Die Erinnerung wird bleiben ...

  • Dies ist meine erste FanFiction über 'Alarm für Cobra 11'! Ich habe schon FF´s geschrieben, aber eben noch nicht über AfC11.


    Die Story spielt kurz nach Ende der Folge 'Schattenmänner', ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie Ben die Tage nach Saskias Tod verbracht haben mag. Dementsprechend ist auch nicht wirklich Action dabei, aber ich hoffe, dass sie euch zumindest ein bisschen gefallen wird. So und nun genug gelabert und viel Spaß mit meiner Story!





    Die Erinnerung wird bleiben...


    Bevor Ben in seinen Wagen stieg, warf er noch einen Blick auf den Punkt, wo noch vor wenigen Minuten der Mann, der den Mord an seiner Freundin in Auftrag gegeben, gestanden hatte. Im Hintergrund hörte er, wie Hauptkommissar Bohm immer noch zum besten gab, wie er den Herrn Regierungspräsidenten überwältigt hatte. Am liebsten hätte er ihm noch eine auf die Nase gegeben, allein für die Selbstüberschätzung, die Bohm an den Tag legte. Doch im Grunde war es Ben jetzt nicht wichtig, was da gerade hinter ihm ablief. Er konnte es noch immer nicht begreifen. Letztendlich hatte sie mit alle dem nichts zu tun gehabt, abgesehen von der Tatsache, dass sie als leitende Staatsanwältin für den Mordfall Nicole Töpfer zuständig gewesen war. Und jetzt... jetzt war auch sie tot. Ben saß in seinem Wagen und stütze den Kopf aufs Lenkrad, er hatte Semirs Blick auf ihn vor Augen. Diesen Blick voller Mitleid, er versuchte ihn aus seinen Gedanken zu verdrängen. Mitleid war das letzte was er jetzt wollte, denn das erinnerte ihn nur noch mehr an das was geschehen war, was er verloren hatte. Er trat aufs Gas und fuhr los.



    Inzwischen war Semir zu Hause angekommen. Als Andrea aus der Küche trat um ihn freudig zu begrüßen, blieb sie abrupt stehen und sah ihn an. „Semir... was ist los?“, sie konnte ihm ansehen, dass etwas nicht stimmte, doch Semir schüttelte nur den Kopf und setzte sich auf die Wohnzimmercouch. Im Türrahmen stehen bleibend, sah Andrea ihn stirnrunzelnd und mit fragendem Blick an, wie Semir feststellte, als er hochsah. „Bens Freundin ist heute Nacht ermordet worden.“, sagte er schließlich und Andrea hielt sich erschrocken eine Hand vor den Mund, „Was sagst du da?“ „Ich habe dir doch von der jungen Staatsanwältin erzählt, von der Ben offenbar sehr angetan gewesen war, gestern als wir am Rheinufer die Leiche von Nicole Töpfer gefunden haben.“ Andrea nickte nur, setzte sich neben ihren Mann auf die Couch und Semir erzählte weiter, „Heute morgen bekamen wir einen Anruf, dass sie ermordet worden wäre, also bin ich mit Ben zur Wohnung und da hat sich dann herausgestellt, dass die beiden schon seit längerem ein Paar waren.“ Stillschweigend hatte Andrea der Erzählung Semirs gelauscht, „Habt ihr schon was darüber gefunden, wer sie ermordet hat?“ „Ein gewisser Roland Scholz, er ist aber bei einer Verfolgungsjagd auf der Autobahn ums Leben gekommen. Sein Auftraggeber allerdings war Regierungspräsident Neumann.“ „WAS?“ „Ja, aber wieso und weshalb, dass erzähle ich dir vielleicht morgen.“, Semir ließ seinen Kopf an Andreas Schulter sinken. „Wo ist Ben jetzt?“, fragte Andrea ihn, während sie ihm gedankenverloren mit der Hand über seine kurz geschorenen Haare strich, „Als ich nach Hause gefahren bin, war er noch am Haus vom Regierungspräsidenten, er wollte allein sein. Ich gehe davon aus, dass er jetzt zu Hause ist.“



    Mittlerweile war Ben, wie Semir richtig vermutet hatte, zu Hause angekommen und schloss die Tür zu seiner Wohnung auf. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, lehnte er seinen Kopf an dieselbige und schloss die Augen. Er war erschöpft, ging ins Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch fallen. Er sah sich in der Wohnung um, auf der Küchenanrichte stand noch immer das Weinglas mit ihrem Lippenstiftabdruck, aus welchem Saskia bei ihrem letzten Besuch getrunken hatte. Mit einem Mal ergriff ihn ein beklemmendes Gefühl in seiner Brust. Er bekam kaum noch Luft und hatte das Gefühl die Wände kämen auf ihn zu. Er stand von der Couch auf, fegte das Glas von der Anrichte, sodass es in hunderte kleiner Splitter zerbrach, griff nach seiner Jacke und verließ fluchtartig wieder seine Wohnung. Er hielt es dort allein nicht aus. Als er wieder in seinem Auto saß, konnte er wieder einigermaßen ruhig durchatmen. Ben sah hoch zu seiner Wohnung und überlegte, was er jetzt tun sollte. Seine Hände krallten sich ins Lenkrad. Wut kam im ihm hoch, Wut über Saskias Tod, Wut auf sich selbst, dass er diesen nicht hatte verhindern können. Und dann wusste er, wo er hin wollte. Er fuhr zu Saskias Wohnung. Als er dort ankam und vor ihrer Haustür stand, zögerte er einen Moment, bevor er das Polizeisiegel entfernte und die Tür aufdrückte. Er betrat das Wohnzimmer und sah auf die Stelle, an der am Morgen noch Saskias Leiche gelegen hatte. Tränen stiegen ihm in die Augen. Langsam ging er auf das Lager aus Kissen zu, wo er mit ihr gestern Abend noch glücklich gewesen war, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie von ihm hatte hören wollen, dass er sie ebenfalls liebte. Jetzt fragte er sich, warum. Er hatte sie geliebt, warum hatte er es ihr nicht einfach gesagt? Ben legte sich in die Kissen und strich sanft über eines der Kissen, auf denen Saskia gelegen hatte, es roch noch immer nach ihrem Parfüm. Nur kurze Zeit später war er eingeschlafen. Doch er fand keinen ruhigen Schlaf, immer wieder sah er Saskias Leiche im Traum vor sich liegend und hörte wie Hauptkommissar Bohm, oder wie er sich ganz offenbar auch gern selbst nannte Hauptkommissar Berta Otto Heinrich Martha, aufzählte wie seiner Meinung nach die Stunden vor ihrem Tod abgelaufen waren. Und trotzdem schlief er, mit Tränen in den Augen, weiter.

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  • Für euer liebes Feedback sollt ihr belohnt werden und ich gebe direkt einen Nachschlag, viel Spaß beim lesen...



    Als Semir am nächsten Morgen um halb zehn seinen Wagen vor Bens Wohnung parkte, wunderte er sich, dass Bens Wagen nicht auf dem gewohnten Parkplatz stand. Er ging zur Wohnung hoch und klingelte, doch Ben machte natürlich nicht auf, schließlich war er gar nicht da. Er holte sein Handy raus und wählte Bens Nummer, doch es meldete sich nur die Mailbox. Semir machte sich Sorgen, aber er hoffte, dass Ben nur ein wenig allein sein wollte und deshalb durch die Gegend fuhr. Kurze Zeit später kam er in der PAST an und ging an Susanne vorbei in sein Büro. Auch hier war Ben noch nicht angekommen, daher fühlte Semir sich in seiner Annahme bestätigt, dass Ben wirklich nur allein sein wollte. Er schaltete seinen PC an und machte sich daran, den Bericht zum Mordfall Nicole Töpfer, Saskia Ehrbach und Henrik Niehaus zu schreiben, als Anna Engelhardt das Büro betrat. „Guten Morgen Semir. Haben Sie heute schon mit Ben gesprochen?“ „Morgen Chefin.“, Semir sah von seinem Bildschirm auf, „Nein, ich war zwar heute Morgen bei seiner Wohnung, aber weder Ben, noch vorm Haus sein Auto waren da und sein Handy ist ausgestellt, es meldet sich jedes Mal nur die Mailbox.“ Anna sah Semir an, „Glauben Sie er packt das?“ „Ich hoffe es sehr. Wenn ich nur wüsste wo er steckt.“ „Haben Sie Susanne mal Herrn Jägers Handy orten lassen, vielleicht kann sie ja rauskriegen, wo es zuletzt eingeschalten war.“ Susanne hatte vom Nebenzimmer aus mitbekommen, worüber Semir und die Chefin gesprochen hatten und war schon mit der Ortung von Bens Handy beschäftigt und nur ein paar Sekunden später klopfte sie an Semirs Bürotür, „Semir, ich habe Bens Handy orten können, beziehungsweise konnte ich die letzte Ortung nachsehen. Und die war gestern Nacht um 0 Uhr 33 in der Seichtenburger Straße 15.“ Semir sah Susanne an, „Das ist doch die Adresse von Saskia Ehrbach.“ Er nahm seine Jacke vom Stuhl und ging zu seinem Wagen, „Ich fahre dort mal hin, vielleicht ist er ja noch da.“


    Mit besorgtem Blick fuhr Semir zu Saskia Ehrbachs Wohnung. Was hatte Ben dort nur gewollt, wieso tat er sich das an? Als er dort ankam, sah er Bens Auto in der Einfahrt stehen, er stieg aus und ging zur Haustür. Dort sah er, dass das Polizeisiegel von der Tür entfernt worden war. Leise betrat er die Wohnung und als er das Wohnzimmer betrat, sah er Ben dort schlafend auf dem Boden liegend. Vorsichtig trat er an ihn heran, ging neben ihm in die Knie und berührte seine Schulter. Daraufhin wurde Ben wach. „Was machst du denn hier?“, wurde er von Semir gefragt, doch Ben schüttelte nur den Kopf, aber Semir gab so leicht nicht auf, „Ben, du solltest nicht hier sein, dass ist nicht gut für dich.“ „Ich habe es zu Hause nicht ausgehalten, ich wollte Saskia noch einmal nah sein. Verdammt Semir, ich hätte ihr nur sagen müssen, was ich für sie empfinde, dann hätte sie mich nicht aus ihrer Wohnung geschmissen, dann wäre sie noch am leben.“ „Ben..., Neumann hat den Mord an Saskia Ehrbach in Auftrag gegeben und er wollte, dass er ausgeführt wird, egal wann, wo oder wie. Wahrscheinlich wäre Saskia dann an einem anderen Tag oder Ort umgebracht worden. Du hättest es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verhindern können. Hör auf dir die Schuld zu geben Ben, das bringt doch nichts.“, sagte Semir, doch Ben schüttelte lediglich den Kopf. „Soll ich dich nach Hause fahren?“ „Nein, danke, ich will nicht nach Hause. Ich fahre jetzt zur PAST.“, Ben stand auf und ging in Richtung Haustür, doch Semir versuchte ihn aufzuhalten, „Ben, du brauchst nicht zur PAST fahren, die Chefin versteht es, wenn du dir ein paar Tage Auszeit nehmen willst.“ „Ich will aber keine Auszeit nehmen, alles was ich will ist arbeiten. Arbeiten bis ich umfalle, verstehst du? Vielleicht bekomme ich dann ja das Bild von Saskia aus dem Kopf.“, fügte er leise hinzu, drehte sich um und ging zu seinem Auto, während Semir ihm schweigend nachsah.


    In der PAST wartete Anna darauf, dass Semir anrief und ihr Bescheid gab, ob er Ben gefunden hatte, als ihr Telefon klingelte, sie nahm ab, „Chefin? Semir hier. Ben war in der Wohnung von Frau Ehrbach.“ „Haben Sie ihn nach Hause geschickt?“ „Habe ich. Aber Chefin er ist auf dem Weg zur PAST! Er will keine Auszeit nehmen, er sagt, dass er arbeiten will und nichts anderes.“ „Okay, Semir. Kommen Sie auch wieder hier her, vielleicht können wir ihn ja gemeinsam davon überzeugen, dass ihm eine Auszeit gut tun würde.“ „Alles klar Chefin!“, sagte Semir noch und legte dann auf.

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  • Inzwischen war Ben in der PAST angekommen und ging in sein Büro. Die Blicke seiner Kollegen verfolgten ihn, auf dem Weg dorthin, insbesondere die besorgten Blicke von Susanne, Hotte und Dieter. Ben schloss die Bürotür hinter sich und machte die Jalousien zu, damit er die Blicke nicht sehen musste. Ihm war bewusst, dass sie alle es nur gut meinten, aber er ertrug es einfach nicht, das Mitleid in ihren Augen sehen zu müssen, es erinnerte ihn nur noch mehr an alles was in den vergangenen 32 Stunden geschehen war. Als er seine Jacke über seinen Bürostuhl schmiss, fiel diese daneben. Als er sie aufhob, entdeckte er, dass ihm ein Bild aus der Jackentasche gefallen war. Er hob es ebenfalls auf und sah es an. Es war das letzte gemeinsame Bild von ihm und Saskia, dass was Saskia auch als Hintergrundbild auf ihrem Laptop gehabt hatte. Er ließ sich auf den Stuhl fallen, hielt das Bild weiter in der Hand und erinnerte sich an den Tag zurück. Sie hatten sich endlich mal wieder einen ganzen Tag Zeit nur für sich genommen. Ben hatte Saskia schon früh am Morgen abgeholt und dann waren sie mit seinem Motorrad losgefahren. Bis zum frühen Nachmittag waren sie einfach nur rumgefahren und hatten den wunderschönen Tag genossen. Später hatten sie an einer Blumenwiese angehalten und sich dort in die Sonne gelegt. Ben hatte sogar für ein tolles Picknick gesorgt. Sie hatten rumgealbert und einfach die gemeinsame Zeit genossen. Er erinnerte sich, wie glücklich er und Saskia an diesem Tag gewesen waren. Am Schluss des Tages hatten sie auf der Wiese liegend das Foto gemacht, welches Ben nun in der Hand hielt, bevor sie wieder nach Hause fuhren und dort den Rest des Abends ausklingen ließen. Als er vom Foto aufblickte, sah er Semir und Anna in der Tür stehen, er hatte überhaupt nicht mitbekommen, dass sie das Büro betreten hatten. Schnell wischte er sich über die Augen, um die Tränen zu entfernen, die sich beim Betrachten des Bildes gebildet hatten und sah auf seinen Bildschirm. „Ben! Fahren Sie nach Hause. Sie sollten sich hinlegen. Sie brauchen jetzt Zeit um mit dem allen fertig zu werden, was passiert ist. Niemand kann mit so etwas schnell fertig werden Ben. Auch Sie nicht. Sie brauchen etwas Abstand, Semir schafft die Arbeit auch ein paar Tage allein. Gehen Sie nach Hause.“, sagte Anna energisch, aber Ben schüttelte nur den Kopf, „Was ich brauche ist meine Arbeit um mich von allem abzulenken, was passiert ist und sonst nichts!“ „Ben... komm schon, das bringt doch nichts. Ich fahre dich nach Hause.“, Semir sah Ben mit durchdringendem Blick, doch dieser blieb stur, „Ich bleibe hier, egal was Sie sagen!“, und damit blickte er wieder auf seinen Bildschirm, während Semir und Anna das Büro wieder verließen und einen sich immer mehr in die Arbeit vertiefenden Ben zurückließen.


    „Und jetzt?“, Semir sah Anna fragend an. Diese zuckte nur mit den Schultern, „Ich weiß es nicht, vielleicht ist es wirklich besser, wenn er sich erst einmal in die Arbeit stürzt. Aber Semir, haben Sie ein Auge auf ihn. Wie ich eben schon gesagt habe, niemand steckt den Tod seiner Freundin so leicht weg.“ Semir nickte und blickte Richtung Büro. Dann holte er Kaffee und begab sich zu Ben. „Hier, trink erst mal.“ Ben sah nicht mal vom Bildschirm auf, nickte nur, murmelte knapp, „Danke!“, und tippte weiter auf seiner Tastatur herum. So ging es auch den Rest des Tages. Ben sah nur auf das was vor ihm lag und Semir ließ ihn. Er wusste, dass er Ben momentan sowieso nicht dazu bringen konnte zu reden. Also versuchte er es gar nicht erst. Erst als es kurz vor Feierabend war, ruckte Bens Kopf zum ersten Mal Richtung Uhr. Semir hatte sich schon seine Jacke über gezogen, um nach Hause zu seiner Familie zu fahren, als er doch noch einen Versuch wagte, Ben von seinem Schreibtisch loszueisen, „Wollen wir nicht noch was trinken gehen?“ Wieder sah Ben nicht auf und antwortete nur, „Nein danke, ich bin hier noch nicht fertig.“ „Okay, wir sehen uns morgen.“, Semir drehte sich zur Tür und warf noch einen Blick auf Ben, die Sorgen die er sich um seinen Partner machte, waren Semir anzusehen.


    Als Semir weg war, sah Ben zum ersten Mal an diesem Tag von seiner Arbeit auf. Er griff nach der Akte, welche Semir den ganzen Tag über bearbeitet hatte. Es war die Akte über den Mordfall Saskia Ehrbach. Ben wusste, dass es vielleicht nicht gut war, sich die Bilder von Saskias Leiche wieder ins Gedächtnis zu rufen, doch andererseits dachte er bei sich, hatte er sie sowieso immer im Kopf. Er schlug die Akte auf und die Tatortfotos aus Saskias Wohnung prasselten auf ihn ein. Doch aus irgendeinem Grund, konnte er sie nicht zur Seite legen, irgendetwas zwang ihn dazu weiter auf die Bilder zu starren. Irgendwie hatte er das Gefühl, sich damit selbst bestrafen zu müssen, weil er ihr nicht hatte sagen können, dass er sie liebte. Er sah die Fotos von Saskias Leiche auf dem Fußboden ihrer Wohnung. Dann fielen ihm die Fotos von der Autopsie ins Auge, er sah die Bilder von Saskias nackter Leiche vor sich und er konnte es kaum ertragen, dass sie von jemand anderem als ihm selbst so gesehen wurde und sie sich nicht mal mehr davor wehren konnte. Irgendwann schlief er über den Schmerz, der ihn über Saskias Verlust überkam, mit dem Kopf auf seinem Schreibtisch ein, während ihm die Fotos, die er bis dato noch in der Hand gehalten hatte, auf den Boden hinab fielen.

  • Hier noch eine kleine Abend Zugabe! Viel Spaß beim lesen... ^^




    Als Semir am nächsten Morgen das Büro betrat, sah er mit Schrecken, dass er am gestrigen Abend vergessen hatte, die Akte über den Mordfall Saskia Ehrbach, wegzulegen und Ben sie sich ganz offenbar durchgesehen hatte. Schnell nahm er die Fotos die auf dem Boden lagen auf und zog vorsichtig die Akte unter Bens Hand hervor, um sie wegzuschließen. Schließlich trat er an Ben heran und versuchte ihn durch ein sanftes Rütteln an den Schultern zu wecken. Dabei bemerkte er, dass Ben schweißgebadet war und zitterte. Er schloss daraus, dass Ben durch den Anblick der Bilder, im Traum wieder einmal Saskia Ehrbachs Leiche vor sich gesehen hatte. Womit er auch nicht falsch lag. Als Ben aufwachte sah er sich einen Moment lang um, nicht wissend wo er war, bis ihm einfiel, dass er gestern Nacht noch im Büro geblieben war, als alle anderen schon weg gewesen waren und er dort eingeschlafen war. Er blickte hoch zu Semir, der ihn ansah und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Semir machte sich noch immer Sorgen um ihn, dass wusste Ben, doch er tat so, als ob er es nicht bemerken würde, wie sein Partner ihn ansah, er wollte nicht, dass sich alles um sein Seelenheil drehte. „Morgen Partner.“, sagte er nur und stand auf, um sich ein wenig zu strecken. „Ben, fahr doch nach Hause, du weißt das ich ein paar Tage auch ohne dich zurechtkomme. Durch die Arbeit denkst du doch die ganze Zeit nur an Saskia.“, doch Ben schüttelte nur den Kopf, „Zuhause mache ich das auch.“, erklärte er leise und ging dann Richtung Toilette.


    Dort angekommen lehnte er sich auf eines der Waschbecken und sah in den Spiegel. Er wusste, dass man ihm seinen Schmerz ansehen konnte, er war blass und hatte tiefe Ringe unter seinen Augen. Er ließ das Wasser laufen, bis es eiskalt war und ließ es sich dann übers Gesicht laufen. Aber egal wie oft er dies machte, es half nichts, er sah trotzdem noch immer ‚beschissen’ aus. Er schloss die Augen, um die Tränen zurückzuhalten, die wieder drohten aufzukommen. Noch einmal schöpfte er sich mit der hohlen Hand, etwas von dem Wasser ins Gesicht und er spürte, dass er es zumindest geschafft hatte, nicht wieder in Tränen auszubrechen. Er trocknete sich das Gesicht ab und ging zurück in sein Büro, wo Semir schon mit einer Tasse Kaffe auf ihn wartete. „Bist du dir sicher, dass du nicht lieber nach Hause willst?“ „Jetzt mal ganz ehrlich Semir. Was soll ich da?“ „Leg dich hin, tu dir Ruhe an. Ben..., die letzten beiden Nächte hast du in Saskias Wohnung und hier im Büro verbracht. Du musst mal wieder vernünftig schlafen und nicht mit dem Kopf auf dem Tisch. Sieh dich doch mal an, du bist vollkommen übermüdet und egal wie sehr du das leugnest, man sieht es dir an!“ „Das ist mir egal.“, war das einzige was von Ben kam, bevor er sich wieder an seinen Schreibtisch setzte.


    Irgendwann gegen drei Uhr, nahm Semir seine Jacke, „Kommst du mit? Wir sollten unsere Runde machen.“ Ben nickte, stand auf und ging mit ihm zu dessen Wagen. Im Wagen jedoch herrschte stillschweigen. Ben starrte die ganze Zeit aus dem Fenster und Semir hatte keine Ahnung, wie er ihn in ein Gespräch verwickeln sollte. Er merkte, dass es vielleicht besser wäre ihn in Ruhe zu lassen, obwohl er sich sicher war, dass es Ben nur gut tun würde, mal darüber zu reden, anstatt den Kummer in sich hinein zufressen. „Ich hätte es verhindern können, wenn ich ihr nur gesagt hätte, was sie schon so lange von mir hatte hören wollen. Sie würde noch leben, wenn ich es ihr gesagt hätte.“, sagte Ben mit einem mal leise, sah Semir an und blickte dann wieder mit leeren Augen aus dem Fenster. Semir hingegen sagte nichts, denn ihm war bewusst, dass nichts was er jetzt sagte, Ben davon überzeugen konnte, dass er keinerlei Schuld an Saskias Tod trug.

  • Vielen, vielen Dank für eure tollen Feeds! Ich freue mich sehr darüber, dass euch die Story gefällt. Und als Belohnung, gibt es heute Abend einen etwas längeren Teil... ^^




    Drei Stunden später, nachdem auf der Autobahn alles friedlich geblieben war, kehrten Semir und Ben zur PAST zurück. Während Ben auf direktem Wege wieder ins Büro ging und sich auch nicht von Semir davon abhalten ließ, führten Semir seine Schritte zum Büro der Chefin, er klopfte an und betrat es. „Semir, was kann ich für Sie tun?“ Semir setzte sich, als Anna mit einer Hand auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch deutete, „Ich war gerade mit Ben auf Streife.“ „Wie geht es ihm?“ „Nicht sonderlich gut. Er gibt sich allein die Schuld am Tod der Staatsanwältin und er lässt sich durch nichts was ich ihm sage, von diesem Gedanken abbringen.“ Anna sah Semir fragend an, „Wieso sollte er sich die Schuld an ihrem Tod geben, dass verstehe ich nicht ganz.“ „Am Abend vor Frau Ehrbachs Tod, waren sie und Ben noch zusammen, das hat uns ja auch Hauptkommissar Bohm schon gesagt, nachdem man die Leiche von Frau Ehrbach gefunden hat.“, fügte er grimmig hinzu, „So wie Ben es erzählte, haben sich die beiden gestritten, weil sie von ihm hören wollte, welche Gefühle er für sie hat und als er es ihr nicht sagen konnte, da hat sie ihn aus ihrer Wohnung geschmissen. Und jetzt glaubt Ben, dass wenn er Frau Ehrbach gesagt hätte, was er fühlt, dann hätte er ihren Tod verhindern können. Ich habe versucht ihm zu erklären, dass wenn Neumann ihren Tod wollte, er sie auch auf jeden Fall hätte umbringen lassen, Wenn nicht an diesem Abend, dann an irgendeinem anderen, an dem Ben nicht in der Nähe gewesen wäre.“ „Womit Sie völlig Recht haben Semir, aber ich fürchte, egal wie oft wir es ihm auch sagen, es wird nichts daran ändern, bis er irgendwann von selbst darauf kommt. Er braucht Zeit Semir, er ist noch in der Trauerphase, was nicht verwunderlich ist, da ihr Tod gerade erst zwei Tage her ist und das ihr letzter gemeinsamer Abend so verlaufen ist, macht das ganze nicht besser. Wir müssen ihm die Zeit geben, die er braucht, egal wie lang es dauert. Aber ich werde ihn jetzt nach Hause schicken. Auch wenn er so tut, als ob er die Arbeit schafft, er braucht jetzt Abstand zu allem was passiert ist und den bekommt er nicht, wenn er den ganzen Tag hier ist. Sie schaffen es doch auch mal eine Weile allein?“ „Natürlich und wenn nicht, kann ich ja immer noch auf die Hilfe von Hotte und Dieter zurück greifen. Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass Ben hier keinen Abstand von der ganzen Sache bekommt.“, und damit standen sie beide auf, um Ben nach Hause zu schicken und dieses Mal würden sie dabei bleiben, egal was dieser sagen würde.


    Als sie das Büro betraten, sahen sie Ben, wie er gedankenverloren aus dem Fenster sah. „Ben?“, sprach Semir seinen Partner an, „Die Chefin und ich sind der Meinung das du jetzt nach Hause gehen solltest. Du brauchst Abstand von der Arbeit. Ich bringe dich nach Hause!“ Anna hatte daneben gestanden und zugehört, „Ben es ist nur zu Ihrem besten. Sie haben genügend Überstunden, feiern sie sie ab, zumindest ein paar Tage.“ Für einen Moment sah es so aus, als ob Ben etwas erwidern, doch dann nickte er, nahm seine Jacke und begab sich zu seinem Wagen. „Wenn du reden willst, du weißt ich bin da.“, rief Semir ihm noch hinterher und sah dann durch das Fenster zu, wie er ins Auto stieg und losfuhr. „Ich werde nachher noch mal bei ihm vorbei fahren und nach ihm sehen.“ „Tun Sie das.“, nickte Anna zustimmend.


    Während Ben nach Hause fuhr dachte er an das, was Semir ihm gesagt hatte, dass er Abstand bräuchte, von der Arbeit, um nicht immer an Saskia denken zu müssen. Doch wusste er nicht, ob er dies schaffen würde. Schließlich erinnerte ihn auch in seiner eigenen Wohnung alles an sie. Zuhause angekommen, ging er hoch zu seiner Wohnung und schloss die Tür auf. Als er eintrat sah er, dass auf dem Boden vor der Tür ein Haufen Briefe waren. Er nahm sie, setzte sich auf die Couch und sah sie durch. Zum Großteil waren es Werbung und Rechnungen, doch der letzte Brief war anders. Auf dem weißen Umschlag, war ein schlichtes schwarzes Kreuz abgebildet. Er drehte ihn um und öffnete ihn langsam, vor dem was er dann heraus zog, hatte er sich gefürchtet. Es war eine Trauerkarte, mit dem Tag und Zeitpunkt von Saskias Beerdigung. Auf der eigentlich leere Seite, konnte Ben die Handschrift von Saskias Schwester Nicole erkennen, die schrieb, dass sie und auch ihre Eltern sich freuen, wenn Ben auf der Beerdigung erscheinen würde. Bislang hatte er noch nicht darüber nachgedacht, ob er hingehen würde. Eigentlich wollte er nicht hin, eine Beerdigung hatte für ihn etwas so endgültiges. Und er wollte sich jetzt noch nicht entscheiden, er hatte schließlich noch die nächsten zwei Tage Zeit.


    Erst einmal ging Ben zum Kühlschrank, holte sich ein Bier und ließ sich auf die Couch fallen. Er nahm einen großen Schluck, als er die Scherben sah, welche das Glas hinterlassen hatte, das er vorgestern Morgen beim Verlassen der Wohnung auf den Boden geworfen hatte. Er stellte die Flasche auf dem Tisch ab und hob die Scherben auf. Als er wieder aufstand, musste er sich kurz festhalten, da ihm schwarz vor Augen wurde. Er war zu schnell aufgestanden und da er in den letzten beiden Tagen doch reichlich wenig, oder auch nur unruhigen Schlaf bekommen hatte, nahm ihm sein Körper dies nun übel. Als das schwummrige in seinem Kopf wieder nachließ, ließ er die Scherben in den Mülleimer fallen und setzte sich auf einen seiner Küchenstühle. Er stemmte seine Ellenbogen auf die Tischkante und stützte seinen Kopf in seine Handflächen. ‚Wieso habe ich es dir nur nie gesagt Saskia? Ich liebe dich und bin immer zu feige gewesen, es auch auszusprechen. Und jetzt ist es zu spät. Es tut mir so leid.’ Wieder traten ihm Tränen in die Augen und Ben ließ sie einfach laufen.


    Inzwischen war es bereits einundzwanzig Uhr geworden und Semir saß noch immer in der PAST. Sein Blick war auf sein Telefon geheftet. Er wusste nicht, ob er Ben anrufen sollte, oder nicht. Er war sich nicht sicher, ob Ben überhaupt ans Telefon gehen würde, also entschied er sich dagegen. Er nahm seine Jacke und wollte gerade das Büro verlassen, als er doch zum Telefon griff. Doch als er abnehmen wollte, klingelte es auch schon. Verdattert nahm er ab, „Hier Semir. Ach du bist es Andrea. Ja ich wollte mich gerade auf den Heimweg machen. Ich fahre aber noch bei Ben vorbei, vielleicht...“, er machte eine Pause, in der Andrea auf ihn einredete. Irgendwann stoppte er sie, „Andrea, ich bin gleich zu Hause, aber vorher sehe ich nach Ben! Bis nachher, ich liebe dich.“ Damit verließ er das Büro und begab sich zu seinem Wagen.


    Wenig später parkte Semir seinen Wagen vor Bens Wohnung. Er stieg aus und sah hoch zu den Fenstern. Sie waren hell erleuchtet, dass hieß zumindest schon mal, dass Ben Wort gehalten hatte und nach Hause gefahren war. Semir ging hoch und klingelte an Bens Wohnungstür, doch auch nach dem fünften Klingeln öffnete dieser nicht. Er wusste das es nichts bringen würde noch länger hier rumzustehen, da Ben sowieso nicht öffnen würde, somit drehte er sich um, ging zu seinem Wagen zurück und fuhr nach Hause, wo Andrea schon an der Tür auf ihn wartete. Sie begrüßte ihn mit einem Kuss, „Und..., warst du noch bei Ben?“ Semir nickte müde und ging ins Haus. Andrea folgte ihm. „Ich war bei seiner Wohnung, aber er hat nicht auf das Klingeln reagiert und irgendwann habe ich es aufgegeben. Wenn ich nur wüsste wie ich ihm helfen kann. Es würde ihm sicherlich gut tun, mal darüber zu sprechen.“ Andrea sah ihn eindringlich an, „Will er das denn überhaupt Semir? Ich glaube Ben versucht mit allen Mitteln allein damit fertig zu werden, gib ihm Zeit. Wenn er Hilfe will, dann wird er es dir sagen.“ „Vielleicht hast du Recht, aber ich werde mir doch noch Sorgen machen dürfen, oder nicht?“ „Natürlich. Komm, der Tag war lang und wir sind beide müde, lass uns ins Bett gehen.“, sagte Andrea nahm Semir bei der Hand und zog ihn die Treppe rauf. Als sie an Aidas Zimmer vorbei kamen, hielt Semir an, „Ich sage Aida nur noch schnell ‚Gute Nacht’.“ „Okay.“, Andrea verschwand im Schlafzimmer und Semir öffnete leise die Tür zum Schlafzimmer seiner Tochter. Das Licht vom Flur beleuchtete ihr Bettchen, als er an dieses heran trat. Sanft strich er ihr über ihren Kopf und flüsterte, „Gute Nacht mein Engel.“, dann ging auch er schlafen.

  • So ihr Lieben! Ich möchte mich als allererstes für eure Feeds bedanken, es freut mich, dass euch die Story bis hierher gefallen hat! Da ich mir nicht sicher bin, an welcher Stelle ich noch mal einen Schnitt machen soll, werde ich den Rest der Story jetzt komplett einstellen. Ich hoffe, dass es für euch zufriedenstellend ist, wie ich die FF abschließe. Nochmal danke für die Feeds und vielleicht gibt es ja nochmal eine Story von mir! Noch einen schönen Abend und viel Spaß beim lesen... ^^ Ach ja, nicht die Feeds vergessen...;)




    Ben war in der Zwischenzeit ebenfalls zu Bett gegangen. Er schlief zwar, wälzte sich aber unruhig von der einen auf die andere Seite. In seinem Traum war er wieder in der Wohnung und an dem Abend bevor Saskia umgebracht worden war. Wieder war da der Moment, indem Saskia von ihm hören wollte, dass er sie liebte. Er wollte es sagen, doch wieder kam nur ein leicht genervtes, „Was soll denn das jetzt? So geht das nicht!“, aus seinem Mund, genau wie an dem Abend und auch in seinem Traum, schmiss Saskia ihn aus ihrer Wohnung. Schweißgebadet wachte er auf und sein Atem ging stoßweise. ‚Verdammte scheiße!’, dachte er sich und ließ sich zurück in sein Kissen fallen, doch an Schlaf war nun nicht mehr zu denken, er wehrte sich mit allem gegen ein erneutes Einschlafen. Doch er hatte eine Entscheidung getroffen, er würde zu Saskias Beerdigung gehen und er würde sich an ihrem Grab bei ihr entschuldigen, dass er nicht für sie da gewesen war.


    Zwei Tage später...


    Am späten Vormittag von Saskias Beerdigung, stand Ben in seinem Schlafzimmer und zog sich seinen schwarzen Anzug an. Im gleichen Augenblick klingelte sein Handy, als er auf das Display sah, sah er, dass es Semir war, welcher ihn da anrief. Da er ihn in den letzten beiden Tagen nicht gesprochen hatte, beschloss er abzunehmen, „Hey Semir, was gibt’s?“ Er hörte einen Moment zu, was sein Partner sagte, bevor er wieder anfing, „Mir geht es gut soweit, keine Sorge. Ich gehe jetzt gleich zur Beerdigung.“, dann atmete er tief durch, „Könntest du der Chefin sagen, dass ich noch drei oder vier Tage länger zu Hause bleiben werde.“ Wieder hörte er einen Moment zu, „Danke Semir.“, dann legte er auf. Er blickte noch einmal in den Spiegel und ging dann hinunter zu seinem Auto. Dort angekommen, stieg er ein und fuhr zum Friedhof. Als er zum Eingang sah, bekam er ein Gefühl in der Magengegend, welches ihm sagte, ‚Du packst das nicht. Du kannst nicht an ihrem Grab stehen und dabei zusehen, wie der Sarg mit der Frau die du geliebt hast, hinunter gelassen wird.’ Aber er wollte ihr noch ein letztes Mal sagen, dass es ihm leid tat, also stieg er aus und ging auf die beiden Frauen und den älteren Mann zu, die am Friedhofseingang auf ihn warteten.


    Als sie ihn näher kommen sah, kam die jüngere der beiden Frauen direkt auf Ben zu und umarmte ihn. Er erwiderte diese. „Wie geht’s dir?“, fragte ihn Nicole Ehrbach, die jüngere Schwester von Saskia. Ben schaffte es kaum ihr in die Augen zu sehen, als er ihr antwortete, „Es ging schon mal besser... und wie geht es euch?“, fragte er mit Blick auf Saskias Eltern. „Es ging schon mal besser.“, Nicole brachte ein gequältes Lächeln zustande. Nun kam auch ihre Mutter zu Ben und umarmte ihn ebenfalls, „Danke das du gekommen bist.“ Als Ben ihr in die Augen sah, konnte er Tränen in ihnen erkennen und den Schmerz über den Verlust ihrer Tochter. Sofort trat Heinrich Ehrbach an seine Frau heran und legte ihr seine Hand auf die Schulter, während er Ben die andere Hand reichte, „Es muss für dich auch schwer sein.“, war alles was er herausbrachte. Und Ben konnte nur nicken. Schweigend gingen sie nebeneinander durchs Tor, in Richtung der Friedhofskapelle.


    In der PAST saß Semir an seinem Schreibtisch und überlegte, ob er am Abend noch bei Ben vorbei fahren sollte, als Anna das Büro betrat. „Chefin..., ich habe heute morgen mit Ben gesprochen und ich sollte Ihnen ausrichten, er würde noch ein paar Tage länger zu Hause bleiben.“ Anna nickte, „Wie geht es ihm?“ Semir zuckte mit den Schultern, „Am Telefon klang er recht gefasst, aber heute ist die Beerdigung von Frau Ehrbach und ich denke das ich heute Abend mal vorbei fahren werde, um nach ihm zu sehen.“ „Gut...“, Anna sah kurz zum leeren Platz von Ben und verließ daraufhin wieder das Büro.
    Währenddessen war die Trauermesse vorbei und Ben lief mit Saskias Schwester und Eltern hinter dem Sarg her, zur Grabstätte. Dort hielt der Pfarrer noch ein paar kurze Worte an die Trauergemeinde gerichtet, bevor die Sargträger diesen langsam ins Grab hinunter ließen. Nachdem Saskias Eltern und Schwester noch einmal an ihr Grab getreten waren, um sich zu verabschieden und das Obligatorische Schäufelchen Erde auf den Sarg hatten fallen lassen, war Ben an der Reihe. Er hielt eine rote Rose in der Hand und starrte auf den Sarg, Tränen traten ihm in die Augen, als er leise flüsternd begann, noch ein letztes Mal zu ihr zu sprechen.


    „Es tut mir so leid was geschehen ist. Ich hätte dir sagen sollen, was ich für dich empfinde. Ich habe dich im Stich gelassen und das war nie meine Absicht. Saskia ich habe dich geliebt und tue es immer noch, über deinen Tod hinaus. Ich habe nicht begriffen, wie wichtig es dir war von mir zu hören, dass ich dich liebe. Selbst als du mich an dem Abend rausgeschmissen hast, habe ich es nicht begriffen und als ich es dann doch begriffen habe, da war es zu spät. Du bist mir der wichtigste Mensch in den letzten Monaten gewesen, das hätte ich dir zeigen müssen.“, dann ließ er die Rose auf den Sarg fallen und Erde hinterher, „Ich liebe dich Saskia!“


    Ben fühlte sich noch immer schuldig und es wurde nicht besser, nachdem was er Saskia jetzt noch einmal ‚gesagt’ hatte. Tränen liefen über seine Wangen, als Nicole ihn wieder in die Arme nahm. Nachdem sie das Friedhofsgelände verlassen hatten, verabschiedete er sich von Saskias Familie, „Willst du nicht noch zum Beerdigungskaffee mitkommen“, fragte Saskias Mutter und Ben schüttelte traurig den Kopf, „Ich will nur nach Hause, ich muss jetzt allein sein.“ Nicole nickte, „Kann ich verstehen. Melde dich doch mal, Mama und Papa und ich natürlich auch, wir würden uns freuen, wenn du mal zum Essen vorbei kommen würdest. Du gehörst ja schließlich zur Familie.“ Bevor Ben antwortete, sah er in die Gesichter von Saskias Eltern. Er konnte ihren Schmerz erkennen, aber auch das sie der gleichen Meinung waren wie ihre Tochter, „Das werde ich.“, und damit stieg er ins Auto und fuhr los.


    Als er fast zu Hause war, fasste Ben einen Entschluss. Er durfte sich nicht länger in seiner Trauer und damit in seine Einsamkeit vergraben. Also drehte er um und machte sich auf den Weg zur PAST. Dort angekommen, blieb er noch einen Moment im Auto, unschlüssig, ob er wirklich dazu bereit war. Doch dann stieg er aus und betrat die Dienststelle. Mit einem gequält erzwungen wirkendem Lächeln nickte er Hotte und Dieter zu, die an ihren Schreibtischen saßen und ging dann geradewegs auf sein und Semirs Büro zu. Ben betrat den Raum und Semir blickte ihn erstaunt an, „Ben, was machst du denn hier?“ Ben setzte sich auf seinen Stuhl und sah Semir einen Moment nur an, „Du hast doch gesagt, wenn ich reden will, dann würdest du zuhören.“ „Natürlich, höre ich dir zu. Schließlich bin ich dein Partner und Freund!“, nickte Semir und stand auf, um die Bürotür zu schließen und die Rollos runter zu lassen, was deutlich machen sollte, dass er und Ben nur im äußersten Notfall unterbrochen werden durften, dann setzte er sich wieder.


    Ben lächelte Semir dankbar an. Er atmete hörbar ein, begann dann aber zu erzählen. Er erzählte, wie er Saskia kennen gelernt hatte und das sie sich anfangs eher als gute Freunde gesehen hatten, bis sie aber irgendwann gemerkt hatten, dass da mehr, als eben nur Freundschaft zwischen ihnen war. Sie hatten sich immer öfter getroffen und das unsichtbare Band, welches sie mittlerweile miteinander verband, war immer inniger geworden, bis sie ihm gesagt hatte, das sie ihn liebe. Er erzählte Semir, von all seinen Erlebnissen mit ihr, welche zum Großteil schöne Erinnerungen waren und irgendwann kamen sie dann zu dem Abend, an dem Saskia umgebracht wurde. Ben fiel es schwer, seinem Partner von diesem Abend zu erzählen, aber er brach nicht ab, während Semir einfach nur da saß und ihm zuhörte, wie es sich für einen guten Freund gehörte. Und Ben merkte, so schwer es ihm auch fiel, Semir das alles zu erzählen und Saskia damit so deutlich wieder in Erinnerung zu holen, dass es ihm gut tat über alles zu sprechen und das ihm die Erinnerungen an die schönen Zeiten mit Saskia für immer bleiben würden...


    Ende