Beiträge von Elvira

    Es ist jetzt erst einmal eine Pause. Ab der nächsten Woche läuft Lasko, eine neue Serie bei RTL mit 7 Folgen. Was danach kommt ist noch nicht klar.

    Sicher ist aber, dass im Herbst eine neue Staffel von Alarm für Cobra 11 gezeigt wird. Immer wieder vorbei schauen ist angesagt... es kann immer sein, dass nach Lasko Wiederholungen von Cobra gezeigt werden. Einfach abwarten.

    LG

    Anna sah Semir nach. Sie schüttelte den Kopf. „Nächste Woche Semir!“ rief sie ihm noch nach. Dafür würde er nächste Woche aber mit Sicherheit umso länger arbeiten…, dachte sie noch und musste doch lächeln. Anna Engelhardt, wie sie sich da saß, konnte ja nicht ahnen, dass bereits Semirs erster Arbeitstag wieder zu einer Vollsperrung auf der Autobahn führen würde, verbunden mit viel Stress und Arbeit. Vielleicht war es gut, dass sie eben diesen Fakt aus der Zukunft nicht wusste, denn sonst hätte sie Semir vermutlich noch eine Woche drangehängt. Ja, in nicht all zu langer Zeit würde er – hoffentlich mit Chris an seiner Seite – wieder über die Autobahn rasen, andere Raser stoppen, Verbrecher einkassieren und einfach wieder seinen Spaß haben, so, wie es sich für einen Beamten der Kripo Autobahn gehörte. Sie ließ den Kopf nach hinten fallen und schloss die Augen. Ein tiefes Stöhnen kam aus ihrem Mund. Wieso konnte der Mann nicht einfach einsehen, dass er auch Erholung brauchte. Sie würde es sicher schon noch ein paar Tage schaffen ohne ihn zurecht zu kommen. Okay... Bonrath und Herzberger verursachten eine Katastrophe nach der Anderen, aber es ging. Susanne hielt ihr etwas Arbeit vom Hals und sie hatte fast dreißig Akten zuhause, die abgearbeitet werden mussten. Doch heute Abend wird sie mit Till essen gehen. Einen Abend nicht an Arbeit denken... wie schön das war. Und wer weiß was aus ihr und Till wird.

    Doch Semir war noch nicht weg. Er stand bei Susanne am Schreibtisch und sah sie irgendwie traurig an. „Was ist denn? Ist sie nicht damit einverstanden, dass du vorzeitig die Arbeit wieder aufnimmst?“ fragte Susanne und wies auf den Stuhl vor ihrem Tisch. Semir setzte sich. „Sie sagt ich soll mich entspannen und erholen... Das ist doch totaler Mist... Ich bin fit. Ich will arbeiten....“ begehrte er wieder auf. „Magst du einen Kaffee?“ kam von Susanne die verstand warum die Chefin so argumentierte und auch warum Semir so reagierte. „Ja gerne...“ erwiderte er und schon war Susanne in der Küche verschwunden. „Du solltest dankbar sein, dass du überhaupt ein paar Urlaubstage genießen kannst. Du hast doch so etwas Zeit für Andrea und Aida. Die Beiden brauchen dich gerade jetzt.“ erklärte sie. Semir nickte. „Ja sicher... wenn sie da wären. Aber meine liebe Schwiegermutter hat sie mitgenommen. Die Beiden brauchen mal eine Pause von dem Alltag und von all dem was ich ihnen antue. Die denken gar nicht an mich...!“ maulte Semir. Susanne musste schmunzeln. „Oh.... warum bist du denn nicht mitgefahren?“ wollte sie wissen. „Ich soll mich erholen und nicht fertig machen...“ grinste Semir. Susanne nickte. „Ich verstehen und bei deinen Schwiegereltern ist Erholung nicht angesagt, was?“ lachte sie leise. Semir nickte. „Ja da hast du Recht. Aber die Chefin sieht ziemlich fertig aus.“ meinte er plötzlich. Susanne ahnte was er vorhatte. „Ja.... sie hat zwar etwas Stress aber das hält sich in Grenzen. Die ganzen letzten Tage war ziemlich viel los. Aber heute ist es zum Glück sehr ruhig.“ Bestätigte Susanne. „Also ich habe ihr vorgeschlagen wenigstens etwas Schreibkram zu machen. Aber sie hat abgelehnt. Ich langweile mich zu Tode und sie erstickt in Arbeit.“ fing er wieder an und trank den Kaffee. Dann erhob er sich und sah noch einmal zu der Tür von Annas Büro. „Tja, wie es aussieht werde ich dann wohl nach Hause fahren müssen.“, er setzte einen Dackelblick auf, „Rufst du mich an, falls etwas passiert?“, er lächelte und hoffte, Susanne überzeugen zu können. Er wollte nicht untätig zuhause sitzen und nichts tun.

    Susanne sah Semir nach, als er die PAST verließ. Hatte sie was Falsches gesagt? Er schien so traurig. War er wirklich so wild auf die Arbeit? Warum hatte er nicht schon vorher gesagt, dass Andrea und Aida überhaupt nicht da waren. Sie wusste ja, dass er mit den Schwiegereltern ziemlich oft Probleme hatte, aber dass er deshalb in die Arbeit flüchtet? Sie nahm die nächste Akte und las den kurzen Bericht. Ziemlich flüchtig geschrieben, dachte sie und sah auf die Unterschrift. „Semir Gerkhan“. Ein leichtes Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht. Typisch, dachte sie nur und legte die Akte ebenfalls beiseite. Die nächste Akte enthielt einen Bericht, der sehr ausführlich, ja fast schon akribisch genau geschrieben wurde. Sie sah auch hier auf die Unterschrift. „Chris Ritter“. Ja, dachte sie… das war das Gegenteil von dem was Semir war. Sie bemerkte wie ihre Gedanken zu Chris sprangen und sie ihn zu analysieren versuchte. Chris war genau das Gegenteil. Er war …ja wie war er eigentlich? Susanne versuchte einen Vergleich zu finden, aber sie fand nichts womit sie ihn vergleichen konnte. Sie fand gar nichts. Einerseits war Chris sehr interessant. Er war stets freundlich zu ihr, aber auch geheimnisvoll. Er war nicht so gefühlvoll wie Semir, aber er hatte das gewisse Etwas. Susanne versuchte sich auf die Arbeit zu konzentrieren und legte die Akte schnell beiseite.

    Stress – ein Wort, das sehr gut all das zusammenfasste, was Anna Engelhardts Gemütslage momentan vollständig einnahm. Und alles nur, weil irgendwelche Verrückten nichts anderes zu tun hatten, als einen Teil ihrer Autobahn als Bombenstützpunkt zu verwenden und Familienmitglieder ihrer Mitarbeiter zu entführen. Liebend gerne hätte sie jeden einzelnen dieser Typen bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, immerhin lastete jetzt die gesamte Arbeit auf ihren und nicht auf deren Schultern. Warum war sie in ihren jungen Jahren auch so naiv gewesen und hatte sich auf eine große Karriere versteifen müssen? Wäre sie nur eine einfache Polizeibeamtin geworden, hätte sie mit alledem jetzt nichts mehr am Hut, sondern wäre stattdessen in irgendeinem Auto in Köln oder einer anderen Stadt unterwegs, um dort Betrunkene aufzugabeln oder Raser abzukassieren. Ja, derartige Gedanken gingen Anna immer dann durch den Kopf, wenn sie, egal wo sie hinging, von ihrer Arbeit verfolgt wurde und nicht eine Sekunde die Möglichkeit hatte, ihren Geist abzuschalten und sich einfach nur zu erholen. Seit nun schon 2 Tagen war die Autobahnchefin gar nicht mehr in der Lage, den ganzen Papierkram nur in ihrem Büro zu erledigen. Jeden Abend verließ sie die PAST mit duzenden von Unterlagen, um diese bei einer Nachtschicht zu erledigen, um am nächsten Morgen dann ihren Schreibtisch wieder mit neuen, nicht enden wollenden Akten vorzufinden.

    Der heutige Tag sollte jedoch zumindest am Morgen eine kleine „Abwechslung“ mit sich bringen, denn statt wie sonst gleich zur Autobahnpolizei zu fahren, konnte sie sich heute mit einer Konferenz begnügen. Und als ob dieser Fakt nicht schon schlimm genug gewesen wäre, musste sie auch noch mit Problemen konfrontiert werden, die während der Bauarbeiten entstanden sind. Genervtheit über dieses Thema war gar kein Ausdruck, als sie darüber informiert wurde. Musste sie denn alles alleine machen? Wozu hatten sie die besten Firmen der Kölner Umgebung engagiert? Deren Aufgabe war es, derartige Probleme selbstständig zu lösen und nicht ihre! Und am Ende musste Anna sogar feststellen, dass sie völlig umsonst ihre Zeit mit einer solchen Konferenz verschwendet hatte. Denn wie sich herausstellte, hatten die schlauen Köpfe der Baufirmen bereits einen Plan entwickelt, die Probleme zu beseitigen. „Wir kümmern uns darum.“ Mit diesen Worten wurde sie verabschiedet, liebend gerne hätte sie laut aufgelacht. Es wäre wirklich ein Wunder gewesen, wenn sie ihre Versprechungen auch einmal in die Tat umgesetzt hätten. Mit einem Becher Kaffee hatte sie auch noch den sinnlos erscheinenden Versuch angestellt, sich wieder zu beruhigen und zu Beginn hatte es tatsächlich Früchte getragen. Wenige Minuten. Denn als sie schließlich einem Umleitungsschild begegnete, welches die Autofahrer von dem zerstörten Autobahnabschnitt wegführte und sie hinter diesem auch noch einen Bauarbeiter sah, der genüsslich ein Brötchen aß, statt zu arbeiten, wäre sie am liebsten in die Luft gegangen. Da war es doch kein Wunder, dass die Reparaturen so schleppend vorangingen. Nur mit Mühe widerstand sie dem Drang, ihr Auto abzustellen und dem Mann den Kopf zu waschen.

    Semir sah Anna erwartend an. „Semir.... der Urlaub soll doch auch Ihnen helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Warum weigern Sie sich denn dagegen? Sie brauchen auch mal eine Auszeit...“ versuchte sie ihn zu überreden. „Aber Chefin... ich gehe ein. Ich brauche meine Arbeit.“ begehrte Semir auf. Anna stand auf und ging zum Fenster. Sie sah hinaus. „Was ist mit Ihrem Arm? Ist der schon wieder verheilt? Ich denke nicht. Semir... wir kommen hier sehr gut ohne Sie zurecht. Gönnen Sie sich bitte die paar Tage. Gehen Sie schwimmen, schlafen Sie aus, machen Sie irgendwas, aber bitte nicht arbeiten. Ich brauche Sie ausgeruht und nicht ausgelaugt... bitte Semir... fahren Sie nach Hause und erholen Sie sich...“ kam von Anna und Semir merkte sehr wohl, dass sie es verdammt ernst meinte. „Chefin es ist ja auch nicht so, dass ich ... arbeiten will. Ich dachte mir schau doch mal vorbei und vielleicht kann ich helfen. Ich will Sie doch nur unterstützen. Wie laufen denn die Wiederaufbauten der Autobahn? Ich meine.... Sie sehen auch so aus, als ob Sie die letzte Zeit viel zu wenig geschlafen haben... und nun ja... ich wollte einfach nur meine Hilfe anbieten. Gibt es denn viel Stau wegen der ganzen Sache oder läuft der Umgehungsverkehr gut?“ fragte er nach. Er sah Anna an. Es war recht warm im Büro und er trug seine dicke Jacke noch. Er öffnete sie und wollte sie sich gerade ausziehen, als Anna ihn ansah.

    „Lassen Sie sie an. Sie fahren jetzt wieder nach Hause. Wir kommen ohne Sie zurecht und Sie werden sich diese eine Woche gönnen. Ich will Sie vor Montag nicht wieder sehen. Sollten Sie vorher noch einmal einen Schritt hier hin machen, werde ich Sie einsperren und unter Hausarrest stellen, ist das nun angekommen? Ende der Diskussion!“ kam erbost von ihr. Semir duckte sich leicht. „Aber Chefin....“ fing er erneut an. Anna sah ihn an. „Semir... Sie sollen Ihre Verletzung auskurieren. Wir kommen im Augenblick zu Recht. Die Arbeiten laufen zwar schleppend aber sie laufen. Machen Sie sich ein paar schöne Tage. Und kommen Sie mir nicht mit der Ausrede, dass Sie ja nur ein paar Akten bearbeiten wollen. Die Antwort ist N E I N. Es gibt keine Akten die Sie bearbeiten können und es gibt auch keine neuen Fälle die nicht ohne Sie gelöst werden. Und nun ab!“ befahl Anna. Semir erhob sich und ging zur Tür. Doch bevor er sie öffnete drehte er sich erneut zu Anna um. Diese hob die Hand und wies auf den Ausgang. „Gehen Sie und kurieren Sie die Verletzung aus. Nächste Woche dürfen Sie noch einmal anfragen, ob Sie über die Autobahn rasen und Verbrecher jagen können!“ sagte sie und ihre Stimme ließ keinen Widerspruch zu. Semir nickte und verschwand.

    Den Rest des Tages verbrachten die Familien jeweils bei sich zuhause. Semir hatte es sich gemütlich gemacht und hielt Aida im Arm. Die Kleine schien sich tatsächlich eine Erkältung zugezogen zu haben. Irgendwie gefiel es ihm, so kuschelnd mit seiner Tochter auf dem Sofa zu liegen und sie einfach nur zu betrachten. Außerdem fand er es nun gar nicht mehr so schlimm eine Woche zuhause zu bleiben. Er empfand es sogar als grandiose Idee von Anna Engelhardt. Beim betrachten seiner schlafenden Tochter wurde auch er müde. Andrea war gerade einkaufen und er erwartete sie in einer halben Stunde zurück. Dann wollten die Drei etwas in den Garten gehen sofern das Wetter so blieb, wie es war. Semir schloss die Augen und schlief tatsächlich ein. Doch die Ruhe dauerte nicht lang und es klingelte. Bei dem Geräusch zuckte Aida zusammen und fing an zu quengeln. Semir beruhigte sie und ging mit schlurfenden Schritten zur Tür. Er schwor sich, die Person die es wagte ihn zu stören ein paar Takte zu sagen, doch als er sah wer vor der Tür stand, blieben die Worte unausgesprochen. Margot... seine Schwiegermutter stand vor der Tür. Familie Schäfer wusste natürlich längst was passiert war und Margot meinte es wäre eine sehr gute Idee, wenn sie Andrea unterstützt damit sie sich etwas erholen konnte. Sie schien nicht daran zu denken, dass auch Semir Erholung brauchte und beschloss für die nächsten zwei Tage bei Familie Gerkhan einzuziehen.

    Semir hielt sich für einen sehr geduldigen Mann, allerdings gelang es ihm immer schwerer die Einmischungen seiner Schwiegermutter in allen Lebenslagen zu dulden. Die nächsten zwei Tage gingen für Semir nicht schnell genug vorbei. Er sehnte sich regelrecht nach seinem Büro und die Abgeschiedenheit dort. Doch als wäre es nicht genug der Quälerei, schlug Margot vor das Andrea und Aida es sicher gut täte, wenn sie etwas Abstand von dem ganzen nehmen würde. Semir war überhaupt nicht begeistert. Wollte er doch die Woche mit seiner Familie zusammen sein, aber er wollte auf gar keinen Fall mit in die Eifel wo Hans-Hubert auf ihn wartete. Doch noch schlimmer war die Vorstellung dass Margot eine ganze Woche bleiben würde, so stimmte er schweren Herzens zu. Andrea und Aida täte es sicher gut, etwas ländliche Luft zu atmen. Vor allem Aida, die schwer Luft bekam. So blieb ihm nichts anderes übrig, als den Dreien hinterher zu winken und den Rest des zweiten Tages allein zu verbringen. Er schwor sich morgen in die PAST zu fahren und seinen Urlaub zu beenden. Seine Versuche Chris zu erreichen, scheiterten allesamt. „Tja... dann hast du vermutlich richtig Spaß...“ murmelte er zu sich selbst.

    Semir betrat am nächsten Morgen gegen zehn die PAST. Für seinen Geschmack war es eigentlich doch zu früh, aber er war froh wieder hier zu sein, denn so musste er nicht mit Margot auskommen oder darüber nachdenken, warum seine Schwiegermutter ihn schon wieder von seiner Familie trennte. Chris war nicht zu erreichen und seine Mailbox war vermutlich schon so voll, dass keine Nachricht mehr draufpasste. Zumindest kam nicht einmal diese Ansage mehr, als Semir ihn anrief. Aber er konnte ihn sehr gut verstehen. Die Differenzen zwischen ihm und Katrin mussten einfach geklärt werden. Semir hatte es da schon leichter. Andrea hatte schließlich jahrelang als Sekretärin der Kripo Autobahn gedient und sie wusste was dort alles los war. Tagtäglich gab es anstrengende Einsätze und oft ging es recht gefährlich zu. Sie verstand es, dass Semir nicht immer Zeit für seine kleine Familie hatte und akzeptierte es, dass er zum großen Teil eben auch für seinen Job lebte, ja geradezu mit ihm verheiratet war. Genau das war auch der Grund, warum Semir nun wieder hier war. Zwei Tage... das reichte an Urlaub. Außerdem war ja auch niemand zuhause mit dem er sich beschäftigen konnte. Wieder kamen die Erinnerungen an die letzten Tage.... die Entführung von den Kindern und Andrea. Seine Schusswunden am Oberarm noch recht frisch war. Die Erleichterung der Befreiung... alles war auch in Semirs Kopf vorhanden. Aber er wusste damit umzugehen. Er war schon so lange Polizist und hatte soviel Schlechtes erlebt. Er hatte gelernt solche Einflüsse möglichst schnell abzuwehren bzw. gar nicht an sich heran zu lassen. Schlimmer noch war es, wenn man persönlich so wie hier davon betroffen war. Doch nun konzentrierte Semir sich auf das, was vor ihm lag. Polizeiberichte, Akten... vielleicht neue Fälle... alles würde sich zeigen, doch zunächst wurde er von seinen Kollegen begrüßt, die ihn sofort nach der Familie fragten. Lächelnd bahnte er sich den Weg durch die Kollegen, von denen einer sich nicht verkneifen konnte ihm auf die Schulter zu klopfen. Ausgerechnet auf der Seite wo der Oberarm verletzt war. Semir verzog etwas das Gesicht. Die Wunde war ja auch noch frisch. „Ja...Ja... danke..“ kam leise von ihm und er ging zu Susanne an den Schreibtisch. Er sah sie freundlich an. „Hallo Susanne... schön dich zu sehen. Hast du was für mich?“ fragte er und sah sich um. „Hallo Semir... was machst du denn hier? Du hast doch Urlaub.“ kam von der Sekretärin erstaunt.

    Semir lächelte. „Ich weiß.... aber du kennst mich doch. Ich kann nicht ohne Arbeit sein. Also was ist... hast du was?“ wiederholte er seine Frage. „Nein... es ist alles ruhig.“ gab sie zurück und ging ans Telefon. „Ja... ?“ fragte Susanne. Semir sah, dass die Chefin am anderen Ende war. Susanne legte auf. „Du sollst zu ihr kommen.“ sagte sie und Semir rollte die Augen. Semir ging zur Tür zum Büro von Anna und atmete tief ein. Er ahnte schon was nun kommt. Also gut, sagte er sich, da musst du jetzt durch. Nur richtig argumentieren und der Drops ist gelutscht, gingen seine Gedanken weiter. Er klopfte an und betrat das Büro von Anna Engelhardt. „Hallo Chefin...“ begrüßte er seine Vorgesetzte, die ihn ernst ansah. „Was zum Teufel tun Sie hier, Semir?“ fragte sie direkt. „Nun ja... ich wollte... also ich dachte... ich meine...“ fing Semir an zu stottern. Er verfluchte sich selbst dafür, aber als er den Blick von Anna bemerkte ahnte er schon, dass nun ein Donnerwetter folgte. „Sie haben Urlaub! Ich sagte eine Woche und die ist noch nicht vorbei!“ gab sie etwas freundlicher zurück. „Ich weiß, aber... ich dachte...“ fing Semir erneut an und suchte nach den richtigen Worten. „Nein... Sie werden direkt wieder heimfahren und sich um Andrea und Aida kümmern.“ befahl Anna. „Chefin... die beiden sind nicht zuhause... ich bin allein und... Sie wissen doch wie ich bin... ich will arbeiten...“ erklärte Semir seinen Standpunkt. Anna atmete tief ein und schloss für einen Augenblick die Augen. Sie ließ die letzten zwei Tage Revue passieren. Was war das für ein Stress....

    Semir und Chris gingen über den langen Gang und blieben kurz vor der Tür stehen und sahen sich an. Sie holten tief Luft und dann klopfte er an. „Ja?“ hörten sie von draußen. Sie traten ein und Chris bemerkte mit Schrecken, das Katrin nicht in ihrem Bett lag. Andrea bemerkte es natürlich sofort. „Sie ist im Bad.“ sagte sie leise. Semir begrüßte seine Frau mit einem dicken Kuss. Aida schlief direkt neben ihr im Bettchen. „Ist sie okay?“ fragte Semir sofort und sah besorgt auf seine Tochter. Andrea nickte. „Sie ist nur sehr müde. Die Strapazen waren einfach zu viel für so ein kleines Wesen.“ erklärte sie und streichelte ihrer Tochter über den Kopf. „Der Arzt vermutet, dass sie sich eine Erkältung zugezogen hat. Habt ihr den Mistkerl?“ wollte sie wissen. Semir sah zu Chris und dieser nickte. „Ja… wir haben ihn. Er ist tot.“ gab Semir leise zu. In seiner Stimme lag allerdings auch etwas Zufriedenheit. Andrea schloss die Augen. „Das ist gut…“ sagte sie nur. Die ganze Zeit schon hielt Semir ihre Hand. „Ich wüsste nicht, was ich getan hätte, wenn ich euch beide….ich meine wenn ….“ seine Stimme erstickte. Andrea zog ihn an sich heran. „Hey… schon gut… ich lebe noch und Aida auch… Wir sind nicht tot…“ sprach sie auf ihn ein und hielt ihn einfach nur fest. Plötzlich musste sie laut lachen. „Warum bist du eigentlich nicht arbeiten?“ wollte sie wissen. „Zwangsurlaub…“ sagte er nur kurz und knapp. Andrea nickte wissend. „Weißt du denn schon wann ihr wieder nach Hause dürft?“ wollte er wissen. „Ja… heute… wir können nach der Visite fahren.“ gab Andrea bekannt und streichelte sein Gesicht. Sie wusste genau, wie er sich gefühlt haben musste… hilflos in einer Situation wo das Leben von ihr und den Kindern auf dem Spiel stand. Er als Spielball von Gangstern. Ständig die Drohung vor den Augen, dass ihr oder Aida oder auch Katrin etwas angetan wird. „Hey… alles okay?“ rief Semir sie aus den Gedanken. Andrea nickte.. .“Ja… alles okay..“

    Chris fühlte sich völlig verloren und irgendwie sogar überflüssig. Doch dann hörte er das Geräusch einer sich öffnenden Tür und er drehte sich um Katrin kam ins Zimmer und sah ihn. „PAPS!!“ rief sie freudig und sprang Chris in die Arme. “Hey... alles klar bei dir?” fragte er und sah sie besorgt an. „Ja sicher… man das war vielleicht ne Sache…“ stieß Katrin aus. Chris nickte nur. Er spürte wieder wie ihm die Tränen in die Augen schossen. Er nickte und schluckte einmal kurz. „Ja…. Ähm … wie geht es dir?“ stellte er die nächste Frage. „Danke… mir geht es gut. Ich finde es nur nicht so schön hier zu sein. Ich würde heute lieber mit dir den Tag verbringen, aber ich denke mal, dass du gleich wieder arbeiten musst. So wie immer…“ kam traurig von ihr. Chris schüttelte den Kopf. „Nein… ich habe eine ganze Woche für dich. Nur du und ich…“ erklärte er leise und zog ein neues Handy aus der Tasche. Er gab es seiner Tochter und die sah ihn mit strahlenden Augen an. „WHOW!!! Was für ein geiles Handy!!!“ freute sie sich. „Eine ganze Woche? Nur du und ich? Ganz allein?“ fragte sie erstaunt nach. Chris nickte. „Ja aber nur wenn du es willst. Ich meine vielleicht willst du ja auch… also zu Mama…oder so…?“ kam etwas zweifelnd von Chris. Katrin schüttelte den Kopf. „Nein… aber du musst es ihr sagen…“ gab sie zu verstehen. „Ich habe ihr eine SMS geschickt.“ erwiderte Chris worauf ein schallendes Gelächter von Katrin folgte. „Du bist ganz schön feige. Aber hast Recht… es reicht aus. Außerdem ist Mama eh mit dem Kleinen beschäftigt.“ grinste Katrin. Sie freute sich endlich mit ihrem Vater etwas zu unternehmen.


    FEEDS????

    Kaum wahrnehmbar schüttelte Anna ihren Kopf. Wie kam sie um alles in der Welt auf derartige Gedanken? Das war absolut nicht ihre Art und mit über 50 würde sie auch gar nicht mehr damit anfangen, das zumindest glaubte sie noch jetzt. „Ich weiß nun übrigens, wie Sie sich revanchieren können“, sprach die Chefin in die Stille hinein und unterbrach so zum Glück auch ihre eigenen Überlegungen. „Sie können mich mal zum Essen einladen.“ Sie fand den Vorschlag durchaus human, immerhin wollte sie ihn wegen eines solchen kleinen Unfalls nicht weiter leiden lassen. Es reichte ja schon, dass er die mit Sicherheit hohen Kosten der Reparatur auf seine Schultern lud. So fuhren sie zum Lieblingscafé von Anna und tranken Kaffee und andere Getränke. Gegen acht Uhr am Abend fuhren sie zur Wohnung von Till. Letztlich war die Fahrt viel zu schnell vorüber und sie parkte ihren Wagen vor dem Tor von Tills Wohnhaus, welches einen gewissen Reichtum erahnen ließ. „Ich gebe Ihnen am besten meine Karte“, erklärte sie mit entschlossener Stimme und griff nach der auf dem Rücksitz liegenden Handtasche, um aus ihrem Portemonnaie ein rechteckiges Papierstück herauszuholen. „Es steht sowohl meine Handynummer als auch meine Dienstnummer darauf. Dann bis demnächst...“, sprach sie weiter und lächelte Till erneut an. „Es hat mich wirklich gefreut, Sie kennen zu lernen.“ Es war ehrlich gemeint und auch wenn sie den Mann neben sich nicht kannte, hatte sie schon jetzt eine gewisse Sympathie für ihn entwickelt. Zufrieden grinste Till. Der Abend war perfekt gewesen! Fröhlich pfeifend ging er in Richtung Eingang und lief die Treppen zu seinem Penthouse hinauf.

    Semir wachte am nächsten Morgen erschrocken auf. Warum klingelte der Wecker denn nicht. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es bereits zehn war. Um elf wollte Chris ihn abholen und gemeinsam zum Krankenhaus fahren. Semir duschte schnell und ließ die Kaffeemaschine ihren Job machen. Chris war pünktlich. „Und? Gut geschlafen?“ fragte er Semir. Dieser nickte. „Ja… ging so… ich war mit meinen Gedanken nur bei Aida und Andrea. Am liebsten hätte ich dort eh übernachtet.“ Meinte er nur. „Mir ging es genauso. Ich freu mich schon auf eine Woche mit Katrin. Ich kann alles nachholen, was … nein… das ist nicht richtig. Ich kann gar nichts nachholen. Was gäbe ich da für, wenn ich mir früher die Zeit genommen hätte für sie und ihrem kleinen Bruder da zu sein. Doch jetzt…. Ist es zu spät…“ kam leise von Chris. Semir schüttelte den Kopf. „Es ist nie zu spät, Chris. Wenn du ab sofort für Katrin da bist, dann wirst du sehen, dass ihr eine sehr schöne Vater-Tochter-Beziehung aufbauen könnt. Es hat doch die letzte Zeit sehr gut geklappt. Du kannst die Uhr nicht zurück drehen, aber bleib nicht mit ihr stehen. Was hast du denn vor?“ versuchte Semir ihm die Gewissensbisse zu nehmen. Chris zog die Schultern hoch. „Ich weiß noch nicht genau… schauen wir mal. Erst einmal nach Hause und den heutigen Tag mit ihr verbringen und dann werde ich ihrer Mutter sagen, dass ich sie bei mir behalten möchte. Wenn sie sich keine Erkältung eingefangen hat, dann werde ich mit ihr wegfahren. Nur sie und ich…“ beschloss er. Semir nickte. „Na das klingt doch gut…“ gab er zufrieden von sich. Nur wenig später standen sie bereits im Krankenhaus.

    Hallo Sascha,

    ja es ist alles bekannt.... der Fanclub existiert ja schon ein paar Jahre. Bitte nutze die Suchfunktion bevor du Themen eröffnest... Danke

    ********************geschlossen**************************

    Till besah sich ebenfalls noch einmal den Schaden am Heck des Lexus. Wenn es hochkommt werden es knappe dreitausend Euro. So wie er es sah, brauchte der Wagen lediglich eine neue Stoßstange, die Kofferraumklappe müsste nur etwas ausgebeult werden, neue Farbe drauf, fertig. Doch sein Wagen... nun ja... der hatte ausgedient. Schade er fuhr eigentlich sehr gern den Boxter. Aber so hatte er wenigstens die Möglichkeit den Cayman S zu versuchen. Aber... er hatte ja genügend Geld. Da fielen ein paar hunderttausend nicht auf, dachte er und überlegte bereits welches Autohaus er mit seinem Besuch beglücken sollte. „Also, “ fing er schließlich an „um ehrlich zu sein, wenn es nach mir geht, dann würde ich den Schaden lieber aus eigener Tasche bezahlen. Ich habe es nicht so mit dem ganzen Papierkram. Wenn das also auch ein Möglichkeit wäre?“ Er sah erst den Polizisten und dann Anna fragen an. „Sie würde uns allen Arbeit ersparen“ fügte Till hinzu. „Außerdem würden wir dann hier schneller fertig werden, oder?“ Er sah gen Himmel. Seine Vermutung war richtig gewesen. Einige Regentropfen hatten sich schon auf seinen Kopf verirrt. „Ich kann nämlich wirklich nicht auch noch verantworten, dass die Dame wegen mir zu allem Überfluss noch nass wird!“ Wie um dem gesagten Nachdruck zu verleihen kam in dem Moment der bestellte Abschleppwagen an um den Porsche abzutransportieren. Und als ob es bestellt war, wurde der Regen stärker und hinterließ auf dem ausgedorrten Erdboden schnell einen nassen Fleck, ehe er wieder gänzlich in der Vergessenheit verschwand. Doch nicht lange darauf schüttete es wie aus Kübeln. Ein wahrer Wolkenbruch ging los.

    „In Ordnung“, richtete sich der ältere Polizist an Till und musterte ihn ebenso überrascht. „Ich muss zugeben, dass man derartige Vorschläge äußerst selten hört. Ich hoffe doch, Sie haben keine Geheimnisse.“ Der Polizist lachte über seine ausgesprochenen Worte und verschränkte seine Arme vor der Brust, während der Regen weiter an Intensität zunahm. Ein Lächeln glitt über Annas Lippen, als Till seine Sorge um sie offen äußerte und diese wieder über das was wäre wenn nachzudenken begann. Aus diesem Grund bemerkte sie auch nicht, dass sich der Abschleppwagen näherte und so das Ende des Gespräches ankündigte, was wohl nicht zuletzt an ihrer Position lag, denn sie hatte ihren Rücken der Straße zugewandt. „Gut, sollen wir Sie vielleicht nach Hause fahren?“, richtete sich der Kollege bei diesem Stichwort an Till, immerhin würde dieser mit Sicherheit nicht zu Fuß nach Hause gehen wollen. „Ich kann Sie auch mitnehmen“, schlug Anna mit einem Lächeln vor und war über ihre eigenen Worte erstaunt, schließlich lag es schon eine Weile zurück, dass sie einen Fremden in ihr Auto gelassen hatte. Und wenn, war es meist auch nur beruflich gewesen, um irgendwelche Verbrecher zur PAST zu bringen. Mittlerweile hatte sich zu dem Beginn des Regens auch noch mäßiger Wind dazugesellt und trieb somit die Tropfen immer weiter ins Gesicht. Langsam wurde es wirklich unangenehm, sich weiter draußen auszuhalten.

    Endlich rückte der ersehnte Feierabend, den sie eigentlich schon vor einer halben Stunden antreten wollte, in greifbare Nähe und konnte den versprochenen Kaffee in angenehmer Gesellschaft verbringen, dachte sie und stieß ein leises Stöhnen aus. Und danach.... sinnierter sie weiter, ging es erst einmal in die Badewanne, die mit heißem Wasser gefüllt und im Schaum würde sich versinken, den Rosenduft des Badezusatzes genießend würde sie sich völlig entspannen können. Vielleicht noch einen Rotwein genießen. Doch als sie so überlegte wie sie den Abend noch gestalten konnte fiel ihr Blick wieder auf die Akten in ihrem Auto. Nun ja... der Job eines Chefs war eben bei weitem nicht so entspannend, wie es vermutlich die Mehrheit der Menschen annahm und daher musste sie ab und an, wie auch heute Abend in den sauren Apfel beißen und eine Nachtschicht einlegen. Sobald der normale und manchmal demotivierende Alltag zurück gekehrt ist und der Tag von ihrer Chaostruppe und flüchtenden Drogendealern versüßt wird würde sie vermutlich drei Kreuze machen. Sie dachte daran, wie es ist, wenn sie sich wieder stundenlang mit den Polizeipräsidenten auseinandersetzen musste, weil Semir und Chris einen Dienstwagen geschrottet haben, oder auf einer anderen Weise die Staatskasse belasteten. Aber heute stand erst einmal die Erholung an und ein Kaffee in netter Begleitung.

    Till Schuster stand etwas verloren da und beobachtete wie sein Wagen aufgeladen wurde. „Tja... adios du mein Auto...“ murmelte er. „Oh mist...“ stöhnte er dann und die hübsche Polizistin sah ihn an. „Was denn?“ wollte sie wissen. „Ich habe gar nicht daran gedacht, dass ich gar keine Möglichkeit habe, nach Hause zu fahren..“ lächelte er verlegen. Die Polizistin nickte. „Da wüsste ich eine Möglichkeit... Wie wäre es, wenn ich Sie mitnehme? Wir wollten doch eh einen Kaffee trinken. Und anschließend kann ich Sie nach Hause fahren...“ schlug sie vor. Till war begeistert und schwang sich nach ihrer Einladung auf den Beifahrersitz. „Dann bitte in die Mönchsgasse 18“ lächelte er sie an. Anna nickte. „Tja... mein Taxameter ist derzeit defekt. Aber dafür ist wenigstens ein Essen drin...“ lachte sie zurück. Till war einverstanden. So einer Frau sollte man keinen Wunsch abschlagen, dachte er und malte sich bereits aus, wie es wohl im Bett laufen würde und was er noch alles anstellen musste, bis es so weit war. „Dann würde ich sagen, ich hole Sie morgen zeitig ab?“ fragte er. Anna nickte. „Direkt nach Feierabend? Wir könnten uns auf der Dienststelle treffen und gemeinsam fahren.“ Schlug sie vor. Und wieder stimmte er zu. Anna horchte den leisen Tönen aus dem Radio. Ob es ein Wink des Schicksals war, dass aus den Boxen momentan irgendein Liebeslied erklang?

    Till Schuster erwiderte das Lächeln. „und wenn? Was spricht denn dagegen?“ stellte er die Gegenfrage und legte den Kopf schief. „Nun ja.... ich weiß nicht...“ kam ehrlich von Anna zurück. „Wir sollten wenn der Unfall aufgenommen wurde vielleicht zusammen einen Kaffee trinken gehen. Ich meine auf den Schrecken hin...“ lächelte er sie weiterhin an. Anna schüttelte den Kopf. „Ich würde gern, aber ... ich muss noch arbeiten...“ entschuldigte sie sich. „Das ist sehr schade. Aber fünf Minuten? Nur fünf Minuten... meinen Sie nicht, Sie könnten diese von Ihrer wertvollen Zeit opfern?“ harkte er beharrlich nach. Anna lächelte. „Also gut... auf einen Kaffee mehr oder weniger kommt es nicht mehr an.“ stimmte sie zu. Endlich kam auch die Polizei zum Unfallort. Anna sah die Männer an und erkannte, ihr nicht ganz unbekannten Kollegen. „Guten Abend, Frau Engelhardt. Heute mal nicht mit Ritter und Gerkhan auf der Autobahn?“ begrüßte sie der Ältere der Beiden und einem leichten Lächeln während er seine Mütze aufsetzte. „nein... ich habe bereits Feierabend, Herr Schmidt. Und außerdem sind die Beiden im Urlaub.“ Erwiderte sie und tat einen Schritt zur Seite, damit die Herren sich neben sie stellen konnten. „Sie haben dem Kollegen Meier, der heute Funkdienst hat von einem Unfall berichtet. Wie ich sehe, ist es Ihr eigener Wagen.“ Stellte der jüngere der Polizisten fest. Anna nickte. „Ja leider... ich bin aus Kriminaloberrätin auch nicht davor gefeit.“ lachte sie leise. „was genau ist denn passiert?“ wollte der junge Polizist wissen. „Nun ja....“ fing Anna an und sah zu Till Schuster. „Ich bin Schuld.“ gab er zu. „Ich habe nicht aufgepasst und bin ihr aufgefahren.“ endete er und sah Anna an. „Wenn ich allerdings gedacht hätte einer solch hübschen Frau zu begegnen, dann denke ich sollte ich es öfter tun.“ Lachte er anschließend. Doch das brachte ihm einen warnenden Blick der Polizisten ein. „Besser nicht... nicht jeder ist so wie Polizeioberrätin Anna Engelhardt“ erwiderte Schmidt. „Polizeioberrätin?“ kam erstaunt von Till.

    Die Erstarrung die seinen Körper befiel, wich allerdings nach wenigen Sekunden einer unendlichen Belustigung. Das setzte dem Ganzen noch die Krone auf! Anna Engelhardt war ausgerechnet Polizistin! Der Profikiller und die Polizistin! Perfekter Stoff für einen Hollywood Blockbuster! Langsam fing Till an zu glauben, dass das Schicksal hier seine Finger im Spiel hatte. Als einer der uniformierten Beamten allerdings auf den Unfall zusprechen kam, wurde er sofort wieder ernst. „War ja auch eher als Scherz gedacht.“ entschuldigte er sich. Anna stimmte dem zu. „Ja und außerdem hat er die Absicht gehabt mit mir einen Kaffee zu trinken.“ Lachte sie nur. Die Polizisten sahen sie an. „Sie sind aber beide nicht verletzt oder?“ fragte der Ältere. Till und Anna verneinten. „Gut... dann würde ich sagen, Sie informieren die Versicherungen und dann regelt sich das ganze von allein. Der Wagen kann jetzt abgeschleppt werden.“ Der jüngere Polizist schrieb den Unfallbericht und übergab jeweils eine Durchschrift an Till und eine an Anna. „Glücklicherweise hält sich der Schaden bei Ihnen noch in Grenzen, Frau Engelhardt“, entgegnete der jüngere Polizist, als er das Nicken der Kriminalrätin wahrgenommen hatte und sah sich das Heck des Lexus an, so wie es bereits Anna nur Minuten zuvor getan hatte. Der ältere Polizist hatte bewusst beim Sprechen Till angesehen, schließlich hatte ja er den Schaden zu tragen. „Selbstverständlich“, erwiderte die Chefin mit freundlicher Stimme und lächelte beide Männer leicht an, in der Hoffnung, dass diese gesamte Situation endlich ein Ende finden würde.

    Nachdem ich bei Tom gestern mal aus Jux und Dollerei nachfragte wie es sich anfühlt, von echten Kollegen zu Boden geworfen worden zu sein, erzählte er mit, dass er froh sein kann, dass alles so glimpflich ausgegangen war. Denn er glaubte auch an einem Scherz der Komparsen und wollte seine Waffe ziehen, als die Echten auf ihn zielten. Er hat es zum Glück nicht getan.... Was hätte da nicht alles passieren können....

    Anna bedankte sich und klappte ihr Handy zu, ehe sie sich wieder den beiden Fahrzeugen und dem Halter des andren Wagens zuwendete. „Tja… dann werden wir jetzt mal auf die Polizei warten.“ lächelte sie etwas nervös. Sie versuchte den Mann einzuschätzen. Beruflich könnte er sehr wohl in der Sparte Banker oder Anwalt zu finden sein, oder aber Millionär von Beruf? Sie hörte dann seinen Vorschlag sich auch um ihren Wagen zu kümmern. Nett, dachte sie doch dann lehnte sie ab. „Danke… ist schon in Ordnung. Mein Wagen scheint nicht so viel wie Ihrer abgekommen zu haben. Ich werde ihn morgen selbst in die Werkstatt bringen. Bis dahin wird er mich sicher noch von A nach B bringen.“ erklärte sie. „Anna Engelhardt“ erwiderte sie schließlich auf die Vorstellung. „Sie scheinen den Unfall ja recht ruhig hinzunehmen. Jeder Andere wäre vermutlich innerlich explodiert, wenn er darüber nachdenkt, welche Kosten auf ihn zukommen.“ erklärte sie.

    Der Mann nickte nur zustimmen. Normalerweise hätte er selber nach so einem Unfall gelinde gesagt, schlecht Laune gehabt und überlegt den Unfallbeteiligten unauffällig um die Ecke zu bringen. Aber heute war es anders. Er war überrascht, aber es störte ihn nicht wirklich. „Sie haben Recht. Viele Menschen, vor allem die männliche Gattung geht an die Decke wenn dem Lieblingsspielzeug etwas passierte. Aber ich bin froh, dass niemandem körperlich etwas passiert ist, außer dass Sie vermutlich nun Kopfschmerzen haben... also von dem Aufprall...“ lächelte er. Sie nickte nur. „Und Sie sollten auf jeden Fall zum Arzt gehen, so ein Schleudertrauma kann unangenehme Folgen haben...“ hängte er an. „Sind Sie Arzt?“ fragte Anna Engelhardt erstaunt. „Stellen Sie sich vor, es hätte nicht Sie und Ihren Wagen, sondern plötzlich ein Kind auf der Straße gestanden?“ gab er zu bedenken, anstatt ihre Frage zu beantworten. Sie stimmte zu, das wäre sicher schlimmer gewesen. Der Tod eines Kindes lässt sich durch nichts bezahlen. Ihre Blicke trafen sich. Wenige Sekunden später sah er auf den Rhein und lächelte. „außerdem... hat der Unfall auch einen Vorteil. Ich bin Ihnen begegnet und kenne sogar Ihren Namen...“ erklärte er.

    Etliche Autos fuhren an der Unfallstelle vorbei und schauten neugierig was passiert war. Anna Engelhardt hatte diese Gaffer. Am liebsten hätte sie ihnen etwas hinterher gerufen um ihrem Ärger Luft zu machen. Doch leider hätte das auch nichts geändert. Es war ein typisches Verhalten der Menschen, sobald es eine Abwechslung im Alltag gab, oder sie von einem Unfall nicht selbst betroffen waren, wollten sie herausfinden, was geschehen ist und wie schlimm es überhaupt war. Gaffer, die daran schuld sind, wenn den Verletzten nicht geholfen werden kann, weil sie die Rettungswege blockieren. Weil sie nur zusahen, anstatt selbst Hand anzulegen. Doch am schlimmsten waren die Gaffer die auch noch Fotos von den Opfern machten, die blutend auf der Trage lagen oder wieder belebt wurden. Fotos mit denen sie dann prahlten. Es interessierte die Gaffer nicht, dass sie damit das Persönlichkeitsrecht mit Füßen traten, aber es waren die Menschen, die dann den Mund aufmachen, wenn sie selbst in einer solchen Situation waren. Gut... Anna wusste von diesen Menschen und hatte oft genug damit zu tun, dennoch konnte sie es nicht verstehen. Zum Glück war bei ihr nur Sachschaden entstanden der mit Geld ausgeglichen werden konnte. „Ja zum Glück...“ antwortete sie auf seine Bedenken und lächelte ihn leicht an. Der Schmerz in ihrem Nacken war schon fast wieder vergessen, denn das Gespräch begann sie langsam von dem eigentlichen Geschehen abzulenken. Ja, sie hatten beide im Grunde doch einen Schutzengel, dass nicht mehr geschehen war. Immerhin konnte in der heutigen Zeit so viel passieren, was man niemals für möglich gehalten hätte. Und der Ansicht schien auch ihr Unfallgegner zu sein, was sie ihm mehr als positiv anrechnete. „Es wäre wirklich schlimm wen es verletzte oder gar tote Kinder gab.“ stimmte sie zu. Jedes Mal zog sich ihr Magen zusammen, wenn sie derartige Nachrichten im Radio oder Fernsehen sah, oder in der Zeitung lesen musste, es bei ihrem Beruf sogar hautnah mitbekam, Semir und Chris darüber berichteten. Doch plötzlich veränderte sich der Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Herr Schuster... versuchen Sie mit mir zu flirten?“ fragte sie direkt. Dennoch war es ihr nicht unangenehm, im Gegenteil sie fühlte sich geschmeichelt.

    „Mir geht es gut, danke“, entgegnete sie nüchtern und machte sich eine gedankliche Notiz, nicht noch einmal eine solche Schwäche zu zeigen. Ihr Nacken schmerzte zwar leider weiterhin wie die Hölle und sie war in ihrem Inneren auch genauso aufgewühlt, wie noch Minuten zuvor, doch nun galt es, einen kühlen Kopf zu bewahren, um das Anstehende in die richtigen Bahnen zu lenken. Immerhin wollte sie sich von dem anderen Fahrer ver-sicherungstechnisch nicht linken lassen, also hieß es Professionalität walten zu lassen! Ein freudloses Lächeln glitt über ihre Lippen, so schnell konnte etwas passieren, wenn man in Gedanken war. Kein Wunder, dass man Handys beim Autofahren verbot, wenn schon derartige Kleinigkeiten einen Unfall herbeiführen konnten. „Sie brauchen keinen Krankenwagen zu rufen, mir geht es wirklich gut!“, versicherte sie noch einmal, dieses Mal mit mehr Nachdruck, und richtete sich demonstrativ ein wenig weiter auf, während sie ihre Arme vor der Brust verschränkte.

    Er mochte zwar ein Mann und genauso wütend wie sie sein, doch Anna Engelhardt hatte in ihrem Polizeidienst schon weitaus einschüchternder Personen erlebt, vor denen sie dennoch ihren Mann gestanden hatte. Emanzipation war das Stichwort, Frauen brauchten sich nicht alles gefallen zu lassen. „Ihnen ist doch bewusst, dass Sie für den Schaden aufzukommen haben?“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, immerhin war er ihr aufgefahren und nicht umgekehrt, also würde sie mit Sicherheit keinen Finger krumm machen. Zumindest war er zuvorkommend, musste sie sich selbst eingestehen. Jeder andere Mann hätte sie vermutlich genauso angefahren, wie sie es eben bei dem Fremden getan hatte. Immerhin gab es ja das allgemeine Klischee, das Frauen nicht Autofahren können. Sie holte kurz Luft und strich sich durch das schwarze Haar, während sie nun die folgenden Schritte überlegte. „Ich denke wir sollten erst einmal die Polizei rufen, um den Unfall zu melden.“ erklärte sie vernehmlich und machte sich in Gedanken schon darauf gefasst, das nun gleich zu hören, dass es doch nicht notwendig wäre und man den Schaden unter sich regeln lassen könnte…. Doch Anna hatte sich vorgenommen, dies auf gar keinen Fall durchgehen zu lassen. Sie nahm ihr Handy aus dem Wagen und rief die Kollegen der städtischen Wache an. Als sie erneut in ihrem Wagen sah und das Chaos auf der Rückbank in ihr Blick fiel, stöhnte sie leicht gequält auf.

    Till sah der Frau nach und schmunzelte. Vermutlich hatte sie damit gerechnet, dass ich mich gegen die Polizei wehre, aber warum sollte ich. Ich bin versichert und der Wagen ist in einem ordentlichen Zustand. Er zückte sein Portmonee aus der Tasche und lächelte sie an. „Es ist selbstverständlich, dass ich für jeglichen Schaden aufkomme.“ Sagte er bestimmt. „Es war schließlich meine Schuld und außerdem … habe ich damit Ihren Abend ruiniert… an. Sie rufen die Polizei und ich den Abschleppdienst…“ hängte er und fuhr sich charmant lächelnd durch die Haare. Dann fiel sein Blick auf den Porsche, dessen Schnauze ziemlich demoliert war und er dachte, dass der Wagen sicher morgen wieder flott ist, wenn das Trinkgeld stimmte. Doch eigentlich könnte er sich auch direkt einen neuen Wagen holen. Einen Boxter… ja er wollte sich morgen einen Boxter kaufen. Es dauerte knapp eine Minute, bis der Abtransport des Porsches geregelt war. Während dieses Telefonates hatte Till seine unfreiwillige Crash-Partnerin nicht aus den Augen gelassen. Offenbar ließ sie sich von Männern grundsätzlich nichts gefallen und vermied es ihnen gegenüber Schwäche zu zeigen. Innerlich musste er grinsen wie ein kleines Kind. Der Abend könnte doch noch einen guten Ausklang finden. Belustig stellte er fest, dass dies der teuerste Flirtversucht werden würden, den er bis jetzt unternommen hatte. Eine innere Stimme sagte ihm aber, dass es das auf jeden Fall wart sein würde denn eine Frau solchen Kalibers fand man nicht an jeder Straßenecke. Nachdem er aufgelegt hatte, fasste er sich sofort entschuldigend an den Kopf. „Wie unhöflich von mir. Soll ich Ihren Wagen aus sofort in eine Werkstatt bringen lassen? Ich komme natürlich auch für die Kosten eines Mietwagens auf, das heißt eigentlich meine Versicherung…“ lächelte er und hielt ihr seine rechte Hand hin. „Ich bin übrigens Till Schuster… der Crashpilot Ihres Vertrauens“ stellte er sich lachen vor.

    Es war für Anna sehr seltsam um es gelinde auszudrücken, dass der Unbekannte so überaus verständnisvoll war und nicht einmal den Versuch anstelle, zumindest ein wenig Schuld von sich abzuwälzen. Immerhin war es doch nur menschlich, nicht alles auf seine Schultern zu laden, aber der andere Autofahrer verhielt sich ganz und gar nicht so wie es wahrscheinlich jeder nicht nur erwartet sonder vor allem gewohnt war. Nicht zu letzt aus diesem Grund zogen sich ihre Augenbrauen leicht in die Höhe, während sie den dunkelhaarigen Mann betrachtete. Zweifel nagten in ihrem Inneren, denn sie konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, ob das alles ehrlich gemeint war oder ob hier ein guter Schauspieler am Werk war. Doch andererseits wollte sie sich auch nicht beschweren, denn einen schreienden Mann hätte sie heute Abend nicht mehr ertragen.

    Das Schicksal meinte es eben zum Abschluss des Tagens etwas besser mit ihr. „Gut…“ entgegnete sie nur kurz angebunden. Dieses Mal jedoch ein weniger freundlicher, als er ihr versicherte, für den Schaden aufzukommen. So etwas konnte man, wenn überhaupt nur noch bei einem Gentleman erwarten, was sie dazu veranlasste, ihm etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Ihr Blick bleib nur für einen kurzen Moment etwas länger an den blauen durchaus interessanten Augen ihres Gegenübers haften, ehe sie damit begann, die allzu vertraute Nummer der Polizei zu wählen, noch ehe er ihrem Vorschlag zugestimmt hatte. „Glauben Sie mir… das haben Sie nicht. Es war nur so komisch es auch klingen mag, ein krönender Abschluss.“ lächelte sie ihn an während sie telefonierte. Sie erwischte sich dabei, dass sie den Mann der sich als Till Schuster vorgestellt hatte häufiger ansah. „Polizeidienststelle Köln, Meier am Apparat!“ hörte sie ihren Gesprächspartner. „Engelhardt, guten Abend“, erwiderte sie seine Worte und führte ein kurzes Gespräch mit der Person am anderen Ende der Leitung, welches damit endete, das eine Streife vorbeikommen würde um die Aussagen und den Unfall aufzunehmen.

    Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit im Straßenverkehr und es konnte im nächsten Augenblick geschehen, was man niemals erwartet, ja gar überhaupt erahnt hätte. Während eines solchen kleinen Momentes vergaßen viele Autofahrer den Fakt, dass sie sich in einem belebten Verkehr befanden und auch wenn es vielleicht ruhig erschien, konnte man niemals voraussagen, ob in den nächsten Sekunden vielleicht ein Fußgänger, ein Kind über die Straße ging oder ein Auto aus der Seitenstraßen zu schnell ohne die Vorfahrt zu beachten herausschoss. Vorausschauendes Fahren und permanente Konzentration waren während einer Autofahrt wesentlich wichtiger als die Lautstärke des Radios oder der Sender, welcher mit einem Mal ein geschmackloses Lied ausstrahlte und man dem natürlichen Trieb nachbeben musste, einen Neuen zu wählen. Oft genug wurde man im Fernsehen oder überhaupt in den Medien darauf hingewiesen, wenn wegen einer solchen Unachtsamkeit ein schwerer Unfall geschehen war oder wenn neue Statistiken zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Und die Mehrheit der Bevölkerung ignorierte derartige Warnungen, da jeder in der Annahme lebte, einem selbst könnte so etwas niemals passieren, weil man mit genügend Achtsamkeit die tägliche Autofahrt meisterte. Bis es zu spät war. Dann plötzlich hatte man all die Warnungen im Gedächtnis und war nur noch in der Lage, sich über seine eigene Dummheit zu beklagen. Doch ändern tat dies natürlich nichts.

    Und genau diese Gedanken gingen Anna durch den Kopf als sie den starken Ruck merkte, der durch den Lexus ging und sie nur noch eins tat… Bremsen! Es geschah alles automatisch, als sei sie eine Maschine, die die eingegebenen Befehle befolgte, während ihr Kopf zu verarbeiten begann, wie so etwas passieren konnte. War es ihre Schuld gewesen? Hatte sie etwas übersehen? Letztlich stellte sie den Motor ab, doch aussteigen wollte sie im ersten Augenblick gar nicht. Sie war immer noch mit der gedanklichen Analyse des Warums beschäftigt und merkte so auch nicht das leichte Schleudertrauma und den Schmerz, den der Gurt bei dem Aufprall verursacht hatte. Gut… es war bei Weitem nicht ihr erster Unfall, doch es wäre eine Lüge zu behaupten, dass man sich an so etwas gewöhnen konnte. Zum einen rechnete man niemals damit und zum anderen hinterließ es immer wieder einen Schrecken gepaart mit Erleichterung, dass nichts Schlimmeres geschehen war. Und genau dieser Fakt veranlasste letztlich, dass sie den Gurt abschnallte und das Auto verließ, sich den Nacken reibend, aber dennoch gesund. Bis dato hatte sie nicht einmal gewusst, was genau vorgefallen war. Viel zu sehr war sie von dem starken Ruck erstaunt gewesen. Erst jetzt sah sie den stehenden Porsche mit Warnblinklicht und den Mann, welcher neben dem Gefährt stand.

    doch noch mehr erleichterte es sie, als sie feststellte, dass er und nicht sie Schuld an dem Unfall war. Ein kurzer prüfender Blick um festzustellen, ob es noch andere an diesem Unfall beteiligt gewesen waren und erst dann setzte sie sich in Bewegung um den Mann am Auto die Leviten zu lesen. „Haben Sie denn keine Augen im Kopf?“ fragte sie laut den Schuldigen und zog ihren schwarzen Blazer gerade. Sie selbst war erstaunt über die Wut, die mit ihren Worten rüber kam, wo sie doch eben noch sehr ruhig gewesen war. Scheinbar hatte sie den Schock überaus schnell überwunden und nun ging es in die emotionale Phase über, in der sie zwar klar denken konnte, aber trotzdem überreagierte. „Hier ist doch keine Autobahn, auf der man wie ein Irrer herumrasen kann!“ Sie blieb wenige Meter vor dem Unbekannten stehen und sah ihn wütend mit zornigen Augen an, während sie ihren schmerzenden Nacken rieb. Gott, als ob dieser ganze Tag heute nicht schon stressig genug gewesen wäre. Musste auch noch etwas Derartiges passieren? Das setzte einem wirklich die Krone auf.

    Till Schuster sah die Frau an, die ihn soeben beschimpfte. Er sah sich seinen Wagen an und dachte nur… Na toll… das dauert mindestens einen Tag bis das repariert ist. Ob ich mir gleich einen neuen kaufen sollte? Allerdings konnte er es nicht ganz von sich weisen. Er war natürlich schneller als erlaubt gefahren. Die üblichen 20 km/h, damit er keine Probleme bekam, wenn er erwischt wurde. Aber schließlich fuhr er doch einen schnellen Wagen. Er sah die Frau genauso wütend an, wie sie ihm. Wenige Sekunden später legte sie allerdings keck zur Seite und musterte sie. Normalerweise gaben die meisten Mädchen klein bei, wenn er sie böse ansah. Doch bei dieser dunkelhaarigen Frau schien es nicht zu funktionieren. Sie war überhaupt nicht beeindruckt. Sein Interesse war geweckt. „Verzeihen Sie… ich… es tut mir wirklich Leid. Ich war völlig in Gedanken. Haben Sie sich weh getan?“ fragte er und ging einen Schritt auf sie zu. Dabei musterte er ihr Gesicht. Ihre dunklen Augen funkelten ihn immer noch wütend an. Doch die Gesichtszüge wirkten eher weich und freundlich. „Es tut mir wirklich unendlich leid…“ schwor er und täuschte Besorgnis vor. „Soll ich einen Krankenwagen rufen?“ harkte er nach.

    Manchmal fragte sie sich wirklich, ob die ganzen hohen Tiere in ihren riesigen Büros saßen und dachten, dass sich alle anderen nur langweilen würden und man ihnen somit unbedingt mehr zu tun geben musste. Aber gut... ob sie sich nun aufregte oder nicht, ändert tat es nichts und so musste sie wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und die nächsten Wochen mit mehr Arbeit zubringen. Denn nicht nur die Tage fanden irgendwann ein jähes Ende, sondern auch jede noch so schlimme „Beschäftigung“ im Berufsleben. Mit diesem motivierenden Gedanken startete Anna Engelhardt ihren Lexus IS, schaltete ihr Abblendlicht ein und verließ mit fortschreitender Dämmerung den Parkplatz der Autobahnpolizei um sich auf den Weg in die Kölner Innenstadt zu machen und endlich ihren Feierabend zu beginnen. Es war ein Weg, der sich schon vor Jahren in ihr Gedächtnis eingebrannt hatte und den sie mittlerweile im Schlaf absolvieren konnte. Zunächst passierte sie wie schon Stunden zuvor den gesperrten Abschnitt der Autobahn und war erleichtert, dass sich zumindest nicht der Verkehr staute. Ein wirklich seltenes Bild, denn sonst waren die Autofahrer mit einer Änderung der Fahrstrecke generell überfordert. So konnte sie ohne große Hindernisse der Umleitung folgen und befand sich nur zehn Minuten später in Köln, dessen meisten Straßen sie wahrscheinlich wie ihre Westentasche kannte. Im Radio wurde gerade ihr Lieblinslied abgespielt – „When did your heart go missing“, als sie um die nächste Ecke bog und leicht tippte sie mit ihren Fingerkuppen auf das Lenkrad, während ihre Augen das Auto vor ihr musterten um einen gewissen Sicherheitsabstand einzuhalten.

    Es wirkte alles routiniert, so wie bei jedem Autofahrer, der schon jahrelange Praxis auf den Schultern hatte. Angst oder gar eine verkrampfte Sitzhaltung während einer solchen Fahrt hatte sie schon eine Ewigkeit nicht mehr, wenn überhaupt war es zu Beginn ihrer Probezeit gewesen. Auch die nächste Ampelkreuzung ließ sie wie gewohnt hinter sich und fuhr nun parallel zum Rheinufer, wo sich der aufgehende Mond zu spiegeln begann. An ruhigen Tagen hätte sie gerne einen solchen Anblick genossen und vielleicht sogar für wenige Momente gehalten, denn besonders auf diese Weise konnte man Berufsstress hinter sich lassen. Aber heute, ja heute Abend wollte Anna einfach nur noch nach Hause und sich wenigstens für 5 Minuten auf ihre Couch legen und die Seele baumeln lassen. Ruhe, nach etwas anderem sehnte sie sich gar nicht. Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als irgendein schrecklicher Rocksong laut und besonders schrill durch die Autoboxen hallte und der eintretenden Ruhe so einen Abbruch tat, sodass Anna mit einem Stirnrunzeln ihre Aufmerksamkeit für den Bruchteil einer Sekunde von der Fahrbahn abwandte und den Lautstärkeregler um ein Vielfaches in die leise Richtung drehte.

    Mittlerweile fuhr Till Schuster in seinem Porsche die Straße parallel zum Rheinufer entlang. Seine Laune war immer noch bestens. Aus den Boxen tönte der „Sound of Silenc“. Ausgelassen sang Till mit: „... when my eyes were stabbed by the flash of a neon light. That split the night … and touched the sound of silence... Kurz wandte er seinen Kopf zur Seite und besah sich den Mond, der voll und rund über dem Rhein schimmerte. Es war sehr selten der Fall, aber jetzt war er für ein paar Sekunden unachtsam. Zu spät bemerkte er, dass der vor ihm fahrende Lexus unmerklich, aber dennoch langsamer wurde. Till fluchte laut auf Italienisch und trat heftig auf die Bremse. Werder das Fluchen noch das Bremsen halfen ihm noch. Die Front seines Porsches stieß mit dem Heck des Lexus zusammen. Till fluchte noch heftiger, schaltete das Warnblinklicht ein und brachte sein Auto schließlich zum stehen. Seine Gute Laune war in den Keller gefallen und missmutige Falten hatten sich auf seiner Stirn gebildet. Er seufzte kurz und entstieg schließlich seinem Wagen. Das war es wohl mit dem netten Abend… dachte er nur.

    auch wenn es kaum noch Feeds gibt... ich setze mal noch was ein...

    Vermutlich hätte sich Mancher für sein jetziges Leben ein Bein ausgerissen, aber er empfand es schlicht und einfach langweilig. Gerne hätte er mit jemanden in einem stressigen Job getauscht. Jeden Morgen ein ausgiebiges, entspanntes Frühstück und anschließend ins Fitnessstudio oder, wenn das Wetter es erlaubte eine Runde Golfen mit den Freunden. Die Nachmittage verbrachte er meist in Cafés und betrieb hier und da Smalltalk mit flüchtigen Bekannten, oder aber er lief wie er es jetzt gerade tat. Hin und wieder fuhr er nach Bottrop um die dortige Indoor-Skihalle zu nutzen und seiner großen Leidenschaft neben dem Laufen nachzugehen. Abends zog er häufig durch die Szenebars in Köln und Umgebung. Meistens ging er von dort nicht allein nach Hause. Nein... das entsprach nicht seinen Vorstellungen von einem erfüllten Leben. ~Wie hieß die Frau noch gleich, mit der er die letzte Nacht verbracht hatte? Sabina, oder Sabrina? Nein, es war vermutlich doch Sabine gewesen…~ Till schnaubte. Es war unwichtig. Diese Frauen waren nett für eine Nacht, aber auf keinen Fall taugten sie für mehr. Es war schon lange her, dass er mehr als eine Nacht mit derselben Frau verbracht hatte. „Ein Jammer…“ dachte er laut. Es war nicht so, dass er sich nach einer Familie sehnte, ganz bestimmt nicht. Aber er schätzte die Möglichkeit sich mit einer gleichwertigen Partnerin unterhalten zu können. Jedenfalls über einen bestimmten Zeitraum. Till beschleunigte sein Tempo. Langsam wurde es Zeit sich nach neuen Aufgaben umzusehen. Er überlegte ob er gleich morgenfrüh Kontakt zu seinen Mittelsmännern in Italien und Russland aufnehmen sollte. Ja... sicher wäre es besser. Dann hätte das Lotterleben endlich mal wieder ein Ende. Zufrieden lächelte er. Heute Abend würde er das Leben allerdings noch einmal in vollen Zügen genießen. Und wer wusste schon, wem man begegnen würde? Till legte einen Schlusssprint ein und erreichte wenige Minuten später seinen silbergrauem Porsche. Zufrieden ließ er sich hinter das Steuer gleiten und startete den 350PS starken Motor.

    Irgendwann hat glücklicherweise jeder Tag ein Ende und das galt auch für Anna Engelhardts Dienst. Heute so schien es, war es noch anstrengender als die vergangenen beiden Tage verlaufen war, woran Semir nicht ganz unschuldig war. Die Chefin der Autobahnpolizei war noch lange nicht mit dem vielen Papierkram fertig geworden und hatte sich kurzerhand dazu entschlossen heute einmal früher die PAST zu verlassen und den Abend wesentlich gemütlicher als die letzen 2 Tage ausklingen zu lassen. Nun gut... dafür hatte sie nun auch einen bedeutend größeren Stapel an Akten auf dem Beifahrersitz liegen, aber das war es ihr wert. Noch ein oder zwei Nachtschichten in der Dienststelle mehr und sie würde wahrscheinlich gar nicht mehr in der Lage sein, auch nur an Konzentration zu denken. Und noch mehr Koffein im Blut wäre möglicherweise sogar gesundheitsschädigend, dachte sie zeitgleich mit ironischer Belustigung. Doch mit einer anderen Droge wäre Anna vermutlich gar nicht mehr in der Lage gewesen, die viele, demotivierende Arbeit zu überstehen, die tagtäglich den gleichen Inhalt hatte- die Bombenexplosion und die Entführungen. Und da es auch ihr Autobahnabschnitt gewesen war, den diese Irren aussuchen mussten, hatte sie die „ehrenvolle“ Aufgabe vom Polizeipräsidenten erhalten, das Voranschreiten der Bauarbeiten zu überwachen.

    Peter lächelte. „Ja sicher“ meinte er nur und dachte ein weiterer Schritt in Richtung Freundschaft mit Eigennutz war getan. Gemeinsam bestellten sie zwei große Becher Eis. Peter aß gerne Eis, allerdings wünschte er sich sehr mit seiner Tochter Sophia essen zu können. Er fragte sich welche Eissorte ihr wohl am Besten gefiel? Vielleicht war es Schokolade oder Vanille? Oder vielleicht doch eher Wallnuss? Wie sah es mit den neueren Sorten aus, wie Kinderschokolade oder Daim? Peter selbst hatte sich einen Becher mit Schokolade und Wallnuss bestellt und genoss jeden Löffel der kalten Köstlichkeit. „Wirklich gut...“ sagte er anerkennend mit vollem Mund, doch es kam ziemlich undeutlich herüber. Er entschuldigte sich sofort. „Tut mir Leid...“ lächelte er. „Ab 50% wird’s undeutlich...oder wie war das gleich?“ Trotzdem nahm er erneut einen Löffel voll Eis und schob ihn in seinen Mund. Es schmeckte hier wirklich fantastisch, da musste er Susanne Recht geben. So verging die Stunde doch recht schnell und sie sah auf die Uhr. „Oh... ich muss... morgen ist Frühdienst und... meinst du... du findest deinen Wagen allein wieder?“ fragte sie keck und dachte im gleichen Moment...ups... da ist es wieder, das Fettnäpfchen und voll rein getreten. „Entschuldige...“ ließ sie schnell noch folgen. „Schade... es wird gerade gemütlich... aber ich verstehe es natürlich..“ gab Peter von sich. Frühdienst war immer anstrengend und er wollte auch nicht Schuld daran sein, wenn Susanne übermüdet zur Arbeit kam. Er zückte sein Portmonee heraus und legte für die Bedienung das Geld bereit. „Und um deine Frage zu beantworten... ja... ich finde es wieder. Oberstes Parkdeck, richtig?“ lachte er. Susanne wurde rot. „unten....“ berichtigte sie. Peter nickte. „ich weiß...“ gab er zu und schrieb etwas auf den Bierdeckel. Diesen reichte er ihr. „Hier... falls du mal Hilfe auf der Suche nach deinem Auto brauchst, oder einfach nur mit mir Eis essen willst...“ lächelte er ihr freundlich zu. Susanne nahm den Deckel und nickte. Sie verabschiedeten sich und gingen ihre Wege.

    Eine halbe Stunde später kam Susanne in ihrer Wohnung an. Sie schloss die Tür auf und betrat ihr kleines aber feines Reich. Sie betätigte den Lichtschalter und ging den Flur entlang. Die Schuhe abgeworfen, die Tasche auf die Garderobe und ab in die Küche. Nur noch eine Kleinigkeit essen und noch etwas fernsehen. Sie sah auf die Uhr. Es war schon 20:00 Uhr. Sie machte sich ein Toast und ging ins Wohnzimmer. Die Nachrichten wollte sie auf jeden Fall sehen. Dann würde sie ins Bett fallen und vermutlich von Tobias träumen. Sie sah ihn vor ihrem inneren Auge. Tobias… ein so schöner Mann und das Beste er war frei. Er war nett. Nett? Er war bezaubernd. Susanne atmete ein paar Mal tief durch. Sie war verliebt. Sie war wirklich verliebt. Konnte es wirklich sein? Konnte es sein, dass sie sich in diesem Mann, der ausgerechnet sie fragte als er sein Auto suchte… Wusste er wirklich nicht wo das Auto stand und war das eine Anmache? Nur um sie kennen zu lernen? Susannes Gefühle waren völlig durcheinander. Was hatte der Mann mit ihr gemacht. Sie konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Wie sollte sie denn die Nacht überstehen? „Duschen…“ sagte sie sich selbst. „Eine kalte Dusche hilft immer“. Sie ging ins Bad und duschte. Doch die Gedanken an Tobias waren nicht weg. Wie schön wäre es, wenn er hier wäre… sie und er… ganz allein. Susanne malte sich die Situation aus. „Du bist ein Närrin“ schallte sie sich selbst. Es war eine schöne Bekanntschaft, aber da wird sicher nicht mehr draus. Also ab ins Bett. Morgen musst du früh raus. Und wenn du jetzt nur an ihn denkst, dann wird es eine kurze Nacht. Sie ging in ihr Schlafzimmer und zog sich um. Dann legte sie sich ins Bett. Sie nahm ihr zweites Kissen und hielt es fest. Sie kuschelte sich fest im Kissen und erwischte sich dabei, daran zu denken, dass dieses Kissen Tobias wäre. Mit diesem schönen Gedanken schlief sie bald ein und träumte von ihm.

    Till Schuster genoss jeden einzelnen Atemzug, beidem sich seine Lungen mit der kalten Luft füllten. Er fühlte sich frei und unbeschwert. Es war einfach nur herrlich an diesem kühlen aber trockenen Frühlingstag am See zu laufen. Die Sonne war bereits vor einer knappen halben Stunde hinter den Zinnen des Doms verschwunden und die Dunkelheit fing an sich auszubreiten. Es störte Till jedoch recht wenig. Gleichmäßig lief er sein zügiges Tempo weiter. Er war jetzt schon in Topform und könnte die kommende Marathonsaison kaum abwarten. Aber wie sollte es auch anders sein? Vielmehr als der Sport war ihm seit seinem missglückten Auftrag in Italien vor etwas mehr als einem Jahr auch nicht geblieben. Es wäre töricht gewesen sich nach der Zwangspause auf Kuba sofort wieder in die Arbeit zu stürzen, obwohl er bis jetzt noch nie eine Spur hinterlassen hatte, die auf Till Schuster deuten könnte. In Floren, und vermutlich auch dem Rest von Italien, fahndete man nach einem Christan Weiland, der vermutlich für den Tod eines fragwürdigen Geschäftsmannes verantwortlich war. Dennoch hielt er es einfach für zu riskant. Bei dem Gedanken an die italienischen Behörden, die ein Phantom suchten, entglitt ein kurzes Schmunzeln seinen Mundwinkeln. Sie würden ihn nie fassen. Dafür war er seit knapp 11 Jahren im Geschäft und verstand auch etwas davon. Noch heute erinnerte er sich an jedes Detail seines ersten Morden, den er gegen Bezahlung ausgeführt hatte. Nur kurz darauf war er im Kosovo angeschossen worden. Für Manche war dies wohl ein eindeutiges Zeichen aufzuhören, aber für Till war es die Bestätigung damit weiter zu machen. Etwas andres war ihm durch die Verletzung nicht geblieben. In seiner Einheit zurückkehren konnte er eh nicht mehr. Nur für einen kurzen Moment schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit.