Beiträge von Elvira

    Andrea war mit Aida auf dem Spielplatz. Während ihre Tochter im Sand buddelte und Kuchen backte dachte sie über die Beziehung zu Semir nach. War es wirklich so schlimm, weil er ihren Geburtstag vergaß?, stellte sie sich die Frage und gab sich direkt die Antwort. „Ja….“, Sagte sie leise. Irgendwann musste er es lernen. Aber liebte sie ihn nicht so wie er war?, fragte ihr Gewissen. „Doch….“, sprach sie leise zu sich. „Mein liebes Kind… Kummer ist besser zu beseitigen, wenn man darüber spricht…“, ertönte plötzlich eine Stimme neben ihr. Andrea erschrak und drehte ihren Kopf. Neben ihr saß eine ältere Dame. „Oh… Entschuldigung… Ich wollte Sie nicht stören…“, kam von Andrea. Die alte Frau lachte leise. „Störung? Nein… manchmal ist es schön wenn man gestört wird. Sie haben so versunken zu sich gesprochen, das ich mir schon erahnen kann, was Sie für Kummer haben. Lassen Sie mich raten… Ihr Freund hat Ihren Geburtstag vergessen und Sie haben sich gekränkt geführt. Dann gab ein Wort das Andere und er ist weg. Und nun wollen Sie sich bei ihm entschuldigen, weil Sie überreagiert haben, aber er will nichts davon wissen.“, kam von der Alten und sie sah Andrea fragend an. „Nicht ganz. Aber es ist nicht schlecht. Mein Mann… er hat meinen Geburtstag vergessen, so wie den Hochzeitstag und den Geburtstag unserer Tochter. Für ihn zählt nur er. Alles dreht sich um ihn. Und als er sich entschuldigt hat, brachte er mir einen alten fast verwelkten Strauß Blumen mit. Ich bin ausgerastet und habe ihn raus geworfen. Aber ich weiß dass er sich sehr schuldig fühlt und …. Ich liebe ihn einfach. Selbst für diese Fehler… Aber ich möchte Sie nicht mit meinen Sorgen belasten… Sie haben sicher selbst genügend davon.“, meinte Andrea nur. „Oh… ich habe keine Sorgen… nicht mehr. Mein Mann ist vor drei Monaten gestorben. Krebs. Ich bin auch bald dran und werde ihm folgen. 75 Jahre waren wir verheiratet. Ich war sehr traurig, weil er mich einfach so verlassen hat. Er hat mich allein gelassen…“, erklärte die Frau traurig. Andrea sah sie an. „Das tut mir Leid…“, sagte sie aufrichtig. „Nun so spielt das Leben. Ich habe keine Kinder. Mir ist dieses Glück versagt geblieben, weil ich in der Kriegszeit zu den Leuten gehörte, die für Versuchszwecke benutzt wurden. Als Dank dafür durfte ich keine Kinder bekommen. Aber ich habe es überstanden. Und nun bin ich ganz allein….“ Sehnsucht klang in diesen Worten und Andrea fühlte sich ertappt, dass sie sich einfach selbst zu wichtig nahm.

    Eine Weile saßen die Frauen schweigend nebeneinander und beobachteten Aida beim spielen. „Wissen Sie… ich komme gern hier auf den Spielplatz. Zu sehen, wie diese kleinen Wesen in ihrer eigenen Welt leben und spielen und so für das Leben lernen, ist sehr schön. Es lenkt von den Sorgen ab. Ihr Mann…. Sie wissen wo er ist?“, wollte die Frau wissen. Andrea nickte. „Ja… er schläft und wohnt bei einem Kollegen. Er sehnt sich nach mir, das weiß ich. Genau wie ich. Aber er muss sich bei mir entschuldigen. Er sieht es natürlich anders. Semir ist stur…und leidet still…“, kam von Andrea. „Mein liebes Kind… Männer sind von Natur aus an nichts schuld. Das glauben sie wenigstens. Das starke Geschlecht …. Ja sicher…. Aber in Wirklichkeit sind wir das starke Geschlecht. Wenn wir für sie nicht sorgen würden, dann wären sie sehr traurig. Wenn wir nicht in ihrer Nähe sind, dann weinen sie sogar. Aber sie sind das starke Geschlecht…. Sie sollten mit ihm sprechen. Sagen Sie ihm, was Sie von ihm wollen…. Und fordern Sie eine Erklärung. Warum vergisst er die Daten? Waren Sie ihm nicht wichtig? Oder ist er beruflich so eingespannt, dass er manchmal eine Erinnerung braucht?“, harkte die Frau hartnäckig nach. Andrea musste lachen. „Er ist Polizist…“, gab sie bekannt. „Sehen Sie… er hat viel um die Ohren und deshalb vergisst er die Termine. Das ist doch ein sehr guter Entschuldigungsgrund. Sie sollten ihm verzeihen…“, meinte die Alte nur. Andrea dachte über die Worte nach. Eigentlich hatte die Frau Recht. Sie sollte ihm verzeihen. Aber erst musste er zu ihr kommen. Andrea seufzte. Sie stand Semir in Sachen Sturheit in nichts nach.

    Semir kam zurück. Ben sah ihn an. „Na jetzt siehst du viel Besser aus…“, höhnte er. „Danke du Idiot….du hättest mich davon abhalten sollen.“, kam von Semir zurück. „Was? Ich dich? Du spinnst wohl. So weiter im Text… ich habe bereits herausgefunden dass es acht noch in Betrieb befindlichen Sägewerke gibt und drei stillgelegte. Wir sollten sie morgen alle abfahren, wenn der Alkohol aus unserem Blut ist. Eins nach dem Anderen werden wir uns vornehmen und abchecken wer illegale Baumbestände bearbeitet.“, meinte Ben nur. Die Tür ging auf. Semir und Ben sahen Kim, die eintrat an. „Und? Gibt es schon etwas?“, wollte sie wissen. „Ja… wir werden morgen alle Sägewerke abfahren und die Inhaber verhören. Vielleicht finden wir dann etwas.“, gab Ben bekannt. Kim nickte. „Gut… so und nun werden Sie beide nach Hause gebracht und schlafen sich aus. Morgenfrüh sind Sie wieder fit!“, befahl Kim, verließ das Büro und ließ die Tür lauter ins Schloss fallen, als es eigentlich hätte sein müssen. Semir stöhnte so laut auf, dass sie es durch die Tür hörte. Sie lächelte und nickte. „Das tut sooo gut…“, lachte sie leise und verschwand unter den staunenden Blicken von Susanne in ihrem Büro.

    Weidmeyer sah triumphierend dass er den ersten Verfolger abgeschüttelt hatte. „So… und nun bist du Milchbubi dran…“ drohte er Ben. Er lenkte den Wagen geschickt durch die Bäume, nachdem die beiden Wagen ihn von der Straße gedrängt hatten. Der Golf war viel leichter zu lenken als der Mercedes und hier sah er auch seinen Vorteil. Dann war der Mercedes verschwunden. „Ha… ich hab gewonnen…“ lachte Weidmeyer und sah nach hinten. Kein Verfolger mehr. Weidmeyer sah vor sich die Autobahn. „Wo steckst du Mistkerl?“ fragte er und sah sich suchend um. Doch von dem Wagen fehlte jede Spur. Weidmeyer fühlte sich als Sieger. Ohne Rücksicht auf Verluste raste er auf die Autobahn. Das Hupen der dort fahrenden Wagen ignorierte er und trat auf das Gas. Sein Wagen war zwar alt, aber es steckte noch sehr viel Potential drin. Triumphierend sah er in den Rückspiegel. Doch schnell verschwand das Grinsen. Denn er sah den Mercedes mit dem Blaulicht dicht hinter ihm. „Wo kommst du denn her?!“ fragte er fauchend.

    Semir stöhnte leise auf und sah seinen Wagen an. „Na Partner? Hast du den Baum geknutscht?“ höhnte Ben durch den Funk. „Danke... mir geht es gut. Hab lediglich eine Beule... Aua... wo bist du?“ stellte Semir die Gegenfrage. „Direkt hinter ihm. Auf der A1 in Richtung Dortmund. Die Kollegen sollen die Abfahrten sperren!“ befahl Ben. „Gebe ich weiter...“ murmelte Semir und hielt sich seinen Kopf. Als er seine Hand zurück nahm, war sie voller Blut. „Scheiße...“ stieß er aus. Eine kleine Platzwunde an der Stirn war die Ursache. Semir stieg aus und besah sich den Schaden am Wagen. „Na wunderbar... die Krüger reißt mir den Kopf ab...“ stöhnte er leise. Die Schnauze des BMWs war arg verformt. Semir griff zum Funk. „Zentrale für Cobra 11.... verfolgen einen dunkelgrauen Golf auf der A1 in Richtung Dortmund.. genauer Ben verfolgt... Sperrt alle Ab und Auffahrten... Ende!“ schnell legte er das Mikro beiseite. „Semir? Was ist mit Ihnen?“ hörte er Kim Krüger fragen. Semir schloss die Augen. Das hat mir gerade noch gefehlt. Wieso ist die Frau immer dann vorn im Büro, wenn ich was durch gebe..., dachte er nur und griff erneut zum Mikro. „Mir geht es gut... danke...“ erklärte er nur. „Das meinte ich nicht. Warum sind Sie nicht mit Ben unterwegs? Ist das Auto wieder Schrott?“ kam forsch die Nachfrage. Semir rollte die Augen.

    Susanne sah die beiden Hauptkommissare mitleidig an. „Aspirin?“, fragte sie lächelnd. Ben und Semir sahen sich an. „Ja… bitte…“, stöhnten beide wie aus einem Mund. Susanne griff in die Schublade und zog eine Platte mit Tabletten raus. „War ein sehr feuchter Abend, wenn ich mich euch so ansehe.“, lachte Susanne. Dieser helle Ton war für Semir und Ben nicht zu ertragen. „Bitte….Nicht…. lachen…. Es tut sooo weh…“, maulte Semir. „Oh…. Das kommt davon, wenn man seinen Kummer ertränkt, anstatt darüber zu reden.“, tadelte Susanne. „Ja ihr habt alle gut reden…“, fauchte Semir wütend und verschwand im Büro. Er warf die Tür ins Schloss und zog sich sofort zusammen, dass der Knall erfolgte. Susanne lachte erneut. Ben sah sie an. „Das ist nicht komisch…“, erklärte er und ging hinter Semir her. Allerdings schloss er die Tür sehr leise. Semir lag halb auf seinem Schreibtisch und hatte den Kopf abgestützt. „Boah… nie wieder….“, schwor er. Ben sah ihn an. „Das unterschreibe ich…“, stöhnte er. Susanne brachte Kaffee herein. „So…. hier ist die Stärkung. Wollt ihr noch ein Brötchen dazu?“, fragte sie grinsend. Semir sah Ben an. Er legte einen gequälten Blick auf und sah zu Susanne. „Du hast deinen Spaß daran, oder? Man… mir ist so schlecht, dass ich gar nichts essen will….“, stieß Semir aus und unterdrückte ein Würgen. „Wie wäre es dann mit einem Aperitif? Ich hab noch einen da…“, lachte Susanne und zog eine Flasche Jägermeister aus der Tasche. Semir sprang auf und rannte zur Toilette. Susanne wandte sich verwundert an Ben. „Was ist das denn?“, wollte sie wissen. Ben lachte leise. „Er hat gestern eine Flasche von dem Zeug leer gemacht…“, gab er zu. „Oh….!“, machte Susanne nur und steckte die kleine grüne Flasche in der sich nur Wasser befand lachend wieder ein.

    Inzwischen hatten Kuno und Karlo ihre Leute versammelt und waren unbeschadet mit ihren Leuten und den Waffen durch den Zoll gelangt. „Boss, das mit den doppelten Böden in den Weinfässern war eine geniale Idee. Niemand hat Verdacht geschöpft.“, lachte Karlo. „Ja, alter Schmugglertrick aus alten Zeiten.“, erwiderte der Mann und ließ den Wagen mit schneller Fahrt über die Autobahn rollen. Hinter ihm, eine Kolonne von fünf bis sieben anderen Wagen, die ihm alle zu folgen schienen. „Sind alle unsere Leute noch hinter uns?“, wollte er dann von Karlo wissen. „Hm, keiner fehlt. Wo geht es denn jetzt eigentlich hin?`“, fragte Kunos rechte Hand. „In die ländliche Abgeschiedenheit rings um Köln. Ich hab da wie gesagt ein altes Waldhaus, groß genug, für uns alle.“, erklärte er, doch sein Helfer schien damit nicht zufrieden zu sein. Er sah seinen Boss immer noch mit fragendem Gesicht an. „Willst du mir nicht sagen, wo es ist?“ „Das erfährst du schon noch früh genug.“, entgegnete Kuno und fuhr an der nächsten Ausfahrt ab.

    „Okay, wo soll die Ladung hin?“, fragte Leonard, als der Laster und der Anhänger wieder voll mit Holz beladen war. Mattes kam neben ihn und zeigte ihm etwas auf einer Karte. „Du bringst Laster samt Ladung zu einer verlassenen Fabrikhalle am Rande der Autobahn nach Münster. Dort wird er erstmal sicher sein, bis sich alles für die nächste Auktion vorbereitet ist. Du bleibst beim LKW und schützt ihn und die Ladung mit deinem Leben.“, wies Mattes den Fahrer an. „Wie lange wird das etwa dauern?“, wollte er wissen. „Einige Tage.“ „Was?“, stieß Leonard aus. „Hast du damit ein Problem?“, zischte der Mann, der Leonard an Größe um einiges überragte und fast doppelt so breite Schultern hatte. „Meine Frau, sie wird sicher denken, ich sei zu Hause und mich dort anrufen.“ „Was hast du ihr denn immer erzählt, wenn du für Laurence gefahren bist?“, wollte der Riese mit plötzlich sanfter Stimme wissen. „Dass ich für meinen Chef eine Dienstfahrt erledigen muss.“ Leonard belog seine Frau natürlich. In Wahrheit war er schon seit einigen Monaten nicht mehr zu seiner normalen Arbeit gegangen, weil sie seine Stelle abgebaut hatten. Die Spedition musste in der Wirtschaftskrise Personal abbauen. Leonard war sich aber sicher, dass es ihn nicht erwischte. Er war doch nicht in dem Alter, wo man langsam zur Belastung für den Betrieb wurde. Gerade einmal 45, was waren schon 45 Jahre? Aber die Firma hatte kein Pardon. Einige Tage ging er immer wieder aus dem Haus und tat so, als würde er zur Arbeit fahren, bis er an Mattes geriet, der überall nach Fahrern suchte und dafür gutes Geld versprach. In seiner Lage konnte Leonard nicht nein sagen. Das konnte er sich einfach nicht leisten. Immerhin brachte er jetzt fast das fünffache mit nach Hause, als bei seiner alten Arbeitsstelle. Und vom Gewinn der Auktion fiel ja für die Fahrer auch immer noch eine hübsche Summe ab.

    Semir sah Sterne. Weidmeyer hatte ihn mit dem Ellbogen direkt ins Gesicht geschlagen, als er ihn durchsuchen wollte. Während Semir am Boden lag rannte Weidmeyer raus. Seine Komplizen waren bereits gefesselt und konnten nichts tun. „SEMIR!!“ rief Ben entsetzt. „Er ist weg! Raus..!“ stöhnte Semir und raffte sich mühsam auf. Seine Nase blutete. „Kommst du mit?“ fragte Ben und rannte los. Semir nahm seine Waffe auf und taumelte hinterher. Er sah gerade noch wie Ben mit dem Wagen abrauschte. Der Wagen von Weidmeyer war kurz davor. Semir lehnte sich gegen das Tor. Ihm war übel von dem Schlag und dennoch stieg er in seinen Wagen. Doch am Steuer ließ er seinen Kopf langsam sinken und holte tief Luft. Der Schlag schien heftiger gewesen zu sein, als er dachte oder wurde er nur alt?, fragte er sich in Gedanken. Mittlerweile waren auch die Kollegen da und versorgten die völlig aufgeschreckten Kinder die aus dem Haus kamen. „im Keller zwei Mann!“ gab Semir durch und startete dann. Er wollte sich Weidmeyer schnappen. Koste es was es wolle.

    Ben sah den flüchtenden Weidmeyer knappe 500 m vor sich. Er trat das Gaspedal durch und holte schnell auf. Doch wenn er dachte, dass der Mann aufgab, so irrte er sich gewaltig. Zum Glück hatten sie die Autobahn noch nicht erreicht. Die Fahrt ging über einen schmalen Feldweg der dort hin führte. „Ich kriege dich vorher du verdammtes Schwein…“ fauchte Ben wütend und holte immer mehr auf. „Hey… Partner.. warum hast du nicht auf mich gewartet?“ wurde er von Semir über Funk gefragt. „Weil wir ihn jetzt in die Zange nehmen. Wo bist du genau?“ stellte er die Gegenfrage. „Fast im Kofferraum von dir…“ lachte Semir. „Du rechts ich links!“ gab Ben an. Er zog an dem Wagen von Weidmeyer links vorbei und sah aus den Augenwinkeln das Semir rechts daran fuhr. „So und nun SANDWITCH!!“ gab Ben laut durch das Funkgerät. Der Mercedes und der BMW quetschen den alten Golf von Weidmeyer ein. Doch dieser gab immer noch nicht auf. Plötzlich hatte er eine Waffe in der Hand und schoss auf Semir. Die Kugel ging dicht an seinem Kopf vorbei. Semir zuckte zusammen und verriss das Lenkrad. Der BMW schlingerte kurz. Dann krachte es nur. Blech kreischte. Ben sah im Rückspiegel dass der BMW einen Baum küsste. „Oh… das wird übel..“ stöhnte er und fixierte wieder den Golf an.

    Was bin ich froh, das Ben gerettet ist, allerdngs...gibt dieser Medikementenmissbrauch nicht Spätfolgen? Ich meine immerhin hat Ben ja einen ziemlich gefährlichen Cocktail zu sich genommen...

    Klasse Story...absolute Spitzenklasse... aber ganz ehrlich von dir bin ich nichts anderes gewöhnt.. Macht Spaß deine Storys zu lesen.

    Meinungen zu „der verlorene Sohn“

    Da kann man mal wieder sehen wie einfach es ist, die Polizei rein zu legen. Ganz schön dreist oder? Einfach so ein Bullenauto klauen… und dann war es nur ein Hörspiel…

    Das mit dem Magnet… echt genial… Semir liebt es doch über die Autobahn zu schweben… warum dann nicht so…. Die Idee den Wagen erst absetzen und dann den Magneten auszuschalten war nicht schlecht…

    Ich dachte ja erst… jetzt ist Ben völlig durchgedreht, als er den Typen anmachte und Semir dachte wohl das Gleiche…Ach ja unser Hartmut…. Wie schön wenn er in seinem Element steckt und die Erklärungen machen will, die keiner hören will. Der Arme Kerl… dass er dann beleidigt ist, ist ja wohl klar… Wenigstens hatte Semir ein Lob für ihn.

    Irgendwie tat mir Charlie aber auch Leid… da buckelt man für seine Kinder und dann gerät der einzige Sohn auf die schiefe Bahn. Doch ich denke es war schlimmer weil Patrick der Sohn eines Polizisten war. Das muss sehr wehtun. Oh ja… Charlie hatte wirklich Pech als Semir sah, was er da mit seinem Sohn tat… lässt er ihn doch einfach entkommen? Das er dann misstrauisch wurde war doch logisch. Diese verdammten Generationskonflikte…

    Und was da von der Ausbildung von Ben raus kam, dass der alte Jäger Charlie bestechen wollte… Ist doch wohl klar, dass Ben nichts auf seinen Ausbilder kommen lässt, nachdem er die Bestechung abgelehnt hat.

    Oh man unser Hotte bei Obersvisierung…entweder schläft er oder er isst… und Ben hat ja auch gut vorgesorgt gehabt… Gummibärchen, Kekse…nur keine Schokolade für Semir…. So was aber auch…

    Das Ben von Patrick enttäuscht war ist doch wohl klar. Hmmm Zwickmühle für Ben als Charlie ihn um Hilfe bittet. Und Semir spielt auf hart…. Aber er macht mit…. das liebe ich an ihm.

    Aber zum Glück hatte Patrick doch noch die Kurve bekommen. Schade dass Charlie erschossen wurde aber immerhin hat er sich mit seinem Sohn versöhnt…

    kurz und gut… die Folge war super… ich gebe 10 von 10 Punkten.

    „So du hast also alles gehört was?“ fragte Weidmeyer das Mädchen was vor ihm auf dem Boden kauerte. „Ich sage nichts.. bitte… lassen Sie mich doch in Ruhe… bitte..“ flehte Janina. Weidmeyer zog sie hoch. „Du gehörst mir. Ich habe einige Jahre in deine Erziehung gesteckt und gehörst nur mir ist das klar? Niemand wird dich retten. Auch dieser Typ von der Raststätte nicht.“ sagte Weidmeyer und stieß sie auf das Bett. „Nein… bitte nicht… bitte…“ weinte Janina und zog sich zusammen. Es kamen noch zwei Mann rein. Sie sahen lüstern auf das 16jähriges Mädchen. „zieht sie aus!“ befahl Weidmeyer. Die beiden Männer ließen sich das nicht zweimal sagen und machten sich ans Werk. Janina versuchte sie mit Tritten von sich zu halten, doch irgendwann waren die Männer an ihr dran. Stoff zerriss und Janina fing an zu weinen. Sie wehrte sich gegen die Männer und schrie um Hilfe. Weidmeyer sah höhnisch zu. Doch plötzlich wurde er zur Seite gestoßen. „Weg von dem Mädchen!!“ schrie plötzlich einer und ein Schuss fiel. Sofort waren die Männer erstarrt und sahen den an, der auf sie geschossen hatte. Sie hoben die Hände und grinsten. „willst du auch mal?“ fragte einer der Beiden. „Gerkhan, Kripo Autobahn… Sie sind alle verhaftet!“ kam von dem Mann. „Ein Bulle? Was willst du gegen uns allein ausrichten?“ lachte Weidmeyer. „Er ist nicht allein! Jeder der jetzt noch mit dem Ohr wackelt schluckt eine Kugel. Janina…! Komm zu mir!“ befahl ein zweiter Mann. Das Mädchen nickte, raffte ihre kaputten Sachen zusammen und bedeckte sich notdürftig und stellte sich hinter Ben Jäger. „Dir wird keiner was tun.“ versprach er und zog seine grüne Jacke aus. „Hier…“ sagte er nur und reichte sie nach hinten.

    Semir sah kurz zu Ben und nickte. „Okay.. alle an die Wand und abstützten! Beine auseinander!“ forderte er die Drei auf. Ben brachte nachdem alle brav an der Wand standen Janina raus. Er hoffte sehr, das Semir mit den Dreien allein fertig wurde. „Für die Taten werden Sie für immer hinter Gitter verschwinden, das kann ich Ihnen schon jetzt versichern.“ hörte er Semir sagen. „Komm… ich bring dich weg hier..“ redete er auf Janina ein, die nur noch weinte. „Ich habe gehört, wie er von Mord sprach. Wie er von einem Mädchen sprach, das überlebt hat. Ist es wirklich so?“ fragte sie schluchzend. Ben nickte. „Ja leider…“ komm.“ Sagte er und legte gedankenlos den Arm um sie. Sofort zuckte sie zusammen. „Oh… entschuldige… ich wollte dich nicht… also… ich meine…“ stammelte Ben selbst fassungslos über sein Handeln. Janina nickte „Schon gut… ich… es sind nur…“ erklärte sie. Ben verstand es sehr gut. In diesem Augenblick hörte er Semir aufschreien. „Versteck dich!“ befahl er Janina und sie rannte die Treppe hoch. Ben rannte zurück zu Semir.

    Kim Krüger saß in ihrem Büro. „Susanne… wo sind Ben und Semir?“, wollte sie von ihrer Sekretärin wissen. „Die haben für heute wohl Feierabend gemacht…“, gab diese bekannt. „Ach… so früh? Haben die sonst nichts zu tun? Wie sieht die Sache mit Semir und seiner Frau aus?“, harkte Kim nach, der es natürlich nicht verborgen blieb, dass bei Familie Gerkhan der Haussegen schief hing. „Nun ja…. Sie können Semir mit einem Elefanten im Porzellanladen vergleichen. Wo er hintritt, scheppert es…“, lächelte Susanne. Kim nickte wissend. „Ja…. So ein Pascha hat es sehr schwer… Ich hoffe nur Frau Gerkhan lässt ihn lang genug zappeln.“, gab sie kühl zurück. Susanne sah sie an. „Wieso das denn?“ wollte sie wissen. Kim lächelte. „Nun… so kann sie ihm mal beibringen, dass es auch noch andere Menschen gibt, außer Semir Gerkhan“, erklärte Kim. „Ach so… ja… das stimmt. Obwohl beide leiden darunter. Nur keiner macht den ersten Schritt. Niemand von denen sieht den eigenen Fehler ein.“, meinte Susanne leise. „Ja… es ist schwer, wenn so viele Eigenschaften übereinstimmen. Aber egal… die Arbeit muss getan werden. Und da ist immer noch der ungeklärte Fall mit dem Holz und dem Toten.“, sagte Kim. Susanne nickte. „Ich kam sie ja anrufen…“, schlug Susanne vor. „Nein… lassen Sie die beiden für heute. Morgen müssen sie auf jeden Fall ran.“ Kim verschwand in ihr Büro.

    Nur kurz vor Mitternacht war in der Wohnung von Ben nichts mehr von Semirs Ordnungswahn zu erkennen. „Du hast vollko… hicks… kommen…Recht…Benni…ich bin ein…Esel…“, lallte Semir und nahm einen weiteren Schluck Bier. Ben nickte. „Ja… aber du musst nich…also..hicks….du musst es Andre…Anda…Andrea sagen…nicht mir …hicks..“, kam von Ben, der ebenfalls betrunken war. „Ich werde mich bessern….morgen…“, versprach Semir und legte sich zurück. „Boah….dieer Meisterdins…hat das aber in sich…hicks…ich bin…bla…bla….balu…blau…“, kam von ihm. Er schloss die Augen und fühlte sich im Karussell. „Oh ja… und der Plum…Plaumwein….auch….“, bestätigte Ben. Vor ihnen standen einige Flaschen Bier. Auf dem Boden lagen die geleerten Flaschen Pflaumenwein und Jägermeister. Semir stand schwankend auf. „Wo … illlst …du hin?“, fragte Ben lallend. „ich…nur im Bad…. Ich muss was lllooos werden…“, gab Semir zurück und ging mit sehr unsicheren Schritten in Richtung Toilette. Ben legte sich auf dem Sofa lang hin und war binnen Sekunden eingeschlafen. Auch Semir schien die Toilette mit dem Bett zu verwechseln, denn er kam erst gar nicht wieder raus. Doch Ben bekam nichts davon mit. Das am nächsten Morgen die Rache für ihr Saufgelage kommen würde, war beiden egal.

    Kim betrat am nächsten Morgen die Dienststelle und schritt gleich in ihr Büro, kam dabei aber zwangsläufig am Büro ihrer beiden Chaoten vorbei, das leer zu sein schien. Die Stühle standen ordnungsgemäß dicht am Tisch, Monitore waren noch aus und alles hatte sich dort nicht verändert. „Susanne, waren unsere beiden WG-Bewohner schon hier?“, wollte sie wissen, doch die Sekretärin schüttelte resigniert den Kopf. „Keiner der Beiden war heute schon hier, Chefin.“, meinte sie. „Dann rufen sie umgehend bei den Beiden an, ich will sie in einer halben Stunde in meinem Büro sprechen.“, knurrte sie und verschwand in ihrem Raum. Susanne nahm den Hörer in die Hand und drückte kurz die Schnellwahltaste, unter der sie Semirs Handy eingespeichert hatte.

    Semir sah Tamara an. „Du weißt also ganz sicher, dass es dieser Mann ist?“ fragte er erstaunt als er Weidmeyers Bild gezeigt hatte. Tamara nickte. „dieses Gesicht werde ich wohl nie wieder vergessen können.“ sagte sie leise. Semir nickte. Er rief Kollegen die sich um die Sicherheit des Mädchens kümmern sollten. Tamara war binnen weniger Augenblicke das best bewachte Mädchen in Köln geworden. „ich werde mich jetzt um diesen Mann kümmern. Er wird weder dir noch sonst einem Mädchen je wieder etwas antun, das verspreche ich dir…“ sagte er leicht und in der Stimme war nur Wut zu hören. „Sie ist tot nicht wahr?“ stellte Tamara die Frage. Semir sah sie traurig an. „ja… wir konnten sie leider nicht retten.“ Nickte er leise. Er konnte dieses tapfere Mädchen nicht anlügen. Das war gegen seine Natur. Außerdem hielt er sie für stark genug, die Wahrheit zu ertragen. Tamara nickte nur. „Ich wusste es schon…“ sagte sie und weinte leise. Ihre Oma nahm sie in den Arm und drückte sie fest an sich. Semir verließ das Zimmer. Vor der Tür standen sechs Beamte. „Zwei gehen auf den Balkon, zwei hier vor der Tür und zwei werden im Zimmer aufpassen Niemand kommt an das Mädchen ran.“ befahl er. Die Beamten nickten nur.

    Ben ließ den Wagen vor dem Heim ausrollen. Der Wagen des Erziehers stand vor der Tür und somit war klar, dass sie hier waren. Bevor er jedoch ins Haus kam sah er Semirs Wagen ankommen. „Ach du auch hier?“ grinst er kurz und überprüfte im Laufen die Waffen. „Aufteilen oder zusammen?“ fragte er seinen Partner. „Zusammen…“ bestimmte Semir. Sie gingen gemeinsam auf das große Haus zu. „Wo ist die Verstärkung?“ wollte Ben wissen. „Unterwegs… die werden hier gleich mit großem Tamtam auftauchen. Bis dahin sollten wir Weidmeyer gefunden haben…“ grollte Semir wütend. „Ja vorher ist besser, der Kerl hat Janina in seiner Gewalt.“ Gab Ben bekannt. „Scheiße….“ stieß Semir nur aus. In diesem Augenblick kamen ein paar Mädchen die Treppe runter. Als sie die Beiden sahen, erschraken sie. „Wo ist Weidmeyer?“ wollte Ben wissen. „Im Keller….da hinten. Er hat Janina runter gebracht. Ich vermute sie wird eine Strafe bekommen. Dort unten wird man nur bestraft.“ Erklärte ein ca. 12jähriges Mädchen. Ben und Semir sahen sich an. „Ihr geht bitte alle nach draußen. Ist noch jemand oben?“ wollte Semir wissen. „nein… wir waren die Letzten. Es ist doch Essenzeit..“ erklärte ein anderes Mädchen. Semir lächelte nur kurz und ging dann mit Ben zur Kellertreppe. Er sah kurz zu den Kindern die in diesem Augenblick in den großen Saal verschwanden und nickte Ben zu. „Los…bevor es zu spät ist…“ sagte er und stieß die Tür auf.

    Bernd sah sie an. „Weidmeyer? Wer ist das?“ wollte er wissen. „Er ist Erzieher im Heim, wo ich wohne. Leider nimmt er es mit „sich um uns kümmern“ zu ernst. Besonders bei den Mädchen…..“ kam leicht verächtlich von Janina. Bernd nickte. „Dann ist er es, für dessen Taten ich verdächtigt werde. Dieser Mistkerl bringt kleine Mädchen um…“ kam wütend von Bernd. In diesem Augenblick fuhr ein Auto vor. Janina sah aus dem Fenster und erschrak. „Das ist er!!! Das ist Weidmeyer!! Er will mich holen!!“ stieß sie ängstlich aus und versteckte sich hinter Bernd als die Tür aufging. „Janina… was soll das denn?“ tadelte der Erzieher das Mädchen. Bernd stellte sich schützen vor dem Kind. „Wer sind Sie?“ fragte er fordernd. „Ich bin Erzieher. Janina ist weg gelaufen. Ich hole sie zurück.“ Lächelte der Mann falsch. Bernd schüttelte den Kopf. „Sie werden sie nicht zurück holen. Sie hat mir alles erzählt. Sie sind ein Schwein, ihre Stellung auszunutzen und die Mädchen zu schänden!!“ schrie Bernd den Mann an. Weidmeyer lachte ihn nur an. „Sie machen sich strafbar…. Das Mädchen ist mein Eigentum und ich mag es überhaupt nicht, wenn man mir mein Spielzeug wegnimmt… das kann sehr böse enden…“ drohte er Bernd. „Janina… komm!!“ fauchte Weidmeyer das Mädchen an. „Nein… ich will nicht… bitte… lassen Sie mich. Ich habe alles gehört! Die Polizei kommt gleich her und wird Sie verhaften!!“ erklärte Janina weinend. Sie hatte große Angst vor diesem Mann. Weidmeyer sah sie an. „Du verdammte kleine miese Schlampe!!“ schrie er.

    Bernd stieß Weidmeyer von sich und Janina weg. Doch Weidmeyer wehrte sich und schlug zu. Er traf Bernd am Kinn und dieser ging benommen zu Boden. „NEIN!!!“ hörte er Janina schreien. Nur mit verschwommenem Blick sah er wie der Mann die Jugendliche aus dem Restaurant zerrte dann verlor er das Bewusstsein. „Hey… Herr Schaffner!! Hören Sie mich? Wo ist Janina? Wo ist sie?“ wurde er wachgerüttelt. „Ohhhh….“ Stöhnte er. „Herr Schaffner… wo ist Janina?“ wurde er erneut gefragt. Er sah sich die Person zu der die Stimme gehörte an. „Herr Jäger… Weidmeyer… er hat sie…mitgenommen…. Dieser Mistkerl…“ stieß er aus und fasste sich ans Kinn. „Ich konnte noch nie was ab…“ stöhnte er leise. „Soll ich einen Arzt rufen?“ wollte der Polizist wissen. „Kümmern Sie sich nicht um mich… finden Sie die Kleine….“ Stieß Bernd aus und schon war der Polizist verschwunden. Bernd zog sich langsam an der Theke hoch. „Dieser verdammte Mistkerl…“ stieß er aus und nahm einen Schluck aus der Flasche. Er hoffte inständig, dass der Polizist früh genug kam und das Mädchen retten konnte.

    5. Kapitel:
    ein neues Problem

    „Du bist so ein Idiot!! Ich fass es nicht. Du bekommst eine einmalige Chance deine Frau um Vergebung zu bitten und was tust du?“ fauchte Ben wütend. „Ja was? Ich habe doch gesagt, dass ich ihre Entschuldigung annehme. Was ist denn daran verkehrt?“ wollte Semir wissen. „Nicht sie muss sich entschuldigen, sondern du!! Du bist doch der, der ihren Geburtstag vergessen hatte! Du bist es doch, der …ach bei dir hat das eh keinen Sinn. Aber eins sag ich dir. Wenn du dich nicht so langsam meinem Lebensstil anpasst, dann fliegst du bei mir auch raus!“ erklärte Ben. Semir ließ sich auf seinen Stuhl sinken. „Du willst mich auch raus werfen? Aber ich tun doch gar nichts. Ich bringe dir doch Ordnung in die Wohnung…“ kam völlig verständnislos von ihm. „Ja genau das ist es doch! Du räumst auf. Du veränderst meine Schränke und ich finde kaum noch etwas. Hey… Gewürze nach Alphabet ordnen. Das ist so hirnrissig. Meinst du denn das Muskatnuss fühlt sich wohler, wenn es neben dem Pfeffer steht und nicht neben dem Basilikum?“ wollte Ben wissen. Semir zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht….“ gab er zu. „Versuch mit Andrea ins Reine zu kommen, sonst gehe ich vor die Hunde. Dein Sauberkeitsfimmel geht mir gewaltig gegen den Strich!“ gab Ben bekannt. Semir stand auf und öffnete die Tür. Er sah Ben traurig an. „Was willst du jetzt?“ wollte Ben wissen. „Ich fahre zu dir und packe meine Sachen….“ erklärte Semir und war raus. Ben rannte hinterher, doch er sah nur noch das Heck des BMWs um die Ecke verschwinden. „Och Mensch… du verdammte Mimose…“ stöhnte er und steig in seinen Wagen um Semir vor seiner Wohnung abzufangen.

    Ben schaffte es tatsächlich vor dem BMW an seiner Wohnung zu sein. Keine Minute später kam Semir um die Ecke gebogen und stoppte vor Bens Wagen. Semir lief ohne ein Wort zu sagen, an ihm vorbei und stand vor der Tür. „Semir, jetzt komm schon. Ich hab nicht gesagt, dass ich dich rauswerfe.“, meinte Ben und versperrte Semir den Weg. Dieser sah zu seinen Partner mit aufgesetzt gequältem Gesichtsausdruck auf. „Ich hab verstanden, was du gesagt hast und ich werde dir nicht weiter auf den Wecker fallen.“, entgegnete Semir mit ernster Miene und wollte vorbei, doch Ben versperrte ihm immer noch den Zugang zum Haus. „Wo willst du denn hin?“, fragte er dann und war fast geneigt, den Weg freizugeben. „Ich find schon was. Notfalls nehm ich eine Brücke.“, kam es energisch von Semir. Doch da lachte Ben nur schallend. „Na komm, ich mach uns einen Kaffee.“, meinte Ben und drückte Semir an seine Schulter. Nun musste auch Semir lächeln. Er wollte nun wirklich nicht aus dieser Wohnung verschwinden. Doch Ben hatte seinen Standpunkt klar gemacht. Er liebte sein Chaos und das hatte Semir zu achten, ansonsten würde er seine Drohung wahr machen und das wollte er partout nicht.

    Leonard kam am Treffpunkt an und sah sich um. Es war Mittagszeit und der Platz dementsprechend gefüllt. Das war immer die beste Zeit für ihr Treffen. Keiner würde hier jemanden vermuten, der sich in verbrecherischem Getuschel verstrickte. Einige Minuten später kam ein schwarzer Geländewagen auf den Platz gefahren und parkte neben dem kleinen Familienwagen von Leonard. Mattes stieg aus und gesellte sich neben den Familienvater auf die Bank. „Hier, der Vorschuss für die nächste Fahrt.“, meinte er und hielt ihm einen Umschlag hin. „Wann geht es los?“, wollte er wissen. „Sofort. Ich bring dich in zur Schlagstelle und dann wartest du, bis alles erledigt ist.“, wies Mattes den Fahrer an und wollte dann gehen. „Ach, und pass auf die Fracht auf. Heute wollten uns einige Konkurrenten beklauen. Sie könnten es wieder tun.“, warnte er und hielt dann die Tür seines Wagens auf. Mit mulmigem Gefühl im Bauch stieg er in den Wagen ein. Der Wagen fuhr quietschend vom Rastplatz und bog am nächsten Waldweg ein.

    Tamara wurde langsam wach und fühlte sich für sie sehr unverständlich wohl. Was war passiert? Sie konnte sich nicht erinnern. Was war mit ihr passiert? Sie hatte mit Mama und Papa den Unfall. Lag sie deshalb hier? Sie öffnete ein Auge und sah dass es tatsächlich ein Krankenzimmer war. Eines wie üblich im Krankenhaus, weiß gestrichene Wände… helle Gardine. Dann war alles in Ordnung. Sie lag im Krankenhaus. Tamara schloss wieder die Augen und atmete tief ein und aus. „Tami? ... hörst du mich?“ hörte sie eine Stimme die ihr sehr bekannt vorkam. „Oma…“ fragte sie leise. „Ja… mein Schatz… ich bin hier… ich bin hier bei dir…“ hörte sie die Stimme. „Oma….ich hab dich lieb…“ flüsterte Tamara leise. Sie öffnete langsam die Augen. Und genau in diesem Augenblick kam die Erinnerung. Die Toilette… die Männer… Sie hatte Angst… „Oma… ich hab Angst… diese Männer….sie tun mir weh!! Hilfe!!“ fing Tamara an zu weinen und zittern. „Ich bin hier… sieh mich an.. du bist in Sicherheit… Tami… sieh mich doch an... sieh mich an…“ redete ihre Oma auf sie ein. Tamara wagte den Kopf zu drehen. Sie sah ihre Oma an und fing an zu weinen.

    Semir und Ben sahen sich betreten an. Sie waren dabei, als das Mädchen erwachte und wie schlimm es war, als die Erinnerungen zurück kamen. „Tami… diese beiden Herren haben dich gefunden. Erinnerst du dich an sie?“ fragte Oma Wagner. Tamara sah auf und erkannte Ben. „Ja…“ hauchte das Mädchen. Semir tat einen Schritt auf das Bett zu. „Tamara… ich bin Semir. Wir haben dich gefunden als du…in der Toilette lagst. Hast du die Männer gesehen?“ wollte er wissen und versuchte so sanft wie möglich vorzugehen. Tamara nickte. „Ja… wo ist Bonney? Sie war doch auch da…“ wollte sie wissen. Dr. Weißberger betrat das Zimmer und hörte die Frage. Semir sah ihn an. Doch der Arzt, der wusste dass die Freundin tot war, schüttelte warnend den Kopf. „Das wissen wir leider nicht. Tamara… kanntest du einen der Männer die dir das angetan haben?“ wollte Semir weiter wissen. „Ja…“ nickte Tamara. „Sagst du mir den Namen?“ bat Semir weiter. „Geht er dann für immer ins Gefängnis?“ wollte Tamara wissen. „Für eine sehr lange Zeit, wenn wir wissen wer er ist.“ erklärte Semir nickend. In diesem Augenblick klingelte Bens Handy. Erschrocken sah er Semir an und auch der Blick des Arztes warnte ihn sofort. „Entschuldigung…“ murmelte er und verließ das Zimmer um den Balkon zu betreten. „Ja… Ben Jäger hier!“ meldete er sich. „Hier ist Janina… wenn ich Ihnen sage was los ist, können Sie mich dann beschützen?“ hörte er das Mädchen aus dem Heim fragen. „Ja… das kann ich. Janina wo bist du?“ wollte er wissen. „Ich bin bei Bernd. Er ist sehr nett zu mir und hat mir sein Telefon gegeben, damit ich Sie anrufen kann. Weidmeyer aus dem Heim hat Besuch von zwei Männern gehabt. Ich wollte nicht lauschen, aber Weidmeyer hat…. Ich meine er…“ stammelte das Mädchen. Ben verstand. Sein Verdacht war richtig. Der Erzieher verging sich an seine Schützlinge. „ich komme sofort. Bleib bitte im Haus und geh nicht raus. Ich werde dich abholen… okay?“ fragte er. „Ja.. ich warte hier.“ versprach Janina.

    Bernd saß in seiner Raststätte und starrte einfach auf den Boden. ER verstand seine Tochter nicht. Wieso behauptete sie, dass er sie angefasst hat? Er hatte doch alles für sie getan. Er hatte sie doch lieb… sie war doch sein Engel. Sicher… wenn er getrunken hatte dann sehnte er sich nach ihr aber das war doch nicht mehr als Vaterliebe. Oder doch? War er dann so von Sinnen, dass er sich nicht zurückhalten konnte? Bernd dachte an die beiden Polizisten die ihn besucht und vernommen hatten. Er sollte mehrere Mädchen vergewaltigt haben? Warum er…? War er denn nicht schon genug damit bestraft Er zuckte zusammen als er hörte wie jemand ins Restaurant kam und sah die Person an. Vor ihm stand ein Mädchen im Alter von Ilona. Sie atmete schwer und es schien als hätte sie ein Marathonlauf hinter sich. „Was willst du denn hier?“ fragte er etwas härter als er es eigentlich wollte. „Ich brauche Ihre Hilfe… ich muss telefonieren… bitte es ist wichtig…bitte….“ stieß das Mädchen aus. Bernd nickte. „Trink erst mal was…“ sagte er nun etwas freundlicher und schenkte dem Mädchen ein Glas Cola ein. Sie nahm es und nickte dankbar. „Was ist denn passiert? Hattest du einen Unfall?“ wollte Bernd wissen. „Nein… ich bin aus dem Heim… ich habe ein Gespräch mitbekommen und da …die haben Mädchen umgebracht. Weidmeyer… er hat mich auch ver…er hat mich…“ das Mädchen stockte. Bernd sah sie an und seine Hand ging zu ihren Händen. Doch als er sie berührte zuckte sie ängstlich zurück. „Hey… ich tu dir doch nichts. Willst du die Polizei rufen?“ fragte er. Das Mädchen nickte. „Ja… ich muss mit Ben Jäger sprechen. Er kann mir helfen…“ sagte sie leise. Bernd stellte ihr das Telefon hin.

    Semir und Ben kamen derweil im Krankenhaus an. Sie rannten auf die Station. Der Arzt hielt sie auf. „Was wollen Sie denn hier? Die Kleine ist noch nicht wach. Sie liegt derzeit in der Aufwachphase und kann Ihnen keine Fragen beantworten!“ fauchte er die beiden Polizisten an. „Ja wissen wir… wir wollen nur dafür sorgen, dass sie überhaupt aufwacht. Es ist bekannt geworden, dass sie überlebt hat und die Killer könnten schon auf den Weg hierher sein.“ erklärte Semir. „Oh mein Gott… das arme Kind. Kommen Sie!“ sagte der Doc nur und zog Semir mit über den langen Flur. „Sie liegt hier und hat derzeit nur ihre Oma bei sich. Wir denken dass sie in den nächsten drei Stunden wach wird und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann sie entlassen werden kann.“ erklärte der Arzt und öffnete die Tür. Sofort sah die alte Frau am Bett auf. „Doktor? Ist etwas passiert?“ fragte sie sofort ängstlich. „Nein… Hallo… wir kennen uns ja schon. Frau Wagner. Wir sind zum Schutz von Tamara da.“ Lächelte Ben ihr freundlich zu. „Ist sie denn in Gefahr?“ wollte die Oma wissen. Ben nickte. „Ja in sehr großer Gefahr. Aber wir werden sie beschützen.“ Versprach er. „Warum kann man das arme Kind denn nicht in Ruhe lassen. Sie hat doch nach dem Tod ihrer Eltern genug durchgemacht. Erst in diesem Kinderheim für schwer erziehbare Kinder, wo sie völlig fehl am Platze war und nun das hier.“ beklagte sich die Frau. Semir horchte sofort auf. „Das Heim von Weidmeyer?“ wollte er wissen „Ja.. es ist das einzige dieser Art. In einem Wald gelegen… aber das war bevor sie zu mir kam. Ich habe erst vor kurzem erfahren, dass sie den Unfall überlebt hatte. Da war sie schon zwei Monate in diesem Heim. Sie hatte sich so verändert. Sie war ängstlich geworden.“ Oma Wagner fing an zu weinen.

    „Fuck!! Die Kleine ist nicht tot!“ kam von Rudolf. Er sah Weidmeyer an. „Du sagtest doch dass du sie richtig getroffen hast!“ fauchte er seinen Freund an. „Hab ich doch auch…dreimal hab ich zugestochen. Sie kann nicht überlebt haben!“ verteidigte sich der Heimleiter. „Mann die ist vorher gefunden worden. Deshalb lebt sie noch. Wir müssen herausfinden in welchem Krankenhaus. Die Kleine kann uns identifizieren. Die werden uns einbuchten… Hey.. wir haben vier Mädchen umgebracht. Zwei haben sie noch nicht gefunden, aber das wird nicht lange dauern und dann? Ich geh nicht in den Knast und Lars auch nicht!“ fauchte Rudolf wütend. Weidmeyer sah sie an. „Ihr wolltet doch unbedingt unberührte Mädchen haben! Ich hab sie jeden Tag und wenn sie erst einmal die Angst gespürt haben, dann… dann sind sie lammfromm. Aber gut… wir telefonieren die Krankenhäuser ab. Oder besser noch… ich rufe die Zeitung an. Die wissen sicherlich wo die Kleine liegt und dann werden wir sie beseitigen.“ nickte Weidmeyer. Die drei Männer ahnten nicht, dass sie belauscht wurden.

    Janina schloss die Augen. Er hatte also mehr als nur sie und Dominique gehabt. Vier Mädchen sind tot…er war ein Mörder. Sie griff in ihre Tasche. Die Karte des Polizisten … er konnte helfen. Er konnte ihr Martyrium beenden. Janina ging ins Zimmer und nahm eine Tasche. Sie packte das Nötigste zusammen und stieg dann aus dem Fenster. Sie musste zur Autobahnpolizei. Sie musste mit Ben Jäger sprechen. Er konnte ihr helfen. Nur er war ihre Rettung. Sie kam ungesehen von dem Gelände und rannte zur Straße. Nun musste sie nur noch zur Autobahnpolizei kommen. Sie sah sich suchend um. Wenn sie ein Telefon findet wäre es auch schon eine Lösung. Und dann fiel es ihr ein. Nicht weit von hier war die Raststätte und dort gab es Telefone. Wenn sie erklärt wie wichtig das war, dann würde man sie dort sicher telefonieren lassen. Die Leute mussten ihr einfach helfen. Es ging um Mord. Sie stimmte sich selbst zu und lief einfach in die Richtung wo die Raststätte lag.