Bereits seit endlosen Minuten versuchte Semir verzweifelt die Fesseln zu lösen. Mit allen Kräften, die er noch mobilisieren konnte, zerrte er an dem am Boden verankerten Ring, doch nichts passierte. De Clerc kam herein und beobachtete spöttisch Semirs vergebliche Bemühungen. Als er sich genug an dem makaberen Schauspiel ergötzt hatte, räusperte er sich vernehmlich. „So…, dann wollen wir mal anfangen.“ Vorfreudig rieb er sich die Hände und grinste zu Semir hinunter. „Hast du schon mal einen Flash erlebt?“, fragte er ihn und grinste dabei wie eine Katze, die mit einer Maus spielte. Semir ahnte, was de Clerc vor hatte und alles zog sich in ihm zusammen. Er würde sich garantiert nichts verabreichen lassen ohne sich zu wehren. ‚Wenn de Clerc das glaubt, ist er schief gewickelt’, dachte Semir kampfeslustig. De Clerc sah mit überlegener Miene zu ihm hinunter. „Weißt du was gleich passieren wird? Kannst du dir es Dir vorstellen?“, kam es lauernd von de Clerc. „Mmmmhhhh…“, machte Semir, der immer noch geknebelt war. De Clerc lachte laut auf. „Ja…, du hast Recht. Das gute Zeug ist viel zu schade für dich. Gut…, lassen wir es!“ Während er sprach, stieg er die Leiter hinab und blieb mit kalt blitzenden Augen vor Semir stehen. „Es wird Zeit Sandra herzubestellen. Du wirst mit ihr sprechen und sie herbeordern, klar?“, forderte er drohend. Semir nickte langsam. De Clerc hob seine Hand und riss ihm das Klebeband mit einem brutalen Ruck vom Mund. Semir sog schmerzhaft die Luft durch die Nase, sagte aber nichts. De Clerc wählte eine Nummer, presste ihm anschließend das Handy ans Ohr und drohte: „Keinen falschen Ton, klar?“ Semir nickte und sagte im nächsten Moment, als er Sandras Stimme hörte: „Sandra! Ich bin’s!“ Schnell nahm de Clerc das Handy an sich, stieß Semirs Kopf brutal gegen die Fliesenwand und befahl: „Hör zu, Schätzchen… Du wirst jetzt genau das tun, was ich sage, sonst ist dein Freund hier erledigt. Hast du mich verstanden?“ Frederik de Clerc lauschte einen Augenblick in den Hörer. Dann erwiderte er: „Sehr gut…. Also du kommst zu mir. Allein! Dadurch wirst du unseren Freund hier auslösen und er kann heimfahren, klar?“ „Nein…, Sandra! Nicht…!“, schrie Semir plötzlich dazwischen und trat verzweifelt nach de Clerc. „Merdé!“, stieß dieser aus, als Semir ihn am Knie traf und er wegknickte. Abrupt beendete er das Gespräch...
Sandras Kopf flog erschrocken zu Tom und David herum, als das Gespräch jäh abbrach. David berührte sie behutsam am Arm. „Was ist los…? Wo ist der Treffpunkt?“, wollte er wissen. „Ich weiß es nicht… Er wollte es mir gerade sagen, als Semir auf einmal etwas schrie. Dann war das Gespräch plötzlich weg“, erklärte Sandra. Doch schon klingelte das Handy erneut. „Ja?“ hauchte sie ängstlich. „Entschuldige, mein Kind… Ich hatte eine kleine Empfangsstörung...“, hörte sie de Clercs Stimme, in der deutlich unterdrückte Wut mitschwang. „Was ist mit Semir?“, wollte Sandra besorgt wissen. „Dem geht es gut“, wimmelte er sie harsch ab, dann nahm seine Stimme einen geschäftigen Tonfall an: „Also, du kommst in vier Stunden zum Eingang des Schokoladenmuseums. Dort wirst du abgeholt.“ De Clerc machte eine kurze Pause und fügte süffisant hinzu: „Keine Sorge, meine Süße. Dir passiert nichts.“ Sandra wusste nur zu gut, dass er log! „Kann ich noch einmal mit Semir sprechen?“, fragte sie leise. „Nein…, besser nicht. Also, in vier Stunden... Und mach keinen Fehler!“, warnte er sie. „Bitte…, wann darf Semir gehen?“, wollte sie wissen. „Wenn wir in Sicherheit sind, erfahrt ihr, wo er ist. So lange wird er sich in seinem Versteck allein sein“, gab de Clerc bekannt und legte auf. Sandra nahm das Handy runter. „Ich habe Angst… Da stimmt was nicht“, flüsterte sie leise und fuhr mit bebender Stimme fort: „Ich habe Angst, dass er Semir etwas angetan hat. Ich durfte nicht mit ihm sprechen.“ Ein Zittern durchlief ihren Körper, als sie sich vorstellte, was de Clerc mit Semir angestellt haben könnte.