Andrea war mit Aida auf dem Spielplatz. Während ihre Tochter im Sand buddelte und Kuchen backte dachte sie über die Beziehung zu Semir nach. War es wirklich so schlimm, weil er ihren Geburtstag vergaß?, stellte sie sich die Frage und gab sich direkt die Antwort. „Ja….“, Sagte sie leise. Irgendwann musste er es lernen. Aber liebte sie ihn nicht so wie er war?, fragte ihr Gewissen. „Doch….“, sprach sie leise zu sich. „Mein liebes Kind… Kummer ist besser zu beseitigen, wenn man darüber spricht…“, ertönte plötzlich eine Stimme neben ihr. Andrea erschrak und drehte ihren Kopf. Neben ihr saß eine ältere Dame. „Oh… Entschuldigung… Ich wollte Sie nicht stören…“, kam von Andrea. Die alte Frau lachte leise. „Störung? Nein… manchmal ist es schön wenn man gestört wird. Sie haben so versunken zu sich gesprochen, das ich mir schon erahnen kann, was Sie für Kummer haben. Lassen Sie mich raten… Ihr Freund hat Ihren Geburtstag vergessen und Sie haben sich gekränkt geführt. Dann gab ein Wort das Andere und er ist weg. Und nun wollen Sie sich bei ihm entschuldigen, weil Sie überreagiert haben, aber er will nichts davon wissen.“, kam von der Alten und sie sah Andrea fragend an. „Nicht ganz. Aber es ist nicht schlecht. Mein Mann… er hat meinen Geburtstag vergessen, so wie den Hochzeitstag und den Geburtstag unserer Tochter. Für ihn zählt nur er. Alles dreht sich um ihn. Und als er sich entschuldigt hat, brachte er mir einen alten fast verwelkten Strauß Blumen mit. Ich bin ausgerastet und habe ihn raus geworfen. Aber ich weiß dass er sich sehr schuldig fühlt und …. Ich liebe ihn einfach. Selbst für diese Fehler… Aber ich möchte Sie nicht mit meinen Sorgen belasten… Sie haben sicher selbst genügend davon.“, meinte Andrea nur. „Oh… ich habe keine Sorgen… nicht mehr. Mein Mann ist vor drei Monaten gestorben. Krebs. Ich bin auch bald dran und werde ihm folgen. 75 Jahre waren wir verheiratet. Ich war sehr traurig, weil er mich einfach so verlassen hat. Er hat mich allein gelassen…“, erklärte die Frau traurig. Andrea sah sie an. „Das tut mir Leid…“, sagte sie aufrichtig. „Nun so spielt das Leben. Ich habe keine Kinder. Mir ist dieses Glück versagt geblieben, weil ich in der Kriegszeit zu den Leuten gehörte, die für Versuchszwecke benutzt wurden. Als Dank dafür durfte ich keine Kinder bekommen. Aber ich habe es überstanden. Und nun bin ich ganz allein….“ Sehnsucht klang in diesen Worten und Andrea fühlte sich ertappt, dass sie sich einfach selbst zu wichtig nahm.
Eine Weile saßen die Frauen schweigend nebeneinander und beobachteten Aida beim spielen. „Wissen Sie… ich komme gern hier auf den Spielplatz. Zu sehen, wie diese kleinen Wesen in ihrer eigenen Welt leben und spielen und so für das Leben lernen, ist sehr schön. Es lenkt von den Sorgen ab. Ihr Mann…. Sie wissen wo er ist?“, wollte die Frau wissen. Andrea nickte. „Ja… er schläft und wohnt bei einem Kollegen. Er sehnt sich nach mir, das weiß ich. Genau wie ich. Aber er muss sich bei mir entschuldigen. Er sieht es natürlich anders. Semir ist stur…und leidet still…“, kam von Andrea. „Mein liebes Kind… Männer sind von Natur aus an nichts schuld. Das glauben sie wenigstens. Das starke Geschlecht …. Ja sicher…. Aber in Wirklichkeit sind wir das starke Geschlecht. Wenn wir für sie nicht sorgen würden, dann wären sie sehr traurig. Wenn wir nicht in ihrer Nähe sind, dann weinen sie sogar. Aber sie sind das starke Geschlecht…. Sie sollten mit ihm sprechen. Sagen Sie ihm, was Sie von ihm wollen…. Und fordern Sie eine Erklärung. Warum vergisst er die Daten? Waren Sie ihm nicht wichtig? Oder ist er beruflich so eingespannt, dass er manchmal eine Erinnerung braucht?“, harkte die Frau hartnäckig nach. Andrea musste lachen. „Er ist Polizist…“, gab sie bekannt. „Sehen Sie… er hat viel um die Ohren und deshalb vergisst er die Termine. Das ist doch ein sehr guter Entschuldigungsgrund. Sie sollten ihm verzeihen…“, meinte die Alte nur. Andrea dachte über die Worte nach. Eigentlich hatte die Frau Recht. Sie sollte ihm verzeihen. Aber erst musste er zu ihr kommen. Andrea seufzte. Sie stand Semir in Sachen Sturheit in nichts nach.
Semir kam zurück. Ben sah ihn an. „Na jetzt siehst du viel Besser aus…“, höhnte er. „Danke du Idiot….du hättest mich davon abhalten sollen.“, kam von Semir zurück. „Was? Ich dich? Du spinnst wohl. So weiter im Text… ich habe bereits herausgefunden dass es acht noch in Betrieb befindlichen Sägewerke gibt und drei stillgelegte. Wir sollten sie morgen alle abfahren, wenn der Alkohol aus unserem Blut ist. Eins nach dem Anderen werden wir uns vornehmen und abchecken wer illegale Baumbestände bearbeitet.“, meinte Ben nur. Die Tür ging auf. Semir und Ben sahen Kim, die eintrat an. „Und? Gibt es schon etwas?“, wollte sie wissen. „Ja… wir werden morgen alle Sägewerke abfahren und die Inhaber verhören. Vielleicht finden wir dann etwas.“, gab Ben bekannt. Kim nickte. „Gut… so und nun werden Sie beide nach Hause gebracht und schlafen sich aus. Morgenfrüh sind Sie wieder fit!“, befahl Kim, verließ das Büro und ließ die Tür lauter ins Schloss fallen, als es eigentlich hätte sein müssen. Semir stöhnte so laut auf, dass sie es durch die Tür hörte. Sie lächelte und nickte. „Das tut sooo gut…“, lachte sie leise und verschwand unter den staunenden Blicken von Susanne in ihrem Büro.