Beiträge von Elvira

    Semir schloss die Tür auf und betrat das Haus. Es war leer….müde schleppte er sich ins Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch fallen. „Na wo bleibt ihr denn?“ murmelte er leise fragend. Er sah auf die Uhr und wurde unruhig. Wo zum Teufel blieben die Kerle? Er wollte zu Andrea…. Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Semir ging hin und öffnete. Vor der Tür standen drei Mann. „Los….Prinz erwartet dich!“ forderte der Mann auf .Semir nickte. „Ich hole nur meine Jacke…“ gab er leise von sich. „Mach hin!!“ fauchte der Mann. Semir griff seine Jacke und Schlüssel. „Los…wir haben nicht ewig Zeit!!“ drängte der Mann erneut. Semir schloss die Tür und ließ sich von den Männern zum Wagen geleiten. Doch kaum saß er drin wurden ihm die Augen verbunden. „Das ist nur zu unserer Sicherheit….und Prinz will nicht, dass du weißt wo wir dich hinbringen…“ hörte er einen der Männer sagen. Semir antwortete nicht. „Bist heute sehr schweigsam…hoffe nur du hast genügend Informationen für den Boss….der wird nämlich ziemlich böse werden, wenn du das nicht hast…“ verhöhnte ihn der Mann links. „Halt die Klappe Ingolf!!“ fauchte ein weiterer Mann. Semir speicherte den Namen direkt. „Mann er ist doch ganz friedlich….nicht so wie seine Frau…“ lachte der Mann zu seiner linken. Semir zuckte zusammen. „Bist du dämlich? Du sollst die Klappe halten!!“ schrie der andere Mann. „Was ist mit meiner Frau?“ wollte Semir wissen. „nichts…sie ist in Ordnung…“ wurde er beruhigt. „Nun ja…. Leider… ich wollte ihr mal zeigen wie ein richtiger Mann es einer solchen Braut besorgen kann, leider wurde ich gestört sonst würde sie jetzt mir gehören..“ lachte erneut der Mann, der Ingolf genannt wurde. Semir ballte die Fäuste und stieß seine linke Faust plötzlich in die Richtung woher das Lachen kam. Ein Schrei ertönte und sofort war ein anderer Mann da, der Semir die Hände festhielt. Doch Semir registrierte zufrieden, dass er sein Ziel auch mit verbundenen Augen getroffen hatte. „Du verdammter Bastard!!“ schrie der Getroffene und wollte wohl auf Semir losgehen, als eine dritte Stimme erklang. „Schluss jetzt!! Ingolf du hältst dich zurück….hast selbst Schuld…und du Gerkhan….beruhige dich…deine Frau ist okay…“ Semir lehnte sich zurück. Er schwor sich diesen Mistkerl der Andrea angepackt hatte eigenhändig die Handschellen anzulegen.

    „Alex… schön dich zu sehen….“ Begrüßte Ann-Katrin ihren Exfreund. Sie wollte ihm einen Kuss geben, doch Alex drehte sich weg. „Komm zur Sache… Ann-Katrin und dann verschwinde wieder aus meinem Leben..“ knurrte der eigentlich sympathische SEK-Mann. „Ich brauche deine Hilfe bei einem Zugriff. Ich will einem miesen Zuhälter und Menschenverächter in den Knast bringen….“ Erklärte Ann-Katrin. Alex nickte. „Kein Problem… brauchst du nur meinem Vorgesetzten melden und schon ist es erledigt…“ kam von Alex. „Nein… so einfach ist das nicht….hör zu…. Ich ….also es ist so….mein eigentlicher Zugriff ist abgesetzt worden, weil irgendeine Frau eines Polizisten in der Gewalt dieses Zuhälters ist….aber ich lasse mir die Sache nicht versauen…verstehst du… ich bin seit zwei Jahren an diesem Fall dran und ich werde mich nicht ruhig stellen….verstehst du…ich brauche deine inoffizielle Hilfe. Gerkhan und Kranich…“ erklärte Ann-Katrin. Alex sah sie sofort an. „Gerkhan und Kranich?“ harkte er nach. „Ja….Gerkhans Frau ist in Gewalt dieser Kerle und deshalb ist mein Zugriff abgesagt worden… nur wegen einer Frau eines Autobahnpolizisten….“ Tadelte Ann-Katrin die Entscheidung der Vorgesetzten. Alex stand auf. „Andrea ist eine wunderbare Frau!! Woher nimmst du dir das Recht über ihr Leben zu entscheiden?“ fauchte er sie wütend an. Ann-Katrin sah ihn erschrocken an. „nicht so laut….Bitte…“ kam von ihr. Alex beruhigte sich wieder. „Du kennst die Frau also?“ wollte Ann-Katrin wissen. „Oh ja….und wenn sie als Geisel bei diesem Kerl ist, dann werde ich garantiert nicht bei deinem Zugriff mitmachen…nicht solange Andrea bei denen ist…“ versprach Alex. Ann-Katrin schloss die Augen. „Wieso sind alle gegen mich?“ wollte sie wissen. „Such in dir drin… dort findest du den Fehler. Aber ich sage ihn dir….du bist Egoistisch…ja wohl… für dich gibt es nur einen wichtigen Menschen….dich… Ann-Katrin…neben dir leben Milliarden von Menschen…aber du siehst nur dich…Du bist nicht der Mittelpunkt. Solange du das nicht siehst, wirst du keine Freunde haben..“ versprach Alex. Erstand auf und ging wieder. „Aber Alex…..“ rief Ann-Katrin ihm nach.

    Christopher lenkte den Wagen durch einen kleinen Wald. Hier musste es doch irgendeine Möglichkeit geben bequem zu übernachten. Wenigstens für ihn. Gerkhan kann hier im Wagen pennen. Und dann endlich sah er eine kleine Hütte. Schien ziemlich verwildert zu sein, aber in seiner Situation brauchte er keinen Komfort. Ein weiches Bett reichte. Und um eventuelle Nachtwanderer nicht auf ihn und Gerkhan aufmerksam zu machen, konnte er seinem Gast ja einen Knebel anlegen. Aber…vielleicht sollte er Gerkhan einfach in der Hütte anbinden…das wäre besser, wenn die Kollegen von dem Bullen vielleicht doch schon eine Spur aufgenommen. Dieses dumme Pärchen war sicher schon in die Mangel genommen worden und konnte das Kennzeichen durchgeben. Ja…besser wenn Gerkhan bei ihm ist…ganz nahe bei ihm. Er sah in den Rückspiegel. Gerkhan saß friedlich in seiner Ecke und hatte die Augen geschlossen. Schlief der etwas? Dann schien er sich ja wohl zu fühlen. Christopher hielt an und stieg aus. Die Tür schlug er so heftig zu, dass er durch das Fenster sehen konnte wie Gerkhan sich erschrak. „Los, wir sind für heute am Ziel.“, lachte er, als er die hintere Tür geöffnet hatte und Semir hervorzog. Der Hemdskragen war vollkommen von Blut verschmiert, aber die Wunde am Hals war wieder geschlossen. „Na komm...“, fauchte Klein und zerrte Semir raus, stieß ihn dann zur Hütte und ließ ihn vorerst in der nächtlichen Kälte stehen, um die Hütte sich genauer ansehen zu können. Ganze fünf Minuten musste Semir im Schnee und in der Kälte ausharren, bevor er dann in die Hütte gebracht und an einen Ring, dicht am Kamin gefesselt wurde. „So, hier wirst du schlafen. Morgen früh geht es weiter und ich rate dir... mach ja keine Dummheiten und weck mich vor allem nicht.“, fauchte Christopher und sah sich dann an den Fenstern noch einmal um. Es war stockfinster draußen und kaum etwas zu sehen. Hierher würde sich keiner verirren, dachte er und legte sich beruhigt schlafen. Doch ruhig war es sicherlich nicht.

    Semir sah immer wieder zu Christopher hinüber und versuchte, sich geräuschlos die Fesseln zu öffnen. Immer wieder merkte er, wie er vom Knoten abrutschte, doch sein Wille, hier rauszukommen, war stärker. Mehrere Male zog er am Knoten und merkte, wie es sich lockerte. „Komm schon.“, dachte Semir und sah immer wieder zum Feldbett hinüber. Klein schien einen festen Schlaf zu haben. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit konnte Semir den Knoten endlich lösen und schüttelte die restlichen Seile von sich. Die Beinfesseln waren auch schnell gelöst und vorsichtig kniete er sich hin, sah immer wieder zum Bett hinüber. Der Mann rührte sich nicht. Langsam krauchte der Deutschtürke zur Tür und hoffte, dass sie nicht abgeschlossen war. Vorsichtig streckte er die Hand zur Tür aus und horchte, ob noch immer der gleichmäßige Ton des Atmens da war, den Christopher Klein von sich gab. Er war da und langsam drückte Semir die Klinke runter. Kein verräterisches Knarren erklang, als er die Tür aufzog, durch den kleinen Spalt schlüpfte und sie wieder hinter sich zuzog. Jetzt war er draußen, doch schon war ein neues Problem da. Wie sollte er von hier weg kommen? Den Schlüssel vom Wagen hatte sicher Klein in seiner Tasche und sicherlich würde Semir ihn sich nicht holen. Er musste zusehen, dass er eine Straße erreichte und ein Auto anhalten konnte. Schnell stapfte er los, immer wieder sah er sich um und mit jedem Meter, den er ging, vergrößerte sich sein Abstand zu seinem Entführer. Schon bald würde er Andrea wieder in die Arme schließen und mit ihr den restlichen Urlaub, immerhin noch 8 Tage, in Wien verbringen können. Sicherlich machte sie sich mehr als nur große Sorgen. Er hoffte inständig, dass es ihr und dem Baby gut ging. Was war das? War da ein Geräusch am Himmel?

    Ingolf Richter sah Prinz an. „Hast du mir nichts zu sagen Ingolf?“ wollte der Zuhälter wissen. „Boss…ich …ich habe nichts getan…“ erklärte der Mann ängstlich. „Ach nichts getan? Weißt du dass ich es hasse, wenn man meine Befehle missachtet?“ harkte Prinz nach. „Ja sicher…ich habe ja auch alle beachtet…“ nickte Ingolf. „Alle….? Was ist mit der Frau von dem Bullen?“ kam die nächste Frage von Prinz. „Ach so….ich…..Mensch Boss… ich wollte ihr doch nur mal zeigen, was ein richtiger Mann zu bieten hat… was kann ich dafür, wenn sie sich so ziert?“ lachte Ingolf. Prinz stand auf und stellte sich vor ihn hin. Ohne jeden Ansatz flog Ingolf die Hand des Zuhälters ins Gesicht. Blut schoss aus der Nase. Völlig geschockt sah Ingolf seinen Boss an. „Solltest du noch einmal in die Nähe der Frau kommen oder sie auch nur schräg ansehen, dann werde ich dir eine Bleikugel schicken ist das klar? Niemand wird sie anpacken….sie ist keine der Nutten….“ fauchte Prinz ihn an. Ingolf nickte leicht. „aber...Boss…sie…“ versuchte er noch und stockte direkt wieder als Prinz ihn ansah. „Das ich dich nicht gleich abknalle verdankst du Taubner….aber noch einmal lasse ich es dir nicht durchgehen…ab sofort werde ich dich beobachten….ich warne dich….und damit ich dich wirklich unter Kontrolle habe, wirst du gemeinsam mit Mike den Mann der Frau abholen….Mike weiß Bescheid….er gibt die Befehle und du hast sie auszuführen, ist das klar?“ wollte Prinz wissen. Ingolf nickte. „Mike!!“ schrie Prinz. Nur wenig später kam der Mann herein. „Er wird dich begleiten und Gerkhan abholen! Du hat die Befehlsgewalt und wenn er es nicht macht…dann darfst du ihm eine Kugel schenken…!“ gab Prinz bekannt. Mike nickte kurz und sah Ingolf an. „Komm….er wird sicher gleich zuhause sein!“ befahl er. Ingolf nickte und folgte Mike.

    Semir saß neben Tom im Wagen und starrte einfach auf die Straße. „Also gut…ich werde dich nicht aus den Augen lassen…..sobald sie dich holen, werde ich mich an euch kleben und schon können wir die Typen schnappen…. Hast du der Chefin erzählt, dass sie dich holen werden?“ wollte er wissen. Von Semir kam keine Antwort. „SEMIR!!“ riss Tom seinen Freund aus den Gedanken. „Was?“ fragte dieser. „Ob du der Chefin gesagt hast, dass sie dich abholen werden?“ wiederholte Tom seine Frage. „Nein….ich….ich habe ihr meine Waffe gegeben und den Ausweis und bin weg….sie kann mir eh nicht helfen. Wenn ich dem Kerl nichts erzählen kann, dann werden sie denken ich weigere mich…und wenn ich sage ich bin suspendiert, dann…“ Semir ließ das was passieren kann offen. Tom verstand ihn auch so. „Nur keine Angst….okay… du wirst sagen, dass du uns überzeugen konntest, den Zugriff nicht zu machen…. Prinz wird den Ort nicht ändern und dann kannst du sicher morgen früh wieder ins Büro kommen….du musst ihm doch nicht sagen, dass du suspendiert bist. Ich werde dich morgenfrüh zuhause abholen und….“ Versuchte Tom ihm Mut zu machen. Semir nickte. „nun lass den Kopf doch nicht so hängen….“ Meinte Tom. „Du verstehst es nicht oder? Ich mache mir Sorgen um Andrea…ich weiß nicht ob ich sie heute überhaupt sehen darf…diese Mistkerle …. Ich weiß nicht, was….was die mit ihr machen…ich …“ klagte Semir. Tom nickte. „Ich weiß…. Ich verstehe dich…wirklich….“ Kam von Tom. Er setzte Semir vor dem Haus ab. „Soll ich mit rein kommen?“ wollte Tom wissen. „Nein…vielleicht warten die schon im Haus…ich will nicht, dass dir was passiert….“ lächelte Semir, stieg aus und ging auf das Haus zu. Tom sah ihm nach.

    „Ach...die beiden Superbullen beehren mich...wenn ihr wegen den Fingerabdrücken kommt, dann sag ich euch gleich, dass ich nicht soweit bin...ich habe nicht einmal die Hälfe isolieren können... viele überlappen sich auch und...“ begrüßte der KTU-Techniker die Beiden. „Hartmut...darum geht es jetzt nicht. Semir ist suspendiert worden...wegen Befangenheit...“ unterbrach Tom ihn. Hartmut sah Semir an. „Wieso dass denn? Ich meine er hat es sich ja nicht ausgesucht...oder?“ wollte der Techniker wissen. Semir schüttelte nur den Kopf. „Aber wie kann ich euch helfen?“ harkte Hartmut nach. „Semir weiß dass er heute Abend wieder abgeholt wird...er soll Informationen über den Fall und die Ermittlungen weitergeben, sonst ...“ kam vom Tom und er stockte. Hartmut nickte nachdenklich. „Ich verstehe.....und nun wollt ihr von mir einen Sender haben...klein und total unauffällig...richtig?“ grinste der Techniker. Tom nickte. „Ganz genau… aber der muss nicht nur klein und unauffällig sein, er darf überhaupt nicht entdeckt werden…“ erklärte Tom. Hartmut sah ihn an. „Und du meinst ich hab so was? Tom…. Ich bin Mechaniker…aber ich kann keine Wunder vollbringen….Sender und Mikros werden immer entdeckt…“ gab Hartmut zu bedenken. „Hartmut bitte!!“ forderte Tom ihn auf und wies auf Semir. „Er will Andrea befreien und das geht nicht ohne deine Hilfe…bitte…“ flehte er regelrecht. Hartmut stieß einen undefinierbaren Ton aus. „Also gut…aber ich brauche mindestens zwei Tage….vorher geht das nicht…“ erklärt er sich bereit. „Morgen…..“ ließ Tom verlauten. „Aber….Tom…..so ein Ding zu basteln…das….Tom….!“ rief der Techniker ihm hinterher, doch Tom zog Semir bereits aus der KTU heraus.

    Ann-Katrin sah ihren Vorgesetzten an. „Was soll das heißen, ich hab mich unter zu ordnen? Ich bin an dem Fall dran und stehe so kurz vor der Lösung und nun soll ich abwarten?“ fauchte sie Moritz Degenhart an. „Frau Windhölzer…es geht hier nicht um Ihren Erfolg, sondern um das Leben einer Geisel. Das sie die Ehefrau eines Polizisten ist, hat damit überhaupt nichts zu tun, aber wir werden sie nicht in Gefahr bringen. Sie haben doch einen Kontakt bei Taubner…nutzen Sie ihn. Und nun fahren Sie zurück und teilen es den Beamten der Autobahnpolizei mit…“ befahl Degenhart. „Aber…Herr Degenhart….ich habe zwei Jahre gebraucht…ich kann doch nicht einfach….“ widersprach Ann-Katrin. „Oh doch…. Und Sie werden. Herr Gerkhan ist beurlaubt…..und Herr Kranich wird mit Ihnen zusammen arbeiten…Sie kenne ihn doch von Früher….also los und keine Widerworte mehr!“ kam klar und deutlich von dem Mann. Ann-Katrin nickte und erhob sich. „Wenn wir Taubner und Prinz diesmal nicht bekommen, dann werden noch mehr Mädchen in die Falle tappen….und auf dem Strich landen….ich kann es verhindern….aber …“ fauchte sie wütend. Degenhart nickte nur. „Sie dürfen den Beiden die Handschellen anlegen, wenn wir die Geisel befreit haben. Frau Engelhardt hat mir versprochen, dass es sicher nicht lange dauern wird.“ lächelte er zuversichtlich. Ann-Katrin verließ das Gebäude und fuhr nach Köln ins Hotel. Es war bereits 18 Uhr und sie wollte morgen Tom die Meinung sagen. Stellvertretend….oder vielleicht wäre es gut ihm gar nichts zu sagen. Sie hatte auch ein paar Kontakte zum SEK und wenn sie die spielen lässt, dann könnte sie den Zugriff auch gegen den Willen und ohne Wissen ihres Vorgesetzten machen. Was hatte sie mit der Frau von Gerkhan zu tun. Das war Toms Problem…und nicht ihres. Im Hotel rief sie ihren Exfreund Alexander Hoffmann an. „Alex…hier ist Ann-Katrin….nein…warte…leg nicht auf…bitte…ich ….ich weiß dass ich mich damals falsch verhalten habe…aber…ich brauche beruflich deine Hilfe…..“ bat sie hektisch, als Alex sie anfauchte. „Können wir uns treffen?“ bat sie leise. „Gegen neun…im Conti….am Rudolfplatz…..ich werde im Foyer auf dich warten…danke…“ lächelte sie als er zusagte.

    Andrea lag im Bett und schlief. Sie hatte eine Beruhigungsspritze von dem Arzt bekommen. „Sie dürfen sich nicht so aufregen…“, hörte sie die ermahnenden Worte des Doktors. Der hatte gut reden… es war ja auch nur ihr Mann, der in den Händen von Unbekannten war. Oder wie Ben sagte…in Händen von Christopher Klein. Andrea dachte an diesen Mann, der ohne Rücksicht handelte. Sogar ein Kind als Geisel nahm, um sein Ziel zu erreichen. Warum hatte Semir ihn nicht damals erschossen? Dann wäre das was nun passierte nicht gewesen. Gegen Abend kam Ben kurz ins Zimmer. „Hey… du solltest nach Deutschland zurück fliegen. Es ist besser wenn du in ärztlicher Aufsicht kommst.“, sagte er besorgt. „Hast du was von Semir gehört?“, wollte Andrea wissen. Ben nickte. „Es geht ihm soweit gut.“, log er. „Wo ist er denn?“, harkte Andrea nach. Ben sah sie verzweifelt an. „Ihr wisst es nicht oder? Ihr habt keine Ahnung, wo sich Klein mit Semir aufhält… hab ich Recht?“, fuhr sie ihn an. Wieder spürte sie ein Ziehen. „Andrea… ich werde ihn finden… ich schwöre es dir… aber bitte… versuch dich zu entspannen. Bitte… du schadest dem Kind damit und Semir würde es sicher nicht wollen, dass seinen Goldstücken etwas passiert…“, gab Ben leicht lächelnd zurück. Andrea nickte. „Ja, du hast ja Recht…aber…ich…habe Angst… um ihn…verstehst du mich nicht…?“, wollte sie leise wissen. „Ich verstehe dich sehr gut. Aber wir werden ihn schon bald haben und dann können du und Semir den Urlaub hier beenden.“, lächelte er und streichelte sanft das Gesicht der Frau seines Partners. Andrea hielt die Hand fest. „Danke Ben….“, sagte sie leise.

    Christopher Klein ging zum nächsten Fastfoodrestaurant und holte für sich und seinen Gefangenen genügend Essen. Kurz, bevor er den Wagen öffnete, sah er sich immer wieder um und bekam große Augen, als sich eine Polizeistreife dem Parkplatz näherte und hinauffuhr, kurz vor dem Restaurant hielt und die Beamten ausstiegen. „Oh Shit.“, stieß er aus und riss die hintere Wagentür auf, sprang ins Innere und sah durch den kleinen Spalt nach draußen. Semir blickte ihn erschrocken an. „Halt ja die Klappe.“, fauchte Klein ihn nur an und sah dann, dass die beiden Polizisten ins Restaurant verschwanden. Er atmete auf und blickte Semir dann an, der sich kauernd in die hinterste Ecke des Kleinbusses zurückgezogen hatte. „Okay, jetzt können wir essen. Ich werde dich erst füttern und dann selbst essen.“, gab er bekannt und packte die mitgebrachte Tüte aus. Mit einem kurzen Ruck zog er Semir dichter an sich heran und hielt ihm das mitgebrachte Essen hin. Erst zögerlich biss er hinein und schluckte dann eilig den Bissen hinunter. Christopher lächelte zynisch. „Schon lange nichts mehr gegessen, was? Tja, ich war schon immer ein schlechter Gastgeber.“, lachte er. Mit einem bösen Blick auf den Augen, sah Semir sein Gegenüber an. „Wenn ich nicht gebunden wäre, dann...“, fauchte er und wollte erneut hineinbeißen, doch Christopher zog ihm den Hamburger vor der Nase weg. „Willst du etwa frech werden?“, zischte er und schlug ihn mit der flachen Hand gegen die Stirn. Blinzelnd flog Semirs Kopf zurück und er merkte, wie aus seiner Nase Blut schoss, die Lippen benetzte und weiter seinen Hals hinunterlief. „Bist du friedlich, bekommst du den Rest vom Essen.“, meinte er nur und hielt den Hamburger Semir wieder hin. Dieser schwor sich Rache an diesem Kerl zu nehmen für den Hieb und für die Vermiesung seines Urlaubs.

    „NEIN!!!“, schrie Andrea und wachte schweißgebadet auf. Sofort war Ben bei ihr. „Andrea, alles in Ordnung?“, wollte er wissen und sah sie besorgt und mit großen Augen an. Wieder lagen ihre Hände auf den Bauch. „Ich... ich hatte einen Alptraum. Es geht schon wieder.“, meinte sie keuchend und streichelte sich über ihren Bauch. Mit schweißgebadetem Gesicht lächelte sie Ben an. „Es geht schon wieder, Ben. Nur, bring mir meinen Mann zurück.“, bat sie und sah ihn an. Schwer schluckend nickte er und sah auf, als Ricky ins Zimmer kam. „Wir haben vielleicht eine Chance, ihn zu finden.“, meinte sie und sofort regte sich Hoffnung in Andreas Gesicht. „Welche? Welche Chance gibt es für meinen Mann?“, wollte sie wissen und sah die Wiener Kommissarin an. „Der Mann, dem der VW-Bus gehört, hat mir gerade erzählt, dass er sein Handy im Handschubfach liegen gelassen hat. Seiner Meinung nach ist es gut aufgeladen und eingeschaltet.“, gab Ricky bekannt. Bens Augen weiteten sich und sofort war er aufgesprungen. „Na los, holen wir uns diesen Kerl.“, fauchte er und ging mit seiner Wiener Kollegin zurück zum Wagen. „Soll ich fahren?“, fragte Ricky. Ben nickte nur und im nächsten Moment ging die Fahrt los. Keiner von beiden ahnte, welchen Ausgang diese Fahrt nehmen würde.

    Semir sah auf, als Tom wieder herein kam. Er wollte nicht mit zu Anna deshalb harrte er der Dinge. „Was hat sie gesagt? Sie wird den Zugriff verhindern oder?“ fragte Semir leise. „Semir…sie hat mit der Staatsanwältin gesprochen und mit dem Polizeipräsidenten. Ann-Katrin wird sich uns unterordnen, aber…“ fing Tom an. „Was aber?“ harkte Semir nach. „Es wird ohne dich stattfinden. Du bist beurlaubt…bis der Fall abgeharkt ist..“ kam von Tom. Semir sah ihn ungläubig an. „Wie bitte? Ich werde suspendiert, weil meine Frau und ich entführt wurden? Was bitte kann ich dafür? Ich hab es doch nicht ausgesucht!! Tom…..das geht nicht…das können die nicht machen…ich muss Andrea befreien!!“ schrie Semir. Tränen der Wut stiegen in die Augen. Tom hielt ihn fest, als er aus dem Büro stürmen wollte. „Semir! Bitte überlass es uns. Du weißt das die Chefin dich sonst einsperrt von daher halte dich bitte zurück…ich bringe dich jetzt nach Hause..“ bot Tom an. Semir sah ihn an. „Niemand bringt mich nach Hause…ich werde allein fahren…“ fauchte er und ging zu Anna ins Büro. Mit einem lauten Knall legte er die Waffe und den Ausweis ab. „Ich werde hier ja sicher nicht mehr gebraucht..“ meinte er wütend und drehte sich um. „Semir….ich weiß, dass es nicht richtig ist…aber…mir sind die Hände gebunden. Schwören Sie mir dass Sie nicht allein auf die Suche gehen…bitte…“ wollte Anna von ihm hören. Semir sah sie an, sagte jedoch nichts. Er ging raus und knallte die Tür vernehmlich laut zu. Dann ging er auf den Parkplatz, steig in seinen BMW und ließ den Kopf auf das Lenkrad sinken. Luft holen und sich abreagieren. stieß einen Seufzer aus und atmete tief durch. Dann hielt er sich die Hände vors Gesicht. „Was für ein beschissener Tag..“ gab er leise von sich.

    Tom verließ ebenfalls die PAST. Wenn er Semir richtig einschätzte, dann würde er nicht fahren und er behielt Recht. Er sah Semir im BMW sitzen und öffnete die Beifahrertür. Mit einem leisen Seufzer ließ er sich auf den Sitz fallen. „Hey...komm schon...du weißt das es nur zu deinem Besten ist..“ meinte er und sah Semir an. „Tom...ihr versteht das nicht... die wollen von mir Informationen... die wollen jeden Tag wissen, was passiert und was wir vorhaben. Wie soll ich denn Andrea befreien, wenn...wenn ich nichts erfahre.....? Die Kerle bringen sie um...das weiß ich...“klagte Semir. Tom sah ihn an. „Ich weiß, dass es schwer für dich ist...aber....“ versuchte Tom die andere Sicht zu erklären. „Tom....die werden mich heute Abend wieder holen und ausfragen...wenn ich denen dann nichts liefern kann....dann....“ kam leise von Semir. „Die holen dich heute Abend?“ harkte Tom nach. Semir nickte. „Sie werden mich abholen und morgen wieder zur Arbeit lassen...bis der Deal vorbei ist...und dann....“ Semir stockte. Tom ahnte was er sagen wollte. „Weißt du was....dann werden wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen....pass auf...Du wirst eine winzig kleinen Sender tragen. So klein, dass er nicht bemerkt wird. Hartmut hat sicher was in seiner Zauberkiste und dann.....kann Ann-Katrin sich auf ihren Zugriff vorbereiten, während ich dich und Andrea da raus hole....was meinst du?“ schlug Tom vor. „Willst du der Chefin nicht informieren? Ich meine…“ kam von Semir leise. „Wir werden es machen…und damit meine ich nur du und ich…also los… die Informationen bekommst du von mir…..“ versprach Tom. „Danke…aber du weißt schon…das du das Risiko eingehst auch suspendiert zu werden…ich meine…wenn die raus finden, dass ich nicht mehr ermittle, dann…könnten die auch mich als Druckmittel gegen dich einsetzen….“ gab Semir nachdenklich von sich. Tom nickte. „Das lass mal mein Problem sein…und nun zur KTU!“ forderte Tom.

    Semir saß in seinem Büro. Ihm gegenüber saß Ann- Katrin. „Was wollte Prinz genau von Ihnen?“ fragte sie. „Er will dass wir die Füße still halten.“ gab Semir leise von sich. Gedankenverloren spielte er mit dem Ring an seinem Finger. „Herr Gerkhan….ich weiß dass es schwer ist, wenn eine geliebte Person sich in den Fängen von Verbrechern befindet, aber… wenn wir nicht zuschlagen, dann wird Prinz immer wieder gewinnen. Er wird immer wieder Mädchen aus Polen, aus Ungarn, aus Asien oder aus Peru holen und sie auf den Strich schicken. Wir müssen ihm Einhalt gebieten. Ich kann den Zugriff in zwei Tagen nicht absagen. Die Kollegen vom SEK werden instruiert, dass es eine Geisel geben könnte, aber noch ist nicht sicher, dass sie Ihre Frau auch bei der Abholung der Ware dabei haben. Verstehen Sie mich nicht falsch…ich bin nicht kalt, aber ich habe die letzten zwei Jahre damit verbracht Taubner und Prinz das Handwerk zu legen. Und ich werde es durchziehen…“ erklärte Ann-Katrin kalt. „Und was mit meiner Frau ist, ist völlig egal oder wie?“ wollte er wissen. Ann-Katrin lächelte leise. „Das hab ich nicht gesagt. Ich fühle mit Ihnen…aber ich werde nicht auf den Zugriff verzichten…“ versprach Ann-Katrin erneut. Semir stand auf. „Sie sind uns unterstellt! Das heißt Sie werden das tun, was Tom und ich Ihnen sagen…also komme Sie mir jetzt nicht so!“ fauchte er sie an. In diesem Augenblick kam auch Tom herein. „Was ist denn hier los?“ wollte er wissen. „Diese Person will trotz der Gefahr für Andrea einen Zugriff wagen! Tom…die Kerle bringen Andrea um und sie denkt nur an ihren Ruhm!“ fauchte Semir wütend. Tom sah zu Ann-Katrin. „Ich habe ihm gesagt, dass wir keine Rücksicht nehmen können…“ gab sie zu. „Und warum nicht? Ich dachte die Chefin hat ganz klar gesagt, wie wir vorgehen?“ meinte Tom. „Ja…wie ihr vorgeht…ich gehöre nicht zu eurer Truppe…also werde ich weiter machen.“ versprach Ann-Katrin. Sie nahm ihre Jacke und verließ das Büro mit hoch erhobenem Kopf. „Ich regele das..“ versprach Tom und ging hinterher.

    „Sag mal … spinnst du jetzt total oder was?“ fauchte Tom Ann-Katrin auf dem Parkplatz an. Er fasste sie am Arm. „Semir ist völlig fertig und du hast nichts Besseres zu tun als auf ihn herum zu trampeln…und ich dachte du hättest gelernt auf andere Rücksicht zu nehmen. Andrea ist in der Gewalt von diesen Gangstern und du denkst nur an deiner Kariere…“ schrie Tom wütend los. Ann-Katrin machte sich mit einer harschen Bewegung los. „Was interessiert mich denn Frau Schäfer oder Gerkhan? Ich habe das alles nicht zusammen getragen um jetzt zu kneifen…nenne es Berufsrisiko…so einfach ist das… und nun lass mich. Ich muss den Einsatz vorbereiten… Dein Freund kann ja zuhause bleiben und sich verkriechen. Vielleicht sind ja die Gerüchte um die Autobahnpolizei gar nicht so weit her geholt. Ihr seid ein Haufen Feiglinge…!“ fauchte Ann-Katrin zurück. Sie stieg in ihren Wagen und fuhr los. Tom sah ihr hinterher. So eine dämliche Kuh…dachte er wütend und ging wieder rein. Anna Engelhardt musste nun eingreifen. „Chefin…wir haben ein Problem….mit dem Problem..“ erklärte er kurz darauf. Anna sah ihn an. „Wegen Semir? Oder wegen Frau Windhölzer?“ wollte sie wissen. „Wohl wegen Beider…Ann-Katrin will den Zugriff starten lassen, obwohl Andrea sich in deren Gewalt befinden. Semir ist völlig von der Rolle. Ich kenne ihn….er wird auf eigene Faust versuchen Andrea zu befreien. Wohin das führen kann, muss ich Ihnen sicher nicht sagen, oder?“ wollte Tom wissen. Anna schüttelte den Kopf. „Ich weiß Tom…..ich habe aber schon mit dem Polizeipräsidenten und der Staatsanwaltschaft gesprochen. Wir werden zunächst die Bande in Sicherheit wiegen. Sobald Andrea wieder frei ist, werden wir die Bordelle von Prinz und Taubner durchsuchen und die Mädchen befreien. Ann-Katrin hat sich Ihnen unterzuordnen. Sie werden ab sofort den Fall leiten. Semir kann das im Augenblick nicht, weil er befangen ist. Die Staatsanwältin hat ihn beurlaubt. Er darf nicht weiter ermitteln…“ erklärte Anna. Man merkte wie schwer es ihr fiel.

    „Whow… siehst du so einen Caravan werde ich uns auch mal kaufen…nicht so einen kleinen umgebauten alten VW-Bus…der fast auseinander fällt…“, meinte Marko der mit Janina, seiner Freundin, gerade auf Urlaubsreise nach Ungarn war. Kurz vor der Grenze wollten sie noch eine kleine Rast machen und fuhren auf einen ziemlich wild bewachsenen Parkplatz. Und dort stand sein Caravan…sein Traumcampingwagen. „Ich sehe ihm mir nur kurz an…bleib du sitzen…“, bat er sie. Janina nickte. Marko stieg aus und ging zum Wagen. Er versuchte durch das Fenster zu sehen, doch es war nicht möglich. „Gefällt dir das?“, riss ihn eine männliche Stimme aus seiner Bewunderung. Marko drehte sich erschrocken um. „Ich…entschuldigen Sie…ich…ich …“, stammelte er. „Schon gut… magst du den Wagen wirklich?“, wollte der Mann wissen. „Ja sicher…ich meine, das Ding ist echt stark…“, lachte Marko. Der Mann legte ihm den Arm freundschaftlich auf die Schulter. „Weißt du was, mein Junge… mir ist der Wagen zu groß… was hältst du davon, wenn wir tauschen?“, schlug er vor. Marko sah ihn erstaunt an. „Das ist ein Witz!“, stieß er aus. „Nein…kein Witz… ich tausche nicht nur, sondern ich möchte, dass ihr mit dem Wagen eine Weile herumfahrt. Über die Grenze nach Ungarn…Erst, nachdem ihr die Grenze passiert habt, dürft ihr in den hinteren Teil sehen. Das ist die Bedingung…“, forderte der Mann. „Das ist alles? Ich meine, wir müssen unser spärliches Gepäck dann ja hinten rein tun und….“, stammelte Marko, der sein Glück nicht fassen konnte. „Das tue ich für dich und deine Süße. Hier… du bekommst noch dreihundert Euro.. da hinten ist ein tolles Restaurant. Ihr geht essen und ich regele das mit dem Gepäck.“, schlug der Mann vor. „Einverstanden!!“, strahle Marko. Er verschwand mit Janina, die etwas mehr Skepsis aufbrachte ins Restaurant.

    Claudia sah Michaela an. Es waren nun zwei Tage vergangen. Keine Spur von Christopher Klein, dem Exfreund ihrer Freundin. „Vermutlich hat er das Land verlassen..“, gab sie beruhigend von sich. Michaela nickte. „Ja scheint ganz so. Wir sollten auch anfangen unser Leben wieder zu leben. Ich will keine Angst mehr haben. Keine Furcht mehr spüren. Morgen gehen wir wieder in den Kindergarten und vergnügen uns mit den Anderen… Weißt du eigentlich, das Andrea mit ihrem Mann nach Österreich ist. Sie hat es mir letztens erzählt, als sie Aida abholte. Die Kleine ist bei den Großeltern… für zwei Wochen. Und das zweite kommt auch schon in drei Monaten….ich freu mich so für sie.“, lachte Michaela. Claudia nickte nur. So erleichtert hatte sie Michaela die letzen zwei Tage kaum gesehen. Andrea Gerkhan, war mittlerweile eine richtige Freundin für sie und Michaela geworden. Sie half, wo sie konnte und das obwohl sie ihr zweites Kind erwartete. „Wir könnten sie doch eigentlich mal anrufen…ich hab ihre Handynummer hier.“, schlug Michaela vor. „Ja sicher… sie wird sich bestimmt freuen..“, lachte Claudia. Michaela zückte das Handy und wählte Andreas Nummer. Doch sie meldete sich nicht. „Na…vielleicht sitzen sie ja gerade in der Oper…“, meinte sie nur. „Du hast Recht…gönnen wir ihr die paar Tage….“, lachte Claudia. Michaela steckte das Handy wieder weg. Wenn die beiden geahnt hätten wie es ihrer Freundin ging wären sie vermutlich sofort nach Österreich geflogen um ihr zur Seite zu stehen.

    Christopher wartete bis das junge Pärchen verschwunden war und ging dann wieder zu Semir, der ihn nur ansah. „So…wir wechseln wieder… und du kommst mit…“, gab er bekannt und nahm Semir den Knebel ab. „Lassen Sie den Jungen hier…bitte…“, versuchte er erneut. Christopher nickte. „Du hast Recht… am Besten knalle ich ihn ab…“, grinste Christopher. Semir zuckte zusammen. Er traute diesem Kerl alles zu. Christopher ging auf den kleinen, wimmernden Jungen zu, der auf dem Bett lag und sich in seinen Fesseln wand. Er blickte diesen Mann mit weinerlichen Augen an und flehte mit seinen Blicken. Christopher stand einfach da und sah den Jungen an, dann blickte er sich wieder zu Semir um. Wie sollte er diesen kleinen Jungen nur töten? Er sah genauso aus, wie das Kind, dass er sich mit Michaela immer gewünscht hatte. Hatte er wohl Skrupel das Kind zu töten? Regte sich so etwas wie ein schlechtes Gewissen bei ihm? Nein, das konnte nicht sein. Dennoch... „Du hast Glück, Gerkhan.“, meinte Klein nur und kam dann auf Semir zu. „Ich werde das Kind leben lassen. Aber.... solltest du beim Wechsel irgendwelche Fisimatenten machen, dann schneid ich dem Kind die Ohren ab.“, drohte er und Semir nickte nur. Er wollte nur, dass Alex nichts passierte. Widerstandslos ließ er sich die Fesseln abnehmen und auf dem Rücken wieder zusammenbinden. „Los, hoch mit dir und den Wagen gewechselt.“, fauchte Klein und stieß Semir vorwärts. Dieser warf noch einen letzten Blick auf Alex, der immer noch regungslos auf dem Bett lag und mit seinen großen, weinerlichen Augen zu Semir sah. Der Deutschtürke lächelte und nickte kurz, bevor er von Christopher dann entgültig aus den Wagen gestoßen wurde. Klein sah sich erst um, als sie draußen an der frischen Luft waren. „Los, und keine unvorsichtigen Bewegungen oder das Messer bohrt sich tief in deinen Rücken.“, zischte er. Semir verstand und machte einen Schritt nach dem anderen. Für ihn war es im Moment wichtiger, dass das Kind unbeschadet aus der Sache raus kam. Schnell war Semir hinten verstaut und festgebunden, zur Sicherheit auch wieder geknebelt. Christopher lud in Windeseile das Gepäck der jungen Leute um und achtete darauf, dass er auch nichts übersah. Zufrieden schloss er die Tür des VW-Busses und wartete auf das Pärchen.

    Johanna kam gerade vom Einkauf wieder. Und sie hatte noch nicht einmal die Sachen abgestellt, als sie erstickte Schreie hörte. Verdammt…was war denn da drinnen los? fragte sie sich und öffnete die Tür. Erst war sie sehr erschrocken. Doch es dauerte nur Sekunden bis sie den Mann von der Frau gerissen hatte. „Du verdammter Bastard!! Ich hab gesagt sie wird nicht angefasst!!“ schrie sie ihn an und trat auf den Mann, der am Boden lag ein. „RAUS!!! Ich werde Prinz davon erzählen…du verdammter Mistkerl….du wirst ….“ schrie sie weiter. Der Mann kroch regelrecht aus dem Raum. Johanna schloss die Tür und sah zu der Frau auf dem Bett. Die Bluse war zerrissen genau wie der BH. Die Hose war noch zu aber Johanna war sich sicher, wenn sie jetzt nicht gekommen wäre, dann hätte dieser Mistkerl die Frau vergewaltigt. Nun aber lag sie wimmernd und zusammen gekauert auf dem Bett. Johanna ging zu ihr und setzte sich neben sie hin. Sanft strich sie der Frau über den Kopf. „Er wird dir nichts mehr tun, Andrea…dafür werde ich sorgen….dieser Mistkerl wird dir nicht noch einmal so nahe kommen….Na komm…ich gebe dir was Neues zum Anziehen..“ tröstete sie die junge Frau. Johanna ging zum Schrank und zog einen Pulli heraus. Diesen warf sie Andrea zu. „Zieh ihn an. Der ist zwar etwas zu groß, aber besser als die Bluse…“ lächelte sie zuversichtlich. Andrea nickte und erhob sich langsam. Sie zog die zerfetzte Bluse aus und den Pulli über. Johanna hatte Recht… er war viel zu groß. Immer noch am ganzen Körper zitternd ging Andrea mit Johanna ins Bad. „Wasch dich…“ meinte Johanna nur. „Darf ich bitte duschen?“ fragte Andrea leise. Sie fühlte sich so dreckig. Johanna nickte. „Ich hole dir ein Handtuch wenn du drunter bist. Nur keine Sorge…er wird dich nicht wieder anfassen…“ versprach Johanna erneut.

    Ralf Prinz legte gerade den Hörer auf als Taubner in sein Arbeitszimmer kam. Taubner erkannte sofort, dass der Boss mies gelaunt war. „Was ist? Schlägt der Bulle doch quer?“ fragte er deshalb. „Nein…der Bulle ist ganz friedlich und macht was er soll. Aber deine Leute tun es nicht….und das macht mich sehr wütend….Schaff mir Ingolf her…sofort!“ fauchte Prinz. „Ingolf? Warum? Was hat er getan?“ wollte Taubner wissen. „Er hat sich an meine Geisel rangemacht…ich sagte doch ausdrücklich, dass die Frau nicht angefasst wird….welche Strafe darauf steht, wenn man meine Befehle missachtet ist dir doch bekannt…bring ihn zu mir…ich werde ihn selbst bestrafen…du hast genau zwei Stunden Zeit..“ forderte Prinz. Taubner sah ihn erschrocken an. „Ein Fehltritt…aber…das kann man doch entschuldigen…du musst es verstehen…sie ist eine schöne Frau und…da kann dann schon mal…“ stammelte er und wollte sich für seinen Mann entschuldigen. Doch als Prinz ihn ansah, verstummte er und nickte. Schnell war er wieder verschwunden. Prinz zog an seiner Zigarre. Er rief Mike zu sich. „Mike…du wirst mir heute Abend den Bullen bringen…ich will wissen, was seine Kollegen unternehmen. Und dann richte hier im Haus ein Zimmer für ihn und seine Frau her. Ich will Beide in meiner Nähe haben. Morgens bringst du ihn zur Arbeit und abends wird er bei seiner Frau sein….so wie er es wünscht…“ befahl Prinz. Mike nickte und verschwand. Zunächst machte er das Zimmer für Semir und Andrea bewohnbar. Er suchte ein Doppelzimmer aus wo Gitter am Fenster waren und sich die einzelnen Räume durch eine Gittertür voneinander getrennt waren. und die Tür sich nur von außen öffnen ließ. Prinz hatte drei solcher Zimmer auf seinem Anwesen. Diese wurden sonst für das Einreiten der kleinen Nutten gebraucht und eignete sich auch dafür um die Frau und den Bullen festzuhalten. So war der Bulle bei seiner Frau und auch nicht. Das war sicher auch im Sinne von Prinz.

    Andrea wachte auf. Sie sah den Mann an, der gerade herein kam. „Hallo Frau Schäfer…richtig?“ lachte er freundlich. Andrea nickte. „Wo ist mein Mann?“ fragte Andrea leise. „Nur keine Sorge…er ist auf der Arbeit und heute Abend darf er zu Ihnen kommen. Aber nur wenn er brav ist.“ grinste der Mann. Er maß Andrea mit den Augen ab. „Sie sehen nicht schlecht aus. Aber viel zu schade für einen Polizisten finden Sie nicht?“ wollte er wissen. „Wann darf ich gehen?“ wich Andrea der Frage aus. Sie wollte nicht mit dem Mann über ihren Geschmack sprechen. „Nun…sagen wir mal so…wenn der gute Herr Gerkhan all das tut, was wir wollen, dann werdet ihr schon bald wieder zusammen sein. Wenn nicht…dann…..nun ja…. Lassen wir das erst einmal außer Acht. Warum wollen wir uns die Zeit nicht etwas leichter machen?“ lachte er leise und kam zu Andrea auf das Bett. Sie zog sich direkt an das andere Ende. „Na komm…hab dich nicht so…den Bullen lässt du doch auch ran…“ meinte er nur und drängte sich enger zu Andrea hin. Sie konnte nicht weg. Das Bett stand an der Wand und so blieb ihr nur die Flucht nach Vorn. Sie trat aus. Doch sie traf nicht. Der Mann schaffte es sie festzuhalten. Er zerrte sie über das Bett bis sie so lag, wie er es wollte und setzte sich dann auf ihr. Mit den Beinen klemmte er ihre Arme fest. „NEIN!! HILFE!!“ schrie Andrea und versuchte sich zu befreien. Doch niemand kam. Der Mann lachte und presste seine Lippen auf die Ihrigen. Andrea warf den Kopf hin und her um von diesem ekeligen Mann nicht geküsst zu werden. Doch dieser schien sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Eine Hand griff in Andreas Haar und fixierte ihren Kopf. „Du bist widerspenstig….ich liebe es, wenn Frauen sich weigern….aber es bringt nichts…“ lachte er. Mit der zweiten Hand öffnete er ihre Bluse und packte sie an. „NEIN!!“ weinte Andrea.

    Tom sah sich in Semirs Haus um. Hier war es recht ordentlich und sicher kam niemand auf die Idee, dass hier eine Entführung statt gefunden hatte. Hartmut und seine Kollegen pinselten alles mit Pulverein um Fingerabdrücke zu sichern. „Man…hier sind so viele Abdrücke dass ich Tage brauche…“ fauchte der sympathische Techniker. „Tu es einfach…“ gab Tom zurück. Er sah die Lebensmittel auf dem Boden liegen. „Wenn die so laut waren, dann müsste doch einer der Nachbarn was gesehen haben… Dieter…ich geh mal die Nachbarn fragen…“ rief er und verschwand. Beim ersten Nachbarn öffnete keiner auf das Klingeln hin. Tom sah sich um. Die Häuser standen hier zwar dicht an dicht, aber scheinbar war niemand zuhause. Er stieß einen Seufzer aus und ging zurück zum Haus. „Sie sind ein Kollege von Herrn Gerkhan oder?“ wollte ein Mann wissen. Tom musterte den Mann…“Ja…wer sind Sie?“ stellte er die Gegenfrage. „Ich bin Tobias Haffner…ich wohne da vorne…sind Sie wegen gestern hier?“ kam die nächste Frage. „Haben Sie was gesehen?“ harkte Tom nach. „Ja…also gestern Abend so gegen sieben…da kamen Herr Gerkhan und seine Frau nach Hause… sie haben gelacht und waren fröhlich. Nur eine knappe halbe Stunde spätern kamen sie wieder raus…die Frau wurde getragen und ich konnte sehen, wie Herr Gerkhan sich gegen die Männer sträubte….wissen sie…ich…ich habe ein Fernrohr und eigentlich benutze ich es für die Sternenkunde….“ erklärte der Mann. „Ja schon klar…was konnten Sie denn noch sehen? Vielleicht Kennzeichen? Gesichter?“ harkte Tom nach. „Nein…tut mir Leid… mehr konnte ich wirklich nicht sehen….“ gab der neugierige Nachbar von sich. „Danke….“ lächelte Tom und ging wieder ins Haus zurück. „Und Hartmut?“ wandte Tom sich an den Techniker. „Ich habe hier insgesamt siebzig oder sogar achtzig Abdrücke. Die meisten werden die von Andrea und Semir sein…aber das weiß ich erst wenn ich sie aussortiert habe..“ kam von Hartmut. Tom nickte nur. „Ich muss zurück zur PAST…Semir braucht mich jetzt.“ erklärte Tom und fuhr wieder weg.

    Anna sah auf, als Tom mit Semir und Ann-Katrin in ihr Büro traten. „Tom? Was gibt es?“ lächelte sie freundlich. „Chefin…wir haben ein Problem…ein ziemlich großes…“ gab Tom bekannt. Anna sah sofort, dass es sehr ernst gemeint war. „Was ist los?“ wollte sie wissen. „Andrea und Semir wurden gestern Abend aus ihrem Haus entführt und er wurde heute Morgen frei gelassen. Die Kerle waren sogar so dreist ihn zuhause abzusetzen, damit er mit seinem eigenen Wagen hier her fahren zu können. Aber von Andrea fehlt jede Spur…..“ erklärte Tom. Anna sah Semir an. „Semir? Erzählen Sie mir bitte was vorgefallen ist.“ bat sie. „Die …die haben uns überrascht, als wir vom Einkauf kamen. Andrea ist schon vorgegangen…hätte sie doch auf mich gewartet….dann…dann wäre alles anders gelaufen…aber…“ stammelte Semir verzweifelt. „Sie ist also vorgegangen…was ist passiert?“ harkte Anna nach. „Ich bin auch rein und sah sie am Boden liegen… ich bin sofort hin und hab gar nicht bemerkt, dass drei Männer auch dort waren. Als ich am Boden kniete und mich um Andrea kümmerte…da haben sie …“ Semir holte tief Luft. „… Sie haben uns aus dem Haus geschleppt und getrennt. Ich…ich musste alles tun was sie sagten… sonst hätten sie sie umgebracht…“ endete er. „Weißt du wo du festgehalten wurdest?“ fragte Tom dazwischen. „Nein…Tom…. Ich hab nichts gesehen…ich saß in einem verdunkelten Wagen… zwischen der Rückbank und dem Fahrersitz war eine Scheibe und die war abgeklebt. Zwei der Kerle waren bei mir…der Dritte, das war der Typ aus der Wohnung von Taubner war bei Andrea…. Wir müssen sie suchen…bitte…helft mir doch…“ flehte Semir. „Semir… wir finden sie….aber erst müssen wir Taubner und Prinz auf die Füße treten…“ kam von Tom. „NEIN!!! Wir dürfen nichts gegen Taubner und Prinz unternehmen….die töten Andrea!!“ schrie Semir erschrocken.

    „Wie bitte?“ kam von Ann-Katrin. „Ja…heute Morgen….da wurde ich gefesselt und bekam die Augen verbunden….ein Mann, den ich vorher nie gehört habe ermahnte mich, dass wir nichts gegen ihn unternehmen dürfen…. Wenn doch, dann wird er Andrea etwas antun…Chefin… Tom…wir dürfen nicht eingreifen…bitte….“ flehte Semir. Er hatte große Angst um Andrea. Anna sah Tom an und nickte. „Komm Semir…. Wir fahren jetzt erst einmal nach Hause… du legst dich hin und schläfst etwas. Außerdem müssen wir die Spuren sichern…“ empfahl Tom. „Aber...ich kann jetzt nicht schlafen… will ich auch nicht…ich will Andrea finden!“ fauchte Semir wütend. „Tom… schicken Sie die Spurensicherung zu Semirs Haus….ich kümmere mich um Semir…“ lächelte sie. Tom nickte und verschwand. Ann-Katrin sah zu Anna. „Ich weiß dass es hier eine ziemlich verfahrene Situation ist, aber….wir müssen tätig werden. Sonst machen Taubner und Prinz immer weiter. Die werden Mädchen aus allen Ländern in die Bordells schleppen und ausnutzen….das können wir nicht zulassen. Am besten wird Herr Gerkhan nicht mehr ermitteln….Er ist befangen und ich denke es ist besser, wenn er beurlaubt wird..“ empfahl sie. Semir reagierte nicht darauf aber Anna stand langsam auf. „Frau Windhölzer….Andrea Schäfer ist ein Mitglied unserer PAST. Und in erster Linie ist sie eine Geisel. Wir müssen alles tun um sie nicht zu gefährden…“ gab Anna leicht wütend von sich. Semir sah die beiden Frauen an. „Nein…Chefin…sie hat Recht. Aber der Kerl…der mir die Instruktionen gegeben hat….fordert dass keiner von uns etwas unternimmt. Das schließt Ann-Katrin und Sie ein…alle die an dem Fall arbeiten….Wir müssen die drei Tage stillhalten. Danach können wir sie doch auch festnageln und die Mädchen befreien…bitte….“ erklärte er leise. „Aber das ist doch Blödsinn….! Wir wissen wo die Mädchen rein kommen…. Und wir wissen genau wann. Wir werden dann zuschlagen. Ich lasse mir den Job doch nicht von den Beiden vermiesen!“ fauchte Ann-Katrin. Wütend verließ sie den Raum.

    Semir lehnte seinen Kopf gegen die Sitzbank. Wo wollte Klein mit ihm hin? Was wenn sie das Ziel erreicht hatten? Würde Klein ihn töten? Klar würde er…. Warum sollte er ihn auch leben lassen? Ein unbequemer Zeuge… Er schloss die Augen und versuchte sich etwas zu entspannen, was Angesicht seiner Gedankengänge nicht einfach war. „Hey…wo ist denn Mama.“, riss ihn eine piepsige Kinderstimme aus den Gedanken. Erschrocken riss er die Augen auf. Vor ihm stand ein ca. 7jähriger Junge. „Warum hast du denn eine Socke im Mund? Meine Mama sagt immer, dass man Socken nicht in den Mund nehmen darf.“, erklärte der Junge. „Und warum bist du angebunden? Spielt ihr hier ein Spiel? Du und der Mann am Steuer? Kann ich mitspielen?“, wollte der Junge neugierig wissen. Semir machte ihm ein Zeichen, ihn den Knebel abzunehmen. Und tatsächlich zog der Junge die Socke aus dem Mund. „Danke...Durst…“, stieß Semir heiser aus. Der Kleine nickte. „Warte ich hole dir was… ist aber kalter Kaffee…mehr hab ich nicht.“, erklärte er. Doch schon der winzige Tropfen war ein Genuss für Semir. „Danke….danke… wer bist du?“, wollte Semir wissen. „Ich bin Alexander ….Winkelhuth….“, stellte sich der Junge vor. „Ich bin Semir…gehört euch das Wohnmobil?“, fragte Semir leise. Er warf immer wieder einen Blick auf die Fahrerkabine, die bei diesem Caravan zum Glück von dem Wohnbereich getrennt war. Wenn Klein zu ihm wolle, dann musste er anhalten. Das war für Semir und auch für Alex ein Vorteil. „Hör zu Alex…. Der Mann da vorn…ist sehr böse. Er darf dich hier nicht sehen, hörst du… sobald du die Möglichkeit hast, aus dem Wagen zu kommen…dann lauf ganz schnell weg und versteck dich…und dann musst du die Polizei anrufen…versprichst du mir das?“, wollte Semir wissen. „Warum ist der Mann denn böse?“, wollte Alex wissen, nickte aber auf die Frage von Semir. Semir sah ihn an. Er konnte dem Kind schlecht erzählen, dass Klein einen Menschen getötet hatte. „Er spielt mit mir ein Spiel und eigentlich habe ich gewonnen, aber er will das nicht…“, erklärte er. „Und deshalb hat er dich festgebunden?“, wollte Alexander wissen. Semir lächelte und nickte. „Ich kann dich freimachen…“, schlug der Junge vor. In diesem Augenblick bemerkte Semir, dass die Fahrt langsamer wurde. „Alex…. Versteck dich… und denk daran, was ich dir gesagt habe…okay… sei ganz leise…..bitte…“, flehte Semir regelrecht. Der kleine Junge nickte und versteckte sich in einem Bettkasten, welches sich direkt über dem Fahrerhaus befand.

    Ben sah Ricky an. „Wo sollen wir anfangen?“, wollte er wissen. Ricky lächelte. „Wir warten ab. Was denken Sie wird Klein unternehmen, wenn er den Jungen findet?“, fragte sie im Gegenzug. „Ich weiß es nicht, wenn der Junge sich wie die Winkeluths es sagten im hinteren Bereich befand, dann hoffe ich, das Semir bei ihm ist. Er wird versuchen ihn zu schützen. Ob es klappt…da können wir nur hoffen. Wie geht es den Eltern?“, kam leise von Ben. „Sie sind ziemlich fertig. Aber sie verlassen sich auf die Polizei und das ist gut so.“, meinte Ricky nur. „Stephan 17 an Stephan 23. Das gestohlene Fahrzeug wurde auf der Landstraße gesichtet. Höhe dicht an der Grenze von Ungarn. Die Kollegen an der Grenze wissen Bescheid und werden den Wagen nicht durchlassen!“, hörten sie über Funk. Ricky nahm das Mikro. „An Alle… nicht eingreifen! Es besteht Gefahr für die Geiseln! Wagen durchlassen und beobachten!“, forderte sie. Ben sah sie an. „Wieso sollen die den Wagen nicht stellen?“, wollte er wissen. „Wenn Klein wirklich so gefährlich ist, dann sollten wir ihn erst einmal in Sicherheit wiegen. Ich will kein Blutbad. Ich meine… wenn der Wagen steht, gelingt es deinem Kollegen und dem Jungen vielleicht zu fliehen…“, dachte Ricky laut nach. Ben nickte. „Klar…. das wäre eine gute Gelegenheit…nur befürchte ich, dass du Klein total unterschätzt. Er wird schon wissen, wie er Semir ruhig stellen kann. Da wird auch kein 7jähriger was verhindern können.“

    Christopher fuhr auf den Rastplatz raus. Es war fast Mittag. Zeit zum essen. Und auch Gerkhan sollte was bekommen…. Ist ja schon ne Weile her, dass der Junge was gegessen hatte. Er stellte den Motor ab und stieg aus. Dann ging er um den Wagen herum. Hoffentlich hatten die Besitzer genügend eingekauft, dachte er bevor er den hinteren Teil des Wagens betrat. Er musste sich erst an das schummrige Licht gewöhnen, hatte er doch noch alle Vorhänge zugezogen, bevor er in die Fahrerkabine gegangen war. „Na Gerkhan, uns war wohl langweilig, was?“, meinte er höhnisch und deutete auf die am Boden liegende, von Semirs Speichel getränkte Socke. Erschrocken fuhr der Hauptkommissar zusammen. „Hast du ein Glück, dass ich sie dir sowieso rausnehmen wollte. So erspare ich mir jetzt unnötige Arbeit.“, lachte Klein und ging an die Kochplatte. „Klein, lassen sie mich gehen... bitte... ich flehe sie an...“, stieß Semir aus und versuchte, durch seine Spucke seinen Mund mehr und mehr zu befeuchten. Er versuchte, seinen Entführer irgendwie zur Aufgabe zu bewegen. Doch damit lag er weit neben der Zielstrecke. Sofort wandte sich Christopher an seine Geisel, hatte dabei ein kleines Messer in der Hand und hielt es Semir direkt mit der Schneide ins Gesicht. „Hör zu Gerkhan, wenn ich vorhabe, mit dir zu reden, dann werde ich das dir schon mitteilen. Und jetzt, halt die Klappe, wenn du nicht wieder die Socke in den Mund gesteckt bekommen willst.“, fauchte er und wandte sich wieder der Herdplatte zu. Semir blickte inzwischen zu dem Bettkasten hinauf, wo ein kleiner Blondschopf hervorlugte und versuchte, sich so leise wie möglich aus dem Staub zu machen. Langsamen Schrittes war er fast schon an der Tür, als das Unglück seinen Lauf nahm.

    Also was ist los?“ kam forsch die Frage von Tm. „Nichts…ich hab doch gesagt, was passiert ist…“ wich Semir aus. „Semir….ich habe eben ein Telefonat mit Margot Schäfer geführt… wie bitte kann das sein, wenn sie doch im Krankenhaus liegt?“ wollte Tom wissen. Semir sah ihn erschrocken an. „Dann….dann ist…ist sie halt nach Hause gegangen….“ behauptete er. „Das kann ja sein, aber hast du nicht eben gesagt, dass Andrea bei ihr ist?“ harkte Tom nach. „Ja…ist sie ja auch. Ich habe sie heute Nacht hingefahren und…“ wiederholte Semir stoisch. „Hör auf!! Margot hat nach Andrea gefragt…sie war auch nicht im Krankenhaus…denn die fliegen auf die Mallediven….und sie hörte sich nicht krank an!“ erklärte Tom wütend. „Verdammt…Semir!! Warum lügst du mich an?“ schrie er Semir an. „ich….ich lüge nicht…Andrea ist…..“ Semir stockte. Er tat als suche er etwas in den Schubladen, doch er war übernervös und warf seine Kaffeetasse um. „Semir….ich kenne dich lange genug…spuck es endlich aus!“ forderte Tom ihn auf. Semir wollte den Tisch sauber machen als Tom seine Arme festhielt. „Lass das jetzt! Was ist los? Wo ist Andrea?“ fauchte er Semir an. Dieser sah ihn traurig an. Tränen bildeten sich in den Augen. „Tom…bitte… ich… ich muss …“ wich Semir immer noch aus. „Semir…lass dir helfen…was ist mit Andrea?“ Tom wurde sanfter. Er wusste genau wie eng die Beiden aneinander hingen. „Tom….die…die haben Andrea….sie…sie…“ fing Semir plötzlich an zu weinen. Tom ließ ihn erschrocken los. „Wer sind die?“ fragte er nach. Doch Semir konnte nicht antworten. Er schluchzte wild. Tom nahm ihn in den Arm. „Hey….wer hat Andrea….?“ wiederholte er seine Frage.

    „Prinz….oder Taubner…ich weiß es nicht… Die haben uns gestern im Haus abgefangen und ich hab…die Nacht in einem miesen Kellerraum verbracht…bis heute Morgen wusste ich nicht, was mit Andrea war….und dann durfte ich fünf Minuten zu ihr…“ gab Semir leise von sich. „Was wollen die von dir?“ fragte Tom nun gefasster nach. „Informationen….ich musste ihnen sagen, dass wir den Übergabeort kennen…er wird ihn ändern…“ erklärte er weiter. Ann-Katrin war wieder da und wurde informiert was nun vorgefallen war. „Herr Gerkhan…habe ich richtig gehört? Sie haben Prinz und Taubner gesagt, dass wir den Übergabeort kennen und wir zuschlagen wollen? Ihnen ist doch wohl klar, dass es nun nicht mehr möglich ist…verdammt klar ändert er den Treffpunkt…! Und was machen wir jetzt? Verdammt das kann doch wohl nicht wahr sein!!“ schrie Ann-Katrin. Semir senkte den Kopf. „Ich weiß dass es nicht gut ist…aber der Typ hat meine Frau!!“ schrie er zurück. „Das ist doch wohl…..tse…zwei Jahre umsonst….Ich habe zwei Jahre umsonst meinen Arsch aufgerissen!!“ kam postwendend zurück. Semir antwortete nicht und sah Tom Hilfe suchend an. „Ann-Katrin…bitte….“ forderte er sie auf. „Was denn? Ich finde es nicht gut….er verrät alles und ich kann wieder von vorn anfangen!“ schrie sie erneut. „Wir reden mit Frau Engelhardt….“ hängte sie an und verschwand auch schon aus dem Büro. Semir sah Tom nur an. „komm bevor sie uns alles versaut..“ meinte er und zog Semir vom Stuhl hoch.

    Chris fuhr weiter, bog um die nächste Kurve, bremste aber abrupt ab. „Verdammt.“, stieß er aus, als er den Streifenwagen und die beiden Beamten im Schnee stehen sah. „Shit, shit, shit.“, schrie er und schlug aufs Lenkrad. Was sollte er nur tun? Warum hatte er auch seine Geisel ausgesetzt? Ja, das war die Idee. Zurück. Er musste zurück und seinen Gefangenen holen. Sofort setzte er den Rückwärtsgang, wendete und fuhr die zehn Kilometer zurück, die er schon gefahren war. Hoffentlich war sein kleiner „Gast“ noch nicht die Fesseln losgeworden. Doch dann musste er grinsen. Als er wieder an die Stelle kam, sah er Semir am Baum sitzen und sich die Fesseln daran rieb. Schnell riss Chris die Tür auf und packte den Deutschtürken am Kragen. „Komm, ich brauch dich. Eigentlich wollte ich dich ja nie wieder sehen, aber ich kann es mir halt im Moment nicht aussuchen.“, stieß er aus und zerrte Semir auf die Tragefläche. „Mmmmhhhhhh.“, kam es erschrocken von Semir. Was... was wollte dieser Mann jetzt wieder von ihm? Was sagte er? Nützlich? Wozu sollte Semir nützlich sein und würde er danach am Leben bleiben? Er wehrte sich, stemmte sich gegen den Griff des Mannes, doch es war zwecklos. Doch dann spürte er, dass er die Fesseln etwas lösen konnte. Sollte das seine Chance sein?

    Kim Krüger wählte Bens Handy an. „Herr Jäger! Wie sieht es aus?“, wollte sie wissen. „Frau Krüger….Klein ist mit Semir auf der Flucht. Die Kollegen hier haben ihn bereits zur Fahndung ausgeschrieben. Aber er hat seine Spuren sehr gut verwischt.“, erklärte Ben ihr in kurzen Worten. „Wie zum Teufel hat er denn Gerkhan in seine Hände bekommen?“, stöhnte Kim. „Ähm…Semir und Andrea sind zufällig in dem Hotel untergebracht, wo Klein arbeitete. Seine Schwester ist hier angestellt und nach ihrer Aussage, hat ihr Bruder sie gebeten ebenfalls hier zu arbeiten. In einem alten verlassenen Haus, habe ich einen Schuh von Semir gefunden. Wir haben die Straßen abgesperrt und durchsuchen die gesamte Gegend.“, endete Ben seinen Bericht. „Muss ich auch kommen, oder schaffen Sie es ohne mich?“, wollte Kim wissen. „Nein ist nicht notwendig. Die Kollegen hier unterstützen mich sehr gut. Ich melde mich, sobald ich was weiß.“, erklärte Ben kurz und knapp. „Halten Sie mich auf dem Laufenden und Herr Jäger….bitte passen Sie auf…“, bat Kim Sie legte auf. Und stieß ein tiefes Stöhnen aus. Warum konnte nicht einmal ein Urlaub des Herrn Gerkhans ohne Komplikationen enden?, fragte sie sich.

    Semir arbeitete weiter an seinen Fesseln. Sie lösten sich eindeutig. Wenn er es geschickt genug anstellte und darauf achtete, das Klein nichts mitbekam, konnte er sich während der Fahrt raus werfen. Dem Tempo nach zu urteilen, fuhr Klein nicht sehr schnell. Also würde er sich lediglich ein paar Blessuren einfangen. Nichts, was nicht heilen kann. Semir machte weiter. Die ersten Stricke fielen. Mit einem leisen Seufzer ließ er sich zur Seite fallen. Nun musste er nur noch die Fußfesseln loswerden. Er sah zu Klein, der sich auf den Verkehr konzentrierte. Semir arbeitete emsig weiter und schaffte es sogar die Fesseln um seine Beine zu lösen. Nun sollte es ein Kinderspiel sein, Klein zu überwältigen. Vorsichtig richtete Semir sich auf und schlich sich an Klein heran. Doch scheinbar wollte er kein Glück haben, denn bevor er bei Klein ankam, bremste dieser so stark das Semir für den das Manöver unvorhergesehen kam, durch den Laderaum und schlug mit dem Kopf gegen die Fahrzeugwand. Er ging benommen zu Boden, doch er blieb nicht liegen sondern rappelte sich wieder auf. Der Wagen stand aber wo war Klein? Semir kroch zum Sitz und sah hin. Keine Spur von Klein. „Suchst du mich?“, hörte er hinter sich. Sofort drehte er sich blitzschnell um…und sah als erstes die große Faust die auf ihn zukam. Der Schlag brachte ihn nahe an die Bewusstlosigkeit und als er wieder klar war, hatte er bereits die Fesseln wieder um. „Du solltest mich nicht so reizen…aber weißt du was mir eingefallen ist?“, grinste Klein ihn an. Semir sah ihn nur an. „Die suchen sicher das Auto….Wir müssen das Fahrzeug tauschen….“ nickte Christopher. Semir sah ihn nur an. Sein Mund war durch den Knebel völlig trocken. Die Nacht schien ihr Ende zu nehmen. Und auch der Hunger mache sich bemerkbar. „Mmmmhhh…“, machte er. Klein sah ihn nur drohend an. „Pass mal auf…bisher war ich recht freundlich zu dir, aber ich kann auch anders. Willst du mein Messer spüren? So kurz unter den Rippen? Das ist schmerzhaft aber es tötet nicht…“, drohte Christopher und hob das große Schlachtermesser. Semir schüttelte heftig den Kopf. Er traute Klein alles zu. Klein ließ sich wieder am Steuer nieder und fuhr erneut in Richtung Wien. Semir ahnte, dass er sich dort einen anderen Wagen bemächtigen würde.

    „Ich versteh gar nicht warum Andrea und Semir noch nicht hier sind… die sind doch sonst immer so pünktlich…“ kam nachdenklich von Tom. Anna kam auch schon. Sie blieb verwundert am Schreibtisch stehen. „Wo ist denn Andrea?“ fragte sie ihn. „Ich weiß es nicht… Semir ist auch noch nicht da. Ich hab versucht ihn über Handy zu bekommen, doch nichts…. Er meldet sich nicht. Vielleicht ist was passiert…“ mutmaßte Tom besorgt. „Wenn die Beiden in zehn Minuten nicht da sind, fahren Sie zu Semir nach Hause und sehen nach…“ befahl Anna. „Ja Chefin…“ gab Tom zurück. Er spielte mit dem Gedanken direkt zu Semir zu fahren und nicht zu warten, doch Anna hatte Recht…vielleicht haben die Beiden nur verschlafen und hetzten sich gerade ab. Sicher kommt Semir gleich ins Büro und ist mürrisch. Und tatsächlich kam Semir herein. Aber er war allein. Er sah ziemlich wüst aus und war unrasiert. Tom sah ihn erschrocken an. „Wo kommst du denn her?“ fragte er erstaunt. „Was ist denn mit dir passiert? Und wo ist Andrea?“ harkte Tom weiter nach. Er hielt Semir kurz am Arm fest, als dieser zusammenzuckte. „Was ist denn los?“ fragte er sofort. Semir löste sich von ihm. „Nichts…ich ..ich hab nur schlecht geschlafen…Andreas Mutter….sie ist krank geworden und…ich…ich hab Andrea hingebracht….wir…sind gestern Abend noch gefahren..“ erklärte Semir stockend. „Oh…wie geht es denn Frau Schäfer?“ stellte Anna die Frage, die eben dazu kam. Semir sah sie an. „Ich weiß es noch nicht…Andrea wird mich sicher anrufen….wenn….wenn es was Neues gibt…“ lächelte Semir nervös. „Semir…wenn Sie heute frei brauchen…dann sagen Sie uns bitte Bescheid ja..“ bat Anna. Semir nickte. „Danke, aber… ich kann eh nichts tun…“ lächelte Semir und ließ sich an seinem Schreibtisch nieder. Er nahm sich direkt eine Akte und las sich ein. Tom schüttelte den Kopf. Doch er nahm die Erklärung seines Freundes hin.

    „Wir haben uns gestern übrigens vertragen und Ann-Katrin wird mit uns den Fall lösen. Sie bekommt die Informationen von einer mitten aus dem Mileau und damit wissen wir immer was Prinz bzw. Taubner vorhat.“ erklärte Tom „Sehr schön…und wer ist das genau?“ harkte Semir sofort nach. Ann-Katrin sah ihn an. „Es reicht wenn ich es weiß…“ gab sie kühl zurück. Tom nickte. „Ja…es ist ihr Kontakt und außerdem bist du verheiratet…“ grinste Tom. Er wollte die Stimmung etwas aufheitern, aber heute schien Semir nicht zum Lachen zu Mute zu sein. Aber er konnte es ja auch nicht verdenken, schließlich lag seine Schwiegermutter im Krankenhaus und wer weiß was mit ihr war. „Ich hol mir nen Kaffee…willst du auch Semir?“ bot er an. Semir nickte. Tom verließ das Büro und holte zwei Tassen Kaffee. Bevor er wieder zu Semir ging, klingelte das Telefon an Andreas Schreibtisch. Er stellte die Tassen ab und nahm das Gespräch an. „Kranich...Kripo Autobahn…“ meldete er sich. „Hallo hier ist Margot Schäfer…kann ich Andrea sprechen?“ hörte er die Stimme von Semirs Schwiegermutter. Er sah erstaunt durch die Tür auf Semir. „Ähm…Frau Schäfer… wie geht es Ihnen denn?“ wollte er wissen. „Danke…mir geht es sehr gut…..wir wollen morgen auf die Mallediven fliegen und ich wollte Andrea nur schnell sagen, dass sie am Wochenende nicht zu uns kommen muss..“ kam von Andreas Mutter. „Ich werde es ihr ausrichten… sie ist gerade bei der Chefin drin….“ erklärte Tom. „Danke das ist nett. Wir sind jedenfalls ab morgen wieder zu erreichen…“ sagte Margot und schon war das Gespräch beendet. Tom legte nachdenklich auf und nahm den Kaffee. Er stellte eine der Tassen vor Semir hin und sah Ann-Katrin an. „Ann-Katrin…könntest du uns mal für einen Augenblick allein lassen…“ bat er die Kollegin vom BKA. „Ja sicher….“ Nickte Ann-Katrin und verließ das Büro. Tom schloss die Tür.

    „Komisch…wo sind denn Semir und Andrea?“ wunderte sich Tom als sie ins Büro kamen. „Vielleicht haben sie ja auch eine Versöhnungsnacht hinter sich…“ mutmaßte Ann-Katrin grinsend. Wieder schmiegte sie sich an Tom. „Ann-Katrin…wenn uns jemand sieht…“ gab Tom peinlich berührt von sich. „Oh…Herr Kranich hat Schamgefühle….“ gluckste sie. „… das sah gestern Abend aber ganz anders aus…“ hängte sie an. Tom sah sich um. Niemand schien im großen Büro zu merken, was hier im kleinen Raum abging. Er küsste sie schnell. „Du bist anstrengend und scheinbar auch sexsüchtig…“ mutmaßte er. „Sexsüchtig? Ich?? Wie kommst du denn darauf? Ich bin nur wild auf Sex mit dir….du bist …wie….wie….wie ein Tiger…ich liebe dich…hab dich schon damals geliebt…“ schwor Ann-Katrin. Sie küsste ihn erneut. „Ann-Katrin…bitte….die Kollegen müssen das nicht mitbekommen..“ verbot Tom sich diese Anzüglichkeiten. „Hey…es ist niemand da…seit wann bist du so zurückhaltend?“ lachte Ann-Katrin. „Wir sollten uns auf den Fall konzentrieren. Und ich will heute von dir alle Informationen die ich brauche…..also was genau weißt du..“ lenkte Tom auf ein anderes Thema. „Nun... ein Informant versorgt mich ständig mit Neuigkeiten innerhalb der Bande. Sie ist bisher nicht aufgeflogen und ich hoffe inständig dass sie auch unentdeckt bleibt. Es ist sehr gefährlich sich gegen Prinz zu stellen, aber sie hat ihre Gründe….“ erklärte Ann-Katrin. „Also du hast eine Informantin…und dennoch hast du es nicht geschafft Prinz in zwei Jahren festzunehmen…. Das ist ziemlich merkwürdig. Waren die Informationen nicht gut genug?“ grinste Tom. „Doch….aber Prinz schien sich immer in letzter Sekunde um zu entscheiden. Und jedes Mal wenn wir ein Razzia durchgeführt haben waren keine Minderjährigen vorhanden.“ Kam von Ann-Katrin. „OH…also hat Prinz auch einen Informanten bei euch….?“ Mutmaßte Tom. Ann-Katrin zog die Schultern hoch. „Es ist anzunehmen…. Deshalb habe ich ja auch um andere Hilfe gebeten….wie von dir und Semir. Mit euerer Hilfe schaffe ich das…“ lächelte Ann-Katrin und beugte sich erneut zu ihm.

    Semir musste noch ein paar Minuten warten, bis ihm die Fesseln und die Augenbinde abgenommen wurden. Dann ging es einen Gang entlang und vor einem Zimmer bleiben sie stehen. „Du kannst reingehen…deine Frau wartet…“ lachte der Mann, schloss die Tür auf und stieß Semir ins Zimmer. „SEMIR!!“ hörte er Andrea und schon hatte er sie in den Armen. „Geht es dir gut?“ fragte sie vor Freude weinend. „Ja…mir geht es gut…was ist mit dir?“ stellte er die Gegenfrage. Überglücklich seine Frau überhaupt in den Armen zu halten. „Ja….ich bin okay…was wollen die von uns?“ wollte Andrea wissen. „Es geht um den Fall….sie wollen dass ich ihnen Informationen gebe…“ erklärte Semir und streichelte das Gesicht seiner Frau. „Aber das wirst du nicht tun oder? Das kannst du nicht tun….Semir….das sind Verbrecher!“ stieß Andrea aus. „Ich…ich hab keine Wahl…ich muss es machen….“ kam von Semir traurig. „Warum?“ wollte Andrea wissen…Semir sah sie traurig an. „Ich…liebe dich..“ sagte er und küsste sie. „Okay… das waren fünf Minuten…raus hier!“ fauchte ein Mann und riss die Beiden auseinander. Andrea versuchte Semir festzuhalten, doch es brachte nichts. Der Mann zerrte Semir brutal raus. „SEMIR!!“ schrie Andrea und rannte auf die Tür zu. Zu spät…der Schlüssel drehte sich bereits im Schloss. „SEMIR!! Tu es nicht!!“ schrie sie durch die Tür und Semir hörte es sehr genau. „Los…ab auf die Arbeit….und denk an deine Pflicht….und an deine Frau…“ höhnte der Mann. Am liebsten hätte Semir ausgeholt und ihm gezeigt welche Wut in ihm steckte, doch er musste sich zusammenreißen. Allein konnte er nicht gegen die Bande kämpfen. „Ach ja...heute Abend werden wir dich abholen…halt dich bereit!“ erklärte der Mann als er Semir zuhause absetzte.

    Meine Endfeed:

    Manuela...die Story war kurz, knapp und einfach klasse geschrieben. Ich musste echt lachen, als ich mir diese kleine Familie vorstellte....macht Lust auf mehr......also schreib mal wieder was....und was die Feeds angeht...ist hier leider nicht mehr viel los.... schade eigentlich, denn das gibt einem ja wie du schon sagtest den Auftrieb auch weiterhin zu schreiben...

    Also an alle Leser einen Aufruf!!!! FEEDET MEHR BITTE!!! Muss ja kein Roman sein, einfach nur ein kleines Lob das reicht schon und macht die Schreiber froh!!!

    LG

    Andrea wachte auf und sah sich irritiert um. Wo war sie denn hier? Wo war Semir? Sie stand langsam auf. Sofort befiel ihr der Schwindel. „Semir?“ fragte sie leise. Doch keine Antwort. Das Zimmer war ihr fremd. Es war rot eingerichtet und das Bett auf dem sie lag war sehr groß und seidig bezogen. „Hallo?“ rief sie fragend durch den großen Raum. Tatsächlich kam eine ältere Frau herein. „Hallo….du bist ja wieder wach..“ lächelte sie Andrea freundlich an. „Wo bin ich hier und wo ist mein Mann?“ wollte Andrea wissen. „Oh…du bist hier bei mir…dein Mann ist bei ihm…“ lächelte die Frau. „Wer ist er?“ harkte Andrea weiter. „Mädchen…du solltest nicht so neugierig sein. Das kann sehr gefährlich werden. Komm iss ne Kleinigkeit…“ lächelte die Alte. „Ich will mit meinem Mann sprechen!“ forderte Andrea. „Mein liebes Kind…ich werde gleich unseren Freund anrufen und darum bitten, aber du musst jetzt was essen. Komm…ich habe extra für dich gekocht…“ kam von der Alten. Andrea spürte dass sie Hunger hatte. „Was will man von uns?“ stellte sie die nächste Frage. Doch diesmal bekam sie keine Antwort. Andrea setzte sich an den Tisch und aß. Es war eine Suppe mit viel Gemüse und sie mundete sehr. „Siehst du….und wenn dein Mann das tut, was der Boss will, dann seid ihr morgen spätestens wieder zuhause…“ beruhigte die Alte. Doch das glaubte Andrea nicht. „Ich möchte wenigstens mit meinem Mann reden…geht das?“ bat Andrea. „Ich werde es versuchen…“ versprach die Alte. Sie verließ den Raum und schloss die Türe ab. Andrea setzte sich aufs Bett. Sie sah auf die Uhr und bemerkte, dass es weit nach Mitternacht war. Wo war Semir? Was war mit ihm? „Mein Boss hat gesagt, du musst bis morgen warten. Dann wird er es erlauben, dass du mit deinem Mann sprichst..“ gab die Alte von sich. Andrea sah sie nur an. „Was wollen Sie von uns?“ fragte sie leise. „Leg dich hin und schlaf…du wirst sicher gleich sehr müde sein….von daher… ist es besser wenn du dich hinlegst…“ empfahl die Alte und tatsächlich spürte Andrea die aufsteigende Müdigkeit. „Sie haben…mir was ins Essen getan?“ fragte sie verwundert. „Entschuldige meine Liebe…geht nicht anders…“ lächelte die Alte und verschwand.

    „Guten morgen…“ hörte Tom Ann-Katrin leise sagen. Er öffnete die Augen. „Wie spät ist es denn?“ fragte er müde. „Gleich sechs….wir müssen aufstehen….heute werden wir Taubner und Prinz in den Hintern treten…“ kam recht munter von Ann-Katrin. Doch bevor sie sich aus dem Bett schwingen konnte zog Tom sie an sich heran und küsste sie. „Das was gestern war….also zwischen uns…das war die schönste Entschuldigung, die ich je bekommen habe…“ gab er zu. Ann-Katrin lachte leise. „Ja…ich auch….Tiger…na komm….“ befreite sie sich aus seinem Griff. „Machst du mir Frühstück?“ bat er. „Klar doch…der Tisch ist schon gedeckt…..“ lachte sie. Tom quälte sich aus dem Bett. Er sprang schnell unter die Dusche um dann mit Ann-Katrin zu frühstücken. Gute anderthalb Stunden später waren sie auf dem Weg zur PAST. „Semir wird Augen machen, wenn er sieht wie gut wir uns verstehen…“ lachte Tom. „Ja….nur wir sollten nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen… der arme Kerl bekommst sonst noch einen Schock...“ nickte Ann-Katrin und grinste ihn an. Sie beugte sich zu ihm rüber und küsste ihn auf die Wange. „Ann-Katrin…bitte….ich muss mich doch konzentrieren….“ ermahnte er sie. „Na und…früher konntest du doch auch beides...“ gab sie provozierend zurück. „Ann-Katrin! Schluss jetzt…wir sind da…“ fauchte er sie an. Diesmal jedoch sehr liebevoll. Tom stellte den Mercedes in seine Parklücke und stieg aus. Galant öffnete er Ann-Katrin die Tür und gemeinsam gingen sie ins Büro. „Ich bin sogar pünktlich…na da wird Semir aber Augen machen..“ lachte Tom noch bevor sie die Tür öffneten.