Beiträge von Elvira

    Tom hörte die Mädchen hochkommen. Er ließ sie alle vom SEK aus dem Haus bringen. Dann wollte er die Treppen runter, als er hörte, dass noch jemand kam. Schnell machte er Ann-Katrin darauf aufmerksam, dass sie sich links und er rechts von der Treppe aufstellen wollte. Ann-Katrin nickte und tat es. „Geben Sie auf...es bringt doch gar nichts...Sie können nicht entkommen...“ hörte Tom Semir sagen. Er sah Ann-Katrin an. Sie war von der Treppe aus nicht zu sehen, Tom schon. „HEY!!! Ich hab deinen Freund hier! Und wenn du nicht sofort deine Waffe ablegst, dann knall ich ihn ab!!“ schrie ihn der Mann hinter Semir an. Tom hob die Hände und zeigte seine Waffe. „Leg sie weg!!“ forderte der Mann. Er presste Semir die Waffe an den Kopf. „Los doch!!“ schrie er, als Tom es nicht sofort tat. „Okay...schon gut...lassen Sie meinen Kollegen gehen...und ich gewähre Ihnen freien Abzug!“ versuchte Tom es. Er sah Semir an und wies mit einem Augenzwinkern, dass er nicht allein war. Semir nickte unmerklich. Langsam ging er vor Mike die Treppe hoch, der ihn am Kragen seiner Jacke festhielt. Tom wandte sich von Ann-Katrin ab und lockte somit Mike in den Flur hinein. Dieser schien sich seiner Sache ganz sicher. Er lachte triumphierend und trat mit Semir aus dem Schutz des Kellers heraus. „Okay... dein Freund hier kommt mit...wenn mich auch nur einer wagt aufzuhalten, dann knall ich ihn ab!“ fauchte Mike. Tom nickte. „Schon klar....wann lassen Sie ihn gehen?“ wollte er wissen.

    Ann-Katrin atmete kurz durch und hob ihre Waffe zum Schlag, als die beiden Männer sie passierte. Sie war durch die Tür gedeckt und konnte sich unbemerkt hinter Mike schleichen. „Ich werde ihn umbringen, wenn du noch weitere Fragen stellst!“ fauchte er gerade als sie ihm die Waffe in den Nacken presste. „Sie sollten sich nicht bewegen...“ riet sie. Mike versteifte sich und sofort befreite sich Semir. Er nahm Mike die Waffe weg. „Ich sagte doch...Sie haben keine Chance...“ grinste er zufrieden. Mike sah ihn zornig an während Ann-Katrin ihm die Handschellen anlege. „Sie sind verhaftet..“ sagte sie genüsslich. Sie ließ ihn abführen. Nur wenig später standen die drei allein im Flur. „Wo ist Andrea?“ wollte Semir wissen. „Johanna hat sie zu Tom gebracht...es geht ihr gut...“ erklärte Ann-Katrin. „Ich will zu ihr...“ meinte Semir, drehte sich um und verschwand. Tom stellte sich neben Ann-Katrin. „Das war Teamarbeit..“ lobte er sie. Ann-Katrin sah ihn an. „Gefällt mir...aber wieso musste ich hinter die Tür und nicht du?“ fragte sie nachdenklich. Tom überlegte kurz. „Na weil du eine Frau bist...ich meine was hättest du gemacht, wenn...“ erklärte er. Ann-Katrin stemmte ihre Arme gegen die Hüfte. „Du hältst mich für schwach?“ fragte sie wütend. „Nein....nicht für schwach...aber....“ fing er an. „Tom...ich bin Hauptkommissar wie du und ich hasse es, wenn man mich als weich und empfindlich..“ fauchte sie. Tom sah sie grinsend an. „Ich liebe es wenn du wütend bist..“ meinte er nur und küsste sie. Ann-Katrin ließ es sich gefallen. Sie liebte diesen Mistkerl immer noch.

    Alex Hoffmann und sein SEK-Team standen bereits dicht an der Terrasse, als die Tür aufgemacht wurde. Alex duckte sich und machte sich fertig die Person anzugreifen, doch sie kam nicht raus. Etwas verwundert wartete er einige Augenblicke und winkte dann seine Leute in Richtung Terrasse. Und hier bot sich ihm nun die nächste Überraschung. Verschnürt wie ein Paket lag Prinz vor ihm. „Ann-Katrin…..dein Geschenk ist da…so wie es ausschaut, von Semir verpackt. Fehlt nur das Schleifchen drum…“ gab er durch. „Sehr witzig…wir sind gleich bei dir..“ kam postwendend zurück. Es dauerte nur eine Minute bis sie vor ihm stand und auf Prinz schaute, der ihr wütende Blicke zuwarf. „hallo Süßer….jetzt liegt das Vergnügen auf meiner Seite…“ fauchte sie ihn an und legte ihm die Handschellen trotz der Fesseln an. Dabei drückte sie die Schellen fest zusammen. Tom bemerkte es natürlich und sah sie mahnend an. „Ann-Katrin...du willst doch, dass er verurteilt wird oder? Das schaffst du aber nicht, wenn du ihn bei der Verhaftung schon weh tust…dann kann er das ….“ Gab er zu bedenken. „Du hast Recht… das geht nicht…..sieh doch mal bitte was da in der Ecke ist…du auch Alex…“ bat Ann-Katrin. Tom sah sie an. „Nein Ann-Katrin…weil es nur böse für dich endet…“ wandte er ein. Ann-Katrin lächelte. „Du musst mir jeden Spaß verderben.“ Maulte sie. Dann ließ sie Prinz abführen. „Die Frage ist nur, wo Semir steckt…“ murmelte Alex. Tom nickte.

    Semir schlich die Treppe runter und hörte leises Weinen. Wo war Mike? Er sollte doch die Mädchen holen, doch die waren allein. „Okay…ganz ruhig… ich lasse euch raus…aber hört auf zu weinen..“ bat er die verängstigten Mädchen. Scheinbar verstand ihn jedoch keiner. Semir öffnete das Gitter und zeigte in Richtung Treppe. … „dort rauf…okay…da hin…!“ befahl er. Die Mädchen rührten sich nicht. „Na kommt schon!!“ fauchte Semir sanft. Er zog eines der Mädchen aus dem Raum und stieß sie zur Treppe. Jetzt wussten sie, dass sie gehen durften. Der Rest war ein Kinderspiel, doch als Semir den Mädchen folgte spürte er eine Bewegung hinter sich. „Du verdammter Mistkerl.....ich knall dich ab, wenn du auch nur mit dem Ohr wackelst..“ fauchte Mike ihm ins Ohr. Semir hob die Hände. „Wir werden jetzt gemeinsam das Haus verlassen....keine falsche Bewegung...“ warnte ihn der Mann. Semir nickte und ging langsam vorwärts. Er spürte die Waffe im Nacken. „Sie sollten den Finger vom Abzug nehmen...nicht das Sie mich versehendlich erschießen... wäre doch schade oder...?“ versuchte er. „Nur keine Sorge...wenn dann passiert das sicher nicht versehendlich...wo ist Prinz?“ wollte Mike wissen. „Der atmet künftig gesiebte Luft. Wenn Sie so an ihm hängen, können Sie ihm ja folgen...“ knurrte Semir. Er ärgerte sich darüber diesem Mann in die Falle gelaufen zu sein. Wusste er doch dass Mike hier unten irgendwo war. Nun ging es die Treppe rauf. „Geben Sie auf....es bringt doch gar nichts...Sie können nicht entkommen..“ versuchte Semir es auf der psychologischen Spur.

    „Verdammt.“, stieß Nico aus und widmete sich dann wieder dem langsam zu sich kommenden Ben. „Ben, wie geht es dir?“, fragte Nico besorgt und fasste den Polizisten vorsichtig auf die Schulter. „Mein Arm... ich kann ihn nicht bewegen.”, flüsterte Ben vor Schmerzen. „Bleib ganz ruhig. Ich hole Hilfe.“, erwiderte Nico und suchte nach Bens Handy. Mit zitternden Händen rief Nico zunächst die Rettung an. „Ruf Semir an… er soll herkommen…“, stieß Ben mit schmerzerfüllter Stimme. „Ja… mach ich.“, gab Nico von sich und durchsuchte das Telefonbuch. Nur wenig später hatte er den Freund von Ben am Telefon. „Nico hier… Ben und ich… wir hatten einen Unfall… wir… Ben ist verletzt…“, erklärte er umständlich. „Wo?“, hörte er Semir fragen und gab den Straßennamen durch. „Ich bin gleich da!“, mehr kam nicht. Nico sah auf Ben. „Was ist mit deinem Arm?“, wollte er wissen. „Keine Ahnung. Ich habe nur Schmerzen.“, stöhnte Ben leise. „Zeig mal…“, bat Nico. „Bist du Arzt oder was?“, lachte Ben. „Nein… aber ich habe erste Hilfe gelernt… vielleicht kann ich doch…“, kam kleinlaut von Nico. „Wenn ich diese Mistkerle kriege, dann gnade ihnen Gott… das schwöre ich dir. Weißt du wer sie waren?“, wollte Ben wissen. Nico zuckte zusammen. „Nein.. ich weiß es nicht…“, log er doch er sah Ben nicht an. Zu tief saß der Schock, dass sein Cousin ihm sagte, dass seine Freunde auch darunter zu leiden haben, wenn er nicht zurückkehren würde.

    Semir zog sich schnell an. Andrea sah ihn erschrocken zu. „Was tust du denn da?“, wollte sie wissen. „Nico hat mich angerufen… Er und Ben hatten einen Unfall. Ben ist verletzt … ich fahre hin!“, gab er von sich und rannte raus. Andrea sah ihm nur nach. Semir stieg in seinen Wagen und raste los. Obwohl es schon sehr spät war und die Straßen frei, kam er für seinen Geschmack nicht schnell genug voran. „Verdammt… wo sind die nur?“, fragte er sich, als er die Landstraße endlich erreicht hatte. Ein Wagen kam ihm entgegen und blendete ihn. „Mann… mach das Licht aus!!“, fauchte er wütend und tatsächlich veränderte sich das Lichtverhältnis. Doch der Wagen kam direkt auf Semir zu und es hätte nicht viel gefehlt bis sie sich streiften. „Verdammter Idiot!!“, schrie Semir, doch er wollte sich nicht damit aufhalten. Ben hatte Vorrang. Endlich erreichte er die Unfallstelle. Die Kollegen und der Notarzt waren bereits vor Ort. „BEN!!“, rief Semir laut. „Hier…!“, kam aus dem RTW. „Gott…wie ist das denn passiert? Wie geht es dir?“, wollte Semir wissen und sah seinen Partner prüfend an. „Ganz gut soweit. Nur der Arm hat was abbekommen. Ist ausgekugelt…“, gab Ben zurück. „Wie konnte das passieren?“, harkte Semir weiter. „Erst wurde aus einem Wagen auf uns geschossen und dann haben sie uns abgedrängt. Tja… dann ist mein Wagen da unten gelandet und ich hab erst einmal die Engel singen hören. Als ich wieder wach wurde waren Nico und ich allein.“, erzählte Ben. „Hast du das Kennzeichen?“, wollte Semir wissen. „Nein… ich war voll und ganz mit dem Fahren beschäftigt. Ist gar nicht so einfach mit zwei zerschossenen Reifen.“, grinste Ben. „Ach soll ich dich jetzt dafür loben oder was?“, lachte Semir zurück. Er war erleichtert, dass es zum Glück nur bei einem leichten Personenschaden geblieben ist.

    Nico saß etwas abseits. Er kämpfte mit den Tränen. Warum konnte seine Familie ihn nicht einfach in Ruhe lassen. Er wollte einfach nichts mit ihnen zu tun haben und hat deshalb schon Italien verlassen. Ist ins kalte Deutschland gezogen um dem Ärger aus dem Weg zu gehen. Aber selbst hier versuchten ihn die Familienmitglieder zurück zu holen. Was sollte er noch tun? Das er was tun musste war klar, denn sonst würde es nicht nur ihn betreffen. Er wollte nicht, dass Ben oder Semir und seiner Familie etwas passierte. Das musste er irgendwie verhindern. Nico stand auf und wollte sich vom Unfallort entfernen, doch Semir stellte sich ihm in den Weg. „Nico, wo willst du hin?“, wollte der kleine Polizist wissen. „Nach Hause. Ich bin fertig für heute.“, log er und sah dem Ermittler nicht in die Augen. „Sieh mich an!“, forderte Semir mit harscher Stimme. Nico, erschrocken über diesen harschen Ton, drehte sich zu Semir um und sah in das entschlossene Gesicht des kleinen Mannes. „Los, jetzt sag mir, was du weißt, oder ich werde richtig wütend.“, zischte der Polizist. Nico ließ seine Schultern hängen und atmete schwer aus. „Okay, hör zu.“, meinte er und ließ sich auf einen Baumstumpf nieder, vergrub dabei sein Gesicht in den Händen. „Hör zu, meine Familie will mich mit Gewalt nach Italien zurückholen. Der Angriff von vorhin galt eigentlich mir.“, fing Nico an und sah Semir an, der mit in Falten geschlagener Stirn dastand und ihm zuhörte. „Mein Großvater herrscht über Mittelitalien wie der Papst über den Vatikan und ich soll den Platz meines Vaters übernehmen. Aber ich weigerte mich und ich will das nicht. Ich bin Musiker, kein eiskalter Gangster.“, fauchte er und knetete seine Hände. „Aber warum hast du nicht schon längst mit uns geredet? Wir hätten dir helfen können.“, meinte Semir und kniete sich neben den Musiker hin. „Meine Familie würde mich überall finden. Deshalb bin ich vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen, doch selbst hier hat mich mein Cousin gefunden. Er ist skrupellos und schreckt vor nichts zurück.“, erzählte Nico und sah zu Semir auf. „Nico, ich kann dir dennoch helfen. Wenn du willst, kannst du für eine Weile bei uns wohnen.“, bot Semir an, doch nach diesem Angebot schüttelte Nico heftig den Kopf. „Ich will dich und deine Familie nicht in Gefahr bringen. Das kann ich nicht mit meinem Gewissen verantworten.“, meinte er nur. „Versteh doch, Luciano würde alles tun, um mich zu finden und mich zur Rückkehr zwingen.“, erklärte Nico.

    “Mike würde mir nie etwas antun wollen. Er bekommt genügend von dem ab und hat das Privileg die Mädchen selbst einzureiten. Warum sollte er mich verraten?“ fauchte Prinz wütend. „Vermutlich reicht es ihm nicht mehr...“ gab Semir zurück. Prinz schüttelte den Kopf. „Wir werden sehen....“ in diesem Augenblick öffnete sich die Tür. „Ah....Mike...wie schön das du da bist...unser Freund hier hat mir eben gesteckt dass du die Bullen informierst...“ ließ Prinz verlauten. Mike zuckte zusammen und ging dann ohne Worte auf Semir los. Er packte ihn am Kragen und stieß ihn wütend gegen die Wand. „Das ist eine Lüge!!“ stieß er aus. „Ach ja...und warum reagieren Sie dann so extrem?“ wollte Semir wissen. Er versuchte sich aus dem Griff zu befreien. “Mike! Lass ihn los....“ befahl Prinz. „Onkel Ralf....draußen stehen ne Menge Leute....irgendwie passt mir das überhaupt nicht...“ warnte ihn Mike. Semir sah ihn an. Wenn das SEK und Tom schon da waren, wie kam Mike hier rein? Er konnte doch nicht einfach durchgelassen worden sein.... oder doch? fragte er sich in Gedanken. „Was für Leute?“ wollte Prinz wissen. „Keine Ahnung...ich vermute das es Kollegen von ihm sind...“ gab Mike achselzuckend zurück. Prinz sah Semir an. „Stimmt das? Hast du .....hol seine Frau!!“ fauchte Prinz. Mike nickte und verschwand. „NEIN!! Lassen Sie meine Frau in Ruhe!!“ schrie Semir und wollte hinter Mike her rennen. Prinz stellte ihm ein Bein. Semir schlug lang hin. Schnell wurde er von Prinz am Boden genagelt. Er ruderte mit den Armen um Prinz von sich herunter zu bekommen, doch dieser griff den linken und drehte ihn auf den Rücken .Semir schrie auf als Prinz den Arm nach oben drückte. „Du hast mir also eine Falle gestellt...was.....meinst du wirklich, dass ich mich so einfach schnappen lassen? Meinst du wirklich ich hab nicht damit gerechnet?“ fauchte Prinz. Mike kam zurück. „Sie ist weg...Johanna auch..“ stieß er aus. Semir atmete tief durch. Wenigstens Andrea war in Sicherheit.

    „WAS? Wo ist Johanna!?!“ wollte Prinz wissen. „Das Zimmer ist leer.....weder diese Frau noch Johanna sind dort... auch im Keller nicht....die verdammte kleine Mistfliege...Johanna ist der Spitzel...“ stieß Mike aus. „Ist das wahr? Hat Johanna euch informiert?“ fauchte Prinz wütend und drückte Semirs Arm noch höher. Der Polizist stöhnte auf. „Ich...weiß es nicht...“ gab er ehrlich zu. „Okay.....dann sind die Bullen draußen von ihr informiert worden. Ich hätte mit jedem gerechnet, aber mit Johanna nicht....sie hat mich sehr enttäuscht... doch nun...wirst du uns hier raus bringen...los aufstehen..!“ fauchte Prinz. Er ließ Semir los, der langsam aufstand und sich den misshandelten Arm hielt. „Mike…hol die Mädchen aus dem Keller und bring sie über den Geheimgang raus!“ befahl Prinz. Er hielt mittlerweile eine Waffe auf Semir gerichtet. Mike verschwand. Semir ahnte, dass er etwas unternehmen musste, doch was…die Waffe war mit Sicherheit scharf…aber vielleicht….“ Sie sollten die Waffe vorher überprüfen….die ist ja nicht einmal geladen…“ meinte er etwas verächtlich. Doch Prinz grinste nur. „soll ich es an dir ausprobieren? Wo möchtest du die Kugel hinhaben? Mitten auf die Stirn? Oder lieber in den Bauch?“ gab dieser zurück. Semir zuckte zusammen. Okay… das klappte nicht. „Achtung Tom!! Er hat ne Waffe!“ schrie Semir und machte einen Schritt rückwärts. Sein Blick ging an Prinz vorbei. Prinz ruckte herum. Semir nutzte die Sekunde und ging den Mann an. Mit wenigen Schlägen streckte er Prinz nieder und nahm die Waffe an sich. „Die alten Tricks sind doch die besten..“ grinste er. Schnell rannte er zur Terrassentür und öffnete sie für das SEK.

    „Er ist Italiener?“, harkte Semir nach. Ben nickte. „Ja und er scheint Probleme mit der Familie zu haben. Ich weiß, dass sie der Mafia angehören und ich denke, dass er deshalb unter Druck gesetzt wird. Von wem, weiß ich nicht genau. Er spricht nicht darüber.“, kam kauend von Ben. „Nun, es muss ja nichts heißen. Übrigens… ich erwarte morgen neue Informationen über die Bande mit den Drogen. Es ist nämlich tatsächlich so, dass ein gewisser Marco Degusso dahinter steckt. Und der gehört auch der Mafia an. Zumindest sagen das die Buschtrommeln…“, kam von Semir. Ben grinste. „Was sagen die Buschtrommeln denn noch?“, wollte er wissen. „Nein… Semir, Ben… ihr habt Feierabend und ich will jetzt nichts über die Fälle hören, ist das klar?“, verbot Andrea ihrem Mann das Wort. Sofort schwiegen die Beiden und sahen sich nur an. „Die Chefin hat gesprochen…“, flüsterte Semir zu ihm. Andrea bekam das natürlich mit und gab ihm einen kleinen Hieb an den Hinterkopf. „Wenn dann bitte der Meister oder die Meisterin, klar?“, lachte sie. Semir nickte nur.
    Luciano schlug die Augen zwei Stunden später wieder auf. „Und?“, fragte er verschlafen. „Nichts… dieser Gerkhan nervt mich ohnehin. Wieso hauen wir keine Bombe in das Haus und wir sind alle Sorgen los.“, maulte er. Luciano schüttelte den Kopf. „Kein Bullenmord. Die deutsche Polizei ist sehr gründlich und geht sehr empfindlich damit um, wenn jemand aus ihren eigenen Reihen umkommt. Du hast den Fehler gemacht, dich erwischen zu lassen. Sei froh, dass der Don es nicht ahndet. Du weißt doch, wie brutal er sein kann. Aber wir können ihnen einen kleinen Schrecken einjagen.“, schlug Luciano vor. „Ja und wie?“, wollte Marco wissen. „Nun ganz einfach. Die Familie Gerkhan wird nicht angerührt… noch nicht. Sobald Nico rauskommt und mit seinem Freund losfährt, werden wir uns anhängen. Mal sehen wie gut der Mann fahren kann. Vor allem wenn die Reifen platt sind. Hast du deine Waffe dabei?“, fragte Luciano. Marco nickte. „Gut… dann hoffe ich dass du zielen kannst.“, grinste Luciano

    Am frühen Morgen wurde die Party beendet. Genauer gegen drei Uhr morgens. „So… ich bin dann weg…“, murmelte Ben etwas müde vom Bier. „Kannst du noch fahren?“, wollte Semir wissen. „Ja sicher… hab doch nur zwei Bier getrunken…“, wiegelte er ab. „Ja sicher aber du kannst auch hier schlafen…“, bot Semir an. „Ja sicher… aber ich muss Nico noch heim bringen..“, kam von Ben. „Für den finden wir auch noch einen Schlafplatz.“, lachte Semir. „Nein.. ich muss nach hause… es ist besser für alle hier…“, mischte sich nun Nico ein. Semir nickte. „Also gut… dann fahr bitte vorsichtig, okay… nicht das dich die Kollegen von der Stadt anhalten. Das könnte der Krüger nämlich gar nicht gefallen…“, ermahnte Semir seinen Partner noch. Dann verabschiedeten sich die Männer. Semir ging zu Andrea die bereits seit einigen Stunden schlief und legte sich für die nächsten sechs Stunden ebenfalls hin. Er musste erst gegen Mittag zum Dienst erscheinen. Noch ahnte er nicht, dass sein Schlaf nicht lange anhalten wird.

    Ben fuhr los. „So und nun erzählst du mir mal was hier los ist. Und komm mir nicht mit ich hab nichts und dergleichen.“, forderte er seinen Freund auf. „Ben… es ist besser wenn du es nicht weißt. Glaub mir.. ich habe zwar Probleme aber ich schaffe es auch gut allein.“, redete Nico sich raus. „Okay… dann vermute ich jetzt mal… also ich vermute, dass dein Vater dich nach Italien zurück holen will…. Hast du was mit seiner Machenschaft zu tun?“, fragte Ben. Nico schwieg. „Versteh doch… ich will dir helfen.“, erklärte Ben. Er sah durch Zufall in den Rückspiegel und bemerkte den Wagen. Noch war es nicht bedrohlich doch irgendwas warnte Ben vor diesem Wagen oder besser vor den Insassen. Sie erreichten die Landstraße die sie für den Nachhauseweg befahren mussten. Hier fuhr selten ein Wagen und so lebte bei Ben die größere Aufmerksamkeit auf. Immer wieder sah er in den Rückspiegel. Nico bemerkte es und drehte sich ebenfalls um. „Verdammt!!! Das ist Luciano…!“, stieß er aus. In der Stimme lag Angst und Ben erkannte es sofort. „Wer ist das?“, harkte er nach. „Mein Cousin… er will mich zurück holen. Ben… bitte gibt Gas!!“, flehte Nico. Ben ließ es sich nicht zweimal sagen, doch der Lamborghini ließ sich nicht so einfach abhängen. Und dann sah Ben wie der Beifahrer mit der Waffe auf den Wagen zielte. „Deckung!!“, schrie er und duckte sich weg. Nico kroch regelrecht in den Fußraum und fing sogar an zu beten.

    „So...da sind wir wieder...Du kannst die Augenbinde abnehmen..“ hörte Semir als der Wagen stoppte. Er tat es und stieg aus. Ohne auf den Fahrer zu warten ging er ins Haus, denn den Weg kannte er ja bereits. „Sie werden bereits erwartet...“ erklärte die ältere Frau und wies Semir den Weg. Als er das Zimmer betrat sah er Andrea am Tisch sitzen. „Andrea!!!“ stieß er aus und ging sofort auf Andrea zu. Er nahm sie in die Arme “Bist du okay?” fragte er besorgt. Andrea nickte und küsste ihn. „Ich will nach Hause...Semir...“ sagte sie leise. Semir nickte nur. Er nahm ihre Hand und während er sie hielt drückte er ihr den kleinen Sender in die Hand. Andrea bemerkte das kleine Ding und lächelte ihn an. „So...nun ist aber genug der Zärtlichkeiten. Wir haben noch was geschäftliches zu besprechen....nach dem Essen...setzt euch hin!“ befahl Prinz. Semir ließ Andrea los und sie setzten sich an den Tisch. Das Essen ging schweigend von Statten. „Okay.. deine Frau geht nun wieder auf ihr Zimmer und wir beide unterhalten uns.“ befahl Prinz als alle fertig waren. Semir sah Andrea an und nickte unmerklich. Sie stand auf und wurde von der älteren Frau weg gebracht. Dann waren die Männer allein. Semir überlegte, ob und wie er in den Zugriff, der sicher innerhalb der nächsten halben Stunde passieren würde, eingreifen konnte. Er und Prinz waren allein. Und gegen einen Mann, konnte Semir alle male gewinnen. „Wer ist der Informant?“ wollte Prinz wissen. „Was denken Sie denn? Ich meine Sie müssen ja einen Verdacht haben...“ stellte Semir die Gegenfrage. „Das lass meine Sorge sein...wer ist es?“ harkte Prinz nach. „Es ist Mike....“ gab Semir leise zu. „Mike? Ha-Ha-Ha..... das ist gut....lüg mich nicht an!“ schrie Prinz und stellte sich vor Semir. „Mike ist mein Neffe...er wird mich garantiert nicht verraten....“ erklärte Prinz. Semir grinste. „Deshalb ist er ja so wertvoll für uns. Er ist scharf auf den Bezirk und will nicht mehr nur ein Handlanger sein..“ reizte Semir. Prinz lachte nicht mehr. Er dachte angestrengt nach.

    „Okay... Alex...Semir und Andrea sind dort drin. Wir müssen sie nun befreien. Ich weiß von Semir, das Andrea im ersten Stock festgehalten wird. Er selbst vermutlich im Arbeitszimmer von Prinz...das müsste hier neben dem Esszimmer sein...“ erklärte Tom mit Hilfe des Grundrisses, welches sie sich besorgt hatten. „Gut....dann müssten wir uns am besten von der Terrasse aus nähern....wie sieht es mit Wachen aus?“ harkte Alex nachdenklich nach. „Prinz fühlt sich sicher..... er hat weder Wachhunde noch Wachpersonal...“ warf Ann-Katrin ein, die mit der Schutzweste kämpfte. „Die tragt ihr wohl nicht oft beim BKA...oder?“ grinste Tom. „Du kannst mir ja mal helfen...“ lächelte Ann-Katrin zurück. Tom nickte und legte ihr die Weste an. „Anfänger...“ hauchte er ihr ins Ohr. Sofort warf sie den Kopf herum und sah ihn mit funkelnden Augen an. „Ich warne dich Kranich.....treib es nicht auf die Spitze...“ raunte sie zurück, doch dabei kniff sie ein Auge zu. „Ihr solltet getrennt rein gehen, denn das Knistern zwischen euch ist deutlich hörbar...“ kam von Alex. „Ähm...das war nur Hilfestellung unter Kollegen....“ korrigierte Tom. „Ja sicher...und ich heiß Moses...“ lachte Alex. „Wann wollen wir zuschlagen?“ wollte Alex wissen und kam zurück zum Thema. „Am besten direkt...ich finde Semir und Andrea haben genug durch gemacht und wollen sicher nach Hause...“ meinte Tom. „Gut...dann los....meine Männer gehen wir immer vor... ihr kommt nach...“ befahl Alex. Tom und Ann-Katrin nickten. „Jetzt sind es nur noch wenige Augenblicke bis ich Taubner und Prinz habe....bei Prinz lege ich persönlich die Handschellen an....Taubner wird von Engelhardt und einem zweiten SEK-Team verhaftet...“ sagte sie zufrieden. Tom nickte nur. Er wollte endlich wieder normalen Dienst tun. Mit Semir über die Straßen heizen.

    Der Abend kam. Semir machte sich bereit nach Hause zu fahren und auf sein unfreiwilliges Taxi zu warten. Er sah Tom an. „Du folgst uns ja...?“ harkte er unsicher nach. „Semir...wir folgen dir.... Alex Hoffmann wartet auch schon auf den Einsatzbefehl...keine Angst... es wird alles gut...in wenigen Stunden werden du und Andrea wieder zuhause sein.“ Gab Tom zurück. „Ich hoffe wirklich, dass Ihr Plan funktioniert Tom ....“ kam von Anna Engelhard. Die Köpfe der Hauptkommissare ruckten zu ihr herum. „Chefin!!“ stieß Semir erstaunt aus. „Haben Sie wirklich gedacht, dass ich nicht informiert werde?“ tadelte Anna ihre Männer. „Nein…ich meine…wir wollten gerade…“ versuchte Semir sofort zu erklären. Anna hob die Hand. Schon gut…. Es ist alles okay…. Tun Sie es…“ lächelte Anna. Tom sah zu Ann-Katrin. „Sieh mich nicht so an…ich hab nichts gesagt…“ verteidigte sie sich sofort. „Ja aber einer muss was gesagt haben…vielleicht Hartmut?“ dachte Semir nach. „Oder Alex….klar…der hat sicher mit Anna telefoniert….“ mutmaßte Tom noch. „Egal…ich fahre jetzt nach Hause…ich will zu Andrea…“ gab Semir von sich und verabschiedete sich von Tom und Ann-Katrin. Er ging zum Wagen und fuhr los. Wie immer wenn er die letzten Tage nach Hause kam, dauerte es nicht lange bis er abgeholt wurde. Und tatsächlich, gerade als er im Bad war hupte vor der Tür ein Wagen. Er sah aus dem Fenster. Es war sein Taxi. Er nahm seine Jacke und verließ das Haus. Der Fahrer stieg mit einem breiten Grinsen aus und hielt ihm die Tür auf. In der einen Hand hielt er eine Augenbinde, die Semir sich anlegen musste. Die Fahrt ging los.

    „Johanna! Unser Gast wird sicher gleich hier sein… deck doch schon mal den Tisch und hol seine Frau her!“ befahl Prinz. Johanna nickte. Sie sah Prinz an. Auch sie wusste genau, was mit den Beiden passieren sollte…Prinz wird sie töten. Sie hatten sein Gesicht gesehen und waren ohnehin Feinde. „Ich richte alles her…“ gab sie von sich und machte sich an die Arbeit. Als der Tisch gedeckt war holte sie Andrea aus ihrem Zimmer. „Komm mein Kind….dein Mann wird auch gleich hier sein. Prinz will mit euch essen…“ erklärte sie Andrea als sie die Tür öffnete. Andrea zog den viel zu großen Pullover zu Recht. Es war das erste Mal seit sie hier war, dass sie raus durfte. Waschbecken hatte sie im Zimmer genau wie eine Dusche. „Na komm schon…. Du bist hübsch genug…“ lächelte Johanna zuversichtlich. Andrea ging mit ihr nach unten. „Gerade hab ich gesehen, wie ein paar Mädchen angekommen sind…sind sie für….?“ Wollte Andrea wissen. Johanna sah sie lächelnd an. „Andrea Schätzchen….du solltest es nicht hinterfragen….es ist besser so…“ erklärte sie viel sagend. Andrea nickte nur. „Ist mein Mann schon da?“ kam die nächste Frage. Johanna schüttelte den Kopf. „Nein…aber es dauert nicht lang. Wir sollten den Chef nicht zu lange warten lassen…“ empfahl Johanna. Andrea nickte und ließ sich von Johanna ins Esszimmer führen. Dort saß ein Mann am Tisch. „Guten Abend Frau Gerkhan...entschuldigen Sie bitte, dass wir uns unter diesen Umständen kennen lernen müssen, aber besser spät als nie....finden Sie nicht auch?“ säuselte der Mann, stand auf und reichte ihr die Hand. Andrea übersah sie gekonnt.

    Semir fuhr wieder die häusliche Auffahrt rauf und lud den Wagen aus. „Wow, wer soll denn das alles essen?“, fragte Andrea, als sie die Unmengen an Fleisch, Wurst und Rippchen sah. „Ich habe Ben eingeladen und er kommt mit seiner ganzen Band. Deswegen habe ich noch mehr gekauft ... vorsichtshalber.“, erklärte Semir und hievte die beiden Bierkästen aus dem Wagen. „Oh, dann reicht wohl ein Salat gar nicht, was?“, meinte Andrea laut überlegend. „Wie wäre es, wenn du deinen exzellenten Kartoffelsalat machst?“, fragte Semir und strich sich mit der Zunge über die Oberlippe. „Würde ich gern... wenn du Kartoffeln gekauft hast?“, fragte sie und sofort hielt ihr Semir einen Sack Kartoffeln entgegen. „Ich schäle sie sogar.“, meinte er bettelnd und mit Dackelblick. Andrea lachte kurz auf und nickte zustimmend. „Okay, dann gleich ab in die Küche.“, befahl sie. Semir grinste und salutierte vor seiner Frau. „Jawohl!“, sagte er lachend. Andrea schüttelte nur den Kopf und trug gemeinsam mit ihm die Einkäufe rein. „Was ist mit Susanne?“, wollte Semir wissen. „Sie kommt direkt nach Feierabend. Ist für sie auch mal ne Abwechslung. Denkst du zwischen ihr und Ben könnte was laufen?“ dachte Andrea laut nach. Semir nahm sie in den Arm. „Wenn du es willst und es geschickt einfädelst… wer weiß? Aber ich denke nicht dass die Beiden zueinander finden. Zu mindest nicht auf Bestellung.“, grinste Semir und machte sich daran die Kartoffeln zu waschen. Andrea sah ihm dabei wohlwollend zu.

    Susanne sah auf die Uhr. Es war kurz vor fünf und sie hatte Feierabend. Schnell räumte sie ihren Schreibtisch auf und verabschiedete sich. Dann fuhr sie ohne Umwege zu Semir und Andrea. Vor der Tür bekam sie einen Parkplatz und klingelte kurz darauf. Nur wenig später öffnete Andrea mit Aida auf dem Arm die Tür. „Ach wie schön… Komm rein….“, begrüßte Andrea ihre Freundin. „Ja… ich freu mich auch schon. Kann ich dir noch etwas helfen? Salate herrichten, oder so?“, bot Susanne sich an. Andrea nickte. „Ja das kannst du… Semir kämpft gerade mit den Pellkartoffeln für den Salat…. Und ich glaube die Kartoffeln gewinnen…“, lachte Andrea und genau in diesem Augenblick schrie Semir in der Küche auf. Andrea rannte sofort hin und sah ihren Mann an. „Was ist denn?“, wollte sie wissen. „Ich hab mich geschnitten!“, fauchte Semir wütend. Andrea und auch Susanne mussten lachen. „Der Held in der Küche ist ein anstrengender Job… viel schlimmer auf der Autobahn.“, verhöhnte Andrea ihren Mann. „Ha… du kannst es selbst machen. Ich kümmere mich um den Grill.“, fauchte Semir beleidigt und warf das Geschirrtuch auf die Spüle. Nur wenig später hantierte er am Grill und es klappte auf Anhieb. „Das ist Männerarbeit…“, sagte er stolz. Die Frauen schüttelten nur den Kopf.

    Ben holte Nico um halb sieben ab. Als sein Freund einstieg fühlte Ben, dass etwas nicht stimmte. Nico sah sich aufmerksam um bevor er ins Auto kam. „Was ist?“, wollte Ben wissen. „Nichts… bin halt nur etwas vorsichtig.“, murmelte Nico abweisend. Ben akzeptierte diese Nachricht und fuhr los. Er bemerkte nicht, dass ihm ein Wagen folgte. „Was liegt denn an?“, fragte Nico. „OH… mein Kollege und seine Frau grillen. Auch wenn es regnet. Sie haben eine riesige Terrasse und da ist genug Platz. Außerdem ist mein Partner sehr sparsam und hat mich und die Jungs eingeladen dort bei ihm auf der Party zu spielen. Hoffe nur, dass wir nicht auch noch den Grill stellen müssen.“, lachte Ben. Nico verstand den Witz nicht. Er sah gedankenverloren auf die Straße. „Also gut… du hast was. Wenn ich dir helfen kann dann tu ich das. Ist es was Finanzielles?“, wollte Ben wissen. Nico schüttelte den Kopf. „Nein… familiär. Aber ich will nicht darüber reden, okay?“, bat er. „Okay… akzeptiert. Du hast bisher nie etwas über deine Familie erzählt. Außer dass sie alle in Italien sind. So… wir sind da.“, gab Ben an und lenkte seinen Flitzer in die Parklücke. „Ich hab noch ein paar Knabbersachen im Kofferraum. Hilf mir die Dinger mal rein zu bringen… es riecht schon verdammt gut… ich hab Hunger.“, grinste Ben und nahm Salzstangen, Chips und anderes aus dem Kofferraum. „Wer soll das denn essen?“ staunte Nico. „Mein Partner … der kann das….“, lachte Ben nur.

    Ralf Prinz saß nachdenklich am Fenster als Johanna vom Einkauf zurück kam. Er sah sie an, lächelte und nickte nur. Johanna war eine sehr zuverlässige Haushälterin. Sie war die gute Seele seines Hauses. Sie kümmerte sich nicht nur um den Abwasch und dem Kochen, sondern war auch für die verängstigten Mädchen am Anfang eine Anlaufstelle. Auf Johanna würde er nie verzichten. Er freute sich irgendwie auch auf das Essen. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es Zeit war zum Treffpunkt zu fahren um Taubner und die Leute zu überprüfen. Einer von ihnen gab den Bullen die Tipps. Woher sollten sie sonst den Übergabeort wissen? Er schwor sich den Verräter zu stellen und dann zu bestrafen. Verrat ist das Schlimmste was es gab. Ralf ging kurz in die Küche und hörte schon von draußen wie Johanna mit den Töpfen hantierte. „Johanna...ich werde in drei Stunden wieder hier sein...bis dahin hast du doch das Essen fertig oder?“ lächelte er sie an. „Ja natürlich Herr Prinz...aber ich dachte, Sie essen mit der jungen Frau und ihrem Mann...“ harkte sie nach. Ralf lachte leise. Hatte er es doch tatsächlich vergessen. „Danke Johanna....ich hab im Augenblick so viel um die Ohren....dass ich das vergessen habe. Stimmt...dann um acht heute Abend.....“ nickte er. Dann fuhr er los. Er brauchte eine knappe Stunde bis er den Übergabeort erreicht hatte und sah bereits das das Geschäft gelaufen war. Acht Mädchen im Alter von 16 bis 25 standen am Straßenrand und sahen sich fragend an. Ralf grinste leicht als er rechts ran fuhr. Er begrüßte seinen Geschäftsfreund und wandte sich dann an Taubner. „Erst alle zu mir....und sorg dafür, dass sie nicht jammern...“ befahl er. Taubner nickte und gab die Befehle weiter.

    Der Abend kam schnell. Andrea sah aus dem vergitterten Fenster wie ein Lieferwagen auf den Hof fuhr und sie sah wie einige Mädchen aus dem Wagen geholt und ins Haus gebracht wurde. Angewidert schüttelte sie den Kopf. Die armen Geschöpfe gehörten zu den Mädchen denen man erzählte dass in Deutschland ein toller Job auf sie wartete und sie viel Geld machen konnten. Klar konnten sie viel Geld verdienen, aber nicht für sich selbst. Sie lauschte an der Tür, ob die Mädchen nach oben gebracht wurden, aber es war nicht so. Nichts rührte sich. Mit einem Seufzen setzte sie sich auf das Bett. Doch nur eine Weile dann legte sie sich hin. Was sollte sie nur tun? Das Buch was ihr Johanna gegeben hatte, war durchgelesen. Sie bekam keine Zeitung oder sonst etwas Zeitnahes um sich zu konzentrieren. Was war mit Semir? Würde er heute Abend wieder bei ihr sein? Was hatte dieser Mensch der sie hier festhielt noch vor? Würde sie jemals wieder nach Hause dürfen? Andrea grübelte und grübelte. Irgendwann hörte sie einfach auf zu denken und schlief ein. Die Langeweile ließ sie müde werden. Doch dann ging der Schlüssel in der Tür und Andrea sah auf. „Hallo...“ hörte sie Johanna sagen. „Johanna...mir ist langweilig...haben Sie nicht noch ein Buch für mich?“ bat Andrea. „Sie werden sicher bald gehen dürfen...“ lächelte die alte Frau sie an. „Das wäre schön...aber ich glaube nicht daran. Mein Mann...wird...“ meinte Andrea nachdenklich. „Nur keine Sorge .... vertrauen Sie mir einfach...“ bat Johanna. Andrea nickte. „Ich bringe gleich noch ein Buch...aber das ist ein Märchenbuch...aus 1001 Nacht...also eher was für Kinder...“ entschuldigte Johanna sich. Andreas Mine hellte sich auf. „Ich liebe Märchenbücher...“ gab sie zu.

    „Semir...ich kann Ihnen den Namen nicht sagen. Sie könnten ihn an Prinz verraten und das wäre das Todesurteil für meine Informantin... nur soviel...sie ist nicht weit von ihm...“ lächelte Ann-Katrin. Semir nickte nur. Er hätte auch so gehandelt. Und sie hatte Recht....wenn Prinz ihn zum reden bringen wollte, dann würde er es machen und vermutlich auch schaffen. „Also gut...fahren wir zu Hartmut und sehen wie weit er ist...“ schlug Semir vor. Ann-Katrin sah ihn an. „Ich dachte Sie wollten erst einmal die Stimmen hören...dann wissen Sie mit wem Sie es zu tun haben....“ kam erstaunt von ihr. „Ach so...ja....ja...sicher...“ nickte Semir. Ann-Katrin wollte gerade loslegen als ihr Handy klingelte. Sie sah auf das Display und nickte. „Augenblick...ist privat...“ lächelte sie die beiden Hauptkommissare an und verschwand aus dem Büro. Semir sah zum leeren Schreibtisch von Andrea. Nur zehn Minuten später war Ann-Katrin wieder ins Büro. „Okay...das war meine Informantin....aber nicht so wichtig.....hier sind die Stimmen....ich hoffe nur Sie können sie richtig zuordnen...als erstes hören wir Taubner..“ klärte Ann-Katrin auf und ließ eine Tonspur mit dem Handy ablaufen. Semir hörte genau hin. „Nein...das war der nicht....der Typ fistelte mehr....ich glaub der hatte eher ein Problem mit dem S...“ murmelte Semir nachdenklich. „Okay... dann kann es nur Prinz sein. Und der kommt hier...“ murmelte Ann-Katrin. Wieder war eine Stimmaufnahme zu hören. „Ja...das ist der Mann, mit dem ich zu tun hatte und habe....ganz eindeutig....“ nickte Semir. „Diese Informantin ist also sehr nah bei Prinz...richtig?“ vermutete Semir. Ann-Katrin sah ihn an. „Ich will sie nicht noch mehr in Gefahr bringen....verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber ich werde dazu nichts sagen...“ erklärte sie erneut. Semir nickte. „Ich verstehe Sie schon....ich denke ich weiß auch wer es ist....nur keine Sorge ich verrate sie nicht...“ lächelte Semir zuversichtlich.

    Sie fuhren zu Hartmut der bereits auf sie wartete. „Semir....wie geht es dir? Was ist mit Andrea?“ wollte der Techniker sofort wissen. „Es geht ihr und auch mir gut....nur würde es besser gehen, wenn ich sie in Sicherheit wüsste.“ Murmelte Semir leise. „Nur keine Sorge....hier.....der Mini-Mini-Mini-Sender....den wird keiner finden...“ strahlte Hartmut und hob etwas mit einer Pinzette hoch. „Hartmut?“ fragte Semir und sah auf das „Nichts“ „Wo ist da was?“ wollte er wissen. „okay...erwischt....hier hinten...er ist etwas so groß wie ein Minikieselstein. Du wirst ihn in der Hosentasche sicher unbemerkt unterbringen und sobald Tom und die Kollegin dich geortet haben kannst du wieder...“ erklärte Hartmut grinsend. Doch sein kleiner Scherz schien den Kollegen entgangen zu sein. „Okay...okay.... ist ja gut...“ knurrte er dann. „Also der Sender hat eine Reichweite von ca. 17 km...das heißt, dass Tom und Frau Winzer....da dicht an dich dran sein müssen....damit sie dich auch orten können....“ erklärte Hartmut. „Windhölzer...heißt die Dame aber egal... wenn das klappt, dann könnten wir heute Abend zuschlagen...“ meinte Ann-Katrin. Tom sah Semir an. „Warum warten wir nicht, bis die Übergabe gemacht wurde....das wird sicher heute Abend stattfinden....die Mädchen werden wenn ich es richtig mitbekommen habe bei Prinz bearbeitet...das heißt wir hätten alle auf einen Schlag...“ gab Semir zurück. „Sie und Ihre Frau wären mittendrin...“ gab Ann-Katrin zu bedenken. Semir lächelte leicht. „Wir werden sicher nicht direkt bei Prinz sitzen...“ meinte er nur.

    Kapitel 1.
    Familie über alles


    Nico Fiancelli saß in seiner Wohnung am Rheinufer und zupfte auf seiner Gitarre. Monoton fiel der Regen gegen die Fensterscheiben, doch Nico ließ sich davon nicht in seiner ruhigen Art in eine Melancholie hinunterziehen. Schweigend zupfte er an den Gitarrenseiten und beobachtete das bunte Treiben auf den Straßen. Menschen gingen in ihre Regenmäntel und Jacken gehüllt durch den strömenden Regen. Nico sah ab und zu durch seine Fenster nach draußen. Er schüttelte nur den Kopf. „Es muss schon heute etwas dringendes zu erledigen sein, dass ich mich da raus traue.“, murmelte er und holte sich eine Cola aus seinem Kühlschrank.

    Wieder ging er zu seinem Instrument, das auf der ausgesessenen Ledercouch lag, doch das Klingeln seines Handys lenkte ihn zu seinem Esstisch. „Ciao, hier Nico.“, meldete er sich. „Hallo, Ben hier.“, meldete sich Ben Jäger. „Ah Ben, was gibt es? Sonst rufst du doch immer an, wenn du was auf dem Herzen hast.“, lachte der Italiener, der vor einigen Jahren erst nach Deutschland gekommen war. „Keine Bange Nico, ich werde dich heute nicht mit meinem Liebesleben nerven.“, erwiderte Ben am anderen Ende der Leitung und lachte laut los. „Was hast du denn nun wirklich?“, wollte Nico wissen. „Pass auf, die Jungs und ich treffen uns nachher in unserem Probenraum. Kommst du auch zur Bandprobe?“, wollte Ben wissen. „Klar, um nichts in der Welt lass ich mir eure Katzenmusik entgehen.“, erwiderte der Italiener und lachte laut los. „Ha ha, so schlecht spielen wir ja wohl nicht.“, murrte Ben. „Schon klar... nein, ich komme. Wieder um die gleiche Zeit wie letztens?“ „19 Uhr. Okay, bis später.“, verabschiedete sich Ben. Nico lachte nur und legte sein Handy dann ebenfalls weg. „Was für ein verrückter Kerl.“, dachte er laut.

    Luciano Fiancelli saß in seinem Auto vor der Wohnung seines Vetters und spielte mit seinem Handy in der Hand herum. Er wusste, was seine Einstellung seinem Vetter Nico zu seiner Familie in Italien hatte. Hier in Deutschland umschrieb man sie fast vornehm mit den Worten „ehrenwerte Gesellschaft“. Nico wollte von dieser Familie nichts wissen, war deshalb nach Deutschland geflüchtet. Doch das Familienoberhaupt, ihr Großvater in Italien, in einer abgeschiedenen Villa in der Nähe von Rom, verlangte den Zusammenhalt der Familie. Zumal Nico der Nachfolger seines Vaters werden sollte, der mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hatte, und in die „ehrenwerte Gesellschaft“ eingegliedert werden. Das war die Aufgabe von Luciano. Er stieg aus und ging auf das Haus zu, wo sein Vetter seine Wohnung hatte. Er wollte mit ihm persönlich sprechen. Sollte er sich weigern, mit ihm nach Italien kommen, hatte er vom Großvater schon entsprechende Anweisung erhalten. Dazu genoss er die volle Unterstützung der hier ansässigen Mafiabosse.

    Semir und Andrea saßen auf ihrer Terrasse. Semir hatte sich für heute frei genommen um mit Andrea die Versöhnung nach dem vergessenen Urlaub zu feiern. „Ich war echt ein Esel. Ach Andrea… wieso ist das denn so schwer ein paar Termine zu merken. Ich meine… okay… ich bin beruflich sehr angespannt und habe ne Menge Dinge im Kopf. Nur das was wirklich wichtig ist, das vergesse ich…“, erklärte er. Andrea sah ihn an. „Semir… dein Problem ist dass es für dich eigentlich nur den Job gibt. Du musst abschalten. Wenn Feierabend ist, dann ist Schluss mit dem Job. Dann zählen nur ich und Aida. Das musst du dir angewöhnen. Feierabend heißt entspannen. Solange du das nicht kannst, dann wirst du immer Termine vergessen. Aber nun genug von dem Thema. Was hältst du davon, wenn wir heute Abend grillen? Wir laden Ben ein und machen uns einen schönen Abend. Susanne könnte ja auch kommen. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass da zwischen Ben und Susanne was laufen kann.“, schlug Andrea vor. Semir nickte begeistert. „Hast du das Wetter bemerkt? Auch wenn es nicht kalt ist, aber es schüttet aus Kübeln. Was meinst du wie schnell die Stimmung den Bach runter geht?“, stöhnte Semir. „Ja aber es ist nicht kalt und wir haben einen Elektrogrill. Da können wir dann auch im Wohnzimmer oder hier auf der Terrasse grillen. Egal bei welchem Wetter. Das wäre auch Ben und Susanne egal…“, grinste Andrea. Semir hob die Hände. „Ich will mich nicht mit dir streiten! Also gut… dann werde ich mich jetzt in den Wasserfall dort stürzen und einkaufen gehen….“, stöhnte er gekonnt. Andrea sah ihn strafend an. „Du hast doch ein Auto… darin wirst du schon nicht nass werden. Also… wir brauchen Würstchen, Rippchen, Koteletts, Salate, Ketschup, Majo, Tzaziki und Getränke… Bier, Limonade, Cola, Wasser…“, zählte sie auf. „Alles klar…!“, grinste Semir und erhob sich schwerfällig.

    Am nächsten Morgen warteten Tom und Ann-Katrin auf Semir. „Ich hoffe nur, wir schaffen es wirklich. Dein Plan klingt ganz schön riskant. Was wenn die den Sender finden? Dann kannst du nicht nur Semir und seine Frau abschreiben, sondern auch dass wir Prinz und Taubner schnappen...zwei Jahre Arbeit wären völlig umsonst und meine Informantin wäre in großer Gefahr. Meinst du Semir hält dicht?“ wollte Ann-Katrin wissen. Tom nickte. „Er verrät nichts. Außerdem behältst du deine Informantin doch für dich...“ grinste er. „Ja...ich weiß...ich hätte ihm den Namen nennen sollen, aber....sie ... sie ist wie eine Mutter zu mir, verstehst du....ohne sie hätte ich den Undercovereinsatz damals nicht geschafft....bei ihr konnte ich mich ausweinen....sie war...“ schwärmte Ann-Katrin. Tom sah sie an. „Sie ist also älter als du...“ stellte er fest. Ann-Katrin nickte. „Ja....und sie ist sehr nah an Prinz dran. Sie genießt sein Vertrauen. Ich ....“ sie stockte. Tom sah sie an. „Keine Sorge....aber hast du dir denn auch schon überlegt, was du machst, wenn der Job erledigt ist? Ich meine....was dann mit uns wird...?“ wollte er wissen. Ann-Katrin lächelte. „Tom....ich weiß es nicht....vielleicht lasse ich mich versetzen...oder unsere Wege trennen sich wieder....wir sollten uns darauf konzentrieren, dass wir jetzt erst einmal Taubner und Prinz bekommen...“ schlug sie vor. „Klar...und meine Frau ist völlig egal....oder?“ kam von der Tür her. Tom sah Semir an. „Hey...guten Morgen Partner....wie sieht es an der Front aus?“ wollte Tom wissen. „Ich durfte gestern Abend bei Andrea sein...zumindest fast....einer der Kerle hat sie angepackt und....Taubner hat ihn wohl bestraft. Ich war dabei....als...als sie ihn erschossen...“ erklärte Semir. Ann-Katrin sah ihn an. „Taubner? Sind Sie sich da ganz sicher?“ harkte sie nach. „Ich weiß es nicht....vielleicht war es Prinz.....ich habe keinen der Beiden gesehen oder kenne ihre Stimmen...gibt es irgendwelche Aufnahmen? Dann kann ich mit Sicherheit sagen, wer es war...“ fragte Semir unsicher nach. Ann-Katrin nickte. „Ja....ich glaub ich hab welche von meiner Informantin....“ bestätigte sie. „Wer ist es?“ kam plötzlich von Semir.

    Johanna wurde zu Prinz gerufen. „Johanna....besorge doch mal was ausgefallenes zum Essen. Ich möchte heute mit den Eheleuten Gerkhan an einem Tisch essen. Ich denke es ist nur gerecht, wenn wir dann was wirklich gutes Zaubern....kannst du Lamm zubereiten?“ wollte Prinz von seiner Haushälterin wissen. „Aber sicher kann ich das Herr Prinz.....Lamm ist eine Spezialität....dazu dann Reis und Salat und als Nachtisch einen Himbeerpudding mit Vanillesoße...“ schlug sie vor. Prinz nickte. „Das klingt sehr gut....“ lobte er sie. „Dann geh ich mal....bis später...ach und...ich hoffe wirklich, das Frau Gerkhan hier keine Probleme bekommt...“ sagte sie bedenklich. Prinz sah sie scharf an. „Sie ist hier sicher. Wenn sich noch mal einer der Männer an sie heranmacht, dann erschieße ich ihn persönlich....und diesmal ohne Abmahnung...“ drohte er. Johanna zuckte zusammen, aber sie kannte ihn jetzt lang genug. Prinz war, wenn er verärgert war zu allem bereit. Er selbst hatte mit Frauen nicht wirklich viel am Hut, aber er würde sicher keine von der Bettkante stoßen, wenn sie sich bereit erklärte alles mit ihm zu machen und dies auf Gegenseitigkeit beruhte. Brutaler Sex, war für ihn das was zählte. Je härter um so besser. „Ich bin in einer Stunde zurück...“ lächelte Johanna und verschwand. Sie setzte sich ins Auto und fuhr los. Immer wieder vergewisserte sie sich, ob sie vielleicht verfolgt wurde. Man konnte schließlich nie sicher genug sein. Doch es war niemand hinter ihr. Prinz vertraute ihr zu 100 Prozent. Auf dem Parkplatz des Supermarktes griff sie zu ihrem Handy.

    Der Tod von Christopher machte die Runde und so erführ auch Kim Krüger von Ben das Semir befreit und auf dem Wege der Besserung war. Sie war sichtlich erleichtert, dass Semir leicht verletzt war und ließ es sich nicht nehmen im Krankenhaus noch mit ihm zu sprechen. „Ja Frau Krüger…ich werde meinen Urlaub fortsetzen. Immerhin sind es noch acht Tage, die ich hier entspannen kann und dann bin ich auch wieder vollkommen einsatzfähig.“, hörte sie Gerkhan sprechen. „Herr Gerkhan….ich freu mich, dass Sie das Abenteuer überstanden haben. Wir haben uns große Sorgen gemacht…“, gab Kim durch. Semir lächelte durch das Telefon. „Danke Chefin... ich wusste manches Mal nicht, ob er mich umbringen würde oder ob er nur mit meiner Angst spielte. Aber jetzt ist zum Glück alles wieder in Ordnung.“, meinte Semir. „Schön, dass ihnen nichts passiert ist.“, verabschiedete sich Kim und beide legten dann auf. Lächelnd ließ Semir den Hörer zurück in die Gabel gleiten und bereitete sich dann auf seine Entlassung vor. Andrea und Max, der Hoteljunge, holten ihn vom Eingang ab und fuhren dann mit einem glücklichen Gesicht zurück ins Hotel. „Ich hab einen Riesenhunger. Lass uns gleich was essen gehen.“, meinte er zu seiner Frau. Lachend stimmte Andrea zu. „Mein armer Mann, du musst ja umkommen vor Hunger.“, antwortete sie auf den Blick ihres Semirs. „Ohhhh ja.“ Schon im nächsten Moment saßen beide im Restaurant des Hotels, wo alles angefangen hatte und sahen sich die Speisekarte an. „Ich denke, ich nehme ein Wiener Schnitzel und...“, plötzlich stockte er, als er sah, wie Sarah von jemanden in Grund und Boden geschrieen wurde. Andrea drehte sich ebenfalls um und sah nur noch, wie Semir mit schnellen Schritten auf die Beiden zuging.

    „...dass ein Gast unseres Hauses von einem Mitarbeiter dieses Hauses entführt werden konnte, ist unglaublich.“, fauchte der Mann mit der streng aussehenden Halbglatze und den nach hinten gekämmten Haaren in feinstem Wiener Dialekt. „Frau Klein, ich bin sehr enttäuscht von ihnen. Sie haben ihren Bruder eigenhändig eingestellt und sich somit ihr eigenes Grab geschaufelt. Holen sie ihre Sachen. In einer Stunde will ich sie hier nicht mehr sehen.“, fauchte der Mann und wollte gerade gehen, als sich Semir ihm in den Weg stellte. „Das können sie nicht mit Frau Klein machen.“, meinte Semir mit ruhiger Stimme und sah den großgewachsenen Mann mit seinen braunen Augen an. „Herr... Herr Gerkhan....“, stammelte der Direktor. „Tut mir Leid, aber ich denke nicht, dass sie das etwas angeht.“, meinte er dann schnell. „Doch, das geht mich sehr wohl etwas an. Immerhin bin ich mit der Grund, warum jetzt dieser jungen und talentierten Köchin gekündigt werden soll.“, kam es von Semir. Der Direktor stand ohne ein Gegenwort vor ihm. „Sie konnte doch nicht ahnen, dass ihr Bruder zu solch einer Kurzschlusshandlung fähig war, als er mich gesehen hat. Nein, das können sie ihr wirklich nicht in die Schuhe schieben. Bitte, überdenken sie ihre Entscheidung noch einmal.“, bat Semir mit den eindringlichsten Worten, die er je gebraucht hatte und schien damit Erfolg zu haben. Er sah, wie der Direktor nachdenklich auf seiner Glatze herumkratzte, sich dann umwandte und Sarah ansah. „Ich denke, es war überstürzt, sie zu entlassen. Gehen sie wieder an ihre Arbeit, Frau Klein.“, meinte er nur und nickte Semir dann zu, bevor er selbst verschwand. Zufrieden ging der Deutschtürke zurück zu seinem Platz und legte sich zufrieden die Serviette auf den Schoß. „Semir Gerkhan... du musst wohl immer die Welt retten, oder?“, lachte Andrea nur. „Klar doch.“

    Auch für Ben wurde der Abend einer der besten, die er je erlebt hatte. Er traf sich mit Ricky vor dem Präsidium und gemeinsam fuhren sie dann in das Lokal, wo sie sich als erstes verabredet hatten. „So, ich hoffe, wir können den Abend ungestört miteinander verbringen.“, meinte sie und sah mit ihren klaren, eisblauen Augen direkt in Bens kastanienbraune. Dieser konnte sich wieder nicht diesem magischen Moment entziehen, den diese Augen nun einmal aus ihn ausübten. „Das hoffe ich auch.“, meinte er und näherte sich langsam mit seinen Lippen denen von Ricky. Sie lächelte nur und erwiderte die Annäherung, doch anders, als gedacht. „Ben nicht. Lass uns einfach den Abend genießen.“, meinte sie, nachdem sie ihre Finger auf Bens Lippen gelegt hatte. Dieser wich zurück und sah sie erstaunt an. Dann sah er das erste Mal wirklich auf ihre Hand und erblickte den Ring an ihrem Finger. „Oh.“, kam es nur von ihm. „Er ist Pilot, Ben. Und, egal, wo er ist, ich werde ihm immer treu sein. Lass uns einfach den Abend so genießen, wie wir es vor hatten, unter Kollegen.“, bat sie mit liebevoller Stimme. Ben nickte und rutschte auf der Couch ein Stück zurück. Sie lachte los. Trotzt der zunichte gemachten Chancen Bens wurde es einer seiner schönsten Abende in Wien. Ricky führte ihren deutschen Kollegen danach an der Donau entlang und brachte ihn zu seiner Pension zurück. „Tja, dann sehen wir uns wohl nicht so schnell wieder.“, meinte er mit einem Blick, der selbst Steine zum Schmelzen gebracht hätte. „Nur, wenn du wieder einen Ausbrecher bis nach Wien jagst.“, lachte Ricky und gab Ben einen Kuss auf die Wange zum Abschied, bevor sie in die Dunkelheit der Wiener Nacht verschwand.

    Die Tage vergingen schnell und erholsam für Semir und Andrea. Ben war schon vorab zurückgeflogen, da er sich ja auf einem Einsatz und nicht im Urlaub befand, und holte das glückliche Paar am Flughafen ab. „Wie ich sehe, habt ihr euch noch gut erholt?“, lachte er, als er die verliebten Blicke der Beiden sah. „Ja, Wien ist eine durch und durch wunderschöne Stadt, direkt zum Verlieben.“, schwärmte Andrea und küsste ihren Mann auf die Wange. Dieser grinste und sah auf Bens Unterarm. „Sag nur, dich hat Felix attackiert?“, fragte er ,als er die tiefen Kratzer an Bens Unterarm sah. „Euer Kater fand es wohl nicht so lustig, dass ich ihn aus seinem Sessel schmeißen wollte.“, meinte er und Semir lachte los. „Ja, das duldet er nur von mir. Ich freu mich schon wieder auf diesen Chaoten und den anderen auch.“, kam es von Semir und alle drei verließen den Flughafen. Damit endete eine vollkommen mit Überraschungen versehene Reise mit einem glücklichen Ende.


    Ende.

    Ann-Katrin dachte kurz nach. „Also gut….was habt ihr vor?“ wollte sie von Tom Kranich wissen. „Wir werden es morgen besprechen…Semir und ich treffen uns in der KTU…komm da hin…okay?“ hörte sie Tom fragen. „Okay….aber ich will Taubner und Prinz die Handschellen anlegen…das müsst ihr mir überlassen…bitte..“ flehte sie regelrecht. „Okay….wollen wir uns heute noch sehen?“ kam von Tom. Ann-Katrin lächelte leicht. „Wo?“ fragte sie. „Wie wäre es, wenn du zu mir kommst und ich koche uns was feines…“ schlug Tom vor. Ann-Katrin lachte auf. „Du kannst kochen?“ fragte sie erstaunt. „Ich bin der beste Pastakocher der PAST..“ prahlte Tom. „Das lasse ich mir nicht entgehen. Ich bin in einer Stunde bei dir..“ versprach sie. Nachdem das Gespräch beendete war duschte sie, doch als sie vor dem Kleiderschrank stand sah sie sich unschlüssig um. Was sollte sie anziehen? Tom…war…er schien doch noch Interesse an ihr zu haben. Vielleicht konnte sie ihn ja doch von ihren Qualitäten überzeugen…so wie vor einigen Nächten….sie war unvergesslich und….er war wundervoll. Wie lebte er wohl? Ob er einen Kamin hatte? Sie zog ein rotes enges Kleid an, welches ihre Proportionen weich umspielte. Das Schminken war geübte Sache und nur eine halbe Stunde nach Toms Anruf war sie fertig. Sie ließ sich ein Taxi kommen und fuhr zu ihm. Etwas aufgeregt klingelte sie. Tom öffnete…er stand in einem feinen Anzug in der Tür. „Hi…“ hauchte Ann-Katrin. „Hi…“ gab Tom zurück und ließ sie eintreten. Der Tisch war gedeckt und Kerzen standen bereits brennend zwischen den beiden Tellern. „Whow….wie romantisch…“ lächelte sie und ließ sich von Tom das Jäckchen abnehmen. „Ich hoffe du hast großen Hunger mitgebracht….“ lächelte er. Ann-Katrin sah ihn an. „einen sehr großen…“ hauchte sie.

    Semir und Andrea bekamen tatsächlich noch essen. Sie saßen beide jeweils am Gitter und aßen gemeinsam. „Was werden sie morgen tun?“ wollte Andrea wissen. „Sie werden mich nach Hause bringen…. Vermutlich wieder mit verbundenen Augen…und dann fahre ich zur KTU…Andrea….man hat mich suspendiert…..weil sie mich für erpressbar halten und damit haben sie ja auch Recht. Aber Tom und ich haben uns bereits was überkegt. Wir versuchen einen Sender hier rein zu bringen und dann….wird das SEK uns hier raus holen…Andrea… dieser Typ….der hier das Sagen hat….er hat einen seiner Männer erschossen. Und er hat mir gesagt, dass es der Kerl war, der dich angepackt hat…“ erklärte Semir leise und as weiter. Andrea sah ihn liebevoll an. „Ich weiß dass es klappen wird….weißt du wer er ist?“ wollte sie wissen. Semir schüttelte den Kopf. „Nein…ich weiß es nicht…aber ich weiß dass er gefährlich ist…“ gab Semir zu. „Hast du Angst?“ harkte Andrea nach. Semir nickte. „Ja…um dich….wenn man dir etwas tut, dann….“ Semir schluckte hörbar. Andrea streichelte durch das Gitter sein Gesicht. „Es wird alles gut gehen…ich vertraue dir und Tom…“ nickte sie leicht. „So Schluss hier mit dem Turteln…!“ riss sie eine Stimme von der Tür zu Semirs Raum die Beiden aus ihrer Vertrautheit. „Hinlegen und schlafen!“ befahl der Mann. Semir küsste Andrea und nickte dann. Er wollte niemanden provozieren und ließ sich auf das Bett nieder. Es war weich und scheinbar auch frisch bezogen. Nur wenig später schliefen die Beiden ein.

    Semir zuckte zusammen, als er den Schuss hörte. Er hörte auch den Aufschlag des Körpers. „So….deine Frau ist sicher bei mir….und du wirst, damit du deine Kollegen nicht vorher warnen kannst, bei mir bleiben…. Ich habe dir auch ein Zimmer einrichten lassen. Morgenfrüh wirst du von hier in Begleitung nach Hause gebracht wo du dann zur Arbeit fährst….das Spielchen kennst du ja schon.“ erklärte der Mann vor ihm. Semir nicke leicht. „Darf ich bei meiner Frau bleiben?“ wollte er wissen. „Klar doch…..ich bin doch kein Unmensch….“ lachte der Mann vor ihm. „Denk daran…ich will wissen, wer euch informiert….“ Erinnerte ihn der Mann und wenig später spürte Semir einen Griff am Oberarm. „Bring ihn in sein Zimmer…“ befahl der Mann. Semir wollte morgen direkt Ann-Katrin fragen, ob es eine Stimmaufnahme von Taubner und Prinz gab. So war es für ihn einfacher zu erfahren, wer ihn nachts festhielt. Semir ließ sich ohne Widerstand abführen und bekam die Augenbinde wieder abgenommen. Er blieb vor der Tür stehen hinter der Andrea war doch der Mann stieß ihn eine weiter. „Hier ist dein Zimmer!“ erklärte der Mann. „Aber Ihr Boss hat gesagt, dass ich zu meiner Frau darf…“ widersprach Semir. Doch der Mann ließ keinen Widerspruch zu. Er stieß Semir in das Zimmer. Kaum war er drin, wurde die Tür zugezogen und verschlossen. „Semir?“ hörte er Andrea fragen. Etwas irritiert sah er sich um. „Andrea? Wo bist du?“ wollte er wissen. Dann sah er eine Zwischentür, die mit einem Gitter die Zimmer trennte. Er ging zum Gitter und auch Andrea kam da hin. „Hey…nicht weinen…hörst du…wir kommen hier schon raus…morgen werde ich mit Tom etwas versuchen…“ versprach er sanft und streichelte das Gesicht seiner Frau. „Wir sollten etwas schlafen…“ schlug Semir vor. „Ich hab Hunger…“ klagte Andrea. „Ja ich auch…“ gab Semir zu. „Normalerweise bekomme ich gleich was zu essen…immer so gegen neun…“ gab Andrea zurück. Semir lächelte. Er wusste nicht ob er auch was bekam. Er musste abwarten. „Semir… wenn sie dir nichts geben, dann teilen wir….“ versprach Andrea fürsorglich. Semir nickte erneut. „Ich liebe dich…“ gab er leise von sich. Durch die Gitterstangen küssten sie sich.

    Tom schreckte auf, als sein Handy klingelte. Müde ging er ran. „Was ist ?“ fauchte er wütend. „Alex Hoffmann hier….Tom…..ich habe heute eine alte Freundin getroffen und die hat versucht….“ Hörte er den SEK-Mann. „Alex…lass mich raten…diese Freundin hieß Ann-Katrin…“ stöhnte Tom. „Woher weißt du…na egal… also Ann-Katrin hat von mir verlangt, einen Zugriff zu leiten….und faselte etwas von Andrea und Semir… du kennst mich…ich bin neugierig…was ist los?“ harkte Alex nach. „Nun…da du es weißt…Andrea ist entführt worden und Semir wird erpresst… er muss in dem Fall mit Taubner und Prinz die Informationen zu Ermittlungsarbeiten weitergeben weil sonst Andrea…“ erklärte Tom. „Oh…das ist übel…braucht ihr Hilfe?“ bot Alex sich an. „Also wenn du so kommst…ja….Semir und ich wollen auf eigene Faust Andrea befreien….wir wollen…“ erzählte Tom. „Oh…das hört sich ganz nach einem Einsatz mit „ziemlich viel Ärger“ an. Ich bin dabei….zählt auf mich…Anruf genügt…ach ja…Ann-Katrin hab ich natürlich abgesagt…ich stell mich doch nicht gegen das Gesetz…“ lachte Alex. Tom lachte ebenfalls. „Genau…halt dich bereit…ich bin froh, das du auf unserer Seite bist…“ gab er leise zurück. Hilfe konnten er und Semir immer brauchen und Alex Hoffmann war genau der richtige Mann dafür. „Ich bin für euch auf Abruf…“ gab der SEK-Mann zurück. Tom beendete das Gespräch und grinste, denn er stellte sich Ann-Katrin vor, wie sie murrend in ihrem Hotelzimmer saß. Irgendwie genoss er es, dass sie so abgewiesen wurde. Er wählte sie an. „Hallo Ann-Katrin…ich wollte nur mal wissen, wie es dir geht…“ tat er auf unwissend. „Kranich…das kannst du dir sparen….ich kann mir schon vorstellen, das Hoffmann dich angerufen hat….ihr steckt alle unter einer Decke und wollt mich fertig machen….“ fauchte sie sofort. „Also wirklich Ann-Katrin….es geht nicht immer um dich….wir müssen Semir helfen….und nebenbei werden wir auch Prinz festsetzen. Hilf uns….und du bekommst auch das was du willst..“ schlug Tom vor.

    Semir wurde von dem Piloten geweckt, als sie auf dem Dach des Krankenhauses in Wien landeten. „Was?“, schreckte er auf. Er wollte sofort in Abwehrhaltung gehen, erkannte dann jedoch, dass er in Sicherheit war. „Wir sind da…und werden Sie jetzt erst einmal untersuchen lassen. Die Wunden müssen behandelt werden!“, erklärte der österreichische Kollege, der mit geflogen war. Semir nickte und ließ sich bereitwillig in das Gebäude bringen. Er war müde und eigentlich wollte er einfach nur schlafen. Am liebsten bei Andrea. Einer der Ärzte kümmerte sich sofort um Semir. Er reinigte die Wunde am Hals und besah sich den Schaden, der hier entstanden war. „Der Schnitt ist nicht besonders tief und heilt sicher schnell. Ich lege Ihnen eine Verband mit Salbe an.“, lächelte der Doc. „Danke…ich bräuchte nur noch ein Bad und dann ein Bett….“, gab Semir zurück. „Bleiben Sie hier eben liegen…eine Schwester wird sich gleich um Sie kümmern.“, bat der Arzt und verschwand. Semir schloss die Augen. Nur wenige Minuten später schlief er tief und fest. Er wachte auf, als jemand ihn berührte. „Semir…“, hörte er Andreas Stimme. Er öffnete die Augen und staunte nicht schlecht, als er sich in einem Krankenzimmer wieder fand. „Andrea…Schatz….geht es dir und dem Kleinen gut? Wieso liege ich hier? Ich war doch…im Behandlungszimmer…“, kam etwas verwirrt von ihm. Andrea lächelte. „Das mein Lieber war gestern Abend… seit dem liegst du hier und hast einen verdammt tiefen Schlaf gehabt. Wie geht es dir?“, wollte sie wissen. „Ich fühl mich schon besser. Was ist mit Klein?“, harkte Semir nach. Andrea schüttelte den Kopf. „Jetzt ist nichts mit Arbeit… wir sind im Urlaub schon vergessen…?“, lachte sie sanft. Sie strich Semir über die Wange. „Ich hatte unglaubliche Angst… um dich…“, weinte sie. Semir zog sie an sich. „Shhhhht…. Denk an unser Kind….Aufregung ist nicht gut und du weißt doch…. Ich bin ein Held…. Ich darf nicht sterben…“, scherzte er und küsste sie sanft.

    Ben wartete vor dem OP in dem Christopher gebracht wurde. Es dauerte für ihn ewig, bis endlich ein Arzt kam. „Was ist mit dem Mann?“ fragte Ben. „Nun….er hat schwere innere Verletzungen. Wir haben die Blutung soweit wir sie entdecken konnten, gestoppt. Nun zeigt sich ob der Herr Gott im Himmel Gnade mit ihm hat. Das werden wir sehen. Sollte er noch Angehörige haben, dann sollten Sie sie herbringen…“, empfahl der Arzt. Ben nickte und sah sich um, als Ricky und Sarah den Gang entlang kamen. „Wo ist mein Bruder?“, wollte die kleine Chefköchin wissen und sah den Arzt mit verweinten Augen an. Der Arzt sah die Frau an. „Sie sind die Schwester von Herrn Klein?“, fragte der Mann im weißen Kittel. Sarah nickte nur und der Arzt brachte sie dann auf die Intensivstation. Dort lang Chris in einem weißen Kittel gekleidet und mit allerlei Schläuchen durchzogen. Seine Augen waren geschlossen, dennoch drehte er den Kopf, als er die Tür hörte. „Sarah? Schwesterchen?“, kam es kaum hörbar von ihm. Sarah wagte sich kaum zu rühren, blieb an der Tür stehen, doch dann machte sie einige Schritte auf das Bett zu und sah, wie Chris den Arm nach ihr ausstreckte. „Ja... ja, ich bin hier.“, meinte sie und ergriff die geschundene und eingeschiente Hand ihres Bruders, setzte sich zu ihm ans Bett und strich durch das mit Blessuren und Schrammen verziertem Gesicht. „Ich habe alles falsch gemacht. Verzeihst du mir?“, kam es hustend von Christopher und sein ganzer Körper krümmte sich vor Schmerzen, die ihn durchzogen. Sarah weinte und musste unweigerlich schlucken, als sie ihren Bruder sah. „Bitte Sarah, verzeih mir... ich hab ... hab dein ... Leben... hab dein Leben vollkommen durcheinander gebracht... Bitte... ich wollte nie... nie dir Schwierigkeiten... machen....“, kam es hustend von ihm. Sarah hörte weinend zu und strich ihrem Bruder über die Wange. „Ich... ich verzeihe dir. Wie könnte ich dir böse sein.“, weinte sie und merkte dann einen kurzen Druck an ihrer Hand. Sie riss die Augen auf und sah, wie ihr Bruder sich aufbäumte. „Verzeiht mir...“, schrie er und fiel dann ins Bett zurück. Erschrocken blickte Sarah auf die Nulllinie der Geräte und dann zum Fenster, wo Ben und Ricky standen. „Was für ein...“, fauchte Ben, doch Ricky sah ihn nur an, schüttelte dann den Kopf. „Komm, lass uns gehen. Wir haben hier nichts mehr zu tun.“, meinte sie. Ben nickte und folgte ihr.

    Für Semir endete die Fahrt. Er wurde mit verbundenen Augen aus dem Auto gezogen und in ein Haus geführt. Erst im Haus wurde die Augenbinde abgenommen. Semir blinzelte kurz ins helle Licht. Er stand vor einer Tür und wollte sich umdrehen, als er eine Waffe im Rücken spürte. „Nicht umdrehen…rein da und dann kannst du dich mit deiner Frau unterhalten…bis ich dich zum Boss bringen!“ fauchte ihn eine Stimme an. Semir ging ins Zimmer und wenig später hörte man wie sich der Schlüssel drehte. Das Zimmer selbst war dunkel. „Andrea?“ fragte er leise. „Semir….hier….“ kam die Antwort. Semir tastete sich in Richtung Stimme. Dann hatte er seine Frau im Arm. „Oh Semir….“ Weinte Andrea. Semir strich ihr über den Kopf. „Schtttt….schon gut…ich bin ja da…“ beruhigte er sie. „Semir…ich will nach Hause….bitte bring mich hier raus….bitte….“ flehte sie weinend. „Was ist passiert? Hat dich einer der Kerle….?“ Semir wagte nicht die Frage bis zum Ende zu formulieren. „Er…hat mich angefasst und….es wäre…sicher noch mehr passiert…..“ gab Andrea zu. Semir ballte die Fäuste…Andrea musste hier raus. Sie musste hier weg…bevor das Schlimmste passierte. Er drückte Andrea fest an sich. „Ich bringe dich hier weg….versprochen….Tom und ich sind schon an einer Lösung dran….“ versprach er. Andrea beruhigte sich. „Dieser Mistkerl…ich…. Ich wollte ihn…“ fauchte sie wütend. Semir lächelte, was Andrea nicht sah. So kannte und liebte er seine Frau. Aufbrausend und nicht aufgeben und sich ducken. „Beim nächsten Mal tritt dort hin wo es am meisten schmerzt…“ schlug er vor. Nun musste auch Andrea lachen. Doch die Zweisamkeit wurde unterbrochen, als das Licht aufflammte und die Tür aufging. Semir stand auf und stellte sich schützend vor Andrea. „Los! Der Boss will dich sehen!“ blaffte ihn der Mann an. Semir sah zu Andrea und ging dann raus. Dann wurden ihm erneut die Augen verbunden.

    Prinz sah auf, als der Mann herein geführt wurde. „Guten Abend Herr Gerkhan…ich hoffe Sie haben Informationen für mich…“ meinte er. „Wie man es nimmt…“ gab Gerkhan zurück. „Ich höre…“ erklärte Prinz. „Die Kollegen haben den Zugriff abgeblasen…“ kam von Gerkhan. Prinz lachte leise. „Ja sicher….ihr denkt wohl dass ich dann die Übergabe dort machen werden was….haltet ihr mich für dumm?“ fauchte er wütend. „Nein….ich…“ versuchte der Polizist. „Halt die Klappe…. Was gibt es noch?“ fauchte Prinz. Von Gerkhan kam nichts. „Was es noch gibt!!“ wiederholte Prinz. „Ich…..habe sonst keine Neuigkeiten…“ erklärte der Polizist. Prinz lachte. „Nur eine winzige Neuigkeit? Ich will wissen, wer euch die Tipps gibt und komm mir nicht mit Ermittlungsarbeiten. Ich habe gute Leute und die werden sicher keine Fehler gemacht haben! Also woher habt ihr den Ort der Übergabe? Gibt es einen Spitzel in meinen Reihen?“ wollte Prinz wissen. „Das ist mir nicht bekannt….wir leisten nur Hilfestellung…“ erklärte Gerkhan. „Hilfestellung? Ja sicher….also gut… wer weiß mehr als du?“ harkte Prinz nach. Doch der Polizist antwortete nicht. Prinz ging dicht an ihn ran. „Soll ich mir deine Frau vornehmen?“ drohte er. „Nein…bitte…ich weiß es nicht. Ich…kann es aber herausfinden…geben Sie mir etwas Zeit…“ bat Gerkhan. „Aber sicher….morgen will ich wissen, ob es einen Spitzel gibt. Der Name interessiert mich….und du wirst ihn für mich herausfinden….“ forderte Prinz. Gerkhan nickte. „Lassen Sie meine Frau gehen…bitte…ich tu was Sie wollen, aber lassen Sie meine Frau gehen. Sie wurde bereits von einem Ihrer Helfer angepackt…“ stieß Gerkhan aus. „Ja ich weiß…ich habe ihn dafür auch bestraft. Und du hast ihn doch auch geschlagen…mit verbundenen Augen…“ lachte Prinz. „Du verstehst sicher, dass ich solche Männer in meiner Organisation nicht gebrauchen kann….von daher kannst du hören, wie ich mich solcher Versager entledige…“ gab Prinz bekannt. Er ließ Ingolf kommen und dieser betrat mit einem breiten Grinsen den Raum. „Soll ich mich um ihn kümmern?“ wollte Ingolf wissen und wies auf Gerkhan. „Nein….aber ich habe keine Lust mehr auf dich…“ erklärte Prinz. Er hob seine Waffe und drückte ab. Ingolf stieß einen Schrei aus und fiel zu Boden.