Beiträge von Elvira

    Sarah und Christopher kamen am nächsten Morgen gemeinsam ins Hotel. Vorab schon hatte sie mit ihrem Chef gesprochen und dieser hatte nichts dagegen, dass Christopher in der Küche arbeitete. Im Gegenteil, er stellte den Neuen ohne ein Wort der Erkundigung sofort ein. An Küchenpersonal scheint es wohl zu mangeln, dachte sich Chris und fing sofort an, sich in der Hotelküche nützlich zu machen. Immer unter den wachsamen Augen seiner kleinen Schwester, aber er schaffte alles, was man ihm antrug. Da das Frühstücksbuffet musste aufgebaut und angerichtet werden. Christopher nahm jede Platte und brachte sie auf die langen Tafeln im Essensaal, stellte frisch gepressten Saft, Milch und frischen Kaffee hin und half dabei, die Tische so umzustellen, dass alle genug Platz hatten und dennoch die Kellner durchkamen. „Man, was für ein Gewusel bei euch.“, keuchte er in einer Pause. „Ist denn immer so viel los?“, wollte er von Sarah wissen. Sie lachte wieder. „Keine Sorge, mir ging es am ersten Tag genauso, doch das wird bald zur Routine.“, meinte sie. Schon kamen die ersten Gäste, die Frühaufsteher, an die Tische und holten sich vom Buffet, nach was ihnen der Gaumen tropfte. Es lag ein reichhaltiges Angebot vor. Die Stunden verrannen und so war es nicht verwunderlich, dass bald auch Semir und Andrea zum Frühstück hinunterkamen.

    Chris hielt sich an die Aufgaben die Sarah ihm gab. Es war sonderbar für ihn, die Arbeit von seiner kleinen Schwester aufgetragen zu bekommen, dennoch führte er sie durch. „Sag mal… habe ich nachher bei dir mal die Möglichkeit meine Mails abzurufen? Ich hab Rolf eine Mail geschrieben, weil ich bei ihm im Haus unterkommen wollte und nun würde ich gern wissen, ob er geantwortet hat.“, erklärte er. Sarah sah ihn an. „Rolf Steiner?“, harkte sie nach. „Ja sicher…. Wieso?“, wollte er nun wissen. „Chris… Rolf ist vor einem Jahr verstorben. Es gab einen Brand in seinem Haus. Die Feuerwehr vermutet, dass er mit einer Zigarette im Bett eingeschlafen ist.“, erklärte Sarah leise. „Rolf ist tot???“, kam erstaunt von ihm. Sarah nickte. „Ja…. Er starb an einer schweren Rauchvergiftung. Das Haus steht seitdem leer. Es ist unbewohnbar.“, erklärte sie weiter. „Oh man….das ist… Entschuldige… ich fühle mich nicht wohl… meinst du, ich könnte mir da draußen was vom Tisch nehmen und essen?“, wollte Chris wissen. „Nein… das ist nur für die Gäste. Aber du kannst dir schnell ein Brötchen machen.“, meinte Sarah. Sie drückte ihren Bruder an sich. „Es tut mir Leid, dass du es auf diese Art erfahren hast. Ich hab da gestern einfach nicht dran gedacht…“, entschuldigte sie sich. „Schon gut…“, lächelte Christopher. Dennoch fühlte er sich traurig. Rolf Steiner war ein Freund aus Kindertagen gewesen. Sie hatten den Kindergarten und auch die Schule gemeinsam hinter sich gebracht. Und dann war Christopher nach Deutschland gezogen. Aber der Kontakt brach nie ab. Nur im letzten Jahr, wo er mit Michaela zusammen war und für seine große Liebe einen Bruch begangen hatte, um ihr alles zu bieten, war kein Kontakt da gewesen. Und nun….war Rolf tot. „Meinst du… dass du mich nach Feierabend einmal zum Haus fahren kannst…ich möchte…ich möchte mich symbolisch verabschieden…“, fragte er traurig. Sarah nickte. „Ja sicher… das werden wir machen…“ versprach sie.

    Ben stand gegen neun auf und nahm ein recht karges Frühstück. Gekochtes Ei, zwei Toast, ein Brötchen und gekochten Schicken. Dazu einen starken Kaffee. Dennoch genoss er es. Eigentlich gar nicht schlecht…staunte er. „Sagen Sie… wo ist denn die Kriminalpolizei hier?“, wandte er sich an seine Gastgeberin. Die bekam sofort einen Schrecken. „Sind Sie nicht zufrieden? Wir können sicher was ändern…dazu muss doch die Polizei nicht kommen.“, erklärte sie sofort. „Nein…nein… ich bin mit dem Zimmer total zufrieden und das Frühstück war das Beste was ich bisher bekommen habe.“, wiegelte Ben sofort ab. Es war absolut nicht gelogen. Er hatte ein wunderschönes Zimmer. Sogar Bad und Toilette waren vorhanden, der Fernseher und die Minibar fehlten, aber darauf konnte er auch verzichten. „Ja aber wenn Sie doch zufrieden sind, warum wollen Sie dann zur Kriminalpolizei?“, harkte seine Vermieterin nach. „Ähm…das hat nichts mit Ihnen zu tun. Mehr darf ich Ihnen aber nicht sagen.“, erklärte er freundlich. „Nun gut… Sie müssen die Straßenbahn nehmen. Damit fahren Sie bis zum Stephansdom und dann steigen Sie in den Bus Nr. 943 ein. Damit fahren Sie bis zur Hirtengasse. Dann laufen Sie in die Richtung weiter, in die der Bus fährt und gehen dann in die dritte Gasse… da sehen Sie dann schon das Schild…“, erklärte die nette Frau. Ben schrieb die Wegbeschreibung auf. „Ist ja fast ne Weltreise bis zu den Kollegen.“, murmelte er. „Na…so schlimm ist es nicht… aber Sie sehen was von der Stadt…“, lächelte die Frau. „Vielen Dank… Wien ist eine wunderschöne Stadt.“, gab er zu und trank seinen Kaffee. Nur eine halbe Stunde später ging er auf sein Zimmer und nahm die Akte von Christopher Klein. Diese packte er in seinen kleinen Rucksack. Anschließend machte er sich auf den Weg zu den Wiener Kollegen.

    ......danke Steffi für diese tollen Bilder. Na da hattest du dann ja doch einiges zu tun, wenn man das so betrachtet.... Klasse Arbeit....Klasse Bilder.....freu mich jedesmal für die Jahreszeit passend ... wie eine Schneekönigin wenn du hier einen Bericht und die Fotos veröffentlichst.....

    LG

    Elli

    Während der Fahrt überlegte er Toms Vorschläge. Einer Frau gibst du am Besten immer Recht. Ein sehr guter Vorschlag, musste Semir eingestehen, aber scheinbar schien dies nicht für Tom selbst zu gelten. Semir fuhr zügig durch die Düsseldorfer Innenstadt. Dann stand er vor der Adresse und suchte das entsprechende Namensschild. Fehlanzeige. Es gab kein Schild mit dem Namen Taubner. Etwas verwundert sah Semir sich um. Dann entschloss er einfach irgendwo zu klingeln. Der Türsummer ertönte nur kurz darauf. Im ersten Stock stand ein Mann, lediglich mit T-Shirt und kurzer Hose bekleidet und sah ihn wütend an. „Was liegt an?“ wollte er wissen. „Gerkhan… Kripo Autobahn. Ich brauche Ihre Hilfe. Herr Taubner soll hier im Haus wohnen… können Sie mir sagen wo genau? Auf den Klingeln steht es leider nicht.“ Bat Semir und zeigte seinen Ausweis. „Ganz oben…. Die dritte Tür. Aber besser gehen sie dem Stöhnen nach. Ist nicht zu verfehlen…“ kam als Antwort und schon fiel die Tür wieder ins Schloss. „Danke….“ murmelte Semir und sah nach oben. Es waren mindestens acht Stockwerke. Er sah sich suchen nach dem Fahrstuhl um. Er fand ihn und sah enttäuscht auf das Schild. „Außer Betrieb“. „Na super…..Sport ist Mord…“ stöhnte er und fing an die Treppen zu erklimmen.

    „Du kannst ja Semir fragen. Der kennt sich nämlich aus und er kennt mich sehr gut. Wir sind seit über vier Jahren Partner und verlassen…nein…wir müssen uns aufeinander verlassen können…ja wohl.. Semir!! Sag ihr doch mal, was…!“ forderte Tom auf ohne sich umzusehen. Doch von Semir kam nichts. Tom drehte sich verwundert um. „Semir?“ rief er fragend. Sein Partner war nicht da. „Wo ist er denn?“ fragte er und sah Ann-Katrin an. „Ich weiß nicht… ist doch dein Partner…aber er ist sicher lebensmüde, wenn er dir vertraut..“ murmelte sie beleidigt. „Nein…derzeit ist es unser Partner…“ berichtigte Tom sie. „Na und?. Ich bin nur Aushilfe. Er hat gerade irgendwas von einer Wohnung gelabert, aber ich weiß nicht genau…hab mich ja mit dir gestritten..“ knurrte sie genervt. „Das sagst du mir erst jetzt? „Was soll das denn? Wir jagen hier einen Menschen- und Drogenhändler und du hörst nicht richtig zu?“ fauchte er wütend. Wieder ging der Streit los. Andrea trat ein. „Also…wenn ihr wissen wollte wo Semir ist….der ist zu der Zweitwohnung von Hans Taubner gefahren. Geißglockenweg 3 in Düsseldorf.“ Gab sie bekannt. „Wieso fährt der denn allein?“ empörte sich Tom. „Weil ihr mit Streiten beschäftigt wart und einfach nicht zuhört…“ meinte Andrea neckisch. „Wir haben diskutiert und nicht gestritten…“ verteidigte Tom sich sofort. „Ja sicher….die Diskussion ist aber sehr laut…“ nickte Andrea wissend. Ann-Katrin nahm die Autoschlüssel und sah ihn an. „Na los….wir müssen auch hin!“ befahl sie. „ich fahre…du darfst auf den Rücksitz…“ widersprach Tom, nahm ihr den Autoschlüssel weg und verschwand. „Ich fahre selbst!“ fauchte Ann-Katrin. Sie nahm ihren Autoschlüssel und verließ ebenfalls die PAST.

    Sarah ging mit Chris in ihre Wohnung und richtete das Gästebett her. „Na dann mach es dir mal gemütlich. Und morgen spreche ich dann mit dem Hoteldirektor wegen des Jobs.“, meinte Sarah und strich ihrem Bruder fürsorglich über dessen Bartstoppeln. „Danke, meine Kleine. Womit ich dich verdient hab, weiß ich gar nicht.“, lächelte er und küsste sie auf die Wange. Sie grinste nur. „Enttäusch mich nur nicht. Das ist alles, was ich möchte.“, erwiderte sie und ließ ihren Bruder dann mit sich alleine. Er stellte die Tasche ab und sah sich in dem großräumigen Zimmer der großen Wohnung in der Altstadt um. Auf den Dächern war schon eine dicke Schicht Schnee gefallen und die Wiener Bürger schienen ihre alten Weihnachtsbäume durch die Straßen zu tragen und sie auf den irgendwo befindlichen Weihnachtsbaumfriedhöfen loszuwerden. Das alte Kopfsteinpflaster war geräumt und der Schnee türmte sich an den Seiten zu großen Bergen, an denen besonders Hunde und kleine Kinder ihren Spaß hatten. Die gerade angehenden Laternen spendeten allen Licht und die Menschen eilten durch die engen Straßen in ihre warmen Häuser hinein. „Chris... ich hab dir ein schönes Bad eingelassen. Ganz so, wie du es magst.“, rief Sarah plötzlich ins Zimmer hinein. „Danke dir.“, erwiderte er und ging gleich ins Bad. Er betrachtete sich im Spiegel und sah seine kleine, scheinbare Narbe, die ihm damals diese Schlampe von Polizistin zugefügt hatte, als er festgenommen wurde. Warum musste damals nur alles schief laufen, dachte er und betrachtete sich im Spiegel. Eigentlich müsste er sich für den Fall der Fälle vollkommen unkenntlich machen. Hm, den Bart und die Haare wachsen lassen und dann noch ein anderer Haarschnitt, das müsste doch helfen. Hier in Wien kannte ihn doch kaum jemand und das er sich verändern wollte, könnte er leicht seiner Schwester erklären. So stieg er in die heiße Wanne und wusch sich, fing danach an, sich seinen Bart soweit zu rasieren, dass er nur noch um den Mund reichte. So erkannte ihn bestimmt keiner mehr. Wirklich keiner?

    Ben kam am Flughafen an und ging direkt zu den Beamten der Bundespolizei. „Jäger, Kripo Autobahn. Sie hatten uns angerufen?“, meinte er zu dem Beamten. Dieser nickte und geleitete Ben in den hinteren Sicherheitsbereich. „Herr Jäger, wir haben dieses Video heute Mittag aufgenommen und jetzt erst sichten können. Ich denke, das wird sie interessieren.“, meinte der Beamte am Pult und spulte das entsprechende Stück zurecht und drückte dann Play. „Hier sehen sie die betreffende Person.“, meinte er und deutete auf den Bildschirm. Ben starrte wie gebannt hinauf und entdeckte ihn wirklich. „Verdammt, das ist Christopher Klein. Wissen wir, wo er hin wollte?“, fragte Ben und sah sich um. „Allerdings. Er hat die Maschine 12.48 Uhr nach Wien genommen.“, erklärte der Bundespolizist. „Oh shit.“, stieß Ben nur aus. „Ich nehme das Band mit. Schauen sie für mich doch bitte mal nach, wann die nächste Maschine nach Wien startet.“, erklärte Ben und verschwand Richtung PASt. Kim Krüger war noch da und so war es nicht verwunderlich, dass sie aufsah, als Ben in ihr Büro stürmte. „Herr Jäger, was führt sie denn zu so später Stunde noch hierher?“, wollte sie wissen. Ben lächelte nur, war jedoch außer Atem vom Rennen. „Hier, das haben die Kollegen der Bundespolizei aufgenommen, und zwar auf dem Flughafen Köln-Bonn.“, meinte er und legte es in den Recorder ein. Kim sah sich das Video an und stockte an genau der gleichen Stelle, wie zuvor Ben.

    Der nächste Tag brach an. Semir und Andrea waren mittlerweile schon zwei Tage hier im Hotel und für den dritten hatte er sich was ganz Besonderes einfallen lassen. Doch dazu musste er erst einmal erfahren, wohin er mit ihr fahren könnte. Max hatte da geniale Ideen und ließ ein Taxi vorfahren. Semir und Andrea stiegen ein. „Wo geht es hin?“, wollte Andrea wissen. „Nicht so neugierig.. es ist eine Überraschung für dich.“, versprach Semir. Sie fuhren in die Altstadt von Wien. Er und Andrea betraten das Haus des Meeres. Ein Zoo in der Wiener Innenstadt. Sie gingen zunächst durch die einzelnen Räume und bei einem Tier blieb Semir stehen. „Sieh mal… der sieht aus wie Ben, wenn er morgens aufsteht.“, lachte er und wies auf ein Weißbüscheläffchen, das seinen Namen daher hatte, weil er an Seiten jeweils ein weißes Büschel trug. „Sehr süß.“, nickte Andrea. Semir sah sie an „Du findest Ben süß?“, fragte er irritiert. „Nein.. das Äffchen… sei doch nicht schon wieder eifersüchtig.“, tadelte sie ihn lachend. „Ja lach du nur… was hältst du davon, wenn wir die spanische Hofreitschule besuchen?“, schlug Semir vor als sie den Zoo durch hatten. „Darf man da denn einfach so hin?“, wollte Andrea wissen. „Ich denke schon… wenn nicht…dann fahren wir halt im Riesenrad.“, grinste Semir nur. Er genoss die Stunden, die er mit Andrea allein war. Keine Arbeit, kein Druck, kein Stress. Einfach nur Erholung. „Ach so… den Stephansdom…der muss auch noch bestiegen werden und natürlich das Wiener Rathaus.. und dann gehen wir essen. Aber nicht nur in einem Restaurant, sondern im Donauturm. Du kannst von dort auf ganz Wien herunter sehen.“, strahlte Semir. Andrea sah ihn skeptisch an. „Woher weißt du das?“, harkte sie nach, denn Semir war eigentlich ein Kulturbanause. Er setzte sein schelmisches Grinsen auf. „Ich…habe Max gefragt…“, gab er zur und sah etwas verlegen zu Boden. „Semir Gerkhan… ich liebe dich…“, hauchte Andrea und gab ihn einen Kuss.

    „Wenn ich gewusst hätte, dass die Chefin das Streichholz holt, dann hätte ich auf die Hilfe vom LKA verzichtet!“ fauchte Tom wütend als sie mit Ann-Katrin in ihrem Büro waren. „Oh…das sagt der Richtige….Herr Habicht…immer noch sauer wegen damals?“ lachte Ann-Katrin angriffslustig. „Ähm…ich störe nur ungern, aber was bitte ist zwischen Euch vorgefallen?“ wollte Semir wissen. Tom sah ihn kurz an und wandte sich wieder an Ann-Katrin. „Ich habe dir schon damals gesagt, dass du so niemals den Kommissarsrang erhältst. Nicht mit dieser Tour..“ fauchte Tom sie an. „Ich bin bereits Hauptkommissarin… genau wie du und dein Kollege hier…Also komm mir nicht mit diesen aufgewärmten Dings…“ gab sie zurück. Semir sah von einem zum Anderen und fühlte sich irgendwie verloren. „Wenn ihr euch ausgezickt habt, könnten wir vielleicht mal zum Fall kommen und anfangen zu arbeiten…“ meinte er leicht angesäuert. „Nein….das wird jetzt endlich mal klar gestellt. Solange wird die Arbeit warten müssen…“ erwiderte Tom. „Ja sicher….ganz genau…Lass die Verbrecher doch einfach abhauen! Herr Kranich will erst einmal diskutieren, wer Recht hat…wie damals in der Schule..“ stöhnte Ann-Katrin. Semir schüttelte den Kopf und verließ das Büro. Andrea schien mitbekommen zu haben was dort abging und sah ihn mitleidig an. „Die kennen sich was?“ fragte sie. „Ja scheint ganz so. Und da sind scheinbar auch noch ungeklärte Sachen die ausgesprochen werden müssen. Nur ich will in dem Fall weiter kommen. Hast du noch was herausgefunden?“ wollte er wissen Andrea nickte und zog eine Akte hervor. „Ja also dieser Taubner hat noch ein Apartment in der Düsseldorfer Innenstadt. Geißglockenweg 2. Dort gab es bereits mehrere Anzeigen wegen Ruhestörung. Einer der Anwohner will sogar Schreie gehört haben. Die Kollegen vor Ort konnten jedoch nichts entdecken und Taubner behauptete lediglich den Fernseher zu laut gehabt zu haben. Du…Semir….ich finde unsere Streiterei ist blöd. Wie wäre es, wenn wir uns wieder vertragen…sagen wir bei einem tollen Essen zu zweit…mit Kerzenlicht…“ wollte sie wissen. Semir grinste. „Gerne…das würde mir jetzt auch noch fehlen, wenn wir uns streiten wer nun Recht hat und wer nicht… Es reicht wenn die Beiden da drinnen sich in den Haaren haben. Außerdem hätte ich eh Recht behalten…“ grinste Semir und küsste sie auf die Wange. „Du hättest Recht gehabt? Na gut…der Klügere gibt nach…“ lächelte Andrea und zog ihn an sich.

    „Ann-Katrin…ich habe dir damals nicht den Laufpass gegeben. Du wolltest plötzlich nichts mehr von mir wissen. Du haust ab…ohne mir irgendeinen Grund zu nennen und von Armin erfahre ich dann, dass du einen neuen Freund hast. Meinst du dass mich das nicht getroffen hat?“ fauchte Tom sie an. „Ach…jetzt bin ich wieder Schuld ja…du warst es doch, der diese Nadine ins Bett bekommen hat. Hast du dich nicht vor Georg damit geprahlt? Verdammt wenn ich damals direkt auf ihn gehört hätte, dann hätte ich mich nie mit dir eingelassen. Das war der schlechteste Sex den ich je hatte!“ konterte Ann-Katrin. „Was? Das ist doch wohl…du bist ….du bist abgegangen wie eine Rakete…und nach schlecht klang dein Tom…Tom...auch nicht..“ belehrte Tom sie. Sie bemerkten nicht, das Semir wieder in den Raum kam und stritten einfach weiter. „So….Leute…wir müssen so langsam wieder was tun. Tom ich habe hier die Adresse von…“ versuchte Semir sich durchzusetzen. „Natürlich hast du….Nicht nur Georg hat es mir erzählt…auch Egon und der lügt ganz sicher nicht!“ schrie Ann-Katrin. „ich hatte nie etwas mit einer Nadine? Welche Nadine denn? Georg und Egon haben dich reingelegt. Die waren doch eifersüchtig…“ belehrte Tom sie weiter. Semir wurde völlig ignoriert. „Hallo?!? Würdet ihr mir mal zuhören?“ bat er erneut. Doch die Streithähne gingen nicht auf ihn ein. Semir zog die Schultern hoch und fuhr allein los.

    Andrea sah auf als Tom und Semir zu ihr kamen. „Na…hat dir Herr Gerkhan seine Sorgen gebeichtet?“ fragte Andrea höhnisch und sah Semir strafend an. „Ja….und nein…aber das ist eure Sache. Hat die Chefin Besuch?“ lenkte Tom sofort auf ein anderes Thema. „Ja…eine Kollegin vom LKA die euch in dem Fall der Drogen- und Menschenhändler unterstützen soll, weil sie sich in dem Bereich bestens auskennt…“ erklärte Andrea. „Ach echt? War sie selbst im Mileau unterwegs oder wieso kennt sie sich so gut aus?“ harkte Semir etwas bissig nach. „Oh…ich vergaß dass es für Herrn Gerkhan keine Frau gibt, die besser ist als er…verzeihe mir Meister… aber auch wenn du es nicht glaubst…es gibt tatsächlich Frauen die sich auch in einem Männerberuf etablieren können. Außerdem wärest du as Prostituierte sicher aufgefallen..“ fauchte Andrea ihn an. „Das hat doch gar nichts damit zu tun….“ Fluchte Semir. Tom zog ihn zur Bürotür. „Denk an das was ich gesagt habe….Die Frau hat immer Recht..“ raunte er ihm ins Ohr. „Aber bei so einer Frau geht das nicht!! Sie hat nicht Recht! Und das muss auch sie akzeptieren!“ widersprach Semir. Tom drängte ihn ins Büro. „hör mal…. Wenn du dich mit Andrea vertragen willst, dann solltest du wirklich von dieser Konfrontationslinie weg gehen.“ Schlug Tom vor. Semir sah ihn skeptisch an. „Wie machst du das denn bei Frauen? Haben sie bei dir immer Recht?“ wollte er wissen. Tom nickte. „Ja sicher…sich mit Frauen anzulegen ist für uns Männer sehr gefährlich. Gib ihnen Recht und sie tun was du willst. Lenk sie sanft in die Richtung wo du sie haben willst….du wirst sehen…es klappt...“ grinste Tom, der stolz auf seine Frauenkenntnis war. „Ja bei anderen Frauen klappt es vielleicht, aber bei Andrea….sie ist…“ suchte Semir nach der richtigen Bedeutung. „Bei dir und Andrea würde ich jetzt vorschlagen drei oder Vier Wochen Funkstille einzulegen. Sich begrüßen ist okay…aber jedes private Gespräch solltest du vermeiden.“ Schlug Tom vor. Semir sah ihn gequält an. „Wie soll das denn gehen? Wir sind verheiratet….wir leben zusammen….wir sehen uns hier und zuhause….“ stöhnte er. Die Tür ging auf und Andrea steckte den Kopf herein. „Tom….ihr sollt zur Chefin kommen…“ gab sie bekannt.

    „Das geht bestimmt um diese Braut die uns unterstützten soll. Ich vermute dass die Frau nichts weiß. So ist es doch immer… sie geben an mehr zu wissen, als wir… aber in Wirklichkeit…“ Tom stoppte mitten im Satz als er das Büro von Anna Engelhardt betrat und die Person ansah, die dort im Besucherstuhl saß. Sein eben noch so heroisch aussehendes Grinsen verschwand binnen Sekunden aus seinem Gesicht. Semir bemerkte dies und sah ihn etwas verwundert an. „Das wird schwerer als ich es eigentlich dachte…“ murmelte Tom kaum verständlich. „Was? Wieso?“ wollte Semir ebenfalls leise wissen. „Erkläre ich dir später…“ kam zurück. „Semir…Tom…das ist Hauptkommissarin Ann-Katrin Windhölzer. Sie wird Ihnen beiden in dem Fall Taubner helfen. Frau Windhölzer…Semir Gerkhan…und Tom Kranich…aber den kennen Sie ja bereits..“ stellte Anna ihren Besuch vor. „Freut mich Herr Gerkhan…Hallo Tom.. Ich freue mich dich wieder zu sehen.“ Begrüßte Ann-Katrin die beiden Männer. Semir griff die ihm Zugestreckte Hand und erwiderte die Begrüßung. „Ja…ganz meinerseits…“ meinte er nur. Sein Blick ging zu Tom. „Ähm….hallo Ann-Katrin. Sag mir bitte, dass du nicht vorhast lange zu bleiben…“ stöhnte Tom gekonnt und bekam von Anna sofort einen warnenden Blick zugeworfen. „Nur keine Sorge…. Wir schließen den Fall gemeinsam ab und dann bin ich wieder weg. Länger würde ich es mit dir eh nicht aushalten..“ kam etwas schnippisch von Ann-Katrin zurück. Semir sah von einem zum Anderen. Er hatte irgendwie das Gefühl, dass hier extreme Spannungen herrschten. „Danke…Sie können sich nun mit den Informationen austauschen. Frau Windhölzer…. Wenn Sie etwas benötigen, wenden Sie sich an Frau Schäfer. Sie wird Ihnen sicher helfen können.“ lächelte Anna und komplimentierte die Drei aus ihrem Büro.

    „Das ist sehr nett, dass Sie uns unterstützten wollen. Und Sie kennen Herrn Kranich aus der Polizeischule?“ fragte Anna erstaunt. „Ja….. wir waren ein Herz und eine Seele. Leider sind die Wege nach der Ausbildung auseinander gegangen. Ich bin beim LKA gelandet und er bei der Autobahnpolizei. Nun ja.. da hab ich wohl dann den besseren Aufstieg gemacht…“ kam triumphierend von der Besucherin. Sofort sah Anna Engelhard sie strafend an. „Frau Windhölzer… ich denke es ist ziemlich egal in welchem Bereich oder welchem Revier man zugeteilt ist. Und mir ist natürlich auch bekannt, dass die Autobahnpolizei nicht gerade den besten Ruf hat, aber wir machen unseren Job und Herr Kranich ist ein äußerst korrekter Polizist“ erwiderte sie etwas wütend. „Ohhh…bitte verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, Frau Engelhardt. Ich sehe das genau wie Sie… aber Sie wissen nicht, was Herr Kranich mir versprochen hatte, als wir in der Schule waren…“ lächelte die hübsche dunkelhaarige Frau. „Nun das sollte Nebensache sein. Wir müssen vor allem die Bande stoppen die sich mit Drogen und Mädchen bereichern. Wir haben drei Mädchen tot aufgefunden. Keine von ihnen war über achtzehn und das sind drei gute Gründe aktiv zu werden. Sie kennen sich in der Branche aus, wie mir Ihr Vorgesetzter erzählt hat. Von daher denke ich sind Sie die richtige Verstärkung für Gerkhan und Kranich.“ Nickte Anna. „Ich hoffe auf gute Zusammenarbeit…“ hängte sie an. „Danke…. Das hoffe ich auch. Und an mir soll es garantiert nicht liegen. Ich kann mich der Situation anpassen. Wer wird denn in dem Fall die Befehlsgewalt haben?“ wollte Ann-Katrin Windhölzer wissen. Anna sah sie an. „Nun….Sie sind alle Hauptkommissare. Und eine wirkliche Führung denke ich, ist eh nur hinderlich. Sprechen Sie sich ab…“ empfahl Anna. „Erzählen Sie mir was über den Fall…“ bat Anna. „Nun…wir sind seit drei Jahren hinter Hans Taubner und seiner Bande her. Bisher hat er es immer wieder geschafft sich unserem Zugriff zu entziehen. Wir vermuten sogar, dass er Beziehungen zum LKA hat, was wenn wir berücksichtigen, dass Taubner immer über unsere Schritte informiert waren. Von daher haben wir uns überlegt, die Soko Taubner aufzulösen. Als wir dann erfuhren, dass die Autobahnpolizei einen ähnlichen Fall bearbeitet, haben wir nachdem die Toten identifiziert wurden herausgefunden, dass eines der Mädchen…diese Liran…Soynng für Taubner gearbeitet hat. Sie ist vermutlich eine Aussteigerin, die versucht hat andere Mädchen vor ihrem Schicksal…nämlich für Taubner anschaffen zu müssen zu bewahren. Sie ist aufgeflogen und wurde beseitigt.“ erklärte Ann-Katrin.

    Ann-Katrin lehnte sich zurück. „Das ist sicher eine Möglichkeit…aber die können Sie ja mit Tom und Semir besprechen. Nun gut…ah…da kommen die Beiden ja…“ lächelte Anna als sie die Beiden in die PAST kommen sah. Ann-Katrin antwortete nicht. Ihre Gedanken gingen zu Tom Kranich. Die Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Mann. Er war etwas Besonderes. Nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch intelligent und dennoch gestand sie sich ein, schlauer als er zu sein. Doch genau das war leider eines der Gründe, die sie beide aneinander geraten lassen, wenn sie aufeinander trafen. Und das dürfte auch hier für das Wiedersehen eintreten. „Frau Windhölzer?“ wurde sie von Anna aus ihren Gedanken gerissen. „Ohhh…. Entschuldigen Sie…ich war gerade in Gedanken…“ kam von ihr. Anna lächelte. „ist kein Problem. Sagen Sie….Sie halten diesen Taubner also für den Kopf der Bande?“ wollte Anna wissen. „Der Kopf…nein…ganz sicher nicht. Taubner ist eher ein Befehlsempfänger. Ich vermute dass es Ralf Prinz ist. Er ist bisher nicht aufgefallen aber von einem Informanten habe ich erfahren, das Ralf Prinz zu 70 % an dem Umsatz diverser Bordelle von Taubner beteiligt ist.“ erklärte Ann-Katrin. „Das können Sie direkt mit Tom und Semir besprechen…“schlug Anna vor und wies Andrea an, die beiden Hauptkommissare zu ihr zu schicken.

    Christopher wurde von Sarah zum Hotel „Stadtrichter“ gebracht und durch den Personaleingang in die Küche gebracht. „Whow… was für ein Nobelschuppen… und hier bist du Chefköchin? Da musst du ja richtig reich sein.“, staunte er. Sarah lachte hell auf. „Quatsch… ich verdiene hier zwar sehr gut, aber ich bin nicht reich. Du glaubst gar nicht wie eingebildet die Leute sind. Wenn du da mal eine Speise nicht so zubereitest wie die es wollen…dann steigen sie dir auf den Kopf…“, erklärte sie. Christopher ließ sich an dem Tisch nieder. „Hier… iss erst einmal.“, meinte seine Schwester und stellte ihm einen Teller hin. Er aß mit großem Appetit. „Du kannst wirklich sehr gut kochen. Wenn du nicht meine Schwester wärest, würde ich dich sofort heiraten.“, lobte er sie. Sarah sah ihn mit strahlenden Augen an. „Was willst du denn nun machen, wenn du schon einmal hier bist?“, wollte sie dann wissen und sah ihren Bruder abwartend an. Dieser schluckte kurz und blickte auf. Eigentlich reichten seine 18.000 Euro aus, um sich eine passable Wohnung und einen gut gehenden Job zu suchen. „Ich weiß nicht. Vielleicht suche ich mir erstmal einen Job und dann eine Wohnung. Ich hab ein bisschen was in der vergangenen Zeit zur Seite gelegt und hin und wieder was beim Pokern gewonnen.“, log er vor, falls Sarah irgendwann das viele Geld finden würde. „Wenn du willst, wir brauchen immer Leute, die uns in der Küche helfen. Es wird gut bezahlt, glaub mir. Und bis du eine Wohnung gefunden hast, kannst du bei mir wohnen.“, gab sie bekannt, während sie ihrem Bruder noch einen Teller mit einem original Wiener Schnitzel hin. „Danke, das nehm ich gern an. Aber lange fall ich dir bestimmt nicht zur Last.“, meinte Christopher und aß genüsslich, die von seiner Schwester zubereitete Köstlichkeit.

    „Kann ich ihnen noch etwas gutes tun?“, fragte Max, als Semir die Tür öffnete und Andreas und sein persönlicher Page ins Zimmer kam und das Gepäck abstellte. Semir sah Andrea an. „Ja, wenn sie uns einen Fiaker besorgen könnten. Wir würden gerne die Stadt erkunden.“, meinte Semir und hielt dem Boy einen Schein hin. Dieser nahm ihn dankend entgegen und ging dann wieder aus dem Zimmer mit den Worten „Ich werde mich gleich drum kümmern.“ Andrea kam zu Semir. „Schatz, du hast ihm gerade fünf Euro in die Hand gedrückt.“, staunte Andrea. „Und?“, wollte Semir wissen. „Du weißt, wir sind noch vierzehn Tage hier. Du solltest ihm nicht so viel geben.“, schlug sie vor. „Aber irgendwie verdient er das doch.“, lachte Semir und Andrea musste zustimmen. So nett wie Max war, waren bestimmt nicht alle Hoteljungen. „Komm, lass uns auspacken und uns für die Fahrt fertig machen. Es wird bestimmt kalt und sicher schneit es draußen immer noch.“, meinte sie und schon waren beide dabei, ihre Sachen auszupacken. Beide dachten, dass ihnen sicherlich ein herrlicher Urlaub bevorstehen würde. Wenn sie sich da mal nicht geirrt hatten.

    Claudia schlief diese Nacht bei Michaela. Jetzt konnte sie ihre Freundin einfach nicht alleine lassen. Das wollte sie ihr nicht zumuten. Sie wusste, wie sehr Michaela wegen Chris gelitten hatte. Sie liebte ihn, das wusste sie, und sicherlich waren diese Gefühle noch nicht vollends gestorben. Doch sie musste ihn vergessen. Immerhin war er ein Mörder und Erpresser auf der Flucht, der vor nichts zurückschreckt. Claudia hatte es sich auf der Couch gemütlich gemacht, während Michaela in ihrem Bett schlief, doch Claudia hörte, dass ihre Freundin unruhig schlief und immer wieder sich umherwarf. „Hey, Michaela, ganz ruhig bleiben.“, beruhigte Claudia ihre Freundin und hielt sie an den Schultern fest. Nur langsam beruhigte sich Michaela und schlief dann wieder fest ein. Claudia stiefelte zurück in ihr provisorisches Nachtlager und legte sich ebenfalls auf die Ohren. Sie war noch nicht ganz eingeschlafen, als etwas gegen die Balkontür knallte. Erschrocken fuhr sie auf und sofort stand Michaela in ihrem Schlafanzug und mit einem Besen bewaffnet in der Tür und zitterte wieder. „Was... was... war das?“, fragte sie mit zittriger Stimme. Claudia kam auf sie zu und nahm den Besen aus ihrer Hand. „Komm, wir sehen nach.“, schlug sie vor. Doch Claudias Freundin blieb wie angewurzelt stehen. „Nein, nein, ich will nicht. Geh du, ich gebe dir Deckung.“, stammelte sie und stand wie festgewachsen da. „Na gut.“, murrte sie und ging langsam auf die Balkontür zu. Wieder klapperte es und beide Frauen fuhren erneut zusammen. Doch dann machte Claudia eine Entdeckung, die beide aufatmen ließ.

    Für alle Tom Kranich Fans hier eine Story mit dem hübschen Kommissaren....Aber diesmal bitte mehr Feeds....


    Ein schöner Herbsttag kündigte sich über Köln an. Die Sonne schien und es war immer noch fast 20 Grad war. Am Rheinufer saßen zwei Männer die auf das Wasser sahen. „Weißt du, Semir…ich kenne dein Problem. Ich weiß was es ist. Du bist einfach nicht in der Lage einer Frau…insbesondere deiner Frau Recht zu geben. Deshalb eskaliert ein Streit bei euch auch immer so extrem. Ich meine…wenn Andrea sagt das Auto ist blau…dann ist es blau auch wenn es grün ist. Gib doch einfach mal zu, dass sie im Recht ist und schon ist eure Ehewelt besser…“ erklärte Tom lachend. Semir sah ihn empört an. „Nein…warum denn? Ich meine auch ich kann Recht haben…ich bin schließlich…“ maulte er und warf einen Stein ins Wasser. „Nein! Nicht bei Andrea. Das ist nämlich eine Ausnahme. Andrea ist eine Göttin…genauer gesagt….sie ist deine Göttin. Und wenn sie sagt…sei hat Recht, dann hat sie auch Recht selbst dann wenn sie nicht Recht hat….“ Kam grinsend von Tom. Er kannte das Theater zwischen den Beiden sehr genau. Es war wie Feuer und Eis, was aufeinander trifft. Semir sah ihn skeptisch an. „Ach…und du meinst damit ist es dann erledigt? Bin ich ihr Sklave oder was?“ wollte er fauchend wissen. Tom lachte leise. „Ich denke wir sind wirklich nur die Sklaven der Frauen. Aber sieh es doch mal positiv. Was würden die Frauen ohne uns machen? Es gäbe keine Kinder….die Frauen hätten keinen Spaß… Aber mal was Anderes…was war eigentlich der Auslöser für euren Krach gewesen?“ wollte Tom wissen.

    Semir sah ihn traurig an. Tom wusste genau, dass er, Semir, sehr unter dem Krach litt. Besonders weil er nicht nur mit Andrea verheiratet war, sondern weil Andrea auch noch auf der Arbeit als Sekretärin der Chefin ihm ständig über den Weg läuft. „Nur…weil ich nicht mit zu ihren Eltern fahren will. Die haben den sechzigsten Hochzeitstag und das wird ganz groß in der Familie gefeiert. Ich hasse solche Familientage. Die betüddeln sich und haben sich alle lieb. Wenn sei dann wieder auseinander gehen, dann wird wieder über die Anderen hergezogen. Das ist falsche Freundlichkeit…und das hasse ich wie die Pest.“ erklärte Semir leise. „Ohhh…lass mich raten. Du hast es ihr genauso gesagt…“ vermutete Tom. Semir nickte. „Na super…Semir …Semir….Semir… das geht nicht. Du musst lernen dass es manchmal besser ist die Worte so zu wählen, dass du niemanden damit verletzt. Diplomatie ist hier angesagt. Das musst du lernen, oder es geht immer so böse aus. Das ist wie …wie…..“ suchte Tom nach einem Beispiel. Aber ihm fiel keiner ein. Er lachte leise. Denn genau diese direkte Art von Semir gefiel ihm. Er liebte die Wahrheit die immer trocken über Semirs Lippen kam. „Früher war es soooo einfach. Die Frau hat getan was der Mann sagt. Das war Gesetz…. Und heute….es ist nicht richtig, wenn eine Frau das Sagen hat. Wenn sie sich in Sachen einmischt, die ein Mann lösen muss…“ kam von Semir nachdenklich. Tom lachte auf. „Das sag bitte nicht zu laut. Sonst hast du nicht nur Andrea am Hals…“ prustete er heraus. Erschrocken sah Semir sich um. „Hat doch keiner gehört…“ murmelte er und stand stöhnend auf. „Na komm… wir müssen zur PAST.“ Gab er von sich und stieg in den BMW. Tom folgte ihm kopfschüttelnd. Wenn er gewusst hätte, was bzw. wem er in der PAST über den Weg laufen würde, hätte er sicher alles getan Semir am Rhein zu halten.

    04.03.2010 "Exodus"

    Ein ausbrechendes Auto löst auf der Autobahn eine Massenkarambolage aus. Semir stellt fest, dass der Fahrer an den Folgen zahlreicher Messerstiche starb. Der Tote ist Walter Hopf. Er ist Mitarbeiter der Hemmer Werke, einem Unternehmen, das kurz vor dem Abschluss von Übernahmeverhandlungen mit der Stark AG steckt. Die erste Spur führt zu Frank Köhler, einem erklärten Widersacher des Toten und der Übernahme. Köhler entzieht sich dem Zugriff. Er nimmt Kontakt zu seiner Ex-Freundin Ute Baumann auf, die als Projektmanagerin bei den Hemmer Werken die Übernahme betreut. Köhler behauptet, unschuldig zu sein und appelliert an Ute, ihm zu helfen. Er habe Beweise, dass die Stark AG die Hemmer Werke nach der Übernahme schließen und nicht wie angekündigt Standort und Arbeitsplätze erhalten wolle. Ute lässt sich zu einem Treffen überreden, informiert aber Semir. Köhlers Festnahme misslingt. Auf der Flucht vor Semir wird Köhler von einem Unbekannten absichtlich überfahren. Semirs Ermittlungen bestärken Köhlers Verdacht, dass es einen Plan zur Schließung und Verlagerung der Produktion ins Ausland gibt. Dieser Verdacht und das seltsame Verhalten ihres neuen Freundes Sturm, Marketingdirektor bei Stark AG, veranlassen Ute, auf eigene Faust nach Beweisen für die Zerschlagung der Hemmer Werke zu suchen.

    Christopher Klein hatte sich Geld aus seinem Versteck geholt. Hier hatte er einen Teil der Beute vor den Bullen in Sicherheit bringen können, es war zwar nicht viel, aber immerhin es musste reichen. Mit knapp 18.000 Euro fuhr er zum Flughafen in Köln/Bonn. Sein Wagen würde vermutlich nun auch noch auffallen, denn Christopher sah sich auf dem Flughafen um. Er musste Deutschland verlassen, bevor die Bullen auf seine Spur kamen. Alles hätte so wunderbar verlaufen können, wenn die verdammten Mistkerle von Jäger und Gerkhan nicht gewesen wären. Der Hass stieg in ihn auf. Aber er wusste auch, dass sein Hass ihn schneller ins Gefängnis zurückbringen konnte, wenn er hier bliebe und sich der Rache hingäbe. Er musste erst einmal weg aus Deutschland. In Österreich hatte er einen alten Freund. Dort konnte er sicher für ein paar Wochen unterkommen. Sein Freund wusste zum Glück nicht, was Christopher angestellt hatte, denn der Kontakt war vor einigen Jahren eingeschlafen. Sie schrieben sich zwischendurch mal eine Mail. Also gut… erst einmal in ein Internetcafe und dann eine Mail schreiben. Am Besten sagt er seinem Freund, dass er abschalten musste. Ja…. Er hatte zuviel Stress und musste jetzt einfach eine Auszeit nehmen. Das würde Rolf sicher verstehen. Rolf Steiner…sein alter Jugendfreund. Christopher setzte sich an einen der freien PCs und schrieb seinen Freund an. Hoffentlich war er online und konnte bald antworten. Er musste einfach weg hier. Doch es kam keine Antwort. Also gut… dann würde er eben erst mal nach Österreich fliegen und dort mit Rolf in Verbindung treten. Hoffentlich wohnte er noch dort. Er kaufte sich das Flugticket und checkte ein. Er hatte einen Platz in der Firstclass gebucht und ließ sich auf seinen Platz nieder. Erleichtert eigentlich schon fast aus Deutschland heraus zu sein, schloss er die Augen.

    Semir und Andrea wurden auf ihre Plätze im Flugzeug geleitet. „Das sind Ihre Plätze…einen angenehmen Flug…“, lächelte die Stewardess. „Whow… 1. Klasse… ist richtig gemütlich…“, grinste Semir. „Ja…wir werden es auch einfach genießen. Der Flug ist ja relativ kurz und vermutlich wird nicht mal etwas serviert…“, lachte Andrea. „Na und… ich sitze am Fenster…“, grinste Semir. Er tauschte mit Andrea den Platz und machte es sich gemütlich. „Darf ich ihnen etwas zu trinken bringen oder sonst einen kleinen Imbiss?“, fragte die Stewardess und sah das Ehepaar an. Andrea bat um ein belegtes Brötchen und Semir nahm ein stilles Wasser. Um nichts in der Welt wollte er diesen Flug verpassen. Beide ahnten nicht, dass dieser Urlaub mehr als nur besonders werden würde. Nach etwa drei Stunden landeten sie auf dem Flughafen von Wien. Semir und Andrea wollten gerade ihr Gepäck greifen, als sie in feinstem Wiener Dialekt angesprochen wurden. „Herr und Frau Gerkhan?“ Beide drehten sich um. Ein junger Bursche in einem grau-blauen Anzug mit goldenen Knöpfen und ebenso an den Hosenbeinen. Seine lustig dreinblickenden, grünbraunen Augen strahlten beide an. „Ja, das sind wir.“, erwiderte Semir und hievte seine Tasche auf den kleinen Transporter. „Mein Name ist Maximilian Lievenstein, aber sie brauchen mich nur Max zu nenne. Ich bin vom Hotel Stadtrichter und ihr persönlicher Boy.“, erklärte er und nahm die restlichen Taschen, packte sie auf den Wagen und rollte diesen aus dem Terminal hinaus. Semir nahm seine Andrea in den Arm und ging Max hinterher. Dieser führte sie zu einem großen, geräumigen Wagen und verstaute die Taschen. „So, ich bitte einzusteigen.“, meinte Max und hielt die Seitentür auf. Andrea schlüpfte aus erstes hinein und dann folgte Semir. Der junge Mann schloss die Tür und stieg auf der Fahrerseite ein. „Los geht’s.“, kam wieder von ihm und schon im nächsten Moment fuhren die Gäste aus Köln über die Wiener Prachtstraßen, vorbei an einigen der Prachtbauten dieser alten, europäischen Stadt.

    Auch Christophers Flieger landete in Wien. Als er seinen Pass und die Bordkarte an die Mitarbeiterin reichte, fragte er, wo das nächste Internetcafe sei. „Gleich hier den Gang hinunter und dann nach links. Gar nicht zu verfehlen.“, meinte die junge Dame. Chris grinste zufrieden und ging mit seinen wenigen Habseligkeiten, die er hatte, den Gang entlang und sah sich um. „Chris?“, hörte er plötzlich eine ihm vertraute Stimme. Abrupt blieb er stehen und sah sich um. „Mensch Chris, Bruderherz.“ Seine Augen weiteten sich, als er sah, von wem die Stimme kam. „Sarah? Bist du das wirklich?“, fragte er freudig und kam auf die kleine, zierliche Person zu und packte sie, schwang sie hoch in die Luft. Sarah lachte und ihr blondbraunes Haar flatterte in der Luft herum. Als Chris sie wieder absetzte, sah er seiner kleinen Schwester in die Augen. „Wie erwachsen du geworden bist.“, säuselte er und strich ihr über die mit Sommersprossen versehene Wange. „Wie... was... was machst du in Wien?“, wollte sie wissen und sah ihren Bruder an. „Ich wollte... ich hab's in Köln einfach nicht mehr ausgehalten. Brauchte Luftveränderung.“, erwiderte er. Sie lachte in ihrem herzlichsten und lautesten Lachen, dass sie hatte. „Und da kommst du in das verschneite Wien?“, lachte sie und nahm ihren Bruder am Arm. „Komm, du wohnst für die erste Zeit bei mir.“, meinte sie und zog Christopher davon, ehe er sich dagegen wehren konnte. „Bist du eigentlich immer noch Köchin in diesem Hotel?“, wollte er wissen. „Nein, ich bin sogar Chefköchin. Komm, gehen wir.“

    Es klingelte an der Tür und Semir ging direkt hin. „Na ist ja toll….ist das alles was du an Gepäck hast?“, wollte er von Ben wissen, der lediglich eine Tasche trug. „Semir… ich wohne knappe 15 Minuten von hier…da werde ich wohl ab und zu nach Hause fahren und mir ein paar Sachen holen können, falls es nicht reicht. Außerdem habt ihr doch wohl ne Waschmaschine oder?“, grinste Ben zurück. „Ja sicher…wir sind ja auch nur 14 Tage weg.“, nickte Semir. „Seid ihr mit Packen schon fertig oder kann ich noch helfen?“, bot Ben sich an. „Helfen? Du beim Packen? Ben… wir wollen was in unseren Koffer rein bekommen…“, lachte Semir, denn Ben war alles andere als Ordnungsliebend. „Ja ist ja gut…. Ist der Kühlschrank voll?“, rief Ben aus der Küche. Andrea lachte auf. „Hast du Angst zu verhungern? Aida ist übrigens bei meinen Eltern. Du musst dich nur mit Felix beschäftigen.“, gab sie bekannt. „Schade… ich wollte meinen kleinen Engel eigentlich verwohnen…“, kam von Ben. „Ja sicher… das Kind würde eher verhungern… oder willst du mir sagen, dass du kochen kannst?“, hörte man Semir aus dem Bad rufen. „Ha …. Ha… wozu gibt es Imbisse…ich kann sie mir ja wenigstens leisten ohne in die Brieftasche zu sehen…“, gab Ben zurück. Es ging mit diesem Wortgeplänkel noch einige Zeit weiter, bis das Ehepaar Gerkhan sich zum Flughafen aufmachte. Ben nahm das Gepäck aus dem Kofferraum und brachte beide zu ihrem Flieger. Auf dem ganzen Flughafen Köln-Bonn waren massive Polizeistreifen präsent. Keiner der Drei dachte sich dabei etwas. Doch keiner sah die drohende Gefahr, die sich schon mit einem Schatten ankündigte. Keiner blickte zu den Fernsehgeräten auf, als über einen Ausbruch in Ossendorf berichtet wurde.

    Christopher hatte sich inzwischen einen anderen Wagen und andere Klamotten unauffällig besorgt und fuhr zu Michaelas Wohnung. Wohnte sie überhaupt noch dort? Immer wieder hatte er ihr Briefe geschrieben, versucht, alles zu erklären, doch es schien sinnlos zu sein. Sie antwortete nicht, alle seine Briefe kamen ungeöffnet mit dem Stempel ~unbekannt verzogen~ zurück. Er parkte den Wagen in einer kleinen Seitenstraße und ging zu den Briefkästen hinüber. Christopher suchte nach dem Namen Frings, doch nirgends war er zu finden. Dort, wo einst Michi’s Namensschild war, stand jetzt ein vollkommen anderer Name. Sie hatte ihn deutlich aus seinem Leben ausradiert. „Na schön, kleine Maus.“, stieß er wütend aus. „Wenn du mich nicht mehr willst, aber ich will dich.“, zischte er und erkundigte sich, in Gestalt eines Paketboten, bei den Nachmietern nach der neuen Anschrift von Michaela Frings. „Tut mir Leid, da können wir ihnen nicht weiterhelfen.“, meinte die junge Frau mit dem Kind auf den Arm. „Danke.“, knurrte Chris nur und verließ das Haus wieder, ohne ein Ergebnis. Konnte er Michi so noch finden? Plötzlich schnellte er auf den Boden. Eine Polizeistreife näherte sich. „Verdammt, verschwindet bloß.“, stieß er aus, als er sah, dass sie neben seinem gestohlenen Wagen hielt und die beiden Beamten ausstiegen. Vollkommen regungslos blieb er hinter den Containern liegen und sah, wie einer zum Wagen zurückging und etwas in sein Funkgerät sprach. Chris wusste, dass, wenn er nicht sofort verschwinden würde, er bald wieder in seiner kleinen Zelle sitzen würde und das vermutlich für den Rest seines Lebens. Er musste weg hier, aus dem Land verschwinden. Aber wohin? Da kam ihm ein grandioser Gedanke.

    Günther Vollkraft sah auf, als der Mann seinen Laden betrat. „Oh mein Gott… Herr Gerkhan… schön, dass Sie da sind. Ihre Kette ist fertig… sehen Sie hier…“, strahlte der Mann regelrecht. „Danke… ich würde sie gern sehen.“, bat Semir den Juwelier. Der Mann packte das Stück aus. Semirs Augen strahlten doch dann bemerkte er den blauen Stein. „Aber ich hab doch einen Smaragd bestellt und das hier… ist…“, Semir überlegte… der Stein den er hatte war grün nicht blau. „Ja ich weiß…. Aber ich fand den Saphir viel schöner.“, meinte der Juwelier. „Ja aber … der ist doch teurer als der Smaragd…“, kam traurig von Semir. „Nun darüber machen Sie sich mal keine Gedanken. Sie haben mich vor einen sehr großen Schaden bewahrt und deshalb bekommen Sie den Stein zum gleichen Preis...nein… die Kette selbst wird nur 400 Euro kosten… nehmen Sie das Geschenk an?“, wollte der Juwelier wissen. Semir sah Ben an. „Das ist nicht Ihr Ernst oder?“, harkte er ungläubig nach. „Doch… das ist mein voller Ernst…“, nickte der Juwelier. Semir nahm es an und zahlte den Betrag. „Danke… meine Frau wird sicher begeistert sein…eine tolle Arbeit.“, Semir und Ben verschwanden. „Das ist doch mal ein Geschäft… wunderbar…“, nickte Ben nur. Semir lachte auf. „Jetzt hab ich sogar noch Geld für ein Geschenk eines guten Freundes übrig…“, meinte er nur. Ben sah ihn an. „Noch ein Geschenk? Ich hoffe du bist entschlossen und wir müssen nicht stundenlang durch die kalte Gegend stiefeln.“, maulte Ben nur. „Nur keine Sorge…. Das mache ich allein…“, lachte Semir.

    Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Ben auf Semir hinunter. „Alles klar... ich bin dann im Büro, falls du mich suchst.“, meinte er nur und drehte sich um. Dann fing er an, zu grinsen. Warum folgte er Semir nicht einfach? Er würde es doch nicht merken. Außerdem wüsste er doch zu gerne, was sich Semir für ihn überlegt hatte. „Ben... vergiss es.“, kam es plötzlich hinter dem jungen Hauptkommissar hervor. Dieser drehte sich verwundert um, denn er dachte, Semir wäre schon gegangen. „Was denn?“, wollte dieser nur erstaunt wissen. „Du wirst mir nicht hinterher spionieren. In drei Tagen ist sowie Weihnachten und dann wirst du schon sehen, was ich dir schenke. Jetzt sei brav und fahr ins Büro zurück, futtere von mir aus deine Plätzchen, aber komm mir nicht hinterher.“, meinte Semir grinsend und schob Ben Richtung Wagen. „Och Semir.“, knurrte Ben nur, doch sein Partner ließ sich nicht davon abbringen. „Nein Ben, das mach ich alleine.“, erwiderte Semir und wartete, bis sein Partner abgefahren war. Dann ging er in die Einkaufsstraße zurück und suchte ein Geschenk für Ben aus. Hm, was schenkte man seinem Partner, der eigentlich schon alles hatte – sah man von einer Frau fürs Leben ab. Da kam Semir die Idee... Ben hielt doch so gut wie nie Ordnung auf seinen Schreibtisch. Außerdem suchte er bei jeder Gelegenheit seinen Schlüssel. Semir fing an über beide Ohren zu grinsen und ging in den nächsten Laden, um die Sachen zu kaufen. Danach fuhr er auf direktem Wege nach Hause. Jetzt war alles beisammen und es fing auch wieder zu schneien an. Jetzt konnte das Fest kommen.

    Der 24. Dezember – Heiligabend. Bei den Gerkhans bereitete man sich schon auf das große Fest am Abend vor. Andrea stand schon in der Küche und bereitete alles für das Abendessen vor. Ente, kross gebacken, sollte es geben, mit Rotkohl und Klößen. Sie schwang tapfer den Kochlöffel, während Semir und Aida im Wohnzimmer damit beschäftigt waren, den Weihnachtsbaum zu schmücken. Aida nahm vorsichtig die Kugeln und hing sie in die unteren Tannenzweige, während Semir sich um die höheren Lagen kümmerte und das Lametta um den großen Baum legte, der fast bis an die Decke reichte. „Schatz, in einer Stunde kommt Ben... Wie weit bist du mit dem Baum?“, rief seine Frau aus der Küche. „Keine Sorge, Liebling, bis Ben kommt, sind wir damit fertig.“, erwiderte er und setzte die goldene Spitze auf den Baum. Dann war es soweit... Ben kam und sofort war Aida an seinem Bein festgeklammert. „Hallo Prinzessin.“, begrüßte er die Kleine, hob sie hoch und gab ihr einen Schmatz auf die Wange. Die Kleine kicherte und verzog kurz das Gesicht, da Bens Bartstoppeln kitzelten. „Hallo Partner.“, begrüßte er Semir und legte seinen Mantel und den Schal ab. Bevor sie ins Wohnzimmer verschwanden, nahm Semir Ben noch einmal zur Seite. „Ben... ich möchte dich um einen Gefallen bitten. Würdest du für Aida den Weihnachtsmann mimen?“, trug Semir seine Bitte vor. Ben lächelte nur. „Warum nicht? Wenn du ein Kostüm für mich hast.“ Daraufhin grinste Semir nur. „Liegt alles oben im Schlafzimmer und ihr Geschenk auch.“, erwiderte er nur und dann gingen beide ins Wohnzimmer, wo Andrea schon das Essen auffüllte.

    Nachdem das Essen allen gemundet hatte, verschwand Ben nach oben, schlüpfte in das Kostüm und schlich sich zur Tür raus. „Hm... Aida... hörst du das?“, fragte Semir seine Tochter und tat so, als würde er lauschen. Aida tat es ihm gleich. Sie machte ihren Hals lang und ließ ihre Ohren wie eine Radar in der Luft kreisen. Dann hörte sie schwere Schritte im Flur. „Ohhh... wird das etwa der Weihnachtsmann sein?“, kam es dann von Andrea und beide Eltern sahen das überraschte Mädchen nur an. Die machte große Augen und sah dann, wie ein Mann in rotem Mantel und weißem Bart im Zimmer stand. „Hallo Aida...“, kam es mit tiefer Stimme von Ben. Aida hüpfte von ihrem Stuhl und ging langsam auf den Mann zu, der dort im Zimmer stand. „Ich habe gehört, dass du ein braves Mädchen gewesen bist?“, wollte er wissen und sie nickte leicht. Ben lächelte freundlich „Na... dann habe ich hier das Richtige für dich.“, meinte er und packte das Schaukelpferd aus. Sofort war Aida Feuer und Flamme und wollte alleine aufsteigen, doch Semir musste ihr helfen. „Danke Weihnachtsmann...“, kam es freudig von ihr. Ben entfernte sich dann, schlich langsam die Treppe hoch und zog sich dann wieder um.

    „Hab ich was verpasst?“, wollte er wissen, als er wieder ins Zimmer kam. „Ben... der Weihnachtsmann war hier.“, freute sich Aida. „Wow, und hast du dieses wunderschöne Pferd von ihm bekommen?“, wollte der junge Hauptkommissar wissen. Sie nickte heftig und schaukelte hin und her. „Oh Semir, was für eine wunderbare Kette.“, jauchzte Andrea und fiel ihrem Mann um den Hals, als dieser ihr das Geschenk überreicht hatte. Dieser grinste Ben an und verfing sich dann mit seiner Frau in einen langen, intensiven Kuss. Ben seufzte kurz und zog sein Geschenk für seine Freunde hervor. Es war ein großer Briefumschlag. „Hier, das ist mein Geschenk für euch beide.“, erklärte er und reichte den roten Umschlag mit den roten Schleife. Interessiert nahm Semir den Umschlag an sich, zeigte ihn Andrea und machte ihn gemeinsam mit seiner Frau auf. Beiden fielen fast die Augen aus dem Kopf, als sie sahen, dass es ein Gutschein für ein exklusives Schlosshotel in der Nähe von Wien war. Ben schickte die beiden Eheleute also nach Österreich. „Ben... das... das ist doch...“, fing Semir an, doch Ben hob schnell die Hand. „Sag nichts... ich mach euch beiden gerne solche Geschenke. Und ihr habt eine wohlverdiente Erholung bitter nötig.“, erklärte er grinsend. Als Ben dann sein Geschenk aufmachte, mussten alle nur lachen. „Semir, das war ja klar.“, kommentierte Ben nur. Es wurde noch ein wunderbares Fest und Semir und Andrea waren mehr als glücklich von Ben solch ein Geschenk bekommen zu haben. Die Weihnachtszeit hatte tragisch angefangen, aber es war doch noch alles zu einem guten Ende gekommen. Die Magie von Weihnachten, dachte Semir nur, als er am Abend die Ereignisse der letzten Wochen Revue passieren ließ.


    Ende.