so ausnahmsweise mal ein größeres Abendessenstück...
Dr. Mies-Fiesling sah ihn an und prüfte die Vitalwerte. „Nun… das ist doch ein gutes Zeichen. Sie bekommen gleich Frühstück, aber erst einmal ein paar Untersuchungen. Ich würde mir gern die Wunden ansehen.“ bat er. Semir nickte. Der Arzt hob die Decke und besah sich die Wunden am Bein. „Sieht gut aus.“ nickte er zufrieden. Dann sah er auf die Werte des Blutdruckgerätes. „Sehr gut…. Sie haben einen sehr kräftigen Puls, Herr Gerkhan. Okay… bleibt nur der Arm.“ meinte der Arzt. Semir sah ihn an. „Was ist damit?“ wollte er wissen. „Nun was genau… Sie haben zwei Kugeln in der Schulter gehabt und eine von den Dingern hat Ihnen eine Sehne durchtrennt. Wir konnten sie zwar zusammenflicken, allerdings….“ Der Arzt machte eine Pause. Semir sah ihn erschrocken an. „Allerdings?“ fragte er. „Nun ja…. Sie werden den Arm für eine lange Zeit nicht gebrauchen können. Es muss erst einmal wieder heilen. Bis dahin ist Schonung angesagt.“ mahnte der Arzt. Semir sah ihn immer noch an. „Mein Arm ist…was?“ fragte er ungläubig. „Nun ja… die Sehne war dafür zuständig, dass Sie den Arm überhaupt bewegen können, besonders natürlich die Finger. Aber Sie sollten sich darüber keine Gedanken machen. In drei Tagen wissen wir mehr, dann werden Sie nämlich durch das CT gejagt und wir sehen ob die Sehne heilt oder nicht.“ erklärte Mies-Fiesling sachlich. Er verabschiedete sich und verließ das Zimmer.
Andrea setzte sich zu Semir ans Bett. „Hey… was ist denn?“ fragte sie, als sie sah wie nachdenklich Semir wurde. „Mein Arm… was wenn ich ihn nie wieder benutzen kann?“ fragte er zweifelnd. Andrea sah Tom bestürzt an. „Hey.. das ist doch nicht gesagt. Du hast doch den Arzt gehört… in drei Tagen wissen wir mehr… also ruh dich aus und versuch an was Schönes zu denken, okay?“ Sie küsste ihn zärtlich. Semir nickte aber er schien trotzdem sehr in Gedanken. „Würdet ihr mich bitte allein lassen. Ich bin müde…“ bat Semir. Andrea sah zu Tom und dieser nickte leicht. „Du hast Recht… ich muss eh was tun. Lass den Kopf nicht hängen hörst du… wir schaffen das gemeinsam.“ Sie küsste Semir zum Abschied noch einmal doch er erwiderte den Kuss nicht wirklich. Andrea nickte Tom zu. „Ich will mit Semir noch etwas besprechen…. Du kannst ja schon mal im Wagen warten…“ bat Tom Andrea. Andrea nickte und ging. Als sie auf dem Flur stand atmete sie tief ein und aus. Sie wusste genau das Semir mit einem steifen Arm sich nicht mehr vollwertig fühlen würde. Sie hoffte nur, dass Tom mehr bei Semir erreichte.
„Tom? Was soll ich tun, wenn der Arm nie wieder was wird?“ fragte Semir leise und verzweifelt. „Semir… warte doch erst einmal ab. Der wird sicher wieder…. Du weißt doch wie die Ärzte manchmal übertreiben. So wie ich dich kenne, wirst du nur ganz kurze Zeit brauchen, bis er wieder funktioniert…. Glaub mir…“ versuchte Tom ihn zu stärken. Semir sah ihn an und dann seinen Arm. Er sah nur Gips, der gesamte Arm, einschließlich der Finger war darin gefangen. Er schloss die Augen. „Ja klar…. Warum ist der dann eingegipst? Wenn die das so machen, sicher nicht aus Spaß oder?“ kam zweifelnd von Semir. Tom zuckte mit den Schultern. „Hey… du hattest zwei Kugeln in der Schulter. Da ist es durchaus normal, dass der Arm ruhig gestellt wird. Immerhin ist es ja keine Kleinigkeit oder?“ empörte sich Tom.
Drei Tage später bekam Semir eine gute Nachricht von Dr. Mies-Fiesling überbracht. „Herr Gerkhan.... die Sehne ist sehr gut zusammen gewachsen. In vierzehn Tagen machen wir den Gips ab und fangen mit der Krankengymnastik an. Sie werden sehen, in ein paar Monaten ist der Arm wieder wie neu.“ versprach er. Semir nickte. „Das hört sich gut an. Aber warum fühle ich nichts in den Fingern? Ich meine.... unter dem Gips müsste es doch jucken wie verrückt... aber da ist gar nichts.....Ich kann meine Finger nicht bewegen....“ klagte Semir. Dr. Mies-Fiesling nickte. „Es kommt noch... Glauben Sie mir... auch wenn Sie jetzt noch nichts spüren es wird wieder...“ wiederholte er. „Ihr Wort in Gottes Ohr...“ kam leise von Semir, der an der Aussage des Arztes zweifelte. Er verließ das Zimmer und lief Andrea fast in die Arme. „Muntern Sie Ihren Mann mal etwas auf.... er braucht das...“ lächelte er sie an. Andrea warf einen Blick auf Semir. „Warum?“ wollte sie wissen. „Fragen Sie ihn das besser selbst. Ich verstehe es nämlich nicht.“ meinte der Arzt und schloss die Tür. Andrea trat ans Bett und küsste ihren Mann zur Begrüßung.
„Hey... was ist denn?“ fragte sie besorgt. „Hast du Schmerzen?“ wollte sie weiterhin wissen. „Nein.... die Wunden sind sehr gut am heilen. Zumindest die am Bein...“ gab Semir zur. Andrea musterte ihn zweifelnd. „Und warum machst du dann ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter?“ „Der Arm.... der Arzt sagte mir zwar, es wäre alles super. Aber ich habe kein Gefühl drin. Nichts.... die Finger lassen sich nicht bewegen, keine Schmerzen... einfach gar nichts.“ klagte Semir. Andrea lächelte. „Aber das ist doch super, wenn der Arzt alles für gut hält. Warum bist du denn nicht glücklich darüber?“ Andrea verstand Semir nicht wirklich. „Weil ich kein Gefühl in den Fingern habe.... Andrea... was wenn ich meinen Arm nie wieder benutzen kann? Was wenn er steif bleibt? Was wenn ich nicht mehr arbeiten kann....?“ beklagte er sich. Andreas Blick verdunkelte sich. „Was wenn du erst einmal abwartest und mit den Ärzten zusammen arbeitest?“ stellte sie die Gegenfrage. Semir sah sie an und lächelte nervös. „Vielleicht hast du Recht. Warten wir erst einmal ab.“ meinte er dann. „Natürlich hab ich Recht. Semir.... das wird wieder.... Du musst nur daran glauben und dann.... dann wirst du sehen, in einem halben Jahr wird alles wieder so sein, wie es vorher auch war... Du und Tom ihr werdet der Chefin graue Haare wachsen lassen, weil sie nicht weiß wie sie dem Polizeipräsidenten erklären soll, dass schon wieder ein Wagen Schrott ist. Die Schrankmann wird sich über deine obskuren Ermittungsmethoden aufregen... Alles beim Alten. Und du wirst deinen ganz normalen Dienst machen bei dem Aida und ich dann Angst um dich haben müssen....“ lächelte sie ihn aufmunternd zu.