Beiträge von Elvira

    25.02.2010 "Totalverlust"

    Auf der Autobahn attackiert der Rentner Harald Kowalski seinen Anlageberater Jürgen Fuchs. Er drängt Fuchs von der Autobahn. Als Semir am Unfallort ankommt, stellt er erstaunt fest, dass es sich bei dem rabiaten Rentner um seinen Nachbarn handelt! Er kennt Kowalski eigentlich als äußerst friedliebenden Menschen. Bei der Vernehmung der Kontrahenten stellt sich heraus, dass Kowalski durch die von Fuchs vermittelten Anlagen seine gesamten Ersparnisse verloren hat. Und schlimmer noch: Kowalski hat die verlustreichen Anlagen auch all seinen Freunden empfohlen. Niemand will mehr mit Kowalski zu tun haben. Am nächsten Morgen wird der Anlageberater erschossen aufgefunden. Chris sieht Kowalski als Hauptverdächtigen, doch Semir ist davon überzeugt, dass sein Nachbar niemandem etwas antun könnte. Doch alles spricht gegen ihn. Seine Frau kann ihm kein Alibi geben und Kowalski ist verschwunden und mit ihm Dr. Hoch, der Chef des toten Anlageberaters Fuchs, und eine Waffe.

    Ben kaufte die Zutaten zum Backen ein. Er freute sich riesig, denn schon damals hatte er sehr gern die Weihnachtskekse gebacken. Doch allein machte es irgendwie kein Spaß und Aida war da sicher ein Garant dafür, dass er diesmal sehr viel Freude daran haben wird. Gegen 15 Uhr wollten Semir und Andrea die Kleine vorbeibringen. Bis dahin wollte er alles zuhause haben. Und er schaffte es. Eine halbe Stunde bevor seine Bäckerhelferin kommen sollte hatte er alles eingeräumt. Nun konnte es losgehen...dachte er bei sich als es klingelte. „Onkel Ben!!“, hörte er vor der Tür. „Pünktlich wie die Maurer... grinste er, als er sah, dass es zehn Minuten vor drei war. Er öffnete. Semir drückte ihm Aida in die Hand. „Danke Ben...wir sind um sechs wieder da...“, sagte er, gab seiner Tochter einen Kuss und verschwand wieder. „Ja... war nett dich zu sehen, Semir... viel Spaß!“, rief Ben ihm nach. „Na Prinzessin...wollen wir backen?“, fragte er Aida. Die Kleine war hell auf begeistert. Ben trug die Kleine in die Küche und fing mit ihr an, die Zutaten der Plätzchen in eine große Schüssel zu werfen und dann mit den Händen zu vermengen. Für Aida hatte der junge Hauptkommissar eine kleinere Schüssel hingestellt und das Mädchen knetete begeistert mit ihren kleinen Händchen den Teig zwischen ihren Fingern. Lachend amüsierten sich beide köstlich, als sie mit ihren beschmierten Fingern versuchten, sich gegenseitig ins Gesicht zu fassen. Dann war der Teig fertig und ausgerollt. Ben half Aida dabei, die Formen aufzulegen und den Teig auszustechen. Das Mädchen kicherte und gluckste fröhlich dabei, als Ben mit seiner großen Hand ihre kleine Hand mit einem leichten Druck auf die Form presste. Wie lange hatte er das schon nicht mehr gemacht, dachte sich Ben und ging in Gedanken in seine eigene Kindheit zurück. Die Weihnachtszeit war die einzige Zeit bei ihnen, wo die ganze Familie endlich zusammen war. Selbst sein Vater nahm an den heiligen vier Wochenenden keinen Termin wahr. Alle Anrufe, die aus der Firma ins Haus kamen, selbst, wenn es nur Kleinigkeiten waren, ließ er sofort abschmettern, um bei seiner Familie zu sein. Das war für ihn die schönste Zeit des Jahres. Dann, als allerdings seine Mutter starb, war auch diese Zeit reine Arbeitszeit für seinen Vater geworden. Er verkroch sich hinter Stapeln von Rechnungen, Belegen und Auftragsbüchern. „Onkel Ben... traurig?“, riss ihn die Kleine wieder aus den Gedanken. „Nein... nein, ich....“, versuchte Ben, doch dann verwarf er diese Gedanken wieder. „Komm Aida... sehen wir uns den großen Baum im Wohnzimmer an.“, meinte er, als die Plätzchen dann in den Ofen verschwanden und die Küchenuhr gestellt war. „Ohhhhhhhh jaaaaa.“, kam es nur freudig von der kleinen Maus. Ben lächelte, nahm sie auf den Arm und ging mit ihr ins Wohnzimmer, wo sein eigens gefällter Baum in leuchtendem Rot erstrahlte.

    Semir und Andrea waren vor ihrem Essen ins Adventskonzert gegangen. „Ach Semir, das wird dann ja doch noch ein schönes Weihnachtsfest werden.“, meinte Andrea mit glücklicher Stimme und sah ihren Mann mit verliebten Augen an. Dieser grinste nur und küsste sie auf die Stirn. „Das wird es. Ich kann nicht glauben, dass ich mich so aufgegeben hatte. Wir können dieses Jahr wirklich von einem Weihnachtswunder sprechen.“, erwiderte er und sah zu dem großen Holzkreuz auf dem Altar auf. Auch wenn er es nie öffentlich machen würde, doch im Stillen, ganz für sich, betete er und dankte Gott, dass doch noch alles gut ausgegangen war. Angela würde auch ohne seine Hilfe über diesen schmerzlichen Verlust hinwegkommen und er hatte sein eigenes Glück, seine Familie, fast geopfert um dieser Frau zu helfen. Semir war sich sicher, dass es nur eine Fügung von ganz oben gewesen sein konnte, die ihm die Augen geöffnet hatte. Er war sich darüber mehr im Klaren, als er wieder seine Frau ansah. „Andrea, ich liebe dich und im Angesicht Gottes schwöre ich dir ewige Treue.“, hauchte er ihr ins Ohr, während sie der Adventsmusik des Chores lauschten. Etwas verwirrt sah Andrea ihren Mann an, doch dann lächelte sie nur zufrieden. „Ich liebe dich, von ganzem Herzen, und werde dich niemals aufgeben.“, fügte er hinzu und küsste sie voller Leidenschaft, sodass sie beinahe aus der Bankreihe gefallen wären. Nach dem Konzert gingen beide noch gemütlich essen und holten Abends um halb acht, es wurde ein bisschen später, als geplant, eine völlig erschöpfte und eingeschlafene Aida von einem ebenso müden, aber glücklichen Ben ab. „Danke Kumpel.... wir sehen uns dann morgen auf der Arbeit.“, flüsterte Semir ihm nur zu und nahm seine Tochter in den Arm. „Ohhhh... warte .... Hier, ihre Plätzchen.“, meinte Ben und gab Semir einen prall gefüllten Beutel mit Weihnachtskeksen mit. Dieser bedankte sich und verschwand.

    5. Kapitel Der fremde Sänger

    Angela war von dieser Begegnung aufgewühlt. Immer wieder musste sie an diesem Mann denken. Was war er von Beruf? Und immer wieder sah sie diese stechenden grünen Augen vor sich. Diese Augen... sie durchdrangen ihre Gedanken. Angela versuchte sich abzulenken, nahm das Bild ihres Ginos in die Hand und strich mit einem Finger darüber. „Ach mein Gino, was würdest du nur dazu sagen?“, wollte sie wissen und stellte es wieder hin. Binnen einiger Minuten fiel sie in einen erschöpfenden Schlaf. Sie träumte... Langsam machte sie die Augen auf und sah, dass sie nicht mehr zu Hause, in ihrem Bett lag. Wo war sie? Erschrocken blickte sie sich um. Und was war das? Da rief jemand ihren Namen. Gino? War das die Stimme ihres geliebten Ginos? Sie sah sich um. Angela fand sich auf einer kleinen Bank in einem schneebedeckten Park wieder. Sie kannte diesen Park noch aus ihrer Kindheit. Hier war sie Gino das erste Mal begegnet. „Angela... hier bin ich.“, rief die Stimme wieder und erschrocken blickte sich die Frau um. „Gino? Bitte, zeig dich... Komm zu mir zurück.“, flehte sie und drehte sich immer wieder um. Plötzlich ein warmes Lachen. Sofort versuchte Angela das Lachen zu orten und blieb an einem Baum hängen, der sich hinter der Bank befand. Sie wartete und wartete und da kam er hervor... ihr Gino in einem schwarzen Anzug mit einem schwarzen Rollkragenpulli und einer kleinen Rose in der Hand, an der er roch. Rosen waren Angelas Lieblingsblumen und mit einer der Grund, warum sie nun schwanger war.

    „Gino... mein lieber Gino... Wie hab ich dich vermisst.“, weinte sie und fiel ihn um den Hals, als er sich neben sie gesetzt hatte. „Meine Angela... es tut mir Leid, dass wir uns nicht mehr im Diesseits sehen können.“, erwiderte er und küsste ihre Stirn. „Nein, es muss dir nicht Leid tun. Dich trifft keine Schuld.“, entgegnete sie schnell und nahm seine Hand. Sie war warm und sie spürte seine Liebe in dem Druck der Hände. „Semir aber auch nicht. Du musst lernen, ihn endlich zu vergeben.“ „Das habe ich Liebster... das habe ich.“, meinte sie und schmiegte ihren Kopf an Ginos Hals entlang. „Nein, nein, das hast du nicht. Ich spüre, dass die Wut noch in dir schlummert. Du musst sie fallen lassen. Hörst du? Oder sie wird dich für immer zerstören.“, erwiderte er. „Oh mein Gino... alles, alles, was du willst.“, meinte sie und liebkoste seine Wangen. Sie saßen einfach nur da und schwiegen. Dann jedoch sah sich Gino erschrocken um. Er hörte, wie ein böser Wind nach ihm pfiff und er sah, wie eine dichte Nebelwand auf ihn zukam und nach ihm rief. „Angela... meine Zeit ist gekommen. Ich muss gehen.“, sagte er und blickte in die erschrockenen Augen seiner Frau. „Nein... bitte geh nicht. Ich hab doch niemanden außer dich und unsere beiden Kinder.“, flehte sie und klammerte sich an ihrem Gino fest. „Hör mir zu, Angela. Ich will, dass du nicht alleine bleibst. Verstehst du? Nicht über Weihnachten und nicht für den Rest deines Lebens. Unsere Kinder brauchen einen Vater. Ich werde immer bei dir sein, egal, was du tust.“, meinte er liebevoll und strich seiner Frau zärtlich über die Wange. „Ach mein Gino...“, kam es nur leise von ihr. „Jetzt muss ich gehen, aber ich bin immer bei dir. Angela... du musst mir einen Gefallen tun. Geh und bete für mich. Geh in die Kirche und zünde eine Kerze für mich an, damit ich dich immer finde.“, bat er und entschwand im aufkommenden Nebel. „Gino...“, rief Angela und hatte Tränen in den Augen. „Geh und bete für mich.“, hallten seine Worte immer wieder und Angela sah, wie er im Nebel verschwand. Urplötzlich schreckte sie aus dem Schlaf hoch und sah sich um. Sie war wieder in ihrem Schlafzimmer und es war noch dunkel draußen. War alles nur ein Traum? Dann fühlte sie die Rose in ihrer Hand. Nein, es war kein Traum, dachte sie und bettete die Blume neben sich... auf die Seite von Gino und schlief wieder ein.

    Die beiden fingen an sich mehr miteinander zu beschäftigen, als Mark Keller alias André Fux in der Serie war. Allerdings mehr mit geplänkel...

    In der Folge " Sonnenkinder" waren sie erstmals zusammen, wenn ich mich nicht irre. Zumindest waren sie in der Folge bereits sehr eng zusammen. In der Folge "Schlag zu" kam dann die erste Bettszene mit den Beiden.

    Mann kann also sagen, dass die Beiden mit Eintritt von Andrea Schäfer ständig mal zusammen und wieder auseinander waren.

    Semir stapfte durch die schneebedeckten Straßen, die Hände tief in den Taschen vergraben. Ein bissiger, eiskalter Wind wehte durch die Straßen und mit ihm der Schnee, der Semir ins Gesicht schlug. Zudem kam die immer dichter werdende Dunkelheit. Warum verstand Andrea nicht, was er durchgemacht hatte? Warum wollte sie nicht verstehen, dass er das nur zur Beruhigung seines Gewissens getan hatte? Oder war er im Unrecht? Er hatte seine eigene Familie vernachlässigt, das stimmte. Es war auch wahr, dass er immer sprang, wenn Angela angerufen hatte. Für sie hatte er seine Angstzustände besiegt. Jetzt konnte er doch wieder seine Arbeit aufnehmen, oder? Gleich morgen würde er mit Frau Krüger darüber sprechen. Und was Andrea anging... sie würde sich schon wieder beruhigen, da war er sich ganz sicher. Schließlich liebte sie ihn oder etwa nicht? Nach dieser Eifersuchtsattacke kamen Semir Zweifel auf. Sie waren nicht stark, aber sie waren da. Hatte er nun alles verloren? Würde sie ihn je wieder ansehen, liebkosen oder mit ihm sprechen? Sie verlangte eine Entschuldigung... warum hatte er sie ihr nicht gegeben? Nein, dieses Mal war er sich keiner Schuld bewusst. Das wäre ja noch schöner, wenn Andrea immer ihren Kopf durchsetzte. Nein, dieses Mal würde sie den ersten Schritt machen müssen, dachte er. Aber würde sie das? Er kannte seine Frau und er kannte auch ihren Sturkopf. Es war der gleiche Sturkopf wie ihn Semir hatte. Langsam ging er weiter, ziellos und ohne Orientierung folgte er einfach dem Verlauf der Straße. So kam es, dass er bald vor einem ihm bekannten Wohnhaus stand. Er sah hinauf in den auf ihn rieselnden Schnee. War da oben Licht?

    Andrea stand am Fenster und sah immer wieder hinaus. War das richtig, dass sie Semir so den Marsch geblasen hatte? War es richtig, ihn so in die Enge zu treiben? Andrea dachte an die Worte von Semir. Und wenn sie doch wahr waren? Wenn er das alles nur gemacht hatte, um sein Gewissen zu beruhigen. „Er hat die Familie vernachlässigt.“, hallte es immer wieder in ihrem Kopf wider. Die Worte drehten sich um ihr inneres Auge. Doch die Sorge kam langsam auf und zerstreute alle Eifersucht und Wut in ihr. Semir war nun irgendwo in dieser großen Stadt und hatte nichts an, außer seine Strickjacke, die zwar im Haus und für einen kurzen Moment an der Winterluft warm hielt, aber nun war er schon über drei Stunden weg. Der Arme musste schon längst erfroren sein. Sie hatte ihr Handy in der Hand und wollte Semirs Nummer wählen, als sich wieder die Worte meldeten. Nein, er muss den ersten Schritt tun, dachte sie und legte das Handy wieder weg. Doch dann sah sie das junge Nachbarsehepaar, gerade frisch eingezogen und mit einem kleinen, dreijährigen Sohn. Sie sah genau, dass sie sich lieb hatten. Streit schien es dort nicht zu geben. Wie sie Andrea doch beneidete und nun siegte das Gute in ihr. Sie nahm das Telefon und wählte Semirs Handy an. Plötzlich hörte sie es hinter sich klingeln.

    Ben sah auf die Uhr. Er erwartete doch gar keinen Besuch mehr. Wer konnte das sein? „Was soll’s…..mach ich halt auf.“, stöhnte er und erhob sich. Vor der Tür stand Semir. „Was machst du denn hier?“, wollte er wissen. „Ben…ich… ich brauche deine Hilfe.“, kam als Antwort. Ben winkte Semir rein. Erst jetzt sah er, wie sein Partner fror. „Wie bist du her gekommen? Ist die Heizung im Auto kaputt oder was?“, versuchte Ben zu scherzen. „Ich bin zu Fuß…“, gab Semir mit klappernden Zähnen von sich. „Zu Fuß? Bei dem Wetter? Spinnst du?“ tadelte Ben ihn. „Ich weiß….ich …musste einfach abschalten… Hast du was zum Aufwärmen?“, wollte Semir wissen. Seine Zähne klapperten von selbst. „Ein heißes Bad! Du solltest dich in die Wanne legen…“, schlug Ben vor. Semir war einverstanden. Er war völlig durchgefroren. Ben ließ ihm Wasser ein. „So…ab ins Körbchen…. Und danach reden wir…“, befahl Ben und drückte Semir ein Handtuch in die Hand. Wenig später lag Semir in der Wanne und genoss die Wärme des Wassers. Er brauchte fast eine Stunde, bis er wieder im Wohnzimmer war. „Geht es wieder?“, wollte Ben wissen und stellte etwas zu Essen auf den Tisch. Semir nickte. „Was ist los?“, fragte Ben. „Andrea…ich meine…ich weiß, dass ich sie und Aida vernachlässigt habe. Ich weiß, dass ich Angela etwas Gutes tun wollte… mein Gewissen beruhigen, aber…ich…“, fing Semir an zu erklären. „Du hast mit Andrea wieder Stress?“, kam von Ben. „Ja….sie will, dass ich mich entschuldige…aber für was? Angela war ein Teil meiner Therapie und dank ihr kann ich wieder arbeiten, aber Andrea will eine Entschuldigung!“, klagte Semir sein Leid. „Na dann entschuldige dich…sage ihr, dass du sie liebst… das tust du doch oder?“, wollte Ben wissen. „Ja sicher! Mehr als mein Leben!!“, erboste Semir sich sofort. „Dann sag es ihr…geh mir ihr essen, führ sie aus…ich nehme euch Aida ab…lass dir doch mal was einfallen…“, schlug Ben vor. „Andrea ist ein Sturkopf…die gibt nicht so einfach nach…“, meinte Semir leise. „Ja…da kenne ich noch einen und der sitzt vor mir. Einer muss den ersten Schritt machen… tu du es…“, bat Ben. Semir sah ihn zweifelnd an.

    18.02.2010 Leben und Leben lassen

    Chris bekommt Besuch von seiner Schwester Janine. Die Geschwister haben nach einigen Streitigkeiten ein angespanntes Verhältnis und wollen sich nun aussprechen. Als Chris seine Schwester am Flughafen abholt, werden sie von zwei Männern verfolgt. Im Flughafenparkhaus versuchen sie schließlich, Chris zu kidnappen. Die Angreifer fliehen, können nach einer wilden Verfolgungsjagd über die Autobahn entkommen.
    Chris hat keine Ahnung, was die beiden Männer von ihm wollen. Die Sache wird immer mysteriöser als Schenks ehemalige Firma ermittelt werden kann. Die Firma hat medizinische Datenbanken entwickelt und ist jetzt pleite. In den leeren Geschäftsräumen finden sich etliche Fotos von Chris. Warum in aller Welt ist Chris für die Männer so wichtig?
    Dann wird Chris von den Männern in seiner eigenen Wohnung überfallen. Wiederum kann Chris nur knapp einer Entführung entgehen, doch es ergeben sich nun neue Hinweise: Chris, der sich eigentlich in Ruhe mit seiner Schwester aussprechen wollte, schwebt in größter Gefahr. Denn die Gangster wollen für eine Transplantation Chris' Herz!

    Andrea weinte leise. „Mama...warum weinst du?“, riss Aida sie aus den Gedanken. „Nichts... mein Schatz...es ist nichts... mir ist nur etwas in Auge geflogen.“, redete sie sich raus. „Wo ist Papa?“, kam die nächste Frage. Aida hatte es so genossen, dass Semir soviel Zeit für sie hatte, doch nun.... ja wo war er? „Papa kommt gleich wieder...“, versprach sie. Doch war es wirklich so? Seit einigen Tagen war er mehr bei Angela und Gina als bei ihr und Aida. Dabei waren sie doch wohl viel wichtiger als diese Frau...Eifersucht...da war sie. Was, wenn Semir sich in diese Frau verliebte? Was wenn er mehr Gefühle für sie bekam? Würde er sie und Aida dann verlassen? Die Angst und die Eifersucht machten sich in ihr breit. Sollte sie ihn anrufen oder sollte sie ihm nachfahren? Zweifel an Semirs Treue traten deutlich hervor. Die Angst ihren Ehemann an diese... diese ... sie suchte die richtigen Worte... diese Frau zu verlieren, sie war stärker, als es jemals der Fall war. Semir hatte in seinem Beruf oft mit hübschen Frauen zu tun, doch keiner war er bisher so hörig geworden, wie dieser Angela. Sie hatte ihm einer Gehirnwäsche unterzogen, das stand für Andrea fest. Sicher fing sie Semir mit seinen eigenen Schuldgefühlen ein und würde das ausnutzen. Andrea versuchte sich eine klare Erklärung für Semirs Verhalten zu Recht zu legen, um sich von der Eifersucht abzulenken, doch das ging nicht. Sie schwang unweigerlich mit. Was sollte sie nur tun? Wenn sie Semir direkt darauf ansprach, dann würde er sie wahrscheinlich verlassen. Sie musste sich einen ... Nein, sie musste mit Doktor Freiwald sprechen und ihm erzählen, was hier passierte. Nur er und Ben... ja Ben musste ihr auch helfen. Dieser ließ sich aber in der letzten Zeit hier nicht mehr sehen. Warum verstand Andrea nur zu gut. Dennoch nahm sie sich Aida und suchte die Karte von Doktor Freiwald und fuhr mit ihrer kleinen Tochter in die Stadt, ohne Semir eine Nachricht zu hinterlassen. Er sollte sich Sorgen machen, damit er sah, dass er noch eine Familie hatte, um die er sich mehr kümmern sollte.

    Semir sah Angela nur an. „Das... das kann ich nicht.“, stammelte er und sah auf das kleines Mädchen, dass auf seiner Spieldecke saß und mit großen Augen sich zu Semir umdrehte, als dieser im Zimmer stand. Schnell drehte er sich um und sah Angela flehend an. „Angela... bitte zwing mich nicht dazu. Ich ... ich habe selbst eine Tochter und eine wunderbare Frau, die ich in den letzten Tagen zu viel vernachlässigt habe, weil ich bei jedem Telefonanruf von dir gesprungen bin, wie ein unter der Knute stehender Schoßhund.“, versuchte er zu erklären. Funkelnd sah die Italienerin ihn an. „Du hast mir meinen Mann genommen und meiner Tochter den Vater, also wirst du auch deine Schuld begleichen und meiner Gina ein Vater sein.“, zischte sie und sah Semir wie besessen an. „Nein... nein, das kann ich nicht und das werde ich nicht. Hör zu, ich... ich habe dir meine Hilfe angeboten, aber so langsam bekomme ich den Eindruck, als wolltest du mich nur quälen, mich fertig machen für das, was ich dir angetan habe.“, versuchte Semir, doch Angela lachte nur verächtlich. „Glaubst du das wirklich? Ja Semir, das war in den ersten Tagen so, aber nun...“, sie kam dicht an Semir heran, umschlang ihn mit ihren Armen. „Nun brauche ich dich Semir.“, kam es liebevoll von ihr und ihre Lippen näherten sich langsam seinem Hals. Doch Semir drückte sie weg, befreite sich aus ihrem Klammergriff. „Nein, das geht nicht. Das ist falsch, was ich hier mache.“, stammelte er und fuhrt sich durch seine Haare. Doch wenn er geglaubt hatte, dass Angela jetzt so einfach aufgab, hatte er sich total verrechnet. Das italienische Temperament wachte nun vollkommen in ihr auf und fixierte Semir durch die Augen.

    Doktor Freiwald hatte gerade einen Termin hinter sich gebracht, als die Tür aufging und seine Sekretärin kurz den Kopf hereinstreckte. „Verzeihen sie, Herr Doktor, aber hier ist eine Frau Andrea Gerkhan und möchte sie dringend sprechen. Sie sagt, es geht um ihren Mann.“, präzisierte die Dame. Der Psychologe sah auf und nickte. „Sie soll reinkommen und bitte dann keine Störungen, während ich mit der Frau rede.“, mahnte der Doktor. Nickend verließ die Sekretärin das Büro und wenige Minuten später trat Andrea ein. „Herr Doktor... sie müssen mir helfen. Es geht um Semir.“, fing Andrea an und trat mit Aida auf dem Arm in das große Büro des Mannes ein. Dieser begrüßte sie mit einem festen Händedruck und strich Aida über den Kopf. „Wie geht es ihrem Mann?“, wollte Freiwald wissen und ließ sich in seinen Stuhl zurückfallen, schob dabei sein Mittagsimbiss, einen Apfel und etwas Bananenbrot mit Käse, zur Seite. „Ach, Semir gefällt mir gar nicht mehr. Diese Angela....“, Andrea machte eine kurze Pause, das sie schon wieder die Wut in sich aufkochen fühlte. „Diese Frau macht ihm das Leben direkt zur Hölle. Sie ruft ihn an und lässt ihn quer durch die Stadt kommen. Heute morgen hat sie angerufen und von Semir verlangt, dass er zu ihr kommt.... er ist im Auto hingefahren.“ Der Arzt sah erstaunt auf. „Er... er ist wieder Auto gefahren?“, kam es erstaunt von ihm. Andrea nickte. „Ja aber….er gibt uns für sie auf. Er tut alles für diese Angela und Gina aber uns lässt er links liegen…“, erklärte Andrea. Freiwald verstand. „Sie haben Angst, dass er Sie und Aida aufs Abstellgleis stellt?“, wollte er wissen. Andrea nickte.

    Semir setzte sich hinter das Steuer, doch sofort war es wieder da... das starke Zittern in seinen Händen. „Semir? Was ist mit dir?“, wollte Ben wissen, als er das starke Zittern und die Schweißperlen auf Semirs Stirn bemerkte. „Ich... ich... ich kann nicht... ich kann nicht Autofahren.“, stammelte er. „Was? Semir, sag mir, dass du scherzt.“, kam es nur von Ben. „Versteh doch, ich kann nicht mehr Autofahren. Meine Arbeit... ich kann meine Arbeit nicht mehr machen.“, schrie Semir wütend und Ben zuckte kurz zusammen. „Semir... soll ich fahren?“, fragte er dann vorsichtig an. Dieser nickte nur und beide tauschten die Plätze. Der Deutschtürke zitterte am ganzen Körper und der ganzen Fahrt über änderte sich sein Zustand gar nicht. Im Gegenteil, es wurde noch schlimmer, je mehr sich der Wagen gegen den starken Wind und die starke Witterung wehrte. „Ben... ich halt das hier drin nicht mehr aus. Halt bitte an... Ich muss hier raus.“, kam es stoßend von Semir und er packte sich an seinen Hals. „Alles in Ordnung?“, kam es vorsichtig von Ben. „Bitte... halt an. Ich kriege keine Luft mehr.“, kam es fast hyperventilierend von Semir. Sofort fuhr Ben auf den nächsten Rastplatz und Semir sprang aus dem Wagen, noch ehe die Räder standen. Er ging einige Meter und atmete tief die kühle Luft ein. Die Panik in ihm klang langsam wieder ab und er beruhigte sich wieder. Das Zittern verschwand und der Schweißausstoß verringerte sich. „Semir...“, kam es vorsichtig von Ben. Der junge Hauptkommissar kam auf seinen Kollegen zu und setzte sich neben ihn. „Ben... ich kann nicht mehr.... ich kriege Panik, wenn ich mich ins Auto setze. Was, wenn das so bleibt? Was, wenn ich meinen Job nicht mehr machen kann? Ich bin kein Schreibtischhengst. Ich will draußen sein. Wie kann ich das, wenn ich im Auto Erstickungsanfälle bekomme?“, kam es von Semir. Ben sah ihn an. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte.

    Schweigend saßen sie nebeneinander und starrten in den Himmel. „Semir... was sollen wir jetzt machen? Ich meine, du musst nach Hause. Andrea wartet.“, kam es von Ben und Semir sah ihn nur an. Wie sollte er nach Hause, wenn ihm im Auto immer die Luft abgeschnürt wurde. „Ich werde es noch mal versuchen. Es ist ja nicht mehr weit, bis nach Hause.“, kam es dann von Semir und er stieg ein, schnallte sich an, doch im nächsten Moment war das Gefühl wieder da. Das Zittern war das erste Anzeichen, dann die Schweißausbrüche und die Atemknappheit. „Semir... hältst du es wirklich aus?“, fragte Ben besorgt und Semir nickte nur. Der junge Hauptkommissar startete den Wagen und fuhr los, versuchte dabei den Wagen ruhig zu halten und fuhr vorschriftsmäßig. Doch Semir ging das nicht schnell genug. „Ben... bitte bring mich schnell nach Hause... Ich kann nicht mehr.“, stieß er aus und fasste sich an seinen Hals. Besorgt sah Ben zu Semir, der sich immer mehr an den Hals fasste und wirklich Beklemmungen zu haben schien. „Du solltest mit Freiwald sprechen.... das geht so nicht..“, bat er. Semir nickte nur. Als er endlich daheim war stieß Semir ein Seufzen aus. „So kann ich nicht arbeiten... aber das schaffe ich...und zwar schneller als du denkst.“, versprach er und ging ins Haus, während Ben die Arbeit aufnahm. Er ahnte dort noch nicht, wie schnell Semir seine Angst vor dem Autofahren verlor und das Gina und Angela der Grund dafür waren.

    Semir spürte, dass die Frau ihn hasste. Sie musste ihn hassen, schließlich hat er ihren Mann bei einem Unfall getötet. „Frau de Gusi... es... ich...“, stammelte Semir wirr vor sich her. Wo sollte er nur ansetzen. „Ich bitte sie, verzeihen sie mir. Ich habe ihnen ihren Ehemann genommen. Das ist nicht wieder gut zu machen.“, erklärte Semir dann und sah die Frau mit einem schweren Blick an. Angela stand da, die Arme vor ihrem Körper verschränkt und sah in die Richtung zu dem Mann. Sie sah ihn nicht direkt an, eher an ihm vorbei. Noch konnte sie ihn nicht in die Augen sehen. „Sie haben mir meinen Mann und meine Tochter genommen und glauben sie, dass es mit dem Wort Verzeihung abgetan ist?“, fauchte sie wütend und trat einen Schritt auf Semir zu. Dieser blieb wie angewurzelt stehen. „Meine Tochter liegt im Koma und die Ärzte wissen nicht einmal, ob sie wieder ganz gesund wird. Sie haben nicht nur meinen Mann genommen. Sein Sohn wird nun auch niemals seinen Vater kennen lernen. Wissen sie, wie schwer es sein wird, dem Jungen zu erklären, dass sein Vater durch die Schuld eines Polizisten... noch dazu eines Hauptkommissars... tödlich verunglückt ist?“, fauchte sie und hatte wieder Tränen in den Augen. Beklommen stand Semir da und ließ die Frau sich an ihm abreagieren.

    Langsam aber sicher reagierte sich Angela ab. Eigentlich wollte sie ihm doch zuhören und ihn nicht beschimpfen, aber als sie ihn dort stehen sah und dann erfuhr, dass er Hauptkommissar war... ein Hauptkommissar sollte es doch besser wissen, dachte sie. „Frau de Gusi... ich kann ihren Mann zwar nicht mehr lebendig machen, aber ich kann.... nein, ich möchte ihnen helfen über die schwere Zeit hinweg zu kommen.“, versuchte Semir und schien damit nicht die richtigen Worte getroffen zu haben. Im nächsten Moment spürte er nur noch das Schmerzen seiner linken Wange. Die Frau hatte mit all ihrer Wut zugeschlagen. „Glauben sie mir, wenn ich Hilfe brauche, dann sicher nicht von ihnen und nun gehen sie bitte.“, fauchte sie Semir an und drehte sich wieder um. Eine Weile blieb der Kommissar noch stehen. Dann griff er in seine Jackentasche und holte seine Karte hervor. Mit seinem schwarzen Kuli notierte er seine Handynummer auf der Karte und legte sie der Frau unter die Handtasche und zwar so, dass sie das kleine Kärtchen nicht übersehen konnte. „Falls sie es sich anders überlegen.“, meinte Semir dann und blieb noch einen Moment, doch als die Frau keine Regung zeigte, zog er sich aus dem Zimmer zurück. Angela hörte, wie die Tür ins Schloss fiel und drehte sich um. Ihre aufgestaute Wut legte sich langsam wieder. Ihr italienisches Temperament hatte doch einen stärkeren Einfluss auf sie, als sie sich zugestehen wollte. Immerhin war sie zwar nur Halbitalienerin, aber sie hatte eindeutig das Temperament ihrer Mutter geerbt. Sie wollte den kleinen Mann gar nicht schlagen, aber als er diese... diese Worte über die Lippen brachte, platzte es aus ihr heraus. Langsam ging sie zum Tisch und nahm die Karte an sich. Eine saubere Handschrift, dachte sie, als sie die fein säuberlich notierten Zahlen sah. Sie steckte die Karte ein. Würde sie sein Angebot annehmen?

    Ben sah auf, als Semir zurückkam. „Und?“, wollte er wissen und sah seinen Partner an. Dieser schaute ihn an. Deutlich war die Rötung auf der Wange zu erkennen. Angela hatte mit einer deutlichen Wut zugeschlagen. „Hat sie dich...“, Ben deutete auf die errötete Wange. Semir nickte nur. „Ich habe ihr meine Karte da gelassen, falls sie Hilfe braucht.“, erwiderte der Deutschtürke. „Semir, ist das wirklich so eine gute Idee? Ich meine, du hast doch schon mit deiner Familie so wenig Zeit wegen unseres Jobs und jetzt bietest du einer Frau Hilfe an, deren Mann bei einem Unfall getötet wurde.“, meinte Ben nur, doch Semirs Entschluss stand fest. „Ben... nur durch mich ist es zu diesem Unfall gekommen. Ich muss wenigstens einen Teil meiner Schuld wieder gut machen. Das bin ich der Frau, der Tochter und dem Sohn schuldig.“, erklärte er. Ben nickte nur ergeben. „Wenn du dich da mal nicht verrennst oder dir Ärger mit Andrea einhandelst.“, meinte er, doch Semir hörte ihm gar nicht zu. Er sah nur durch das Fenster auf die Intensivstation, wo das kleine Mädchen lag. „Wegen mir…liegt sie dort.“, sagte er leise. Ben schüttelte den Kopf. „Hör endlich auf…verdammt es war ein Unfall!!“, fauchte er ihn so wütend an, das Semir ihn erstaunt ansah. „Ich weiß es… aber ich kann diese Frau da drinnen sehr gut verstehen… es war eine dämliche Idee hier her zu kommen…“, gab Semir wieder. In diesem Augenblick kam Kim und Dr. Freiwald auf sie zu. Semir drehte sofort um. „Die haben mir noch gefehlt.“, stöhnte er. Ben hielt ihn fest. „Nee…du haust nicht ab…“, sagte er. „Ben bitte…du bist mein Freund… ich kann da nicht noch einmal rein…das halt ich nicht aus…“, flehte Semir regelrecht. Ben blieb stur.

    ol also wirklich Chris.....da warten wir sooooooo lange für soooooo ein kurzes Stück? Nee so nicht..mein Lieber...

    Wann kriegt Ben denn mal endlich eins auf die Mütze? Oder Semir? Das kenne ich doch gar nicht von dir

    11.02.2010 Infarkt

    Weil ein junger Fahrer einen Infarkt am Steuer seines Trucks erleidet, verunglückt er bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn. Chris und Semir können gerade noch eine Katastrophe verhindern und den Truck stoppen. Semir holt den Fahrer aus dem Führerhaus und reanimiert ihn zusammen mit Chris. Kurz darauf trifft die junge Rettungsärztin Julia Kamp am Unfallort ein und übernimmt den Trucker. Doch auf der Fahrt in die Klinik stirbt er. Dr. Kamp macht sich darauf schwere Vorwürfe. Nachdem Chris seinen Partner wegen eines heftigen Schnupfens nach Hause geschickt hat, recherchieren er und Frau Dr. Kamp nach Hinweisen, die den Tod des Truckers erklären können. Dabei findet Chris weitere unerklärliche Todesfälle, die dem des Truckers ähneln. Die Ärztin findet unterdessen im Blut des Toten einen unbekannten Medikamentenwirkstoff. Schließlich entdeckt sie auch noch einen Subkutanchip in der Leiche des Truckers. Doch als sie Chris bittet, ins Krankenhaus zu kommen, trifft der auf einen Unbekannten, der augenblicklich das Feuer auf ihn eröffnet und dann verschwindet. Mit ihm ist offenbar auch der Chip verschwunden. Bei Semir kommen Zweifel auf, ob Dr. Kamp nicht nur einen Schuldigen für ihren Kunstfehler sucht.

    Angela wachte gegen Abend auf. Sie schoss hoch, was der Kreislauf sofort mit Schwindel bestrafte. „Gina…“, stieß sie aus. Wie konnte sie schlafen, während ihr Kind im Koma lag? War Gina für sie schon tot? Nein….. sagte sie sich selbst. Sie wird wieder gesund…sie wird wieder ganz gesund… und gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder werden sie zu dritt alles meistern. Angela dachte auch an den Unfallverursacher. Wie sonderbar…dachte sie. Was musste in diesem Mann vorgehen? Wusste er, dass er ihr den Mann und die Tochter genommen hatte? Machte er sich Vorwürfe? War er betrunken, als er den Unfall gebaut hatte? Was musste der Mann gedacht haben, als er Gino dort im Wagen sah? Die kleine Gina…? Hatte er sich darüber Gedanken gemacht? Diese Fragen gingen ihr durch den Kopf. „Vielleicht sollte ich mit ihm reden?“, sagte sie zu sich selbst. Es klopfte an der Tür. „Ja bitte…“, rief sie. Der Doktor trat ein und hinter ihm eine junge, braunhaarige Frau. „Frau de Gusi hier ist eine Frau Krüger von der Polizei für sie und möchte mit ihnen sprechen.“, erklärte der Mediziner. „Wie geht es meiner Tochter?“, wollt jedoch die Italienerin wissen. „Besser, doch wir müssen sie noch beobachten. Ich werde sie rufen lassen, wenn es etwas neues gibt.“, erwiderte der Mediziner und ließ die beiden Frauen dann alleine. Kim sah die Frau kurz an, dann setzte sie zum Sprechen an. „Frau de Gusi... mein Name ist Kim Krüger von der Kripo Autobahn. Mein Kollege hat... er...“, Kim suchte nach den richtigen Worten. „Hat er meinen Mann auf dem Gewissen?“, wollte sie wissen und in ihrer Stimme schwang Wut, Zorn und Abscheu mit. „Frau de Gusi... bitte, meinem Kollegen tut es sehr, sehr Leid und er möchte es ihnen gerne persönlich sagen. Sind sie dazu bereit?“, wollte Kim wissen. Angelas Blick zitterte, ihr ganzer Körper bebte. Was sollte sie tun? Wie sollte sie sich verhalten? Sie wollte den Mann sehen, der ihren geliebten Gino, ihr Herz, aus dem Leben gerissen hatte. „Sind sie bereit, ihm gegenüber zu treten?“, wollte Kim wissen. Angela überlegte immer noch. Sollte sie diesem Mann gegenübertreten? Sollte sie sich anhören, was er zu sagen hatte? Was würde er sagen? Würde er sagen, dass es nur ein Unfall, ein dummer Zufall war? Dass ihr Mann zur falschen Zeit am falschen Ort war? Doch sie wollte ihn sehen. Sie wollte einfach.... nein, sie musste ihn sehen. „Ich will ihn sehen.“, kam es dann leise von Angela und sie sah Kim nur an. Sie nickte. „Wollen sie mit ihm alleine sein oder soll ein Arzt, ein Psychologe oder ich dabei bleiben?“, fragte Kim, da sie sich vorstellen konnte, wie unangenehm die Situation sein musste. „Nein, ich will das alleine machen... Bitte, ich muss es alleine machen.“, erklärte die junge Frau und Kim nickte. „Ich werde morgen mit meinem Kollegen hierher kommen.“, verabschiedete sich Kim und ging dann. Angela war verwirrt. Morgen... morgen würde sie dem Mann gegenüberstehen, der ihr das Liebste genommen hatte.

    Semir hatte sich weitestgehend beruhigt und sich auf dem Sofa hingelegt. Es war ein sehr unruhiger Schlaf. Immer wieder sah er den toten Mann vor sich und mitten im Traum drehte sich der Kopf des Mannes zu ihm, die Augen öffneten sich langsam und er hauchte ihm die tödlichen Worte entgegen. „Warum hast du mich getötet?“ Erschrocken fuhr Semir auf und schrie. Sein ganzer Körper zitterte und der Schweiß hatte seinen ganzen Pyjama durchtränkt. Sofort war Andrea da, die in der Küche gewerkelt hatte. „Semir... Schatz, alles okay?“, wollte sie wissen und näherte sich mit den Händen Semirs Schulter, doch als sie die Hand auf die Schulter ihres Mannes legte, zuckte dieser zurück und ließ sich wieder zurückfallen. „Andrea... ich... ich weiß nicht, ob ich das morgen schaffe.“, kam es wehleidig von ihm und das erste Mal seit dem Unfall sah er seine Frau wieder mit einem normalen Blick an. „Semir, du schaffst das und wenn Doktor Freiwald sagt, dass es der einzige Weg ist, dass du von diesem Trauma loskommst, dann solltest du es auf dich nehmen. So schwer es auch ist.“, kam es beruhigend von Andrea. Semir schmiegte sich langsam und vorsichtig an seine Frau und horchte, wie ihr Herz gegen die Brust schlug und in einem Augenblick dachte er, das Baby würde gegen die Bauch treten. Das war für ihn ein Zeichen. Er wollte wieder auf die Beine kommen. Allein schon wegen seiner Familie. „Semir?“, sprach Andrea ihren Mann an. „Es... es hat sich bewegt.“, kam es staunend, aber leise ihm. „Semir... es ist noch nicht zu spüren.“, lachte sie, doch Andrea war froh, dass Semir wieder eine andere Regung zeigte, als nur tagelanges Selbstmitleid.

    Aaron wusste nicht wie ihm geschah. Die Hände tasteten ihn ab. Natürlich fanden die Polizisten sein Heroin den er sich gerade gekauft hatte. „Hey ihr verdammten Bullen!!“, schrie Aaron und versuchte sich loszureißen, doch gegen die Beiden hatte er keine Chance. Hotte las dem Mann seine Rechte vor und ließ ihn dann von Dieter in den Wagen bugsieren. Er selbst setzte sich ans Steuer während Dieter neben Aaron saß. „Was soll das? Was ist denn der Grund?“, wollte Aaron wissen. Dieter grinste ihn an. „Bei der Durchsuchung habe wir das kleine Päckchen hier gefunden…Eigenbedarf was? Das sind, denke ich mal, mehr als 5 Gramm.“, kam von Dieter grinsend. „Das ist mein Wochenbedarf… das ist nicht verboten!!“, widersprach Aaron. „Ach echt… dann gelten für dich vielleicht andere Gesetze als ich sie kenne.“, erwiderte Hotte. Aaron sah ihn grimmig an. „Damit bin ich heute Abend eh wieder draußen…“, knurrte er. „Darauf würde ich nicht wetten. Immerhin haben Sie einen Unfall in der Innenstadt verursacht…“, erklärte Dieter. „Das war euer Kollege, der mich verfolgt hat!! Damit hab ich nichts zu tun!! Wenn er mich nicht verfolgt hätte, dann…“, Aaron verstummte. Dieter grinste breit. „Das kann man als Geständnis werten. Damit ist Semir aus dem Schneider…“, gab er bekannt. Hotte nickte. „Ja… das reicht…“, stimmte er zu.

    Ben führte Semir zu Auto. Das gesamte Gesicht war geschwollen und Semir konnte kaum was sehen. „Die haben dich ganz schön bearbeitet was? Warst du wieder unfair und hast es mit ner Fußballmannschaft aufgenommen?“, versuchte Ben zu scherzen. „Nein… Paschelke und zwei seiner Freunde reichten. Die haben mich zusammen getreten.“, erwiderte Semir tonlos. „Weiß Andrea, dass ich nach Hause komme?“, wollte er wissen. Ben nickte. „Ja ich habe sie informiert. Sie wartet auf dich. Übrigens will Aida immer noch den Schneemann mit dir bauen.“, erinnerte Ben ihn an sein Versprechen. „Der Schneemann… tja… vermutlich wollte das kleine Mädchen im Auto auch mit ihrem Vater einen bauen wollen…. Und wegen mir können sie es nicht.“, gab Semir leise zurück. „Semir! Es war ein Unfall… Verdammt, mach dich deswegen doch nicht so fertig!! Es ist Schlimm, aber vielleicht hat der Mann ja auch nicht aufgepasst!“, fauchte Ben wütend. Semir drehte seinen Kopf zu ihm. „Nein… so einfach ist das nicht Ben… Ich könnte sogar verstehen, dass Andrea mit Aida von mir weg geht. Wer will schon mit einem Mörder zusammen sein.“, erwiderte Semir. „Hör mal… du bist kein Mörder… du hast lediglich einen Unfall verursacht und der andere hatte kein Glück. Das passiert ca. 60-mal am Tag. Du weißt doch selbst, wie oft so etwas vorkommt!!“, widersprach Ben. Wenig später hielt er vor Semirs Haus und brachte ihn rein. Andrea sah ihn erschrocken an. Sie nahm ihn fest in den Arm und drückte ihn an sich. Semir erwiderte die Umarmung nur zaghaft. „Liebst du mich denn noch?“, fragte er leise. Andrea sah ihn erstaunt an. „Ja sicher… bitte hör endlich auf, dich selbst fertig zu machen. Wir bekommen übrigens Besuch… in Kürze wird Frau Krüger mit Dr. Wildenberg herkommen.“, gab Andrea bekannt. Semir nickte. „Ich werde mich in den Keller verziehen… der Psychodoc kann mir auch nicht helfen.“, meinte Semir nur. „Nein…du wirst ein Gespräch mit ihm führen!“, befahl Andrea wütend. „Andrea… ich habe einen Menschen umgebracht… mir kann niemand helfen!“, fauchte Semir seine Frau an. „Damals als ich diesen Mann an der Tankstelle erschoss um dein Leben zu retten, dachte ich auch so. Du hast mir geraten einen Psychologen aufzusuchen und ich hab es getan. Das Gleiche verlange ich jetzt von dir!“, erklärte Andrea sachlich.

    Angela saß immer noch am Bett der kleinen Gina. Sie hatte sich seit dem Unfall nicht mehr geregt. Manchmal hatte Angela Angst dass sie nie wieder aufwachen würde. Sie ging in die Kirche im Krankenhaus, stellte Kerzen auf und betete für Gina. Sie bettelte, das die Kleine ohne Folgeschäden einfach aufwachen würde und mit ihr gemeinsam Weihnachten feiern könnte. Sie hatte es sich so innig gewünscht… Angela wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Ein Arzt betrat das Zimmer. „Frau de Gusi… Sie sollten jetzt auch mal schlafen. In Ihrem Zustand brauchen Sie auch Ruhe… Wir können gern ein Bett für Sie bereitstellen, aber ich möchte, dass Sie sich hinlegen…bitte.“, redete der Mann auf sie ein. Angela hatte große dunkle Ringe unter den Augen. Sie nickte. Der Mann hatte Recht… sie musste schlafen und an den kleinen Gino denken, den sie unter ihrem Herzen trug. Angela legte sich in den kleinen Ruheraum der Ärzte und schlief alsbald ein. Sie schlief unruhig. Immer wieder hatte sie ihren Mann vor Augen und die kleine Gina, wie sie vor ein paar Tagen noch zusammen den Weihnachtsbaum ausgesucht hatten. Und jetzt... jetzt war er tot und ihre kleine Tochter lag auf der Intensivstation. Immer wieder tanzten die Bilder vor ihrem Auge herum und sie schreckte schreiend aus dem Schlaf hoch. Der Arzt kam zu ihr und hielt sie fest. „Frau de Gusi... sie haben nur schlecht geschlafen. Soll ich ihnen eine Beruhigungsspritze geben?“, fragte er und die Frau nickte langsam. Der Arzt zog eine Spritze mit der Medizin auf und ließ die Flüssigkeit in die Blutbahn der Frau hineinfließen. Langsam beruhigte sich Angela de Gusi wieder und fiel in einen traumlosen Schlaf.

    Ben lief nervös auf und ab. „Hartmut, hast du schon irgendwas? Das kann doch nicht so lange dauern?“, fragte er fauchend und trank einen Kaffee nach den anderen. „Ben... setz dich hin und hör auf, meinen Kaffee in dich hinein zu schütten, als wäre es Wasser.“, erwiderte der Techniker fauchend. „Für meinen Geschmack ist das Wasser.“, kam es nur murrend vom jungen Hauptkommissar. Hartmut schüttelte nur den Kopf und konzentrierte sich weiterhin auf seine Arbeit. Plötzlich zeigte der Computer einen Fund an. „Hier Ben, ich hab was.“, meinte er und sofort war der Kommissar bei ihm und schaute dem Techniker aufgeregt über die Schulter. „Aaron Speck…. Glockengasse 3…das passt… Druck mir alles aus!!“, forderte Ben. „Hey.. nun warte mal… der Kaffee scheint dir mächtig den Kopf zu …“, fing Hartmut an. „Nicht reden, machen! Semir will nach Hause!“, faucht Ben zurück. Hartmut zuckte mit den Schultern und druckte Ben das aus was er wünschte. Wenig später war Ben weg. Hartmut schüttelte nur etwas unverständlich den Kopf. Doch er konnte Ben auch verstehen… immerhin ging es hier um Semir. Er stand auf, machte sich neuen Kaffee und dann wieder an die Arbeit.

    Leon Hochberg war einer der Wachleute im Gefängnis und trat seinen Dienst an. „Hey… na alles klar Fritz?“, wollte er von seinem Kollegen wissen, den er ablöste. „Wir haben heute einen Neuzugang. Einen Polizisten, der wegen einem Unfall hier einsitzt…“, erklärte Fritz. „Ach echt.. der Arme…. In welche Zelle denn?“, wollte Leon wissen. „Zelle 67 im Block D. Bei diesem Paschelke und seinen Freunden.“, meinte Fritz nur und zog sich um. „Bei dem Paschelke…spinnst du eigentlich total? Der Typ hat keine Chance zu überleben…“, stieß Leon aus und rannte direkt zum Zellenblock. Er hörte das Grölen und die Anfeuerrufe aus den Nachbarzellen. „Mach den Bullen kalt!!“, hörte er einen der Männer rufen. Sofort gab Leon Alarm. Wenig später drangen sie mit vier Männern in die Zelle und rissen Paschelke und Konsorten von dem am Boden liegenden Mann weg. „Oh mein Gott…“, stieß Leon aus. „Den Arzt!!“, schrie er nach hinten. „Wir bringen ihn raus…“, gab Mark, ein weiterer Wachmann an. Leon nickte und zog Semir vorsichtig aus der Zelle. „Hey… das ist bloß ein Bulle…“, lachte Paschelke. Leon ging zu ihm. „Für die Aktion bekommst du Einzelhaft…ich warne dich…. Das bringt dir noch ein paar Jahre mehr ein…Du bist Abschaum!!“, fauchte er ihn an. Paschelke lachte nur. Der Arzt kümmerte sich vor der Zelle um den bewusstlosen Mann, der aus unzähligen Wunden blutete. Paschelke hatte ihn mit einem Messer bearbeitet und ein paar Schnitte, die zwar nicht gefährlich, aber sicher schmerzhaft waren. „Ins Lazarett!“, forderte der Arzt. „Das heißt Krankenstation…“, ermahnte Mark ihn. „Ist mir egal! Ins Lazarett!“, wiederholte der Arzt. Während Leon die Sachen von Semir nahm, brachten ihn die Anderen ins Gefängniskrankenhaus.

    „WAS?“ fauchte Kim entsetzt ins Telefon, als der Direktor der Vollzugsanstalt sie anrief. „Es tut uns Leid, aber für uns war Gerkhan wie jeder Andere…wie konnten wir denn ahnen, das Paschelke und Gerkhan sich kannten?“, redete er sich raus. „Wie geht es Herrn Gerkhan?“, wollte sie wissen. „Er ist bei Bewusstsein. Zwei Rippen sind gebrochen und er hat ein paar Schnitte in den Armen und im Gesicht. Frau Krüger…. Es tut mir wirklich Leid, dass so etwas passiert ist… aber es wird sicher Konsequenzen für Paschelke haben….“, versprach der Mann. „Herr Paulsen…. Es wird sicher nicht nur für Paschelke Konsequenzen haben, sondern auch für Sie… dafür werde ich sorgen, das verspreche ich Ihnen und jetzt lassen Sie Herrn Gerkhan umgehend ins Krankenhaus bringen!!“, fauchte Kim Krüger wütend und kannte den Hörer auf. Verdammt was für ein Arsch…..dachte sie. Sie griff erneut zum Telefon und rief Ben an. „Herr Jäger….Soeben hatte ich einen Anruf aus dem Gefängnis…Semir ist von mehreren Gefangenen Krankenhausreif geschlagen worden…“, erklärte sie leise. „Was? Verdammt….ich bin auf dem Weg zu einem Verdächtigen… bitte sorgen Sie dafür, dass Herzberger und Bonrath zur Glockengasse 3 zu einem gewissen Aaron Speck fahren. Hartmut hat seine Fingerabdrücke auf der Flinte gefunden. Festnehmen und zur Wache bringen. Ich fahre ins Krankenhaus zu Semir.“, gab Ben durch. „Alles klar…ich kümmere mich drum.“, versprach Kim. Sie rief Hotte und Dieter an und diese versprachen, sich umgehend zu der Wohnung des Verdächtigen zu begeben.

    Semir wurde von den Kollegen nach Ossendorf in das Gefängnis gefahren. Sein Blick war, seit dem Morgen, unverändert. Noch immer starrte er geradeaus und sah weder nach links oder nach rechts. Das große Tor öffnete sich und der Wagen fuhr in den Innenhof. Dann wurde gestoppt und Semir von den Beamten nach draußen in die Kälte gezogen. Ohne ein Widerwort ließ er sich vorwärts drücken. „Was bringst du heute, Wagner?“, fragte einer der Vollzugsbeamten hinter einem Trenngitter. „Einen Raser... Unfall mit Todesfolge.“, erwiderte er und sah herablassend auf Semir herunter. Dieser sah nur geradeaus und immer wieder liefen ihm die Tränen stumm die Wange entlang. „Okay, dann soll er mal alles abgeben, was er an Wertsachen dabei hat und wir suchen ihm dann ein hübsches Zimmer.“, meinte der Beamte verächtlich und reichte durch den kleinen Schlitz einen braunen Briefumschlag. „Hier... alle Wertgegenstände rein.“, fauchte Wagner und hielt Semir den Briefumschlag hin. Ihm wurden die Handschellen aufgeschlossen und ohne jegliche Regung tat Semir, was von ihm verlangt wurde. Einzig seinen Ehering wollte er nicht ablegen. „Den auch, bitte.“, kam es fordernd von dem Beamten und deutete auf den Ringfinger von Semir. Energisch schüttelte Semir den Kopf und hielt seinen Ring fest. Das konnten sie nicht von ihm verlangen. Nein, das war das einzige, was er von Andrea besaß und was ihn an seine Familie erinnerte, sie immer bei ihm zu haben. „Willst du nicht? Wir können auch anders.“, fauchte der Beamte und winkte zwei weitere Vollzugsbeamte heran, die versuchten, Semir den Ring abzunehmen. „Nein.“, schrie er und wehrte sich heftig dagegen. „Seien sie vernünftig, Gerkhan, und geben sie uns den Ring.“, schrie Wagner und griff mit ein. Beinahe brachen sie Semir die Hand und den Finger, doch dann bekamen sie den Ring auch so. Semir hielt sich seine schmerzende Hand und sah den blässlichen Streifen über seinem Ringfinger. „Ich seh schon. Wir beide werden viel Freude miteinander haben.“, lachte der Wärter, der vor ihm stand und grinste mit einem hämischen Lachen Semir an.

    Ben saß derweil am Computer und arbeitete die Akten durch, die die Kollegen vom Raub beim Juwelier angelegt hatten. Viel war es nicht. Der Mann war maskiert und schien ziemlich nervös zu sein. Durch die dichte Bekleidung fielen auch jegliche Merkmale, wie Tattoo oder anderer Schmuck vollkommen weg. Einzig die Fingerabdrücke auf der Schrotflinte waren ein Anhaltspunkt, doch da sie durch Semirs Eingreifen zum großen Teil verwischt worden waren, blieb nur ein Teilabdruck zurück, den die Kollegen aber nicht zuordnen konnten. „Ein Fall für Hartmut.“, dachte Ben, nahm das Beweisstück und fuhr damit zu Hartmut in die KTU.

    „Hartmut!!!“, schrie er laut. „Ja, hier hinten!“, kam zurück. „Ich brauche sofort die Fingerabdrücke hier von der Flinte!“, erklärte Ben. „Ja sicher... kannst du haben. Leg mir das Ding da hin. Ich ruf dich an.“, gab Hartmut zurück. „Ich warte…Hartmut… es geht um Semir!“, erklärte Ben weiter. Hartmut sah endlich von seinem Mikroskop hoch. „Hör mal Ben… jedes Mal wenn ich keine Zeit habe, dann tauchen du und Semir hier auf und macht auf ganz dringend... und wenn ich es dann erkläre, dann habt ihr keine Zeit. Was ist denn jetzt so wichtig?“, maulte Hartmut. „Es geht um Semir…. Er hat einen Unfall gebaut, weil...“, fing Ben an. Hartmut lachte leise. „Ist doch nichts neues… Semir baut ständig Unfälle…“, meinte er nur. Ben sah ihn an. „Ich lache morgen darüber oder wenn Semir aus dem Gefängnis ist.“, fauchte Ben wütend. Das Lachen von Hartmut erstarb. „Was? Wieso Gefängnis?“, wollte er wissen .Ben erzählte ihm, was passiert war. Sofort ließ Hartmut alles liegen und machte sich an die Sicherung der Abdrücke. „In fünf Minuten hab ich das Ergebnis!“, gab Hartmut bekannt. Ben lief derweil auf und ab. Doch das machte den Techniker nervös. „Man Ben! Setz dich hin!“, fauchte er ihn an. „Semir…ist im Knast… er hat völlig abgeschaltet….“, murmelte er. „Kein Wunder… ich meine immerhin ist ein Mensch gestorben und ein kleines Mädchen liegt im Koma. Da würde ich auch abdrehen. Ausgerechnet er…“, meinte Hartmut nur. „Hast du schon was?“, wollte Ben wissen. „Noch nicht… der Computer sucht noch... aber wenn der Typ bekannt ist, dann finden wir ihn auch.“, versprach Hartmut.