Beiträge von Elvira

    Anna sah den Mann an. „Wo bringen Sie mich hin?“ fragte sie, doch eine Antwort erwartete sie nicht wirklich. Der Fall Peter Neumann, hatte sie schon damals nicht losgelassen. Was für ein Mann war es, der seinen eigenen Vater erschoss. Was ging in ihm vor? Er selbst war Polizist und seit diesem Vorfall fragte Anna sich, was in den Menschen vorging. Sie musterte ihn. Er war alt geworden. Er müsste jetzt gerade Anfang 40 sein, eher noch Mitte 30. Anna hatte damals an seine Unschuld geglaubt. Sie kannte Peter von der Polizeischule. Er war einmal ihr Schüler bis zu jenem Vorfall. Damals hatte sie keine Reue gezeigt und war einzig und allein darauf fixiert gewesen, den Fall zu lösen – ohne Rücksicht walten zu lassen. Warum auch? Ein Mensch, der einem anderen das Leben genommen hat, hat im Grunde auch nicht das Recht, mit Samthandschuhen angefasst zu werden, auch wenn das bedeutete, jemanden von seiner geliebten Familie zu trennen. Man musste über so etwas stehen und die Schicksale ausblenden, so wurde es ihr schon in den ersten Wochen vermittelt. Und wie hieß es so schön: Wie du mir, so ich dir! Genau dieses Sprichwort spukte mit einem Mal in ihren Gedanken, denn sie glaubte nicht, dass nun Peter derjenige sein würde, der irgendwelche schonenden Handschuhe über seine rauen Hände zog.

    „Wo bringen Sie mich hin?“, wiederholte sie sich nach einer kurzen Pause. Sie sah genau dass er wütend war. War sie nun dran? Wolle er sie auch umlegen, so wie damals seinen Vater? War er wirklich schuld? Sie schwieg nun um seine Wut nicht noch mehr Nahrung zu geben und gerade das war es, was man bei einer Entführung vermeiden musste. Immerhin hatte sie vor, noch eine ganze Weile am Leben zu bleiben! Die Fähigkeit, geeignete Orte zum Verstecken zu finden, wurde einem von Kindesbeinen an gelehrt. Man spielte mit seinen Freunden und als ideal galt ein Kleiderschrank, die Fensterbank mit den Gardinen davor oder unter dem Schreibtisch. Fand das lustige Treiben draußen statt, so versteckte man sich auf Bäumen, in Schuppen oder hinter Autos. Einem Kind fielen gute Verstecke leicht ein. Man musste nur aus den Augen der Verfolger verschwinden – so schwer konnte das nicht sein. Erwachsene machten sich da mehr Gedanken und für gewöhnlich war es kein Spiel, wenn sie versuchten, sich den Blicken ihrer Verfolger zu entziehen. Auch Peter war es klar, dass die Sache hier todernst war. Wochenlang hatte er nach dem geeigneten Ort gesucht um sich zu verstecken. Keine Spur durfte von Peter Neumann zu diesem Platz führen. Es musste eine Stelle sein, die nicht oft – wenn möglich gar nicht – von Menschen aufgesucht wurde und es musste die Möglichkeit bestehen dort zu leben, ohne dass irgendwer Verdacht schöpfte.

    Tricks hatte Anna im Laufe ihres Lebens duzende gelernt, mit denen gute Polizisten einen Verbrecher mit seinen eigenen oder ähnlichen Waffen schlagen konnten, man musste sich nur geschickt anstellen. Doch es gab Situationen, in denen man nicht den Mut besaß, auf sie zurückzugreifen, weil man Angst um sein Leben hatte. Und in wieder Anderen hatte man einfach von Anfang an das Gefühl, dass jeder Versuch, sie einzusetzen, schon von vornherein sinnlos war weil der Gangster mit den gleichen Waffen spielte, die man selbst gelernt hatte. Je länger Anna über den damaligen Fall nachdachte, den sie schon vor Jahren in Vergessenheit geglaubt hatte, je mehr Details wurden immer deutlicher in ihrem Unterbewusstsein sichtbar, die ihr ganz und gar nicht gefielen. Allen voran war es die Tatsache, dass Peter Neumann ebenso wie sie Polizist ist – oder besser war – und daher die besten Tricks kannte, mit denen ein guter Beamter seinen Gegner hereinlegen konnte. Daher hieß es für den Moment, Ruhe bewahren und keine voreiligen Handlungen wagen, was um einiges leichter gesagt als getan war. Aber was konnte sie auch anderes machen? Es gab eben Dinge, die schon von Beginn an prädestiniert waren, nach hinten loszugehen und der Trick mit den Handschellen war mit Sicherheit einer davon. Also musste sie – ihrem beruflichen Stolz zum Trotz - den Anweisungen ihres Kidnappers folgen, indem sie die stählernen Fesseln ordnungsgemäß anlegte und wartete dann mehr oder weniger geduldig darauf, wohin sie fahren würden.

    Doch gerade dieses Warten auf das Ungewisse war es, was in ihrem Inneren ein noch größeres Gefühlschaos auslöste und sich mit der Angst um ihr Leben zu einem gefährlichen Cocktail mischte. Ein Cocktail, der ihr von Sekunde zu Sekunde die Fähigkeit nahm, rational zu denken und einen Befreiungsplan zu schmieden. Köln und überhaupt ganz Deutschland waren riesig, Peter konnte sie überall hinbringen, ohne dass er eine Spur hinterließ, er war schließlich Profi. Und eigentlich konnte sie sich, so Leid ihr der Gedanke auch tat, nicht auf ihre Mitarbeiter verlassen. Sie war auf sich allein gestellt und diese Erkenntnis war es, die ein einsames Gefühl entstehen ließ, dass ihre Hände nur noch mehr zum Zittern brachte. Dieser Mann neben ihr war nicht zu durchschauen und schon nach den paar Minuten, in denen sie sich mit ihm in einem Auto befand, traute sie ihm alles zu, ohne dass sie genau wusste, warum er all das tat. Das war einer der Nachteile an ihrem Beruf, man lebte ständig gefährlich, sobald ein Verurteilter auf freien Fuß gelassen wurde. Die einen wurden zu neuen Menschen, fingen noch einmal ganz von vorne an, weil sie während der Zeit im Gefängnis ihre Fehler erkannt hatten. Andere – und leider waren es nicht gerade wenige – verstellten sich, nur um eine vorzeitige Entlassung zu erwirken und die Chance zu ergreifen, sich an denen zu rächen, die ihnen die Zeit geraubt hatten.

    Anna sah ihren Entführer an. Sie dachte sonderbarer Weise an eine der Lektionen die ihr in der Polizeischule beigebracht wurde. Nicht das eigene Leben mutwillig in Gefahr bringen. Ja, es war immer leicht, derartige Sachen zu lehren, aber man musste sich erst in einer solchen Situation befinden, um festzustellen, dass jede Art von Theorie nichts gegen die Realität war. Sollte sie vielleicht etwas sagen? Oder würde ihn das nur noch wütender machen? Sie verfiel ins Schweigen, versuchte sich keine Schwäche anmerken zu lassen und auch das beginnende Zittern ihrer Hände zu vertuschen. Es war nun wirklich nicht das erste Mal, dass sie mit einer Waffe bedroht wurde, doch es gab Dinge, an die konnte und sollte man sich nicht gewöhnen, denn andernfalls konnte man irgendwann die Gefahr unterschätzen. Dabei wollte sie ihm doch nicht zeigen, dass er sie derart im Griff hatte, wie er es sich wünschte und im Vorfeld wohl auch geplant hatte. Ein unangenehmes Schweigen kehrte im Wagen ein, als Peter den Motor startete und so den Abstand zwischen Anna und ihren möglichen Helfern verringerte. „Warum tun Sie das?“ Leise hatte sie diese Worte ausgesprochen und mit einer Spur Vorsicht, um seine angespannten Nerven nicht noch mehr zu strapazieren.

    Peter sah sie an. Er wollte nicht auf die Frage „Warum?“ antworten. Es war zu simpel. Konnte sie sich das nicht vorstellen?, fragte er sich in Gedanken. Oder wollte sie es einfach nicht wissen. Er konzentrierte sich auf die Straße. Wenig später, nachdem der dunkle Wagen um eine Straßenecke gebogen war und nun jede Spur von Anna Engelhardt und Peter Neumann fehlte, setzte Anna ihre Frage fort und fragte: „Warum tun Sie das?“. wiederholte Anna ihre Frage. Peter, der jetzt nicht befürchtete, sofort aufgegriffen zu werden, warf ihr einen Blick zu, in dem vielleicht ein Hauch einer Entschuldigung lag. Er sah, dass der Regen, wenn auch nur leicht, seine Spuren auf Haut und Kleidung der erfahrenen Polizistin hinterlassen hatte. Einen Moment zögerte der ehemalige Polizist, dann griff er hinter sich und holte eine Jacke hervor, die er Anna über die Schulter legte. Einen weiteren Moment schwieg er um zu überlegen, was er sagen sollte. Er hatte sich das einfacher vorgestellt. „Weil ich eine Tochter habe.“, sagte er schließlich und warf ihr noch einen kurzen Seitenblick zu, „Sophia… sie ist 10 Jahre alt…“, er zögerte und kämpfte mit sich selbst. „Ich weiß nicht was sie gerne isst. Ich weiß nicht was ihr Lieblingsfilm ist. Ich weiß auch nicht, wovor sie in der Nacht Angst hat…“, wieder stockte er und schüttelte langsam den Kopf.

    Annas verwundertes Gesicht ignorierend, bahnte sich Peter zusammen mit ihr einen Weg durch die vielen Menschen. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, weniger Leute zu laden, doch beides hatte Vor- und Nachteile. Waren viele Leute da, konnte man besser unbemerkt verschwinden, andererseits musste man damit rechnen, dass es irgendwen gab, der einen wieder erkannte und dies unter Umständen unter dem Namen, den man geheim hielt. Doch die Leute waren nun da, also brauchte man nicht weiter darüber nachdenken, was nun am Besten gewesen wäre. Peter musste eben hoffen, dass ihn weder Anna zu früh, noch der Polizist erkannte. Also beeilte er sich, an den Polizisten – erst an Bonrath und Herzberger, dann an Semir und Chris – vorbei zu kommen und führte Anna Engelhardt in eine andere Ecke der Wohnung, bemüht, so unauffällig wie nur möglich zu wirken und innerlich nach einer optimalen Lösung zu suchen – doch die gab es nicht. Als sie in der Küche zum Stehen kamen (und wenn sie jemand gesehen hatte, dann musste der sich schon gewundert haben, warum zum Teufel die beiden in der Küche verschwunden waren), war Peter nervös. Vielleicht sollte er einfach die Flucht ergreifen und alles so lassen, wie es war. Doch er konnte es nicht. Er wollte seine Tochter, sonst nichts. Also ergriff er schließlich das Wort: „Wir werden jetzt gehen.“, sagte er und tat den einen, vielleicht fatalen Schritt und riskierte alles, was er noch hatte. Wenn er etwas aber wirklich nicht hatte, dann war es Zeit, und somit musste er es jetzt wagen. Seine Hand griff in den Hosenbund und holte eine Pistole heraus, mit der er auf die Chefin der Autobahnpolizei zielte. „Ich möchte kein Wort hören oder ich drücke ab.“, drohte er, innerlich zweifelnd, ob er das wirklich könnte, doch sein äußeres Erscheinungsbild ließ keinen Zweifel an einer solchen Tat.

    Die neue Wohnung von Susanne König und Tobias Heer war so gebaut, dass man zwei Zugänge zur Küche hatte. Einen, der direkt ins Wohn- und Esszimmer führte, durch den sie gerade gekommen waren, und einen, der zum Flur führte, unweit von der Wohnungstür. Und genau durch diese Tür schickte Peter Anna Engelhardt, indem er ihr unsanft die Pistole in den Rücken drückte. Ein kurzer Blick zu beiden Seiten versicherte ihm, dass das Treiben nun vollkommen im Wohnzimmer stattfand und niemand damit rechnete, dass jemand entführt werden könnte – erst recht nicht vom Gastgeber. Und so dauerte es nicht lange, dass Peter und Anna im Treppenhaus waren, durch den mittlerweile einsetzenden Regen über die Straße liefen und in einen dunkelblauen Mercedes einstiegen, den Peter vor längerer Zeit unter einem anderen Namen gekauft hatte. „Festmachen!“, forderte Peter Anna auf, ohne ihr auch nur irgendetwas zu erklären, und sie war gezwungen, Handschellen um zu machen. „Dort dran.“, verlangte er und deutete auf den Haltegriff an der Tür. Erst als das erledigt war, startete er den Wagen und fuhr los, während noch niemand in der Wohnung ahnte, was vor sich ging. Anna sah sein Gesicht. Die Erinnerung setzte ein. „Peter Neumann?“ fragte sie plötzlich erstaunt. Peter Neumann… Ein Fall der ihr nie aus den Gedanken ging. Er sollte doch seinen eigenen Vater umgebracht haben. Ihre Stirn zog sich in Falten, doch sie kam nicht mehr dazu, weiter in ihrer Erinnerung zu kramen, denn plötzlich war der Zeitpunkt gekommen.

    Alles in Anna spannte sich, als sie sich an den Fall erinnerte. Sie verfluchte ihr Gefühl, das sie sonst immer so sicher vor Gefahren warnte. Diesmal hatte es nicht funktioniert. Wieso nicht?. Wieso um alles in der Welt musste sie ihm heute begegnen? Warum war er aus dem Gefängnis raus und wieso trieb er sich in Köln, in dieser Wohnung, herum? Und was um alles in der Welt hatte Susanne damit zu tun? Fragen, die mit Blitzgeschwindigkeit durch ihr Bewusstsein schossen und doch wusste sie, dass ihr von jetzt an keine Zeit mehr bleiben würde, auch nur eine davon auszusprechen. „Warum?“, war das einzige Wort, was sie noch herausbrachte, als er sein Vorhaben endlich aussprach und natürlich wunderte es sie mit einem Mal nicht mehr. Hätte sie sich nur schon an der Haustür erinnert... Doch dafür war es nun zu spät, das einzige, an das sie von jetzt an denken konnte, war, dass sie Peter Neumann auf keinen Fall provozieren durfte.

    Anna amüsierte sich blendend. Sie genoss die Blicke der Kollegen als sie zur Party kam. Wie erstaunt alle waren, weil sie nicht allein war. Besonders fiel ihr auf wie Semir reagierte. Sah sie ein Erschrecken in den Augen? Außerdem schien er immer noch wütend zu sein, dass sie ihn nach Hause geschickt hatte. Sie lachte insgeheim als er sich demonstrativ umdrehte. War es wegen ihr? Sie ging zum Buffet, denn die hatte den ganzen Abend noch nichts gegessen. Während sie sich einige der Leckerbissen auf den Teller tat, sah sie wie sich Till mit Semir und Chris unterhielt. Doch dann sah sie den Freund von Susanne auf sich zukommen. Anna lächelte ihn freundlich an. „Guten Abend…“ begrüßte sie ihn erneut. „Frau Engelhardt, wenn ich richtig liege?“ fragte sie der Mann. Anna nicke. „Ja .. das bin ich.“ bestätigte sie. „Sie sind also die Person, die Susanne immer dann ausbaden lässt, wenn die Hauptkommissare etwas anstellen?“ lachte der Mann. Er war ihr sehr sympathisch. „Nun ja… ich gebe zu, dass ich dann nicht immer sehr freundlich bin, aber ich hoffe doch, es ist nicht so schlimm gewesen…“ entschuldigte sie sich etwas. „Sie haben sich seit Damals nicht verändert.“ kam plötzlich von Tobias. „Damals? Kennen wir uns etwas?“ harkte Anna sofort nach und musterte den Mann. „Ja… wir kennen uns. Wenn Sei mit mir in die Küche kommen, dann erkläre ich Ihnen auch woher..“ sprach Tobias geheimnisvoll. Anna nickte. „Also gut… gehen wir in die Küche.“ lächelte sie. Sie ahnte nicht, dass Tobias hier weg wollte ehe Frank Wiegel ihn sah. Denn der Mann wusste wer er wirklich war. Zusammen mit Anna ging er in Richtung Küche.

    „Semir… das ist Frank Wiegel. Er und ich haben in Münster zusammen gearbeitet. Damals als mein Vater noch lebte…“ erklärte sie leise. Frank gab den Hauptkommissaren die Hand. „Susanne ich wäre ja eigentlich schon früher hier, aber ich hatte noch Probleme im „Sunshine“. Wo ist denn dein Freund? Ich dachte du wolltest ihn mir vorstellen?“ fragte Frank. Susanne nickte und sah sich um. Sie sah gerade noch wie Tobias mit Anna in der Küche verschwand. „Er kommt sicher gleich wieder. Was war denn los?“ wollte Susanne wissen. „Ach einer der Typen hat ziemlichen Stunk gemacht. Ruhestörung und Zechprellerei. Nichts Besonders. Aber da ich Dienst hatte, musste ich es erledigen. Aber nun wollen wir uns mal den Bauch vollschlagen. Ich habe Hunger wie ein Bär…“ lachte Frank und nickte Semir erneut zu. „Netter Mensch…“ meinte Semir nur und widmete sich wieder Andrea. Sie gab ihm einen Kuss und ermahnte vorsichtig zu sein. Immerhin sind seine Rippen ja gebrochen usw. Semir versprach es und ging mit ihr zum Buffet. Alle aßen und unterhielten sich. Doch außer Susanne hatte scheinbar niemand mitbekommen, dass Anna und Tobias immer noch in der Küche waren .Sie war versucht ebenfalls hinzugehen, doch Andrea hielt sie auf. „Komm doch mal mit da hinten hin….“ bat sie ihre Freundin. Susanne ging mit. „Also dein Freund… das ist ja ein ganz netter. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass er ein Geheimnis hat.“ erklärte Andrea als sie etwas abseits standen. „Findest du? Ich weiß nicht… er ist so zärtlich, so verständnisvoll… einfach nur ein wunderbarer Mann. Aber ich weiß nichts aus seiner Vergangenheit. Bisher hat er immer geschwiegen, wenn ich ihn fragte. So als habe er gar keine Vergangenheit.“ meinte Susanne darauf. „Nun entweder hat er keine Vergangenheit, weil er sich nicht daran erinnern kann oder will. Das können wir aber herausfinden. Ich würde ihn mal überprüfen. Nicht das du einem Heiratschwindler auf den Leim gehst.“ ermahnte Andrea ihre Freundin. „Nein… das glaub ich nicht… ich meine… denkst du wirklich das Tobias…vielleicht ein Lügner ist?“ Angst schwang in der Stimme von Susanne mit. Sollte sie doch wieder enttäuscht werden?

    ups hab ich doch glatt den Abendteil vergessen... also sowas... sorry.. ich hoffe ihr könnt mir verzeihen.. bin ziemlch im Stress

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    Peter hatte Anna und Till bereits vorher begrüßt. Er war etwas enttäuscht, denn Anna schien ihn nicht erkannt zu haben. Hatte er sich tatsächlich so verändert? So sehr, dass ihn niemand erkannte? Langsam ging er hinter den Gästen her und stellte sich anschließend zu Susanne. „Sie sind alle wirklich so nett, wie du es gesagt hast.“ Gab er zu und sah zu Anna. „Ja… mich konnte es nicht besser erwischen. Wir sind wie eine Familie. Alle stehen für den anderen ein.“ Nickte Susanne. Das will ich auch schwer hoffen, dachte Peter dabei. „Hey… was ist denn?“ wollte Susanne wissen, die natürlich bemerkte, dass er in Gedanken war. „Was? Ach so… nichts… ich dachte gerade darüber nach, ob ich meine Rede vor oder nach dem Essen halten soll.“ Lachte er leise. „Rede? Du hast eine Rede vorbereitet?“ kam erstaunt von Susannen. „Nein… ich meine … nun ja… eigentlich schon. Irgendwie muss ich mich ja vorstellen oder?“ fragte er zurück. Susanne nickte. „Ich mach das schon…“ gab sie zu verstehen nahm einen Löffel und klopfte gegen das Glas. Alle Köpfe ruckten zu ihr herum. „Ich möchte alle noch einmal willkommen heißen und meinen zukünftigen Lebensgefährten vorstellen Das ist Tobias Heer…“ sagte sie laut und vernehmlich. Ein weiteres Mal wurde der Mann begrüßt und auch Anna stellte ihren Freund vor. Peter und Till reichten sich die Hand und tranken gemeinsam ein Bier.

    Susanne sah, das sich alle scheinbar recht gut zu unterhalten. Die Gäste nahmen von der kalten Platte und den Getränken. Sie unterhielten sich ziemlich angeregt Auch Andrea war angekommen. Susanne wollte sich mit ihr unterhalten. Sie wollte wissen, was ihre beste Freundin von ihrem Freund hielt. Andrea war was die Kenntnis gegenüber Menschen anging, viel erfahrener. Meistens hatte sie Recht, wenn sie sagte… „Finger weg!“ Susanne wusste genau, dass sie sich auf ihr Urteil verlassen konnte. Obwohl, sie vermutlich nichts Negatives bei Tobias finden würde. Er ist einfach perfekt. Doch dann sah sie jemanden in den Raum kommen, auf dessen Kommen sie sich sehr gefreut hatte. Frank Weigel. Ihn kannte sie noch aus Münster, von der damaligen Dienststelle. Auch Frank hatte sich versetzen lassen. Susanne und er waren gute Freunde und natürlich wollte sie, dass auch er zur Einweihungsparty kam. Sie ging zu ihm. „Frank!! Schön dass du es doch geschafft hast“ sagte sie freudig und umarmte ihn. Tut mir Leid, dass ich so spät bin… hörte sie ihn sagen. „Das ist doch nicht schlimm. Wichtig ist, dass du überhaupt gekommen bist. Das dahinten ist er….!“ erklärte sie und wies in die Richtung wo Tobias stand und sich mit Andrea unterhielt. Das hatte Susanne schon vor einiger Zeit mitbekommen und wusste genau, dass Andrea ihn aushorchen würde. Sie wollte ihrer Freundin sicher nur einen Dienst tun. Andrea wusste ja was Susanne bisher für Pech hatte und wollte sicher gehen, dass es sich nicht wiederholt. „komm ich stell dich den Anderen vor. Weißt du sie sind alle meine Familie… wie auch bei dir, sind wir ein Team.“ lachte Susanne und zog Max durch den recht großen Raum. „Nimm dir, was du willst. Wir unterhalten uns sicher später noch.“ sagte sie und wies auf das kalte Buffet. Sie wollte zu Andrea und Tobias gehen, doch erst wollte sie den Freund der Chefin begrüßen. Es war auch für sie eine kleine Überraschung das Anna Engelhard nicht allein kam. Sie hatte es verdammt gut verheimlicht, dachte Susanne anerkennend. Er sieht gut aus, gingen die Gedanken weiter, als sie den Mann musterte.

    Also so schnell habe ich auch nicht mit dem Ende gerechnet. Und auch nicht mit dem Täter... Super ein heikles Thema aber sehr gut umschrieben.... Respekt!!!

    Tja.... Chris... lass die Sommerferien nicht zu lange dauern.. oder doch.. .dann können wir noch eine dritte Geimeinschafstory schreiben... zwei haben wir schon aber das ist erst nach dem Sommerloch aktuell... bis dahin... fülle deine Reserve auf... wie ich es auch tue....

    Am nächsten Abend fuhren Andrea und Semir zunächst Aida zu den Großeltern. Andrea wollte nicht all zu früh von der Party gehen müssen und außerdem war Aida bei ihren Großeltern immer sehr gut aufgehoben. Dann fuhren sie zu Susanne. „Ich bin mal gespannt was das für ein Mann ist. Susanne hat dermaßen von ihm geschwärmt dass ich denke, ist er ihr Traummann.“ lachte Andrea und konzentrierte sich auf den Verkehr, denn natürlich ließ sie Semir mit den Verletzungen nicht Auto fahren. „Zu wünschen wäre es ihr. Ist doch eine hübsche Frau und …“ murmelte Semir und schloss die Augen, was Andrea natürlich sofort registrierte. „Hast du Kopfschmerzen?“ fragte sie. „Nein…. Wie kommst du den darauf. Mir geht es gut.“ Wiegelte Semir direkt ab. „Semir… wenn es dir nicht gut geht, dann fahren wir heim und du legst dich hin. Wir müssen nicht unbedingt auf die Party…“ meinte Andrea besorgt. „Nein.. wir fahren. Das geht schon vorbei.“ Bestimmte Semir. „Also doch Kopfschmerzen…“ kam darauf von Andrea wieder. „Ja ein wenig.. ist nicht so schlimm.“ Gab Semir zu. Andrea fuhr auf dem Parkplatz gegenüber von Susannes Wohnung. Dort sahen sie auch gerade Chris ankommen. Er war allein. Zu Dritt betraten sie das Haus. An der Tür stand ein junger sehr gut aussehender Mann. Die beiden Kommissare sahen sich an. Andrea lächelte freundlich und reichte dem Mann die Hand. „Andrea Gerkhan. Sie müssen Tobias sein.“ Stellte sie fest. Der Mann nickte und schüttelte ihr die Hand. Semir und Chris taten es ihr nach und stellten sich vor. „Bitte… kommen Sie doch rein. Susanne ist im Wohnzimmer.“ gab er zurück.

    Die Drei traten ein und wurden von Susanne begrüßt. „Schön dass ihr da seid.“ sagte sie und umarmte jeden. „Du hast dir da ja einen tollen Mann geangelt“ lobte Semir die Sekretärin. „Na du musst mir auf jeden Fall noch mehr erzählen.“ Bat Andrea. Susanne versprach es. Doch bevor sie anfing sah sie Anna ebenfalls in Begleitung ankommen. „Na sieh mal einer an…“ sagte sie leise und sie sah zur Tür. Sofort ruckten die Köpfe von Semir, Chris und Andrea in die Richtung. „Ach… das wird dann wohl der Stress gewesen sein…“ murmelte Semir. Denn Anna kam mit einem Mann. Susanne drängte sich zwischen den Hauptkommissaren durch und begrüßte Anna und ihren Freund. Semir und Chris gingen natürlich hinterher. Es war die berufliche Neugier. Sie wollen wissen wer der Mann war. Doch als sie näher kamen sah Semir den Mann ins Gesicht. „OH… den Herren kennen wir doch.“ Murmelte er und drehte sich sofort um. Chris nickte. „Dein Prellbock..“ gab er zurück. „Ja… hoffentlich hat er der Chefin nichts erzählt. Denn wenn, dann bekommen wir unser Donnerwetter noch ab.“ prophezeite er seinem Partner. Semir nickte. Genau davor hatte er ja Angst. „Mann die kommen direkt auf uns zu…..“ murmelte Chris. „Das sind Semir Gerkhan und Chris Ritter, meine besten Männer im Revier. Es gibt keinen Fall den sie nicht lösen.“ Stellte Anna sie vor .Semir drehte sich zu ihr um „Hallo Chefin..“ sagte er. „Hab Sie gar nicht gesehen.“ Lächelte er. Chris reichte ihr ebenfalls die Hand. „Das ist Till… Till Schuster.“ stellte Anna ihren Begleiter vor. Dieser lächelte die Beiden an und die drückten sich die Hand. Anna ging weiter während Till Schuster bei den Beiden blieb. „Nur keine Sorge… ich habe unsere Begegnung nicht erzählt.“ raunte der Mann Semir zu. Dieser nickte nur.

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    So langsam könnten mal wieder Feeds kommen..... :S

    Peter ließ Badewasser ein. Susanne kam etwas später rein und legte sich in die Wanne. „Ohhh… tut das gut…“ stöhnte sie zufrieden. „Ja und damit du dich entspannen kannst, mache ich für uns Nudeln mit Bolognese.“ Gab Peter bekannt. Susanne sah ihn an. „Du kannst kochen?“ fragte sie etwas verwundert. Peter lachte. „Ja sicher… ich habe ja schon allein gewohnt…“ meinte er nur und verließ das Badezimmer. „Übrigens… ich habe alle Getränke bereits bestellt. Cola, Wasser, Bier, Limo, und eine kalte Platte. Dann hast du weniger Arbeit. Ich habe mir einen Vorschuss zahlen lassen.“ Rief er aus der Küche. Susanne hörte es und nickte nur. Womit hatte sie so einen Mann verdient? Wo war er nur die ganze Zeit? Warum hatte sie ihn nicht schon vorher getroffen? Mit ihm war alles so anders… so wundervoll… Plötzlich hörte sie ihn fluchen. „Was ist denn passiert?“ fragte sie laut. „Nichts… hab mich nur verbrannt. Verdammter Mist….“ Fluchte er weiter. Susanne musste lachen. „Ich bin gleich fertig…“ rief sie zurück und machte sich daran aus dem Wasser zu steigen. Nur wenig später stand sie in der Küche. „mmmmmhhh riecht das gut…“ gab sie zu. „Na wenn ich was kochen kann, dann sind es Nudeln… sie sind Aldente und die Soße ist der Hit.“ Lachte er und sah auf die Brandblase auf seiner Hand. Susanne bemerkte es natürlich und sah es sich an. „Oh… du Armer. Hast du den Topf ohne Handschuhe angefasst?“ mutmaßte sie. Peter lachte. „Woher weißt du das?“ wollte er wissen, denn es war tatsächlich so. „Nun ja… ich kenne die Männer eben. Wollen so stark und mutig sein und dann sind sie am schreien…“ lachte Susanne und nahm Brandsalbe aus ihrem erste Hilfe Schrank. „Ich habe übrigens noch einen Sahnepudding gemacht.“ Meinte er dann. Susanne sah ihn strafend an. „Willst du dass ich zunehme?“ beklagte sie sich. Peter küsste sie. „Ich würde dich lieben selbst wenn du zehn Kilo mehr wiegen würdest.“ gab er zu.

    „So und du hast Zwangsurlaub. Schon wieder und nur weil gar nichts passiert ist?“ fragte Andrea als sie mit Semir am Tisch saß. „Nun ja… also eigentlich ist ja auch nichts passiert. Ich meine nicht viel. Aber die Chefin sieht das einfach anders. Aber ich verspreche dir… die drei Wochen werde ich sicher nicht untätig zuhause sitzen und Däumchen drehen.“ drohte Semir. Andrea lachte. „Du wirst zuhause bleiben. Ich werde schon dafür sorgen. Das heißt einmal hast du Ausgang, nämlich dann wenn wir morgen zur Feier von Susanne und ihrem Freund gehen. Ist das angekommen, Schatz…?“ fragte sie in einem Ton der keine Widerworte zuließ. Semir nickte nur und Andrea lachte heimlich. Sie wusste genau, das Semir nichts dagegen sagen würde, wenn sie etwas ansagt. Schließlich wusste er genau, dass er gegen ihr keine Chance hatte. „so und nun wirst du dich hinlegen. Ich mache dir einen Tee und dann schläfst du etwas.“ befahl sie. „Andrea! Ich bin nicht krank. Ich habe nur gebrochene Rippen und vielleicht ein Schleudertrauma, aber das geht schon…“ begehrte Semir nun doch auf. Andrea stand auf und tippte ihn in die Seite. Semir stöhnte auf. „Spinnst du?“ fragte er seine Frau. „Hinlegen!“ befahl sie. Semir murmelte etwas Unverständliches und legte sich tatsächlich hin. Nur eine halbe Stunde später schlief er.

    Mein kleiner Bericht zum Drehtag

    Auch diesen Sonntag war ich am Set und habe die Dreharbeiten zu der Folge „Rhein in Flammen“ begleitet. Zusammen mit Charlie, die mich an der Bushaltestelle aufnahm, gelangten wir gegen 11 die Drehörtlichkeiten, die sich diesmal weit erstreckten. An zwei Stellen wurde gleichzeitig gedreht und dennoch war das Hauptaugenmerk auf den guten alten „Vater Rhein“ beschränkt. Wir suchten zunächst die Base die wir dann dank dem Team auch fanden. Eigentlich wollten wir dann die Gunst der Stunde genießen und mit den Helden sprechen, doch die waren nicht da. So bekamen wir die Gelegenheit die ersten Aufnahmen zu begleiten die mit einer Jagd über den Rhein begann.

    Doch plötzlich wurden die Dreharbeiten unterbrochen und Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte belebten das Wasser, denn es hieß jemand sei in den Rhein gesprungen. Es wurde für gut eine Stunde unterbrochen wo man fieberhaft an der Person suchte. Dann wurde die Suche leider ergebnislos abgebrochen und es durfte weiter gedreht werden. Natürlich hing jetzt alles hinterher und es kam Druck auf. Gegen drei trafen auch die Helden ein und wir begrüßten Erdogan und Tom. Nun hieß es umziehen und auf den Start zum Set warten. Und ich überwand mich tatsächlich Tom eine eigens geschriebene Story zu überreichen. Für Erdogan hatte ich zwar auch eine im Gepäck, doch als ich sie ihm geben wollte, musste er weg und bat mich zu warten.

    Petrus meinte es eigentlich recht gut mit uns und ließ die Sonne auf das Drehteam prallen. Doch gegen Nachmittag zogen die ersten dicken Wolken heran und es tröpfelte etwas. Kein tolles Wetter um gute Fotos zu machen. Der Drehtag schien irgendwie kein Ende nehmen zu wollen und da ich ja auch wieder früh raus musste trennte ich mich gegen halb zehn vom Set und fuhr nach Hause. Alles in Allem war es ein schöner Tag am Set.

    Jetzt war es genau drei Wochen her, seit sich Susanne und Peter das erste Mal über den Weg gelaufen waren. Genau drei Wochen, dass Peter Neumann seine Identität in Tobias Heer abgeändert hatte. Und es war 19 Tage her, dass sie ihre erste gemeinsame Nacht verbracht hatten. Den beiden Menschen, oder vielmehr Susanne war es gelungen, sich innerhalb kurzer Zeit das Gegenüber so weit lieben zu lernen, dass sie sich bereits jetzt schon entschlossen, eine gemeinsame Wohnung zu suchen. Es mochte nach außen hin waghalsig klingen und gerade in Peters Augen, der seine neue Freundin hier nach Strich und Faden nur ausnutzte, war es das auch. Es tat ihm eigentlich die Frau sehr leid. Sie war äußerst liebenswert, lustig und intelligent. Dass sie immer noch nicht den richtigen Mann getroffen hatte, war irgendwie auch ein Kunststück. Peter hingegen hatte nur seinen Plan im Kopf. Zur Feier der Tatsache, dass er und Susanne zusammen zogen, hatten sie sich dazu entschlossen, eine kleine Party zu machen. Eine Gartenfeier wäre zwar schön gewesen, aber leider ließ das Wetter im März es noch nicht zu. Abends wurde es ziemlich frisch. Peter hatte die Gästeliste angesehen und erkannt, dass Anna Engelhardt auch drauf stand. Alle würden am 28 März zu der Party kommen. Zumindest hat Susanne gesagt, dass niemand abgesagt hat. Peter würde auf sie warten und dann, wenn niemand damit rechnet wird er zuschlagen. Die Wohnung war recht gemütlich und das gute daran, es gab zwei Möglichkeiten raus z kommen. Einmal die Haustür und einmal den Terrassentür, da sie im Erdgeschoss wohnten.

    Er hörte den Schlüssel, Susanne kam von der Arbeit. „Hey… wie war dein Tag?“ fragte er und küsste sie. Dabei fuhr er mit seinen Händen über ihren Nacken. „Ohh… der ist ja ganz verspannt.“ Stellte er fest und begann den Nacken seiner Freundin zu massieren. Susanne schloss genussvoll die Augen. „Weißt du eigentlich wie sehr ich dich liebe?“ fragte er in ihr Ohr und küsste den Nacken. Susanne lachte auf. „Vermutlich genauso wie ich dich. Und was deine Nachfrage zu meinem Tag anging, er war verdammt anstrengend. Semir und Chris haben versucht einen Verbrecher zu stellen. Natürlich im dicksten Verkehr. Ein Unfall nach dem Anderen. Die Chefin ist fast ausgerastet, sag ich dir. Dann bekomme ich ihre ganze schlechte Laune ab und muss es ausbaden.“ Erzählte sie von ihrem Tag. „Chris und Semir?“ harkte Peter sofort nach. „Ja… das sind unsere Hauptkommissare. Chris Ritter und Semir Gerkhan. Es gibt keinen Fall, den die beiden nicht lösen. Besonders Semir ist da sehr verbissen.“ Erklärte sie ihm. „Semir Gerkhan… „ ließ sich Peter noch einmal den Namen auf der Zunge zergehen. „Ja… Semir Gerkhan. Er wäre vor zwei Tagen fast ertrunken.“ Gab sie bekannt. „Man… so gefährlich?“ harkte Peter nach. Er musste mehr von diesem Mann wissen. Vielleicht war das genau der Richtige. Genau der, der den Mord an seinem Vater aufklären konnte. „Hat denn dieser Herr Gerkhan auch Familie? Kommt er auch her?“ wollte er wissen. Susanne nickte. „Ja… Andrea heißt seine Frau und Aida seine kleine Tochter. Eine ganz süße..“ meinte Susanne nur. „Dann werde ich diesen Supermann ja kennen lernen.“ lachte Peter.

    Till Schuster sah den beiden Männern entgegen. Er hatte nur mal seinen neuen Porsche ausprobiert. Wo kamen die verdammten Bullen denn nun schon wieder her, dachte er sich und ließ das Fenster runter. „ Gerhkan, Kripo Autobahn.“ stellte der Polizist in Zivil sich vor. „Sind wir heute etwas schnell unterwegs, was?“ fragte er ihn. „Ich? Nun ja… ich hab nur mal schauen wollen was der Wagen hergibt.“ entschuldigte Till sich. Der Polizist nickte. „Fahrzeugpapiere und Führerschein bitte!“ forderte ihn der Polizist auf. Till nickte und griff in die Lade. „Hören Sie… ich habe es zugegeben. Sagen Sie mir wie viel und wir vergessen die Sache einfach.“ versuchte er den Mann zu überreden. „Haben Sie getrunken?“ wollte der Polizist wissen. „Nein…“ kam von Till. „Nehmen Sie Drogen?“ kam die nächste Frage. Till wurde wütend. „Hören Sie… ich bin vielleicht etwas schnell gefahren, aber ich hatte den Wagen jeder Zeit unter Kontrolle!“ begehrte er nun auf. Der Polizist lachte leise. „Was meinen Sie wie oft ich das höre. Und dann rast man in einen Vorausfahrenden, oder auf das Ende eines Staus. Es gibt Verletzte manchmal sogar Tote.“ kam trotzig von dem Polizisten. „Wir haben eine geschätzte Geschwindigkeit von fast 200 km/h. Hier sind 100 erlaubt. Das bedeutet mindestens drei Monate Fahrverbot. Sie sollten sich ein Fahrrad kaufen, oder aber ein Monatsticket!“ empfahl ihn der Polizist. Till merkte sich das Gesicht. „Vielen Dank für Ihre Fürsorge. Darf ich weiterfahren?“ fauchte er ihn an. Der Mann nickte. „Wir haben Sie im Auge, also halten Sie sich an die Vorschriften!“ ermahnte der Polizist ihn ein letztes Mal. Till nickte und gab Gas.

    Mit einem glücklichen Gesicht stieg Semir wieder in den Mercedes. Er stieß einen Seufzer aus und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Das tat gut. So… jetzt darfst du mich nach Hause fahren,“ grinste er Chris an. „Ach hat der Herr sich wieder beruhigt, oder Dampf abgelassen?“ lachte dieser zurück. „Dampf abgelassen. Ja genau…. Ich habe diesem Kerl gezeigt wo der Hammer hängt.“ gab Semir zu. Chris lachte und fuhr in Richtung Semirs Zuhause. Eine halbe Stunde später war er in der Straße wo Semirs Zuhause lag. Da es fast Mittag war, war es nicht verwunderlich, dass Andrea und Aida gerade vor der Tür standen. Andrea schien gerade vom Einkaufen zu kommen „OH…. schlechtes Timing. Könntest du nicht noch mal ne Runde um den Block?“ fragte Semir und zog sich runter. Chris lachte. „Warum das denn? Andrea weiß doch was dir passiert ist, sie hat mir den Kopf gewaschen, weil sie meinte ich sei schuld. Warum also versteckst du dich jetzt?“ kam von ihm. „Nun ja… weil ich gesagt habe, dass ich dienstfähig bin, deshalb. Bitte Chris….“ flehte Semir regelrecht. Chris schüttelte den Kopf. „Nein… ich baue gerade ein gutes Verhältnis zu Andrea auf und das mache ich mir doch nicht so kaputt.“ lachte er und hielt an. Der Blick den Semir ihm zugedachte sagte alles, auch ohne Worte.

    Gerade hob Andrea die Hand und winkte. Auch Aida sah dass ihr Papa kam. Das Spielzeug war plötzlich Nebensache. Semir stieg aus und hielt die Arme auf. Aida sprang ihrem Vater in die Arme. Semir verzog kurz sein Gesicht. „Na meine kleine Prinzessin…“ sagte er und gab seinem Töchterchen einen Kuss. „Semir? Was ist denn los? Machst du gerade Pause?“ überfiel Andrea ihn und gab ihm ebenfalls einen Kuss. „Ja… Pause. Das ist das richtige Wort.“ Chris fuhr wieder los. Andrea sah ihm verwundert nach. „Was soll das denn?“ fragte sie erstaunt. „Och… das ist nichts. Die Chefin meint ich sollte für ein paar Tage … zuhause bleiben.“ kam leise von ihm. Andreas Augen verkleinerten sich. „Warum?“ fragte sie. „Nun ja… ist nichts Schlimmes, wirklich. Aber… nun ja… sie meinte…“ stammelte Semir herum. „Du bist nicht dienstfähig. Du hast dich schlimmer verletzt als du es mir gesagt hast?“ kam direkt von Andrea. „Also… so würde ich das jetzt nicht sehen. Die gebrochenen Rippen heilen sicher auch so und die Gehirnerschütterung ist auch nicht so schlimm….“ fing er an. Andrea nickte nur und zeigte dann mit dem Finger auf die Haustür. Semir trottelte wie ein kleiner Junge auf sie zu und ging ins Haus. Andrea kam kopfschüttelnd nach.

    Do. 20.08.2009 Schuld und Sühne

    Bei einer Zollkontrolle auf der Autobahn bricht ein Lkw durch die Absperrung. Chris Ritter und Semir Gerkhan unterstützen Zollkommissar Alexander Hofmann bei der Verfolgung. Doch Ritter und Gerkan bekommen mit, dass Hofmann einen der beiden Verdächtigen, Wolfgang Thaler, zu kennen scheint und laufen lässt. Hatte Hofmann Mitleid mit dem Mann, der durch den Verlust eines Arms schwer behindert ist? Der Lkw steckt voll Falschgeld. Kommissar Hofmann steckt in der Klemme. Kann er den Fall jetzt noch klären, ohne seine eigene Karriere zu gefährden? Was soll er tun? Ritter und Gerkan kommen der Wahrheit näher und näher. Und da ist noch sein einarmiger Bekannter, mit dem Hofmann mehr zu verbinden scheint, als eine frühere Freundschaft.

    Etwas irritiert stellte Semir – er war schon dabei die Kelle zur Hand zu nehmen – aber fest, dass sein Partner in ruhigem Tempo weiterfuhr, während der Sportwagen quasi am Horizont verschwinden wollte. „Worauf wartest du denn?“, fragte Semir und sah seinen Partner verständnislos an. „Weißt du nicht wo links und rechts ist oder warum trittst du nicht aufs Gas?“ Die ersten Sekunden schien Chris hin und her gerissen zwischen seinem Job und seiner Verpflichtung, den Raser zu stellen und auf der anderen Seite Semir sicher nach Hause zu bringen. Natürlich war auch sein Partner sofort wieder in seinem Element und Chris begegnete einem höchst irritierten Blick von Semir, als der Jüngere nicht augenblicklich die Verfolgung aufnahm. "Ich sollte dich doch..." ... nach Hause fahren. sollte der restliche Satz lauten, doch Chris brach mitten drin ab und blickte auf Semirs Hand, die schon auf der Kelle lag. Verdammt, sein Partner hatte recht, Beurlaubung hin oder her, sie waren Polizisten und sie gaben diesen Job nicht auf, wenn sie in den Feierabend gingen. Sie taten diese Arbeit mit Leib und Seele und was sollte nun schon passieren. Danach würde er Semir immer noch heil und sicher zuhause abliefern können. Chris stieß ein resigniertes Seufzen aus, schaltete das blaue Warnlicht ein und trat das Gaspedal voll durch. Der Motor des Mercedes heulte auf, als wüsste er nun auch, dass es wieder an die Arbeit ging, während der Fahrer den Wagen geschickt zwischen den anderen Autos auf der Autobahn vorbei lenkte und kurze Zeit später auch der schwarze Sportwagen vor ihnen wieder in Sichtweite kam. Für Semir wäre es unverständlich gewesen, hätte sich Chris gegen eine Verfolgung entschieden. Viel zu groß war das Risiko, dass der Sportwagenfahrer ein Unfall verursachte. Viel zu oft kam so etwas vor und Familienväter, Frauen oder Kinder kamen bei einem solchen tragischen Unglück ums Leben und wurden ihren liebsten aus der Mitte gerissen. Den Mann fahren zu lassen und gegebenenfalls einen Unfall nicht zu verhindern galt schon fast als fahrlässige Tötung. Mit Semir hingegen konnte ja nicht viel passieren. Klar gab es ein Risiko, gerade bei einer scharfen Bremsung, dass die verletzten Rippen zu doll strapaziert wurden, doch ein Berufsrisiko war bei der Autobahnpolizei immer dabei und vielleicht war dieser Sportwagenfahrer ja mal kein Irrer und ließ sich leicht, wie man so schön sagte, aus dem Verkehr ziehen.

    Der Griff um die Polizeikelle wurde fester und selbstbewusster, als Chris resignierend seufzte und der Wagen wenig später laut aufheulte. Mit einem entschlossenen aber kurzen Grinsen hielt Semir nach dem schwarzen Sportwagen Ausschau und nicht viel später tauchte er vor ihnen auf. Der Wagen rutschte gerade quietschend zwischen einem LKW und einem kleineren PKW hindurch auf die Überholspur. „So, mein Freund, so leicht kommst du uns nicht davon.“, versprach Semir und drückte auf den elektrischen Fensterheber, sodass die Glasscheibe runterkam. Wie so oft wanderte die Kelle aus dem Fenster, das Blaulicht an der Windschutzscheibe blinkte regelmäßig auf. Der Sportwagenfahrer zog rechts vor den LKW und dessen Fahrer machte einen erschrockenen Schlenker, doch zum Glück kam es zu keiner Kollision. „Hat der seinen Führerschein im Legoland gemacht oder was?“, fragte Semir, nachdem der kritische Augenblick vorbei war, „Jetzt reicht es aber.“. Chris Mercedes fuhr schräg vor den schwarzen Sportwagen und Semir hielt die Kelle raus. Zum Glück machte der Sportwagenfahrer keine Anstalten, als er den Polizeiwagen neben sich ausmachte. Stattdessen konnte man ihm von den Lippen das „Scheiße“ ablesen, was er vor sich hinfluchte. „Nix da Scheiße, rechts ran!“, bemerkte Semir und lenkte den Unruhestifter auf eine Autobahnraststätte. Chris’ Wagen setzte sich vor das schnelle Gefährt und die beiden Autobahnpolizisten stiegen aus. Chris blieb am Wagen stehen.

    Für Semir war es unfassbar, dass sie den Mörder von Christoph Bachmann – so hieß das Opfer – noch immer nicht geschnappt hatten. Es führten auch keine Anhaltspunkte irgendwohin, abgesehen zu den namenlosen Drogendealern. Warum hatte man Bachmann getötet? Und wer steckte da hinter? Bei so vielen offenen Fragen konnte man Semir also nicht verübeln, dass er es nicht einfach akzeptieren wollte, dass man ihn jetzt beurlaubt hatte. Würde man Chris einen neuen Partner an die Seite stellen? Er und Semir arbeiteten einfach viel zu gut zusammen, als dass man Semir einfach so auswechseln könnte. Niemand wusste so gut Bescheid wie sie, es ging einfach nur, wenn sie zusammen weiter arbeiteten. War das denn der Chefin nicht bewusst? Sie riskierte den Erfolg der ganzen Ermittlungen. Sie konnte ja nicht ernsthaft riskieren, dass diese Kerle ungeschoren davonkamen… doch eben das tat sie!
    „Warum kommst du nicht einfach vorbei und wir reden bei einer gemütlichen Tasse Tee darüber? Dann backe ich noch einen Kuchen und wir legen zusammen eine Patience. Und wenn ich dann noch nicht zu müde bin, schauen wir zusammen die 6 Uhr Nachrichten.“, gab Semir von sich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wie soll ich denn ruhig zuhause sitzen, wenn es doch nur noch so ein kleines Stück ist“, Semir gab seinen Worten mit seiner Hand Ausdruck, „bis wir den Mörder von Bachmann hinter Gitter gebracht haben und diese Arschlöcher ihre gerechte Strafe bekommen?!“. Unruhig saß er auf dem Beifahrersitz. Seine Hand lag nun auf dem Knie und er tippte mit den Fingerspitzen darauf herum, während Chris auf die Autobahn fuhr. Ein letztes Mal zusammen mit dem Partner, dann würde der Sitz für mindestens eine Woche leer bleiben „Hey was regst du dich denn so auf. Ich muss jetzt Dienst mit Dieter oder Hotte machen! Bedauerst du mich vielleicht mal?“ fauchte Chris

    Semir grinsend an. Nun musste Semir auch lachen. Chris fädelte nun in den fließenden Verkehr auf der Autobahn ein, gab Gas, sodass der Motor der C-Klasse schnurrend aufbrummte und er wollte gerade die Spur wechseln, als ihr Auto scharf von einem schwarzen Sportwagen geschnitten wurde und es beinahe zu einer Kollision gekommen wäre. Der Fahrer des Sportwagens schien das jedoch kaum zu interessieren, er schien mit seinem Fuß auf dem Gaspedal festgewachsen zu sein und raste mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit weiter. "So ein Idiot!" schimpfte Chris und er wollte schon beinahe aus reiner Gewohnheit die Verfolgung aufnehmen, als er sich jedoch besann, dass er sozusagen nicht im Dienst war und Semir nach Hause fahren wollte. Umso passender kam der Sportwagenfahrer, der den Mercedes des jüngeren Partners rücksichtslos streifte. Abrupt war Semir nicht mehr der verletzte und beurlaubte Polizist, sondern der Autobahncop, wie man ihn kannte. „Woaah!“, entfuhr es ihm, wie so oft in brenzligen Situationen. „Was ist das denn?!“, fragte er ungläubig und fast gleichzeitig mit Chris Beschimpfung, was für ein Idiot das doch wäre. Der Sportwagenfahrer nahm alles auf die leichte Schulter. Geschmeidig fädelte sich der Wagen wieder in die Reihe ein, gab Gas – in einer Zone mit Tempolimit, was er deutlich überschritt – und setzte schon an, um den nächsten Wagen in einem gewagten Manöver zu überholen. Wahnsinnig!