Semir schien nicht wirklich zu begreifen, was da eben von sich ging. Er war wie von Sinnen und wehrte sich gegen die Männer, die ihn davon abhielten, zu Tom zu kommen. „Lasst mich doch!!“ schrie er heiser. Langsam wurde er müde und nur wenig später stand er nur noch da und flehte weinend darum zu Tom zu kommen. Der Arzt zog eine Spritze auf und kam zu ihm. „Herr Gerkhan…Herr Kranich wird ins Krankenhaus gebracht… hören Sie mich?“ versuchte er zu Semir durchzudringen. „Bitte.. .lasst mich doch….“ weinte Semir dagegen. Er nahm den Arzt gar nicht wahr. „Okay… er ist völlig fertig. Haltet ihn fest, ich gebe ihm ein Beruhigungsmittel und dann kann er auch in den RTW. Seine Wunden müssen behandelt werden.“ befahl er den umherstehenden und festhaltenden Männern. Er ließ die Nadel in Semirs Vene gleiten und das Medikament floss in seinen Körper. „Ihr könnt ihn gleich zum RTW bringen. Irgendwie scheint er ganz schön Kraft zu haben. ….manchmal kann das ein Problem sein….“ dachte er laut nach und wies die Männer an, Semir wegzubringen. Er packte seine Tasche zusammen und ging hinterher. Sofort als er auf der Straße war kamen zwei Frauen auf ihn zu. „DOC!! Wo sind sie? Wie geht es ihnen?!“ fragte eine der Frauen. Der Arzt sah sie prüfend an. „Sind Sie Angehörige?“ wollte er sofort wissen. „Ich bin die Dienstvorgesetzte der Herren, Wo sind sie?“ wiederholte die Frau. „Dr. Schlingel…. Herr Kranich ist schwer verletzt. Drei Kugeln stecken in ihm und er wird bereits ins Krankenhaus gebracht. Herr Gerkhan scheint nur oberflächliche Verletzungen zu haben. Einen Nervenzusammenbruch und er ist da hinten im RTW. Aber Sie brauchen gar nicht hingehen. Die Fahrt geht umgehend ebenfalls ins Marien….“ gab der Arzt bekannt und fuhr mit dem Notarztwagen los.
Anna sah Andrea entsetzt an, hetzte mit ihr zu ihrem Wagen. Der Einsatzbeamte des SEKs hatte sie bereits vorher informiert, das man drei Mann erschossen hatte, weil die Gegenwehr zu heftig war. Anna nahm diese Meldung zufrieden auf. Wenn Schwarz, Völker und auch Weißberger tot waren, dann wurde die Welt um einiges friedlicher und gab ihren Männern die Gelegenheit die Verletzungen auszukurieren. Andrea ließ sich völlig geschockt auf den Beifahrersitz sinken. „Bitte lass Tom leben… lieber Gott…“ stieß sie ein Blitzgebet aus. Anna nickte nur. Sie musste sich auf den Verkehr konzentrieren und genau wie für Andrea dauerte die Zeit, bis sie im Krankenhaus ankamen viel zu lang. Doch auch diese Fahrt war bald zu Ende. Sie fragten sich durch bis sie zu der entsprechenden Station gelotst wurden. Dort begann nun die Zeit des Wartens. Die beiden Frauen saßen zunächst Hände knetend auf den Stühlen vor dem Untersuchungsraum. Dann standen sie auf und liefen den Gang auf und ab. Immer wieder ging der Blick zur Uhr, die über der Tür hing. Irgendwie schien sie stehen geblieben zu sein, so kam es ihnen jeweils vor. Sie wussten, dass Tom im OP lag. Von Semir wussten sie nichts. „Was wenn Tom… das wäre für Semir zu viel. Und auch für mich…. Tom darf nicht sterben..“ kam leise von Andrea. Anna sah sie an und nahm sie mütterlich in den Arm. „Sie werden es beide schaffen…“ versprach sie und hoffte sehr, dass sie damit Recht bekam. Endlich ging die Tür auf und das erste Bett wurde hinausgeschoben. „Semir!“ stieß Andrea aus und rannte direkt zum Bett.