Die PAST und KTU sind dran, den Unfall zu untersuchen. Und Andrea hat natürlich gleich den richtigen Verdacht. Auch die merkwürdige Frage, die Semir Alex stellte, kommt dabei zur Sprache.
Beiträge von Yon
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Das freche Grinsen verbiete ich mir. Mein Hund hat nie gewatschelt, Daisy bedeutet Gänseblümchen! Und wer mit diesem Namen lediglich eine Ente verbindet, sollte sich in Erinnerung rufen, dass die Namensvertreterin aus dem Reich der Wasservögel eine feine Dame war/ist. Und das meine ich ohne die kleinste Spur von Ironie.
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Herz auf vier Pfoten
Andrea und ihre Töchter richteten sich in dem Zimmer ein, packten ihre Taschen aus und brachten die Kulturbeutel ins angrenzende Badezimmer. Dann wollten sie sich gerade auf den Weg in die Küche machen, um eine Kleinigkeit zu Abend zu essen, als eine Frau etwa in Andreas Alter an ihre Tür klopfte und ihren Kopf hindurch streckte. „Darf ich kurz stören? Ich bin Gabriele Meiners und hier Ihre Gastgeberin. Ich habe erfahren, dass Sie unsere Gäste sind und zwei Kinder mitgebracht haben. Darf ich den kleinen Damen kurz etwas zeigen?“ Andrea war etwas skeptisch aber doch neugierig. „Um was handelt es sich denn?“ – „Kommen Sie ruhig auch mit. Der Weg geht auch am Esszimmer vorbei, das Essen müsste gleich fertig sein.“ – „Sind Sie auch Polizistin?“, fragte sie, während sie sich vom Bett erhob und ihre Kleidung glatt strich. „Ich war beim SEK, bin aber aus Altersgründen ausgeschieden und jetzt Verwalterin dieses Hofs und anderer Schutzeinrichtungen des Landes.“
Sie folgten der schwarzhaarigen Frau wieder den Flur entlang, den sie gekommen waren. „Hier links ist das Esszimmer, da können Sie gleich Platz nehmen. Erst gehen wir hier rechts. Sie kamen in einen kleinen gefliesten Raum, in dessen Mitte eine große Kiste stand. Als Gabriele Meiners zu Ayda und Lilly „Kommt rein, hier ist es“ sagte, kam ein mehrstimmiges Jaulen direkt aus dieser Kiste. Angelockt von der Stimme standen plötzlich drei Hundewelpen auf ihren tapsigen Hinterbeinen und streckten ihre Vorderpfoten und Köpfe über den Kistenrand.
„Die sind jetzt knapp neun Wochen alt und müssen eigentlich zu ihren neuen Besitzern. Für zwei von ihnen haben wir schon ein neues Zuhause gefunden, die werden heute noch abgeholt, die Kleine hier hat sogar schon einen Namen und heißt Daisy. Sie hat eine weite Reise vor sich, bis nach Bayern. Aber für diesen hier suchen wir noch. Wollt ihr euch ein wenig mit dem Kleinen beschäftigen, wenn seine Geschwister nicht mehr da sind? Er wird sicher sehr traurig sein, alleine hier zu bleiben.“
Damit nahm sie den kleinen schwarzen Welpen aus der Kiste und hielt ihn den Kindern hin. Andrea schloss ihre Augen und seufzte. Wenn Ayda erst diesen niedlichen Wollknäuel auf dem Arm hat, würde eine Frage nicht lange auf sich warten lassen. Und genauso war es: „Mama, schau mal, wie süß. Guck mal, und der hat noch gar keine neuen Eltern. Dürfen wir ihn nicht behalten?“ Ihre achtjährige Tochter guckte sie eindringlich an. Sie hatte schon den gleichen Dackelblick drauf wie ihr Vater, einem Blick, dem sie noch nie hatte standhalten können. Und auch Lilly schlug in diese Kerbe. „Oh ja, Mama, bitte! Bitte!“
Und der kleine Hund auf dem Arm ihrer Tochter hatte auch alles, was selbst Steine zum Dahinschmelzen bringen könnte. Aber auch wenn die aktuelle Situation für ihre Mäuse nicht leicht war, wollte sie nicht vorschnell etwas versprechen. Doch als Ablenkung von den schwer bewaffneten Wachen an jeder Hausseite war so ein Hund sehr gut geeignet. „Ihr könnt hier mit dem Hund spielen. Und dann fragt euren Vater, wenn er kommt, ja?“ Andreas Blick wanderte zu Gabriele Meiners und nahm einen strafenden Ausdruck an. ‚Das haben Sie sehr clever eingefädelt, verehrte Frau Meiners‘, dachte sie. Innerlich hatte sie dem neuen Familienzuwachs schon längst zugestimmt, und sie wusste auch genau, dass Semir seinen Töchtern diese Bitte nicht würde abschlagen können, aber so hatte sie zumindest das Gefühl, die Verantwortung für die Entscheidung nicht alleine getragen zu haben. Aber würde Semir überhaupt wiederkommen? Nein, diesen Gedanken wollte sie jetzt nicht zulassen. Sie begab sich in das Esszimmer und aß eine Kleinigkeit zu Abend.
Zunächst zufrieden mit der Antwort ihrer Mutter begannen Ayda und Lilly sogleich mit dem Welpen zu spielen, den es natürlich immer wieder zu seinen Geschwistern zog, der aber irgendwann zwischen Ayda und Lilly auf dem Sofa friedlich schlummerte. Klar, wer so ausdauernd gestreichelt und bespaßt wurde, der musste irgendwann zufrieden und erschöpft einschlafen.
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Keine Werbung, aber auch sehenswert:
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Aha, Semir fährt also auch privat einen BMW, wieder etwas gelernt. Aber gegen die Brüder hat Semir keine Chance, und fällt so in die Hand der Stalkerin.
Meine Befürchtung, er würde nicht vor Danas Rückkehr vermisst werden, bewahrheitet sich zum Glück nicht. Sein Auto wird gefunden und Alex kann gleich mit der Suche starten. -
Casa verde
Das casa verde war eine spanische Tapas-Kneipe, innen standen nur drei Tische mit je vier Stühlen, außen vor dem großen Fenster zwei weitere. Die wenigen Gäste lungerten am Tresen herum und tranken Bier. Als Alex durch die Tür trat, drehten sich alle Köpfe nach ihm um, geradewegs so, als ob er in eine private Veranstaltung geplatzt wäre. Er setzte sich an einen Tisch, bestellte einen Kaffee und wählte unter dem Tisch die Nummer, die ihm Semir genannt hatte. Dabei beobachtete er den Wirt, einen korpulenten spanisch aussehenden Mann, der damit beschäftigt war, die metallene Oberfläche des Tresens zu polieren, während er mit seinen Kunden diskutierte. Als die Verbindung hergestellt war, klingelte ein Wandtelefon hinter der Theke und der Wirt machte sich auf, abzuheben. Alex unterbrach die Verbindung, trank seinen Kaffee aus, stand auf und legte drei Euro im Vorbeigehen auf den Tresen. Weitere Bedienstete schien es nicht zu geben, zumindest konnte Alex niemanden ausmachen.
Zurück im Auto rief er zunächst Semir an, um ihm mitzuteilen, wo die Anrufe der Krankenschwester ankämen und bat anschließend Susanne darum, mehr über den Inhaber des casa verde herauszufinden. Die hatte, wie schon so oft, bereits vorgearbeitet und präsentierte ihm eine kleine Biographie des Gastwirts.
"Ich habe schon recherchiert, Alex", begann Susanne auszuführen, "Martino Alvarez kam als kleiner Junge mit seinen Eltern aus Bolivien nach Köln. Seine Eltern gehörte das Lokal costa blanca in Frechen, sie sind aber beide seit über 10 Jahren tot. Martino hat keine Geschwister, ist jetzt 56 Jahre alt und seit 8 Jahren Eigentümer vom casa verde. Die Gaststätte läuft mehr schlecht als recht, hält ihn gerade so über Wasser. Und jetzt halt dich fest, Alex: Martino Alvarez ist ein Cousin von Mario Torres und steht mit ziemlicher Sicherheit auf dessen Gehaltsliste, denn das casa verde wirft bestimmt nicht so viel ab, dass er sich einen 911er und einen Maserati leisten könnte, die auf seinen Namen zugelassen sind."
"Danke dir, Susanne. Das sind interessante Informationen. Ich bin auf dem Weg zu Semir und Ben. Mit diesem Alvarez kommen wir Mario Torres ein ganzes Stück näher. Warum sind wir nicht bei dem Fall im letzten Jahr auf ihn gekommen?" - "Das weiß ich nicht, Alex. Da müsste man die Akten erneut prüfen. Vielleicht war er gerade in Bolivien?"
Alex war vor Ben im Krankenhaus und stellte seinen Dienstwagen in die Tiefgarage. Er ging zu Semir, der glücklicherweise ein Einzelzimmer belegte, in dem sie sich ungestört beraten konnten. Die Krankenschwester Maria Schubert war bei ihm, auch ihr Mann Bernd war mittlerweile eingetroffen und auf dem neuesten Stand der Entführung seines und Marias Sohns gebracht worden. Alex sah Semirs fragenden Blick, wollte aber seine Erkenntnisse ungern zweimal erzählen, sondern damit warten, bis Ben ihre Runde vervollständigt hätte. Nur den einen Hinweis konnte er nicht zurückhalten. "Wir sind dicht dran. Das casa verde gehört einem Cousin von Mario Torres." Semir lächelte und lagerte sein Bein etwas bequemer. "Das ist doch mal was", er blickte das Ehepaar Schubert an, "wir werden Sie gleich bitten, heute Abend noch einmal diese Kontaktperson anzurufen und einen vorbereiteten Text zu sagen, den meine Partner und ich gleich ausarbeiten werden. Vielleicht ist dann schon bald alles vorbei." Er bemühte sich, aufmunternd zu klingen. "Meinst du, Torres tauscht den Jungen gegen seinen Cousin?", wollte Alex wissen. Semir schaute ihm direkt in die Augen, als er sagte: "Das ist unsere einzige Chance, Alex." - "Dann warten wir jetzt nur noch auf Ben."
Sie mussten noch eine dreiviertel Stunde warten, dann trat Ben durch die Tür und nahm am Tisch Platz. "Und, Ben? Ist die Schutzwohnung sicher?" - "Da kannst du dich drauf verlassen, Semir. Ich habe noch nichts Sichereres gesehen."
Sie planten ihren Einsatz, instruierten Maria Schubert und hofften, dass alles gut ausgehen würde. Anschließend fuhren sie mit Bens Dienstwagen zum casa verde. Es war bereits später Abend geworden. -
Ich glaube auch nicht, dass Semir in seinem Privatwagen Funk hat. Aber was ich mich frage, warum fährt Semir auf der linken Spur und nicht rechts rüber, wenn so ein Idiot von hinten kommt? Hätte wahrscheinlich aber auch nichts daran geändert, dass es jetzt eng für ihn wird. Und niemand wird ihn bis Sonntag vermissen ...
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Der Petershof
Während des Flugs schauten Andrea, Ayda und Lilly aus den Fenstern des Hubschraubers zunächst auf die Stadt und dann auf die Landschaft südlich von Köln. Aber während sich ihre Töchter über die Spielzeuggröße der Autos und Kühe amüsierten, hatte Andrea keinen Sinn für den Ausblick. Wie schon so oft waren sie als Familie und Semir insbesondere in Lebensgefahr. Hatte sie ihn heute auf dem Krankenhausdach womöglich zum letzten Mal gesehen? Würden sie und ihre Töchter ihn gesund wiedersehen?„…, Mama?“ Aydas Stimme riss Andrea aus ihren düsteren Gedanken. „Entschuldige bitte, Ayda. Ich habe nicht zugehört. Was war deine Frage?“ – „Wo fliegen wir hin, Mama? Ich dachte, es geht nach Hause.“ Wohin? Darauf hätte Andrea auch gerne eine Antwort. „Wir fliegen aufs Land und dort bleiben wir ein paar Tage, um uns von dem Autounfall zu erholen“, antwortete sie ihrer großen Tochter. Die gab sich mit der Antwort zufrieden, zu spannend war der Flug allein, als dass sich die Achtjährige weitere Gedanken machte.
Der Hubschrauber näherte sich seinem Ziel. Ein Haus auf dem Land, gesichert wie Fort Knox, war ihnen versprochen worden. Der Pilot flog zunächst eine weite Runde um das Grundstück. Ben und ein weiterer Polizist an Bord betrachteten die Umgebung des Landhauses genau. Dann gaben sie dem Piloten ein OK-Zeichen. Der kündigte über Funk seine Ankunft an. Daraufhin öffnete sich das Dach eines kreisrunden Silo-Behälters, indem zwölf Segmente Tortenstücke-gleich nach außen gezogen wurden und einen Hubschrauberlandeplatz freigaben, auf den der Pilot die Maschine aufsetzte. Unmittelbar danach wurde das Dach über dem Hubschrauber wieder geschlossen.
Die Passagiere stiegen aus und blieben vor dem Hubschrauber stehen. Andrea und Ben schauten sich um, aber es war keine Tür zu erkennen. Dann öffnete sich eine Klappe im Boden und ein Polizist in Uniform der SEK erschien, dahinter betrat Jenny den Landeplatz. „Hallo Ben“, begrüßte sie ihren Kollegen, „hier hast du schon mal den Autoschlüssel für deine Rückfahrt, dein Auto steht im Innenhof.“ Ben nickte und nahm den Schlüssel entgegen. „Herzlich Willkommen, Andrea. Kommt, wir gehen rein.“
Sie alle stiegen eine Treppe unterhalb der Bodenklappe hinunter und gingen durch einen unterirdischen, aber hell erleuchteten und gut ausgebauten Gang zum Haus, wo sie über eine andere Treppe hinauf in eine Art Flur gelangten. „Willkommen auf dem Petershof“, begrüßte sie ein weiterer Polizist dort, „benannt nach dem Polizeipräsidenten Wilfried Peters, der dieses Landhaus in den 80er Jahren so umbauen ließ, wie Sie es heute vorfinden. Ich werde Ihnen gleich Ihr Zimmer zeigen und dann auch gerne den Rest vom Haus.“ – „Ich komme mit“, bestimmte Ben, der wusste, dass er Semir später in allen Einzelheiten die Schutzeinrichtung erläutern musste. „Komm Andrea“, versuchte er Andrea etwas Zuversicht zu geben, „ich habe das Gefühl, hier seid ihr sicher aufgehoben.“ – „Das kann ich Ihnen garantieren, das Haus und die Sicherheitseinrichtungen halten modernsten Bestimmungen zum Schutz von Staatsoberhäuptern stand. Als Bonn noch Bundeshauptstadt war, war das Anwesen öfters im Gespräch zur Unterbringung von Staatsgästen. Kommen Sie hier lang. Ihr Zimmer ist gleich da vorn.“
Der Polizist stiefelte voran, ging um zwei Ecken und blieb vor einer Stahltür stehen. „Lassen Sie sich nicht von der Stahltür verunsichern. Ihr ganzes Zimmer besitzt Stahlwände, auch der Boden und die Decke sind aus Stahl, das gleiche gilt für den Raum nebenan, der uns als Sicherungsbunker dient. Selbst wenn das Haus mit Panzern angegriffen wird, würde in Ihrem Zimmer nicht einmal ein Kartenhaus in sich zusammenfallen, nicht dass wir das schon ausprobiert hätten.“ Er lachte und zog die Stahltür auf und ließ Andrea den Vortritt, die vom Anblick des etwa 6x6 Meter großen Raums angenehm überrascht war. Die Stahlwände waren mit Tapeten verkleidet. Drei Wände waren in einem hellen Braunton gestrichen, eine Wand in weinrot. Vor dieser Wand standen ein Doppelbett und ein weiteres Einzelbett, mit weißer Bettwäsche frisch bezogen. Die Wände zierten Bilder in leuchtenden Farben, die darüber hinweg trösteten, dass sie sich in einem fensterlosen Raum befanden.
Kim Krüger hatte einiges an Kleidung und Spielzeug vorbeibringen lassen, so dass Andrea und die Kinder für einen mehrtägigen Aufenthalt gerüstet waren. Ben war zufrieden und auch Andrea meinte sich unter den gegebenen Umständen damit anfreunden zu können. Ben wäre gerne noch geblieben, aber er musste sich mit Semir und Alex zusammensetzen und einen Plan zur Ergreifung von Mario Torres schmieden. „Andrea? Ich fahre dann jetzt los. Ich denke, euch kann hier nichts passieren.“ – „Ich wünschte Semir, Alex und du könntet auch hier bleiben, bis alles vorbei ist, Ben. Ich habe ein ganz ungutes Gefühl bei der Sache.“ Ben nahm Andrea in den Arm. „Du wirst sehen, es wird alles gut gehen, ich werde auf Semir aufpassen, das verspreche ich dir, und dann kommen wir alle her und holen euch ab.“ Andrea lächelte. „An diese Hoffnung werde ich mich klammern. Alles Gute, Ben.“
Ben ließ sich von Jenny den Weg zum Innenhof zeigen, setzte sich in den Mercedes und verließ das Grundstück über die einzige Zufahrtstraße, musste sich am Tor noch einmal als Berechtigter ausweisen, bevor er über Landes- und Bundesstraßen die Autobahn erreichte und eine Stunde später in die Tiefgarage des Krankenhauses fuhr und seinen Dienstwagen neben dem von Alex abstellte.
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Auch mit Origami kennt sich Hartmut aus. Schon erstaunlich, dass man schon vor der Erfindung des Papiers wusste, wie man es zu falten hatte
Vielleicht lässt sich ja doch noch der Standort der Absenderin ermitteln? Aber die Stalkerin plant schon die Entführung und will ihm einen Krankenhausaufenthalt vorgaukeln. Kennen wir das nicht aus "Ausgelöscht?" Bin gespannt, wie die Brüder vorgehen werden. -
Informantin
„Ja, Schubert hier … die Frau und die Kinder sind mit dem Hubschrauber weg … ja, der Mann nicht, der ist wieder in seinem Zimmer, sein Kollege kommt nachher zurück …nein eine Zieladresse ist nicht genannt worden … was ist jetzt mit Finn, lassen Sie ihn gehen? … Bitte, ich habe Ihnen alles gesagt … Ja“ Sie legte auf und setzte sich auf einen der Plastikstühle.
Ihre Gedanken wanderten zu ihrem Sohn, der heute nicht aus der Schule nach Hause gekommen war, stattdessen hatte sich dieser Mann gemeldet und wollte Informationen zu dieser Familie Gerkan haben. Aber lieferte sie damit nicht diese Familie einem Verbrecher aus? War es richtig, was sie tat? Der Mann hatte gedroht, Finn zu töten, wenn sie ihm keine Informationen übermittelte, aber konnte sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn anstelle von Finn eine andere Familie in seine Hände gerät? Ob sie mit Gerkan oder den Polizisten vor dessen Zimmer reden sollte, vielleicht konnten sie Finn retten, ohne dass noch mehr Unheil geschah? Sie musste etwas unternehmen, auf gar keinen Fall wollte sie, dass Frau Gerkan und ihren kleinen Kindern etwas zustieß, und Profis würden ihr ihren Sohn sicher wiederbringen können. Sie stand auf und ging zu Semir ins Zimmer. Sie ärgerte sich jetzt über sich selbst, dass sie nicht mit dem Anruf gewartet hatte, und hoffte, dass es noch nicht zu spät war.
„Herr Gerkan? Kann ich kurz mit Ihnen sprechen?“ – „Aber sicher, Frau Schubert, worum geht es denn?“ – „Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Ich glaube ich habe einen großen Fehler begangen.“ – „Sie? Das kann ich mir kaum vorstellen.“ Statt darauf zu antworten, nickte Maria Schubert nur. „Und doch ist es so. Es geht um Sie und Ihre Familie, ich habe Informationen ausgeplaudert.“ – „Was haben Sie? Und warum? Und an wen?“ – „Ich habe einen Sohn, Herr Gerkan, er ist 11 Jahre alt. Er ist heute nicht von der Schule nach Hause gekommen. Und auch bei seinen Großeltern, die auf ihn aufpassen, wenn ich tagsüber arbeiten muss, oder bei seinem Vater im Büro ist er nicht aufgetaucht. Und er hat auch keine Nachricht hinterlassen. Ich habe mir Sorgen gemacht, bis ein Mann etwa um drei Uhr bei mir anrief und für das Leben von Finn, so heißt mein Sohn, Informationen forderte. Ich habe ihnen gesagt, dass Sie hier sind und eben, dass Ihre Frau mit dem Hubschrauber weggeflogen ist.“ – „Sie haben eine Telefon-Nummer? Können Sie sie mir aufschreiben? Und haben Sie auch gesagt, dass ich noch hier bin und später abgeholt werde?“ – „Es tut mir Leid, Herr Gerkan. Ich hätte es Ihnen gleich sagen sollen.“ – „Machen Sie sich jetzt keine allzu großen Sorgen. So hätte ich an Ihrer Stelle wahrscheinlich auch gehandelt. Haben Sie einen Namen mitbekommen?“ – „Nein. Aber es war eine ausländische Stimme, er sprach mit deutlichem Akzent.“
Maria Schubert gab Semir die Telefonnummer, die sie auf einem Notizzettel in ihrer Tasche hatte. Semir nahm sein Handy und rief Ben an. „Ben? Pass auf, Mario Torres weiß, dass ihr mit dem Heli unterwegs seid, pass bitte noch mehr auf als du eh schon planst. Er weiß auch, dass du zurückkommen willst. Es sieht aus, als sollten wir ihm schneller begegnen, als uns lieb ist. … Er hat den Sohn einer Krankenschwester in seiner Gewalt. … Ja, alles wie geplant, wir sehen uns dann. Ciao Ben“
Er legte nur kurz auf, um gleich darauf bei Hartmut anzurufen. „Einstein, ich habe eine Telefonnummer und möchte wissen, wo sich der Apparat befindet, kannst du das?“ – „Eine meiner leichtesten Übungen, Semir, schieß los.“ Semir gab dem Kriminaltechniker die Telefonnummer durch und wartete. In der Zwischenzeit nickte er der Krankenschwester aufmunternd zu, „das wird schon, unser Apparat läuft jetzt an, und wir werden Ihren Sohn finden. Es ist gut, dass Sie zu mir gekommen sind. … Ja Hartmut? Aha, ein Telefon in einem Restaurant? Wo ist Alex eigentlich? … Gut, ich rufe ihn selber an. Danke Hartmut.“„Alex, wo warst du den ganzen Tag?“, begann Semir sein Telefonat mit seinem Partner. Alex hatte den Tag damit verbracht, alte Wirkungsstätten von Mario Torres aufzusuchen. Aber sein Tag war wie befürchtet erfolglos geblieben. Nirgendwo fand er eine Spur des Südamerikaners. Und das teilte er Semir nun mit, auch dass er zurzeit in Lenas Wohnung lebte und bislang keinen Verfolger entdecken konnte. „Gut Alex, kannst du dich mal im casa verde umschauen, das ist ein spanisches Lokal in der Altstadt-Süd, und wenn du dort bist, wähl doch bitte mal die Telefonnummer, die ich dir jetzt nenne und beobachte den Mann, der abhebt. Aber melde dich nicht.“ Semir sagte Alex die Nummer und erzählte auch von der Entführung des kleinen Finn. „Und dann komm hier her ins Krankenhaus, wir haben einen Plan zu entwerfen. Ich glaube, wir können Torres heute Nacht noch eine Falle stellen.“
Semir legte sein Handy auf den Tisch und schaute die Krankenschwester an. „Frau Schubert, ich rede nicht gerne um den heißen Brei herum. Ich muss Ihnen leider sagen, dass Mario Torres, in dessen Gewalt sich Ihr Sohn befindet, einer der übelsten Verbrecher ist, mit denen die Polizei des Landes bislang zu tun hatte. Ich kann Ihnen leider nicht garantieren, dass er ihn unbeschadet laufen lässt, wenn er hat, was er möchte. Aber garantieren kann ich Ihnen, dass meine Kollegen und ich alles unternehmen werden, was in unserer Macht steht, ihn zu retten und Mario Torres festzusetzen. Wir brauchen Sie nachher noch für einen weiteren Anruf, glauben Sie, dass Sie das schaffen?“ – „Wenn es mir meinen Sohn wiederbringen kann, schaffe ich alles.“
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Schutz
Kim Krüger hielt Wort und hatte eine Schutzunterkunft südlich von Köln organisiert. Der Name Mario Torres öffnete dabei alle Türen und ihr wurde die sicherste Unterkunft zugewiesen, die die Polizei in Nordrhein-Westfalen derzeit zur Verfügung hatte. Dabei handelte es sich um ein Haus auf dem Land, umgeben von 200m kurzgeschorenem Rasen auf jeder Seite, ein Hindernis, welches nicht unbemerkt überwunden werden konnte. Sechzehn gut ausgebildete Polizisten hielten 24 Stunden am Tag die Augen offen und hatten auch die Monitore der acht Kameras im Blick, welche die Umgebung ständig aufzeichneten. Das Haus war gesichert wie ein Tresor der Zentralbank. Hier waren die Gerkans vor Mario Torres sicher. Die einzige Zufahrt zum Haus endete am hohen alarmgesicherten Zaun, der nur ein Tor besaß, welches rund um die Uhr bewacht wurde. Kim Krüger war mit dieser Unterkunft sehr zufrieden und gab den Befehl, am nächsten Abend per Hubschrauber Familie Gerkan am Krankenhaus abzuholen.
Semir ließ es nicht nehmen, Andrea und die Mädchen auf ihrer Station abzuholen. Auch Ben war gekommen. Er würde den Hubschrauber begleiten und sich über die Sicherheit vor Ort ein eigenes Bild machen. Eine Krankenschwester half Andrea beim Tragen der Taschen. Sie machte einen sehr nervösen Eindruck, aber eine solche Aktion fand schließlich nicht jeden Tag statt.
„Willst du nicht doch mitkommen, Semir?“, versuchte Andrea, ihren Mann erneut dazu zu bewegen, seine Entscheidung zu überdenken. „Schatz, ich habe es dir doch erklärt, es geht nicht. Ich muss mich Torres stellen, sonst ist die Sache niemals ausgestanden. Du wirst sehen, in ein paar Tagen ist die Sache vorbei und wir können wieder nach Hause.“
Er verabschiedete sich von seinen Töchtern, die den Ernst der Lage nicht verstanden und ganz aufgeregt ihrem ersten Hubschrauberflug entgegen fieberten, und nahm dann Andrea in den Arm. Sie kniff die Lippen aufeinander, versuchte die Tränen aufzuhalten, ließ sich dann aber doch von Ben zum Hubschrauber führen. Auch Semir war es eher zum Weinen zumute. War es die richtige Entscheidung? Sollte er vielleicht doch bei seiner Familie bleiben? Wird er sie wirklich in einigen Tagen wiedersehen? Er hob die Hand, als er Lilly winken sah. Dann bemerkte er Ben, der noch kurz zu ihm hinrannte, während der Hubschrauberpilot die Rotorblätter schon in Bewegung brachte. „Kopf hoch, Semir. Es wird alles gut gehen, ich hole dich in“, er sah auf seine Uhr, „vier Stunden ab, und dann begeben wir uns auf die Pirsch. Alex und ich haben schon einen Plan. Jetzt bringe ich deine Schätze in Sicherheit.“ – „Wo bringt ihr sie hin, Ben?“, fragte Semir ausdruckslos. „Das kann ich dir nicht sagen. Und ich würde es auch nicht, denn was du nicht weißt, das kannst du nicht ausplaudern, auch nicht unter Zwang. Das verstehst du doch?“ – „Sicher, Ben. Aber du schaust es dir genau an, ja?“ Ben nahm seinen Freund kurz in den Arm. „Worauf du dich verlassen kannst, Partner.“Als der Hubschrauber schon nicht mehr zu sehen war, stand Semir immer noch auf dem Dach des Krankenhauses. Erst die Stimme des begleitenden Polizisten brachte ihn wieder in die Realität zurück. „Herr Gerkan, Sie sollten wieder auf Ihre Station gehen.“ – „Wie bitte? Ja, lassen Sie uns wieder reingehen.“ Semir, die zwei Polizisten und die Krankenschwester bewegten sich langsam zum Aufzug, um wieder zurück in den ersten Stock zu fahren. Während Semir in sein Zimmer humpelte und die Polizisten wieder davor Platz nahmen, ging die Krankenschwester in den Aufenthaltsraum, um zu telefonieren.
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ich meinte eine Iris, auch Kellnerin allerdings habe ich den Namen nicht mehr im Ohr, sondern gelesen.
Folgen: Gift, zwischen den Fronten, Faule Äpfel und Kurze Rast, wenn ich es richtig zusammenbekomme.
Mach weiter -
wer ist Maria?
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Nein, keine Freundin
Sie spielte in vier Folgen mit, das als Tipp
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[spoiler]Jetzt bin ich enttäuscht von dir, Campino! Nicht, weil du es nicht geschafft hast, Ben sterben zu lassen, sondern weil du den Cliffhanger nur ein paar Tage durchgehalteh hast.[ /spoiler]
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Das meine ich aber auch! Eine zweite Meinung holt man sich bei einem zweiten Arzt!
Dass Andrea gleich merkt, dass ihn etwas belastet, war auch klar. Ich würde an seiner Stelle offen mit ihr reden, alles andere hat auch keinen Zweck.
Eine Verabredung mit der Stalkerin könnte aber auch Erfolg haben. Er wüsste, mit wem er es zu tun hat und gegen wen er vorgehen muss.
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Semirs Entscheidung
„Hier wimmelt es von Polizei, Semir, kannst du mir das bitte mal erklären?“ Andrea stand in Semirs Krankenzimmer. Semir stand langsam auf, er versuchte, sein lädiertes Bein zu belasten und schaffte es, sich hinzustellen und einige Schritte im Zimmer auf und ab zu gehen. „Semir, vor wem soll die Polizei uns beschützen?“ – „Andrea, der Mann“, Semir setzte sich wieder hin, „der in unseren Wagen gefahren ist, war einer von Mario Torres‘ Leuten. Er ist wieder im Land.“ – „Oh Nein, bitte sag, dass das nicht wahr ist, Semir.“ Sie ging zu ihrem Mann uns ließ sich neben ihn auf dem Bett nieder. „Du hattest mir doch damals versichert, dass er tot ist.“ – „Bis gestern habe ich es selbst gedacht. Aber die Spuren sprechen leider eine andere Sprache.“ Semir schaute Andrea ins Gesicht. Sie hatte zu zittern begonnen, ihre Albträume vom letzten Jahr bahnten sich einen Weg hervor aus ihrem Unterbewusstsein. Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie an sich. „Die Polizei wird euch in eine sichere Wohnung bringen und euch beschützen. Es wird euch nichts passieren“, versuchte er Andrea zu beruhigen.
Noch hatte er ihr nicht vom Tod Paulsens und Heinrichs erzählt. Er wollte sie nicht noch mehr beunruhigen. Aber Andrea kam von selber darauf zu sprechen. Sie konnte sich gut an die abendlichen Sitzungen in ihrem Haus erinnern, das als Lagezentrum des Ermittlerteams gedient hatte. „Was ist mit Walter Paulsen und Klaus Heinrich, werden die auch beschützt?“ – „Andrea“, Semir suchte nach den richtigen Worten und entschied sich dafür es seiner Frau kurz und knapp mitzuteilen und hoffte, sie würde keine Details wissen wollen, „Mario Torres war schneller, sie sind beide tot.“ – „Oh mein Gott, nein! Und jetzt hat er es auf dich und Alex abgesehen?“ – „Wir befürchten genau das, Andrea.“ Eine erste Träne löste sich aus ihren Augen, und Semir drückte sie etwas fester an sich. Er wusste nichts zu erwidern. Andrea war keine Frau, die man durch einfache Worte beruhigen konnte. „Wie sind Walter und Klaus ums Leben gekommen?“ Semir holte tief Luft. Das hatte er befürchtet. „Walter wurde erstochen und Klaus erschossen.“ – „Oh Mann, die arme Frau! Hatte er nicht auch einen Sohn?“ – „Schatz, Torres hat auch Karin und Erik getötet.“ Als Andrea dieses vernommen hatte, wich auch die letzte gesunde Farbe aus ihrem Gesicht, und sie sackte in Semirs Arm zusammen. So schwiegen sie einige Minuten und dachten beide an die lebensfrohen Kollegen, mit den Semir und Alex im letzten Jahr zusammen einen Fall aufgeklärt hatten. Dann blickte Andrea auf und sah Semir in die Augen.
„Aber du bleibst doch bei uns, Semir? In dieser Schutzwohnung?“ Semir schwieg und senkte seinen Kopf.
„Semir? Ich habe dich was gefragt. Du kommst doch mit uns, oder?“ Semir holte tief Luft und nahm ohne Aufzublicken den Arm von Andreas Schultern und begann seine linke Hand zu kneten. „Schatz“, begann er, „ich werde mich nicht vor Torres verkriechen. Und Alex auch nicht.“ Andrea hielt es nun nicht mehr auf dem Bett. Sie stand auf und sah auf Semir hinunter. „Bitte was? Du willst dich ihm doch nicht entgegen stellen? Und dich abschlachten lassen wie Paulsen oder Heinrich?“ – „Nein, Andrea. Wir schnappen ihn uns.“ – „Du? Mit einem Bein und einem Arm, wie soll das gehen? Er wird dich töten, Semir.“ – „Andrea, das darfst du nicht mal denken. Alex und Ben werden das verhindern. Mir wird nichts geschehen.“ – „Ich habe trotzdem Angst, ich hätte dich lieber bei uns.“
„Angst habe ich auch. Aber wie lange soll ich mich vor Mario Torres verstecken? Er wird anderen Polizisten nicht ins Netz gehen, dazu ist er zu gewieft. Alex und ich müssen ihn aus seinem Versteck locken, nur dann haben wir eine Chance ihn zu erledigen. Ich möchte doch, dass wir bald wieder alle zuhause sein können. Komm her.“
Andrea blieb regungslos stehen. „Bitte, Schatz“, bekräftigte er und streckte seinen Arm aus. Jetzt nahm sie wieder Platz und ergriff Semirs ausgestreckte Hand.
Es klopfte. Eine Krankenschwester streckte ihren Kopf durch die Tür. „Hier sind zwei junge Damen, die unbedingt zu Ihnen wollten“, sagte sie lächelnd und gab die Tür für Lilly und Ayda frei, die das Bett erstürmten und von Semir und Andrea in den Arm genommen wurden.
Die waren froh, dass sich das Thema auf diese Art und Weise erst einmal vertagen ließ. -
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Nicht Jeanette