Beiträge von Yon

    Die Sekretärin könnte Semir den wichtigen Hinweis auf das Ziel von Mittler und Ben geben, ich hoffe, sie haben ihre "Aktion" nicht heimlich unternommen, sondern jemanden von dieser Brücke erzählt.
    Brummer lässt sich auch nicht von den Freunden seines Sohnes von seiner Rache ablenken, wenn die jungen Männer davon gewusst hätten, hätten sie sich vielleicht bemüht, ihn von der Sinnlosigkeit seiner Pläne zu überzeugen.
    Und Ben wird immer mutloser. Mensch Ben! Das solltest du doch allmählich wissen, dass Sarah dich lieben wird, ob gesund auf zwei Füßen, mit einem Fuß, ohne Arm, krank, pflegebedürftig, was auch immer. Das Kämpfen lohnt sich! Nicht aufgeben!

    Die Liste

    »Hi Alex, Semir hier. Wie sieht es aus?« – »Er schweigt sich aus, will nicht einmal seinen Namen nennen. Einen Anwalt lehnt er auch ab. Aber einen Haftbefehl werden wir wohl bekommen, ich denke der Richter wird sich dafür aussprechen.« – »Mit welcher Begründung, er war doch lediglich vor Ort?«, fragte Semir und beugte sich konzentriert nach vorn, die Ellenbogen auf seine Oberschenkel gestützt. »Naja«, fuhr Alex fort, »ich werfe ihm den Mord an seinem Kumpel vor, zwei Polizisten als Zeugen, das sollte doch genügen.« – »Bitte was? Das stimmt doch gar nicht!« – »Ja Semir, das weiß ich, das wissen Ben und du, aber wem wird der Richter glauben? Einem bislang schweigenden Gangster oder einem Polizisten? Und du kannst ihn als einen der Schläger von Freitag identifizieren, ich bin sehr sicher, Claudia auch, das langt für den Haftbefehl allemal, der Kerl bleibt bis auf weiteres von der Straße. Und weißt du, Semir, was das Gute daran ist?« – »Ich bin ganz Ohr, Alex.« – »Die Typen in diesem Landgut haben bislang keine Ahnung, dass letzte Nacht Polizei in ihrem Garten war, der Kerl, den wir tot zurück gelassen haben, kann nicht mehr reden und der zweite sitzt in der Zelle. Unsere Lage ist also vorzüglich.«

    Vorzüglich, das wäre jetzt nicht gerade der Begriff, den Semir zur Umschreibung ihrer Situation herangezogen hätte. Er wunderte sich, dass Alex die Sache so kalt ließ, oder war das alles nur Fassade? Aber zum Teil hatte er recht, das musste Semir zugeben. Sie hatten zwei von den sechs Schlägern ausgeschaltet, blieben vier plus dem Fahrer des Transporters und vermutlich mindestens einem Chef der Bande, denn es war davon auszugehen, dass der Chef nicht selbst den Transporter fahren oder Menschen auf der Straße zusammenschlagen würde. »Und«, unterbrach Alex Semirs Gedanken, »sie werden sicher nicht den Leichenfund der Polizei melden, sondern sich des Toten irgendwo entledigen. Dafür spricht auch, dass sie das Landhaus mittlerweile verlassen haben. Ach, und noch etwas. Susanne hat uns eine schöne Liste zusammengestellt, ausgehend von den Kennzeichen, die wir auf den Videos festgestellt hatten, Namen, Adressen, alles dabei. Wenn wir mit dem Verdacht des Menschenhandels richtig liegen, wissen wir jetzt also, von wo die Händler agieren und wer ihre Kunden sind.« – »Was hast du der Krüger erzählt?« – »Alles. Semir, Lügen bekommt die Krüger doch raus, und so haben wir sie jetzt auf unserer Seite.« – »Wie hat sie reagiert?« – »Wir sollen Ben aus dem Bericht raushalten. Und sie hat das SEK zum Landhaus geschickt, aber unsere Freunde sind ausgeflogen, und der Tote war nicht mehr aufzufinden.«

    Semir lächelte. Ben aus dem Bericht herauszuhalten, wäre ja auch sein Vorschlag gewesen. Dann kam er aber wieder auf die Liste zu sprechen. »Und die Liste kann uns helfen? Irgendwelche bekannten Namen?« – »Susanne ermittelt noch die Hintergründe, aber immerhin haben wir 43 Kennzeichen und die entsprechenden Halter dazu, soll ich dir die Liste zuschicken? Vielleicht klingelt es bei einem der Namen bei dir?« – »Ja, mach das, ich zeig sie auch Ben, vielleicht kennen wir jemanden.« – »Okay, die Liste sollte gleich bei dir sein«, verabschiedete sich Alex von seinem Partner. Dass Semir an dem Fall weiterarbeiten will, obwohl er noch eine Woche krankgeschrieben war, wunderte ihn nicht. Er würde an seiner Stelle genauso handeln. Da brauchte es schon mehr als eine Gehirnerschütterung, ihn vom Dienst fernzuhalten.

    Die Liste erwies sich als detaillierte Zusammenstellung aller Fahrzeuge, die auf dem Videomaterial zu sehen waren, Datum der Beobachtung, Kennzeichen, Typ des Fahrzeugs, Name und Anschrift des Halters sowie Anzahl und Beschreibung der Personen, die von den Fahrern in Empfang genommen worden waren. Fast alle Wohnorte waren rund um Köln angesiedelt, Düsseldorf und Bonn waren mehrfach, Aachen und Dortmund je einmal vertreten. Beim Überfliegen der Namen fiel Semir nichts Besonderes auf. Hier und da zögerte er ein wenig, weil der Name ihm seltsam vertraut vorkam, er konnte ihn aber nicht unterbringen und war sich sicher, niemanden auf der Liste persönlich zu kennen oder einem von ihnen jemals begegnet zu sein. Er war auf die Recherche-Ergebnisse von Susanne angewiesen. Semir schüttelte seinen Kopf und reichte die Liste, die er zuvor an seinem Rechner ausgedruckt hatte, an Ben weiter.

    Ben stutzte insbesondere bei einem Namen, und er machte seinen Freund sogleich darauf aufmerksam. »Hier! Michael Werner, das ist ein Nachbar von meinem Vater, da könnte ich mich mal unauffällig umschauen.« – »Du?«, kam prompt eine Zwischenfrage von Semir. »Ja, er kennt mich. Er weiß zwar, dass ich bei der Polizei war, aber schließlich ist er Papas Nachbar. Sollte er bewusst in illegale Geschäfte verwickelt sein, wirst du oder Alex dort auf eine Mauer des Schweigens stoßen, aber unter Nachbarn könnte schon mal was auffallen.« Semir überlegte hin und her. Ben hatte recht, er könnte mit dem Nachbarn auf einer ganz anderen Ebene kommunizieren, als er als Polizist. »Was macht dieser Michael Werner beruflich?«, fragte er Ben. »Er besitzt mehrere Ladengeschäfte mit exklusiven Kindermoden, das Hauptgeschäft an der Königsallee in Düsseldorf, Filialen am Neuen Wall in Hamburg und in der Mittelstraße in Köln, außerdem in München. Allesamt in Gegenden, in denen unsereins höchstens zum Window Shopping gehen, aber sicherlich nicht zum Einkaufen.« – »Window Shopping?«, fragte Semir. »Schaufensterbummel, na ja, du vielleicht nicht, aber Andrea weiß bestimmt, was das ist. Semir sah seine Frau an, die nickte. »Ich kenne die Werner-Moden. T-Shirts für Kinder ab 120€, und Smokings für Dreijährige. Praktisch und kindgerecht geht anders, aber wer sich mit seinen Kindern schmücken will, kauft dort ein. Und nebenan gibt es dann noch ein diamantbestecktes Halsband für den Hund«, führte Andrea aus und schüttelte sich innerlich.

    Semir schaute sich die Zeile in Susannes Tabelle genauer an. »Hier steht, er hätte zu Beginn der letzten Woche zwei Personen in Empfang genommen, eine Frau und einen Mann. Die könnten bei ihm auf dem Grundstück sein«, vermutete der Hauptkommissar, »ich schlage vor, dein Vater geht einfach mal unter einem Vorwand rüber zu ihm und schaut sich unauffällig um. Vielleicht könnte er sich den Rasenmäher ausleihen …«, er stoppte abrupt, als er Bens Blick sah, der ihn so erstaunt ansah, als hätte er soeben vorgeschlagen, einer Kuh das Trompetenspielen beibringen zu wollen, und fügte kleinlaut hinzu: »Nicht? Dann vielleicht einen Golfschläger?«

    »Ich werde mal mit ihm reden und auch selbst die Augen offen halten«, versprach Ben, »irgendeinen Vorwand werden wir schon finden«, und leise, kaum hörbar für die Anwesenden fügte er kopfschüttelnd hinzu: »Konrad Jäger und Rasen mähen…«

    das sind mir ein bisschen zu viele Vor- und Zunamen

    Komm, das schaffst du schon, die Guten in der Story sind bekannt, alle anderen sind böse, die brauchst du dir gar nicht im einzelnen zu merken. Ich mag halt lieber Namen, als Umschreibungen (der Große, der Kleine, der Blond, der Glatzköpfige ....).

    Jetzt bricht schon die zweite Nacht für Ben und Friedrich an, die sie in ihrem Gefängnis verbringen müssen. Etwas mehr Unternehmungsgeist hätte ich Semir aber schon zugetraut, also ich kenne ihn anders! Jeden Mitarbeiter gilt es zu befragen, vielleicht hat Friedrich ja jemandem gesagt, wohin sie wollten, und die Abhöranlage sollte auch alle Alarmglocken zum Schrillen bringen!

    Lucky ist natürlich traurig über die Abwesenheit von Ben, aber zumindest hat er auch Vertrauen zu Sarah, Hildegard und Semir.

    Na Tanita hätte ruhig beim Notruf bleiben können, denn die Polizei wird dann wohl auch alarmiert werden, und ob ich es mir zutrauen könnte, den Tod eines Menschen zweifelsfrei festzustellen? Da hätte ich doch eher den Notarzt gerufen. Aber so kommen jetzt unsere "Helden" ins Spiel. Ob die Abwesenheit von Andrea und den Kindern wohl noch Bedeutung haben wird? Ich glaube schon.

    Ein Kritikpunkt: Die Folge "Hochspannung" auf die du im letzten Absatz anspielst war nach der Hochzeit von Semir und Andrea, so viel Serientreue muss sein.

    Im Landhaus (Sonntagnacht)

    Nur zwei Stunden, nachdem Semir, Alex und Ben mit der festgenommenen Wache das Landhaus und den auf dem Sandweg liegenden Toten zurück gelassen hatten, schaute sich Oliver Glaser in seinem Wohnzimmer im ersten Stock des Landhauses um, sein Blick blieb auf dem im Sessel schlafenden Peter Albrecht hängen. Dann blickte er auf seine Armbanduhr und weckte seinen Komplizen. »Peter! Aufwachen! Piet!« Der Angesprochene regte sich. »Was?«, murmelte er verschlafen. »Schnapp dir Alexander und lös Theo und Emil bei der Wache ab. Sie sind jetzt lange genug draußen.« – »Geht klar, Boss.« Peter erhob und streckte sich. Dann ging er in den Nachbarraum, und kurze Zeit später fiel die Tür des Landhauses ins Schloss.

    Peter Albrecht und Alexander Hahn gingen rund ums Haus und den Weg entlang. Sie wunderten sich, dass ihnen Theo Lenz und Emil Ott noch nicht entgegen kamen, denn sie müssten doch auch wissen, dass es Zeit zur Wachablösung war. »Wo sind sie denn?«, flüsterte Peter seinem Freund zu, »gucken die nicht auf die Uhr?« – »Ich verstehe das auch nicht«, erwiderte Alexander, »komm, wir gehen hier über den Weg und dann in einem weiteren Bogen um das Haus.«

    So wandten sie sich nach links auf den Sandweg. Einige Meter später blieb Peter plötzlich stehen, so dass Alexander ihn beinahe anrempelte. Er folgte mit seinem Blick dem ausgestreckten Arm seines Kumpels. »Was liegt da vorne? Das sieht aus, wie …«, damit hatte sich Peter schon in Trab gesetzt und lief zu dem auf dem Sandweg liegenden Körper. Er knipste seine Taschenlampe an. »Das ist Theo!«, er blickte Alexander ins Gesicht, »er ist tot!« – »Mein Gott!« – »Aber wo ist Emil? Liegt er auch hier irgendwo? Wer war das?« -»Wir suchen ihn! Obwohl … ich glaube fast, wir werden ihn nicht finden.«

    Alexander und Peter suchten die nähere Umgebung ab, fanden aber lediglich Emils Revolver, brachen dann die Suche ab und gingen zu Oliver ins Haus.

    »Erschossen? Seid ihr sicher«, entrüstete sich der Boss. »Ja«, antwortete Alexander, »das T-Shirt war blutgetränkt, und wir haben Emils Waffe gefunden.« Er legte die Pistole auf den Tisch. »Aber von Emil keine Spur.« – »Mist! Okay, Peter, trommle die Jungs zusammen, wir müssen die nächsten Schritte planen. Wir können nicht hier im Haus bleiben, falls Emil der Polizei in die Hände fällt oder selbst zur Polizei geht.«

    Keine fünf Minuten später waren sie alle im Wohnzimmer des Landhauses versammelt:

    Oliver Glaser, der Kopf der Bande, Alexander Hahn und Peter Albrecht, die den toten Theo Lenz gefunden hatten, Jonas Berg, Martin Sandmann und Lukas Urban, mit zwanzig Jahren der Jüngste im Bunde. Oliver ergriff das Wort und organisierte den Abzug.

    »Jonas, du und Lukas, ihr schafft Theo weg, legt ihn an einen Ort, an dem er nicht gleich gefunden wird. Peter, du schaffst mit Alexander die Jungs und Mädchen runter auf den Hof. Ich weiß da ein leerstehendes Haus in Rodenkirchen, da gehen wir hin. Und du Martin, wirst mit mir hier alle Spuren verwischen. Bis zum Tageslicht sollten wir hier weg sein. Los Jungs, Bewegung!« Es gab keine Widerworte. Das Landhaus war seit dem Verschwinden von Emil nicht mehr sicher und etwa zwei Stunden später war es komplett geräumt.

    Nachdem Kim Krüger sich die Geschichte von Alex Brandt angehört hatte, entschied sie sich dafür, die örtlich zuständige Polizei mit einem SEK zum Landhaus zu schicken, um die dortigen Bewohner zum Verhör zu bringen und die von ihren Hauptkommissaren hinterlassene Leiche zu bergen. Doch die Einsatzkräfte kamen zu spät. Das Landhaus war bereits leer und verlassen. Die Spurensicherung ging ihrer Arbeit nach und versuchte, Fingerabdrücke und DNA-Spuren zu sichern.

    Bei der Abhöranlage hätte ich nun auch nachgehakt. Das hätte doch auch Semir merkwürdig vorkommen müssen. Womöglich hat der "Archivar" sogar das Gespräch aufgezeichnet? Zumindest hätte er einen Besuch verdient gehabt, der werte Herr Brummer. Und bei der Recherche wäre dann auch mit dem Schicksal dessen Sohnes ein Motiv auf dem Tisch.

    Schwer Frage, Verbrechen ist ja nicht nur Raub, Mord und Totschlag.
    Versicherungsbetrug und Steuerhinterziehung zählen auch dazu, also Ja, ich war schon mal Zeugin

    Die Person nach mir hat auch das Gefühl, dass 8 Wochen mit Cobra 11 viel schneller vergehen als 8 Wochen ohne Cobra 11

    Das Making-Off ist diesmal sehr allgemein, nicht speziell auf die Folge gerichtet:

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    Hier ist der Trailer:

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    Ben bei Semir und Andrea

    »Gerkan«, meldete sie sich. »Hier ist Ben. Andrea, kann ich Semir mal sprechen?« – »Hallo Ben, du, Semir schläft gerade tief und fest, warum kommst du nicht vorbei, dann geben wir ihm noch eine Stunde.« – »Es ist wirklich wichtig, wegen letzter Nacht. Aber okay, ich komme rüber.« – »Ich weiß Bescheid, dass du mit Semir unterwegs warst. Geht es dir nicht gut?« – »Nicht wirklich. Ich bin auf dem Weg zu euch.«Kurze Zeit später klingelte Ben an der Tür seines Freundes. Dass Semir schlafen konnte, nachdem sie gerade dem Tod knapp von der Schippe gesprungen waren, das konnte er nicht verstehen. Ob er selbst dazu vor einem Jahr auch noch in der Lage gewesen wäre? War diese ständige Gefahr bei Semir schon so zur Normalität geworden, dass er diese Nacht einfach so abhaken konnte? Oder war es seiner abklingenden Kopfverletzung geschuldet, dass sich der Körper den nötigen Schlaf holte, den er brauchte? Und diesmal war er es, der in die Mündung einer schussbereiten Waffe und seinem unausweichlichen Ende entgegen geblickt hatte.

    Andrea öffnete und ließ Ben eintreten. »Komm, setz dich, du siehst echt nicht gut aus. Hast du denn gar nicht geschlafen?« – »Ich habe es versucht, aber bin immer wieder hochgeschreckt. Dass Semir überhaupt schlafen kann ..." Andrea lächelte. »Der hat auch nette Gesellschaft. Es ist lange her, dass die Kinder so einen ausgiebigen Mittagsschlaf machten.« Ben lehnte sich auf der Couch zurück. »Der hat es gut«, lächelte er. »Ich setze mal Kaffee auf und sag ihm Bescheid, dass du da bist.« Andrea erhob sich, lauschte im Vorbeigehen an der Schlafzimmertür, hinter der sich aber noch nichts regte und beschäftigte sich in der Küche mit der Kaffeemaschine. Dann schritt sie leise ins Schlafzimmer und weckte Semir.

    »Schatz, Ben ist da. Ich glaube, er braucht dich jetzt.« – »Hmm, gleich«, kam gemurmelt zurück. »Aber nicht wieder einschlafen. Warum sind die Kinder hier?« – »Du möchtest nicht wissen, wie ihr Alternativvorschlag zu diesem gemeinsamen Nickerchen lautete.« Semir zog vorsichtig seinen Arm unter Aydas Kopf hervor – Lilly hatte sich schon im Schlaf von alleine auf eine Seite des Bettes zusammen gerollt – und setzte sich langsam auf die Bettkante. »Wie lange habe ich geschlafen?« – »Etwa fünf bis sechs Stunden.« Andrea ging zurück ins Wohnzimmer. »Semir ist wach und der Kaffee läuft.« Sie stellte drei Kaffeebecher auf den Tisch und holte den Kaffee ins Wohnzimmer, als auch schon Semir noch etwas verschlafen in Sporthose und Sweatshirt eintrat und sich in den Sessel warf.

    Er blickte Ben prüfend an, bevor er bemerkte: »Ben, dass es gestern so enden würde, habe ich wirklich nicht geahnt. Es tut mir leid, dich da mit reingezogen zu haben.« Ben nickte. Er machte Semir ja auch keinen Vorwurf. »Semir, es war für mich selbstverständlich, mit dir dorthin zu fahren. Schließlich hattest du dir Sorgen um Alex gemacht. Und dass ich dann nicht länger oben im Wagen warten konnte, okay, letztendlich habe ich mich dadurch selbst in Gefahr gebracht. Aber dieser Moment, als ich in diese Waffe starrte und nichts tun konnte, außer auf den Schuss zu warten, der dann zum Glück aus Alex‘ Waffe kam, hat mich bisher nicht schlafen lassen. Jedes Mal wenn ich meine Augen schließe, sehe ich die Szene wieder vor mir. Ich habe Angst, die Augen zuzumachen. Es hat mich die letzten zwölf Stunden verfolgt.« Andrea blickte stumm von ihrem Mann zu Ben und zurück. Das hatte Semir ihr noch nicht erzählt. Ein nächtlicher Ausflug, damit konnte sie leben, aber dass anscheinend Ben in akuter Lebensgefahr geschwebt hatte und womöglich Alex und Semir auch, das ließ sie nicht ruhig.

    »Was…?«, doch Semir unterbrach sie. »Andrea, es war nicht nur ein einfacher Ausflug. Ich hatte dir heute Morgen im Auto nicht die ganze Geschichte erzählt.« – »Tust du es jetzt?« – »Lasst mich erst noch weiter reden, bitte«, übernahm nun Ben wieder die Gesprächsführung. »Dass es mich um den Schlaf bringt, beinahe erschossen zu werden, ist nur das eine, das wird sich mit der Zeit wieder legen, da bin ich mir sicher. Aber was wäre geschehen, wenn ich nicht nach euch gesehen hätte? Wenn ich im Auto sitzen geblieben wäre?« Semir schwieg. Das hatte er sich auch schon gefragt. »Nur Augenblicke später wärt ihr in den Händen dieser Gangster gewesen und in dem Haus verschwunden. Spätestens beim Untersuchen des Mercedes‘ hätten sie euch als Polizisten enttarnt. Und die hätten sicher nicht lange gefackelt.«

    Andrea konnte sich zwar allmählich die Geschichte zusammenreimen, doch wollte sie die näheren Umstände erfahren. Und so umschrieb Semir ihr in kurzen Worten, was in der Nacht an dem Landgut vorgefallen war. Nicht nur hatte Alex durch seine schnelle Reaktion Ben das Leben gerettet, er und Semir hatten ihr Leben der Entscheidung Bens zu verdanken, nicht im Wagen auf Semirs Rückkehr zu warten, sondern einzugreifen. »Und wenn Alex jetzt nicht den einen Angreifer hätte ausschalten können, dann hättet ihr noch ein größeres Problem. Wie hättet ihr meinen Tod oder auch nur meine Anwesenheit der Chefin erklärt, vorausgesetzt, ihr wärt überhaupt lebend dort rausgekommen?« – »Ben, wenn Alex es nicht geschafft hätte, dann wärst du jetzt tot, und das möchte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Dann wäre alles andere, auch die Chefin und unser Job, absolut nebensächlich. Ich wünschte, ich hätte dich gar nicht erst in diese Lage gebracht. Es tut mir leid. Aber jetzt zählt nur, dass alles gut gegangen ist.«

    Einen Augenblick lang hing jeder seinen Gedanken nach. Semir sprach als erster wieder: »Ben, ich werde versuchen, deinen Namen rauszuhalten, es wird unter uns bleiben. Ich werde mit Alex sprechen, wir müssen es so drehen, dass du gar nicht vor Ort warst.« – »Das wäre wohl das Beste.« – »Ich rufe ihn gleich an. Wir sollten die Sache mit ihm besprechen.«

    Ich kann mich eigentlich nur anschließen: Die Folge war klasse!

    Das Bild von Bonrath auf dem Schreibtisch, der vergebliche Versuch von Susanne, Jenny von ihrer Schwangerschaft zu erzählen, die Versuche der Psychologin an Jenny heranzukommen, die in die Arbeit flieht, um ihren Schmerz zu betäuben. Ich denke, irgendwann wird sie zusammenklappen, denn ich schätze sie nicht so stark ein, den Verlust von Bonrath und ihre Schuldgefühle auf Dauer einfach so wegzustecken. Dann der Staatsanwalt, der Alex' auf die interne Ermittlung hinweist. Ich finde ihn gar nicht mal so falsch, denn letzenendes war Alex mit Hofer alleine und am Ende gab es nur Alex' Aussage. Bin gespannt, ob und wie dieser Faden weiter gesponnen werden wird.

    Die Folge macht ihrem Titel alle Ehre: Erst wird Semir von Susannes Freund aus dem Feuer gerettet, am Ende retten Semir und Alex Susanne und ihren Freund aus dem Feuer und auch zwischendurch wird an Pyrotechnik nicht gespart.

    Der Humor hat mir gefallen, "Das macht mich dann wohl zu deiner Chefin", "Das nächste Mal nehmen wir aber dein Auto" waren für mich die Highlights.

    Ich hoffe für Susanne, dass sie ihr Baby behält und gesund zur Welt bringt. Mal abwarten. Nur: kann sie dann noch als Sekretärin weiter arbeiten? Ich bin gespannt!

    Die Suche startet, wie vorauszusehen war, mit dem Handy, dem Auto auf dem Firmenhof und dem Alarmieren der PAST-Kollegen. Aber bis sie einen Hinweis auf diese Brücke bekommen werden, das wird wohl noch dauern. Wird Mitttler nicht auch vermisst? Vielleicht hat er noch einem Kollegen oder seiner Familie gesagt, wohin er fährt?

    Familienglück

    »So Semir, nun raus mit der Sprache, was für Träume meinte die Schwester? Du warst heute Nacht nicht in deinem Krankenzimmer, vermute ich?« – »Ach Andrea, ich …« – »Versuch es gar nicht erst! Gleich die Wahrheit, ich bekomme es sowieso heraus.« – »Ich weiß.« Semir sah betreten nach unten, während Andrea den Wagen vom Krankenhausparkplatz steuerte. Da er Andrea sowieso nichts vorzumachen vermochte, entschied er sich, ihr die ganze Geschichte zu erzählen.

    »Alex wurde gestern von Lena vermisst. Er war mit meinem Wagen in Düsseldorf und hatte sich mit ihr verabredet. Er wäre in etwa einer Stunde bei ihr. Er ist aber nicht gekommen. Und irgendwann hat sie begonnen, nach ihm zu fragen. Du weißt doch, zwischen Düsseldorf und Lenas Wohnung hier in Köln liegt Saschas Werkstatt. Ich habe dann Bonrath gebeten, sich dort einmal nach ihm umzuschauen, aber er fand dort nur meinen BMW. Alex war wohl auf seinen Mercedes umgestiegen, der gerade die Werkstatt verlassen hatte. Den haben wir dann im Süden der Eifel geortet.« – »Und dir ist natürlich nichts anderes eingefallen, als dich gleich auf den Weg dorthin zu machen?« – »Natürlich, genau, ja.« – »Moment! Du bist doch nicht etwa selbst gefahren?« Andrea war ehrlich geschockt. »Nein, Ben hat mich gefahren«, gab Semir zu. »Du hast Ben in die Sache mit reingezogen?« – »Ja, was hätte ich denn tun sollen? Bonrath hinschicken?«

    Es traten einige Sekunden Stille ein. Semir blickte immer noch fragend auf seine Ehefrau, die schließlich antwortete. »Das wäre allerdings korrekt gewesen«, sprach sie, ohne den Blick vom Straßenverlauf vor sich abzuwenden. Dann musste sie an einer roten Ampel anhalten und drehte sich zu Semir. »Aber nicht richtig.« Semir zog seine Augenbrauen in die Höhe. Jetzt war es an ihm, seine Frau verwundert anzusehen. »Ja, Semir, Bonrath ist ein guter Polizist, keine Frage. Das wissen wir beide. Aber nur dann, wenn er sich auch als Polizist ausgeben kann, in Uniform und mit vorgezeigtem Dienstausweis. Doch für verdeckte Aktionen ist er nicht zu gebrauchen. Dann tritt er wieder auf wie Colombo, und jeder sieht ihm den Polizisten auf hundert Metern Entfernung an.« Semir war erstaunt. Andrea hatte Bonrath genau so beschrieben, wie auch er ihn sah. Dieter war ein guter Freund und ein guter Polizist, aber ohne seine Uniform im Einsatz nicht zu gebrauchen. Er nickte anerkennend. Zu seiner Verblüffung kam keine Frage zu den weiteren Vorfällen der Nacht und er entschloss sich, ihr zu diesem Zeitpunkt auch nichts weiter zu erzählen.

    Zuhause legte sich Semir, dem allmählich die Augenlider schwer wurden, zu Bett, und er hoffte, ein wenig des in der Nacht verpassten Schlafs aufholen zu können. Da Andrea die Kinder erst in etwa zwei Stunden abholen würde, gelang ihm das Einschlafen in der ruhigen Wohnung auch sehr gut. Erst etwa drei Stunden später wurde er durch das Knarzen der Schlafzimmertür geweckt, und wenig später drang Aydas Stimme an sein Ohr: »Du, Papaaa? Dürfen wir das Trampolin auf den Balkon stellen?« – »Hmmm« – »Heißt das Ja?« – »Hmmm. Wie?« Semir war plötzlich hellwach. »Nein! Seid ihr wahnsinnig? Das Trampolin bleibt im Zimmer!« Er stellte sich gerade seine Kinder auf der Dachterrasse mit Anlauf auf das kleine, im letzten Jahr von Ben zu Weihnachten geschenkte Trampolin springend vor und sah gleichzeitig das niedrige Geländer vor sich. »Aber im Zimmer ist die Decke zu niedrig, da stoßen wir uns den Kopf«, versuchte die Achtjährige zu argumentieren. »Auf dem Balkon ist der Boden zu tief«, hielt Semir dagegen, »da stößt ihr euch … Ayda, das geht nicht.« Er schaute seine beiden Töchter an, die herausfordernd nebeneinander in der Tür standen. »Wir nehmen es in den Ferien mit zu Oma und Opa, dann könnt ihr dort im Garten springen, so hoch ihr wollt, okay?« – »Na gut.« Doch so ganz zufrieden schien Ayda mit seiner Antwort nicht zu sein. Sie schob ihre Unterlippe vor und rührte sich nicht vom Fleck, doch Semir war sich sicher, dass das Trampolin im Zimmer bleiben würde. Er legte sich wieder zurück ins Kissen und schloss die Augen, aber er spürte die fortwährende Anwesenheit seiner Töchter. »Wo ist Mama denn?«, versuchte er das Thema zu wechseln. »Die ist einkaufen«, antwortete Ayda. Lilly kam auf eine neue Idee: »Dürfen wir dann zu dir ins Bett?« Statt eine Antwort zu geben, hob Semir nur kurz die Bettdecke, hörte die schnellen Schritte auf dem Parkett und spürte sogleich die Matratze auf das Gewicht der beiden Mädchen reagieren. »Schuhe aus!«, murmelte er noch und nahm tatsächlich viermal ein leises »Plopp« wahr, das fallende Kinderschuhe auf dem Holzboden verursachten, dann folgte noch kuschelnd-raschelndes Kichern, bis jede ihre Position gefunden hatte, und bald trat Ruhe ein im Gerkan’schen Schlafzimmer.

    Andrea kam die Wohnung nach ihrer Rückkehr verdächtig ruhig vor. Diese Stille konnte bei ihren Kindern nur dreierlei bedeuten: entweder sie heckten etwas aus, sie waren nicht zuhause oder – und Andrea hoffte auf diese Alternative – sie schliefen. Als sie im Kinderzimmer niemanden vorfand, öffnete sie leise die Tür zum Schlafzimmer und blieb einige Sekunden reglos und gerührt stehen. Dort lag ihre gesamte Familie im tiefen Schlaf, die Kinder im Arm ihres Vaters. Sie schloss kurz ihre Augen und zog die Tür leise ins Schloss. Noch vor nicht allzu langer Zeit war sie drauf und dran gewesen, dieses Glück aufs Spiel zu setzen. Heute konnte sie ihr damaliges Verhalten selber nicht verstehen.

    Jetzt nutzte Andrea die Gelegenheit, sich ungestört auf die Couch zu legen und in ihrem neuen Buch zu schmökern. So war es nicht verwunderlich, dass sie und nicht Semir es war, die den Anruf von Ben entgegen nahm.

    Oh Mann, das ging ja daneben, nun haben Ben und Mittler mal eben ihre Rollen getauscht, und Ben ist eingeklemmt. Aber allmählich sollte er schon vermisst werden, und wenn er auch nicht an sein Telefon geht, müssten eigentlich alle Alarmglocken läuten. Aber die Suche wird sich hinziehen. Handy im Gebüsch, Bens Auto auf dem Firmenhof, in der Firma niemand anwesend wegen Feierabend, ausfindig gemachte haben keine Ahnung, Stumpf noch bewusstlos ... das kann dauern.

    Die Szenen in Semirs Haus, der Alptraum, der unruhige Schlaf und auch der Sturm - all das war super beschrieben. Hat mir gefallen. Jetzt bin ich auf die Unterhaltung von Jenny und Ben gespannt.