Taub (Teil 1)

  • Nach der Besprechung mit dem Arzt gingen Konrad Jäger und Semir zu Ben ins Zimmer. Dieser war in der Zwischenzeit wieder auf der Intensivstation angekommen und an seinen Platz gebracht worden. Die zusätzliche Vorrichtung hinter dem Bett war verschwunden und Beatmungsmaschine sowie Monitor hingen wieder an den üblichen Plätzen. Der Vater nahm neben Ben am Bett platz und berührte vorsichtig die Hand seines Sohnes. „Mein Gott! Welch ein Ausmaß! Das ist furchtbar! Ich… ich kann es ihm nicht…“ Jäger senior verstummte im Satz. Er überlegte sich, wie er seinem 30 Jährigem Sohn mitteilen sollte, dass er kein Gefühl mehr in den Beinen hatte und das wohl für den Rest seines noch jungen Lebens. „Ich verstehe was Sie meinen Herr Jäger. Ich glaube, wir sollten damit noch warten. Wenn er zu sich kommt, wird er sehr schwach sein. Er wird es evtl. noch nicht merken. Wir sollten ihm dann erstmal die Zeit geben, so mit der Situation umzugehen.“ Schlug Semir vor. Sicher, er hasste es Ben anlügen bzw. ihm etwas verschweigen zu müssen. Aber es wäre für Bens Schutz. Vielleicht würde sein junger Partner dann erst gar nicht das Kämpfen anfangen, wenn man ihm von Anfang an sagen würde, dass die Empfindung in den Beinen wahrscheinlich nie mehr zurückkommt. Konrad nickte nur bei diesem Vorschlag. „Erstmal soll er die Augen aufschlagen, dann sehen wir weiter.“ Sprach er leise.


    So saßen sie noch eine Weile, beobachteten Ben und die Überwachungsmonitore.
    Am Abend fuhr Semir nach Hause. Er war erschöpft, ließ es sich aber nicht nehmen die Chefin zu informieren. Natürlich freute Sie sich auch über die Nachricht, dass Ben über dem Berg sein. „Alles Weitere werden wir sehen, wenn es soweit ist.“ Versuchte sie den Deutschtürken zu beruhigen, als es um die Taubheit in Bens Beinen ging. Semir beendete das Telefonat wenig später.
    Auch Andrea war heil froh, als sie hörte, dass der junge Partner ihres Mannes auf dem Weg der Besserung ist. Die Eltern saßen noch eine Weile auf der Couch und tranken noch ein Glas Wein auf Bens Genesung.
    Dann gingen sie ins Bett. Seit Tagen konnte Semir endlich mal wieder einigermaßen gut schlafen.

  • Auch am nächsten Tag, es war ein schöner Freitagmorgen, fuhr Semir zeitig in die Klinik. Immerhin konnte Ben jeden Moment aufwachen und er wollte es sich einfach nicht nehmen lassen dabei zu sein. Das erste Mal seit Bens Unfall lief das Radio bei dem Deutschtürken im Auto. Seine Laune war um ein vielfaches gestiegen. Um die Zukunft wollte er sich jetzt erstmal keine Gedanken machen. Immerhin gab es die letzte Zeit genug schwarze Seiten in seinem Leben. Die Autoschieberbande, den Chef, den man nicht zu fassen bekam. Bens Unfall, dann schwebte Ben in Lebensgefahr… Jetzt sollte es bergauf gehen. Das hatte sich Semir fest vorgenommen. Erst würde er Ben helfen wieder zu Kräften zu kommen. Dann würde er sich um die Bösewichte kümmern.


    Wie immer Parkte er auf dem großzügigen Geländer der Klinik und ging im Sonnenschein in Richtung Eingang.
    Wenige Minuten später saß er bei Ben am Bett. Wie immer Unterhielt er sich mit Ben, wobei natürlich nur er sprach und hoffte, dass sein junger Partner und Freund etwas davon mitbekam. „Ich habe heute seit Tagen mal wieder einigermaßen gut geschlafen. Seitdem ich weis, dass du über dem Berg bist ist vieles leichter. Gut, mal abgesehen von dem Schlauch in deinem Mund. Aber das Teil werden wir doch auch noch los, oder?“ sprach Semir auf den noch immer bewusstlosen Ben ein. „Ich habe gestern Abend Aida erzählt, dass du bald wieder kommst und ihr eine Geschichte vorliest. Sie vermisst dich nämlich sehr und fragt schon oft nach dir. Und dein Patenkind braucht auch mal wieder den Patenonkel! Also, sie zu, dass du wieder zurückkommst. Außerdem hab ich mir überlegt…“ in den Moment schien es, als fingen sämtliche Alarme bei Bens Monitor an zu gehen. Ein Gepiepse und ein Ton schriller als der Andere ertönten aus dem Zimmer des jungen Hauptkommissars. Sofort rannten zwei Pfleger und der Arzt in das Zimmer hinein und fanden einen total verstörten Semir vor. Er stand neben dem Bett und blickte immer wieder aufgeregt zwischen Ben und dem Monitor hin und her. Seine Hand ruhte auf der Schulter des Jungen Hauptkommissars. „Was…? Was ist da los?!“ fragte er ängstlich. Ein Pfleger war bereits am Monitor und stellte sämtliche Alarme Still. der Andere wühlte in einen der Schubladen in dem Pflegewagen, der an der Seite des Zimmers stand. „ Es geht los.“ Sprach der am Monitor stehende Mann. „Ihr Kollege wacht auf, wir müssen ihn gleich Extubieren, denn der Schlauch in seinem Hals wird ihm gar nicht gefallen. Bitte gehen sie ein paar Schritte zur Seite, damit der Arzt platz hat.“ Der Studierte schob das Bett gerade ein Stück nach vorne und positionierte sich dann hinter dem Kopfteil von Ben, sodass er guten Zugang zu der Beatmungsmaschine hatte. Bens Kopfkissen wurde von dem zweiten Pfleger, der scheinbar gefunden hatte was er gesucht hatte, entfernt und der Kopf des 30 Jährigen wurde überstreckt. Semir stand in einer der Ecken und betrachtete das Vorgehen mehr oder weniger mit Freunde. Auf der einen Seite würde Ben gleich wach sein, aber auf der anderen Seite schien die Sache hier nicht ganz so einfach zu werden, wenn zwei Pflegekräfte und ein Arzt anwesend waren.

  • Es war dunkel um Ben herum. Wie in einem Tunnel und am Ende des Tunnels sah er ein Licht. War das der Tunnel, von dem alle erzählten, wenn man starb? War er Tod? Er sah sich um. Aber es ging ihm gut. Er schien sich wohl zu fühlen. Alles war leicht, er spürte nichts. Doch er wurde langsam aber unaufhaltsam in Richtung des Lichts gedrückt. Als ob das Licht eine magische Anziehungskraft hätte. Er konnte sich nicht dagegen wehren. Je näher er dem Licht am Ende des schwarzen Tunnels kam, umso ungemütlicher schien es ihm. Es wurde immer greller. Er hörte von dort Geräusche, die immer lauter wurden. Ben versuchte sich dagegen zu wehern, immer heftiger versuchte er, sich umzudrehen und wieder in die andere Richtung, zu der Dunkelheit zurück zu laufen. Doch er hatte keine Change. Je mehr er dagegen ankämpfte umso schneller schien er in das Lichte gezogen zu werden. Er hielt sich eine Hand vor die Augen, er war dem Licht jetzt so nahe, dass es ihm in den Augen wehtat. Die Geräusche waren jetzt seht laut. Er hörte verschiedene Pieps-Töne in den unterschiedlichsten Frequenzen und Höhen. Außerdem hörte er Stimmen die durcheinander redeten. Auf einmal durchfuhr ihn ein Schmerz in dem Oberköper und im Kopf. Er schrie auf vor Schmerzen und versuchte sich wieder vergebens gegen das Licht zu wehren. Er wollte dort nicht hin, aber er hatte keine Wahl. Jetzt fühlte er irgendetwas in seinem Hals. Ein Fremdkörper, was war das nur? Es brannte in der Luftröhre. Ben überfiel ein Hustanfall. Mein Gott was ist hier los? dachte er sich. Wo kommen all die Schmerzen her? Mir ging es bis eben doch noch so gut? „Stell das Schmerzmittel höher, Puls und Blutdruck steigen rapide an!“ hörte er eine Stimme jetzt klar aus dem Licht sprechen. Schmerzmittel? Wo bin ich? Dachte sich Ben. Jetzt hatte sich das Licht vollkommen um ihn herum ausgebreitet. All die Schmerzen wurden unerträglich für Ben, er sank zusammen und hatte keine Kraft mehr überhaupt etwas zu denken. Dann spürte er, wie jemand an dem Fremdkörper in seinem Hals rumhantierte…



    Semir stand nach wie vor in seiner Ecke und beobachtete das Geschehen. Bens Körper wurde von einem Hustanfall übermannt. Sein Leib hob und senkte sich bei jeden Husten. Man merkte, wie viel Kraft ihm das kostete. Semir wäre gerne zu seinem Partner gegangen, hätte ihm gerne die Hand gehalten und auf ihn eingeredet, dass alles gut werden würde. Aber er sollte abstand halten und so sah er hilflos zu, was mit seinem Partner geschah. Das Herz blutete ihm dabei. Man konnte Ben ansehen, wie viel Schmerzen er hatte und wie furchtbar die Situation führ in sein musste. Immerhin wusste er nicht, wo er war und was die letzten Tage passiert war. Der Arzt nahm den Beatmungsschlauch in seine Hand und fing an daran zu ziehen. Vorsichtig wurde Zentimeter für Zentimeter der Tubus aus Bens Luftröhre gezogen. Nach wie vor Hustete Ben bei dieser Situation. Für Semir war es kaum Mitahnzusehen. Aber er sah nicht weg. Immerhin hatte er das Gefühl, Ben wenigstens so zu unterstützten. Wenn er jetzt wegsehen würde, würde er seinen Freund und Partner wieder im Stich lassen. Das wollte er auf keinen Fall.

  • Es war kalt hier, so unendlich kalt! Ben merkte, dass er scheinbar in einem Bett lag. Sein Rücken schmerzte zusätzlich, er wusste gar nicht, wo es nicht Weh tat. Hilfe! Helft mir doch bitte! versuchte er verzweifelt zu schreien. Aber er hatte das Gefühl, dass es in dieser „Außenwelt“ um ihn herum nicht ankam. Soeben hatte man ihm den Fremdkörper aus der Luftröhre gezogen. Jetzt brannte sein Hals ohne Ende. Irgendjemand fummelte an seiner Nase herum. Jetzt lasst mich doch endlich in Ruhe und bringt mich wieder in die Dunkelheit, wo es mir viel besser ging. Dachte sich Ben. Das Piepsen war in der Zeit verstummt. Auch die Stimmen hatten aufgehört zu sprechen. Es war leise. Aber nach wie vor grell und schmerzhaft hier. Außerdem bitterkalt! Er fühlte etwas an seiner rechten Hand. Eine andere Hand legte sich auf seine. Diese war viel wärmer und vertrieb die Kälte etwas aus Bens Körper. „Es kann sein, dass er jetzt nicht gleich die Augen öffnen wird. Die Extubation hat ihn schwer mitgenommen. Er braucht noch viel Ruhe. Aber natürlich können Sie bei ihm bleiben“ hörte Ben eine männliche Stimme. „Vielen Dank.“ Sprach eine andere Stimme rechts von ihm. Moment! Die Stimme kenn ich doch…? Semir? Semir!! versuchte Ben wieder zu rufen.


    Semir nahm Lippenbewegungen von Ben wahr. Er beugte sich mit seinem Ohr darüber um zu hören was sein Freund und Partner, endlich zurück im Leben, sagte. Doch er verstand nichts. „Es ist alles gut, Ben. Du bist wieder unter uns. Willkommen im Leben!“ bei diesen Worten lief ihm eine Träne der Freunde über das Gesicht. „Jetzt wird wieder alles gut!“ sprach er weiter und ließ die Hand seines Partners nicht los.


    Willkommen im Leben? Ich bin doch tot… Ich war doch in dem Tunnel…. und all diese Schmerzen hier. Ben wusste gar nicht mehr was er denken sollte. Er wusste nur, dass sein Freund Semir bei ihm rechts an der Seite war. Also riss er sich zusammen und packte all seine Kraft um die Augen zu öffnen.
    Semir sah, dass Bens Augenlieder zu zucken begannen. Er drückte die Hand des jungen Hauptkommissars noch fester. Immer mehr flatterten jetzt die Lider, bis sie schließlich einen spalt weit geöffnet wurden. „Hallo! Mensch endlich! Du weißt nicht, wie lange ich darauf gewartet habe!“ sprach der ältere und eine weitere Träne suchte sich seinen weg.

  • Heute gibts es eher "Abendkrümel" als Abendbrot. Aber ich war heute früher in der Klinik um die Frage zu klären, von daher konnte ich heute nicht schreiben. Aber ich leg jetzt noch ne kleine "Nachtschicht" ein und schreib weiter, was nachher natürlich noch reingestellt wird.
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    Er sah eine Gestalt, sehr verschwommen, neben sich sitzen. Diese begann zu sprechen: „Hallo! Mensch endlich! Du weißt nicht, wie lange ich darauf gewartet habe!“ Wie lange er darauf gewartet hat? Auf was denn? Und warum lange? Zwischen dem schwarzen Tunnel und der Situation hier im Licht sind doch höchstens 5 Minuten vergangen… oder? Ben blinzelte noch ein paar Mal um die Person zu erkennen. Von der Stimme her konnte er sich aber zu fast 100% sicher sein, dass es… ja jetzt sah er ihn auch. „S..e..mi..r…“ kam es flüsternd von ihm.

  • „Ja ich bin es. Ich bin bei dir, ich lass dich nicht alleine! Alles ist gut!“ kam es freudig von dem Deutschtürken. Nach wie vor hielt er Bens Hand. Eine weitere Träne der Freunde suchte seinen Weg. Ben schluckte schwer und versuchte weiter zu sprechen:“ Was..ist…pas..sie…rt?“ kam es schleppend von ihm. „Du Bist aufgeflogen, der Undercover Einsatz, erinnerst du dich?“ antwortete Semir. Ben nickte leicht. Seine Augen waren nach wie vor nur kleine Schlitze, aber man merkte ihm an, dass er versuchte wach zu bleiben um Antworten zu bekommen. „Wir haben nichts mehr von dir gehört, daher bin ich dich suchen gegangen. Es ging alles sehr schnell, es kam zum Schussaustausch und dann bist du gefallen…“ endete der Ältere seinen Bericht.


    Ben kamen Erinnerungen wieder, er war gefesselt in einem Raum, dann verfolgte er Timm Höfer, einer der Bandenmitglieder… Der Sturz in die Tiefe… Aber es waren nur kurze Flash-Bracks.
    Durch das Hochdrehen der Medikamente merkte Ben, wie die Schmerzen in seinem Körper nachließen. Er blinzelte mehr und immer länger blieben die Augen dabei zu. Als er mit letzter Kraft noch mal zu Semir sah sprach dieser: „Ruh dich aus, das schlimmste hast du überstanden. Ich werde gleich morgen nach dir sehen, in Ordnung?“ wieder kam ein kleines Nicke von Ben. „Da..nke..“ nuschelte er noch dem Deutschtürken entgegen und war schon wieder eingeschlafen. Semir drückte noch mal Bens Hand bevor er sich erhob und die Intensivstation das erste Mal mit einem Lächeln im Gesicht verließ.


    Als Semir das Gebäude verlassen hatte zückte er gleich sein Handy um alle anzurufen. Julia, Jäger Senior, die Chefin, er ließ keinen aus. Immer wieder berichtete er freudestrahlend, dass Ben nicht mehr beatmet sei und er schon ein paar Wörter gesprochen hatte. Nach jedem Telefonat war er sich trotz allem nicht sicher, ob das die Realität war, was er da erzählte. Er war noch so in seiner Trauer, dass er die momentane Situation selbst noch nicht glauben konnte. Im Auto angekommen schnallte er sich an, startete den Motor und drehte das Radio erstmal lauter. Zu dem Lied „Happy Day“ pfiff er mit, die Laune hatte sich heute schlagartig geändert.

  • Als Ben das nächste Mal erwachte, wurde er von einem Geräusch unsanft aus dem Schlaf gerissen. Blinzelnd sah er sich im Raum um. Er lag noch immer an derselben Stelle, als er das erste Mal erwachte und Semir neben ihm saß. Doch jetzt war der Stuhl leer. Es war dunkel im Raum. Nur eine Schreibtischlampe auf dem Pflegewagen rechts an der Seite spendete Licht. Vor dem Wagen stand eine junge Frau, Ende 20. Sie sah Ben schuldbewusst an. „Tut mir leid Herr Jäger, ich habe sie geweckt.“ Sprach die schüchterne Blonde. Sie ging an Bens Bett und beobachtete ihren Patienten. „Ich bin Schwester Claudia, ich habe Nachtdienst.“ Ben nickte. Zwar war er mehr in der Realität als beim ersten Mal, als er nach dem künstlichen Koma erwachte, Aber er fühlte sich immer noch sehr schwach. „Könnte ich…bitte.. etwas zu…trinken….haben.“ sprach der junge Hauptkommissar leise. Sein Hals fühlte sich an wie eine Betonstraße bei 40 Grad im Schatten. „Natürlich.“ Kam prompt die Antwort der Schwester. Sie füllte etwas Wasser in ein Glas, welches auf Bens Nachttisch bereit stand. Dann betätigte sie einen Kopf am Bett, sodass das Kopfteil des Bettes in die Vertikale gebracht wurde. Noch immer sehr schwach hob Ben die rechte Hand um das Glas der Schwester entgegen zu nehmen. Leicht hob er seinen Kopf vom Kissen an und nahm vorsichtig einen Schluck des Getränkes. Nachdem er diesen runtergeschluckt hatte, ließ er sich wieder erschöpft in sein Kopfkissen fallen. Er fühlte sich, als ob er gerade einen 1000m sprint zurückgelegt hätte. Die Pflegekraft nahm im das Glas aus er Hand, stellte es auf das Nachttischchen zurück und schob dieses so hin, dass Ben jederzeit daran kommen konnte. „Sie sind noch sehr erschöpft, das ist normal. Es braucht seine Zeit, bis sie wieder voll bei Kräften sind.“ Kam es beruhigend von ihr, als sie merkte, dass Ben sich über seine Erschöpfung ärgerte. „Ich fühle mich also ob ich vom LKW überfahren wurde.“ Sprach Ben leise. Durch die Befeuchtung seines Halses ging das Sprechen besser, aber jedes Wort machte ihm noch viel Mühe. „Und meine Beine spür ich gar nicht…“ schloss Ben. Die Blondine zuckte zusammen. Sie hatte strickte Anweisungen, Ben nichts über seinen gesundheitlichen Zustand zu berichten. Immerhin war er dafür noch zu schwach. Das wollte der Arzt in aller Ruhe mit ihm Klären. „Das kommt wahrscheinlich durch das Schmerzmittel.“ Gab sie als Antwort. Ben war mit dieser Nachricht zufrieden und er merkte, wie seine Augen schon wieder schwerer wurden. „Wie spät ist es bitte?“ fragte er dennoch. „Es ist erst 3:00 morgens. Sie brauchen viel Schlaf, Herr Jäger. Ruhen Sie sich noch aus.“ Sprach die Krankenschwester, als sie gerade eine Perfusorspritze wechselte. Ben nickte dankend und schon in der nächsten Sekunde war er wieder im Land der Träume.

  • Wie versprochen gibts heut mehr zu lesen! Da fangen wir doch mal mit Frühstück an! ;-)



    Stunden später wurde Ben von der Sonne geweckt. Sie schien durch das Fenster direkt auf sein Bett. Blinzelt sah er sich wieder in seinem Krankenzimmer um. Diesmal war er alleine im Zimmer. So schnaufte er ein paar Mal mit verschlossenen Augen tief durch. Dann fing er an, seinen Körper zu begutachten. Er hob beide Arme langsam und mit Mühe an, sodass er sie sehen konnte. An dem linken Handgelenk war ein Verband angebracht und daraus trat ein Schlauch. Der rechte Arm war frei und schien soweit unversehrt. Anschließend tastete er an seinen Hals. Auf der rechten Seite spürte er Schläuche. Er tastete sich weiter nach oben und merkte den Verband auf seinem Kopf. Was zum…? dachte er sich. Durch die Medikamente hatte er keinerlei Schmerzen. Gerade als er mit der Betastung seines Kopfes fertig war wurde die Tür geöffnet und ein Pfleger betrat den Raum. „Guten Morgen, Herr Jäger. Es freut mich, Sie mal bei Bewusstsein zu erleben.“ Sprach der Mann freundlich zu Ben gewandt. Er reichte ihm die Hand. „Ich bin Johannes, bin heute Morgen für sie zuständig.“ Ben erwiderte schwach den Gruß. „Ich habe Ihnen hier ein paar Sachen zum frisch machen mitgebracht. Außerdem möchte ich gerne ihre Verbände neu machen.“ Erklärte der Pfleger sein Programm. „Ist in Ordnung… aber kann ich vorher wissen was mir fehlt?“ fragte Ben. der Betreuer stellte alle mitgebrachten Utensilien auf dem Nachttisch parat. „Ich schlage vor, Sie warten die Visite ab. Dr. Mayer möchte heute mit Ihnen ausführlich über alles sprechen. Da erhalten Sie alle Antworten. Ist das in Ordnung für Sie?“ Ben nickte. Nach wie vor fühlte er sich sehr schlapp. Seine „Erkundungstour“ des Körpers hatte ihn die gerade neu getankte Energie der Nacht gekostet. „Ihr Kollege hat heute auch schon angerufen. Er will in Ihre Wohnung fahren und ein paar Sachen für sie einpacken. Dann kommt er vorbei.“ Sprach Johannes weiter.


    So half er Ben beim frisch machen und erklärte ihm, für was der Zugang am Hals ist, als er den Verband wechselte. „So das hätten wir“ sprach er, als das neue Pflaster befestigt war. „Jetzt möchte ich mich gerne um Ihre Arterie kümmern.“ Fuhr er fort. „Um meine…Arterie?“ wiederholte Ben etwas skeptisch. Der Pfleger grinste und nahm frisches Verbandsmaterial als er erklärte: „Ja, der Verband um ihr linkes Handgelenk. Da ist die Arterie punktiert und ein Schlauch eingeführt. Damit messen wir ihren Blutdruck und den Puls.“ Berichtete Johannes als er den alten Verband abwickelte. „Je nach dem wann sie auf die Normalstation verlegt werden, entfernen wir diesen Schlauch. Aber im Moment brauchen Sie ihn noch, von daher mach ich ihn frisch.“

  • Ben beobachtete das Vorgehen des Pflegers und ließ alles anstandslos über sich ergehen. Kaum waren die beiden Männer fertig, da klopfte es auch schon an der Tür. „Herein“ sprach Johannes als er den Müll entsorgte und sich gerade die Einmalhandschuhe von den Händen streifte. Semirs Kopf lugte vorsichtig in den Raum. An den Pfleger gewand fragte er: „Stör ich? Ich kann auch nachher…“ „ Nein alles in Ordnung, ich bin gerade fertig geworden.“ Unterbach ihn Johannes freundlich. Semir betrat mit einer Sporttasche über der Schulter den Raum. Ben hob zum Gruß seines Freund und Partners die linke Hand leicht vom Bett. Er war fix und alle nach all dem Wechsel an Verbänden und der Morgentoilette. Semir strahlte, als er die Reaktion von Ben sah. „Mensch Ben! Ich bin froh, dass du wieder unter den lebenden bist! Du siehst wirklich gut aus!“ kam es sprudelnd von ihm, als er wieder auf seinem Stammplatz platz genommen hatte. Ben grinste leicht. „Du bist so ein schlechter Lügner…“ „Hey hör mal! Du hättest dich mal vor ein paar Tagen sehen müssen… Da bist du jetzt wirklich das blühende Leben!“ stichelte Semir zurück. „Da muss ich ihrem Kollegen Recht geben Herr Jäger! Obwohl ich sonst immer zu meinen Patienten halte… aber Sie haben sich wirklich schon deutlich verbessert.“ Mischte sich jetzt auch Johannes in das Gespräch mit ein. „Ich wünschte das könnte ich auch spüren.“ Kam es von dem Kranken. „Das braucht seine Zeit, Herr Jäger! Sie wissen nicht, was sie ihrem Körper die letzten Tage abverlangt haben.“ Sprach er beruhigend. „Also, ich lass sie Beide dann mal alleine, wenn was ist… klingeln!“ mit diesen Worten verließ der Pfleger den Raum und schloss die Tür hinter sicht.


    Freudig umarmte Semir seinen Partner. „Ich bin wirklich so froh… das kann ich keinem erzählen!“ sagte er ihm ins Ohr, als er noch immer über ihm gebeugt dastand um Ben zu umarmen. „Es muss ja echt mies um mich gestanden haben…“ kam es von dem jungen Hauptkommissar. „Das ist kein Ausdruck! Die Ärzte hatten dich eigentlich schon… naja… deine Prognose war auf alle Fälle nicht so gut.“ Versuchte der Deutschtürke noch die Kurve zu bekommen. Ben sah die Trauer in den Augen seines Freundes. Was war nur passiert, dass er so mit dem Tode gerungen hatte… Semir hatte zwar gestern etwas gesagt, als er gerade aus dem Koma erwachte, aber er erinnerte sich nicht mehr richtig… er selbst hatte nur diese bruchstückhaften Erinnerungen. „Semir, bitte erzähl mir noch mal, was passiert ist… ich kann mir nur noch daran erinnern, dass ich irgendwo gefesselt war…“ kam es leise von Ben.

  • Trotz Erschöpfung wollte er jetzt alles erfahren. Sein Freund und Partner schnaufte tief durch, fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht und rieb sich die geschlossenen Augen. Man merkte ihm an, dass er nicht gerne über die Vergangenheit sprach. „Also gut… es war so:“ Und Semir erzählte im alles haarklein, dass er aufgeflogen sei, dass man nichts mehr von ihm gehört hatte, dass er sich auf die Suche gemacht hatte, wie er Ben gefunden hatte, dass Ben ans Auto gehen sollte und sich in Sicherheit bringen sollte, dass er von Timm Höfer verfolgt wurde und es wohl zu einem Kampf kam.
    „Als ich dazukam war es schon zu spät. Höfer blickte nach unten und ich wollte es nicht wahr haben… ich dachte mir: Nein bitte nicht…! Aber es war so, ich konnte nichts ändern, ich war zu spät…“ Semir legte eine Pause ein und sah lange auf den Boden. Er konnte seinem Partner nicht in die Augen sehen. Ben sah, wie sich eine Träne von Semirs Auge löste und ihm an der Wange herunterrollte. „… ich war zu spät um dich zu retten! Ich hätte dich nicht alleine zum Auto schicken dürfen! Wenn wir zusammen gegangen wären dann… dann wäre das… wohl nicht passiert.“ Der Deutschtürke brach ab und schnaufte erstmal tief durch. Dann sah er wieder zu Ben, nachdem er sich die Tränen von den Augen gewischt hatte. Auch bei dem Jüngeren schien sich eine Träne den Weg gebahnt zu haben. Semir sah noch die Spur auf seiner Wange. Ben sah ihn einfach nur an. Regungslos. Er wartete, dass Semir weiter erzählte. Also schnaufte Semir ein weiteres Mal tief durch und fuhr fort: Ich hab Höfer außer Gefecht gesetzt und bin zu dir nach unten gegangen. Und dann…. oh nein…. das war nicht real… weißt du wie? Wie wenn man träumt.


    Ben nickte. Er verstand was Semir ihm sagen wollte. So ging es ihm auch bei Saskia. Als er sie leblos auf dem Boden gesehen hatte… in ihrer Wohnung… an dem Ort wo sie den Abend vorher… Ben wischte den Gedanken bei Seite.


    „Und dann?“ fragte Ben weiter, als er merkte, dass Semir von sich aus nicht weiter sprach. „Dann…. dann bin ich zu dir hin… es schien wie Stunden zu dauern, dabei waren es gerade mal ein paar Schritte… Ich hab mich zu dir runtergebeugt und hab deinen Puls gesucht.“ Jetzt sah er vom Boden auf direkt in die Augen des 30 Jährigen. „da war nichts… und dann… dann hab ich angefangen dich zu reanimieren… ich weis nicht wie lange… irgendwann hat mich ein Sanitäter von dir weggezogen. Die haben dich dann weiter…. irgendwann stand Kim Krüger neben mir… und… wir standen beide da und keiner konnte etwas tun… .. scheiße Ben das ist alles meine Schuld. Wenn ich dich nicht alleine zum Auto geschickt hätte. Wenn wir uns vorher nicht getroffen hätten, dann wäre deine Identität wohl gar nicht aufgeflogen! Ich…“ Ben hob die rechte Hand und unterbrach somit seine Vorwurfsrede.

  • „Semir… was redest du denn da?“ kam es leise von ihm. „Wenn du nicht nach mir gesucht hättest, dann wäre ich heute zu 100% tot. Das weist du auch, genauso wie ich…“ bestärkend nickte er seinem treuen Freund und älterem Partner zu. „Und ich möchte mich bei dir bedanken, dass du gleich zweimal mein Leben gerettet hast… erst durch die Suche und dann durch die Reanimation…“ auch Ben musste bei dem Gedanken hart schlucken. Mein Gott! Semir musste mich reanimieren! dachte er sich. Was würde ich nur tun? Wie würde ich damit umgehen, wenn Semir leblos vor mir auf der Erde liegen würde? Hätte ich auch den Nerv ihn zu reanimieren? Hätte ich diese Stärke? All diese Fragen schossen dem jungen Hauptkommissar durch den Kopf.


    Semir sah in fragend an. „Aber Ben! Verstehst du denn nicht? Ich hab dich weg geschickt, hilflos ausgeliefert ohne Schusswaffe oder sonst was… ich hätte…“ wieder wurde der Deutschtürke von dem Kranken unterbrochen. „Hörst du dich eigentlich selbst Reden? Du konntest doch nicht ahnen, dass es soweit kommt. Und jetzt hör bitte auf, dir andauernd Vorwürfe zu machen. Ich hab dir meine Ansicht darüber mitgeteilt und ich bedanke mich noch mal bei dir. Also hör jetzt endlich auf, dir die Schuld zu geben! Denn ich seh das anders und dir andauern widersprechen zu müssen ist verdammt anstrengend…! erschöpft sank er in seinem Bett zusammen. Semir musste bei dem letzten Kommentar ein wenig grinsen. Das war sein Partner so wie er ihn kannte. „Aber sonst hast du das doch auch so gerne gemacht!“ sprach der Deutschtürke. Jetzt war es an Ben zu grinsen. Die nächsten paar Minuten herrschte Stille. Ben hatte die Augen geschlossen und atmete gleichmäßig. Semir dachte schon, er wäre wieder eingeschlafen. Doch dann meldete er sich zu Wort. „Und jetzt erzähl mir bitte noch, was für Verletzungen ich habe. Hier will mir das keiner von den Pflegekräften sagen und ich soll die Visite abwarten…“ kam es von Ben. Er öffnete wieder die Augen und sah zu seinem Partner hinüber. Dieser schluckte hart…

  • „Also, soweit ich das verstanden habe, hattest du eine Hirnblutung. Man musste dich operieren. Durch den Rippenbruch an der linken Seite ist deine Lunge verletzt… daher auch der Schlauch an der Seite.“ Ben blickte erschrocken und tastete sich vorsichtig seine linke Flanke ab. Tatsache, da war ein Verband und etwas ging davon weg. Wieder einer dieser Schläuche. „Hab ich noch gar nicht entdeckt…“ kam es leise von ihm, als er seine linke Hand wieder auf seinen Bauch über die Denke legte. Diese Bewegungen gingen natürlich noch sehr langsam vor sich. Semir nickte zu den Perfusoren hinüber. „Die scheinen dich noch gut mit Schmerzmittel abzudecken.“ Kam es von ihm. Ben nickte nur.
    Eine Hirnblutung also, dachte sich der 30 Jährige. Kein Wunder, dass hier alle so gezittert haben…
    In dem Moment wurde die Tür zu Bens Zimmer geöffnet und ein Arzt betrat den Raum. „Hallo, ich bin Dr. Mayer.“ Er streckte Ben die Hand entgegen und begrüßte auch Semir. „Sie haben sicher ein paar Fragen an mich, Herr Jäger.“ „Das gröbste hat mir mein Partner erzählt, aber die Details würde ich auch gerne hören.“ Sprach Ben. Der Mediziner holte sich einen weiteren Stuhl und setzte sich auf die Andere Seite von Ben. Beide Augenpaare waren auf den Weiskittel gerichtet. Dieser räusperte sich und fing dann mit seinem Bericht an.


    „Nun es ist so, dass Sie sich in ihre Gefangenschaft durch Gewalteinfluss einen Rippenserienbruch der sechsten bis achten Rippe zugezogen haben. Dadurch konnte Luft in den Pleuraspalt eindringen, somit erlitten Sie einen Pneumothorax, also einen Zusammenfall der Lunge durch fehlenden Unterdruck. Wir werden im laufe der Zeit noch mal ein Röntgenbild der Lunge machen um zu sehen, ob sie sich wieder voll entfaltet hat. Ist das der Fall können wir die Drainage an der Seite entfernen.“ Ben nickte. Das klang ja schon mal nicht schlecht…
    „Außerdem haben Sie durch den Sturz eine Hirnblutung erlitten , die wir erfolgreich stoppen konnten.“ Fuhr der Arzt weiter fort. „Allerdings sind durch die Blutung einige Defekte in ihrem Hirn zu Stande gekommen…“ Ben schluckte hart. „…Defekte? Was denn für Defekte?“ fragte er mit belegter Stimme. Abwechselnd sah er zu Semir und zu dem Arzt. Er merkte, wie die Panik in ihm aufstieg. Semir sagte nichts. Er saß einfach nur da und wartete, bis der Arzt weiter sprach. Dieser räusperte sich und berichtete weiter. „Also es gibt in dem Gehirn eine Region, die für das Fühlen im Körper zuständig ist. Die Blutung und der daraus resultierende Defekt sitzt genau in den Bereich… bei ihnen betrifft es die Beine. Es tut mir sehr Leid Herr Jäger. Ich muss ihnen mitteilen, dass sie wohl bis an ihr Lebensende ihre Beine nicht mehr spüren werden.“

  • Frühstück... hab noch einen kleinen Teil übrig ;-)




    Jetzt war es gesagt, die Katze war aus dem Sack. Ben schüttelte leicht den Kopf, als hätte er nicht verstanden, was Dr. Mayer gerade zu ihm gesagt hatte. „Wie…ich spüre bis zu meinem Lebensende meine Beine nicht mehr… ich mein… das ist doch durch das Schmerzmittel…. das…. das hat mir doch die Schwester heute Nacht selbst gesagt.“ Es herrschte Stille. Von Semir war nichts zu hören. Auch für ihn war es immer und immer wieder hart anzuhören, wenn ein Arzt aussprach, was Bens Prognose betraf. „Nein Herr Jäger, es tut mir sehr Leid. Die Schwestern und Pfleger sind nicht befugt über Diagnosen mit den Patienten zu sprechen, bzw. diese mitzuteilen. Aber die Fakten und Untersuchungsergebnisse lassen leider keinen Zweifel an der Diagnose.“ Ungläubig sah er zu Semir. Dieser schaute ihn nur traurig an. „Und du…! Du hast es die ganze Zeit gewusst?“ Semir nickte nur stumm. Ben sah in ungläubig an. „Und… du sagst mir nix? Obwohl ich dich eben gefragt habe?“ gab der Kranke wütend von sich. „Herr Jäger, ich bin mir sicher, dass ihr Kollege nur das Beste für Sie wollte.“ Mischte sich jetzt auch der Arzt ein. „Außerdem kann ich ihnen mitteilen, dass sie dennoch laufen können. Sie müssen es wieder neu erlernen und es wird eine Zeit lang dauern aber es wird gehen.“ Versuchte der Arzt Ben zu beruhigen. „Ja super wird das sein! Laufen ohne Gefühl…“ alle beteiligten schwiegen. Ben fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht und zuckte kurz darauf zusammen, als er mit der linken Hand über die Wunde an der Backe fuhr. Erschrocken darüber, wieder eine neue Blessur gefunden zu haben legte er die Arme wieder auf den Bauch. Die ersten Tränen sammelten sich in seinen Augen. „Ich wäre jetzt gern alleine.“ Sprach er noch mit letzter Kraft aus. „Natürlich.“ Sprach der Arzt und war schon dabei sich zu erheben. Semir versuchte erneut seinem Partner und Freund Mut zu machen. „Ben ich werde dir helfen, ich…“ „Semir, bitte. Ich wäre jetzt wirklich gerne allein.“ Unterbrach ihn der 30 Jährige. Die ersten Tränen hatten den Weg Richtung Wange auf Bens Gesicht schon gefunden. Schniefend wischte er sie sich weg. Der Deutschtürke nickte stumm und verließ gemeinsam mit dem Arzt den Raum. Semir sah ein letztes Mal zu seinem Partner und schloss dann die Tür hinter sich. Ben war mit seiner Trauer alleine.

  • Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Eigentlich war es ihm auch egal. Er lag in seinem Bett und die Tränen schossen nur so aus seinen Augen. Ben hatte schon längst aufgegeben sie wegzuwischen. Erschöpft lag er da und starrte an die rechte Wand, vorbei an dem Stuhl wo Semir immer darauf saß. Die Pflegekraft war noch ein paar Mal vorbeigekommen, hatte etwas an den Perfusoren verstellt und manche Medikamente wurden entfernt. Sie sah ihn immer nur mitfühlend an aber sagte nichts. Ben tat es ihr gleich, er beachtete sie nicht. Irgendwann stemmte er sich mit all seiner Kraft auf seine Unterarme und fischte sich die Fernbedienung für sein Bett. Als er diese in den Händen hielt drückte er den Kopf, damit sich sein Kopfteil aufrichtete. Mit viel Kraft setzte er sich halbwegs in sein Bett. Ein paar Mal schnaufte er tief durch, dann schob er die Bettdecke so weit wie er konnte von seinen Beinen weg. Vorsichtig versuchte er das linke Bein leicht anzuziehen. Es ging, es bewegte sich einige Zentimeter. Nachdem er es wieder ausgestreckt hatte, versuchte er das Selbe mit seinem rechten Bein. Auch das ging. Bewegung war also noch möglich. Aber er fühlte nicht, wie sich die Ferse über die Matratze bewegte. „Das gibt’s doch nicht, das kann doch nicht sein!“ dachte sich Ben. Er zwickte in beide Oberschenkel, klopfte darauf aber nichts geschah. Als ob nichts gewesen wäre…wie totes Fleisch, das nicht zu seinem Körper gehörte. Er ließ sich wieder in seine Kissen fallen und erneut rannten Tränen der Verzweiflung über sein Gesicht. Er vergrub es in seinen Händen.
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    „Hallo“ Grüßte Semir traurig, als sich die Bürotür öffnete und Julia aus dem Raum trat. Beide standen auf einen der großen Gänge mit Marmorfliesen von Bens Vaters Firma. Semir war nach dem Vorfall direkt zu „Jäger Invest“ gefahren, um mit Julia persönlich über den Vorfall zu sprechen. An der Pforte fragte er sich nach ihr durch und schließlich stand er vor ihrem Büro. Da dort wegen eines Meetings im Moment noch zwei weitere Personen anwesend waren, ging Julia mit dem Deutschtürken vor dir Tür. Dieser erzählte die Situation und Julia schlug sich vor entsetzten die Hand vor das Gesicht. „Mein Gott Semir! Was können wir tun?... Ich werd sofort zu ihm fahren.“ Kam es bestimmt von der Brünetten.

  • „Das halte ich für keine gute Idee.“ Kam es von dem Kollegen ihres Bruders. Er hielt sie am Ellenbogen fest, als Julia auf dem Absatz kehrt gemacht hatte und schon wieder in Richtung ihres Büros war, um ihre Sachen zu holen. Fragend sah sie ihn an. „Aber Semir! Er braucht uns jetzt!“ argumentierte sie. „Ja das stimmt schon, aber er hat mich rausgeschmissen. Er braucht seine Ruhe um erstmal über den Schock hinweg zu kommen. Wenn er sich jetzt mit einem von uns einen handfesten Streit liefert, dann gewinnt er dadurch nichts. Ich denke, er will im Moment niemanden sehen… er hat mich rausgeschmissen Julia…“ endete Semir seinen Bericht. Eine Träne lief der Brünetten über die Wange. Sie sah auf die Uhr. 13:00 Uhr.
    „Ich informierte meinen Vater und heute Nachmittag werde ich zu ihm fahren. Mir ist es egal, ob er mich dann immer noch rausschmeißt oder nicht. Mag sein, dass er im Moment seine Ruhe haben will aber wir müssen ihm auch ein Zeichen setzten, dass wir für in da sind.“ kam es mit fester Stimme von der schlanken Schönheit. Semir nickte. „Ist gut. Dann sollten du und dein Vater erstmal vorbeisehen. Ich geh dann heute Abend noch mal hin…“ sprach der Autobahnpolizist traurig. Beide verabschiedeten sich und es wurde vereinbart, telefonisch in Verbindung zu bleiben.



    Auf dem Rückweg fuhr Semir noch bei der PAST vorbei. Wie immer, wenn er seit Bens Unfall das Großraumbüro betrat, versammelten sich schnell die bekannten Gesichter. Hotte, Dieter, Susanne und die Chefin, sowie einige Kollegen, die sich auch um Ben sorgten. So erzählte Semir, was vorgefallen war und es folgte ein langes Schweigen.
    „Mein Gott, das ist so fruchtbar! Ben muss außer sich sein…“ fand Susanne als erste die Worte wieder. Semir nickte nur zustimmend. „Aber… wie wird das denn in Zukunft sein, wenn er seine Beine nicht mehr spürt?“ fragte die Sekretärin weiter. Alle Blicke gingen auf die Dienststellenleiterin. Diese zögerte kurz. „Wir müssen sehen, wie es mit der Genesung von Herrn Jäger vorangeht. Ich habe schon alle Formalitäten erledigt, er wird bis aus weiteres Krankgeschrieben. Dann müssen wir erste Mal sehen, wie es weitergeht. Aber Ben bekommt von allen die nötige Unterstützung und von dem Staat die Zeit zur Verfügung gestellt, die er braucht, bis er wieder einsatzfähig ist…. egal wie.“ Schloss Kim Krüger ihr vorgehen. Alle nickten. Jetzt hieß es wirklich: Abwarten und Hoffen.

  • Es klopfte aber Ben nahm es gar nicht wahr. Er lag in seinem Bett und starrte die Decke an. Nach einem kurzem zögern wurde die Tür geöffnet. Er sah nicht hin. Es war ihm egal wer kam. Er wollte eigentlich nur seine Ruhe, war das zuviel verlangt? Im Augenwinkel erkannte er die Bewegungen seiner Schwester Julia. Sonst hätte er sich wahnsinnig gefreut sie zu sehen, aber jetzt konnte nicht mal sie ihn positiv stimmen. Bestimmt wusste sie es auch schon, es wussten bestimmt alle schon… ein zartes uns schüchternes „hey“ war von ihr zu hören. Julia nahm auf dem Besuchersitz platz und griff nach Bens Hand. „Ich bin so froh, dass du wieder wach bist.“ Fuhr sie fort. Man hörte die Tränen in ihrer Stimme. Jetzt sah Ben sie doch an. Sie lächelte leicht, stand auf und umarmte ihn anschließend in seinem Bett. Sie drückte sich ganz fest an seine Schulter. Diese Schulter war ihr schon bekannt, Julia wurde von ihr schon oft aufgefangen. Egal ob als Kind, wenn sie hingefallen war, oder als Erwachsene wenn sie traurig war. Selbst bei ihrer eigenen Hochzeit, die Schulter ihres großen Bruders war da, Julia konnte sich daran anlehnen. Ben war immer für sie da gewesen.
    Nach ein paar Sekunden hob Ben die Arme und legte sie um seine Schwester, so, wie er es immer tat. Julia merkte die Arme ihres Bruders auf dem Rücken. Zwar nicht so stark und schützend wie sonst, aber sie waren da. Dabei brauchte doch heute mal Ben den Trost von ihr. So fuhr sie ihm mit der Hand an Bens Schulter entlang und streichelte diese beruhigend. Heute wollte sie mal für Ben stark sein. Sie merkte, wie Tränen von Ben ihre Haut befeuchteten. Ben weinte still in die Schulter seiner Schwester. Was sonst immer Julias Part war, durfte heute Ben übernehmen. So ließ sie ihn gewähren, bis er sich einige Minuten später wieder beruhigt hatte.


    Schließlich löste sich die Brünette von dem Kranken und nahm wieder auf dem Stuhl platz. Ben wischte sich die Tränen aus den Augen. „Es tut mir so leid.“ Sprach die Besucherin weiter, nachdem sie Bens linke Hand wieder in ihre gelegt hatte. Ben nickte nur stumm. „Der Arzt war vorhin noch mal da, er hat was von Früh-reha erzählt, keine Ahnung.“ Kam es mit belegter Stimme von Ben. „Ich soll wohl morgen auf die normale Station verlegt werden, dann wollen sie das mit der Reha klären.

  • „Aber das klingt doch schon mal nicht schlecht.“ Kam es von Julia. „Naja, mal ein Tapetenwechsel…“ antwortete Ben. Beide schwiegen. „Papa möchte heute Abend vorbeikommen… ist das in Ordnung für dich?“ warnte Julia ihren Bruder vor. Sie wusste um die Streitereien und um das schwer geschädigte Verhältnis zwischen den Beiden. „Ja klar.“ Kam es von dem Autobahnpolizisten. Wieder Schweigen. Julia war die Situation sehr unangenehm. Sie wusste nicht, wie sie mit ihrem Bruder umgehen sollte. Aber sie wollte stark für ihn sein. Von daher blieb sie sitzen und versuchte immer wieder, ein Gespräch anzufangen. „Braust du etwas von daheim? Kann ich dir noch was besorgen?“ fragte sie Ben. „Ich hab eigentlich alles da. Semir war bei mir zu Hause und hat das nötigste zusammengepackt.“ Antwortete der Kranke. Sie nickte.
    „Erzähl, was gibt es Neues, was hab ich verpasst die letzten Tage?“ Fragte Ben nach ein paar Minuten. Er brauchte jetzt Ablenkung. So erzählte Julia und es entstand doch noch ein recht nettes Gespräch. Ben wurden für eine Zeit lang abgelenkt, das tat ihm wirklich mal gut.


    Einige Zeit später klopfte es wieder an Bens Zimmertür. Mit einem „Ja bitte“ von Ben wurde der Besuch empfangen. Konrad Jäger betrat den Raum. Kaum sah er seinen Sohn schossen ihn die Tränen der Freude in die Augen. Zwar war Ben immer noch sehr blass und er sah wirklich erschöpft aus, aber er lebte und er war bei Bewusstsein. Das war alles, was für den Vater derzeit zählte. Er ging an die andere Seite des Bettes und begrüßte seinen Sohn. Julia räusperte sich, sie wusste, was ihr Vater vorhatte. Von daher hielt sie es für besser, ihre beiden Männer der Familie alleine zu lassen. „Ich werde dann mal gehen, ihr habt sicher viel zu bereden.“ Sprach die Brünette. Wieder lehnte sie sich über das Bett von Ben und verabschiedete sich mit einer Umarmung bei ihm. „Vielen Dank“ flüsterte der junge Hauptkommissar ihr ins Ohr. Julia lächelte darauf nur. Als sie sich auch von ihrem Vater verabschiedet hatte schloss sie die Tür hinter sich und verließ die Klinik.

  • „Wie geht es dir mein Sohn?“ fragte Konrad nachdem er auf dem Stuhl platz nahm, wo kurz vorher noch Julia gesessen hatte. „Geht schon.“ Kam es von Ben. Er mochte seinen Vater, aber die Beziehung zu den beiden war schon seit langer Zeit angegriffen. Jetzt saß er da und Ben wusste nicht, was er sagen sollte. Also schwieg er.
    Konrad räusperte sich und sah sich verlegen im Zimmer um. „Du brauchst wohl nicht mehr soviel Medikamente“ schlussfolgerte er, als er nur noch eine Perfusorspritze laufen sah. Sie war nach wie vor an dem Zugang an Bens Hals befestigt. „Ja, der Arzt hat gesagt, dass ich morgen vielleicht auf die Normalstation verlegt werde.“ Antwortete der Sohn. „Das klingt doch gut!“ kam es von Jäger senior. Ben nickte. Wieder herrschte ein längeres Schweigen.


    Konrad riss sich zusammen und sprach aus, was ihm auf der Seele lag. Er erinnerte sich an das Gespräch mit Herrn Gerkan und dass er sagte, er solle mit Ben über die Streitigkeiten sprechen. Es viel ihm nicht leicht, seinen Fehler einzugestehen. Aber damals hoffte er, noch mal die Change zu bekommen mit seinem Sohn über alles zu reden. Diese Change war jetzt gekommen. „Also Ben.. ich…ich habe mir wirklich große Sorgen um dich gemacht. Ich hatte große Angst, dass ich dich verliere und nicht mehr die Möglichkeit habe, unseren Streit ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.“ Fing er mit dem Thema an. Ben dachte, er habe sich verhört. Gab sein Vater gerade zu, dass er einen Fehler gemacht hatte? So etwas hatte Ben bei seinem älteren Herrn noch nie erlebt. Er lag da und wartete, dass sein Vater weiter sprach.


    „Ich habe Nächte lang kein Auge zugemacht. Ich hatte wirklich große Sorge, dass ich dich auch noch verliere und Julia und ich…. alleine sind. Ich habe viel nachgedacht Ben, ich möchte mich bei dir für mein Verhalten endschuldigen. Es tut mir wirklich leid, dass ich immer versucht habe über dein Leben zu bestimmen. Aber weißt du…. ich…ich hatte einfach nur große Angst um dich. Das genau so etwas passiert, wenn du zur Polizei gehst. Das deine Schwester und ich an deinem Bett sitzen und um dein Leben bangen müssen. Es ging mir nie um die Firma, ich wollte immer nur, dass du glücklich bist. Aber ich könnte es nicht ertragen, wenn ich auch noch dich verliere … wo ich doch schon deine Mutter zu Grabe getragen habe als ihr noch so klein wart.“
    Konrad schnaufte tief durch. Er wischte sich eine Träne aus dem linken Auge.


    Bens Augen wurden, als sein Vater sprach, immer größer. Träumte er etwa? Dieses leidige Thema… sein Vater hatte nur Angst um ihn gehabt? Das wäre Ben nie in den Sinn gekommen. Jetzt, da er es wusste, fühlte er sich richtig mies. Was hat er immer über seinen Vater geschimpft, wenn sich die beiden mal wieder gestritten hatten. Ben dachte immer, sein Vater sei so egoistisch und würde nur an sich und die Firma denken. Dabei… hatte er einfach nur Angst. So dachte er nach und war für den Moment wie weggetreten. Besorg sprach der Vater weiter. „Ist alles in Ordnung mit dir? Hast du Schmerzen? Ben, sag doch was?!“ sprach er panisch.

  • Nein… alles Ok… ich…ich bin nur…echt überrascht.“ Kam es ehrlich von Ben. Er wusste mit der Situation überhaupt nichts anzufangen. Sein Vater saß an seinem Krankenbett, obwohl er, wie Ben ihm damals gesagt hatte dass er zu Polizei ging, ihm brüllend mitteilte, dass er sich nicht um ihn kümmern würde, wenn er verletzt sein würde. Dann gestand ihm sein Vater gerade, dass er sich immer nur Sorgen machte. Außerdem war es für Ben nie bewusst gewesen, dass sein Vater noch so unter dem Tod der Mutter litt. Natürlich war es damals hart für alle, aber Ben dachte, sein älterer Herr wäre darüber hinweggekommen.
    „Du hattest Angst um mich?“ wiederholte Ben nach einer Weile die Worte seines Vaters. „Natürlich Ben! Du bist doch mein Sohn! Ich bin immer für dich da, ich hoffe das weist du. Auch jetzt… ich meine… egal wie es weitergeht! Ich werde dich unterstützen wie ich nur kann.“ Sprach Konrad weiter. Er war froh, endlich das Thema über die Lippen gebracht zu haben. „Ich dachte, es ging dir immer nur um die Firma…“ sprach Ben reumütig. „Nein Ben, darum ging es mir nie. Ich meine… natürlich wäre das toll gewesen, wenn wir die Firma wie eine Art Familienunternehmen führen würden. Aber darum ging es mir nie. Du solltest glücklich sein mit dem was du machst. Und ich… ich wollte einfach meinen Sohn außer Gefahr wissen… ich hatte immer Bedenken, dass…“ er stockte.
    „dass…?“ fragte Ben weiter. „Das dir etwas passiert und das du… für den Rest deines Lebens mit den Folgen leben müsstest.“ Kam es ehrlich von dem Vater.
    So abwegig war der Gedanke ja nicht, dachte sich Ben. Immerhin war dieser Fall jetzt eingetroffen.
    „Das wusste ich nicht…“kam es jetzt stockend von Ben. „Es tut mir leid, ich hatte keine Ahnung, um was es dir wirklich geht.“ Konrad schüttelte den Kopf. „Du brauchst dich bei mir nicht zu endschuldigen. Immerhin war ich derjenige, der die Fehler gemacht hat. Wäre ich ehrlich mit dir gewesen…“. „Ja, das hätte vielleicht all die Streiterei geändert, aber sonst nichts. Es war mein Wille und ich wäre auch mit dem Wissen, dass du Sorge um mich hast zur Polizei gegangen.“ Kam es von Ben. „Ich weis, immerhin kenn ich doch meinen Sohn.“ Sprach Konrad mit einem lächeln auf den Lippen. Auch Ben lächelte bei diesem Kommentar. „Ich hoffe, dass in Zukunft nicht mehr so viel Streit zwischen uns steht. Ich wollte dir immer nur ein guter Vater sein…“ sprach Jäger senior nach einer Weile. „Das hoffe ich auch.“ Kam es von Ben.

  • Erschöpft ließ er sich in sein Kissen sinken. Das Gespräch hatte ihn sehr angestrengt. Generell war der Tag heute sehr mühsam für Ben. Es war alles etwas viel… die Diagnose, die Situation mit Semir, Julias Besuch und zum Abschluss noch das klärende Gespräch mit seinem Vater. Jäger senior merkte, dass sein Sohn sehr erschöpft war. „Du solltest jetzt etwas schlafen, du bist ja völlig fertig!“ kam es von ihm. „Ja das stimmt. Der Tag war irgendwie… heftig.“ Kam es schlapp von dem Autobahnpolizisten. „Das versteh ich voll und ganz! Ruh dich aus. Morgen komm ich wieder vorbei, wenn es dir recht ist.“ Schlug der Vater vor. „Ja, gerne.“ Ben hätte nie gedacht, dass er das mal zu seinem Vater sagte. Aber er würde sich von nun an wirklich freuen, seinen Vater häufiger zu sehen. Konrad erhob sich von seinem Stuhl. „Gut, dann werd ich dir mal deine Ruhe gönnen. Wenn etwas ist Ben, ich bin jederzeit für dich da.“ Sprach er. „Danke.“ Gab der Kranke als Antwort. Konrad nickte und sah, wie sein Sohn schon wieder die Augen geschlossen hatte. Leise schloss er die Tür hinter sich, als er Ben alleine ließ.


    Gegen 20:00 Uhr kam Semir noch mal auf die Intensivstation. Er klopfte an der Tür und ging dann leise hinein. Dort fand er Ben schlafend in seinem Bett vor. Gleichmäßig hob und senkte sich sein Brustkorb. Leise nahm er auf dem Stuhl platz und beobachtete Ben eine Zeit lang. Julia hatte den Deutschtürken nach dem Besuch bei Ben angerufen und ihm berichtet, dass Sohn und Vater ein klärendes Gespräch führen. Semir wusste bescheid und ein Lächeln huschte ihm bei dieser Nachricht über das Gesicht. Jetzt saß er bei Ben und wachte einfach über ihn. So blieb er für eine halbe Stunde sitzen. Er wollte Ben nicht wecken, er gönnte seinem Freund und Partner jeden Schlaf, den er bekommen konnte. Schließlich erhob er sich und ging leise aus dem Zimmer.
    Die Nacht kehrte ein.


    Zwölf Stunden später wurde Ben durch die Schwester geweckt. Sie betrat zusammen mit einem Arzt den Raum. „Guten Morgen!“ Grüßte der Arzt freundlich. „Mein Name ist Hartmann, ich möchte mir heute die Wunde an ihrem Kopf anschauen.“ Stellte sich der Arzt vor. Noch schlaftrunken blickte Ben den Mediziner an und nickte. Die Schwester half dem jungen Hauptkommissar in eine halbwegs sitzende Position zu kommen. Routiniert wickelte der Weißkittel den Verband ab und begutachtete die Wunde. Diese befand sich am Scheitel, eine Fläche von ca 3cm² wurde von den Haaren vor der OP entfernt. „und?“ Fragte Ben, nachdem der Mediziner nicht zu sprechen begann. „hm… ja sieht ganz gut aus. Ich schlage vor, wir machen nur noch ein Pflaster darüber und die Fäden ziehen wir dann in 2 bis 3 Tagen.“ Schloss der Arzt. Die Wunde wurde desinfiziert und das Pflaster geklebt. Erschöpft ließ sich Ben zurück in das Kissen sinken. Selbst kleinere Bewegungen raubten ihm noch die Kraft. Aber er war froh, dass sie mittlerweile möglich waren.

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