So für heute Abend noch ein großes STück....
„Lassen Sie mich wirklich gehen, wenn Sie die Unterlagen haben?“, fragte er zögerlich. „Natürlich“, lächelte der Mann wohlwollend, doch seine Augen blieben kalt. „Dann darfst du mit Sandra ein schönes Leben genießen. Ihr bekommt sogar noch ein Geschenk von uns. Damit ist ein sorgenfreies Leben möglich.“ Hartmut schaute den Mann misstrauisch an. Er ahnte, dass sein Gegenüber de Clerc war. „Sie halten mich für dumm, was?“ Er konnte sich einen ironischen Ton nicht unterdrücken. „Sie würden sich doch nicht der Gefahr aussetzen, dass Sandra gegen Sie aussagt. Sie haben ihre Eltern ermordet und...“ Augenblicklich verstummte er, als der Mann ihn warnend ansah. „Halt dich zurück, mein Junge...“, zischte er gefährlich. „Es sollte ihr eigentlich genügen, dass du in unserer Gewalt bist. Sie wird tun, was ich verlange. Das ist sie mir schuldig.“ Hartmut blickte ihn verwirrt an und fragte: „Wieso?“ Jetzt war es der Mann, der irritiert war: „Was,… wieso?“ „Wieso ist sie ihnen das schuldig?“, wollte Hartmut hartnäckig wissen. „Sie haben doch die Familie fast ausgelöscht... Sie schulden ihr etwas und nicht umgekehrt.“ Hartmut fühlte Wut in sich aufsteigen. Der Mann sah ihn verwundert an. Vermutlich war er überrascht, dass Hartmut ihn scheinbar kannte. „Ach,… hat sie das erzählt?“ erstaunt hob der Mann seine Augenbrauen. „Dass ich ihre Familie umgebracht habe? Ich glaube, ich muss dir mal die Wahrheit über deine schöne Freundin erzählen.“ Er nahm Hartmut am Arm und brachte ihn in einen ungemütlichen Kellerraum. „Weißt du…. deine Freundin hat mir Unterlagen gestohlen. Nicht um mich zu vernichten… nein. Sie will mich erpressen. Diese Unterlagen belasten auch sie. Sie hat Angst, dass ich sie verrate und dass sie dann ins Gefängnis geht. So…. hier wirst du erst einmal bleiben. Ich muss noch eben ein Telefonat erledigen. Nicht weglaufen…“ lachte de Clerc und stieß Hartmut zu Boden. Hartmut blieb zunächst liegen doch als de Clerc die Tür schloss stand er auf und horchte. De Clerc schien tatsächlich zu telefonieren.
Semir fuhr auf der A4. Nach nur zehn Minuten Fahrt klingelte das Handy. „Ja?“, meldete er sich. „Sehr schön. Ich sehe, du hast die Kollegen zu Hause gelassen!“, hörte er die Stimme sagen. „Ja sicher... Wohin soll ich die Unterlagen bringen?“, fragte Semir und versuchte so gleichgültig wie möglich zu klingen. „Nur nicht so schnell“, bremste ihn die Stimme am anderen Ende. „Wir beide werden uns gleich sehen. Du wirst dich auf den Rastplatz bei KM 405,8 stellen und dort auf mich warten. Kein Funkspruch! Kein Telefonat! Ist das klar?“ „Ja, ist klar. Wo ist Hartmut?“, erkundigte sich Semir. „Nur keine Sorge. Wenn ich die Unterlagen geprüft habe, bringe ich dich zu ihm. Ich werde bei dir mitfahren. So bin ich sicher, dass du niemanden informieren kannst. Du stehst unter Beobachtung, denk daran.“ Ein Knacken war in der Leitung zu hören und das Gespräch war beendet. Semir sah in den Rückspiegel, doch keiner der Wagen fiel ihm auf. Es hätte jeder sein können, der hinter ihm fuhr. Seufzend reihte sich Semir in die rechte Fahrbahn ein, verließ die Autobahn und fuhr auf den Rastplatz.
Tom drückte Sandras Hand, schaute sie optimistisch an und versuchte sie zu beruhigen: „Nur keine Sorge,.... Semir schafft das schon. Er wird Hartmut zurück bringen und dann kann die Hochzeit stattfinden.“ Ein Lächeln, das seine Augen strahlen ließ, stimmte Sandra etwas zuversichtlicher und sie nickte. „Ja sicher...“ Nur Augenblicke später verfinsterte sich ihre Miene erneut. „Aber ich habe Angst... Angst davor, das de Clerc mir auch Hartmut nimmt. Er hat doch schon alle getötet.“ Für einen Moment schwieg sie und hing traurig ihren Gedanken nach. Doch plötzlich stand sie abrupt auf und machte einige Schritte umher. Schließlich blieb sie stehen, warf den Kopf in den Nacken und seufzte voller Kummer: „Warum kann er mich nicht einfach in Ruhe lassen? Ich will damit abschließen.“ Sie senkte ihren Kopf und starrte auf den Teppich. Mehr zu sich selbst sagte sie sorgenvoll: „Mich würde es nicht einmal wundern, wenn er Hartmut Lügengeschichten über mich erzählt.“ Tom horchte auf. „Was für Geschichten sollte er denn erzählen?“, wollte er wissen. Sandra drehte sich zu ihm um. „Nun ja,... er könnte erzählen, dass ich ihm geholfen habe, meine Eltern umzubringen. Es wäre auch denkbar, das er mir nun die Schuld an ihrem Tod zuschiebt.“ Tom breitete hilflos die Hände aus und deutete ihr damit an, dass er nicht wusste, was sie meinte. Sandra setzte sich wieder zu ihm aufs Sofa. „Wissen Sie,...“ „Du…, wir waren beim Du“, erinnerte sie Tom mit einem Augenzwinkern. Unwillkürlich musste Sandra für einen flüchtigen Moment leise lächeln, dann wurde sie wieder ernst und fuhr mit brechender Stimme fort: „Am letzten Abend vor ihrem Tod sollte ich meinen Eltern ein Geschenk mitbringen. De Clerc hatte es besorgt... Pralinen... Es war sogar die Lieblingssorte meiner Eltern. Ich habe sie ihnen gebracht… Dabei hätte ich eigentlich ahnen müssen, dass sie vergiftet sind oder es eher waren. Meine Eltern haben sie gegessen… und am nächsten Morgen sind sie mit dem Auto gefahren. Der Unfall war also vorprogrammiert.“ „Wie kommst du denn darauf, das die Pralinen vergiftet waren?“, wollte Tom direkt wissen. Sandra sah ihn lächelnd an. „Ich bin vom Fach, schon vergessen? Nein…, das ist bei der Obduktion herausgekommen. Ihre Augen waren gelblich unterlegt und der Arzt sagte mir damals, dass das ein Anzeichen einer Vergiftung sei. Und da sind mir nur die Pralinen eingefallen. Meine Eltern haben sie alle gegessen…“, erklärte sie mit zitternder Stimme. „Und nun glaubst du, de Clerc erzählt es Hartmut anders? Damit er sich rein waschen kann?“, mutmaßte Tom. Sandra nickte traurig. „Ja,... das denke ich.“