Sarah und Christopher kamen am nächsten Morgen gemeinsam ins Hotel. Vorab schon hatte sie mit ihrem Chef gesprochen und dieser hatte nichts dagegen, dass Christopher in der Küche arbeitete. Im Gegenteil, er stellte den Neuen ohne ein Wort der Erkundigung sofort ein. An Küchenpersonal scheint es wohl zu mangeln, dachte sich Chris und fing sofort an, sich in der Hotelküche nützlich zu machen. Immer unter den wachsamen Augen seiner kleinen Schwester, aber er schaffte alles, was man ihm antrug. Da das Frühstücksbuffet musste aufgebaut und angerichtet werden. Christopher nahm jede Platte und brachte sie auf die langen Tafeln im Essensaal, stellte frisch gepressten Saft, Milch und frischen Kaffee hin und half dabei, die Tische so umzustellen, dass alle genug Platz hatten und dennoch die Kellner durchkamen. „Man, was für ein Gewusel bei euch.“, keuchte er in einer Pause. „Ist denn immer so viel los?“, wollte er von Sarah wissen. Sie lachte wieder. „Keine Sorge, mir ging es am ersten Tag genauso, doch das wird bald zur Routine.“, meinte sie. Schon kamen die ersten Gäste, die Frühaufsteher, an die Tische und holten sich vom Buffet, nach was ihnen der Gaumen tropfte. Es lag ein reichhaltiges Angebot vor. Die Stunden verrannen und so war es nicht verwunderlich, dass bald auch Semir und Andrea zum Frühstück hinunterkamen.
Chris hielt sich an die Aufgaben die Sarah ihm gab. Es war sonderbar für ihn, die Arbeit von seiner kleinen Schwester aufgetragen zu bekommen, dennoch führte er sie durch. „Sag mal… habe ich nachher bei dir mal die Möglichkeit meine Mails abzurufen? Ich hab Rolf eine Mail geschrieben, weil ich bei ihm im Haus unterkommen wollte und nun würde ich gern wissen, ob er geantwortet hat.“, erklärte er. Sarah sah ihn an. „Rolf Steiner?“, harkte sie nach. „Ja sicher…. Wieso?“, wollte er nun wissen. „Chris… Rolf ist vor einem Jahr verstorben. Es gab einen Brand in seinem Haus. Die Feuerwehr vermutet, dass er mit einer Zigarette im Bett eingeschlafen ist.“, erklärte Sarah leise. „Rolf ist tot???“, kam erstaunt von ihm. Sarah nickte. „Ja…. Er starb an einer schweren Rauchvergiftung. Das Haus steht seitdem leer. Es ist unbewohnbar.“, erklärte sie weiter. „Oh man….das ist… Entschuldige… ich fühle mich nicht wohl… meinst du, ich könnte mir da draußen was vom Tisch nehmen und essen?“, wollte Chris wissen. „Nein… das ist nur für die Gäste. Aber du kannst dir schnell ein Brötchen machen.“, meinte Sarah. Sie drückte ihren Bruder an sich. „Es tut mir Leid, dass du es auf diese Art erfahren hast. Ich hab da gestern einfach nicht dran gedacht…“, entschuldigte sie sich. „Schon gut…“, lächelte Christopher. Dennoch fühlte er sich traurig. Rolf Steiner war ein Freund aus Kindertagen gewesen. Sie hatten den Kindergarten und auch die Schule gemeinsam hinter sich gebracht. Und dann war Christopher nach Deutschland gezogen. Aber der Kontakt brach nie ab. Nur im letzten Jahr, wo er mit Michaela zusammen war und für seine große Liebe einen Bruch begangen hatte, um ihr alles zu bieten, war kein Kontakt da gewesen. Und nun….war Rolf tot. „Meinst du… dass du mich nach Feierabend einmal zum Haus fahren kannst…ich möchte…ich möchte mich symbolisch verabschieden…“, fragte er traurig. Sarah nickte. „Ja sicher… das werden wir machen…“ versprach sie.
Ben stand gegen neun auf und nahm ein recht karges Frühstück. Gekochtes Ei, zwei Toast, ein Brötchen und gekochten Schicken. Dazu einen starken Kaffee. Dennoch genoss er es. Eigentlich gar nicht schlecht…staunte er. „Sagen Sie… wo ist denn die Kriminalpolizei hier?“, wandte er sich an seine Gastgeberin. Die bekam sofort einen Schrecken. „Sind Sie nicht zufrieden? Wir können sicher was ändern…dazu muss doch die Polizei nicht kommen.“, erklärte sie sofort. „Nein…nein… ich bin mit dem Zimmer total zufrieden und das Frühstück war das Beste was ich bisher bekommen habe.“, wiegelte Ben sofort ab. Es war absolut nicht gelogen. Er hatte ein wunderschönes Zimmer. Sogar Bad und Toilette waren vorhanden, der Fernseher und die Minibar fehlten, aber darauf konnte er auch verzichten. „Ja aber wenn Sie doch zufrieden sind, warum wollen Sie dann zur Kriminalpolizei?“, harkte seine Vermieterin nach. „Ähm…das hat nichts mit Ihnen zu tun. Mehr darf ich Ihnen aber nicht sagen.“, erklärte er freundlich. „Nun gut… Sie müssen die Straßenbahn nehmen. Damit fahren Sie bis zum Stephansdom und dann steigen Sie in den Bus Nr. 943 ein. Damit fahren Sie bis zur Hirtengasse. Dann laufen Sie in die Richtung weiter, in die der Bus fährt und gehen dann in die dritte Gasse… da sehen Sie dann schon das Schild…“, erklärte die nette Frau. Ben schrieb die Wegbeschreibung auf. „Ist ja fast ne Weltreise bis zu den Kollegen.“, murmelte er. „Na…so schlimm ist es nicht… aber Sie sehen was von der Stadt…“, lächelte die Frau. „Vielen Dank… Wien ist eine wunderschöne Stadt.“, gab er zu und trank seinen Kaffee. Nur eine halbe Stunde später ging er auf sein Zimmer und nahm die Akte von Christopher Klein. Diese packte er in seinen kleinen Rucksack. Anschließend machte er sich auf den Weg zu den Wiener Kollegen.