Tom sah aus der Ferne zu wie Semir an Bord verschwand. Er sollte die Nachhut bilden so wollte es die Chefin. Siggi bat ebenfalls darum dabei zu sein. Er hoffte wohl so Simone zu finden. Anna verstand die Sorge und ließ es zu. „Aber Siggi! Wenn Simone wirklich auf dem Schiff sein sollte, dann werden Sie sich im Hintergrund halten, bis alles gelaufen ist, haben wir uns verstanden?“ Siggi nickte nur und fuhr mit Tom zum Einsatzort. Sie sahen wie Semir von dem Mann angesprochen und anschließend auf das Schiff gelassen wurde. Tom sah Siggi an, der traurig neben ihm saß. Er tippte ihn an. Siggi hob den Kopf. „Hey… wenn Simone wirklich dort ist, dann wird Semir sie sicher gleich sehen. Aber vielleicht ist sie auch zu Hause.“ Tom merkte selbst dass seine Worte sehr unglaubwürdig klangen. „Okay… schon gut. Warten wir erst einmal ab.“ Siggi nickte nur. „Cobra 11 für Cobra 18!“ hörten sie aus dem Funk. „Cobra 11 hört!“ gab Siggi durch. „Siggi? Was machst du denn da… egal… wir haben Torben Simmerath gefunden. Er hat es hinter sich. Man hat ihn zu Brei verarbeitet. Der Doc hat keinen heilen Knochen mehr gefunden. Gestorben ist er an inneren Blutungen und zwar vor ungefähr 48 Stunden.“ sagte Atilla. Siggi sah Tom an. „Verstanden.“ sagte er nur. „Wenn Simone bei ihm war… ist sie vielleicht auch…“ Siggis Stimme erstickte. „Siggi! Daran darfst du gar nicht erst denken. Wir finden sie. Ganz sicher.“
Zwei Tage später betrat Semir erneut das Schiff. Mittlerweile kannte man ihn und überprüfte ihn nicht mehr. Er trug einen Sender bei sich um den Kollegen im Notfall Bescheid zu geben. Semir wurde in die Bar gebracht. Oswald trat ihm zu ersten Mal entgegen. „Guten Abend. Ich bin Oswald. Mir gehört das kleine Schiffchen. Was wünschen Sie? Wir haben alle Altersklassen da und wir haben alle Rassen da.“ grinste der Mann ihn an. Semir nickte und sah sich um. „Ich suche was Besonderes. Sagen wir Unverbraucht und hübsch verpackt?“ Er legte ein dreckiges Grinsen zurecht. Oswald nickte. „Nun dann gehen wir am Besten mal nach Hinten.“ sagte er und wies auf den hinteren Raum. Semir nickte und folgte ihm. Oswald schob den Vorhang zur Seite und ließ Semir passieren. Als er den Raum betrat zuckte er zusammen. Hier waren sechs Mädchen im Alter von höchstens 16 Jahren. Eine davon erkannte er sofort und sie schien ihn auch zu erkennen. Er sah sie an und legte mit einer schnellen Bewegung den Finger auf den Mund. Sie nickte leicht. „Die da!“ forderte Semir und wies auf Simone. Oswald lachte leise. „Die gefällt dir, was. Nun ja… sie ist noch sehr unerfahren. Genau wie du es willst. Allerdings nicht ganz billig, verstehst du? Gut… das macht dann vierhundert.“ sagte er. Semir zog das Geld raus und reichte es rüber. Oswald winkte Simone ran. Sie kam und sah ihn an. „Du weißt was zu tun ist, oder?“ Semir hörte den drohenden Unterton. Simone zuckte leicht zusammen. Sie nickte. „Fein… dann geh bitte mit diesem netten Mann in die Kabine 8“ Wieder folgte ein Nicken.
Kurz darauf im Zimmer. „Semir? Was machst du denn hier?“ fragte Simone erstaunt. „Die Frage ist doch wohl eher, was du hier machst? Simone, dein Vater vergeht fast vor Sorge und du treibst dich hier rum! Weißt du was das hier für ein Laden ist?“ raunte Semir ihr zur. Simone nickte. „Ich weiß... ich hab ein Fehler gemacht. Semir... ich will hier weg. Torben erzählte mir, das er eine Bleibe für mich und sagte ich müsse dort nur ein wenig arbeiten. Das hörte sich so toll an und ich hatte hier wirklich ein paar Tage an denen es mir gut ging. Aber seit Gestern verlangt Oswald von mir Dinge, die ich nicht machen will. Ich hab mich geweigert, aber er ... er hat mich mit Alfons, das ist der große starke Typ in den unteren Raum geschickt und dort hat er... ich meine er wollte...“ Simone stockte. „Hat er es getan?“ wollte Semir wissen. Simone schüttelte den Kopf. „Gut... pass auf. Ich werde versuchen dich hier runter zu bringen. Kennst du dich hier aus?“ fragte Semir. Simone nickte. „Ein wenig. Aber es reicht sicher nicht. Dieser Alfons und Walter die passen auf. Niemand kann hier ohne ihr Wissen das Schiff verlassen. Ich hab es versucht, aber die haben mich hier eingesperrt. Mein Handy haben sie mir auch abgenommen.“ Semir nickte nur. „Weißt du ob hier vielleicht Kameras angebracht sind?“ wollte er wissen Simone zuckte mit den Schultern. „Ich traue Oswald alles zu. Auch das. Warum?“ Simones Blick verriet ihm, dass sie große Angst hatte. „Weil ich vermute, dass wir beobachtet werden. Simone… wir müssen uns unauffällig benehmen. Es sind mindestens vier Typen draußen und allein schaffe ich es nicht. Also spiel jetzt einfach mit okay?“ fragte er. Simone nickte. Semir zog sie an sich heran. Für jeden Außenstehenden sah es aus, als würden sich die Beiden eng umschlingen.