„So, wir sind also schon wieder unter den Lebenden.“, meinte er vollkommen außer Atem. Semir sah ihn mit zornigem Gesicht an und drehte sich dann entschlossen weg. Doch ihm blieb nicht die Zeit. Denn schon im nächsten Moment spürte er die Hand seines Entführers an den Fesseln, die seine Hände an der Stange hielten. „Tut mir Leid, Gerkhan, dass ich ihnen den Urlaub vermiese, obwohl sie sich das selbst zuzuschreiben haben.“, meinte Chris und löste dann den Knebel von Semir. Dieser reckte seine Mundwinkel und spürte den leichten, eisenhaltigen Blutgeschmack, der durch die Schürfungen in seinen Mund rannte. „Wie darf ich das verstehen?“, fauchte Semir und zerrte an den gelösten Fesseln. Sie waren locker und so konnte er sich auf seinen Gegner stürzen. Doch noch immer waren seine Handgelenke zusammengebunden. Beide wälzten sich auf dem Boden herum und versuchten, den Schlägen des jeweils anderen auszuweichen. Irgendwann verließ das Glück Semir jedoch und die wuchtige Faust von Christopher Klein erwischte ihn an der Schläfe. Wie ein gefällter Baum rollte Semir auf die Seite und war bewusstlos. Chris kam langsam wieder hoch und betrachtete sich sein Opfer. „So, du kleiner Käfer. Wolltest mich also ausschalten, was?“, zischte er und holte tief Luft. Er musste diesen Kerl ruhig stellen. Wie gut, dass er sich vorher einige seiner Sachen aus Sarahs Wohnung geholt hatte. Er nahm Semirs Hände und löste das Seil darum, band sie dann hinter dessen Rücken wieder zusammen und fesselte ebenso die Füße und winkelte dann die Knie an. Mit einem weiteren Seil verband er die Knie mit dem Oberkörper von Semir. „So, und damit du nicht schreist.“, lachte Chris und zog eine seiner Socken aus der Tasche, rollte sie zusammen und steckte sie in Semirs Mund. Mit einer zweiten fixierte er den Knebel im Nacken seines Opfers. Dann nahm Christopher Klein seinen verschnürten, geknebelten und bewusstlosen Gegner Huckepack und trug ihn zum Wagen, den er in den Innenhof gefahren hatte. Von der Straße aus war der Hof nicht einsehbar und so konnte er sein Opfer ruhig in den Kofferraum legen. „Schade Wien, hier hätte ich alt werden können.“, meinte Klein und fuhr dann mit dem Wagen seiner Schwester los.
Alle standen in der Küche um den Major herum und sahen Ricky an. Ben war doch dazu getreten und sah sich die Küche genau an. Ebenso die Köche dazu. „Sind jetzt alle anwesend, die anwesend sein sollten?“, wollte Rebecca Weinek wissen und sah sich um. Sarah kam nach vorne. „Frau Major, sagen sie einfach, was sie wollen und lassen sie uns dann wieder an unsere Arbeit gehen. Wir haben hier eine Hotelküche zu führen und die Gäste warten auf ihr Essen.“, stieß die kleine, zierliche Person mit energischer Stimme aus. Ben sah sie an. Er konnte sich nicht helfen, aber irgendwie hatte die Kleine eine frappierende Ähnlichkeit mit jemanden, den er zu kennen glaubte. „Es geht auch ganz schnell, Frau...“, wollte Ricky wissen und zog den berühmten Notizblock mit Stift hervor. Ben grinste. „Sarah Klein.“, erwiderte die Chefköchin. Ben horchte auf. Nein, das kann nicht sein. Solch einen Namen gab es zuhauf. Das musste einfach ein Irrtum sein. „Wir suchen einen Hotelgast. Einen gewissen Semir Gerkhan. Er soll in die Küche gegangen sein und ist danach spurlos verschwunden. Wissen sie etwas darüber?“, wollte Ricky von Sarah wissen. „Nein, da müssen sie meinen Bruder fragen. Dieser kleine Mann kam in die Küche und wollte meinem Bruder ein Trinkgeld für das Essen geben. Die Beiden sprachen miteinander und dann sind sie beide kurz hinausgegangen.“, erklärte Sarah. „Und, wo ist ihr Bruder jetzt?“, wollte der Major wissen. „Er ist da hinten und wechselt seine Schürze.“ Sofort ging Ricky zu besagtem Raum und sah nach. Das gab Ben Gelegenheit mit Sarah zu sprechen. „Verzeihen sie, aber ist das hier ihr Bruder?“, wollte er wissen und zeigte eine Fotografie von Christopher Klein der Frau. Sarah sah auf das Bild und lächelte. „Ja, das ist mein großer Bruder. Sind sie ein Freund von ihm?“, wollte sie wissen.
„Ein Freund nicht gerade…“, gab Ben zu und zog seinen Ausweis. „Jäger…Kripo Autobahn…“, erklärte er zusätzlich. „Polizei? Aber Sie sind nicht wegen Chris hier oder?“, wollte Sarah Klein wissen. „Leider ja… Ihr Bruder ist in Deutschland aus dem Gefängnis ausgebrochen. Er saß dort für einen Mord, den er begangen hat. Mein Kollege und ich hatten ihn festgenommen und…nun ist er geflohen und…ich habe den starken Verdacht, dass mein Kollege, Herr Gerkhan in seiner Gewalt ist.“, endete Ben. Ihm tat die junge Frau leid. „Das ist nicht wahr…das kann doch nicht wahr sein… ich meine…das geht nicht…er ist mein Bruder…“, stammelte sie. Ben hielt sie fest, als sie schwankte. „Entschuldigung…aber er sagte… der Mann…also Ihr Kollege….wäre ein ehemaliger Freund und…“, kam leise von ihr. Auch Ricky kam zurück. „Dahinten ist niemand…“, gab sie bekannt. „Oh nein…aber er muss doch da sein…. ich meine…er arbeitet doch hier…“, kam erneut von Sarah. „Frau Klein…. Wir müssen Ihren Bruder finden. Wissen Sie, wo er sein könnte?“, wollte Ben wissen. „Ich….? Ich weiß nicht…ich meine…er könnte in meiner Wohnung sein…wir wohnen zusammen…oder am Haus von Rolf…aber ich weiß es nicht wirklich…“, stammelte Sarah. „Fahren Sie mit uns dahin?“, bat Ben sie. Sarah Klein nickte etwas abwesend. „Ich…sage nur eben Bescheid….“, sagte sie zaghaft und ging zum Personalleiter. Es dauerte ganze fünfzehn Minuten bis sie wieder zurück war.