so ausnahmweise mal eine doppelte Portion, da ich heute am Set bin.... und es nichts mehr gibt heute... also einteilen 
Chris wunderte sich wirklich über Andreas Anfall. Er konnte zwar nicht behaupten, die junge Frau in- und auswendig zu kennen, dafür hatten sie einfach zu wenig miteinander zu tun. Doch Semir sprach oft von seiner kleinen Familie und wie glücklich er darüber war und Chris hatte Andrea Gerkans Nerven nicht so dünn eingeschätzt. Vielleicht tat er ihr auch Unrecht damit, schließlich war sie erst vor nicht all zu langer Zeit in höchster Lebensgefahr geschwebt und nicht nur ihr eigener Schutz war damals wichtig gewesen, sondern auch der ihres Kindes und sicher hatte sie sich ebenso für Katrin verantwortlich gefühlt. Ob sie das alles schon so verkraftet hatte, konnte der Hauptkommissar nicht sagen, denn darüber hatte er mit Semir nicht ausführlich gesprochen. Ja... und das mit dem 'kleinen Unfall' eben war vielleicht auch nicht die volle Wahrheit, denn als klein konnte selbst Chris das nicht bezeichnen, der schon etliche Unfälle in seinem Leben und während seiner Berufslaufbahn gesehen hatte. Er wollte Semirs Frau allerdings auch keinen Schrecken einjagen, denn Erzählungen hörten sich manches Mal schlimmer an, als die Tatsache schlussendlich gewesen war. Wobei es dieses Mal wirklich knapp gewesen war und der Halbtürke wenige Sekunden später womöglich schon nicht mehr am Leben gewesen wäre. Allerdings würde Chris das verschweigen, es war Semirs Sache, ob er es so genau erzählen wollte oder eher nicht. Doch die Hintergründe des Unfalls würde Andrea früher oder später doch erfahren und ob er jetzt schon Ärger bekam oder erst in ein paar Stunden im Büro von Frau Engelhardt war im Grunde genommen egal und nebensächlich. Zumal in diesem Punkt Andrea auch Recht hatte - wäre es nur ein kleiner Unfall gewesen, würde der BMW nun draußen vor der Tür stehen, verbeult vielleicht.
Bei ihren Unterstellungen allerdings, wo er denn gewesen war, musste sich Chris zusammen reißen, um weiterhin ruhig zu bleiben. Er holte einmal tief Luft, ließ den Sauerstoff in seine Lungen strömen und wünschte sich in diesem Augenblick nichts sehnlicheres, als sich eine Zigarette anzustecken und einen tiefen Zug zu nehmen, der ihn sofort entspannte und beruhigte. Es würde nämlich nichts bringen, wenn er nun auch die Nerven verlor und so klang seine Stimme wiederum ruhig, als er ihre Fragen sachgemäß beantwortete. „Hör zu... wir haben zwei dringende Hinweise erhalten und beschlossen, beiden gleichzeitig nachzugehen. Wir haben uns getrennt. Semir wurde dann allerdings entdeckt und unter Beschuss genommen, woraufhin er mich über Handy informiert hat. Einer dieser Kerle hat seinen Dienstwagen gerammt und in den Rhein geschoben. Ich hab ihn raus geholt, deshalb auch die nasse Kleidung. Im Augenblick wird er untersucht und geröntgt, du musst dich leider noch etwas gedulden, bevor du zu ihm kannst. Aber du kannst mir glauben, in ein paar Tagen ist er wieder fit, du kennst ihn doch." sagte er beherrscht.
Andrea sah ihn an. Wie war das? Sie hatten sich getrennt? Ihr Blick verfinsterte sich und sie holte tief Luft. „Du und er … ward nicht zusammen? Seid ihr Supermänner oder was? Ja sicher…. Ist doch klar… das darf doch wohl nicht wahr sein. Seid ihr erst seit Gestern bei der Polizei oder was? Du als ehemaliger verdeckter Ermittler, vor allem dir sollte doch die Gefahr klar sein, wenn man ohne Rückendeckung auf Tour geht. Was sollte das denn? Willst du Semir dazu verleiten, dass er sein Leben aufs Spiel setzt? Verdammt er hat Familie!!!“ schrei sie ihn wütend an. „Da kann er ja froh sein, dass du ihn überhaupt rausholen konntest. Was wäre denn wenn du nur wenige Minuten zu spät gekommen wärst? Hättest du mir dann auch gesagt,,, Sorry aber Semir lebt nicht mehr? Wie wolltest du mir beibringen, dass er nicht mehr lebt? Wie? Und was das in ein paar Tagen wieder fit angeht… sicher wird er das sein. Und dann? Was kommt als nächstes? Meinst du ich will noch einmal so etwas durchmachen, wie mit Katrin und Aida? Meinst du nicht, dass…Weißt du eigentlich was Angst ist? Weißt du wie es ist ohne Hoffnung…? Nein sicher nicht. Denn sonst wärest du für Katrin da gewesen, als sie dich brauchte. Sie hat mir einiges erzählt…. während wir…“ Andrea fing an zu weinen, als die Erinnerung zurück kam. Doch nur kurz und sie hatte sich wieder in Gewalt. Sie wollte diesem Mann gegenüber keine Gefühle zeigen. Er war kalt… so eiskalt…
Chris musste nicht beherrschen, um nicht genervt die Augen zur Decke zu drehen. Diese Reaktion von ihm hätte sonst mit Sicherheit Andrea mitbekommen und das hätte wohl nur unnötig ihre Verärgerung geschürt. Natürlich war er nicht erst seit gestern bei der Polizei und er wusste auch, was in diesem Job das oberste Gebot war. Üblicherweise war es riskant, irgendwo ohne Rückendeckung hinzugehen, doch in diesem Fall hatten die beiden Kommissare das Risiko abschätzen können. Es war schließlich nicht darum gegangen, die Drogenhändler zu stellen und festzunehmen, sondern sie erst einmal nur zu beobachten und sie zu observieren. Dem 38-jährige wurde zwar öfters nachgesagt, dass er leichtsinnig war, doch er war schon jahrelang in diesem Job und er wusste, wann er ein Risiko eingehen konnte und wann besser nicht. „Du musst mir nicht erklären, wie ich meinen Job zu tun habe. Wir hielten die Gefahr für gering und nur deshalb sind wir beiden Hinweisen zeitgleich nachgegangen. Ich würde deinen Mann nie zu irgendetwas zwingen, er ist alt und erfahren genug um selbst zu wissen, wie er sich zu verhalten hat.“ Andrea hatte doch nicht wirklich eine Ahnung davon, wovon sie nun sprach. Er setzte sein Leben aufs Spiel? Das entsprach sicher der Wahrheit, doch wofür das ganze? Ganz sicher nicht, weil er auf diesen Kick stand. Er versuchte einfach seinen Job zu machen und indem Semir und Chris anderen Leuten den Hals retteten oder den bösen Jungs das Handwerk legten, schlitterten sie gezwungenermaßen immer in diese bedrohlichen Situationen.
Andreas Unterstellungen, er würde seinen Partner dazu verleiten, dass dieser ebenfalls sein Leben aufs Spiel setzte, machte ihn nun doch wütend und verärgerte den Dunkelhaarigen. Aber wahrscheinlich war es schwer für Außenstehende den wahren Alltag der beiden Autobahncops zu verstehen und nachvollziehen zu können. Obwohl Andrea es eigentlich wissen müsste, schließlich war sie selbst jahrelang hautnah dabei gewesen. Selbstverständlich musste es für sie auch ein Schock sein zu hören, dass ihr Mann mit seinem Dienstwagen im Rhein gelandet war. Kein schöner Gedanke! „Ja, einer dieser Kerle hat Semirs Wagen gerammt und in den Fluss geschoben. Er konnte sich nicht selbstständig befreien, da sich der Sicherheitsgurt verklemmt hatte. Und vielleicht hätte alles ein böses Ende genommen, wenn wir beide in diesem Wagen gesessen hätten.“ Zumindest diesen Vorteil hatten die Alleingänge der beiden Männer gehabt. Doch als Andrea seine Familie ansprach kam die Wut. „Lass meine Familie aus dem Spiel! Du weißt gar nichts! Was hat Katrin dir erzählt?“ wollte er wissen. Doch bevor sie antworten will drehte er sich um. „Wenn ich und Semir zusammen gewesen wären, dann wäre es durchaus möglich dass niemand von uns überlebt hätte. Schon mal an diese Möglichkeit gedacht?“ fragte er wütend.