Beiträge von Elvira

    Eine Stunde später betrat er das Gebäude. Immer noch hatte er die Sonnenbrille auf. Das Wetter war perfekt um über die Autobahn zu preschen. Den Motor mal wieder richtig fordern. Er betrat das Büro. „Na endlich“ begrüßte Semir ihn. Chris lachte. „Was ist? Es ist gerade mal neun Uhr!“ meinte er nur. „Ja aber ich warte schon seit Stunden hier. Wo warst du denn?“ maulte sein Partner. „Ich habe die letzten Tage so richtig genossen. Katrin hat es auch sehr gut gefallen…“ schwärmte Chris. „Wo ist Katrin denn jetzt?`“ wollte Semir wissen. „Ich habe sie am Freitag abgeliefert und mir ein super tolles Donnerwetter meiner Ex anhören müssen. Aber sie war sehr zufrieden und sehr glücklich…“ gab Chris zur Antwort. „Na dann komm! Ich will hier raus.“ meinte Semir nur und griff die Autoschlüssel. Chris lachte und sie gingen raus. Als sie in das Großraumbüro kamen, bemerkten sie, dass das Büro von Anna Engelhardt noch menschenleer war. „Schon komisch… Susanne hatte mich am Freitag noch angerufen und gesagt, dass die Chefin irgendwie hier übernachtete. Sie soll die letzten Tage bis spät in die Nacht gearbeitet haben. Außer an drei Tagen, da war sie meist sehr spät hier und ist verdammt früh gegangen. Susanne vermutet dass sie einen Liebhaber hat.“ erklärte Semir. Chris sah ihn erstaunt an. „Liebhaber? Na wenn sie dafür Zeit hat, dann könnte es doch sein, das ihre Laune besser wird. Stress genug hat sie sicher gehabt…“ kam recht gleichgültig von Chris.

    Auf dem Parkplatz der PAST sah Semir Chris grinsend an. „Ich fahre!“ bestimmte er und zog seinen Partner zum BMW. Chris war damit einverstanden. Semir stieg ein und sah Chris an. „Wartest du auf den Weihnachtsmann?“ fragte er lachend. Chris stieg ein. Als er es tat, startete Semir den Motor und grinste leicht. Dann gab er Gas. Mit quietschenden Reifen fuhr der BMW vom Parkplatz. Auf Semirs Gesicht entstand ein sehr zufriedener Ausdruck. „Das hat mir gefehlt.“ Stöhnte er leise. Chris musste lachen. „So und nun erzähl… was hast du und Katrin angestellt.“ Fragte er nach einer kurzen Zeit des Schweigens. Von Chris kam ein leichter Seufzer. „Es war eigentlich viel zu kurz. Aber es halt sich gelohnt.“ Sinnierte er und dachte an die Woche mit seiner Tochter. „Wo seid ihr hingefahren? Habt ihr was Tolles erlebt? Jemanden kennen gelernt?“ grinste Semir schelmisch. Er hoffte wirklich, dass Chris’ letzte Woche erholsamer als seine eigene gewesen war. Seine Schwiegermutter hatte ihm versteckt Vorwürfe gemacht. Völlig sinnlos, denn dafür hatte Semir sich selbst schon fertig genug gemacht. Allein dass er dem Erpresser erzählt hatte, wo sich seine Familie befand. Es war einfach nur grausam.

    Chris hatte natürlich die spöttische Bemerkung von Semir gehört. „Ja… es war sehr schön. Wir waren in Paris und da habe ich auch eine wunderbare Frau kennen gelernt. Sie ist so süß, hat große dunkle Augen, ziemlich große Ohren und einen Schwanz.“ grinste Chris zurück und sah in Semirs Gesicht. „Was?“ fragte dieser erstaunt. „Nun ja… eine Frau… du hast schon richtig gehört…“ lachte Chris erneut und genoss die Sprachlosigkeit seines Partners. „Chris… schön… ich meine für dich… wie heißt sie denn?“ wollte Semir wissen. „Na ich weiß nicht…. Vielleicht sollte ich es dir nicht verraten. Nachher spannst du sie mir noch aus.“ gab Chris zurück. „Na komm… ich bin verheiratet. Außerdem stehe ich nicht so auf große Ohren.“ lachte Semir zurück. „Also gut… sie heißt Minnie Mouse.“ erklärte Chris und sah seinen Partner an. Von dem kam nichts außer einem „Hä!!! kam von Semir und sein verwirrter Gesichtsausdruck ließ Chris auflachen. So platt hatte er Semir noch nie gehabt. „Wie? Mouse? Wie Micky…?“ harkte Semir nach. „Na beruhige dich.. ja… die Frau von Micky… aber sie hat mit mir geflirtet.“ gab Chris zu. Semir schüttelte den Kopf „Na wir waren in Disneyland Paris….“ kam die Aufklärung von Chris. „Ahhh…“ verstand Semir nun. „Ich dachte schon, das du… also …“ neckte er Chris. „Weißt du… es ist einfach wunderbar dort. Ich konnte den Stress einfach ablegen. Katrin und ich… wir hatten so viel Spaß und Freude. Du solltest mit Andrea und Aida auch mal hinfahren. Also wenn die Kleine größer ist, obwohl, es gibt auch einige Attraktionen für kleine Personen.“ meinte Chris und musterte Semir von oben bis unten.

    „Chris! Ich warne dich… wenn du jetzt eine Bemerkung über meine Größte machst, dann fahre ich allein.“ drohte Semir grinsend und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr. „Und was hat Familie Gerkhan angestellt?“ wollte Chris im Gegenzug wissen. „Meinst du Familie Gerkhan oder Familie Schäfer?“ fragte Semir genervt und dachte direkt mit Grauen an seine Auszeit. Chris sah ihn erschrocken an. „Andreas Mutter war zu Besuch. Sie war der Meinung uns – oder vielmehr Andrea- entlasten zu müssen.“ erklärte Semir kurz. „Hast du schon mal zwei Tage mit deiner Schwiegermutter verbracht? Aida ist auch noch krank geworden. Erkältung. Du hättest sie mal hören müssen. Die hat mir dafür die Schuld gegeben und von Verantwortung und dem ganzen Mist gelabert. Aber das Beste als die zwei Tage vorbei waren, beschloss sie Andrea und Aida gleich mitzunehmen und meinte ich könnte mich dann ja auch mal etwas entspannen. Tja und als ich dann weil mir gerade so langweilig war wieder arbeiten wollte, hat mir die Chefin auch die Leviten gelesen. Ich musste nach Hause und mich dort langweilen und diese Gedanken an der ganzen Sache….“ grummelte Semir leise. Oh ja.. im Leiden, beschweren und Nörgeln war er wirklich die Nr. 1. Aber eigentlich wollte er sich ja nicht die Laune verderben lassen. Mit 120 km/h ging es also über den Beschleunigungsstreifen auf die A4.

    Montag…. Endlich war es Montag. Semir hatte so lange auf diesen Tag gewartet. Endlich war er da. Nun gut… eigentlich war es ja nur eine Woche doch er war froh, dass er wieder arbeiten konnte. Nein. Gekonnt hätte er schon früher, es musste heißen, dass er wieder arbeiten durfte. Ja….das war die richtige Formulierung. Während er in Richtung PAST fuhr, hörte er wieder die Worte von Anna. „Ich will Sie vor Montag nicht mehr in der Dienststelle sehen.“ Hatte sie gesagt. Er hatte sich daran gehalten. Er war wirklich nur zuhause. Am Rhein war er entlang gegangen und hatte sich ans Ufer gesetzt. Doch die meiste Zeit hatte er damit verbracht, dass er im Bett oder auf der Couch lag und schlief. Seine Wunde war fast vollständig verheilt und nun war es endlich so weit. In wenigen Augenblicken würde er zusammen mit Chris wieder über die Autobahn rasen. Er nahm sein Handy und wählte Chris an. Doch hier kam nur die Mailbox ran. „Hall Partner… Semir hier. Ich bin gerade auf dem Weg zur PAST. Komm in die Socken, ich warte nicht lange.“ Er legte auf und fuhr grinsend weiter. Die Sonne schien und es war nicht allzu kalt und vielleicht passiert ja auch was Spannendes. Es war lange genug langweilig gewesen. Und Andrea wollte ja auch bald wieder hier sein. Sie war krank geworden. Erkältung. Und ihre Mutter ließ sie nicht wieder raus, bis sie ganz gesund war. So musste Semir noch einige Tage ohne sie auskommen. Wenig später fuhr Semir auf einen der Parkplätze der ‚PAST. Es war viel frei, denn es war noch sehr früh. Er schien einer der ersten zu sein, die zur Arbeit erschienen. Die Nachtschichtkollegen hatten gleich Feierabend. Semir verschloss seinen Wagen und betrat die PAST. „MORGEN!“ begrüßte er seine Kollegen. Ein leises murmeln war die Antwort. Semir ging in sein Büro und musste an Susannes Schreibtisch vorbei. Die Sekretärin war auch noch nicht da. Ein Blick auf die Uhr an der Wand ließ ihn hoffen dass Chris sicher bald auftauchen würde.

    Es gab sicher böse Zungen die behaupteten es wäre krank, sich so auf seine Arbeit zu freuen, Chris jedoch sah das anders. Er war sozusagen mit seinem Job verheiratet, musste sich jedoch auch eingestehen, dass diese freien Tage im Nachhinein gesehen doch gut getan hatten. Dadurch hatte er viel Zeit mit seiner Tochter verbringen können und als der Anruf von Semir gekommen war, dass die Chefin ihren Urlaub auf eine ganze Woche hinaus gestreckt hatte, war er sogar mit Katrin ein paar Tage ins Ausland gefahren. Weg von Deutschland, weg von Stress und Alltag und einfach mal die Seele baumeln lassen. Es hört sich verlockend an und war es auch gewesen, doch nun konnte er es kaum erwarten, wieder zurück in diesen geliebten Stress zu kommen und sich mit seinem Partner hinter das Steuer eines Wagens zu klemmen. Am Freitag musste er sich eine Standpauke seiner Exfrau ertragen, die ihn dafür verantwortlich machte, dass Katrin viel zu spät nach Hause kam. Anstatt sich darüber zu freuen, dass er sich die Zeit für sie nahm. Chris ließ es über sich ergehen. Doch heute konnte er alles wieder vergessen. Seine Arbeit rief und er freute sich auf seinen Partner. Frisch geduscht ging er zum Parkplatz und stieg in den silbernen Mercedes. Er sah auf dem Beifahrersitz sein Handy liegen. „Ach hier bist du…“ lachte er leise, denn er hatte es gestern gesucht. Er nahm es in die Hand und erkannte sofort, dass er Anrufe hatte. Ein kurzes Wählen und er hörte seine Mailbox ab. Es waren insgesamt vier Anrufe von ein und derselben Person. Von Semir. „Mann, was bist du arbeitswütig…“ lachte er und trat das Gaspedal durch.

    … ich war noch nicht verheiratet. … ich war noch nicht verheiratet. … ich war noch nicht verheiratet. - wie ein Echo wiederholten sich diese paar Worte in Peters Kopf. Und was ist mit Isabelle? Was ist mit Sophia? mahnte er sich, Was sollen sie von dir denken? Du Narr! - er hasste sich dafür, Susanne so verletzten zu müssen, gleichzeitig hoffte er aber darauf, dass es einen positiven Ausweg aus dieser Sache gab. Er war hin und her gerissen. Doch dann sah er wieder das Foto: Anna Engelhardt. Sie hatte es nicht anders verdient. Sie sollte sich darum kümmern, dass alles wieder so war, wie es eigentlich gehörte. Sie sollte dafür sorgen, dass Tobias wieder bei seiner Familie sein konnte und dass der wahre Mörder seines Vaters geschnappt wurde. Es war wie ein Schlag in die Magengegend, immer wieder, wenn Peter an die Vergangenheit dachte. Doch jetzt und hier war hier eine Person anwesend, die ihm helfen konnte, das alles für einen Moment zu vergessen: Susanne „Ich will keinerlei Umstände machen.“, dennoch schwang in der Stimme eine Hoffnung, eine Sehnsucht wieder. Einen Moment zögerte er: „Wenn es dir wirklich nichts ausmacht.“, er lächelte leicht und dachte an ein leckeres Frühstück zu zweit, „Dann ja… Gerne.“. Das Strahlen war über das gesamte Gesicht zu sehen.

    Susanne erlebte ein Feuerwerk der Gefühle…. Sie ließ sich einfach fallen. Sie gab sich dem Mann hin und genoss jede Zärtlichkeit von ihm. Wie schön es doch war, endlich wieder in den Armen eines Mannes zu liegen. Sie träumte davon, dass es nie wieder aufhören möge. Nie wieder wollte sie diese Zärtlichkeiten missen. Nie wieder allein sein…. Sie erwiderte seine innigen Küsse. Seine Hände glitten über ihren Körper und Susanne spürte das Feuer in ihr. das war es, was mir gefehlt hatte. dachte sie und schloss die Augen. Sie ließ es einfach geschehen. Es war wunderschön. Nach einer ganzen Weile löste sich Susanne von ihm. „Ich…. Ich bin ganz durcheinander…. Ich weiß nicht… aber ich glaube ich liebe dich.“ hauchte sie leise fast unhörbar. Sie sah ihn an. hatte er gehört wie laut ihr Herz klopfte. Hatte er diese Worte vielleicht doch gehört? Sie lächelte verlegen und schmiegte sich an ihn. „Weißt du…. ich bin glücklich… das du da bist. Ich bin einfach nur glücklich.“ Leise, ja fast flüsternd kamen die Worte über ihre Lippen. Am liebsten hätte sie ihn gesagt, dass sie mehr in dieser Nacht von ihm wollte. Mehr als nur seine Hände spüren. Seine Küsse erleben. Aber wie sollte sie es ihm sagen, ohne billig rüber zu kommen? Wie ohne ihn zu erschrecken. was wenn er nur testen wollte, wie weit er gehen durfte, ohne das sie ihn zurück wies? Wieder keimte die alte Angst auf, ein Spielball zu werden. Susanne beobachtete ihn. er scheint es auch zu genießen. Vielleicht war er ja auch so lange schon allein, wie ich? Warum traue ich nicht ihm einfach zu sagen… nimm mich…! Ich gebe mich dir hin… Warum kann ich das nicht? Ihre Gedanken kreisten um die schönste Nebensache der Welt. Susanne sah ihn erwartungsvoll an.

    Susanne erschrak erst etwas als sie Tobias Lippen auf ihrem Mund spürte, doch dann gab sie sich einfach hin. Sie erwischte sich dabei, dass sie sich wünschte, dieser Moment würde nie vergehen. Susanne schloss die Augen und genoss die Liebkosung von Tobias. Es war so wunderbar, endlich wieder von einem Mann in den Arm genommen zu werden. Sie erwiderte den Kuss. Nur schwer löste sie sich von ihm. „ich bin einverstanden. Wir sollten uns wirklich öfter sehen. Tobias…. Du bist seit langer Zeit der erste Mann, dem ich soviel von mir schon direkt am Anfang erzählt habe. Dein Job klingt nicht gerade einfach oder langweilig. Warst du denn mal verheiratet? ups, das war zu direkt, dachte sie im gleichen Moment. Doch er schien es gar nicht mitbekommen zu haben. Sie hielt seine Hand und strich sich fahrig eine Strähne aus dem Gesicht. „Magst du noch was trinken? Ich hole dir noch was…“ versuchte sie abzulenken. Ihre Gefühle waren völlig außer Kontrolle. Sie spürte Hitze und gleichzeitig Kälte durch ihren Körper. „Wir können es uns auch vor dem Kamin gemütlich machen. Ich meine…. Wenn du willst…. Leg dein Jackett doch einfach ab und….“ Susanne stockte wieder.

    Sie versank in Gedanken und sah sich und Tobias im Bett liegen. Eng umschlungen. Arm in Arm. Wie sehr sehnte sie die Zärtlichkeit dieses Mannes herbei. Wie gern würde sie ihm zeigen, dass sie hoffnungslos verliebt war. Sie wäre sicher eine sehr gute Ehefrau für ihn Sie erschrak vor ihren eigenen Gedanken. Du Närrin! Was meinst du eigentlich wie das rüberkommt? Das ist doch billig! schimpfte sie mit sich selbst. Schnell wurde ihr klar, dass das Misstrauen in ihr sehr groß war. Immer wieder sah sie ihren Exfreund, der sie so schamlos ausgenutzt hatte. Wieso sollte Tobias eine Ausnahme sein? Nur weil er gut aussah, hieß es nicht, dass er nicht auch nur das „Eine“ will. meldete sich bei ihr wieder das Misstrauen. Sie schüttelte die bösen Gedanken ab. „Hey… es ist schon spät… ich meine… du hast Wein getrunken und… nun ja… es wäre mir etwas peinlich, wenn meine Kollegen dich von der Autobahn holen, weil du … du weißt schon…“ stammelte sie und sah ihn an. „also ich meine… sieh mal… ich hab morgen früh Dienst und mein Bett ist groß genug. Also wenn du willst kannst du natürlich auch auf der Couch schlafen…“ was stammelst du eigentlich so rum? Merkst du Dummerchen denn nicht dass er es eigentlich auch will. Frag ihn direkt! hörte sie ihre Gedanken. „Also wenn du willst… ich mache uns morgen ein schönes Frühstück.“ sagte sie leise und ging mit ihren Lippen näher an seinen Mund. Dabei ging ihr nur ein Gedanke durch den Kopf: sag ja… bitte sag ja hörte sie nur.

    Sie stand auf. „Ich bin gleich wieder da… Entschuldige bitte.“ Sagte sie und verschwand im Bad. Sie machte das Wasser an und sah in den Spiegel. „Du Närrin! Was hast du dir denn nur dabei gedacht? Was wenn er jetzt ja sagt? Willst du ihn dann vor den Kopf stoßen und sagen… .Pustekuchen…“ sprach sie mir ihrem Spiegelbild. Doch dann zuckte sie mit den Schultern. „Da muss ich nun durch“ sagte sie zu sich und ließ zog die Toilette ab. Dann ging sie wieder zu Tobias. Es war unheimlich erleichternd zu spüren, dass sich Susanne nicht gegen den Kuss wehrte. Und ganz nach Mark Twain, war der „Kuss eine Sache, für die man beide Hände braucht“ und somit schloss Peter den ganzen Kopf der Dienststellensekretärin in seine Hände, küsste sie leidenschaftlich, gab ihr das Gefühl, dass sie in seinen Händen in Sicherheit war und versuchte, ihr diesen Moment unvergesslich zu machen. Schließlich, als der Kuss sich dem Ende neigte, küsste der Mann der Frau noch einmal auf den Hals. Es war verführerisch, das Zeichen dafür, dass es in diese Richtung noch weiter gehen könnte, doch Peter hielt inne. Es war Susannes Entscheidung. Und diese fiel positiv aus: „Ich bin einverstanden. Wir sollten uns wirklich öfter sehen.“ - glücklich strahlte der ehemalige Häftling über das ganze Gesicht und hörte sich dann an, was Susanne noch zu sagen hatte. Sie fragte, ob er einmal verheiratet gewesen war und er lächelte, als sie die Frage anscheinend irgendwie bereute. Schnell wechselte sie das Thema und fragte, ob er noch etwas trinken wolle und ob sie es sich vor dem Kamin gemütlich machen wollten. Anscheinend waren ihre Gefühle nun mit ihr durchgegangen, woraufhin Peter nur schmunzeln konnte. „Ja, ich nehme noch einen Wein.“, sagte der Mann charmant, während er das Jackett ablegte, „Und nein, ich war noch nicht verheiratet.“, log er und legte eine Hand zärtlich auf Susannes Wange.

    Auch wenn die Feeds nicht mehr kommen.... hier die Fortsetzung:

    Susanne räumte den Tisch ab und die Spülmaschine ein. Sie sah Tobias nach, als er ins Wohnzimmer ging und hörte ihn rumoren. Sie schloss die Augen. Ein sehr schöner Abend schien auf sie zu warten. Sie ertappte sich dabei, wie sie bereits weiter dachte. Wenn seine Wohnung so schlimm ist, dann könnte er doch, vielleicht heute Nacht… bei ihr….Sie schüttelte den Kopf. „Nein… Susanne reiß dich zusammen“ mahnte sie sich selbst und brachte wieder Ordnung in die Küche. Sie spürte eine Sehnsucht in sich. Eine Sehnsucht nach dem Mann, der ihr im Augenblick so nah war und doch irgendwie weit weg. Wie sollte sie sich verhalten? Ihm sagen, was sie für ihn empfindet? Direkt nach dem zweiten Treffen. „Das muss sehr genau überlegt sein,“ sagte sie sich selbst. Sie hatte eine komische Angewohnheit. Sie redete sehr oft mit sich selbst. Sie brauchte länger als sie eigentlich wollte. Was allerdings nicht an der Arbeit lag, sondern eher daran das der Gedanke an den weiteren Gang des Abends sie aufhielt. „Dann lassen wir es mal darauf ankommen.“ Meinte sie leise. „Ich bin sofort bei dir!“ rief sie ins Wohnzimmer, weil sie bereits ahnte, das Tobias sich sicher schon wunderte wo sie blieb. „Ich ziehe mir nur kurz was Bequemes an.“ erklärte sie durch die Tür und verschwand ins Schlafzimmer. Sie öffnete den Schrank und sah ihre Wäsche durch. Was sollte sie nur anziehen? Es musste auf jeden Fall sehr bequem sein. Dann hatte sie es. Ein weiter Rock, der ihre Taille umschmiegte und ihre Figur noch besser zur Geltung kommen ließ, darüber ein einfaches Top. Schnell hatte sie sich die Hose ausgezogen und aufs Bett gelegt, den Roch und das Shirt an. Sie schloss den Schrank und räumte noch die getragene Kleidung vom Bett. Dann ging sie zu Tobias und ließ sich neben ihn nieder.

    „Ein schönes Feuerchen, hast du da gezaubert.“ lobte sie ihn und sah ihn zufrieden an. „Erzähl mir doch mal was von dir. Ich meine du kennst fast mein ganzes Leben und von dir weiß ich gar nichts. Außer dass du dein Auto nicht finden kannst.“ lachte sie. Sie nahm ihr Glas und prostete ihm zu. „was er wohl gerade denkt?, dachte sie und beobachtete ihn. Doch dann schwieg sie. Sie wollte ihm die Gelegenheit geben um etwas zu sagen. Sie wollte wissen, was ihn bewegte mit ihr auszugehen. Nach all was sie durchgemacht hatte, sollte sie endlich wieder glücklich sein? Ihre Gedanken gingen wieder auf Wanderschaft Mark… dieser Mistkerl….hatte sie nur ausgenutzt. Seit dem war Susanne vorsichtiger wenn es darum ging Männerbekanntschaften zu schließen, doch bei Tobias war es etwas anderes. Er war so … so warmherzig. Seine Augen, sein Haar, seine ganze Haltung… Es dauerte nicht lange und schon ertönte Susannes Stimme, die dem ehemaligen Verbrecher zurief: „Ich bin sofort bei dir! und „Ich ziehe mir nur kurz was Bequemes an.“. Anscheinend war sie fertig in der Küche und hatte alles weggeräumt. Gegen ihre Wohnung konnte man wirklich nichts sagen. Die Einrichtung war liebevoll und es war alles sauber und ordentlich.

    Mehr brauchte man doch nicht. Natürlich ließ sich über die Größe streiten, doch für eine allein stehende Frau sollte es doch wirklich reichen. Seine Wohnung reichte für ihn alleine ja auch, zudem hatte er die letzten zehn Jahre in einer kleinen Zelle verbracht, die er sich noch dazu mit einem anderen Mann hatte teilen müssen. Nicht gerade das Leben, wie man es sich vorstellte. Der Gedanke an diese vergangene Zeit ließ Peter einen Schauer über den Rücken laufen. 10 Jahre waren so schleichend vergangen. Trist. Öde. Und doch auch voller Hoffnung, dass danach alles wieder normal wäre. Dass er Isabelle und seine kleine Tochter Sophia in die Arme schließen könnte. Doch dem war nicht so. Peter war alleine. Nach einer Weile hob Peter seinen Blick um Susanne anzusehen. „Ich möchte nicht aufdringlich sein.“, fing er an und sein Blick wurde ernster, „Vor allem, da wir uns erst so kurz kennen, aber…“, er stockte und lachte kurz auf, „Gott, das klingt total albern… Ich würde mich freuen, wenn wir uns öfter sehen würden.“, erwartungsvoll sah er die Frau neben sich wieder an. Und ohne dass er es irgendwie verhindern konnte (er schloss die Augen und dachte an Isabelle) lehnte er sich nach vorne, überbrückte die Stille und gab der wunderschönen Frau einen Kuss auf den Mund. Seine Hand fuhr ihr über den Hinterkopf und er zeigte sich voll und ganz von seiner zärtlichen Seite.

    Es dauerte nicht lange und schon roch die Wohnung nach leckerem Essen. Peter, der chinesische Küche liebte, erkannte sofort, dass es sich um ein Gericht aus eben dieser handelte. Innerlich strahlte er. Das war doch viel besser als ein 5-Gänge-Menü, oder nicht? Peter war jedenfalls dieser Meinung. Er selbst war kein besonders guter Koch. Er konnte einige Fertiggerichte aufwärmen oder per Telefon Essen bestellen, doch sonst sollte man ihn lieber nicht an den Herd lassen. Nach ein paar weiteren Minuten hörte Peter endlich die erlösende Stimme. Peter grinste, erhob sich und gesellte sich zu Susanne in die Küche. Er blieb im Türrahmen stehen. Sie hatte sich wirklich sehr viel Mühe gegeben und alles sah sehr romantisch aus. „Das sieht fantastisch aus.“, sagte Peter mit einem Lächeln und trat näher an den Tisch heran, „Und das hast du in solch kurzer Zeit gezaubert.“, er lächelte noch immer und setzte sich. Einen Moment lang sah er in Susannes Augen, dann schaute er verlegen zu seinem Teller und lachte dann leicht, „Ich finde es sehr schön, dass wir den Abend gemeinsam verbringen.“, gestand er und flirtete so gut es eben ging. Sie füllte die Teller und sah ihn an. Er stand da im Türrahmen und sah auf den Tisch. „ Setzt dich doch, Oder willst du im Stehen essen? Dann guten Appetit.“ lachte sie und stellte den Teller auf den Tisch. Plötzlich fiel ihr ein, dass sie den Wein zwar auf dem Tisch hatte, die Flasche jedoch noch verschlossen war. Gleichzeitig mit Peter alias Tobias griff sie danach. Ihre Hände berührten sich und sie sahen sich an. Tobias öffnete die Flasche und goss ein. „Lass es dir schmecken. Ich bin zwar keine gute Köchin, aber ich hoffe es schmeckt dir trotzdem.“ sagte sie verlegen. Sie nahm den ersten Bissen und war erstaunt. Es schmeckte ja wirklich gut. „Ist gar nicht so schlecht geworden, was?“ fragte sie und sah ihn an. Sie nahm das Glas und stieß mit ihm an. Ihre Gedanken spielten ihr einen Streich. Sie sah sich und Tobias vor dem Kamin. Eng umschlungen kuschen und erwischte sich dabei es in die Tat umzusetzen. „Ich hoffe es gefällt dir hier. Wie gesagt… es ist recht Bescheiden und…“ sie stockte. Der Rest des Essens ging eher schweigend zu. Susanne wollte ihn nicht zutexten. Am Ende findet er das vielleicht gar nicht so gut, dachte sie. Eine ganze Weile sah sie ihn an. Könnte was aus uns werden? Er ist zwar mein Typ, aber was wenn er… ja wenn er auch nur ein Typ ist, der das eine will. Einfach nur eine Bettgeschichte?, gingen ihre Gedanken weiter. Doch dann zerriss das Klingeln ihres Handys die Stille.
    Sie ergriff es und meldete sich mit einem kurzen „Ja?“ dann hörte sie eine Weile zu und lächelte. „Nein… hier ist Susanne König. Sie haben sich wohl verwählt:“ endete das Gespräch. Sie legte das Handy auf den Tisch. „Entschuldige. Telefonverkäufer. Ich hasse diese Leute. Die belästigen einen nach dem Feierabend und kapieren nicht einmal, dass man gar nichts kaufen will. Nur ein ewiges Gelabere. Ich frage mich manchmal woher die meine Handynummer haben? Ich meine die steht ja nicht im Telefonbuch.“ erklärte sie. Wieder sah sie ihn an. Sie konnte ihn immer ansehen. Diese Augen. Sie hatten etwas Geheimnisvolles. „Was machst du eigentlich beruflich? Ich meine du weißt ja dass ich als Sekretärin bei der Polizei bin. Mein Job ist manchmal stressig, manchmal langweilig… aber ich liebe ihn. Die Kollegen sind alle sehr nett. Allem voran unsere Chefin. Sie heißt Anna Engelhard. Eine tolle und sehr erfolgreiche Frau. Oh… ich weiß gar nicht ob dich das überhaupt interessiert Vermutlich willst du es gar nicht wissen. Was wollen wir heute Abend machen? Ich hätte absolut nichts dagegen wenn wir uns am Kamin einen sehr gemütlichen Abend verbringen. Ich meine, falls du nichts Anderes vorhast.“ sagte sie auf einmal und schwieg. Wieso war sie denn so nervös? Sie führte sich wie ein Teenager auf, der zum ersten Mal verliebt ist. Du Närrin, sagte sie zu sich selbst. Er ist schon sehr nett, aber du laberst ihn voll und erzählst dein Leben. Dabei weißt du gar nicht ob er es hören will. Was wenn wer bereits genervt ist, von dem was du erzählst, weil du einfach nicht die Klappe halten kannst. Sicher er ist ziemlich schweigsam, aber das kann auch Schüchternheit sein. Aber er und schüchtern? Nein… das war recht unwahrscheinlich, dachte sie dann.

    Susanne sah Tobias lachend an während sie blind in ihrer Tasche die Schlüssel zu ihrer Tür suchte. „Komm rein. Aber es ist nichts Besonderes.“ sagte sie direkt. „Ich meine sie ist schön eingerichtet und der Kamin funktioniert auch, aber es ist eben für eine Person… verstehst du?“ Sie sah ihn an. „Ich werde uns was Feines kochen. Ich hoffe doch du magst meine Küche. Setzt du dich ins Wohnzimmer bis ich fertig bin. Wenn ich nämlich etwas nicht abkann, dann ist es wenn man mir zusieht, wie ich koche.“ lachte sie, zog ihre Schuhe aus, zeigte ihm das Wohnzimmer und ging direkt in die Küche. Sie sah in den Kühlschrank und nahm ein kleines Päckchen mit Fleisch heraus. Gemüse und Etwas Reis. Susanne liebte die asiatische Küche. Schnell war das Fleisch in Streifen geschnitten. Der Wok stand bereits auf dem Herd. Susanne kochte für ihr Leben gern, doch wenn sie abends vom Dienst kam, dann war sie meist zu müde, für sich allein zu kochen. Aber jetzt… wo er hier ist…, dachte sie … ist es was ganz anderes. Sie kochte nicht nur für sich. Hoffentlich mag er die chinesische Küche. gingen ihre Gedanken weiter. Sie brutzelte das Fleisch an und gab das Gemüse und die Gewürze hinzu. Etwas Chilly war sicher nicht verkehrt. Nur nicht zu viel, sonst brennt es zu sehr. Sie sah in den Topf mit dem Reis. Auch dieser köchelte vor sich hin. Noch einmal sah sie in den Kühlschrank. Trinken… was wollen wir dazu trinken? …dachte sie. Doch dann fiel ihr ein, dass sie im Schrank noch eine Flasche Weißwein hatte. Sie zog den Korken raus, probierte kurz und befand den Wein für gut. Nur noch die passenden Gläser und dann den Tisch gedeckt. Sie bemerkte wie euphorisch sie an diese Sache heran ging. Es war schön nicht nur für sich selbst zu decken. Sie fand Gefallen daran… schmeckt Weißwein zu Süß-sauer mit Reis? fragte sie sich. Schnell stellte sie zwei Kerzen auf den Tisch. Die Teller, das Besteck die Gläser… Es sah so wunderschön aus. Wieder ging sie an den Herd und rührte die Speisen um. Der Reis war schnell fertig und sie gab ihn in eine weiße Schüssel. Auch das Fleisch und die Soße dazu waren schnell hergerichtet. Nun fehlt eigentlich nur noch der Gast dachte sie. „Essen ist fertig. Ich hoffe du magst die chinesische Küche“ rief sie aus der Küche ins Wohnzimmer.

    Peter sah sich in der Wohnung von Susanne um. Zwar behauptete die Dienstellensekretärin der Kriminalpolizei Autobahn, dass ihre Wohnung „nichts Besonderes“ sei, doch Peter – der in den letzten Jahren nur kalte Wände gesehen hatte – war schlichtweg begeistert. „Nichts Besonderes?“, fragte er deswegen verwundert und fuhr mit der Hand über eine Kommode, „Ich finde sie ist sehr gemütlich. Wie du selbst sagst: schön eingerichtet, sogar mit Kamin.“, nickte er anerkennend, „Mir gefällt sie.“. Peter lächelte und schaute sich weiter um. Die Wohnung war vielleicht wirklich ein wenig klein für zwei Personen, doch für einen netten Abend zu zweit sollte es reichen. Sein Magen knurrte laut. So laut, dass er sich erschrocken umdrehte weil er dachte, Susanne hätte es sicher hören müssen. da er schon länger nichts gegessen hatte, denn er ja wollte, dass sich der Besuch im teuren Restaurant lohnte. Das fand Peters Magen natürlich alles andere als toll… Er setzte sich auf das Sofa und schloss für einen Moment lang die Augen. Wieder dachte er an Isabelle und an Sophia. Wie wohl ihre Wohnung von innen aussah? Schnell schob er die Gedanken beiseite und konzentrierte sich wieder auf Susannes Wohnung. Er drehte sich auf dem Sofa um und entdeckte in einem Regal einige Fotos. Eines von ihnen zeigte Susanne zusammen mit ihren Kollegen von der Polizei. Zu Peters Leidwesen erkannte er auch Anna Engelhardt. So langsam wurde es Zeit, dass er hier weiter kam um an sie zu gelangen.

    Susanne sah mit einem verlegenden Lächeln zu Tobias, der sich mit der Speisekarte abmühte. "Und weißt du nicht was du essen willst?" fragte sie lachend. "Ich empfehle dir das Gordon Bleu mit gefülltem Lauch und den gesalzenen Kartoffeln. Klingt gut und scheint zu schmecken. Oder lass dich von dem Kellner etwas empfehlen. Ich denke ich werde mir einen dieser Meeresfrüchteteller bestellen. Ich liebe Fisch. Er ist gesund und hat sehr viel Eiweiß und Jod." Susanne stockte. "Entschuldige ich rede zu viel." lachte sie leise. Sie sah ihn an. Doch irgendwie schien er es gar nicht mitbekommen zu haben, was sie gesagt hat. Sie schüttelte leicht den Kopf. "Hörst du mir eigentlich zu?" fragte sie deshalb. Es kam keinerlei Reaktion von ihm. Susanne verlor sich in Gedanken. Was ist denn nur los? Konnte er auf stur schalten, oder hörte er sie wirklich nicht? Sie berührte ihn leicht an der Hand. "Hey... was ist denn? Du scheinst in Gedanken versunken zu sein. Kann ich dir irgendwie helfen?" fragte Susanne. Peter reagierte nicht. Er sah in die Karte und dachte daran mit Isabelle hier zu sitzen, oder besser noch bei ihr und seiner Tochter zu sein. Was hätte er alles dafür gegeben, mit Isabelle zu reden und vielleicht ein Glas Wein zu trinken. Was trinkt seine Tochter wohl. Ob Isabelle ihr erlaubte, Cola zu trinken? Oder doch lieber nur Limonade oder Saft? „Hallo!!! Ist jemand zuhause?“ hörte er plötzlich Susanne sagen und erschrak. „Was?“ fragte er leicht verwirrt und bemerkte erst jetzt, dass er völlig in Gedanken versunken war. „Entschuldige… war ein langer Tag…“ erklärte er. Doch zum Glück für ihn, kam der Kellner zu ihnen an den Tisch und fragte nach der Bestellung. Peter ließ sich zunächst den Wein kommen und probierte kurz und stimmte dann zu.

    Susanne studierte weiterhin die Speisekarte. Sie wollte nicht ein so teures Gericht haben. Irgendwie kam ihr in den Sinn, dass dieser tolle Mann sie hierhin eingeladen hatte, ohne zu wissen, was führ Preise hier herrschten. Hier wo vermutlich nur die oberen zehntausend gastierten. „Wie klingt das? fragte Peter plötzlich. „Gebeizte Tranchen und Fielt vom Lamm mit ligurischem Gemüsesalat?“ las er vor. In Gedanken jedoch fragte er sich was das überhaupt war. Egal… es war das zweitbilligste, dachte er sich. „und als Hauptgang..“ er blätterte einige Seiten weiter. „Wie wäre es wie Kabeljau, Seeteufel oder Wolfsbarsch?“ Innerlich betete er, dass sie sich Kabeljau aussuchen. Susanne schien seine Gedanken zu erraten. „Hör mal… Tobias… wir müssen hier nicht essen. Es ist viel zu teuer. Lass uns doch was ganz verrücktes machen. Wir bezahlen den Wein und fahren zu mir. Ich koche schnell etwas und dann machen wir uns einen schönen Abend. Nur wir zwei“ meinte sie und hielt seine Hand fest. Er war einverstanden. Nur kurz darauf zahlte er den Wein und verließ mit Susanne lachend das Restaurant. „Ich hoffe das Essen bei dir ist nicht so teuer wie hier.“, zwinkerte er der jungen Frau zu. „Du bist so sonderbar… woran liegt das?“ wollte Susanne wissen. „Nun ja… du musst wissen, dass ich… also ich meine.. ich bin schon lange nicht mehr mit einer Frau ausgegangen. Vor allem nicht mit so einer schönen Frau…“ erklärte er leise.

    Nur wenig später kam sie an. Peter sah ihr entgegen und hielt den Atem an. Wie schön sie doch war. Wie zart und anmutig, dachte er. Er stand auf, als sie an den Tisch trat und zog den Stuhl für sie vor. Einen Gentleman konnte er auf jeden Fall schon mal spielen. Nun kam es nur darauf an, dass Susanne ihm vertraute. „Hallo…“ sagte sie leise und setzte sich. „Schön hier…“ hängte sie an, als sie sich umgesehen hatte. Peter bemerkte sehr wohl wie unsicher und nervös die Frau war. „Schön dich wieder zu sehen.“ Gab er zurück und lächelte dabei. Er gab ihr üblicherweise ein Küsschen rechts und eins links auf die Wange. „Ja ich finde auch dass es schön hier ist und dass ich dich wiedersehen kann.“ Meinte sie nur und griff zur Speisekarte. Peter sah wie sie schluckte, als sie die Preise sah. „Ist nicht gerade billig…“ stöhnte sie leise und sah sich verstohlen um. Peter nickte. „Ja ich weiß…“ gab er zu. „Wir können auch woanders hingehen. Ich habe nicht einmal was gegen Pizza oder so…“ lächelte sie ihn an. Peter musste sich ein Lachen wirklich verkneifen. Wenn man eingeladen wurde, sprach man doch nicht über Preise. Aber scheinbar war es ihr gar nicht so bewusst, dass sie ja eingeladen wurde. Dennoch war es in seinen Augen bewundernswert. Eine Frau die sich Gedanken über die Preise macht, war schon was Besonderes. „Nein…das kommt gar nicht in Frage. Ich habe dich schließlich eingeladen. Du hast sicherlich einen harten Arbeitstag hinter dir. Wie geht es dir denn?“ fragte er lächelnd. Er bemerkte dass er etwas für diese Frau empfand. Doch er wusste auch, dass er das Gefühl unterdrücken musste. Sie war nur Mittel zum Zweck.

    „Ich habe sogar einen Parkplatz gefunden, den ich mit Sicherheit noch später am Abend wieder finde.“, erklärte er und blickte von seiner Speisekarte hoch. In dem Moment kam ein Kellner vorbei: „Darf es schon was sein?“, fragte dieser und nach einem weiteren Blick in die Karte – wo standen bloß die Weine? – bestellte er: „Ich hätte gerne einen Rotwein. Er sollte schön auf der Zunge moussieren und nicht zu süßlich schmecken… Kriegen Sie das hin?“, der Kellner schaute etwas verwundert drein, nickte dann aber. „Und Sie?“, richtete er sich weiter an Susanne. Sie sah den Kellner etwas irritiert an. Was meinte der denn damit...? fragte sie sich und gab sich kurz darauf selbst die Antwort. Sie sah Tobias lächelnd an. Der Kellner verschwand. "Was für ein Typ..." lachte Susanne und sah ihm nach. Sie nahm die Speisekarte und sah hinein. Gott, was nehme ich nur? fragte sie sich. "Kannst du was empfehlen?" fragte sie Tobias, der die Speisekarte ebenfalls in der Hand hielt. Sie tippte ihn an. "Hallo? Ist jemand zu Hause?" fragte sie lachend und berührte seine Hand. Doch gleich darauf zuckte sie zurück. Der Kellner kam mit einer Flasche Rotwein zurück und zeigte sie Tobias. "Dieser Wein ist sehr bekömmlich und nicht zu süß." erklärte er. "Genau wie der Herr bestimmt hatte. Ein süßer Bordeaux, recht mundig und doch sanft wie eine Frau." erklärte er und warf Susanne einen vielsagenden Blick zu.

    Andrea blieb doch noch einige Zeit bei ihren Eltern, weil sie spürte, dass ihr die Ruhe wirklich gut tat. Außerdem kam auch noch dazu, das Aida krank wurde und mit Fieber im Bett lag. Andrea schob es auf die vergangenen Ereignisse. Auch Aida hatte ja im kalten Wasser eine ganz Zeit ausgehalten und Andrea hatte große Angst, dann sie sich eine Lungenentzündung holen könnte. Zum Glück war es nicht. Aber nun hatte die Kleine Fieber. Eine harmlose Erkältung, erklärte der gerufene Arzt. Er verordnete Bettruhe für Aida und natürlich viel trinken. Andrea hielt sich daran und umsorgte ihren kleinen Engel liebevoll. Ihre Mutter unterstütze sie, denn auch Andrea fing an zu niesen und bekam Halsschmerzen. Zwei Tage vergingen und Andrea lag gemeinsam im Bett. Auch sie hatte hohes Fieber und schlief meistens. Margot kümmerte sich nun um beide Patienten und verbot Andrea auch nur einen Schritt vor die Tür zu machen. „Aber... ich will doch nach Semir...“ sagte sie fiebrig. Ihre Mutter lächelte mild und meinte nur dass es erst einmal wichtig war, wieder gesund zu werden, weil es so keine Entlastung sondern eine Belastung für Semir sei, falls er bereits wieder arbeiten sollte. Andrea hatte das ungute Gefühl, das es noch ein vielleicht sogar zwei Wochen dauerte bis sie wieder bei ihrem Mann war. Die Tage vergingen und es wurde besser.

    Am 21. März fuhr Andrea mit Aida nach Hause. Sie dankte ihren Eltern dafür, bei ihr so eine schöne Zeit gehabt zu haben und für die Geduld die ihre Mutter aufbrachte als beide krank waren. Doch nun war es Zeit wieder heim zu fahren. Nach Hause zu ihren Mann. Sie sehnte sich so danach von ihm in die Arme genommen zu werden. Schnell gab sie ihren Eltern einen Kuss und stieg ins Auto. Im Rückspiegel sah sie ihren Vater und Mutter noch lange winken. Andrea fuhr zügig und kam sehr gut voran. Am frühen Nachmittag war sie endlich daheim angekommen. Sie brachte Aida die im Kindersitz schlief ins Haus und legte sie ins Bett. Dann holte sie schnell die Koffer rein. Semir war wie sie es sich schon dachte nicht zuhause. Sie wollte gleich mal Susanne anrufen, ob er bereits wieder am arbeiten war. Nachdem sie den Koffer ins Schlafzimmer getan hatte griff sie zum Hörer und rief in der PAST an.

    Peter Neumann berührte die Kette, um seinen Hals. Die lange Kette, an der der Ehering hing, wurde zu einem kleinen Häufchen auf einer der starken Hände von ihm. Am Nachmittag hatte Susanne endlich angerufen. Peter hatte schon Angst gehabt, der Plan würde nicht funktionieren und die Sekretärin würde sich nicht melden, doch am Nachmittag hatte das Mobiltelefon endlich geklingelt und sie hatten sich verabredet. Er hatte sie ins „La Société“ geladen, ein Feinschmeckerrestaurant, für das der ehemalige Polizist und momentane Bauarbeiter bei seinem Lohn eigentlich überhaupt kein Geld hatte, doch er wollte Susanne beeindrucken. Zwar musste er dafür zumindest einen Teil seiner eisernen Reserven ausgeben, doch das war nur das geringere Übel, schließlich ging es darum, die Familie zurück zu bekommen – vermutlich hätte er dafür sogar eine Bank ausgeräumt! Natürlich war das viel zu riskant… Und somit hatte er einfach einen Tisch im „La Société“ bestellt. Zum Glück waren noch zwei Plätze für den Abend frei, denn sonst hätte Peter vielleicht andere Geschütze auffahren müssen. Seufzend betrachtete er den Ehering, umschloss ihn mit seiner Hand, die sich zu einer Faust formte. Heute war es zu riskant, ihn bei sich zu tragen. Wer konnte schon sagen, wie der Abend verlaufen würde?

    Nachdem er sich schick gemacht hatte – er trug einen schwarzen Anzug, den er sich von einem Bekannten geliehen hatte – schaute er in den Spiegel. Blickte ihn da etwa der Mann an, der vorhatte, eine Polizistin und ehemalige Kollegin zu entführen? Ja. Peter war nicht mehr der, der er einst gewesen war. Damals, als er noch glücklich mit Isabelle verheiratet gewesen war, als er für seinen Vater Befehle ausgeführt hatte, als er sich auf seine Tochter gefreut hatte… als er noch kein verschriener Mörder gewesen war! Seufzend stemmte er eine Hand gegen den Spiegel und ließ den Kopf hängen. Mit der anderen Hand fuhr er sich über die Augen. Er wusste nicht, ob es das Richtige war, was er hier tat. Aber hatte er jetzt noch eine andere Wahl? Musste er nicht endlich handeln? War er nicht sogar ein Stück dafür verantwortlich, dass endlich der wahre Mörder gefasst wurde? Ja, Peter war davon überzeugt, dass dies seine Pflicht war. Nicht viel später stand Peter – schick, schick – am Eingang des „La Société“. Es war bereits dunkel, schließlich ging im März die Sonne noch recht früh unter. „Guten Abend. Ich habe einen Tisch reserviert. Auf den Namen ‚Heer’.“ – die Name am Empfang ging eine Liste durch, „Gerne. Folgen Sie mir.“, Peter nickte und machte sich mit der Frau auf den Weg zu seinem Tisch. Dort angekommen, zog er erst einmal seinen Mantel aus und gab ihn der Frau mit, die ihn zur Garderobe brachte. Peter setzte sich, richtete seinen Kragen noch einmal und wartete dann… Nach einiger Zeit nahm er dann schon einmal die Karte zur Hand und staunte nicht schlecht: zwar hatte er mit hohen Preisen gerechnet, doch dass alleine die Vorspeisen bei 19 Euro erst anfingen – damit hatte er dann doch nicht gerechnet. Er klappte die Karte wieder zu und wartete auf Susanne.

    Leise verließ Andrea das Zimmer. Sie wollte die Gastfreundschaft ihrer Eltern hier in Neuss nicht zu lange in Anspruch nehmen. Spätestens nächste Woche würde sie wieder nach Hause fahren und für ihren Mann kochen. Aber sie wollte Semir nichts davon sagen. Es sollte eine Überraschung werden. Sie stellte sich vor, wie er sie ansah, wenn er nach Hause kam und sie auf dem Sofa sitzen sah. Sie schmunzelte, weil sie sich vorstellte wie er da stand und sie ansah… Plötzlich spürte sie eine Hand auf der Schulter und zuckte zusammen. Ihre Mutter stand bei ihr und meinte es wäre schön, dass Andrea und Aida hier seien. Wie knapp die Rettung war und dass Andrea erst einmal zur Ruhe kommen sollte. Klar, dachte Andrea… Ich habe hier Ruhe, während mein Mann die Bösen Jungs verfolgt und vielleicht sogar angeschossen wird. Du brauchst deine Ruhe hörte sie ihre Mutter sagen. Klar… Ruhe… immer wieder Ruhe, dachte Andrea. Wer kümmert sich um meinen Mann? Er muss sich auf Chris Ritter verlassen. Auf einen Mann, der in sich selbst verliebt war, der nur sich selbst als das Wichtigste sah. Was wenn ….Andrea schüttelte den Gedanken von sich. Ihre Mutter hatte Recht. Sie sollte sich erholen. Nicht an die Arbeit denken, nicht an die Gefahren, in denen ihr Mann schweben könnte…. An nichts Böse denken…

    Andrea sah ihre Mutter an. Sie war so fürsorglich und kümmerte sich liebevoll um Andrea und Aida. Sicher sie war nach der Sache ziemlich an Ende. Nervlich zerstört. Jede Nacht wachte Andrea schweißgebadet auf und schrie. Sofort war ihre Mutter da und nahm sie tröstend in den Arm. Andrea fühlte sich geborgen und konnte dann meist direkt wieder einschlafen. Sie erzählte ihrer Mutter, dass sie aufgeben wollte, als sie im Wasser war und es stieg. Sie wollte Aida retten lassen und sie wusste noch, dass sie nachdem Aida auf dem Gitter lag unterging. Katrin zog sie wieder hoch doch nun hatte das Wasser das Gitter erreicht. Es war nicht möglich mehr Luft zu bekommen. Auch in Katrin kam die Panik auf dann sanken beide langsam runter. Andrea schloss mit dem Leben ab. Das nächste was sie spürte war Semir… wie er sie in den Arm nahm. In letzter Sekunde. wie immer dachte sie. Dramatik pur. Genau nach Semirs Geschmack. Er liebte es in letzter Sekunde als der Held dazustehen. gingen ihre Gedanken weiter. „Mein Held“ sagte sie leise zu sich und lächelte. Ihre Mutter riss sie aus den Gedanken und fragte ob sie vielleicht etwas mit ihr und Aida spazieren gehen wolle. Andrea nickte und sie liefen eine weile schweigend durch den nahe gelegenen Wald. Andrea wusste genau warum ihre Mutter es tat. Sie wollte dass Andrea ihr alles erzählte. Wie schon so oft, wenn etwas passiert war. Andrea tat ihr den Gefallen und erzählte ihr wie sie sich fühlte als einer der Männer Aida so brutal aus dem Kindersitz gezogen hatte, wie brutal sie und Katrin aus dem Haus gezerrt wurden und dann eingesperrt in diesem Keller, wo es so dreckig und stickig war. Andrea wusste dass Semir sicher genauso viel Angst ausgestanden hatte, wenn nicht sogar mehr. Sie redete sich alles von der Seele und ihre Mutter hörte zu. Sie hörte nur zu, doch genau das brauchte Andrea in diesen Augenblicken. „Ich werde am Sonntag wieder zu Semir fahren. Er braucht mich auch.“ sagte sie als sie alles erzählt hatte. Ihre Mutter nickte nur. „Weißt du… Semir braucht mich. Er ist allein und ich weiß dass er und Chris… die Beiden sind so verschieden. Ich habe Angst dass Semir durch den ganzen Stress in der letzten Zeit unvorsichtig wird. Also ich meine mehr, als er es eh schon ist. Versteh mich bitte nicht falsch. Aber ich gehöre zu meinem Mann.“ bat sie ihre Mutter um Verzeihung für ihre Entscheidung. Ihre Mutter nickte erneut. Andrea wusste sie hatte Verständnis und sie würde es genauso machen.

    Und während Semir sich darüber ärgerte, dass er nicht arbeiten durfte fühlte Chris sich wie ein Kind. Er war mit Katrin nach Frankreich gefahren und dort in den Freizeitpark gegangen. Erst wollte Katrin nicht weil es ihr zu kindisch war, doch dann hatte sie riesigen Spaß. Sie fuhren eine Attraktion nach der Anderen und freute sich wie kleine Kinder. Selbst Chris, der sonst immer alle Gefühle nicht nach außen ließ lachte laut. Nach drei Stunden gingen die Beiden essen. „Mann…Paps… das ist echt geil. Eine tolle Idee hier hin zu fahren. Disneyland Paris ist super…. Ach was gäbe ich dafür, wenn wir bis morgen hier bleiben könnten…“ schwärmte Katrin. Chris lächelte. „Wir bleiben sogar bis Freitag hier.“ gab er bekannt. Katrin die gerade was trank verschluckte sich. „Was…hust…hust….“ gab sie von sich. Chris lachte sie an. „Ich habe hier auf der Davy Crokett Ranch… uns ein Zimmer reserviert. Du kannst dich also nach Lust und Laune amüsieren…“ nickte er. Katrin sprang auf und riss fast den Tisch um. Sie fiel ihrem Vater um den Hals. „Danke…Danke…“ rief sie freudig aus. So laut, dass die anderen Gäste sie ansahen. „Hey… ist ja gut…“ beruhigte Chris sie und drückte seine Tochter an sich. Wieder überkam ich das Gefühl der Geborgenheit. „Ich habe dich lieb…“ sagte er leise.

    Doch auch bei Chris und Katrin ging die Woche schnell vorbei. Am Freitag packte Katrin mit ziemlicher Wehmut. Sie sah ihren Vater an. „Können wir das noch einmal machen? Und dann könnten wir ja auch den Kleinen mitnehmen. Mark würde sich bestimmt auch freuen…“ bettelte sie. Chris nickte. „Ja… machen wir. Aber jetzt muss ich dich wieder zu Mama bringen. Aber ich werde dich spätestens nächste Woche besuchen, oder du kommst wieder zu mir. Ich meine wenn ich nicht gerade arbeiten muss…“ erklärte er. Katrin nickte. „Ja ich werde es machen. Und ich will hoffen, dass dann nicht wieder so ein Horrorfall eintritt.“ lachte Katrin. Die Koffer waren gepackt und wehmütig fuhren Chris und Katrin zum Flughafen. Gegen Mittag waren sie zurück in Deutschland. „Können wir nicht noch einen Abstecher machen?“ fragte Katrin als sie den Wagen holten. „Wohin denn?“ fragte Chris. „Wir könnten doch ins Phantasialand fahren. Das ist doch direkt bei Köln und da ist es auch sehr schön…“ bettelte Katrin. Das Lächeln gefror in Chris Gesicht. Wie konnte Katrin auch wissen, dass er hier alles versucht hatte den Mistkerl zu stellen, der sie und Andrea mit Aida entführt hatten. Doch das musste Katrin ja auch nicht wissen. Chris lachte künstlich und nickte. „Weißt du… wir können da später mal hinfahren. Ich würde lieber nach Hause fahren. Ich muss am Montag ja wieder ran und du kennst Semir ja auch ein wenig. Das wird stressig…“ erklärte er. Katrin murrte etwas doch sie war einverstanden. Nur drei Stunden später standen sie vor dem Haus in dem Katrin mit ihrem Bruder und ihrer Mutter lebte. Mark war leider nicht da. Katrin verabschiedete sich herzlich von ihrem Vater und sah ihm hinterher, als er abfuhr.

    Andrea ließ sich die Woche richtig verwöhnen. Es ging ihr soweit gut. Jetzt saß sie in ihrem alten Kinderzimmer und sah auf Aida, die schlafend in dem Bett lag. „Mein kleiner Engel… Wie gut dass du noch nicht weißt was wir schon durchgemacht haben. Fast hättest du keine Mama mehr gehabt.“ sagte sie leise und küsste die Stirn ihrer Tochter. Wieder kam die Erinnerung an die schlimmsten Tage die sie erlebte. Gefangen in einem Kanal. Kein Weg der nach draußen führt. Niemand der ihr und Katrin, der Tochter von Chris Ritter half. Niemand der sie hörte. Durch Andreas Körper ging ein Zittern. Sie schüttelte sich und dachte an den Partner von Semir, ihrem Mann. Chris Ritter… sie mochte ihn nicht. Sie hat ihn von Anfang an nicht gemocht. Er war ihr nicht ganz koscher. Semir war schon nicht einfach und sehr schnell für Einzelaktionen zu begeistern, damit konnte sie leben. Aber Chris… er liebte die Gefahr. Klar… er war ja lange genug als Undercover tätig und musste es zweifellos sein. Aber er hatte keine Familie. Er hatte niemanden der ihn brauchte, so dachte Andrea. Sie wusste zwar das Chris geschieden war und Katrin seine Tochter, aber für sie war es einfach etwas Anderes. Sicher…. Katrin brauchte ihren Vater. Aber wo war er, als sie und Andrea mit Aida aus dem Ferienhaus entführt wurden? Wo war er, als Katrin und sie gefangen gehalten wurden? Wo war er…. „Sei nicht ungerecht“ sagte sie leise zu sich selbst. „Er hatte ja auch was Anderes zu tun. Gemeinsam mit Semir.“ ging sie weiter.