Beiträge von Elvira

    Der Abend kam und für Johanna begann die Schicht. Sie hatte in dieser Woche Nachtschicht. Zum ersten Mal seit ihrer Ausbildung musste sie nachts die Patienten versorgen. So kam sie gegen acht am Abend herein und ließ sich einweisen. Als sie das Zimmer von Robert Esslinger betrat, sah sie dass dieser nicht mehr da war. Erstaunt fragte sie nach und erfuhr, dass dieser verstorben war. Vergiftet, sagte Ilona die am Tag Dienst hatte. „Das ist ja schrecklich... Aber Dr. Welfenhaus war doch noch bei ihm gewesen...“ sagte sie erstaunt. „Welfenhaus?“ wollte Ilona wissen. „Ja... Welfenhaus...wieso?“ kam nun die Gegenfrage von Johanna. „Weil Welfenhaus hier nicht zuständig ist. Bist du sicher, dass Frau Dr. Welfenhaus es war?“ harkte Ilona nach. „Wieso Frau Dr. ...das war ein Herr Dr. ...“ widersprach Johanna. „Bin gleich wieder da!!“ rief Ilona, rannte ins Schwesternzimmer und rief Semir Gerkhan an. „Herr Esslinger wurde gestern doch noch besucht. Ich habe es eben von unserer Schwesterschülerin erfahren. Ein Mann der sich als Dr. Welfenhaus ausgegeben hat. Aber ich kenne Dr. Welfenhaus...es ist eine Frau...“ sagte sie als der Polizist sich meldete. „Ja... ich sorge dafür...ich warte auf Sie...“ hörte Johanna sagen. Sie sah ängstlich zu Ilona. „Hab ich was Falsch gemacht?“ fragte sie besorgt. „Nein.... im Gegenteil. Du hilfst gerade der Polizei bei der Aufklärung eines Mordes...“ sagte Ilona beruhigend. Nur wenig später standen Semir Gerkhan und ein weiterer Mann im Schwesternzimmer. „Hallo... ich bin Semir Gerkhan... Kripo Autobahn. Das ist Hartmut Freund. Sie haben den falschen Arzt gesehen?“ wollte der Kleinere der beiden Männer wissen. Johanna nickte schüchtern. „Können Sie ihn beschreiben?“ folgte die nächste Frage.

    „Hier Chefin! Das ist der Mann, der Esslinger in der Nacht besucht hatte. Susanne lässt das Bild gerade durch die Datenbank laufen. Kai Laufwald hat somit Recht, dass er es nicht war. Dieser Typ hat vermutlich die Pralinen vergiftet. Und wenn... dann hat dieser Mistkerl auch Ben in seiner Gewalt..“ prophezeite Semir und tippte dauernd auf das Bild. Kim sah es sich an. „Haben Sie Laufwald das Bild gezeigt?“ wollte sie wissen. „Nein... ich sehe auch keine Verbindung zwischen ihm und dem falschen Arzt.“ gab Semir von sich. „Trotzdem....vielleicht kennt er diesen Mann ja doch... Ein Versuch kann nicht schaden..“ lächelte sie. Semir nahm das Bild und verschwand. Er ging zu Kai Laufwald, den er in den Verhörraum hatte bringen lassen. „Herr Laufwald... kennen Sie diesen Mann?“ wollte Semir von ihm wissen. Kai sah auf das Bild. „Nein... das Gesicht sagt mir nichts.... hat er was mit dem Verschwinden von Ben und dem Tod von Robert was zu tun?“ wollte er wissen. Semir nickte. „Er war in der Nacht vor Esslingers Tod im Krankenhaus. Verkleidet als Arzt. Nur hat er einen Fehler gemacht, er wusste nicht, dass der Arzt dessen Kittel er trug eine Frau war. Deshalb ist er aufgeflogen. Aber ich muss wissen wer es ist...“ kam regelrecht flehend von Semir. Kai nahm sich das Bild genauer vor. „Also ich weiß nicht... dieses verlebte Gesicht...ich kenne es nicht... aber... wenn er aus der Schule ist, dann müsste er doch auch auf dem Klassenfoto sein. Ich habe alle Klassenfotos aufbewahrt. Sie sind zuhause in der Schublade... Hören Sie... ich kann Ihnen vielleicht helfen... lassen Sie mich helfen...bitte...“ flehte Kai. Semir ließ sich tatsächlich breitschlagen und fuhr mit Kai nach Hause.

    Ben hatte die Augen geschlossen als die Tür sich öffnete. Er öffnete sie und sah Tobias an. „Wann gibst du auf?“ fragte er. „Wenn du tot bist...Benni....so einfach ist das... Sobald du aufhörst zu atmen...“ erklärte Tobias stolz. Er kniete sich vor Ben und drückte ihn mit beiden Händen den Hals zu. Ben trat nach ihm und versuchte sich zu wehren, doch wie in den letzten Tagen gelang es ihm nicht. „Esslinger ist tot.....Laufwald geht dafür in den Knast... hab ich mir toll ausgedacht nicht wahr...“ lachte Tobias Herder. Ben röchelte und glaubte das Bewusstsein zu verlieren. Doch das wollte Herder nicht. Er ließ ihn los und Ben holte pfeifend Luft. Er konnte nicht mehr. Seit einigen Tagen malträtierte Herder ihn mit Schlägen, quälte ihn indem er ihn unter Wasser tauchte und in letzter Sekunde wieder raus holte oder aber würgte ihn bis er fast das Bewusstsein verlor. Ben konnte sich nicht wehren. Seine Hände waren bereits seit Tagen gefesselt und er hatte jedes Gefühl darin verloren. Seine Augen waren angeschwollen, genau wie seine Wangenknochen. Der Hals brannte und seine Beine taten ihm weh. Herder hatte ihn an den Beinen aufgehängt und in ein Wasserbecken getaucht. Und als er über dem Wasser hing fand Tobias Herder es lustig ihn ständig mit einer kleinen Kette gegen die Schienbeine zu schlagen. Jeder Schritt tat ihm weh. „Mach doch endlich Schluss...Tobias... töte mich endlich.“ krächzte Ben heiser. „Oh mein....mein Lieber... noch nicht... und wenn dann stirbst du nicht durch meine Hand. Ich habe mir überlegt, dass ein guter Freund deinen Tod herbeiführen wird. Ein guter Freund von dir....und du wirst mir helfen ihn zu finden. Ich hoffe sehr du hast Freunde...“ lachte Tobias.

    „Hören Sie.... ich habe Robert und auch Ben verziehen...ich habe ihn nicht umgebracht...ich habe auch nichts mit Bens Verschwinden zu tun. Bitte glauben Sie mir...Bitte...“ flehte Kai Laufwald regelrecht. Semir sah, dass es nicht gelogen war. Seine Erfahrung ließ ihn wirklich zweifeln. „Okay... gehen wir mal davon aus, ich würde Ihnen glauben. Wer sollte dahinter stecken? Sie sind der einzige, der Hass auf Ben und Robert hatte. Sie haben die Gesundheit verloren, weil man von Ihnen die Mutprobe verlangte. An der Pralinenschachtel sind lediglich Ihre Fingerabdrücke. Sie wussten welche Esslinger mochte und Sie wussten auch, dass er im Krankenhaus lag. Außerdem hat Esslinger keinen anderen Besuch empfangen...“ kam von Semir. Kai nickte. „Ich weiß...meine Chancen stehen schlecht. Ich habe keine Zeugen dass ich es nicht war. Aber ich schwöre ich war es nicht... ich war es nicht...“ weinte Kai verzweifelt. „Ich lasse Sie in Ihre Zelle bringen..“ stöhnte Semir und verließ den Raum. Kim Krüger erwartete ihn. „Glauben Sie ihm?“ wollte sie wissen. „Ja...ich glaube ihm. Er ist kein Killer. Auch wenn alles auf ihn hinweist. Etwas stört mich.... Chefin...er ist erschrocken gewesen, als ich ihm sagte, das Esslinger tot ist. Er war auch erschrocken, als ich ihm sagte, dass Ben verschwunden ist. Ich habe ihn und Esslinger im Krankenhaus beobachtet. Sie haben sich vertragen. Laufwald hat Esslinger vergeben. Er war es nicht.“ nickte Semir voller Überzeugung. „Gut... und wer dann?“ fragte Kim Krüger. Doch auf diese Frage wusste Semir keine Antwort.

    Kai Laufwald schrak auf, als es Sturm klingelte. „Ja...ist ja gut... verdammt noch mal...“ maulte er und rollte seinen Rollstuhl in den er sich eben erst gequält hatte zur Tür. Doch kaum öffnete er sie, stürmten Polizisten in seine Wohnung. „Wo ist er?“ fragte ihn Semir Gerkhan, den er sofort erkannte. „Wo ist wer?“ wollte Kai verwirrt wissen. „Ben!! Esslinger… Er ist tot... er ist an den Pralinen gestorben, die Sie ihm gebracht haben! Halten Sie Ben hier gefangen?“ kamen die Fragen von Semir Gerkhan. „Was? Das ist doch absoluter Blödsinn! Die Pralinen waren nicht vergift!“ verteidigte Kai sich empört. „Ja sicher!! Sie sind wegen Mordverdacht verhaftet! Durchsucht das komplette Haus!“ gab Semir Gerkhan den Befehl. Er sah Kai warnend an. „Sollte sich herausstellen, dass Sie Ben Jäger hier irgendwo festhalten, dann werde ich dafür sorgen, dass Sie für immer in den Knast gehen...“ drohte er ihm. Kai sah ihn erschrocken an. „Aber... ich habe doch gar nichts getan...ich...ich habe Robert die Pralinen gebracht das stimmt, aber sie waren doch ...in Ordnung...sie waren nicht vergiftet!“ erklärte er völlig perplex. Dennoch ließ Gerkhan ihn abführen. Die Durchsuchung der Wohnung erbrachte gar nichts. Die Wohnung war leer und auch im Keller fanden die Polizisten nichts. „Was für ein Gift haben Sie benutzt?“ wollte Gerkhan später wissen, als Kai Laufwald im Verhörraum saß. „Herr Gerkhan.. ich habe nichts getan...ich habe nur einen alten Freund besucht...wirklich mehr war da nicht... ich schwöre...“ kam von Kai.

    „Semir...der Obduktionsbericht liegt vor.“ sagte Susanne als sie das Verhör unterbrach. Semir nahm das Stück Papier und las es durch. „Rattengift oder auch Strychnin...So was haben Sie doch oder etwa nicht, Herr Laufwald?“ wandte Semir sich an seinen Verdächtigen. „Aber...ich ...nein... ich...das ist ein Alptraum...das ist ein Alptraum...“ stieß Kai aus. „Sie haben sich rächen wollen, rächen für den Unfall von damals... Sie denken Robert und Ben waren daran Schuld, nicht wahr? Sie hätten damals nein sagen können, aber Sie waren zu stolz... nicht wahr? Wo ist Ben Jäger?“ schoss Semir die Fragen ab. „Ich weiß es nicht... ich weiß es wirklich nicht... ich gebe den Beiden die Schuld, ja... aber das ist doch schon so lange her...ich habe mich mit meinem Schicksal abgefunden...“ erklärte Kai Laufwald. Semir beobachtete ihn sehr. Irgendwas stimmte hier nicht. Sein Gefühl sagte, dass Kai Laufwald Schuld ist an Bens Verschwinden, doch sein Verstand sagte, dass er nichts damit zu tun hatte. Nur wem sollte Semir nun vertrauen? „Warum bringen Sie Esslinger Pralinen ins Krankenhaus?“ wollte Semir wissen. „Ich....es waren seine Lieblingspralinen. Die hatte er damals schon als Kind gern gemocht und...als ich sie sah...da...da hab ich sie gekauft... sie waren neu....ich habe die Packung nicht einmal geöffnet...“ behauptete Kai verzweifelt.

    Robert Esslinger wurde um sieben geweckt. Frühstück war angesagt, doch für Robert waren die Pralinen die auf seinem Tischchen standen zu verlockend. Er nahm gleich zwei heraus und steckte sie in den Mund. Genüsslich kaute er sie und kaum hatte er sie runter geschluckt spürte er, dass etwas nicht stimmte. Er bekam keine richtige Luft...und fing an zu würgen. „Hilfe.....Hilfe...“ stieß er viel zu leise aus. Mit zittriger Hand griff er zum Klingelknopf. Mit der zweiten griff er nach seinem Hals und versuchte sich Erleichterung zu verschaffen. Es klappte nicht. Panik und Angst ergriffen ihn. Sein Körper verkrampfte sich immer mehr und er machte sich in die Hose....Die Angst hatte ihn voll im Griff. Er spürte wie Schaum aus seinem Mund trat. Nur wenig später lag er schlaff im Bett. Das eine Schwester hereinkam bekam er nicht mehr mit. Auch den Arzt, der dicht auf die Schwester folgte konnte nichts mehr für ihn tun. Robert Esslinger starb binnen zehn Minuten in einem schmerzhaften Todeskampf. „Rufen Sie Herrn Gerkhan an...und teilten Sie ihm mit, dass Herr Esslinger verstorben ist.“ sagte der Arzt und ließ den Leichnam in den Keller bringen. Hier war eine Obduktion mit Sicherheit angebracht. „Die Pralinen werden umgehend eingepackt....ich denke schon, das die Polizei daran Interesse haben wird...“ erklärte Dr. Friedfisch. Ilona, die Stationsschwester zog sich Handschuhe an und trug die Pralinen ins Schwesternzimmer. „Ilona...achten Sie bitte darauf, das niemand an die Dinger geht... Herr Esslinger zeigt Vergiftungsmerkmale...“ ermahnte Friedfisch.

    Semir meldete sich als das Telefon klingelte. „Ich bin sofort da! Berühren Sie nichts!“ stieß er aus, knallte den Hörer auf das Gerät und rannte sofort aus dem Büro. Dass Kim Krüger ihm nachsah, bemerkte er nicht. Diesmal brauchte er nur knappe zwanzig Minuten bis er im Krankenhaus angekommen war. Sofort wurde er in das Zimmer gebracht. „Wo ist die Leiche?“ wollte er wissen. „Wir haben Sie in den Keller gebracht... in eine der Kühlzellen...“ erklärt Friedfisch. „Sehr gut... die Spurensicherung ist bereits informiert. Woran ist Herr Esslinger verstorben?“ hakte Semir nach. „Er zeigte ganz deutlich Vergiftungserscheinungen. Wir vermuten, das die Pralinen, die wir jetzt erst einmal in den Kühlschrank gestellt haben, die Ursache waren.“ erklärte Friedfisch. Semir sah ihn an. „Wissen Sie von wem Esslinger die Pralinen hatte?“ wollte Semir wissen. „Schwester Ines kann Ihnen sich sagen wer zu Besuch war...INES!!“ rief der Arzt über den Flur. Eine der Schwestern sah ihn an und kam sofort hinzu. „Wer hat Herrn Esslinger besucht?“ fragte Friedfisch. „Gestern war nur ein Besucher da...im Rollstuhl und...“ erklärte die Schwestern. „Danke...mehr brauch ich nicht wissen. Die Pralinen sind beschlagnahmt. Bitte geben Sie sie den Mitarbeitern der Spurensicherung mit...“ rief Semir und rannte raus. Dr. Friedfisch sah ihm erstaunt hinterher. „Chefin...ich brauche einen Durchsuchungsbefehl für die Wohnung von Kai Laufwald! Außerdem brauche ich Verstärkung....Esslinger ist vergiftet worden, vermutlich mit den Pralinen, die er von Laufwald hat!“ erklärte er sachlich und lenkte den Wagen vom Parkplatz. Kim Krüger versprach das Papier umgehend zu besorgen. „Ich fahre hin und werde Laufwald vernehmen!“ gab er bekannt und beendete das Gespräch.

    Ben sah Tobias müde an. „Lass das doch sein...Tobias...das ändert nichts...“ sagte er leise. „Da magst du Recht haben, Ben... aber es verschafft mir eine kleine Genugtuung. Niemand kann das ermessen, was ich durchgemacht habe und noch durchmachen werde. Ich werde dir aber einen kleinen Einblick in meine Welt verschaffen. Du kennst dich doch sicher aus, wie man sich mit Aids anstecken kann oder? Wir könnten Spaß zusammen haben, Ben.... aber das gönne ich dir nicht. Nicht auf diese Art und Weise. Aber weißt du was ich mir überlegt habe.... erst wird Robert sterben...ich habe ihm seine Lieblingspralinen geschenkt.... und weißt du wer dafür in den Knast wandert? Kai...unser lieber Kai, der im Rollstuhl sitzt und sicher auch Rachegedanken an dich und Robert verschwendet hat. Ist das nicht toll ausgedacht? Er geht für mich in den Knast. Deine Kollegen werden ihn verhaften und denken, dass er dich irgendwo versteckt hat. Bis deine Freunde wissen, dass es eine Finte ist, habe ich dich längst fertig gemacht.“ lachte Tobias gehässig. Ben schloss die Augen. Der Hass von Tobias saß verdammt tief. Nichts konnte ihn davon abhalten. „Meinst du denn, dass mein Kollege so dumm ist? Er wird herausfinden, dass Kai nicht dahinter steckt. Du wirst einen Fehler gemacht haben... einen winzigen Fehler....und dann wirst du für das und für den feigen Mord an Robert büßen...“ versprach Ben müde. Tobias lachte nur. „Iss…und dann solltest du schlafen… du siehst grausam aus.“ gab er verächtlich von sich und stellte Ben das Essen auf den Boden. „Guten Appetit…heute gibt es was ganz besonderes…. Kalte Hamburger… du liebst sie doch…nicht wahr… hast sie früher auch gegessen…“ verhöhnte Tobias seinen ehemaligen Schulkameraden. Er hockte sich vor ihn und fütterte ihn.

    Semir wachte gegen Mitternacht auf. Erschrocken setzte er sich hin und sah auf die Uhr. Er hatte fast sechs Stunden geschlafen…wie konnte er schlafen, während Ben vielleicht um sein Leben kämpfte? Mit leicht schwankenden Schritten ging er in das angrenzende kleine Bad und wusch sich das Gesicht. Dann ging er hoch. In seinem Büro vor dem PC saß Kim Krüger auf seinem Platz. Den Kopf auf der Schreibtischplatte gelegt und schlafend. Semir ging zu ihr und legte ihr die Hand auf die Schulter. Sofort war sie wieder wach. „Semir?“ fragte sie erstaunt. „Sie sind dran mit Schlafen..“ murmelte Semir und ging in die Küche. Er machte sich einen Kaffee. Kim kam hinterher. „Haben Sie wenigstens etwas schlafen können?“ wollte sie wissen. Semir nickte. „Ja… viel zu viel….wir müssen Ben suchen….“ Erklärte er nur. „Ja ich weiß… ich habe noch mal die Schule durchforstet. Auf der Seite von denen sind alle Schüler die mit Jäger in der Klasse waren aufgelistet. Scheint eine sehr gute Klasse gewesen zu sein. Die haben alle ein 1er Abi abgelegt. Jäger ebenfalls.“ Meinte Kim und nahm sich eine Tasse Kaffee. Semir nickte nur. Soweit war er auch schon. Er fand keine Stelle wo er ansetzen konnte. Warum war es so schwer…? fragte er sich. „Wissen Sie, Gerkhan… vielleicht hat das alles gar nichts mit der Schule zu tun und dieser Robert war nur zufällig das Opfer. Was wenn der Mann von Anfang an Jäger auf dem Kicker hatte. Immerhin hat er ja auch so eine Maschine und der Täter kann doch gemeint haben, dass es Jägers Motorrad war..“ gab Kim zu bedenken. Semir nahm einen Schluck des Kaffees. Er war etwas stark doch genau das brauchte er jetzt. „Das kann sein… ich weiß.. aber wir müssen unbedingt eine Spur finden. Es ist keine Erpressung soviel ist klar. Ich werde sobald es hell ist ins Krankenhaus fahren und Esslinger noch einmal befragen.“ meinte Semir nur.

    Nach einigen Monaten begann die Verhandlung gegen die verhafteten Holzdiebe. Ben und Semir saßen unter den Zuschauern, als Leonard seine Aussage machte und die anderen Bandenmitglieder, die bei der Schießerei mit dem Leben davon gekommen waren, schwer belastete. Staatsanwältin Schrankmann und Oberstaatsanwalt Dr. Reichel hörten der Aussage genau zu und verständigten sich hinter vorgehaltener Hand über das Strafmaß des Zeugen, der ja auch zur Verantwortung gezogen werden muss. Die Verhandlungen dauerten dank Leonard nicht sehr lange und alle Beteiligten wurden zu empfindlichen Strafen verurteilt. Schrankmann die die Anklage führte lehnte sich entspannt und stolz in ihren Stuhl zurück als das Urteil verkündet wurde. Sie wandte sich anschließend an Reichel und sah ihn zufrieden an. „Das haben wir doch sehr gut hinbekommen… die Kerle gehen für viele Jahre hinter Gitter..“ sagte sie stolz. Reichel nickte. „Sie haben aber eine Kleinigkeit vergessen…“ erinnerte er sie. „Was? Ich? Nein… was meinen Sie denn?“ tat Schrankmann erstaunt. „Sie haben die Anklage zwar geleitet, aber die wahre Arbeit haben zwei Andere gemacht und da sollten Sie dann einmal danke sagen.“ ermahnte er sie. „Sie meinen….? Ich soll mich bei… nein… das ist nun wirklich zuviel des Guten. Die haben doch nur ihren Job getan..“ erboste sich Schrankmann. „Ach sehen Sie das wirklich so? Dann frage ich mich nur, warum Sie die Beiden ständig triezen müssen. Sie werden nun da rüber gehen und sich bedanken… wie es sich für eine brave Staatsanwältin gehört.“ Der Ton von Dr. Reichel veränderte sich. Es klang mehr nach einem Befehl. Schrankmann nickte ergeben und ging in Richtung Semir und Ben, die etwas abseits standen.

    „Oh… die Verrückte naht….“ Grinste Semir der Schrankmann kommen sah. Ben drehte sich um. „Vielleicht sollte ich mich entschuldigen… ich meine…also…“ stammelte Ben leise. Semir grinste nur. „Meine Herren…könnte ich Sie mal ganz kurz sprechen?“ bat Schrankmann sie. Semir und Ben nickten. „Also… im Krankenhaus… ich wollte mich… nun ja… ich wollte mich entschuldigen… Bei Ihnen beiden… und ich wollte Danke sagen. Wenn Sie nicht so agiert hätten wie Sie es getan haben, wäre es vermutlich zu einem extremen Bandenkrieg gekommen, der sicherlich mehr Opfer gefordert hätte als er es hat.“ Kam klar und deutlich über die Lippen der Frau, die wohl jeden Polizisten hasste. Semir grinste leicht. „Soll das heißen, dass Sie uns loben?“ harkte er nach, obwohl er es schon richtig verstanden hatte. „Ja… Sie haben mich schon richtig verstanden…“ grollte Schrankmann. „Sie wollen also sagen, dass wir gute Arbeit geleistet haben?“ Semir schien Spaß daran zu haben, die Frau so klein vor ihm zu sehen. „Ja Herr Gerkhan… Sie und Herr Jäger haben hervorragende Arbeit geleistet…“ wiederholte sie wütend. „Ben… hast du gehört… wir brauchen nicht nach Hallig Hooge und die Staatsanwältin hat uns gelobt… wie finden wir das denn?“ lachte er. „Herr Gerkhan.. ich warne Sie… wenn Sie mich aufziehen wollen, dann ….“ Fauchte Schrankmann. „Nein… ich doch nicht… ich versuche nur diese Situation zu genießen…“ grinste Semir und zog Ben mit raus. „Das war jetzt aber ziemlich übertrieben…“ murmelte Ben leise. „Ich weiß… aber es war mir ein Hochgenuss…“ grinste Semir

    Leonards Anwalt war ein guter Freund von Bens Vater. Er verteidigte Leonard Standpunkt und sah nach der Verhandlung dem Urteil sehr gelassen entgegen. Er beruhigte Leonard als der Richter sich zur Beurteilung zurück zog. Auf dem Flur des Gerichtes lief Leonard nervös auf und ab. „Semir… wenn der Richter doch denkt, dass ich ins Gefängnis muss, würdest du dann… ich meine… würdest du dich dann um Corinna und Celine kümmern?“ bat er. Semir lächelte und schüttelte den Kopf. „Die Arbeit wirst du selbst machen….. mein Freund…“ sagte er nur. Dann wurden sie in den Gerichtssaal gerufen. Der Richter kam herein und alle standen ehrfürchtig auf. „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Der Angeklagte Leonard Bucher ist schuldig gemeinsam mit einer Bande illegal Holz transportiert zu haben und sich an Bandenverbrechen beteiligt zu haben. Er wird deshalb zur einer Strafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Diese Strafe wird obwohl es über zwei Jahre ist zur Bewährung ausgesetzt. Nehmen Sie Platz!“ forderte der Richter auf. „Zur Erklärung des Urteils habe ich folgendes zu sagen. Herr Bucher… Sie haben ja zugegeben, dass Sie für die Bande das Holz transportiert haben und auch wussten, dass das Holz illegal geschlagen wurde. Somit haben Sie sich strafbar gemacht. Sie wussten auch, dass sich Herr Gerkhan in dessen Gewalt befand und haben trotzdem die Polizei nicht in Kenntnis gesetzt, was Ihre Pflicht gewesen wäre. Normalerweise hätte das eine höhere Strafe nach sich gezogen. Angesichts der Tatsache, dass Sie diese Tat bereut und zweien Polizisten das Leben gerettet haben bin ich jedoch zu der Ansicht gekommen, dass Sie sicher nicht noch einmal etwas Verbotenes tun. Allerdings ist eine Bewährungsstrafe immer mit Auflagen verbunden und das kann ich auch hier nicht umgehen. Sie bekommen die Auflage sich regelmäßig auf dem Polizeirevier zu melden. Einmal im Monat, denke ich reicht völlig aus. Die Verhandlung ist geschlossen.“ Der Richter klopfte mit dem Hämmerchen auf den Tisch und alle erhoben sich.

    Auf dem Flur fielen Corinna und Leonard sich in die Arme. „Ich leibe dich…“ sagte sie leise und weinte. „Hey.. es ist okay… ich werde nie wieder etwas Verbotenes tun… nie wieder…“ versprach er auch ihr. Semir, Ben und auch Andrea sahen dieser Szene zufrieden zu. Dann kam Leonard zu ihnen. „Danke… für alles…“ sagte er leise. Semir griff seine Hand und nickte ihm nur zu. „Lasst euch ruhig wieder bei uns sehen..“ bat er. Leonard nickte überglücklich. Ben hörte es. „Bei uns? Semir soll das heißen… das du deine Sachen endlich wieder bei mir abholst… und ich nicht mehr die Angst haben muss, dass du bei mir einziehst?“ fragte er hoffnungsvoll. Semir sah zu Andrea. „Nein… ich werde heute alles abholen. Ich habe etwas dazu gelernt… zuhören kann manchmal sehr nützlich sein. Ach Ben… würdest du für mich Kalender führen… und mir früh genug sagen, wenn ich irgendwelche Verpflichtungen habe? Ich meine dafür gibt es doch ein Programm oder?“ fragte Semir hoffnungsvoll. Ben sah zu Andrea und lachte laut auf. „Ja gibt es… es nennt sich Gehirn… aber gut… schon allein damit du nie wieder bei mir wohnst…“ versprach Ben.


    Ende

    Kim Krüger sah in das Büro wo Ben und Semir eigentlich saßen. Gerkhan war immer noch am PC und sie sah wie er sich die Augen rieb. Sie waren rot und völlig übermüdet. „Gerkhan... Sie legen sich umgehend in den Bereitschaftsraum und schlafen etwas!“ befahl sie daher. „Nein.. ich muss Ben suchen und finden... wer weiß wo er sich befindet und was er gerade durchmacht..“ stieß er leise aus. „Ich mache für Sie weiter... Sie müssen schlafen....“ ermahnte sie ihn. „Sie haben doch auch noch nicht geschlafen...ich kann nicht einfach schlafen, wenn Ben durch die Hölle geht...“ erklärte er. Kim lächelte sanft. „Ich werde mich nach Ihnen hinlegen. Sie sind seit gestern nicht mehr im Bett gewesen. Meinen Sie wirklich, Sie können Jäger so helfen?“ wollte sie wissen. Semir wusste genau, dass sie Recht hatte, doch was, wenn er genau jetzt eine Spur fand? Was wenn er... „Gerkhan?“ riss Kim ihn aus den Gedanken. „Ja...Chefin... ja... ich weiß....“ kam von ihm. „Legen Sie sich wenigstens für drei Stunden hin....Was haben Sie denn bisher?“ harkte die Chefin nach. Semir fuhr mit seinen Händen durch sein Gesicht. Der Bart kratzte bereits. „Nicht viel....“ gab er zu. „Dieser Peer van Stendal war Drogenhändler und Zuhälter… für Jungs… aber ich komme da nicht weiter. Es gibt keine Verbindung zwischen Ben und Stendal. Nichts wo ich anknüpfen kann. Ich vermute das Stendal nur ein zufälliges Opfer war.“ erklärte Semir leise. „Was sagt Ihnen Ihr Gefühl?“ wollte Kim wissen und ließ sich auf Bens Stuhl nieder. „Mein Gefühl? Sagten Sie nicht, dass man die Gefühle besser ausschalten sollte?“ stellte Semir die bittere Gegenfrage. Kim nickte. „Ja....normalerweise schon. Aber Sie können es nicht... genauso wenig wie ich. Was sagt Ihnen Ihr Gefühl, Gerkhan?“ wiederholte sie die Frage. Semir sah sie an. „Ich denke, dass Ruff was mit dem Verschwinden zu tun hat. Oder Laufwald... die Beiden hatten allen Grund sich an Esslinger und auch an Ben zu rächen. Aus verletztem Stolz vielleicht....Laufwald sicher noch mehr, als Ruff.“ erklärte Semir. „Dann setzen Sie dort an. Aber erst werden Sie schlafen...“ kam von Kim. Semir nickte. Mit müden Schritten ging er in den Keller um sich dort hinzulegen. Nur wenige Minuten später schlief er tief und fest.

    Tobias sah sich verstohlen um, als er sich dem Krankenhaus näherte. Unter seinen Arm Pralinen. Die Pralinen, die Robert am Liebsten aß. Schon in der Schulzeit, hatten die Eltern von Robert ihm diese Pralinen mitgebracht. Tobias verkleidete sich als Arzt indem er sich einen der dreckigen Kittel nahm. Und da er wusste wo Robert Esslinger lag, kam er ungehindert auf die Station. Eine der Schwesterschülerinnen begrüßte ihn freundlich. Tobias lächelte sie an und sah ihr hinterher. Dann betrat er das Zimmer von Esslinger. Auf dem Nachttisch lagen bereits Pralinen. Doch seine waren um einiges besser. Sie enthielten Strychnin. Eine tödliche Dosis und Esslinger war der erste, der sterben wird. Das bereits die gleiche Schachtel hier lag, war eine Fügung des Schicksals. Egal wer diese Esslinger geschenkt hatte.... der Verdacht würde auf ihn fallen. Tobias grinste zufrieden. Er bewegte sich so leise, das Esslinger ihn nicht einmal bemerkte. Mit schnellen Bewegungen tauschte er die Pralinen gegen seine. Wohl bekomm’s, dachte er und verließ fast lautlos das Zimmer. Mit einem fröhlich pfeifenden Lied verließ er das Krankenhaus. Nun musste er nur noch abwarten, bis die Zeitungen von dem plötzlichen Ableben des Robert Esslinger berichteten. Er fuhr nach Hause und ging erneut zu seinem vermeintlichen Feind, den er im Keller festhielt. Er war schließlich Zeit fürs Essen und Trinken. Tobias war sehr fürsorglich, schließlich wollte er sein Opfer leiden aber nicht verhungern lassen.

    Ist das eigentlich nicht egal wer in der finalen Film-Szene zu sehen ist? Vielleicht solltst du mal ein Drehbuch schreiben dann kannst du auch sicher sein, das Tom Beck nicht drin vorkommt (nimm das jetzt bitte nicht als Anregung!)


    Freuen wir uns doch einfach auf den Film wo die Cobra 11 Hauptdarsteller auch mal eine andere Seite von sich zeigen.

    Semir fuhr zu dem Lehrer, dessen Namen Robert nannte und dessen Adresse Susanne per Funk durchgab. Vor einem ziemlich verfallenen Haus hielt Semir an. Etwas Naserümpfend sah er sich um. Scheinbar hatte der Lehrer nicht sehr viel von seinem Leben gehabt, wenn er hier leben musste. Dennoch klingelte er. „Bitte?“ fragte ein greiser Mann. „Ich suche Herrn Dr. Lievenstadt…“ erklärte Semir. „Der wohnt nicht mehr hier… der hat jetzt ein Einzimmerapartment auf dem Friedhof…“ erklärte der Mann. „Er ist verstorben?“ kam verwundert von Semir. „Ja…vor sechs Jahren ist er dahin gegangen. Friedlich eingeschlafen… und nun wohne ich hier…“ grinste der Mann. Semir sah ihm an, dass es ein Penner war, der sich einfach nur eine Bleibe gesucht und gefunden hatte. „Danke…“ murmelte er und stieg wieder in sein Auto. Diese Sache war eine Sackgasse. Also blieben nur die Kontakte von Stendal zu überprüfen. Irgendwo musste doch etwas zu finden sein. Er fuhr zurück zur PAST und vergrub sich vor dem PC. Die Akte Stendal war voll von Informationen. Doch nichts deutete darauf hin, dass Ben mit Stendal was zu tun hatte. Semir las die Akte zigmal durch, schrieb sich die Namen auf und ließ alle überprüfen. Diese Recherche nahm Stunden in Anspruch. Semir vergaß sogar zu essen. Susanne stellte ihm einen Teller mit Pommes und Currywurst hin. „Du musst essen…“ ermahnte sie ihn. Semir nickte nur und griff ohne den Blick vom Monitor zu nehmen auf den Teller. Nach und nach leerte er sich. Semir bemerkte nicht wie es dunkel wurde. Erst um elf am Abend spürte er die Müdigkeit, doch er dachte nicht dran aufzuhören. Er musste Ben finden… er musste einfach.

    Ben sah auf, als die Tür aufging. Er hatte aufgegeben und kämpfte nicht mehr gegen die Fesseln. Tobias, der Mann, der ihn hier festhielt kam zu ihm und sah ihn höhnisch an. Doch mehr als die Augen konnte Ben im schummrigen Licht nicht erkennen. Er zog eine Spritze hervor und lachte gehässig. „Ich werde dir jetzt mal zeigen wie es ist, auf einem Trip zu sein. So wie ich es damals brauchte….aber du hast mir meine Karriere versaut… du bist Schuld, dass ich Aids habe… hörst du… du bist schuld!“ schrie er ihn an. Ben ahnte, was sein Peiniger vorhatte. Er zuckte zusammen, verkrampfte seine Muskeln instinktiv. „Tobias, nicht!!“ stieß er aus. „Oh…warum denn nicht? Angenehme Träume…“ lachte sein Peiniger. Ben trat nach ihm. Die Spritze flog in einem hohen Bogen nach oben und zerschellte am Boden. „Du verdammter ….Mistkerl!!! Weißt du was das kostet? Weißt du was ich dafür bezahlen musste?“ fauchte er Mann ihn an. „Tobias… hör auf…. Das ist Wahnsinn….“ kam leise von Ben. Doch Tobias ließ sich nicht davon abbringen. Er schlug auf Ben ein. „Weißt du wie es mir erging…weißt du wie es ist, wenn man sich verkaufen muss? Nur um den nächsten Schuss zu finanzieren? Wenn du damals die Klappe gehalten hättest, dann wäre ich jetzt Arzt und würde keine Drogen mehr brauchen!“ schrie Tobias wütend. „Das ist nicht wahr!! Du wärest nie von den Drogen runter gekommen!! Du wärest in den Knast gewandert!!!“ schrie Ben und versuchte sich zu wehren. Tobias schlug wütend zu. Seine Faust trat Ben mitten ins Gesicht. „Wenn du nicht gewesen wärest, dann wäre ich Arzt.... ich hätte es geschafft wieder davon weg zu komme.... ich hätte es geschafft. Niemand wäre darauf gekommen… niemand verstehst du…“ schrei Tobias wütend. „Mein Kollege wird mich finden…und….dann.“ stieß Ben stöhnend aus. Tobias lachte leise. „Nur keine Sorge…. Deine Kollegen halten dich für tot… hörst du …du bist für sie im Auto verbrannt….“ gab er bekannt. Ben sah ihn ungläubig an. „Niemand wird dich suchen… niemand…“ versprach Tobias höhnisch.

    Der vierte Tag nach Bens Verschwinden begann für Semir mit einem Besuch bei Robert Esslinger. Diesmal jedoch saß er im Rollstuhl.. „Haben Sie immer noch keine Spur von Ben?“ wollte er wissen. Semir schüttelte den Kopf. „Nein… sagt Ihnen der Name Peer van Stendal etwas?“ fragte Semir. Robert dachte kurz nach. „Nein… der Name ist mir unbekannt. Wer soll das sein?“ kam die Gegenfrage. „Das ist der Mann, der an Bens Stelle im Auto verbrannte. Er muss etwas mit der Vergangenheit zu tun haben. Oder aber mit dem Täter. Herr Esslinger… Sie und die beiden anderen Herren könnten auch in Gefahr schweben. Ihr Unfall war ein Anschlag und das wissen Sie genau. Was ist damals noch passiert? Könnte jemand aus Ihrer Schulzeit daran Schuld sein?“ harkte Semir nach. Robert sah ihn an. „Sie meinen man wollte oder besser gesagt man will mich immer noch umlegen? Warum? Verdammt, wir waren doch damals Kinder. Wir haben Streiche gespielt aber sonst war doch nichts…was so etwas rechtfertigt.“ kam etwas ungläubig von Robert. Semir sah aus dem Fenster. „Manchmal ist es ein dummer Jungenstreich der zu einer Katastrophe führt. Ich will Ben finden…Ich weiß dass er meine Hilfe braucht. Bitte erzählen Sie mir alles was damals abgelaufen ist… Es muss etwas mit dem Internat zu tun haben. Sie kennen Ben besser als jeder andere…helfen Sie mir…“ flehte Semir. Robert nickte. „Also gut… nur außer dem Unfall mit der S-Bahn war nichts Gewichtiges. Wir haben diesen Sascha gehänselt und nieder gemacht. Aber ansonsten war dort nichts… absolut gar nichts.“ Erklärte Robert leise. Semir nickte und holte tief Luft. Wo sollte er anfangen. „Kennen Sie noch einen Lehrer der aus dieser Zeit noch lebt?“ wollte Semir wissen. „Ja… Dr. Wilhelm Lievenstadt… er wohnt in Düsseldorf.“ kam von Robert. „Danke…und passen Sie auf sich auf…bitte..“ meinte Semir und verschwand.

    Kai Laufwald ließ seinen Rollstuhl durch den Gang des Krankenhauses gleiten. Auf halben Weg kam Semir Gerkhan ihm entgegen. „Hallo… haben Sie Ben gefunden?“ hielt er ihn auf. „Nein… was tun Sie denn hier?“ kam die Gegenfrage. „Robert und ich haben uns ausgesprochen und wir haben uns wieder angefreundet. Es tut gut mit jemanden über die Vergangenheit zu sprechen. Manchmal hilft es einem klarer zu sehen.“ Lächelte Kai. Gerkhan nickte nur. „Sagt Ihnen der Name Peer van Stendal etwas?“ wollte dieser von Kai wissen. Kai dachte nach. „Stendal… hört sich holländisch an. Aber der Name selbst…nein… gar nichts…“ meinte er dann. „Danke.. ich muss leider los…“ verabschiedete sich Gerkhan. Kai nickte nur und setze seinen Weg fort. Er klopfte an die Tür an und öffnete. „Hey Robert…“ grinste er seinen Exschulkameraden an. „Kai… komm rein… bist du allein hier?“ wollte Robert wissen. „Ja…ich bin doch schon erwachsen… Wie geht es dir?“ kam von Kai grinsend. „Danke… Mensch was wäre ich froh, wenn ich aus diesem Ding aussteigen könnte. Ein paar Schritte gehen…“ murmelte Robert. „Ja… das kenne ich… das Gleiche dachte ich damals auch. Bis die Erkenntnis kam, dass ich nie wieder einen Schritt auf meinen Beinen machen würde. Es war schwer, aber man kann es akzeptieren. Bei dir ist es ja nicht für immer… so wie bei mir..“ meinte Kai nur mitfühlend. Dennoch hörte Robert einen kleinen Vorwurf heraus. „Kai… ich…weiß wie du dich fühlst. Es ist grausam…und ich wünschte, ich könnte die Zeit zurück drehen. Dann würde ich dich davon abhalten.“ Meinte Robert nur. Kai überreichte ihn eine Pralinenschachtel. „Magst du die eigentlich immer noch so gern?“ wollte er dabei wissen. Robert sah auf die Verpackung. „Wie früher…das sind meine Lieblingspralinen…Danke…aber die werde ich heute Abend essen… wenn der Nachtisch weg ist..“ lachte Robert und stellte die Pralinen auf den Tisch am Bett. „Wollen wir etwas in den Park?“ kam die nächste Frage. „Ja sehr gern… wir könnten ja ein Wettrennen machen…“ schlug Kai vor. „Na…da bist du eindeutig im Vorteil…schließlich kennst du so ein Ding in- und auswendig..“ lehnte Robert ab. Kai sah ihn an. „Ja…notgedrungen.. ich muss leider wieder… Halt die Ohren steif alter Junge..“ lächelte Kai und verließ ihn. Robert sah dem Mann nach. Er hatte Hochachtung vor Kai. Wie er sein Leben meisterte, war bewundernswert. Robert legte sich ins Bett.

    „Was soll das? Hast du mich verraten? Weißt du was ich da durchmachen musste?“, fauchte Semir Leonard sofort an. „Aber Ich…“, fing er an. „Halt die Klappe!! Ich will gar nichts hören… Ich lag auf diesem verdammten Baum… die Säge vor Augen!! Ich…musste in diese stinkenden Kammer und…ich hab mir da …“, schrie Semir wütend weiter. Leonard sah ihn an und hörte zu. Er wusste genau, dass Semir ihm Vorwürfe machen würden und war darauf gefasst. „So und nun, werde ich dich verhaften! Wegen Beihilfe zum Menschenraub, Erpressung, Mordversuch…. Illegales Schlagen von Holz und…“, zählte Semir auf. „Semir!!“, kam von Andrea. „Was?“, wollte Semir wissen und sah sie an. „Hör bitte auf. Und vor allem hör einmal zu….ich bitte dich, höre einmal Jemanden zu…“, bat sie ihn. Erst jetzt kam ihm der Blumenstrauß wieder ins Gedächtnis. Er sah Leonard an. „Du bleibst genau dort sitzen, klar?“, fragte er forsch. Leonard nickte. Semir ging zu Andrea und kniete sich tatsächlich nieder. Dabei warf er immer wieder einen Blick zu Leonard. „Andrea… ich… möchte dich um Verzeihung bitten. Du hast Recht… ich höre nicht zu, aber ich werde mich ändern… ich verspreche dir, dass ich dir künftig zuhören werde aber bitte…. Bitte verlass mich nicht… ich kann ohne euch nicht leben…“, gab Semir von sich und sah seine Frau an. Nur ganz kurz wanderte sein Blick zu Leonard. „Also gut… ich verzeihe dir, aber du wirst Leonard zuhören.“, ermahnte sie ihn. „Er will sich doch nur rausreden!“, begehrte Semir auf. „Semir… entweder du hörst ihm zu, oder aber ich gehe…“, drohte Andrea tatsächlich. Semir sah sie an. „Du… würdest mich deshalb verlassen?“, fragte er ungläubig. „Semir… Leo hatte seine Gründe… höre ihm zu…bitte…“, bat Andrea erneut. Sie sah ihn an und küsste ihn. Wie ein Eis in der Sonne schmolz sein Widerstand. „Also gut…. ich höre… aber du weißt genau, dass ich ihn trotzdem verhaften muss…“, gab er klein bei. Andrea nickte. „Ja ich weiß..“, gab sie zurück.

    Semir erhob sich und setzte sich Leonard gegenüber. „Also… ich höre…“, kam forsch von ihm. „Semir… ich habe dich nicht verraten. Ja es stimmt… ich habe zu der Bande gehört. Aber ich war lediglich als Fahrer dort. Ich habe nur die verkauften Stämme transportiert. Ich schwöre… es war nicht mehr. Natürlich hab ich mich dafür bezahlen lassen, aber das Geld brauchte ich für Celines Operation. Ich war mit Ole… das ist der Tote in der Toilette. Er hat mich angegriffen… ich hab mich so gut es ging verteidigt und…er ist gestürzt… mit dem Kopf auf das Waschbecken und ich hab… ein Knacken gehört…. Das Genick… es war gebrochen. Ich wollte es nicht, aber wenn ich…ich meine….“, erklärte Leonard. Semirs Gesicht veränderte sich. Es stimmte, der Tote starb an Genickbruch. „Also gut… das kann man als Notwehr ansehen. Was hattest du mit Mattes zu besprechen?“, wollte er wissen. „Du meinst den Abend…als wir bei euch waren?“, fragte Leonard nach. Semir nickte kurz. „Ich habe ihm nur gesagt, dass Ole gefunden wurde. Mattes fragte mich, ob er uns verraten hat. Ich habe ihm gesagt, dass er tot ist… mehr war da nicht… ich schwöre.“, kam von Leonard. „Also gut… es hört sich ziemlich glaubwürdig an, aber es erklärt nicht, warum die Typen mich festsetzen konnten. Sie müssen einen Hinweis erhalten haben.“, meinte Semir. „Nein… die haben Felix oder Ben also ich meine deinen Partner beobachtet. Er konnte keinen Schritt machen ohne das Laurence es wusste und so konnte er auch wissen, dass du kommst. Semir… als ich dich auf der Säge sah.. ich hätte gern mit dir getauscht. Du bist ein verdammt guter Mensch und…“, erklärte Leonard weiter.

    Semir sah zu Andrea. „Wo ist Aida?“, wollte er wissen. „Sie schläft… hör weiter zu. Leonard ist noch nicht fertig…“, ermahnte sie ihn. „Ja schon gut… okay… du hast dann mit Ben gemeinsame Sache gemacht?“, wollte Semir weiter wissen und wandte sich wieder Leonard zu. „Ja… ich meine… ich habe Mattes gebeten mir Arbeit zu geben. Celine ist zwar gesund, aber… sie braucht immer noch Medikamente die sehr teuer sind. Ich kann sie nicht aus dem Ärmel schütteln. Mattes sagte mir, ich sollte auf Felix aufpassen, weil er wohl etwas querschießt. Nun, da habe ich dann eins und eins zusammen gezählt. Ich habe ihn gesagt, das ich vermute zu wissen wo du festgehalten wirst. Also haben wir versucht dich zu befreien. Aber als wir dann das Gelände durchsucht haben, ging plötzlich die Hölle los. Durch Zufall haben wir dann an dem Wagen halt gemacht, wo du drin lagst. Ben hatte was gehört und wollte den Kofferraum öffnen als er angeschossen wurde. Es war wie in der Hölle… und dann habe ich weitergemacht. Wir haben alles versucht den verdammten Kofferraum aufzumachen. Der Wagen war ziemlich stabil. Und dann waren deine Kollegen da. Sie konnten dich gerade noch retten, bevor der Wagen in die Luft flog… Semir… ich wollte nicht, dass so etwas passiert. Ich… ich habe das Geld nur für Celine gebraucht. Ich weiß, dass es dumm war, aber…“, versuchte Leonard sich zu entschuldigen. Semir nickte. „Ich hätte vermutlich genauso gehandelt. Aber es gibt Gesetze…. Du wirst dich vor Gericht verantworten müssen. Da kann ich nichts gegen tun…“, erklärte Semir leise und sah sofort zu Andrea. „Andrea.. du weißt doch auch, dass es nicht anders geht… ich meine… der Tod von Ole war ein Unfall… da sehe ich gar kein Problem. Aber alles Andere… ich meine… ich…ich kann da nichts machen. Das muss der Richter entscheiden…“, erklärte er und er hoffte dass sie bei ihm blieb.

    Ben saß teilnahmslos in seinem Gefängnis. Er hatte die Augen geschlossen und lehnte sich an der kalten Wand. Wie lange wer er nun schon hier? Was wollte der Mann von ihm, der ihn in seiner Wohnung überfallen und verschleppt hatte? Bisher konnte er das Gesicht nicht sehen. Der Mann redete auch nicht mit ihm. Ben hatte mehrmals versucht zu erfahren, was dieser von ihm wollte, doch es kam keine Antwort. Am Ende schaffte Ben es nur, geknebelt zu werden. Seine Hände waren gefesselt und er spürte die einzelnen Finger nicht mehr. Als er hier erwachte, zerrte er an den Fesseln doch schnell kam die Erkenntnis dass es nichts brachte. Sein Peiniger brachte ihn einmal am Tag Essen und Trinken. Dazu löste er ihm die Fesseln und am Anfang hatte Ben versucht sich gegen ihn aufzulehnen, doch er bekam schnell mit, dass es ihm nur Ärger einbrachte. So ließ er es einfach sein. Er aß und trank und ließ sich anschließend wieder fesseln. Erst dachte Ben dass es wieder um das Geld ging, was sein Vater zusammengetragen hatte. Es wäre ja nicht das erste Mal gewesen, dass man ihn als Druckmittel gegen seinen Vater nutzte. Doch nun glaubte er es nicht mehr. Es gab nicht einmal einen Beweis dafür, dass sein Vater erpresst wurde. Er musste kein Lebenszeichen von sich geben, kein Telefonat nichts. „Na…bist du ein guter Bulle geworden, Ben?“ fragte der Mann zum ersten Mal und zog Ben den Knebel runter. Erst sagte er gar nichts und versuchte sich an die Stimme zu erinnern, doch er kannte sie nicht. „Hast du keine Fragen? Willst du nicht wissen wie es weiter geht?“ wollte der Mann von ihm wissen. „Sagen Sie es mir denn?“ wagte Ben zu fragen. „Ja sicher… sieh mal… ich wollte damals ein so schönes Leben führen. Alles war geplant…alles verstehst du… aber es durfte nicht sein. Man gönnte es mir nicht…“ erklärte der Mann. Ben sah ihn an. Es hatte also mit der Vergangenheit zu tun. „Wer sind Sie?“ fragte er. Seine Stimme klang müde und heiser.

    „Das tut weh…Ben… das tut sehr weh. Wir waren doch Freunde. Erinnerst du dich nicht mehr an mich? Ja sicher… waren ja nur drei Jahre zusammen. Wir haben eine Stube geteilt im wunderbaren Haus Friedenshöhe. Aber du hast mir meinen Erfolg nicht gegönnt. Du weißt genau, dass ich besser war… besser als du, besser als Robert…und vor allem besser als Sascha….Aber du hast es kaputt gemacht…. Du hast mir mein Leben zerstört… und ich werde deins zerstören.“ Versprach der Mann. Ben sah ihn an. „Tobias? Tobias Herder...?“ fragte Ben erstaunt. „Ja.. Tobias… der gute alte Tobi….Siehst du, was du aus mir gemacht hast? Ich bin ein Wrack….und du hast Schuld daran.“ Erklärte der Mann. „Nur du hast Schuld an dem was du bist! Du hast Drogen genommen…ich habe dir meine Hilfe angeboten!! Aber du wolltest nicht….Tobias…du wolltest nicht…“ verteidigte Ben sich. Er beruhigte sich langsam. „Ist deshalb Robert Esslinger auch verunglückt?“ fragte er heiser nach. Tobias lachte leise. „Ja… aber hab nur etwas Geduld….er wird auch sterben…. Alle die mich damals so behandelt haben, werden sterben.“ versprach er. „Tobias… hör auf mit dem Wahnsinn…. Hör auf damit….du kannst nicht Anderen die Schuld geben… du kannst nicht…“ versuchte Ben erneut. „Oh ja… genau wie das mit Kai Laufwald nicht wahr… dessen Leben hast du auch zerstört. Er sitzt im Rollstuhl und konnte nicht seinen Beruf erlernen, den er wollte. Auch daran hast du Schuld. Du zerstörst jedes Leben was dir nicht passt. Du bist ein Egoist. Weißt du, wie es mir ergangen ist? Ich bin nach dem Internat auf die Straße und wäre vermutlich verreckt, wenn Peer mich nicht gerettet hätte, aber ich sah seine dunkle Seite erst zu spät. Damit ich meine Drogen bekam, ging ich auf den Strich und nun habe ich Aids….ja da staunst du, was Ben….das ist eine Überraschung. Aber bevor ich sterbe, werde ich dich töten… ganz langsam…hörst du…ganz langsam.“ erklärte Tobias.

    Semir fuhr zu Conrad Jäger. Diesmal kam er sofort durch und wollte von ihm wissen, auf welchem Internat Ben war. „Das war das Gutenberg Internat. Es liegt in der Eifel. Warum fragen Sie?“ wollte Conrad wissen. „Weil wir einen ehemaligen Mitschüler vermuten. Von diesem haben wir aber nur den Vornamen. Der Mann soll Sascha heißen..“ erklärte Semir. Conrad nickte. „Ja… stimmt….das war dieser Junge der vom Heim aus auf das Internat geschickt wurde. Sascha Ruff….oder so…. meinen Sie er hat Ben entführt? Warum?“ harkte Conrad nach. „Ich weiß es nicht. Aber wir gehen jeder Spur nach. Ich weiß dass es nicht Ben ist, der im Wagen verbrannte. Aber wer der Tote ist, wissen wir auch nicht.“ Erklärte Semir leise. „Ich hoffe Sie finden ihn. Können Sie ihn nicht orten? Ich meine er hat doch sein Handy dabei, oder nicht?“ wollte Conrad wissen. „Nein… das war im Auto. Unser Techniker hat Reste davon gefunden. Der Täter wusste sehr genau wie wir vorgehen und vor allem was unsere Möglichkeiten sind.“ Meinte Semir weiter. „Also ist es kein Anfänger. Könnte es jemand sein, den Ben verhaftet hat?“ ging es mit Conrad weiter. „Frau Krüger versucht das heraus zu finden. Bisher auch ohne Erfolg. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten…“ versprach Semir und verschwand. Er musste diesen Ruff finden. Kaum im Wagen rief er bei Susanne an. „Susanne…ich brauche die Adresse von einem Sascha Ruff….er war mit Ben in einer Klasse..“ bat er. Gerade als er aufgelegt hatte klingelte sein Handy. „ja Semir hier…“ meldete er sich. „Semir… wann kommst du endlich nach Hause…?“ hörte er seine Frau fragen. „Andrea… sobald ich meinen Partner gefunden habe…“ versprach er und legte auf. Er fuhr zur PAST zurück.

    Kim Krüger stieß ein Seufzen aus. Sie hatte mittlerweile sechs Personen verhört, die mit Ben Jäger zu tun hatten. Doch niemand schien hinter seinem Verschwinden zu stecken. Da nichts gegen die Männer vorlag, musste sie alle gehen lassen. Außer bei zweien, die bereits in Haft saßen, jedoch sehr gute Kontakte zur Außenwelt hatten und sich Hilfe holen konnten. Auch hier waren die Alibis eindeutig und konnten sogar nachgewiesen werden. Kim sah Semir ins Büro kommen und winkte ihn zu sich. „Sagen Sie mir, dass Sie was haben..“ flehte sie regelrecht. „Leider nein….“ erklärte er leise. „Auch dieser Ruff nicht?“ wollte Kim wissen. „Er hat ein Alibi…ich…Frau Krüger… ich weiß nicht wo ich suchen soll. „Was ist mit diesem Kai…. Laufwald?“ harkte Kim nach. „Der Mann sitzt im Rollstuhl. Er war sogar bei Esslinger im Krankenhaus. Nein… Chefin…. Der Mann hat damit sicher nichts zu tun. Er hat selbst mit sich zu kämpfen…“ verneinte Semir. „Was bleibt dann noch? Vielleicht ist Jäger doch schon tot….?“ Kam zaghaft von Kim. Sie hätte es sicher nie zugegeben, aber sie mochte Semir und Ben sehr. Die Beiden gefielen wegen der Arbeitsweise. Sie war zwar ziemlich teuer, aber dennoch erfolgreich. Große Jungs halt. „Semir…. Suchen Sie bitte weiter. Gehen Sie jeder Spur nach…. Ich halte Ihnen den Rücken frei.“ befahl sie sanft. Semir nickte. „Das werde ich…“ versprach er und ging in sein Büro. Dort griff er zum Telefon und rief Conrad Jäger an. „Herr Jäger… haben Sie einen Erpresserschreiben bekommen? Einen Anruf irgendwas?“ wollte Semir wissen. „Nein… ich habe nichts bekommen. Sie wissen, dass seit Julias Hochzeit Ben für mich ein wunderbarer Sohn ist…ich will ihn nicht verlieren. Wenn die Kerle Geld wollen, dann bekommen sie es… ich will Ben zurück. Mehr nicht..“ kam als Antwort. „Herr Jäger… ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, aber derzeit habe ich keinen Hinweis wo er sein könnte.“ erklärte Semir leise. „Ich vertraue Ihnen, Semir…. Sie sind Bens Freund und wenn ihn jemand findet, dann werden Sie es sein…“ kam von Conrad.

    Andrea wartete auf Semir. Er kam sehr spät nach Hause. „Und? Hast du schon was?“ wollte sie wissen. „Nein…. Leider nicht. Ben lebt, das weiß ich, aber ich weiß nicht wo…“ stieß er müde aus. „Du musst schlafen… Semir du machst dich kaputt… bitte…“ gab sie besorgt von sich. „Ja ich weiß… ich lege mich gleich hin…aber nur für zwei Stunden. Das muss reichen. Ben braucht mich….ich will ihn finden…“ erklärte Semir nur. Andrea stieß einen leisen Seufzer aus. „Ich weiß…. Aber du hilfst ihm nicht, wenn du übermüdet bist. Ich will nicht, dass du irgendwann im Graben landest, weil du….übermüdet bist… bitte Semir… gönne dir eine Nacht… für mich und Aida… bitte…“ kam leise von Andrea. Semir sah sie an. „Du hast Recht… okay… ich werde morgen weiter suchen… ich werde ihn finden… Er lebt und er wird Hilfe brauchen…“ nickte er. Nur wenige Minuten war er eingeschlafen. Andrea lächelte milde. „Mein Held…. Du bist einfach zu gut für diese Welt…“ sagte sie und küsste ihn sanft. Das Semir so schnell einschlief war kein wunder. War er doch ohne Pause jetzt 73 Stunden auf den Beinen. Sie deckte ihn liebevoll zu. „Ich wünsche dir das du Ben schnell findest.“ raunte sie ihm zu und drehte sich um. Wenig später herrschte absolute Ruhe im Hause Gerkhan.

    Mit einem lauten Knall verabschiedete sich Schrankmann wortlos. Semir sah zu Ben. „Die hat sie doch wohl nicht mehr alle…“, stieß er aus und aß einfach weiter. Ben stimmte nur zu. „Die spinnt … was denkt sie eigentlich wie das mit unserer Arbeit läuft? Dass wir einen Kniefall vor ihr machen? Ich stelle es mir so vor… wir haben einen Kinderschänder gestellt, dürfen ihn aber nicht verhaften weil Schrankmann keinen Haftbefehl rausrückt… also lassen wir ihn wieder laufen. Er bringt weiter Kinder um…. Sie macht uns zur Sau, weil wir nichts unternehmen und wir stellen ihn wieder... und sie sieht ihn als unbescholtenen Bürger… Die Frau gehört in die Klapse…“, stieß Ben aus. In diesem Augenblick ging die Tür erneut auf Schrankmann stand im Raum und sah Ben wütend an. „Das hab ich gehört!!! Ich bin nicht wahnsinnig, merken Sie sich das Herr Jäger… ich kenne noch viel schlimmere Orte als Hallig Hooge!“, warnte sie, nahm ihre Handtasche die sie vergessen hatte und verschwand wieder. „Aua…“, stieß Semir leise aus. Doch dann musste er lachen. Ben ist in ein Fettnäpfchen getreten das er auch gut kannte. „Na fahr mal nach Hause…“, meinte Semir als er fertig war. „Was? Wieso?“ wollte Ben wissen. „Weil ich schlafen will… ich bin müde. Und außerdem… meinst du, ich hab nicht gesehen wie du mit Schwester Yvonne geflirtet hast? Sie hat gleich Feierabend und…“, erklärte Semir und Ben sah ihn nur an nahm seine Jacke und war mit den Worten „Wir sehen uns…“ aus seinem Zimmer verschwunden.

    „Wir müssen Semir bequatschen. Er wird sich deine Geschichte anhören und glaub mir er wird… ich werde ihm schon sagen wo es lang geht. Vielleicht kannst du dich als Kronzeuge anbieten. Dann bekommst du schon mal eine Strafminderung und das du Ben geholfen hast, wird auch nicht außer Acht gelassen. Und dann kommt ja noch… die Situation in der du dich befindest… es ging immerhin auch um dein Leben. Ole hätte dich, wie du sagtest umgebracht wenn du ihm nicht zuvor gekommen wärest… also hast du eigentlich Notwehr geleistet… und das ist gesetzlich erlaubt…“, meinte Andrea laut nachdenken. Leonard sah sie an. „Aber ich habe ihm das Genick gebrochen… Ole hatte ein Messer… ich meine…ich…ach ich weiß nicht. Vielleicht ist es das Beste wenn ich mich absetze…“, kam leise von ihm. „Nein… das ist absolut das Falscheste was du tun kannst. Vertrau mir… wegen Celine und Corinna schon allein solltest du dich darauf einlassen…“, redete Andrea ihm zu. Leonard sah zu seiner Frau die ihn flehend ansah. Dann nickte er. „Also gut… ich vertraue dir“, sagte er dann. Andrea nicke ihm zu. „Das war eine sehr gute Entscheidung… So und nun sollen wir etwas schlafen… ich denke mal das Semir spätestens morgen Abend aus dem Krankenhaus ist, falls die Ärzte, was ich sehr hoffe, nichts Schlimmeres gefunden haben. Männer sind manchmal so kompliziert…“, stöhnte Andrea und dachte an ihren Mann. „Andrea… soll ich dir mal was sagen… Semir kann verdammt stolz sein, dich zur Frau zu haben.“, kam bewundernd von Leonard. Andrea lächelte. „Ja danke.. wenn er es zu schätzen wüsste wäre mir wohler…“, antwortete sie und dachte wieder an ihn. Sie liebte ihn so sehr und würde ihm jeden Fehler verzeihen.

    „Ich hab’s!!“, rief Andrea plötzlich so laut, dass Corinna aufschreckte. „Was? Wie du Semir dazu bekommst dass er dir zuhört bzw. Leo?“, wollte sie wissen .Andrea nickte heftig. „Du und ich… wir werden bei mir zuhause auf Semir warten und ihn dann bitten Leo anzuhören. Er wird es schon allein tun, weil er dann hofft dass ich zu ihm zurück komme und genau das stelle ich in Aussicht. Aber er muss Leo die Chance geben.“, schlug Andrea vor. Leo sah sie erschrocken an. „Du würdest Semir wegen mir verlassen?“, fragte er ungläubig. „Nein natürlich nicht… aber er soll es denken… er wird es denken… glaub mir.. ich kenne meinen Göttergatten. Er wird dir zuhören und er wird dir helfen…“, versprach Andrea.

    Susanne sah ihn an, als er rein kam. „Hier… ich habe deinen Toten gefunden. Ein gewisser Peer van Stendal.. in Holland ist er ein recht bekannter Zuhälter und Dealer. Allerdings hat er nur männliche Nutten. Er kontrolliert die Stricher auf dem Düsseldorfer Jungenstrich.“ Erklärte Susanne und hob eine Akte hoch. Semir griff sie und las sie durch. „Hatte Ben mit diesem Stendal was zu tun?“ wollte er wissen. „Nein… ach so… ein gewisser Dr. Philipp Cornell hatte angerufen. Er meinte dass der Tote also diese Stendal betäubt worden sein musste, bevor er starb. Er ließ das Feuer ja ungeachtet. Dieser Cornell musste jedoch seine Maschine noch bekommen. Er wird dir den Bericht noch in den nächsten Tagen zusenden.“ Erklärte Susanne weiter. „Danke…“ murmelte Semir und ging in das Büro von Kim Krüger. „Chefin,…ich weiß wer der Tote war… der in Bens Wagen… ein gewisser Peer van Stendal…“ stieß er atemlos aus. „Stendal? Haben wir was über ihn?“ wollte sie wissen. „Hier….. Chefin wir müssen was finden. Ich werde gleich noch zu einem Sascha Ruff fahren… er war mit Ben in einer Klasse und zwei seiner ehemaligen Schulfreunde sagten mir, dass dieser Ruff einen Grund hat sich an Ben zu rächen… weil er gemobbt wurde…“ erklärte Semir. Kim sah ihn nachdenklich an. „Semir… Sie wissen schon, dass Jäger doch tot sein könnte oder? Wir haben keine Beweise dafür dass es nicht so ist..“ gab sie zu bedenken. „Ja ich weiß… aber wir haben auch keine Beweise, dass es nicht so ist. Sollte er tot sein, dann werde ich meinen Job an den Nagel hängen…“ gab Semir leise bekannt. Kim sah ihn erschrocken an. „Sie wollen….?“ fragte sie nach. „Ja Chefin… Wenn Ben tot ist, dann werde ich seinen Mörder zur Strecke bringen und anschließend den Dienst quittieren. Keinen neuen Partner mehr…“ kam von Semir und Kim glaubte ein Versprechen zu hören.

    „Semir… dieser Sascha Ruff wohnt in Oberhausen. Die Adresse lautet: Im Weiher 1.“ gab Susanne bekannt. „Danke Susanne… hast du schon was von diesem Stendal?“ wollte Semir wissen. „Ja… er ist ein holländischer Drogenhändler im kleinen Stil. Mehrere kleine Delikte. Zuhälterei, aber für den Jungenstrich.“ erklärte Susanne. „Danke…. Ich bin auf dem Weg nach Oberhausen.“ Semir beendete das Gespräch. Er hoffte inständig diesen Sascha Ruff anzutreffen. Tatsächlich war dieser Mann zuhause. Er bat Semir in seine recht spärlich eingerichtete Wohnung. Viel hatte dieser Mann nicht aus seinem Leben gemacht, das wurde schnell klar. „Was kann ich für die Autobahnpolizei tun?“ wollte er wissen. „Herr Ruff… Sie kennen einen Ben Jäger?“ fragte Semir. „Kann sein….warum?“ kam anstatt der Antwort die Gegenfrage. „Es wäre schön wenn Sie meine Frage beantworten würden.“ „Ja…kenne ich… eine Bekanntschaft die ich gern vergessen würde…“ knurrte Ruff. „Sie mochten Ben Jäger nicht?“ kam die nächste Frage. „Ben Jäger und seine Freunde sind daran schuld, dass ich von der Schule flog und mein Leben dem Bach runter ging. Reicht Ihnen das?“ fauchte Ruff ihn an. „Jeder ist für sein Leben verantwortlich.“ berichtigte Semir ihn. „Ach sehen Sie das so? Waren Sie auch auf einem Internat?“ wollte Ruff wissen. „Nein… ich habe mein Leben auf normalen Schulen verbracht. Dennoch gebe ich keinem die Schuld.“ Meinte Semir nur. Er sah sich in der Wohnung um. Hier schien wirklich nicht viel zu holen zu sein. „Womit verdienen Sie denn Ihr Lebensunterhalt?“ wollte er wie beiläufig wissen. „Mal mit dem und mal mit dem. Ich bin Harz IV- Empfänger. Wie alle die in meiner Situation sind. Aber warum fragen Sie nach Ben Jäger?“ kam nun die Neugier bei Sascha Ruff hervor. „Nun… Ben Jäger ist mein Dienstpartner und seit mittlerweile zwei Tagen verschwunden.“ erklärte Semir. „Ben Jäger ist Bulle?“ lachte Sascha Ruff. „Ich dachte schon, er sei Industrieller… das ist ja geil…Ben Jäger der Bulle… das ist klasse…. Und ich dache schon ich wäre übel dran..“ Sascha Ruff bekam sich nicht mehr ein. „Wenn Sie fertig sind, dann sagen Sie mir bitte wo Sie vor zwei Tagen waren. Und zwar von der Nacht auf den Montag bis 10 Uhr Vormittags!“ forderte Semir ihn auf. Sascha sah Semir an. „Sie wollen doch nicht mir das Verschwinden von Jäger in die Schuhe schieben oder?“ wollte er wissen. „Nun… wenn Sie ein Alibi haben, dann ist es doch kein Problem oder?“ stellte Semir gelassen die Gegenfrage. „Das ist doch absurd!! Ich …ich habe damals eine Mordswut auf die Jungs gehabt, aber ich bin kein Teenager mehr. Ich habe vielleicht nicht das erreicht was ich erreichen wollte, aber wenn ich an Jäger oder an den Anderen Rache nehmen will, bringt es mir nichts ein. Und zu Ihrer Frage….ich war in München….eine Schulung meines Arbeitgebers…“ erklärte Ruff. Er zeigte Semir ein Foto mit Datum, was eindeutig von dem Tag an dem Ben verschwunden war. „Danke…“ kam leise von Semir. Dieser Mann war wieder eine Sackgasse. Resigniert fuhr er zur PAST zurück.

    Leonard kam erschöpft in seiner Wohnung an. Corinna saß im Wohnzimmer und hatte Celine auf dem Arm. „Wo kommst du denn jetzt her?“, fragte sie und sah, wie erschöpft ihr Mann aussah. „Frag bitte nicht.“, meinte er und ging direkt ins Badezimmer. Doch so schnell ließ Corinna nicht locker. „Schatz, was ist los mit dir?“, wollte sie wissen und klopfte an die Badezimmertür, hörte jedoch nur das Rauschen des Wassers. Dann schellte es an der Tür und Corinna öffnete. „Hallo, können wir für eine Zeit bei euch wohnen?“, fragte Andrea, die Aida und eine große, schwere Umhängetasche über der Schulter trug. „Semir?“, wollte Corinna nur wissen und Andrea nickte. „Kommt rein.“, bat sie und schon schloss sich die Tür hinter Andrea wieder.„Was ist denn nun schon wieder vorgefallen?“, wollte Corinna wissen, als sie im Wohnzimmer saßen. „Der Mistkerl… er ist gerade mal wieder mit dem Leben davon gekommen… ich erfahre zufällig, dass er im Kofferraum eines brennenden Wagens lag. Ich halte diese ständige Gefahr nicht aus… er denkt nur an seinen Job und nicht an mich oder Aida…“, beklagte Andrea sich. Corinna nickte. „Aber er liebt dich über alles…“, gab sie zu bedenken. „Ich doch auch. Ich habe jedes Mal Angst davor, dass er…ich meine Semir ist doch nicht unsterblich. Auch wenn er Ben…“, kam von Andrea. Corinna nahm ihre Freundin in die Arme. „Wir haben kein leichtes Leben mit unseren Männern…“, stöhnte sie. Andrea sah sie erschrocken an. „Was ist denn mit Leo? Er tut alles für dich und Celine…“, wollte Andrea wissen. „Ja ich weiß, aber … ich habe ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Er … er ist so Anders seit Celine gesund ist. Er …“, fing sie an. In diesem Augenblick kam Leonard herein.

    Semir sah Ben verzweifelt an. „Das ist doch wohl nicht wahr… Ben… ich hab doch gar nichts getan…“, beklagte er sich. Ben nickte. „Was ist eigentlich nach unserem Treffen passiert?“, wollte er wissen. „Die haben mich einkassiert. Ich hab versucht ihnen zu entkommen, aber ich hatte einfach keine Chance. Aber das sieht sie natürlich nicht. Ich verstehe ja, dass sie sich Sorgen macht und ich hätte sie sehr gern angerufen, als ich da in dieser verdammten Kammer war…“, maulte Semir weiter. Ben legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Na das wird schon… du wirst es ihr erklären, sobald du wieder raus darfst. Wie lange meint der Doc musst du hier bleiben?“, wollte Ben wissen. „Morgen früh wollen die mein Blut untersuchen und dann festlegen wann ich raus darf. Die Chefin ist sicher nicht erbaut, dass ich hier bleiben muss. Mir geht es doch gut... so ein bisschen Rauch bringt mich nicht um. Da hab ich mehr Angst vor Andrea..“, grinste Semir schon wieder. „Tja… dann schlaf gut... Übrigens Leonard ist mir entkommen. Er hat mir geholfen als ich dich suchte…“, kam von Ben. Semir sah ihn an. „Leonard hat mich verraten!“, begehrte Semir auf. Ben schüttelte den Kopf. „Als ich ihn sah, war er sehr erschrocken, dass Laurence dich in seiner Gewalt hatte. Er wollte versuchen dich zu befreien aber er kam nicht dazu. Und als dieser Mattes mich an ihm übergab sagte er sofort, dass er dich raus holen will. Von daher ist es ziemlich unmöglich, dass er dich verraten hat. Ein sehr netter Mensch… aber leider in dieser Sache verstrickt.“, meinte Ben nur. Semir nickte. „Ihn kriegen wir auch noch. Ich weiß nämlich wo er wohnt…“, grollte er. Irgendwie schien er Ben nicht zu glauben.

    „Andrea… ich… ich glaube ich bin Schuld das dein Mann da in die Sache gerutscht ist. Er hat mich an dem Abend bei euch belauscht. Als ich mit einem Kumpel telefoniert habe. Ich bin auch bei dieser Bande gewesen, wo dein Mann fast umgekommen wäre. Indirekt kannst du mir die Schuld geben.“, erklärte Leonard. Andrea sah ihn staunend an. „Wie meinst du das?“, fragte sie leise. „Ich… ich hab es für Celine getan… nur für Celine… Ole… und ich… wir haben das Holz transportiert und… und ich hatte mein Geld bekommen. Ole und ich die gleiche Summe. Und ich weiß genau, dass wenn ich Ole nicht… also wenn ich ihn nicht…dann … dann hätte er… also ich meine… ich brauchte doch das Geld für Celine… sie ist doch mein Ein und Alles… Versteh es bitte.“, stammelte Leonard. Andrea hörte schweigend zu. „Leo… willst du damit sagen, dass du den Mann auf der Toilette umgebracht hast?“, fragte Corinna. Leonard nickte. „Ja.. aber… ich hätte es nicht getan, wenn ich es nicht hätte tun müssen. … Bitte Corinna ich liebe dich und ich liebe Celine… für euch würde ich sogar mein Leben geben… wenn es sein müsste. Ich weiß was meine Pflicht ist… ich müsste mich stellen, aber… dann werde ich vermutlich Celine nie wieder sehen.“ Leonard fing an zu weinen. Corinna sah Andrea an. „Andrea… was soll ich denn jetzt tun…? Ich brauche ihn doch. Ich meine ich kann Celine nicht ohne ihn… ich will das nicht…“, weinte Corinna. Andrea sah von einem zum Anderen. „Semir muss euch helfen. Ich denke er wird einen Weg wissen. Aber dazu muss er erst einmal aus dem Krankenhaus kommen und ich… Ach Mensch… warum ist das denn immer so kompliziert?“, stöhnte sie. „Wann kommt Semir aus dem Krankenhaus und wie willst du ihn hier her bringen? Der verhaftet Leo doch sofort.“, gab Corinna zu bedenken.

    Kim sah den Mann an, der im Verhörraum ihr gegenüber saß. „Haben Sie etwas mit dem Verschwinden von Ben Jäger zu tun?“ fragte sie forsch. Otto Kalsch lehnte sich zurück. „Ihr Ben Jäger kann mich mal. Er hatte damals lediglich Glück gehabt...sonst hätte er mich nie erwischt.“ Tönte der Mann. Kim nickte. „Sie haben mit Drogen gehandelt und ihm welche verkaufen wollen. Ist doch dumm oder nicht?“ meinte sie. „Ja....wenn ich gewusst hätte, dass er ein Bulle ist, dann hätte ich ihn umgelegt...“ kam grinsend von dem Mann. „Kalsch... Sie sind Abschaum und ich weiß nicht genau warum Sie wieder draußen sind, aber eins lassen Sie sich gesagt sein, sollten Sie hinter dem Verschwinden meines Kollegen stecken, sehen Sie ganz schnell wieder zwischen den Gittern nach draußen, das schwöre ich Ihnen..“ gab Kim wütend von sich. Otto Kalsch stand langsam auf. „Frau Krüger... wenn Sie nichts mehr haben, dann würde ich nun gern gehen...Auf wieder sehen. Bei der nächsten Befragung hätte ich dann sehr gern meinen Anwalt dabei...“ erklärte er höhnisch. „Raus!!“ fauchte Kim ihn an. Kalsch verbeugte sich tief und grinsend verließ der den Verhörraum. Kim sah ihm nach und holte tief Luft. Dann ging es zu dem nächsten. Martin Fuchs wurde von Ben verhaftet, als er versuchte eine Frau zu vergewaltigen. Dieser bestritt die Tat zwar, aber dank Bens Aussage wurde der Mann zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Diese waren vor drei Monaten abgelaufen und somit war der Mann ein potentieller Verdächtiger, der Ben etwas antun konnte. Doch auch diese Vernehmung brachte keine neuen Erkenntnisse.

    Semir schob den Rollstuhl mit Kai Laufwald durch den Klinikgang. Er klopfte an der Tür und schob nach einem kurzen „Herein“ den Rollstuhl durch. „Kai.....“ kam leise und verwundert von Robert Esslinger. „Hallo Robert.... Schön dass du dich noch an mich erinnerst..“ kam lakonisch von Kai. Er reichte dem Mann im Bett die Hand. „Ähm...Kai...ich...ich...“ suchte Robert nach den richtigen Worten. Der Mann im Rollstuhl lächelte. „Ist schon gut... ich mache dir und Ben keine Vorwürfe...außer den, dass ihr mich nicht besucht habt... Ich hätte gute Freunde brauchen können. Wie geht es dir?“ wollte Kai wissen. „Nun ja... hab mir ein paar Knochen gebrochen, aber das heilt wieder. Ich weiß...diese Dummheit von damals lässt sich nie wieder gut machen....aber...“ erklärte Robert. Kai lachte leise. „Robert... ich habe mindestens 60 % Schuld an dem was passiert ist.... ich hätte ja nicht springen müssen. Gut... dann wäre ich in euren Augen vielleicht feige gewesen, aber...“ gab Kai zurück. „Nein... du hättest unsere Hochachtung verdient. Weißt du...als wir sahen wie du da zwischen den Bahnen lagst und plötzlich überall Polizei und Krankenwagen standen...da haben Ben und ich Angst bekommen... und nun...ist Ben selbst Bulle...“ lachte Robert. „...und verschwunden....“ ergänzte Kai. „Ich weiß...Herr Gerkhan hat mir berichtet. Er scheint zu denken, dass ich mit den Verschwinden was zu tun habe. Aber das ist nicht wahr. Warum sollte ich auch.... schließlich ist es auch meine Schuld dass ich in diesem Ding hier sitze. Sag mal... weißt du noch wie dieser Sascha mit Familiennamen hieß?“ wollte Kai wissen. Robert sah ihn an. „Sascha? Welcher Sascha?“ harkte er nach. Semir schloss die Augen. Scheinbar konnte Robert sich auch nicht daran erinnern. Nur eine Stunde später setzte Semir Kai wieder vor seinem Haus ab. „Danke... der Ausflug in die Vergangenheit hat mir sehr gut getan. Sagen Sie... wenn Sie Ben gefunden haben, dann grüßen Sie ihn bitte von mir und sagen Sie ihm, dass ich ihm an dem was damals passierte keine Schuld gebe.“ bat Kai und wendete seinen Rollstuhl. „Werde ich tun...“ versprach Semir. Er fuhr zur PAST zurück. Mehr als den Namen Sascha hatte er nicht.

    „Sie meinen als Laufwald von der S-Bahn erfasst wurde?“ harkte Semir nach. Kai Hufnagel nickte. „Ja... diese dämliche Mutprobe.....so was Hirnverbranntes...“ stieß er aus. „Eine Mutprobe?“ kam von Semir. „Ja...Ben und Robert hatten sie gemacht und forderten von mir und meinem Namensvetter das Gleiche. Ich habe abgelehnt und sie fanden es sogar großartig. Aber Kai...er wollte ihnen in nichts nachstehen und sprang auf. In der nächsten Kurve dann kam eine S-Bahn entgegen und da Kai sich nach oben hangeln wollte... wurde er von der zweiten Bahn erfasst und zu Boden geschleudert... bei dem Tempo war es ein Glück, dass er nicht zerrissen wurde. Die Wirbelsäule brach zweimal und brachte ihn für immer in den Rollstuhl. Seit dem vegetiert er regelrecht hin. Ich habe allerdings seit damals keinen Kontakt mehr zu ihm.“ Erzählte Kai nachdenklich. „Aber Sie glauben doch nicht...ich meine....Kai ist im Rollstuhl...“ gab er noch zu bedenken. Semir nickte. „Sie glauben gar nicht zu was manche Menschen trotz ihrer Behinderung fähig sind...“ meinte er nur. Er verabschiedete sich und fuhr zu Laufwald. Auch hier wurde er freundlich begrüßt. „Kommen Sie...was kann ich für die Autobahnpolizei tun? Ich war sicher nicht zu schnell mit meinem Rollstuhl unterwegs oder?“ grinste Kai. „Nein... es geht um Ben Jäger...“ kam Semir direkt zur Sache. Laufwalds Lachen verschwand. „Sie meinen nicht den Ben Jäger, wegen dem ich... nein...das ist falsch... wegen der Dummheiten die wir angestellt haben in diesem Ding sitzen muss?“ folgte fauchend die Frage. Dabei wies Laufwald auf den Rollstuhl. „Doch genau um den. Und mal ganz ehrlich...Sie hätten es ja nicht tun müssen oder?“ stellte Semir die Gegenfrage.

    Laufwald stieß verächtlich Luft aus. „Was wissen Sie denn schon? Haben Sie jemals ein Internat von innen gesehen? Dort heißt es schwimm mit dem Strom oder geh unter! Dort muss man mitmachen, weil man sonst ganz weit unten ist... so wie Sascha....er hatte kein Geld, war nur auf dem Internat, weil er aus dem Heim dort rein gesteckt wurde. Ben, Robert und ich haben auf ihn herum gehackt.... er war keiner von uns. Unsere Väter waren reich und konnten sich das Internat leisten... für Sascha war alles geschenkt. Tja....das schürte einen Hass, den es besser nicht gegeben hätte. Sascha wollte uns beweisen wie cool er doch war und hatte anschließend einige Mädchen aus dem Nachbarinternat bei uns eingeschmuggelt. Das brachte ihn etwas mehr Ruhe vor uns ein, aber wir waren jung und je mehr desto besser. Eines Tages wurde Sascha beim Klauen erwischt und flog vom Internat.... seit dem haben wir ihn nicht mehr gesehen. Der Unfall damals war kurz darauf... wir wollen die Zeit totschlagen und dachten uns diese Mutprobe aus. Ben und Robert waren Spitze und als ich dran war...nun ja... wenn die Beiden es nicht verlangt hätten, dann... .ich kann es nicht mehr ändern. Ich lebe seit gut 15 Jahren damit und ich komme zur Recht. Allerdings hätte ich mir wenigstens mal einen Besuch von den Jungs gewünscht.“ Kam verbittert von Kai. Semir sah ihn an. Er hatte das Gefühl hier an der falschen Adresse zu sein. Wie sollte ein Mann im Rollstuhl Ben entführen? „Robert Esslinger hatte ebenfalls einen Unfall...er wurde schwer verletzt aber ist auf dem Weg der Besserung.“ nickte Semir. Erneut hatte er einen Namen eines potentiellen Täters. „Sascha... „Wie heißt dieser Sascha denn weiter?“ wollte er wissen. Kai Laufwald dachte nach. „Das weiß ich leider nicht. Ist mir entfallen. Liegt sicher daran, dass er nur sehr kurz auf dem Internat war. In welchem Krankenhaus liegt Robert denn?“ kam nun die Gegenfrage. „im Marienhospital. Wollen Sie ihn besuchen?“ fragte Semir vorsichtig an. Kai Laufwald nickte. „Ja... ich würde gern, aber ich habe kein Auto und....“ gab er zu. „Ich fahre Sie hin..... und anschließend auch zurück.“ nickte Semir. Vielleicht konnte Robert sich an den Familiennamen dieses Saschas erinnern.