Beiträge von Elvira

    04.02.2010 Auge um Auge

    Bei einem Routineeinsatz stoßen die Autobahnpolizisten auf Lara Berger. Die junge Frau flieht mit einem Truck, auf dem sich drei gestohlene Edel-Sportwagen befinden. Auf der Autobahn kommt es zum großen Crash. Lara rettet sich unerkannt auf eine Autobahnraststätte. Als Semir sie dort bemerkt, wird klar, dass sich die beiden von früher kennen. Semir kann ihr zwar nicht beweisen, den Truck gefahren zu haben. Dafür wird er aber von Lara vor allen Besuchern der Raststätte als 'Mörder' beschimpft. So landen der Truck und die gestohlenen Edel-Sportwagen in der Asservatenkammer einer Polizeikaserne, während Lara Berger nach Hause geschickt wird. Zur gleichen Zeit wird Laras Bruder Frank Berger aus dem Gefängnis entlassen. Frank hat wegen Autodiebstahls gesessen und will damit nichts mehr zu tun haben. Doch kaum in Freiheit wird Frank Berger von seinem Freund Kay Völker unter Druck gesetzt: Frank soll ihm die drei gestohlenen Sportwagen aus der Polizeikaserne zurückholen. Denn seine Schwester Lara hat den Job verbockt und die ungeduldige Kundschaft wartet auf das Diebesgut. Aber Frank will nur Vergeltung für den Tod seines Vaters. Dieser starb bei einem Autodiebstahl in Franks Armen - von einem Polizisten in Notwehr erschossen. Und dieser Polizist versucht gerade, seiner kleinen Schwester den Diebstahl der drei Sportwagen nachzuweisen: Semir Gerkan!

    Wie wäre es denn, wenn ihr doch eure Meinung an RTL sendet anstatt hier über den Sender her zu ziehen. Das niemand die Folgen sehen will, kann ja wohl nicht sein, wenn man die Quoten betrachtet. Also schraubt mal ein wenig runter mit euren Hetztiraden auf RTL auf oder macht es mit dem Sender aus. Wenn ich mich nicht irre, gibt es auch auf der RTL-Seite die Möglichkeit zu beschweren.

    danke

    2. Kapitel - Ich bin ein Mörder

    „Frau Krüger, aus den Untersuchungen geht eindeutig hervor, dass Herr Gerkhan der Unfallverursacher ist. Er muss die Konsequenzen für sein Handeln tragen. Fahren ohne vorschriftsmäßige Ausweisung eines Polizeieinsatzes, überhöhte Geschwindigkeit im Stadtgebiet und überschätzte Selbstsicherheit.“, zählte Kommissar Wagner von der Verkehrspolizei auf. „So leid es mir tut, aber ich muss den Kollegen Gerkhan wegen Unfall mit Todesfolge und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr festnehmen.“, fügte der Mann hinzu. „Herr Wagner, ich verstehe sie ja, aber finden sie nicht, Herr Gerkhan hat es schon schwer genug? Warum müssen sie ihn ins Gefängnis stecken?“ „So sind die Vorschriften, Frau Krüger. Glauben sie, der Witwe wird es begreiflich sein, warum ich den Mörder ihres Mannes noch auf freiem Fuß lasse?“ „Herr Wagner, mein Kollege befand sich in einem Polizeieinsatz... das ist erwiesen. Sie haben doch die Aussage vom Juwelier und den Kollegen der Stadtpolizei, die beide, unabhängig voneinander, bestätigen, dass Semir Gerkhan an den Flüchtigen dran gewesen ist.“, versuchte Kim die Situation zu entschärfen. „Das mag ja sein, aber warum hatte er weder das Dachblaulicht aufgesetzt, noch seine Lichtanlage oder die Sirene eingeschaltet? Wissen sie, für sie von der Autobahnpolizei mögen diese Dachaufsätze ja störend ein, aber in einem Stadtgebiet und vor allem bei solchen Wetterverhältnissen sind sie nun einmal Vorschrift.“, fauchte er und wollte das Büro verlassen, als er sich noch einmal umdrehte. „Und noch eins... die Kollegen haben den Räuber nicht stellen können, er wäre der einzige, der Herr Gerkhans Geschichte noch einmal bestätigten könnte. Den Bericht muss ich an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Es tut mir Leid für ihren Kollegen.“, meinte er und schloss die Tür. Kim ließ sich in den Sessel zurückfallen. „Arschloch.“, stieß sie aus und nahm sich noch einmal den Bericht vor. Sie wollte Semir unbedingt helfen. Er durfte einfach nicht ins Gefängnis kommen.

    Auch der Morgen bei Familie Gerkhan fing nicht gerade rosig an. Semir saß, in seinem Bademantel gehüllt, unrasiert und vollkommen lustlos, in seinem Sessel und starrte in die weiß fallende Pracht hinaus. „Morgen...“, kam es verschlafen von Ben, als dieser aus dem Gästezimmer trat und sich die Augen rieb. Doch Semir antwortete nicht, er sah seinen Partner nicht einmal an. Still und leise saß er da und schluchzte nur. Ben wollte zu ihm gehen, doch Andrea hielt ihn fest. „Er sitzt schon die halbe Nacht so da. Semir hat kaum geschlafen, sich immer wieder im Bett gewälzt und ist schreiend aufgewacht. Als ich ihn beruhigen wollte, ist er ins Wohnzimmer geflohen.“, erklärte sie mit trauriger Stimme und sah Ben an. Dieser wusste nicht wirklich, was er machen sollte. So hatte er Semir noch nie gesehen. „Hey.... willst du reden?“, wollte er wissen und setzte sich neben Semir auf die Lehne. „Was gibt es denn zu reden? Ich habe einer Familie schreckliches zugefügt. Ich bin Polizist und sollte die Menschen beschützen und nicht umbringen...“, stieß Semir verzweifelt aus. „Semir.... es war ein Unfall.“, beschwor Ben ihn. „Ja sicher... ein Unfall den ich hervorgerufen habe... Nein Ben... so einfach ist es nicht. So einfach kann man das nicht abschieben. Ich habe diesen Mann getötet und vielleicht sogar das Kind... die Mutter ist schwanger und ich nehme ihr alles...alles was für sie wichtig ist...Verdammt...ich bin ein Killer!“, Semir fing an zu weinen. Ben wusste nicht wie er sich verhalten sollte.

    Kommissar Wagner fuhr mit seinen Kollegen zum Haus von Semir Gerkhan. Soweit kam das noch, dass nur, weil man Polizist ist, das Gesetz so legt wie man es braucht. Dieser Mistkerl ist mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straßen gerast und hat eine Familie zur Hälfte ausgelöscht. „Der Kerl kann nur froh sein, dass ihm kein Alkohol nachgewiesen werden konnte. Aber mir ist es ziemlich egal, ob er Kollege ist oder nicht. Solche Raser gehören in den Knast...“, fauchte der Kommissar. Seine Gedanken gingen nur wenige Jahre zurück. Als Janine, süße vier Jahre alt, auf der Straße spielte. In einer verkehrsberuhigten Zone. Er sah noch wie ihre dunklen langen lockigen Haaren im Wind wehten und wie sie lachte. Tränen füllten seine Augen. Er dachte weiter an das, was damals geschah. Gerade kam er vom Dienst nach Hause und wollte seine kleine Tochter in den Arm nehmen, als ein Auto mit mehr als achtzig Sachen durch die Spielstraße fuhr. Seine kleine Janine hatte keine Zeit. Er sah sie, wie sie vom Auto erfasst und wie sie durch die Luft geschleudert wurde. Er sah sie, wie der kleine zarte Körper auf dem Bordstein zerschlug. Nur ein Jahr nach der Beerdigung ging seine Ehe in die Brüche. Patrizia konnte nicht mehr mit ihm leben, weil er nur noch für seinen Beruf lebte und diese Raser von der Straße schaffen wollte. Kein Elternteil sollte diesen Schmerz erleben. Martin Wagner wusste, dass es ein Kampf gegen Windmühlen war, aber er musste es tun. Er hatte es Janine am Grab geschworen, jeden Raser den Garaus zu machen. Und er würde vor Gerkhan keinen Halt machen. Auch er gehörte hinter Gitter.

    Kurz, nachdem Semir das Mädchen aus dem Wagen befreit hatte, tauchten auch schon die ersten Kollegen auf. Sofort kamen sie auf Semir zu und sahen ihn an. „Was ist passiert?“, wollte einer der Kollegen wissen und der Deutschtürke sah ihn nur mit tränendem Gesicht an. Ihm war bewusst, dass er soeben einen Unschuldigen Menschen auf dem Gewissen hatte, getötet, weil Semir einen Kleinkriminellen jagen musste. „Ich... ich habe einen Verdächtigen gejagt... er... er ist hier abgebogen und ich... ich bin auf die Kreuzung geschliddert und dann...“, er deutete auf das Autowrack. Der Kollege nickte. „Ist das ihre Tochter?“, wollte der Stadtpolizist wissen. Semir verneinte. „Die Kleine saß in dem Wagen dort. Ihr Vater... er .... er ist tot.“, erwiderte der Deutschtürke mit einem Kloß im Hals. „Kommen sie... ich bring sie zum Krankenwagen.“, meinte er dann und nahm Semir das Mädchen ab. Ergeben nickte der Hauptkommissar und ließ sich zu den eben eingetroffenen Krankenwagen bringen. Von der Trage aus sah er, wie die Kollegen der Unfallaufnahme daran gingen, die vorhandenen Spuren am Tatort zu sichern und alles zu protokollieren. Semir merkte nicht, wie der Arzt Hand an ihm legte und seine Wunde säuberte, mit Desinfektionsmittel reinigte und dann einen Verband anlegte. Er war vollkommen fertig mit den Nerven. Sein Blick fiel auf seine Hände. Sie zitterten und das nicht zu knapp. War das der Schock? Würde das wieder verschwinden oder für immer bleiben?

    Ben saß wieder in seinem Büro und schrieb den Bericht, als die Tür aufging und Susanne reingestürmt kam. „Ben... du musst sofort zum alten Museum fahren... Semir hatte einen Unfall.“, stieß sie aus. Geschockt ließ Ben alles stehen und liegen, schnappte sich seine Jacke und rannte zu seinem Wagen. Mit einem kräftigen Ruck riss er die Tür auf, dabei wäre er beinahe auf dem neuen Schnee ausgerutscht, und schwang sich in seinen Wagen. Mit hoher Geschwindigkeit und eingeschaltetem Blaulicht fuhrt er zum alten Museum und sah schon von weitem die zusammengeschobenen Autos. Bitte, nicht Semir, dachte Ben nur und rannte auf die Unfallstelle zu. Er sah sich um, als er die Absperrung erreicht hatte und entdeckte Semir, aufrecht in einem Krankenwagen sitzend. Erleichtert atmete Ben auf und ging auf den Wagen zu. „Wieso hatten sie das Blaulicht nicht eingeschaltet?“, hörte er dann eine vorwurfsvolle Stimme, die Semir zu befragen schien. „Jäger Kripo Autobahn!“, ging er dazwischen. „Hauptkommissar Wagner, Verkehrspolizei.“, stellte sich der Mann vor. „Ich…ich hab einen Mann umgebracht…“, stieß Semir leise aus. Ben sah ihn betreten an. „Was ist genau passiert?“ fragte er heiser. „Ihr Kollege hat eine Verfolgung veranstaltet. Ohne Blaulicht und ohne Sirene! Völlig fahrlässig hat er dann die Vorfahrt missachtet und ist dann in den Wagen des Herrn de Gusi gerast. Herr de Gusi ist noch hier verstorben, Genickbruch. Seine kleine Tochter wurde eben mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht. Vermutlich innere Verletzungen. Der Kollege behauptet einen Dieb verfolgt zu haben… hat auch über Funk Verstärkung angefordert, konnte aber scheinbar nicht warten.“, kam verächtlich von dem Mann.

    Angela saß am Tisch und wartete auf ihren Mann und der kleinen Gina. Doch die Zeit ging dahin und niemand kam. Dann endlich klingelte es. Sie ging freudig zur Tür und öffnete „Hallo mein….“, fing sie an und stockte. Vor der Tür standen zwei Polizisten. „Frau de Gusi?“, fragte der ältere Mann. Angela nickte. „Ja…was ist? Ist was passiert? Mit Gino?“, fragte sie ängstlich. Der Mann nickte. „Wo ich meine….“, Angela wagte es nicht zu fragen. „Wo…ist Gina?“, kam leise über ihre Lippen. „Frau de Gusi… Ihre Tochter liegt im Kinderkrankenhaus. Sollen wir Sie hinbringen?“, bot der Mann an. Angela nickte. „Ist mein Mann auch im Krankenhaus?“, wollte sie wissen. Betreten sah der Mann zu Boden. „Frau de Gusi… es tut mir Leid, aber Ihr Mann…ist leider am Unfallort verstorben. Die Verletzungen waren zu schwer… Mein Beileid…“, erklärte er leise. Angela sah ihn an und stieß ein irre klingendes Lachen aus. „Das ist nicht wahr…das geht nicht… ich bekomme doch ein Kind von ihm…er kann nicht einfach gehen…er darf nicht einfach… gehen…“, stieß Angela aus und brach im gleichen Moment zusammen. Sofort griff der Polizist beherzt zu. Angela weinte leise. „Bitte bringen Sie mich zu meinem Engel…bitte…“, schluchzte sie. Die Fahrt ging ins Kinderkrankenhaus in der Amsterdamer Strasse. Dort wurde Angela auf die Intensivstation gebracht. Voller Angst stand sie im Flur. „Sie sind Frau de Gusi? Ihr Tochter…sie wurde sehr schwer verletzt bei dem Unfall. Der kleine Kopf muss bei dem Aufprall sehr heftig geschleudert worden sein und…“, erklärte der Arzt, als er aus dem Untersuchungsraum kam. Angela sah ihn stumm an. „Was…soll das heißen?“, fragte sie nach einer Weile. „Gina liegt im Koma. Wir werden alles Mögliche tun, aber wir…wir können nicht sagen wann sie wieder aufwacht. Es liegt nicht in unserer Macht…“, gab der Arzt leise zurück.

    Endlich hatte Ben die Tür auf. Wieso hatte er auch das Frostschutzmittel bei Semir zu Hause gelassen? Es war in diesen Tagen einfach besser zu gebrauchen. Er könnte sich ärgern. Aber nun stieg er in seinen Wagen, stellte den Motor an und fuhr die Heizung hoch. „Ah... wie gut, dass ich Sitzheizung habe.“, lachte er und fuhr los. Nach nur wenigen Minuten war er an der Unfallstelle und sah Dieter und Hotte schon bei der Arbeit. „Hallo Ben... sieht übel aus.“, meinte Dieter zur Begrüßung und deutete auf den Blechwürfel, der sich um die mittlere Leitplanke und einen Brückenpfeiler gewickelt hatte. „Wie ist das passiert?“, wollte Ben wissen und zog sich seine schwarze Wollmütze auf und streifte sich seine warmen Handschuhe über, die er in seinem Wagen gelassen hatte. „Tja, die Unfallzeugen sagen aus, dass ein Wagen, die Farbe und Marke konnten sie im dichten Schneetreiben nicht erkennen, mit rasendem Tempo an den Passat vorbei fuhr und dann plötzlich rüberzog, weil er die Ausfahrt noch erreichen wollte. Tja und da der Räumdienst noch nicht bis hier gekommen ist, passierte das.“, beendete Dieter seinen Bericht. „Hm, wer ist der Tote?“, wollte Ben dann wissen. „Der Fahrer des Wagens. Sascha Brombach, gerade einmal 34 Jahre alt, Gymnasiallehrer an einem Kölner Gymnasium.“, erwiderte Hotte, der mit einem kleinen Wesen auf den Arm zu den beiden Kollegen trat. Das kleine Mädchen war in eine Decke gewickelt und schmiegte sich wärmesuchend an Hottes Schulter. Ben bekam einen Kloß im Hals, als er den kleinen Rotschopf an Hottes Schulter geschmiegt sah. „War sie mit im Unfallwagen?“, fragte er dann. Dieter nickte. „Gott sei Dank ist ihr nichts passiert.“, meinte er dann und rutschte auf dem Schneematsch zum Abschleppwagen hinüber.

    In Ben kochte die Wut auf. Wenn er diesen Kerl nur in die Finger bekam, dann... dann würde er ihn... „Ben?“, riss ihn Dieter aus den Gedanken. „Was sollen wir mit dem Auto oder dem Rest davon machen?“, wollte der Streifenpolizist wissen. „Ab zu Hartmut in die KTU. Ich will wissen, ob da nicht fremde Lacksplitter dran sind.“, fauchte Ben und sah, wie der Wagen auf den Abschleppwagen gehievt wurde. Man, der Tag fängt ja beschissen an, dachte er nur und sah wieder zu dem Mädchen hinüber. „Hat die Kleine noch Verwandte außer dem Vater? Was ist mit der Mutter?“, wollte er dann von Hotte wissen. „Sie ist nicht zu erreichen.“ „Was macht sie denn?“, kam die nächste Frage von Ben. „Tut mir Leid, das weiß ich nicht. Ich bring erstmal den kleinen Engel hier zum Notarzt.“, meinte er dann und Ben nickte nur. „Ich bin im Büro zu erreichen.“, rief er dann dem dicklichen Polizist hinterher und stieg in seinen Wagen. Die Fahrt forderte seine ganze Aufmerksamkeit, obwohl die Wut über diesen flüchtigen Fahrer der seine Geschwindigkeit nicht anpassen konnte sehr groß war. Warum rasten die Leute so, bei solch einem Wetter wo man kaum 5 Meter Sicht hatte? Er selbst hatte Probleme den Wagen zu halten, obwohl dieser für den Winter gerüstet war. Niemand konnte sich sicher sein, den Wagen zu beherrschen. Er kam unbeschadet auf dem Parkplatz der PAST an und ging in sein Büro.

    Semir bedankte sich bei dem Juwelier und wollte gerade aus dem Geschäft raus, als die Tür aufgestoßen wurde. Ein junger Mann kam herein und sofort waren Semirs kriminalistischen Sinne geschult. Kein Wunder, der Mann hielt eine abgesägte Schrotflinte in den Händen und richtete sie auf ihn. „Rein da!!“, fauchte er ihn an. Semir hob die Hände. „Hey... schon gut... ganz ruhig....okay?“, versuchte er den Mann zu beruhigen. „Schnauze!! Los Opa!! Mach die Kasse auf!!“, schrie der Mann den Juwelier an, während er Semir nicht aus den Augen ließ. „Du hast doch sicher auch Geld dabei oder?“, fragte er grinsend. „Leider nein.... ich habe...“, gab Semir leise von sich. Er wartete auf die Gelegenheit die Waffe an sich zu reißen und die Situation zu entschärfen. Der Juwelier zitterte vor Angst und tat was der Mann forderte. „Geld raus! Und dann noch die tolle Uhr da!!“, forderte der Räuber. Der Juwelier legte das Geld auf den Tresen. Ein sonderbarer Glanz trat in den Augen des Räubers. Er stieß Semir zur Seite und ließ dabei die Waffe sinken. Das war für Semir der richtige Zeitpunkt. Mit schnellen Bewegungen riss er die Waffe an sich. Doch der Räuber war nur für wenige Sekunden geschockt. Dann holte er aus und traf Semir empfindlich in der Magengegend. Semir ging mit einem Stöhnen in die Knie und der Räuber ergriff ohne Beute die Flucht. Semir raffte sich auf. Doch als er auf der Straße war, sah er nur noch die Rücklichter. Schnell rannte er zu dem BMW und wollte die Verfolgung aufnehmen. Der Wagen machte einen Satz. Semir wusste genau, dass die Wettersituation nun alles von ihm verlangen würde, dennoch wollte er diesen Mistkerl nicht einfach entkommen lassen. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

    28.01.2010 "Alte Schule"


    Die attraktive Berufschullehrerin Inge Waldner verunglückt tödlich auf der Autobahn, nachdem sie von einem dunklen Jeep verfolgt wurde. Die Sekretärin des Schuldirektors Grolms, Sarah Maschke, vermutet einen Zusammenhang mit dem Drogentod einer jungen Auszubildenden, die Waldners Schülerin gewesen ist. Im Gegensatz zum Schuldirektor Heinrich Grolms, der da keinen Zusammenhang sieht, war Waldner nämlich besessen von dem Gedanken, die am Tod der Schülerin schuldigen Drogenhändler ausfindig zu machen. Auf einem kurzen Film, den die Autobahnpolizisten auf Waldners Digitalkamera sichergestellt haben, lässt sich erkennen, dass Inge Waldner offenbar das Drogenlabor entdeckt und gefilmt hat, bevor sie floh und dabei ums Leben kam. Semir und sein Übergangspartner Bonrath ermitteln im Umfeld der Schule und kommen so dem Hausmeister Roman Nickel, der auch Sarahs Lebensgefährte ist, auf die Spur. Alle Indizien deuten auf ihn als Täter. Er flieht, doch ist er wirklich der Täter? Denn plötzlich und unerwartet hat Nickel ein Alibi für die Attacke auf der Autobahn, bei der Inge Waldner starb. Doch es wird immer mysteriöser, denn schließlich kommt Nickel auf die Dienststelle und stellt sich - er nimmt alle Schuld auf sich und will umgehend verhaftet werden.

    Ich finde jeder Schauspieler sollte eine Chance bekommen sich als Darsteller zu beweisen.

    Er also Chris Ritter alias Gedeon Burkhard hat seine Chance bekommen.... immerhin konnte er zwei Jahre an der Seite von Erdogan Atalay alias Semir Gerkhan spielen.... danach hat es eben nicht mit der Verlängerung geklappt, was sicher nichts damit zu tun hat, das Gedeon kein Frauenschwarm ist. Auch Gedeon hatte seine Fans, genau wie René, Christian und natürlich Tom. Es ist doch schon sonderbar, dass hier einige darauf rumreiten, das Tom so kindisch ist.... vor einigen Monaten war das zum Teil anders... zumindest wenn es Personen sagen, die bis vor kurzem noch Feuer und Flamme waren. Von daher...Meinungen egal ob sie für oder gegen eine Figur ist, sind lediglich auf die Figur bezogen und nicht auf den Schauspieler... Ich mag Gedeon Burkhard sehr gern in Kommissar Rex sehen, oder auch in den kinofilmen wie "Der letzte Zug" usw....

    Semir löste sein Versprechen gegenüber Kai Laufwald ebenfalls ein. Als er Ben mit ruhigen Gewissen verließ fuhr er zu dem Mann, der mal Bens Freund war. Als die Tür sich öffnete sah Kai ihn hoffnungsvoll an. „Haben Sie ihn gefunden?“ wollte er wissen. „Ja… wir haben ihn gefunden. Er liegt im Krankenhaus und erholt sich von den Strapazen. Es geht ihm soweit gut. Nur zwei Rippenbrüche und einen doppelten Beinbruch. Blaue Flecke. Ein paar Tage und es geht ihm gut. Im Augenblick schläft er sehr ruhig..“ erklärte Semir zufrieden als sie bei Kai im Wohnzimmer saßen. Kai reichte Semir ein Bier. „Das freut mich. Es freut mich wirklich…Was denken Sie wird Ben sagen, wenn ich ihn besuche?“ harkte Kai nach. „Ich weiß es nicht… aber wenn ich es wäre, würde ich mich sicher freuen. Was damals war, kann man sicher nicht vergessen, aber…ich denke er wird sich freuen.“ lächelte Semir. Kai nickte nur. „Ich habe irgendwie Angst ihn wieder zu sehen. Ben war früher ein ganz schön frecher Bursche. Er hatte seine Lehrer zur Weißglut gebracht. Mal boykotierte er den Unterricht, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte, oder aber er verschlief eine Stunde. Wenn die Lehrer ihn darauf ansprachen, hatte er die besten Ausreden parat. Tja… und ein Geschäftsmann war er auch…“ lachte Kai. „Geschäftsmann?“ stellte Semir erstaunt die Frage. „Ja… die anderen Schüler waren manchmal auch zu spät und Ben hat seine Ideen dann verkauft. Für fünf Mark hatte man eine recht ungewöhnliche Ausrede, warum die Verspätung eingetroffen ist. Ob die Lehrer das allerdings glaubten ist eine andere Frage. Garantie gab Ben nicht.“ lachte Kai. Semir sah ihn verschmitzt an. Man sah ihn an, dass er mit Freude verfolgte was Ben so als Kind angestellt hatte.

    Der nächste Morgen brach an. Semir holte Kai gegen zehn ab um mit ihm zu Ben zu fahren. Um halb Elf war es dann soweit. Semir schob Kai, der sich noch einen kleinen Blumenstrauß besorgt hatte, in Bens Zimmer. Dieser sah auf und zuckte etwas zusammen. „Kai?“ fragte er ungläubig und richtete sich auf. „Hey… Ben….“ gab Kai zurück. Semir sah dass Ben die Begegnung mit Kai nicht. „Tja…. Sieht nicht gerade bequem aus…mit dem Gipsbein…“ lächelte Kai. Ben nickte. „Was machst du hier?“ wollte er wissen. „Ich besuche einen Freund aus vergangenen Tagen. Ben….wir haben uns seit dem Unfall von mir nicht mehr gesehen. Ich war ziemlich enttäuscht…“ gab Kai von sich. Ben nickte. „Ja…ich weiß…aber ich…ich hab mir damals die Schuld an deinem Unfall gegeben und…ich fühlte mich echt schlecht…und… ich dachte…dass du mich und….Robert sicher nie mehr Wiedersehen willst..“ erklärte Ben und drehte seine Finger verlegen. Kai lachte auf. „Das gleiche hatte Robert auch gesagt. Ben…der Unfall war Schicksal. Weder du noch Robert hätte es verhindern können. Ich hätte nein sagen sollen, aber ich wollte euch in nichts nachstehen.“ erklärte Kai während er näher an das Bett fuhr. Auch Ben richtete sich ein wenige auf. „Kai….dieser verdammte Blödsinn von damals… ich wünschte ich könnte die Uhr zurückdrehen und alles ungeschehen machen …“ kam leise von Ben. „Das kannst weder du, noch ich, noch sonst wer. Ich habe mich mit dem Schicksal abgefunden. Ich lebe mein Leben…und du deins… Es wäre schön wenn wir dort anschließen können, wo sich unsere Wege getrennt hatten..“ meinte Kai nur. Ben nickte und reichte ihm die Hand. „Das Angebot nehme ich gerne an.“ stimmte Ben zu. Nach acht Wochen Pause war es dann soweit. Ben wurde von allen in der PAST freudig begrüßt. Und am gleichen Wochenende gab es eine kleine Party bei Kai im Haus. Ben und Kai wurden wieder die Freunde die sie in der Kindheit waren. Doch eines mussten die Beiden noch machen. Sie besuchten gemeinsam das Grab von Robert Esslinger.

    Ende
    ******************************************

    So das war meine letzte Story in diesem Jahr.... jetzt muss ich erstmal wieder einen Vorrat anlegen... :rolleyes:

    Tobias lachte gehässig als er sah wie die Sperre in den Tisch rasten. Im gleichen Moment zerbiss er die Tabletten, die er in der Hand hatte. Es dauerte nur wenige Sekunden bis er sich verkrampfte. Schaum trat vor den Mund. Er sah nicht mehr dass sechs der Speere, die eigentlich den Leib des Mannes auf dem Tisch durchschlagen sollten, nur wenige Zentimeter über dem Körper hängen blieben. Für ihn war klar, dass Ben sterben würde. Im gleichen Augenblick wie er. Seine Rache war vollzogen. Der letzte Blick fiel auf den Mann, der über Ben das Todesurteil vollstreckt hatte. Dieser rannte zum Tisch. „Er…ist tot…“ gab Tobias zufrieden von sich. Nur kurz darauf war es auch mit ihm vorbei. „Ben…….Ben…“ stieß Semir aus, als er sah was tatsächlich passierte. Sein Freund und Partner zitterte. Der ganze Körper zuckte. Vorsichtig nahm Semir das Messer und schnitt die Fesseln auf. Anschließend schnitt er ein Speer nach dem anderen weg. Langsam zog er Ben das Klebeband vom Mund… „Gott…der Mann ist krank….der ist krank…“ fauchte Ben leise. Er fing an zu weinen. „Ben… bist du soweit okay?“ wollte Semir besorgt wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Ich…mir….tut alles weh…Semir…ich bin…bestimmt…zehn Tode gestorben…er…“ fing Ben an. Semir zog ihn vorsichtig vom Tisch zurück. Doch als Ben auf die Beine kam, stieß er einen leisen Schrei aus und brach zusammen. Semir ließ ihn zu Boden gleiten. „Bleib liegen… ich rufe einen Arzt…“ sagte er. Ben nickte nur. Er konnte keinen Schritt machen. Semir verständigte die Kollegen und den Rettungswagen. Dann ließ er sich neben Ben am Boden nieder. „Oh man…du hast es echt drauf. Als dein Wagen gefunden wurde…. Und die Leiche am Steuer… wir…wir haben… ich hab gedacht…du...“ fing Semir an. Auch ihm fiel es schwer über diese Sache zu reden. „Der Mistkerl…er hat mich für sein Scheitern verantwortlich gemacht…“ erklärte Ben leise. Vorsichtig zog er seine Jeans an den Beinen hoch. Darunter sahen seine Waden dunkelblau aus. „Das sieht nicht gut aus, Ben… das eine ist bestimmt gebrochen..“ mutmaßte Semir und wies auf das rechte Bein. „Du hast Recht… Tobias hat mit einer Eisenkette drauf geschlagen… direkt am Anfang… Ich bin müde…Semir… ich will schlafen…“ bat Ben. „Nein… warte bis der Arzt da war… bitte…“ kam von Semir. Doch Ben spürte, dass er nicht mehr lange aushielt.

    Kim Krüger und der Notarzt kamen fast gleichzeitig an. Sie sah zu der Leiche von Tobias Herder. „Schade dass er zu feige war, sich zu stellen…“ murmelte sie und sah Semir an. „Das sehe ich nicht so…. Ben hat mir erzählt, dass er Aids hatte und dass er daran auch gestorben wäre. Er wollte nicht dahin siechen und hat deshalb Crystal geschluckt. Die Dosis war tödlich.“ erklärte er. „Weiß Ben, das Esslinger tot ist?“ harkte Kim nach. „Ja… Herder hat es ihm gesagt. Ben wird es schaffen….“ Kam leise von Semir. Er sah zu Ben, der gerade von dem Arzt behandelt wurde. „Ich will nur eben wissen, was mit ihm ist..“ entschuldigte Semir sich und ging zum RTW. „Doc?“ fragte er nur. Ben lag auf der Trage und schlief. „Er scheint etwas dehydriert, aber das kriegen wir schnell in den Griff. Außerdem hat er eine gebrochene Rippe, das rechte Bein ist gebrochen….vermutlich sogar zwei mal. Die Röntgenbilder werden es zeigen. Mehrere Hämatome am gesamten Körper sowie eine schwere Prellung im Brustbereich. Alles in Allem würde ich behaupten, dass er was die kleinen Wunden angeht in einer Woche wieder aus dem Krankenhaus kann. Das Bein wird natürlich für mindestens sechs Wochen in Gips stecken, sofern der Bruch nicht zu schwierig ist.“ zählte der Arzt auf. Semir nickte. Alles in Allem hatte Ben Glück dass es nur bei diesen Verletzungen geblieben war. Eine halbe Stunde später war er bei Ben im Krankenhaus. Dieser schlief friedlich in dem weißen Bett. Doch scheinbar spürte er die Anwesenheit von Semir, denn als er gerade gehen wollte öffnete er die Augen. „Danke…Semir…“ kam leise über seine Lippen. Semir drehte sich erneut um. „Hey… wie geht es dir?“ fragte er besorgt nach. „Danke… im Augenblick ist es, als würde ich auf Wolken schweben. Das Bett ist wunderbar weich und…ich bin frei…“ lachte Ben schwach. Seine Handgelenke waren ebenfalls verbunden, weil sie durch die lange Fesselung stark gereizt waren. Die Haut war zum Teil blutig gerieben. „Ich bin froh, dass du so gut davon gekommen bist.“ lächelte Semir. Ben nickte. „Ja… ich auch….“ Ben schloss die Augen und schlief wieder ein. Für ihn hieß es nun sich erst einmal zu erholen. Semir informierte Conrad Jäger der umgehend ins Krankenhaus fuhr um an der Seite seines Sohnes zu sein.

    Ben sah nach oben und er sah die Spitzen der Speere blitzen sehen. Oder war es nur Einbildung? Was hatte Tobias gesagt…. Wenn das eine Seil gekappt wurde fielen die Speere auf ihn. Sie würden ihn durchbohren. Kein schöner Tod….dachte Ben. Er versuchte sich zu befreien, doch genau wie die Fesseln vorher waren sie nicht zu lösen. Ben schloss die Augen. Er war am Ende. Tobias hatte ihn in den letzten Tagen weniger geschlagen, aber er hatte ihn verhöhnt, er hatte ihn hungern lassen…dursten… selbst zur Toilette durfte er nicht mehr. Ben fühlte sich völlig matt und wollte schlafen. Doch was würde passieren, wenn er einfach aufgibt? Durfte er einfach so aufgeben? Nein…. Du bist kein Feigling… du wirst kämpfen…bis zum Ende… ermahnte er sich in Gedanken. „Na… hast du Angst? Weißt du Ben… ich hatte damals auch Angst… weißt du wie mein Leben abgelaufen ist, nachdem ich wegen dir vom Internat musste…ich werde es dir erzählen….“ kam von Tobias. Ben rollte die Augen. Er wollte diese Geschichte nicht hören. Er wollte endlich nach Hause. „Ich bin nach dem Internat nach Hause und habe meinem Vater gebeichtet, was passiert war. Er hat mich rausgeworfen… und von da an war ich auf mich allein gestellt. Ich habe dann einen Peer van Stendal kennen gelernt. Ein netter Mann. Er hat mir Drogen besorgt und dann…ging es mir sehr gut. Gott ging es mir gut… Und eines Tages…da kam Peer mit einigen Freunden zu mir…. Er sagte ich müsste ab sofort dafür arbeiten um meine Drogen zu bekommen. Erst dachte ich, ich bin im falschen Film. Doch dann wurde mir klar gemacht welche Aufgabe Peer für mich hatte. Ich musste meinen Körper an Schwule verkaufen…und dann bekam ich Aids… Ja… ich werde sterben und du bist daran Schuld…du…verstehst du… nur weil du den Mund nicht halten konntest. Robert ist schon tot….vergiftet… und Peer ist in deinem Wagen verbrannt….Auch er ist tot… du bist der nächste und dann kann ich in aller Ruhe von der Welt abtreten. Aber ich will nicht dahin vegetieren. Ich werde würdevoll aus dem Leben scheiden… Du wirst zusehen…“ lachet Tobias. Er legte die drei Seile zu Recht. „Dein Freund wird sicher gleich hier sein… Lebe wohl Ben… wir sehen uns im Jenseits..“ hängte er an.

    Semir kam im Industriehafen an. Er suchte nach dem Container und fand ihn nach längerer Suche. Er sah hinein. „Herder?“ rief er laut. „Kommen Sie herein…Das Theater des Grauens ist eröffnet…“ hörte er einen Mann sagen. Semir betrat den Container. „Ich hoffe sehr, dass Sie allein gekommen sind.“ Ermahnte Tobias Herder ihn. „Ja…bin ich…wo ist Ben?“ wollte Semir wissen. „Sie dürfen Ihre Waffe ablegen! Ich sehe alles!“ ermahnte Tobias. Semir legte seine Waffe ab und hob die Hände. „Ich komme jetzt rein!“ gab er durch. „Gern….ich erwarte Sie…gehen Sie einfach nur gerade aus. Dann kommen Sie zu mir und meinem Assistenten…Ihnen wird eine wunderbare Show geboten…“ lachte Tobias. Semir ging langsam voran. Vor ihm erschien ein roter Vorhang und er schlug ihn zur Seite. „BEN!“ stieß er aus und wollte zu seinem Freund, der auf einem Tisch lag. „Halt!!!“ fauchte ihn Herder an. Semir blieb stehen. „Mein Freund hier…. Hat eine wunderbare Aufgabe. Und Sie auch… Sehen Sie die drei Seile?“ wollte Herder wissen. „Ja… was ist mit denen?“ fragte Semir heiser. „Sie haben das Leben Ihres Freundes in der Hand. Suchen Sie sich ein Seil aus und kappen es. Das Messer liegt daneben. Aber ich warne Sie… ist es das falsche Seil, wird Ben sterben. Durchbohrt von mehreren Speeren…“ lachte Tobias. Semir sah zu Ben. Dieser hatte die Augen geschlossen, doch an der Atmung erkannte Semir, dass er Angst hatte. „Was soll der Blödsinn! Sie haben Esslinger umgebracht!! Und Sie haben auch Stendal ermordet! Wollen Sie noch einen Mord begehen?“ wollte Semir wissen und näherte sich den Seilen. „Mir kann keiner mehr was anhaben. Sehen Sie hier… ich habe hier das schönste und gefährlichste Zeug, was es gibt. An dieser Chrystaldroge werde ich sterben. Sie ist hoch dosiert. Ich ziehe diesen Tod vor. Nehmen Sie nun das Seil, welches Sie sich ausgesucht haben!!“ forderte Tobias ihn auf. Semir zögerte. „Wenn Sie es nicht tun, werde ich Ben erschießen…also…ich zähle bis drei…Eins!!! …. Zwei!!.....“ kam von Tobias. Semir sah ein, dass er keine andere Wahl hatte. Er nahm das Messer und wählte das mittlere Seil. „Also gut… Schneiden Sie es durch!“ forderte Tobias ihn auf. Semir tat es. Kaum hatte er das Seil zerschnitten rasten die Speere aus den Löchern auf Ben zu. „NEIN!!!“ schrie Semir auf.

    Semir betrat das Haus. „Herr Reiferscheidt?“ rief er fragend als die Türe offen stand. Es kam keine Antwort. „Hallo?“ rief Semir erneut. Niemand antwortete. Semir ging in die Wohnung und sah, dass hier mit Sicherheit niemand mehr lebte. Die Wohnung war völlig verwahrlost. Alles verfallen. „Verdammt…“ fauchte Semir und wollte gehen, als er ein Geräusch im Keller hörte. Sofort hatte er wieder seine Waffe in der Hand, die er zuvor weggesteckt hatte. Er schlich die Treppe runter. Wieder hörte er wie etwas umkippte. Es hörte sich an, wie Blech…Eine Ahnung beschlich Semir. „Ben?“ rief er leise. Doch es kam keine Antwort. Semir leckte sich nervös über die Lippen. Vielleicht sollte er Verstärkung rufen sollen. Dennoch ging er weiter durch den Gang. Und dann hörte er es erneut… es war direkt vor ihm. Semir drückte sich an die Wand und sah durch die offene Tür. Niemand zu sehen, vorsichtig ging er hinein und sah sich um. Auf dem Boden sah er etwas liegen und bückte sich. „Ben….“stieß er aus, als er das Handy sah. Kein Zweifel…es war Bens Handy. Und genau in diesem Augenblick klingelte es. Semir sah sich erstaunt um. Und meldete sich dann. „Hallo?“ fragte er etwas zaghaft. „Sie sind Gerkhan?“ fragte eine Stimme. „Ja…und Sie Herder…“ stellte Semir fest. „Sehr gut…. Eine eins Plus…Sie wollen sicher Ben retten, nicht wahr…schade…aber dafür ist es zu spät. Ich hatte es mir sehr gut ausgedacht…. Im Wagen verbrannt. Ich habe die Polizei wohl unterschätzt…“ gab Herder von sich. „Wo ist Ben?“ wollte Semir wissen. Er versuchte seine Stimme fest klingen zu lassen, damit Herder die Angst nicht merkte. Es schien zu klappen.

    „Sie wollen Ben sehen? Den Wunsch kann ich Ihnen erfüllen. Fahren Sie zum alten Industriehafen in Düsseldorf und kommen Sie in den Container mit der Nummer C45-T5-Z6… er steht ziemlich verlassen. Kommen Sie allein. Wenn ich mehr als Sie sehe, werde ich Ben aufspießen…“ drohte Herder und sah zu seinem Opfer der auf einem Tisch lag. Die Hände und Beine mit Riemen festgeschnallt und den Mund verklebt. „Ich will einen Beweis, dass Ben lebt…“ hörte er Gerkhan sagen. „Das ist machbar…einen Augenblick…“ lachte Herder und ging zu seinem Gefangenen. Mit einem Ruck riss er Ben das Klebeband vom Mund. Dieser schrie heiser auf, denn am Klebeband waren einige Haare des Bartes befestigt. „Sag deinem Freund hallo…“ lachte er und drückte Ben das Handy ans Ohr. „Hallo….“ Fragte er leise. „BEN!! Wie geht es dir??“ hörte er Semir fragen. „Semir…..hilf…mir…bitte….“ fing Ben an zu flehen. Doch nur eine Sekunde später hatte er wieder das Klebeband drauf. „So…das reicht…. Hören Sie mir genau zu… Ich gebe Ihnen 45 Minuten bis Sie hier auftauchen! Keine Tricks!“ warnte er erneut. „Ja…ich mach, was Sie wollen…..ich….“ Tobias Herder legte auf. Er sah auf Ben, dem die Angst langsam auffraß. „Siehst du… du wirst durch die Hand eines Freundes sterben…genau wie ich… Soll ich dir diesen Mechanismus noch einmal erklären… Pass auf…. Dieser Tisch ist mit einem wunderbaren Trick versehen…. Dein Freund wird die Wahl haben….ich werde drei Seile spannen… und die sind mit den Spitzen über dich verbunden…. Wenn er das falsche zieht, dann wirst du sterben…denn dann sausen die Spitzen auf dich runter…..ist das nicht toll… und wenn er das richtige zieht… nun ja…. Dann stirbst du auch… denn dann werde ich dich töten…Egal was passiert…du stirbst…oder soll ich dich lieber mit Aids anstecken?“ wollte Tobias wissen.

    Semir rieb sich die Augen. Nur noch vier oder fünf Seiten und dann war auch das Letzte Buch durch. Die letzte Rubrik. „Loser“ stand als Überschrift. „Loser?“ fragte er Kai. „Ja… das sind die, die vor dem Abschluss gehen mussten. Entweder weil sie es nicht schafften, oder aber weil sie gegen die Regeln verstoßen hat.“ erklärte Kai. „Na dann wird es ja mal interessant…“ grinste Semir und sah sich die Bilder an. Bei einem von ihnen stoppte er. Er sah auf die Zeichnung. „Tobias Herder….“ Las er den Namen vor. Kai sah ihn an. „Herder….? Ach ja…. Der Typ war Bens Stubenkamerad. Ist von ihm mit Drogen erwischt worden… tja… unser Ben war damals schon ein korrekter Mensch. Er hat ihn beim Lehrer angeschwärzt. Tobias musste daraufhin gehen. Ich glaub er ist in die Drogenszene abgerutscht. Schade eigentlich…aus dem hätte ein guter Arzt werden können. Nun ja… man kann nicht alles haben.“ Kam von Kai. Semir sah ihn an. „Wissen Sie wo er lebt?“ wollte er wissen. „Nein…warum?“ harkte Kai nach. „Weil hier alles stimmt… die Augen…das Kinn….die Haut ist scheinbar ziemlich eingefallen. Bei Drogenmissbrauch aber keine Seltenheit…darf ich das Bild mitnehmen?“ wollte Semir wissen. „Ja sicher…. Nehmen Sie es ruhig mit. Glauben Sie denn dass Herder Robert umgebracht hat und sich nun an Ben rächen will? Wegen dem Rauswurf?“ stellte Kai die Gegenfrage. „Es wäre ein Grund oder? Wenn das Leben so versaut wurde und man glaubt, es sei ein anderer daran Schuld…ja…. Bei Ihnen dachte ich es auch. Ich muss los… Danke…für ihre Hilfe….“ verabschiedete Semir sich. Er hielt lange Kais Hand. „Wenn Sie Ben gefunden haben…sagen Sie mir dann Bescheid? Ich würde einen alten Freund gern besuchen…“ kam leise von Kai. Semir nickte. „Sie sind der Erste der es von mir erfährt…“

    „Semir hier… Frau Krüger…ich brauche alles was über einen Tobias Herder bekannt ist. Er hat eine verdammt große Ähnlichkeit mit unserem Phantombild und hat gute Gründe sich an Ben zu rächen. Denn Ben hat ihn mit Drogen erwischt und Herder musste seinetwegen das Internat verlassen. Vermutlich ist er in die Drogenszene abgerutscht und auch straffällig geworden. Ich brauche Adresse und Aufenthaltsorte….außerdem sollten wir überprüfen ob zwischen Herder und Stendal eine Verbindung bestand…“ rief Semir aufgeregt Kim Krüger an. „Ich werde Susanne umgehend damit beauftragen. Sie kommen jetzt erst einmal zurück….“ befahl Kim. „Ja sicher… bin schon auf dem Weg…“ versprach Semir. Nur wenig später klingelte das Telefon. „Klaus Reiferscheidt…hier… Sie sind Herr Gerkhan?“ fragte der Anrufer. „Ja das ist richtig…was kann ich für Sie tun?“ wollte Semir wissen. „Ich habe die Nachrichten gesehen und Sie suchen doch diesen Mörder aus dem Krankenhaus… ich bin mir zwar nicht ganz sicher, aber ich glaube …das ist mein Nachbar…“ erklärte der Anrufer. „Ihr Nachbar? Wo wohnen Sie denn?“ kam von Semir die Frage. „Ich bin in der Diabolo-Strasse 12. Das ist in Düsseldorf, direkt an der A57. Also fast darunter. Eine ziemlich trostlose Gegend aber …“ erklärte der Anrufer. „Ich komme sofort hin…“ versprach Semir. Reiferscheidt legte auf. Semir rief erneut Kim Krüger an und gab durch, dass er der Spur nachgehen würde. Es dauerte nicht einmal lange bis er die Straße gefunden hatte. „Nun ja…. Trostlos ist ja wohl noch übertrieben….hier ist alles tot.“ murmelte er, während er die Straße entlang fuhr. Dann stoppte er vor Haus Nr. 12. Die Fenster waren alle kaputt. Es schien einem Penner nichts auszumachen hier zu wohnen, aber einem Normalbürger….? Nein hier würde Semir nicht begraben werden wollen. Er überprüfte die Waffe bevor er ausstieg und sich dem Eingang näherte. Man konnte ja nie wissen.

    „Hier…. Da oben liegen die Jahrgangsbücher… Wenn der Kerl in unserer Schule war, dann ist er da drin.“ meinte Kai wenig später. Semir holte das Buch runter und schlug es auf. „Da sind alle drin?“ wollte Semir noch einmal wissen. Kai nickte. „Ja…alle…auch die die es nicht geschafft haben. Die gehören auch dazu. Es gab zum Glück nicht viele. Aber immerhin. Bei manchen war es schade aber es gab auch welche die mit Recht runter geflogen sind…“ erklärte Kai. Semir sah sich das Buch an. „Kennen Sie die Namen denn von denen die geflogen sind?“ harkte Semir nach. „Ich weiß nicht… die Namen stehen aber auf jeden Fall unter den Bildern…. Die Mühe hab ich mir gemacht, als ich im Krankenhaus lag.“ lachte Kai bitter. Semir sah ihn an. Er nahm sich die Alben und sah sich Bild für Bild an. „Das war ein reines Jungeninternat?“ kam von ihm erstaunt. „Ja….unsere Väter wollten wohl, dass wir uns völlig auf die Bildung konzentrierten. Tja…. Bildung geht eben vor.“ meinte Kai grinsend. „Das muss Ben unglaublich schwer gefallen sein.“ gab Semir zurück. Kai lachte. „Ja… Ben wollte immer nachts abhauen und rüber zum Mädcheninternat. Einmal ist er erwischt worden. Hausarrest….drei Wochen. Die Pauker waren richtig sauer….“ lachte Kai. Semir hörte zu und spürte, dass es diesem Mann gut tat von früher zu reden. Er las sich die Namen durch und verglich die Bilder mit dem Phantombild. Das erste Buch war negativ. Das zweite war ein Jahrgang vor dem Abschluss und wieder das gleiche. Die meisten die in dem Buch davor waren, waren auch hier. Semir rieb sich die Augen. „Ich weiß nicht… ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass der Typ hier drin ist..“ stieß er aus. Kai hatte einen kleinen Imbiss vorbereitet und lud Semir ein. „Warum geben Sie denn auf? Sie sind doch noch gar nicht durch… greifen Sie zu. Stärken Sie sich und dann klappt das auch…“ versprach er. Semir ließ es sich nicht zweimal sagen. Dennoch nahm er ziemlich resigniert das dritte Buch zur Hand.

    Tobias sah auf den Fernseher. Er sah die Nachrichten und es kam ein kurzer Bericht über den Toten im Krankenhaus. Auch das Bild des Verdächtigen wurde gezeigt. Sofort drehte er den Ton an. „…. Wurde bekannt, dass der Mord in der Kölner Klinik durch einen immer noch flüchtigen Mann verübt wurde. Nach Zeugenaussagen verkleidete sich der Mörder als Doktor. Die Polizei ließ den unter Mordverdacht stehenden Freund des Ermordeten noch am gleichen Tag wieder frei. Die Polizei fragt nun, wer kennt diesen Mann. Sachdienliche Hinweise bitte an die Kripo Autobahn, Semir Gerkhan… Die Telefonnummer sehen Sie unten im Bildrand.“ … Das Glas, was Tobias hielt, fiel ihm aus der Hand. Verdammt… er hatte einen Fehler gemacht…er hatte einen verdammten Fehler gemacht….Nein… sie durften ihm seine Rache nicht nehmen… es durfte nicht sein. Erst jetzt spürte er, dass er sich am Glas verletzt hatte. Der Finger blutete. Er leckte sein Lebenssaft auf. Und dann hatte er die Idee. Er würde diesen Gerkhan zu sich holen. Das schien jemand zu sein, den Ben Jäger sicher kannte… aber erst würde er…wieder sah er auf seinen Finger. Das Blut lief immer noch. Seit er Aids hatte und die Medikamente nahm, bluteten Wunden stärker und länger als früher. Dann kam ein Blitzen in seinen Augen. Er ging zu einem Tisch, den er vor einigen Tagen auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Mit Riemen und Schellen war das Ding versehen. Eigentlich aus einer Zaubershow. Tobias wusste dass über dem Tisch eine Platte angebracht war. Dort waren Pfeile eingesteckt die sich mit Seilen lösen ließen. Sobald das Seil gekappt wurde, fielen die Pfeile in den Tisch. Jeder der darunter lag, würde elendig verbluten. Genau das Richtige für Ben Jäger….