Wenig später saßen sie am Tisch. Semir saß direkt zwischen Luciano und Marcello. Das Essen wurde von Bediensteten aufgetragen und eine junge Frau reichte Semir das Fleisch. Er sah sie an und kurz ging der Blick zu Luciano der warnend den Kopf schüttelte. „Danke...“, murmelte Semir leise und nahm sich ein Stück. So ging es weiter mit den Nudeln. Das Essen war gut und eine Stunde später brachte Luciano Semir wieder in sein Zimmer. Bisher hatte er die Schmerzen durch den Schlag auf der Nase unterdrückt. Auch sagte er nichts davon, dass ihm die Rippen wehtaten, was wohl von den Treppen herrührte. Als er allein in seinem Zimmer war, zog er sich das Shirt hoch und sah den blauen Fleck, der sich abzeichnete. „Dich mach ich fertig, du verdammtes ....“, fluchte er und dachte an Luciano. Er legte sich auf das Bett und versuchte etwas aus zu ruhen. Wer weiß wie lange die Leute ihn hier diese Ruhe gönnten. Nur wenig später war er tatsächlich eingeschlafen. Als er aufwachte war es später Nachmittag. Der Schlüssel drehte sich wieder im Schloss. Semir setzte sich auf und sah der Person entgegen, die herein kam. Es war Dr. Carlos Marrone. Waren tatsächlich zwei Tage vorbei gegangen? „Guten Abend...Signore....Gerkhan richtig?“, fragte er. Semir nickte nur. „Wie geht es Ihnen? Oh... ich sehe schon. Die Nase ist ziemlich geschwollen, wenn nicht sogar gebrochen. Wer war das? Ach was frage ich ... Luciano... dieser Heißblut... nun ja... Ich möchte Sie noch einmal untersuchen. Hat er Ihnen nur die Nase gebrochen oder noch mehr?“, wollte der Arzt wissen. „Wenn Sie so fragen... er hat mich ziemlich brutal die Treppen runter geschliffen. Warum wollen Sie das denn wissen?“, harkte Semir nach. „Nun... nennen Sie es berufliche Neugier. Also gut... ziehen Sie bitte das Shirt aus. Ich nehme an, dass Sie auch in dem Bereich einige Probleme haben, oder?“, lächelte der Mann ihn freundlich an. Semir wusste, dass wenn er nicht tat, was der Arzt sagte, würden Luciano oder Marcello zu ihm kommen und es ihm zeigen, dass es besser war, sich zu fügen. Also tat er es. „Oh.... das sieht übel aus. Haben Sie Probleme beim Atmen?“, wollte der Arzt wissen. Semir verneinte es. „Gut... dann sind sie wenigstens nicht gebrochen. Die Wunden im Gesicht heilen recht gut ab. Wir machen noch einmal einen Salbenverband und dann denke ich, wird es sich erledigt haben.“, meinte Dr. Marrone nur. Semir ließ alles über sich ergehen.
Ben lief in Paulas Wohnung auf und ab. „Wo bleibt Alessandro denn?“, knurrte er. Paula lächelte. „Ben... du solltest dich etwas gedulden.... er kommt gleich.“, gab sie bekannt. „Das hast du doch schon vor zwei Stunden gesagt. Uns läuft die Zeit davon!“, fauchte er. „Du musst wirklich sehr viel lernen. In Italien gehen die Uhren etwas anders. Und wenn du gegen die Mafia kämpfst dann musst du deine Zeit sehr gut einteilen. Alessandro wird gleich hier sein.“, wiederholte die hübsche junge Frau. Ben nickte nur. „Semir würde sicher gern nach Hause. Also sollten wir uns so langsam mal einen Plan zurecht legen. Ich weiß nicht einmal ob die „ehrenwerte“ Gesellschaft ihn zum Austausch mitbringt...“, stöhnte Ben leise. Paula nahm ihn in den Arm. „Du hast Angst um ihn, nicht wahr?“, fragte sie. Ben nickte. „Er hat Familie. Eine Frau und eine Tochter und ich würde der Kleinen sehr ungern erklären müssen, dass ihr Vater nicht mehr heimkommt.“, kam als Erklärung. „Das wird nicht passieren. Alessandro und seine Vertrauensleute werden ihn befreien. Ich kenne Alessandro sehr gut und er wird sicher nichts tun, was Semir in Gefahr bringt. Nur ihr hättet euch vorher mit ihm absprechen sollen. Die ganze Situation ist einfach ziemlich schwierig. Nicht nur für dich und Semir....oder für Nico. Alessandro wird sicher gleich einen Weg wissen, wie wir ihn unbeschadet dort herausholen.“, sprach sie ihm Trost zu. Sie ahnte genauso wenig wie Ben, dass die Übergabe in einem Chaos enden sollte.
Giorgio Brussati kam nach wenigen Minuten Fahrt beim Haus des Commissarios in seinem gepanzerten Wagen an, ließ seine Leibwächter die Gegend sichern und stieg dann aus seinem Wagen aus. Vorsichtig ging er zur Tür und klingelte. Sofort hörte er Schritte und dann ging die Tür auf. „Signore Staatsanwalt Brussati... kommen sie rein.“, hauchte Alessandro und trat zur Seite. Der Staatsanwalt trat ein und ging ins Wohnzimmer. Im Garten und rund um das Haus hatten die Leibwächter des gut bewachten Staatsanwalts Stellung bezogen und sahen sich mit ruhigen Augen in der Umgebung um. „Alessandro... was haben sie für mich?“, fragte er mit ruhiger Stimme. Alessandro trat an den Kamin, bückte sich und holte das schwarze Buch hervor. Er reichte es dem Staatsanwalt. „Hier, damit können sie die ganze Bande von Don Marcello einbuchten und für ewig auf die Insel sperren lassen.“, meinte Alessandro und lächelte den Staatsanwalt an. Dieser nahm das Buch, schlug es auf und erkannte sofort die Handschrift von Don Marcello. „Endlich habe ich diesen zahnlosen Wolf.“, stieß er aus und hielt das Buch wie eine Trophäe über seinen Kopf. „Damit werde ich die Mafia aus Rom ein für allemal verjagen.“, rief Brussati aus und Alessandro nickte nur zustimmend. Plötzlich klingelte sein Telefon. „Ah Paula... was gibt es?“, fragte er in einem Schwall von Freude. Dann hörte er, dass seine Freundin irgendwie sauer klang. „Alessandro... wir warten hier schon einige Stunden auf dich und das Buch. Semir hat angerufen. Er musste die Forderungen von Don Marcello durchgeben.“, meinte sie mit wütendem Unterton. „Warte mal, ich stelle auf Lautsprecher um.“ Alessandro schaltete den Lautsprecher an und sah, wie der Staatsanwalt mit nachdenklicher Miene den Worten zuhörte. „Semir musste durchgeben, dass wir Nico und das Buch auf dem Forum Romanum an die Mafiosos übergeben sollen. Andernfalls würden sie ihn umbringen.“, gab Paula durch. „Wer ist das... Semir?“, fragte Brussati. „Ein deutscher Kollege, der, zusammen mit seinem Partner, hier ist, um diesen besagten Nico zurück nach Deutschland zu bringen. Er wurde von Marcellos Leuten hierher verschleppt.“, erzählte der Commissario und der Staatsanwalt nickte. „Wann soll die Übergabe stattfinden?“, wollte der Jurist wissen. „Um Mitternacht.“, erwiderte Paula. „Dann haben wir nicht mehr viel Zeit zum Vorbereiten.“, meinte Brussati und griff nach seinem Handy. Sofort hatte er eine gute Spezialeinheit der Armee angefordert und traf weitere Vorbereitungen, die Mafia auf einen Schlag zu kassieren.“, rief er freudig aus und fuhr mit dem Buch weg, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. „Signore Brussati... das Buch.“, rief Alessandro ihm nach, doch es war zu spät. Der Wagen mit ihm und den Leibwächtern war schon wieder weg. „Verdammt.“, stieß er aus und fuhr dann mit seinem eigenen Wagen zu Paula und den anderen.
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