Abschied [umgeschrieben]

  • Abschied (umgeschrieben)


    Tom knallt eilig den Hörer auf und rennt durch die Wohnung nach unten.
    Alles scheint sich in Zeitlupe abzuspielen er greift nach den Türrahmen, zieht sich kräftig daran vorbei und seine Hand tastet schon nach den Griff der Haustür, unbemerkbar sein zittern.
    Das Auto vor dem Haus, der schwarze Jaguar, es ist das Auto von Zürs!
    Von dem Mann, der Elena entführte, sie umbringen wollte und von Tom gehetzt, bei der Explosion auf dem Zug, eigentlich ums Leben gekommen sein sollte.
    Was hat Zürs vor? Will er sich an Elena und ihm rächen? rächen dafür, dass er sein Drogendeal nicht durchziehen konnte?
    Wut pocht in Toms Körper und sein Herz hämmert gegen seine Rippen, als er den Türgriff erwischt, die Tür aufreißt und die Treppen im Hausflur hinunter rennt.
    Die weißen Wände blenden, sie haben irgendetwas Beängstigendes an sich!
    Tom ist nicht ganz bei sich, sein Blick verengt sich kurzzeitig zu einem Tunnel, seine Gelenke schmerzen, die Kraft seines Körpers lässt nach und bei jedem Sprung von den Treppen scheinen seine Beine zu versagen.
    Was ist, wenn er zu spät kommt? Ist Zürs bereits am Jeep und hält Elena eine Waffe an den Kopf, oder hat er seinen rechten Daumen am Ausl?ser einer Autobombe?
    Toms Unwissenheit scheint ihn noch mehr zu schwächen. Als er im Erdgeschoss
    ankommt verschwimmt sein Blick er hätte beinahe die Tür verfehlt, erwischt sie aber doch noch und stürmt aus dem Haus.
    Sein Blick trifft auf den Jeep. Elena sitzt auf dem Beifahrersitz und lächelt ihn an. Die Sonne schränkt sein Sichtfeld ein und sein Blick sucht den Jaguar.
    Er steht noch immer auf dem Parkplatz!
    Jetzt kann Tom Zürs im Wagen erkennen. Sein Gesicht ist entstellt, doch sein schadenfreudiges, aber auch überraschtes Lächeln (wegen Toms plötzlichem Auftauchen) ist nicht zu übersehen. Neben Zürs sitzt ein Mann, den er nicht kennt, aber was spielt das jetzt für eine Rolle?
    ? Elena ! Tom rennt noch schneller, bis er am Jeep ankommt und Elenas verwundertem Gesichtsausdruck entgegensieht, während sie den Schlüssel im Schloss dreht, um Radio hören zu können.
    Warum kann Zürs sie nicht einfach in Ruhe lassen? Elena ist so lebensfroh und ihre Beziehung läuft wunderbar. Sie hatten sich noch nie so richtig gestritten und jetzt wollen sie dieses Glück mit einem Baby perfektionieren!
    Warum kann Zürs ihnen dieses Glück nicht lassen?
    Tom merkt wie seine Beine langsam versagen wollen sein ganzer Körper zittert und seine Hände suchen blind nach dem Türgriff des Wagens, doch er verfehlt ihn beim ersten Versuch. Plötzlich begreift auch Elena was Tom von ihr will ihr anfangs verwunderter Gesichtsausdruck verschwimmt zu einem Ausdruck der Angst. Ihr Blick fleht Tom an, zu sagen, dass alles nur ein Scherz sei doch was für ein dummer Wunsch in dieser Situation. Tom würde sich so etwas niemals erlauben! Dafür ist die Lieben zu stark und das Vertrauen zu groß!
    Auch Elena greift nach dem Türgriff, doch Tom ist schneller und reißt die Tür auf.
    " Elena ! Komm & komm raus! , schreit er im hastig, gestressten Ton und zieht sie aus dem Wagen.
    "Tom, was ist los? , fragt sie mit ängstlichen, unsicheren Ton, während sie alles daran setzt schnell aus dem Wagen zu kommen. Als sie wegen Tom fast aus dem Wagen stürzt, hält er sie fest und zieht sie vom Wagen weg. Bei Elena scheint sich alles zu drehen sie hat die Orientierung verloren und folgt Toms Zerren, als sie wieder Boden unter den Füßen hat.
    Tom weiß nicht wohin er rennen soll, als sich hinter ihm der Wagen plötzlich mit einer lauten Explosion verabschiedet. Tom schafft es gerade noch Elena zu sich zu ziehen, als die Druckwelle beide von den Füßen reißt. Elena hält sich krampfhaft an Tom fest, welcher verzweifelt versucht, die Orientierung zurück zu erlangen. Tom spürt die Hitze in seinem Rücken.
    Der Aufprall ist hart, wobei Tom zu verhindern versucht auf Elena zu fallen.
    Ein stechender Schmerz durchzieht seinen Körper.



    In kurzer Entfernung kommt Semirs BMW mit Blaulicht angerast.
    Semir selbst sieht nur noch den blendenden Feuerball des explodierenden Autos.
    ? Oh mein Gott! Semirs Blick schweift suchend durch die Umgebung, doch von Tom und Elena ist nichts zu sehen! Mit einer Vollbremsung setzt er den Wagen ?ber den Bordstein auf den Fußgängerweg.
    Sofort stürmt er aus dem Auto, sein Blick nicht von Toms Wagen abwendend.
    Plötzlich sieht er etwas, wenig weit von dem explodierten Jeep, auf dem Boden liegen. Ohne darüber nachzudenken rennt er los: "Tom, Elena! Sein Ruf scheint die ganze Siedlung zu erfüllen. Es scheint Ewigkeiten zu dauern als ob er auf der Stelle rennen würde!
    Das Gezwitscher der Vögel, die blühenden Blumen und die wunderschön scheinende Sonne lassen ein vermeintlich wohltuendes Gefühl entstehen.
    Die Siedlung scheint eine Metropole der Ruhe und der Erholung zu sein, doch die noch vorher auf der Strasse spielenden Kinder stehen erschrocken an Straßenrand und das Gefühl einer bedrückenden Enge, und Hitze breiten sich aus.
    Als Semir bei Tom und Elena ankommt, kann er keine Bewegung der beiden wahrnehmen nichts rührt sich.
    Alle Passanten, Kinder und sogar das Gezwitscher der Vögel scheinen völlig verstummt zu sein. Die Beängstigende Stille lässt Semirs Herz noch schneller schlagen. Es fühlt sich an, als ob man ihn die Luft abschneiden würde und der Klos im Hals scheint ihn ersticken zu wollen. Semir ringt nach Luft ? Tom? ,
    fragt er mit leiser, flüsternder Stimme. Er hofft wenigstens irgendein Zeichen von ihm oder Elena zu bekommen.
    Warum können sie nicht einfach aufstehen, sich den Dreck von den Kleidern klopfen und lächelnd versuchen die Situation zu ironisieren? Vielleicht mit den Worten: " Oh, ich hab wohl vergessen mich bei meinen Eltern zu melden, aber das war ja wohl n bischen übertrieben! Dieser Satz und das Lächeln von Tom, wie Semir es Tag für Tag erlebt, würden der Situation den Wind aus den Segeln nehmen, doch so ist es nicht! Tom steht nicht auf! Genauso wie Elena rührt er sich nicht! Hastig und unkonzentriert will er nach seinem Handy greifen, findet es allerdings nicht. Immer aufgeregter durchwühlt er seine Jeansjacke, doch vom Handy keine Spur. Er könnte zum Wagen laufen und über Funk einen RTW rufen, doch kann er Tom und Elena dort so alleine liegen lassen?
    Sie liegen fast nebeneinander auf dem Boden Elena auf dem Bauch und Tom selbst auf dem Rücken. Sein Gesicht ist ausdruckslos und vom Blut verschmiert.
    Er kann sie nicht alleine lassen! sie sehen so hilflos aus.
    Semir zögert, sieht zu Tom, wieder zum Wagen und zu Elena rennt dann aber doch los um Hilfe verständigen zu k?nnen.
    Völlig aufgelöst greift er nach dem Funk" Cobra 11 für Zentrale! , schreit er im erstickenden Ton. " Zentrale hört! , ertönt aus dem Funkgerät.
    Semir stockt ist es Andrea, die ihm im Namen der Zentrale geantwortet hat?
    Ein Funke Hoffnung keimt in ihm auf. Endlich jemand, der mit ihm redet, eine vertraute Person, eine vertraute Stimme, die ihm Halt geben kann!
    " Andrea? Andrea bist du das?
    " Ja, Semir, ist was passiert? Du hörst dich ...
    " Andrea, hör zu , schneidet Semir ihr das Wort ab, froh, endlich los werden zu können, was passiert ist, ? ... Tom und Elena, sie ... , Semir stockt erneut ...sie sind verletzt eine Autobombe! Ich brauch einen RTW und einen Notarzt und ... , Semir unterbricht seinen Satz, als plötzlich ein schwarzer Jaguar im Schritttempo an seinem BMW vorbeifährt. Er weiß nicht warum, aber ein unwohles, beängstigendes Gefühl überkommt ihn. Plötzlich erkennt er Zürs im Wagen. Ungläubig sieht er ihm in die Augen Zürs Blick ist unverfangen und ernst. Das ist Zürs Werk!
    Wut pocht in Semirs Körper. Am liebsten würde er aus dem Wagen springen und solange auf den Jaguar schießen, bis sich auch dort nichts mehr rührt, doch Tom und Elena brauchen ihn jetzt dringender, mehr als je zuvor!
    Er spricht wieder ins Funkgerät: ? ... sie sollen sich beeilen, ja?
    Semirs Stimme fleht nach Hilfe. Er will in dieser Situation nicht alleine sein, doch das ist er! Er wartet keine Antwort mehr ab und eilt zurück zu Tom und Elena, als er ganz unverhofft eine Bewegung von Elena wahrnimmt. Hatte er sich das nur eingebildet oder hatte sie sich wirklich bewegt? Ein Funke von Hoffnung kommt in ihm auf, ein Gefühl, wonach er sich so gesehnt hat, wonach er so gefleht hat.
    Ein leises Stöhnen Elenas ertönt und durchzuckt Semir wie ein Blitzschlag.
    Langsam richtet sie ihre Arme auf und stemmt sich vom kalten, harten Boden ab um sich umzudrehen. überraschender weise verwehrt Semir es ihr nicht, dankbar dafür, dass sie bei Bewusstsein ist. " Elena! Kannst du mich hören? Elena? " . Trotz des beruhigenden Gefühls, dass sie aufgewacht ist, macht sich wieder Angst in ihm breit. Warum antwortet sie nicht? ist sie zu schwach um zu antworten? Semir ist sich nicht sicher was er tun soll.
    Oh, wie oft er schon in solchen Situationen war. Er war immer völlig geistesgegenwärtig und hat das getan, was ihm schon in der Fahrschule beigebracht wurde erste Hilfe leisten! Vielen Menschen hatte er geholfen, Trost gespendet und so die Angst genommen seine Angst und Unsicherheit konnte er dabei verbergen, doch das hier ist etwas anderes! Hier liegt nicht irgendjemand den er nicht kennt! Nein, das ist Elena, die hilflos und wahrscheinlich unter höllischen Schmerzen am Boden liegt und Hilfe braucht. Wie oft hatten sie zusammen gelacht, wie oft sind sie, Tom, Andrea und er zu viert ausgegangen und hatten sich Geschichten erzählt.
    Diese enge und eigentlich so wohltuende Vertrautheit zu Elena lässt Semir erstarren. Er will sie nicht noch mehr verletzen. Es ist etwas völlig anderes Elena auf dem Boden liegen zu sehen es ist diese Situation, die er nie erleben wollte, doch nun ist sie da und Semir kann nicht entkommen. Er muss ihr beiseite stehen und ihr den Halt geben den gerade er nicht hat.
    " Elena, es ist alles gut... nicht bewegen, ja? Du musst liegen bleiben! Hilfe ist unterwegs!
    Semirs Worte klingen inhaltslos und irgendwie ohne Bedeutung, doch was sollte er ihr schon sagen?
    Sein Blick schweift wieder zu Tom, welcher sich noch immer nicht bewegt hat. Ängstlich gleitet seine Hand in Toms Richtung.
    Eine frische Briese weht durch seine Hand, als diese Tom näher kommt. Er drückt seinen Zeige- und Mittelfinger an Toms Halsschlagader, in der Hoffnung einen Puls spüren zu können, der ihm Toms gute Verfassung mitteilt. Tom war schon immer stark gewesen. Ihn konnte fast nichts aus der Fassung bringen. Obwohl er des öfteren mit Verletzungen ob Hämatome oder Schnittwunden nach Hause gekommen ist, hat Elena nie von ihm verlangt, seinen Beruf aufzugeben um für seine Familie da zu sein, denn sie wusste, dass auch seine Kollegen ein Teil seiner Familie waren und das respektierte sie von jeher.
    Doch jetzt liegt er auf dem Boden, vielleicht sogar schon tot. Semir war erst jetzt auf den Gedanken gekommen, nach Toms Puls zu tasten, weil er Angst hatte nichts fühlen zu können. So hatte er es vor sich hergeschoben.
    Es dauert bis er sich konzentrieren kann um abzuschätzen wie Toms Puls ist, denn seine Hände fühlen sich schwach und taub an.


    Toms Puls ist nicht so, wie Semir es sich erhofft hatte. Nein, er ist schwach, rast und weist deutliche Unregelmäßigkeiten auf.
    " Tom? , Elenas Stimme reißt Semir aus seinen Gedanken. Ihre Stimme klingt gequält und heiser. Sie ist kaum zu hören, doch ihre Mundwinkel bewegen sich.
    " Was ist mit Tom? . Langsam öffnet sie ihre Augen. Es fällt ihr schwer und ihre Lieder fühlen sich an, als ob sie aus Beton währen. Sogar bei der kleinsten Bewegung wird sie mit höllischen Schmerzen bestraft. Als Semir merkt, dass Elena trotz ihrer Schwäche nervös wird, antwortet er ihr mit einer möglichst ruhigen Stimme.
    " Tom geht s gut, Elena. Keine Sorge, ich kümmere mich um ihn, aber du darfst nicht sprechen. Spar dir deine Kräfte, ja?
    Obwohl Semir weiß, wie absurd seine Bitte ist, meint er es ernst. Elenas Gesichtsausdruck verrät ihm, dass sie schmerzen hat, doch erkennt er ein leichtes nicken ihrerseits.
    Die Zeit vergeht, auch wenn sie kriecht und irgendwie stehen geblieben zu sein scheint. Noch immer weiß Semir nicht wo ihm sein Kopf steht. Auch in ihm breitet sich Hilflosigkeit aus. Er kann für keinen der Beiden etwas tun. Nur mit Elena kann er sprechen um sie zu beruhigen, auch wenn von ihr nur kleine Zeichen kommen, doch das genügt ihm. Mehr kann er nicht erwarten.
    Trotzdem stellt er ihr Fragen, um sich ein kleines Bild von ihrer Situation machen zu können.
    " Elena, wo hast du Schmerzen? . Eigentlich will Semir gar keine Antwort, doch sie darf nicht wieder einschlafen. Elena antwortet nicht. Erst jetzt bemerkt Semir einen Mann und eine Frau, welche sich neben Tom gehockt haben.
    " Elena? Ich heiße Laura. Hör zu, auch wenn es dir jetzt sicherlich schwer fällt musst du mir sagen, wo du Schmerzen hast.
    Die Vertrautheit, mit der die Frau mit Elena spricht lässt Semir aufhorchen. Sie muss Elenas Namen mitbekommen haben und versucht nun auch ihr Glück mit Elena zu sprechen.
    Es scheint zu wirken. Langsam öffnet Elena erneut ihre Augen, während sie sich suchend umblickt. Ihr Blick trifft zunächst Semir und verharrt bei ihm. Es hat den Anschein, als ob sie sein Gesicht mustert, wobei Semir meint ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen sehen zu können.
    Semir greift nach Elenas Hand, als Zeichen dafür, dass er ihr beisteht und sie nicht alleine ist. Elena versteht was er ihr mitteilt und bedankt sich mit einem Händedruck.
    " Hey, du hast ja noch richtig Kraft! , scherzt er, um sie aufzuheitern.
    Ihr Händedruck war zwar ziemlich schwach, aber auch ein sicheres Zeichen dafür, dass sie dankbar ist, dass Semir bei ihr ist.
    Langsam bewegt sie ihren Kopf und blickt Laura an. Laura lächelt und streicht ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
    " Ich darf doch DU sagen, oder?
    Ihre Frage ist eigentlich überflüssig, doch dadurch schafft sie es, eine vertraute Atmosphäre aufzubauen, ohne dass sie Elena kennt.
    Elena bejaht ihre Frage mit einem vorsichtige nicken.
    Die vermeintliche Stille, die zuvor das laut- knisternde Geräusch des brennenden Wagens übertönte verfliegt. Erst jetzt fällt Semir das brennende Wrack auf.
    Das wortarme Gespräch von Laura und Elena, da Elena nur selten und dann mit einzelnen Worten antwortet, tritt in den Hintergrund, als Martinshörner die drückende Stimmung brechen. Semir blickt sich sofort suchend um wobei eine halbe Ewigkeit vergeht, bis er einen Notarztwagen gefolgt von zwei RTW s erblickt.
    Ein überwältigendes Gefühl von Erleichterung nimmt Semir eine schwere Last ab.
    Jetzt, wo endlich Hilfe da ist, ist Semir nicht mehr allein für Tom und Elena verantwortlich.
    Endlich muss er nicht mehr hilflos neben Elena hocken und versuchen, sie mit ruhigen Worten wach zu halten.
    Plötzlich geht alles ganz schnell.
    Die Sanit?ter und der Notarzt steigen eilig aus ihren Einsatzfahrzeugen, rennen auf Semir zu und hocken sich neben Tom und Elena.
    Wie in Trance steht er auf um den Helfern Platz zu machen. Auch Laura und der Mann stehen auf und gehen zu Semir. Langsam hört Semir wieder das Gezwitscher der Vögel, die vorher erstarrten Kinder waren näher gekommen und weitere Erwachsene kommen auf die Straße.
    Eigentlich regt sich Semir immer sehr über Gaffer auf, doch diesmal war er froh. Froh darüber, dass die Leute nicht einfach so weitergehen, sondern Anteil nehmen und bedrückt stehen bleiben, auch wenn das vielleicht nur auf wenige Gaffer zutrifft, denn die Sensationslust mehrerer Leute ist nicht zu übersehen Sensationslust auf Kosten der Gesundheit Anderer!
    " Ist alles in Ordnung mit Ihnen? . Semir wird aus seinen Gedanken gerissen.
    Laura und der Mann stehen vor Semir, welcher sie jetzt erst bemerkt.
    ? Was? ähhh, ja. Mir geht s gut. Ich...ich... , Semir bekommt kein Wort mehr heraus. Wider Willen versinkt er für einen Bruchteil von Sekunden in Gedanken, als Laura und der Mann ihm zu seinem Wagen begleiten.
    " Können wir was f?r sie tun? , dieses mal spricht der Mann mit Semir.
    Semir setzt sich und sieht zu ihm auf.
    "Nein, ...das... können sie wohl nicht , er schweigt, " danke, dass sie gerade... , Semir wird von einem Funkspruch unterbrochen.
    " Zentrale für Cobra 11, bitte kommen
    Semirs Aufmerksamkeit richtet sich auf das Funkgerät. Als er nach dem Funkgerät greift merkt er, dass seine Hand nicht mehr zittert. Er ist ziemlich schnell ruhiger geworden, was er wahrscheinlich seinem stressigen Beruf zu verdanken hat.
    " Cobra 11 hört , antwortet er mit müder Stimme.
    " Semir, die Chefin und Andrea sind unterwegs zu dir. Was ist mit Tom und Elena?
    Hottes quiekende Stimme erheitert Semirs Stimmung für einen kurzen Augenblick, doch als er zu Tom und Elena blickt, wird er wieder ernst und nachdenklich. Er zögert bis er antwortet.
    "Ich weß? es nicht, Hotte nicht so gut. Tom ist bewusstlos und Elena hat mehrere Brüche und ein Schädel - Hirn Trauma .
    Laura wundert sich über Semirs Antwort, da sie ihn für relativ abwesend befunden hatte. Sie hatte nicht gedacht, dass er sich so gut mit Verletzungen auskennen würde, wenn man alleine unklare Andeutungen von der verletzten Person bekommt.
    Respekt gegenüber Semir kann sie nicht verwehren.


    Minuten später treffen Engelhardt und Andrea mit Blaulicht ein.
    Semir erstarrt als er Andrea erblickt. Ihr Make Up ist verschmiert und ihr Gesichtsausdruck gestresst. Woher nimmt er sich das Recht, nur an sich zu denken wie schwer seine Situation ist und was er durchmachen muss?!
    Man sieht Andrea an, dass sie nicht weniger gelitten hat. Sie hat sich große Sorgen gemacht und wahrscheinlich versucht sich bildlich vorzustellen, was mit Tom und Elena passiert ist, doch man sieht ihr an, dass das hier alle ihre Vorstellungen übertrifft.
    Der brennende Wagen von Tom und die gerade ankommende Feuerwehr, die zwei RTW s und der Notarztwagen erwirken eine beängstigende Atmosphäre.
    Nachdem Andrea ausgestiegen ist, treffen sich sofort ihr und Semirs Blick. Die innige Beziehung der beiden macht sich deutlich bemerkbar, denn Semirs Herz beginnt schneller zu schlagen, als er sich ausmalt, wie er Andrea alles erklären soll.
    Laura und der merken, dass Semir sie nun nicht mehr braucht und machen sich leise und heimlich auf den Weg zur gerade angekommenen Polizeistreife, um als Zeugen eine Aussage zu machen.
    Semir bemerkt es nicht. Da er Andrea keine Angst einjagen will nimmt er sich vor die Situation zu beschönigen.
    Zögernd macht er sich auf den Weg zu Andrea, welche begonnen hat, auf ihn zuzulaufen. Die ganze Zeit über wendet er den Blick nicht von ihr ab. Sie ist einfach wunderschön! Trotz ihrer momentanen Situation ist kein Stück ihrer Anziehungskraft verloren gegangen.
    Er liebt es, wenn sie ihn so verführerisch anlächelt und sich provozierend vor seinen Augen zur Schau stellt. Doch was davon ist noch da? Jetzt, in diesem Augenblick?
    Kein Lächeln, keine verführerischen Posen nichts.
    Andrea scheint von positiven Emotionen völlig leer, was ehrlich gesagt auch kein Wunder ist. Semir erkennt Andreas Sehnsucht in ihren Augen, als sie aufeinander zulaufen. Semir geht nur wenige Schritte, Andrea läuft schneller und füllt ihm apruppt in die Arme.
    Ein Klos bildet sich in Semirs Hals. Er versucht krampfhaft zu unterdrücken jetzt zu weinen, denn er ist kurz davor seinen Tränen freien Lauf zu lassen. Er hat sie so lange zurückgehalten, er wollte stark sein und niemanden seine Schwäche zeigen. Obwohl er sich in Andreas Armen nun am liebsten fallen lassen würde, unterdrückt er seine Gefühle. Er will es ihr nicht noch schwerer machen als es sowieso schon ist und ihr lieber Mut als Angst machen. Erst als er sich sicher ist, dass er sich und seine Gefühle wieder im Griff hat, läst er die Umarmung.
    " Semir, was ist passiert? , Andreas Stimme zittert. Sie befürchtet das Schlimmste und sieht auf den Menschenhaufen, welcher sich um Tom und Elena gebildet hat. Semir überlegt sich genau, was er Andrea sagen will.
    " Eine Autobombe& Tom und Elena konnten noch vom Wagen weg. Sie wurden beide bei der Explosion verletzt . Semir versucht, sich ruhig und gefasst klingen zu lassen, was er jedoch nicht schafft. Andrea kennt Semir besser als jeder Andere und weiß, dass Semir nur sehr Oberflächlich antwortet.
    Andrea kann Semirs Zurückhaltung zwar nachvollziehen, gibt sich damit aber nicht zufrieden. " Semir! , ihr Tonfall ist ermahnend und gleichzeitig bittend ? was ist mit ihnen?
    Andrea weiß zwar, dass Semirs Wissen darüber eingeschränkt ist, ist aber für jede Information dankbar.
    "Semir, bitte , Andrea drängt ihn und Semir gibt nach.
    "Ich weiß es nicht genau, Andrea! Tom war die ganze Zeit über bewusstlos und Elena nur leicht ansprechbar. Sie hat Schmerzen, aber nur einzelne Worte gesagt. Ich weiß nicht wie schwer sie verletzt sind aber es geht ihnen nicht so gut . Semir holt Luft. Obwohl er versucht es sanft zu erzählen fällt es ihm schwer. Immer wieder taucht das Bild von Tom vor seinen Augen auf, wie er blutverschmiert und mit ausdruckslosen Gesichtszügen vor ihm liegt!
    Semir wendet seinen Blick von Andrea ab.



    " Es tut mir leid! Ich wusste nicht was ich für sie tun sollte. Ich konnte nur dasitzen und mit Elena reden, sie wach halten, aber ich konnte nichts tun . Semir fühlt sich schuldig. Es ist ein grausames Gefühl nichts tun zu können.
    Andrea sieht Semir in die Augen. Sie erkennt den Schmerz und die Wut, aber wie kann sie ihm nur helfen?
    Semir hebt seine rechte Hand und streicht Andrea über die Wange. Als plötzlich mehrer Stimmen zu hören sind, wendet er sich von Andrea ab, nimmt sie an die Hand und zieht Andrea hinter sich her.
    Sein Griff ist entschlossen und gleichzeitig bittend, ihm zu folgen.
    Die Stimmen waren die der Sanitäter und des Notarztes. Tom liegt mit einem Stifneck auf einer Vakuumatratze. Er ist stark fixiert. Elektroden überwachen seinen Herzschlag, welcher etwas unregelmäßig ist. Das Piepen des EKG-Gerätes begleitet seinen schweifenden Blick über Tom. Zwei Männer halten jeweils einen Infusionsbeutel. Man hat Tom mehrere Zugänge gelegt und intubiert und ein anderer Sanitäter drückt in regelmäßigen Abständen auf den Beatmungsbeutel um Toms Atmung zu unterstützen.
    Nein, das will Semir nicht. Er will Tom nicht in dieser Situation sehen. Das passt nicht zu ihm! In dieses Bild gehört Tom nicht rein, nicht er!
    Die vier Sanitäter werden von einem Notarzt begleitet. Sie reden wirres Zeug, tauschen Informationen aus und hantieren an irgendetwas herum. Semir fängt wieder an zu zittern. Er muss wissen was los ist und stürmt regelrecht auf den Notarzt zu.
    " Was ist mit ihm? , bricht es aus ihm heraus.
    Der Notarzt würdigt ihm nur einen kurzen Blick, ignoriert ihn und wendet sich dann wieder den Sanitätern zu. Semir gibt nicht nach und harkt nach.
    " Was ist mit ihm? Bitte! . Semirs Tonfall wird lauter und ausdrucksstarker. Man bemerkt seinen Ärger über die Ignoranz des Arztes.
    Der Arzt gibt noch einpaar Anweisungen und widmet sich dann Semir.
    Als er sich zu ihm umdreht, wirkt Semir erleichtert, wünscht sich aber trotzdem, dass er den Arzt nicht gefragt hätte. Er möchte doch nicht hören, was er zu sagen hat, aus Angst vor schlimmen Nachrichten.
    Andrea festigt den Griff an Semir.
    Die Chefin war, nachdem sie aus dem Wagen ausgestiegen war, sofort zur Polizeistreife gegangen um zu klären wer diesen Fall übernimmt (also nicht anwesend).
    Der Notarzt zögert, als Semir auch Elena erblickt, welche ebenfalls auf einer Trage in den RTW getragen wird. Sie ist in einem tranceartigen Zustand und hat die Augen leicht geöffnet. Trotzdem fällt Semir auf, dass Elena seinen Augenkontakt sucht. Dieser Augenblick dauert nicht lange, denn der Arzt beginnt zu berichten.
    " Ich kann leider noch nichts Genaueres sagen. Er hat höchstwahrscheinlich innere Blutungen und verschiedene Brüche. Es sieht nicht gut aus. Der Aufprall auf dem Asphalt war anscheinend ziemlich hart , der Geschichtsausdruck des Arztes ist nichts sagend, sodass Semir nichts weiter herausinterpretieren kann, und der Arzt fährt fort.
    " Frau.... , der Arzt blättert in den Unterlagen, " Frau Krüger hat wahrscheinlich ein Schädel- Hirn- Trauma und ebenfalls Brüche. Ihr Zustand ist aber stabil .
    Obwohl diese Aussage Semir erleichtern sollte, wird sein Zittern stärker, denn er wei? über Elenas Situation beschied. Und wenn es Elena den Umständen entsprechend gut geht, wie schlecht geht es dann Tom?
    Andrea schweigt. Sie sagt gar nichts. Doch auch ohne sie anzusehen ist Semir bewusst, dass sie weint. Semir und Andrea stehen bewegungslos hinter den RTW s und sehen dabei zu, wie die Türen eilig zugeschlagen werden und die RTW s nacheinander abfahren. Das plötzlich ertönende Martinshorn lässt Semir erneut zusammenzucken.
    Es ist wie im Traum. Oft hat er sich vorgestellt, wie Tom von einem RTW und Martinshorn ins Krankenhaus gebracht wird. Der Grund dafür ist aber nicht, dass er sich Tom schwer verletzt vorgestellt hatte, sondern, dass Tom endlich mal ins Krankenhaus geht und wenn er es nicht allein tut, dann eben im RTW.
    Tom hat schon immer etwas gegen Krankenhäuser gehabt. Wenn er bei einem Einsatz verletzt wurde, aber noch laufen konnte, wehrte er sich mit allen Kräften dagegen, ins Krankenhaus zu gehen. Die weißen Wände, die Anonymität und der sterile Geruch all das verleitete Tom bei jedem l?nger geplanten Krankenhausaufenthalt dazu, sich ein Formular bringen zu lassen, damit er auf eigene Verantwortung gehen kann.
    Elena hat es schon oft eine Menge Nerven gekostet, wenn sie versucht hat Tom dazu zu bewegen im Krankenhaus zu bleiben. Manchmal war es ihr gelungen, doch oft genug verzweifelte sie daran.
    Es zieht Semit eiskalt über den Rücken, als ihm klar wird, dass Tom sich diesmal nicht gegen den Transport ins Krankenhaus wehrt, da er bewusstlos ist.
    Andrea und Semir sehen den abfahrenden RTW s hinterher, als die Chefin sich neben sie stellt. Sie sagt nichts, denn auch sie bemerkt die angespannte Stimmung, die über Semir und Andrea in der Luft liegt.
    Beide sind in Gedanken versunken. Engelhardt ist unsicher, denn sie weiß nicht, ob sie die Beiden lieber alleine lasse soll.
    " Semir, Andrea? Tom und Elena werden in die Marienwaldklinik gebracht! Kann ich sie dorthin bringen?
    Obwohl Semir abwesend zu sein scheint, reagiert er: " Ja...ich...ich , Semirs Klos im Hals schnürrt ihm die Luft ab, "... danke!



    Im Krankenhaus
    (Semir, Andrea und Frau Engelhardt warten seit zweieinhalb Stunden im Krankenhaus auf den behandelnden Arzt)
    Die Zeit scheint nicht zu vergehen!
    Immer wieder schweift Semirs Blick durch den kahlen, weiss gestrichenen Flur des Krankenhauses und jedes Mal stoppt er bei der Uhr, dessen Zeiger sich niemals zu bewegen scheint.
    Semir sitzt, den Rücken an die Wand gelehnt, auf dem Boden. Daneben auf der Sitzbank haben Engelhardt und Andrea Platz gefunden und auch sie sagen nichts mehr. Noch vor einer Stunde haben sich alle drei leise unterhalten über dies und das doch das Gespräch hatte eher die Funktion die Zeit des Wartens zu überbrücken!
    Ärzte, Krankenschwestern und Besucher füllen den Flur. Das wilde Treiben von vorbeieilenden Personen bietet die einzige Abwechslung zum starren Dasitzen und Warten. Bei jedem vorbeieilenden Arzt hofft Semir, er würde vor ihm stehen bleiben und die Warterei auf die Untersuchungsergebnisse endlich beenden, doch weder der Arzt von Elena noch der von Tom kommt durch die T?r mit der unübersehbaren Aufschrift INTENSIVSTATION .
    Es ist nicht das erste Mal, dass Semir diese Aufschrift sieht, denn er war schon öfters in diesem Teil des Krankenhauses gewesen. Entweder lag er selbst im Krankenhaus oder besuchte Tom, dessen dortige Aufenthalte in letzter Zeit allerdings seltener wurden. Wahrscheinlich ist er, seitdem er mit Elena zusammen ist, vorsichtiger geworden. Trotz allem kommt er, wie auch Semir selbst, immer mal wieder mit leichten Verletzungen nach Hause.
    Erst jetzt wird Semir klar, wie schwer Andreas und Elenas Rolle ist, wenn er oder Tom im Krankenhaus liegen.
    Die Unwissenheit nagt an der Kraft. Obwohl Semir bewegungslos auf dem Boden hockt spürt er die Müdigkeit in ihm aufsteigen. Der ganze Stress und die Sorgen die er sich macht rauben ihm auch die letzte Kraft.
    Seine Augen werden immer schwerer. Krampfhaft versucht er wach zu bleiben. Er will jetzt nicht schlafen nicht jetzt!
    Auch Andrea bemerkt seine Müdigkeit, steht auf und setzt sich zu ihm auf den Boden. Sie sagt nichts. Um sich langsam an ihn heranzutasten wartet sie bis er etwas sagt, doch. sie hätte nicht gedacht, dass es so lange dauern w?rde. Die Zeit vergeht bis er beginnt: "Ich... , Semir stockt und holt noch einmal tief Luft um sich zu fassen und schlägt einen anderen Weg ein, " ... wie lange warten wir wohl schon? Drei... oder... vier Stunden? Andrea reagiert nur mit einem leerem Lächeln auf seine Frage und erst jetzt bemerkt Semir, dass er eigentlich auch gar keine Antwort wollte.
    Was würde es schon ändern?
    Andrea blickt Semir traurig an: "Du brauchst dir keine Sorgen um die Beiden zu machen, Semir! Tom hat noch nie etwas umgehauen.
    Semir schweigt, doch Andrea wendet den Blick nicht von Semir ab- sie betrachtet ihn eher.
    Der erschöpfte und traurige Blick Andreas verrät ihm, dass auch bei ihr die Müdigkeit einsetzt. Erschöpft lehnen sie sich aneinander an.
    Die Zeit vergeht und Semir nickt immer wieder ein, als plötzlich ein Arzt den Gang entlang auf sie zukommt. Der Blick des Arztes verrät dessen Mitleidsgefühl, als er Semir und Andrea auf dem Boden hocken sieht. Er bemerkt, wie erschöpft sie sind und wartet bis sie aufgestanden sind.
    Semir brauchte von Andrea erst einen kleinen Hieb um zu registrieren, dass der Arzt gekommen ist und er aufstehen soll.
    Als nun auch Semir gefasst neben Andrea und Engelhardt vor dem Arzt steht, wandert der Blick des Arztes durch die müden hoffnungsvollen Gesichter.
    Dann holt er kurz Luft und beginnt mit seinem Fachchinesisch, wobei allerdings nicht auf irritierte Gesichter blicken muss.



    "Guten Abend, mein Name ist Dr. Roth. Ich bin der behandelnde Arzt von Frau Krüger. , der Arzt stoppt nur kurz um die richtigen Worte zu wählen, als Semir ihn anführt: "Was ist mit ihr?
    "Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Sie hat wie vermutet ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Fraktur der achten Rippe und Verstauchungen zweier weiterer Rippen und des rechten Armes, sowie des rechten Handgelenkes. ...
    Bei weiteren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass sie in der dritten Woche schwanger ist. Haben sie das gewusst?
    "Ist was mit dem Baby? Die Genfrage von Andrea beantwortet gleichzeitig die Frage des Arztes und er fährt fort.
    "So wie es momentan aussieht geht es dem Baby gut. Trotzdem kann es sein, dass sich Nachwirkungen des Unfalls in späterer... "es war kein Unfall!! , unterbricht Semir den Arzt eindringlich.
    Dr. Roth stockt und wartet bis er seinen Satz wieder aufnimmt: "Es kann sein, dass sich in späterer Zeit der Schwangerschaft Nachwirkungen in Form von Komplikationen einstellen. Das heisst, dass das Risiko einer Fehlgeburt durch den Un- & Vorfall stark erhöht wurde, weshalb der Schwangerschaftsverlauf besonders ausgiebig überwacht werden muss.



    Der Arzt schweigt, nachdem er seinen Satz beendet hat, doch die Verzweiflung in den Gesichtern von Semir und Andrea veranlassen ihn dazu sich zu berichtigen: "Das bedeutet jetzt aber nicht, dass die Schwangerschaft nicht ganz normal verlaufen kann. Es wird bestimmt gut gehen- machen sie sich keine Sorgen
    Wortlos stehen der Arzt, Semir, Andrea und Engelhardt im Flur des Krankenhauses.
    Semirs Gedanken überschlagen sich.
    Schädel- Hirn- Trauma , Fraktur der achten Rippe , Verstauchungen ,
    den Umsä?nden entsprechend gut ,Risiko einer Fehlgeburt .


    "Was ist mit Herrn Kranich? Engelhardt hat die bedrückte Stimmung bemerkt und reisst sich als Erste von ihren Gedanken los.
    Der Arzt schaut sie an und senkt nachdenklich den Kopf."Was ist mit ihm? , hackt Semir nach, nachdem Engelhardt ihm mit ihrer Frage aus den Gedanken gerissen hat. Für kurze Zeit herrscht wieder Stille.
    "Er ist noch im OP! Der behandelnde Arzt von Herrn Kranich heisst Dr. Fessman. Ich habe mich gerade noch mit ihm unterhalten. Herr Kranich hat, soviel ich weiss, einen Trümmerbruch des rechten Knies und eine Fraktur der unteren vier Rippen. Zwei der vier gebrochenen Rippen haben innere Organe schwer verletzt, weswegen es zu inneren Blutungen kam. Näheres weiss ich leider nicht.
    ... Sie können heute nur zu Frau Krüger.
    Dr. Fessman wird morgen für sie Zeit haben und dann entscheiden, ob Herr Kranich Besuch empfangen kann.



    Zögernd tastet seine Hand nach dem Türgriff. Langsam öffnet Semir die Tür, unwissend was ihn dahinter erwartet.
    Hinter ihm steht Andrea, welche nach wie vor seine Hand hält und ihm vorsichtig folgt.
    Engelhardt hat sich schon nach dem Gespräch mit dem Arzt verabschiedet um zum Revier zurückzufahren zu können, damit wenigstens einer dort die übersicht behält.
    Semir war darüber ganz froh gewesen, denn so hatte er die Möglichkeit sich etwas vertrauter mit Andrea zu unterhalten.


    Als Semir und Andrea den Raum betreten und Elena erblicken schließen sie die Tür und treten näher ans Bett heran.
    Elena schläft nur noch einige Schürf und Schnittwunden in ihrem Gesicht, auf den Händen und auf den Armen erinnern an den heutigen Tag.
    Es ist bereits Abend und erst als Semir aus dem Fenster sieht, bemerkt er, dass die Sonne schon untergeht und sich der Tag dem Ende neigt. Weder Semir noch Andrea wollen Elena aufwecken, doch als Semir sich einen Stuhl ans Bett ziehen will, rattert dieser laut über dem Boden.
    Semir verzieht das Gesicht über sein Missgeschick und blickt zu Elena.
    Vorsichtig bewegt sie ihren Kopf und öffnet langsam ihre Augen.
    Semir flucht in Gedanken. Er wollte sie nicht aufwecken. Elena hat heute schon so viel durchmachen müssen und Semir wollte ihr eigentlich die Ruhe gönnen, die sie verdient hat; doch jetzt ist es zu spät. Elena ist wach, vorsichtig nimmt er Elenas Hand "Hey Süße , beginnt Semir im leisem, heiserem Ton, "wie geht s dir?
    Elena braucht einige Zeit, bis sie antworten kann. Ihr Hals ist knochentrocken, das Schlucken fällt ihr schwer und es dauert, bis sie alle Ereignisse, von denen sie heute so überrumpelt wurde, zusammengesetzt hat.
    "Hey , beginnt Semir erneut "du musst nicht mit mir reden, wenn du nicht willst! .
    Semir lächelt Elena an und als auch ihr ein Lächeln entwischt, weiß Semir, dass sie ihm durchaus hätte antworten können, doch seine Frage war überflüssig gewesen und das wurde ihm jetzt klar.
    "War wohl ne doofe Frage, mmh?
    Elena sieht Semir an und plötzlich kommen all diese Gefühle wieder hervor; (die) Angst, Schmerz und Sehnsucht nach Tom. Ohne es unterdrücken zu können erkämpfen sich bereits die ersten Tränen den Weg den Wangen herunter.
    Das ist genau das, was Semir nicht wollte. Mit Mühe unterdrückt er sein Wirrwarr on Gefühlen und senkt den Kopf.
    Andrea steht am Fenster. Sie merkt, dass Semir hilflos dasitzt und nicht weiß, was er tun, was er Elena sagen soll.
    Mit leisen Schritten geht sie zu Semir und legt ihm ihre Hände auf die Schultern. Semir weiß sofort, was Andrea ihm damit sagen will, hebt den Kopf und steht vorsichtig vom Stuhl auf. Andrea dagegen setzt sich und nimmt Elenas Hand.
    Elena beobachtet das stille Treiben. "Tom, was ist mit ihm? , bringt sie mit Tränenerstickter Stimme hervor. Ihr ganzer Körper bebt und sie scheint all dem nicht standhalten zu können. Andrea kann ihrem Mitgefühl nicht den Weg versperren und weint mit, wobei sie trotz allem versucht, sich wenigstens ein bisschen zu beherrschen. Sie will Elena nicht anlügen!
    Sie kann höchstens versuchen, alles ein wenig sanfter klingen zu lassen.
    "Tom liegt auf der Intensivstation der Arzt sagt aber, dass er stabil sei. Es geht ihm also gut, mach dir keine Sorgen.
    Andrea schafft es, ein Lächeln auf Elenas Gesicht zu zaubern und merkt, dass Elenas Anspannung nachgelassen hat. Anscheinend haben ihr diese Worte genügt. Eine vertraute Stille setzt ein. Alle sind in Gedanken versunken, doch alle Gedanken drehen sich um das heutige Ereignis. Plötzlich geht die Tür auf und die Schwester tritt in den Raum.
    "Es tut mir leid, aber Frau Krüger braucht jetzt besser Ruhe. Ruhe ist der beste Weg zur Genesung. Sie können ja morgenfrüh wiederkommen.
    Mit Leichtigkeit hört man den besonderen Ton aus ihrer Stimme heraus; ruhig, leise, fürsorglich und mitfühlend.
    Andrea hatte ihn schon oft gehört und weß?, dass es ihr Job ist, die Leute zu beruhigen. Andrea selbst nennt ihn den "Alles-ist-in-bester-Ordnung-wir-kümmern-uns-um-alles-Ton .
    Mit einem entschuldigenden Blick, Elena allein lassen zu müssen, sieht Andrea zu Elena.
    Während die Krankenschwester den Infusionsbeutel wechselt, steht Andrea langsam vom Stuhl auf.
    Semir, der die ganze Zeit an die Wand gelehnt in die dunkele, schwarze Nacht starrte, stößt sich mit einem kleinen Schwung von der Wand ab und geht zum Bett. "Die Schwester hat Recht. Du solltest dich lieber ausruhen. Wir kommen morgen wieder, Elena. Mit einem Kuss auf die Stirn verabschiedet er sich. Andrea drückt ihr noch einmal aufmunternd die Hand und geht wortlos mit Semir zur Tür. Beide drehen sich noch einmal um, machen sich dann aber auf den Weg.
    Am nächsten Tag wacht Semir erst um halb zwölf auf. Es war eine anstrengende Nacht, denn er hatte noch stundenlang wach gelegen und nachgedacht.
    Als er die Augen öffnet, bemerkt er Andrea neben sich im Bett liegen.
    Um nicht allein sein zu müssen hatte sie ihm Gesellschaft geleistet in ihrem Gesicht merkt man gar nichts von den gestrigen Strapazen.
    Es ist nicht das erste mal, dass Semir neben Andrea aufwacht, doch die Beziehung zu Andrea ist schon seit jeher nicht durchgehend mal sind sie ein Paar, mal nur gute Freunde. Außenstehenden steht es gar nicht zu dies zu beurteilen, denn Laien ist es nur schwer nachvollziehbar, wie man eine so bruchstückhafte Beziehung führen kann.
    Es dauert eine halbe Stunde, bis Semir sich aufgerappelt und angezogen hat. Eigentlich hätte er schon um sechs zum Dienst antreten müssen, doch Semir macht sich fertig um ins Krankenhaus zu fahren. Andrea hatte er wecken müssen, doch nun steht auch sie im Bad und macht sich fertig.


    Um zwölf Uhr siebzehn betreten er und Andrea das Krankenhaus.
    "Ich möchte gern zu Tom gehen. Kommst du mit oder gehst du zu Elena? , Semirs Stimme hallt durch den kahlen, weissen Flur des Krankenhauses.
    Andrea antwortet ihm nicht. Sie weiß Semirs Angebot zu schätzen. Es war eigentlich keine Frage, sondern eher eine Aussage darüber, dass Semir Andrea und Elena allein lassen möchte Frau und Frau verstehen sich nun mal besser, wie Andrea schon gestern Nacht bewiesen hat.


    Während Andrea sich auf den Weg zu Elenas Zimmer macht, macht Semir sich auf die Suche nach dem Arzt von Tom um zu Fragen, wie es ihm geht und ob er zu ihm darf. Suchend läuft er in die Richtung der Intensivstation.
    "ä?h, Herr, entschuldigen Sie , ertönt knapp hinter ihm.
    Semir dreht sich um und erblickt einen Arzt Dr. med. Fessman ist auf dem weissen Namensschild zu lesen.
    "Sie wollen doch sicher zu Herr Kranich?!
    "Ja, wie geht s ihm? , Semirs Stimme klingt besorgt, die vom Arzt aber eher routiniert. "Ich war gerade noch mal bei ihm. Es gab gestern Nacht noch schwere Komplikationen! Semir erschrickt. Komplikationen?? Gerade dieses Wort will er jetzt nicht hören.
    "Komplikationen? Was soll das heißen? , entgegnet Semir ihm aufgewühlt. Der Arzt sucht die richtigen Worte und beginnt: "Gestern Nacht um& etwa viertel vor zwei haben die Geräte Alarm geschlagen. Es kam zu einem Herzstillstand. Es war ziemlich knapp aber... , der Arzt holt Luft und scheint sich von einer Last befreit zu haben, "der Grund, warum ich ihnen das erzähle ist, dass er heute Morgen schon wach war und sein Zustand ist überraschenderweise ziemlich stabil.


    Ein Lächeln breitet sich auf dem Gesicht des Arztes aus als er fortfährt. "Gestern Nacht hing sein Leben noch an einem seidenen Faden und so wie es momentan aussieht, flechtet er sich nach und nach ein Tau daraus!
    Tom war schon immer ein guter Kämpfer gewesen und das hat er jetzt demonstrativ bewiesen. All der Freude nimmt Dr. Fessman allerdings schon wieder den Wind aus den Segeln.
    "Es geht ihm trotz seines stabilen Zustandes nicht so gut. Wie ihnen Dr. Roth gestern schon mitgeteilt hat, hat er sich mehrere Frakturen zugezogen. Die inneren Blutungen haben wir gestern stoppen können und machen mir im Gegensatz zum rechten Knie keine Sorgen.
    "Was soll das heissen?
    "Sein rechtes Knie hat ein Trümmerbruch erlitten. Wir haben zwar alle Knochensplitter aus dem Knie entfernen können, aber ... na ja, ich denke schon, dass er das Bein bald wieder schmerzfrei und ohne Probleme normal belasten können wird, doch im Moment steht es leider noch in den Sternen, ob das Bein, beziehungsweise das Knie auch höhere Belastungen aushält, wie es auch beispielsweise beim Rennen der Fall ist.
    Der Arzt schweigt und seine Worte klingen noch immer in Semirs Ohren.
    "Er ist noch sehr schwach. Bis gerade wurde er noch beatmet, da die Spontanatmung noch nicht regelmäßig genug einsetzte, doch wir haben ihm vor einer halben Stunde den Tubus entfernt. Ich denke er wird heute nicht mehr aufwachen, aber sie könne gerne zu ihm.
    Wortlos und in Gedanken versunken folgt Semir dem Arzt zu Toms Zimmer, zieht sich einen grünen Kittel und einen Mundschutz über und betritt den Raum.
    Aus den Informationen des Arztes hat Semir entnommen, dass Tom zwar einen schweren Rückschlag erlitten hat, aber trotzdem auf dem Weg der Besserung ist.
    Semirs Blick schweift durch den Raum, begleitet von dem unaufhörlichen Piepsen des EKG- Gerätes. Sofort springt Semir der sterile Geruch des Krankenzimmers in die Nase. Langsam tritt er ans Bett heran. Sein Blick nun über Toms Körper schweifend. Auch Tom hat viele Schürfwunden. Wie Elenas sind auch Toms Hände, Arme und sein Gesicht vom Unfall stark geprägt.
    Man meint den Unfall genau nachvoll-ziehen zu können - wie Tom und Elena von der Druckwelle durch die Luft geschleudert und über den harten, rauen Asphalt geschliffen wurden.
    Links von ihm steht ein Infusionsbeutelständer wobei von dem daran hängenden Infusionsbeutel ein dünner Schlauch zu Toms Handrücken reicht. Semir setzt sich auf einen Stuhl an Toms Bett und schaut aus dem Fenster. Genau wie bei Elena weiss er nicht was er tun könnte und entschließt sich einfach bei ihm zu sein - ohne Worte, ohne Gesten.
    Er denkt über vieles nach über Tom und ihm, wie sie sogar die gefährlichsten Situationen mit einem Lächeln auf dem Gesicht gemeistert haben und über Tom und Elena. Es ist verständlich, dass sich all seine Gedanken um Tom drehen wie könnte es auch anders sein. Minuten um Minuten vergehen, bis Tom sich unverhofft bewegt. Semir schreckt auf. Er sitzt nun schon fast seit drei Stunden an seinem Bett.
    "Tom!? Hey Kumpel, du bist wach?
    Semirs Gesichtsausdruck ist voller Freude und Hoffnung, als Tom nach kurzer Zeit antwortet.
    "Semir? Seine Stimme klingt sehr leise und heiser, fast lautlos.
    Semir merkt, dass Tom viel Kraft aufwenden muss, um zu reden.
    "Ja, ich bin s. Hab schon gedacht ich fahre den ganzen Weg bis zum Krankenhaus umsonst das Benzin ist teuer!
    Semirs Versuch, Tom schon jetzt ein Lächeln zu entlocken scheint verfrüht, aber nicht umsonst. Tom schafft es zwar nicht wie sonst zu lachen und ihm einen gezielten Hieb auf den Oberarm zu versetzen doch er lächelt.
    "Wie geht es dir?
    Semirs Stimme trägt einen sorgenvollen Tonfall, obwohl er die mühsam aufgelockerte Stimmung eigentlich nicht dämpfen wollte.
    Es vergeht ein Moment bis Tom antwortet. "Elena? Was ist mit ihr? , fragt Tom bittend, während er Semirs Frage missachtet. Semir setzt ein Lächeln auf, holt tief Luft und antwortet beschönigend. "Ihr geht s gut: Sie liegt zwei Etagen tiefer und hat sich schon ganz gut erholt. Andrea ist bei ihr! Elena hat auch schon nach dir gefragt. Sie war gestern schon wach und wollte dich sehen, aber sie darf nicht auf die Intensivstation.
    Obwohl Tom über Semirs Offenheit froh ist, harkt er trotzdem noch nach.
    "Ist sie schwer verletzt? Semir wartet einen Moment, antwortet ihm aber doch noch: "Nicht so schlimm wie du, Tom. Sie hat einen Bumskopf, eine gebrochene Rippe und Prellungen. Es geht ihr aber gut. - um zu verhindern, dass Tom noch länger darüber nachdenkt fügt er schnell hinzu : "Dem Baby ist Gott sei Dank nichts passiert. Man hat mehrere Untersuchungen vorgenommen aber es ist alles paletti!
    Tom wendet seinen Blick von Semir ab. "Darf ich zu ihr? , bittet er, doch Semirs Gesichtsausdruck verrät ihm schon die Antwort!
    "Tom... der Arzt hat dir strickte Bettruhe verordnet. Genauso wie Elena darfst auch du nicht aufstehen. Davon abgesehen, dass du es momentan auch gar nicht kannst. Semirs Stimme klingt ermahnend, doch seine Worte dringen gar nicht bis zu Tom durch. "Warum darf ich nicht zu ihr, Semir? , drängt Tom.
    Semir merkt, dass er seine Antwort nicht akzeptieren will.
    Nach kurzer Zeit des Schweigens beginnt er von vorn um es ihm deutlicher zu machen. "Du darfst nicht zu ihr weil du zu schwer verletzt bist und Ruhe brauchst... und ich denke du weißt das auch!... Tom, ich verspreche dir morgen mit dem Arzt zu sprechen, o.k?
    Semir erhält keine Antwort von Tom, überlegt kurz ob er noch bleiben soll, entschließt sich aber dafür lieber zu gehen. Vor der Tür bleibt Semir stehen, dreht sich um und sucht Toms Augenkontakt - ...vergebens!
    "Es tut mir leid Tom, aber& , Semir seufzt, "...gute Besserung! Ich komme heute Abend noch mal.
    Enttäuscht über Toms Ignoranz senkt er den Blick, dreht sich zur Tür und geht. Er kann Tom gut verstehen. Im Krankenhaus zu liegen ist für Tom schon schlimm genug. Zusätzlich aber auch noch nicht einmal Elena sehen zu dürfen war für Tom schlimm genug um auf eigene Faust loszumarschieren.


    Gerade als Semir auf dem Weg zu Elenas Zimmer ist, kommt Andrea ihm entgegen.
    "Ich wollte grad... , ?sie schläft seit ein paar Minuten , unterbricht ihn Andrea als sie zusammentreffen. Semir schweigt und blickt in Andreas Augen. Augen voller Traurigkeit und Mitleid. Andrea war schon immer sehr sentimental, momentan wahrscheinlich die beste Person für Elena.
    Wortlos machen sich Semir und Andrea auf den Weg zum Wagen, bis Andrea die Stille bricht.
    "Wie geht es Tom?
    "Ich habe mit dem Arzt gesprochen. ... Es geht ihm ziemlich schlecht, aber er versucht es sich nicht anmerken zu lassen. Die Ärzte wissen noch nicht einmal, ob er jemals wieder richtig laufen können wird. Er... er wäre gestern Nacht fast
    gestorben!
    "Oh mein Gott Andreas Auge füllen sich mit Tränen. Semir merkt wie hart seine Worte in ihren Ohren klingen müssen:
    "Es war ziemlich knapp. Er ist noch sehr schwach und quält sich bei jedem Wort.
    Andrea und Semir sind bereits stehen geblieben. Um die Stimmung nicht noch weiter zu trüben wechselt er vorsichtig das Thema.
    "Er will unbedingt Elena sehen, aber &
    "Aber es geht nicht, weil Aufstehverbot gilt, he? , unterbricht Andrea.
    Ein Ansatz eines Lächelns huscht durch beide Gesichter.
    "Ja, aber so wie ich Tom kenne, steht er auf, sobald niemand hinsieht um los zu marschieren. Er ist noch wach, aber ich dachte ich lasse ihn lieber allein. Das hat ihn alles ziemlich mitgenommen, und ich war Sicherheitshalber noch einmal bei der Schwester, damit sie auf ihn besonders Acht gibt.
    Andrea nickt, denn auch sie würde nichts anderes von Tom erwarten.
    "Und was ist mit Elena? Ich wollte ja eigentlich noch vorbeikommen, aber du bist mir ja schon entgegengekommen . Andrea braucht noch einige Zeit bis sie Semir antworten kann. Sie hätte nicht gedacht, dass es ihm so schlecht geht. "Sie ist eingeschlafen. Als ich kam war sie noch wach und wir haben uns ein wenig unterhalten. Vor allem über Tom und das Baby. Das hat sie alles auch ziemlich mitgenommen. Sie hat von der Explosion erzählt von dem, woran sie sich noch erinnern kann.
    Erneut steigen ihr Tränen in die Augen. Obwohl sie von Semir wegblickt um sich zu fassen, bemerkt Semir, wie aufgewühlt Andrea ist und nimmt sie in die Arme.
    Fest umschlungen stehen sie da. Umgeben von den herumeilenden Menschen und den weissen Wänden der Empfangshalle des Krankenhauses. Verloren in der Anonymität in der Anonymität, die Tom hier so sehr hasst.


    Langsam öffnet Tom die Augen. Sofort fallen ihn die weissen Wände an und die große Unzufriedenheit, welche schon vor Tagen Einzug genommen hat, macht sich bemerkbar. Wie er diesen Raum hasst. Die weissen, kahlen Wände, welche den Raum eigentlich erhellen sollen, zerdrücken ihn.
    Als Tom sich aufsetzen will durchzieht ein wilder Schmerz seinen Körper und nach und nach kehren die Erinnerungen an den Tag zur?ck, an den er Zürs da letzte Mal gesehen hat es war und ist der wahrscheinlich schrecklichste Tag seines Lebens. Wie an jedem frühen morgen seit dem Anschlag auf Tom tauchen Bilder jenes Tages vor seinen Augen auf. Niemals wird er den Augenblick vergessen, als Elena ihn voller Furcht ansieht, während er sie aus dem Wagen zerrt. Es ist bereits fünf Tage her und die Schmerzen sind wie am ersten Tag. Tom kann sich kaum bewegen, doch schuld daran ist er selbst. Gestern früh, noch bevor er sich dazu entschloss auf eigene Faust zu Elna zu gehen, hatte er keine starken Schmerzen mehr. Auch als er vorsichtig aufgestanden war und losging, nachdem er sich gewaltsam von der l?stigen Infusionsnadel in der rechten Hand befreit hatte, hätte er nicht gedacht, dass er nur die Hälfte des Weges zu Elena schaffen würde. Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht? Er wusste noch nicht einmal die Zimmernummer von Elena, doch trotzdem konnte ihn nichts mehr davon abhalten zu Elena zu gehen abgesehen von seinen Beinen. Sein rechtes Bein konnte er nicht richtig belasten, weswegen er humpeln musste. Schon in Laufen von wenigen Minuten wurde ihm schwindelig. Nur mit Mühe hielt er sich bis dahin noch auf den Beinen, bis seine Schmerzen zu stark wurden und seine Kraft endgültig am Ende zu sein schien. Von der einen auf der anderen Sekunde ging das Licht aus. "Hey, Herr Kranich , ertönte eine Stimme weit entfernt, kurz bevor er zu Boden sackte. Er hat keine Ahnung, wie er wieder in sein Bett gekommen ist, doch nun liegt er hier. Schmerz pocht in seinem Körper. Plötzlich erblickt er Semir und Andrea rechts von ihm neben dem Bett. Beide richten ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn, als er versucht zu sprechen. Doch sein Mund ist knochentrocken und der Klos im Hals verwehrt es ihm, irgendein Ton von sich zu geben. Erschöpft, allein von dem Versuch zu sprechen, gibt er auf und hebt stattdessen seine Hand. Semir reagiert sofort auf Toms Zeichen.
    "Na du? Hab ich dir nicht verboten aufzustehen? Ich hoffe du bist dir in klaren, dass du jetzt drei Monate Hausarrest hast!?


    ..



    Das war typisch Semir. Anstatt tröstender Worte versucht er Tom aufzuheitern. Ein leichtes Lippe geht Tom von den Lippen, welches niemals mit dem breiten Grinsen Semirs mithalten könnte. Das wäre jetzt eigentlich genau das, was Tom gebrauchen könnte Optimismus und Witz -, doch das ist genau das, was Tom gerade jetzt nicht hat. Trotzdem ist er Semir dankbar, denn seine Art mit schwierigen Situationen umzugehen, hat er schon immer gemocht. Andrea dagegen ist eher der Standpaukentyp, wenn Semir ihr die Rolle des Elternteils schon vor der Nase weggeschnappt hat und ist etwas ernster.
    "Vielleicht hättest du da lieber nicht tun sollen. Tom... ich will dir ja kein Standpauke halten, aber du hast dich in große Gefahr gebracht. Ein Kreislaufzusammenbruch ist genau das, was du nicht brauchst. Du kannst von Glück reden, dass der Polizist dich gesehen und den Arzt gerufen hat.
    Toms folgender Gesichtsausdruck schaltet Semir wieder ein, welcher nun ernster spricht. "Seit dem Unfall wirst du von zwei Beamten bewacht. Zürs hat es auf dich abgesehen und ich will nicht, dass er sein Ziel erreicht. ... Ich weiss, wir hätten dir es sagen müssen, aber so wie ich dich kenne, hättest du sie verscheucht.


    Irgendwie hätte Tom es eigentlich wisse müssen. Es war klar, dass Zürs es nicht bei einem Anschlag belassen würde.
    "Du willst ihm doch nicht die Arbeit abnehmen, oder?
    Andrea hat nun auch auf die heitere Seite gewechselt, doch die ernste Mahnung in diesem einen Satz ist nun auch nicht zu überhören.
    "Da erlaubt sich der eine Polizist mal eben aufs Klo zu gehen und der andere ne Zeitung zu lesen und du machst dich gleich vom Acker.
    Tom möchte was sagen, doch er bringt keinen deutlichen Ton heraus. Nur ein leises, angestrengtes Flüstern teilt Semir die Frage nach Zürs mit.
    Semir überlegt kurz und Tom weiß, dass er sich unsicher ist, wie er ihm den Stand der Ermittlungen mit wenigen Worten beschönigend mitteilen kann.
    "Naja, ich bin fleißig am ermitteln, habe Gott sei Dank bis jetzt noch keinen BMW zum Schrottplatz fahren müssen und bin mir sicher, dass wir ihn kriegen.
    Semir stockt und entschließt sich, offener zu sein. Wenn jemand ein Recht darauf hat, dann Tom!
    "Wir haben ihn zwar schon aufgescheucht, aber er war uns ein Schritt voraus und ist uns entwischt. Momentan ist er woanders untergetaucht, aber ich krieg ihn, das verspreche ich dir!
    Toms Anspannung lässt trotzdem nicht nach.....
    .......
    .... am nächsten Tag wacht Tom erst spät auf. Die ganze Nacht lang hatte ihn der Gedanke gequält, dass Zürs noch nicht genug hatte und sich erneut an Elena vergreifen könnte.
    Er ist auf der Seite liegend aufgewacht und somit ist sein Blick automatisch auf den rhythmisch- tickenden Wecker auf seinem Nachttisch gerichtet, welcher ihm das verpasste Mittagessen mitteilt, da die Mittagszeit bereits vorüber ist.
    "Es ist 13 Uhr, 21 Minuten und 9 Sekunden.........piep........ es ist 13 Uhr, 21 Minuten und 12 Sekunden...... . Ein unvorstellbares Lächeln bahnt sich den Weg auf Toms Gesicht, als er die wohlklingende Stimme Elenas neben sich wahrnimmt.
    Voller Vorfreude dreht er den Kopf auf die andere Seite, um Elena endlich wieder in die Augen blicken zu können.
    Wie sehr hatte er sie vermisst! ihre Wärme- ihren Duft ihre Anwesenheit.
    "Elena! Toms Stimme klingt unsicher, als würde er nicht glauben, dass sie hier neben ihm am Bett sitzt, was er beim Aufwachen nicht bemerkt hatte.
    Es ist das erste Mal seit einer Woche, dass in Toms Stimme wieder Lebensfreude auflebt.
    Entschlossen hebt er die Hand und streicht Elena zärtlich durchs Gesicht, als Tränen ihren Augen einen gewissen Glanz verleihen.
    Ein breites Lächeln, breiter als Semirs Lächeln jemals sein wird, zieht eine Kontur in Toms Gesicht.
    "Wie geht s dir?
    Elenas Frage wirkt herantastend, hat jedoch einen viel tieferen Hintergrund, als man es je vermuten würde.
    Auch Tom kämpft mit den Tränen *wie sehr ich sie vermisst habe* !
    Elenas Augen spiegeln neben Wiedersehenfreude aber auch Traurigkeit über die vergangenen Tage, welche nicht nur für sie so anstrengend waren.
    Langsam beugt sie sich nach vorn und haucht Tom verständnisvoll eine zarten Kuss auf die Lippen, während sich die ersten ihrer Tränen der Erdanziehungskraft beugen.
    Eigentlich vermag keiner der beiden die besondere Situation des Wiedersehens zu beenden, doch Tom bricht die emotionale Stimmung als er sich aufrichtet.
    Noch immer spürt er die Auswirkungen seines lächerlichen, gestrigen Versuchs zu Elena zu gehen, bei dem er zusammenbrach.
    Elena bemerkt seinen, anscheinend schlecht versteckten, schmerzvollen Gesichtsausdruck und sieht Tom beängstigt an ? Tom.... du darfst nicht aufstehen! versucht sie ihn zu belehren, doch vergebens.
    Ton verharrt in einer sitzenden Position auf der Bettkante, den Blick auf den Boden gerichtet- konzentriert darauf den sich drehenden Raum zum stillstand zu bringen.
    Erst jetzt bemerkt er , dass Elena von ihrem Stuhl aufgestanden ist und vor ihm steht- darauf vorbereitet Tom notfalls ins Bett zurückzuzwingen.
    Es vergeht ein Augenblick, bis sie sich zögernd neben ihm aufs Bett setzt.
    "Hey, wie geht s dir? fragt Tom, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.
    Er hebt den Kopf , schaut Elena tief in die Augen, bemerkt, wie sie nach Worten sucht und will seine Frage gerade wiederrufen, als sie unverhofft antwortet, während sie nach seiner Hand tastet
    "Mir geht s gut, Tom, aber ich hab dich als erstes gefragt! beantwortet sie seine Frage mit einem kindlichem Unterton.
    Obwohl Elena noch leichte Schmerzen hat und hin und wieder von leichten Schwindelanfällen überfallen wird, war die Lüge gar nicht soo groß, denn jetzt geht es ihr so gut wie schon lange nicht mehr.
    Tagelang durfte sie Tom nicht besuchen , bis sie erfuhr, dass sie morgen entlassen werden würde und nach einem ausführlichem Gespräch mit Toms Arzt, welcher Toms gestrige Aktion anscheinend überredet hatte, endlich zu Tom durfte.
    Der Arzt hatte ihr die Aktion von Tom und die daraus resultierenden, wieder stärkere, Schmerzen berichtet, und dass er Schmerzen hat steht auch außer Frage, denn die "Ich-fühl- mich- blendend- Maskerade konnte sie schon lange nicht mehr täuschen.
    Als sie Tom tief in die Augen schaut macht sich ihre so lang gestaute Sehnsucht bemerkbar, sodass sie sich erneut zu Tom hinüberbeugt und einen weiteren Kuss auf die Lippen haucht, welcher von Tom aber prompt in einen leidenschaftlichen Kuss verwandelt wird.



    Semir und Andrea, welche erst jetzt Zeit gefunden haben kurz von der Arbeit loszukommen, laufen währenddessen den weiß gestrichenen, kahlen Flur des Krankenhauses entlang, bis sie schließlich an Toms Zimmer ankommen.
    Vorsichtig tastet Andrea nach dem Türgriff um ihn leise herunterzudrücken, mit dem Hintergrund, dass Tom schlafen könnte.
    Nachdem sich die Tür geräuschlos öffnen lässt stockt Andrea jedoch als sie Tom und Elena eng umschlungen auf dem Bett sitzen sieht.
    Semir schaut Andrea fragend über die Schulter. Als auch er die beiden Turteltauben entdeckt entwischt ihm ein glückliches Grinsen.
    Von der emotionalen Atmosphäre in Toms Zimmer erfasst, legt er zärtlich seine Hände um Andreas Hüfte.
    Ihr leichtes zucken teilt ihm ihre Überraschung mit, unbemerkt, dass sich Andrea leicht gegen Semir lehnt, um seine Wärme voll ausschöpfen zu können- diese Geborgenheit hatte sie schon lange vermisst.
    Tom und Elena sitzen währenddessen noch immer ahnungslos auf dem Bett, ohne voneinander abzulassen.
    Nach einem weiteren Augenblick öffnet Semir seinen Mund, darauf eingestellt, dass er die Atmosphäre dämpfen wird, wenn er die beiden stört.
    Um deshalb nicht einen Hieb von Andreas Ellenbogen zu kassieren, welche den Anblick von den beiden genauso wie Semirs Zärtlichkeiten zu genießen scheint, zögert er.....
    Leicht zieht er Andrea noch näher an sich heran.
    "Meinst du ihnen geht irgendwann vielleicht noch mal die Luft aus? , flüstert er fast unhörbar. "Wenn sie dem Erstickungstod nahe sind können wir unsere Unzertrennbaren ja immer noch voneinander trennen , entgegnet Andrea ebenso fast unhörbar, aber anscheinend trotzdem noch laut genug um Tom leicht zusammenzucken zu lassen.
    Ohne zur Tür blicken zu müssen weiß Tom, wen er dort vorfinden würde.
    Gerade erst von ihr losgelöst gibt er Elena noch einen Kuss, bevor er sich verlegen an Semir und Andrea wendet, welche noch immer am Türrahmen verweilen.
    Elena verflechtet ihre Hand in seine, als er plötzlich bedrückt Semirs Augenkontakt sucht.
    Semirs gute Stimmung verfliegt. Er hat begriffen was Tom plötzlich so überrumpelt hat und läst gedankenversunken den zärtlichen Griff um Andreas Häfte und tritt neben sie.
    "Es gibt nichts neues von Zürs, Tom!
    Erschrocken bemerkt er die Entschlossenheit und vor allem Hass in Toms Augen.
    "Ich werd ihn kriegen, Semir und....
    "Nein, Tom! , unterbricht ihn Semir, das wirst du nicht! Mal ganz abgesehen von deinem körperlichen Zustand- was würdest du mit Zürs machen, hm? ,entgegnet ihm Semir mit einem ungewohnt ernsten Tonfall.
    "Ich bin Polizist, Semir! ,antwortet Tom sicher.
    Andrea und Elena verfolgen das Gespräch zwischen Tom und Semir, das mehr ohne als mit Worten stattzufinden scheint, dagegen sehr unsicher.
    Die einkehrende Stille raubt allen die Luft, gibt aber wiederum Raum um sich zu besinnen.
    "Tom! Na wieg geht s dir alter Kumpel? Ich hab gehört, dass es dich wohl ganz schön von den Socken gehauen hat, aber dir scheint s ja wieder besser zu gehen! , grölt eine altbekannte Stimme und erfüllt den Raum, während die Atmosphäre in Fetzen gerissen wird.
    Schröder schiebt sich mit einem großen Blumenstrauß, unbeachtet der Ruhe im Raum, an Semir und Andrea durch die Tür vorbei und stolziert fröhlich zu Tom ans Bett.
    "na, dein Liebesleben scheint ja nicht darunter gelitten zu haben- ihr sitzt da wie zwei Vögel im tiefen Winter auf einem Ast! . Schröder deutet auf Tom und Elena, welche nach wie vor eng beieinander auf der Bettkante sitzen, und zwinkert ihnen schelmisch zu.
    Trotz, oder gerade wegen Schröders unpassendem Auftritt, entspannt sich die allgemeine Stimmung.
    Vom vorherigen Thema abgelenkt schüttelt Tom lachend den Kopf- Schröder war jetzt eigentlich genau der , den sie nicht brauchten, oder auch doch wieder brauchten.
    Sein unerklärlicher, immer anhaltender Optimismus und sein Glück immer in die unpassensten Situationen hereinzuplatzen ließ keinen Raum mehr um Trübsal zu blasen..........
    Fortsetzung: Teil II


    ......quietschende Reifen alarmieren die Fußgänger sich schleunigst aus dem Staub zu machen.
    Das laut dröhnende Martinshorn durchzieht die von Menschen und Autos gefüllten Strassen wie ein Schleier.
    Erschreckend plötzlich schießt ein dunkler Jaguar über die Kreuzung, einen silbernen BMW dabei im Schlepptau.
    "Mich hängst du nicht ab, Zürs- niemals!
    Semir verfolgt den Jaguar bereits seit einigen Kilometern.
    Zwei weitere Polizeiwagen hängen sich hinter Semir, mit dem sie allerdings nur schwer mithalten können.
    "Semir?.... , die angespannte Stimme Andreas tönt durch die Lautsprecher des Funkgerätes, ?...ungefähr 500 Meter vor euch ist eine Straßensperre aufgebaut worden!
    Eilig greift Semir nach dem Funkgerät, nachdem er im letzten Moment das Lenkrad nach rechts eingeschlagen hatte: 2Ja, das ist ja schÖn und gut, aber was ist, wenn ich dir jetzt sage, dass er gerade rechts in die Meinhauer- Strasse abgebogen ist?
    Semirs Stimme klingt aufgeregt aber dennoch routiniert, denn gerade ist der Jaguar noch im letzten Augenblick in die rechte Seitenstrasse geschlittert. Semir hÄtte die Kurve fast verpasst, doch nach einigen Korrekturen verfolgt er den Jaguar wieder auf sicherer Spur.
    Immer wieder schafft es ZÜrs den entgegenkommenden Polizeiwagen gekonnt auszuweichen, sodass er sich einen kleinen Vorsprung herausfÜhrt.
    Semir allerdings zeigt sich unbeeindruckt und holt schon nach wenigen Metern wieder auf.
    Den Wagen auf der Strasse bleibt kaum Zeit eine Schneise zu bilden, um nicht in die Verfolgungsjagd mit einbezogen zu werden.
    Semir zuckt am Steuer zusammen, als ZÜrs dennoch zwei Wagen streift und aufgrund des AusweichmÖnnevers ungewollt links auf einen Parkplatz abbiegt.
    Seine erschrockene Unaufmerksamkeit wird mit einer seitlichen Kollision seinerseits mit einem LKW quittiert, als er ebenfalls auf den Parkplatz abbiegen will. Die harte Kollision geht auf Semirs ganzen KÖrper Über und macht sich schmerzlich bemerkbar.
    Noch etwas benommen bringt er den noch rollenden BMW mit Vollgas auf den Parkplatz.
    Passanten ergreifen die Flucht vor dem heranrasenden Jaguar und schauen ihn anschlie?end empÖrt und schimpfend nach, bis sie einen weiteren Satz zur Seite machen mÜssen um dem BMW platz zu machen.
    Semir scheint durch seine Kollision Überraschenderweise kaum Zeit verloren zu haben.
    Auf dem unverschÄmt eng angelegten Parkplatz verhindern nur reaktionsschnelle AusweichmanÖver weitere UnfÜlle- so weicht ZÜrs auch einem gerade rÜckwÄrts setzenden PKW aus , schafft es aber nicht mehr den Wagen gezielt unter Kontrolle zu bringen.
    In Sekundenbruchteilen bricht der Jaguar abwechselnd zu beiden Seiten aus.
    Ein lautes Scheppern beendet das Schauspiel, als ZÜrs im Angesicht den endenden Parkplatzes nach rechts lenkt um den Parkplatz Über eine Treppe zu verlassen.
    Unkontrolliert rutscht der Wagen geradeaus, wÄhrend er sich nach rechts dreht.
    Er kommt erst durch die Kollision mit parkenden Pkws, welche das Ende des Parkplatzes in Form einer waagerechten Parklinie darstellen, zum Stillstand.
    Semir kann nur noch durch eine Vollbremsung schlimmeres verhindern, hat aber auch Schwierigkeiten den Wagen dabei noch auf der Spur zu halten.
    2Jetzt hab ich dich! , freut sich Semir!!
    Erst als auch der BMW zum stillstand gekommen ist, und Semir die FahrertÜr aufrei?en will um aus dem Wagen in die Richtung des Jaguars zu stÜrmen, wird ihm klar, dass er den Wagen so unglÜcklich abgebremst hat, sodass die FahrertÜr von parkenden Autos blockiert ist.
    Eilig lehnt er sich zur BeifahrertÜr , doch durch die vorherige Kollision mit dem LKW hat sich der TÜrrahmen verzogen, weswegen auch sie sich nicht Öffnen lÄsst.
    Gezwungenerma?en wÄhlt Semir den Weg durch das Schiebedach, doch wÄhrend er sich aus dem Auto schwingt rennt eine Passantin zum Jaguar, der bereits zu qualmen beginnt, um zu helfen.
    2Hey!
    Semir ist Über das lebensmÜde Verhalten der Frau schockiert, bis ihm klar wird, dass sie wahrscheinlich denkt, sie hÄtte es mit einem harmlosen Verkehrsrowdy und nicht mit Leon ZÜrs zu tun.
    Dass ZÜrs nicht nur ein Verkehrsrowdy ist wird ihr erst schlagartig klar, als ZÜrs sie blitzartig festhÄlt, wÄhrend sie dabei ist die TÜr zu ?Öfnen.
    Semir, der sich gerade erst aus seinem 2Do- it- yourself- GefÄngnis befreit hat rennt mit gezogener Dienstwaffe los, stoppt aber 3 Meter vor dem ehemaligen Jaguar, welcher zusammengequetscht vor den ebenfalls ehemalig parkenden Autos hÄngt.
    ZÜrs hatte es bereits geschafft sich aus dem Wagen zu ziehen und hÄlt der Frau einen Waffe am Kopf.
    2Gerkhan! schreit er ersch?pft.
    Semir zielt auf ZÜrs, unsicher was passieren wird. Er hofft, dass Zürs körperlicher Zustand ihn selbst dazu überredet aufzugeben, denn im Gegensatz zu Semir, welcher von der Kollision mit dem LKW weitesgehend unverletzt blieb scheint Zürs aufgrund des Unfalls deutlich starke Schmerzen zu haben. Obwohl nur eine Platzwunde einen Aufschluss darauf geben kann, dass der Aufprall ziemlich hart gewesen sein muss, ist sich Semir sicher, dass Zürs nicht ohne weitere Verletzungen davongekommen ist.
    ?Lass die Frau gehen, Zürs! , fordert Semir ihn auf.
    Ein niederträchtiges Lachen teilt Semir Leons Standpunkt zu seiner Aufforderung mit, während er die Waffe noch fester an den Kopf der Frau presst.
    "Waffe runter, Gerkhan..............oder ich drück ab!
    Die beängstigende Sicherheit in Zürs Stimme l?sst Semir schaudern. Zögernd blickt er die Frau an, die in Todesangst seinen Blickkontakt sucht und ihn krampfhaft festzuhalten scheint.
    Weitere Polizeiwagen füllen den sowieso schon viel zu kleine Parkplatz
    Die Beamten springen aus ihre Fahrzeugen und zielen ebenfalls hinter der aufgestoßenen Tür auf Zürs.
    Aufgeregt sieht sich Zürs um.
    "Ich sag s nicht zweimal, ...... oder soll ich diese Schönheit hier dem Erdboden näher bringen?! Drohend zieht Zürs die Frau näher an sich heran.
    Semir zögert noch immer, sichert dann aber seine Waffe "Ok, ok- ich lege sie auf dem Boden-..... nehmt die Waffen runter! Semir lässt seinen Blick nur flüchtig über seine Kollegen wandern, die seinem Befehl wortlos folgen.
    "Na, die hast du aber gut trainiert, Gerkhan! Zürs schadenfreudiger Tonfall und sein verzerrt wirkendes Lächeln konkurrieren.
    "Zürs, lass sie gehen! , ermahnt Semir ihn, doch dessen Lächeln wird noch breiter.
    "Du glaubst jawohl nicht im Ernst, dass ich die Süße hier gehen lasse und ihr dann freie Schussbahn habt. Für wie doof hältst du mich eigentlich? Ich dachte die Autobombe war genug Beweis dafür, wie hilflos ihr seid- ach.. wie geht es Kranich eigentlich? So ne Autobombe ist ja schon schmerzhaft, aber immer wieder sehenswert.
    Semir ist kurz davor einfach wieder nach seiner Waffe zu hechten um Zürs sein ganzes Magazin zu schenken.
    Unsicher nimmt er wahr, wie Zürs den Griff um die Geisel weiter festigt und beginnt sich nach hinten, in die Richtung eines Caf´s, welches direkt am Parkplatz anliegt, zurückzuziehen. Immer wieder sind angststöhnende Geräusche der Frau eine gleichzeitige Warnung an Semir nicht zu handeln.
    Das unwohle Gefühl breitet sich immer weiter in Semirs Körper aus, während die Anzahl der Schaulustigen trotz der Gefahr, die von Zürs ausgeht, wächst.......
    ..... Semir! Ich mach dir ein Angebot! Zürs hat sich bereits, ohne daran gehindert zu werden, sehr weit zurückgezogen und Semirs Konzentration wächst mit seiner Aufmerksamkeit als Zürs fortfährt ?Wie wär s mit einem Tauschhandel? Die Braut hier gegen.....Kranich .........



    ......im Krankenhaus packt Tom gerade seine Sachen. Als Elena ihn seine Jacke reicht horcht er auf, nimmt ihre Hand und zieht sie vorsichtig an sich heran.
    Widerstandslos begibt sie sich in seine Fänge und legt ihm ihre Hände erwartungsvoll auf die Brust. "Keine Jacke? Du willst also doch noch hier bleiben, verstehe!
    Obwohl sie Toms zärtliche Absichten zu erkennen meint, lässt sie ihn zappeln.
    Es waren bereits drei Tage vergangen, seitdem sie die Besuchserlaubnis vom Arzt bekommen hatte und da Tom wieder vollkommen fit ist wurde ihm gestern die heutige Entlassung mitgeteilt, die er jubelnd entgegengenommen hatte..
    Tom senkt seinen Blick und streicht zärtlich über ihren Bauch ?Na Bruno, alles paletti? , fragt er zu Elena aufblickend und bemerkt, wie ihr ein Lächeln entwischt-
    Tom liebt es mit seinem Nachwuchs zu reden.
    "Na ja, über den Namen müssen wir uns aber noch mal ernsthaft unterhalten , scherzt Elena und legt die Arme über seine Schultern.
    Unbeirrt hält Tom einen tiefen Augenkontakt zu ihr, ohne sich zu nähern.
    Stattdessen führt er zärtlich die Konturen ihres Gesichtes nach "Elena..... , Tom stockt und merkt wie ihm ein Kloß in seinem Hals das Sprechen verbieten will. In der Hoffnung, dass seine Stimme nicht versagt beginnt er erneut, während Elena ihn besorgt aber ahnungslos ansieht.
    "Elena, der Ort ist vielleicht nicht.... , das erneute stocken verursacht gezwungenermaßen ein Lächeln seinerseits, das Elena zu entspannen scheint. "Hey, was ist los? , harkt Elena nach.
    Nach einer kurzen Verschnaufpause und neuer Konzentration beschließt er, nicht lange drum herum zu reden. "Elena,...............willst du mich heiraten?
    *So, nun ist es raus*
    Er wollte sie eigentlich schon lange fragen, doch der richtige Zeitpunkt war bis jetzt noch nicht gekommen- abgesehen davon, dass ein Krankenhauszimmer vielleicht nicht der beste Ort, die Atmosphäre im kahlen Raum nicht die romantischste und auch der sonstige Zeitpunkt sicherlich sowieso nicht der passenste ist.
    Ein unvorstellbares Glänzen in Elenas Augen spiegeln das Licht der spärlichen Deckenleuchte, die ihre Augen noch mehr zum funkeln bringen.
    *Na ja, wenn ich recht bedenke...... jetzt ist die Atmosphäre romantisch*
    Irritiert davon, dass Elena anstatt zu antworten einfach nur fassungslos dasteht, will Tom fortfahren
    "...Ich weiß, dass ich dich jetzt über... , doch jede weitere Erklärung wird von Elena durch einen leidenschaftlichen Kuss erstickt.
    Zärtlich fährt Toms Hand Elenas Körper hinunter und verharrt auf ihrer Häfte, während sie sich näher aneinander schmiegen.
    Als sie sich wieder voneinander lösen hätte sie noch nicht einmal eine Blaskapelle stören ablenken können, so fixiert sind beider Aufmerksamkeit aufeinander.
    Ihre bebendem Körper bestätigen die erhitzte Stimmung im Raum Tom kann es gar nicht glauben
    *Ich habe sie wirklich gefragt!*
    Glücklich fischt er eine Schatulle aus seiner Jacke und hält sie Elena geöffnet entgegen.
    "War das jetzt ein JA?
    Obwohl die Frage überflüssig ist, will Tom auf Nummer sicher gehen und steht prompt dem breitesten Grinsen der Weltgeschichte gegenüber ?Nein, ...... das war ein auf-jeden-fall-nichts-lieber-als-das !
    Mit einem weiteren innigen Kuss besiegelt sie ihre Antwort.



    ...... Chefin.....ist das SEK schon da?
    "Ja, sie sichern gerade das Gebäude , Anna Engelhardt antwortet Semir nur beiläufig, während sie genervt in einer Mappe blättert.
    Zürs hat sich bereits in das Café zurückgezogen, was ihm neben Schutz auch noch zu neun weiteren Geiseln verhalf.
    Semir und die andren Beamten waren machtlos, da Zürs es verstand sich gekonnt zurückzuziehen.
    "Was suchen sie?
    " ...ähm.... die Telefonnummer des Caf´s. Der Besitzer hat die Anschlussnummer so oft gewechselt, sodass da keiner mehr durchblickt...............ah, da ist sie ja! ? , freut sie sich, während ihre Mimik Erleichterung ausdrückt.
    Gerade als sie zum Bully gehen will, wo sich die technisch hochentwickelten Telefon- und Abhöranlagen befinden, um von dort aus Kontakt zu Zürs aufzunehmen, klingelt Semirs Handy.
    Überrascht angelt er sein Handy aus der Brusttasche seiner verwaschenen Jeansjacke und nimmt ab. "Ja, Semir! , beginnt er das Telefongespräch.
    Fragend beobachtet Engelhardt Semirs plötzlich versteinerte Miene, während sich seine Augen weiten.
    "Zürs, du weißt ganz genau, dass du hier nicht mehr rauskommst. Das Gebäude ist umstellt! Haben die Scharfschützen dich auch nur ein einziges mal im Visier ist ein Schuss das letzte, was du in deinem jämmerlichen Leben zu hören bekommst! , droht er ihm mit erstaunlicher Sicherheit.
    Obwohl man nur ein leises Gemurmel vernehmen kann, erkennt Engelhardt Zürs verächtliches Lachen sofort, doch seine weiteren Worte kann sie nicht mehr verstehen.
    Semir scheint nur zuzuhören. Nach einiger Zeit will er gerade etwas sagen, zögert dann aber und legt auf.
    "Er hat aufgelegt , berichtet er empört, ?er hat zehn Geiseln und droht alle 30 Minuten eine zu erschießen.........bis............bis er Tom hat! Niedergeschlagen aber und ratlos such er nach einer Lösung.
    "Semir? , beginnt Engelhardt um sich seiner Aufmerksamkeit sicher zu sein. Als Semir sie erwartungsvoll anblickt fährt sie fort "Ich weiß, sie wollen das nicht hören, aber......Ich denke wir sollten Tom diese Entscheidung treffen lassen!
    Erschrocken reist Semir den Mund auf "Aber Chefin! , prustet er lauthals los.
    "Semir! Ich will genauso wenig wie sie, dass Tom da reingeht, aber Tom ist ein erwachsener Mann und ist in der Lage so etwas selbst zu.....
    "Nein, das ist er nicht! , unterbricht Semir sie aufgebracht, "Chefin, er hat so einen Hass auf Zürs entwickelt, sodass er ohne Nachzudenken da reinspazieren würde um Zürs endlich gegenüberzustehen. Er wird heute erst aus dem Krankenhaus entlassen und ich glaube nicht, dass er jetzt in Hochform ist- der rennt blind in den....ach Chefin! Ich will mir gar nicht erst vorstellen was Zürs mit ihm vor hat! Semirs Lautstärke übertrifft sein Entsetzen bei weitem.
    Obwohl sie sein Benehmen im Normalfall niemals akzeptieren würde sagt sie nichts, denn sie weis wie stark das Band zwischen ihren beiden Kommissaren ist. Sie verbindet mehr als nur Freundschaft, es ist das Vertrauen zueinander, das sie durch die gefährlichsten Situationen man?vriert hat.
    Einen Augenblick lang verstummen Beide. Semir bereut seine Wutanfall, denn er weiß, dass sie recht hat. " .....E.....Es tut mir Leid, Chefin , entschuldigt er sich, richtet seine Aufmerksamkeit auf sein Handy und drückt eine Zahl zur Kurzwahl.
    "Was haben sie vor? , fragt Engelhardt verdutzt, doch Semir antwortet ihr nicht mehr, da am anderen Ende der Leitung schon jemand abgehoben hat.

  • ?Hi Tom, ich bin s, Semir.........................................ja ich weiß, hast du deine Sachen schon gepackt?...................ah ja, stimmt.......................ja.....äh, Tom?............ähm.............Tom, wir haben Zürs aufgescheucht!..................Ja...........Tom, er hat sich im Café Eiche verschanzt...mit zehn Geiseln.............dich Tom, er will dich, sonst... sonst bringt er jede halbe Stunde eine Geisel um.......... nein, Tom,,,,,,,,, nein, du wirst nicht zu ihm reingehen... , Semir blickt kurz zur Chefin auf und berichtigt sich dann, ...die Chefin meint es sei deine Entscheidung.......ja...... in Ordnung.......ja, bis gleich .
    BedrÜckt legt Semir auf. ?Tom ist unterwegs , berichtet er.
    Ja, das hatte ich mir gedacht.



    10 Minuten spÄter trifft ein schwarzer Sportwagen vor der Absperrung ein, doch der Beamte will ihn nicht durch lassen. .
    Durch ein eindringendes Hupen macht der Fahrer auf sich aufmerksam. Semir dreht sich zu ihm um und winkt dem Beamten zu, welcher den Wagen kurz darauf passieren lÄsst.
    Semir geht eilig auf dem Sportwagen zu, wÄhrend Tom und Elena aussteigen.
    Zusammen machen sie sich auf den Weg zu Frau Engelhardt, welche sich gerade mit dem SEK- Leiter SchÄfer unterhÄlt. Als sie die drei entdeckt schickt sie SchÄfer mit den Worten 2In Ordnung, bereiten sie alles vor! weg.
    "Was ist in Ordnung" , fragt Semir Überrascht.
    "In 15 Minuten will Zürs die erste Geisel umbringen und Schäfer hat nachgefragt, ob er die Stürmung vorbereiten soll.
    Wortlos stehen sich die drei gegenüber, bis Tom Stellung bezieht.
    "Ich werde gehen, Chefin! , teilt er der versammelten Gruppe entschlossen mit.
    Obwohl klar war, dass Tom dem Austausch zustimmen wird, macht sich Entsetzen breit, welches Tom zu einer Erklärung verleitet
    "Chefin....... ich gehe da nicht nur wegen Zürs rein, ich gehe wegen den 10 Unschuldigen Menschen da rein. Das ist eine Sache zwischen Zürs und mir, und ich werde nicht zulassen, dass Unschuldige erschossen werden, weil ich zu feige bin , erklärt er standfest.
    "Niemand hier behauptet, dass sie feige sind! , wirft Engelhardt ein.
    "Tom, wenn du dieses Café (Semir deutet auf dessen Eingangstür) jetzt betrittst, dann bist du auf dich allein gestellt. Vielleicht kommst du da noch nicht einmal mehr lebend raus! , ergänzt Semir die Chefin ernst.
    "Ich weiß ich habe gesagt, dass sie die Entscheidung selbst treffen müssen und das ist immer noch meine Meinung, aber sie sollten noch einmal darüber nachdenken. Wenn sie dem Austausch wirklich zustimmen wollen, dann werden wir uns etwas einfallen lassen, wie wir Zürs mit ihnen da drinnen dingfest machen können.
    "Er will in einer viertel Stunde die erste Geisel erschießen! , entgegnet ihr Tom.
    "Eben, in einer viertel Stunde!...........Semir? Kommen sie bitte mit?
    Semir hat begriffen, dass die Chefin Tom und Elena die Zeit geben möchte alleine diese Entscheidung zu treffen und folgt ihr wortlos.


    Tom sieht ihnen nach und holt tief Luft. Nachdem er sich kurz umgesehen hat geht er, Elena an der Hand, in eine stillere Ecke weit hinter die Absperrung, sodass von Schaulustigen nichts mehr zu sehen ist.
    Als er stehen bleibt stellt sich Elena vor ihm hin und sieht ihn bettelnd an "Tom, bitte geh nicht! Seine ernste und entschlossene Miene verängstigt sie, als könnte sie darin die Entscheidung Toms lesen.
    "Ich bin Polizist, Elena bestätigt er ihre Befürchtung, denn als Polizist kann er die Geiseln in seinen Augen nicht sterben lassen.
    Elena scheint in Gedanken versunken, als die ersten ihrer Tränen ihren Augen einen glitzerndes Funkeln verleihen.
    Niedergeschlagen senkt sie den Kopf "Es ist alles meine Schuld! Wäre ich nicht nach Deutschland gekommen, wäre Leon auch nicht hier und all das wäre nicht passiert! , gesteht sie ihm mit tränensickernder Stimme.
    Kopfschüttelnd hebt er ihren Kopf an und vertieft den Augenkontakt zu ihr, welchen er mit einem Lächeln verstärkt.
    "Aber dann hätte ich dich auch nicht kennen gelernt-- mich nicht in dich verliebt. Und dann könnten wir uns auch nicht auf Bruno freuen! , versichert er ihr und streicht ihr zärtlich über den Bauch, dem die Schwangerschaft noch immer nicht richtig anzumerken ist.
    Lange stehen sie nur da, denken nach und sehen sich an, bis Elena sich ihm weiter nähert und seine Entscheidung durch einen langen, leidenschaftlichen Kuss akzeptiert.


    Wie immer kommt in diesem Moment Semir auf der Suche nach den Beiden um die Ecke und bleibt abrupt stehen.
    "Hey Elena, das ist nicht fair. Gleich verknotet ihr euch da noch und er muss bleiben , witzelt Semir unangebracht um die Situation zu entschärfen.
    Sein Spruch verfehlt seine Wirkung nicht und sogar bei Elena ist eine Andeutung eines Lächelns zu erkennen.
    Mit einem letzten Blickkontakt verflechtet Tom seine Hand in Elenas und dreht sich um- bereit Zürs die H?lle hei? zu machen.
    "Noch 5 Minuten , informiert er die beiden.


    Als sie wieder bei Frau Engelhardt ankommen sieht diese ihnen erwartungsvoll entgegen.
    "Auch wenn ich hoffe, dass sie sich dagegen entschieden haben, Tom, denke ich, dass sie dem Tausch zustimmen, oder? , fragt sie verständnisvoll.
    "Ja Chefin antwortet Tom entschlossen, aber doch unsicher, während Elena ihren Griff um Toms Hand festigt. "In Ordnung , stimmt sie bedrückt zu, "wir werden wie folgt vorgehen.......
    ...........
    ...........
    "Hey, mach dir keine Sorgen, Schatz! , bittet Tom Elena, nachdem sie Besprechung beendet ist.
    Als Semirs Handy klingelt steigert sich die Konzentration aller Anwesenden bis ins Unendliche.
    "Ja? , meldet er sich sicher ?........Ja, er ist da....................nein!.......Zürs das ist............
    ...........
    .....
    Kurze Zeit später legt er auf, steckt das Handy zurück in die Brusttasche und wendet sich ratlos an Frau Engelhardt, die das Gespräch genauso wie alle anderen im Umkreis von 10 Metern genauestens mitverfolgt und Semirs gereizte Reaktion auf Zürs beobachtet hat.
    Nach Worten suchend und fast sprachlos lässt er seinen Blick schweifen, bis er der Chefin den Grund für sein unpassendes Verhalten am Handy erklärt.
    "Zürs geht nicht darauf ein, es sei denn Tom kommt als erster ins Café. Erst wenn Tom da ist will er die Geiseln freilassen! , berichtet er aufgebracht.
    Der anschließende Ach- du- scheiße- das- ist- jawohl- ein- Witz- Blick erscheint in den Gesichtern, denen Semir entgegensieht.
    "Na, dann wollen wir mal... Toms gespielte Lockerheit läst Sprachlosigkeit aus, während er sich zu Elena dreht und ihr einen zärtlichen Kuss gibt, um sie zu beruhigen.
    Ganz offen lässt sich Entschlossenheit, begleitet von Unsicherheit, in seinen Augen ablesen.
    Wortlos dreht er sich um und läuft zielstrebig auf das Café zu.
    Trotz seiner Konzentration versinkt er auf dem eigentlich kurzen Weg zum Café in Gedanken.
    überrascht, wie sicher er einen Fuß vor dem anderen setzt, versucht er sich vorzustellen, was ihm hinter der Eingangstür erwarten wird.
    Die großen Schaufenster des Cafés bieten aufgrund der geschlossenen Lamellen keinen Anhaltspunkt um sich schon jetzt ein Bild von der dortigen Situation machen zu können.
    Alle halten gespannt den Atem an, als Tom nach der Türklinke greift, sie herunterdrückt, die Tür öffnet und hinter sich wieder zufallen lässt.
    Ahnungslos, was in diesem Augenblick im Café passiert steigt die Spannung noch weiter an.



    Siegessicher richtet Zürs die Waffe auf Tom, bereit jederzeit abzudrücken.
    Toms Blick schweift erschrocken durch den Raum, als er die verstörten Geiseln auf dem Boden kauern sieht.
    "Die Waffe her, Tom! , befiehlt Zürs ernst. Vom schiefen Lächeln, dass sich während Toms Ankunft bei Zürs entwickelt hatte, ist nichts mehr zu sehen.
    Fassungslos schüttelt Tom den Kopf ?Ich habe keine Waffe dabei, Zürs. Weder meine Dienstwaffe noch irgendetwas anderes , versichert er ihm spöttisch.
    Jeder Muskel in Toms Körper schmerzt durch die Anspannung und er merkt, wie nach und nach immer mehr Adrenalin in seinen Körper schießt.
    "Lass sie gehen, du hast was du willst!
    "Ja, das stimmt. Ich habe dich, Tom, und um euch zu zeigen, dass ich mein Wort halte lasse ich sie jetzt auch gehen! , versichert Zürs, doch sein spielerischer Unterton verheißt nichts Gutes!



    Vor dem Café greift Ratlosigkeit um sich, da nichts passiert.
    Keine Geiseln, die erschöpft aber erleichtert eilig das Geb?ude verlassen! Keine lauten Geräusche die auf irgendetwas schließen lassen könnten.
    Aufgeregt dreht sich Frau Engelhardt um ihre eigene Achse- ratlos was sie tun könnte, denn obwohl sie ihren beiden Kommissaren immer Geduld predigt besitzt sie davon selbst zu wenig.
    Besorgt sieht zu Elena hinüber, die gedankenversunken an einem Ring dreht.
    Auch Semirs schweifender Blick verharrt auf Elena.
    Plötzlich stellt er erschrocken fest, dass der Ring, an dem Elena angespannt herumspielt, am linken Ringfinger steckt.
    Wie im Trancezustand schießen ihm Fragen durch den Kopf
    *Was? Ich dachte Tom hat sie noch nicht gefragt? Das kann also nur ein Freundschaftsring sein! Obwohl, ein Freundschaftsring sieht anders aus und wäre Tom für so etwas nicht schon zu alt? Ist es also doch ein Verlobungsring- Tom hat sie wirklich gefragt? Wann? Noch vor dem Anschlag, oder erst danach? Aber dann war der Heiratsantrag ja noch gar nicht so lange her!..........................*
    Ein ich- freu- mich- für- euch- Lächeln erspart jegliche weitere Gedankengänge, doch so schell, wie das Lächeln gekommen war verschwindet es auch wieder.
    Bedr?ckt zwingt er sich die Gedanken an Tom und Elenas bevorstehender Hochzeit abzuschütteln. *Hoffentlich wird es auch eine Hochzeit geben*
    Stattdessen richtet er seine volle Aufmerksamkeit blitzartig auf die Eingangstür des Cafés, aus der plötzlich die Geiseln zu kommen scheinen
    *Na Gott sei dank!*
    Ahnungslos schlittert er in eine zweite Zwickmühle, da er zwar erleichtert ist, dass die Geiseln anscheinend frei gelassen werden, Tom aber nun auf eine harte und gefährliche Probe gestellt wird.
    Bestätigend zählt er jede Geisel die aus dem Café kommt und zügig von SEK- Beamten in Sicherheit gebracht werden.
    *eins.....zwei.....drei.....vier.....f?nf.....sechs............................................*
    Erschrocken muss Semir plötzlich feststellen, dass nur sechs Geiseln das Café verlassen haben, von den vier anderen Geiseln keine Spur.



    "Hey! , schreit Tom aufgebracht in Zürs Richtung, als dieser seine Waffe plötzlich auf die restlichen Geiseln richtet und droht sie zu erschießen, wenn sie weitergehen.
    "Ach Tom, du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass ich ALLE Geiseln gehen lasse. Jeder brauch seine Lebensversicherung!
    Der gelassene Tonfall und die unberechenbare Mimik, aus der man nur schwer etwas herausinterpretieren kann, lassen keine Spekulationen über Zürs gegenwärtige Verfassung zu.
    "Du hast doch mich! Was willst du denn noch? Bin ich für dich etwa nicht mehr als 6 Geiseln wert? Selbst Tom schaudert, las ihm klar wird wie er gerade über die Geiseln gesprochen hat.
    "DOCH, Tom! Du wärst Millionen von Geiseln wert, wenn ich sie hätte, aber ich brauche ja noch genug Druckmittel zum erschießen! , erklärt Zürs kalt,
    "Hierher! Mit ernster Miene zerrt er die vier Geiseln weiter von der Tür weg und deutet auf den Boden, wo sie sich eingeschüchtert niederlassen.
    "Lass sie gehen, Leon!
    Toms Wut übermannt ihn, als Zürs ihm nur ein schadenfreudiges Lächeln schenkt, und stürzt ohne Vorwarnung in seine Richtung.
    Völlig überrumpelt schafft Zürs es nicht mehr seine Waffe auf Tom zu richten und wird von ihm zu Boden gerissen. Entsetzt muss er feststellen, dass seine Waffe dabei einen großen Bogen durchs Café fliegt und 3m weiter polternd auf dem Boden aufschlägt.
    Tom und Zürs scheinen abwechselnd die Oberhand zu haben. Beide müssen harte Schläge einstecken und immer wieder wendet sich das Blatt. Erschöpft aber entschlossen wirft Tom einen flüchtigen Blick auf die Geiseln, welche jetzt erste genug Mut gefasst haben und langsam vom Boden aufstehen.
    Mit entsetzen muss Tom feststellen, dass die Geiseln nur zögernd dabei sind die Flucht zu ergreifen. *Jetzt haut schon ab, mensch!*


    Die Waffe, die Zürs bei Toms Angriff verloren hat, liegt noch immer unberührt 3 Meter von ihnen entfernt, während beide immer wieder versuchen die Waffe zu erhaschen.
    Erleichtert stellt Tom fest, dass die vier Geiseln bereits am Ausgang angekommen sind, als plötzlich ein (im wahrsten Sinne des Wortes) stechender Schmerz die Gedanken aus seinem Kopf pustet.
    Hilflos spürt er, wie seine Kraft in Sekundenbruchteilen aus seinem Körper weicht.


    Gerade als die letzte Geisel aus dem Café stürmen will ist der Kampf der beiden beendet und Zürs schafft es noch im letzten Moment das junge Mädchen zu erfassen und gewaltsam zurück ins Cafézu zerren.
    Sauer zieht er das 15- jährige Mädchen grob an sich heran und hält ihr ein blutverschmiertes Messer vor den Augen. Drohend setzt er es an ihrer Kehle an. Die schnellen Atemzüge des Mädchens sind unregelmäßig, doch Zürs drückt sie noch fester an die Wand hinter ihr.
    "Na , na, na, du wolltest doch nicht abhauen! , fährt er sie beängstigend ruhig an.
    Ein zitterndes Stöhnen teilt Zürs das Ausmaß seiner Gewalt mit.
    Mit weit aufgerissenen Augen betrachtet das Mädchen noch immer das blutverschmierte Messer, was von Zürs wieder auf ihrer Augenhöhe angehoben wurde.
    Erschrocken wendet sie den Blick ab und durchsucht den Raum, bis sie Tom am Boden wahrnimmt. Kraftlos liegt er auf dem Boden und starrt benommen zu ihr hinüber, betend, dass Zürs dem Mädchen nichts antut.
    Seine rechte Hand versucht die stark blutende Bauchwunde zu verschließen, doch ohne Erfolg, denn das Blut sickert unbeeindruckt zwischen seinen Fingern hindurch.
    Auch sein Gesicht bietet keinen schönen Anblick, denn die Platzwunde am Kopf und die Risswunden färben es rot. Noch immer denkt er, das kalte Metall des 20 cm langen Jagdmessers in sich spüren zu können.
    Zürs ist vom Kampf ebenfalls stark gezeichnet, denn neben kleiner Platzwunden ziert die bereits angeschwollene Wange sein vernarbtes Gesicht und man merkt wie er mit schmerzen kämpft.
    "Ich habe dich etwas gefragt, du Miststück! , brüllt er sie lauthals an und reist sie aus ihren Gedanken.
    "E...Es tut mir Leid , stottert sie eingeschüchtert, ahnungslos, was sie nun erwarten wird.
    "Ach, es tut dir Leid. Also dann.......
    Mit einem unerwarteten , schnellen Zug schlägt er ihr ins Gesicht, sodass sie erschrocken aufschreit. "LEON! , ertönt eine schwache aber trotzdem laute Stimme.
    Reaktionsschnell dreht sich Zürs zu Tom um und lacht.
    "Na, zu dir komme ich gleich auch noch!
    Tom will sich gerade leicht aufsetzen, als Zürs mit dem Mädchen im Schlepptau auf ihn zugeht und kräftig in den Magen und somit auf die schmerzende Wunde tritt.
    Tom kann ein stöhnen nicht unterdrücken und sackt wieder in sich zusammen.
    Seine Wunde brennt und betäubt trotz der Schmerzen.
    "Komm mit! , fordert Zürs das Mädchen auf und drückt es unweit von Tom auf einen der vielen Stühle im Café.
    Tom setzt sich erneut auf und lehnt sich an die Wand direkt hinter ihm. - seine blutverschmierte Hand presst er dabei automatisch stärker auf die schmerzende Wunde und schließt die Augen.
    Mit einem Grinsen wendet Zürs den Blick von Tom ab und zieht das Mädchen wieder von ihrem Stuhl. Grob schiebt er es in Toms Richtung.
    "Setzt dich da hin!............. Ich will euch ja beide im Auge haben!
    Zitternd setz sie sich neben Tom und kann einen mitfühlenden Blick ihrerseits nicht vermeiden.
    Noch nie war sie in so eine Situation geraten und noch nie hatte sie neben einem verletzten Polizisten gesessen, der hilflos versucht sie irgendwie zu beschützen. Sie weiß, dass sie dieser Situation nicht gewachsen ist und betet unerlässlich, dass dieser Tag ein Ende nehmen soll- ein gutes Ende!
    Eigentlich ist sie froh darüber, dass der Polizist bei ihr ist, auch wenn er sie wahrscheinlich nicht beschützen können wird, doch sie verspricht sich stark zu sein- egal was kommen möge!
    Tom bemerkt ihre wachsende Angst und versucht sie in ein leises Gespräch zu verwickeln, sofern Zürs es zulassen wird.
    "Hey, wie heißt du? , leitet er das Gespräch vorsichtig ein.
    Verwundert schaut sie erst Tom und dann Zürs an. Da Zürs Toms Frage anscheinend zwar mitbekommen hat, aber nichts sagt, antwortet sie ihm in einem ebenfalls leisem Ton.
    "Jenny... Jennifer Waldhove. ---Toms Lächeln entspannt sie.
    "Ich bin Tom. , entgegnet er ihr und drückt aufmunternd ihre Hand.
    "Alles in Ordnung,......... Jenny? , fragt er ihr um das Gespräch nicht gleich wieder abbrechen zu lassen, doch seine Stimme klingt erschöpft.
    Jennys Augen entwickeln einen feuchten Schein und langsam kullern die ersten Tränen ihre Wangen hinunter. Erst jetzt denkt sie wirklich über ihre Situation nach. Ihre Wange schmerzt noch von Zürs plötzlichem Schlag und seine Griffe haben schmerzhafte Druckstellen hinterlassen.
    "Warum tut er das ? , fragt sie verständnislos.
    Zürs, der dem Gespräch bis jetzt nur zugehört hat, regiert sofort auf die, nicht an ihn gerichtete Frage, die er wahrscheinlich von Anfang an erwartet hatte.
    "Warum ich das tue? , antwortet er ruhig und geht auf die beiden zu, "Na, das solltest du wohl eher Kranich fragen, nicht wahr? Zürs eindringlicher Blick zu Tom schnürt die Atmosphäre ab. Drohend richtet er die Waffe auf ihn und entsichert sie.
    Der plötzliche Atemzug des Mädchens ist nicht zu überhören.
    Nachdem Tom nichts sagt steigt Zürs Wut, doch er antwortet überraschend ruhig.
    ?Du hast mir mein Leben zerstört, Kranich! Du hast.....
    "Ich habe gar nichts! , unterbricht ihn Tom. "Du hast Drogen geschmuggelt, Leon, nicht ich! Ich habe dich nur daran gehindert!



    "Ja, vor einem halben Jahr hast du es geschafft mir mein Geschäft zu versauen und mein Leben von Morphium abhängig zu machen, aber vergiss nicht, Elena war auch daran beteiligt. Jetzt sitze ich am längeren Hebel und ich werde dein Leben zerstören- Elenas Leben zerstören. , droht Zürs kalt.
    "Elena hat nichts damit zu tun gehab, Zürs. Außerdem hast du mich doch jetzt- lass das Mädchen gehen!
    Jenny lauscht dem Gespräch ängstlich und verwundert. Sie versteht nicht, wie Tom in dieser Situation so sicher auftreten kann. Die entsicherte Waffe an seinem Kopf und die schwächende Stichwunde ignoriert er- nur seiner Stimme hört man an, was er gerade durchmacht. Sie hat keine Ahnung von Stichwunden, doch sie hätte nicht gedacht, dass sie so unaufhörlich blutet. Würde sie es nicht besser wissen würde sie sagen, dass es übertrieben sei, doch Toms Anblick ist mehr als ein Argument. ------ Nur langsam schafft sie es, sich ein Bild zu machen, warum Zürs so einen Hass auf Tom hat. Als Polizist hat er ein Drogengeschäft verhindert und Zürs unter ihr unbekannten Umständen schwer verletzt. Die unzähligen Narben in seinem Gesicht bestätigen ihre Annahme.
    Kurze Stille und Nachdenklichkeit prägen den Raum.
    "Weißt du Tom, du bist schwerer umzubringen als der Papst. Die Autobombe ist explodiert, aber du lebst immer noch! , sein undefinierter Gesichtsausdruck formt ein schändliches Grinsen. "War bestimmt hart, der Aufprall, oder? 20 Meter weit von der Druckwelle durch die Luft befördert zu werden war sicherlich kein Spaziergang.
    Tom merkt, wie Zürs versucht, seinem vermasselten Mordanschlag auf ihn trotzdem noch etwas positives abzuringen, um sich seiner Würde nicht nachzustehen.
    Ungläubig blickt Jennifer zu Tom hinüber, da sie sich nicht vorstellen kann, wie Menschen von der Druckwelle einer Autobombe durch die Luft geschleudert werden.
    Mit einem Schaudern läst sie sich von der Vorstellung und wird prompt wieder von Furcht erfasst.
    Wenn er Tom wirklich umbringen wollte war jetzt die Zeit dazu gekommen und das weiß sowohl sie, auch als er - Tom. Trotz ihrer misslichen Lage wird Tom ihr immer sympathischer. Er hatte den Geiseln das Leben gerettet! Nur sie selbst war so in Panik geraten, sodass Zürs sie aufgrund ihrer plötzlichen Orientierungslosigkeit noch im letzten Moment zurück ins Cafézerren konnte. Beschämt darüber, dass Toms Versuch allen Geiseln die Flucht zu ermöglichen nur wegen ihr missglückt war, erkämpfen sich erneut Tränen den Weg über ihre Wangen. Alles war ihre Schuld! Wäre sich doch nur einen Tick schneller gewesen!



    "Wir sind in Stellung! , tönt eine Stimme aus dem Walkie-Talkie von Frau Engelhardt.
    "In Ordnung, warten sie auf mein Zeichen! , antwortet sie, den Kopf zum W-T gebeugt.
    "Aber Chefin! Sie können doch jetzt nicht stürmen! , entgegnet ihr Semir aufgebracht.
    Genauso wie er hatten alle das Geschehen beobachtet, als nach der sechsten Geisel plötzlich niemand mehr das Café verlassen hatte. Die Chefin hatte wie die meisten nur sprachlos dagestanden. Sie wollte gerade die Nummer des Cafés anwählen, als ein lautes Poltern aus dem Cafézu vernehmen war. Das SEK hatte gerade über Funkt angefragt, ob gestürmt werden soll, als Sekunden später eine Geisel unsicher aus dem Café gerannt kam. Kurz danach verließen noch zwei Geiseln hintereinander panisch das Café, doch die vierte und somit letzte Geisel wurde von Zürs noch im letzten Augenblick ins Café zurückgezogen, nachdem das Poltern verstummt war. Überraschenderweise hatte Zürs sich dafür weit aus dem Café hinausgeragt, und so konnte ihm jeder in sein vernarbtes und leicht blutverschmiertes Gesicht sehen.
    An diesem Punkt war jedem der Anwesenden klar gewesen, was im Café vor sich gegangen war. Semir lief es eiskalt den Rücken hinunter, als er seine Vermutung in Gedanken weiterverfolgte und zu dem Schluss kam, dass Zürs Tom ausgeschaltet haben musste. Ahnungslos wie es Tom geht war er unschlüssig auf und ab gelaufen, bis er das Gespräch von Frau Engelhardt mit dem SEK- Leiter Schäfer hörte.
    *Minutenlang ist nichts passiert und jetzt will die Chefin auch noch stürmen!*


    "Semir, ich weiß, was sie jetzt denken, aber wir haben gar keine andere Wahl! , versucht Engelhardt ihn zu beruhigen, "Wir wissen nicht wie es Tom geht! Wir wissen noch nicht einmal ob er noch lebt und ob wir Zürs mit unserem Plan noch aus der Reserve locken können wissen wir also auch nicht! Es muss ja einen Grund dafür geben, dass Zürs die letzte Geiseln an der Flucht gehindert hat. Das hätte er nicht tun müssen, hätte er Tom noch als Druckmittel!..........................Glauben sie mir, ich würde auch lieber einen anderen Weg gehen, aber uns bleibt wirklich nichts anderes übrig!
    Verständnislos wendet sich Semir nach Engehardts Vortrag ab und geht in die Richtung des SEK- Einsatzwagens, an dem sich gerade niemand aufhält.
    "DOCH, uns bleibt etwas anderes übrig! , ruft er ohne sich umzudrehen.
    Als würde sie ein Stoßgebet an Gott senden, hebt Frau Engelhardt beide Hände und lässt sie wieder fallen. Zielstrebig folgt sie Semir zum Wagen.
    "Gerkhan! Was haben sie vor? , fährt sie ihn empört an.
    Semir, der sich gerade eine schusssichere Weste aus der SEK-Ausrüstung angelt antwortet ihr erst, als er die Weste eilig anzieht.
    "Ich werde Tom und das Mädchen da rausholen- und zwar ohne das SEK! Wenn die da reingehen gibt s eine Blutbad, und das wissen sie auch, Chefin!
    Entschlossenen Schrittes geht er zum Seiteneingang des Cafés- verfolgt von Frau Engelhardt.
    "Semir, sie unterstehen meinem Befehl und haben meine Entscheidungen zu akzeptieren!
    "Ja, ich weiß. Dann feuern sie mich doch!
    über die verquere Situation lächelnd und doch stinksauer fokussiert sie Semir angespannt.
    "Was haben sie vor? , fragt sie ihn und unterschreibt damit überraschenderweise eigenhändig ihre Kapitulation.....



    "Komm, steh auf! , faucht Zürs Jennifer an und zerrt sie grob auf die Beine.
    "AU!
    "Lass das Mädchen in Ruhe, Zürs!
    Obwohl Toms Stimme nicht so klar wie sonst klingt, merkt man ihm seinen Hass auf Zürs deutlich an.
    "Zürs! Sie hindert dich doch nur an eine Flucht! Lass sie gehen! , fordert er hilflos.
    Die Stichwunde tränkt sein vorher noch weißes Hemd unaufhörlich mit Blut.
    Das 20cm lange Jagdmesser, dem Tom die schmerzende, tiefe und schwächende Wunde zu verdanken hat, liegt nach wie vor in Zürs Hand, die es krampfhaft festhält.
    Mit Waffe und Messer bewaffnet wirkt er wie ein besessener Massenmörder und mit nüchterner Miene muss Tom feststellen, dass er auch einer ist, allerdings mordet er nicht wahllos, sondern sehr gezielt.
    An Tom will er sein Leben rächen!
    Das Leben, was eigentlich gar keines mehr ist, denn es ist nur seine Abhängigkeit vom Morphium die ihn atmen lässt.
    "Du wirst es mir nicht glauben, Tom, aber da muss ich dir sogar recht geben. Sie würde mir bei einer Flucht nur im Wege stehen...........................aber weißt du was?.................................. .........Ich will gar nicht fliehen! , teilt er ihm schelmisch lächelnd mit.
    Zürs Aussage trifft Tom wie ein Schlag.
    Eilig versucht er sich an den Plan zu erinnern, den Frau Engelhardt ihm noch in den letzten fünf Minuten mitgeteilt hatte.
    ------ "Tom, gehen sie da nur rein, wenn sie sich wirklich sicher sind, dass es ihnen körperlich schon gut genug geht um unseren Plan auszuführen, sonst kann ich sie da nicht reingehen lassen! erinnert er sich an Engelhardts Worte. "Na dann geh ich mal zur Party und lass sie platzen! hatte er ihr sarkastisch geantwortet und das hätte er auch jetzt noch gesagt, denn von einer lächerlichen Stichwunde wird er sich nicht davon abhalten lassen Zürs endlich zur Strecke zu bringen !------
    Als Zürs Toms Nachdenklichkeit bemerkt, läst er sich von seinem Vorhaben, Jenny nach hinten ins Café zu zerren, und stößt sie unsanft auf den Boden zurück.
    "Bleib da sitzen! , befiehlt er ihr unmissverständlich und geht erneut auf Tom zu.
    "Steh auf, Kranich!
    Mit seiner noch immer entsicherten 38-er im Anschlag unterstreicht er seine Forderung.
    Tom schaut zunächst nur zu ihm auf, wartet kurz und dreht sich dann leicht nach links, um mit der linken Hand aufzustehen, da seine Rechte noch immer auf seiner Wunde ruht.
    Ungeduldig zieht Zürs Tom schneller auf die Beine, was Tom mit einem leichten stöhnen quittiert wird.


    ENDE

  • Wenn Zürs noch fester zudrückt war´s das mit dem Heimzahlen- denkt er niedergeschlagen, doch er hat noch lange nicht vor aufzugeben!
    Auch der Chefin wird Toms Lage bewusst. Ihr Kehle schnürt sich enger und enger zusammen, bis sie denkt keine Luft mehr zu bekommen.
    Machtlos muss sie mit ansehen, wie Zürs Tom wieder zurück ins Café zieht und die Tür zufallen lässt.
    Angespannt lässt Engelhardt Zürs? Worte in ihrem Kopf nachklingen : *"Einen BMW 525i ! Wenn der hier gleich nicht steht, oder es kein 525i ist, bringe ich ihn um-....- NACH der Kleinen im Café..... Jenny heißt sie, glaube ich---Ja!?* Ihre Gedanken überschlagen sich- Zürs hat noch ein Mädchen in seiner Gewalt- noch ein unschuldiges Kind, dessen Leben sie bewahren müsse. Hoffnungsvoll denkt sie an Semir, der die Worte Zürs? höchstwahrscheinlich mitbekommen hat und im besten Fall sogar schon einen Plan ausheckt.
    "Schäfer?", spricht sie ins Funkgerät, "Machen sie sich bereit in spätestens zehn Minuten zu stürmen? Der Befehlston in ihrer Stimme ist unüberhörbar.

  • Nachdenklich drückt sie erneut den Knopf am Funkgerät "Hotte Sie besorgen einen BMW 525i- sie haben zehn Minuten"
    "Aber Chefin, in zehn Minuten- das ist unmöglich- woher soll ich so schnell diesen Wagen herbekommen?", ertönt aus dem kleinen Lautsprecher.
    "Sie machen das schon", pflichtet sie ihm bei und legt das Funkgerät demonstrativ auf das Autodach vor ihr, um jedem weiteren Kommentar die Luft zu nehmen, auch wenn Hotte das gar nicht sehen kann.


    ***


    Lachend will Zürs Tom zurück auf den Boden stoßen, doch Tom weicht unverhofft aus und Zürs schubst ins Lehre. Leicht das Gleichgewicht verloren gleitet sein überraschter Blick zu Tom, der direkt neben ihm steht. Ein undefinierbares Grinsen flüchtet über sein Gesicht, bis er sich plötzlich zu Tom dreht und ihn vernichtend von oben bis unten betrachtet.
    "Bete, Kranich, du hast noch zehn Minuten!"

  • Tom war klar, dass die Forderung von Zürs nur ein Schein war, da Zürs bereits offenbart hatte, das er nicht vor hat zu flüchten - daher auch die kurze Zeitspanne um den BMW zu besorgen. Unbemerkt driften seine Gedanken ab.
    Einen BMW 525i- was für eine Wahl. Davon abgesehen, das der 525i mehr "Luxus"- Charakter besaß als ein BMW haben sollte, war der E60 viel zu extravagant und die Betonung des Kofferraums viel zu auffällig. Gerade die Heckpartie mit ihren keilförmig in den Flanken hineingezogenen Rückleuchten nahm dem Wagen BMW Charakter ab.
    überrascht, wohin sich seine Gedanken geflüchtet hatten, blickt Tom Jenny an, die ängstlich, eingeschüchtert und am Ende ihrer Kräfte an der Wand hockt.
    Tom ist klar, dass sie die Worte Zürs? mit angehört hatte- wahrscheinlich mal sie sich gerade aus, was Zürs mit ihr anstellen würde.
    Ohne jegliche Beachtung von Zürs stakst Tom zu ihr leicht humpelnd herüber- er humpelt, um seinen Körper zu entlasten- wenigstens teilweise.
    Leon denkt nicht daran einzugreifen, sondern schaut in die Ferne des großen, wohlhergerichteten Raumes.

  • !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!HIER BITTE KEINE BEITR?GE POSTEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Feedbacks im Extrathread- DANKE

  • Direkt neben Jenny lässt Tom sich vorsichtig auf einen Stuhl fallen. Jenny erkennt Toms indirektes Angebot und hebt den Kopf um ihn in die Augen zu schauen. Wahrlich, ihm geht es schlechter als ihr, denn sie ist unverletzt, doch sie hat noch nie so was mitmachen müssen. Der ganze Stress, die Angst, die Unsicherheit und die Machtlosigkeit rauben ihr alle Kräfte. Das ist der schlimmste Tag ihres Lebens! Sie kann es sich gar nicht vorstellen, wie Tom es schafft soviel Sicherheit auszustrahlen. Trotz der Situation fühlt sie sich geborgen. Tom, der Polizist- ihr Polizist- wird alles tun um sie zu beschützen, da ist sie sich sicher. Die Tatsache, dass Tom sich nicht so sehr von Zürs einschüchtern lässt wie sie macht ihr klar, dass sein Leben als Polizist wahrscheinlich schon immer außergewöhnlich gefährlich gewesen ist. Vielleicht ist das nicht die erste derartige Situation, vielleicht aber auch doch! Die Schnittwunde an seinem Hals blutet zwar nicht mehr, hat ihn aber dennoch gezeichnet, genau wie die Stichwunde, deren Blutung nachgelassen hat. "Ich schaff das nicht!", vertraut sie im kleinlaut an. Sein beruhigender Blick scheint sie zu durchbohren, mit dem Ziel tief in ihre Seele hineinzublicken.

  • "Doch, du schaffst das, Jenny" Toms Tonfall ist überzeugt und vertraut. Verlegen über das indirekte Kompliment läst sie für einen Bruchteil einer Sekunde den tiefen Augenkontakt mit Tom. Er gefiel ihr?Ja. Sie war sich sicher, dass ihr späterer Mann genauso sein sollte wie Tom - genau wie er!
    "Ich wollte auch immer Polizistin werden, Tom, aber jetzt... So habe ich mir das Polizistenleben nicht vorgestellt! So wie du....?
    "Jenny, wir kommen hier raus, das verspreche ich dir- und weißt du was? Dann machst du ein vierwöchiges Praktikum bei mir in der PAST und lernst den Beruf des Polizisten erst einmal kennen. Dafür musst du dir aber was zum Lesen mitbringen- ich schreibe nämlich hauptsächlich nur langweilige Berichte!" Schmunzelnd erhofft er sich ein Zeichen, das ihm zeigt, dass er es geschafft hat, ihren Optimismus zu wecken.....Und da ist es!- ein verlegenes Lächeln, auch wenn es etwas gezwungen ist.
    "Danke!", bedankt sie sich, während eine große Last von ihr gefallen zu sein scheint.
    Obwohl sie weiß, dass Tom ihr nur Mut machen will und nichts garantieren kann legt sich eine gewisse Ruhe auf sie nieder.

  • Schadenfreudig lauscht Zürs der Unterhaltung zwischen den Beiden. Ach, wie hilflos sie doch sind- sie haben gar keine Ahnung, was er vor hat, aber auch wenn sie es wüssten, sie könnten ihn nicht stoppen. Die Zeit der Abrechnung war gekommen und die Zeit kann man nicht stoppen - das konnte man noch nie!
    "Noch fünf Minuten", sagt Zürs, nachdem sein Blick von seiner Uhr aus zu Tom gleitet.
    Der verabscheuende Gesichtsausruck kommt nun von Tom.
    "Steh auf!", befiehlt Zürs ihm. Nachdem Tom sich nicht rührt geht Zürs auf ihn zu und reisst ihn brutal auf die Beine "Ich hab gesagt du sollst aufstehen!", brüllt er ihn erneut an. Der plötzliche Stimmungswechsel von ihm scheint unergründlich,
    Die Zähne zusammenbeißend versperrt Tom seinem innerlichen stöhnen den Weg nach draußen. Nur das zusammenkneifen der Augen spiegelt seine stechenden Schmerzen wieder.

  • Aufhorchend schreckt Semir auf. Er hatte das Geschehen bis jetzt angespannt verfolgt und ein paar mal leicht die Schwingtür geöffnet um sich einen Überblick über die Situation machen zu können. Rechts und links der Tür befinden sich seinen Beobachtungen nach erst eine kleine Theke und dann jeweils Tische für die Gäste. Die Tische stehen in einem schwach angedeutete Kreis, sodass in der Mitte ein kleiner freier Platz sichtbar ist, wo sich Zürs , Tom und das Mädchen- Jenny- aufhalten.
    Ungewollt muss er wieder an das Mädchen denken, das er in der Küche vorgefunden und versprochen hatte, Jenny da rauszuholen.
    Mit weit aufgerissenen Augen sieht Semir Tom, der gerade auf die Füße gezerrt wurde.
    Erschrocken treffen sich ihre Augen, da Semir seinen Kopf gerade durch die Tür steckt.
    In Toms Augen findet er aber nicht nur Schmerz, sondern auch Entschlossenheit. Besorgt gleitet sein Blick an Tom hinunter und verharrt auf seiner Hand, die die Stichwunde verdeckt.

  • Nachdenklich sucht er wieder Toms Augenkontakt und erblickt nur flüchtig die Schnittwunde an Toms Hals.
    Gerade, als er den Augenkontakt zu Tom wiedergefunden hat, erkennt er die Aufdringlichkeit, die Tom versucht mit seinen Augen auszudrücken. Erschrocken hastet er zurück hinter die Tür, denn Zürs hatte bemerkt, dass Tom in die Richtung der Schwingtür blickt und sich umgedreht.
    Lange passiert gar nichts. Semir hockt angespannt vor der Tür. Jeder seiner Atemzug scheint zu laut zu sein, jede noch so kleine Bewegung ein Alarm.
    Die Zeit vergeht und noch immer passiert nichts.
    Semir traut sich kaum mehr zu atmen und horcht unaufhörlich an der Tür. Unsicher wandert seine Hand zu seiner Waffe am geöffneten Halfter, die er erst gerade dorthin zurückgesteckt hatte.

  • "tick, tick, tick, tick" Genervt schweift Semir Blick über die Wände der Küche. Sogar die Uhr scheint ihn verraten zu wollen und immer lauter zu ticken.
    "Na, Kranich!" Ich habe gehört du wirst Vater! Glückwunsch, aber Elena wird das Kind wohl alleine aufziehen müssen- obwohl- na ja, vielleicht werde ich sie von dieser Last ja auch noch befreien!" ertönt eine heimtückische Stimme aus dem Café.
    Erleichtert atmet Semir wieder tief durch. Zürs hatte ihn nicht entdeckt!


    ***
    Würden Blicke töten können, wäre Zürs genau in diesem Moment rücklings auf den Boden aufgeschlagen, denn Toms Blick, als Antwort auf Zürs Kommentar, ist vernichtend.
    Wortlos konkurrieren Zürs und Tom miteinander. Jenny sitzt ratlos noch immer auf dem Boden, steht aber langsam auf, womit sie Tom demonstrativ den Rücken stärkt. Niemand sonst, noch nicht einmal Semir, kann verstehen was in diesem Moment in den Köpfen der Beiden und zwischen ihnen vorgeht. Plötzlich beendet Tom die mystische Atmosphäre uns setzt ein Lächeln auf.

  • Verärgert holt Zürs aus um Tom seiner Faust näher zu bringen. Unverhofft schafft Tom es jedoch dem Schlag gekonnt auszuweichen. Irritiert hält Zürs seine Position, was auch der Grund dafür ist, dass er heute zum zweiten Mal von Tom überrascht wird. Tom schnellt unvorstellbar rasant zu Zürs vor und versetzt ihm einen gezielten Hieb an die Schläfe. überrascht, dass seine Gegner überhaupt noch in der Lage ist, eine solch immense Kraft zu entwickeln, taumelt Zürs schräg nach hinten und fällt fast über einen Stuhl. Ohne nachzudenken zieht er seine Waffe und drückt ab, als er gerade sein Gleichgewicht wiedergefunden hat. Der Schuss geht ins Leere und ein Bild an der Wand muss mit seinem Leben zahlen. Das plötzliche Durcheinander veranlasst Semir jedoch nicht dazu, unüberlegt aus seiner Deckung zu stürmen. Behutsam schleicht er sich durch die Schwingtür und sucht hinter der Theke Deckung, während er die Szene die ganze Zeit nicht einmal aus den Augen lässt, um Tom im Zweifelsfall doch zu Hilfe kommen zu können.

  • Er weiß, dass nicht nur Zürs Kommentar an seinem Angriff Schuld ist, sondern er Semir auch eine Chance zu geben versucht einen passenden Augenblick abzupassen um effektiv und sicher einzugreifen, denn Jennys Leben würde er niemals unnötig in Gefahr bringen.
    Jenny steht verängstigt auf und nimmt von Tom und Leon Abstand. Genau in diesem Moment l?st sich ein neuer Schuss. Die Kugel durchschlägt unbeeindruckt das Holz der Theke und ruft bei Semir fast einen Herzinfarkt hervor, da er den Windzug der Kugel schon fast spüren konnte. Keine 10 cm von seinem Kopf entfernt, ziert ein gesplittertes Holzloch die dunkle aber elegante Thekenversieglung.
    Ein poltern bringt Semir wieder in die Realität zurück. Nachdem Tom und Leon immer wieder erfolgreich Hiebe ausgetauscht haben, und Leon mit Tom trotz dessen Verletzung bis jetzt kein leichtes Spiel gehabt hat, hat Tom es geschafft ihm die Waffe aus der Hand zu schlagen. Immer wieder ertönt ein schmerzerfülltes stöhnen. Von wem, kann weder Semir noch Jenny ausmachen.
    Semir staunt nicht schlecht, als er Jenny plötzlich unsicher auf die Waffe zugehen sieht. Mit zittrigen Händen hebt sie die Waffe auf.

  • !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!HIER BITTE KEINE BEITR?GE POSTEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Feedbacks im Extrathread- DANKE

  • ...und richtet sie unbeholfen in Leons Richtung, der soeben die Oberhand zu haben scheint, da Tom gezwungernermaßen in die Defensice übergehen musste. Zürs Fäuste zeugen von harten Schlägen auf Toms Wunde, da dessen Blut auf den Händen nicht zu übersehen ist. Nur schwer kann sie sich vorstellen, wie jemand mit einer so böse aussehenden Srichwunde noch genug Kraft aufbringen kann um Zürs einen ebenwärtigen Gegner zu stellen. Wie eine Welle brechen neben Angst und Unsicherheit auch Zweifel und Feigheit über sie herein. Plötzlich erblickt sie Semir, der krampfhaft versucht sie von ihrem Vorhaben abzulenken, indem er ihr wild zugestikuliert. Erleichtert entspannt sich ihre Hand, in der die Waffe liegt. Es ist wie ein Wunder, wie ein Zeichen Gottes, der all ihre Gebete erhört hat und sie aus dieser gefährichen Situation hinausführen m?chte. Mit wedelnden Armen weist Semir sie an zu ihr zu kommen, doch ihre Angst scheint zu groß. Mit Tränen in den Augen blickt sie sich zu Tom um, der in einer aussichtslosen Defensive und nur vereinzelten Gegentreffern Zürs beschäftigt. Leon Zürs, der Man, der von nun an ihr ganzes Leben beeinflussen wird.

    Edited once, last by Sandra1987 ().

  • Obwohl es noch nicht vorbei ist, fühlt sie sich bei Semirs Anwesenheit sicher genug um seinen Anweisungen doch noch nachzukommen. Vorsichtig und lautlos geht sie auf Semir zu, der noch immer hinter dem Tresen hockt.
    Seine Arme kommen ihr entgegen und ergreifen ihre Häfte um ihr beim zusätzlichen Heranziehen Halt zu geben.
    Gerade als er Jenny mit dem Finger Richtung Hinterausgang zeigt und sie leicht anschiebt, hört er hinter sich ein Klicken, ein ihm altbekanntes Klicken- das Entsichern einer Waffe!

  • So, wie Semir versteinert, mag auch Jenny sich keinen Milimeter mehr zu bewegen. Ehrfürchtig dreht Semir sich um. Sein Blick trifft eine zerschlissene Jeanshose und wandert langsam nach oben, bis er Zürs blutverschmiert vor sich stehen sieht und in den Lauf einer Waffe blickt- einer Waffe, deren Ursprung er nicht ausmachen kann. Wo hat Zürs die Waffe so plötzlich her? Hatte Jenny sie nicht aufgehoben?
    Fragend hält er Zürs Blick stand. Erst Sekunden der Stille später sucht er hastig das Café ab, bis er Tom auf dem ehemaligen Schlachtfeld erblickt. Leblos liegt sein Körper auf dem harten Boden. Warum nur? Tom hat so viel durchgemacht? Warum?- fragt er sich, während er seine Hassgefühle gegen Zürs unterdrückt.
    "Na, seine sieben Leben sind wohl verbraucht!", stellt Zürs erschöpft aber triumphierend fest.
    Jenny hält den Atem an. Sie kann nicht glauben, was sie da sieht. Gerade noch dachte sie, alles wäre vorbei, aber jetzt? Ungläubig rollen die verbitterten Tränen über ihre Wangen. Sie hat das Gefühl ausgetrocknet zu sen. Wie viel hatte sie heute schon geweint? Wie hilflos ist sie den ganzen Tag gewesen? Wie sehr hatte sie bemerkt, dass auch ihre Kraft zu schwinden droht?

    Edited once, last by Sandra1987 ().

  • "Komm zu mir Jenny!", befiehlt Leon im ungewohnt seichten Ton.
    ..................Jenny bewegt sich nicht- ihre Augen verharren noch immer auf Tom. "Kleine, nun komm schon" -Zürs Tonfall ist beängstigend ruhig- wie die Stille vor dem Sturm !!!
    *Nein, kein Sturm!* stottert Jenny lautlos vor sich hin, doch zu spät.
    "Jetzt komm du Göre!", schreit er ihr lauthals entgegen. Eingeschüchtert geht sie zögernd auf ihn zu, während sie Semirs Augenkontakt sucht.
    *Sch... Situation, ich weiß, aber keine Angst* sagt ihr sein vertrauter und beruhigender Blick. Grob reißt Zürs sie aus ihren Gedanken und zerrt sie zu sich hinüber. Zu seiner Linken bleibt sie schließlich stehen.
    Ungläubig beobachtet sie plötzlich eine Bewegung in ihrem Augenwinkel. Hoffnungsvoll dreht sie ihren Kopf so langsam wie nur möglich, um auf gar keinen Fall Zürs' Aufmerksamkeit zu erregen und atmet ungewollt erleichtert aus. *Tom hat sich bewegt- er lebt!* wird ihr blitzartig klar. Ihre Gedanken überschlagen sich, doch Zürs scheint nichts von ihrer aufgeregten Stimmung mitzubekommen.

  • Im Augenwinkel beobachtend schenkt sie Tom ihre volle Aufmerksamkeit. Gerade erst die Augen geöffnet, tastet seine linke Hand schon nach DER Waffe, die Jenny liegengelassen hatte als sie zu Semir ging.
    Zürs schenkt weder der Waffe hinter ihm, noch Jenny neben ihm, auch nur einen Funken Aufmerksamkeit , da er von Toms Tod und der Harmlosigkeit Jennys überzeugt ist..
    "Umdrehen, Gerkhan. Aber auf den Knien bleiben!"
    Unsicher, ohne auch nur die geringste Idee, wie er Zürs überwältigen könnte, gehorcht er widerstandslos, da er Tom noch nicht erblickt hat.
    Grinsend legt Zürs sich seinen Satz gedanklich zurecht, während Tom krampfhaft versucht die Waffe zu erreichen, doch sie liegt zu weit weg- viel zu weit.
    "Au revoir, war schön dich gekannt zu haben.....................sonst hätte ich jetzt ja nicht das Vergnügen die umzulegen!", mit einem unverhohlenem Lächeln im Gesicht drückt Zürs den Abzug seiner Waffe und ein lauter Knall fällt den großen Raum, in dem die nach wie vor unberührten Tische stehen. Die Vorhänge sind zugezogen, sodass der Raum vergleichsweise dunkel wirkt. Ein Schrei und ein qualvolles Stöhnen lassen das Blut in den Adern gefrieren.