Semir lag ruhig auf dem Platz. Er hatte Schmerzen. Die Erinnerung kam. Der Mann in seiner Wohnung. Der Versuch ihn zu überwältigen, der kläglich scheiterte. Was wollte man von ihm? Wer steckte dahinter? Semir hörte wie der Schlüssel gedreht wurde. Er zog sich zusammen. Schritte verharrten direkt vor ihm. „Nur keine Sorge. Ich nehme dir jetzt die Augenbinde und den Knebel ab. Bleib ruhig.“ Semir nickte nur. Dann fühlte er eine Hand, die ihm die Augenbinde runter zog. Er schloss geblendet die Augen wobei er nur das linke Auge zumachen musste, weil das Rechte zu geschwollen war. Der Mann vor ihn zog ihm das Klebeband vom Mund. „Ich will nicht dass du schreist.“ Semir nickte wieder. Seine Lippen taten ihm weh, als das Band weg war. Sie waren rau und aufgeplatzt. „Was wollen Sie von mir?“ fragte er leise. Doch der Mann bei ihm gab keine Antwort. Er sah aus dem Fenster. Es schien immer noch dunkel. Dann fiel ihm ein, dass er Andreas versprochen hatte die Formel abzugeben. Er hatte sie sicher in seiner Wohnung liegen. Der Mann raschelte mit Papier. Semir sah ihn an. Er sah den Umschlag und konnte sich vorstellen, was der Mann in der Hand hielt.
Am nächsten Morgen gab es ein Run auf die KTU. Hartmut hatte sämtliche Pillen, die er in der Nacht hergestellt hat, in seiner Lucy gepackt. Er wollte in der KTU auf den Anruf der Männer, die Dani in ihrer Gewalt hatten, warten und anschließend umgehend losfahren. Doch zunächst rührte sich gar nichts. Er saß bis zum Mittag einfach nur da und wartete. Dann hörte er jemanden hineinkommen. „Andreas Kuhns, Kripo Köln. Herr Freund?“ fragte der Mann ihn. Hartmut nickte. „Ja? Was gibt es denn?“ „Ich möchte gern wissen wo Semir Gerkhan ist? Wo ist die Formel?“ Hartmut sah ihn an. „Was? Semir? Ich weiß nicht.“ „Er war gestern bei Ihnen und Sie sollten ihm die Formel geben, richtig?“ „Ja... hab ich ja auch. Er ist weg und...Moment mal... wollen Sie sagen, ich hätte mit dem Verschwinden von Semir zu tun?“ „Herr Freund... wir haben hier Spuren gefunden, von Arzneimittelrückständen.“ „Ja sicher... ich hantiere ja auch damit. Das ist doch ganz normal.“ „Nicht diese Mittel. Haben Sie Gerkhan verschwinden lassen, weil Sie befürchteten, er könnte Ihren kleinen Nebenverdienst aufdecken?“ „Was? Nein? Wie kommen Sie denn darauf?“ „Sagen wir mal, ein Vögelchen hat es mir gezwitschert.... Sie sind Chemiker?“ „Nein... ich hab zwar chemische Kenntnisse, aber ich bin bei weitem kein Chemiker...“
Ein Mann kam zu Kuhns und gab ihm etwas in die Hand. Andreas sah drauf und dann zu Hartmut. „Herr Freund? Was ist das?“ Er hielt eine kleine gelbe Pille in der Hand. „Sicher ein Grippemittel. Ich war... ich meine ich bin...krank...ja... ich hab ne Erkältung gehabt und die ist mir sicher runter gefallen.“ erklärte Hartmut und bemerkte selbst wie dämlich seine Erklärung war. Andreas nickte. Er wandte sich an die Männer, die ihn begleiteten. „Durchsucht hier alles. Anschließend fahren wir zu Freund nach Hause und werden dort alles auf den Kopf stellen.“ Hartmut sah ihn an. „Was soll das denn? Erklären Sie es mir doch.“ „Nun gut... Gestern Abend habe ich mit Semir Gerkhan gesprochen. Sie kennen ihn doch...“