Jan legte auf. Er sah Anna an. „Morgen früh um sieben erhalte ich die ersten Instruktionen, so Semir.“ „Geht es ihm gut?“ fragte Anna. Jan nickte. „Er hört sich jedenfalls so an.“ „Okay… morgen um sieben startet auch der Konvoi mit den Drogen. Das ist sicher kein Zufall. Hat er was gesagt, wie es Miriam geht, oder wo sie ist?“ Jan schüttelte den Kopf. „Nein…“ „Okay… am Besten legen Sie sich hin, und ruhen sich aus. Nicht dass Sie morgen versagen.“ „Sicher nicht, Chefin. Was ist mit der Staatsanwältin? Ich meine wenn sie dahinter kommt, dass wir die Ware woanders hinfahren…“ Anna lächelte. „Na ich denke, die kleine Menge die wir entnommen haben, fällt nicht auf. Wir müssen doch davon ausgehen, dass die Verbrecher den Stoff testen. Wenn wir nur Traubenzucker nehmen, fällt es sicher auf und dann ist das Leben von Semir und Miriam nichts mehr wert. Schrankmann können Sie getrost mir überlassen.“ Jan nickte. „Gut… dann werde ich mich etwas hinlegen.“ Anna nickte. „Tun Sie das.“
Semir und Miriam hatten gegessen. „Ich dachte du wolltest was machen, Semir?“ „Ja schon… aber die hatten ja auch Waffen dabei. Ich werde mich dafür einsetzen, dass du morgen gehen darfst.“ Miriam sah ihn an. „Meinst du wirklich? Ich weiß nicht genau…. Ich weiß ja warum man mich hier festhält. Nur wegen meinem Vater. Er bringt nur Unglück.“ „Nun… dein Vater hat diesem Läutner Informationen über Polizeiaktionen gegeben. Er wollte dass du alles im Leben hast, was du willst. Er hat sich verkauft.“ „Pah… er kann mir gar nichts mehr geben. Er hat mir meine Mama genommen.“ Semir sah sie an. „Ja… das hat er erzählt. Er sagt es war ein Unfall.“ „Ein Unfall? Klar…. Es war alles nur ein Unfall. Ich hab ja gesehen, wie er zugeschlagen hat. Ich hab gesehen, wie Mama fiel. Er hat sie einfach sterben lassen. Sie hat ihm gedroht seinem Chef alles zu erzählen. Ich war damals gerade neun und es war schon spät. Ich hatte Durst und wollte mir nur ein Glas Milch holen. Ich hab mich also aus dem Zimmer geschlichen und hörte Mama und Papa streiten. Sie hat ihn korupptes Schwein genannt und dass sie es Onkel Horst, das ist der Chef von meinem Papa, erzählen will. Er hat sie angebrüllt und gesagt, sie solle es ja nicht wagen irgendwen etwas zu erzählen. Ist stellte mich in den Türrahmen und wollte gerade sagen, dass sie nicht so laut sein sollen, weil ich schlafen will. Und da hat er zugeschlagen. Mama ist gefallen und mit dem Kopf auf die Tischkante geschlagen. Da war auf einmal ganz viel Blut. Papa stand nur da… er hat sie angesehen und dann hat er mich gesehen. Er rannte raus… Ich bin dann zu Mama gelaufen und hab sie geschüttelt. Sie ist nicht mehr wach geworden.“ Miriam weinte. Semir nahm sie vorsichtig in den Arm. „Aber wenn das so war, dann sieht es wirklich nur nach einem Unfall aus. Hast du deshalb deinen Vater erpresst?“ Miriam nickte. „Ja… ich wollte, dass er einmal Angst um mich hat.“ „Die hatte er und hat er immer noch. Aber du solltest ihm verzeihen. Er wollte es wirklich nicht. Er hat immer gesagt, dass er deine Mutter sehr geliebt hat.“ Miriam sah ihn mit verweinten Augen an. „Wirklich?“ Semir nickte. „Ja… und weißt du was… ich glaube ihm das. Und du solltest es auch tun.“ Miriam nickte. „Ich werde mit ihm reden. Ich bitte ihn um Verzeihung.“ „Gut und nun sollten wir schlafen. Es ist schon neun abends und…“ Miriam sah ihn an. „Hier ist nur ein Bett… Wie wollen wir das lösen?“ „Ich schlafe auf dem Boden.“ meinte Semir lächelnd. „Aber das ist doch kalt.“ protestierte Miriam. „Das ist nicht weiter schlimm.“ meinte Semir. Miriam schüttelte den Kopf „ Kommt gar nicht in Frage. Nachher wirst du noch krank oder holst dir sonst was weg, bei diesem Dreck aufdem Boden! Wir schlafen beide im Bett. Du wirst mir ja nichts tun.“ sagte sie bestimmend. „Ganz sicher nicht….“ erwiederte Semir.
Am nächsten Morgen war Jan pünktlich am Treffpunkt. Sein Handy klingelte. „Ja?“ fragte er. „Sie werden nun zur Telefonzelle gehen, dort finden Sie weitere Anweisungen.“ „Hören Sie… sagen Sie mir wo ich mit dem Wagen hin soll. Ich hab die Ware an Bord.“ „Na… nicht so ungeduldig. Mach alles wie es in der Anweisung steht, dann wird es sicher gut.“ „Okay. Wo sind Semir und Miriam?“ „Gut aufgehoben. Wenn du den Wagen zum nächsten Punkt gebracht hast, dann bekommst du die Kleine zu sehen. Sie darf gehen, sobald du die ersten Anweisungen erfüllt hast.“ „Okay.. einverstanden. Was ist mit Semir?“ „Er fühlt sich ganz wohl.“ „Wann lassen Sie… hallo? Hallo? Mist!“ Jan steckte sein Handy weg und ging zur Telefonzelle. Er suchte das Häuschen ab und fand unter dem Gerät einen Umschlag. Diesen nahm er und sah hinein. „Fahr zum KM 468 und verlasse das Fahrzeug. Im Wald wirst du die Kleine bekommen.“ Jan sah sich um. Er zuckte mit den Achseln und fuhr los. Er würde mindestens eine Stunde brauchen um dort hin zu kommen.
Semir wachte auf, als die Tür gegen die Wand schlug. Auch Miriam erschrak sich. Sie setzten sich auf. Semir wurde aus dem Bett gezerrt und zu Boden gedrückt. Sein Aufpasser presste ihm eine Waffe in die Seite. Ein zweiter Mann zog die sich heftig wehrende Miriam aus dem Raum. „NEIN!! Lass mich los! Du verdammtes Schwein, lass mich los!“ schrie sie laut. „Lasst sie in Ruhe.“ sagte Semir und wehrte sich nun gegen seinen Bewacher. „Halt dein Maul! Wir bringen die Kleine nur weg. Das ist alles.“ Er ließ Semir los und wollte gerade den Raum verlassen, als Semir ihn ansprang. Der Mann erschrak, drehte sich immer noch die Waffe in der Hand haltend um und drückte im Reflex ab. Semir zuckte kurz zusammen und fiel zu Boden. Miriam schrie entsetzt auf. „Lasst mich zu ihm, bitte!!“ Doch die Männer ließen sie nicht in den Raum zurück. Während Axel sie durch den langen Gang zog, verschloss Ralf die Tür.