Andrea weinte leise. „Mama...warum weinst du?“, riss Aida sie aus den Gedanken. „Nichts... mein Schatz...es ist nichts... mir ist nur etwas in Auge geflogen.“, redete sie sich raus. „Wo ist Papa?“, kam die nächste Frage. Aida hatte es so genossen, dass Semir soviel Zeit für sie hatte, doch nun.... ja wo war er? „Papa kommt gleich wieder...“, versprach sie. Doch war es wirklich so? Seit einigen Tagen war er mehr bei Angela und Gina als bei ihr und Aida. Dabei waren sie doch wohl viel wichtiger als diese Frau...Eifersucht...da war sie. Was, wenn Semir sich in diese Frau verliebte? Was wenn er mehr Gefühle für sie bekam? Würde er sie und Aida dann verlassen? Die Angst und die Eifersucht machten sich in ihr breit. Sollte sie ihn anrufen oder sollte sie ihm nachfahren? Zweifel an Semirs Treue traten deutlich hervor. Die Angst ihren Ehemann an diese... diese ... sie suchte die richtigen Worte... diese Frau zu verlieren, sie war stärker, als es jemals der Fall war. Semir hatte in seinem Beruf oft mit hübschen Frauen zu tun, doch keiner war er bisher so hörig geworden, wie dieser Angela. Sie hatte ihm einer Gehirnwäsche unterzogen, das stand für Andrea fest. Sicher fing sie Semir mit seinen eigenen Schuldgefühlen ein und würde das ausnutzen. Andrea versuchte sich eine klare Erklärung für Semirs Verhalten zu Recht zu legen, um sich von der Eifersucht abzulenken, doch das ging nicht. Sie schwang unweigerlich mit. Was sollte sie nur tun? Wenn sie Semir direkt darauf ansprach, dann würde er sie wahrscheinlich verlassen. Sie musste sich einen ... Nein, sie musste mit Doktor Freiwald sprechen und ihm erzählen, was hier passierte. Nur er und Ben... ja Ben musste ihr auch helfen. Dieser ließ sich aber in der letzten Zeit hier nicht mehr sehen. Warum verstand Andrea nur zu gut. Dennoch nahm sie sich Aida und suchte die Karte von Doktor Freiwald und fuhr mit ihrer kleinen Tochter in die Stadt, ohne Semir eine Nachricht zu hinterlassen. Er sollte sich Sorgen machen, damit er sah, dass er noch eine Familie hatte, um die er sich mehr kümmern sollte.
Semir sah Angela nur an. „Das... das kann ich nicht.“, stammelte er und sah auf das kleines Mädchen, dass auf seiner Spieldecke saß und mit großen Augen sich zu Semir umdrehte, als dieser im Zimmer stand. Schnell drehte er sich um und sah Angela flehend an. „Angela... bitte zwing mich nicht dazu. Ich ... ich habe selbst eine Tochter und eine wunderbare Frau, die ich in den letzten Tagen zu viel vernachlässigt habe, weil ich bei jedem Telefonanruf von dir gesprungen bin, wie ein unter der Knute stehender Schoßhund.“, versuchte er zu erklären. Funkelnd sah die Italienerin ihn an. „Du hast mir meinen Mann genommen und meiner Tochter den Vater, also wirst du auch deine Schuld begleichen und meiner Gina ein Vater sein.“, zischte sie und sah Semir wie besessen an. „Nein... nein, das kann ich nicht und das werde ich nicht. Hör zu, ich... ich habe dir meine Hilfe angeboten, aber so langsam bekomme ich den Eindruck, als wolltest du mich nur quälen, mich fertig machen für das, was ich dir angetan habe.“, versuchte Semir, doch Angela lachte nur verächtlich. „Glaubst du das wirklich? Ja Semir, das war in den ersten Tagen so, aber nun...“, sie kam dicht an Semir heran, umschlang ihn mit ihren Armen. „Nun brauche ich dich Semir.“, kam es liebevoll von ihr und ihre Lippen näherten sich langsam seinem Hals. Doch Semir drückte sie weg, befreite sich aus ihrem Klammergriff. „Nein, das geht nicht. Das ist falsch, was ich hier mache.“, stammelte er und fuhrt sich durch seine Haare. Doch wenn er geglaubt hatte, dass Angela jetzt so einfach aufgab, hatte er sich total verrechnet. Das italienische Temperament wachte nun vollkommen in ihr auf und fixierte Semir durch die Augen.
Doktor Freiwald hatte gerade einen Termin hinter sich gebracht, als die Tür aufging und seine Sekretärin kurz den Kopf hereinstreckte. „Verzeihen sie, Herr Doktor, aber hier ist eine Frau Andrea Gerkhan und möchte sie dringend sprechen. Sie sagt, es geht um ihren Mann.“, präzisierte die Dame. Der Psychologe sah auf und nickte. „Sie soll reinkommen und bitte dann keine Störungen, während ich mit der Frau rede.“, mahnte der Doktor. Nickend verließ die Sekretärin das Büro und wenige Minuten später trat Andrea ein. „Herr Doktor... sie müssen mir helfen. Es geht um Semir.“, fing Andrea an und trat mit Aida auf dem Arm in das große Büro des Mannes ein. Dieser begrüßte sie mit einem festen Händedruck und strich Aida über den Kopf. „Wie geht es ihrem Mann?“, wollte Freiwald wissen und ließ sich in seinen Stuhl zurückfallen, schob dabei sein Mittagsimbiss, einen Apfel und etwas Bananenbrot mit Käse, zur Seite. „Ach, Semir gefällt mir gar nicht mehr. Diese Angela....“, Andrea machte eine kurze Pause, das sie schon wieder die Wut in sich aufkochen fühlte. „Diese Frau macht ihm das Leben direkt zur Hölle. Sie ruft ihn an und lässt ihn quer durch die Stadt kommen. Heute morgen hat sie angerufen und von Semir verlangt, dass er zu ihr kommt.... er ist im Auto hingefahren.“ Der Arzt sah erstaunt auf. „Er... er ist wieder Auto gefahren?“, kam es erstaunt von ihm. Andrea nickte. „Ja aber….er gibt uns für sie auf. Er tut alles für diese Angela und Gina aber uns lässt er links liegen…“, erklärte Andrea. Freiwald verstand. „Sie haben Angst, dass er Sie und Aida aufs Abstellgleis stellt?“, wollte er wissen. Andrea nickte.