Beiträge von Elvira

    „So, wir sind also schon wieder unter den Lebenden.“, meinte er vollkommen außer Atem. Semir sah ihn mit zornigem Gesicht an und drehte sich dann entschlossen weg. Doch ihm blieb nicht die Zeit. Denn schon im nächsten Moment spürte er die Hand seines Entführers an den Fesseln, die seine Hände an der Stange hielten. „Tut mir Leid, Gerkhan, dass ich ihnen den Urlaub vermiese, obwohl sie sich das selbst zuzuschreiben haben.“, meinte Chris und löste dann den Knebel von Semir. Dieser reckte seine Mundwinkel und spürte den leichten, eisenhaltigen Blutgeschmack, der durch die Schürfungen in seinen Mund rannte. „Wie darf ich das verstehen?“, fauchte Semir und zerrte an den gelösten Fesseln. Sie waren locker und so konnte er sich auf seinen Gegner stürzen. Doch noch immer waren seine Handgelenke zusammengebunden. Beide wälzten sich auf dem Boden herum und versuchten, den Schlägen des jeweils anderen auszuweichen. Irgendwann verließ das Glück Semir jedoch und die wuchtige Faust von Christopher Klein erwischte ihn an der Schläfe. Wie ein gefällter Baum rollte Semir auf die Seite und war bewusstlos. Chris kam langsam wieder hoch und betrachtete sich sein Opfer. „So, du kleiner Käfer. Wolltest mich also ausschalten, was?“, zischte er und holte tief Luft. Er musste diesen Kerl ruhig stellen. Wie gut, dass er sich vorher einige seiner Sachen aus Sarahs Wohnung geholt hatte. Er nahm Semirs Hände und löste das Seil darum, band sie dann hinter dessen Rücken wieder zusammen und fesselte ebenso die Füße und winkelte dann die Knie an. Mit einem weiteren Seil verband er die Knie mit dem Oberkörper von Semir. „So, und damit du nicht schreist.“, lachte Chris und zog eine seiner Socken aus der Tasche, rollte sie zusammen und steckte sie in Semirs Mund. Mit einer zweiten fixierte er den Knebel im Nacken seines Opfers. Dann nahm Christopher Klein seinen verschnürten, geknebelten und bewusstlosen Gegner Huckepack und trug ihn zum Wagen, den er in den Innenhof gefahren hatte. Von der Straße aus war der Hof nicht einsehbar und so konnte er sein Opfer ruhig in den Kofferraum legen. „Schade Wien, hier hätte ich alt werden können.“, meinte Klein und fuhr dann mit dem Wagen seiner Schwester los.

    Alle standen in der Küche um den Major herum und sahen Ricky an. Ben war doch dazu getreten und sah sich die Küche genau an. Ebenso die Köche dazu. „Sind jetzt alle anwesend, die anwesend sein sollten?“, wollte Rebecca Weinek wissen und sah sich um. Sarah kam nach vorne. „Frau Major, sagen sie einfach, was sie wollen und lassen sie uns dann wieder an unsere Arbeit gehen. Wir haben hier eine Hotelküche zu führen und die Gäste warten auf ihr Essen.“, stieß die kleine, zierliche Person mit energischer Stimme aus. Ben sah sie an. Er konnte sich nicht helfen, aber irgendwie hatte die Kleine eine frappierende Ähnlichkeit mit jemanden, den er zu kennen glaubte. „Es geht auch ganz schnell, Frau...“, wollte Ricky wissen und zog den berühmten Notizblock mit Stift hervor. Ben grinste. „Sarah Klein.“, erwiderte die Chefköchin. Ben horchte auf. Nein, das kann nicht sein. Solch einen Namen gab es zuhauf. Das musste einfach ein Irrtum sein. „Wir suchen einen Hotelgast. Einen gewissen Semir Gerkhan. Er soll in die Küche gegangen sein und ist danach spurlos verschwunden. Wissen sie etwas darüber?“, wollte Ricky von Sarah wissen. „Nein, da müssen sie meinen Bruder fragen. Dieser kleine Mann kam in die Küche und wollte meinem Bruder ein Trinkgeld für das Essen geben. Die Beiden sprachen miteinander und dann sind sie beide kurz hinausgegangen.“, erklärte Sarah. „Und, wo ist ihr Bruder jetzt?“, wollte der Major wissen. „Er ist da hinten und wechselt seine Schürze.“ Sofort ging Ricky zu besagtem Raum und sah nach. Das gab Ben Gelegenheit mit Sarah zu sprechen. „Verzeihen sie, aber ist das hier ihr Bruder?“, wollte er wissen und zeigte eine Fotografie von Christopher Klein der Frau. Sarah sah auf das Bild und lächelte. „Ja, das ist mein großer Bruder. Sind sie ein Freund von ihm?“, wollte sie wissen.

    „Ein Freund nicht gerade…“, gab Ben zu und zog seinen Ausweis. „Jäger…Kripo Autobahn…“, erklärte er zusätzlich. „Polizei? Aber Sie sind nicht wegen Chris hier oder?“, wollte Sarah Klein wissen. „Leider ja… Ihr Bruder ist in Deutschland aus dem Gefängnis ausgebrochen. Er saß dort für einen Mord, den er begangen hat. Mein Kollege und ich hatten ihn festgenommen und…nun ist er geflohen und…ich habe den starken Verdacht, dass mein Kollege, Herr Gerkhan in seiner Gewalt ist.“, endete Ben. Ihm tat die junge Frau leid. „Das ist nicht wahr…das kann doch nicht wahr sein… ich meine…das geht nicht…er ist mein Bruder…“, stammelte sie. Ben hielt sie fest, als sie schwankte. „Entschuldigung…aber er sagte… der Mann…also Ihr Kollege….wäre ein ehemaliger Freund und…“, kam leise von ihr. Auch Ricky kam zurück. „Dahinten ist niemand…“, gab sie bekannt. „Oh nein…aber er muss doch da sein…. ich meine…er arbeitet doch hier…“, kam erneut von Sarah. „Frau Klein…. Wir müssen Ihren Bruder finden. Wissen Sie, wo er sein könnte?“, wollte Ben wissen. „Ich….? Ich weiß nicht…ich meine…er könnte in meiner Wohnung sein…wir wohnen zusammen…oder am Haus von Rolf…aber ich weiß es nicht wirklich…“, stammelte Sarah. „Fahren Sie mit uns dahin?“, bat Ben sie. Sarah Klein nickte etwas abwesend. „Ich…sage nur eben Bescheid….“, sagte sie zaghaft und ging zum Personalleiter. Es dauerte ganze fünfzehn Minuten bis sie wieder zurück war.

    Semir stand auf und ging zur Tür. Obwohl er gehört hatte, dass die Türe verschlossen wurde, versuchte er sein Glück. „HEY!!! Was zum Teufel wollen Sie?“ schrie er durch die Tür und hämmerte dagegen als er feststellte, dass sie nicht zu öffnen war. „Halt die Klappe und schlaf. Sonst helfe ich nach!“ kam prompt die Antwort. Semir sah sich in seinem Gefängnis um. „Ja ganz toll…auf dem kalten Boden oder was?“ fauchte er wütend zurück. Doch es kam keine Antwort. Was war mit Andrea? Was wollte man von ihm. Der Typ der Andrea hatte war auch in der Wohnung. Also waren Taubner und Prinz die Drahtzieher. Aber was wollten sie von ihm? Noch hatten sie gar nichts in der Hand. Er ließ sich langsam an der Tür auf den Boden rutschen. Was war mit Andrea….? hämmerte es in seinen Gedanken. Doch was sollte er tun? Er saß hier fest. Die Arme um die Knie geschlungen saß er da und wartete nur. Der Abend sollte so schön werden…dachte er verbittert. Sein Magen knurrte und er spürte die Übelkeit aufsteigen, die durch den Hunger ausgelöst wurde. Dann legte er den Kopf einfach auf die Knie und schloss die Augen. Nur wenig später schlief er tatsächlich ein. Doch es war kein tiefer Schlaf, sondern eher ein Dösen, denn bei jedem Geräusch sah der Hauptkommissar auf. Gegen Mitternacht öffnete sich die Tür. Sofort stand Semir auf und sah gespannt auf die Tür. „Hier…nicht das du verhungerst..“ lachte der Mann, der ihn hier rein gebracht hatte. Semir sah wie der Mann ein paar belegte Brote auf den Tisch stellte. Dazu gab es eine Flasche Wasser. „Wo ist meine Frau?“ fragte Semir noch einmal. „Es geht ihr soweit gut…“ meinte der Mann nur. „Das hab ich nicht gefragt…wo ist sie?“ wiederholte Semir. Der Mann sah ihn an. „Iss und dann solltest du schlafen…es ist schon spät…“ grinste er und verschwand wieder.

    Ann-Katrin sah vom Buch hoch als es klopfte. Wer um alles in der Welt konnte das noch so spät sein. Sei ging hin und als sie die Person durch den Spion sah, musste sie unweigerlich grinsen. Ging ja schneller als ich dachte, kam ihr in Gedanken. „Was willst du denn hier?“ fragte sie gespielt überrascht. „Ann Katrin... wir müssen reden...ich finde diese Kabbelei, die wir austragen einfach kindisch. Darf ich reinkommen?“ bat Tom Kranich. Ann-Katrin trat zur Seite und nickte nur. Im dem gemütlich eingerichteten Wohnbereich ließ er sich auf die Couch fallen. „Also!“ forderte Ann-Katrin ihn auf. „Was also?“ fragte Tom zurück. „Du wolltest mir doch was sagen oder nicht?“ lachte Ann-Katrin. „Ach so....ähm....also ja....ich denke wir sollten unsere Streitereien begraben...ich meine...wir sind ja immerhin Partner und private Dinge könnten das Zusammenarbeiten unnötig erschweren....und von daher, denke ich sollten wir privates und dienstliches trennen...“ kam von Tom. Ann-Katrin lachte leise auf. „Ich fass es nicht.....ich dachte du willst dich bei mir entschuldigen und dann kommt so eine abgedroschene Rede?“ tadelte sie ihn. „Aber...einen Augenblick mal...du bist doch diejenige gewesen, die weg ist...ich muss mich nicht entschuldigen..“ fauchte Tom. Wieder keimte die Wut auf. Doch Ann-Katrin lächelte ihn nur an. „Du hast Recht...ich meine...wir könnten ja dort weitermachen, wo wir damals unterbrochen wurden...was hältst du davon, Tom Kranich?“ fragte sie provozierend. Dass ihr Bademantel dabei etwas auseinander ging sah fast wie Zufall aus. Tom sah sie an und nickte dann. Seine Augen hefteten sich an die Stellen die ihm blank dar geboten wurden. „Willst...willst du den Mantel nicht zumachen?“ fragte er mit heiserer Stimme. Wieder lachte Ann-Katrin. „Tom...seit wann bist du ein Moralapostel? Außerdem.....warum soll ich ihn zumachen, wenn du ihn doch wieder öffnest...?“ fragte sie lachend. Sie setzte sich neben Tom und küsste ihn. Für Tom selbst schien diese Aktion auch alles andere als störend.

    „Steig ein und halt die Klappe, wenn du nicht willst dass wir ihr weh tun!“ fauchte einer der Männer. Semir riss sich los....“Ich will zur ihr!“ forderte er ein zweites Mal. Der Mann an seiner rechten Seite packte seinen Arm und drehte ihn schmerzhaft auf den Rücken. Doch Semir blieb stur. „verdammt die Nachbarn werden schon aufmerksam!“ ermahnte der Zweite. Nun kam Mike auf ihn zu. „Pass mal auf...ich werde mit deiner Frau Schlittenfahren, wenn du nicht sofort einsteigst....! Glaub mir... ich weiß wie ich eine Frau nehmen muss..“ warnte er. Mit ausgestrecktem Finger zeigte er auf den Wagen. „Ich zähle bis drei!...Eins.....zwei.....“ fing er an. Semir setzte sich in den Wagen. Er musste Andrea schützen und diesen Kerlen traute er alles zu. Die Fahrt ging los. Es dauerte ne gute halbe Stunde bis sie das Ziel scheinbar erreicht hatten. Semir wurde aus dem Wagen gezerrt und in eines der alten Gebäude gestoßen. „Was ist mit meiner Frau?“ fragte er. „Die kommt gleich...“ kam als Antwort. „Was wollen Sie von uns?“ harkte Semir weiter nach. „Halt die Klappe und rein da!“ fauchte der Mann hinter ihm. Er wurde in einen Raum gestoßen, der außer einem Stuhl und einem Tisch nichts zu bieten hatte. Semir zuckte mit den Schultern und betrat den Raum. „Was ist mit meiner Frau?“ wiederholte er seine Frage. „Du nervst verdammt noch mal!“ schrie sein Bewachter und trat auf ihn zu. Sofort zog Semir sich in die Ecke zurück um den Rücken frei zu haben. „Setz dich auf den Stuhl!“ forderte der Mann und wies auf die Sitzgelegenheit. Semir tat was der Mann wollte. Doch anstatt ihm zu sagen, was nun passieren sollte, verließ der Mann den Raum und verschloss die Tür.

    Tom fuhr wütend nach Hause. Wieso konnten Ann-Katrin und er sich nicht einfach unterhalten? Warum musste es immer in einem Streit ausarten? Aber gut….er wird der Frau sicher nicht hinterher rennen. Niemals….absolut nicht. Er würde nicht klein beigeben. Denn immerhin hatte sie ihn damals verlassen. Und das nur weil man Gerüchte verbreitete. Warum hatte sie ihn nicht einmal darauf angesprochen? Warum war sie nur so stur und konnte nicht zugeben dass er im Recht war? Fluchend über das Verhalten von seiner Kollegin stellte er seinen Wagen ab und betrat seine Wohnung. Wenn er Semir anrief und ihm sagte, dass er und Ann-Katrin sich wieder gestritten haben, dann würde er sich vor Lachen auf dem Boden wälzen. Er hörte ihn schon höhnen…du kannst keiner Frau Recht geben…aber gute Ratschläge an Andere… äffte er seinen Freund in Gedanken nach. Doch dann musste er doch lachen. Eigentlich ist es ja auch so. Er hatte Semir doch den Rat gegeben, dass er auch mal nachgeben muss. Nur was sollte er jetzt tun? Ins Hotel fahren und mit Ann-Katrin sprechen? Es wäre doch sicher eine Überraschung für Semir, wenn die Beiden morgen friedlich versöhnt ins Büro kamen. Ja….das war eine gute Idee….stimmte Tom sich selbst zu. Er zog seine Jacke wieder an und fuhr zum Hotel von Ann-Katrin.

    Ben sah Ricky an. „Wo wollen Sie denn anfangen zu suchen?“, wollte sie wissen. Ben antwortete nicht. „Hallo? Erde an Ben?“, lachte sie und wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht. „Was?“, fragte er völlig verwirrt. „Wo wollen Sie anfangen zu suchen?“, lachte Ricky. Sie schien genau zu wissen welche Wirkung sie auf Ben hatte. Verlegen dreinblickend und rot anlaufend nahm er sein Glas und nippte daran. „Ich weiß nicht. Wo könnte man denn untertauchen?“, wollte er wissen. „Hier in Wien sind die Möglichkeiten grenzenlos. Ebenso wie in jeder anderen Großstadt dieser Ordnung. Vor allem in den alten Industriehallen am Südbahnhof gibt es tausende von kleinen Verstecken, die gerne von den Obdachlosen benutzt werden.“, erklärte sie. Ben verdrehte geschlagen die Augen. „So finde ich den Kerl nie. Es muss doch einen Anhaltspunkt geben.“, fauchte er und sah auf, als das bestellte Essen kam. „Ahhh, das Essen.“, meinte Ricky und zog den leckeren Bratenduft durch ihre Nase ein. Ben tat es ihr gleich und freute sich schon auf das österreichische Essen. „So zwei Mal die Spezialität des Hauses... Vanillerostbraten.“, meinte der Kellner und stellte ein Bier vor Bens Nase. „Danke Hubert.“, bedankte sich Ricky bei dem ihr bekannten Wirt. Dieser lächelte und ging wieder. „So, dann hauen Sie mal rein. Über den Fall sprechen wir beim Dessert.“, meinte Ricky und die beiden Polizisten machten sich sofort über das Essen her. Noch ahnte keiner, dass dieser Abend schneller enden würde, als sie sich geträumt hätten.

    Andrea ging in ihr Zimmer und sah sich um. „Semir? Mensch, wo steckst du denn?“, rief sie durch die beiden Räume. Doch es kam keinerlei Antwort. Langsam machte sie sich große Sorgen um ihren Mann. „Semir, komm schon. Das ist nicht lustig.“, zischte sie und nahm ihr Handy hervor. Mit wenigen Handgriffen hatte sie Semirs Nummer angewählt und wartete auf eine Antwort ihres Mannes. Doch das Handy klingelte und klingelte und Semir meldete sich nicht. Andrea wurde immer nervöser und nervöser. Was sollte sie nun tun? Sollte sie zur Polizei gehen oder sollte sie Ben anrufen? Ja... ja, Ben musste ihr helfen. Schnell wählte sie dessen Nummer an. Nach einigen Augenblicken nahm dieser ab. „Hallo Andrea... was kann ich für dich tun?“, wollte Ben wissen. „Ben... ich brauche deine Hilfe. Semir ist seit einer Stunde verschwunden und ich hab schon das halbe Hotel auf den Kopf gestellt.“, meinte Andrea klagend. „Was? Das kann doch nicht sein.“, stieß Ben aus. „Wo bist du jetzt?“, kam es von Andrea.

    Christopher verließ das Gebäude und fuhr zum Großmarkt, holte Kartoffeln und fuhr zurück zum Hotel. „Chris, endlich. Hast du die Kartoffeln?“, wollte Sarah wissen. Dieser zeigte nur vier Beutel hoch. „Im Wagen sind die restlichen. Die Rechnung liegt auch drauf.“, meinte er und brachte die Sachen gleich in den Vorratsraum. Sarah kam auf ihn zu und legte ihre Hand auf die Schulter ihres Bruders. „Ist alles in Ordnung? Wer war das eigentlich vorhin, der dir in der Küche so aufgeregt gegenüber stand.“, wollte Sarah wissen. Chris sah seine Schwester an. „Ähhh, tja, eine kurze Bekanntschaft aus Deutschland. Ich will aber darüber nicht sprechen. Es war keine angenehme Bekanntschaft.“, meinte er und widmete sich dann wieder seiner Kochstelle. Sarah nickte nur und ging dann wieder zu ihrer Kochstelle. Chris sah ihr kurz hinterher und überlegte sich in Gedanken, was er nun machen sollte. Was sollte er mit diesem Gerkhan nur machen? Er konnte ihn unmöglich lange dort verstecken oder versorgen. Warum brachte er ihm nicht einfach um und warf die Leiche in die Donau. Tja, das konnte er machen. Aber dann dachte er an sein neues Leben hier. Wer wusste denn schon, dass er hier in Wien und in diesem Hotel war? Nur dieser Gerkhan und seine Schwester. Was sollte er denn noch machen? Sollte er sich unsichtbar machen? Ja, das war die Lösung. In der kleinen, österreichischen Provinz, nahe der ungarischen Grenze, würde ihn sicherlich keiner erkennen. Von dort aus konnte man doch auch leicht über die Grenze laufen. Sicher gab es in den tiefen, österreichisch-ungarischen Wäldern einige Trampelpfade, die man nur finden und studieren musste. Mit Karten würde es doch sicherlich kein Problem sein, diese Wege zu finden. Ja, das würde er machen. Gleich morgen würde er sich über das Internet informieren. Und was seine Schwester anging, so konnte er ja sagen, er habe dort eine gut bezahlte Stelle gefunden. Doch er musste geschickt vorgehen. Sicher würden sie ihn schon per Fahndung in den Nachbarländern suchen. „Hey Chris, nicht träumen... die Soße kocht dir ja über.“, fauchte Sarah ihn an. Sofort reagierte der Mann und nahm den Topf vom Feuer. Er ahnte noch nicht, dass die Polizei ihm bald dicht auf den Fersen sein würde.

    Semir trug die Taschen und Andrea musste lachen, als einige der Obstteile aus der Tüte fielen. „Schließ schon mal auf…..ich sammle auf…“ gab er zurück. Andrea steckte den Schlüssel ein und betrat das Haus. Die Tür lehnte sie nur an. Als sie ins Wohnzimmer ging griff plötzlich eine Hand nach ihr und presste ihr einen Lappen auf Mund und Nase. Zunächst stand sie stocksteif, doch dann wehrte sie sich. Sie wollte Semir warnen und stieß dumpfe Schreie aus, dabei holte sie tief Luft und atmete das Chloroform ein. Sie sackte langsam zusammen. „Schatz!!“ hörte sie Semir wie durch Watte rufen bevor sie einschlief. „Hör mal….wir können doch…“ gab Semir von sich und trug die Taschen in die Küche. „Wo bist du denn?“ wollte er anschließend wissen und sah sich suchend um. „Andrea…?“ rief er erneut. Dann betrat er das Wohnzimmer. „ANDREA!!!“ schrie er als er seine Frau am Boden liegen sah. Sofort rannte er hin und ließ sich auf die Knie fallen. „Andrea...? Was ist denn?“ fragte er besorgt. „Nur keine Sorge... sie ist nicht verletzt...“ riss ihn eine Stimme im Rücken aus den Gedanken. Sofort sah er sich um. Es waren mehrere Waffen auf ihn gerichtet. „Was soll das? Was haben Sie mit ihr gemacht?“ wollte Semir wissen. Verzweiflung klang aus der Stimme. Er hielt seine Frau in den Armen. „Nichts Schlimmes.... noch nicht...“ warnte ihn der Mann. Ein Wink von ihm genügte um die anderen Beiden Semir von Andrea weg zu ziehen. „NEIN!! LASST MICH!!“ schrie der Hauptkommissar und wehrte sich gegen die Beiden. Doch gegen die Männer hatte er keine Chance. „Hör auf...und tu was wir sagen...sonst erschieße ich sie...“ drohte der dritte Mann, den Semir nur als den Mann erkannte, der ihn in der Wohnung von Taubner niedergeschlagen hatte. Semir sah wie er der schlafenden Andrea die Waffe an den Kopf drückte. Sofort verhielt er sich ruhig. „So und nun werden wir alle das Haus verlassen. Ich trage deine Frau und du tust nichts was sie gefährdet...ist doch so oder?“ lachte Mike höhnisch. Semir nickte nur. Er durfte Andrea nicht gefährden. Ohne Gegenwehr ließ er sich aus dem eigenen Haus bringen. Als er dann sah, dass Andrea in ein anderes Fahrzeug als er gebracht wurde, kann wieder sein Kampfgeist hervor. Er trat um sich und stemmte sich gegen die Männer die ihn festhielten. „NEIN!! Ich will zu ihr!!“ schrie er verzweifelt

    Tom sah Ann-Katrin an. „Weißt du eigentlich dass du noch schöner geworden bist. Ich meine als du ohnehin schon warst…“ machte er ihr Komplimente. „Das kannst du dir sparen. Ich habe mir geschworen nie wieder auf dich reinzufallen…Tom Kranich. Also vergiss es..“ warnte Ann-Katrin ihn. „Wieso kannst du das Kompliment eigentlich nicht einfach hinnehmen?“ wollte Tom wissen. „Weil das Kompliment von dir kommt. Du hast damals schon mit solchen Dingen versucht dein Ziel zu erreichen. Bei mir hast du damit keine Chance..“ erklärte sie. Sie rollte die Nudeln auf die Gabel und aß. „Das Restaurant ist sehr gut….empfehlenswert…muss ich schon sagen… hast du die Kellnerin auch schon im Bett gehabt?“ wollte sie wissen. „Was? Nein…wie kommst du denn darauf… Isabella ist verheiratet!“ empörte er sich. „Weil du alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist, vernaschst…bei mir hast du es auch versucht….aber nicht geschafft… und genau das kratzt dein männliches Ego an… Du bist ein Macho…“ fauchte sie ihn an. „Ich? Ich bin doch kein Macho…ich meine…ich habe dich doch eingeladen…nicht um heute Nacht mit dir ins Bett zu gehen… allein der Gedanke daran ekelt mich schon an… nein…ich wollte…ich meine…ich will nur das Eis brechen. Wir müssen zusammen arbeiten. Und ich meine wirklich zusammen arbeiten…..sonst passiert so etwas wie das mit Semir noch einmal. Stell dir mal vor, dass dieser Taubner es für sich ausnutzt, dass wir uns streiten…“ gab Tom zu bedenken. „Du hast nicht vor mit mir ins Bett zu gehen? Und es ekelt dich an?“ kam die Gegenfrage von ihr. „Ja sicher… wir sind….Kollegen….“ nickte Tom. „Du bist sooooo widerlich…Tom Kranich…..und mein Essen brauchst du nicht bezahlen..“ fauchte sie wütend. Sie warf die Serviette auf den Teller, legte zehn Euro hin und erhob sich. „Du kannst mich mal…“ fauchte sie ihn an und verließ das Lokal. Tom sah ihr nur hinterher.

    Semir ging in Richtung Küche. Er hörte schon von weitem das Schwingen der Löffel und überlegte ob er das Trinkgeld nicht etwas erhöhte. Schließlich war nicht nur ein Koch mit den Speisen beschäftigt? Oder ging es nach Tischen. Er klopfte an die Schwingtür. „Aus dem Weg bitte!“, hörte er hinter sich. Semir trat ein Schritt zur Seite, als der Kellner mit Tellern bepackt in die Küche ging. Semir schloss sich einfach an. „Hallo…guten Abend.. ich möchte mich gern bei dem Koch bedanken, der das Essen für Tisch 7 zubereitet hat!“, rief er durch die große Küche. Ein Mann, der direkt hinter Semir stand drehte sich um. Er starrte ihn an und Semir ging es nicht anders. „Sie?“, fragte Semir erstaunt und griff gewohnheitsgemäß dorthin wo seine Waffe sich befand, wenn er im Dienst war. Doch dann fiel ihm ein, dass er gar nicht im Dienst war. Er stand da und sah den Mann an. „Warum sind Sie schon wieder frei?“, wollte er wissen. Seine Stimme klang heiser und sein Blick fiel auf das lange Messer, welches der Mann vor ihm hielt. „Gerkhan… was freue ich mich dich zu sehen…Sarah…das ist mein guter alter Freund Gerkhan…darf ich mir ein paar Minuten für ihn nehmen?“, fragte Christopher Klein ohne seine Schwester anzusehen. „Ja sicher… hinten ist ein Raum, wo ihr euch kurz unterhalten könnt….aber wirklich nur kurz“, lächelte die Frau und sah ihren Bruder nur kurz an um sich dann wieder der Arbeit zu widmen. Christopher tat einen Schritt auf Semir zu und packte ihn am Kragen. „Dann komm…da lang!“, forderte er auf und setzte Semir die Messerspitze an die Rippen. Sein Mund führte er an Semirs Ohr. „Wenn du kein Blutbad willst, dann komm mit!“, forderte er ihn leise auf .Semir sah ein, dass er so keine Chance hatte. Er war unbewaffnet. „Hören Sie...Klein…ich…“, versuchte er. „Schnauze…und los!“, fauchte Christopher ihm ins Ohr.

    Susanne kraulte Felix am Abend und sah fern. „Du bist ein toller Kater. Ein supertoller Kater, der total verwöhnt ist. Hat Semir dich eigentlich überall mit hingenommen?“, fragte sie. „Miau…“, kam von dem Kater. Susanne lachte. Manchmal war es als würde das Tier sie verstehen. Sie erwischte sich dabei, dass sie sich auch so ein Tier wünschte. Etwas das mit ihr nach einem langen Arbeitstag kuschelte. Es wäre so schön….das Fell war so weich und das Schnurren beruhigte sehr. „Weißt du was… wenn du noch Geschwister hast, die ein Zuhause suchen… dann kannst du sie zu mir schicken. Mein Vermieter wird vielleicht nicht ganz zufrieden sein, aber immerhin...hätte ich dann auch was zum kraulen…“, schlug Susanne vor. Doch dann lachte sie. „Ich benehme mich wie eine Oma….und rede mit einer Katze…Felix…nichts gegen dich, aber…ach was soll es…komm…wir gehen in die Küche und nehmen uns noch ein Mitternachtssnack…“, meinte sie. Der Kater sprang auf. Er schien tatsächlich zu verstehen, was Susanne wollte. Sie gingen in die Küche und wenig später gingen sie zu Bett. Susanne hatte sich das Gästezimmer zu Recht gemacht. Felix ließ es sich nicht nehmen ebenfalls im Bett zu schlafen. Nicht auf dem Kopfkissen oder am Fußende, sondern am liebsten auf dem Bauch von Susanne. „Na, du bist aber ein Frecher.“, lachte sie und ließ den Kater gewähren, der sich scheinbar nicht darum scherte, was seine Menschen von ihm dachten. Wieder musste Susanne unweigerlich an Ben denken, dessen Verhalten doch zusehends Felix ähnelte oder war es umgekehrt. Wer guckt von wem ab? Ohne dieser Frage weiter nachzugehen, ließ Susanne ihre Lider sinken und schlief alsbald tief und fest ein.

    Semir befreite sich aus dem Griff, als die Beiden in dem Raum waren. Sofort jedoch kam Christopher mit dem Messer in der Hand auf Semir zu. „Was wollen sie hier?“, fauchte er wütend. Anscheinend wusste dieser Bulle nicht, dass er ausgebrochen war. Mit einem eisernen Blick sah er den Polizisten an. „Ich... ich mache hier Urlaub. Aber sie können unmöglich schon wieder draußen sein. Das geht nicht.“, stieß Semir aus und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Sie... sie sind ausgebrochen, oder?“, stieß er aus und wollte im nächsten Moment wieder zu seiner Waffe greifen, die gar nicht da war. Entsetzt blickte er auf das blitzende Messer, dass der Mann vor ihm in der Hand hatte. Christopher grinste und hob die stählerne Klinge, ging damit auf Semir zu und packte den kleinen Hauptkommissar am Kragen. „Schade, jetzt kennst du mein Geheimnis.“, lächelte er und setzte die Klinge an Semirs Hals. Dessen Augen weiteten sich erschrocken und voller Furcht. Dann jedoch sank die Klinge. „Nein, so leicht mach ich es dir nicht. Du hast mich in den Knast gebracht und jetzt musst du mir auch mein neues Leben versauen. Dafür werde ich dir deines nehmen.“, stieß Christopher aus und drehte Semir blitzschnell um, schlug mit der Faust und dem Knauf des Messers in den Nacken des Mannes. Sofort sackte der Deutschtürke in sich zusammen und wurde von dem Angreifer in einen Sack verfrachtet, dann in einen Kleintransporter gesteckt und die Türen verschlossen. Mit ruhigem Gesicht ging Chris wieder zu seiner Schwester. „Ich hab gerade im Lager nachgesehen. Wir brauchen dringend wieder Kartoffeln. Ich fahr mal schnell zum Großmarkt und bring zehn Säcke mit.“, erklärte er. Sarah nickte nur. Kartoffeln, das wusste sie, waren in dieser Küche meist schnell weg. So ließ sie ihren Bruder gewähren. Sie ahnte nicht, was er vorhatte.

    Semir sah auf die Uhr. „So…Feierabend…ich habe heute noch was vor. Was macht ihr?“ wollte er von Ann-Katrin und Tom wissen, die es tatsächlich geschafft hatten eine Stunde ohne Streit auszukommen. „Nun…ich werde mich in mein Hotelzimmer zurück ziehen und Tom wohl einen Abend allein zuhause verbringen..“ fing Ann-Katrin an zu sticheln. „Ich bin doch gar nicht allein….ich kann…“ fauchte Tom sofort. „Nein!! Nicht schon wieder!! Leute…bitte…..nehmt etwas Rücksicht auf meine Kopfschmerzen. Geht einfach gemeinsam essen und gut ist..“ fiel Semir sofort ein. Tom und Ann-Katrin sahen ihn an. „Das ist auch eine gute Idee…Tom kann sich bestimmt ne Pommesbude leisten…“ ging es mit Ann-Katrin weiter. „Weißt du was? Das ist eine absolute Unterstellung…ich kann mir auch ein italienisches Restaurant leisten…aber nicht mit dir an einem Tisch!“ fauchte Tom. Semir schüttelte den Kopf und verließ das Büro ohne etwas zu sagen. Er ging zu seiner Frau, die gerade auch einpackte. „Na komm…wir lassen die Beiden allein und fahren nach Hause…ich hab Hunger…“ meinte er. Andrea sah durch die Glasscheibe und sah natürlich anhand der Gestiken, dass die Streitigkeiten wieder ausgebrochen waren. „Zumindest nach Feierabend..“ lachte sie. „Wir müssen aber erst noch einkaufen…ich habe nichts mehr im Kühlschrank…“ hängte sie an. „Klar….was wollen wir denn essen?“ fragte Semir. „Lass dich überraschen….es wird sicher nach deinem Geschmack sein…“ lachte Andrea. „Wir können auch essen gehen…ich lade dich ein…“ schlug Semir vor. „Nein…als Entschuldigung koche ich für dich und nun komm….“ forderte Andrea ihn auf. Gemeinsam fuhren sie einkaufen und anschließend nach Hause.

    Auch Tom und Ann-Katrin fuhren getrennte Wege. Tom sah dem Audi von ihr nach und schüttelte den Kopf. „Was für eine Frau…“ stöhnte er. Er ließ sich in seinen Mercedes fallen und fuhr heim. Auf diesem Weg kam er an dem Hotel vorbei, wo Ann-Katrin abgestiegen war und sah gerade wie sie ausstieg. Er hielt an und kurbelte das Fenster runter. „Ann-Katrin!!“ rief er und sie drehte sich zu ihm um. Lachend kam sie zum Wagen. „Was tust du hier? Verfolgst du mich?“ wollte sie wissen. „Nein…hör mal…ähm…wollen wir was zusammen essen?“ lud er sie ein. Ann-Katrin lachte verschmitzt. „Nur essen?“ harkte sie nach. „Ja sicher…wir könnten uns einen angenehmen Abend machen, über vergangene Zeiten reden…“ schlug er vor. „Über die alten Zeiten? Tom….ich glaube nicht, dass ich noch mehr darüber sprechen muss, als es heute schon passiert ist. Warum gibst du nicht einfach zu, dass du dich bei mir entschuldigen willst?“ wollte sie wissen. „Was? Ich? Wieso denn? Ich hab doch gar nichts getan, was eine Entschuldigung rechtfertig…“ widersprach er und spürte dass die Wut über diese Frau wieder anstieg. „Aber ja….“ lachte sie und stieg ein. Er sah sie etwas irritiert an. „Ja?“ harkte er nach. „Ja…fahr los bevor ich es mir anders überlege…“ warnte sie und Tom musste breit grinsen. Verstehe einer die Frauen….dachte er dabei und steuerte das nächste Restaurant an. Wenig später saßen sie gemeinsam am Tisch. „Sag mal….war das ernst gemeint, als du sagtest, dass du … ich meine….damals…“ wollte sie wissen. „Du meinst mit Nicole? Ja…ich kenne keine Nicole…und ich hab auch nicht jede flach gelegt…“ gab er zu. „Dann war das alles nur Lüge? Du wolltest nur als Macho dastehen?“ harkte sie nach. „Nein…ich hätte jede haben können. Viele wollten mit mir ins Bett. Aber ich war mit dir zusammen…und ich wollte dich nie verletzen…“ kam kauend von ihm. „Oh…ich verstehe…du willst mir ein schlechtes Gewissen machen. Ich hab Schuld an der Trennung oder?“ kam wütend von ihr. „Nein… Ann-Katrin… das meine ich nicht. Aber….ich war schon enttäuscht, dass du mir so wenig Vertrauen entgegengebracht hattest…“ erklärte er weiter.


    Wo bleiben denn die Feeds???

    Ann-Katrin ging ins Büro wo Tom und Semir heftig diskutierten. Sie sah die Beiden an. „Hey…also von mir aus, können wir uns jetzt mal über das unterhalten, weshalb ich eigentlich hier bin…“ meinte sie. Semir nickte. „Okay.. Sie fangen an. Was wissen Sie, was wir nicht wissen…“ fragte er. „Nun…Hans Taubner steht auf der Gehaltsliste von Ralf Prinz. Taubner ist mehr der Strohmann für Prinz und verrichtet die Geschäfte wo es darum geht ein Gesicht in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Prinz hält sich bedeckt. Nach unseren Informationen hat er einen großen Porno- und Drogenring aufgebaut, der sich nicht nur in Nordrhein-Westfalen bemerkbar macht. Auch in Niedersachsen sind bereits ein paar bekannte Bordelle von Prinz geschlossen. Wir haben insgesamt 103 Mädchen aus den Fängen von Prinz befreit…wir haben über 65 Kilo Kokain beschlagnahmt…“ zählte Ann-Katrin auf. „Whow….dann hat Prinz sicher eine ganz üble Laune...“ meinte Tom. „Ja…ganz sicher…. Er hat mir bereits mehrfach bedroht. Aber bisher ist keine Drohung in die Tat umgesetzt worden…“ meinte Ann-Katrin. „Wieso hat man dir dann den Fall nicht weg genommen?“ wollte Tom wissen. „Nun….weil ich am besten informiert bin. Und Prinz scheint mir das sehr übel zu nehmen, wenn ich nicht mehr ermittle. Außerdem bin ich seit zwei Jahren an diesem Fall dran… ich werde ihn mir nicht wegnehmen lassen…ganz sicher nicht…“ prophezeite Ann-Katrin. „Das heißt du bittest eigentlich mehr um unsere Hilfe als umgekehrt…“ grinste Tom triumphierend. Ann-Katrin sah ihn an. „Nein….ich versuche den Fall zu lösen. Nach meinen Informationen sollen in drei Tagen Drogen- und Mädchen an Prinz geliefert werden. Und zwar über die Autobahn…deshalb seid ihr dabei. Wie ich von Frau Engelhardt erfahren habe, habt ihr vor gut drei Wochen ebenfalls einen Transport von Prinz gestoppt und 18 Mädchen befreit oder?“ wollte Ann-Katrin wissen. „Ja stimmt… bei einer Kontrolle ist uns der Wagen aufgefallen, weil er überlastet war. Die Mädchen darauf waren jung… drei waren tot. Allerdings haben die Fahrer des Transports es vorgezogen sich selbst zu richten…“ erklärte Semir sachlich.

    Und während sich die drei Hauptkommissare zusammen rauften, wurde bei Taubner über den Weitergang des Transportes gesprochen. „Ich habe die Informationen. Der Kerl wohnt in der Kantstrasse 5 in Köln-Weiden. Er ist verheiratet. Seinen Dienst verrichtet er mit einem gewissen Tom Kranich…Escher Strasse 118, allein stehend…“ zählte Mike auf als er zu Taubner ins Büro kam. „Sehr schön….dann werden wir heute Abend mal der Familie Gerkhan einen Besuch abstatten. Nimm…Alfred und Markus mit….macht ihm klar, dass er wenn er sich einmischt von seiner Frau verabschieden darf. Bringt sie in die Wohnung in der Ludwigshafener Strasse…das Haus steht leer. Sorgt dafür, dass es ihr an nichts fehlt…“ befahl Taubner. „Ja okay… was ist mit Gerkhan?“ wollte Mike wissen. „Er wird nichts tun, was seine Frau gefährdet…“ grinste Taubner. Dann griff er nach seinem Handy und wählte Ralf Prinz an. „Wir haben die Adresse von Gerkhan…und werden seine Frau entführen..“ gab er durch. „Nein…das ist mir zu unsicher…. Beide…und dann setzen wir seinen Partner Kranich unter Druck…das ist viel Besser. In dem Haus in der Ludwigshafener Strasse könnt ihr sie getrost unterbringen…“ empfahl Prinz. „Das hatte ich eh mit seiner Frau vor. Okay… wir werden uns beide holen…“ gab Taubner klein bei. Er wusste dass Prinz keine Widerworte hören wollte. „Okay… postiert euch schon mal dort…nicht dass er noch abhaut…“ knurrte er. Mike nickte. Gemeinsam mit Alfred und Markus fuhr er in die Kantstrasse 5. Er verschaffte sich über den Keller Zugang zum Haus und wartete mit den Beiden im Wohnzimmer von Semir. „Ich hoffe die beiden sind allein und haben keine Kinder…“ knurrte Alfred. „Klar doch….Prinz hat gesagt dass sie recht frisch verheiratet sind…“ lachte Mike. „Das ist doch kein Hindernis für ein Kind…“ gab Alfred zurück. „Klappe…die können gleich hier sein..“ forderte Markus.

    11.03.2010 Koma

    In der Auftaktfolge erlebt Semir einen wahrhaftigen Alptraum. Seine hochschwangere Frau Andrea wird von einem weltweit gesuchten Verbrecher entführt, der einen Geiselaustausch fordert: Andrea gegen die Polizistin Tanja, mit der Semir pikanterweise einmal eine Affäre hatte.

    Die Polizistin Tanja erwacht nach sieben Jahren aus dem Koma und gerät prompt ins Fadenkreuz von Polizei und Drogenmafia - denn bei dem Undercover-Einsatz, bei dem sie schwer verwundet wurde und ins Koma fiel, verschwanden auf mysteriöse Weise Drogen und Geld in Millionenhöhe.

    Das ganze erhält zusätzliche Brisanz, weil Tanja zum Zeit des Unglücks eine Affäre mit Semir hatte und scheinbar immer noch liebt. Doch Semir ist inzwischen ein glücklich verheirateter Familienvater.
    Die Ereignisse überschlagen sich, als Semirs hochschwangere Frau Andrea von einem weltweit gesuchten Gangster entführt und zum Geiseltausch angeboten wird: Tanja gegen Andrea!

    Ben sah sein Gegenüber nur an. Was für tolle Augen….dachte er und die Haare….weich und sanft umrahmten sie das schmale Gesicht. Die Grübchen die sich zeigten, wenn sie lächelte. „Herr Jäger? Hallo?“, riss ihre Stimme ihn aus den Gedanken. „Was? Ähm….nein…keine Hinweise…ich...ich weiß nur dass er in Wien ist…“, stammelte Ben. Ricky lachte leise. „Eine kalte Dusche hilf.“, versprach sie. „Oh…entschuldigen Sie… ich bin einfach nur fasziniert. Ich dachte mein Gegenüber würde ein alter knorriger und mies gelaunter Beamter sein, der…“, erklärte Ben leise. „Oh ich verstehe und nun sind Sie enttäuscht, oder was?“, kam etwas spitzfindig von Ricky. „Nein…ganz im Gegenteil. Wollen wir nicht was essen gehen? Ich meine, dann könnten wir den Fall besprechen… und…und unsere Zusammenarbeit ausarbeiten.“, gab Ben etwas nervös von sich. Ricky nickte. „Wie haben Sie denn die Zusammenarbeit vorgestellt?“, wollte sie wissen. „Ich erzählte was vorgefallen ist. Ich meine immerhin ist Christopher Klein hier bei seiner Mutter nach der Scheidung teilweise aufgewachsen, ging dann zum Vater nach Deutschland und hat sich dort strafbar gemacht und wurde wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er ist ausgebrochen und hat dabei einen Beamten verletzt. Der Mann lag die ganze Nacht gefesselt und geknebelt in einem Bett. Tja und ich habe auch sehr üble Erfahrung mit dem Herrn gemacht.“, erzählte Ben den damaligen Vorfall. Ricky hörte schweigend zu. „Das ist zwar bedauerlich, aber wie kann ich da helfen? Sollte Herr Klein tatsächlich hier sein, dann könnte er überall in Österreich sein. Er könnte von Wien aus weitergeflogen sein, er könnte hier in der Stadt wohnen oder…sonst was…“, erklärte Ricky lächelnd. „Ja, aber das kann man doch herausfinden oder?“, wollte Ben wissen. „Ja sicher… nur das geht nicht von heut auf morgen. Ich müsste, sofern mein Vorgesetzter zustimmt natürlich, den Flughafen anschreiben und die Gesellschaften ansprechen, ob Herr Klein mit ihnen geflogen ist oder aber vielleicht hier in Wien geblieben ist.“, war die Antwort. „Na dann fragen wir Ihren Vorgesetzten doch…“, grinste Ben.

    Christopher Klein fuhr zu dem Haus, in dem sein Freund Rolf Stein im Schlaf erstickt war. Das Haus war eine Ruine. Er betrat es und sah sich um. Die Wände im Wohnzimmer waren rußgeschwärzt und auch im angrenzenden Schlafzimmer war es nicht anders. Er ging in den ersten Stock und die Stufen der Treppe knarrten bei jedem Schritt. Christopher sah besorgt auf das Geländer. Hie schien das Feuer aber nicht so einen großen Schaden angerichtet zu haben. Das obere Stockwerk war nicht wirklich vom Feuer betroffen. Und das war irgendwie schön, die Räume waren eingerichtet. Es sah toll aus. Doch der Geruch des Feuers war überall vorhanden. Christopher ging wieder ins Erdgeschoss und von dort in den Keller, doch hier war kein Durchkommen. Alles war durcheinander und völlig dunkel. Es gab kein Licht, keine Elektrizität. Christopher ging zurück und betrat das Zimmer wo sein Freund starb. Er sah das Bett und glaubte sogar darauf den Körper seines Freundes zu sehen. Das war natürlich Blödsinn, aber seine Phantasie spielte ihm hier einen Streich. „Weißt du, wie oft ich verflucht habe, dass du rauchst? Verdammt Rolf… du bist so ein dämlicher Idiot. Ich wollte gerade unsere Freundschaft auferstehen lassen und du haust einfach ab. Das ist nicht fair.“, sagte er leise. Tränen liefen ihn über das Gesicht. Doch dann verließ er das Haus. Auf dem Gehsteig davor wischte er sich die Tränen weg. Sarah sah ihn an. Sie hatte ihn begleitet, doch den Abschied wollte sie ihn allein machen wollen. „Ist alles okay?“, fragte sie besorgt. „Ja sicher… danke... ich versteh es einfach nicht. Wie kann er sich einfach davon machen?“, wollte Christopher wissen. „Aber er hat es doch sicher nicht absichtlich gemacht. Er ist eingeschlafen und hat seine Zigarette vergessen.“, versuchte sie ihn zu beruhigen. Christopher nickte traurig. „Na komm…unsere Pause ist gleich vorbei und wir müssen ja das Abendessen für die Gäste vorbereiten.“, hängte sie an.

    „Oh sieh mal… das ist so schön hier. Semir…. Ich bin einfach nur überwältigt. Aber mir ist kalt, wollen wir nicht schnell noch einen Kaffee trinken oder einen heißen Kakao?“, wollte Andrea wissen. „Ja sehr gern. Hab schon Eisklumpen anstatt Füße. Es ist einfach so schön hier.“, stimmte Semir zu. Sie gingen in eines der schönen Straßencafés und bestellten erst einen Kaffee und dann einen heißen Kakao mit Sahne. Dazu gab es Plätzchen die sich Semir alles einsteckte. „Was willst du denn damit?“, lachte Andrea leise. „Na für Unterwegs… ich will doch nicht verhungern.“, grinste Semir leicht. „Ja die Gefahr besteht natürlich…“, nickte Andrea und nahm einen Schluck. „Ob Ben wohl mit Felix gut zu Recht kommt?“, wollte sie plötzlich wissen. Semir zog die Schulter hoch. „Ich werde ihn nach dem Abendessen mal anrufen und nachhören. Kann ja sein, das unser kleiner Tiger ihn das Essen streitig macht und Ben elendig verhungert.“, grinste Semir verschmitzt. „Kannst du nicht einmal ernst bleiben? Du bist ein Kindskopf…Semir Gerkhan…“, tadelte sie ihn lachend. Semir lächelte verschmitzt und beide gingen zu ihrem Fiaker, fuhren dann ins Hotel zurück, um sich aufs Abendessen vorzubereiten. Semir zog sein neues Jackett und eine Jeans an, so passte er halbwegs in diese gehobene Umgebung, dachte er sich. „Kommst du?“, rief Andrea ins Bad, als Semir noch immer nicht fertig war. Dieser kam raus, blieb im Türrahmen stehen und drehte sich wie eine Modell um sich selbst. „Na?“, fragte er und sah seine Frau fragend an. Diese staunte nur. „Man Semir, du kannst ja richtig elegant sein.“, lachte sie. „Komm, wir gehen essen.“, kam es nur von dem Deutschtürken und beide verließen ihr Zimmer, nichts ahnend, dass dies ein Essen mit Überraschungen werden würde.

    „So…Schluss jetzt!“ befahl Semir. Tom sah ihn an. „Semir…mit dieser Frau gibt es nur Ärger…dein Erlebnis heute ist der klare Beweis dafür!“ erklärte Tom. „Nein…daran habt ihr Beide Schuld. Wenn ihr euch nicht gestritten hättet, dann wäre ich nicht allein gefahren und wir hätten einen der Typen von Taubner verhaften können…aber nein… ihr müsst euch ja streiten… Nimm dir ein Beispiel an mir und Andrea… wir haben uns nämlich vertraten, weil Andrea eingesehen hat, dass ich im Recht war. Du hast mir doch den Vorschlag gemacht, einer Frau Recht zu geben…also dann tu es!“ forderte Semir ihn auf. Tom sah ihn an. „Semir…diese Frau kann kein Recht haben. Sie …sie…. Der Fall ist viel zu schwer für sie..“ gab Tom zu. „Oh…jetzt weiß ich wo dein Problem liegt… Du liebst sie..“ lachte Semir plötzlich. „Was? Nein….das ist nicht wahr…!“ widersprach Tom sofort. Semir schüttelte den Kopf. „Tom…wir haben mit Ann-Katrin einen nicht ganz einfachen Fall zu lösen. Also rauft euch zusammen. Gib ihr Recht und gut ist…“ schlug Semir vor. „Nee…so einfach ist das nicht…“ kam von Tom wie von einem bockigem Kind. Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Diese Frau ist ein Teufel… wie sollen wir uns auf sie verlassen können, wenn wir in Gefahr sind und sie anfängt zu diskutieren?“ gab Tom zu bedenken. „Das wird garantiert nicht vorkommen. Halt dich einfach zurück und provoziere sie nicht…so einfach ist es.“ meinte Semir nur. „Ich werde es versuchen. Nicht das du denkst, dass ich Schuld an der Streiterei habe…schließlich bin ich nicht verheiratet…“ meinte Tom nur bockig. Semir stöhnte auf. Hier war Hopfen und Malz verloren.

    Auch Andrea redete mit Engelszungen auf Ann-Katrin ein als sie in der Küche standen. „Frau…Windhölzer…ich…“ fing Andrea an. „Ann-Katrin…reicht...“ lächelte die nette Hauptkommissarin. „also gut…Ann-Katrin…ich würde gern wissen, wie Sie sich die Zusammenarbeit mit meinem Mann vorstellen?“ wollte Andrea wissen. „Ich komme doch blendend mit Ihrem Mann aus…“ lachte Ann-Katrin. „Ja…sicher…aber Sie und Tom….ich meine….man kann doch nicht ständig streiten und gleichzeitig die Partner schützen…“ warf Andrea nachdenklich ein. „Oh…ich verstehe…Sie sehen die kleinen Zwistigkeiten zwischen Tom und mir als Gefahr für Ihren Mann…“ lachte Ann-Katrin. Andrea nickte. „Stimmt…während Sie beide sich streiten gerät mein Mann vielleicht in einen Hinterhalt oder wird angeschossen… oder schlimmer noch…sogar getötet…“ ermahnte Andrea sie. „Es liegt nicht an mir…Frau Schäfer…das kann ich Ihnen sogar auf der Bibel beschwören… wenn ich es umschreibe ist es eher verletzter Männerstolz…und dagegen sind wir halt machtlos..“ erklärte Ann-Katrin. „Andrea….reicht…. Sie müssen versuchen, sich mit Tom zu arrangieren…sonst sehe ich für die Zusammenarbeit schwarz…“ gab Andrea zu bedenken. „Wissen Sie… Andrea…. damals auf dem Lehrgang…da war Tom der hübscheste Polizist den wir dort hatten und jeder war hinter ihm her. Das Problem….er wusste es genau und spielte mit den Gefühlen der Mädchen. Nach einigen Informationen hat er eine nach der Anderen vernascht… er selbst leugnet es natürlich. Aber viele der Mädchen die ich gefragt habe, haben es bestätigt. Nur mit mir wollte er angeblich was Festes anfangen….Ich hab mich drauf eingelassen und erfuhr nur drei Tage später, das er mit einer anderen im Bett war. Wie würden Sie da reagieren? Und dann…hört man jahrelang nichts mehr. ER hat sich nicht einmal verteidigt…“ erzählte Ann-Katrin. Andrea nickte. „Dennoch…versuchen Sie den Streit auf den Feierabend zu schieben…“ gab sie den guten Rat. „Ich werde es versuchen…“ versprach Ann-Katrin.

    Ach ja, und was „Angst und Vertrauen“ angeht: Wie gesagt, ich bin bei der Story noch am Ball, aber ich kann nicht sagen, wann sie endgültig fertig werden wird (Wie war das mit Ostern? ;))… sorry!

    Freu mich Manuela.....aber du hast ja nicht gesagt in welchem Jahr zu ostern :D:D ...aber keine Angst....die Story ist ja nicht tot....lol und was die Kurzgeschichte angeht...mal sehen was du daraus machst....

    Tom hatte große Bedenken Semir fahren zu lassen, doch dieser bestand darauf. „Was machen wir denn jetzt wenn du einen Unfall baust? Bist du sicher, dass du Fahrtüchtig bist?“ wollte er besorgt wissen. „Ja…geht schon….mir dröhnt nur der Schädel..“ gab Semir zu. „Ich kann dich auch fahren…und deinen Wagen lassen wir abholen...ist sicher besser..“ schlug Tom vor. Ann-Katrin lachte leise. „So besorgt kenne ich dich ja gar nicht…“ grinste sie. Sofort war Tom wieder auf 180. „Weil du mich nie so gesehen hast! Geht es nicht in deinen Kopf, dass er sich vielleicht schwerer verletzt hat, als es den Anschein hat? Hast du keinen Partner um den du dich kümmern musst?“ fauchte er sie an. „Hört auf!“ schrie Semir und hielt sich direkt den Kopf. Ann-Katrin und Tom sahen ihn erstaunt an. „Bitte…hort auf zu streiten… das hält ja kein Mensch aus..“ stöhnte Semir. „Ich fahre! Schluss der Debatte und ihr solltet anfangen zusammen zu arbeiten. Wir machen hier keinen Konkurrenzkampf…“ gab Semir wütend von sich. Tom nickte. „Ja…du hast vollkommen Recht… absolut…Semir…. Aber Ann-Katrin sieht das sicher ganz anders… sie ist ja immer unschuldig wenn zwei sich streiten…“ fauchte Ton und sah wieder zu seiner Exfreundin. „Ach jetzt bin ich es wieder? Wer hat denn damit angefangen? Wer meinte denn unbedingt auf eingeschnappt zu machen?“ gab sie zurück .Semir schüttelte nur den Kopf. „Darf ich?“ fragte er sauer und zog die Tür vom BMW zu. Dann startete er den Motor und fuhr einfach los. „Was hat er denn?“ wollte Ann-Katrin wissen und sah dem Wagen hinterher. „Keine Ahnung. Im Augenblick hat er etwas Stress mit seiner Frau… Andrea…die bei uns im Büro sitzt…. Die Beiden zanken sich bei jeder Kleinigkeit. Das ist nicht einfach mit ihm zusammen zu arbeiten, wenn die Beiden sich so anpfeifen. Der Junge kapiert einfach nicht, dass man einer Frau auch mal Recht geben muss.“ stöhnte Tom. Ann-Katrin lachte leise. „Da kenne ich noch einen…“gab sie zu verstehen. „Was soll das denn nun schon wieder heißen? Ich kann einer Frau Recht geben!! Jawohl!!“ Aber du hast kein Recht. Du hast nie Recht!“ behauptete er. „Lass uns fahren, bevor mir schlecht wird.“ Grinste Ann-Katrin und stieg in ihren Audi während Tom zu Mercedes ging. „Als ob ich keiner Frau Recht geben kann…“ knurrte er während er den Motor startete und in den fließenden Verkehr einfädelte.

    Semir kam in der PAST an und wurde sofort von Andrea in Behandlung genommen. „Tut es sehr weh?“ fragte sie besorgt. „Nein…spüre kaum noch was. Alles nur weil Tom sich mit Ann-Katrin streiten muss…“ stieß er aus und zuckte zusammen, als Andrea die Wunde abtupfte. „Och…mein Held…du bist ja sooooo tapfer..“ grinste Andrea leicht. Semir zuckte zusammen, als der Eisbeutel mit seiner Beule in Berührung kam. „Diesen Mistkerl schnappe ich mir, das schwör ich dir. Der hat unfair gekämpft..“ drohte Semir wütend. „Warum hast du denn nicht auf Tom und Ann-Katrin gewartet? Die sind doch kurz nach dir los..“ wollte Andrea wissen. „Weil die sich nur gezankt und mir nicht zugehört haben…“ meinte Semir nur. „Willst du ein Aspirin?“ harkte Andrea nach, die ihm ansah, dass er stärkere Schmerzen hatte, als er zugab. „Vielleicht besser zwei..“ grinste er. „Klar doch mein Held… Semir… wenn so etwas noch mal passiert…dann…dann könnte es beim nächsten Man ziemlich übel ausgehen. Wir sollten ein Machtwort sprechen. Die können sich doch am Feierabend streiten und nicht wenn ihr Dienst habt. Ihr müsst euch doch gegenseitig decken..“ gab Andrea zu bedenken. „Ja…ich weiß…daran denke ich auch die ganze Zeit nach. Aber die scheinen einiges noch nicht aufgearbeitet zu haben..“ murmelte Semir. Und schön hörte man die beiden Streithähne ins Büro kommen. „Ich hab doch gleich gesagt… dass ich mit dir nicht arbeiten kann. Du gehst mir dermaßen auf die Nerven…“ fauchte Tom wütend und wollte gerade in seine Büro gehen, als Semir sich ihm in den Weg stellte. Andrea tat das gleiche mit Ann-Katrin.

    Tom und Ann-Katrin erreichten das Haus. Sie hielten direkt hinter Semirs BMW. Tom stieg aus und ging zu Ann-Katrin. „Du stehst im Halteverbot!“ erklärte er und wies auf das Schild. „Polizeieinsatz….Paragraph 17/4…ich hoffe du kennst ihn noch..“ knurrte sie. Gemeinsam gingen sie zum Eingang aus dem gerade ein Pärchen kam. Doch auch die Beiden hatten das Problem, kein Klingelschild zu entdecken. Tom wollte zunächst nachfrage wo Taubner direkt wohnte. „Er wohnt unter dem Dach…8. Etage… die Wohnung ist bekannt.“ erklärte Ann-Katrin. „Ach …das wusstest du auch schon? Das ist ja eine ganz tolle Zusammenarbeit…wirklich toll…“ fauchte Tom direkt wieder los. Sie stiegen die Treppen nach oben, als sie den außer Betrieb genommenen Fahrstuhl sahen. Ann-Katrin war als erste oben. „Ich hab dir einen Vorsprung gelassen…kannst ja nicht immer verlieren..“ meinte Tom außer Atem. „Ja schon klar….Tom Kranich der Kavalier…“ lachte Ann-Katrin verächtlich. Dann entdeckte sie die offene Tür. „Da ist die Wohnung…“ meinte sie und zog ihre Waffe. Tom tat es ihr nach. „Verdammt…“ stieß er aus. Vorsichtig gingen sie auf die Wohnung zu. Ann-Katrin sprang hinein und rollte sich ab. „Verdamm! Herr Gerkhan…? Tom!!“ rief sie plötzlich. Tom rannte ebenfalls rein. Sein Partner lag ohne Bewusstsein am Boden. „SEMIR!!“ schrie er, ließ sich neben Semir nieder und drehte ihn vorsichtig auf den Rücken. „Hey…komm schon…“ sagte er und schlug ihm leicht ins Gesicht. Semir gab ein leises Stöhnen von sich. „Hey… alles okay?“ wollte Tom besorgt wissen. „Aua…“ stieß Semir aus. Langsam ging seine Hand zum Kopf. Als er sie zurückzog, war sie leicht blutig. „Bleib liegen…ich hole einen Arzt…“ meinte Tom noch als er sich aufrichtete. „Ich brauch keinen Arzt...Boah…wenn ich den Mistkerl kriege..“ stieß Semir wütend aus und kam langsam mit Hilfe von Ann-Katrin und Tom auf die Beine. Schwankend blieb er stehen. „Wieso hast du uns denn nicht gesagt, dass du hier hin fährst?“ tadelte Tom seinen Partner. „Hab ich doch…aber ihr wart mit Streiten beschäftigt…“ stöhnte Semir. Von Tom und Ann-Katrin gestützt ging es nach unten zum Auto.

    Mike und Laura fuhren direkt zu Taubner in die zweite Wohnung. Sie gaben Bericht und Taubner stieß einen wütenden Fluch aus. „Verdammt noch mal!! Das ist jetzt schon das zweite aufeinander treffen mit diesen Autobahnbullen. Die vermiesen mir das Geschäft. Prinz sieht das gar nicht gern. Er erwartet in drei Tagen eine große Lieferung von Frischfleisch und die funken garantiert dazwischen. Wir müssen uns was einfallen lassen…. Vorschläge?“ wollte er wissen und sah Mike an. „Wie wäre es, wenn wir den Spieß umdrehen?“ kam plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund. „Ralf….was machst du denn hier?“ stieß Taubner überrascht aus. „Ich habe bereits Informationen über den unliebsamen Besuch bekommen. Wer war der Bulle?“ wollte Prinz wissen. „Er hieß Gerkhan…und er … er kommt von der Kripo Autobahn..“ gab Laura leise von sich. „Okay… Hans…du wirst dafür sorgen, dass der Junge nichts mehr anstellen kann. Egal wie… stell ihn ruhig oder mach etwas damit er sich nicht mehr einmischt…“ forderte Ralf. Taubner nickte nur. „Dann lass ich ihn mal eine Warnung überbringen. Mike…ruf die Jungs zusammen und besuch unseren Freund doch mal..“ befahl Taubner. „Und ich werde herausfinden, mit wem unser Freund ins Bett geht und was er weiß.. Nimm ihn nicht zu hart ran… oder warte…. Nein…nimm ihn gar nicht ran… ich werde ihn mit ein paar Jungs besuchen und es selbst in die Hand nehmen. Du wirst sehen, Taubner…der Kerl wird kuschen…“ lachte Ralf Prinz. So schnell wie Prinz da war, war er auch wieder verschwunden .Taubner sah Laura an. „Was sitzt du hier rum? Sieh zu das die Kasse klingelt!“ schrie er sie an. Laura nickte und verschwand. Taubner lehnte sich zurück. Seit drei Wochen machten ihm die Autobahnbullen nun schon das Leben zur Hölle. Doch damit war sicher bald Schluss…, dachte er nur.

    Semir stieg die letzten vier Etagen hoch und stand endlich etwas außer Atem vor der Tür von Taubner. Auch hier stand kein Name, aber der Mann im Erdgeschoss hatte er ja genau beschrieben wo dieser Typ wohnte. Semir horchte kurz an der Tür. Es waren Geräusche zu hören, also war auch jemand zuhause. Er überlegte kurz, ob er klingeln sollte. Eigentlich war es ziemlich riskant, denn er wusste nicht, wie viele Gegner ihn hier erwarteten. Doch andererseits….kam er sicher weiter wenn er auf unschuldig tat. Er steckte seine Waffe ein und drückte den Klingelknopf. Wieder horchte er. Die Geräusche waren verstummt. Erneut drückte er den Knopf. Nichts….alles ruhig. Also gut…dann eben doch offiziell…dachte er. „Hallo….öffnen Sie bitte! Ich habe gehört, dass Sie da sind! Hier ist die Polizei!!“ rief er durch die Tür. Dann hörte er tippelnde Schritte die auf die Tür zukamen. Nur langsam öffnete sich die Tür. Eine junge Frau sah ihn ängstlich an. „hallo…“ lächelte er freundlich. „Sie sind von der Polizei?“ fragte sie erstaunt. „Gerkhan…Kripo Autobahn… Wer sind Sie?“ wollte Semir wissen und zeigte ihr den Ausweis. „Ich bin Laura….Laura Frei….ich….wohne hier zurzeit…“ erklärte sie leise. Semir bemerkte dass sie Angst hatte. „Nach meinen Informationen soll hier ein Herr Taubner wohnen…“ erklärte er. Laura Frei sah ihn an. „Ja…das stimmt auch….er ist mein Onkel…und….“ Sie sah in Richtung Wohnung und genau das machte Semir stutzig. Sie schien nicht allein. Wurde die Frau bedroht? „Ist alles in Ordnung?“ fragte er. „Ja…sicher….ist nur ein Irrtum….ich….ich dachte…das das Telefon…“ stammelte sie. „Dann entschuldigen Sie bitte die Störung…“ meinte er nur und tat als würde er gehen. Doch bevor die Tür sich geschlossen hatte trat er mit voller Wucht dagegen. Ein Schrei ertönte. Laura rannte aus der Wohnung während Semir seine Waffe zog und sich geistesgegenwärtig fallen lies.

    Mike, der hinter der Tür stand und Laura instruierte, was sie zu sagen hatte stöhnte auf, als der Türgriff genau in seine Magengrube landete. Er fluchte verhalten und sah auch schon den Mann mit der Waffen in der Hand in die Wohnung fallen. Sofort ging er in den Angriff über und warft sich auf dem Mann, bevor dieser sich aufrappeln konnte. Er nagelte ihn fest. Doch wenn er dachte dass dies einfach war, wurde er eines besseren belehrt, denn der Polizist zog alle Register und konnte sich befreien. Schneller als Mike dachte war der Mann auf den Beinen und ging nun seinerseits auf Mike los. Dieser versuchet ihn mit Faustschlägen abzuwehren. Mit einem Glückstreffer konnte er den Polizisten entwaffnen. Ein weiterer Schlagabtausch folgte. Mike holte aus und traf den Mann in die Rippengegend, während dieser versuchte sich mit einem Tritt in die Genitalien zu befreien. Mike spürte genau, dass er hier mit Fairness nicht weit kam. ER schlug auf den Mann ein, dass dieser gar nicht wusste wie ihm geschah. Ein Schlag von Mike traf den Polizisten an der Schläfe und der Polizist taumelte benommen an die Wand. Er lehnte sich an und genau hier sah Mike seine Chance. Blitzschnell griff er die Waffen des Polizisten vom Boden und schlug ihm diese auf den Kopf. Mit einem leisen Stöhnen ging der Mann zu Boden und blieb reglos liegen. Die Waffe ließ er achtlos neben dem bewusstlosen Polizisten fallen und drehte sich suchend nach Laura um. „Los! Raus hier!!“ fauchte er sie an, als er sie entdeckt hatte. „Ist er…ich meine…ist er…tot?“ fragte sie ängstlich. Mike sah sie an. „und wenn…? es ist mir egal! Los! Raus jetzt!“ Wütend packte er sie fest am Oberarm und verließ das Haus mit ihr. An der Tür kam ein weiteres Pärchen an. Mike sah dass Beide bewaffnet waren und tat auf unschuldigen Bürger. Er zog Laura an sich heran um es aussehen zu lassen, als seien sie ein Liebenspaar. Mit gemächlichen Schritten gingen sie die Straße entlang.