahren. „Da sind sie. Also häng dich ran und lass dich nicht erwischen.“, forderte Engin nur und schon fuhren sie hinter dem BMW her. „Nicht so auffallen, sonst sind die gleich weg.“, fauchte er. „Ja doch, ich mache so was nicht zum ersten Mal.“, knurrte Aslan nur. Sie fuhren in gebührendem Abstand und versuchten alles, um nicht den Wagen vor ihnen zu verlieren.
    „Ben, irgendwie hab ich das Gefühl, dass dieser Wagen da uns folgt.“, meinte Ben und deutete auf seinen Rückspiegel. Semir drehte sich um und sah den grauen Audi hinter sich fahren. „Scheint nicht unauffällig zu sein.“, erwiderte er nur. „Kann sein, aber ich bin dennoch dafür, dass wir die Landstraße nehmen sollten.“ Ben sah seinen Partner an. „Meinst du?“ Semir sah durch den zu Klara, die erschrocken auf der Rückbank saß. „Es wäre besser, wenn sie auf die Landstraße ausweichen.“, meinte sie dann. „Hier auf der Autobahn gibt es zu viele Möglichkeiten, mich zu töten.“ „Sie wird niemand töten. Okay, wir fahren ab und dann gleich in die nächste Einfahrt rein.“, erklärte Semir und setzte den Blinker. Er sah in den Rückspiegel. Tatsächlich folgte ihnen der Audi, doch an der Abfahrtskreuzung fuhr er nach links. „Tja, war wohl doch nicht der große Verfolger.“, grinste Ben. „Besser, wir sind vorsichtig, als dass wir dann später das Nachsehen haben.“, erklärte Semir nur und lenkte den BMW über die Landstraße. Dass ihnen ein Honda folgte, merkten sie dieses Mal nicht.


    Hans Moosfinger sah zufrieden auf, als der letzte Polizeiwagen seine Firma verließ. „So, ihr habt nichts gefunden. Ihr seid so dämlich.“, lachte er in sich hinein und blickte aus dem Fenster. Seine Waffen waren sicherlich schon über dem zentralen Balkan. Morgen würden sie in Armenien eintreffen. Und dann würde er auch sein Geld kassieren. Nur um Frau Weber tat es ihm leid. Die arme Frau würde das Wochenende sicherlich nicht überleben. Und die Polizei würde sich außer Stande sehen, sie zu schützen. „Ich werde doch gleich mal bei der Staatsanwaltschaft anrufen und mich beschweren.“, grinste er. Immerhin waren diese Polizisten ohne jegliche juristische Vollmacht in seine Firma eingedrungen, haben ihn misshandelt und ihn eine Hausdurchsuchung aufgezwungen. Jetzt konnte er sich aber um seine eigentlichen Pläne wieder kümmern. Die gefälschten Ersatzteile konnten jeden Tag eintreffen und es gab noch jede Menge, vorzubereiten, bevor der Laster eintraf. „Chef, wo sollen wir die Teile dieses Mal lagern, wenn der Kollege eintrifft?“, fragte einer seiner Mitarbeiter. „Nicht hier. Bringt sie in das Lagerhaus am Hafen. Wir werden sie dieses Mal von dort verkaufen. Hier ist es zu auffällig. Der Zoll ist schon zu neugierig.“, erwiderte Moosfinger und ging in sein Büro zurück. Für heute war seine Aufregung gedeckt und der Vorrat an schlechten Überraschungen mehr als gestillt.


    ...

  • Semir fuhr seinen BMW in eine kleine Auffahrt hinein. „Das...ist ein kleiner Bungalow?“, stieß er aus, als er das große Haus sah. „Nun ja, es ist etwas geräumiger, als ein normaler Bungalow, aber er hat allen Komfort, den wir brauchen werden.“, erklärte Ben und stieg aus. Klara öffnete die Tür und atmete die frische Waldluft ein. „Ist das herrlich.“, schwärmte sie und vergas für einen Moment die Angst. „Dann hoffe ich, der Kühlschrank ist gefüllt. Wir müssen hier einige Tage auskommen.“, meinte Semir und ließ Ben die Tür aufschließen. „So, dann kommt mal rein.“, forderte er und stieß seinen Koffer nach vorne. Klara folgte und Semir bildete das Schlusslicht. Er schloss die Haustür wieder gut ab und schob zusätzlich den Riegel vor. „Okay, zeig uns mal alles. Dann werden wir die Zimmer einteilen und danach was essen.“, legte Semir fest. „Die Schlafzimmer sind oben. Drei nebeneinander mit Verbindungstüren zu jedem Zimmer. Jedes hat ein eigenes Bad und einen großen Kleiderschrank. Klara, sie nehmen besser das Zimmer in der Mitte und Semir und ich die beiden außenliegenden. So sind sie immer in unserer Nähe.“, erklärte Ben. Klara nickte und ging gleich nach oben. „Ich...ich möchte mich etwas hinlegen. Bitte entschuldigen sie mich.“, meinte sie und verschwand. „Gut, Ben, wir beide kümmern uns um die Fenster und Türen hier unten. Einer hält die erste Hälfte der Nacht Wache und dann lösen wir uns ab.“ „Okay, und wer übernimmt die erste?“, fragte Ben. Semir entdeckte ein Kartenspiel. „Wer die niedrigste zieht, der muss.“, gab Semir bekannt und grinste. Schon zog er eine Karte. „Pik Ass, überbiete...“ Doch Ben zog nur einen Herzbuben. „Ich hasse dich...“, knurrte er nur.


    Engin und Aslan sahen auf das große Haus hinunter. „Da sind sie also. Sehr gut.“, lachte Engin und zog seine Waffe. „Warte, es ist besser, wir warten bis zur Dämmerung. Dann haben wir einen größeren Überraschungseffekt. Außerdem müssen die Männer sowieso erst einmal her kommen.“, gab Aslan zu bedenken. „Na gut, aber dann mach schnell. Diese beiden Bullen und die Frau dürfen uns nicht entkommen. Immerhin kennen sie das Geheimnis.“, knurrte Engin und blickte weiter durch das Fernglas. „Keine Sorge, das werden sie nicht. Dafür sorgen wir schon.“, lachte Aslan und rannte zum Wagen zurück. Es dauerte keine Stunde, da war ihre Zahl auf 14 angewachsen. „Sehr schön. Verteilt euch um das Haus und wartet dort auf mein Zeichen. Bis zur Dunkelheit. Dann werden wir zuschlagen und alle töten. Habt ihr mich verstanden? Keiner im Haus soll überleben.“, forderte Engin. Alle nickte und sahen auf ihre schweren Waffen. „Sehr gut. Dann los.“ Alle suchten sich ein gutes Versteck und warteten dort bis zur einbrechenden Nacht, die nicht lange auf sich warten ließ. Langsam legte die Sonne ihre Strahlen ab und bereitete sich auf die ruhende Nacht vor. „Gleich ist es soweit.“, stieß Engin aus.
    Ben stand an der Kochzeile und versuchte, aus dem, was er in Kühlschrank und Speisekammer fand, ein gutes Abendessen zu kreieren. Die Pilze schmorten mit den Zwiebeln und den Kartoffeln auf der Pfanne, als Semir in die Küche kam. „Na, alles ruhig draußen?“, wollte Ben wissen. „Da ja...ich hab eben mit Andrea gesprochen und sie war weniger begeistert, dass ich das Wochenende mit einer fremden Frau ganz allein hier draußen verbringe.“, erklärte er. „Na alleine bist du ja nicht. Ich bin ja noch da. Außerdem haben wir uns das nun mal nicht ausgesucht.“, erwiderte Ben und rührte weiter in der Pfanne hin und her. „Das hab ich Andrea auch gesagt, aber du kennst sie ja. Ihre ständige Eifersucht und gerade jetzt, wo doch der neue Trockner und die Waschmaschine kommen sollen. Da meint sie natürlich, dass ich mich vor der Arbeit drücken würde.“, ging es bei Semir weiter. Ben grinste nur. „Nun ja...der Eindruck bleibt schon.“, lachte er. „Was? Willst du sagen, ich bin faul?“, knurrte Semir. „Hey, komm runter... das war nur ein Scherz.“, lachte sein Freund und Kollege. „So, das Essen ist fertig. Wo ist Frau Weber?“, wollte Ben wissen, während er die Köstlichkeit auf drei Teller verteilte. „Sicherlich oben im Zimmer. Ich werde sie holen.“, meinte Semir nur und stieg mit schnellen Schritten die Treppe rauf. Doch oben sollte eine böse Überraschung auf ihn warten.


    ...

  • Semir kam die letzten Stufen rauf und sah plötzlich eine schwarz gekleidete Gestalt im Flur stehen, in der Hand eine Waffe haltend. Sofort reagierte der Deutschtürke, riss sein Halfter auf und zückte seine Waffe. „Stehen Bleiben, Polizei.“, schrie er. Der Schatten drehte sich zu ihm und schoss eine breite, unkontrollierte Salve auf Semirs Richtung ab. „So eine verdammte Scheiße...“, stieß Semir aus und ließ sich einige Stufen wieder nach unten rollen, bevor er sich fing und zurückschoss. „Verdammt...Ben!!“, schrie er nach unten, doch die Kugeln schlugen immer dichter bei ihm ein. Semir musste sich was einfallen lassen. Dieser Mistkerl durfte nicht zu Klara. Er nahm all seine Kraft zusammen, stieß sich von der Treppe ab und warf sich auf den Kerl. Sie rangen um die Waffe, schlugen nur so um sich. „Verpiss dich, Bulle, oder du bist tot.“, stieß der Mann aus. „Ach ja? Hier nimm das.“, fauchte Semir und schlug eine große Vase auf den Mann. Bewusstlos blieb der Mann am Boden liegen, während Semir keuchend aufstand. „So, das hast du jetzt davon.“, fauchte Semir und ging zum offenen Fenster. „So eine Scheiße...“ Schnell schloss er es und ging zu Klaras Zimmer. Verängstigt öffnete diese, als Semir klopfte. „Sie...sie haben uns gefunden, oder?“, fragte sie. Semir nickte nur. „Es hat den Anschein. Nehmen sie nur das Nötigste zusammen und dann kommen sie. Wir müssen weg.“, stieß Semir aus und verschwand nach unten, um nach Ben zu sehen.
    „Ben? Hey Ben...wo steckst du denn?“, stieß Semir aus, als er unten in der Küche stand. Doch von Ben war nichts zu sehen. Dafür war die Terrassentür sperrangelweit offen. „Das ist nicht gut.“, dachte er laut und zog erneut seine Waffe. „Ben?“, rief er nochmals, doch schon barst die Scheibe neben ihm und Glas splitterte. Sofort warf Semir sich zu Boden. „Verdammt, woher kam das?“, stieß er nur aus und sah dann Ben hinter der Couch liegen. „Oh verflucht....“ Sofort robbte er zu seinem Partner und suchte den Puls. Gut, er war vorhanden. „Ben...Hey Ben...komm schon, wach auf.“, forderte Semir und schlug immer wieder auf die Wangen seines Freundes. Langsam regte sich wieder Leben im jungen Hauptkommissar. „Ooooooh man...das war ein Wumps.“, knurrte er und hielt sich seinen Kopf. „Was ist passiert?“


    „Ich wollte gerade das Essen auf den Tisch bringen, als was durchs Fenster geflogen kam und an meinem Kopf landete. Dann weiß ich nur, dass ich hier durch mehrere Schläge auf die Wange aufgewacht bin.“, erklärte Ben. Semir sah sich nach dem Etwas, was Ben am Kopf getroffen hatte, um. „Wow...“ Schnell nahm Semir das Ding und warf es zurück aus dem Fenster. Ein Krach und Staub wirbelte von der Terrasse auf. „Man, das war ein explosives Ei.“, keuchte der Deutschtürke und half seinem Freund auf. Sofort durchzog ein Zischen die Luft und Semir keuchte auf. „Ahhhhh...“, schrie er, als ein stechender Schmerz sein Bein durchzog. „Semir, alles in Ordnung mit dir?“ Ben war sofort bei seinem Partner und untersuchte sein Bein. Eine Kugel hatte sich tief in den Oberschenkel des Mannes gebohrt. „Nichts...nichts ist in Ordnung. Schnell, wir müssen hier schnellstens weg.“, keuchte der Deutschtürke unter Schmerzen und hielt sich die Wunde. Blut sickerte durch die Fingerritzen und lief auf seinen Handrücken. „Du kannst nicht laufen. Ich werde Klara von oben holen und wir verschwinden gemeinsam zum Wagen.“, gab Ben bekannt und drückte Semir seine Waffe in die Hand. „Gut...wir fahren weit weg. So weit es geht.“, kam es von Semir und schon humpelte er zum Fenster, suchte in der Ferne nach einen der Killer und schoss einfach ins Blaue hinaus.
    Ben stürmte nach oben, über die Leiche des Kerls weg und suchte nach Klara Weber. „Frau Weber....kommen sie, wir verschwinden von hier.“, stieß Ben aus und zerrte die Frau aus ihrem Zimmer die Treppe hinunter. „Ich...ich kann alleine gehen.“, erklärte sie, doch Ben hörte nicht auf sie. Er schleppte sie die Treppe hinunter und half ihr dann dabei, Semir zu stützen. „Konntest du jemanden da draußen sehen?“, wollte Ben wissen. „Leider nein. Wir müssen höllisch aufpassen.“, erwiderte der Deutschtürke und versuchte, das kaputte Bein zu belasten, doch wie ein weicher Pudding brach er ein und wäre gestürzt, hätte ihn Klara nicht aufgefangen. „Der Wagen ist nich weit vom Ausgang weg. Ich werde ihn so dicht wie möglich ans Haus fahren und dann springt einfach rein.“, meinte Ben und machte sich fertig, aus der Tür zu hechten. Klara und Semir nickten und hofften, dass Ben es schaffen würde.


    ...

  • Ben duckte sich, war kurz bei den Mülltonnen und sah sich um. Der Mercedes stand direkt vor ihm. Er musste ihn allerdings wenden, wenn sie hier schnell weg kommen wollten. Um ihn herum war alles still. Zu still fast. Sicherlich lauerten die Kerle hier irgendwo auf ihn, wie Wölfe auf wehrlose Schafe. Immer wieder blickte er sich um, suchte die näherte Umgebung nach den Angreifern ab, doch er sah niemanden. Ben sprintete los und sofort war die Luft voller Bleischwaden, die sich alle auf ihn einzuschießen begannen. „Verfluchte Scheiße...wäre ich doch heute nur im Bett geblieben.“, keuchte er und riss die Wagentür auf, schoss einige Male in die schwarze Gegend und zog sich dann hinters Steuer. Schnell ließ er den Motor an, wendete und fuhr so dicht er konnte an die Tür ran. „Los Semir...jetzt oder nie.“, rief er seinen Partner über Handy zu. Im nächsten Moment ging die Tür auf und Semir humpelte, von Klara gestützt, zum Wagen, warf sich mit aller Kraft auf die Rückbank und hielt sich geduckt. Klara warf sich hinterher und duckte sich ebenfalls. „Unten bleiben...ich fahre jetzt los.“, stieß Ben aus.
    Die Reifen des Mercedes quietschten auf dem Splitt und Steine flogen in die Luft, als die Reifen durchdrehten, doch das Auto fuhr an. Mit großer Geschwindigkeit rauschte Ben auf die Ausfahrt zu, merkte, wie die Kugeln in die Karosserie einschlugen. Sofort duckte er sich und fuhr dann auf die Straße rauf. „Geschafft....“, stieß er dann aus und schlug das Gaspedal bis zum Anschlag durch. „Ben...mir...mir wird so schwarz vor Augen.“, kam es von der Rückbank. „Semir, halt durch. Mach mir jetzt nicht schlapp.“, stieß Ben aus und sah nach hinten. „Vorsicht!“, schrie Klara und deutete nach vorne. Ben drehte sich um und riss die Augen auf. Erschrocken riss er das Lenkrad nach links und der Mercedes rauschte einen Abhang hinunter. „Wow...gut festhalten.“, stieß der junge Hauptkommissar aus, krallte sich am Lenkrad fest und manövrierte den Wagen durch die dicht stehenden Bäume, Sträucher und Büsche. Hinter ihm tauchten Scheinwerfer auf. Die Gangster gaben nicht auf, so schien es. „Festhalten...“, schrie Ben nochmals. Semir biss sich auf die Unterlippe, um jeglichen Schmerzschrei zu verhindern, doch die Welle in seinem Körper war einfach zu stark. „Ich kann nicht mehr. Die Schmerzen sind zu stark.“, stieß Semir aus. „Ganz ruhig liegen. Sonst verlieren sie noch mehr Blut.“, meinte Klara und zog ihre weiße Bluse aus, riss sie in Streifen und fing an, Semirs Wunde abzudrücken und zu verbinden.


    „Chefin, ich bekomme Semir nicht ans Telefon.“, meinte Susanne, die mit Kim, Hotte und Herzberger Nachtdienst in der PASt hatte. Kim sah auf die Uhr. „Sie wollten sich doch alle drei Stunden melden und jetzt ist der Anruf schon neunzig Minuten überfällig. Versuchen sie es weiter, Susanne.“, forderte Kim. Susanne nickte und drückte erneut die Wahlwiederholung. Es kam das Freizeichen, doch nach einiger Zeit meldete sich zum vierten Mal wieder die Mailbox. „Es hat keinen Sinn.“, knurrte Susanne. „Okay, machen sie eine Handyortung und dann versuchen sie es bei Ben erneut.“, forderte Kim und sah auf die Karte. Irgendwo da draußen waren zwei ihrer Beamten mit einer Zeugin, die von einer Schar blutdürstender Gangster gejagt wurden und sämtliche Verbindungen waren abgerissen. Was sollte sie da nur tun? Sie ging in ihr Büro und nahm aus der Tasche ihr Handy hervor. „Ulrich Förster, BKA...“, meldete sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung. „Ulli, hier ist Kim Krüger. Ich brauche deine Hilfe.“ „Kim, das ist ja mal ne Freude, deine Stimme wieder zu hören. Wie lange ist das jetzt her? Acht, neun Jahre?“, fragte der Mann. „Fast elf.“, erwiderte sie und fing an, in vergangenen, schönen Gedanken zu schwelgen. „Aber deswegen rufe ich nicht an. Hör zu...“, und schon fing sie an, alles zu erzählen. „Wow...das ist ganz schön harter Tobak. Aber ich kenne die Firma. Wir haben sie schon lange im Auge. Also gut, ich helfe dir. Soll ich gleich rüber kommen?“, wollte Ulrich Förster wissen. „Das wäre nett von dir.“, erwiderte Kim. „Nur nett, oder würdest du dich auch freuen, mich wieder zu sehen?“ Kim konnte deutlich das Grinsen durchs Telefon erkennen. „Natürlich würde ich mich auch freuen, aber du weißt, Arbeit geht vor.“, meinte sie nur und legte dann auf.


    ...

  • Ben rauschte über den letzten Strauch hinweg und spürte endlich wieder den Asphalt unter den Reifen. „Wir haben es fast geschafft.“, stieß Ben aus und sah nach hinten. Sein Partner war noch bei Bewusstsein, doch der blanke Schweiß stand ihm auf der Stirn. „Er hält nicht mehr lange durch. Seine Stirn ist schon ganz heiß.“, kam es von Klara. „Solange ich diesen Schatten dort hinten an mir zu kleben hab, kann ich nirgends unentdeckt hin.“, stieß Ben nur aus und rauschte weiter die Straße runter, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, den dunklen Jeep hinter ihnen abzuschütteln. Doch der Jeep ließ sich nicht so einfach abschütteln. „So eine verdammte...“, fluchte Ben, als die Kugeln ihnen wieder um die Ohren pfiffen. Eine zerbarst die Heckscheibe und die Splitter landeten auf Semir. „Jetzt reicht es mir.“, stieß Klara aus, nahm sich die Waffe von Semir und schoss durch das Heckfenster unkontrolliert auf die Verfolger.
    Engin zog den Kopf ein, als die Kugeln in die Windschutzscheibe einschlugen. „Sieh mal an, die haben ja doch noch Leben in sich.“, grinste er gehässig und sah Aslan an. Dieser hing förmlich in seinem Platz. In seiner Brust prangte eine immer größer werdende rote Stelle. „Die...die haben mich erwischt. Bitte...hilf mir.“, stieß er hustend aus. Engin sah ihn mit entschlossenen Augen an. „Tut mir Leid, aber ich kann mich nicht mit Anhängseln belasten.“, knurrte er, entsicherte den Gurt und schmiss seinen Kumpel aus dem fahrenden Auto. Nur wenig später schlug die Autotür zu und die Kugeln pfiffen ihm wieder um die Ohren. „So eine...jetzt war der Typ doch mal zu was zu gebrauchen.“, knurrte Engin und duckte sich erneut. Doch dann ließ alles nach. „Ha, euch ist die Munition ausgegangen. Jetzt bin ich am Zug.“, lachte er und setzte zum erneuten Überholmanöver an. „Jetzt hab ich euch...“, lachte er und sah auf das entsetzte Gesicht des Manns am Steuer des Mercedes.


    Ben sah im Rückspiegel, wie der Jeep immer dichter und dichter auffuhr. „Verdammt...“, stieß er aus und blickte sich nach einem Ausweg um. Aber es gab keinen. Dieses Mal saßen sie in der Falle. Klara sah den großen schwarzen Wagen immer dichter auf sie zukommen. Dann blickte sie auf die Waffe in ihrer Hand. Eine Kugel war noch drin. Langsam ließ sie das Fenster runter und zielte auf den Hinterreifen. Nur einen Schuss...sie hatte nur einen Schuss und auch nur eine Chance. Langsam krümmte sich ihr Finger. Der Schuss hallte und die Fetzen des Reifens flogen im hohen Bogen durch die Luft. Der Jeep begann zu schlingern und sein Fahrer besaß keine Kontrolle mehr über ihn. Er brach nach links aus und landete im Straßengraben. Ben sah erstaunt nach hinten. „Wow...alle Achtung, wo haben sie so gut schießen gelernt?“, fragte er und drosselte die Geschwindigkeit. „Ich...ich kann es nicht. Ich verabscheue Schusswaffen.“, erwiderte Klara und ließ Semirs Waffe fallen. Der Deutschtürke war bloß noch bei halbem Bewusstsein, bekam nur noch schemenhaft mit, was um ihn passierte. „Ben?“, keuchte er. „Semir, wir sind gleich in Sicherheit. Halte durch...“, forderte Ben vom Vordersitz. „Ich...ich kann bald nicht mehr.“, kam es schwach vom Deutschtürken zurück. „Er...er verliert eine Menge Blut. Ich werde versuchen, es abzubinden.“, erklärte Klara und zog Semirs Gürtel von dessen Hose, band ihn um den Oberschenkel herum und zog ihn fest zu. Auf ihrer Stirn sammelten sich die Schweißperlen en masse. „Geschafft, aber er muss dennoch dringend zum Arzt.“, erklärte sie. Ben nickte. „Keine Sorge, Partner. Ich lasse dich nicht sterben.“


    Ulrich Förster betrat die PASt und merkte die große Aufregung, die hier vor herrschte. „Entschuldigung, aber wo finde ich das Büro von Kim Krüger?“, wollte er wissen und tippte einem langen Polizisten auf die Schulter. „Wer sind sie denn?“, fragte der Mann mit den Hängebäckchen. „Ulrich Förster, BKA Wiesbaden...also, wo ist das Büro ihrer Chefin?“, fragte Ulli nach und sah dann schon von weitem das lange, braune Haar aus einer Tür kommen. „Danke, ich sehe sie schon.“, meinte er dann zum Polizisten und ging einfach an ihm vorbei. „Kim...Kim Krüger...“, rief er sie an. Sofort blieb die Chefin der Autobahnpolizei stehen und drehte sich um. „Ulli, da bist du ja endlich.“, meinte sie lächelnd und ging auf den Mann zu. „Komme ich ungelegen?“, fragte er und sah sich um. „Deswegen habe ich dich doch angerufen. Es geht um meine beiden Kommissare, die diese Zeugin beschützen.“ „Ach, ja...jetzt fällt es mir wieder ein.“, kam es dann von Ulli Förster. „Es geht um die Firma von diesem Moosfinger. Deine Leute haben eine Zeugin, die endlich seine kriminellen Machenschaften beweisen können?“, fragte er nach. Kim nickte. „Aber, wenn sie sich nicht bald melden, dann sehe ich schwarz.“, erklärte sie und seufzte. Ulli nickte und warf einen Blick auf die Karte.
    „Wo wollten deine Männer hin?“ „Ich weiß nur, dass sie in die Nähe dieser Talsperre wollten. Ben hat einen Freund, der dort ein Wochenendhaus besitzt. Dort wollten sie unterkommen.“, erklärte Kim. Ulrich nickte und fuhr mit dem Finger über die Karte. „Eine karge Gegend. Jedes Dorf mindestens fünfzehn Kilometer von einander entfernt. Wenn sie da erwischt werden, sind sie ganz auf sich allein gestellt.“, meinte der Mann. „Chefin, ich hab Bens Handy für einen Moment orten können.“, stieß Susanne aus, als sie ins Büro gestürmt kam. „Und wo? Zeigen sie es uns an der Karte.“, forderte Kim und machte Platz. Susanne kann an die Karte und zeigte auf die Karte. „Ungefähr hier bei der Talsperre. Ich hatte ihn für fünf Sekunden, dann brach der Kontakt wieder ab.“, erklärte Susanne. Kim nickte nur. „Ulli, nimm du den Hubschrauber und such das Gebiet ab.“ „Geht klar, Kim.“, erwiderte der Mann und war im nächsten Moment verschwunden. „Warum haben sie die Beiden wieder verloren?“, fragte Kim an Susanne gewandt. „Das Gebiet dort hat mächtige Funklöcher. Es war reiner Zufall, dass ich Ben gefunden hab. Er hat scheinbar versucht, jemanden anzurufen.“, erwiderte Susanne mit ertappter Stimme. „Entschuldigen Sie, ich mach mir nur Sorgen um die Beiden.“ „Chefin, das machen wir uns auch. Sie sind nicht die Einzige. Ich werde die Beiden finden.“, meinte Susanne energisch und stürmte wieder zu ihrer Arbeit zurück. Kim lächelte ihr nach und blickte dann wieder auf die Karte. Ein riesiges Gebiet. Sie konnte nur hoffen, dass Ben bald eine Möglichkeit zum Telefonieren fand.


    ...

  • Ben fuhr und fuhr und fuhr immer weiter. Die Nacht schien schon weit fortgeschritten zu sein, doch keiner der drei Insassen im Wagen schlief. Im Gegenteil, Klara versuchte alles, um Semir bei Bewusstsein zu halten. Dieser wimmerte immer wieder vor Schmerzen und bäumte sich auf. „Bitte Herr Gerkhan, liegen sie still. Die Kugel sitzt noch im Oberschenkel. Sie muss da unbedingt raus.“, stieß Klara Weber aus und presste einen weiteren Streifen auf Semirs blutgetränkte Jeans. „Ich...die Kugel muss raus. Sie...sie bewegt sich noch.“, keuchte Semir nur und hielt sich das Bein. Ben sah durch den Rückspiegel nach hinten und sorgte sich mit jeder Minute mehr und mehr um seinen Dienstpartner. Irgendwo musste sich doch ein Haus oder sonst ein Unterschlupf finden lassen, wo man wenigstens für die Nacht unterkam. Ein Piepen machte Ben noch auf etwas anderes aufmerksam. „Verdammt, der Tank ist bald leer.“, murmelte er nur und sah sich in der Gegend um. Da, ein Licht. Endlich hatten sie Glück. Ein Licht war zu sehen. Und wo Licht war, waren meist auch Leute und Zivilisation zu finden, dachte er nur und fuhr darauf zu.
    Robert sah auf das im Gras liegende, frisch zur Welt gekommene Kalb. Da war es also wieder, das Wunder des Lebens. „Doktor, ich danke ihnen.“, meinte der Landwirt und schüttelte dem Veterinär die blutverschmierten Hände. „Schon gut...Hilde hat auch die meiste Arbeit gemacht. Sie ist wirklich schon eine erfahrene Mutter. Wie soll das Kalb denn heißen?“, fragte er und packte seine Instrumente in den Destilierapperat. Langsam zog er sich den großen, blutverschmierten Handschuh ab und wusch sich die Hände in einem Bottich mit warmen Wasser. Doktor Jens Schmitz sah auf das noch nasse, schwarzweiße Kalb, dass zärtlich von seiner Mutter sauber geleckt wurde. Robert Knauser holte noch mehr Stroh und verteilte es in der Box. „Ein wirkliches Wunder. Sehr schön...“, lächelte er und ging wieder zurück auf den Hof. Ein Auto kam auf den Hof gefahren. Sofort blieb er stehen und blickte den Mercedes misstrauisch an. Da nur noch das Licht aus dem Stall auf den Hof fiel, sah er nicht wirklich was. So auch nicht die Einschusslöcher in der Karosserie. „Hallo? Wer ist da? Was wollen sie?“, fragte der Landwirt und suchte etwas, womit er sich verteidigen konnte.


    Ben bremste den Mercedes ab und stieg aus. „Hallo...bitte helfen sie mir. Mein...mein Freund ist schwer verletzt. Wir...wir müssen ihn sofort einen Arzt rufen.“, stieß Ben aus und ging auf den Mann zu. Dieser blickte misstrauisch auf Ben, sah das Blut an seiner Kleidung und schreckte zurück. „Sie...sie sind ein...ein...“, keuchte der Mann und griff nach einem großen Vorschlaghammer. „Was? Nein, ich bin Polizist. Hier...hier mein Ausweis.“, stieß Ben aus und hielt ihm den Mann direkt unter die Nase. „Bitte, helfen sie mir und meinem Kollegen.“, forderte der junge Hauptkommissar und deutete auf den Rücksitz, wo Semir vor sich hin blutete. Robert ging langsam, noch immer mit dem Vorschlaghammer bewaffnet, auf den Wagen zu und sah durch das Fenster. „Oh verdammt...kommen sie schnell. Der...der Tierarzt ist noch da. Besser als nichts.“, stieß Robert aus, ließ den Hammer sinken und rannte zurück in die Scheune. „Tierarzt?“, kam es nur von Ben. Wieder sah er zu Semir. Dessen Blick verriet ihm aber, dass sie keine große Wahl hatten.
    „Doktor...hier ist noch ein Patient für sie.“, rief Robert in den Stall hinein und eilte in den Stall, kam mit einem jungen Mann zurück. Ben sah kaum etwas vom Gesicht des jungen Mannes. Der Schein aus dem Stall fiel ihm auf den Rücken. „Wo ist der Mann?“, fragte der Arzt und kam auf den Wagen zu, warf einen Blick durch das Seitenfenster und schrak zurück. „Oh verdammt...ich brauche sofort eine stabile Unterlage und viel Licht.“, meinte der Veterinär. Robert nickte. „Unser Esstisch ist groß genug und die Lampe gibt genügend Licht.“, erwiderte der Bauer. „Gut, dann müssen sie mir helfen. Tragen sie ihn ins Haus. Ich hole mein Besteck.“ Ben sah, wie der Mann in den Stall zurück rannte. Klara zog Semir derweil vorsichtig zur Tür und half ihm beim Aussteigen. Sofort war Ben bei ihr und nahm Semir vorsichtig auf die Arme, trug ihn selbst ins Haus und legte ihn auf den Tisch. „Nein, so nicht. Es muss alles runter vom Tisch und die Platte muss erst desinfiziert werden.“, stieß der Mann aus. Robert nickte und zog alles vom Tisch. Seine Frau half und wischte die Platte mit Essigwasser ab. „Okay, jetzt legen sie ihn rauf und halten ihn gut fest. Ich muss mir die Wunde erst ansehen.“, stieß Jens Schmitz aus und suchte in seinem Koffer nach einem geeigneten Betäubungsmittel, dass für Menschen nicht schädlich war.


    Ben hielt Semirs Arm und sah immer wieder auf die Stirn des jungen Arztes. Der Schweiß lief wie ein Wasserfall von seiner Stirn und benetzte den großen Holztisch. Der Mann riss das Bein der Jeans auf, schnitt es an den Nähten mit einem großen Küchenmesser auf. „Die Wunde ist schon ziemlich entzündet und die Kugel scheint irgendwo festzusitzen.“, stieß der Arzt aus. „Können sie dir Kugel rausholen oder nicht?“, stieß Ben mit sorgenvoller Stimme aus. „Ich kann schon, aber da gibt es ein Problem. Der Blutverlust wird immens und ich habe nichts hier, um das zu verhindern.“, erwiderte der Arzt, doch dann sah er sich um. „Frau Hinze, ich brauche mehrere Wäscheklammern und desinfizieren sie die gleich bitte.“, forderte er. „Was... was wollen sie denn mit Wäscheklammern?“, kam es von Ben. „Die Arterie abklemmen. Ansonsten bleibt ihrem Kollegen nicht mehr viel Zeit.“ „Oooooooooooh, tut doch was. Es tut so höllisch weh.“, schrie Semir vor Schmerzen und bäumte sich auf. „Halten sie ihn fest. Er muss ruhig liegen.“, stieß Jens aus und sofort drückten alle Beteiligten den Deutschtürken wieder auf den Tisch runter. „Haben sie noch etwas von ihrem selbstgebrannten Apfelschnaps?“ Robert sah ihn an. „Sicherlich, drei Flaschen, aber wofür brauchen sie die?“ „Für ihn. Er muss sie trinken. Der Alkohol wird ihn etwas betäuben. Und ich brauche eine Flasche um die Wunde zu desinfizieren.“, erklärte der Veterinär. Ben wusste nicht, ob er umfallen oder weiter zusehen sollte. Die Bäuerin kam mit den drei Flaschen wieder und sofort begann sie damit, Semir zwei der Flaschen einzuflößen. Immer wieder wehrte sich der Deutschtürke dagegen, doch mit der Zeit war er mehr als benebelt, lallte nur noch und blieb dann still auf den Tisch liegen. „Gut, ich fange jetzt an.“, kam es dann von Jens und schon setzte er die erste Klammer.
    Es dauerte mehrere Stunden und immer wieder musste Semir ruhig gehalten werden. Frau Hinze füllte Semir den letzten Rest vom Apfelschnaps ein und sah auf die Wunde, an der immer noch der Arzt arbeitete. Mit der Zange fuhr er immer wieder in der Wund herum, suchte nach der Kugel. „Endlich, ich hab sie...hier ist sie.“, stieß er aus und hielt ein vollkommen blutverschmiertes Projektil in die Luft. Ben atmete erleichtert aus und blickte auf Semir. „Wie geht es dir, Partner?“, fragte er und wischte ihm den Schweiß von der Stirn. „Ich...ich fühl mich so leicht und so...so voll.“, kam es dann vom Deutschtürken. „Er muss noch ruhig liegen. Ich muss die Wunde spülen und die Arterie reparieren.“, stieß der Arzt dann aus und machte sich wieder an die Arbeit. Nach einer weiteren Stunde war er dann fertig und atmete erleichtert auf, als er den letzten Stich setzte. Erleichtert musste Jens jetzt selbst einen Schluck aus der Flasche nehmen, die er vorher zum desinfizieren benutzt hatte. „Konnten sie ihm helfen, Doc?“, fragte Ben sofort nach. „Nun, die Kugel ist raus und die Blutung ist gestillt. Wenn er sich in den nächsten Tagen nicht bewegt und das Bein nicht belastet, sollte er so gut wie neu werden. Allerdings sollten sie einen meiner Kollegen aufsuchen. Allerdings für menschliche Medizin.“, meinte Jens und verabschiedete sich dann von den Anwesenden.


    ...


    So Leute, das ist der Teil fürs Wochenende. Ich bin erst wieder am Montag da. Dann gibts leider auch erst wieder was zu lesen ;)

  • Und ein Teil für Sonntag ...
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    Ben sah auf seinen Partner. „Semir, wie geht es dir?“ „Ich...ich fühl mich wie von einer Planierraupe überfahren.“, kam es lallend von ihm zurück. Ben presste ein gequältes Lächeln über seine Lippen und klopfte seinem Partner auf die Schulter. Dann wandte er sich an Robert Hinze. „Kann...kann mein Kollege sich hier irgendwo ausruhen?“ „Sicher. Das Zimmer unseres Sohnes ist frei. Er studiert in Köln und ist nur noch einmal im Monat zu Besuch hier.“, erklärte der Landwirt und nahm Semir vorsichtig vom Tisch, ließ ihn auf den Boden Halt finden und ging dann langsam mit ihm zum Zimmer. Ben folgte und half Semir ins Bett. „Das Bein muss hoch und ruhig liegen. Haben sie noch Kissen?“, fragte Ben, als sie Semir endlich im Bett hatten. Der Mann nickte und kam wenig später mit einigen zusätzlichen Kissen wieder. „Danke...“, meinte Ben und stopfte sie unter Semirs Bein. Der Deutschtürke sah mit glasigen Augen auf das Treiben und ließ dann seinen Kopf erschöpft ins Kissen fallen. Ben lächelte und verließ dann das Zimmer. Semir schloss erschöpft die Augen und war binnen weniger Minuten eingeschlafen.
    „Haben sie hier vielleicht ein Telefon?“, fragte Ben dann, als er wieder in der großen Küche stand. Klara Weber half dabei, den Tisch zu reinigen und sah auf, als Ben ins Zimmer trat. „Sicher haben wir eins. Kommen sie bitte...“, forderte Robert und brachte den jungen Hauptkommissar zum Telefon im Flur. „Danke...ich muss meine Chefin anrufen und sagen, wo wir sind. Wo sind wir hier eigentlich?“, fragte er dann und nahm den Hörer in die Hand. „In der Nähe von Neuerkirch...“, erklärte Robert Hinze. „Neuerkirch? Ist aber ganz schön weit von Köln weg.“, kam es von Ben und dann wählte er die Nummer von Kim. „Krüger...“, hörte er dann die besorgte Stimme seiner Chefin am anderen Ende der Leitung. „Chefin, ich bin es...Ben...“ „Ben? Wo zum Teufel stecken sie denn? Wir versuchen schon, sie zu orten.“, legte Kim sofort los. „Chefin, wir sind im Wohnbungalow angegriffen worden. Die Typen haben uns aufgelauert. Und Semir....Semir ist verletzt worden.“ „Wo sind sie? Ist er schwer verletzt worden?“, fragte Kim erschrocken. „Er wurde im Bein erwischt und musste von einem Tierarzt notoperiert werden. Wir sind hier in der Nähe von Neuerkirch.“, erklärte Ben. „Neuerkirch? Okay, ich mache mich sofort auf den Weg. Bleiben sie, wo sie sind.“, meinte Kim und beendete das Gespräch. „Was sollte ich sonst machen mit leeren Tank? Ich werde wohl kaum das Auto schieben.“, knurrte Ben und kam zurück in die Küche. Klara stand auf und ging auf Ben zu. „Was wollen wir jetzt machen? Diese Kerle werden sicher bald wieder hinter uns her sein.“ „Was für Typen und was ist eigentlich hier los?“, wollte Robert wissen und nahm seine Frau schützend in den Arm.


    „Bitte, machen sie sich keine Sorgen. Ich bin wirklich Polizist und muss diese Frau vor einigen Mördern beschützen. Wir wollen ihnen sicherlich keine Umstände machen, aber mein Kollege braucht Ruhe und in einigen Stunden wird meine Chefin hier sein.“, erklärte Ben und hob beschwichtigend die Arme. Der Bauer sah dennoch den Mann misstrauisch an und auch Frau Hinze blickte auf das Mädchen. „Was, wenn die Männer, die sie suchen, hier her kommen?“, fragte sie. „Dann sind wir in genau so einer Gefahr, wie sie...“, fügte Robert Hinze hinzu. „Ich weiß und es tut mir mehr als Leid, aber ich kann es ja nicht ändern. Ich kann allerdings verstehen, wenn sie uns jetzt loswerden wollen.“, meinte Ben nur und ging dann zum Tisch hinüber. Martha sah ihren Robert an und lächelte nur. „Schätzchen, wir können sie nicht hier behalten.“, flüsterte er. „Wir können sie doch nicht weg schicken. Immerhin haben wir hier vor einigen Minuten noch seinen Kollegen operiert. Und, wir haben doch genug Platz hier.“, erklärte Martha und lächelte ihn an. „Na gut...einverstanden. Also schön...“, meinte er dann an Ben gewandt. „Sie können hier bleiben und warten, bis ihr Kollege wieder gesund ist.“, erklärte der Landwirt. Ben ließ erleichtert den Kopf hängen. „Danke...auch im Namen von Semir.“ Währenddessen war Klara in den Hof hinaus gegangen und tippte eine lange SMS auf einem Handy und verschickte diese. Schnell ließ sie es wieder dorthin verschwinden, wo sie es hergeholt hatte.
    Engin legte sein Abhörgerät beiseite. „So, so...wir sind also auf einem Bauernhof.“, lächelte er und griff zu seinem Handy. „Oktan, trommele die Leute zusammen. Ich habe unsere kleine Zeugin wieder gefunden. Wir holen sie uns und dann machen wir sie erst recht kalt.“, stieß Engin aus und klappte sein Handy wieder ein. Er sah auf den Schaden am Jeep und trat mit dem Fuß dagegen. „Ich krieg euch schon. Keine Sorge, Bullen, ich krieg euch und dann brat ich euch am Spieß.“, fauchte der Mann und sah auf die Straße. Irgendwo würde sich doch ein Auto finden lassen. Er ging hinauf zur Straße und blickte sich um. Es war mittlerweile drei Uhr nachts. Kaum zu glauben, dass hier jemand vorbei kam, an dieser verlassenen Straße. Engin sah sich um, seine Hand immer an der Waffe. Plötzlich kamen Scheinwerfer auf ihn zu. „Na, wer sagt es denn...“, lachte er und begann, wild mit den Armen zu wirbeln. Das Auto hielt wirklich an. Ein älterer Herr stieg aus und sah den Türken fragend an. „Kann ich ihnen helfen, junger Mann?“, wollte er wissen. „Allerdings...“, grinste Engin und holte dann mit dem Waffenlauf aus, schlug dem Alten direkt ins Gesicht. Der Mann sackte zusammen und Engin nahm sich den Wagen und brauste davon. „Tja Alter, du musstest ja fragen.“, grinste er und brauste davon.


    ...

  • Ulrich flog über dem Gebiet mit der Talsperre. „Herr Kommissar, es ist schon ziemlich dunkel. Wir sollten umkehren und morgen weiter suchen.“, rief der Pilot über Funk. Ulrich Förster sah auf den dunklen Wald hinunter. Eigentlich hatte der Pilot recht. Doch das konnte er Kim nicht antun. „Nein, wir müssen weitersuchen. Schalten...schalten sie die Thermografiekamera ein. Vielleicht finden wir die Beiden so.“, erklärte Ulli und suchte weiter mit dem Fernglas, sah dann aber eher auf den Monitor. Doch es blieb dunkel. Nichts, rein gar nichts war unten zu sehen. „Wir müssen weiter. Folgen sie der Straße. Vielleicht haben wir Glück und finden sie so.“, forderte der BKA-Mann. „Vergessen sie es. Wir haben nicht mehr genug Sprit. Und wenn wir jetzt nicht umkehren, dann können uns die Kollegen der Feuerwehr da unten einzeln von den Bäumen aufsammeln.“, kam es nur vom Piloten. „Fuck...dann drehen sie um.“, knirschte Ulrich und schaltete den Bildschirm aus. „Dann drehen sie ab. Ich suche vom Boden weiter.“ Der Pilot nickte und drehte die Maschine in einer steilen Kurve nach links ab.
    Kim fuhr auf der Landstraße weiter und näherte sich dem Bauernhof. Immer wieder sah sie in den Rückspiegel, ob ihr auch keiner folgte. Doch sicher gehen konnte sie sich nicht. Die Dunkelheit verschlang alles, wo der Scheinwerfer nicht mehr hin kam. Da sah sie etwas im Scheinwerferlicht im Graben liegen. Langsam fuhr sie daran vorbei und stoppte den Wagen. Sofort sprang sie aus der Tür und rannte auf das Etwas zu. Sie nahm die Taschenlampe und leuchtete das Ding ab. „Oh mein Gott...“, stieß sie aus und kniete sich neben einen alten Mann, der im Gesicht eine blutige Strieme hatte. „Hallo? Können sie mich hören?“, fragte Kim und tätschelte vorsichtig, aber bestimmend die Wangen des Mannes. Langsam und mit einem Stöhnen kam dieser wieder zu sich. „Helfen...helfen sie mir. Ich...ich wurde überfallen.“, keuchte der Mann. „Ganz ruhig, ich bin von der Polizei. Kommen sie hoch. Ich helfe ihnen.“, meinte Kim und half dem Mann beim Aufstehen. Sie brachte ihn zu ihren Wagen, ließ ihn auf der Rückbank Platz nehmen und rief über Funk Hilfe. „Susanne, versuchen sie Ben zu erreichen. Sagen sie ihm, dass ich aufgehalten wurde.“, hängte sie noch an. „Ich versuche es.“, erwiderte die Sekretärin. Noch ahnten beide nicht, dass es für direkte Hilfe bereits zu spät war.


    Engin näherte sich langsam dem Bauernhof und stoppte kurz vor der Auffahrt. „Tarik, ich bin es. Wo seid ihr jetzt?“, wollte er wissen. „Ungefähr drei Stunden von dir entfernt.“, erklärte der Mann am anderen Ende. „Warum denn bitte das?“, fauchte Engin ins Handy. „Tja, die Polizisten haben doch besser geschossen, als gedacht.“, erwiderte Tarik. „Gut, dann macht schnell. Ich versuche, einige Informationen zu erlangen.“, meinte Engin und legte auf. Er sah auf den Bauernhof und blickte sich um. Die Dunkelheit ausnutzend, schlich er zum Haus und lugte durch jedes Fenster. Plötzlich blieb er stehen. Das war doch dieser Bulle, den er angeschossen hatte. Dann waren sie also wirklich hier. Engin nahm seine Waffe aus dem Halfter und entsicherte sie. Nein, das war zu einfach. So, wie dieser Bulle dalag, war es doch leichter, wenn er ihn einfach im Schlaf umbrachte. Ja, das war es doch. Mit seinem Messer hebelte er am Fenster herum, suchte nach einer Schwachstelle und den inneren Hebel, den er einfach umlegen musste, um ins Zimmer zu gelangen. Ein leises Klicken war zu hören und das Fenster glitt sanft zur Seite. Jetzt stieg er langsam zum Zimmer hinein und ging um das Bett herum. Still und friedlich lag der Polizist da. Engin sah auf das Bein. „Sieh mal an. Hat man dich also wieder repariert?“, lachte er und ging langsam zur Tür. Vorsichtig lauschte er nach draußen, doch es war nichts zu hören. Engin ging wieder zum Bett zurück und sah auf den Polizisten. Vorsichtig nahm er das Kissen unter Semirs Kopf weg, der davon natürlich aufwachte. „Träum süß...“, grinste Engin und presste das Kissen auf Semirs erschrockenes Gesicht.
    Ben ging mit der vom Bauernehepaar bekommenen Bettwäsche den Gang entlang und kam dabei an Semirs Zimmer vorbei. Er hörte ein leises Klappern. War Semir etwa aufgewacht? Abrupt blieb Ben stehen und ging an die Tür, um zu lauschen. Irgendwas stimmt da nicht. Er hörte ein leises Röcheln und immer wieder Schritte. Sofort schrillten die Alarmglocken bei Ben. Er ließ alles fallen und riss die Tür auf. Eine dunkle Gestalt stand über Semir und drückte ihm ein Kissen auf das Gesicht, während sein Partner mit den Armen und dem gesunden Bein strampelte. „Lass mein Partner los, du Schwein.“, fauchte Ben und warf sich mit einem Sprung auf die Silhouette. Sofort begann am Boden ein Gerangel. Die Gestalt schlug immer wieder auf Ben ein, doch dieser fing die Schläge ab und teilte dann selbst aus. „Jetzt reicht es mir aber...“, fauchte Ben, klammerte seine beiden Hände zusammen und schlug mit voller Wucht gegen das Kinn des Angreifers. Er spürte den Schmerz des Kiefers an seiner Hand. Ein lauter Bums war zu hören und Ben keuchte außer Atem. Langsam erhob er sich und ging um das Bett herum. Mit erschrockenen Augen blickte Semir ihn an. „Da...danke Partner...ich...ich konnte nichts machen.“ „Schon gut, Partner. Es war nur Glück, dass ich gerade an der Tür vorbei kam.“, erklärte Ben und zog den Mann am Boden zum Bettpfosten und suchte etwas, womit er ihn daran fesseln konnte. Es dauerte nicht lange und Ben hatte ihn fest gebunden. Doch damit sollte der Schlamassel erst anfangen.


    ...

  • Engin kam langsam wieder zu sich und blickte sich langsam um. Schnell merkte er, dass er gefesselt war. „Hey, was soll das? Macht mich sofort los.“, fauchte er und trat um sich, versuchte, sich zu befreien. Doch es gelang ihm nicht. „Halten sie die Klappe.“, fauchte Ben und kam auf den am Boden liegenden Mann zu. „Sie wollten meinen Kollegen töten. Da reagiere ich sehr allergisch drauf.“ Engin sah auf den Mann und grinste nur. „Na und? Soll ich vor dir Bullen Angst haben?“, lachte er gehässig und grinste hämisch. Ben überkam die Wut, er warf sich wieder auf den Mann und packte ihn am Kragen. „Mach's Maul auf...wer bist und was willst du hier?“, fauchte der junge Hauptkommissar. Semir konnte nur die Worte und die Stimmen hören. Viel von dem Geschehen sah er nicht. So ließ er sich wieder ins Bett fallen und versuchte, den Stimmen zu folgen. „Denkst du wirklich, dass ich dir das sage, du kleiner Straßensheriff?“, lachte Engin und blickte mit einer kühlen, herausfordernden Art in Bens Augen.
    Kim wies die Kollegen und Sanitäter ein. „Kümmern sie sich um den Mann.“, forderte sie und ging dann auf die Polizeibeamten zu. „Kim Krüger, Kripo Autobahn. Ich brauche sofort eine Streife. Fahren sie mit mir zu dieser Adresse.“, meinte sie in einem befehlshabenden Ton, der die Beamten sofort kerzengerade stehen ließ. „Geht klar...wir folgen ihnen.“, meinte der Mann ihr gegenüber und stieg in seinen Wagen. Kim setzte sich hinter das Steuer ihres Autos und brauste die Straße entlang. Schnell war das Blaulicht eingeschaltet. Ben sollte sehen, dass sie kommen und es würde die Gangster vielleicht abschrecken, sollten diese noch immer hinter Semir und Ben her sein. „Chefin, Susanne hier...wir haben gerade einen Anruf von den Kollegen aus der Stadt erhalten.“, kann es plötzlich aus dem Funk. „Was wollten die Kollegen denn?“, fragte Kim zurück und sah wieder auf die Straße. „Moosfinger wurde vor nicht mal zwanzig Minuten tot in seiner Wohnung gefunden. Mit einem großen Loch im Kopf und Fesselspuren an den Händen. Es sieht wie eine Hinrichtung aus.“, kam es von Susanne. „Verdammt...dann hat da jemand einen Auftragsmord ausgelöst. Die Kollegen sollen alles an mich weiterleiten. Machen sie denen klar, dass wir an dem Fall mitarbeiten. Ich melde mich, sobald ich bei Ben und Semir angekommen bin.“, stieß Kim aus und legte das Funkgerät beiseite.


    Tarik und seine Leute fuhren in einer Kolonne von drei bis fünf Fahrzeugen von der anderen Straßenseite an den Bauernhof heran. Sie lenkten sich gerade in die Kurve, als sie von der Ferne Blaulicht sahen. „Verdammt...sofort alle Wagen halt und Licht aus.“, fauchte er durchs Handy. Sofort stoppte die Kolonne und verschwand in einem Waldweg. Tarik stieg aus und beobachtete, wie die Autos in die Hofeinfahrt fuhren. Verdammt, damit war doch der ganze Plan in Gefahr, dachte er und stieg wieder ein. „Wir warten. Notfalls gehen wir trotzdem rein oder...“ Tarik überlegte kurz und sah dann nach hinten. „Wie viel Benzin haben wir denn noch?“, fragte er und sah seinen Fahrer an. „Jedes Auto ein Kanister...warum?“, wollte dieser wissen und blickte nach hinten, dann wieder zu seinem Beifahrer. Tarik fing an, seine Mundwinkel zu einem teuflischen Grinsen hochzuziehen. „Gut, dann ruf an und sag, dass jeder Beifahrer mit dem Kanister herkommen soll. Ich hab da eine zündende Idee...“, lachte Tarik und stieg aus.
    Kim fuhr die Auffahrt hinauf und stellte ihren Wagen direkt hinter den von Ben ab. Schnell war der Motor ausgeschaltet und sofort rannte sie zum Haus, klingelte und hämmerte gleichzeitig gegen die Tür. Nirgends war mehr Licht zu sehen, doch als das erste Klingeln erklang, sprang in der oberen Etage eine Lichtquelle an. „Wer ist da unten?“, schrie eine Stimme. „Ich bin Kim Krüger von der Autobahnpolizei. Bei ihnen sind zwei meiner Leute und einer ist schwer verletzt. Bitte, lassen sie mich rein.“, forderte Kim. Wenig später waren Schritte im Gebäude zu hören und ein vollkommen verärgerter Landwirt erschien an der Tür. „Kommen noch mehr von eurer Sorte oder waren das jetzt alle? Ich kann mein Heim ja langsam zu einer Kneipe umfunktionieren.“, fauchte er. Kim ließ dies unkommentiert und ging an dem Mann vorbei. „Wo sind meine Kollegen und die Frau, die sie bei sich hatten?“, wollte sie wissen. „Die beiden Männer schlafen gleich hier unten und die Frau oben. Gleich das erste Zimmer an der Treppe.“, erwiderte der Mann. „Gut danke...“, erwiderte Kim und ging zu dem Zimmer, wo sie Semir vermutete. Vorsichtig klopfte sie. „Herein...“, hörte sie die Stimme des Deutschtürken von innen hervordringen. Sie drückte die Klinke runter und stand wenig später im Zimmer von Ben und Semir. „Meine Herren, ich suche sie schon überall. Wer ist das denn?“, fragte Kim und deutete auf den Mann am Boden.


    ...

  • Tarik nickte seinen Männern zu und rannte mit ihnen an die Hinterseite des Stalls heran. Vor ihnen befand sich ein größerer Stapel Bauholz. „Sehr gut...los, das Benzin rauf und dann zurück zu den Autos.“, forderte er und im nächsten Moment stieg ihm der beißende Geruch des Brennstoffes in die Nase. Die Männer leerten ihre Kanister und gingen dann zurück zu ihren Wagen. Tarik stieg auf das durchtränkte Brennholz und kippte seine Ladung auf das Dach und an das Gebäude des Stalls, ehe er wieder mit einem Satz im Gras landete, sich mit einigen Büscheln und einer Hand voll Erde das Benzin von den Schuhen und vom Hosenbein abrieb und dann eine Packung Streichhölzer aus der Tasche nahm. Ratschend fuhr das Zündholz über die Reibefläche. Züngelnd fraß sich die Flamme am Zündholz empor. „Und damit beginnt das Spiel jetzt.“, lachte Tarik und warf das brennende Streichholz in die Pfütze mit Benzin. Sofort stiegen die Flammen am Holz und an der Wand empor, verteilten sich auf dem Dach und züngelte langsam über das ganze Dach hinweg. „Und jetzt beginnt das Spiel.“, lachte er und verschwand durch den Wald zum Wagen.
    „Dieser Kerl wollte Semir ersticken. Er ist durch das Fenster gekommen und hat Semir das Kissen aufs Gesicht gedrückt.“, erklärte Ben. „Haben sie ihm schon den Ausweis abgenommen?“, fragte Kim. Ben nickte und hielt den Pass hoch. „Engin Acar. Sind sie deutscher oder türkischer Staatsbürger?“, fing Kim an, doch Engin schwieg einfach weiter. „Gut, wenn sie es nicht sagen wollen.“, meinte sie und griff nach ihrem Handy, um Susanne anzuwählen, als sie einen beißenden Geruch wahrnahm. „Ach ja, Moosfinger wurde vorhin erschossen in seiner Wohnung aufgefunden. Ich habe den Kollegen bereits gesagt, dass wir an dem Fall mitarbeiten werden.“ Semir und Ben sahen sich kurz an und nickten dann. „Sagen sie mal, brennt es hier irgendwo oder haben die Leute was über Nacht im Herd gelassen?“, fragte sie. Ben zuckte erst mit den Schultern, doch dann stiegen böse Vorahnungen in ihm auf, als er Engins grinsendes Gesicht sah. „Chefin, passen sie auf Semir auf. Ich...ich hab so eine böse Vorahnung.“, stieß er aus und rannte los. Kim sah ihn nach und blickte auf Semir, der nur dösend im Bett lag.


    Klara war gerade oben, als sie ebenfalls das Feuer roch. „Diese dummen Mistkerle werden doch nicht so etwas tun...“, knurrte sie nur und sah zum Fenster raus. „Doch, sie sind so dumm.“, knirschte sie und ging leise die Treppe runter. Sie sah auf die Tür, wo dieser Gerkhan hinter lag. Plötzlich sah sie diesen Jäger aus der Tür stürmen. Verdammt, dieser Kerl würde alles vermasseln, dachte sie nur und folgte ihm. Von einem Stapel nahm sie einen dicken Holzscheit. „Hey, was ist denn hier los?“, hörte sie dann nur und schon fielen Schüsse. Verflucht, selbst ihre eigenen Männer schossen auf sie, als sie in den Hof kam. „Frau Weber, kommen sie in Deckung. Was machen sie denn hier?“, schrie Ben und zerrte sie hinter eine Wassertonne. „Ich...ich konnte nicht schlafen und da hab ich das Feuer gesehen.“, erwiderte sie und hielt den Holzscheit hinter sich noch immer versteckt. „Gehen sie schnell wieder ins Haus zurück. Ich werde versuchen...“ Weiter kam Ben nicht. Klara hielt den Holzscheit weit nach oben und schlug mit brachialer Wucht in Bens Nacken. Stöhnend ging der junge Hauptkommissar zu Boden. „Tut mir Leid, aber ich habe noch einige Pläne mit ihnen. Sie haben einer sehr, sehr lieben Person von mir einiges vermasselt.“, lächelte sie und streckte den Kopf nach draußen. Die Schießerei hatte sich gelegt, nur noch vereinzelt schossen ihre Männer auf die beiden Beamten, die ängstlich in ihrem Streifenwagen saßen. „So, jetzt müsste doch gleich...“, dachte sie nur laut und schon war der Mann da.
    Tarik kam zu ihr und sah auf den bewusstlosen Polizisten. „So, sie haben also ihren Willen bekommen. Und was jetzt? Wir wollten uns hier mit Engin treffen, doch er ist noch nicht da.“, meinte er und sah sich um. „Egal. Fesseln sie diesen hier erstmal. Ich werde nach Engin sehen. Sorgen sie dafür, dass die anderen Polizisten hier nicht weg kommen.“, stieß Klara aus und nahm die Waffe von Ben in die Hand. Sie ging wieder ins Haus und sah sich dort um. Dabei stand sie auch vor der Zimmertür von diesem Gerkhan und lugte durchs Schlüsselloch. Deutlich konnte sie den Verwundeten sehen und eine Frau in ihrem Alter. Doch wer war da am Boden? Das war doch Engin. „Shit...“, fluchte sie und überlegte, was zu tun war. Da kam ihr eine Idee. „Feuer...Feuer...schnell, alle raus hier...“, schrie sie und stellte sich auf die andere Seite der Tür. Hoffentlich ging ihr Plan auf. Engin war wichtig. Außerdem brauchte sie den anderen Polizisten für das, was sie vorhatte.


    ...

  • Kim hörte das Rufen und sah sich um. „Ich sehe mal nach. Semir, sie bleiben ruhig im Bett liegen.“, forderte die Chefin. Semir nickte und nahm sich die neben ihm stehende Taschenlampe als Waffe in die Hand. „Keine Sorge, ich werde mich verteidigen, wenn der Kerl da unten Schwierigkeiten macht.“, erklärte Semir und grinste leicht. „Gut.“, meinte Kim, nahm ihre Hand an die Waffe und verschwand nach draußen. Sie war gerade um die Ecke gebogen, als sie einen dröhnenden Schmerz im Nacken verspürte. Sie fiel längs auf den Boden und blieb benommen liegen. Klara beugte sich über sie. „Bleib ja liegen, wenn dir dein Leben lieb ist.“, knurrte sie und ging in den Raum hinein. Sofort blickten sie zwei erschrockene Augen an. „Frau Weber...was...was machen sie denn hier?“, fragte Semir, sah dann aber die Waffe in ihrer Hand. „Woher haben sie die Waffe? Und wo ist mein Kollege?“, wollte er wissen und umklammerte mit fester Hand die Taschenlampe. Das Gesicht von Klara war im fahlen Schein der Nachttischlampe kaum zu erkennen und so sah Semir nur ein verzerrtes Grinsen. „Sie wissen nicht, wer ich bin oder?“, fragte die Frau und ging vor dem Bett in die Hocke. „Klara Weber, oder nicht? Was machen sie denn da? Hey, lassen sie den Kerl gefälligst gefesselt.“, stieß Semir aus und wollte sich bewegen, doch die Schmerzen in seinem Bein waren zu stark. „Tut mir Leid, Gerkhan, aber ich brauche Engin noch.“, lachte sie und kam mit gezückter Waffe wieder nach oben. „Was...was soll denn das?“, stieß Semir aus und nahm langsam die Hände hoch.
    „Ich dachte mir schon, dass sie das fragen. Allerdings werde ich ihnen keine Antwort geben. Noch nicht jedenfalls. Engin, nehmen sie ihn mit und bringen sie ihn zu seinem Kollegen.“, forderte sie. „Geht klar, Chefin...“, grinste der Mann und ging auf Semir zu. Dieser holte aus und erwischte seinen Gegner mit der Taschenlampe am Unterarm. „Ahhhhhhh...du Mistratte.“, schrie Engin vor Schmerzen und hielt sich den schmerzenden Unterarm. „Na los...mach schon hin.“, fauchte Klara und zog sie Waffe, legte auf Semir an. Sofort versteinerte der Mann und jegliche Gegenwehr erlosch in ihm. Engin kam auf ihn zu, holte aus und schlug mit der geballten Faust zu. Semirs Kopf flog zur Seite. Blut schoss aus seinem Mund und seiner Nase. Benommen blieb er im Kissen liegen und merkte, wie seine Hände mit seinem Gürtel gefesselt wurden und dann mit seiner Hose verbunden. „So, dann kommen sie mal mit. Ich habe mit ihnen und ihrem Kollegen ein großes Hühnchen zu rupfen.“, lachte Klara Weber und stieg einfach über die immer noch am Boden liegende Chefin hinweg. Engin folgte mit dem gefesselten Semir auf den Schultern. Das verletzte Bein wurde gar nicht beachtet, schlug gegen den Türrahmen und brach leicht auf. Semir schrie, doch das kümmerte keinen. Er wurde einfach weggetragen wie ein Stück Fleisch. Während die Bauersleute das Feuer mit Wasser aus ihrem Brunnen ihr Lagerhaus löschten, sammelten die Gangster ihre Beute ein und verschwanden in die Nacht.


    Ullrich kam wieder zurück in die PASt. „Wo ist denn Kim hin?“, fragte er Susanne. „Sie ist schon vor Stunden los. Sie wollte in die Nähe von Neuerkirch. Hat ihre Suche was ergeben?“, wollte sie wissen und griff erneut zum Telefon. „Leider nein. Es war einfach zu dunkel und der Heli hatte zu wenig Sprit.“, erklärte er und setzte sich vor die Frau. „Ich erreiche Frau Krüger nicht. Da meldet sich einfach niemand.“, stieß Susanne aus und lehnte sich erschöpf zurück. Ullrich sah sie an. „Keine Sorge, sie wird sich schon melden. Kim war nie der Typ von Frau, der sich nicht meldet.“, lächelte er und schwelgte wieder leicht in Erinnerungen. Das Telefon klingelte. „Autobahnpolizei...Sekretariat König. Frau Krüger, was ist passiert?“, stieß Susanne aus. „Ich...wir wurden ausgetrickst. Schicken sie mir sofort die Spurensicherung und Ulli hier nach Neuerkirch. Und dann rufen sie sämtliche Reviere an. Ach ja, und finden sie alles über Klara Weber raus.“, erklärte Kim etwas benommen durch das Telefon. „Ist was passiert?“, fragte Susanne. „So kann man es sagen. Wir sind gelinkt worden. Ben und Semir und die angebliche Zeugin sind verschwunden.“ „Was bedeutet denn angebliche?“, fragte Susanne. „Das weiß ich im Moment auch noch nicht. Susanne, bitte schicken sie mir Hartmut, seine Leute und Ulli hier her. Und dann, wo sind Andrea und die Kinder?“ „Sie ist zu ihren Schwiegereltern gefahren, nachdem Semir ihr gesagt hat, dass er das Wochenende nicht da sein wird.“ „Gut, danke...“


    Ben wachte langsam wieder aus seiner Bewusstlosigkeit auf und spürte, dass er nicht alleine war. „Ben endlich...“, stieß Semir aus und versuchte, soweit wie möglich ruhig zu liegen. „Was...was ist passiert?“, fragte der junge Hauptkommissar und erholte sich langsam wieder. „Warte, ich erinnere mich langsam. Diese Zeugin...die Weber hat uns verraten.“, fluchte er und wollte sich bewegen, doch er konnte nicht. Seine Arme schienen hinter seinem Rücken zusammengebunden und an einem Haken in der Decke befestigt zu sein. „Ja, das hab ich auch gemerkt. Sie hat die Chefin niedergeschlagen. Ich hoffe, sie kann uns finden.“, stieß Semir aus und räkelte sich auf einer Bank hin und her, sein verletztes Bein wurde durch eine Eisenschnalle am Brett gehalten. „Wo sind wir hier?“, fragte Ben. „Ich hab keine Ahnung. Mir wurden wenig später die Augen verbunden, nachdem sie mich ins Auto geschleift hatten.“, erklärte Semir und sah auf, als die Tür aufging. Es war Klara Weber, die mit Engin an ihrer Seite hereinkam.
    „Ich sehe, ihr habt euch schon eingelebt. Sehr gut.“, höhnte die Frau und sah sich gleich die Fesseln der beiden Hauptkommissare an, überprüfte den Sitz. „Sagen sie uns jetzt endlich, was das Ganze hier soll oder sollen wir weiterhin Rätsel raten spielen?“, knurrte Ben und versuchte, seine Fesseln abzustreifen. Doch sie saßen zu fest. „Das werde ich ihnen sagen.“, meinte Klara und riss Bens Kopf an den Haaren nach hinten. Er stieß einen kurzen Schrei aus, mehr kam aber nicht von ihm. „Sie haben vor wenigen Monaten eine Frau verhaftet. Sie steht jetzt kurz vor der Verurteilung. Wissen sie, wen ich meine?“, fragte Klara und sah von einem Kommissar zum anderen. „Wo sind wir hier? Bei Was bin ich?“, knirschte Semir nur und versuchte, sich irgendwie in eine andere Position zu setzen. Doch es gelang ihm nicht. „Sie wissen es nicht? Dann verrate ich es ihnen. Svenja Böhsen, meine Halbschwester, sitzt seit drei Monaten in einem stinkigen Untersuchungsgefängnis für Frauen und sie sind schuld daran.“, fauchte Klara. „Ihre Schwester hat junge Menschen als lebendige Schatzkisten für Drogenbällchen missbraucht und sie wollte meinen Kollegen an die Fische verfüttern.“, fauchte Ben und machte einen Schritt nach vorne. Engin ließ seine Faust hervorschnellen und traf mit ganzer Wucht. Ben blieb die Luft weg. Keuchend und hustend ging er in die Knie, wurde aber von dem Strick an der Decke noch hochgehalten. „Deine Sprüche kannste dir schenken. Du wirst mir helfen, meine Schwester da rauszuholen, oder deinem Partner passiert mehr, als der Oberschenkelschuss.“, knurrte Klara. „Sie...sie können mich mal.“, keuchte Ben und richtete sich langsam wieder auf. „Gut, wenn du das Leben deines Kollegen riskieren willst. Engin, er will es wissen.“, lachte Klara. Engin grinste und holte eine kleine, durchsichtige Schachtel hervor. „Oh nein...“, stieß Semir aus, als er sah, was es war.


    ...

  • Kim blickte auf den halb abgebrannten Schuppen. „Da drinnen war unser ganzes Saatgut für die nächsten drei Jahre.“, wimmerte Robert Hinze und wischte sich den Ruß aus dem Gesicht, als die letzte Glut endlich gelöscht war. Vom Stall war nicht mehr viel übrig. Nur noch die rauchenden Trümmer waren zu erkennen. Die zu Hilfe gerufene Feuerwehr konnte nicht mehr viel machen, außer das Gebäude kontrolliert abbrennen zu lassen. Es war nicht mehr zu retten. „Es tut mir Leid. Aber sicherlich wird ihnen ihre Versicherung den Schaden ersetzen. Wenn nicht, hier nehmen sie.“, meinte Kim und reichte eine Karte an den Mann weiter. Es war eine Karte der polizeigewerkschaftlich eingegliederten Versicherung, die vor allem für Opfer von Gewaltverbrechen oder Drittopfer vorgesehen war. Und hier lag ein Fall von Drittopfern vor. Dankend nahm er sie an und ging zurück ins Haus. Kurz darauf trafen einige Wagen der Spurensicherung ein. „Frau Krüger, was kann ich für sie tun?“, wollte Hartmut sofort wissen. „Oben im ersten Stock, das Zimmer neben der Treppe. Nehmen sie das gesamte Zimmer auseinander. Ich will alles wissen.“, forderte Kim. Der Rotschopf nickte und machte sich mit seinen Männern sofort an die Arbeit. Kim ließ sich auf einen Stein nieder und wischte sich über die Stirn. Hoffentlich fanden sie etwas, was ihnen weiterhalf.


    Svenja Böhsen lag auf dem Bett in ihrer Gefängniszelle und blickte zur kahlen, rissigen Decke auf. Die anderen Mithäftlinge schliefen tief und fest. „Wartet nur. Schon sehr bald bin ich hier wieder draußen und dann...dann werden meine Schwester und ich das unschlagbarste Duo der ganzen Gegend.“, lachte sie in sich hinein und drehte sich um. Kurz darauf hörte sie, wie das Guckloch geöffnet, jemand reinsah und wieder geschlossen wurde. „Immer diese Schnüffler.“, lächelte sie und zog aus einem Versteck hinter dem Schrank ein Bild von ihr und ihrer Schwester. Ihr gemeinsamer Vater und ihre Mutter, Klaras Stiefmutter, kamen bei dem schweren Zugunglück in Enschede ums Leben. Seitdem waren die beiden Schwestern mehr oder weniger sich selbst überlassen. Klara war die jüngere, flippigere von beiden und Svenja kümmerte sich um alles. Sie war es auch, die Klara diesen Job bei Moosfinger als Buchhalterin verschaffte. Später wurde Klara zur festen und engen Mitarbeiterin für Auslandsexporte ernannt. Genau wie Svenja. Und eines Tages stand Klara bei Svenja im Büro und schlug ihr ein Geschäft vor. So waren beide erst zu ihren „Nebengeschäften“ gelangt. Doch dann trennten sich ihre Wege wieder, aber sie verloren sich nie aus den Augen. Auch nicht, als diese schnüffelnden Autobahnkommissare Svenja matt gesetzt hatten. Sie wusste, dass Klara sich etwas einfallen lassen würde, um sie hier rauszuholen. Ein kleiner Zettel in Brief ihres Anwalts brachte ihr dann Gewissheit. „Mädchen, lass mir auch noch was von den Beiden übrig.“, lächelte sie und zog die Decke über ihren Kopf, schlief alsbald ein.


    Semir verspannte sich vollkommen, als Engin die Schachtel öffnete, einen dicken Handschuh anzog und mit einer Zange das Tierchen herausholte. „Ein Stich dieses australischen Skorpions allein kann für den Menschen sehr gefährlich sein. Jedenfalls, wenn sein Körper geschwächt und mit einer frischen Wunde versehen ist. Das Gift setzt dem Herzen und der Atmung zu. Beides verlangsamt sich immer mehr, egal, ob sie sich bewegen. Herz oder Lunge...eins setzt aus und sie sind tot. Wenn mir ihr Kollege nicht hilft, dann war es das für sie.“, lachte Klara und gab Engin ein Zeichen. Dieser zögerte nicht und setzte das Tierchen auf Semirs Fuß. Das Tier schien auf die Körperwärme zu reagieren. Es krabbelte munter drauf und näherte sich der Wunde. Starr vor Angst, saß Semir da und rührte sich nicht. Nicht einmal zu atmen wagte er. „Nein, lassen sie meinen Kollegen in Ruhe.“, schrie Ben und wehrte sich gegen die Fesseln. „Werden sie mir helfen?“, fragte Klara Weber und drehte sich nicht zu Ben um. Dieser blickte mit weit aufgerissenen Augen auf den Skorpion, der dem Einschuss bedrohlich nahe kam. Würde er zustechen, wenn er dort war? Das Gift würde sofort in die Blutbahn gelangen und Semir wäre innerhalb von wenigen Minuten tot. Ben konnte nicht anders.


    ...

  • „Okay, okay...ich tue es. Aber nehmen sie das Tier von ihm weg.“, stieß der junge Hauptkommissar aus und rüttelte an seinen Fesseln. Klara ließ ihn noch einige Momente schmoren. Für Semir kam es wie eine Ewigkeit vor. Noch immer wanderte das Tier über seine Beine. Er spürte jede Bewegung an seinen Beinhaaren, da die Jeans ja für die OP aufgeschnitten werden musste. „Engin, nimm ihm das Tierchen wieder ab.“, forderte sie dann und beobachtete jedes Muskelzucken des Hauptkommissars, der das Tierchen auf seinem Bein hatte. Engin fasste zu und brachte das Tier wieder unbeschadet zurück in die Schachtel. Erleichtert fiel Semir nach hinten und atmete tief durch. „Sie...sie sind verrückt.“, kam es dann von Semir. „So? Also, ich denke, sie werden nichts zu lachen haben, während ich weg bin. Das wird ihre Meinung über mich schon austreiben. Und seien sie versichert. Das verletzte Bein wird nicht angerührt. Noch nicht.“, grinste sie und wandte sich dann an Ben. „Sie werden mir helfen oder ich setze das Tier wieder auf ihren Partner, aber dieses Mal auf seinen Kopf.“ Ben nickte nur. „Gut, Engin...binde ihn los und bring ihn rüber.“, wies die Frau den Mann an, der sie zwei Köpfe überragte. Der Türke nickte, nahm einen langen Dolch und durchschnitt Bens Fesseln. Im nächsten Moment ließ er aber den Knauf mit einen harten Schwung in Bens Nacken niedersausen. Sofort fiel der junge Hauptkommissar zu Boden, blieb bewusstlos liegen und wurde an den Füßen aus dem Raum geschleift. „Keine Sorge Gerkhan, ich lasse ihn leben...noch...“, lachte Klara Weber und folgte ihrem Helfer dann. Semir blieb alleine im dunklen Raum zurück und konnte nur erahnen, was ihm bevorstand.


    Susanne saß über den Akten und versuchte, alles über diese Klara Weber heraus zu finden. „Sieh mal an. Sehr interessant.“, stieß sie aus. „Was ist interessant?“, wollte Ullrich Förster wissen und stellte sich hinter die Sekretärin, nachdem er ihr einen Kaffee hingestellt hatte. „Danke...das hier. Klara Weber ist in der Firma nicht die Buchhalterin oder Sekretärin, wie sie uns weismachen wollte. Sie ist die Spitzenkraft, wenn es um Auslandsverkäufe geht.“, erklärte Susanne. Ullrich sah die Sekretärin kurz an. „Wenn das stimmt, dann müssen doch die Listen mit den Waren über ihren Tisch gegangen sein.“, mutmaßte er. „Vielleicht hat sie auch damit zu tun. Immerhin kann sie doch nicht ganz ahnungslos gewesen sein.“, fügte Susanne hinzu. Ulli nickte und trank seinen Kaffee. „Dann verstehe ich allerdings nicht, warum der Zoll oder die Kollegen die Firma nicht schon längst im Auge hatten.“ „Vielleicht schmierte sie ja die ein oder andere Hand. Oder hat sogar jemanden bei der Polizei.“ „Sie meinen, einen Spitzel? Also Frau König, das kann ich mir nicht vorstellen.“, erwiderte Ullrich und trank seinen Kaffee. „Haben sie noch etwas?“ „Sie hat eine Schwester, doch über sie konnte ich noch nichts herausfinden.“ „Dann suchen sie weiter und geben sie das gewonnene Material schon an Kim weiter.“, forderte der Mann. Susanne nickte und machte sich gleich ans Telefon, sah aber nicht, wie Ullrich sich verschwörerisch zum Telefonieren in den Keller zurückzog. Verbarg der Mann ein dunkles Geheimnis?
    Kim stieg die Treppe hinauf, nachdem Hartmut sie hatte rufen lassen. „Was? Haben sie was gefunden?“, fragte Kim aufgeregt und stützte sich am Türrahmen ab. Der Schlag in den Nacken war doch etwas heftiger als erwartet. Vielleicht sollte sie damit doch zum Arzt gehen, dachte sie und massierte sich den Nacken. „Chefin, ich denke, ich habe hier eine Spur gefunden.“, erklärte der rothaarige Techniker und hielt einen kleinen Schnipsel hoch. „Sieht aus, wie ein Gummistück, oder?“ Hartmut nickte. „Das habe ich hier gefunden. Neben diesem Fußabdruck im Teppich. Ich werde es noch analysieren müssen, aber es ist mit Sicherheit ein Stück Gummi. Allerdings könnte sie den überall her haben.“, erklärte der Techniker. „Gut, dann machen sie das so schnell wie möglich. Ich werde mit dem Spezialkommando mal die Wohnung von Frau Weber ansehen.“, knirschte Kim und rannte die Treppen hinunter. Unten hielt sie sich aber wieder am Geländer fest. Schwindel trat auf und übermannte sie für einen Augenblick. „Frau Krüger, alles in Ordnung mit ihnen?“, wollte Hotte wissen, der sofort beherzt zugefasst hatte. „Herzberger, würden sie mich bitte zurück zur Wache fahren.“ Hotte nickte. „Natürlich, sehr gern, Chefin.“, erklärte er und führte die Frau nach draußen.


    Ben wachte langsam wieder in einem kargen, kalten und nach Schimmel riechenden Raum auf. „Sieh an, er ist wieder wach.“, lachte Klara und ließ sich von Engin gerade die Krawatte binden. „Diese Dinger sind unbequem. Wie können ihre Beamtinnen nur so herumlaufen?“, fragte sie und machte einen Schritt auf den am Boden liegenden zu. Ben gewann langsam wieder seine vollen Sinne zurück und blickte an der Frau auf. Sie trug eine komplette Polizeiuniform, die Mütze unter den Arm geklemmt. „So, sie werden jetzt mit mir ins Gefängnis fahren und meine Schwester da raus holen. Danach kommen wir wieder hier her und dann...dann dürfen sie und ihr Kollege gehen.“, grinste die Frau und nahm die Hand an die Waffe. „Das glauben sie doch wohl selbst nicht...“, fauchte Ben und mühte sich auf die Beine hoch. „Sehen wir mal, wie sie sich anstellen. Doch eine falsche Bewegung und sie sind tot. Ist das klar?“, fauchte Klara Weber und steckte Bens Waffe in ihren Halfter. „Was wird aus meinem Kollegen? Er braucht medizinische Hilfe. Wenn ich ihnen helfen soll, dann nur unter der Bedingung, dass sie ihn freilassen.“, feilschte Ben und blickte mit seinen braunen Augen die Frau herausfordernd an. „Sie sollten nicht mit mir handeln. Aber, ich will mal nicht so sein. Engin, kümmere dich um den Türken, während wir weg sind.“, wies sie den Mann an. „Und sie kommen mit. Ach ja, ich verbinde ihnen besser die Augen. Sie sollen ja nicht sehen, wo sie sind.“, lachte Klara und nahm einen stinkenden Schal hervor, verband Ben die Augen und führte ihn zum Wagen. Wenig später fiel die Augenbinde und auch die Fesseln und Ben wurde angewiesen, loszufahren. Er fuhr, aber nur, weil er Semir nicht gefährden wollte.


    ...

  • Christina Scharf sah auf den Zettel, nachdem sie ihn erhalten hatte. „Nun, Herr Jäger...eigentlich müssen Verhöre immer angemeldet werden. In welcher Angelegenheit wollen sie denn Frau Böhsen verhören?“, fragte die Gefängnisdirektorin. „Das...das darf ich ihnen leider nicht sagen. Bitte verstehen sie, aber ich hab es sehr eilig.“, erwiderte der junge Hauptkommissar mit Nervosität in seiner Stimme und sah zu Klara Weber, die direkt neben ihm stand. Sie erwiderte den Blick und wies kurz auf ihre Waffe. Unmerklich nickte Ben. „Tut mir Leid, aber ich muss dann ihre Dienststelle informieren.“, meinte sie. Tun sie das nur, dachte Ben erleichtert. „Entschuldigen sie, aber dieser Wisch ist von der Staatsanwältin unterschrieben. Wir können sie mitnehmen.“, fauchte Klara Weber los und riss ihr förmlich den Überstellungsbefehl aus der Hand. „Tun sie, was sie nicht lassen können. Aber dennoch werde ich jetzt telefonieren.“, erklärte Christina Scharf und nahm den Hörer in die Hand. Ben grinste in sich hinein, als sie das Büro verließen. „Okay, wir holen jetzt meine Schwester und verschwinden dann. Solltest du irgendwelche Tricks unternehmen, um uns hier zu halten, bis deine Kollegen kommen, wird es dein Kollege sehr schmerzlich haben.“, fauchte sie Ben an. „Schon klar...“, knurrte er zurück.
    Svenja sah auf die Tür, als sich der Schlüssel im Schloss drehte. „Böhsen, mitkommen. Sie werden abgeholt.“, fauchte die Wärterin in die Zelle. Sofort sprang die Angesprochene vom Bett und schritt aus der Zelle hinaus. Sofort erkannte sie diesen Jäger, der sie zusammen mit seinem Kollegen ins Gefängnis gebracht hatte. Neben ihm stand ihre Schwester, die sie trotz Polizeiuniform sofort erkannte. „Dann kommen sie mit.“, forderte Ben und führte die Gefangene am Arm nach draußen. Er konnte nur hoffen, dass die Direktorin wirklich Kim anrief und verriet, was sie hier machten. Dann würde sich Kim doch sicherlich an sie hängen und ihnen folgen. Hoffentlich war es dann schnell vorbei und sie konnten wieder ruhigen Gewissens an die normale Arbeit auf der Autobahn nachgehen. Nur einfache Verbrecher, Raser oder mal ein kleiner Überfall auf eine Raststätte, dachte Ben. Das waren doch normale Arbeitstage. Nicht so was hier. Das war ohne Zweifel wieder einer dieser Tage, wo man am liebsten im Bett geblieben wäre. „Hey, träumst du oder was? Du sollst losfahren oder es knallt.“, fauchte Klara Weber los und stieß Ben mit der Waffe in der Hüfte an. „Ist ja gut...“, knurrte er und startete den Motor. Sie fuhren langsam vom Hof und standen dann vor dem Haupttor. „Na was ist nun? Los, den Passierschein raus und dann nichts wie raus hier.“, fauchte Klara ihn an und war drauf und dran ihre Waffe zu ziehen. „Das würde ich sein lassen.“, zischte Ben und deutete auf die Kamera, die direkt in den Wagen linste. „Keine Sorge, sie kommen hier schon raus.“


    Semir blinzelte, als das Licht im Raum angestellt wurde. „So Gerkhan, jetzt sind wir beide ungestört. Du hast gute Freunde von mir in den Knast geschickt.“, meinte er und zog sich einen Schlagring auf die linke Hand auf. Semir zuckte zusammen, versuchte sich aufzurichten und blickte sich hilfesuchend um. Doch, hier im Raum war nichts, was ihm helfen konnte. Zudem war er noch hinter dem Rücken gefesselt und mit seinem kaputten Bein konnte er nicht wirklich etwas wirkungsvolles unternehmen. „Sie...sie sollten am Besten aufgeben und mich gehen lassen.“, versuchte Semir und rüttelte an seinen Fesseln, die aber bombenfest saßen. Engin kam immer näher und näher, grinste und drehte den Schlagring in die richtige Position. „Och, solch leere Worte und das von dir? Da kann ich ja nur lachen.“, grinste er und kam auf Semir zu, bemerkte aber die Fesseln. „Nein, so macht mir das keinen Spaß. Du sollst dich wehren. Dein Fuß behindert dich schon genug. So wirst du mir nicht entwischen.“, lachte er und begann, die Fesseln zu lösen. Semir rieb sich die Handgelenke und versuchte, aufzustehen. Seine Beine waren wackelig, als er endlich stand. „So, dann wollen wir den Tanz mal beginnen.“, grinste Engin und holte zum ersten Schlag aus.
    Semir klammerte sich an den Tisch, wich den ersten Schlag noch aus. „Hey, willst du mit mir spielen? Das kannst du haben.“, lachte Engin und holte erneut aus. Dieses Mal erwischte er die Schulter von Semir. Der Hauptkommissar strauchelte, konnte sich nicht mehr halten und fiel auf den Rücken. Sein verletztes Bein schlug gegen den Tisch. Sofort stieß er einen spitzen Schrei aus. Engin stieg auf den Tisch und sah siegessicher auf den Polizisten runter. „So, jetzt habe ich dich, kleiner Bulle. Ich mache dich jetzt fertig und dann, dann werde ich dich wiederbeleben, damit sich Klara um dich kümmern kann.“, grinste er und machte sich bereit, von der Platte zu springen. Semir blickte mit erschrockenen Augen auf den Mann und musste sich schnell etwas einfallen lassen. Er zog sich etwas hoch, versuchte auf dem Boden vor dem Mann weg zu robben. Engin grinste und sprang gelassen vom Tisch, folgte Semir in einem gebührenden Abstand und baute sich vor ihm auf. „So, und jetzt Gerkhan...“, fauchte er und zog Semir auf die Beine. Mit dem Schlagring holte er aus und traf Semir empfindlich im Magen. Keuchend versuchte er den Schmerz aufzufangen, indem er die Bauchmuskeln anspannte, doch der Schlag kam zu plötzlich. „Noch einen Nachschlag?“, grinste Engin. Jetzt erwachte in Semir der Kampfgeist.


    ...

  • Kim hatte einige Stunden im Bereitschaftsraum schlafen können, als Susanne mit der Meldung vom Anruf kam. „Frau Scharf, hier ist Krüger...“, meldete sie sich etwas verschlafen. „Frau Krüger, haben sie die Abholung von Svenja Böhsen zu einem Verhör genehmigt oder angeordnet?“, wollte die Gefängnisdirektorin wissen. Kim sah Susanne an, doch die konnte nichts dazu sagen. „Wieso...wieso fragen sie denn?“ „Nun, eben war einer ihrer Beamten hier bei mir und hat mir einen entsprechenden Befehl vorgelegt.“, erwiderte sie. „Ein gewisser Herr Ben Jäger...“, fügte sie hinzu, als von Kim noch nichts kam. Jetzt schaltete Kim. „Ja, ja das ist richtig. Wissen sie, wann Herr Jäger weg ist und ob er in Begleitung war?“, wollte die Chefin wissen. „Er war in Begleitung...eine kleine, zierliche Frau mit einem ziemlich angespannten Gesichtausdruck und rötlich-kupfernen Haaren.“, erwiderte die Gefängnisdirektorin. „Und wann sind sie weg?“ „Vor etwa zwei Minuten. Nein, sie haben vor fünf Minuten mein Büro verlassen.“ „Danke, ich komme sofort. Versuchen sie bitte, meinen Kollegen aufzuhalten. Ich bin in zehn Minuten da.“, befahl Kim in einem harschen Ton und legte dann auf. „Susanne, ich brauche sofort das SEK zur Frauen-JVA. Und das zwar schnellstens.“, forderte sie. „Soll ich mitkommen?“, fragte Ulli Förster und nahm sein Halfter hervor. „Ja, vielleicht besser so.“, meinte Kim und rannte mit ihm hinaus auf den Parkplatz.
    Herberger und Bonrath warfen sich direkt wieder in den Wagen, als sie Kims Befehl hörten. „Scheinbar haben sie Semir und Ben gefunden.“, meinte Dieter und ließ den Motor aufheulen. „Das hoffe ich sehr. Du weißt doch, wie Andrea sich aufregt, wenn ihr Mann in Gefahr ist.“, erwiderte Hotte. „Ganz zu schweigen von uns.“, grinste Dieter zurück. „Der Junge gehört ja auch schon zur Einrichtung. Er darf einfach nicht so früh gehen.“, protestierte Hotte und sah auf die Straße, als Dieter den Wagen hinter den Mercedes der Chefin herlenkte. Der Stadtverkehr war um die Mittagszeit am heftigsten, sodass sie nicht einmal mit Blaulicht richtig voran kamen. „Verdammt, wir verlieren nur Zeit. Ich hoffe, dass Scharf Ben aufhalten konnte.“, stieß Kim aus und lenkte ihren Wagen auf die Straßenbahnspur, fuhr auf ihr so weit wie möglich weiter. „Kim, pass auf...da...da kommt eine Straßenbahn.“, stieß Ulli nur aus und riss die Augen weit auf. „Ja, ich sehe es doch.“, kam es von Kim und knapp vor der Bahn lenkte sie wieder auf die Straße rüber. „Man, wenn das die Jungs jeden Tag machen, dann weiß ich, warum wir immer so viel Dienstwagen brauchen.“, stieß Kim aus und lenkte den Wagen um eine Kurve. Kurz darauf waren sie am Haupttor der JVA angekommen. Was würde sie nun dahinter erwarten?


    Semir nahm allen Mut und alle Kraft zusammen, rappelte sich auf und stieß mit seinem Kopf in die Magengrube von Engin, schob ihn gegen die Wand und ließ dann erst ab. Der Verbrecher rann nach Luft und krümmte sich. Sicherlich waren einige seiner inneren Organe gequetscht worden. „Du...du mieser, kleiner...“, keuchte er und wollte mit der Schlagringhand wieder ausholen, Semir aber war schneller. Er faltete seine beiden Hände zu einer Faust und mit der letzten Kraft schlug er den Ball aus Knochen, Fett und Haut gegen den kräftigen Kiefer des Mannes. Wie ein nasser Sack ging der Türke zu Boden. Semir spürte einen stechenden Schmerz in der oberen Hand, die er zum Schlagen benutzt hatte. „Man, hast du dir ne Stahlplatte einsetzen lassen?“, fauchte er und besah sich sein verletztes Bein. Der Verband war blutrot und erst jetzt, als das Adrenalin langsam auf normales Niveau zurückfuhr, stieg der Schmerz durch sämtliche Bahnen. Beinahe wäre Semirs verletztes Bein vollkommen kollabiert und weggerutscht, hätte er sich nicht am Tisch noch festgehalten. „Verdammt, ich muss den Verband wechseln.“, stieß Semir aus, riss dem Verbrecher die Jacke und dann das Hemd vom Leib und wickelte sich die Stoffstreifen um das Bein, zurrte sie fest und kramte dann nach dem Schlüssel für die Tür. Er stoppte kurz und sah dann auf den Mann am Boden. Besser, wenn er ihn fesseln würde. Humpelnd zog er den schweren Körper zum Tisch und fesselte die Hände an den Verschluss, wo vorher sein verletztes Bein drinsteckte. „So, und jetzt...lasse ich dich alleine. Aber keine Sorge, ich hole dich später ab und dann treffen wir uns auf meinem Terrain wieder.“, kam es von Semir erschöpft. Seine ganze Kraft, die diesen kleinen Körper Tag für Tag antrieb, schien auf einmal wie hinweggefegt zu sein. Und doch, der Überlebenswillen war da und dieser sagte: denk an deine Kinder und deine Familie...reiß dich zusammen und überlebe. Humpelnd schleppte er sich an der Wand durch den Gang, immer dem Ausgang entgegen.


    „Es ist vorbei...“, meinte Ben und drehte sich zu Klara Weber und Svenja Böhsen um. „Geben sie auf.“ „Vergiss es, Bulle. Du wirst jetzt die Lautsprecher anschalten und denen da sagen, dass sie die Straße frei machen sollen oder ich blase dir deine besten Teile weg.“, fauchte Klara und stieß den schwarzen Waffenlauf in Bens Schritt. Sofort saß er still da, rührte keinen Muskel und wagte es nicht, seine Hände zu bewegen. „Hier spricht die Polizei. Frau Weber, sie sind aufgeflogen. Verlassen sie den Wagen und lassen sie meinen Kollegen frei. Das Auto ist umstellt, sie haben keine Chance.“, hörte sie Kim Krüger per Megafon rufen. „Los, gib mir den Funk und stell mich auf Lautsprecher.“, fauchte Klara und nahm dann endlich die Waffe von Bens Kronjuwelen. Der junge Hauptkommissar schaltete den Funk um und reichte der Frau die kleine Sprechanlage mit dem langen, gekräuselten Kabel rüber. „Hören sie, Frau Krüger, sie werden sofort ihre Männer abziehen oder ich gebe per Telefon die Anweisung, ihren Kollegen zu töten. Wie wäre das?“, stieß sie aus. In Ben stieg die Wut auf, aber auch die Sorge um Semir. Die Chefin musste zuerst Semir finden. Mit seinem Bein konnte er doch nichts unternehmen, um seinen Bewachern zu entkommen. „Klara, lass uns den Bullen hier noch etwas ausschlachten. Ich meine, er ist doch denen da draußen sicherlich auch was wert.“, kam es zeitgleich von Svenja. Klara sah nach hinten, achtete einen Moment nicht auf Ben. Dieser sah seine Chance darin. Sofort stieß er die Tür auf und wollte rausspringen, als es einen Knall gab und er einen feurig heißen und stechenden Schmerz in der rechten Schulter verspürte.
    Kim zuckte zusammen, als sie den Schuss hörte. „Verdammt, was ist da los? Alex, kann einer deiner Männer das Auto einsehen? Was zum Teufel geht da vor sich?“, fluchte Kim und blickte gebannt auf das Geschehen auf dem Hof. „Tut mir Leid, meine Männer sind noch nicht in Position. Wir können nicht sehen, was da vor sich geht.“, erwiderte der Leiter des SEKs per Funk. „Kim, sieh doch...“, stieß Ulli aus und deutete auf den Mercedes. Plötzlich standen Svenja Böhsen und Klara Weber im Hof. Ben wurde von der zierlichen Frau gehalten. Seine rechte Seite der Jacke war rotbräunlich verfärbt. „Frau Krüger, sie haben drei Stunden, um einen schnellen, fahrtüchtigen Wagen und 500.000 Euro gegen das Leben ihres türkischen Kollegen einzutauschen. Deal um ein Leben. Den hier kriegen sie, wenn wir im Wagen sitzen und sie uns nicht mehr folgen.“, fauchte Klara und zerrte Ben mit sich in die Gefängnisspeisung zurück. „Verdammt, riegelt sofort die Kantine des Gefängnis ab. Sie dürfen keinen anderen Zugang mehr haben, außer den zum Hof.“, befahl Kim mit harschen Worten über das Walkie-Talkie. Diese Situation war alles andere als zufriedenstellend.


    ....

  • Immer mehr Tropfen seines Blutes rannen an seinem Bein entlang und benetzten den unebenen Feldweg, über den er schlich. Doch mit jedem Tropfen merkte er, wie seine Kraft aus seinem Körper schwand. „Ich...ich kann nicht mehr. Wasser...so schrecklich viel Durst...“, wimmerte er leise und hörte kurz darauf das Rauschen eines kleinen Baches. Sofort reckte er den Kopf in die Richtung und humpelte los. Und tatsächlich, hinter einer Biegung rauschte ein kleiner Bach unter einer Brücke entlang. „Endlich....“, stieß er aus und versuchte, sein verletztes, immer noch blutendes Bein so zu legen, dass er trinken konnte. Das kühle Nass benetzte seine Lippen und floss genüsslich die Kehle hinunter. Aus dem Wassertrinken konnte er endlich wieder neue Kraft gewinnen. Semir nahm den Verband vorsichtig von seiner Wunde ab und wusch ihn im Bach aus. Sein roter Lebenssaft wurde von der Flut mitgenommen und lief einer unbestimmten Zukunft entgegen. Langsam kam er mit dem Kopf nach oben und sah sich um. Wo war er hier nur. Den Feldweg, dem er entlang gegangen war, führte von dem alten Bunker nur kilometerweit durch Felder, Wiesen und einen dichten Wald. Dieser war nun vor ihm und der Pfad teilte sich. Nach rechts ging es am Wald vorbei und links durch den Wald hindurch. Einer war sicherlich kürzer als der andere und einer würde ihn wieder in die Zivilisation führen. Doch welcher?
    Semir nahm den frisch gewaschenen Verband wieder aus dem Bach, trocknete ihn und schlang ihn dann fest um die Wunde. Er stieß einen kurzen Schrei aus, als er den Knoten festzog. Er musste zu einem Arzt und sich die Wunde untersuchen lassen. Vielleicht konnte er dann per Telefon die Kollegen informieren. Semir wollte aufstehen, als er sich im Spiegel des Wassers betrachtete. Er sah vollkommen furchtbar aus. Sein Gesicht war durch die Schläge und Strapazen erschöpft und er machte keinen guten Eindruck auf die Welt. Er musste aber weiter, raus aus dieser Falle der Natur. Langsam zog sich Semir auf die Beine und ging zur Gabelung. Wo lang nun? Er entschied sich für den Weg durch den Wald. Hoffentlich war dieser auch der richtige Weg. Und hoffentlich warteten dort keine unliebsamen Überraschungen auf ihn.


    Klara stieß Ben an ein Heizungsrohr, zog dessen Arme nach oben und riss die Handschellen aus ihrem Gürtel hervor. Ben stieß einen spitzen Schrei aus, als seine geschundene Schulter brachial nach oben gerissen wurde. „Und halt ja die Klappe oder ich stopfe sie dir.“, fauchte Klara und reichte ihre Waffe an Sonja weiter. „Hier, pass auf ihn auf. Ich seh mal, ob wir hier alleine sind.“, erklärte sie und ging durch die Küche und die Nebenräume. „Ge...geben sie doch auf, Frau Böhsen. Sie machen alles nur noch schlimmer.“, kam es von Ben. „Halt die Klappe, Jäger.“, zischte sie und stieß die Waffe in Bens Schulter. „Ahhhh...“, fluchte er und kniff die Augen zusammen. Tränen der Schmerzen sammelten sich in seinen Augenrändern. Jetzt nur nicht über die Wangen laufen lassen, dachte er und sah weg. Klara kam zurück und schmiss zwei weiße Handtücher auf den Tisch vor ihnen. „Nur für den Fall, dass er nicht ruhig ist.“, knurrte sie. Svenja nickte. „Sind wir allein?“ Klara bejahte das. „Du kennst doch sicherlich die Nummer deiner Kollegin oder?“, fragte sie an Ben gewandt. Dieser drehte sich wieder zu den beiden Frauen um und versuchte, einen standhaften, harten Blick aufzusetzen. Die Schmerzen waren nicht auszuhalten. Die Kugel schien sich tief ins Fleisch oder sogar in den Knochen gebohrt zu haben. Die Frau schien schnell die Geduld zu verlieren, denn schon landete die flache Hand in Bens Gesicht. „Mach's Maul auf.“, fauchte sie und holte erneut aus. Ben begann zu grinsen und sah Klara Weber an. „Ruf doch die Auskunft an, Schätzchen.“, lachte er. Sofort spürte er einen heißen Schmerz auf seiner Wange und das Aufplatzen der Haut. Klara hatte ihm den Lauf der Waffe quer übers Gesicht gezogen. „Überleg dir, was du sagst.“, zischte sie und hielt dem jungen Hauptkommissar die Waffe unter den Hals, presste ihn gegen den Adamsapfel.
    Ben nannte die Nummer und spürte dann, wie die Waffe von seinem Hals genommen wurde. „Los, knebel ihn. Ich will ihn nicht mehr hören. Wenn er reden soll, dann können wir ihm das Ding noch immer rausnehmen.“, meinte Klara und warf Svenja das erste Handtuch rüber. Sie nahm es und wickelte daraus eine dicke Wulst, die sie dann in Bens Mund stopfte. Der junge Hauptkommissar wehrte sich, versuchte, seine Zähne geschlossen zu halten. Doch wenig später hatte er Wulst tief in seinem Mund und sie wurde in seinen Nacken verknotet. „Mmmmmhpffffff...“, stieß er nur wütend aus und versuchte mit seiner Zunge das Ding wieder rauszudrücken. Zwecklos. Der Knebel saß fest an Ort und Stelle. „Zappele du nur. Das Ding wirst du nicht alleine los.“, grinste Svenja und wuschelte Ben durch seine Haare. Wütend schnaufte er in das Tuch und riss den Kopf weg. „Was denn? Magst du das nicht, wenn dich eine Frau berührt?“, lachte sie wandte sich dann wieder an Klara. „Was hast du jetzt eigentlich vor? Wie soll es jetzt weitergehen?“, fragte sie und blickte ihre Halbschwester an. „Ganz einfach....Auto bestellen, Kohle abgreifen, den Kerl dort mitnehmen und dann weg.“, erwiderte sie und tippte die von Ben erhaltene Nummer in das Telefon an der Wand ein.


    „Krüger...“, meldete sich Kim, als ihr Handy klingelte. „Ich hoffe, sie haben sich schon um den Wagen gekümmert?“ Sofort erkannte sie die Stimme von Klara Weber. „Das... das dauert noch. Bitte, lassen sie meinen Kollegen frei. Er ist verletzt und wird ihnen nichts nützen. Nehmen sie mich statt dessen.“, versuchte Kim. „Vergessen sie es. Sie haben drei Stunden Zeit. Und denken sie an die halbe Million Euro. Ansonsten knallt es noch mal hier drin. Und das wollen sie doch nicht, oder?“, fragte Klara. „Hören sie, ich sorge für die Sachen, aber bitte...lassen sie wenigstens einen Arzt zu meinem Kollegen und ihn wenigstens verbinden.“, forderte Kim. Eine Weile blieb es still. „Na gut...aber nur, damit er hier nicht alles voll saut. Doch, sollten sie einen Trick versuchen, sind beide tot. Ihr Kollege und der Arzt. Haben sie mich verstanden?“, fauchte Klara und wenige Sekunden später war Tuten der toten Leitung zu hören. „Okay, wir dürfen einen Arzt reinschicken. Alex, hast du einen Sanitäter unter deinen Leuten?“, wollte sie wissen und drehte sich zum Einsatzleiter des SEKs um. „Ich selbst war es mal. Wenn du willst, dann gehe ich da rein und sehe mir Ben an. Was hast du vor, Kim?“, fragte er. „Hör zu, Ben ist angeschossen und muss verbunden werden, aber ich will auch wissen, was die Schwestern da drinnen machen. Jemand müsste eine kleine Kamera und ein Mikro reinschleusen. Meinst du, das kriegst du hin?“, wollte sie wissen. Alex begann zu grinsen und nahm die Arme in seine Hüften. „Das fragst du allen ernstes einen Vollprofi?“ Kim grinste. „Okay, zieh dich um, aber mach dich darauf gefasst, dass dich diese Frauen durchsuchen. Versteck das Ding so gut, dass sie es nicht finden, du es aber schnell platzieren kannst.“ „Keine Sorge Kim, ich pass schon auf mich auf.“, erklärte Alex und ging zum eingetroffenen Krankenwagen. Kim blickte auf die Tür zur Kantine. Hoffentlich klappte ihr Plan. Aber was war nun mit Semir?


    ...

  • Bernd Stegmann saß vor seiner kleinen Hütte im Wald und schnitzte mit seinem Messer an einem dicken Ast herum, wollte ihn komplett von der Rinde befreien. Noch immer suchte die gesamte Polizei nach ihm, dem Pärchenmörder von Süd-Nordrhein-Westfalen. Immer wieder suchte er die versteckten Plätze auf, schlitzte den Männern gleich den Bauch auf und tat sich an den Frauen genüsslich, bevor er sie an einen Baum fesselte und dann mit einen Klebebandknebel über Mund und Nase erstickte. Er lächelte, als er an seine beiden letzten Opfer dachte. Plötzlich hörte er was. Da war doch jemand im Wald unterwegs. Vielleicht wieder ein Wandererpärchen, dass er ausrauben, umbringen und verscharren konnte? Und wenn schon, Bernd würde sich mal umsehen. Nur noch seine Ausrüstung, Maske, Klebeband und Messer, mitnehmen und schon ging es los.
    Semir keuchte vor Erschöpfung. Das Ganze ging an seine Kraft und noch immer zehrte die Wunde an seiner Kondition. Er lehnte sich kurz an einen Baum, um wieder nach Luft zu ringen. „Oh man...wie weit ist es denn noch?“, keuchte er und wischte sich mit dem Shirt den Schweiß von der Stirn. Semir ließ die Blicke schweifen, doch außer Bäumen, Sträuchern und Steine auf dem Weg war noch nichts zu sehen von einem Stück Zivilisation. Ein Knacken ließ ihn aufhorchen. War etwa dieser Engin hinter ihm her? Das konnte doch aber nicht sein, so wie Semir ihn verschnürt zurückgelassen hatte. Langsam sah sich Semir zu jeder Seite um, verharrte in jeder Richtung kurz und untersuchte mit den Augen jeden dichten Strauch oder dicken Baum in seiner direkten Umgebung. Doch nichts, nicht einmal ein Eichhörnchen zeigte sich auf dem Weg. „Ganz ruhig Junge...“, mahnte Semir sich. „Der...der Blutverlust scheint dich paranoid werden zu lassen. Hier ist niemand...“, redete er auf sich ein und humpelte dann weiter. Dass ihn jemand beobachtete konnte er nicht ahnen.


    Bernd sah auf den Mann, der sich humpelnd fortbewegte. Das war doch nichts. Nur ein verletzter Landstreicher, so wie er aussah. Das war doch nichts für ihn. Aber, sollte er ihn so einfach durch den Wald humpeln lassen? Immerhin konnte er es sich nicht leisen, wenn jemand sein Versteck fand. Der Mann da sah erschöpft aus, aber sicherlich besaß er noch genügend Kraft, um sich zu wehren. Bernd musste es geschickt anstellen. Moment, er hatte doch noch das Schlafmittel in seiner Hütte. Bei Vollmond konnte er nie gut schlafen und das Mittel half doch immer. Wenn er sich nicht irrte, besaß er noch drei oder vier Tütchen davon. Jetzt musste der Kerl da unten nur noch in seine Hütte kommen. Oder wenn nicht, dann konnte er noch etwas nachhelfen. Langsam verließ Bernd sein Versteck und trat auf den Weg raus. „Entschuldigen sie...“, rief er hinter dem Mann her. Schlagartig blieb dieser stehen und drehte sich erschrocken und langsam um. „Kann ich ihnen helfen?“, wollte Bernd wissen. Sichtlich entspannte sich das Gesicht des Mannes vor ihm. „Ja...ja, das können sie. Wo...wo ist die nächste Ortschaft? Ist diese Richtung hier richtig?“, wollte er wissen und zeigte auf die steil nach unten gehende Biegung, die vor ihm lag. Bernd nickte. Sicher ist das richtig, dachte er, aber da wirst du nicht hinkommen. „Ähm nun ja... was ist denn mit ihrem Bein los? Sind sie in eine Falle getreten?“, fragte Bernd. „So ähnlich...sind sie Arzt? Können sie mich neu verbinden?“, flehte Semir und humpelte auf den Mann zu. „Erstes bin ich nicht, aber ich habe Verbandszeug und einige Arzneien in meiner Hütte. Sie liegt nicht weit von hier und von dort kommt man leichter in das nächste Dorf, als über diesen Trampelpfad.“, erklärte Bernd und lächelte den Mann an. Semir spürte Misstrauen in sich aufsteigen. Das lag wahrscheinlich an diesem geheimnisvollen Rucksack, den der Fremde mit sich führte. Doch gab es für ihn irgendeine Wahl? Mit seinem verletzten Bein würde er vielleicht Tage bis zur nächsten Ortschaft brauchen. „Wo...wo liegt denn ihre Hütte?“, fragte Semir vorsichtig nach. „Einige hundert Meter in die Richtung. Gleich dahinten, bei den alten Schienen.“, erklärte der fremde Wanderer. Semir nickte und humpelte mit dem Mann in die Richtung. Bernd grinste und malte sich schon in Gedanken aus, wie er diesen Mann sterben ließ.


    ...

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