Im Krankenhaus gab es einen regelrechten Auflauf. Kim Krüger, Andrea, Ben und Katrin warteten auf dem Flur auf den Arzt. Es dauerte eine ganze Weile bis dieser sich blicken ließ. Dann endlich ging die Tür auf. Sofort sprang Andrea auf. „Was ist mit meinem Mann?“ fragte sie ängstlich. Der Arzt lächelte beruhigend. „Frau Gerkhan nehme ich an… Ihrem Mann geht es den Umständen entsprechend gut. Er braucht viel Schlaf und noch mehr Ruhe. Der Blutverlust ist schon besorgend gewesen, aber wir haben es dank der Blutkonserven die von ihm selbst stammen auffangen können. Das Blut wurde von uns noch gereinigt, weil wir ja nicht wissen, ob es nicht verunreinigt war. Er wird wieder. Allerdings werde ich ihn mindestens bis Mittwoch…. Also genau drei Tage hier zur Aufsicht behalten. Vorher ist keine Entlassung drin.“ erklärte er. Andrea schloss erleichtert die Augen und weinte. Ben nahm sie ihn den Arm. „Schon gut… Dein Mann ist ein Kämpfer… den haut nichts so leicht um.“ lachte auch er erleichtert. „Was ist mit Frau Seward und Herr van Helsing?“ wollte Katrin wissen. „Bei van Helsing war ein geringer Blutverlust festzustellen. Die Wunden am Hals waren behandlungsbedürftig, aber auch hier gibt es keine Komplikationen. Frau Seward gehört in psychiatrischer Behandlung. Sie wurde mehrfach vergewaltigt und auch anderweitig gefoltert. Sie wird eine sehr lange Zeit in einer Spezialklinik verbringen. Aber wenn sie gut mitarbeitet, wird auch sie das schaffen.“ erklärte der Arzt.
Semir wurde aus dem Raum geschoben. Andrea stand sofort bei ihm. „Hey… mein Held…“ weinte sie. „Nicht weinen….ich bin bald wieder fit…“ kam leise und schwach von ihm. Immer noch erhielt er Blutkonserven. „Warum musst du denn immer so hart dabei sein…“ weinte Andrea und küsste ihn. „Ich muss doch die Welt retten…“ lachte er. Die Augen fielen ihm fast von selbst zu. „Ich bin müde…“ entschuldigte er sich. Andrea nickte. „Sie müssen sich erst einmal ausruhen und dann werden wir uns auch unterhalten… Semir…“ kam nun von Kim Krüger, die ans Bett trat. „Chefin…ich….ich konnte nichts machen…“ entschuldigte Semir sich bei ihr. Kim nickte nur. „Ich weiß…. Aber das meinte ich auch nicht. Werden Sie bald gesund…“lächelte Kim und drehte sich zu Katrin und Ben um. „Meine Herrschaften Ihren Bericht erwarte ich schon sehnsüchtig.“ gab sie bekannt. Sie drehte sich um und ging. Katrin sah Ben an. „Das war gute Arbeit. Es tut mir Leid, wenn ich Sie…verletzt habe… Ben… ich weiß wie schwer es ist, wenn sich herausstellt, das ausgerechnet die Person, die man liebt als Verbrecher geoutet wird.“ erklärte sie. Ben nickte. „Wir waren doch schon beim Du oder nicht, Katrin? Also…danke… ich denke du hast mir und auch Semir das Leben gerettet. Vermutlich hätte Jasmin mich auch als Blutspender benutzt. Spätestens dann ,wenn ihr Interesse an mir verloren gegangen wäre. Von daher… Danke… für alles.“ Kam leise von Ben. Katrin nickte und reichte ihm die Hand. „Vielleicht können wir uns ja auch mal privat treffen. Ich wäre nicht ganz abgeneigt.“ schlug sie vor. Auch Andrea kam zu ihnen. „Ben…Frau Zinker… danke… für alles…“ sagte sie und sah dem Bett mit ihrem Mann hinterher. „Er schafft es schon, Andrea…“ lächelte Ben ihr beruhigend zu. „Ja sicher… aber wenn ihr nicht so schnell da gewesen wäret, dann…dann wären Aida und ich allein…“ meinte sie nur. „ich muss nach Hause… Aida ist bei meiner Mutter, aber ich muss für Semir ein paar Sachen holen..“ gab sie von sich und verschwand.
„Tja… dann werden wir uns wohl erst wieder sehen, wenn die Verhandlung gegen Jasmin Kreuzer eröffnet wird. Es tut mir wirklich Leid, Ben…“ verabschiedete sich auch Katrin von Ben Jäger. „Warum denn so schnell.. ich finde wir haben uns einen Kaffee verdient. Ich lade dich ein…“ schlug Ben vor. Katrin sagte nicht nein. Denn auch wenn sie es nicht zugeben wollte, dieser war ihr nicht ganz so unsympathisch wie sie es zu Anfang dachte. Und wer weiß, vielleicht konnte man ja doch noch etwas daraus machen kann. Beide sahen sich an. „Tja… der Fall hatte es in sich. Ich denke ich sollte meine Ansichten gegenüber der Autobahnpolizei ändern. Es sind nicht nur Idioten dort beschäftigt. Es gibt zwei Menschen dort, die sehr gute Polizisten sind.“ Lächelte Katrin. Ben nickte. „Nicht nur zwei…. Aber danke. Semir und ich…wir sind die Besten. Aber auch beim LKA gibt es fähige Kräfte. Eine sitzt vor mir.. und dann noch wunderhübsch..“ schmeichelte er zurück. Er musste sagen, dass Katrin ihm eigentlich nie unsympathisch war. Im Gegenteil… sie war ihm direkt aufgefallen. Doch das musste ja nicht jeder wissen. „Danke übrigens für die Lektion über die anderen Glaubensarten. Ich werde künftig meine Ansichten wirklich verändern. Wie wäre es, wenn wir noch gemeinsam was essen. Ich kann sehr gut kochen. Spaghetti… oder Tortelini.. oder Pizza…“ grinste er. „Nun…wenn nicht gerade tiefgekühlt dann bin ich dabei.“ lachte Katrin. „Okay… ertappt… gehen wir was essen…“ lachte Ben zurück. Der Abend wurde sehr gemütlich.
Am nächsten Morgen fuhr Andrea direkt zu Semir. Dieser war gestern zwar erwacht, aber doch noch ziemlich benommen. Sie war schon froh, dass er sie erkannte. Schnell hatte sie ein paar Sachen für ihn eingepackt. Auch wenn es ihm soweit gut ging, sollte er für ein oder zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Sie brachte Aida schnell in die Krabbelgruppe und eine halbe Stunde später stand sie bei Semir am Bett. Er war immer noch sehr blass und schlief. Sie beugte sich über ihn und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann auf den Mund. Plötzlich schnellte seine Hand hoch und die Finger krallten sich um ihren Hals. „Du wirst mich nicht beißen!“ stieß er aus und stieß Andrea von sich. „Semir!! Was tust du denn?“ fragte sie erstaunt, als sie sich aufraffte. „Du wirst mich nicht beißen…“ stieß er erneut aus. „Semir…ich bin es doch… Andrea….werd wach…sieh mich an…“ weinte sie. Doch er schien sie nicht wahr zu nehmen. Durch das Poltern im Raum wurde das Pflegepersonal aufmerksam. „Was ist denn hier los?“ fragte der Pfleger. „Er dreht durch…er hat mich geschlagen…er hat seine eigene Frau geschlagen..“ stammelte Andrea völlig verstört. Die Schwester kümmerte sich um sie, während der Pfleger Semir betreute. „Ganz ruhig Herr Gerkhan… alles in Ordnung. Anita! Ruf Dr. Spätz her!“ befahl der Pfleger der alle Hände voll zu tun hatte, das Semir ihn nicht schlug. Er hielt ihm die Hände fest und versuchet sie sogar zu fixieren. Mit Hilfe eines zweiten Pflegers schaffte er es. Endlich lag Semir ruhig da. Der Arzt kam herein. „Was für eine Versammlung ist hier denn?“ fragte er wütend. Der Pfleger erklärte es. Sofort kümmerte sich Dr. Spätz um Semir, der an den Fesseln zerrte. „Herr Gerkhan…alles ist gut… alles gut…sehen Sie mich an… so ist es gut… ganz ruhig… was ist denn passiert?“ wollte er wissen. „Sie wollte mich beißen…sie wollte ihre Zähne in meinen Hals schlagen…mein Blut trinken…“ stieß Semir verzweifelt aus. „Aber nein… niemand wird Sie beißen…Sie bekommen von mir ein Beruhigungsmittel und werden dann schlafen.“ Lächelte Dr. Spätz. Semir nickte nur. Argwöhnisch sah er in den Raum dorthin wo Andrea saß. „Sie darf mich nicht beißen…“ bat er noch, bevor er im Land der Träume verschwand.