Beiträge von Yon

    Es wäre wirklich keine Elli-Geschichte, würde der erste Fluchtversuch gleich gelingen. So wird Semir mindestens noch eine Nacht dort verbringen müssen. Und auch Alex und Hartmut kommen nicht wirklich weiter.

    Die Videos der Internet-Cafés geben nicht viel her, die Absenderin ist zwar zu sehen, wusste aber anscheinend, wo die Kameras im Raum hängen. So hat Alex jetzt nur vage Angaben aber kein Gesicht.
    Endlich entschließt sich Semir zu handeln! Die Tapete im Flur, keine Schmerzen im Arm nach dem Sturz, kein Telefon, kein Besuch - nun heißt es nur auf den richtigen Zeitpunkt zu warten und nach nichts wie weg dort!

    Epilog

    Mario Torres war tot, erschossen von Ben, als der Bolivianer seine Waffe auf Semir richtete. Martino Alvarez war tot, erschossen von seinem Cousin Mario Torres. Jens Neumann war tot, gestorben, weil er nicht angeschnallt war, als er in den Skoda der Familie Gerkan fuhr. Ein Komplize war tot, erschossen von Semir im Schusswechsel während seiner Flucht mit Finn.
    Drei Komplizen konnten festgenommen werden. Und diese drei packten aus. Anhand ihrer Aussagen konnten in den folgenden Tagen die Wohnungen des Verbrecher-Rings ausfindig gemacht und durchsucht werden. Dabei wurde ein ansehnliches Waffen- und Sprengstofflager entdeckt, sowie mehrere Hundert Kilo Kokain und eine knappe Million Euro sichergestellt. An einer Wand war ein Zettel mit einer handschriftlichen Liste angepinnt, auf der mehrere Namen standen.

    Walter Paulsen
    Klaus Heinrich
    Semir Gerkan
    Alexander Brandt
    Uwe Neugebauer
    Thorsten Ramm
    Kim Krüger


    Zwei von ihnen waren bereits durchgestrichen, die der toten Polizisten Walter Paulsen und Klaus Heinrich. War das die Todesliste von Mario Torres?

    Uwe Neugebauer und Thorsten Ramm waren die BKA-Beamten, die Torres damals in Bolivien aufspüren konnten und ihn dort – wie sie bis vor wenigen Tagen dachten – in einem Feuergefecht getötet hatten. Und Kim Krüger hatte die Ermittlungsgruppe damals mit geleitet. Die beiden BKA-Beamten wurden zwar durch Kim Krüger von der Rückkehr des Mario Torres unterrichtet, meinten aber, sie könnten selber auf sich aufpassen, weil ihre Namen damals auch nicht im Bericht erwähnt wurden, um sie nicht zu gefährden, und hatten sich in den Fall nicht weiter eingemischt. Dass ihre Namen jetzt auf dieser Liste auftauchten, verwundert sie dann aber doch. Das hätte eng werden können.

    Was wäre, wenn Semir den Unfall, der tatsächlich ein Unfall war, nicht gehabt hätte und Jens Neumann nicht zu Tode gekommen wäre? Wenn dadurch der Alukoffer nicht in die KTU gekommen wäre und Hartmut nicht die Fingerabdrücke eindeutig Mario Torres hätte zuordnen können? Hätte Mario Torres diese Liste weiter abgearbeitet, ohne gestoppt werden zu können? Wären ihm womöglich Semir und Alex zum Opfer gefallen, noch bevor sie überhaupt erfahren hätten, dass der Südamerikaner sich wieder in Deutschland aufhielt? War vielleicht das Bekanntwerden seiner Anwesenheit in Deutschland erst Auslöser seines Rachefeldzugs oder hatte die Durchführung seiner Rachepläne beschleunigt?

    Aber, müssen wir uns diese Fragen überhaupt noch stellen, wo doch Mario Torres jetzt bewiesenermaßen wirklich tot war?


    3 Monate später


    Die Jugendgruppe eines norddeutschen Kanu-Clubs verbrachte ihre diesjährige Sommertour auf dem Rhein. In Iffezheim hinter der letzten Staustufe des Flusses – ab dort fließt der Rhein ungehindert bis zu seiner Mündung in die Nordsee bei Rotterdam - hatten sie ihre Kajaks mit dem Campinggepäck beladen zu Wasser gelassen. Sie paddelten von einem Wassersportverein zum nächsten und hatten vor zwei Tagen Köln erreicht. Ihre Zelte schlugen sie für drei Nächte in Rodenkirchen bei einem der dort ansässigen Kanu-Vereine auf und schlenderten einen Tag lang durch die Domstadt. Die einen suchten die Sehenswürdigkeiten, andere fanden sie. Wieder andere machten sich auf, Drehorte aufzusuchen, an denen Szenen ihrer Lieblings-TV-Serie entstanden waren.

    Heute sollte nun nach zwei Tagen Pause ihre Reise auf dem Wasser weitergehen. Sie trieben gerade rheinabwärts inmitten der Strömung des mächtigen Flusses und genossen es, Köln von der Wasserperspektive aus zu betrachten, als ein Mädchen, das sich am Rande der Gruppe aufhielt, einen spitzen Schrei ausstieß. Ihr Kajak war auf ein treibendes Hindernis gestoßen, welches gleich darauf in einem Strudel in Richtung Grund gezogen und damit für die Paddler unsichtbar wurde. Sie hatte sich durch den Zusammenstoß erschrocken, war sie doch vom majestätischen Anblick des Doms und der Hohenzollernbrücke abgelenkt gewesen. „Was hast du, Fatima?“ – „Da trieb etwas im Wasser, ich bin damit kollidiert.“ – „Da ist nichts zu sehen. Bestimmt ein totes Tier, vielleicht ein Schaf, die treiben oft knapp unter der Wasseroberfläche. Oder ein Müllsack. Komm, wir müssen jetzt sowieso weiter zur rechten Flussseite paddeln, da kommt ein Schiff von achtern. Und pass auf, dass du nicht wieder ins Kehrwasser fährst, so wie neulich, bleib in der Strömung.“ Die Worte ihres Jugendwarts beruhigten Fatima, und bald war der Vorfall für die junge Kanutin vergessen.

    Doch zwei Tage später erinnerte sie sich wieder daran, als sie die Tageszeitung aufschlug und einen Bericht über das geborgene „Treibgut“ las.

    Denn noch am Abend desselben Tages, an dem es Berührung mit ihrem Kajak hatte, trieb eben dieses „Treibgut“, zumindest bildete sich Fatima ein, dass es sich um dasselbe „Treibgut“ handelte, in die Einfahrt eines kleinen Hafens, wurde dort von Motorbootfahrern entdeckt und von Fachkräften geborgen.

    Es war kein Tier, wie ihr Jugendwart ihr hatte weismachen wollen, mit dem Fatimas Boot zusammen gestoßen war, auch kein abgetriebener Müllsack, sondern der Körper eines Mannes, der bereits mehrere Tag im Wasser gelegen haben musste, wie die Gerichtsmedizin feststellen konnte. Aber er war nicht ertrunken, sondern erschlagen und anschließend dem Fluss übergeben worden.
    Seine Identität konnte anhand seiner Fingerabdrücke bereits nach kurzer Zeit eindeutig festgestellt werden: es handelte sich um Uwe Neugebauer,

    … Ermittler beim BKA …

    Ende

    Ben darf wohl das Krankenhaus verlassen, Ayda auch am nächsten Tag. Die Therapie kann sie dann zuhause fortsetzen. Für Lilly ist es auch nicht einfach, sie muss ja auch begreifen, warum Ayda jetzt mehr Zuwendung braucht, als sie. Die Verletzungen des Asiaten sind zwar schwer, aber das hätte wesentlich schlimmer ausgehen können. Zum Glück ist seine Schwester da, die ihm alles übersetzen kann. Dass der Schläger in Haft kommt, das sehe ich auch noch nicht.

    Nachdem die Suche in den Internet-Cafés zunächst erfolglos war, haben sie endlich eines mit einer Videoüberwachung gefunden. Ich bin gespannt und hoffe, dass auf den Filmen Schwester Ines zu erkennen ist und der Groschen bei Alex und Kim fällt.
    Semir kommt es zwar merkwürdig vor, dass Andrea nicht da ist und er immer noch kein Telefon ans Bett bekommt, aber er nimmt die Erklärungen der Schwester als gegeben hin. Mensch Semir, was macht dein Bauchhirn? Raus mit dem Tropf und raus aus dem Zimmer!

    Ben und Ben


    Alex und Ben fuhren mit Semir zum Schutzhaus. Auch Semir zeigte sich wie Ben am Vortag beeindruckt angesichts der Sicherheitseinrichtungen. Sie passierten die Kontrolle am Tor ohne weitere Probleme, weil Dieter Bonrath dort gerade aushalf, und fuhren weiter zum Petershof. Diesmal machte Ben sich nicht die Mühe, den Wagen im Innenhof zu parken, sondern hielt direkt vor dem Haupteingang. Aus der Eingangstür trat ihm ein Polizist entgegen und begrüßte sie. „Die Herren Gerkan, Jäger und Brandt? Sie sind mir vom Tor gemeldet worden. Willkommen auf dem Petershof.“ Semir hielt sich nicht erst mit Höflichkeitsfloskeln auf. „Wo ist meine Familie?“, wollte er gleich wissen. „Kommen Sie mit, sie sind alle im Garten.“

    Er ging ihnen voraus durch einen langen Flur, um auf der hinteren Seite das Haus wieder zu verlassen. Hier war ein großer Garten, von einer etwa zwei Meter hohen Mauer umgeben. Einige Obstbäume standen auf der Rasenfläche, welche von einem schmalen Beet umrandet war. Unter einem der Bäume entdeckte er Andrea, die auf einer Holzbank saß, ihnen den Rücken zukehrte und in einer Zeitschrift blätterte, ohne wirklich darin zu lesen. Sie hatte eine schlaflose Nacht hinter sich.

    Ayda und Lilly spielten mit einem kleinen Hund auf dem Rasen. Sie waren die ersten, die die Neuankömmlinge bemerkten. „Papa!“, rief Ayda und lief auf ihn zu, gefolgt von Lilly und dem kleinen Wollknäuel, das so gar nicht verstehen kann, dass seinen neuen Freunde auf einmal aufhörten mit ihm zu spielen. Andrea fuhr herum, warf die Zeitschrift auf die Bank und ging zügig auf Semir zu. Erleichterung sprach aus ihrem Gesicht.

    Semir begrüßte seine Kinder mit einer Umarmung in der Hocke, nahm nur am Rande Notiz von dem Hund, dann richtete er sich wieder auf und schritt Andrea entgegen. Einige Sekunden lang sahen sie sich schweigend in die Augen, dann öffnete Semir seinen unverletzten Arm und Andrea flog in seine Umarmung. „Es ist vorbei, Andrea“, flüsterte er, „wir können wieder nach Hause.“ – „Ist er…?“ – „Ja, vor unseren Augen. Er ist tot.“ Dass auch eine Kindesentführung stattgefunden hatte, und der Sohn der Krankenschwester von ihnen wohlbehalten aus den Fängen der Torres-Gang befreit werden konnte, das würde er Andrea später in Ruhe erzählen. „Und ihr seid alle okay?“ – „Wir sind alle hier, wie du siehst.“ Semir drehte sich um, stand jetzt neben Andrea und blickte auf Ben und Alex. Die Lederjacke verbarg den Verband an Bens Oberarm. Andrea strahlte. Alle Anspannung der letzten Tage fiel mit einem Mal von ihr ab. „Danke“, sagte sie zu den beiden. Sie war sich sicher, dass sie Semirs Leben einmal wieder dem Einsatz dieses Teams zu verdanken hatte.

    „Papa“, wurden sie unterbrochen, „nun guck doch mal.“ Semir wandte sich um. Ayda kam mit dem kleinen Hund auf dem Arm zu den Erwachsenen. „Na, wen hast du denn da?“ – „Das ist ein Hund.“ – „Ach was! Wohnt der hier?“ -„Ja. Aber er sucht ein neues Zuhause. Mama hat gesagt, wir sollen dich fragen, ob wir ihn mitnehmen dürfen.“ – „Bitte!“, bekräftigte Lilly die Worte ihrer großen Schwester. Beide Mädchen sahen ihren Vater mit großen Augen an. Semir bemühte sich ernst zu bleiben. „So so, das hat eure Mama ja clever gemacht. Aber wie stellt ihr euch das denn vor, ein Hund in unserer Wohnung?“ Andrea stieß ihm ihren Ellenbogen in die Seite, als kleinen Hinweis, sich nicht allzu lange bitten zu lassen. Ein kurzer Blick in ihr Gesicht ließ ihn wissen, dass sie dem Familienzuwachs längst zugestimmt hat. „Na, gebt ihn mir doch mal her.“

    Semir ging in die Hocke und nahm den Welpen auf seinen rechten Arm, blickte abwechselnd in die schwarzen Hundeaugen und die braunen Augen seiner Töchter. „Ihr füttert ihn, ihr geht mit ihm raus?“ – „Ja, immer, jeden Tag.“ Sie nickten kräftig, fühlten sich schon fast als Sieger. „Und du“, er blickte den Hund an, „willst du ein Gerkan werden?“ Als Antwort schleckte der Welpe ihm einmal quer über das Gesicht. Semir musste lachen. „Das war wohl ein ‚Ja‘. Willkommen in der Familie, kleiner Mann.“ – „Heißt das, wir dürfen ihn behalten?“ Ayda wollte ihr Glück kaum fassen und begann schon mit Lilly einen Freudentanz auf dem Rasen aufzuführen. „Ja, das heißt es.“

    Semir schaute Andrea an. Ihnen war klar, dass die Hauptarbeit mit dem Hund an ihnen hängen bleiben würde. Aber das nahmen sie gerne in Kauf. Und Semir hatte den kleinen Kerl vom ersten Moment an in sein Herz geschlossen.

    „Hat er denn schon einen Namen?“, fragte er Ayda und Lilly, „wie soll unser Hund heißen?“ Die beiden Mädchen sahen sich an. Das war eine schwere Entscheidung, schließlich musste der kleine Kerl sein Leben lang mit dem Namen herumlaufen. Sie merkten, wie alle Herumstehenden auf die Bekanntgabe warteten. Dann fiel Aydas Blick auf Ben, sie flüsterte etwas in Lillys Ohr und ihre Schwester begann zustimmend zu nicken, und wie aus einem Mund riefen sie: „BEN! Er soll Ben heißen.“

    „Das klingt nach einer einstimmigen Entscheidung“, befand Semir, „tja Ben, du hast jetzt einen vierbeinigen Namensvetter.“ Ben lachte auf. „Das soll mir nur recht sein.“

    Eine Stunde später, Alex und Ben hatten sich längst verabschiedet und waren zu ihrem wohlverdienten Frühstück aufgebrochen, und Ayda und Lilly waren mit dem vierbeinigen Ben beschäftigt, saßen Andrea und Semir immer noch auf der Bank im Garten des Schutzhauses und beobachteten das Spiel ihrer Kinder mit dem Hund. „Was machen wir, wenn unser Vermieter der Hundehaltung nicht zustimmt?“ – „Dann, mein Schatz“, antwortete Semir, „wird er sich neue Mieter suchen müssen, denn Ben geben wir nicht wieder her. Und das gilt für beide.“

    Dann will ich mal anfangen:

    Letzte Woche hast du uns hier gefragt, worüber du schreiben könntest. Okay, diese Entscheidung konnten wir dir nicht annehmen, die Idee sollte schon von dir selbst kommen. Aber du hättest, wenn du den Thread aufmerksam gelesen hättest, viele Tipps mitnehmen können und erfahren, wie andere FF-Autoren/-innen vorgehen. Ich behaupte jetzt mal ganz einfach, du hast recht wenig davon beherzigt.

    Verrätst du mir dein Alter? Auch wenn dein Username ein Hinweis darauf geben könnte, könnte bei der Lektüre deiner Sätze auch durchaus ein anderer Verdacht aufkommen. Und ich wüsste gerne, ob sich meine Kritik an eine Erwachsene richtet oder an einen Teenager.

    Ich gehe davon aus, dass du das erste Kapitel direkt in dieses Forum getippt und nicht vorher in Word oder per Hand vorgeschrieben hast. Solltest du mal mehr als ein paar Zeilen schreiben wollen, halte ich dieses für keine zielführende Herangehensweise.

    Geschichten, die aus verschiedenen Perspektiven verfasst wurden, gefallen mir persönlich nicht so, anderen aber vielleicht. Mit fehlt der neutrale Erzähler, der mir als Leser die Stimmung und die Atmosphäre nahebringt und in meinem Kopf das Bild erzeugt, in dem dann die "Helden" aktiv werden. Und ohne unseren „Helden“ zu nahe treten zu wollen, die Stimmung in Worte zu fassen, die ein grauer, nebelverhangener Oktobermorgen in Köln verbreitet, das traue ich einem neutralen Beobachter eher zu, als einem Ben Jäger oder einem Semir Gerkhan.

    Und für einen Autoren ist das Schreiben aus wechselnden Perspektiven nicht einfach und erfordert viel Disziplin. So unterläuft dir dann auch schon zu Beginn der Fehler, dass du "ihn abholen" und nicht "mich abholen" schreibst.
    Zeitsprünge solltest du auch vermeiden, entscheide dich für Gegenwart oder Vergangenheit und bleibe konsequent dabei.

    Du schreibst in Stichworten, das liest sich nicht so flüssig. Ich bevorzuge einen Romanstil mit Haupt- und Nebensätzen anstelle einer Aneinanderreihung von (zum Teil sogar unvollständigen) Hauptsätzen.


    Noch einiges zum Inhalt:

    Semirs Tochter heißt Ayda, nicht Aida, sie ist doch kein Kreuzfahrtschiff und auch keine Oper. Okay die Schreibweise eines Names ist eigentlich Nebensache, solange man bei einer Schreibweise bleibt, aber hier ändert sich mit der Schreibweise auch die Aussprache (3 Silben, statt 2).

    Warum zieht sich Semir die Jacke aus, um zu Ben zu fahren, und nicht an? Ist doch kalt im Oktober ...

    Semir fährt also zu Ben, und es macht keiner auf. Klar, Ben steht ja auch gerade unter der Dusche. Oder sollte hier etwas vorgefallen sein? Dann fehlt aber in „Bens Sicht“ ein entsprechender Hinweis.

    Du hast dich für Ben und Semir als Partner entschieden, das könnte dir einige Leser bringen und erhalten, aber selbst der größte Hardcore-Ben-Fan möchte eine Story lesen, die ihn mitnimmt, in die er eintauchen kann. Und hier sehe ich leide das größte Manko. Das erste Kapitel einer neuen Geschichte soll den Leser neugierig machen auf die Fortsetzung. Und ich bin eigentlich nur neugierig darauf, ob du uns wieder nur zwei Sätze präsentieren wirst oder etwas mehr Lesestoff. Aber vielleicht überrascht du uns ja auch?

    Es tut mir leid, dir keine positivere Kritik geben zu können, aber mir hat der Anfang nicht gefallen.

    Klar, der Arzt ist an die Schweigepflicht gebunden, aber die Information, dass Semir eine schlimme Diagnose erhalten hat, hatte Alex ja eigentlich schon. Aber auch Patienten, die regelmäßigen Untersuchungen unterliegen, sind nicht vor Erkrankungen gefeit und können irgendwann eine niederschmetternde Diagnose erhalten. Zum Glück ermittelt Alex weiter. Jetzt heißt es dranbleiben!

    Alles gut

    Nachdem sich auch Ben und Alex vergewissern konnten, dass es Finn gut ging und Ben sich sein Shirt um seinen Oberarm gebunden hatte, um die Blutung aus der Stichverletzung zu stillen, rief Semir mit Bens Handy Frau Schubert an. Diese hatte mit ihrem Mann die Nacht schlaflos im Schwesternzimmer verbracht. „Frau Schubert? Gerkan hier. Hier ist jemand, der Sie sehr gerne sprechen möchte.“ Damit gab er sein Handy an Finn weiter. „Mama!“ Dann brach er in Tränen der Freude aus, „ich komme nach Hause.“

    Semir nahm das Handy zurück. „Wir bringen Ihnen Ihren Sohn zurück, Frau Schubert. In etwa zwei Stunden sind wir bei Ihnen.“

    „Was hast du jetzt vor, Alex?“, fragte Ben. „Was schon, aufräumen, ins Büro fahren, den Bericht schreiben. Wir haben einen strengen Chef, du weißt?“ – „…dem wir soeben das Leben gerettet haben?“ – „Stimmt“, kam nachdenklich von Alex, „und der den Bericht eh‘ nicht vor der übernächsten Woche lesen wird“, spielte er auf Semirs Verletzung an, „wir können uns also durchaus noch etwas Zeit lassen und lieber…“ –„ ... nett und gemütlich frühstücken gehen?“, ergänzte Ben den begonnenen Satz. „So deutlich wollte ich es jetzt nicht ausdrücken, aber das wäre auch meine Idee gewesen, Ben. Ich bin dabei.“

    Semir lauschte dem Dialog seiner Partner und musste schmunzeln, er wusste, dass er sich auf die beiden verlassen konnte und gönnte ihnen den freien Tag. Er selbst wollte jetzt nur eines: mit Andrea und den Kindern nach Hause in ihre eigene Wohnung und ein weiteres dunkles Kapitel ihres Lebens abhaken. Und als hätte Ben seine Gedanken erraten, schlug er vor: „Komm Alex, wir fahren Finn zu seinen Eltern und unseren Chef zu seiner Familie, und dann suchen wir uns ein schönes Café mit einem großen Frühstücksbüffet.“

    Er hielt Semir, der immer noch auf dem Mauervorsprung saß und sich an die Wand lehnte, die Hand hin. Semir schaute ihm ins Gesicht, nickte dann, ergriff die ausgestreckte Hand und ließ sich in die Höhe ziehen. Als er wieder sicher stand, umarmte er seinen Freund und fasste seine Gedanken in zwei Worte zusammen: „Danke Partner!“


    Aufräumarbeiten


    Ben organisierte die Aufräumarbeiten. Mehrere Streifenwagen rückten an, um die Festgenommenen mitzunehmen, mittlerweile war auch der von Alex niedergeschlagene Mann wieder zu sich gekommen. Hinzu kamen drei Leichenwagen für Torres, Alvarez und dem von Semir auf der Straße erschossenen Komplizen.

    Der Dienstwagen war nicht mehr fahrbereit. So fuhr einer der uniformierten Kollegen Alex, Ben, Semir und Finn kurzerhand in einem der Streifenwagen zum Krankenhaus. Er lieh ihnen auch jeweils ein frisches T-Shirt, die er in seiner Sporttasche im Kofferraum fand.

    In der Eingangshalle trennten sie sich. Während Semir mit Finn in sein Zimmer ging, führte Alex‘ und Bens erster Weg in die Notaufnahme. Finn wurde von seinen überglücklichen Eltern im Schwesternzimmer in die Arme geschlossen, die sich gar nicht genug bei Semir bedanken konnten. Semir packte seine Sachen in die kleine Tasche, die ihm erst vor wenigen Tagen Andreas Mutter vorbei gebracht hatte und ging noch kurz ins Bad, um wenigstens ein wenig des Kanalisationsgeruchs von seiner Haut zu spülen. Als der Arzt seine Verbände erneuerte und zu Semirs Erleichterung feststellte, dass sowohl der Arm und die Schulter als auch das Bein das nächtliche Abenteuer gut überstanden hatten, hielt ihn im Grunde nichts mehr im Krankenhaus. Erholen könnte er sich zuhause eh am besten.
    Alex ließ sich den Streifschuss an der Hüfte und Ben den Messerstich am Oberarm verarzten, sie zogen sich die geliehenen Shirts über und holten Semir ab, der mittlerweile mit den Schuberts einen Kaffee getrunken hatte und gerade im Begriff stand, sich von der Familie zu verabschieden.

    Alex‘ Dienstwagen stand noch in der Tiefgarage des Krankenhauses. Ben setzte sich ans Steuer, Semir nahm auf dem Beifahrersitz Platz, und Alex stieg hinten ein. „Jetzt ab zu Andrea“, beschloss Ben, „weiß sie eigentlich schon Bescheid, dass alles vorbei ist?“ Er erhielt keine Antwort und stieß seinen Freund an. „Semir? Hast du Andrea schon angerufen?“ – „Nein, ist doch noch zu früh, und jetzt komme ich ja auch selbst. Ben, hätte ich Alvarez retten sollen?“

    Ben, der schon den Motor gestartet hatte, schaltete den Wagen wieder aus und drehte sich zu Semir um. „Das ist jetzt nicht dein Ernst? Du machst dir jetzt nicht etwa Vorwürfe, dass du zunächst an Finns und deine Rettung gedacht hast? Mario Torres ist tot, der Albtraum vorbei, und du bist auf dem Weg zu deiner Familie. Denk daran, was mit Heinrichs Familie geschehen ist. Wenn Torres das gleiche mit Andrea, den Prinzessinnen und dir gemacht hätte, dann hätte Alvarez das bestimmt ohne mit der Wimper zu zucken geduldet. Nein, Semir, dich trifft absolut keine Schuld.“ – „Aber wir haben ihn seinem Cousin gefesselt ausgeliefert, er hatte gar keine Chance, es war wie eine Hinrichtung.“ – „Der du und Finn nur durch Glück entkommen seid. Was Alvarez bekommen hat, hat er sich selbst zuzuschreiben und auch mehr als verdient.“ – „Das sagt mir mein Verstand auch, aber …“ Dann wurde sein Blick von dem Lichtschein angezogen, den die Tür zwischen der Tiefgarage und dem Treppenhaus freigab, als sie sich öffnete. Hindurch traten Bernd und Maria Schubert, ihren Sohn Finn im Arm haltend. „Schau Semir“, sagte Alex, der bislang schweigsam auf der Rücksitzbank saß, und deutete auf die Familie, „das war es doch wert.“ Semir lächelte und nickte.

    Sie verließen die Tiefgarage des Krankenhauses und das langsam erwachende Köln, dessen Welt wieder einmal etwas sicherer geworden war.