Beiträge von Elvira

    „Was machen wir denn jetzt?“ wollte Paul von Semir wissen und dieser hörte, dass Paul regelrecht verzweifelte. „Wir werden uns noch einmal die Wohnung von Kilian ansehen. Diese Kollegin von Mandy hat mir von einer Visitenkarte erzählt, die sie von diesem Mann beim Blutspenden bekommen hat. Es wäre doch gut möglich, dass diese Karte noch in der Wohnung ist. Ansonsten muss ich davon ausgehen, dass Kilian die Karte hat und genau weiß, wo er sich melden muss und damit ist er in großer Gefahr.“ erklärte Semir nun. Paul sah ihn an. „Du denkst, er kannte den Mörder?“ Semir warf ihm einen kurzen Blick zu und konzentrierte sich dann wieder auf den Verkehr. „Wäre es so undenkbar? Wenn er einen Verdacht hat, dann reicht es doch schon aus. Du kennst es vermutlich nicht, aber wenn du persönlich in einem Fall verwickelt bist und die Möglichkeit hast, etwas zu tun, dann greifst du nach jedem Strohhalm.“ „Ja, das kann ich verstehen. Aber es ist doch absolut unsinnig, wenn er glaubt, dass er allein eine Chance hat.“ Semir nickte bestätigend. „Deshalb hoffe ich ja, dass wir etwas in seiner Wohnung finden, was uns hilft. Ich hab nämlich absolut keinen Bock, eine weitere Leiche an der Autobahn zu finden.“ Paul senkte seinen Kopf. Semir sah, dass er nervös mit seinen Fingern spielte und ahnte, was in seinem jungen Kollegen vorging. „Sorry! Es tut mir Leid, dass ich Bockmist gebaut habe. Ich hätte wissen müssen, das Kilian sich selbständig macht.“ Semir lenkte den Wagen in die Straße, wo Kilian und Mandy gewohnt hatten. Da Paul den Schlüssel hatte, brauchten sie keine Gewalt um die Tür zu öffnen. Sie durchsuchten die Wohnung und drehten alles auf links, doch die Suche nach einem Hinweis bleib ergebnislos. „Verdammt! Was jetzt?“ hakte Paul nach und sah Semir verzweifelt an. Dieser zog die Schultern hoch. „Die einzige Spur, die wir jetzt noch verfolgen könnten, wäre die Blutspenden. Vielleicht hat Kilian sich dort auf die Lauer gelegt.“ Paul sah ihn an. „Das heißt wir werden uns dort auch auf die Lauer legen? Warum gehen wir nicht zum roten Kreuz und fragen dort nach?“ Semir schüttelte den Kopf. „Wenn wir davon ausgehen, dass Mandy beim Spendetermin angesprochen wurde und dieses dubiose Angebot auch angenommen hat, dann wäre es nicht sinnvoll dort nachzufragen. Wir wissen nicht, wer dahinter steckt und ich möchte keine schlafenden Hunde wecken.“ Paul stöhnte leise auf. „Klar, verstehe ich und was machen wir jetzt?“ „Wir fahren noch einmal zu Marvin. Vielleicht hat er etwas Neues.“ legte Semir fest.


    Marvin Traber schob gerade eine Liege, auf der ein Leichnam lag, in den kleinen Kühlraum und verschloss die Tür. Er hörte Schritte und drehte sich um. Sein Gesicht erhellte sich, als er seinen Freund sah. „Semir! Was kann ich diesmal für dich tun?“ Semir sah ihn kurz prüfend an. „Marvin, ja ich hoffe sehr, dass du etwas tun kannst.“ Marvin lächelte leicht. „Schieß los!“ „Also ich wollte eigentlich wissen, ob du noch etwas an unserem blutleeren Opfer gefunden hast. Irgendwas das uns hilft.“ Marvin Traber nickte. „Da kann ich dir nicht mehr viel sagen. Außer das, was du schon weißt. Die Frau war völlig gesund. Keine Drogen, wie du ja schon weißt. Der Tod ist auf den extremen Blutverlust zurück zu führen. Mehr gibt es leider nicht zu berichten. Sie hatte keine Hautpartikel unter den Nägeln, keine sichtbaren Wunden, außer den Einstichstellen.“ Semir nickte und sah ihn etwas enttäuscht an. „Schade…aber ich würde dennoch gern deine Meinung hören. Gehen wir mal davon aus, dass sie in die Fänge von Verbrechern geraten ist, die ihr Geschäft mit Blutkonserven machen. Ist es denkbar, dass sie ihr Blut nicht freiwillig abgegeben hat? Ich meine, hast du Fesselungsmale oder andere Hinweise auf Gewalteinwirkungen gefunden?“ Marvin lächelte. „Komm mal mit!“ forderte er den Hauptkommissaren auf und ging in den Kühlraum zurück. Er zog eine der Laden auf und Semir sah auf die tote Mandy. „Also es gibt keine typischen Fesselungsmale, aber das heißt nicht, dass sie nicht doch angebunden war. Nehmen wir mal an, dass sie mehrfach in sehr kurzen Abständen zum Aderlass heran gezogen wurde, dann dürfte sie zu schwach gewesen sein, sich überhaupt gegen Fesseln zu wehren. Es wäre natürlich auch möglich, dass man sie betäubt hat. Aber ich habe keine Spuren von irgendwelchen Betäubungsmitteln gefunden. Wenn die Täter aber KO-Tropfen benutzt haben, dann ist es leider nicht nachzuweisen. Sie verflüchtigen sich sehr schnell. Wenn es wirklich Leute sind, die mit Blutkonserven ihr Geschäft machen, dann ist es leider nicht auszuschließen. Die Tropfen hinterlassen keine Rückstände und somit wäre die Blutkonserve auch nicht unbrauchbar.“ erklärte Marvin sachlich. Semir nickte und sah ihn etwas enttäuscht an. „Danke, das hilft mir leider nicht weiter.“ Er ging zu Paul zurück, der im Wartebereich saß und ihn fragend ansah. Semir informierte ihn darüber und fuhr anschließend mit ihm zurück zur PAST.

    Jesses! Hier ist die Kacke am Dampfen. Jenny das kannst du doch nicht machen! Uns die Hoffnung, das Semir endlich befreit ist und nun hängt er mit Paul da im Raum fest. Hagen wird mit Sicherheit beide umlegen, es sei denn .... Johanna kommt noch zeitig genug und bringt eine ganze Kavallerie mit.

    Anne bisher ist es verdammt gut geschrieben. Bin gespannt wie ein Flitzebogen. Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, das Bens Vater da ziemlich tief drinsteckt. Aber Semir wird das herausfinden....da bin ich mir sicher

    Semir schloss die Tür und drehte sich zu Paul, der an seinem Schreibtisch saß, um. „Okay Paul! Ich will wissen, was passiert ist und zwar jede Einzelheit!“ erklärte er in einem sachlichen Ton. Paul stöhnte auf. „Ich weiß es nicht genau. Wir sind in seine Wohnung gefahren und er war verdammt wütend, was ich auch verstehe. Er wurde kalt gestellt und das wurmte ihn. Er wollte abhauen aber ich habe ihn zurück gehalten. Und dann haben wir uns geprügelt. Er hatte mich sogar fast geschafft. Ich lag schon am Boden. Er hätte abhauen können, aber ich glaube, seine Wut war so groß, dass er es einfach vergessen hatte. Er saß auf mir und wollte mich schlagen, doch dann brach er weinend wie ein kleines Kind zusammen. Ich bin wieder mit ihm in die Wohnung und hab versucht ihn zu trösten. Wir haben uns ausgesprochen und wollten vielleicht sogar unsere Freundschaft wieder aufleben lassen.“ Paul lachte verächtlich auf. „Er hat eiskalt mit mir gespielt. Er hat mir den Nervenzusammenbruch vorgespielt und ich hab auch noch Mitleid mit ihm gehabt.“ Semir hörte, wie verletzt Paul war. „Weißt du, ich hab ihm gesagt, dass er morgen wieder zum Dienst könne und dort unter Beobachtung steht, damit er keine Dummheiten machen kann. Und jetzt ist er verschwunden! Wir wissen nicht, wo wir suchen sollen! Ich fühle mich so schuldig!“ Semir hörte schweigend zu und nickte als Paul geendet hatte. „Wir werden gleich zu den Kollegen der Sitte fahren. Vielleicht weiß sein Partner ja, wo er sein könnte.“ Paul sah ihn an. Semir spürte, dass sein junger Partner vor Wut kochte. „Ich hatte echt gedacht, dass er es ernst meinte. Aber er verarscht mich, genau wie damals.“ „Manche Menschen ändern sich halt nie. Du kannst ihm auch nur vor den Kopf gucken. Wie es in ihm aussieht, weiß nur er. Wie war Mandy?“ Paul lächelte leicht und schien an die Vergangenheit zu denken. „Mandy war eine tolle Frau. Sie war einfühlsam und liebevoll. Sie hatte ihren eigenen Kopf und sie wusste ihn auch so einzusetzen, dass sie einen Vorteil davon hatte.“ Er stöhnte auf und fuhr sich mit den Händen durch sein Gesicht. „Das hätte nicht passieren dürfen. Das hätte einfach nicht passieren dürfen!“ Semir sah ihn kurz an. „Beruhige dich. Jedem kann so ein Missgeschick passieren. Wir dürfen nur nicht die Nerven verlieren. Fällt dir irgendwie ein Ort ein, wo wir ihn suchen könnten?“ Paul schüttelte den Kopf. „Ich weiß es im Augenblick nicht.“ gab er zu. Sie verließen die PAST und fuhren zu dem Vorgesetzten von Kilian Winther.


    Nur eine Stunde später erreichten sie das Revier, in dem Kilian arbeitete und wurden direkt zum Dienststellenleiter gebracht. Sebastian Buchholz war Kriminaloberkommissar und hatte einen sehr guten Ruf. „Herr Buchholz, es geht um Kilian Winther…“ fing Semir an. Der Mann nickte. „Ja, ich habe bereits von Frau Krüger über das Missgeschick gehört. Ich muss sagen, dass ich doch sehr enttäuscht bin. Ich hatte Kilian nie so eingeschätzt. Die Kollegen sind bereits darüber informiert, dass sie Ausschau nach ihm halten. Ich verstehe nicht, dass er so gehandelt hat.“ Semir hörte dass der Mann sich Sorgen machte. „Wir vermuten, dass Herr Winther nach dem Mörder seiner zukünftigen Frau suchen will. Ich kann es ihm nicht mal verübeln. Ich selbst würde vermutlich sogar selbst so handeln.“ gab er zu. „Das ist nicht zu verstehen. Ich habe Herrn Winther bisher für einen sehr verantwortungsvollen und intelligenten Polizisten gehalten. Scheinbar eine Fehleinschätzung.“ meinte Buchholz nachdenklich. Paul stieß verächtlich Atem aus. „Wie lange kennen Sie Kilian denn, dass Sie ihn direkt verurteilen?“ fauchte er den Vorgesetzten seines Freundes an und bekam von Semir einen mahnenden Blick zugeworfen. „Er ist jetzt seit über fünf Jahren bei uns. Und bisher war er sehr umsichtig und gerecht. Er ist nie ausfallend geworden, was bei unserem Job nicht einfach ist. Sie können sich sicher vorstellen, mit welchem Klientel er es zu tun hat, wenn er auf der Straße ist.“ Semir nickte. „Wer ist sein Dienstpartner?“ „Das ist Manfred Horn, er befindet sich allerdings nach einem Dienstunfall in einer Reha und wird sicher noch einige Monate ausfallen. Das war auch der Grund, dass Herr Winther Innendienst hatte. Sie kennen das ja. Ohne Partner geht es nicht auf die Straße.“ Semir sah kurz zu Paul und nickte dann. „Können Sie sich einen Ort vorstellen, wo er sich verstecken könnte?“ Sebastian Buchholz zog die Schultern hoch. „Leider nein.“ gab er zu. „Okay, wenn Sie etwas von ihm hören, melden Sie sich bitte bei uns?“ bat Semir den Mann und reichte ihm eine Visitenkarte. „Selbstverständlich. Ich werde Sie informieren, sobald mir etwas zu Ohren kommt.“ versprach Buchholz. Semir und Paul verabschiedeten sich.

    Kilian erzählte Paul alles was er wusste. Sein ehemaliger Freund war ein sehr guter Zuhörer, doch ihm plagte ein Zweifel. „Wie soll es denn nun weiter gehen? Ich meine, wir sitzen hier und es passiert nichts!“ Paul lächelte und zog die Schultern hoch. „Das ist nicht ganz richtig. Mein Kollege wird die Ermittlungen leiten und wir werden hier auf die Ergebnisse warten. Es dauert sicher noch eine ganze Weile, aber in der Zeit können wir uns ja vielleicht wieder etwas annähern. Mir tat der Bruch der Freundschaft sehr weh. Nicht nur, weil du mir, in meinen Augen, Mandy weggenommen hattest, sondern weil du mein engster Vertrauter warst. Gott, ich hab dir alles anvertraut und wurde zu tiefst verletzt.“ gab Paul von sich. Kilian sah ihn von unten her an. „Ich weiß. Aber das meinte ich jetzt nicht. Ich muss doch auch meinen Dienst machen. Ich meine, wenn ich im Büro bin, kann ich eh nicht ermitteln.“ Paul sah ihn an. „Nun, ich denke du wirst ab morgen wieder deinen Dienst schieben. Bis dahin passe ich auf dich auf und im Büro werden es deine Kollegen machen. So wie ich die Krüger kenne, wird sie deinen Vorgesetzten mit Sicherheit informiert haben. Wenn du willst, kann ich morgen Abend zu dir kommen.“ Kilian lächelte und nickte. „Das wäre sehr gut. Ich kann Freunde gebrauchen. Aber jetzt bin ich etwas müde. Hast du was dagegen, wenn ich mich eine Stunde aufs Ohr haue?“ Paul lächelte sanft und schüttelte den Kopf. Er stand auf und ging ins Bad. Als er zurückkam, war Kilian nicht mehr im Wohnzimmer. Er schien sich wirklich hingelegt zu haben und so machte er den Fernseher an und ließ seinen ehemaligen Freund einfach schlafen. Nach einer guten Stunde klopfte er an die Schlafzimmertür. „Kilian? Willst du nicht wieder aufstehen? Mein Partner wird sicher gleich herkommen und uns über den Stand der Dinge informieren.“ Von seinem ehemaligen Freund kam nichts. „Kilian?! Hey wach auf!“ Er öffnete die Tür und sah, dass das Bett unbenutzt war. „FUCK!“ fauchte er wütend, als er sah, dass das Fenster offen stand. Er rannte hin und sah sofort, dass sein Auto nicht mehr vor der Tür parkte. Erschrocken klopfte er sich ab und tatsächlich! Der Schlüssel war nicht in der Tasche und ihm fiel ein, dass er diesen auf den Tisch gelegt hatte. Im Wohnzimmer jedoch lag er nicht mehr. Verdammt, Kilian hatte ihn gelinkt. Es klingelte an der Tür. Paul ging hin und sah durch den Spion in das Gesicht seines Partners. Tief einatmend öffnete er. „Kilian ist weg.“ „Bitte was?!“ Semir stürmte in die Wohnung und sah sich suchend um. „Wie konnte das passieren?“ wollte er von Paul wissen. „Ich war nur fünf Minuten im Bad und er wollte sich hinlegen. Er ist ja auch ins Schlafzimmer gegangen. Als ich ihn wecken wollte, da war er weg…. und mein Auto auch.“


    „Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wie um alles in der Welt konnte das passieren?“ Kim Krüger war wütend und Paul sah zu Boden. Sie hatten die Vorgesetzte nach ihrem Eintreffen in der PAST direkt über Kilians Flucht informiert. „Ich habe nur einen Augenblick nicht aufgepasst. Wir haben uns, nachdem wir uns geprügelt hatten, ausgesprochen. Er sagte mir, dass er müde sei, was ja nach so einem Erlebnis nicht gerade ein Wunder ist und sich hinlegen würde. Ich habe ihm vertraut. Als ich ihn eine Stunde später wecken wollte, da hab ich gemerkt, dass er mich gelinkt hat. Es war mein Fehler.“ „Allerdings! Und das ist nicht akzeptabel! Sie sind doch nicht erst seit gestern in diesem Beruf oder? Sie werden alles tun, ihn wieder zu finden! Egal was! Aber tun Sie es!“ Sie stemmte sich am Schreibtisch ab und sah ihn mit vor Wut glühenden Augen an. Paul zuckte zusammen und nickte. „Ja Frau Krüger…“ kam leise zur Antwort. Kim Krüger atmete tief durch und setzte sich wieder in ihren Stuhl. „Okay, eine Idee wo er sein kann oder warum er verschwunden ist?“ Paul schüttelte den Kopf. Nun mischte Semir sich ein. „Da kann ich vielleicht helfen. Ich habe in der Firma, wo Mandy arbeitete, nachgeforscht und bin auf eine Sandra Lohkamp gestoßen. Sie hat wohl mit Mandy zusammen gearbeitet und mir erzählt, dass sie durch die Geschäftsleitung angehalten werden, Blutspendetermine wahrzunehmen. Beim letzten soll Mandy angesprochen worden sein, Blut für Geld zu spenden. Frau Lohkamp erzählte mir, dass man ihr 500 Euro für 500 ml angeboten hat. Das würde sich dann auch wieder mit Kilians Aussage decken. Mandy soll eine Karte bekommen haben. Ich vermute mit Kontaktmöglichkeiten. Es ist gut möglich, das Kilian nun doch auf eigene Faust ermittelt.“Kim sah ihn nachdenklich an. „Dann ist Ihr Verdacht, vielleicht doch nicht so weit hergeholt. Man kauft Blutspender und saugt sie dann bis zum letzten Tropfen aus. Wer weiß, wie viele Tote es schon gab oder noch geben wird.“ stöhnte sie leise. „Nun, bisher haben wir nur eine Leiche gefunden und mir wäre es recht, wenn es dabei bleibt. Aber jetzt sollten wir uns mal um Kilian kümmern. Wir müssen ihn finden, bevor er Dummheiten macht.“ Kim stimmte Semir zu. „Kümmern Sie sich drum!“ Sie warf Paul einen warnenden Blick zu und dieser sah zu Boden. Semir nickte und zog Paul nur wenig später in ihr gemeinsames Büro.

    Paul ging in die Küche um Kaffee zu machen und kam nur wenig später wieder ins Wohnzimmer. Kilian saß auf der Couch und starrte auf ein Foto. „Hier!“ riss Paul ihn aus seinen Gedanken. Kilian sah auf und lächelte entschuldigend. „Danke. Paul, es tut mir leid. Ich wollte dich nicht verletzen. Eben nicht und damals auch nicht.“ Er sah ihn flehend an und Paul bemerkte, dass sein ehemaliger Freund es ernst meinte. Er wischte sich über seine Nase und grinste leicht. „Schon gut. Ich denke jeder, der in einer solchen Situation ist, wäre ausgerastet. Warum erzählst du mir nicht einfach, was damals passiert ist?“ Kilian nahm einen Schluck aus der Tasse und sah ihn erneut an. „Willst du das wirklich wissen?“ „Natürlich! Ich möchte es wissen. Also, was ist passiert?“ Kilian atmete tief durch. „Also gut. Erinnerst du dich noch an dem Tag, wo du in die Nachtschicht geschoben wurdest?“ Paul dachte kurz nach. „Ja, das war der Abend wo ich mit Mandy ins Kino wollte. Ich habe dir die Karten gegeben, weil ich es schade fand, wenn sie verfielen.“ Kilian lächelte bitter. „Genau. Wir sind ins Kino gegangen und da ist es dann passiert. Ich meine, ich kann dir nicht einmal sagen wie und warum. Es ist einfach so passiert. Wir, also Mandy und ich, hatten ein verdammt schlechtes Gewissen. Wir wussten nicht, wie wir dir das erklären sollten. Die Gefühle waren einfach zu stark und wir konnten uns nicht dagegen wehren.“ Paul sah ihn an. „Ich verstehe. Aber jetzt erklärt sich natürlich auch das abweisende Verhalten von Mandy am nächsten Morgen. Ich dachte, sie wäre immer noch sauer, weil ich Dienst hatte.“ Er lachte leicht auf. „Ich glaub wir haben beide nicht richtig gehandelt. Nun ist es leider nicht mehr zu ändern. Okay Kilian, ich will wissen, was alles passiert ist! Und ich meine wirklich alles!“ Kilian stieß Luft aus. „Wie schon gesagt, hat sie vor gut drei Wochen Blut gespendet. Beim roten Kreuz. Sie ist durch ihren Arbeitgeber angehalten, diese Termine wahrzunehmen. Spricht ja auch nichts dagegen. Sie hatte eine sehr begehrte Blutgruppe. Null negativ, glaub ich. Tja, und nach der Spende war ja auch alles gut. Sie erholte sich und ging auch am nächsten Tag wieder arbeiten. Vier Tage später sagte sie mir, dass sie noch einmal spenden wolle. Diesmal würde sie Geld dafür bekommen und das könnten wir ja auch gut gebrauchen. Ja, sicher! Wer braucht kein Geld und unsere Hochzeit stand vor der Tür. Sie wollte dazu beitragen und hielt es für eine einfache Sache.“ Kilian machte eine Pause und trank einen Schluck Kaffee.


    Sandra Lohkamp sah Semir geschockt an. „Aber ich versteh nicht. Mandy ist tot? Wie kann das sein?“ Semir zog die Schultern hoch. „Über die Todesursache kann ich leider nichts sagen. Sie hatte aber einen extremen Blutverlust erlitten. Nur war sie nicht verletzt. Können Sie das erklären?“ Semir beobachtete die Frau sehr genau. Ihm entging nicht, dass sie nervös wurde. „Oh nein!“ war die Antwort und Semir erkannte, dass es hier ein Geheimnis gab. „Sie wissen doch etwas! Sagen Sie es mir!“ Sie nickte leicht. „Lassen Sie uns in die Kantine gehen. Wir könnten einen Kaffee trinken und ich werde ihnen erzählen, was ich weiß.“ Der Polizist war einverstanden. Sie gingen in die Kantine und suchten sich einen Platz, wo sie sich ungestört unterhalten konnten. „Also, was wissen Sie?“ Sandra Lohkamp atmete tief durch und sah sich verschwörerisch um. „Also, wir, das heißt die Belegschaft unserer Firma, ist durch die Geschäftsleitung angehalten, in regelmäßigen Abständen die Blutspendetermine des roten Kreuzes wahrnehmen. Damit soll der Ruf der Firma aufgebessert werden. Ich weiß nicht, warum das notwendig ist, aber gut. Es sind für uns ja extra vier Urlaubstage, weil wir an den Tagen des Blutspenden immer frei haben.“ Semir nickte nachdenklich. „Okay, und war bei der letzten Blutspende etwas anders?“ Sandra Lohkamp nickte. „Ja, es war sehr merkwürdig. Als wir fertig waren, wollten wir raus auf die Straße und wurden von einem Mann aufgehalten. Er fragte Mandy, ob sie nicht Lust hätte, etwas Geld zu verdienen. Ich weiß, dass sie kurz vor der Hochzeit war und da braucht man ja viel Geld.“ Semir sah sie an. „Können Sie den Mann beschreiben?“ Er sah, dass Sandra nachdachte. „Ja, er trug eine blaue Jeans mit diesen Löchern. Also die, die schon drin sind, wenn man sie kauft. Und er hatte ein rotes Käppi auf. Er war ungefähr so groß wie ich.“ Semir notierte sich die Beschreibung. „Okay, was wollte er von Ihnen?“ Sandra nahm einen Schluck aus der Tasse und sah ihn an. „Nun, er hatte Mandy vorgeschlagen, dass sie noch einmal spenden könnte, diesmal aber gegen Geld. Er hat eine verdammt großartige Summe geboten. Ich glaub der wollte 500 Euro für 500 ml Blut zahlen. Sie wollte es sich überlegen und hat die Visitenkarte genommen.“ „Haben Sie auch eine Karte bekommen?“ Sandra schüttelte den Kopf. „Meine Blutgruppe ist wohl zu häufig. An mir hatte er kein Interesse.“ Semir dachte nur kurz nach. „War Mandy danach noch auf der Arbeit?“ Sandra spielte nervös mit ihren Fingern. „Ja, sie war noch drei Tage da. Dann kam sie auf einmal nicht mehr.“ Semir stand auf, bedankte sich und verabschiedete sich von der Arbeitskollegin.

    Semir fuhr zum Arbeitgeber von Mandy um heraus zu finden, ob sie in den letzten drei Wochen an ihrem Arbeitsplatz erschienen war oder ob die Kollegen etwas über ihren Verbleib wussten. Von Kilian wusste er, dass Mandy als Pharmazeutische Assistentin in einer der großen Firmen tätig war. In der Anmeldung wurde er gebeten zu warten, bis der Firmenleiter zu ihm kam. Semir setzte sich in den Wartebereich und harrte der Dinge. Nach guten zwanzig Minuten wurde er von einem Mann in Anzug empfangen. „Roman Steinberg, was kann ich für die Autobahnpolizei tun? Man sagte mir, dass es Mandy Krüger geht?“ Semir stand auf und reichte dem Mann die Hand. „Gerkhan, Kripo Autobahn. Ja, das ist richtig. Es geht um Mandy Krüger.“ Roman Steinberg lächelte ihn freundlich an. „Dann folgen Sie mir am Besten in mein Büro. Dort können wir uns ungestört unterhalten.“ Semir nickte und folgte dem Mann in den Fahrstuhl. Es ging einige Etagen hoch und in das Büro, welches ziemlich protzig eingerichtet war. „Bitte nehmen Sie doch Platz. Kann ich ihnen etwas zu trinken bringen lassen?“ Semir lehnte ab. „Danke nein… War Frau Krüger in den letzten Tagen an ihrem Arbeitsplatz erschienen?“ Roman Steinberg lächelte süffig. „Nein, aber das brauchte sie ja auch nicht. Ich habe sie vor zwei Wochen entlassen.“ „Warum?“ hakte der Polizist nach. „Sie ist vier Tage unentschuldigt der Arbeit fern geblieben. Auf Telefonate hat sie nicht reagiert. Solche Mitarbeiter brauchen wir nicht.“ „Wie haben Sie sie gekündigt?“ Steinbergs Lächeln verschwand. „Sie hat doch wohl nicht die Polizei deswegen eingeschaltet oder? Die Kündigung ist per Post raus. Mit Rückschein. Aber die hat sie nicht einmal von der Post abgeholt. Wir haben den Einlieferungsbeleg und somit ist die Kündigung rechtens.“ Diesmal nicke Semir. „Interessiert es Sie, warum Frau Krüger die Kündigung nicht abgeholt hat?“ „Nicht wirklich. Ich interessiere mich nicht für das Privatleben meiner Mitarbeiter.“ Semir atmete tief durch. Er hasste solche Menschen, die sich für nichts außer für Geld interessieren. „Mandy Krüger ist tot. Sie wurde an der Autobahn aufgefunden und ist auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben.“ presste er raus. Roman Steinberg wurde blass.


    „Was ist passiert? Hatte sie einen Unfall?“ Semir schüttelte den Kopf. „Nach Aussage von ihrem Verlobten war sie gute zwei Wochen verschwunden. Können Sie sich vorstellen, wo sie gewesen sein könnte?“ Steinberg hüstelte. „Wie ich schon sagte, mich interessiert nicht, was meine Angestellten in ihrer freien Zeit anstellen. Fragen Sie doch einfach mal Sandra Lohkamp. Sie finden sie in der Forschungsabteilung Z1358.“ „Wo finde ich diese Abteilung?“ fragte Semir freundlich nach. „Sie fahren mit dem Fahrstuhl in die 11 Etage und melden sich dort im Sekretariat. Man wird Frau Lohkamp ausrufen.“ Semir bedankte sich und verließ das Büro um in den elften Stock zu fahren. Er ging, als er dort angekommen war den langen Flur entlang und suchte das Sekretariat. Als er es endlich gefunden hatte, stellte er fest, dass die Tür verschlossen war. „Mist“, fluchte er leise und sah sich suchend um. Eine junge Frau trat aus einem der anderen Räume und Semir hielt sie auf. „Entschuldigen Sie? Ich suche die Forschungsabteilung Z1358. Können Sie mir sagen, wo diese ist?“ Die junge Frau nickte. „Kommen Sie, ich bringe Sie hin.“ bot sie an und ging den Flur runter. Semir folgte ihr. Sie musterte ihn und er merkte es. „Sind Sie der neue Bürobote?“ wollte sie wissen. „Nein, Gerkhan, Kripo Autobahn. Ich bin auf der Suche nach Frau Sandra Lohkamp.“ erklärte Semir. Sie blieb stehen und sah ihn an. „Was wollen Sie denn von mir?“ „Sie sind Sandra Lohkamp?“ Sie nickte. „Ja, was kann ich für Sie tun?“ „Sie kennen Mandy Krüger?“ Wieder folgte ein Nicken. „Wann haben Sie Mandy zuletzt gesehen?“ „Das war vor knapp drei Wochen. Wir waren shoppen. Was ist mit Mandy? Sie ist jetzt schon seit zwei Wochen nicht erreichbar. Der Chef tobt schon, weil sie unentschuldigt der Arbeit fern bleibt. Sie geht nicht ans Telefon. Hat sie etwas angestellt?“ Semir sah zu Boden und schüttelte den Kopf. „Nein. Frau Krüger ist leider verstorben.“ Sandra Lohkamp sah ihn erstaunt an. „Bitte was? Das kann doch gar nicht sein.“ „Es tut mir leid, aber leider ist es so. Ich brauche Informationen über sie und man sagte mir, dass Sie eine gute Freundin von ihr waren.“

    Kilian ließ sich von Paul nach Hause bringen. „Das ist echt klasse! Meine Verlobte wird umgebracht und ich kann nichts tun! Und du wirst auch nicht nach ihrem Mörder suchen, weil du es gar nicht willst! Du willst dich so noch nach ihrem Tod an sie rächen, oder? Du hast sie nie geliebt!“ schrie er Paul nur wenig später im Wohnzimmer an. Der blonde Polizist ließ sich diesen verbalen Angriff gefallen und wartete bis Kilian schwieg. „Bist du jetzt fertig?“ fragte er. Kilian nickte. Paul stand auf und sah ihn wütend an. „Okay, dann will ich dir mal etwas sagen. Ich habe Mandy mehr geliebt, als du es jemals konntest! Du hast sie mir weggenommen und ich habe sehr lange gebraucht, darüber wegzukommen! Bis heute dachte ich, dass ich es geschafft habe! Und jetzt kommt alles wieder hoch! Ihr habt euch sicher sehr über mich amüsiert oder? Diesen Idioten, der euch vertraute! Ihr habt mich ausgelacht!! Und jetzt komm mir nicht mit der Laier, dass du sie geliebt hast! Weißt du was? Vom mir aus, kannst du verschwinden und nach ihrem Mörder suchen! Und wenn du mir ein Gefallen tun willst, dann lass dich umbringen!“ Paul wurde rot vor Wut und schrie sie einfach raus. Als er fertig war, atmete er heftig und trat gegen den Mülleimer der in der Ecke stand. Für eine Weile herrschte Schweigen zwischen den Männern. Kilian stand auf und schnappte seine Jacke und auch die Autoschlüssel von Paul. Bevor dieser reagieren konnte, verschwand sein ehemaliger Freund und schloss die Tür ab. Paul war eingeschlossen. Er rannte zu dem Fenster, von dem aus er die Straße sehen konnte und kletterte raus. Es war nicht besonders hoch und so sprang er kurzerhand runter. Gerade als Kilian um die Ecke bog, erreichte er den Boden und packte seine Freund an der Jacke. „Verdammt was soll das?!“ fauchte er ihn an. Kilian riss sich los und wollte seinen Weg fortsetzen. „Ich erfülle dir einen Wunsch und verschwinde! Das wolltest du doch! Lass mich los!“ Er stieß Paul zu Boden, doch der richtete sich sofort wieder auf und riss Kilian nun runter. „Du wirst hier bleiben! Ich bin für dich verantwortlich!“ Kilian schlug zu und traf Paul mit seiner Faust auf der Nase. Sofort schoss Blut aus dem getroffenen Riechorgan und Paul revanchierte sich mit einem Tiefschlag in den Magen. Kilian ging zu Boden. Er krümmte sich vor Schmerzen und Paul ging zu ihm. Doch kaum hatte er seinen ehemaligen Freund erreicht, sprang dieser auf die Beine und verpasste Paul einen heftigen Tritt in die Rippen. Paul, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hatte, fiel um und hielt sich die Rippen. Kilian raffte sich auf und wollte Paul noch eine verpassen. Er drehte Paul auf den Rücken und hob seine Faust hoch. Bereit zu zuschlagen, doch dann sah er auf ihn. Noch einmal zuckte seine Faust, doch er schlug nicht zu. Er sah Paul an, der ziemlich benommen war. „Ich … ich hab sie geliebt! Ich wäre für sie gestorben! … Ich … wollte das doch nicht! …“ Er fing an zu weinen und sackte zusammen.


    Paul wurde wieder klar und richtete sich auf. Neben ihm hörte er Kilian schluchzen. Wie ein Häufchen Elend, lag sein ehemaliger Freund neben ihn und weinte. Gewissensbisse quälten ihn plötzlich. Kilian schien Mandy doch geliebt zu haben. Mehr als er dachte und er schien über diese Situation alles andere als glücklich zu sein. Hatte er ihn falsch eingeschätzt? „Kilian, lass uns wieder in die Wohnung gehen und über alles reden.“ Er kam auf die Beine und zog den weinenden Kilian ebenfalls hoch. Er stützte ihn und nahm ihm die Hausschlüssel ab. In der Wohnung angekommen, brachte er ihn ins Wohnzimmer und wischte sich das Blut aus dem Gesicht. „Kilian … ich … ich glaub, wir sollten über alles sprechen.“ Sein ehemaliger Freund schluchzte zunächst nur, doch er beruhigte sich langsam. „Was soll das denn noch bringen. Ich habe meinen besten Freund verloren, weil ich mich in seine Freundin verliebt habe. Es ist eine Grenze, die ich nie hätte übertreten dürfen. Die Freundin des besten Freundes ist tabu. Ich hab es wirklich eine Zeit geschafft, aber das Gefühl wurde immer stärker und auch bei Mandy war es deutlich zu sehen. Wir wollten, als du nicht da warst einfach darüber reden und uns klarmachen, dass es nicht so weiter geht. Sie sagte mir, dass sie dich informieren wollte, dass ihre Gefühle für dich nicht so stark sind. Ich hab ihr gesagt, dass sie sich das überlegen sollte. Aber sie war entschlossen mit dir Schluss zu machen. Paul, sie wollte nicht mehr mit dir zusammen sein. Ich habe mich seit diesem Tag schlecht gefühlt. Jedes Mal wenn ich gesehen habe, wie glücklich du mit ihr warst, wurde mir übel, weil ich genau wusste, dass sie es dir vorspielte. Ich…“ Wieder fing er an zu weinen. Paul senkte seinen Kopf. Ihm wurde klar, dass er einen großen Fehler gemacht hatte. Und diesen wollte er rückgängig machen. „Kilian, was ich eben zu dir gesagt habe. Das meinte ich nicht so. Wirklich. Ich wusste nicht, dass die Gefühle zwischen dir und Mandy so stark waren. Es tut mir leid. Warum hast du sie nicht als vermisst gemeldet? Hattest du denn gar kein Interesse daran, wo sie ist?“ Paul sprach leise und versuchte möglichst ruhig zu bleiben. „Natürlich hab ich Interesse daran gehabt. Aber sie war schon öfter mal für ein paar Tage weg. Sie brauchte zwischendurch ihre Auszeit und ich hab es einfach zugelassen. Sie ist in dieser Zeit für mich nicht erreichbar. Sie geht dann nicht ans Handy wenn ich anrufe. Ich dachte einfach, dass es wieder so ist.“ erklärte Kilian.

    LOol, ja das mit dem Infussionsständer war gut. Aber ich kann es schon verstehen, das Johanna da verzweifelt. Paul ist ausgeschaltet aber wenn er Semir als Vorbild hat, dann würde er jetzt seine Sachen packen und raus! Also Paul, Zähne zusammenbeißen und nach Semir suchen!

    Sehr schmerzhaft, aber später nicht für andere zu sehen.

    Na spätestens wenn er sein Shirt auszieht, sehen es auch andere. Tja, da wird Semir wohl noch einiges aushalten müssen. Aber ich bin mir sicher, irgendwann ist es zu ende... Lass dir ruhig Zeit :D

    Danke... die Absätze sind genau richtig. jetzt kann ich alte Frau das auch ohne Probleme lesen. :D

    Kilian setzte sich auf den Besucherstuhl, während Paul sich auf den seinen setzte. Kilian sah ihn nicht an sondern nur zu Boden. „Paul, ich… ich weiß, dass es damals ziemlich dumm gelaufen war, aber glaubst du, dass wir unsere Freundschaft noch einmal aufleben lassen können? Ich wollte dich damals nicht verletzen, das musst du mir glauben.“ Paul stieß schnaubend Luft aus. „Es hat mir verdammt weh getan, als ich euch im Bett erwischt habe. Ich dachte, ich könnte dir vertrauen und wurde schwer enttäuscht. Glaubst du, ich kann das einfach vergessen?“ Kilian schüttelte den Kopf. „Nein, das glaube ich nicht. Ich selbst würde es auch nicht tun. Paul, ich kann nur sagen, dass es mir Leid tut, aber für seine Gefühle kann man nichts. Mandy und ich hatten Gefühle füreinander. Und jetzt wurde sie mir genommen. Weißt du, ich wollte sie heiraten, aber sie wollte nicht. Sie meinte, sie könne erst glücklich werden, wenn sie dir gesagt hätte, dass es ihr genauso Leid tut. Jetzt ist es zu spät.“ Paul antwortete nicht und sah seinen damaligen Freund nur an. Kilian lächelte leicht. „Schon gut, ich verstehe schon. Du willst mir nicht verzeihen.“ Paul stöhnte leise auf und sah ihn fest in die Augen. „Da hast du verdammt Recht. Ich kann dir nicht verzeihen. Aber was spielt das jetzt noch für eine Rolle? Mandy ist tot. Was ist in den letzten Tagen passiert? Was hat sie gemacht?“ Kilian sah ihn an. Er zog die Schultern hoch und ließ sie wieder fallen. „Wir haben uns, wie gesagt vor zwei Wochen gestritten. Danach ist sie verschwunden. Ich weiß nicht, wo sie ist … war.“ Paul sah ihn an. „Hast du eine Vermisstenanzeige aufgegeben?“ Kilian stieß ein verächtliches Lachen aus. „Du weißt doch, dass man das bagatellisiert. Sie war eine erwachsene Frau und man hätte mir geraten, abzuwarten. Und jetzt ist alles vorbei. Ich bin Bulle und ich kenne den Ablauf sehr genau!“ „Dennoch hättest du es tun müssen! Dann hätten wir sie vielleicht vorher gefunden und hätten sie retten können!“ schrie Paul Kilian an. Dieser zuckte zusammen. „Hätte? Immer nur Hätte! Wir hätten, hätten hätten….was bringt das denn? Man hätte ein Bild von ihr gehabt und sie dann, wenn man sie gesehen hätte, nach Hause gebracht. Da sind mir verdammt nochmal zu viele HÄTTE drin!“ gab Kilian zurück.


    „Das werde ich nicht zulassen! Er ist persönlich involviert und somit nicht kontrollierbar, Gerkhan und das wissen Sie selbst sehr genau!“ lehnte Kim den Vorschlag von Semir laut ab. „Ja, das weiß ich. Aber es ist auch die einzige Möglichkeit, ihn von Dummheiten abzuhalten. Wenn er bei mir und Paul ist, dann steht er unter Kontrolle.“ erklärte Semir sein Vorhaben. „Nein! Und das ist mein letztes Wort. Sie werden die Ermittlungen aufnehmen und Winther wird sich nicht daran beteiligen und steht unter Arrest!“ legte Kim fest und Semir sah an ihrem Blick, dass es hier keine Worte mehr bedurfte. Deshalb stand er auf und ging zur Tür. „Ich hoffe, Sie wissen was Sie tun, Frau Krüger. Aber wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich alles tun, um doch an den Ermittlungen teil zu haben.“ sagte er und öffnete die Tür. „Ich hoffe sehr, dass er intelligenter ist als Sie, Gerkhan.“ Semir schluckte eine Bemerkung runter und ging ihn sein Büro, wo Paul und Kilian ihn ansahen. „Sie sind raus! Frau Krüger will nicht, dass Sie sich an den Ermittlungen beteiligen. Paul wird Sie in ihre Wohnung begleiten und bei Ihnen bleiben, damit Sie keine Dummheiten machen. In Ihrem eigenen Interesse bitte ich Sie, sich nicht einzumischen.“ gab er sachlich von sich. Kilian schüttelte den Kopf. „Ich lasse mich nicht kaltstellen und diese Krüger hat mir gar nichts zu sagen. Sie ist nicht meine Vorgesetzte!“ Semir nickte leicht. „Ich weiß. Aber sie weiß auch, wer Ihr Vorgesetzter ist und den wird sie mit Sicherheit informieren, wenn sie es nicht schon getan hat.“ stellte er fest und sah Paul an. „Bring ihn nach Hause und pass auf ihn auf. Bitte … ich werde euch Beide auf dem Laufenden halten, aber halt ihn von Dummheiten ab. Wir kennen den Gegner nicht und ich habe absolut keinen Bock darauf, dass die Chefin mich zur Sau macht.“ Paul nickte. Er stand auf und griff Kilian am Arm. „Komm! Wir gehen!“ Doch Kilian riss sich los. „Ich lasse mich nicht kalt stellen!“ fauchte er und rannte aus dem Büro. Semir und Paul setzten nach und konnten ihn auf dem Parkplatz stellen. „Kilian, das bringt doch nichts. Du kannst von hier nicht weg. Lass uns zu dir nach Hause fahren. Bitte…“ Paul sah ihn eindringlich an.