Semir sah wie die Sonne unterging und es dunkel wurde. Niemand kümmerte sich mehr um ihn. Jede Bewegung die er ausführte ließ die Stacheln in die Haut fahren. Den Kopf konnte er nicht bewegen, denn auch hier fuhren die Stachen in die Haut und ließen ihn aufstöhnen. Jede Bewegung wurde im Keim erstickt. Er konnte nur still liegen und in den dunklen Himmel starren. Seine Bezwinger hatten ihm gesagt, was passieren würde. Morgen in der Frühe würde dieser Wagen in die Presse gebracht werden und dann würde er in einem kleinen Klumpen Blech verarbeitet werden. Keine Chance hier zu entkommen. Ohne Hilfe war er verloren. Semir spürte wie eine Träne an seiner Wange entlang lief. Er wusste zwar, dass es immer wieder Einsätze gab, von denen er nicht zukehren konnte, aber so wollte er nicht enden. Eine Kugel in die Brust oder in den Kopf hätte er sich gewünscht. Dann war er innerhalb weniger Sekunden weg. Aber das hier…er würde es spüren wie sich das Blech um seinen Körper wickeln würde. Wie der Druck ihn zerfetzt. Das war kein schöner Tod. Doch er schien nicht aufzuhalten zu sein.
Tom sah den Mann vor sich an. „Kenzo Toyaki….Wo ist mein Kollege? Ich würde Ihnen wirklich raten möglichst den Mund aufmachen!“ forderte er. Doch der Mann vor ihm grinste nur. „Sie können doch damit nur Ihre Lage verbessern. Ich bitte Sie!“ kam von Tom. Nutzlos. Es klopfte und Anna kam herein. „Tom! Kommen Sie bitte!“ forderte sie ihn auf. Tom verließ den Raum und schloss die Tür. „Ich habe die einstweiligen Verfügungen erreicht, aber… die Leute sind bereits am Arbeiten. Wir müssen schnell handeln. Ich habe bereits mehrere Leute zu den Plätzen geschickt um die Leute aufzuhalten. Zwei sind noch offen. Ein Platz in Köln und ein in Düsseldorf. Sie und Andrea übernehmen mit Johannes zusammen Köln, ich fahre mit Herzberger und Bonrath nach Düsseldorf. Wir müssen uns beeilen…“ forderte sie ihn auf. Tom hörte die Sorge in ihrer Stimme. Tom holte Johannes und Andrea sowie ein T-Shirt von Semir aus dem Büro. Schnell waren sie unterwegs nach Köln in die Regensburger Strasse wo der Schrottplatz bereits geräumt wurde.
Semir zuckte zusammen, als er die großen Greifer des Kranes sahen. Der Wagen knirschte unter dem Gewicht und nur kurz darauf spürte Semir das Schwingen des Wagens. Er stieß vollkommen erstickte Schreie aus. Niemand würde ihn hören. Niemand konnte das Schlimmste verhindern. Er bäumte sich auf und riskierte dass die Stacheln des Drahtes sich in seine Gelenke und in den Hals bohrten. Doch er war bereits zu hoch als dass jemand entdecken konnte dass hier ein Mensch drin lag. Nach wenigen Minuten wurde der Wagen los gelassen und Semir stieß erneut einen Schrei aus, als er Wagen hart in die Presse fiel. Nein!! Dachte Semir als er sah wie der schwere Deckel sich schloss. Nur wenig später hörte er wie die Presse anfing zu arbeiten. Sein Schicksal war besiegelt. Warum zu Teufel verlor er nicht das Bewusstsein? Warum musste er diesen Augenblick bei völligem Verstand erleben? Er bäumte sich erneut auf und blieb anschließend einfach nur liegen. Semir starrte auf die große schwere Stahlplatte die sich langsam senkte und das Dach des Autos in dem er lag langsam eindrückte.
Tom raste auf den Schrottplatz und ließ Martinshorn erklingen. Alle Männer die dort arbeiteten drehten die Köpfe in seine Richtung. „STOPP!! Sofort alle Arbeiten einstellen!!“ schrie Tom entsetzt. Es waren bereits mehrere Wagen verschrottet geworden und Tom hatte Angst, dass Semir in einem dieser Blöcke bereits den Tod gefunden zu haben. Andrea ließ Johannes raus und der Hund rannte sofort in Richtung alten Bauwagen. „Was tun Sie denn hier?!“ fauchte ihn ein Mann an und hielt Tom seinen Ausweis unter die Nase. „Das ist eine genehmigte Räumung eines illegalen Schrottplatzes!“ fauchte er Tom an. „Hier! Einstweilige Verfügung dass alle Arbeiten einzustellen sind. Verdacht ist begründet. Ein Kollege von mir befindet sich in einem dieser Wagen. Vermutlich bewusstlos oder sogar gefesselt. Solange ich hier nicht jeden Wagen persönlich durchsucht habe, wird kein Wagen in die Presse gefahren!“ gab Tom an. Der Mann las sich die Verfügung durch. „Das kann Tage dauern!“ maulte er. „Und wenn es eine Woche dauert. Mir ist es egal! Sie und Ihre Leute werden mir helfen. Und ich rate Ihnen, nichts dagegen zu sagen!“ fauche Tom wütend zurück. Der Mann sah ihn an und fügte sich. Johannes bellte wild und Tom rannte zum Bauwagen. Darin stand ein Bett. Er entdeckte die Ketten. „Johannes… hier ist doch nichts..“ stieß er aus. „Wo ist Semir…such ihn…such!“ forderte er die Hündin erneut auf. Doch diese jaulte vor dem Bett. „Er war hier nicht wahr…okay… aber wo ist er jetzt. Johannes… .bitte… such ihn… such ihn…!“ flehte Tom regelrecht. Die Hündin sah ihn treu an. Doch sie blieb sitzen.
Anna und Herzberger kamen mit zwei Schäferhunden der Suchhundstaffel auf dem Platz in Düsseldorf an. „Sie suchen mit den beiden das gesamte Gelände ab!!“ forderte sie die beiden Polizisten auf und sofort begann die Suche. Auch die Mitarbeiter des Räumkommandos halfen mit, als sie hörten was auf dem Spiel stand. Doch nach einer guten Stunde musste die Suche ergebnislos abgebrochen werden. Anna sah den Beamten der Stadt, der die Überwachung hatte besorgt an. „Könnte er in einem der Wagen gewesen sein, die Sie bereits gepresst haben?“ fragte sie leise. „Frau Engelhardt… das können wir ausschließen. Die Presse ist kaputt. Wir haben noch keinen einzigen Wagen hier in die Presse geschickt. Von daher kann ich Sie also beruhigen. Ich hoffe nur Sie finden Ihren Kollegen.“ Kam ehrlich von dem Mann. Anna nickte. „Ja ich auch…“ stieß sie leise aus und griff zum Funk. „Cobra 1 an Cobra 11 Düsseldorf ist negativ…“ gab sie durch. Verzweiflung war in der Stimme zu hören. „Ich fahre zurück und versuche aus den Leuten was heraus zu finden. Melde mich…viel Glück..“ „Chefin… wir haben ihn noch nicht gefunden, aber Tom und Johannes sind unterwegs. Wenn Semir hier ist, dann finden wir ihn…“ hörte sie Andrea sagen und wünschte, dass ihre Sekretärin wirklich Recht hatte.
„Johannes… such doch!! Ohne dich finde ich ihn nicht.. hier riecht doch mal! Bitte…Johannes…bitte..“ flehte Tom den Hund regelrecht an. Er hielt ihr das Shirt hin und schon rannte Johannes wieder los. „Hoffentlich keine Ratte, die sie gewittert hat.“ Stieß Tom aus und rannte hinterher. Doch er hatte sie verloren. „Johannes!!“ rief er und hörte ihr Bellen. Sie saß vor den würfelförmigen Schrottresten, die aus der Presse gekommen waren „Oh nein… Johannes… das ist kein tolles Ergebnis… überhaupt nicht akzeptabel. Bitte… sag mir nicht, das… Johannes nein…Bitte… nicht…“ kam völlig verzweifelt von Tom der die Hündin die vor der Presse saß und bellte ansah. „Du meinst es ernst was? Oh man… aber in welchem davon?“ wollte er wissen und sah zu Andrea, die im Auto saß. Sie bemerkte scheinbar den Blick und kam zu ihm. „Was ist?“ wollte sie wissen. „Johannes…ich glaube sie hat Semir gefunden.. nicht das ich es glaube, aber… ich meine sie hat ihn immer gefunden und…sie…“ versuchte er zu erklären. Andrea sah auf die Würfel und schüttelte den Kopf. Oh nein!! Sag mir nicht, das Semir in einem dieser…Tom…. Das geht nicht… ich will das nicht!!“ fing sie an zu weinen. Johannes bellte weiter. „Johannes ist gut… du hast einen tollen Job gemacht… aber…“ versuchte er den Hund zu beruhigen. Doch dieser hörte nicht auf zu bellen. Sie jaulte herzzerreißend.