Gefangen
Nachdem Frank Wilckens mit seinem Kumpel und Robert die Stelle verlassen hatte, an der sie den Golf von der Straße gedrängt hatten, ging die Fahrt in zügigem Tempo zurück in Richtung Stadt. Robert dachte daran, wie knapp seine Befreiung gescheitert war. Semir hatte doch recht zuversichtlich geklungen, und jetzt hing er bewusstlos, eventuell schwer verletzt, oder sogar tot, nein daran wagte er nicht zu denken, in dem überschlagenen Wagen. Seine Bewusstlosigkeit hatte Semir heute aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben gerettet, denn Frank Wilckens hätte ihn nicht als Zeugen einfach zurückgelassen. Und alles nur, weil er sich Semirs Anweisung, alles in die Tasche zu packen, widersetzt hatte und ihre Verfolger ihnen so auf die Schliche gekommen waren. Er war an Semirs Lage schuld. Dabei ging es ihm nicht um den Menschen Semir, der konnte seiner Meinung nach sein und bleiben, wo der Pfeffer wächst, aber Ayda und Lilly hingen nun mal an ihrem Vater. Für sie würde er sich wünschen, dass Semir den Crash unbeschadet überstanden hatte.
Der Jeep bog jetzt von der Straße ab in ein altes Industriegelände und hielt vor einem zweistöckigen längeren Backsteingebäude. Frank führte Robert in den Keller und fesselte und knebelte ihn in einem kleinen Raum. „So, hier bleibst du bis Mittwoch. Ich bringe dir gleich etwas zu trinken und zu essen. Montag meldest du dich krank, versicherst aber deinen Kollegen, alles für die Ausschusssitzung vorbereitet zu haben und auch selbst daran teilnehmen zu können. Klar? Ich bringe dir noch den genauen Text.“ Robert nickte nur und fügte sich. Er rutschte an der Kellerwand auf den Boden und ließ den Kopf hängen. Bis zur Sitzung würde ihm nichts passieren, da war er sich sicher. Und die Polizei wusste von dem Termin, vielleicht gelang es ihm ja auch, vorher zu entkommen. Oder sie würden sich Wilckens schon vorher vornehmen. Anderenfalls würde er enden wie die Buchhalter, die sie einfach erschossen hatten. Da war er sich ganz sicher. Wilckens hinterließ keine Zeugen. Welche Möglichkeiten gab es für ihn? Entweder der Polizei gelang es, Wilckens noch vor Mittwoch zu überführen und ihn hier im Keller zu finden, dann würde er der Korruption angeklagt werden und wahrscheinlich für Jahre ins Gefängnis wandern. Er würde alles verlieren, Andrea eingeschlossen, die würde sicher nicht bei ihm bleiben oder auf ihn warten. Oder die Ausschusssitzung würde wie geplant stattfinden, Wilckens bekäme den Zuschlag, dann wäre er weiterhin in den Händen von Horst Wilckens. Hätte er bloß nicht schon erwähnt, aus dem ganzen Geschäft aussteigen zu wollen. Diese Bemerkung neulich brachte ihn jetzt in akute Lebensgefahr. Tod oder Gefängnis, so hießen seine Alternativen. Beides nicht erfreulich, das eine allerdings absehbar, das andere für immer.
So vertieft in seinen Gedanken merkte Robert kaum, wie die Zeit verging, bis Frank Wilckens plötzlich wieder in dem Raum stand und ihm eine Tüte eines Fastfood-Restaurants reichte. Er löste Roberts Fesseln und den Knebel, der ihm am Schreien hindern sollte. Nach der Stärkung wurde sie Robert wieder angelegt.
Dann machte sich Frank an eine ganz andere Arbeit. Stundenlang war alle paar Minuten der Lärm einer Schlagbohrmaschine zu hören.
