Wie „Alarm für Cobra 11“ mein Leben veränderte
Wie „Alarm für Cobra 11“ mich bei der Arbeit faszinierte
Zum Ende meiner Ausbildung stieß ich im Juli 2017 auf das Inserat „Alarm für Cobra 11 sucht Videooperator“ bei einer bekannten Jobbörse. Für die ausgeschriebene Praktikantenstelle war ich mit zwei abgeschlossenen Berufsausbildungen natürlich überqualifiziert, aber ich bewarb mich trotzdem, schließlich wollte ich unbedingt dorthin.
Trotz meiner Überqualifizierung lud man mich zum Bewerbungsgespräch ein und nach einem kurzen Gespräch erzählte mir der damalige Produktionsleiter, dass es noch keinen Kameraassistenten für die B-Kamera geben würde und fragte mich, ob ich mir das zutrauen würde.
Keine Woche später stand ich dann als 2. Kameraassistent für die B-Kamera am Set meiner Lieblingsserie und die Schauspieler/innen, die ich bisher donnerstags im Fernsehen angeschaut hatte, waren von jetzt auf gleich meine Arbeitskollegen/-kolleginnen geworden. Mein Traum wurde wahr und ich erinnere mich gut daran, als an meinem ersten Drehtag für die Episode „Überleben“ Erdoğan an mir am Catering vorbeilief und jedes Teammitglied inkl. mir mit einem freundlichen „Guten Morgen“ begrüßte.
Die erste Drehwoche war für mich wie ein Traum, aus dem ich nicht mehr aufwachen wollte. Wir drehten in den ersten Tagen auf dem Gelände von „Sankt Gobain“ in Köln und dort hatte die Baubühne (Abteilung, die Filmsets baut) einen kompletten Prepperbunker in einen Stollen gebaut, inkl. verschließbarer Kühlkammer, Belüftungsanlage und so weiter. Eine solch aufwendig gebaute Kulisse habe ich seither nur selten an deutschen Fernsehsets gesehen.
Etwas später folgte dann die erste „Stuntwoche“. Dazu muss man wissen, dass wir zu dem Zeitpunkt drei Episoden parallel gedreht haben und entsprechend wurden alle Stunts, die in diesen drei Episoden vorkommen und auf der Filmautobahn spielen, innerhalb von einer Woche abgedreht. Das Pensum war krass, man stand vor Sonnenaufgang auf der Filmautobahn und bereite das Kameraequipment vor. Dann gab es ein kurzes Briefing, bei dem vom jeweiligen Stuntkoordinator mit Spielzeugautos erklärt wurde, was, wie, wann, wo passiert.
Anschließend kam eine Herde von wilden Kameraleuten auf meine Kollegen und mich zu und wollte mit Kameras und Equipment versorgt werden. Mein Job dabei war es, sicherzustellen, dass alle vier Hauptkameras mit Speicherkarten, Akkus, etc. bestückt und die Assistenten mit Monitoren, Schärfeeinrichtungen, etc. versorgt waren, bevor diese sich auf der zwei Kilometer langen Filmautobahn verteilten. Dabei spielte immer ein wenig die Angst mit, dass bloß keine Kamera aussteigt, bevor der Stunt im Kasten ist. Denn zwischen Aufbau und Dreh verging manchmal mehr Zeit, als einem Lieb war.
An manchen Tagen wurde zusätzlich an einer Landstraße außerhalb noch parallel etwas aus einer anderen Episode gedreht oder in einer Halle auf dem FTL-Gelände noch ein paar Nahaufnahmen der Autofahrten nachgedreht, dann war der Job besonders fordernd.
An den Actiontagen übernahm im Regelfall die Stuntcrew die Leitung am Set, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Abläufe zu koordinieren. Feuerwehr, Stuntcrew, Specialeffects-Team, Filmteam, Schauspielende und Komparsen machten sich bereit. Dann folgte ein „3… 2… 1… GO“ über Funk und nach ein paar Sekunden knallte es irgendwo auf dem Autobahnstück. Dann rauschte ein Tanklaster durch die Leitplanke, überschlug sich und explodierte, während er von mehreren Polizeifahrzeugen verfolgt wurde oder ähnliches.
Trotz des gebührenden Sicherheitsabstands lag dann der Benzingeruch in der Luft, man spürte die Hitze der Explosion im Gesicht und das Reifenquietschen vom Drift hallte noch nach. Das war einfach ein unbeschreibliches Gefühl und egal, wie kräftezehrend diese Tage auch waren, das waren die Tage an denen ich abends im Bett lag und dachte „Fuck, war das wieder geil!“.
Die Erlebnisse überschlugen sich in dieser Zeit förmlich. An einem Tag stand man gesichert mit Klettergeschirr auf dem Dach des Düsseldorfer Fernsehturms, am nächsten Tag stand man im tiefsten Schlamm bei Regen in einem Tagebau, darauf den Tag drehte man eine Verfolgungsjagd in der Nacht, dann war man in der Kanalisation unterwegs, bevor man dann für ein paar Tage beim Drehen von Dialogszenen im Polizeirevier zur Ruhe kam.
Ein ganzes Jahr war ich durchgehend bei „Alarm für Cobra 11“ angestellt, bevor sich unsere Wege auf beruflicher Ebene erstmal trennten. Während meiner Arbeit dort sammelte ich natürlich, wie alle anderen auch, einige Handyvideos von den Dreharbeiten, immer mit dem Ziel mein Glück mit anderen zu teilen und ihnen auch einen kleinen Einblick in die Dreharbeiten gewähren zu können. Einige davon wurden auf dem Youtube-Kanal des offiziellen Fanclubs veröffentlicht.
Für mich war es immer eine schmale Gradwanderung zwischen meinem Dasein als Fan und meinem Dasein als Mitarbeiter. Auf der einen Seite hatte ich immer den Ansporn etwas Backstage-Material zu sammeln und auf der anderen Seite durfte meine Arbeit davon natürlich nicht beeinträchtigt werden. Auf keinen Fall wollte ich es mir mit der Produktion verscherzen und so holte ich mir für alles, was veröffentlicht wurde, entsprechende Freigaben ein. Das Vertrauen, welches man mir bis heute entgegenbringt wollte ich unter keinen Umständen aufs Spiel setzen.
Am Set selbst versuchte ich möglichst so wenige Kollegen/Kolleginnen, wissen zu lassen, dass ich selbst großer Fan der Serie bin. Ich wollte keinen Stempel aufgedrückt bekommen, sondern einfach meinen Teil zum Produkt beitragen. Seit 2017 war ich immer wieder für „Alarm für Cobra 11“ als Kameraassistent tätig, zuletzt im Dezember 2021 bei den Dreharbeiten der ersten drei Eventfilme.
Bei meiner ersten Produktion nach „Alarm für Cobra 11“, dem Kinofilm „Der Club der roten Bänder“ fiel ich erstmal in ein Loch. Neben Cobra 11 gibt es kaum eine deutsche Serien-Produktion, die mit mehr als zwei Kameras parallel dreht und entsprechend musste ich mich erstmal daran gewöhnen, dass ich als Kameraassistent im Regelfall nur eine Kamera zu betreuen habe. Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass „Alarm für Cobra 11“ eine der besten Schulen ist, wenn man bei Film und Fernsehen arbeiten möchte. Während ein Großteil des Teams bei Produktionen wie „Tatort“ oder „Wilsberg“ aufgeregt ist, wenn an einem Drehtag ein Stunt gedreht wird, bist du absolut tiefenentspannt, so lange nicht mehr als vier Kameras am Set stehen und das passiert echt sehr selten.
Wie „Alarm für Cobra 11“ an mir festhält
Auch wenn die Produktion von „Alarm für Cobra 11“ stillsteht, seit die bislang letzten sechs Spielfilme abgedreht wurden, so bin ich seither nicht untätig. Seit Oktober 2023 bin ich Teil eines kleinen, internationalen Entwicklerteams, welches sich zur Aufgabe gemacht hat die bisher erschienenen „Alarm für Cobra 11“ – Videospiele für aktuelle PCs wieder spielbar zu machen. Ein erster Erfolg ist bereits der Re-Release des Computerspiels „Alarm für Cobra 11 – Undercover“, welches seit Juli 2024 unter dem Titel „Crash Time Undercover“ auf Steam und Gog.com erhältlich ist. Da man sich bezüglich der Weiterverwendung der „Alarm für Cobra 11“ – Lizenz leider nicht mit RTL einig werden konnte, bekam das Spiel einen neuen Titel und sämtliche Inhalte der Marke mussten entfernt werden. Dafür ist das Spiel aber weiterhin spielbar und bekam einen Multiplayer-Modus für bis zu 8 Spieler, der während der Entwicklung des ursprünglichen Titels gestrichen wurde.
Neben neuen Features (u.a. DirectX 11 Support) für „Crash Time: Undercover“, arbeiten wir auch an weiteren Spielen der Reihe, aber genaueres dazu kann ich derzeit leider noch nicht preisgeben.
Im Oktober 2023 waren wir mit dem offiziellen Fanclub an einer Aktion von Antenne Bayern beteiligt, die gerne ein paar „Alarm für Cobra 11“ – Fans im Studio haben wollten, da Daniel Roesner dort im Rahmen der Spendenaktion „Antenne Bayern Weihnachtswunder“ zu Gast war und eine kleine Challenge absolvieren musste. Anstatt Leute aus unserem Team hinzuschicken, veranstalteten wir ein Gewinnspiel und verschafften so ein paar Daniel Roesner Fans die Möglichkeit ihren Star vor Ort bei einem Meet & Greet kennenzulernen.
Am 1. Oktober 2025 bekam ich nach Rücksprache mit meinen langjährigen Weggefährten Marcel und Andy die Leitung des offiziellen Fanclubs übertragen, da beide aus beruflichen Gründen weniger Zeit für ihr Hobby zur Verfügung stellen können.
Beim Fan-Event zum 30-jährigen Jubiläum von „Alarm für Cobra 11“, welches im März stattfand, reichte ich dem Veranstalter die Hand und stand ihm mit all meiner Erfahrung der vergangenen Fantreffen beratend zur Seite. Ich stellte mein Replika-Fahrzeug des „Cobra 11“ BMW E46 für die Veranstaltung zur Verfügung, packte hinter den Kulissen mit an und organisierte für jeden Besucher ein „Alarm für Cobra 11“ – Poster mit dem Motiv von Semir und Vicky. Über die Social-Media-Accounts des offiziellen Fanclubs berichtete ich während des Events live von der Veranstaltung, damit die Fans zu Hause auch immer auf dem aktuellen Stand waren und in den kommenden Tagen folgt noch ein Bericht mit Bildmaterial.
Während ich diesen Artikel schreibe, kommt mir die Vermutung, dass es wohl kaum einen Bereich im Bezug auf „Alarm für Cobra 11“ gibt, bei dem ich nicht im Laufe der Zeit zumindest kurzzeitig mal meine Finger mit im Spiel gehabt haben dürfte und irgendwie kann ich es selbst kaum glauben, während ich nochmal über diesen Artikel drüber lese.
Wie „Alarm für Cobra 11“ mich bremste
Natürlich gibt es auch einige Ideen, die in der ganzen Zeit nicht zur Umsetzung kamen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Bspw. ist der Episodenguide vom Fanclub bei weitem nicht so weit vorangeschritten, wie ich es mir wünschen würde und auch einige Entwürfe für Fanartikel liegen bei mir in der Schublade und dürfen aus lizenzrechtlichen Gründen nicht das Licht der Welt erblicken. Selbst für einen Nachfolger von „Alarm für Cobra 11 – Undercover“ habe ich bereits ein halbes Konzept auf meiner Festplatte und mein Hirn spuckt immer wieder Ideen aus, wie man die Marke „Alarm für Cobra 11“ noch weiter ausbauen und bekannter machen könnte, aber manchmal fehlen einem einfach die Mittel.
Auch wenn die Kommunikation mit RTL sich in all den Jahren manchmal schwierig gestaltete und einige Ideen bestimmt nicht beim richtigen Ansprechpartner gelandet sind, so bin ich doch froh, dass man uns 2001 zum offiziellen Fanclub ernannte und man uns über die Jahre vieles ermöglichte, wie bspw. exklusive Previews im Kino und unseren Episodenguide zur Serie.
Ich denke jedenfalls, dass die Marke „Alarm für Cobra 11“ noch nicht ihr volles Potential ausgeschöpft hat und man noch ein paar Jahre weitermachen könnte, wenn man nochmal in das Format investieren und die Alleinstellungsmerkmale der Serie wieder hervorheben würde. Manchmal erinnere ich mich gerne daran zurück, wie um 2010 herum die gesamte Kölner Innenstadt mit Plakaten zugepflastert war, als die neue Cobra 11 Staffel in den Startlöchern stand und man nicht die neuen Episoden im Archiv verstauben ließ.
Wie „Alarm für Cobra 11“ mich anderen Fans näherbrachte
Unendlich dankbar bin ich jedenfalls für all die Erfahrungen, die ich bisher durch oder mit diesem Format sammeln durfte. Ich will nicht wissen, wie viele Fragen von Fans ich über all die Jahre beantwortet habe, egal ob persönlich, am Telefon, per Privatnachricht, per Kommentar oder per E-Mail und natürlich gab es auch Fragen, die mich zur Weißglut brachten. Eine meiner lustigsten Erinnerungen ist ein Fan, der anmerkte, dass er von den Unfällen auf der Kölner Autobahn nichts in der Zeitung gelesen hätte (er dachte wohl „Alarm für Cobra 11“ wäre live) und ich dachte mir nur „Aber du hast schon gemerkt, dass es bei RTL innerhalb von 45 Minuten zweimal Tag und Nacht geworden ist?“.
Es freut mich auf jeden Fall, wenn ich euch über all die Jahre eure Lieblingsserie in irgendeiner Form ein kleines Stückchen näherbringen konnte und glaubt mir, wenn ich gekonnt hätte, hätte ich jeden von euch mit ans Set genommen, jeden Autogrammwunsch erfüllt und alle Schauspieler/innen bei jedem Fantreffen vor Ort gehabt. Und nein, dies ist kein Abschied meinerseits. Ihr könnt euch sicher sein, dass ich – in welcher Form auch immer – an dem Format festhalten werde.
Wie „Alarm für Cobra 11“ mir Zusammenarbeit zeigte
Bedanken möchte ich mich zum Schluss bei unseren langjährigen Kooperationspartnern, der Film- und Stuntproduktion „action concept“, die seit vielen Jahren „Alarm für Cobra 11“ produziert und uns immer mit offenen Armen empfangen hat. Insbesondere Elke Schubert, Dominique Haß und Magdalena Lorbach sorgten über all die Jahre dafür, dass wir euch zum Fantreffen ein buntes Programm bieten konnten, ermöglichten Gewinnspiele, übernahmen als Zwischenstelle die Kommunikation mit RTL und vieles mehr. Für das entgegengebrachte Vertrauen und die großartige Zusammenarbeit habt ihr bei mir und bei meinen Kollegen und Kolleginnen immer einen Stein im Brett.
Gleiches gilt für das ehemalige Entwicklerstudio „Synetic“, insbesondere Andreas Leicht und Jürgen Kersting, sowie dem ehemaligen Publisher „dtp entertainment“, insbesondere Oliver Mills, Bettina Korb und Nils Goette. Bei den Kollegen und Kolleginnen von „i2i Music Publishing“, bzw. „RTL Music Publishing“, insbesondere Daniela Redemann, möchte ich mich ebenfalls für die großartige Kooperation über die vergangenen Jahre bedanken.
All die Personen, die ich aufgezählt habe und noch viele weitere haben verstanden, dass eine Marke ohne seine Fans nicht erfolgreich sein kann und haben versucht zumindest einen kleinen Teil an euch zurückzugeben.
Wie „Alarm für Cobra 11“ Menschen beeinflusst
Nun kennt ihr also die ganze Geschichte, wie „Alarm für Cobra 11“ und ich uns gegenseitig beeinflusst haben und bestimmt zukünftig noch werden. Doch ich bin nicht der Einzige, auf den das Format Einfluss genommen hat. Einige Mitarbeitern der „action concept“, haben sich über die Jahre bspw. von Praktikanten zu Regisseuren und Kameraleuten hochgearbeitet und ich kenne einige Personen, die sich wegen der Serie für den Polizeiberuf oder einen Medienberuf entschieden haben.
Für die meisten von euch ist „Alarm für Cobra 11“ wohl nur das unterhaltsame Fernsehprogramm am Donnerstagabend und das ist auch völlig okay, aber für mich ist es so viel mehr. Nun kennt ihr meine bisherige Geschichte mit dem Format und ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Actionreiche Grüße aus Frechen
Euer Marco