Ich tippe auch auf Herzensbrecher.
Beiträge von Yon
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Nun ist sie vorbei.
Leider, mir hat es gefallen, sie zu schreiben und euch lesen zu lassen.
Aber die nächste steckt schon in den Startlöchern und wird wohl am Mittwoch "auf Sendung gehen". Somit bleibt für euch eine kurze Verschnaufpause und Gelegenheit zu einem kleinen Schluss-Feed. -
In der PAST
Semir lenkte den Wagen auf den Parkplatz der PAST und hatte es eilig, in das Dienstgebäude zu kommen. Andrea und die Kinder saßen in der Teeküche und hatten jeder einen dampfenden Becher vor sich stehen. Die Mädchen hatten den Schrecken am Vormittag recht gut weggesteckt und lachten schon wieder, nur Andrea machte sich noch sorgenvolle Gedanken. Sie hatte den Einsatz auf der Autobahn über Funk verfolgt und wusste, dass Semir mit Alex auf dem Weg in die PAST war und Oliver Glaser und Peter Albrecht festgenommen werden konnten. Aber erst als sie ihren Mann durch das Großraumbüro der Dienststelle eilen sah, legte sich auch ihre Anspannung und Tränen der Erleichterung bahnten sich ihren Weg. Andrea sprang auf und ging ihm entgegen.
Einen Moment lang schauten sie sich nur an, dann hob Semir eine Hand und wischte ihr eine Träne von der Wange. Er nahm sie fest in seine Arme. »Seid ihr in Ordnung, Andrea?« Er spürte ihr Nicken an seiner Schulter. »Das mit dem Anruf bei Alex, das … du bist echt wahnsinnig! Und ich bin so wahnsinnig stolz auf dich!«
Nachdem sich Semir davon überzeugt hatte, dass es auch Ayda und Lilly gut ging und sie den unliebsamen Besuch heil überstanden hatte, teilte er ihnen mit, dass er nun leider den Rest des Sonntags in der PAST verbringen würde. Er könnte die Vernehmungen nicht Alex und Frau Krüger alleine überlassen und wollte sich die Konfrontation mit den Schlägern und Menschenhändlern auch nicht entgehen lassen, wegen denen Sascha immer noch auf der Intensivstation der Uni-Klinik lag. Andrea sah das natürlich ein, konnte ihre Enttäuschung allerdings auch nicht verbergen, allerdings nicht für sich, sondern für Ayda und Lilly. Die Kinder hatten sich so auf den Ausflug gefreut.
Andrea selbst war die Lust auf das Schokoladenmuseum gründlich vergangen, sie wollte nur noch nach Hause und die Spuren beseitigen, die das SEK bei ihrem Zugriff hinterlassen hatten. »Meinst du, ich kann wieder in unsere Wohnung, Semir?« – »Ich klär das gleich, ja?« Semir ging kurz in sein Büro und rief Hartmut an. »Semir!«, begrüßte ihn der Techniker, »es ist alles gut gegangen, wie ich schon gehört habe?« – »Ja, Hartmut. Vielen Dank für deine Mithilfe. Sag mal, kann Andrea wieder in unsere Wohnung? Seid ihr fertig?«, fragte der Hauptkommissar. »Wir sind schon beim Zusammenräumen. Bis Andrea hier ist, kann sie sicher wieder rein. Ich habe auch die Wohnungstür provisorisch repariert. Das SEK hat ganze Arbeit geleistet, ich denke, ihr werdet nicht um eine Neuanschaffung herumkommen.« – »Das werde ich gleich morgen in die Wege leiten, danke, Hartmut.« Semir wandte sich zu Andrea um, und teilte ihr die gute Nachricht mit: »Ihr könnt nach Hause!«
»Und was ist mit unserem Ausflug?«, protestierte nun Ayda, und Lilly pflichtete ihr bei: »Du hast uns ganz viel Schokolade versprochen, Papa!«
»Wenn ihr nichts dagegen habt, übernehme ich die Schokolade«, klang nun eine gut bekannte Stimme aus dem Hintergrund. »Onkel Ben!«, riefen die Kinder im Chor, »können wir gleich los?« Ben sah Semir an. »Du musst heute arbeiten?« – »Ja, ist eine längere Geschichte. Aber es sieht so aus, als ob wir alle Schläger und Menschenhändler in Gewahrsam hätten. Die warten nun auf ihre Vernehmung. Und dazu bin ich gerade in bester Stimmung. Nimmst du die Kindersitze aus unserem Wagen? Dann kann Andrea mit ihm nach Hause fahren.« Ben machte sich mit den Kindern auf den Weg, um die Kindersitze aus Semirs in seinen Wagen umzuräumen.
»Kannst du alleine bleiben, Andrea?«, fragte Semir fürsorglich, »oder soll ich Susanne bitten …« – »Semir, ich möchte im Augenblick gerne allein sein.« Er gab ihr einen Kuss. »Ich bleibe nicht zu lange hier, versprochen.«
Als Ben alleine – Ayda und Lilly sind gleich in seinem Auto geblieben – zurückkam, um Andrea ihren Autoschlüssel zurück zu geben, klingelte deren Handy. Als sie sah, wer anrief, suchte sie sich schnell einen Stuhl und nahm das Gespräch erst an, als sie saß. »Claudia! … Was? … Das ist ja wunderbar!«, Andrea strahlte, »Dann wird jetzt alles gut, da bin ich mir sicher … und weißt du was? Alle Täter sind festgenommen! … Ja, gerade heute … ja, gerne, dann sehen wir uns morgen … ich freue mich für euch. Viele Grüße auch von Semir und Ben, die stehen hier neben mir und hören zu. Bis morgen!« Sie ließ die Hand mit dem Handy sinken. »Sascha ist aufgewacht. Und er hat Claudia sofort erkannt. Die Ärzte sind sich sicher, dass es jetzt aufwärts gehen wird.«
Nachdem Ben mit den Kindern und auch Andrea die PAST verlassen hatte, gingen Semir und Alex in Richtung der Vernehmungsräume. »Komm Alex, beeilen wir uns und legen diesen Fall zu den Akten!«
Epilog
Sascha und Claudia
Sascha ist auf dem Weg der Besserung. Die Ärzte gehen davon aus, dass seine Verletzungen ohne Folgeschäden verheilen werden. Aber bis dahin liegt noch ein weiter Weg vor ihm. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen sein würde, steht zunächst ein mehrwöchiger Reha-Aufenthalt in einer Kurklinik an.
Claudia führt die Firma in der Zeit alleine, dank ihrer verlässlichen Angestellten leidet der Betrieb finanziell nicht allzu sehr unter der Abwesenheit ihres Chefs.
Dimitrij
Dimitrij, Saschas Cousin, nahm wie verabredet an einer der nächsten Band-Proben von Ben teil und fand viel Gefallen daran, mal wieder einige Songs auf der Gitarre zu begleiten. Es wird nicht bei diesem einen Mal bleiben, wann immer seine Kneipe ihm den Freiraum gewährte, würde man ihn im Probenraum von Bens Band antreffen können.
Andreas Eberhain
Der Düsseldorfer Familienvater hat etwa 1 Woche nach der Festnahme sein Motorrad zurück erhalten. Es konnte in Oliver Glasers Stadtvilla sichergestellt werden.
Eigentlich wollte ich ihm erst eine etwas größere Rolle zukommen lassen, aber dann habe ich mich doch dagegen entschieden. So war er hauptsächlich der Grund dafür, dass Alex nach Düsseldorf gefahren ist und auf dem Rückweg den Transporter hinter Saschas Firma entdecken konnte.
Semir und Andrea
Der Umbau der Wohnung lässt auf sich warten, aber mittlerweile hat der Vermieter die Baugenehmigung erhalten und einen Architekten mit den Plänen und Berechnungen beauftragt. Sie hoffen, den Großteil der Bauarbeiten in die Herbstferien legen zu können, so dass zumindest Andrea mit den Kindern dem Baulärm und dem Schmutz entfliehen kann.
Der Familienwagen der Gerkans war zwar durch die Schüsse ins Bodenblech beschädigt worden, konnte aber wieder repariert werden.
Der Fall
Die Ermittlungen in dem Menschenhändlerfall werden die Polizei noch lange beschäftigen. Die Überlebenden der ausgehobenen Organisation warten in der JVA auf ihren Prozess. Aber alle Kunden, die ermittelt werden konnten, darunter auch der Nachbar von Konrad Jäger, müssen vernommen, der Aufenthaltsstatus aller vermittelten Arbeitskräfte geklärt werden. Bis zur Gerichtsverhandlung wird noch viel Zeit vergehen. Aber das ist jetzt nicht mehr Aufgabe der Kripo Autobahn.
Vier Wochen später
Es ist Hochsommer geworden, die Hitze lag wie ein schwerer Teppich auf der Stadt, die Luft über dem Asphalt flimmerte. Semir und Alex waren zu einer LKW-Kontrolle an der A57 kurz vor Düsseldorf gefahren und ärgerten sich darüber, die schusssicheren Westen tragen zu müssen, aber aufgrund einiger Übergriffe auf Polizeibeamten in den letzten Wochen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, waren sie gehalten, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen. So standen sie in Jeans und T-Shirt, aber mit den schwarzen Westen auf einem kleinen Rastplatz und unterstützten Dieter Bonrath und Jenny Dorn bei den Kontrollen. Es war noch nicht Mittag und schon über 30°C im Schatten. Nicht nötig, zu erwähnen, dass der Rastplatz zum größten Teil in der Sonne lag, oder?
Kim Krüger, Chefin der Autobahnpolizei, war froh, in ihrem klimatisierten Büro sitzen zu dürfen und befand sich gerade in der Lektüre der letzten Einsatzberichte, als Susanne ihr die Post vom Morgen auf den Tisch legte. Sie machte noch einige Notizen am Rand des Berichts und nahm sich vor, am nächsten Tag oder noch am selben Nachmittag mit ihren Hauptkommissaren darüber zu sprechen. Dann wandte sie sich der neuen Post zu und öffnete als erstes ein Schreiben vom Präsidium. Sie musste es zwei Mal lesen, bevor sie begriff was darin stand und welche Auswirkungen der Inhalt des Schreibens haben würde, und beschloss den Absender direkt anzurufen, als das Telefon klingelte und das Display einen Anruf eben dieses Kollegen anzeigte. »Krüger«, meldete sie sich etwas abwesend, »Ach Herr Theiner, ja das Schreiben habe ich bekommen, ich wollte Sie auch gerade anrufen.«
Kim hörte seinen Ausführungen aufmerksam zu, legte erst ihren Kugelschreiber, dann auch die aufgeschlagene Akte zur Seite. »Und das ist beschlossene Sache? Nein, nein, das werde ich meinen Leuten hier schon selber sagen. .. Um 14:00 Uhr? Heute? Nein, Ja, das kann ich schaffen, ich bin dann gleich bei Ihnen.«
Sie verließ die PAST und fuhr in Richtung Düsseldorf, um pünktlich bei Herrn Theiner zu sein. Da ihre Tankuhr begann zu blinken, lenkte sie ihren Dienstwagen auf die Abbiegespur einer Tankstelle.
Volker und Harald Krewitz hatten eine Bank überfallen und waren auf der Flucht in einem geklauten Wagen. Auf die Tankuhr hatten sie nicht geachtet, die bereits den roten Bereich der Reserve erreicht hatte. Sie hielten an derselben Tankstelle wie Kim Krüger, betankten auch ihren Wagen, als in diesem Moment über Funk gut hörbar der Fahndungsaufruf nach ihnen kam, die Beschreibung der Personen und des Fluchtwagens waren eindeutig. Kim Krüger reagierte auf den Funkspruch, meldete sich und wollte gerade ihre Position durchgeben, als sie eine Waffe an ihrem Hals verspürte. »Na, gute Frau, das wollen wir doch lieber lassen«, drohte Volker Krewitz, »Aussteigen und mitkommen! Mit einer Polizeigeisel haben wir gute Chancen zu entkommen, dann wagen die keinen Zugriff.« Sie zwangen Kim Krüger in ihren Wagen. Über Funk sprach jetzt die Zentrale ins Leere. Cobra 1 für Zentrale, Frau Krüger, sind Sie noch da, was ist passiert?«
Aber es meldete sich keine Frau Krüger, stattdessen ein erschrockener, aber zur Mithilfe entschlossener Passant. »Hallo? Polizei? Hier ist eine Frau entführt worden, die Täter fliehen mit ihr auf der Autobahn in Richtung Düsseldorf.« Aus dem Gespräch heraus, konnte die Zentrale genug Informationen sammeln, um zu handeln. »Cobra 11 für Zentrale?«
Semir und Alex brauchten sich mit ihrem Dienstwagen nur auf die Ausfahrt ihres Rastplatzes zu stellen, bis der beschriebene Wagen vorbei kam, und hängten sich gleich an die mit ihrer Chefin fliehenden Bankräuber ...
Ende
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Undercover heißt die Folge, an die du denkst.
Laufen vielleicht nicht, aber humpeln wird Ben mit der Fleischwunde sicher können. -
Robin ist jetzt auch im Gefängnis der Kinder gefangen. Das wird schwer werden, ihn dort zu finden.
Und Semir sollte sich bloß schonen, denn wenn er ausfällt, ist den Kindern auch nicht geholfen. -
Das Verhör zieht sich, und Zange redet nicht! Auch die Konfrontation mit seinem Namen, Vorstrafenregister, seiner Zukunft im Knast als Kindesentführer und seiner Bekanntschaft zu Cablonski bringt ihn nicht dazu, sein Schweigen zu brechen oder mehr zu sagen, als die ganzen Zeit schon. Jetzt muss den "Helden" aber bald mal etwas einfallen, sonst wird es eng für Ayda.
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Brandt-Versicherung
Zwei Streifenbeamten gingen zu Alex‘ Fahrertür, klappten ihren Block auf und begannen in aller Ruhe eine Kontrolle der Papiere und des Fahrzeugs. Alex musste aussteigen und den Kofferraum öffnen, um den Uniformierten einen Blick auf sein Warndreieck und seinen Verbandkasten zu gewähren. Beim Gang zum Heck seines Autos schaute er Semir einen kurzen Moment direkt in die Augen. Semir müsste jetzt nur irgendwie aus seinem Wagen kommen, doch die Waffe drückte sich unnachgiebig in seine Seite. Vielleicht konnte er seine Bewacher irgendwie ablenken und einen Überraschungsangriff starten? Oder sollte er auf den Zugriff warten? Er nahm vorsichtig seine rechte Hand vom Lenkrad, wischte sich den Schweiß an der Jeans ab und ließ seine Hand auf dem Oberschenkel ruhen.
‚Gib mir ein Zeichen, Alex‘, bat Semir stumm, ‚einen winzigen Hinweis!‘
Von ihm unbemerkt waren dem hinteren Wagen, der ebenfalls über die Standspur gefahren war, einige Polizisten in Zivil entstiegen und schlichen sich im Schutz der Mittelleitplanke zur Höhe von Semirs Wagen vor. Erst als diese gebückt an der Fahrerseite des Skodas auftauchten, wurde Semir auf sie aufmerksam. Jetzt ging es blitzschnell, Alex und die Streifenpolizisten vorne, die zivilen Beamten hinten, links und rechts, Semir und seine Begleiter fanden sich von Waffen umzingelt. Lautstark wurden sie zum Aussteigen aufgefordert. Oliver und Peter waren so überrascht, diesen Moment musste Semir zum Handeln nutzen. Er schnellte seine rechte Hand nach hinten und bekam Peters Hand mit der Waffe zu fassen. Es entstand ein kurzer Kampf um die Waffe. Semir gelang es, die Mündung der Pistole nach unten zu drücken, und als sich ein Schuss löste, traf dieser Peter Albrecht in den Unterschenkel. Aber er ließ die Waffe nicht los, noch zwei, dreimal schoss er in den Fußraum des Wagens, bevor der Schmerz durch Semirs Griff ihn die Hand öffnen ließ.
Noch bevor Oliver Glaser eingreifen konnte, wurde er von Alex durch die von außen geöffnete Beifahrertür gerissen, auf den Boden geworfen und gefesselt. Semir, der nun in Besitz von Peters Waffe gekommen war, richtete diese auf den Verletzten und stieg langsam aus. »Das war’s dann wohl, Arschloch!«, fluchte er und trat einige Schritte von seinem Auto zurück. Oliver Glaser war mittlerweile in den Streifenwagen verfrachtet worden, und Alex trat auf Semir zu und schlug ihm auf den Oberarm. »Bist du in Ordnung?«, fragte er seinen Partner, der immer noch mit der Waffe den Mann auf der Rücksitzbank in Schach hielt. Semir nickte und beschwerte sich nun bei den herumstehenden Polizisten, die sich nicht regten, sondern nur mit ausgestreckten Waffen die hintere Tür auf der Beifahrerseite im Auge behielten: »Ja, holt ihn vielleicht mal jemand aus meinem Wagen?« – »Warum gibt er nicht auf und kommt selber raus?«, lautete die prompte Gegenfrage. »Ja, warum eigentlich nicht?«, fragte nun auch Alex. »Er kann nicht!«, antwortete Semir. »Was? Warum kann er nicht?« Da musste Semir grinsen und sagte lachend: »Wegen der Kindersicherung! Er hat sich selbst eingesperrt, der Idiot.« Alex musste nun auch lachen und gab ihren Kollegen den Befehl: »Okay Jungs, holt ihn raus und packt ihn ein.
Rückfahrt
Oliver Glaser wurde mit dem Streifenwagen zur PAST, Peter Albrecht in Polizeibegleitung zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht, Kim Krüger über den erfolgten Zugriff informiert und der Stau wieder aufgelöst.
»Was ist mit Andrea und den Kindern?«, fragte Semir als erstes, als Alex sich wieder zu ihm gesellte, »geht es ihnen gut?« – »Soviel ich weiß ja. Sie sind auf dem Weg in die PAST. Und wir jetzt auch.« Damit ging er zur Beifahrerseite von Semirs Auto. »Nimmst du mich mit? - Erik?«, fragte er einen der Kollegen, »fährst du meinen Wagen zur PAST? Ich fahr bei Semir mit.« - »Jetzt erzähl mir bitte, wie ihr davon erfahren habt!« – »Gleich, wenn wir fahren.« Semir ließ sich nicht lange bitten und reihte sich in den sich langsam auflösenden Stau ein.
»Du weißt echt, wie du deine Kollegen an einem freien Sonntag beschäftigen kannst, Semir. Du schuldest mir einen freien Tag.« – »Was? Das waren maximal 90 Minuten, und außerdem hattest du Bereitschaft, da musstest du mit so etwas rechnen. Also erzähl!«
»Andrea, Semir! Andrea war es. Du hast so eine verdammt intelligente und mutige Frau. Wenn ich du wäre, dann würde ich das nie wieder aufgeben oder aufs Spiel setzen.« – »Ich weiß. Das habe ich bestimmt auch nicht vor. Was hat sie getan?«
»Andrea hat mich – wie auch immer sie das geschafft hat – mit einem Handy angerufen, während sie in eurer Wohnung bedroht wurde. So konnte ich alles mithören. Ich wollte schon wieder auflegen, denn erstens war die Rufnummer mir unbekannt, und zweitens hat sich keiner gemeldet. Aber dann hörte ich Andreas Stimme, sie sprach mit jemandem und gab mir so wertvolle Informationen. Ich habe dann gleich die Krüger angerufen. Die Zeit drängte, denn dein Weg zur Asservatenkammer war kurz. Also brauchten wir Zeit und haben Daniel gebrieft.« – »Der Junge war klasse, ich hatte das Gefühl, er log, konnte mir aber keinen rechten Reim daraus machen. Denn wie sollte er es erfahren haben?«
»Daniel hat dich über die A3 geschickt.« – »Das mit dem Unfall auf der A57 und der Verstopfung der B9 war ein Fake?« – »Klar, wir konnten schließlich nicht sämtliche Straßen sperren. Außerdem hatten wir so Zeit genug, den Stau einzurichten, denn du musstest ja noch erst auf die andere Rheinseite. Und sogar der Verkehrsfunk hat mitgespielt und die Sperrung der A57 gemeldet.« – »Und wenn ich nicht über die A3 gefahren wäre?« – »Dann hätten wie den Zugriff in Düsseldorf gemacht. Aber hier war es doch viel schicker, oder etwa nicht?« Darauf wusste Semir nun nichts zu erwidern.
»Dann mussten wir Andrea aus der Wohnung holen. Ich wusste vom mitgehörten Gespräch, dass es eine Handyverbindung gab, zwischen Wohnung und Auto, also hat Hartmut den Empfang im ganzen Viertel lahmgelegt.« – »Das haben wir im Auto gar nicht mitbekommen.« – »Dauerte auch nur etwa 5 Minuten, dann war alles vorbei. In der Zwischenzeit habe ich meinen Wagen präpariert, damit du wusstest, dass Andrea in Sicherheit war.« – »Ich konnte mich kaum zurückhalten, laut aufzulachen, wenn ich ehrlich bin. ‚Brandtversicherung‘, wie bist du bloß auf die Idee gekommen? Beim Zugriff in der Wohnung, konntet ihr alle festnehmen?« – »Das SEK hat einen der Täter in Notwehr erschossen, diesen Martin Sandmann, der andere, Jonas Berg hat sich ergeben. Ob wir damit das ganze Nest ausgenommen haben, werden die Vernehmungen zeigen. Aber ich denke schon. Zumindest sind jetzt alle Personen, die wir aufgrund der DNA-Spuren und Fingerabdrücke aus dem Landhaus benennen konnten, tot oder hinter Gittern.«»Ich hätte mir den Sonntag irgendwie angenehmer vorgestellt.« – »Ach komm, auch du hattest Bereitschaft, jetzt vernehmen wir die Typen, fassen den Bericht zusammen, übergeben sie Sache der Staatsanwaltschaft und dann …« – »Ist wieder Sonntag«, fiel Semir seinem Partner ins Wort, »da fällt mir etwas ein. Kann ich mal dein Handy haben?«
Alex kramte sein Handy aus der Tasche. »Du weißt aber schon, dass Telefonieren am Steuer von uns geahndet werden kann?« Semir schaute ihn lange an und wollte dann nach dem Smartphone greifen. »Schau nach vorne! Wen willst du denn anrufen?« – »Ben.« Alex wählte Bens Nummer aus dem Telefonbuch und gab dann Semir das Handy, der es sich zwischen Kopf und Schulter klemmte. »Ben? Hast du Lust und Zeit, heute Nachmittag mit meinen Mädels ins Schokoladenmuseum zu gehen?«
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Das kommt bei Alleingängen heraus, wenn man sich erwischen lässt. Aber sie werden den Kollegen sicher bald vermissen, nur wie sollen sie ihn jetzt finden.
Dass Semir nicht in eine Schutzwohnung ziehen will, das passt zu ihm. -
Aber ich weiß ja, andere Leser müssen auch bei Laune gehalten werden
Da gebe ich dir absolut recht, Mrs.Murphy. Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet, aber so bleibe auch ich weiterhin dabei. Danke, Susanne.
Brummer ist nicht zu schwer verletzt, um mit dem RTW fliehen zu können. So wird er sicher seine Rache an Stumpf zu vollenden versuchen. Ob Semir ihn vorher zu fassen bekommt?
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Zugriff
Alex kam gerade aus der Halle in den kleinen Raum. »Geht es los? Haben Sie den Einsatzbefehl gegeben?« – »Ja, Brandt, und jetzt machen wir die Autobahn dicht.« Kim Krüger wählte eine weitere Rufnummer. »Lothar? Es kann losgehen, macht die Autobahn zu.« Sie ließ ihr Handy sinken. Die Anspannung der letzten halben Stunde war ihr deutlich anzusehen. Zu ihren Beamten gedreht, erzählte sie: »Semir fährt mit seinem Skoda über die A3 Richtung Düsseldorf, Lothar vom Polizeirevier in Langenfeld, wird mit seinen Beamten die Autobahn südlich von Düsseldorf sperren und einen Stau verursachen. Ist Ihr Auto präpariert?« – »Ja, Chefin. Ich denke, dass Semir es verstehen wird.« – Gut. Dann fahren Sie jetzt langsam los, ich gebe Ihnen Bescheid.«
Martin Sandmann setzte sich wieder zu Jonas Berg ins Wohnzimmer und lauschte einen Moment dem Klang von Andreas Stimme, dessen Worte er aber akustisch nicht verstehen konnte. Er sehnte die baldige Rückkehr von Oliver mit dem Geld herbei und nahm das Handy in die Hand. »Du Oliver, wo seid ihr jetzt?«, fragte er, bekam aber keine Antwort. Er stutzte, schaute auf das Display und drückte auf dem Touchscreen herum. »Mist, wir haben keinen Empfang!« – »Bitte?«, fragte Jonas, »Das kann doch nicht sein. Zeig mal - «
Weiter kam der junge Ganove nicht. Mit einem ohrenbetäubenden Knall hatten sich mehrere ganz in schwarz gekleidete, vermummte, behelmte und gepanzerte Männer, ausgestattet mit Schnellfeuergewehren und Schutzschilden Zutritt zur Wohnung verschafft und die erste Rauchgranate gezündet, die den Flur und das Wohnzimmer sofort mit dichtem Qualm füllte. Laute Befehle schallten durch die Räume. Einer der SEK-Beamten sah Andrea mit den Kindern im Kinderzimmer sitzen und schloss schnell die Tür, um sie vor dem Qualm und Lärm zu schützen. Noch bevor Martin Sandmann seine Waffe ergreifen konnte, traf ihn ein gezielter Schuss in die Brust. Jonas stand zitternd im Wohnzimmer und hatte beide Arme zur Decke gestreckt. »Ich gebe auf! Ich gebe auf! Nicht schießen! Bitte nicht schießen«, wiederholte er immer wieder. Er ließ sich bereitwillig festnehmen und konnte seinen Blick nicht von seinem Freund und Komplizen abwenden, der reglos auf dem Fußboden lag. Ein Beamter des SEK prüfte seine Lebenszeichen und schüttelte mit dem Kopf.
Nachdem sie die Fenster zum Lüften aufgerissen und Jonas Berg hinausgeführt hatten, betrat der Polizist die Wohnung, der sich vorher als Unterschriftensammler ausgegeben hatte. Er hatte sein Telefon am Ohr und sprach mit Kim Krüger, nachdem Hartmut den Empfang wieder eingeschaltet hatte. »Ja, sie sind in Ordnung«, sagte er nun, als er in der Kinderzimmertür stand und nach Andrea, Ayda und Lilly schaute, die sich gerade aufrichteten. Andrea umfasste ihre Töchter an den Schultern und führte sie nach einer stummen Aufforderung des Polizisten aus der Wohnung ins Treppenhaus und aus dem Haus. Dieser nahm das Handy von Martin und stellte die Verbindung zum Auto wieder her, platzierte das Gerät in die Nähe eines Radios und stellte dieses an. Wieder draußen, setzte er sein Telefonat mit Kim Krüger fort.
»Ja, Martin Sandmann ist tot und Jonas Berg haben wir festnehmen können, wir bringen ihn zu Ihnen in die PAST … Alles klar! … Ich gebe Ihnen noch die Handy-Nummer von den Männern in Semirs Wagen, dann können Sie sie orten, und dann schnappen Sie sie sich. Viel Glück!«
Stau
»Wie konnten Sie davon ausgehen, dass das gut geht? Er hätte uns zwingen können, Ihnen die Tür nicht zu öffnen, er hätte uns im Wohnzimmer behalten können, er hätte -« – »Frau Gerkan, uns blieb nichts anderes übrig, als zu stürmen. Das Klingeln war eine Möglichkeit, Sie und Ihre Kinder aus der Schusslinie zu bekommen, ein gewisses Restrisiko blieb natürlich. Aber das Risiko mussten wir eingehen. Denn die hätten Sie und Ihren Mann nicht einfach freigelassen, wenn sie das Geld erst in ihrem Besitz gehabt hätten.« – »Wissen Sie etwas von Semir? Wo ist er?« – »Soviel ich weiß, steht er auf der A3 im Stau. Alex Brandt ist auf dem Weg zu ihm.« – »Aber wie«, fragte Andrea ängstlich, »will er ihm klarmachen, dass wir in Sicherheit sind?« – »Ich denke, da werden sich Alex und Frau Krüger schon etwas ausgedacht haben.«
»Brandt! Sie können loslegen. Hartmut hat das Handy geortet, sie sind etwa in Höhe Monheim. Seien Sie vorsichtig und holen Sie Gerkan heil aus dem Auto«, lautete die kurze Anweisung von Kim Krüger an den dunkelblonden Polizisten, der bereits in seinem Privatwagen Richtung A3 unterwegs war und vor dem jetzt das Stauende in Sicht kam. »Darauf können sie sich sowas von verlassen, Frau Krüger«, antwortete dieser entschlossen und gab Gas. Mit einem weiteren zivilen Polizeifahrzeug und einem Streifenwagen im Schlepptau fuhr er auf der Standspur am Stau vorbei.
Das brachte ihm manch aufgebrachtes Hupen von den wartenden Autofahrern ein, aber als in einiger Entfernung der Streifenwagen folgte, verstummte dieser Wutausbruch schnell wieder und machte einer gewissen Schadenfreude Platz, Schadenfreude darüber, diesen Verkehrsrowdies würde bald schon die gerechte Strafe ereilen. Das hätten die nun davon, mag manch einer der Autofahrer im Stau gedacht haben.
Alex erkannte Semirs dunkelblauen Skoda Octavia bereits von weitem an dem Aufkleber auf der Heckscheibe und näherte sich vorsichtig dem Zielobjekt. Auch Semir fiel der herannahende Alfa Romeo auf, und er erkannte in ihm den Privatwagen seines Partners. Um Oliver Glaser und Peter Albrecht nicht darauf aufmerksam zu machen, lenkte er seinen Wagen in die Mitte der zwei Fahrspuren, so als ob er sich in der gebildeten Rettungsgasse einen Blick nach vorne zum Grund des Staus erhoffte. »Warum ist hier bloß dieser Stau?«, meinte er mehr zu sich selbst als zu seinen Beifahrern und stoppte. Als der vor ihm rollende Mercedes wieder etwa eine Wagenlänge nach vorne setzte, blieb Semir stehen und ließ damit Platz für Alex.
Was hatte Alex vor? Er konnte doch hier keinen Zugriff starten. In Semirs Kopf arbeitete es. Er fühlte die Waffe deutlich, die sich ihm weiterhin in die Seite bohrte, jetzt wo der Wagen stand, konnte Peter ihn ohne Gefahr fürs eigene Leben ausschalten, was vorher bei Tempo 130 nicht so ohne weiteres möglich gewesen wäre. Und außerdem befanden sich doch Andrea und die Kinder in der Hand ihrer Komplizen, die den Zugriff über das Handy verfolgen könnten, aus dem jetzt leise Radiomusik ins Wageninnere getragen wurde. Aber Alex‘ Anwesenheit an sich war schon merkwürdig, erst das Verhalten von Daniel an der Asservatenkammer, dann Alex‘ Auftauchen hier im Stau, wie konnte er von der Bedrohung erfahren haben?
Dann erkannte Semir, dass Alex nicht alleine war, ein anderer PKW, den er allerdings nicht kannte, scherte bereits einige Autos hinter Semir in die Autoschlange ein und machte Platz für einen Streifenwagen, der auf Alex aufschloss. Dieser lenkte den Alfa in die Lücke vor Semir, der Streifenwagen stellte sich schräg vor ihm hin. »Tja, rechts über die Standspur überholen, bringt nur Ärger ein. Das geschieht ihm recht«, stellte Oliver Glaser trocken fest, und Peter Albrecht stimmte ihm zu. Noch sah keiner von ihnen einen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit der Polizei und ihrem eigenen Verbrechen.
Semirs Aufmerksamkeit wurde indessen von etwas ganz anderem angezogen. Auf der Heckscheibe seines Wagens hatte Alex mit einem breiten weißen Stift eine Werbeschrift aufgetragen, die lautete:
Zuhause alles okay – dank der Brandt-Versicherung von A.B. -
Ja, neugierig bin ich auch, aber ich bleibe auch standhaft, ich habe auch heute, morgen und Sonntag gar keine Zeit, Montag und Dienstag bin ich auf Dienstreise und Mittwoch habe ich auch einen Termin, also bleibt der Donnerstag, und das auch erst nach der Ausstrahlung aus Konserve - ich glaube, ich werde die Letzte hier sein, für die die Staffel zuende ist.
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Making Off
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Immerhin gab es einen kleinen Cliffhanger, somit bleiben viele dran, und es ist kein Cobra-freier Tag angekündigt, der dann kurzfristig wieder geändert wurde.
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Hier noch ein Video vom Dreh:
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Ich fand die Folge auch klasse, die Zusammenarbeit von Alex und Jenny sowie der Psychologin war klasse. Auch die gewachsene Freundschaft von Alex und Semir kam zum Ausdruck.
Dass der Sander die Psychologin jetzt versucht zu erpressen, um gegen Semir und Alex vorzugehen, gibt dem horizontalen Faden der Staffel noch mal einen Extra-Kick und sorgte dann auch für einen schönen Cliffhanger zum Staffelfinale.
Soweit eine Super-Folge, aber mir persönlich hat Semir gefehlt. -
Schade, dass ich gestern keine Zeit zum feeden hatte. Aber heute: Brummer und Stumpf haben sich gegenseitig angeschossen. Schade, ich hätte mir eigentlich noch eine längere Verbrecherjagd gewünscht. Ist damit der Fall wirklich abgeschlossen? Dass Ben Panik vor dieser Operation hat, kann ich gut verstehen, aber ohne die OP sind Arm und Fuß garantiert nicht zu retten, so hat er wenigstens die Chance, sie zu erhalten.
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Genauso, wie bei dem Sturm ins Verhörzimmer zu vermuten war, ist dann auch Semirs "Verhör" verlaufen. Auch wenn es nicht erfolgreich verlaufen war, so konnte sich Semir doch zumindest Luft verschaffen und Bahn brechen für den aufgestauten Zusammenbruch. Super beschrieben. Gut, dass er in der PAST-Familie gut aufgehoben ist und den nötigen Trost und Rückhalt spüren kann.
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Ob sich der Alleingang nicht rächen wird? Eine kurze Information an Ben oder Semir hätte ich auch besser gefunden. Aber Alleingänge sind ja ein Markenzeichen von "Helden". Semir hat eh gerade anderes zu tun, wird vor seinem Haus angegriffen, kann die Angreifer aber mit Hilfe des Stadtreviers in die Flucht schlagen. Aber lustig: die Kollegen verlieren häufig Verfolgungsfahrten?? Na, da stehen sie unseren "Helden" ja in nichts nach.
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Trick
Kim Krüger beendete das Gespräch mit Daniel Schuster und rief beim SEK an: »Seid ihr bereit? Schon vor der Wohnung? Moment«, sie drehte sich zu Hartmut um, »es kann losgehen, schalten Sie sie stumm!«, und als Hartmut nickte, »Zugriff! Zugriff!«
Andrea sackte wieder in sich zusammen, nachdem sie eben noch gehofft hatte, dass die Geldübergabe geklappt hätte und ein Ende ihrer Bedrohung abzusehen war. Und jetzt soll es noch mindestens 2 Stunden dauern? Ayda klappte ihr Buch zu. »Mama? Ich mag nicht mehr lesen, darf ich ins Kinderzimmer gehen und dort spielen?« – »Ich auch! Mama, bitte!«, kam es gleich darauf von Lilly. Andrea schaute ratlos zu ihren Bewachern, die sich daraufhin anblickten. »Moment, ich prüfe erst das Zimmer«, beschloss Martin Sandmann und stand auf. Ihm und Jonas war nicht daran gelegen, den Kindern mehr Angst als unbedingt nötig einzuflößen, er selbst hätte sie sogar gerne außer Reichweite. So kam ihm der Vorschlag, sie im Kinderzimmer spielen zu lassen, sehr gelegen. Aber er musste sich vorher vergewissern, dass das Kinderzimmer keine Gefahr barg, versteckte Waffen zum Beispiel, die Fluchtgefahr war hier unter dem Dach wohl ein zu vernachlässigendes Risiko, aber einen Blick wollte er schon in das Zimmer werfen.
Martin schaute sich kurz um, warf einen prüfenden Blick aus dem Fenster, das zur Straße hinausging und gab es dann für die Kinder frei. »Ich bin einverstanden, aber die Tür bleibt offen.« So gingen Ayda und Lilly zum Spielen in ihr Zimmer, was Andrea sehr lieb war. Der Anblick der fremden Männer mit ihren Waffen wollte sie ihnen nicht länger zumuten. Sie hätte gleich zu Beginn auf die Idee mit dem Kinderzimmer kommen sollen. Es blieb ihr keine Zeit, sich lange über dieses Versäumnis zu ärgern, da es genau in diesem Moment an der Haustür klingelte.
»Darf ich?«, fragte sie vorsichtig, »die hören doch, dass jemand hier ist.« – »Okay, aber wimmeln Sie sie ab, ein falsches Wort, und ich erschieße erst Ihre Kinder und dann Sie und Ihren Besuch. Sie lassen niemanden in die Wohnung!« Martin Sandmann ließ in seinen Worten keinen Spielraum für Zweifel. Dieser Mann meinte, was er sagte. Dann stellte er sich mit seiner Waffe in die offene Tür zum Kinderzimmer und lächelte die Töchter von Andrea und Semir schief an. »Öffnen Sie«, flüsterte er mit einem Kopfnicken. Andrea machte die Haustür auf.
Vor ihr stand ein fremder Mann mit einem Klemmbrett in der Hand. »Guten Tag, Schmidt mein Name, entschuldigen Sie die Störung. Ich komme von der Bürgerinitiative zum Erhalt des alten Schulgebäudes«, mit diesen Worten hielt er das Klemmbrett so, dass Andreas Blick direkt auf den eingeklemmten Polizeiausweis fiel. Auf einem Blatt Papier stand in großer Schrift: SEK ist bereit, wir stürmen in 3 Min. Ihre Wohnung, gehen Sie mit den Kindern in eine Ecke wenn möglich. Noch während Andrea las, setzte der Mann in seinen Ausführungen fort: »Wie Sie vielleicht wissen, plant die Stadt, die alte Schule abzureißen. Wir kämpfen für den Erhalt und wollen dort lieber ein neues Jugendzentrum errichten. Dazu wollen wir so viele Unterschriften sammeln, wie möglich. Können wir auch Ihren Namen für die Aktion gewinnen?«
Andrea schloss für einen Moment die Augen. Da stand tatsächlich Hilfe vor der Tür, Aydas Handy muss Alex also erreicht haben. Aber hat er auch daran gedacht, dass Semir in höchster Gefahr schwebte, sollten die Männer in seinem Auto etwas von dem Zugriff mitbekommen. »Ja, wo soll ich unterschreiben?« – »Hier«, er blätterte das erste Blatt um. Dort waren drei Fragen aufgeschrieben: Wie viele? Bewaffnung? Wo? Andrea nahm ihm den Kugelschreiber ab und schrieb 2, 2 Pistolen, Wohnzimmer, Danke.
Die eben noch gehegte Sorge, in Semirs Auto würde der Zugriff durch die geschaltete Verbindung publik werden, konnte der getarnte Polizist vor ihrer Tür Andrea nehmen. Er senkte seine Stimme: »Ach noch etwas, Frau Gerkan, ehe ich wieder gehe. Haben Sie auch keinen Handyempfang? Ich wollte eben telefonieren, aber nichts funktioniert. Totalausfall, auch bei Ihren Nachbarn, wo ich eben war.« Andrea zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Das habe ich noch nicht bemerkt.« Dann lächelte sie den Mann an und nickte zum Abschied. Sie hatte verstanden. Die Verbindung zu Semirs Auto war nun unterbrochen, und der Zugriff des SEK stand unmittelbar bevor. Sie schloss die Tür und drehte sich zu Martin Sandmann um. Er hatte die letzte Bemerkung des getarnten Polizisten nicht mitbekommen, sondern war zufrieden, als Andrea die Tür wieder geschlossen hatte, und steckte seine Waffe in seinen Hosenbund. Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer bog sie ins Kinderzimmer ab. Martin Sandmann wollte gerade protestieren, doch Andrea kam ihm zuvor: »Nur ein paar Minuten, bitte. Meine Kinder haben Angst, ich beruhige sie wieder.« – »Aber nur ein paar Minuten! Dann sind Sie wieder im Wohnzimmer!«, befahl er. ‚Und ihr hoffentlich festgenommen oder nicht mehr am Leben‘, dachte Andrea.
Dann ging sie zu Ayda und Lilly, die unkonzentriert an ihrer Lego-Landschaft bauten, setzte sich zu ihnen auf den Fußboden und breitete die Arme aus, um Ayda und Lilly in ihnen aufzunehmen. Der Aufforderung kamen ihre Kinder bereitwillig nach. »Ist gleich vorbei«, beruhigte Andrea die Mädchen mit leiser Stimme. Sie hielt sie fest im Arm, als um sie herum die Hölle losbrach.
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Teamarbeit
»Ich habe da vielleicht eine Idee«, meinte Kim Krüger, nachdem sie Alex‘ Kurzfassung dessen, was er gehört und sich zusammengereimt hatte, gelauscht hatte, »treffen Sie sich mit Hartmut in der KTU, ich komme gleich dazu. Vorher habe ich noch zu telefonieren. Wir sehen uns dann.«
Alex wollte schon nachfragen, ließ es dann aber bleiben. Er vertraute seiner Chefin, und viel Zeit blieb ihm nicht für Erklärungen. So rief er Hartmut an, der ihm versprach sofort in die KTU zu kommen. Wenn seine Freunde, und hier sogar noch die Familie eines Freundes, in Gefahr und auf seine Unterstützung angewiesen waren, war er zur Stelle. Er ließ zuhause alles stehen und liegen und machte sich auf den Weg zur KTU.
So trafen sich etwa 15 Minuten später Alex und Kim mit Hartmut in seinem kleinen Reich.
»Was haben Sie vor, Frau Krüger?«, begrüßte Alex seine Chefin, »Wie können wir Semir und seine Familie aus ihrer Lage befreien?« – »Da komme ich gleich zu. Hartmut, eine bestehende Telefonverbindung zweier uns unbekannter Handys, können Sie die gezielt unterbrechen, also lahmlegen?« – »Frau Krüger!«, Hartmut war ernsthaft entrüstet, »Ist die Erde eine Kugel? Schwimmt Öl auf Wasser? Ich kann Ihnen jede gottverdammte Mobilfunkzelle der Republik ausschalten. Welche Adresse?« – »Das wollte ich hören, antwortete Kim Krüger zufrieden, »dann machen Sie sich bereit. Semirs Adresse haben Sie, eines der Handys ist in seiner Wohnung. Auf meinen Befehl hin schalten Sie den Empfang in der Zelle aus.«
Hartmut fuhr seinen Rechner hoch und war bald in seinem Element. Jetzt brauchte er nur noch eine Taste zu drücken und die eine Mobilfunkzelle wäre gestört.
»Was ist Ihr Plan?«, mischte sich Alex ein. »Wir werden die Verbindung unterbrechen. Dann stürmt ein SEK die Wohnung. Und die Männer im Auto hören nichts davon.« – »Aber ist das nicht zu riskant? Andrea und den Kindern darf auf keinen Fall etwas passieren!« Alex hatte seine Zweifel, wenn ein SEK die Wohnung stürmte, könnte es leicht zu einem Schusswechsel kommen. Und das galt es auf jeden Fall zu vermeiden. Doch auf die Frage seiner Chefin hatte er momentan keine Antwort. »Haben Sie eine bessere Idee, Brandt?«
Alex grübelte, schüttelte dann aber den Kopf. »Gesetzt den Fall, die Erstürmung der Wohnung klappt, wie wollen Sie Semir aus dem Auto holen? Seinen BMW könnten wir orten aber der ist ja nun seit vorgestern im Autohimmel.«
Nun grinste Kim Krüger ihren Hauptkommissar an. »Auch dazu ist mir etwas eingefallen.« Und sie unterbreitete Alex ihren Vorschlag. Ergänzt durch einige Vorschläge und Ergänzungen von Alex und Hartmut formten sie daraus gemeinsam einen handfesten durchführbaren Plan.
In der Zwischenzeit traf dann auch das alarmierte Sek in der KTU in. Die Planung nahm jetzt ganz konkrete Züge an. Und das SEK verließ bald wieder die KTU, um sich in der Nähe von Semirs Wohnhaus in Stellung zu bringen.Als das Telefon klingelte und Kim Krüger kurz mit einem Anrufer sprach, konnte es starten. Alle Beteiligten waren angespannt und bereit, Semir und seine Familie aus den Fängen der Menschenhändler zu befreien.
Zeitgewinn
Während in der KTU seine Befreiung geplant wurde, rollte Semir mit seinem Wagen auf die Schranke zu, die die Zufahrt zur Asservatenkammer und anderen Lagerräumen der Polizei versperrte.
Daniel Schuster, ein junger uniformierter Kollege, blickte von seiner Lektüre auf und erkannte den Fahrer des Skodas. Er schob mit einem Lächeln die Trennscheibe zur Seite, beugte sich ein wenig aus seinem Häuschen. »Semir!«, begrüßte er den Eingetroffenen, der seine Seitenscheibe abgesenkt hatte, »was verschafft mir die Ehre?« Semir spürte, dass der Mann auf dem Rücksitz ihm seine Pistole tiefer in die Seite bohrte und sein Beifahrer seine rechte Hand in seiner Jacke versteckte. Semir konnte sich vorstellen, dass er in dieser ebenfalls eine Waffe hielt und rücksichtslos davon Gebrauch machen würde.
»Hallo Daniel«, erwiderte Semir den Gruß des Uniformierten, »du, ich möchte das Geld abholen, das wir hier am Freitag eingelagert haben. Wir müssen es noch auf Fingerabdrücke prüfen.« – »Geld? Ich weiß von keinem Geld.« - »Doch, die zwei Reisetaschen, sie sind doch in eurem Lager sicher kaum zu übersehen.« Aber Daniel schüttelte den Kopf. »Ich weiß von nichts. Aber ich schau mal im Computer nach, vielleicht hat es ein Kollege entgegen genommen.« – »Ja, mach das. Es ist wirklich dringend.«
Seine Finger flogen kurze Zeit über die Tastatur, dann wandte er sich wieder Semir zu. »Ich hab’s doch gewusst. Walter hat das Geld eingelagert, aber es ist nicht mehr hier, wir mussten es gestern umlagern in die Asservatenkammer Nord in Düsseldorf, weil wir hier Probleme mit dem Schließsystem hatten. Tut mir leid, da musst du leider nach Düsseldorf fahren, ist ja über die A3 nicht weit, 45 Minuten etwa. Aber fahr auf jeden Fall über die A3. Auf der A57 ist eine Vollsperrung, und die B9 ist deshalb auch verstopft.« Daniel schaute Semir genau an und wartete bis Semir nickte und seine Lippen zu einem leichten Grinsen verzog. »Okay, Daniel, wir nehmen die A3!«
In seinem Kopf arbeitete es. Semir wusste, dass das Geld hier lagerte und Daniel ihn in diesem Punkt angelogen hatte. Nur warum? Und dieser Hinweis, die A3 zu benutzen, kam doch schon fast einer Anweisung gleich. Wusste Daniel, in was für einer Situation er sich befand? Aber wie konnte er davon erfahren haben?
Oliver Glaser griff zu seinem Handy und sprach in das Mikro. »Martin? Hast du das mitbekommen? Wir müssen nach Düsseldorf, dort ist unser Geld, es dauert also noch ein bisschen. Habt ihr von dem Unfall auf der A57 gehört? Im Radio vielleicht? Uns ist empfohlen worden, die A3 zu benutzen, dazu müssten wir aber erst auf die andere Rheinseite.« – »Das kam im Radio, alle Fahrspuren gesperrt und noch für Stunden, die A3 haben sie auch im Verkehrsfunk empfohlen.« – »Okay, dann sehen wir uns in etwa 2 Stunden.«
Als Semir die Zufahrt zur Asservatenkammer zurückgefahren und an der Hauptstraße abgebogen war, griff Daniel Schuster zu seinem Telefon und rief Kim Krüger an. »Frau Krüger, ich glaube, sie haben es geschluckt, und werden über die A3 nach Düsseldorf fahren. Zwei Männer sitzen bei Semir im Auto, er fährt mit seinem Privatwagen, dem Skoda Octavia. … Da nicht für, war doch selbstverständlich. Und Ihnen viel Glück.«