Alpträume einer Liebe

  • Hey ihr Lieben!


    Wie versprochen, hier der erste Teil von Alpträume einer Liebe!
    Wir hoffen euch wird auch diese Story gefallen! Zeigt es uns mit euren Feeds!
    Auch wenn Alex es bereits erwähnt hat, möchte ich noch einmal sagen:


    Die Story ist VOR der Ausstrahlung von „Die Braut“ entstanden!
    Parallelen sind reiner Zufall!


    So, aber jetzt…
    Viel Spaß beim Lesen!
    Eure Juliii und Alex!



    Kapitel 1!


    „Glaubst du wirklich das er zahlen wird?“, fragte Emma leise. Natürlich wird er das, es geht schließlich um seine Familie!“, flüsterte Luca zurück. „Aber er hat sich nie für ihn interessiert... weiß er überhaupt Bescheid?“
    „Sicher... er versucht es nur zu verdrängen, weil er ihm nichts gesagt hat. Egal wie gleichgültig er tut, er liebt ihn. Frag seinen Vertrauensmann...“, grinste er und deutete auf sich. Emma knuffte ihm in die Seite, konnte jedoch nichts erwidern, weil die Tür aufging und jemand den Raum betrat.


    Leonie quietschte vergnügt, als Ben einen frustrierten Aufschrei von sich gab, während er bemerkte das er nun schon zum dritten Mal sein Hemd schief geknüpft hatte.
    „Ja, dir macht das Spaß, was? Sehen wie der Papa sich quält? Sieht dir ähnlich, Fräulein!“, murrte er sie an, wieder gab sie einen lebensfrohen Laut von sich und beobachtete ihn von Semirs und Andreas Bett aus ganz genau. Er seufzte, setzte sich aufs Bett und nahm seine Kleine auf den Arm. „Ach Maus... warum kann ich nicht so entspannt sein wie du?“, fragte er leise und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Sie sah ihn mit ihren großen, braunen Augen an und er wusste jetzt schon das er ihr später einmal nichts würde abschlagen können; das würde ein Problem werden...
    Da ging die Tür auf und Semir kam herein. „Hey! Kuscheln könnt ihr zwei auch noch später! Ben, wir sind spät dran! Wir müssen los, der Standesbeamte wartet nicht auf uns! Du bist ja noch gar nicht richtig angezogen!!!“ „Komm wieder runter...“, murmelte er, überreichte ihm seine Tochter und zog sich fertig an.
    „Bereit?“, fragte Semir lächelnd, als er bemerkte wie nervös Ben war, auch wenn es “nur“ die standesamtliche Trauung war. Er hatte wirklich unglaubliches Herzflattern, es bestand ja immer noch die Möglichkeit das sie plötzlich Angst bekam und einen Rückzieher machte, auch wenn die beiden jetzt mehr verband, als die Liebe zueinander.
    „Ja... Ich muss nur ja sagen und unterschreiben, oder?“, ok, er gab es ja zu! Seine Nerven lagen blank. „Hey, ganz ruhig. Das ist ein Spaziergang. Es ändert sich nichts für euch, außer das sie deinen Namen annehmen wird und das ihr dann auch auf dem Papier ein Paar....“, doch er kam nicht dazu zu Ende zu sprechen; „Semir die Ringe! Hast du die Ringe?!“, fragte Ben fast hysterisch. „Für was für einen Trauzeugen hältst du mich eigentlich? Natürlich hab ich sie!“, er zog ein kleines, weißes Kästchen hervor und zeigte sie Ben. Sie waren aus Weißgold und schimmerten sanft im schwachen Sonnenlicht, das sich am zehnten Oktober durch die Wolken kämpfte. In ihrem war ein kleiner Brilli eingelassen, sowie in der Innenseite sein Name und der 11.10.09 eingraviert worden, in seinem stand Vanessa, zusammen mit dem Datum. „Aber warum die Panik? Du brauchst sie doch sowieso erst morgen bei der Kirchlichen.“
    „Ja, aber trotzdem! Schwöre mir das du sie keine Sekunde aus den Augen lässt!“
    „Ben, bleib locker! Alles cool! Du musst heute nur unterschreiben und morgen ja sagen, ihr den Ring anstecken, sie küssen und über beide Ohren strahlen. Es ist alles ganz einfach, ganz entspannt!“ Ben nickte, holte tief Luft und nahm Leonie dann wieder an sich, während sie sich auf dem Weg zum Wagen machten; sie hatte eine unglaubliche beruhigende Wirkung auf ihn, vielleicht weil sie selbst so ruhig war, oder weil Ben spürte das da schon früher etwas zwischen den beiden gewesen war, bevor sie auf die Welt gekommen war. Die Fahrt bis zum Standesamt zog sich für Ben endlos hin. Semir hatte ihm auch noch verboten selbst zu fahren „Denk an deine Tochter, Nessy würde es dir nie verzeihen wenn du uns vor einen Baum setzt.“, hatte er belustigt gegrinst. Schließlich blieb der Wagen aber doch noch stehen, sofort war Andrea da um sich um Leo (ihre Paten hatten ihr diesen Spitznamen auf der Tauffeier vor einem Monat verpasst) zu kümmern. Denn Ben war vollkommen abgelenkt, er hatte nur noch Augen für die Frau, die am Fuß der breiten Treppe stand. Sie trug ein langes, weinrotes Kleid auf fließendem Stoff; dünne Träger liefen über ihre zierlichen Schultern und eine farblich passende Blume steckte in ihren Locken, die sie mit einem Haargummi gezähmt hatte, so das nur noch einzelne Strähnen in ihr schönes Gesicht fielen. Sie war so schön, das er alles andere ausblendete, einfach nur auf sie zuging und ihre Hand nahm, der Drang zu überprüfen, ob sie echt war, nicht nur ein Trugbild aus dem Himmel, war sehr stark; wie würde sie erst morgen aussehen?! Jeder würde heute neben ihr verblassen, selbst er, obwohl er mit der schwarzen Hose und dem farblich passendem Jackett, das er locker über dem weißen Hemd trug bestimmt nicht zu verachten war. Er konnte einfach nicht glauben das sie IHN heiraten wollte.
    „Sicher das du mich willst? Heute würde dich jeder auf der Stelle heiraten, Schönheit...“, sagte er leise zu ihr. „Ganz sicher!“, bestätigte sie, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn; ein letzter Kuss, bevor sie offiziell Mann und Frau wurden...

  • Dann will ich mal nciht so sein. :D
    Aber weiter Feeden!!! ;)
    LG Alex!


    Kapitel 2!


    „Und nun frage ich Sie, Herr Ben Jäger, möchten Sie die hier anwesende Vanessa Höffer zu Ihrer rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen? So antworten Sie bitte mit, Ja.“ Ben schaute seiner großen Liebe tief in ihre wunderschönen blauen Augen. „Ja, ich will!“
    „Und Sie, Frau Vanessa Höffer, möchten Sie den hier anwesenden Ben Jäger zu ihrem rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen? So antworten auch Sie bitte mit, Ja.“ Immer noch schauten beide sich tief in die Augen des jeweils anderen. Sie befanden sich gerade in einem der glücklichsten Momente ihrer Leben und vor allem in ihrer eigenen kleinen Welt, die nur ihnen gehörte. „Ja, ich will!“, sagte auch sie mit fester Stimme.
    „Dann erkläre ich Sie hiermit zu rechtmäßigen Eheleuten.“ Alle Aufregung war nun vergessen, ein wahres Glücksgefühl beherrschte die Körper der beiden. Vanessas Herz schlug schnell als Ben sich ihrem Gesicht näherte und die beiden sich schließlich innig küssten. Jetzt waren sie eine richtige Familie, richtig offiziell! Auch Semir und Andrea fühlten sich wie frisch verliebt als sie die beiden da vorne stehen sahen, mussten sie doch an ihre eigene Hochzeit zurückdenken! Sie waren einfach nur überglücklich und freuten sich wahnsinnig für Ben und Vanessa! Leonie war ganz still, als wüsste sie ganz genau das dies ein wichtiger Moment für ihre Eltern war.
    Nachdem die Papiere dann auch unterschrieben waren, verließen beide eng umschlungen das Standesamt. Draußen warteten bereits ein paar Freunde und Verwandte, die die beiden mit lautem Applaus beglückwünschten und mit Reis warfen. Vanessa war vor lauter Rührung schon wieder den Tränen nah. Sie wusste gar nicht, wie oft sich jetzt schon geweint hatte, seit sie mit Ben zusammen war, wie unglaublich weich sie geworden war (Das würde sie sofort wieder ändern wenn sie wieder bei der Polizei anfangen würde). Doch jetzt war es pure Liebe, die aus ihr sprach!
    Alle zusammen stellten sie sich für das Hochzeitsfoto auf, das Brautpaar und die Trauzeugen vorne und die Gäste hintendran. Es war als hätte das Wetter mitbekommen, dass das hier einer der schönste Tag für die Leben dieser beiden Menschen werden sollte! Obwohl tagelang vorher Regen vorausgesagt war und sich schon alle darauf eingestellt hatten, strahlte die Sonne unaufhörlich und ließ die ersten Blätter, die begannen von den Bäumen zu fallen, in einem wunderschönen Licht strahlen. Es war einfach alles perfekt und Vanessa und Ben wünschten sich, dass alles hier würde nie zu Ende gehen.
    Nach dem die Fotos geschossen wurden, hatte Ben noch eine besondere Überraschung für seine Frau. Eine wunderschöne Pferdekutsche fuhr vor und der Anblick ließ Vanessa erstarren! Genau für Aktionen wie diese, liebte sie Ben so sehr, auch wenn es eigentlich für morgen geplant war, doch heute würde das ganze noch recht stressfrei ablaufen. Wieder verfielen beide in einen langen, sinnlichen Kuss, bevor sie schließlich unter dem Jubel der anderen in die Kutsche einstiegen und weg fuhren. Der Weg führte sie zu einem kleinen Restaurant auf einer Anhöhe, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf die Landschaft hatte. Es war noch ein kleines Fest geplant, für all die, die am nächsten Tag leider nicht an der groß geplanten Feier teilnehmen konnten. Doch keiner dachte auch jetzt nur daran deswegen traurig zu sein. Es sollte ein wunderschöner Tag werden, den sie alle wohl nicht mehr so schnell vergessen würden.
    Nach dem alle Gäste gegangen waren, machten Ben und Vanessa sich noch auf den Weg in ein teures, wunderschönes Hotel. Andrea und Semir hatten ihnen eine Nacht in der Hochzeitssuite geschenkt und kümmerten sich für diesen Abend um Leonie. Die beiden verbrachten die wunderschönste Nacht, die sie wohl je hatten, miteinander und freuten sich gemeinsam auf den nächsten Tag, während Semir und Andrea sich freuten endlich mal eine Nacht auf ihre Patentochter aufpassen zu dürfen…
    Doch die Himmlische Ruhe die am Morgen im Zimmer des Ehepaars Jäger herrschte hielt nicht lange vor...


    P.S.: Wer bei Alpträume im Highspeed noch nicht geffedet hat darf das natürlich gerne noch tun! :D

  • Ok, ok, aber nur weil Samstag ist!
    Grinsealarm!
    LG!


    Kapitel 3!


    „Mhhhhh.....“, Ben wurde unsanft aus dem Schlaf gerissen, als jemand drohte die Zimmertüre einzuschlagen. Grummelnd, und um zu verhindern das derjenige seine Frau auch noch aus dem Schlaf riss stand er auf und schlurfte zu Tür. Ein Blick durch den Spion verriet ihm das, was er sowieso schon wusste: Semir!
    „Kannst du mich nicht mal nach meiner Hochzeitsnacht ausschlafen lassen?!“, meinte er leicht wütend und ließ ihn herein. „Wie? So geschafft? Da hätt ich aber mehr von dir erwartet, Ben...“, er schüttelte den Kopf, als würde er einen kleinen Jungen ausschimpfen, grinste jedoch breit. „Komm, anziehen, wir müssen los!“, meinte er und warf Ben eine Tüte mit Klamotten zu. Der fing sie auf, „Semir, ich heirate heute Nachmittag und nicht in zwei Stunden! Wieso...?“ „Ich hab dir doch gesagt das ich noch ne Überraschung für dich habe! Wir feiern deinen Junggesellenabschied nach!“
    „Bist du jetzt völlig übergeschnappt?! Ich bin schon verheiratet!“, lachte Ben. „Na und? Alles kann man nachholen. Jetzt zieh dich an, sag deiner Frau Bescheid und dann komm runter! Ich erwarte dich in zehn Minuten unten in der Lobby!“, bevor Ben protestieren konnte war er auch schon wieder verschwunden. Kopfschüttelnd legte er sich noch mal zu Vanessa, strich ihr sanft durch´s Haar und weckte sie wie jeden Morgen mit einem Kuss. Sie hatten geübt, mittlerweile kam er ohne blaue Flecke davon. „Morgen...“, murmelte sie überrascht, das er sie weckte.
    „Guten Morgen Frau Jäger. Und, wie fühlen sie sich?“
    „Großartig. Ist was passiert?“, jetzt wirkte sie schon wieder besorgt; sie machte sich viel zu viele Sorgen. „Nein, alles ok. Semir will mich nur überraschen, wir feiern meinen Junggesellenabschied nach...“, es war deutlich das er nicht begeistert war. „Oh, mein armer... Du stehst das durch, Semir zur liebe, du weißt wie viel ihm das bedeutet?“ „Klar...“, Semir war schrecklich enttäuscht gewesen als Ben gesagt hatte er wolle keine Party am Abend vor der Hochzeit; Ben hätte wohl besser sagen sollen das er überhaupt keine Party wollte. „Hau schon ab. Sag Semir wenn ihr nachher nicht pünktlich seid gibt’s gewaltigen Ärger, ich fahr gleich zu Andrea und Susanne, da machen wir uns nen Gemütlichen Vormittag... ... ... Wenn es Stripperinnen gibt...“ „Ich werde keine Ansehen, es gibt keine schönere Frau als dich.“, grinste er, worüber sie schon wieder nachdachte. „Ich wollte eigentlich sagen das du aufpassen sollst das Semir nicht die Augen aus dem Kopf fallen, aber gut zu wissen.“ Sie küssten sich, dann riss Ben sich widerwillig von ihr los, zog sich an und ging dann zur Tür. „Ich seh dich vor´m Altar und wehe du läufst weg!“, mahnte er. „Ich liebe dich.“, lachte sie und warf ihm eine Kusshand zu. Er fing sie auf und antwortete: „Ich dich auch.“
    Kaum war er weg sprang Vanessa aus dem Bett, zog sich schnell an, packte die paar Sachen zusammen, die sie mitgenommen hatten und war dann schon verschwunden. Andrea und Susanne warteten bestimmt schon mit jeder Menge Sekt und guter Laune auf sie. Sie wollten es so richtig Teenagerhaft krachen lassen um ihr die Nervosität wenigstens ein wenig zu nehmen.
    Sie wurde in der Tür mit Korken knallen und einem gekreischtem: „Frau Jäger!!!!!“, empfangen und sofort stimmte sie ein. Sie wusste nicht wann sie das letzte mal vor Spaß fast zu platzen gedroht war; gut nur, dass Leonie noch sehr viel schlief, ob ihr zartes Gemüt die schmutzigen Witze und das Lachen ertragen hätte war zweifelhaft...

  • Kapitel 4!


    Sanfte Farben wurden von den Sonnenstrahlen, die durch das bunte Fenster der Kirche schien, auf den Boden gezaubert. Die Menschen, mit den Hüten, den schicken Kostümen, Kleidern und Anzügen, die sich auf den Bänken der Kirche niedergelassen hatten tuschelten leise miteinander. Der Pfarrer blätterte in irgendwelchen Unterlagen herum, Semir und Ben sprachen miteinander, beide trugen ihre Anzüge mit dunkelblauen Blumen im Knopfloch, man konnte deutlich die Nervosität in der Stimme des Bräutigams hören, Andrea wartete draußen auf Vanessa und ihren Vater, die eigentlich schon hätten da sein sollen und Leonie schlief tief und fest in ihrer Babyschale.
    Die Minuten verstrichen, bis man plötzlich das rasche Klicken von Absätzen auf dem Steinboden hörte und alle die Köpfe hoben; Andrea lief nach vorne und verkündete den drei Männern: „Sie sind da!“, Ben schloss die Augen und atmete tief durch, Semir legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter, während der Pfarrer dem Organisten ein Zeichen gab. Leise setzte Musik ein, eine recht unbekannte, jedoch sehr schöne Melodie, die Gäste wurden still. Dann wurden die großen Flügeltüren geöffnet und Sonnenlicht flutete hinein, so das keiner der Anwesenden mehr ausmachen konnte als zwei Silhouetten, die sich langsam auf den Weg nach vorne machten. Je weiter Vanessa und ihr Vater nach vorne schritten, desto mehr hob das Gemurmel in den Reihen, die schon etwas sehen konnten an. Dann endlich trat sie in den Schatten, Ben erstarrte und hätte er nicht Semirs Hand gespürt, dann hätte er bei seinem Leben geschworen das das hier ein Traum war.
    Vanessa trug ein schlichtes, weißes, Schulterfreies Kleid; der Saum war mit kleinen, schillernden Perlen besetzt. Ihr Haar war elegant hoch gesteckt und wurde von einer silbernen Spange gehalten.
    Und wieder hätte Ben geschworen das ein leichter Schimmer sie umgeben hätte, als wäre sie ein Engel... Aber in seinen Augen war sie wirklich ein Engel... Es dauerte viel zu lange, bis die beiden bei ihm angekommen waren, die Musik aussetzte und ihr Vater Ben ermahnte: „Pass ja gut auf mein kleines Mädchen auf. Und auf meine Enkelin.“
    Während er ihre Hände in seine nahm und nickte musste er daran denken, das er wahrscheinlich irgendwann einmal Leonie an einen Mann übergeben musste, bei dem Gedanken wurde ihm noch flauer im Magen. Doch er hatte keine Zeit mehr darüber nachzudenken, der Pfarrer bat sie Platz zu nehmen, aber anstatt sich seine Rede, die er extra für die beiden geschrieben hatte, anzuhören sahen sie sich einfach nur ganz tief in die Augen und blendeten alles andere aus. Sie verschränkten ihre Finger miteinander und versuchten wenigstens so auszusehen, als interessiere es sie im Moment auch nur im Ansatz was dieser Mann von sich gab.
    Plötzlich stieß Semir Ben unauffällig an die Schulter, der Pfarrer räusperte sich und wiederholte offenbar leicht verärgert: „Bitte erhebt euch!“
    Semir und Andrea standen schon und sie beeilten es sich ihnen nach zu tun.
    „Und so frage ich dich, Ben Jäger, willst du Vanessa Jäger zu deiner Ehefrau nehmen, sie lieben und ehren, bis das der Tod euch scheidet? So antworte bitte mit...“
    Ben konnte es gar nicht schnell genug los werden: „Ja, ich will!“
    Leicht irritiert wollte er fortfahren wurde aber nach den Worten „Und so frage ich auch dich, Vanessa...“, erneut unterbrochen: „Ja. Ja, das will ich!“
    Sie nahmen die Ringe von dem Kissen, das auf dem Altar lag und steckten sie sich gegenseitig an. „Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau. Was Gott zusammengeführt hat, das soll der Mensch nicht trennen! Du...“, doch die beiden waren sich schon in die Arme gefallen und küssten sich. Es war alles egal! Nur sie zählten, nichts war in diesem Moment wichtiger, der nur ihnen gehörte. „Ach, was solls? Ihr macht doch eh was ihr wollt!“, grummelte er vernehmlich und die ganze Kirche lachte, bevor sie in Applaus und Jubelrufe verfielen.
    Langsam machten sich alle auf den Weg nach draußen, Semir, Andrea und das Brautpaar sprachen noch kurz mit dem Pfarrer, dann folgten sie ihren Gästen, die schon wieder mit Blumenblättern und Reis warteten. Jeder wollte der erste sein, der den beiden gratulieren durften und die beiden wussten vor lauter Umarmungen, Ermahnungen, guten Ratschlägen und Glückwünschen gar nicht mehr wo ihnen der Kopf stand. Wieder wurden Fotos geschossen, dann sprang Ben leichtfüßig auf den Rand eines Blumenkübels (ohne Vanessas Hand los zu lassen) und bat um Aufmerksamkeit.
    „Keine Angst, Leute, die langweiligen Reden sparen wir uns für später auf!“, alle lachten, „Wie ihr euch alle vorstellen könnt sind wir im Moment die glücklichsten Menschen der Welt und das möchten wir mit all unseren Freunden und lieben feiern! Ihr alle wisst wohin es geht, also schwingt euch in eure Wagen, wir treffen uns dort!“ Er kam wieder auf den Boden, sah Vanessa an und das lächeln wich aus den Gesichtern der beiden. Sie merkte sofort was ihn bedrückte; er hätte sehr gerne seine Eltern eingeladen, doch die Angst an seinem Hochzeitstag wieder in einen Streit mit ihm zu geraten war viel zu groß. Auch Jacqueline, seine kleine, geliebte Schwester fehlte, doch sie konnte ihnen nur noch von oben zusehen. Mit einem Kuss holte sie ihn aus seinen trüben Gedanken, das war ihr Tag, sie würden ihn nicht von so etwas überschatten lassen. Das Ben seinen Vater früher wiedersehen würde, als ihm lieb war, damit rechnete keiner, auch das Unglück das er mitbringen würde war nicht vorauszusehen gewesen...

  • Ich mach dann mal weiter....
    Bestimmt spendiert die Juli euch nacher noch einen Teil, oder? ^^
    FEEEEEEEEEEEEEEEDDDDDDSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS!!!!!!!!!!!!!! :D
    LG
    Alex!


    Kapitel 5!


    Nach einer etwa zwanzig minütigen Fahrt hatte die Wagenkolonne, mit dem Brautpaar vorne weg, den Ort der Feier erreicht. Und was sie da sehen, ließ ihnen allen fast den Atem wegbleiben! Der Name „Seeschlösschen“ machte dem Gebäude wirklich alle Ehre! Ein richtiges kleines Schloss, mitten an einem See und ansonsten weit und breit nur wunderschöne Landschaft! Ben und Vanessa hatten dieses Schlösschen vor ein paar Wochen erst zufällig entdeckt und als sie sahen, dass es für Veranstaltungen zu mieten war, stand sofort der Ort der Hochzeitsfeier für die beiden fest!
    Da sie jedoch in den letzten Wochen viel zu planen und zu entscheiden gehabt hatten und nebenbei auch noch voll und ganz mit Leonie ausgelastet waren, hatten sie die Organisation der Feier vollkommen einigen Freunden und Verwandten überlassen. In diesem Moment zeigte sich, dass dies keines Falls ein Fehler gewesen war. Es war für ein wunderbares Essen gesorgt, weiße Pavillons waren aufgestellt und herrlich geschmückt. Sogar eine Art Tanzfläche hatte man auf dem Rasen organisiert. Und eine weitere Überraschung gab es für Ben, als er seine Band auf einer kleinen Bühne entdeckte. Die hatte ihm nämlich bis zum letzten Moment verschwiegen, dass sie zu seiner Hochzeit kamen und für ihn spielen würden!
    Als er all das sah, wurde Ben wieder einmal klar, WIE wichtig gute Freunde im Leben waren! Ohne sie alle würde heute etwas fehlen, aber der Gedanke, dass seine eigene Familie die schönsten Momente seines Lebens nicht mit ihm teilte, ließ ihn schlucken. Familie… was meinte er, wenn er von seiner Familie sprach? Seine Mutter war gestorben als er noch klein war. Ein einfacher Reitausflug hatte ein tödliches Ende für sie nehmen sollen. Sie war damals vom Pferd gestürzt und als man sie fand waren die Ärzte machtlos. Die Verletzungen waren einfach zu schwer gewesen. Das war auch der Grund warum er bis heute keinen größeren Kontakt zu Pferden hegen wollte, verständlicher Weise.
    Jackie? Auch wenn sie nie wirklich dick befreundet gewesen waren, sie war eben seine Schwester gewesen und er hatte sie so sehr geliebt, wie man eine Schwester nur lieben konnte. Seit sie tot war machte er sich häufig Vorwürfe viel zu wenig Zeit mit ihr verbracht zu haben. Die beiden waren sich in den letzten Jahren immer mehr aus dem Blickfeld verschwunden und als sie starb wusste er nicht wie es ihr gegangen war, ob sie einen Mann oder Kinder gehabt hatte.
    Und sein Vater… ja, sein Vater. Für ihn hatte schon immer die Firma höchste Priorität gehabt. Als Bens Mutter starb hatte sich das noch mehr verstärkt. Er hängte sich nur noch in die Arbeit und schien Ben und Jackie völlig zu vergessen, dabei hätten die beiden genau zu diesem Zeitpunkt eine starke Schulter gebraucht. Jemand, von dem sie wussten das er immer für sie da war, jemand der sie stütze und ihnen half diese furchtbare Zeit zu überstehen… Aber was hatte sein Vater gemacht? Er hatte ihn in ein Internat gesteckt. Damals schon hatte er spüren müssen, dass er auf die Hilfe von Freunden angewiesen war, aber Freunde waren in diesem Alter leider auch nicht immer für einen da. Oft genug hatte er sich einsam und verlassen gefühlt. Auf seinen Vater hatte er jeden Falls nicht zählen können und auch wenn die Zeit die Wunden ein wenig geheilt hat, verzeihen würde er ihm das alles wohl nie…
    Aber jetzt, jetzt hatte er eine neue Familie, eine die er liebte, eine die ihn liebte. Vanessa und Leonie waren von nun an sein Leben!
    Vanessa sah Ben etwas alleine herumstehen. Sein Blick war auf den See gerichtet. Sie fragte sich, was wohl mit ihm los war und wollte zu ihm gehen, doch Leonie lag gerade so friedlich in ihrem Kinderwagen und schlief, dass sie die Kleine nicht wecken wollte. Ihr Herz machte einen Satz als sie in das kleine schlafende Gesicht sah. Doch dann sah sie wieder zu Ben. Sie musste zu ihm, irgendwas bedrückte ihn, also sprach sie ein paar Freundinnen, die direkt neben ihr standen, an, dass sie mal gerade einen Blick auf Leonie im Kinderwagen haben sollten, während sie kurz zu ihrem Mann ginge. Die Frauen nickten und versprachen nach ihr zu schauen.
    „Ben?“ Schnell drehte sich der Angesprochene um und blickte in das wunderschöne aber besorgte Gesicht seiner Frau. „Ist alles okay mit dir?“ fragte sie direkt. Ben lächelte. „Klar, was soll denn sein?“ „Ich dachte bloß… du stehst hier so alleine rum.“ Ben zog seine Frau näher an sich. „Ach weißt du, mir ist nur gerade wieder klar geworden, WIE sehr ich dich liebe!“ Damit lagen sich beide küssend in den Armen, wie schon des Öfteren in den vergangenen Stunden. Auch wenn Vanessa spürte, dass mehr hinter der Sache steckte, er wollte jetzt nicht darüber reden und das akzeptierte sie. Irgendwann würde sie das schon aus ihm rausbekommen, aber jetzt genoss sie erst einmal das innige Zusammensein, ohne auch nur daran zu denken, was sich in naher Entfernung zusammenbraute…

  • Na, da heute Sonntag ist und ihr alle sooo klasse gefeedet habt, bekommt ihr natürlich noch was von mir! ;) Macht weiter so!


    Kapitel 6!


    Luca betrat den kleinen Raum, der eindeutig ein Kinderzimmer war. Bunte Bilder an den Wänden, ein Bettchen, ein Wickeltisch und alles war voll gestopft mit Windeln, Fläschchen, Klamotten, Cremes und Babynahrung. Mittendrin seine Halbschwester. „Hey Emma. Ist alles fertig?“, fragte er und schloss die Tür hinter sich. „Oh! Du bist ja schon da! Ja, alles bereit. Obwohl ich immer noch ein bisschen... na ja.... ich bin doch auch Mutter!“, gestand sie nachdenklich und sah aus dem Fenster.
    „Ich versteh dich ja... einer Mutter ihre Tochter weg zu nehmen, noch dazu wenn sie so klein ist ist bestimmt kein Kavaliersdelikt. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit wie wir sonst an sein Geld kommen sollen. Für seinen Sohn würde er niemals zahlen und sonst hat er keinen mehr der ihm wichtig ist. Für die Kleine wird er schon zahlen, Ben wird ihm die Hölle heiß machen. Außerdem hat sie es doch gut bei uns.“
    „Ja... mir tut nur die Mutter so Leid... wenn ich mir vorstelle das Daniel entführt worden wäre...“
    „Falls du das vergessen haben solltest! Sie haben Daniel damals entführt und du tust das um ihn endlich wieder zu finden.“
    „Das ich damals in die falschen Kreise geraten bin und das Jugendamt ihn mir weggenommen hat ist meine eigene Schuld. Das sie dann mit ihm ins Ausland gegangen sind... einfach Pech...“
    „Ja, aber du willst ihn doch endlich wieder sehen. Also beschaffen wir uns das Geld, er hat doch genug davon, die Kleine kommt wieder zu ihren Eltern und alles kommt wieder in Ordnung!“ Emma nickte und die beiden begannen sich anzuziehen, eine halbe Stunde noch...


    „Na komm. Wir sind nicht hier um uns zu amüsieren, wir haben Gäste.“, lächelte Vanessa nach einigen Minuten. „Ja, du hast recht, man vermisst uns wahrscheinlich schon. Wo ist denn mein kleine Leo?“ „Die schläft bei meinen Freundinnen. Der geht’s gut, aber lass mich raten, du möchtest trotzdem zu deinem kleinen Schatz?“ Er nickte lächelnd und sie schlenderten zurück. „Wie man euch beide auseinander bringen soll ist mir ein Rätsel, wenn du es noch nicht mal eine halbe Stunde aushältst ohne gleich Sehnsucht zu bekommen... Bin gespannt ob ich irgendwann mal zuerst erfahre wenn sie ihren ersten Freund hat, oder du...“, lachte sie. Er konnte leider nicht lachen, bei dem Gedanken das seine Tochter größer werden sollte, nicht für immer sein zerbrechlicher kleiner Schatz blieb, das macht ihm schon ein bisschen zu schaffen...
    Doch als sie ihm mal wieder mit ihren großen Augen verzauberte und die kleinen Hände nach ihrem Papa ausstrecke war es vergessen. Nur kam er nicht dazu diesen Moment zu genießen, denn er und seine Frau wurden von Semir zum Baumstammsägen geschleppt. „Habt ein Auge auf sie!“, hatte Ben noch ein paar Leuten zugerufen, doch die waren alle viel zu beschäftigt damit den beiden zuzusehen wie sie sich abrackerten, um zu bemerken das zwei Minuten später Hände nach der kleinen Griffen, die sie nie hätten berühren sollen...


    Konrad Jäger saß über einem riesigen Berg von Aktenordnern. Wenn er eines an seinen Sohn vererbt hatte, dann war es das, dass er den Papierkram genau so wenig mochte, auch wenn sein Leben fast nur daraus bestand. Im Moment dachte er immer öfter an Ben. Seit er über sehr viele Ecken erfahren hatte das sein Sohn Vater geworden war... Wütend schob er ein paar Akten bei Seite und schnappte sich die Tageszeitung, nichts interessantes... doch plötzlich blieb sein Blick an einer großen Anzeige hängen:


    Herzlichen Glückwunsch!
    Unsere besten Freunde, Ben & Vanessa Jäger heiraten!
    Wir wünschen euch alles Glück der Welt und das Leonie nicht alleine bleiben wird!
    Die Ehe ist ein Kampf. Man kann ihn nur gemeinsam gewinnen!
    Semir & Andrea


    Die Zeitung verkohlte langsam im Kamin seines Arbeitszimmers. Ben und Vanessa Jäger heiraten... diese Worte würde er seinem Sohn niemals verzeihen....

  • Während Alex sich in der Schule abrackert und ich das Glück habe, heute und morgen ganz schulfrei zu haben, heute von mir der neue Teil! Viel Spaß beim Lesen!


    Kapitel 7!



    Emmas Herz schlug schnell als sie sah wie die Augen des Vaters der Kleinen strahlten als er seine Tochter ansah. War das wirklich das richtige was sie hier tat? Sie wusste doch selbst nur zu gut wie man sich fühlte, wenn das eigene Kind plötzlich verschwunden war. Sie kannte die Angst, die sich in einem aufbaute. Aber sie musste das hier tun, auch wenn es ihr noch so schwer fiel. Schließlich ging es hier um Daniel… Sie brauchten das Geld… Sie brauchten es einfach… Und der Kleinen würde ja nichts zustoßen…


    Luca hingegen war die Ruhe selbst. Beide liefen inzwischen auf dem großen Gelände zwischen all den anderen Gästen herum. Sie hatten sich beide feierlich angezogen um nicht in der Menge aufzufallen. Und jetzt geschah es! Der Kinderwagen, für den Moment schien keiner nach der Kleinen zu schauen! Das war ihre Chance! Schnell blickte er zu Emma, der dies natürlich auch nicht entgangen war.
    Vorsichtig nickten sie sich zu. Von hier an gab es kein zurück mehr. Aber es ging nicht anders… Ohne groß aufzufallen bewegten sie sich zum Kinderwagen und sie schienen Glück zu haben. Alle Gäste schauten im Moment neugierig zum Brautpaar und keiner fühlte sich für das kleine Mädchen verantwortlich.


    Der Anblick Leonies machte es Emma auch nicht gerade einfacher. Sie blickte in zwei vor freudestrahlende Augen, so dass es ihr fast das Herz zerriss. „Na los, jetzt mach schon!“, raunte ihr Luca zu, als er sah, dass sie zögerte.
    Er hatte Recht, sie musste sich beeilen. Nachdem sie noch einmal tief durchgeatmet hatte, nahm sie das kleine Mädchen vorsichtig aus dem Kinderwagen. Es war wie ein Wunder. Sie gab keinen Mucks von sich. Sie konnte ja auch nicht ahnen, dass es besser gewesen wäre zu schreien!
    Die Kleine eng an sich geschlossen machten sie sich schnellen Schrittes auf den Weg zu ihrem Auto. Doch Emma merkte, wie Leonie immer unruhiger wurde. Sie spürte halt doch, dass hier etwas nicht stimmte. „Pst…pst…“, flüsterte sie ihr immer wieder zu, in der Hoffnung, dass sie jetzt nicht anfangen würde zu weinen. Doch dann war es geschafft! Luca und Emma hatten ihr Auto erreicht. Schnell stiegen sie ein, die Kleine immer noch auf Emmas Arm, und fuhren gesittet in Richtung Köln. Jetzt hieß es nur noch, bloß nicht auffallen!


    Nur wenige Kilometer entfernt auf der Feier, hatte noch keiner den leeren Kinderwagen bemerkt…
    Völlig geschafft von sämtlichen Hochzeitstraditionen, die ihre Freunde sich hatten einfallen lassen, schafften es Ben und Vanessa die anderen davon zu überzeugen, dass sie eine Pause brauchten. Sofort fiel Vanessas Blick auf den Kinderwagen und der Anblick, dass er ganz alleine dort stand, gefiel ihr ganz und gar nicht! Schnell ging sie hin, was sich als gar nicht so einfach erwies, denn ständig schienen ihr Gäste gratulieren zu wollen! Doch irgendetwas in ihr, sagte ihr, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Das ungute Gefühl ließ ihr Herz immer schneller klopfen, als sie dem Kinderwagen näher kam…

  • Puh... ich hasse Montage! ;(
    Jetzt für euch ein neuer Teil!
    Wie währs mit Feeds?! :D
    LG
    Alex!!!


    Kapitel 8!


    Sie begann zu zittern und in ihr schrie alles vor Angst. Der Kinderwagen war leer! Aber das konnte nicht sein! Vor ein paar Minuten war sie doch noch da gewesen!
    „Hey! Wo ist Leonie?“, wollte sie von Alina wissen, die am nächsten war. „Ich weiß nicht, sie war doch die ganze Zeit in ihrem Kinderwagen.“, meinte sie Schulterzuckend. „Da ist sie aber nicht mehr, ich hab dich doch gebeten ein Auge auf sie zu haben!“, ihr Herz raste, wo war sie bloß?! Bestimmt hat jemand gesehen das sie alleine da stand und hatte sich ihr angenommen! Versuchte sie sich erfolglos zu beruhigen. Schnell suchte sie Ben und fragte dabei jeden, der ihr über den Weg lief nach ihrer Tochter, doch keiner hatte etwas gesehen. Mit Tränen in den Augen fand sie ihn schließlich zusammen mit Semir etwas abseits. „Ben!“, sie drückte sich an ihn und er Umarmte sie überrascht. „Hey, was ist denn los? Nessy, rede mit mir!“, er hatte ihre Tränen und ihre Verzweiflung gesehen. Hektisch machte sie sich wieder von ihm los und sah sich überall um. „Was ist los? Ist was passiert?!“, fragte er, hielt sie am Arm fest, damit sie nicht sofort wieder davon lief. Auch er wurde unruhig. „Ben, Leonie ist verschwunden!“, stieß sie verzweifelt aus und wollte sich schon wieder los reißen, doch er hielt sie immer noch fest. „Was soll das heißen Leonie ist verschwunden?!“, fragte er ängstlich. „Das heißt das sie weg ist! Sie ist nicht mehr in ihrem Kinderwagen, niemand hat etwas gesehen, sie ist einfach weg! Wie vom Erdboden verschluckt! Ben, sie kann doch nicht weg sein!“, alles schwankte leicht, Panik erfüllte die beiden, doch Ben schaffte es einen kühlen Kopf zu bewahren. „Bestimmt hat sie jemand genommen und kümmert sich um sie. Mach dir keine Sorgen, wir finden sie, wahrscheinlich.... Ich mach mal ne durchsage....“, murmelte er und verschwand in Richtung Bühne, während Semir Vanessa in den Arm nahm und sie tröstete. Er machte sich auch ein wenig Sorgen, doch er war der Meinung das sich einfach jemand um sie kümmerte ohne Bescheid zu sagen. Man hatte einfach das Bedürfnis sich mit diesem kleinen Sonnenschein zu beschäftigen.
    Nachdem Ben alle gebeten hatte sich zu melden, wenn sie etwas gesehen hatten, oder gar selbst diejenigen waren die sich um sie kümmerten, sich bei ihnen zu melden, da sie sich große Sorgen machten ging er zurück zu Vanessa die immer noch völlig aufgelöst war. Sie warteten. Auch Andrea stieß zu ihnen, doch die Minuten verstrichen und keiner hatte etwas gesehen. Das konnte doch nicht sein das ein Baby einfach so verschwand!
    Als eine halbe Stunde vergangen war drohte die verzweifelte Mutter wahnsinnig zu werden und bat ihre Gäste selbst nochmal um Hinweise, doch nichts kam...


    Es klopfte an de Tür und seine Sekretärin trat ein. „Ähm... Herr Jäger, hier ist ein Brief per Eilkurier für sie abgegeben worden.“, meinte sie und legte ihn auf seinen Tisch. „Danke Brigitte.“, murmelte er nur. Einige Minuten verstrichen noch. Das sein Sohn heiratete ohne ihm vorher seine auserwählte vorzustellen war ja schon schlimm genug, aber das er ihm dann noch nicht einmal Bescheid sagte, geschweige denn ihn einlud machte ihn wütend... traurig... enttäuscht...
    Er hätte es sich eigentlich denken müssen als er sich noch nicht einmal gemeldet hatte, als er Vater geworden war...
    Seufzend ging er zu seinem Tisch und nahm den Brief, den Brigitte gebracht hatte in die Hand. Kein Absender, komisch... Er öffnete ihn. Ein weißer Zettel, mit Zeitungsbuchstaben beklebt kam zum Vorschein. Schon wieder ein Drohbrief? Dachte er genervt. Als Chef eines so großen Imperiums hatte man schon mal mit so was zu kämpfen. Er seufzte und las... und mit jeder Zeile wurde sein Blick dunkler:


    Wir haben ihre Enkelin!
    Wenn sie nicht wollen das der kleinen etwas passiert treiben sie 1 Million in kleinen Scheinen auf. Keine Tricks. Keine Polizei!
    Wir melden uns!


    Er brauchte einen Moment um zu begreifen was da stand. Er sah nochmal in den Umschlag und zog ein Polaroid-Bild heraus. Es zeigte ein höchstens drei Monate altes Baby, das musste seine Enkelin sein... schoss es ihm durch den Kopf. Wenn sie wirklich entführt worden war, dann musste er das herausfinden. Er griff zu seinem Handy und hoffte das die Nummer noch die selbe war, wie vor ein paar Jahren...

  • So, da ich heute immer noch frei habe *g*, hier das neue Kapitel!


    Kapitel 9!



    Ben war wie in Trance. Er nahm alles um sich herum nicht mehr richtig wahr. Das einzige was er bemerkte war, dass Vanessa nun vollkommen zusammen brach. Weinend lag sie in Andreas Armen und auch sie wusste sich nicht mehr richtig zu helfen. Mühsam brachte sie sie, mit Hilfe von ein paar anderen Freundinnen, dazu sich auf einen Stuhl zu setzen. Vanessa zitterte am ganzen Körper und sie wünschte sich endlich aufzuwachen. Aufzuwachen aus diesem fürchterlichen Alptraum!
    Wo ist mein kleiner Engel? Was ist passiert? Warum hat sich denn keiner um sie gekümmert? Wer hat Leo entführt? All diese Fragen schwirrten durch Bens Kopf. Sie hinderten ihn daran, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Desto mehr er nachdachte, umso mehr Angst stieg in ihm auf. Angst, die dafür sorgte, dass sich alles um ihn herum zu drehen schien, Angst, die dafür sorgte, dass alle Stimmen auf ihn einprasseln zu schienen, Angst, die ihn beinahe ohnmächtig zu werden lassen schien, einfach Angst, so wir er sie nur einmal in seinem Leben verspürt hatte; als TJ seine Nessy entführt hatte.
    Erst das Klingeln seines Handys riss ihn zurück in die genauso brutale Realität. Plötzlich lagen alle Blicke auf ihm. Sein Atem ging schnell, fast so als hätte er gerade einen Marathon bewältigt, und sein Puls raste als er langsam das Handy aus seiner Hosentasche zog. Er spürte Semirs Blick, der ihn dazu aufforderte endlich abzunehmen, doch der Gedanke, dass Leonies Entführer am anderen Ende der Leitung sein könnte, ließ ihn erstarren. „Ben, jetzt heb endlich ab!“, schrie ihn nun auch noch seine Frau mit verweinter Stimme an.
    Ben schluckte noch einmal bevor endlich die erlösende Taste drückte. Seine Stimme war brüchig. „Ja?“, fragte er vorsichtig. Alles war nun still um ihn herum. Keiner traute sich auch nur einen Mucks zu machen, inzwischen hatte auch wirklich der letzte mitbekommen was passiert war!


    „Mensch Junge, jetzt nimm schon ab!“, redete Konrad vor sich hin als es am anderen Ende scheinbar ewig zu klingeln schien. Er stieg gerade in seinen Wagen ein als endlich die Stimme seines Sohnes erklang. „Ben? Ich bins! Hör zu, wir müssen reden!“
    Bens Aufregung wandelte sich erneut in Angst um Leonie um, als er die Stimme seines Vaters erkannte. „Vater, das ist jetzt bestimmt nicht der richtige Moment zum Reden!“, mit jedem Wort überschlug sich seine Stimme immer mehr. Schließlich ließ es Konrad sogar eine Gänsehaut über den Rücken bekommen. Gerade wollte Ben wieder auflegen, da meldete sich wieder sein Vater zu Wort. „Ben, warte! Es ist wichtig! Es geht um deine Tochter!“
    Die letzten Worte ließen Ben zusammenzucken. „Woher… woher weißt du davon?“, seine Stimme war wieder brüchig und leise geworden. „Ich hab gerade einen Brief per Eilbote bekommen… Ich… Ich mach mich auf den Weg zu euch, sag mir nur bitte wo ihr seid!“ Doch Ben beantwortete die Frage nicht, er selbst stellte sich gerade tausend andere! „Brief? Was für ein Brief? Was stand da?“, schoss er die Fragen ab. Und gerade wollte er fortfahren, da unterbrach ihn sein Vater harsch. „BEN! Das kann ich dir gleich alles genau zeigen und erklären, aber jetzt sag mir endlich wo ihr feiert!“ Ben war erschrocken über den lauten Ton seines Vaters. Doch diesmal hatte er recht! „In diesem kleinen Schlösschen am See… Abseits von Köln…“ Ben erklärte noch einige Sekunden den genauen Weg, bevor das Gespräch schließlich beendet wurde.
    Nur langsam nahm er den Hörer vom Ohr und ließ sich zeitgleich auf einen Stuhl nieder. Er spürte, dass alle Blicke auf ihm lagen und alle auf eine erklärende Antwort warteten, doch zuerst musste er seine Gedanken sortieren, bevor er schließlich loslegte. „Das war mein Vater… scheinbar haben sich Erpresser bei ihm gemeldet… Er ist jetzt auf dem Weg hierhin…“ Langsam schwand die Stille und viele Gäste begannen leise untereinander zu flüstern. Doch das interessierte Ben und Vanessa jetzt nicht. Schweigend saßen sie nebeneinander. Jetzt konnten sie nur auf Konrad warten, auch wenn jede Sekunde furchtbar langsam zu vergehen schien… Vanessa lag immer noch in Andreas Armen und auch Ben spürte Semirs stärkende Hand auf seiner Schulter. Ein einziger Gedanke beherrschte seinen Kopf, wann hatte das alles denn endlich bloß ein Ende? Warum konnten sie nicht einfach in Frieden leben, ohne Angst?!

  • Ausnahmsweise mal etwas früher, heute ;)
    LG Alex!!!


    Kapitel 10!


    Der teure, überheblich wirkende Wagen hielt auf dem Schotterkies und sofort stand Ben daneben. Konrad hatte keine Chance auszusteigen, da packte Ben ihn schon am Arm und fragte laut: „Was weißt du?! Was hast du damit zu tun?!“
    Das sie sich Jahre lang nicht gesehen oder gesprochen hatten kümmerte keinen der beiden. Konrad stieg aus, zog aus der Innentasche seines Jacketts einen Umschlag hervor und zeigte Ben das Bild. Sofort sammelten sich Tränen in seinen Augen, seine Hände begannen zu zittern, er zog ein Taschentuch hervor und nahm ihm damit das Bild ab... „Leo....“, hauchte er. Er stand völlig neben sich, es war ihm unbegreiflich warum die Welt nicht unter ging oder auseinander brach: Das war der Beweis; seine Tochter war entführt worden. Sein Vater hielt ihm auch das Erpresser schreiben hin, Ben überflog es und murmelte dann: „Komm mit.“, dann lief er ins innere des Gebäudes. „Hartmut!“. Schrie er und sofort kam der Rotschopf auf ihn zu. Er drückte ihm beides in die Hand, „Kümmere dich darum! Ich will alle Fingerabdrücke, jeden Fussel und auch die aller kleinste DNA-Spur! Hast du mich verstanden?!“ Hartmut nickte und wuselte ohne ein weiteres Wort davon. Mit zitternder Hand fuhr Ben sich über die Augen, wenigstens vor Vanessa wollte er ein wenig die Fassung bewahren. Sie saß immer noch bitterlich weinend an einem kleinen Tisch, in der Hand irgendein Hochprozentiges Getränk und eine Jacke um die Schultern gelegt als er vor ihr in die Hocke ging. Er musste nichts sagen, sie verstand auch so und rasch lagen sie sich wieder in den Armen. „Wir finden sie. Wir werden sie finden, gesund und munter und dann wird sie uns wieder die Nächte lang wach halten, das verspreche ich dir!“, seine Stimme zitterte heftig.
    „Ben...“, setzte sein Vater plötzlich an, doch der Blick, der darauf Folgte ließ ihn verstummen.
    Er fasste sanft unter ihr Kinn und sie sah ihn mit roten Augen an. „Nessy, mein Schatz, kann ich dich kurz allein lassen? Ich glaub ich muss mal ein paar Worte mit meinem Vater wechseln, ich beeil mich auch.“ Sie nickte schwach und hatte keine Ahnung mehr was sie fühlen oder denken sollte, die Welt war nur noch grau und schwarz und am liebsten hätte sie alles kurz und klein geschlagen oder währe gestorben. Sanft drückte er seine Lippen auf die Stirn, murmelte noch einmal: „Ich finde sie...“, dann überließ er es wieder Andrea sich um sie zu kümmern.
    Etwas abseits fauchte er: „Was hast du damit zu tun?! Ist das die Rache dafür das ich zur Polizei gegangen bin? Dafür das du nicht erfahren hast das du Großvater wirst oder dafür das ich dich nicht zu meiner Hochzeit eingeladen habe?!“
    „Ben, ich habe damit nichts zu tun! Ich habe erst zehn Minuten bevor das Schreiben bei mir einging durch eine Annonce erfahren das du geheiratet hast.“, versuchte er sich wütend zu verteidigen. „Wieso geht dann das Erpresserschreiben bei dir ein?! Du wusstest doch noch nicht einmal was von meiner Tochter!!!“
    „Woher soll ich das wissen?! Wahrscheinlich weil ich mehr Geld habe als du!“ „Und warum dann meine Tochter?! Warum meine kleine Leonie?!“ „Ben...“, er spürte Semirs Hand auf seiner Schulter und schloss die Augen um nicht völlig auszurasten.
    „Gerkhan mein Name, ich bin der Partner ihres Sohnes. Herr Jäger, haben sie irgendetwas damit zu tun oder eine Ahnung wer dahinter stecken könnte? Feinde, Drohungen, irgendwas?“, fragte der Deutschtürke ruhig. Konrad lachte. „Ich habe geschätzt eine Million Feinde, bleibt nun mal in meiner genau so wenig aus wie in ihrer Branche! Ich habe keine Ahnung, ich weiß nur das das Erpresser schreiben bei mir einging!“
    „Würden, beziehungsweise könnten sie die Million auftreiben?“
    „Sie haben doch nicht wirklich vor auf die Forderungen einzugehen?! Ich lasse mich nicht erpressen!“, er klang, als habe Semir den Verstand verloren.
    „Das war ja mal wieder klar! Es geht hier um das Leben meiner Tochter und du Arsch denkst nur an dein beschissenes, Verdammtes Geld!“ „Hier geht’s um Prinzip! Das wird sich herumsprechen und dann kann ich mich bald vor Erpresserbriefen nicht mehr retten, das musst du doch verstehen!“ „Ich verstehe dich schon lange nicht mehr...“, diese Ungeheure Wut, die Angst, dieses Gefühlschaos brachte es zum Überschäumen und seine Faust landete im Gesicht seines Vaters, dann lief er davon... einfach nur weg...


    Was wolln wir?
    Sprecht mir nach!
    F-E-E-D-S! :D

  • Und weil es so schön war versuchen wir´s doch gleich nochmal!
    F-E-E-D-S!!! :D
    Danke für die die gekommen sind! Ihr seid viel zu lieb zu uns... ;(
    Aber ihr dürft gerne weitermachen!!!
    Bald kommen wir dann auch in eine etwas spannendere Phase... :whistling:
    LG Alex!


    Kapitel 11!


    Eine furchtbare Wut kochte in Konrad hoch, als er sich wieder aufrappelte. Am liebsten hätte er Ben etwas nachgeschrien, doch die Situation, dass es überhaupt soweit gekommen war, ließ ihn verstummen. Er wusste nicht, was er ihm hätte sagen sollen. Irgendwie konnte er ihn ja auch verstehen, schließlich war er lange nicht so gefühllos wie Ben dachte. Aber es ging hier ums Prinzip. Das Risiko, dass es die Runde machte, dass er erpressbar war, war eindeutig zu hoch!
    Nachdem Semir sich versichert hatte, dass es Bens Vater einigermaßen gut ging, lief er schnellen Schrittes hinter seinem Partner her. Er hatte sich auf eine Bank direkt am See gesetzt und schaute erst gar nicht auf als er hörte, dass Semir immer näher kam. Ohne auch nur ein Wort zu sagen, setzte er sich neben ihn.
    Keiner sagte etwas, bis Ben schließlich zu schluchzen begann. Er drehte seinen Kopf zu Semir und sah diesen mit festem, fragenden Blick an. „Warum Semir? Warum?“ Doch im Grunde erwartete er gar keine Antwort, was hätte Semir auch antworten sollen? Einige Tränen bahnten sich ihren Weg über sein Gesicht. Seine standhafte Fassade, die er bis eben vor Vanessa gehalten hatte, bröckelte immer mehr ab, bis er schließlich bitterlich weinend sein Gesicht in seinen Händen vergrub.
    Semir zeriss es innerlich seinen besten Freund so zu sehen. Tröstend legte er einen Arm um seine Schulter, doch er sagte nichts, denn alles was er jetzt gesagt hätte, wäre wahrscheinlich doch nur falsch gewesen. Er wusste, dass Ben jetzt keine Ratschläge bräuchte, sondern einfach nur eine starke Hand, die ihn stützte. Und diese wollte er ihm genau jetzt geben! Alleine die Vorstellung, dass Aida entführt worden wäre oder jemals entführt werden würde ließ ihm einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Daran wollte er erst gar nicht denken! Aber er konnte sich vorstellen, dass es Ben jetzt schrecklich gehen musste! Und stumm stellte er sich die selbe Frage wie Ben und Vanessa es auch taten. Wann würden die drei endlich ein normales Leben führen können? Sie hatten beide schon so viel schreckliches durchmachen müssen, das musste doch irgendwann mal ein Ende haben, oder?!
    „Wir werden sie finden Ben…“ Der Angesprochene hob sein Gesicht aus seinen Händen hervor und nickte dann. Sein Blick war starr auf den ruhigen See gerichtet, alles schien ganz normal, so als wäre nicht geschehen. „Ja, das werden wir… Mit oder ohne der Hilfe von meinem Vater…“. Ein bitterer Unterton in seiner Stimme, ließ Semir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. So hatte er seinen Partner wirklich noch nie gehört. Mit einer solchen Rache und Übermut in der Stimme, die ihn noch mehr besorgt werden ließ als er es schon bereits war.
    Entschlossen stand Ben von der Bank auf, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und ging dann schließlich wieder in Richtung Gebäude, wo sein Vater immer noch wartete.
    Schnellen Schrittes und ohne jegliche Mimik ging er auf ihn zu. Seine Stimme klang nun wesentlich fester. „Hast du dir’s nochmal überlegt?“ Auffordernd schaute er ihn an, doch in diesem Moment merkte man, dass die beiden miteinander verwandt waren, beide waren furchtbare Sturköpfe, die beide nicht einfach so aufgaben. Konrad erwiderte den Blick. „Ich wüsste nicht, was es da zu überlegen gibt.“ Wieder baute sich eine enorme Wut in Ben auf und Semir machte sich Sorgen, dass sein Partner Konrad erneut niederschlagen würde. Doch Ben riss sich zusammen. „Glaub mir, dass wirst du dein Leben lang bereuen!“, doch seine Stimme blieb ruhig und genau das ließ es für Konrad so bedrohlich klingen. „Irgendwann wirst du mich verstehen…“ „Ich hab dich in meinem ganzen Leben lang noch nicht EIN einziges Mal verstanden!“ Damit verließ er den Raum und ging wieder zu seiner Frau, die immer noch völlig neben sich zu stehen schien…

  • Soo... seit gewarnt, jetzt kommt Schwung in die Sache! ;)


    Kapitel 12!


    „Warum sie... sie hat doch niemandem was getan...“, murmelte sie leise. Ihre Tränen waren versiegt, sie war sich überhaupt nicht mehr sicher ob sie noch Tränen hatte. „Nessy... ich weiß es doch auch nicht! Hör zu, hier können wir nichts mehr ausrichten... Semir und ich wollen zur Dienststelle, alle Feinde meines Vaters und unsere durchchecken... Ich dachte es wäre am besten wenn du erst mal mit zu Andrea fährst?“, schlug Ben leise vor. Er war vor ihr in die Hocke gegangen und hielt ihre Hände. „Ich will mit! Glaubst du ich sitze irgendwo tatenlos rum, während meiner Tochter sonst was passieren könnte?!“, fragte sie ungläubig. „Nessy... Du stehst völlig neben dir, vielleicht ruhst du dich erst mal ein paar Stunden aus und dann sehen wir weiter...“


    Ihre Stimme war unglaublich wütend, als sie ihn unterbrach. „Das kann nicht dein Ernst sein! Überlege doch bitte mal was du da von mir verlangst!“
    „Ich glaube einfach das es dir nicht gut tun würde so hautnah mit dabei zu sein und...“
    „Du bist wirklich das allerletzte! Ich sterbe vor Angst um Leo und was machst du?! Du machst dir Sorgen um meine Gesundheit! Hier geht es nicht um mich, sondern um das Leben unserer Tochter! Ist dir vielleicht mal in den Sinn gekommen das wir mit mehr Leuten viel mehr ausrichten können?! Ich kann nicht tatenlos rumsitzen und darauf warten das irgendwann die Nachricht kommt man habe ihre Leiche gefunden!“, ruckartig sprang sie auf, riss ihre Hände aus seinen, schlang sich die Arme um den Körper und drehte ihm den Rücken zu. „Nessy...“, setzte er erneut an.


    „Du kannst dir dein dämliches Nessy sparen! Leo war dir doch immer nur ein Klotz am Bein! Gib´s zu! Du bist froh das sie weg ist!!!“, jetzt war sie eindeutig zu weit gegangen! Vor Wut bebend richtete er sich auf, zwang sie ihn anzusehen und schrie nun zurück; seine sowieso schon zum zerreißen gespannten Nerven machten das nicht mehr mit; „Weißt du überhaupt noch was du da redest?! Ich liebe Leo über alles! Sie war mir nie lästig und falls du zu sehr in deinem Selbstmitleid versunken bist um es zu bemerken: Ich tue gerade alles in meiner Macht stehende um sie zu finden, ich kann nicht mehr! Ich sterbe vor Angst! Ich hab keine Lust mir auch noch von dir Vorwürfe machen zu lassen, kapiert?!“
    Sie riss sich wiederum von ihm los, eine Weile sahen sie sich in die Augen, doch nicht so wie sonst, jetzt schwelgte etwas anderes in der unsichtbaren Verbindung: Hass. Die beiden fühlten im Moment nur noch Hass und Wut füreinander, war das wirklich noch der Partner, den sie über alles liebten und für den sie ihr Leben gegeben hätten, nur damit es dem anderen gut ging?
    Langsam schüttelte sie den Kopf. „Ich werde nicht zulassen das ihr jemand weh tut. Wenn du mich nicht dabei haben willst, dann werde ich sie eben alleine suchen!“, mit dieser geflüsterten Drohung machte sie auf dem Absatz kehrt und lief zum Parkplatz. „Jetzt werd doch endlich vernünftig! Vanessa!“, schrie Ben ihr noch hinterher, doch nur wenige Sekunden später hörte er schon einen Wagen mit Höchstgeschwindigkeit davonrasen. Einige Augenpaare waren auf Ben gerichtet, viele der Gäste waren nach Hause gefahren, die Party war gekenzelt.
    Als Semir zu ihm kam murmelte Ben nur kurz etwas von einem Streit, dann zog er seinen Partner auch schon mit zum Wagen. Er konnte einfach nicht glauben das sie das gewesen war... Vor ihm hatte plötzlich eine völlig fremde Frau gestanden, eine Frau die er nicht kannte und die er niemals hatte kennen lernen wollen.


    Auch Vanessa schossen diese und unendlich viele Gedanken mehr durch den Kopf, als sie über die Autobahn fuhr. Was Ben da alles gesagt hatte, was sie gesagt hatte, was sie sich gegenseitig an den Kopf geworfen hatten, das war total dämlich gewesen! Sie sollten eigentlich zusammen halten, schließlich waren sie verheiratet und es ging um ihre gemeinsame Tochter... doch irgendwas schien sie plötzlich voneinander zu trennen. So sehr sie auch versuchte etwas zu finden... sie hatte in diesem Moment keine Gefühle mehr für diesen Mann. Für den Mann, der ihr das Leben gerettet hatte, mit dem sie schon so viel durchgemacht hatte, mit dem sie unweigerlich verbunden war, sowohl genetisch, als auch durch das Schicksal. Er war ein fremder geworden, ein Fremder, der er nie gewesen war. Leise schlich sich eine Träne aus ihrem Auge... jetzt musste sie nicht nur um Leos Leben bangen, sondern jetzt war auch noch ihre Ehe gescheitert.. nach so wenigen Stunden....

  • Leute, streicht euch diesen Tag rot im Kalender an!
    Ich habe vor Elvira gepostet! ich war die erste :D
    Tausend dank für eure Feeds! ;( *immer noch zu Tränen gerührt sei*
    Macht weiter so!!!
    LG Alex!!


    Kapitel 13!


    Besorgt blickte Semir immer wieder zu seinem Partner hinüber, der direkt neben ihm auf dem Beifahrersitz saß als sie auf dem Weg zur Dienststelle waren. Doch Ben bemerkte die Blicke nicht. Sein Blick war starr aus dem Fenster gerichtet und seine Gedanken bei Vanessa und Leo. Er verstand seine Frau plötzlich nicht mehr, warum gab sie ihm die Schuld für alles? Wie kam sie bloß auf den Gedanken, dass Leonie ihm ein Klotz am Bein sein könnte? Er liebte sie über alles! Aber liebte er auch Vanessa? Im Moment fand er wirklich keine Antwort auf diese Frage.
    „Ben?“ Semir sah, dass sein Partner völlig in Gedanken versunken war, doch als er ihn ansprach schaute er auf. „Ging’s um Leo?“ Direkt nachdem er die Frage gestellt hatte, ärgerte sich Semir auch schon wieder darüber. Natürlich ging es in dem Streit um die Kleine, aber ihm war nicht anderes eingefallen um auf das Thema zu sprechen zu kommen. Ben reagierte zum Erstaunen von Semir ruhig und nickte. Vielleicht tut es ja gut darüber zu reden, dachte er sich.
    „Ja… sie wollte unbedingt mit zur Dienststelle kommen, aber ich habe gemeint, dass das vielleicht keine gute Idee wäre im Moment…“ Semir nickte. „Und das hat sie wohl falsch verstanden, oder?“ „Ja… sie hat behauptet, dass ich ja wahrscheinlich froh darüber wäre, dass Leo weg sei, sie wäre mir ja eh nur ein Klotz am Bein.“, Semir erschrak über den Hass, der in Bens Stimme mitschwang. „Ben, Vanessa ist mit den Nerven am Ende, genau wie du! Da wirft man sich schon mal Sachen an den Kopf, die man eigentlich gar nicht so meinte!“ Doch Ben antwortete nicht. Sein Kopf drehte sich wieder in Richtung Fenster und die ganze Fahrt über blieb es still.


    Vanessa war unterdessen zu Hause angekommen. Auf der Straße wurde sie von allen Leuten kritisch beäugt, immerhin sah man nicht oft eine Braut, die völlig verweint und wütend in ihrem weißen Brautkleid über die Straße lief. Doch die Blicke waren ihr jetzt nun wirklich egal! Sie hatte ganz andere Probleme! Kaum hatte sie die Wohnung betreten, führten sie ihre Beine schnurstracks in Richtung Kinderzimmer. Sanft nahm sie den kleinen Stofflöwen, ohne den Leo nie einschlief, dicht an sich und sofort liefen ihr wieder bitterlich die Tränen das Gesicht hinunter.
    Als sie schließlich auf sah, schweifte ihr Blick umher und blieb wie selbstverständlich an dem Foto im Flur hängen. Darauf waren sie und Ben mit der Kleinen auf dem Arm zu sehen. Und plötzlich wurde ihr klar, was für einen Fehler sie da gerade eben begangen hatte. Wie konnte sie nur behaupten, Leo sei Ben ein Klotz am Bein? Als sie seine stolzen, strahlenden Augen auf dem Foto sah, wurde ihr unweigerlich klar, dass dies totaler Schwachsinn war. Ben liebte die Kleine. Und vor allem spürte sie, dass sie ihn liebte… Aber der Gedanke, dass sie ihn gerade eben noch gehasst hatte, machte ihr Angst…
    Wieder sah sie zu dem kleinen Löwen und nachdem sie einen Moment einfach nur so da gesessen hatte, stand sie entschlossen auf. Was tat sie eigentlich hier? Während ihr ein und alles bei wild fremden Leuten war, saß sie hier rum und blies Trübsal! Sie musste sich zusammen reißen! Ihr Weg führte sie zu ihrem Kleiderschrank und schnell zog sie sich um. Mit dem Brautkleid war sie viel zu unflexibel. Danach ging sie schnellen Schrittes wieder nach unten zu ihrem Auto und machte sich mit rasantem Tempo auf den Weg zur PAST… Sie mussten jetzt einfach Anhaltspunkte finden, wo Leo war. Und außerdem musste sie dringend mit Ben sprechen…

  • So... da mein Tag heute ziemlich... naja... sagen wir mal... bescheiden war ;) wünsch ich mir gaaaanz viele Feeds von euch, damit meine Laune mal wieder steigt!! :)


    Kapitel 14!


    Sie war schon zehn Minuten lang unterwegs, da trat sie auf die Bremse und wechselte die Fahrbahn. Ihr war eine Idee gekommen, wenn Ben und Semir Akten durchforsteten konnte es vielleicht gar nicht so schlecht sein mit Bens Vater zu sprechen. Sie wusste noch von früher wo sich das große Gebäude, der Hauptsitz befand, sie war einmal mit Ben von der Polizei dort hingebracht worden, weil sie dabei erwischt worden waren wie sie sich eines von Jäger Seniors Wagen “ausgeliehen“ hatten. Sie musste bei der Erinnerung lachen und gleichzeitig die Tränen zurück halten. Was wenn nun alles vorbei wäre? Was wenn die Entführer ihrer Tochter etwas antaten, würde Ben zurückkommen und ihr Verzeihen, oder waren sie am Ende?
    Sie sollte wirklich aufhören so zu denken, denn es machte sie kaputt...


    Emma hörte leises Weinen. Rasch stand sie vom Sofa auf und ging zur kleinen Leonie, die sie in den wenigen Stunden, die sie bei ihr war schon ins Herz geschlossen hatte. Sie war ein richtiger kleiner Schatz. Sanft nahm sie das Baby auf den Arm und wiegte sie hin und her. Sie wusste das sie sich nach der Vertrautheit von ihrem zu Hause und ihren Eltern sehnte, doch hier hatte sie es auch gut. Das redete sie sich immer wieder ein. Sie war noch so klein und hatte wahrscheinlich nur wenige Menschen an die sie gewöhnt war und diese vermisste sie jetzt natürlich.
    „Ist ja gut kleine Maus... Bald bist du wieder bei Mama und Papa, der Luca ruft den Papa an und dann wird alles wieder gut.... Alles wieder gut...“


    Die Hemdärmel waren aufgekrempelt, sein Jackett hing über dem Stuhl und er wühlte sich durch unzählige Dateien auf seinem Computer. Semir leistete ihm natürlich Gesellschaft, doch auch er schien nicht einen Schritt weitergekommen zu sein seit sie begonnen hatten.
    „Ben?“ er brummte nur. „Willst du nicht vielleicht nach Vanessa schauen?“, fragte er vorsichtig. „Semir, ich hab wirklich andere Probleme. Sie... sie kann schon auf sich selbst aufpassen.“
    „Was ist los? Sonst versinkst du in Sorgen um sie und jetzt?“
    „Sie... als sie mir an den Kopf geworfen das meine Tochter mir nur im Weg sei... Da ist irgendwas in mir zerbrochen... ich bin mir nicht mal mehr sicher ob ich sie überhaupt noch liebe...“ „Was redest du denn da?! Natürlich liebst du sie, du hast dein ganzes Leben lang auf sie gewartet!“ Ben schüttelte nur den Kopf, als sein Handy plötzlich klingelte. Unterdrückte Nummer!
    Er sah Semir an. Die beiden sprangen auf und Ben schloss das Handy an den schwarzen Kasten auf Susannes Schreibtisch an. Diese schaltete sofort und nickte, als die Verbindung stand. Es war totenstill, keiner traute sich einen Mucks zu machen.
    Ben holte noch einmal tief Luft und hob dann ab. „Ben Jäger?“


    „Ah, da habe ich ja Glück den Stolzen Vater persönlich sprechen zu dürfen.“, klang eine metallisch verzerrte Stimme aus dem Handy.
    „Wer sind Sie?! Was wollen Sie?! Bringen sie mir meine Tochter zurück!“
    „Ganz ruhig. Der Kleinen geht es gut... noch. Aber was Babys so alles passieren kann... Schrecklich. Hast du das Geld?“
    „Mein Vater zahlt nicht! Ich hab keine Million! Bringen Sie mir Leonie zurück und wir vergessen das ganze!“
    „Ich würde das Geld besorgen. Wie schnell fällt so ein Kind aus dem Fenster... nichts ungewöhnliches mehr heut zu tage... Plötzlicher Kindstot... Sie haben Zeit bis morgen früh, dann melde ich mich wieder.“
    Dann war die Leitung tot. Ben starrte nur vor sich hin, während um ihn herum Trubel ausbrach, das Gespräch war zu kurz gewesen...

  • Sooo....
    Tschentücher? Sandsäcke?
    Bitte alles bereitlegen, denn dann kann es jetzt weitergehen! ;)
    Ach und übrigens: *euch alle gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz fest Knuddel für die tollen Feeds!*
    Ihr seid so lieb....
    LG Alex!!!


    Kapitel 15!


    Vanessa hatte das Gebäude inzwischen erreicht. Wieder musste sie lächeln, als sie sich genau auf den Weg machte, den sie damals auch gegangen waren. Den Weg zum Chef, zu Jäger Senior, zu Bens Vater. Sie erinnerte sich noch genau daran, wie sie beide gezittert hatten vor Angst. Besonders Ben war extrem angespannt gewesen, wusste er doch wie temperamentvoll sein Vater war und das er so eine Sache nicht einfach so abhaken würde!
    Langsam schritt sie voran und nach kurzer Zeit stand sie vor der Sekretärin im Vorzimmer. Kritisch beäugte diese die Frau, die vor ihr stand. Verständlich, denn Vanessa sah furchtbar aus. Ihre Haare waren wild zerzaust und ihr Gesicht immer noch vollkommen verweint. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie direkt. Vanessa nickte. „Ich möchte gerne zu Herrn Jäger.“ Dabei nickte sie mit dem Kopf zur Tür. Gerade wollte sie sich auf den Weg machen, da stellte sich die Sekretärin ihr in den Weg. „Moment! Sie können da jetzt nicht herein! Herr Jäger ist im Augenblick für niemanden zu sprechen!“, sagte sie harsch.
    In Vanessas Kopf schienen sämtliche Sicherungen zu zerspringen. „Das interessiert mich gerade reichlich wenig!“, schrie sie die Frau an, die daraufhin völlig perplex Vanessa anschaute. „Ich verbitte mir diesen Ton!“, erwiderte sie, doch Vanessa ging gar nicht darauf ein. Sie schob die Frau einfach beiseite und stürmte in das Büro. Dort erblickte sie sofort Konrad, der nachdenklich vor dem Fenster stand. Sofort drehte er sich um als er bemerkte, dass jemand den Raum betreten hatte und erstarrte als er sie sah. „Vanessa…“ Die Angesprochene ging langsam auf den Mann zu und blieb dicht vor ihm stehen. Sie war immer noch vollkommen außer sich.
    „Warum tun Sie das? Ich weiß, Ben und Sie… sie verstehen sich nicht… aber… warum soll meine Kleine darunter leiden?“ Vanessa war selbst darüber erstaunt, wie ruhig ihre Stimme trotz allem geklungen hatte. „Es geht hier nicht um Ben und mich. Aber ich kann nicht bezahlen. Wenn ich jetzt zahle, dann spricht sich doch sofort rum, dass ich erpressbar bin!“ Das führte zu weit. Vanessa platzte der Kragen. „Es geht hier um ihre Enkeltochter!“, schrie sie ihn an. „Es ist Ihnen also lieber, dass mein Kind stirbt, als das die Möglichkeit besteht, dass Sie ihren Ruf verlieren?“ Konrad musste schlucken, doch er antwortete nicht.
    Vanessa schüttelte bloß den Kopf. „Oh Gott… wie kalt kann ein Mensch sein? Jetzt kann ich Ben wirklich verstehen…“, abwertend schaute sie Konrad an und verließ dann schnellen Schrittes wieder das Büro. Sie konnte den Anblick dieses Mannes nicht länger ertragen. Sie dachte immer, Ben würde übertreiben, aber dieser Mensch war wirklich so. Damals schien er sich vor ihr verstellt zu haben, doch sie hatte Ben nie wirklich glauben wollen, dass er das bei all seinen Freunden so gemacht hatte.
    Nur wenige Augenblicke später saß sie, nach einem kleinen Zusammenstoß mit einem Mann, etwa Anfang vierzig, bereits wieder in ihrem Auto und machte sich auf den Weg Richtung PAST. Sie hätte nicht gewusst, wo sie sonst hätte hinfahren sollen.
    Doch all das hatte Konrad scheinbar ins Grübeln gebracht. Nachdenklich schaute er Vanessa von seinem Fenster aus hinterher, wie sie mit einem rasanten Tempo vom Hof fuhr.


    Es dauerte nicht lange bis Vanessa die PAST erreicht hatte. Doch sie blieb einen Moment im Wagen sitzen. Sie hatte Angst vor der Begegnung mit Ben, mit ihrem Mann… Sollte sie womöglich wieder kehrt machen? Nein, wir müssen reden…, schoss es ihr sofort wieder durch den Kopf. Nachdem sie noch einmal tief durchgeatmet hatte, betrat sie das Gebäude.
    „Ben?“, sprach Semir seinen Partner an als er sah, wie eine völlig aufgewühlte Vanessa das Gebäude betrat. Ben schaute auf und musste schlucken, als er sie ebenfalls entdeckte.
    Sie bemerkte, dass er sie ansah, doch sie erwiderte den Blick nicht. Sie konnte nicht. Stattdessen schaute sie Semir in die Augen und blieb auch vor diesem stehen. Alle Augenpaare waren nun auf sie gerichtet. Semir nutzte die Chance, er wusste das Ben und Vanessa dringend miteinander reden mussten! Nachdem er Ben noch einmal eindringlich angeschaut hatte verließ er das Büro und schloss die Tür hinter sich.
    Vanessa ließ sich auf den Stuhl vor ihr sinken. Sie sah, dass es Ben genauso dreckig ging, wie ihr selbst. Langsam verschwanden ihre strengen Gesichtszüge. „Ben, ich…“ Sie wusste nicht, wie sie anfangen sollte. Ben schaute ihr nun tief und abwartend in die Augen. „Es tut mir leid, ich… ich hab das vorhin nicht so gemeint… es ist nur… ich war einfach…“, sofort brach sie wieder in Tränen aus. Als Ben das sah, schien sein Herz zu zerspringen. Endlich spürte er es wieder, die innige Liebe zu ihr. Langsam stand er auf und ging auf sie zu. „Ich weiß Nessy… ich weiß…“, flüsterte er beinahe. Und dann fiel einfach alles von ihnen beiden ab. Vollkommen erschöpft, voller Angst, Verzweiflung und Wut auf Konrad, ließen beide sich in die Arme des jeweils anderen fallen.
    Sie wussten nicht, wie lange sie dort eng umschlungen standen, doch die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Es tat einfach nur gut, den Schmerz mit dem anderen teilen zu können. Eins wurde ihnen klar, nur gemeinsam konnten sie Leonie wiederfinden. Sie mussten einfach...

  • Kapitel 16!


    Sie zitterte am ganzen Körper als sie die Umarmung wieder lösten, sanft drückte Ben sie auf den Stuhl und strich ihr die Haare aus dem Gesicht. „Eins musst du mir versprechen; keine Alleingänge. Wir finden sie zusammen und nur zusammen... Wenn dir... auch noch etwas zustoßen... ich würde das nicht überleben...“
    „Das gleiche gilt dann aber auch für dich!“ Sie nickten und nach einem kurzem, aber intensivem Kuss, waren sie entschlossener denn je.
    „Was habt ihr rausgefunden?“, fragte sie. Wie auf Kommando platzte Semir rein und erstattete Bericht: „Keinen wirklichen Anhaltspunkt. Leute die euch beiden was anhaben wollen könnten sitzen alle noch, sind tot oder irgendwie sonst aus dem Schneider. Wir sind an den Feinden von Senior dran, an seinem Umfeld, seinen Vertrauten... Das kann Stunden dauern!“
    „Was ist mit der Stimmenanalyse?“, Ben fuhr sich durch die Haare und dachte angestrengt nach. Auf Vanessas fragenden Blick hin sagte Semir leise: „Er hat sich gemeldet... Hartmut meint zu 80% männliche Stimme...“ Ben drehte sich zum Fenster um und bedeckte sein Gesicht mit seiner zitternden Hand... Er wollte verbergen das ihm Tränen in die Augen stiegen, als er sich an diese Worte erinnerte, die ihn mehr geschockt hatten als die von Vanessa.
    „Ihr habts doch aufgezeichnet, oder? Ich wills hören!“ „Nein!“, seine Augen suchten Semirs Blick. Er wollte nicht das sie hörte wie höhnisch diese Stimme gelacht hatte, als sie drohte ihrer Tochter etwas anzutun. Doch er wusste jetzt schon das sein schwacher Protest nichts bringen würde. „Hatten wir nicht gerade beschlossen das wir das zusammen machen?“, fragte sie und legte eine Hand an seine Wange. Er musste schlucken und nickte widerwillig...


    „Konrad, was um Himmels Willen ist denn passiert, du klangst ja ganz aufgelöst am Telefon!“, sein engster Vertrauter betrat das Büro und zog eine Unschuldsmiene, wie ein Lämmchen. „Meine Enkelin ist entführt worden, Luca! Mein Sohn hält mich für ein kaltherziges Arschloch, nicht das das etwas neues wäre, weil ich nicht zahle! Ich kann doch nicht zahlen! Wie schnell spricht sich herum das ich erpressbar bin und dann versuchen es die nächsten!“
    „Immer langsam! Deine Enkelin ist entführt worden? Wann? Wie? Warum?“
    „Auf Bens Hochzeit. Ich hab ein Erpresser Schreiben bekommen.“ „Aber kann Ben das Geld denn nicht auftreiben?“ „Er hat keine Million und bevor du fragst die Mutter auch nicht.“
    „Aber dann musst du zahlen!“ Konrads Gesichtszüge entglitten und er starrte ihn fassungslos an. „Aber das kann ich doch nicht machen... ich meine...“ „Konrad, hör zu. Deine Erpressbarkeit, das ist das eine, aber das andere, das ist Ben. Du kannst mir erzählen was du willst, egal wie sehr ihr euch zerstritten habt... Du liebst deinen Sohn. Mehr als alles andere, er ist der einzige aus deiner Familie den du noch hast. Er würde dir nie wieder unter die Augen treten, geschweige denn ein einziges Wort mit dir wechseln, wenn seiner Tochter etwas zustoßen würde... Ich fürchte du musst dich jetzt ein für alle mal entscheiden was dir wichtiger ist. Deine Firma... oder dein Sohn...“
    Konrad sah aus dem Fenster, tief in seine Gedanken versunken.
    Luca grinste hinterlistig, kaum zu glauben das ein Geschäftsmann mit jahrzehnte langer Erfahrung so einfach zu beeinflussen war. Aber wie sagte man doch so schön; hat man einmal das Vertrauen eines Menschen gewonnen, so muss man es sich nie wieder erkämpfen...


    Auch Ben sah aus dem Fenster während die Nacht hereinbrach. Heute hätte der schönste Tag seines Lebens werden sollen, aber er wurde zu einem seiner schlimmsten. Was hatten sie bloß getan das Vanessa und ihm das Unglück folgte, als habe man es ihnen mit Sekundenkleber angeklebt? Hinter sich wiederholte sich das Gespräch nun schon zum dritten mal und jedes mal war es wie ein Stich ins Herz. Sie wollte unbedingt einen Hinweis in dem Gespräch finden, konnte jedoch genau so gut versuchen die Nadel im Heuhaufen zu finden... es war genau so schmerzhaft und aussichtslos. Leise seufzend dachte er nach... über das was er über seinen Vater wusste, ob ihm irgendetwas einfiel, was wichtig sein könnte... alte Feinde... doch sein Kopf war wie leer gefegt.
    Erneut kam ein Seufzer über seine Lippen, doch er war nicht der einzige... Konrad hatte in dieser Sekunde eine Entscheidung gefällt...

  • Huch, da habt ihr ja heute noch gar nix bekommen! :whistling:
    Das wolln wir mal schnell nacholen! und die Feeds nicht vergessen!
    LG Alex!


    Kapitel 17!


    Die Nacht schritt immer weiter voran. Mitternacht war nun bereits durch und so langsam aber sicher, wusste keiner mehr richtig, was er noch tun sollte. Wie die Verrückten suchten die Drei, doch, so oft sie alles auch durchlasen und anschauten, es gab einfach keinen Anhaltspunkt. Auch von den Feinden Konrads gab es keinen, der ihnen besonders ins Auge fallen würde. Die meisten hatten zwar einen unheimlichen Hass auf Bens Vater, aber bis jetzt hatten sie keinen entdeckt, der in Geldnöten war, beziehungsweise die Firmen hatten solch hohe Schulden, dass sie mit „nur“ einer Million kaum etwas ausrichten konnten.
    „Das hier bringt doch alles nichts!“, damit knallte Ben die Akte, die er nun zum dritten Mal durchgelesen hatte, wieder auf den Tisch. Auch Vanessa schaute mit müden Augen auf und dann sofort wieder bedrückt zum Boden. „Wir müssen bezahlen, eine andere Möglichkeit haben wir nicht… dafür ist die Zeit zu knapp… Er wird sich in ein paar Stunden wieder melden…“, sagte sie leise. Ben schaute sie an. „Ich weiß… aber… wir haben das Geld doch nicht! Schon gar nicht in dieser kurzen Zeit…“
    „Was ist mit deinem Vater? Was, wenn du nochmal versuchst mit ihm zu reden?“, fragte Semir vorsichtig. Doch anstatt Ben antwortete Vanessa. „Das ist zwecklos… Ich war vorhin noch einmal bei ihm… Der zahlt nie im Leben…“, sagte sie kopfschüttelnd. Daraufhin ließ auch Ben seinen Kopf nach unten sinken.


    Luca betrat die Wohnung und sah seine Schwester auf der Couch sitzen. Schnell gab sie ihm ein Zeichen, dass er leise sein sollte und Luca verstand sofort. „Schläft die Kleine?“, flüsterte er. Emma nickte, „Ja… endlich… Luca… ich weiß wirklich nicht ob das alles richtig ist, was wir hier machen. Warum soll die Kleine für alles bestraft werden? Man merkt ihr richtig an, dass sie wieder zu ihren Eltern will, auch wenn sie das alles hier ja noch nicht versteht…“ Luca gesellte sich neben sie. „Emma… ich weiß das ist nicht einfach, aber… hier geht es um Daniel, das weißt du doch. Der Kleinen wird doch auch nichts passieren, bald wird sie wieder bei ihren Eltern sein und wir haben unser Geld.“, lächelte er sie an. „Aber was, wenn Jäger nicht bezahlt? Vorhin am Telefon hat sein Sohn doch so etwas angedeutet…“ „Jetzt mach dir doch nicht immer so viele Sorgen! Ich habe Konrad gerade ziemlich bequatscht und ich glaube, er hat sich entschieden. Keine Sorge, er wird schon zahlen!“ Emma nickte und lehnte sich sanft gegen ihren Bruder. Sie spürte, dass das alles nicht so ablaufen würde, wie geplant. Irgendetwas würde schief laufen, da war sie sich sicher…


    Langsam stieg Konrad aus dem Wagen aus, den metallenen Koffer fest in der Hand haltend. Ob die beiden überhaupt noch in der Dienststelle waren? Es war schließlich schon sehr spät! Verzweifelt versuchte er sich eine Ausrede einfallen zu lassen. Eine Ausrede für sein eigenes Gewissen, das er jetzt einfach wieder kehrt machen könnte. Doch schnell vergaß er den Gedanken wieder. Er hatte sich entschieden, jetzt würde er es auch durchziehen! Langsam ging er auf das Gebäude zu.
    Semirs Augen weiteten sich, als er sah, wer da in der Tür stand! „Ben?“ Der Angesprochene blickte auf und auch seine Kinnlade fiel herunter als er sah, dass sein Vater gekommen war. Doch er fasste sich schnell wieder. Wer weiß, vielleicht war sein Vater ja auch nur wieder gekommen um ihm Vorwürfe zu machen.
    Erst als er den Koffer sah, verschwanden auch die letzten Zweifel. Doch er kannte seinen Vater, er wollte dem Braten nicht so recht trauen. „Warum? Vorhin hast du doch noch…“ Doch Konrad fiel ihm ins Wort. „Das war dumm… Natürlich bekommt ihr das Geld…“ Ben bemerkte als einziger, wie schwer seinem Vater das fiel und am liebsten hätte er ihn sofort wütend darauf angesprochen, doch er entschied sich dagegen. Sie brauchten das Geld und jetzt hatten sie es. Auch Vanessa war vollkommen erstaunt. Vorhin war er noch so hart und kalt gewesen und jetzt hatte er seine Meinung doch geändert. War ihr Auftritt bei ihm also doch nicht ganz umsonst gewesen? Endlich hatten sie einen Hoffnungsschimmer…

  • Der Samstagsabendhappen! ;) Feeds!


    Kapitel 18!


    Das Geld war überprüft und sehr unauffällig mit einem Peilsender versehen. Bis der gefunden war, saßen sie schon hinter Gittern. Der perplexe Konrad war mehrmals von einer überwältigten Vanessa in den Arm genommen worden, Ben jedoch schien nicht so begeistert wie seine Frau. Er traute seinem Vater immer noch nicht recht über den Weg, das war einfach nicht er, wahrscheinlich wollte er irgendetwas als Gegenleistung dafür.
    Als schließlich alles vorbereitet und erledigt war, war es kurz nach halb vier.
    „Wir sollten alle noch ein bisschen schlafen...“, meinte Semir müde. Alle nickten zustimmend. Konrad erhob sich, er war die ganze Zeit da geblieben und hatte sie einfach nur beobachtet, „Kann ich noch irgendwas tun?“, fragte er. „Nein... Herr Jäger, sie haben schon genug für uns getan... Das sie das Geld doch... das werde ich ihnen niemals vergessen.“, dankte Vanessa ihm mit weicher Stimme. „Bitte, einfach Konrad. Du bist ja jetzt schließlich meine Schwiegertochter. Aber haben wir uns nicht auch schon früher mal getroffen?“, er versuchte Freundschaft mit ihr zu schließen, vielleicht konnten Ben und er sich auch endlich einmal aussprechen. Sie schaffte es ein wenig zu lächeln, „Allerdings... die klein freche Göre, mit den ellenlangen Locken und dem viel zu großen Mundwerk. Ich hab Ben dazu angestiftet zur Polizei zu gehen und mit ihm eine kleine Spritztour in ihrem Wagen unternommen, als wir siebzehn waren... Die Streifenpolizisten haben uns schnurstracks in ihr Büro gebracht...“
    „Ich erinnere mich... Vanessa Höffer, nicht war?“, sie nickte, doch bevor sie weiter reden konnten hatte Ben ihr eine Hand auf ihre Schulter gelegt und sah seinen Vater aus unergründlichen Augen an, was er fühlte, das versteckte er unter einer perfekten Maske. „Wir sind dir wirklich sehr dankbar, aber du kannst hier nichts mehr tun. Wenn du etwas neues erfährst melde dich bitte. Doch ich glaube nicht das du noch mehr da hineingezogen wirst.“ Er nickte, „Würdet ihr mir Bescheid geben?“ Sie nickten, „Ich hätte da auch noch eine Bitte...“, sofort begann in Ben alles zu brodeln, er hatte es gewusst, doch was er wollte, damit hätte er nicht gerechnet, „Ich würde meine Enkelin gerne sehen.“
    „Natürlich, nichts lieber als das!“, stimmte Vanessa sofort zu, Konrad war nicht dieses eiskalte Wesen, was er immer vorgab zu sein. Mit einem dankbaren Nicken ging er und auch Semir verabschiedete sich, er wollte die wenigen Stunden bei Familie verbringen.
    Ben und Vanessa nahmen mit dem alten Sofa im Aufenthaltsraum vorlieb, sie wollten sofort zur Stelle sein, falls etwas geschehen sollte. Doch obwohl sie noch so müde waren und es, unter einer Wolldecke eng aneinander gekuschelt, sehr warm und gemütlich war konnten sie einfach nicht schlafen.
    „Ihr geht’s doch gut, oder?“, Nessys Stimme war kaum ein Hauch. Ben seufzte leise, sein Gesicht tauchte aus ihrem Haar auf und er drückte seine Lippen fest auf ihre. Dann zog er das Bild, das die Entführer mitgeschickt hatten, aus seiner Tasche und zeigte es ihr. Zu seiner Überraschung weinte sie nicht. Sie hatte in den letzten Stunden keine einzige Träne vergossen, offenbar waren sie versiegt. Sanft fuhr sie mit dem Finger über die Fotografie, dann steckte sie sie schnell ein und schmiegte sich noch näher an Ben. Fast schien es als könnten sie durch die Nähe zueinander, spüren das Leonie wohl auf war...


    Ben wachte um halb sieben auf. Sie waren doch noch eingeschlafen. Er hielt seine Frau immer noch fest im Arm und würde sie auch nicht loslassen, so lange sie schlief. Vorwürfe machen war untertrieben; er gab sich die volle Schuld an der Situation. Er hätte Leonie niemals aus den Augen lassen dürfen, Nessys anschließende Vorwürfe niemals ernst nehmen dürfen, sie war in diesem Moment einfach nicht sie selbst gewesen und das hätte er erkennen müssen. Auch wenn sie sich versöhnt hatten, diese leere, diese Überzeugung sie nicht zu lieben, die da gewesen war machte ihn fertig. Was wenn die Entführer die Chance genutzt und ihm auch noch seine Frau genommen hätten? Schon allein das die Möglichkeit bestanden hatte würde er sich nie verzeihen, er hatte sie schon viel zu oft in Gefahr gebracht; das sie ihn dennoch geheiratet hatte und bei ihm geblieben war, ihn liebte, das hatte er nicht verdient.
    Doch ihm blieb keine Zeit mehr seinen trüben Gedanken nach zuhängen, denn Semir kam mit den Bechern Kaffee herein und Vanessa wachte auf. Jetzt hieß es schon wieder warten, bis das Telefon klingelte...

  • An einem Sonntag Morgen nicht mehr einschlafen können ist einfach :thumbdown:
    Aber dafür gibts für euch jetzt schon einen neuen Teil!
    Danke für die tollen Feeds!
    Einfach weiter so, ja?! :rolleyes:
    LG Alex! ^^


    Kapitel 19!


    Die Warterei machte sie alle drei fertig. Minute um Minute, Stunde um Stunde verging, doch kein erlösendes Klingeln. Es war bereits kurz vor neun Uhr als Vanessa das aussprach, was alle die ganze Zeit dachten. „Warum meldet sich niemand? Er hat doch gesagt, er würde sich morgens melden…“, ihrer Stimme war die gesamte Anspannung und Angst anzuhören, welche ihren Körper beherrschte. „Es ist erst neun Uhr… Er wird sich schon noch melden, da bin ich mir sicher.“, aufmunternd schaute Semir Vanessa in die Augen. Ben hatte währenddessen abgelenkt aus dem Fenster geschaut und hing seinen Gedanken nach. Konnten sie sich wirklich sicher sein, dass er sich wieder melden würde? Sie hatten keine Ahnung, mit wem sie es zu tun hatten. Was, wenn sich der Entführer um entschieden hatte? Was, wenn ihm alles zu riskant wurde und gar keine Übergabe mehr wollte? Er konnte Leonie genauso gut illegal „verkaufen“. Es gab schließlich genügend verzweifelte Familien, die kinderlos waren und dieses miese Spielchen mitspielten. Wenn der Entführer an die richtigen Leute geriet, bezahlten diese womöglich sogar mehr als eine Million für seine Tochter.
    „Ben?“ Vanessa hatte bemerkt, dass er in seinen Gedanken wohl gerade den Teufel an die Wand malte. „Semir hat Recht, er wird sich melden!“ Ben nickte und versuchte ein kleines Lächeln zu Stande zu bringen. Mit seiner Hand strich er durch ihr lockiges Haar und daraufhin lehnte sie ihren Kopf an seine starke Schulter.
    Sie verloren vollkommen das Zeitgefühl als sie dort so saßen. Sekunden schienen sich wie Kaugummi zu ziehen und etwa alle zwei Minute schaute einer der drei auf die Uhr um dann enttäuscht festzustellen, dass fast keine Zeit vergangen war. Der Gedanke, nichts weiter tun zu können außer zu warten, machte sie alle fast wahnsinnig.


    Emma war gerade damit beschäftigt Leonie zu füttern als Luca nach seinem Handy griff. „Dann wollen wir´s mal hinter uns bringen…“, diese Aktion ließ selbst ihn nicht ganz kalt. Doch er tat das alles hier nur für seine Schwester, schließlich riskierte er viel, doch sie war es ihm wert. Sie hatte ihm schon oft im Leben geholfen, jetzt war er an der Reihe. Mit schnellen Fingern wählte er die Nummer und schon kurze Zeit später ertönte ein leises Tuten am anderen Ende der Leitung.


    Alle drei schraken auf als Bens Handy plötzlich klingelte. Kurz wurde gecheckt, ob mit der Fangschaltung auch alles stimmte und nach einem kurzen Nicken hob Ben aufgeregt ab. „Ja?“ Sein Puls raste förmlich. „Haben Sie das Geld?“, fragte wieder eine verzerrte Stimme. Ben bejahte. „Gute Entscheidung. Um 10 Uhr an der alten Schiffsreederei am Rheinufer. Sie kommen allein, keine Tricks, sonst ist die Kleine tot.“ Diese Kühlheit in der Stimme machte Ben verrückt, doch er musste jetzt ruhig bleiben. „Was ist mit Leonie?“ „Keine Sorge, sie ist putzmunter. Und wenn Sie sich an die Vereinbarung halten, wird das auch so bleiben, ansonsten…“ Bevor Ben völlig geschockt etwas erwidern konnte, war nur noch das Tuten zu hören, was ihm signalisierte das der Entführer aufgelegt hatte. Langsam ließ er sein Handy von seinem Ohr sinken. Und der Blick zu Hartmut heiterte ihn auch nicht gerade auf. Sein Kopfschütteln ließ darauf schließen, dass das Gespräch für eine Ortung wieder zu kurz gewesen war. Aber er hoffte einfach nur darauf, dass bei der Übergabe alles glatt laufen würde und Vanessa und er in knapp einer Stunde ihre Tochter wieder im Arm halten durften.
    Nach dem Anruf herrschte reges Treiben in der Dienststelle. Alle schienen damit beschäftigt die Übernahme zu planen. So standen Ben und Vanessa alleine im Büro dicht nebeneinander. Aufmunternd schaute er sie an. „Gleich ist alles vorbei und Leonie ist wieder bei uns.“, lächelte er leicht. Und auch Vanessa nickte. „Weißt du… wenn wir das alles hier hinter uns haben, dann holen wir das alles nach, ja? Die Hochzeitsfeier und überhaupt…“ Ben nickte, doch Vanessa sah, dass ihn bei diesem Thema etwas beschäftigte. „Oder… willst du keine zweite Feier mehr?“ Ben schaute auf den Boden. „Nessy… ich… ich liebe dich über alles in der Welt, aber…“ „Was aber?“ Vanessa verstand nicht. „Mir ist seit gestern klar geworden, dass ich dich, seit wir zusammen sind, von einer gefährlichen Situation in die nächste bringe. Und überhaupt, als du gesagt hast, Leo wäre mir ein Klotz am Bein, da habe ich wirklich daran gezweifelt, ob ich dich liebe und das hätte einfach nicht sein dürfen, verstehst du? Ich hätte sofort begreifen müssen, dass du das nicht so gemeint hast… Ich hab dich einfach nicht verdient…“ , sein Blick war immer noch auf den Boden gerichtet während Vanessa mit offenem Mund vor ihm stand.
    „Aber… Ben… was redest du denn da? Wir haben doch bis jetzt alle Schwierigkeiten gemeistert! Und das hier… das war eine Ausnahmesituation. Ich wäre genauso sauer gewesen, wenn du das zu mir gesagt hättest. Und das tut mir wahnsinnig Leid, dass ich das gesagt habe, aber weißt du… genau deshalb liebe ich dich! Weil du mir das verziehen hast! Außerdem hast du mir jetzt schon mehrere Male das Leben gerettet! Wenn, dann bin ich ja wohl diejenige, die dich nicht verdient hat! Oder willst du damit sagen, dass… dass du mich nicht genug liebst?“
    Da schaute Ben auf. Er war gerührt von dem was sie gesagt hatte. Sie musste ihn wirklich lieben! „Nein! Nessy, ich liebe dich und unsere kleine mehr alles in dieser Welt! Aber ich will nicht, dass ich eines Tages dich verliere, weil du wegen mir und meinem Job in Gefahr gebracht wurdest…“
    Vanessa lächelte leicht, „Ach Ben… ich bin doch selbst Polizistin. Es besteht genauso die Möglichkeit, dass du wegen mir in Gefahr gerätst. Davor habe ich genauso große Angst wie du! Aber ich liebe dich und ich will dich nie mehr verlieren!“ „Wirklich?“ Vanessa nickte bloß und beide fielen sich in die Arme. Sie waren froh darüber, endlich den Stein, der zwischen ihrer Beziehung gestanden hatte, zur Seite geschoben zu haben.
    Da platzte Semir in den Raum. „Ben? Es geht los…“…

  • Ich hatte das dringende Bedürfniss weiter zu machen...
    Sorry, Juli!
    Na dann... :D
    LG...


    Kapitel 20!


    Vanessa hatte es sich nicht nehmen lassen Ben, zusammen mit Semir, zu verfolgen. Ben stand jetzt seit etwa fünf Minuten auf einem gepflastertem Steinplatz und sah sich aufmerksam um. Semir neben ihr trommelte nervös mit den Fingern auf dem Lenkrad herum, einfach nur zusehen zu müssen fiel ihm genau so schwer wie ihr.
    „Nessy...“, es war das aller erste mal das er sie so nannte und da wusste sie das er etwas vor hatte. „Was ist los?“, fragte sie misstrauisch ohne Ben aus den Augen zu lassen, was jedoch recht schwierig war, da sie nur einen kleinen Teil des Platzes auf dem er herumlief sehen konnte. „Ich würde gerne ein bisschen näher ran gehen... nur zur Sicherheit... Ich könnte viel schneller eingreifen, falls was schief geht...“, er biss sich auf die Lippe. „Vielleicht gar keine schlechte Idee... solang du dich versteckt hälst...“, er war erstaunt über ihre Worte, nickte jedoch. „Du rührst dich aber nicht vom Fleck, verstanden?“
    „Ist ja gut! Ich kann schon auf mich aufpassen... pass du lieber auf das ihm nichts passiert und das er keine Dummheiten macht...“
    „Keine Angst, bald seid ihr wieder alle zusammen und habt das hier schnell vergessen.“, sie nickte nur abwesend, während Semir seine Waffe zog und sich eine geeignete Position suchte.
    Alle wurden noch unruhiger... Ben schüttelte ständig seine Beine und spielte an seinem Ehering herum. Semir drehte seine Waffe zwischen den Händen und Nessy knabberte an ihrem Daumennagel. Die anderen die sich versteckt hielten waren nicht zu sehen... was natürlich Sinn der Aktion war, auch wenn Vanessa es beruhigt hätte zu sehen das sie nicht allein waren. Warum konnten die Gangster nicht einmal pünktlich sein?! Fuhr es durch ihre Gedanken.


    „Warum können diese Bullen nicht einmal hören?!“, fauchte Luca wütend. „Was machen wir jetzt?“, wollte Emma leise wissen um Leonie nicht zu wecken. „Wir können das nicht so wie geplant durchziehen. Man, wir hätten es wissen müssen! Aber die Suppe haben sie sich selbst eingebrockt...“, er dachte angestrengt nach, dann erhob er sich, sagte zu seiner Schwester sie solle hier warten und verschwand...


    Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und sie spürte kaltes Metall an ihrer Schläfe. Vanessas Herz schien stehen zu blieben. „Ganz ruhig süße. Du wirst ganz still sein, dann passiert dir, deinem Mann und deiner Tochter nichts. Aussteigen und keine Mätzchen, klar?“
    Sie begann zu zittern, nickte jedoch und folgte den Anweisungen. Sie konnte einen kurzen Blick auf die schwarze Skimaske erhaschen, dann drehte er sie brutal um, sie spürte wie er ihr Klebeband über den Mund klebte und auch ihre Hände auf dem Rücken damit verschnürte.

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