Der Tod von Christopher machte die Runde und so erführ auch Kim Krüger von Ben das Semir befreit und auf dem Wege der Besserung war. Sie war sichtlich erleichtert, dass Semir leicht verletzt war und ließ es sich nicht nehmen im Krankenhaus noch mit ihm zu sprechen. „Ja Frau Krüger…ich werde meinen Urlaub fortsetzen. Immerhin sind es noch acht Tage, die ich hier entspannen kann und dann bin ich auch wieder vollkommen einsatzfähig.“, hörte sie Gerkhan sprechen. „Herr Gerkhan….ich freu mich, dass Sie das Abenteuer überstanden haben. Wir haben uns große Sorgen gemacht…“, gab Kim durch. Semir lächelte durch das Telefon. „Danke Chefin... ich wusste manches Mal nicht, ob er mich umbringen würde oder ob er nur mit meiner Angst spielte. Aber jetzt ist zum Glück alles wieder in Ordnung.“, meinte Semir. „Schön, dass ihnen nichts passiert ist.“, verabschiedete sich Kim und beide legten dann auf. Lächelnd ließ Semir den Hörer zurück in die Gabel gleiten und bereitete sich dann auf seine Entlassung vor. Andrea und Max, der Hoteljunge, holten ihn vom Eingang ab und fuhren dann mit einem glücklichen Gesicht zurück ins Hotel. „Ich hab einen Riesenhunger. Lass uns gleich was essen gehen.“, meinte er zu seiner Frau. Lachend stimmte Andrea zu. „Mein armer Mann, du musst ja umkommen vor Hunger.“, antwortete sie auf den Blick ihres Semirs. „Ohhhh ja.“ Schon im nächsten Moment saßen beide im Restaurant des Hotels, wo alles angefangen hatte und sahen sich die Speisekarte an. „Ich denke, ich nehme ein Wiener Schnitzel und...“, plötzlich stockte er, als er sah, wie Sarah von jemanden in Grund und Boden geschrieen wurde. Andrea drehte sich ebenfalls um und sah nur noch, wie Semir mit schnellen Schritten auf die Beiden zuging.
„...dass ein Gast unseres Hauses von einem Mitarbeiter dieses Hauses entführt werden konnte, ist unglaublich.“, fauchte der Mann mit der streng aussehenden Halbglatze und den nach hinten gekämmten Haaren in feinstem Wiener Dialekt. „Frau Klein, ich bin sehr enttäuscht von ihnen. Sie haben ihren Bruder eigenhändig eingestellt und sich somit ihr eigenes Grab geschaufelt. Holen sie ihre Sachen. In einer Stunde will ich sie hier nicht mehr sehen.“, fauchte der Mann und wollte gerade gehen, als sich Semir ihm in den Weg stellte. „Das können sie nicht mit Frau Klein machen.“, meinte Semir mit ruhiger Stimme und sah den großgewachsenen Mann mit seinen braunen Augen an. „Herr... Herr Gerkhan....“, stammelte der Direktor. „Tut mir Leid, aber ich denke nicht, dass sie das etwas angeht.“, meinte er dann schnell. „Doch, das geht mich sehr wohl etwas an. Immerhin bin ich mit der Grund, warum jetzt dieser jungen und talentierten Köchin gekündigt werden soll.“, kam es von Semir. Der Direktor stand ohne ein Gegenwort vor ihm. „Sie konnte doch nicht ahnen, dass ihr Bruder zu solch einer Kurzschlusshandlung fähig war, als er mich gesehen hat. Nein, das können sie ihr wirklich nicht in die Schuhe schieben. Bitte, überdenken sie ihre Entscheidung noch einmal.“, bat Semir mit den eindringlichsten Worten, die er je gebraucht hatte und schien damit Erfolg zu haben. Er sah, wie der Direktor nachdenklich auf seiner Glatze herumkratzte, sich dann umwandte und Sarah ansah. „Ich denke, es war überstürzt, sie zu entlassen. Gehen sie wieder an ihre Arbeit, Frau Klein.“, meinte er nur und nickte Semir dann zu, bevor er selbst verschwand. Zufrieden ging der Deutschtürke zurück zu seinem Platz und legte sich zufrieden die Serviette auf den Schoß. „Semir Gerkhan... du musst wohl immer die Welt retten, oder?“, lachte Andrea nur. „Klar doch.“
Auch für Ben wurde der Abend einer der besten, die er je erlebt hatte. Er traf sich mit Ricky vor dem Präsidium und gemeinsam fuhren sie dann in das Lokal, wo sie sich als erstes verabredet hatten. „So, ich hoffe, wir können den Abend ungestört miteinander verbringen.“, meinte sie und sah mit ihren klaren, eisblauen Augen direkt in Bens kastanienbraune. Dieser konnte sich wieder nicht diesem magischen Moment entziehen, den diese Augen nun einmal aus ihn ausübten. „Das hoffe ich auch.“, meinte er und näherte sich langsam mit seinen Lippen denen von Ricky. Sie lächelte nur und erwiderte die Annäherung, doch anders, als gedacht. „Ben nicht. Lass uns einfach den Abend genießen.“, meinte sie, nachdem sie ihre Finger auf Bens Lippen gelegt hatte. Dieser wich zurück und sah sie erstaunt an. Dann sah er das erste Mal wirklich auf ihre Hand und erblickte den Ring an ihrem Finger. „Oh.“, kam es nur von ihm. „Er ist Pilot, Ben. Und, egal, wo er ist, ich werde ihm immer treu sein. Lass uns einfach den Abend so genießen, wie wir es vor hatten, unter Kollegen.“, bat sie mit liebevoller Stimme. Ben nickte und rutschte auf der Couch ein Stück zurück. Sie lachte los. Trotzt der zunichte gemachten Chancen Bens wurde es einer seiner schönsten Abende in Wien. Ricky führte ihren deutschen Kollegen danach an der Donau entlang und brachte ihn zu seiner Pension zurück. „Tja, dann sehen wir uns wohl nicht so schnell wieder.“, meinte er mit einem Blick, der selbst Steine zum Schmelzen gebracht hätte. „Nur, wenn du wieder einen Ausbrecher bis nach Wien jagst.“, lachte Ricky und gab Ben einen Kuss auf die Wange zum Abschied, bevor sie in die Dunkelheit der Wiener Nacht verschwand.
Die Tage vergingen schnell und erholsam für Semir und Andrea. Ben war schon vorab zurückgeflogen, da er sich ja auf einem Einsatz und nicht im Urlaub befand, und holte das glückliche Paar am Flughafen ab. „Wie ich sehe, habt ihr euch noch gut erholt?“, lachte er, als er die verliebten Blicke der Beiden sah. „Ja, Wien ist eine durch und durch wunderschöne Stadt, direkt zum Verlieben.“, schwärmte Andrea und küsste ihren Mann auf die Wange. Dieser grinste und sah auf Bens Unterarm. „Sag nur, dich hat Felix attackiert?“, fragte er ,als er die tiefen Kratzer an Bens Unterarm sah. „Euer Kater fand es wohl nicht so lustig, dass ich ihn aus seinem Sessel schmeißen wollte.“, meinte er und Semir lachte los. „Ja, das duldet er nur von mir. Ich freu mich schon wieder auf diesen Chaoten und den anderen auch.“, kam es von Semir und alle drei verließen den Flughafen. Damit endete eine vollkommen mit Überraschungen versehene Reise mit einem glücklichen Ende.
Ende.