Eine Stunde später betrat er das Gebäude. Immer noch hatte er die Sonnenbrille auf. Das Wetter war perfekt um über die Autobahn zu preschen. Den Motor mal wieder richtig fordern. Er betrat das Büro. „Na endlich“ begrüßte Semir ihn. Chris lachte. „Was ist? Es ist gerade mal neun Uhr!“ meinte er nur. „Ja aber ich warte schon seit Stunden hier. Wo warst du denn?“ maulte sein Partner. „Ich habe die letzten Tage so richtig genossen. Katrin hat es auch sehr gut gefallen…“ schwärmte Chris. „Wo ist Katrin denn jetzt?`“ wollte Semir wissen. „Ich habe sie am Freitag abgeliefert und mir ein super tolles Donnerwetter meiner Ex anhören müssen. Aber sie war sehr zufrieden und sehr glücklich…“ gab Chris zur Antwort. „Na dann komm! Ich will hier raus.“ meinte Semir nur und griff die Autoschlüssel. Chris lachte und sie gingen raus. Als sie in das Großraumbüro kamen, bemerkten sie, dass das Büro von Anna Engelhardt noch menschenleer war. „Schon komisch… Susanne hatte mich am Freitag noch angerufen und gesagt, dass die Chefin irgendwie hier übernachtete. Sie soll die letzten Tage bis spät in die Nacht gearbeitet haben. Außer an drei Tagen, da war sie meist sehr spät hier und ist verdammt früh gegangen. Susanne vermutet dass sie einen Liebhaber hat.“ erklärte Semir. Chris sah ihn erstaunt an. „Liebhaber? Na wenn sie dafür Zeit hat, dann könnte es doch sein, das ihre Laune besser wird. Stress genug hat sie sicher gehabt…“ kam recht gleichgültig von Chris.
Auf dem Parkplatz der PAST sah Semir Chris grinsend an. „Ich fahre!“ bestimmte er und zog seinen Partner zum BMW. Chris war damit einverstanden. Semir stieg ein und sah Chris an. „Wartest du auf den Weihnachtsmann?“ fragte er lachend. Chris stieg ein. Als er es tat, startete Semir den Motor und grinste leicht. Dann gab er Gas. Mit quietschenden Reifen fuhr der BMW vom Parkplatz. Auf Semirs Gesicht entstand ein sehr zufriedener Ausdruck. „Das hat mir gefehlt.“ Stöhnte er leise. Chris musste lachen. „So und nun erzähl… was hast du und Katrin angestellt.“ Fragte er nach einer kurzen Zeit des Schweigens. Von Chris kam ein leichter Seufzer. „Es war eigentlich viel zu kurz. Aber es halt sich gelohnt.“ Sinnierte er und dachte an die Woche mit seiner Tochter. „Wo seid ihr hingefahren? Habt ihr was Tolles erlebt? Jemanden kennen gelernt?“ grinste Semir schelmisch. Er hoffte wirklich, dass Chris’ letzte Woche erholsamer als seine eigene gewesen war. Seine Schwiegermutter hatte ihm versteckt Vorwürfe gemacht. Völlig sinnlos, denn dafür hatte Semir sich selbst schon fertig genug gemacht. Allein dass er dem Erpresser erzählt hatte, wo sich seine Familie befand. Es war einfach nur grausam.
Chris hatte natürlich die spöttische Bemerkung von Semir gehört. „Ja… es war sehr schön. Wir waren in Paris und da habe ich auch eine wunderbare Frau kennen gelernt. Sie ist so süß, hat große dunkle Augen, ziemlich große Ohren und einen Schwanz.“ grinste Chris zurück und sah in Semirs Gesicht. „Was?“ fragte dieser erstaunt. „Nun ja… eine Frau… du hast schon richtig gehört…“ lachte Chris erneut und genoss die Sprachlosigkeit seines Partners. „Chris… schön… ich meine für dich… wie heißt sie denn?“ wollte Semir wissen. „Na ich weiß nicht…. Vielleicht sollte ich es dir nicht verraten. Nachher spannst du sie mir noch aus.“ gab Chris zurück. „Na komm… ich bin verheiratet. Außerdem stehe ich nicht so auf große Ohren.“ lachte Semir zurück. „Also gut… sie heißt Minnie Mouse.“ erklärte Chris und sah seinen Partner an. Von dem kam nichts außer einem „Hä!!! kam von Semir und sein verwirrter Gesichtsausdruck ließ Chris auflachen. So platt hatte er Semir noch nie gehabt. „Wie? Mouse? Wie Micky…?“ harkte Semir nach. „Na beruhige dich.. ja… die Frau von Micky… aber sie hat mit mir geflirtet.“ gab Chris zu. Semir schüttelte den Kopf „Na wir waren in Disneyland Paris….“ kam die Aufklärung von Chris. „Ahhh…“ verstand Semir nun. „Ich dachte schon, das du… also …“ neckte er Chris. „Weißt du… es ist einfach wunderbar dort. Ich konnte den Stress einfach ablegen. Katrin und ich… wir hatten so viel Spaß und Freude. Du solltest mit Andrea und Aida auch mal hinfahren. Also wenn die Kleine größer ist, obwohl, es gibt auch einige Attraktionen für kleine Personen.“ meinte Chris und musterte Semir von oben bis unten.
„Chris! Ich warne dich… wenn du jetzt eine Bemerkung über meine Größte machst, dann fahre ich allein.“ drohte Semir grinsend und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr. „Und was hat Familie Gerkhan angestellt?“ wollte Chris im Gegenzug wissen. „Meinst du Familie Gerkhan oder Familie Schäfer?“ fragte Semir genervt und dachte direkt mit Grauen an seine Auszeit. Chris sah ihn erschrocken an. „Andreas Mutter war zu Besuch. Sie war der Meinung uns – oder vielmehr Andrea- entlasten zu müssen.“ erklärte Semir kurz. „Hast du schon mal zwei Tage mit deiner Schwiegermutter verbracht? Aida ist auch noch krank geworden. Erkältung. Du hättest sie mal hören müssen. Die hat mir dafür die Schuld gegeben und von Verantwortung und dem ganzen Mist gelabert. Aber das Beste als die zwei Tage vorbei waren, beschloss sie Andrea und Aida gleich mitzunehmen und meinte ich könnte mich dann ja auch mal etwas entspannen. Tja und als ich dann weil mir gerade so langweilig war wieder arbeiten wollte, hat mir die Chefin auch die Leviten gelesen. Ich musste nach Hause und mich dort langweilen und diese Gedanken an der ganzen Sache….“ grummelte Semir leise. Oh ja.. im Leiden, beschweren und Nörgeln war er wirklich die Nr. 1. Aber eigentlich wollte er sich ja nicht die Laune verderben lassen. Mit 120 km/h ging es also über den Beschleunigungsstreifen auf die A4.