Sein oder Nichtsein

  • „Okay, was ist los?“, wollte Semir wissen. Steven sah ihn nur an. „Was soll denn los sein?“, fragte er und kratzte sich nervös an der Nase. Semir sah ihn eindringlich an. „Ich habe gestern ein Gespräch in der Bibliothek belauscht und da habe ich deine Stimme gehört.“, ließ der Hauptkommissar seine Karten auf den Tisch fallen. Steven sah auf. „Wie... was... ich... ich war schon lange nicht mehr in der Bibliothek.“, erklärte er scheinheilig und so schlecht, dass er sich selbst es nicht geglaubt hätte. „So? Wieso hab ich dich dann da gesehen?“, log Semir und beobachtete sein Gegenüber genau. Er sah, wie die Haaransätze zurückschnellten und sich die Ohren aufstellten. Seiner Erfahrung nach, ein sicheres Anzeichen für das Aufdecken einer Lüge. „Aber... ich ... ich....“ „Junge, du kannst mich nicht belügen. Du solltest es auch nicht länger versuchen. Ich merk das sofort. Vergiss nicht, ich bin ein Bulle.“, stieß Semir mit gedämpftem Zorn aus. „Ich weiß, aber ich kann es ihnen nicht sagen. Jedenfalls noch nicht. Nicht, ehe nicht alles überstanden ist.“, stieß Steven aus und riss sich los. Er rannte aus dem Raum raus und verschwand in der Studentenmenge, ehe ihm Semir folgen konnte. „Verdammte...“, stieß er wütend aus und packte seine Sachen zusammen. Er musste diesen Jungen unter Druck setzen. Irgendwas wusste er doch. Oder war er vielleicht selbst der Täter?


    Ben saß in der PASt und dachte über das, was Semir gesagt hatte, nach. „Ben... wir haben wieder einen Toten.“, stieß Susanne aus, als sie vollkommen außer Atem ins Büro kam. „Wo dieses Mal?“, fragte er sofort, war aufgesprungen und nahm seinen Schal und seinen Mantel. „Nicht weit vom ersten Fundort. Eigentlich auf demselben Rastplatz, nur etwas weiter im Wald hinein.“, erklärte Susanne und sah nur noch, wie Ben an ihr vorbei rannte. Schnell stieg er in seinen Wagen und fuhr mit quietschenden Reifen vom Hof der Polizeistation. Mit schnellem, rasanten Fahrstil kämpfte sein Mercedes sich durch die schneebedeckten Spuren der Autobahn und war in wenigen Minuten am Rastplatz, dem Schauplatz des ersten Mordes, angelangt. Hartmut und seine Kollegen der Spurensicherung sowie der Pathologe waren schon vor Ort und gingen, in ihren jeweiligen Dienstanzügen, ihrer Arbeit nach.


    ...

  • „Hallo Ben.“, begrüßte Hartmut ihn. „Moin Hartmut, gibt es schon was verwertbares?“, wollte der Jungkommissar gleich wissen. Der Cheftechniker lachte auf. „Bei dem Schnee und bei den vielen Spuren? Das wird eine Zeit lang dauern, aber ich denke, dieses Mal finden wir etwas.“, erwiderte er und seine Stimme klang hoffnungsvoll. Ben nickte und ging weiter. Der Pathologe wartete schon auf ihn und schrieb, in aufrechter Position, etwas auf sein Klemmbrett. „Nun Doc, was kannst du mir sagen?“, wollte er wissen. „Tja Ben, er ist erstochen worden.“, meinte der Mediziner und sah dann, dass Ben ganz erstaunt ihn ansah. „Aber die anderen....“ „Wurden erschossen, ich weiß. Aber dieser hier nicht. Ein sauberer Stich, ging direkt ins Herz.“, meinte der Mediziner und sah den Jungkommissar nur an. Dieser beugte sich zur Leiche hinab und zog das Tuch weg. „Abwehrverletzungen?“, kam es dann von ihm und Ben blickte auf. „Soweit ich feststellen konnte, nein. Er muss ziemlich überrascht gewesen sein, als ihn die Klinge traf. Alles weitere dann morgen, wenn ich ihn auf den Tisch hatte.“, meinte der Mediziner und verschwand wieder, winkte noch die Sanitäter herbei, die den Toten dann wegschafften.


    Ben kam aus seiner Hocke hoch und sah sich um. „Habt ihr den Namen des Opfers?“, wollte er wissen. Der Beamte verneinte nur und widmete sich dann wieder seiner Arbeit, drehte sich aber noch einmal um. „Aber diesen Autoschlüssel fanden wir neben der Leiche im Schnee.“, erwiderte er und gab Ben das kleine Ding aus Metall und Plastik in die Hand. Nickend ging der Kommissar zum Parkplatz zurück und suchte nach einem kleinen Nissan. Eigentlich waren die kleinen Wagen unter all den großen Wagen schnell zu finden und nach einigen Minuten des Suchens hatte Ben den Wagen gefunden. Er probierte, ob der Schlüssel passte und er tat es. Er durchsuchte das Handschubfach und fand darin die Papiere des Toten. „Bingo.“, stieß er aus, stieg wieder aus und schloss den Wagen wieder ab. Auf den ersten Blick nichts auffälliges, doch dann zog er eine Universitätskarte hervor. Ein Studentenausweis mit dem Namen und der Matrikelnummer des Toten, Paul Gräulich. Das ist also der gemeinsame Nenner, dachte er und sofort fielen ihm die Worte von Semir wieder ein. Der Täter war also nur dort zu suchen.

  • „Wer hat denn die Leiche gefunden?“, wollte Ben wissen, als er das Auto abgeschlossen hatte und wieder zu den Kollegen der Spusi zurückkehrte. „Die Dame mit dem Terrier da hinten.“, meinte einer der Beamten und deutete auf eine kleine, ältere Dame, die ihren mit einem karierten Strickpulli überzogenen, schwarzen Scottish Terrier im Arm hielt, der sich zitternd in der Armbeuge der Frau verkroch. Ben ging auf sie zu und man sah ihr den Schock, der sie ergriffen haben muss, noch deutlich an. „Frau Bernburg?“, fragte Ben vorsichtig und die Frau richtete ihre großen Kulleraugen auf den Jungkommissar, der mit gezücktem Block und Bleistift da stand und wartete. „Ja...“, kam es erschrocken von der Dame. „Sie haben die Leiche gefunden?“, kam die nächste Frage von Ben. „Na ja, eigentlich war das eher Jerry hier.“, meinte sie und deutete auf den kleinen Terrier in ihrer Armbeuge. „Na du...“, kam es von Ben und streckte die Hand nach dem Terrier aus. Dieser knurrte und schnappte nach ihm. Sofort zog er die Hand zurück und sah die Dame erschrocken an. „Tut mir Leid, aber er hat was gegen Männer.“, gestand die Dame. „Sie haben die Leiche gefunden. Schildern sie doch mal den Hergang?“, bat der Kommissar und fuchtelte mit seiner Hand herum, bis er dann wieder alles unter Kontrolle hatte. „Was soll ich ihnen großartig erzählen... Jerry und ich haben wie jeden Tag da hinten im Wald unseren Spaziergang gemacht. Dahinter ist ja der Hundespielplatz und mein Jerry hat was gewittert. Der ging ab wie eine Rakete sag ich ihnen.“, erzählte die Frau. „Bitte, nur die wesentlichen Punkte.“, kam es von Ben abweisend. Frau Bernburg nickte und beschränkte sich beim Erzählen dann nur noch auf die weiteren Punkte. Sie erzählte, wie Jerry durch das Gebüsch gezischt ist, sie hinterher und immer wieder mit Bellen auf sich aufmerksam gemacht hatte und dann neben der Leiche stand. „Ich habe dann nur noch den Puls gefühlt. Aber er war tot und dann sah ich die Stichwunde und das viele, viele Blut neben der Leiche. Gott, der Junge ist doch noch ein Kind.“, stieß sie aus und hielt sich die Hand vor den Mund. Ben winkte einen Beamten bei, der sie nach Hause brachte.


    ...

  • In der Uni suchte Steven nach seinem Freund Sascha. Bald fand er ihn auch. Er lehnte im Gang des Musikhauses und die Leute stiegen quasi unachtsam über ihn hinweg. „Hey, hier finde ich dich endlich.“, meinte Steven besorgt und half seinem Freund auf die Beine. Dann traf ihn der wohl sträflichste Blick, den er je von einem Menschen bekommen hatte. „Wieso?“, fragte Sascha und die aus den Augen schießenden Blitze trafen den Studenten mit vollkommen tödlicher Wucht. „Ich... ich habe gesehen, wie du leidest.“, erwiderte er und packte seinen vollkommen instabilen Freund an den Schultern. „Ich brauch es aber. Verstehst du, ich kann so nicht spielen und schon gar nicht lernen.“, stieß Sascha wütend aus. „Doch... doch, das kannst du. Hör zu, du bist ein großartiger Musiker und ein noch viel besserer Schauspieler und die Prüfungen in Geschichte schaffst du auch mit Links. Vertrau mir einfach, Sascha. Ich will dir nur helfen.“, stieß Steven aus und schaffte seinen Freund in eine abgelegene Ecke des Gebäudes. Unterhalb der Treppe war eine kleine Nische, wo sich einige Studenten immer hin zurückzogen, um ungestört zu lernen. Diese Nische war groß genug, damit drei Leute nebeneinander Platz fanden. Darin zogen sich Sascha und Steven zurück und der Student mit dem großen Herzen sah sich noch einmal um, ob sie auch wirklich ungestört waren.


    „Sascha, bitte... ich tue das nicht, um dich zu quälen. Du bedeutest mir was. Man, wir sind Blutbrüder.“, stieß Steven aus und sah die glasigen, rotgeweiteten Augen von Sascha, der ihn mit einem elenden Blick ansah. „Hilf mir... ich schaffe das nicht ohne dich. Ich muss... muss, verstehst du... ich muss den Hamlet spielen.“, stieß er aus und ließ sich wie ein kleines Kind auf den Schoss seines Freundes sinken und bettete den Kopf auf dessen Oberschenkel. Etwas verlegen blickte Steven sich um. Immerhin konnte man diese Situation missdeuten. Doch er ließ es geschehen. Es war sein Freund und jeder wusste, dass beide ständig auf der Suche nach der richtigen Frau fürs Leben waren. Dann klingelte sein Handy. Eine SMS. „Die Medizinausstellung im zweiten Stock ist sehr interessant. Besonders die dritte Vitrine lässt alle Hoffnungen wieder auferstehen.“, las er. Zufrieden und ein Dankgebet ausstoßend, zog er Sascha hoch. „Komm, ich helfe dir. Ich hab dir Methadon besorgt. Davon werden die Entzugserscheinungen gelindert.“, erklärte er und beide machten sich auf dem Weg. Steven stützte seinen Freund so gut es ging, doch auffällig war es schon. Ob er sie beobachtete?

  • Semir blickte um die Ecke des Pfeilers hinter dem er stand und schnellte zurück, als beide an ihm vorbei gingen. Also doch, dachte er und zückte sein Handy hervor. „Ben, ich bin's. Ich glaub, ich hab da was neues.“, meinte der Hauptkommissar. „Schön, ich auch. Eine weitere Leiche. Habt ihr an der Uni irgendeinen, der mit einem Messer am Gürtel herumläuft?“, wollte Ben wissen. Semir sah sich verdutzt um. „Willst du mich verkohlen?“, zischte der Deutschtürke. „Leider nicht. Wieder ein Dealer ermordet, aber dieses Mal nicht erschossen sondern mit einer langen, dünnen Klinge erstochen. So hat es mir unser Rechtsmediziner erklärt.“, erwiderte Ben. Schwer atmete Semir durch. „Okay, weißt du schon, wer es ist?“, wollte der Deutschtürke dann wissen. „Paul Gräulich, auch Student an der Universität.“, erklärte Ben. Sofort horchte Semir auf. „Was? Dann haben einige Studenten hier wohl sehr lukrative Nebenjobs gefunden. Man, was ist hier nur los?“, fauchte der Deutschtürke und sah in das leichte Schneetreiben hinaus. „Semir, pass auf... ich habe über deinen Vorschlag von vor zwei Tagen nachgedacht. Ich finde, ich sollte mich unter die Studenten mischen. Vielleicht ist es so einfacher, Antworten zu erhalten.“, meinte der Jungkommissar zu seinem Partner und Kollegen. „Allerdings, meine Zeit hier ist sowieso in zwei Tagen vorbei. Dann werde ich offiziell den Fall übernehmen und du kannst dich hier in dem Milieu freier bewegen.“, erklärte Semir. „Gut, dann werde ich alles gleich mit der Krüger besprechen und wir treffen uns dann nachher wie gewohnt zum Mittagessen.“, meinte Ben und legte auf. Semir klappte sein Handy zusammen und machte sich mit vollen Gedankengängen auf dem Weg zu seinem Wagen. Für heute war er mit dieser Uni fertig.


    ...

  • Steven ging mit Sascha ins Gebäude der Historiker und zog mehr oder weniger seinen Freund die Stufen in den zweiten Stock hinauf. „Nun lass dich schon nicht so ziehen.“, zischte er seinem Freund ins Ohr und hatte ihn dann endlich auf der zweiten Ebene des Hauses. „Komm, gleich wird es dir besser gehen.“ „Steven... lass mich nicht hängen. Versprichst du mir, dass du mich nicht alleine lässt?“, kam es wehleidig von Sascha. Steven sah ihn nur an. „Mensch Junge, klar lasse ich dich nicht hängen. Auch, wenn ich dafür ins Gefängnis gehen muss.“, gab er leise von sich. Dann erreichte er eine kleine, unscheinbare Ecke, in der mehrere Vitrinen standen, die alle einige Exponate und veröffentlichte Bücher der einzelnen Historiker enthielten. Auf einer sah er schon ein bräunliches Fläschchen, dass ganz nach hinten geschoben war, damit man es nicht sah. Schnell blickte er sich um. Keiner zu sehen. Mit einem beherzten Griff brachte er die Flasche mit Methadon an sich und ging zurück zu Sascha, den er an einer der Säulen angelehnt hatte. „Sascha, hör mir zu, das hier ist Medizin. Es wird dir helfen, von den Drogen runterzukommen.“, stieß er aus und packte das Gesicht seines Freundes zwischen seine beiden Hände und zwang so Sascha, dass er ihn ansah. „Ich werde für die nächsten Tage bei dir bleiben und dir helfen. Versprochen.“, meinte Steven. Die glasigen Augen seines Freundes strahlten seit Tagen wieder einen Funken von Hoffnung aus, den Sascha schon lange verloren geglaubt hatte. „Danke.“, hauchte er und beide gingen dann zu Stevens Auto, fuhren zur Wohnung von Sascha und sofort begann Steven mit der Methadon-Kur für seinen Freund. Hoffentlich halfen auch alle Bemühungen, dachte er nur und reichte Sascha das in Wasser aufgelöste Methadon. „Hier trink. Das wird dir helfen und dann leg dich hin.“, sprach er beruhigend auf Sascha ein. Dieser nickte und schluckte schweigend die Wassermenge hinunter. Er legte sich ins Bett und war in wenigen Minuten fest eingeschlafen.


    Ben fuhr vom Tatort aus ins Büro zurück und dachte nach. Wieder ein Student ermordet. Was war an dieser Universität los? Und was war das für eine Abwandlung? Die ersten Opfer wurden erschossen und das dritte nun erstochen. Er musste sich unter die Studenten mischen. Nur so, dachte er, konnte er erfahren, was sich an dieser Alma Mater zutrug. Sicher war nur, dass es um Drogen ging, jedenfalls im weitesten Sinne. Bisher wurden ja nur Drogendealer ermordet. Moment... Ben griff zum Telefon. „Hartmut, habt ihr bei dem Toten oder in dem Wagen irgendwelche Drogen gefunden?“, wollte der Jungkommissar wissen. „Nein Ben, dabei haben wir sogar Daisy auf den Wagen angesetzt.“, erwiderte der Cheftechniker.

  • „Und der Hund hat nichts gefunden?“, wollte Ben wissen. „Nein, rein gar nichts. Aber wir waren auch noch nicht in der Wohnung des Opfers.“ „Gut, wir treffen uns da.“, meinte Ben und beendete das Telefongespräch. „Susanne, such mir mal bitte die Adresse des letzten Toten heraus und schick sie mir aufs Handy.“, bat der Ermittler im Vorbeigehen am Tisch der Sekretärin. Sofort machte sich Susanne an die Arbeit und hatte innerhalb weniger Minuten die Adresse von Paul Gräulich herausbekommen. Sofort erschien auf Bens Display eine SMS, in der die Adresse eingespeist war.
    Die Wohnung lag nur wenige Bahnminuten von der Uni entfernt. Es war ein kleines Ein-Zimmer-Appartement, aber mit teuren Holzmöbeln eingerichtet. „Also entweder sind seine Eltern sehr reich oder er hatte einen kleinen Nebenverdienst.“, meinte Ben, als er durch den Flur schritt und ins Wohnzimmer kam. „Ich denke, eher letzteres.“, murmelte er, als er den teuren Flachbildfernseher an der Wand hängen sah. „Okay, dann lass doch Daisy mal Witterung aufnehmen. Da die Drogen nicht in seinem Wagen und in seinen Taschen waren, müssen sie hier sein.“, erklärte er und ließ den Drogenspürhund seine Arbeit machen. Ben ging aus der Wohnung heraus und fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten in den Keller. Auch hier war ein zweiter Drogensuchhund bei der Arbeit und durchsuchte den zur Wohnung zugewiesenen Kellerraum. „Ich hoffe, wir finden was.“, meinte er mehr zu sich, als zu dem Kollegen. Dieser nickte und tatsächlich schlug der Hund an. Sofort wurde der tierische Ermittler von seinem Herrchen zurückgezogen und die Beamten räumten den Krempel beiseite. Darunter befand sich eine kleine lockere Bodenplatte. Mit Hilfe eines Stemmeisens wurde diese angehoben. Mehrer kleine Plastiktüten mit weißem Pulver kamen zum Vorschein. „Sieh mal einer an... also doch.“, stieß Ben aus, ließ die Beweise sichern und fuhr mit den Erkenntnissen sofort zum Revier zurück, um alles seiner Chefin zu berichten.


    Jan-Gregor Heimann und sein Assistent André Menger wollten gerade zum Mittagessen aufbrechen und klopften an der Bürotür von Christian Acker. „Herr Kollege, willst du uns zum Essen begleiten oder hast du noch zu arbeiten?“, fragte der väterlich-fürsorgliche Professor für die Geschichte des Mittelalters. Christian Acker blickte von dem alten Dokument auf, dass er transkribieren, entschlüsseln, wollte und legte die Lupe weg. „Nein danke, aber ich habe hier dieses Schriftstück noch zu übersetzen. Danke trotzdem, aber könntest du mir deinen Schatten hier lassen. Ich habe gehört, dass er ein Ass im Transkribieren sein soll. Wäre das möglich, Jan-Gregor?“, bat Christian. Der Professor sah seine Hilfskraft an und grinste dann. „Warum nicht. Dann hole ich mir ein to-Go-Paket. Ich bring euch was mit.“, meinte er und ließ die beiden damit alleine. Unwissentlich, wie sich der Ton verändern würde, nachdem sich die Tür schloss.


    ...

  • „André, wir haben ein Problem. Hast du in letzter Zeit irgendeinen Kontakt zum Chef gehabt?“, wollte Christian sofort mit harscher Stimme wissen. Der hochgewachsene, kaum jünger Mann als sein Gegenüber zuckte nur mit den Schultern. „Nein, aber ich denke, die Lieferung sollte schon längst auf Reisen sein. Immerhin haben wir doch die Bio-Labore dafür lahmgelegt, dass die sich die Gerätschaften leihen konnten.“, erwiderte er nur. „Tja, aber hast du das hier gelesen?“, zischte Christian und holte aus seiner Ablage vom Schreibtisch eine der anspruchsloseren Tageszeitungen hervor und warf sie seinem Gegenüber entgegen. Dieser fing sie auf und las den eingekreisten Artikel. „Polizei stellt bei Razzia im Industrieviertel 10 Kilogramm Heroin sicher. Professionelle Ausstattung zur Herstellung von Drogen sichergestellt.“, las er und seine Augen weiteten sich vor Schrecken. „Weißt du, was das heißt? Wenn die den Hersteller kontaktieren, schnüffeln die ganz schnell an der Uni herum.“, kam es prophezeiend von Christian. „Ja, aber bisher konnten uns solche Probleme doch sonst nichts anhaben. Wir haben drei beseitigt. Wir werden auch das überstehen.“, meinte André lässig abwinkend, sah aber gleichzeitig die Skepsis in den Augen seines Gegenüber. „Wenn du mal Recht behältst. Komm, gehen wir dem Chef hinterher.“, schlug Christian vor und schloss sein Büro hinter sich ab.


    „Herr Jäger, sie wollen mir also weismachen, dass sich an der Kölner Universität ein Mörder aufhält, der wahllos Drogenkuriere tötet?“, kam es ungläubig von Kim Krüger. „Genau so ist es. Ich weiß nicht warum oder wieso, aber jemand scheint einen großen Hass auf diese Menschen zu haben. Semir meinte, der Täter kann sich nur an der Uni befinden. Mehr konnte er mir auch nicht sagen, aber er wollte gleich herkommen und uns eine Idee offerieren.“, kam es von Ben und schon im nächsten Moment klopfte es an der Tür. Semir trat, ohne auf eine einladende Antwort zu warten, in das Büro der Chefin ein. „Frau Krüger, ich weiß, es hört sich verrückt an...“ „Aus ihrem Mund sicherlich.“, kam es kühl von Kim. Semir hielt kurz inne, ließ sich aber nicht von seinem Verdacht abbringen. „Ich bin sicher, dass einer der Studenten für die Morde verantwortlich ist.“, sprach er dann seinen Verdacht aus. Kim blieb regungslos auf ihrem Stuhl sitzen. Nur eine Augenbraue wanderte die Stirn hinauf. „Herr Gerkhan, haben sie irgendwelche Beweise, oder ist das wieder nur ein Bauchgefühl von ihnen?“, wollte sie sofort wissen.

  • „Ähm... nun ja... direkte Beweise...“ „Also nicht.... und was sollen wir da, ihrer Ansicht nach machen?“, wollte sie dann wissen und stand auf. „Herr Jäger sprach davon, dass sie eine Idee hätten, wie man den oder die Täter überführen könnte.“, meinte sie dann und verzog dabei keine Miene. „Nun ja, es ist etwas verrückt, aber eine andere Möglichkeit sehe ich im Moment nicht.“, kam es selbstsicher von Semir. „Sehen sie, ich gebe in zwei Tagen meine Abschiedsvorstellung und dann bin ich weg. Verstehen sie, ich bin dann nicht mehr ein Teil des Universitätskörpers sondern werde dann gleich als Polizist wahrgenommen. Wenn wir Ben da allerdings als Studenten hineinsetzen, haben wir eine bessere Chance und können so unauffälliger agieren.“, erklärt der Deutschtürke sein Vorgehen. Kim hörte sich den Vorschlag mit aller Ruhe an und ging von Fensterbrett zum Schreibtisch und wieder zurück. Die Strecke lief sie so lange, bis Semir mit seinen Erklärungen am Ende war. Dann drehte sie sich um und beide Kommissare warteten auf eine Entscheidung von ihr.


    Steven schreckte auf. Sascha... er schrie und krümmte sich vor Schmerzen. Sofort lief der junge Student ins Nachbarzimmer, warf sich auf die Knie und schlidderte auf ihnen die letzten Meter ans Bett, packte seinen Freund und beruhigte ihn. „Sascha, alles in Ordnung. Ganz ruhig bleiben.“, stieß er aus und hatte Mühe, seinen Freund auf dem Bett zu halten. Er hatte eine Art Suchtschub, der sich mit großem Adrenalinausstößen und ungebändigten Kraftattacken ausdrückte. Wild schlug Sascha um sich, traf so manches Mal Steven an den Schultern und ein Mal genau auf dessen Nase. Doch der junge Mann ließ sich dadurch nicht abschrecken. Wie ein Schraubstock drückte er Sascha in das Bett zurück. Dieser war nach wenigen Minuten wieder in einen unruhigen Schlaf versunken. Keuchend erhob sich Steven und wischte sich das Blut von der Nase ab, sah immer wieder auf Sascha und musste sich fragen, ob er das wirklich schaffen konnte, so ganz ohne fremde Hilfe. Nein, gestand er sich selbst ein. Aber wer sollte ihm helfen? Wer konnte professionelle Hilfe leisten und gleichzeitig verschwiegen genug sein? Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Warum sollte sie ihm nicht helfen. Sie hatte genug Professionalität und würde sicherlich für ihn nach Köln kommen. Sie hatte gesagt, sollte er sie dringend brauchen, würde sie auch für ihn da sein. Dies war nun gekommen.



    ...

  • „Hallo Mama? Ich brauche dringend deine Hilfe. Könntest du heute noch nach Köln kommen?“, bat Steven seine Mutter, die in einem Suchttherapiezentrum in Sachsen-Anhalt arbeitete und Erfahrungen mit Heroinsüchtigen hatte. Er erzählte seiner Mutter, was passiert war und wie er das Methadon bekommen hatte. „Mensch Junge, wieso bist du nicht vorher zu mir gekommen?“, fauchte sie, aber dann kam ein mütterlich zustimmender, alles in Ordnung bringender Seufzer. „Okay, ich bin noch heute Abend in Köln. Wie geht es deinem Freund?“, wollte Heike, Stevens Mutter, wissen. „Er hatte gerade einen Anfall. Scheinbar sind die Entzugserscheinungen doch stärker, als das Methadon.“, kam es nur von Steven. „Gib ihm noch ein Glas aufgelöstes Methadon und dann sollte es besser werden. Manche Menschen brauchen eine doppelte Portion.“, erklärte seine Mutter. „Gut, ich gebe ihm noch etwas, wenn er wieder aufwacht.“, meinte Steven und legte auf. Jetzt hatte er die Hilfe, die sein Freund brauchte. Hoffentlich würde dadurch alles wieder gut werden.


    Kim drehte sich schlagartig zu ihren Kommissaren um. „Gut. Akzeptiert. In zwei Tagen wird Herr Jäger als Student an der Universität Köln anfangen und die Ohren offen halten. Sprechen sie ab, welche Fächer sie wählen und dann kümmere ich mich um alles weitere.“, meinte sie. „Ich denke, es wäre das einfachste, wenn er die gleichen Fächer wie unser Verdächtiger studieren würde: also Geschichte und Musik.“, meinte Semir. Ben räusperte sich kurz und zog damit die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich. „Semir, ich kann nicht Geschichte studieren.“, kam es nur von Ben. Erschrocken drehte sich der Deutschtürke um. „Ben, das ist jetzt nicht wahr?“, kam es nur von ihm. „Doch, ich war in Geschichte immer eine Niete. Ich kann das nicht.“, erklärte er. Doch Semir ließ sich davon nicht abbringen. „Ben, du musst diese beiden Fächer nehmen. Wie sollst du sonst Beweise sammeln?“, wollte er wissen und sah Ben mit großen Augen an. „Hör auf, so zu gucken.“, kam es nur von dem Jungkommissar und dieser rollte mit den Augen. „Bitte Ben.“, kam es wieder von Semir. Kim musste sich abwenden, um nicht laut loszulachen. „Nein, nein, nein. Ich habe grausige Erinnerungen an meinen Geschichtsunterricht. Da werde ich doch nicht noch das Fach, was mir am meisten verhasst war, studieren.“, knurrte er nur und wandte sich zum Gehen um. Doch wieder stellte sich Semir seinen Partner in den Weg. „Ben, ich bitte dich jetzt nicht als Freund sondern sage es dir als der Dienstälteste von uns beiden. Du wirst diese beiden Fächer studieren.“, befahl er und sah Ben eindringlich an.


    ...

  • „Na schön, aber unter einer Bedingung.“, meinte Ben und sah seinen Partner eindringlich an. „Und die wäre?“, fragte Semir und hob die Augenbraue. „Du wirst dafür meinen Wagen jeden Morgen von Schnee und Eis befreien. Okay?“, wollte er wissen. Semir sah ihn an. „Okay. Noch etwas?“, kam es leichtsinnig vom Deutschtürken. „Tja Semir, natürlich brauche ich als Student auch ein Zimmer. Ich kann ja nicht in meiner großen Wohnung wohnen.“ „Sag jetzt nicht, du willst bei uns wohnen?“, kam es erschrocken von Semir. „Doch, mein Lieber. Genau, das will ich sagen.“, lachte Ben und sah, wie sein Partner vollkommen die Fassung aus dem Gesicht verlor. „Das... das... Ben, das kannst du nicht verlangen.“, meinte er nur. „Hey, du wolltest, dass ich diesen Einsatz mache oder nicht?“ Jetzt mischte sich auch Kim ein. „Herr Gerkhan, ich finde, Herr Jäger hat Recht. Warum sollte er nicht bei ihnen wohnen. Es wäre von dort nur ein Katzensprung zur Uni und es ist doch sicherlich besser, wenn Herr Jäger so keinen Verdacht erregt, oder?“, meinte sie nur. Murrend stimmte Semir zu. „Okay, das ist einzusehen, aber was für eine Geschichte soll Ben dann erzählen?“, wollte er wissen. „Da fällt ihnen sicherlich etwas ein. Und zwar in ihrem Büro.“, meinte Kim und schickte beide Kommissare weg.



    „Okay, da bin ich aber mal gespannt, was du mir andichten willst.“, lachte Ben und ließ sich in seinen Stuhl fallen. Auf seinem Schreibtisch stand noch eine angefangene Schachtel mit chinesischem Essen. Mit hungrigem Blick nahm sich Ben diese und machte sich wie ein ausgehungerter Wolf darüber her. Vollkommen perplex sah Semir ihm dabei zu. „Ist was?“, wollte er nur wissen. „Ben, das steht seit drei Tagen hier und da ist Fisch drin.“, kam es nur von Bens Partner. Doch Ben roch nur an der Box und schüttelte dann den Kopf. „Ist doch noch gut.“, erwiderte er und aß weiter. Vollkommen perplex schüttelte Semir nur den Kopf. „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“, murmelte er. „Ja ja... red du nur. Was hast du jetzt aber mit mir vor?“, wollte Ben wissen und sah Semir an, löffelte immer noch sein chinesisches Essen in sich hinein. „Wie wäre es, wenn du dir mal zur Abwechslung etwas überlegst.“, kam es nur vom Deutschtürken und dieser lehnte sich abwartend in seinem Stuhl zurück. Ben lächelte und legte seine Stäbchen weg. „Weißt du, ich hab mir gedacht, wenn ich einen Cousin deiner Frau mime, der nach Köln gekommen ist, um hier zu studieren. Klingt doch eigentlich überzeugend, findest du nicht?“, wollte Ben wissen. Semir lächelte nur und nickte cool. „Joa, das könnte klappen.“, meinte er. „Könnte? Semir, gesteh doch einfach ein, dass ich genial bin.“, lachte Ben und stand dann urplötzlich auf und verschwand auf die Toilette. „Tja, ich hab ich ja gesagt, er soll den Fisch nicht essen.“, meinte der Deutschtürke und widmete sich wieder seiner Arbeit.



    ...

  • Schon am nächsten Tag ging es los. Ben zog mit seinen wenigen Sachen, seiner Gitarre und seiner Umhängetasche bei den Gerkhans im Gästezimmer ein. Seinen Laptop hatte er ebenfalls dabei. „Wissen kann man es ja nie.“, hatte er sich selbst gesagt, als er seine Sachen packte. „Okay, hier hab ich dir eine Beschreibung von Steven Liniek gegeben. Er saß bei mir in der Vorlesung meist alleine. Es war auch immer ein Platz neben ihn frei. Du solltest also keine Schwierigkeiten haben, dich mit ihm anzufreunden.“, meinte Semir mit verschwörerischem Unterton. Ben nickte, nahm seine Tasche und seine Gitarre und hängte sie sich um. „Okay, muss ich noch etwas wissen?“, wollte der Jungkommissar wissen. „Ich denke, alles andere wirst du so erfahren.“, lächelte Semir und Ben hatte dabei ein ungutes Gefühl in der Magengegend. „Immer wenn du so lächelst, führst du doch was im Schilde, Semir Gerkhan.“ „Ich? Gar nichts, aber es wäre besser, wenn wir jetzt aufbrechen. Frau Krüger wartet sicherlich schon auf uns.“, meinte er und nur eine halbe Stunde später waren beide im Büro ihrer Chefin und holten sich die letzten Instruktionen und Papiere ab. „Okay Ben, das hier ist ihre Studentenkarte und einen Lageplan, den sie sicher brauchen werden.“, lächelte sie. „Sicherlich nicht.“, erwiderte er selbstsicher und ging dann mit seinem Sachen zum Wagen. Doch Semir kam hinterher. „Ben? Du willst doch nicht in deinem Mercedes zur Uni fahren, oder?“ „Sicherlich oder soll ich etwa laufen?“, kam es fauchend vom Jungkommissar. „Nein, mit dem ÖPNV fahren. Vergiss nicht, du bist Student und die haben keine teuren Autos.“, grinste Semir breit. Ben stöhnte auf und ließ sich von seinem Partner zur nächsten Haltestelle in der Stadt bringen. „Kann ich nicht ein reicher Student sein?“, fragte er fast flehend. „Du würdest alles tun, um dein Auto behalten zu dürfen, was?“, lachte Semir nur, als er Ben an der Bushaltestelle absetzte. „Jaaa...“, erwiderte dieser nur, doch sein Partner zeigte kein Erbarmen. So musste der Jungkommissar, nun Undercover als Student unterwegs, mit dem Bus zur Alma Mater von Köln fahren.


    Nur wenige Minuten später kam Ben auf dem Gelände der Universität an und hatte den Stundenplan vor sich, den Semir für ihn, in Absprache mit dem Universitätsdirektor und unter Mithilfe einer Kopie des Vorlesungsplanes von Steven Liniek, erstellt hatte. Die Zahlen, die hinter den Themen der Veranstaltungen standen, waren für ihn doch eher Hieroglyphen. „Kann ich dir helfen?“, wollte ein junger Mann, der neben Ben aufgetaucht war, wissen. Sein schmales, frech-witzig wirkendes Gesicht mit den klar strahlenden Augen strahlte durch die klirrende Kälte und den dicht über den Winterboden hängenden Nebel. „Ja, wenn du mir erklären könntest, wo ich den Raum 1.11.0.09 finde. In diesem Labyrinth findet sich ja nicht einmal eine Maus zurecht.“, klagte Ben nur.

  • Der junge Mann von etwa 25 Jahren lachte kurz auf und trat nun noch dichter an Bens Seite. „Pass auf, du gehst hier den Trampelpfad entlang, bis zum Haus, wo die Eiche vorsteht. Dort gehst du rein, durch die beiden Glastüren und dann erschlägt dich der Vorlesungssaal schon fast.“, meinte er. „Okay, danke.“, verabschiedete sich Ben und wollte gerade gehen, als ihm der Junge etwas nachrief. „Bist wohl neu hier, was?“, wollte er wissen und sofort blieb Ben stehen. Langsam drehte er sich um und nickte. „Sieht man mir das so deutlich an?“, kam es vom Jungkommissar. „Joa, doch. Ich bin Sebastian... Sebastian Obeth... aber kannst mich Basti nennen.”, stellte sich Sebastian vor. „Ben... Ben Jäger... aber Ben reicht völlig.”, erwiderte Ben. „Okay... Ben, wenn du einen Moment wartest, ich muss auch in die Mittelaltervorlesung. Dann können wir gemeinsam gehen.“, schlug Sebastian vor. Ben nickte und, nachdem sich der Student einen to-go-Becher geholt hatte, gingen beide los.
    Sie kamen in den Raum hinein, der, eine halbe Stunde vor Vorlesungsbeginn, schon mit Studenten angereichert war. Sofort sah sich Ben nach dem jungen Mann um, den Semir ihn beschrieben hatte. Doch in der Menschenmenge war das mehr als schwierig. Doch dann sah er das Gesicht, dass er gesucht hatte. Ben stieg die Treppen des Saals hinauf und wollte sich dazu setzen. „Entschuldige, aber ist hier noch frei?“, wollte Ben von Steven wissen und dieser sah auf. „Tut mir Leid, aber hier ist schon besetzt.“, kam es leicht kühl von Steven. Ben nickte und ging zu Sebastian zurück, der schon einen Platz für seinen neuen Kommilitonen freigehalten hatte. Immer wieder sah Ben zu dem jungen Mann hinüber, den er nun die nächsten Tage beschatten und sich mit ihm anfreunden sollte. Das ging wohl vollkommen in die Hose, dachte Ben und stützte sein Kinn auf seine Hand. „Und, was studierst du noch?“, wollte Sebastian plötzlich wissen und Ben sah seinen Nebenmann, der zu seiner rechten Seite saß, an. „Geschichte und Musik.“, meinte er und drehte sich wieder zu Steven um. „Basti, kannst du mir was über diesen Kerl dort drüben sagen?“, bat Ben und Sebastian sah zu Steven rüber. „Hm, viel kann ich dir nicht sagen. Ich kenn ihn auch nur aus einem Seminar, wo ich letzte Woche Referat gehalten habe. Ich habe wenig mit ihm zu tun, aber, wenn du Musik studierst, spielst du doch sicherlich im Orchester, oder?“, wollte Basti von Ben wissen. Schnell nickte Ben. Darum musste er sich noch kümmern. Hoffentlich hatte er dort eine Chance, sich mit dem Jungen anzufreunden. „Er spielt dort Posaune.“, meinte Sebastian und hielt inne, als er den Dozent reinkommen sah. Neugierig drehte sich Ben nach vorne. „Wer ist das?“, fragte er flüsternd. „Das ist unser Professor, Jan-Gregor Heimann. Er hält den Stuhl des Mittelalters warm.“, lachte Sebastian Obeth. Dann ging es los. Bens erste Vorlesung in Geschichte seit dem Verlassen der Schule.


    ...

  • Semir war derweil beim Pathologen eingetroffen. „Hey Doc, wie sieht’s aus? Hast du schon den Kunden von gestern Morgen untersucht?“, wollte er wissen und sah sich um. Doch niemand war zu sehen und niemand meldete sich. „Doc?“, rief er durch die Gänge und wieder kam keine Antwort. Er stand neben einer Trage mit einem abgedeckten Körper. Ohne einen Grund drehte sich Semir zu dem Körper um, der sich urplötzlich erhob und der Kopf drehte sich zu Semir um. Den Deutschtürken ergriff der Schauer, als die Hände unter dem Tuch hervorkamen und nach dem Kopf griffen. Das Tuch wurde heruntergezogen und der Pathologe kam zum Vorschein. „Semir? Hast du mich aber erschreckt...“, meinte der Rechtsmediziner. Stockend ging Semirs Atem und langsam beruhigte sich Puls, Adrenalin und Blutdruck wieder. „Ich dich erschreckt? Du hast wohl eher mich erschreckt. Was hast du denn hier gemacht?“, wollte der Deutschtürke wissen und sah den Mediziner an. „Geschlafen... was gibt es denn, dass du mich weckst?“, wollte Dr. Wegener wissen. „Eigentlich wollte ich nur wissen, ob du die Leiche von gestern morgen schon untersucht hast.“, meinte Semir. Der Doc nickte und ging vor zu den Kühlfächern. „So, dann komm mal. Ich erkläre am liebsten am Objekt selbst.“


    Er zog eines der Kühlfächer auf und holte den Toten hervor. „So, da haben wir ihn... Paul Gräulich. Gestorben durch einen Stich direkt ins Herz.“, meinte Dr. Wegener und sah zu Semir, der bei dem Anblick der Leiche leicht blass um die Nase wurde. „Geht’s dir gut?“, wollte der Pathologe wissen, als er sah, dass Semir schwer schluckte. „Ja, geht schon. Wie hältst du es hier unten nur aus?“, fragte der Hauptkommissar und sah zum langgewachsenen Mediziner im grünen Kittel auf. „Reine Gewöhnungssache, mein Guter.“, erwiderte der Pathologe und der Deutschtürke nickte nur. „Okay... war ja nur ne Frage. Was war die Tatwaffe?“, kam die nächste Frage von Semir. „Tja, da komm mal mit zum Tisch rüber. Dann kann er hier auch wieder in sein Eisfach zurück.“, meinte Wegener mit schwarzem Humor und schob den toten Körper von Paul Gräulich wieder zurück in die Kühllagerung. Gemeinsam ging er mit Semir rüber zu seinen Laborgeräten. Dort stand eines der großen Mikroskope. „Sieh dir das mal bitte an.“, meinte Dr. Wegener und sofort folgte Semir den Anweisungen des Pathologen. Er sah hindurch und entdeckte einen kleinen Splitter, auf dessen Oberfläche rote Blutspritzer waren. Er vergrößerte den Splitter und ein komisches Muster trat hervor. „Und was ist das?“, fragte Semir mit naiver Stimme.

  • „Das ist von der Tatwaffe. Was du hier siehst, ist ein Splitter gehärteter und vier Mal gefalteter Stahl.“, erklärte der Pathologe. Semir staunte nicht schlecht, als er das hörte. „Und was für eine Waffe könnte das wohl gewesen sein?“, kam es von Semir. „Der Wundkanal ist tief und schmal. Beinahe wäre der Körper durchdrungen worden, wenn der Mörder mit mehr Wucht zugestoßen hätte.“, erklärte der Pathologe. „Gut, was heißt das aber jetzt? Ich suche eine Waffe, die schmal und dünn ist...“, dachte Semir laut, doch da kam ihm ein Blitzgedanke. „Moment mal, als ich auf der Universität unterrichtet habe, habe ich etwas von einer Burschenschaft gehört, die sich einmal in der Woche direkt unter den Dächern der Universität treffen soll. Dabei sollen wohl scheinbar scharfe Waffen, Degen und Säbel, getragen werden.“, erklärte er und sah den Pathologen an. „Das kann durchaus sein. Immerhin sind diese Klingen schmal genug und mit einem kurzen Stich hat man schon den halben Körper durchdrungen.“, erklärte Wegener und sah Semir an. Dieser nickte und ging dem Ausgang entgegen. „Dann werde ich mal sehen, was die Spurensicherung bisher herausgefunden hat. Hartmut dürfte ja inzwischen fertig sein.“, meinte Semir nachdenklich.



    Hartmut brütete über einen seiner Scanner und sah auf, als er die nervige, laute Stimme dieses einen ganz berüchtigt ungeduldigen Hauptkommissars der Autobahnpolizei. „Hartmut, wo bist du? Ich hoffe, du hast schon was für mich?“, kam es lauthals von Semir. Der rothaarige Techniker sah auf und nahm einen Schluck aus seinem Kaffeebecher. „Semir, was kann ich für dich tun?“, wollte er wissen. „Tja, da fragst du zurecht. Ich will von dir wissen, ob du schon was für mich hast. Vom Tatort. Also?“, bat Semir und hielt symbolisch die Hand auf. Der KTU-Chef lachte und sah den kleinen Mann vor sich nur an. „Was soll ich dir sagen? Wir haben nur das Heroin gefunden. Den Wagen hab ich untersucht, aber da waren nur die Spuren vom Opfer selbst und Ben vorhanden. Ich fürchte, der Schnee hat alle Fußspuren und Reifenspuren, die da rings um der Leiche waren, verschwinden lassen.“, erklärte der Techniker. Semir stöhnte verhalten auf. „Also haben wir nichts?“, knurrte er. „Tja, so sieht es im Moment aus.“, kam es nüchtern von Hartmut wieder.

  • „Aber eins habe ich doch für dich.“, meinte er dann zur Aufheiterung. Semirs Miene hellte sich schlagartig auf und sofort folgte er Hartmut zu dessen großen Computer, auf dem er einen gerade durchgeführten Scan aufzeigen ließ. „Was ist das?“, wollte der Hauptkommissar mit großen, erstaunten Augen wissen. Hartmut lächelte nur und sah Semir an. „Ein Stück Leder. Der Pathologe fand es unter den Fingernägeln des Toten und schickte es mir zur Untersuchung. Anscheinend gab es doch einen kurzen Kampf, bei der das Opfer sich in die Handschuhe oder den Ledermantel seines Gegenüber verkrallt haben muss.“, erklärte Hartmut. „Gut, dann muss ich also nach einem Mantel oder Handschuh mit einem kleinen Loch oder einer offenen Stelle suchen? Hartmut, das ist eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“, knurrte der Deutschtürke seinen Freund und Kollegen an. „Tja, darum beneide ich dich nun wirklich nicht.“, lächelte er und Semir machte sich auf dem Weg zurück zur PASt. Hoffentlich hat Ben sich schon mit Steven angefreundet und was herausgefunden, dachte der erfahrene Hauptkommissar.


    Die Vorlesung endete und Ben räumte seinen Platz, nahm sein Instrument und verabschiedete sich von Sebastian. „Also, bis zum nächsten Mal.“, meinte Ben. „Warte mal, was hast du nach dem nächsten Block?“, wollte der junge Student wissen und der Jungkommissar zückte seinen Stundenplan hervor. „Ähmmmm... nichts.... Warum?“, wollte Ben wissen. „Ich meine, da du noch recht neu hier an der Uni zu sein scheinst, dachte ich, wir könnten uns zum Mittagessen treffen.“, schlug Sebastian vor. „Okay, dann würde ich vorschlagen, dass wir uns vor diesem Haus treffen. Ich muss jetzt erstmal zur Orchesterprobe.“, meinte Ben und verschwand schnell, versuchte Steven im Gewühle der Studenten ausfindig zu machen. Dann sah er ihn vor dem Haus stehen und ging direkt auf ihn zu.


    ...

  • Steven nahm seinen Koffer mit seinem Instrument über die Schulter und wollte gerade zum Musikhaus gehen, als sich der Kerl von vorhin sich ihm in den Weg stellte. „Hallo, ich sehe, wir spielen im Orchester.“, fing der Unbekannte an. Steven sah ihn nur an und nickte kurz. „Ich bin Ben.“, stellte sich sein Gegenüber vor und lächelte freundlich. Langsam, zaghaft und noch etwas misstrauisch dem Neuen gegenüber, nahm Steven die ausgestreckte Hand des Fremden an. „Steven... ich spiele eine der Posaunen.“, erklärte er und fing an zu lächeln. „Wow, ich spiele Gitarre und bin ganz gut an den Pauken.“, erwiderte Ben und ging mit Steven zum Musiksaal. Immer wieder sah der junge Musiker verstohlen und aus seinen Augenwinkeln heraus zu dem älteren Mitstreiter hinüber. Irgendwas war in an diesem Kerl, dass sein angeborenes Misstrauen hervorrief. „Was ist los? Du schaust mich so durchscannend an?“, kam es nur von Ben. Ertappt sah Steven nach vorn. Doch dann blickte er wieder auf. „Entschuldige, aber ich weiß noch nicht, was ich von dir halten soll.“, meinte Steven frei heraus. Ben blieb stehen und sah seinen neuen Begleiter an. „Ich weiß nicht, aber für mich siehst du nicht, wie ein Student aus und das Semester ist auch schon mehrere Wochen alt. Also, was soll ich deiner Meinung nach davon halten, dass du jetzt erst an der Uni auftauchst?“, meinte der junge Mann Ben gegenüber. Ben lachte laut los. „Du bist offen und ehrlich. Das mag ich.“, meinte der Jungkommissar und klopfte Steven auf die Schultern. „Die erste Woche war ich noch im Urlaub und die letzten beiden Wochen lag ich flach – Schweinegrippe.“, log Ben und war überrascht, wie schnell ihm eine Lüge eingefallen war. Doch noch immer sah ihn sein Gegenüber mit skeptischem Blick an. Doch dann kam das befreiende Lachen. „Verstehe... das Leben noch einmal richtig genießen, bevor die unergründlichen Tiefen des Studiums losgehen.“, kam es von Steven. Ben nickte. „Genau.“


    Semir kam, nach einer zähflüssigen Fahrt durch dichten Verkehr, Schnee und Matsch, auf dem Parkplatz der PASt an und ging mit vorsichtigen Schritten über den Parkplatz. „Hallo Semir... schon deinen BMW gebeult?“, fragte Dieter und grinste breit. Auch Hotte, sein Dienstpartner, lachte laut und hörbar los. „Sehr witzig Leute, wirklich sehr witzig. Bei dem Wetter ist das doch eher ein Wunder, dass ihr noch keine Beule im Wagen habt.“, grummelte er und ging, durch den Schnee stapfend, in das Gebäude hinein. „Das war jetzt aber nicht fair.“, kam es grummelnd von Hotte und Dieter nickte nur. Beide machten sich auf zu ihrer Routinestreiffahrt über die Autobahn.

  • Semir ging in sein Büro und nahm sich die Akten des gesamten Falles, sowie das schon zusammengetragene vor. Irgendwo musste es doch eine Verbindung zu einer konkreten Person existieren?, dachte sich Semir und durchforstete mit akribischer Kleinstarbeit sämtliche persönliche Gegenstände der drei Toten, die sie gefunden hatten. Irgendwann hatte er den Terminplaner von Jochen Mahlzahn in der Hand und blätterte darin herum. Plötzlich musste er stutzen und schnellte aus seiner lässigen Haltung, die Füße auf den Tisch und sich stark in seinen Stuhl zurückgelehnt, hervor und starrte wie gebannt in den Kalender hinein. Da war es... das Puzzleteil, was er so lange gesucht hatte, was ihn vielleicht einen Hinweis auf den Täter gab. Im regelmäßigen Abstand von einer Woche las Semir, zwar immer auf einen anderen Tag eingetragen ein- und denselben Namen und dahinter eine Kombination aus Zahlen. Sicher die Summe und die Anzahl der abgegebenen Menge Stoff, dachte sich der Hauptkommissar und nahm sich auch die anderen Sachen noch einmal vor. Auch dort fand er, in Terminkalendern oder Handyorganizern vermerkt, immer den gleichen Namen nur jeweils an anderen Tagen und mit anderen Summen und Stoffmengen. Jetzt hatte Semir, was er brauchte.


    „NEEEEEEEEIIIN!!!“, schrie Sascha, als er schweißgebadet aufwachte und sich erschrocken umsah. Da erkannte er, wo er war. Das waren ja seine eigenen vier Wände und sein eigenes Bett. Schweißgebadet ließ er sich zurück ins Kissen fallen und atmete stoßweise. Doch plötzlich schnellte er hoch, als er ein übles Reizgefühl in seinem Magen aufsteigen merkte. So schnell er konnte, schwang sich der Student, Schauspieler und Musiker aus dem Bett, rannte über den nackten Parkettboden und umarmte wenige Sekunden später die Kloschüssel in seinem Badezimmer. Mit einigen mächtigen Würgegeräuschen und den fast rhythmischen Bewegungen seines Körpers entleerte sich sein ohnehin schon sehr geschundener und überreizter Körper. Als die Welle seinen Körper verlassen hatte und das Zittern der Entzugserscheinungen ihn ergriff, hatte er kaum Kraft, sich an dem Becken hinaufzustemmen und an der Wand sich zum Ausgang zu tasten. Nach einigen Minuten, die ihm wie eine Ewigkeit vorkamen, lag er wieder unter der schützenden und geborgenen Decke seines Bettes. Hoffentlich war das alles bald vorbei, dachte er nur bei sich. Immer wieder sah er die Bilder vor sich. Diese drei Männer, wie sie höhnend vor ihm standen. Wie sie seine hilflose Lage ausnutzten und ihn alles nahmen, was er besaß. Und jetzt? Jetzt hätte er dank seiner Gier, seiner Sucht nach diesen Problem lösenden Mitteln fast sein Leben verloren. Wenn Steven nicht gewesen wäre... Nach wenigen Minuten schlief er über all diese tiefgreifenden und aufwühlenden Gedanken tief und fest ein. Nach wenigen Minuten schreckte er wieder hoch. Was waren das für Bilder, die ihm durch den Kopf schossen? Er war auf einem Rastplatz und überall war Blut. Da... lag dort nicht einer vor ihm... in einer riesigen Blutlache, die den Schnee verfärbte. Schreckliche Bilder tanzten vor seinem inneren Auge hin und her und verhinderten, dass er wieder einschlafen konnte.

  • Ben und Steven saßen im großen Musiksaal bei ihren Instrumenten und alle 58 im Orchester spielenden Musikstudenten warteten nur noch auf den Grande Maestro, den Dompteur der vielen Instrumente spielenden Raubtiere, den Mann, der diese quirlige Truppe mit seinem kleinen, aus Fieberglas hergestellten Taktstock in Zaum halten konnte. Während Steven mit seiner Posaune zum Warmspielen die Tonleiter probierte und mit präziser Genauigkeit jeden Ton auf das Schärfste traf, machte sich Ben mit seiner Kesselpauke vertraut. Noch nie zuvor hatte er vor einem solchen Instrument gesessen. Mit einem leicht verschwitzten Gesicht nahm er seine beiden Paukenschläger in die Hand und versetzte der ersten von den vier Schlaginstrumenten einen leichten Schlaf auf das Spielfell. Sofort ertönte ein dumpfer aber tiefer und fast markerschütternder Ton. Sofort legte er seine Hand auf das Fell und der nachhallende Ton verstummte. Einige der Musiker um ihn herum lachten kurz. Auch Steven hatte sich umgedreht und ließ seinem erfrischendem Lachen freien Lauf. „Sag nur, du hast die Dinger zum ersten Mal in der Hand?“, fragte er lachend. Erschrocken sah Ben ihn an. „Natürlich nicht. Nur, ich hab schon etwas lange nicht mehr gespielt.“, meinte er nur verlegen und sah sich die aufgestellten Notenblätter an. „Suppés Ouvertüre zur Leichten Kavallerie“ stand dort. Ein Stück, dass sehr viele und diffizile Paukenschläge beinhaltete. „Oh man, warum hab ich mich darauf eingelassen.“, dachte Ben nur und blätterte weiter. „Pomp and Circumstance March No. 1” war das nächste Stück, dass Ben vor der Nase hatte. Auch hier war die Pauke das alles untermalende Instrument. „Semir, dafür bring ich dich um.“, fauchte er und brachte die Blätter wieder hastig in Ordnung und legte sie in den Notenständer zurück, als eine schnell hereinstürmende Gestalt mit einem dünnen Stock in der Hand durch die große Flügeltür in den Saal kam und mit leichten Füßen auf die Bühne hopste.

  • Ben sah sich die Person genau an. Das graublaue Hemd dieser kräftig gebauten Gestalt mit den kurz geschnittenen Haaren hing schlaff am Körper herunter. Der kleine, vorstehende Bauch wurde durch eine schwarze, aufgeknöpfte Weste verdeckt. Deutlich waren die Sitzfalten am Hemd erkennbar. Alles in allem gewann Ben den Eindruck, dass sich dieser Kerl zwar elegant kleidete, er aber nicht so sehr auf den Erhalt des Scheins achtete. „Moin Leute.“, hörte er dann die klare und deutliche Stimme des Mannes. „Wie ich sehe, ist unser Pauker auch mal anwesend zur Probe. Sehr erfreulich...“, kam es sarkastisch vom Dirigenten und alles kicherte kurz. „Gut, dann fangen wir mal an... Für die, die meinen Namen noch nicht kennen, ich bin Christopher und werde euch jetzt auf Vordermann bringen.“, meinte der junge Mann, der Ben wesentlich jünger erschien, als es seine ganze Ausstrahlung vorgab. „Okay, probieren wir mal die Nummer 17 aus unserer Notensammlung.“, kündigte er an und Ben sah seinen Musikerkollegen dabei zu, wie sie sich neben die Notenständer beugten und einen blauen, schwer aussehenden Ordner griffen und ihn durchblätterten, bis sie die Nummer 17 gefunden hatten. Auch der Jungkommissar tat dies und hievte den schweren Ordner hoch, legte ihn auf seine Knie und Oberschenkel ab und blätterte bis zur 17. „Oh oh...“, bekam er nur hervor, als er sah, was da auf ihn zukam.


    „Okay, ich hoffe, jeder hat Rossinis Ouvertüre zu Wilhelm Tell vor sich? Wir spielen vom Einsatz des Sturms an bis zum Schluss... Das war ja bisher immer der schwierigste Teil für alle.“, meinte Christopher, nahm aus seiner Brusttasche des Hemdes seine Brille, setzte sie sich auf die Nase und streifte die schwarze Weste ab. Mit vorsichtigem Griff nahm er den Taktstock in die Hand und blickte in die Runde. Da sah er, dass Ben vollkommen entgeistert auf die Notenblätter starrte. „Ist was nicht in Ordnung?“, kam die dröhnende Stimme vom Dirigenten zu Ben nach hinten. Der Jungkommissar sah nur auf und schüttelte dann den Kopf, lächelte und hob die Paukenschläger. „Na dann ist ja gut... Und, eins, zwei, drei....“, zählte der Dirigent und schon schwang sich sein Taktstock wie von selbst hin und her. Die jungen Musiker starrten mit einem Auge auf die Noten, mit dem anderen folgten sie jeglicher Bewegung des Taktstockes, der seinen Namen nicht umsonst hatte. Wie gut, dass ich Noten lesen kann, dachte Ben und musste einfach nur die rot gekennzeichneten Noten vom Blatt spielen und auf Anhieb den Einsatz finden. Nur nicht verraten, dachte er immer wieder und konzentrierte sich voll und ganz auf die Musik und den Taktstock.

    Edited once, last by Christopher007 ().

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