Beiträge von Elvira

    Wenig später saßen sie am Tisch. Semir saß direkt zwischen Luciano und Marcello. Das Essen wurde von Bediensteten aufgetragen und eine junge Frau reichte Semir das Fleisch. Er sah sie an und kurz ging der Blick zu Luciano der warnend den Kopf schüttelte. „Danke...“, murmelte Semir leise und nahm sich ein Stück. So ging es weiter mit den Nudeln. Das Essen war gut und eine Stunde später brachte Luciano Semir wieder in sein Zimmer. Bisher hatte er die Schmerzen durch den Schlag auf der Nase unterdrückt. Auch sagte er nichts davon, dass ihm die Rippen wehtaten, was wohl von den Treppen herrührte. Als er allein in seinem Zimmer war, zog er sich das Shirt hoch und sah den blauen Fleck, der sich abzeichnete. „Dich mach ich fertig, du verdammtes ....“, fluchte er und dachte an Luciano. Er legte sich auf das Bett und versuchte etwas aus zu ruhen. Wer weiß wie lange die Leute ihn hier diese Ruhe gönnten. Nur wenig später war er tatsächlich eingeschlafen. Als er aufwachte war es später Nachmittag. Der Schlüssel drehte sich wieder im Schloss. Semir setzte sich auf und sah der Person entgegen, die herein kam. Es war Dr. Carlos Marrone. Waren tatsächlich zwei Tage vorbei gegangen? „Guten Abend...Signore....Gerkhan richtig?“, fragte er. Semir nickte nur. „Wie geht es Ihnen? Oh... ich sehe schon. Die Nase ist ziemlich geschwollen, wenn nicht sogar gebrochen. Wer war das? Ach was frage ich ... Luciano... dieser Heißblut... nun ja... Ich möchte Sie noch einmal untersuchen. Hat er Ihnen nur die Nase gebrochen oder noch mehr?“, wollte der Arzt wissen. „Wenn Sie so fragen... er hat mich ziemlich brutal die Treppen runter geschliffen. Warum wollen Sie das denn wissen?“, harkte Semir nach. „Nun... nennen Sie es berufliche Neugier. Also gut... ziehen Sie bitte das Shirt aus. Ich nehme an, dass Sie auch in dem Bereich einige Probleme haben, oder?“, lächelte der Mann ihn freundlich an. Semir wusste, dass wenn er nicht tat, was der Arzt sagte, würden Luciano oder Marcello zu ihm kommen und es ihm zeigen, dass es besser war, sich zu fügen. Also tat er es. „Oh.... das sieht übel aus. Haben Sie Probleme beim Atmen?“, wollte der Arzt wissen. Semir verneinte es. „Gut... dann sind sie wenigstens nicht gebrochen. Die Wunden im Gesicht heilen recht gut ab. Wir machen noch einmal einen Salbenverband und dann denke ich, wird es sich erledigt haben.“, meinte Dr. Marrone nur. Semir ließ alles über sich ergehen.

    Ben lief in Paulas Wohnung auf und ab. „Wo bleibt Alessandro denn?“, knurrte er. Paula lächelte. „Ben... du solltest dich etwas gedulden.... er kommt gleich.“, gab sie bekannt. „Das hast du doch schon vor zwei Stunden gesagt. Uns läuft die Zeit davon!“, fauchte er. „Du musst wirklich sehr viel lernen. In Italien gehen die Uhren etwas anders. Und wenn du gegen die Mafia kämpfst dann musst du deine Zeit sehr gut einteilen. Alessandro wird gleich hier sein.“, wiederholte die hübsche junge Frau. Ben nickte nur. „Semir würde sicher gern nach Hause. Also sollten wir uns so langsam mal einen Plan zurecht legen. Ich weiß nicht einmal ob die „ehrenwerte“ Gesellschaft ihn zum Austausch mitbringt...“, stöhnte Ben leise. Paula nahm ihn in den Arm. „Du hast Angst um ihn, nicht wahr?“, fragte sie. Ben nickte. „Er hat Familie. Eine Frau und eine Tochter und ich würde der Kleinen sehr ungern erklären müssen, dass ihr Vater nicht mehr heimkommt.“, kam als Erklärung. „Das wird nicht passieren. Alessandro und seine Vertrauensleute werden ihn befreien. Ich kenne Alessandro sehr gut und er wird sicher nichts tun, was Semir in Gefahr bringt. Nur ihr hättet euch vorher mit ihm absprechen sollen. Die ganze Situation ist einfach ziemlich schwierig. Nicht nur für dich und Semir....oder für Nico. Alessandro wird sicher gleich einen Weg wissen, wie wir ihn unbeschadet dort herausholen.“, sprach sie ihm Trost zu. Sie ahnte genauso wenig wie Ben, dass die Übergabe in einem Chaos enden sollte.

    Giorgio Brussati kam nach wenigen Minuten Fahrt beim Haus des Commissarios in seinem gepanzerten Wagen an, ließ seine Leibwächter die Gegend sichern und stieg dann aus seinem Wagen aus. Vorsichtig ging er zur Tür und klingelte. Sofort hörte er Schritte und dann ging die Tür auf. „Signore Staatsanwalt Brussati... kommen sie rein.“, hauchte Alessandro und trat zur Seite. Der Staatsanwalt trat ein und ging ins Wohnzimmer. Im Garten und rund um das Haus hatten die Leibwächter des gut bewachten Staatsanwalts Stellung bezogen und sahen sich mit ruhigen Augen in der Umgebung um. „Alessandro... was haben sie für mich?“, fragte er mit ruhiger Stimme. Alessandro trat an den Kamin, bückte sich und holte das schwarze Buch hervor. Er reichte es dem Staatsanwalt. „Hier, damit können sie die ganze Bande von Don Marcello einbuchten und für ewig auf die Insel sperren lassen.“, meinte Alessandro und lächelte den Staatsanwalt an. Dieser nahm das Buch, schlug es auf und erkannte sofort die Handschrift von Don Marcello. „Endlich habe ich diesen zahnlosen Wolf.“, stieß er aus und hielt das Buch wie eine Trophäe über seinen Kopf. „Damit werde ich die Mafia aus Rom ein für allemal verjagen.“, rief Brussati aus und Alessandro nickte nur zustimmend. Plötzlich klingelte sein Telefon. „Ah Paula... was gibt es?“, fragte er in einem Schwall von Freude. Dann hörte er, dass seine Freundin irgendwie sauer klang. „Alessandro... wir warten hier schon einige Stunden auf dich und das Buch. Semir hat angerufen. Er musste die Forderungen von Don Marcello durchgeben.“, meinte sie mit wütendem Unterton. „Warte mal, ich stelle auf Lautsprecher um.“ Alessandro schaltete den Lautsprecher an und sah, wie der Staatsanwalt mit nachdenklicher Miene den Worten zuhörte. „Semir musste durchgeben, dass wir Nico und das Buch auf dem Forum Romanum an die Mafiosos übergeben sollen. Andernfalls würden sie ihn umbringen.“, gab Paula durch. „Wer ist das... Semir?“, fragte Brussati. „Ein deutscher Kollege, der, zusammen mit seinem Partner, hier ist, um diesen besagten Nico zurück nach Deutschland zu bringen. Er wurde von Marcellos Leuten hierher verschleppt.“, erzählte der Commissario und der Staatsanwalt nickte. „Wann soll die Übergabe stattfinden?“, wollte der Jurist wissen. „Um Mitternacht.“, erwiderte Paula. „Dann haben wir nicht mehr viel Zeit zum Vorbereiten.“, meinte Brussati und griff nach seinem Handy. Sofort hatte er eine gute Spezialeinheit der Armee angefordert und traf weitere Vorbereitungen, die Mafia auf einen Schlag zu kassieren.“, rief er freudig aus und fuhr mit dem Buch weg, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. „Signore Brussati... das Buch.“, rief Alessandro ihm nach, doch es war zu spät. Der Wagen mit ihm und den Leibwächtern war schon wieder weg. „Verdammt.“, stieß er aus und fuhr dann mit seinem eigenen Wagen zu Paula und den anderen.
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    Andrea ließ sich von Ben nach Hause fahren. „Soll ich heute Nacht bei dir bleiben? Also im Gästezimmer versteht sich...“ bot Ben an. Andrea lächelte leicht „Das wäre ganz toll... ich kann jetzt Trost gebrauchen. Semir da so liegen zu sehen...ich habe Angst... er weiß nicht dass wir leben und er wird aufgeben....ich weiß es... er wird nicht kämpfen...er wird zu uns wollen...“ klagte sie leise. Ben nahm sie in den Arm. „Du hast den Doc doch gehört..es ist alles in Ordnung. Warum sollte er nicht kämpfen...? Vielleicht hat er doch gehört, dass du am leben bist...wir fahren morgen früh wieder hin und sehen nach ihm. Aber du musst auch ein bisschen schlafen...hörst du...“ ermahnte Ben die Frau seines Partners. Müde nickte Andrea. Sie ging mit Ben ins Haus, sah noch einmal zu den Kindern die friedlich schliefen. „Maike...danke dass du dir die zeit genommen hast...“ sagte sie zu dem Kindermädchen. „Wie geht es Ihrem Mann?“ wollte dieses wissen. „Ich weiß es nicht...nicht gut....er...“ Andrea stockte. „Schon gut... Gute Besserung für ihn...“ lächelte Maike und verließ das Haus. Andrea setze sich ins Wohnzimmer. „Willst du noch was essen, Ben?“ wollte sie wissen. „Nein...aber eine Dusche...ich muss duschen...bis gleich..“ lächelte Ben und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Es wird alles wieder gut...glaub mir. Semir wird kämpfen...“ versprach er. Andrea nickte erneut. Sie legte sich auf die Couch und schloss nur kurz die Augen. Das Schellen des Telefons riss sie aus einem leichten Dämmerschlaf. „Hallo?“ fragte sie in den Hörer. „Frau Gerkan..hier ist Schwester Anja...ich...ich bin für Ihren Mann zuständig....ich wollte Ihnen nur sagen, das...das er...“ die Anruferin stockte, doch Andrea war nun hellwach. „Was ist mit ihm?“ fragte sie nach. „Er...hatte einen Herzstillstand.....aber wir konnten ihn wieder beleben...und...er ..er ist stabil...“ erklärte die Schwester. Andrea schloss erleichtert die Augen. „danke...ich … ich bin morgen früh wieder bei ihm...“ gab sie zurück und legte auf. Sie weinte leise, als Ben aus dem Bad kam. Er sah es und setzte sich neben ihr. „Was ist los?“ wollte er wissen. „Semir....er..er....hatte einen Herzstillstand..“ gab sie bekannt. Ben sah sie erschrocken an. „und? Wie geht es ihm?“ wollte er wissen. „Sie...habe ihn zurück geholt, aber..ich habe Angst...ich habe solche Angst..“ weinte Andrea. Ben nahm Andrea in den Arm und versuchte sie zu Trösten, doch es gestaltete sich als sehr schwierig...

    „Siehst du...niemand in dem Alter deiner Kinder und deine Frau ist auch nicht dabei. Sie leben und du wirst gebraucht...also mach das du nach links kommst...“ ermahnte der Alte Semir. Sie saßen immer noch an der Straße und der Alte zeigte ein Fotoalbum. Semir blätterte darin. „Das ist mein Vater...!“ stieß er plötzlich aus. „Ja...das ist Mahmut Gerkan...ein mürrischer alter Mann, der sich mit dem Tod nicht abfinden konnte... er ist nicht weit von hier. Und er sieht jeden Tag auf dich und freut sich wie ein Schneekönig. Bei der Geburt deiner Tochter hat er hier einen Tanz veranstaltet sag ich dir...das war ganz großes Kino... und bei deinem Sohn...da ist er noch mehr ausgeflippt...“ lachte der Alte. „Kann ich mit ihm sprechen?“ bat Semir. „Warum willst du das?“ harkte der Alte nach. „ich konnte mich damals als er gegangen ist, nicht mehr entschuldigen..ich habe ihm Unrecht getan und...“ erklärte Semir. „Du musst dich nicht entschuldigen. Er weiß dass es dir Leid tat... aber wenn du zu ihm gehst, dann wirst du sterben...denn er ist auf der anderen Seite...du gehörst nicht dort hin...du wirst gebraucht....“ lächelte der Mann. Semir dachte nach. „Gibt es hier keine Autos?“ wollte er dann wissen und sah auf die Straße. „Nein...leider nicht....hier bist du auf deine Füße angewiesen... der Chef hier würde mir ganz schon was geigen, wenn ich dir eines seiner Fahrzeuge gebe....“ lachte der Alte. „Warum?“ harkte Semir nach. „Weil du zu viele Wagen schon geschrottet hast. Ich habe hier eine Liste die ellenlang ist....Hier....Wagen gegen die Wand gesetzt...Wand umgestürzt, Wagen begraben..konnte ihn in letzter Sekunde retten...oder hier.... Frontal mit einem LKW zusammengestoßen.....bevor Auto Feuer fing, kam er mit meiner Hilfe raus....so geht das die ganze Liste runter.. kannst ja lesen wenn du willst.. Weißt du eigentlich wie oft dein Schutzengel schon Überstunden machen musste nur damit du überlebst? Der Arme liegt mir ständig in den Ohren, aber Schutzengel ist halt ein lebenslänglicher Job.“ grinste der Alte. „Vielleicht sollte ich dann etwas mehr aufpassen..“ grinste Semir. „Das hätte was..ich bin nicht mehr der Jüngste und es ist wirklich sehr anstrengend auf dich aufzupassen...“ stöhnte der Alte. Semir stutzte. „Du ...bist mein Schutzengel?“ fragte er erstaunt.

    „SAUGEN!!! LOS DOCH!!“ fauchte der Arzt die OP-Schwester auf. Der Sauger machte ganze Arbeit, aber dennoch schien es nicht aufzuhören. „Okay..ich hab die Kugel....ich hol sie jetzt raus...wie sieht es allgemein aus?“ wollte er wissen ohne den Kollegen anzusehen, der für die Überwachung der Körperfunktionen zuständig war. „Er ist stabil....“ war die Antwort. „Sehr gut...gleich hast du es geschafft Junge...gleich haben wir das Stück raus und dann machen wir dich wieder zu...wirst allerdings ein paar Wochen unser Gast sein...“ murmelte der Doc und zog die kleine Greifzange raus. Zwischen den Greifern lag ein kleines unscheinbares Bleistück. „So...das war's. Er scheint keine weiteren Verletzungen zu haben...aber wir gehen noch mal genau durch....“ murmelte der Arzt. „Wir sollten schnell machen...er fängt an instabil zu werden...Herzrasen...“ ermahnte der Kollege. „Okay... nur fünf Minuten...dann ist es geschafft...“ nickte der Doc. Tatsächlich waren keine weiteren Verletzungen. „Gut...ich mach ihn zu...“ gab er bekannt. Mit geübten Handgriffen schloss er die große Wunde. „Sehr gut...es läuft alles sehr gut...du wirst es schon schaffen...“ meinte der Doc zu Semir. „Okay... wir bringen ihn auf die I-4. Schwester Anja...Sie übernehmen ihn als Patient. Jede Veränderung wird mir sofort mitgeteilt!“ befahl der Arzt. „Ja Dr. Tapel....“ nickte die Schwester. „Ich werde seiner Frau jetzt informieren, dass er es überstanden hat was die OP angeht...alles andere liegt nicht in meiner Hand...“ Mit diesen Worten verließ der Arzt den OP und trat auf den Gang. Sofort wurde er von der Gruppe Wartender empfangen. „Wie geht es meinem Mann?“ fragte zaghaft eine Frau. „Frau Gerkan...es geht ihm den Umständen entsprechend. Die Kugel hat zum Glück kein Organ verletzt aber der Blutverlust ist sehr groß gewesen. Wir haben alles getan was in unserer Macht steht. Der Rest muss von ihrem Mann und die Natur übernommen werden...“ erklärte der Arzt. „Darf ich zu ihm?“ fragte die Frau. Tapel nickte und wies ihr den Weg. „Aber er schläft noch...“ gab er ihr noch mit. Andrea Gerkan nickte. „Ich muss ihm nur sagen, dass ich lebe und seine Kinder auch...das wird ihm helfen, gesund zu werden...“ erklärte sie leise. Dr. Tapel verstand nicht ganz. Langsam betrat Andrea das Zimmer und sah auf Semir, der im Bett lag. Angeschlossen an diversen Überwachungsgeräten. Ein leises gleichmäßiges Piepen füllte den Raum. Andrea weinte leise. Sie streichelte Semir das Gesicht. „Hey...ich brauche ich....bitte....wir sind wohl auf...ich und die Kinder...kämpfe um dein Leben...bitte....wir brauchen dich...“ weinte sie. Natürlich kam keine Reaktion von Semir, denn dieser lag tief in der Narkose. „Ich liebe dich....“ sagte sie noch, küsste ihn sanft auf den Mund und hielt seine Hand. „Kämpfe... hörst du...tu es für mich...“ flüsterte sie ihn ins Ohr.

    Semir dachte über eine grüne weite Wiese zu gehen. Er fühlte sich so unendlich leicht...keine Schmerzen.. keine Trauer. Eine wundervolle Ruhe. Doch nur wenig später stand er an einer Straße, doch es fuhr kein Auto. Etwas verwundert drehte er sich im Kreis. Ein älterer Mann kam auf ihm zu. „Hallo Semir..was machst du hier?“ fragte dieser. „ich weiß nicht...wo ist hier?“ wollte Semir wissen. „Du bist zwischen Tod und Leben...zwischen Sein und nicht sein... zwischen Dunkel und hell...wenn du willst. Das hier ist die Straße die du weitergehen musst. Gehst du nach links...dann wird dein Leben enden. Gehst du nach rechts... wirst du leben...“ murmelte der alte Mann. Semir dachte er kannte ihn, doch der Name fiel ihm nicht ein. „Wer sind Sie?“ wollte Semir wissen. „Ich bin ein sehr guter Freund für alle Unentschlossenen, die hier durchgehen...“ lächelte der Mann geheimnisvoll. „Ich bin nicht unentschlossen.“ gab Semir von sich. „Echt nicht? Nicht ein bisschen Wehmut nach dem Leben?“ wollte der Mann wissen. „Nein...ich kann Ihnen auch sagen warum....meine Familie wurde umgebracht. Meine Frau...meine Tochter die gerade mal vier geworden ist und mein Sohn...er wurde nur sechs Wochen alt. Man hat sie erschossen und...ich will zu ihnen...“erzählte Semir. „Eine Familie? Nein...also hier ist nichts durchgekommen...das hätte ich gewusst...nein...da musst du dich irren, mein Junge. Gerade bei Kindern werde ich immer informiert. Aber so kleine Kinder waren nicht hier....“ erklärte der Mann. Semir sah ihn an. „Ich weiß aber, dass sie erschossen wurden. Ich war dabei...ich habe die Schüsse gehört...“ widersprach Semir. „Gut... wir können ja bevor du dich entscheidest ein paar Bilder anschauen. Ich mache von jedem, der hier durchgeht Bilder... von dir hab ich auch ganz tolle...“ grinste der Mann. „Ich brauche keine Bilder anzusehen..ich weiß das meine Familie hier ist...wie war das? Rechts wenn ich entschlossen bin?“ wollte Semir wissen.

    15.04.2010 "Spurlos"

    Nach einer tödlichen Schießerei auf der Autobahn wird der Tote als Rick Faber identifiziert. Da Faber wegen Drogenbesitz vorbestraft ist, vermuten Ben und Semir eine blutige Fehde unter Dealern. Doch dann finden die Kommissare heraus, dass Faber jemanden erpresst hat. Gleichzeitig werden Bonrath und Fabers Sohn überfallen und verschleppt...

    Ben und Semir werden bei der Verfolgung zweier Raser Zeuge, wie ein Wagen abgedrängt und der Fahrer erschossen wird. Für Streifenpolizist Dieter Bonrath ist der Tote kein Unbekannter: Es handelt sich um Rick Faber, der gemeinsam mit Bonraths Sohn Jochen eine Security-Firma betreibt. Da Faber wegen Drogenbesitz vorbestraft ist und eine Million Euro in seinem Auto liegen, vermuten Ben und Semir einen Mord unter Dealern. Als die beiden Kommissare die Wohnung von Faber durchsuchen, finden sie einen Entwurf für einen Erpresserbrief. Gleichzeitig werden Bonrath und sein Sohn Jochen (Tilbert Strahl-Schäfer) in der Security-Firma überfallen und entführt. Um Bonraths Leben zu retten, müssen Ben und Semir herausfinden, wen Faber erpresst hat und womit...

    in weiteren Rollen: Stephane Lalloz (Roth). Miranda Leonhard (Katja), Ralf Richter (Turowski), Luana Bellinghaus (Marie Faber), Nils Adolf Schulz ( Faber)

    „Zugriff!!“ fauchte Jan durch das Mikro und binnen Sekunden füllte sich das Gelände mit SEK-Männern. Sie rannten in das Gebäude und schrien wild durcheinander. Eine Taktik um die Gegner Angst einzuflößen und auch hier klappte es. Volkmann erstarrte. Auch Hampe regte sich nicht. „Irgendwann bekomme ich dich Jäger..und dann bist du fällig..und dein neuer Freund hier auch....“ drohte Hampe als man ihn abführte. Kim und Jan kamen in die Halle. Sie brachten den Notarzt mit, der sich sofort um Semir kümmerte. „Er muss schnell in die Klinik..!“ befahl er und ließ Semir umgehend in den Rettungswagen bringen. Kim sah Ben an. „was ist passiert?“ wollte sie wissen. „Ich weiß es nicht...Max und ich waren unterwegs und als wir wieder hier ankamen, lag Semir bereits in seinem Blut.“ erklärte Ben. Kim sah dem abfahrenden Krankenwagen besorgt nach. „Wie dem auch sei... ich werde alles herausfinden...Herr Richter... Sie können sich schon mal warm anziehen....Ben...Sie fahren zum Krankenhaus. Ich hole Andrea und komme nach..“ kam von Kim. Sie stieg in den Wagen bevor Ben etwas sagen konnte. Doch er ließ sich auch nicht halten. Ohne sich von Jan oder Max zu verabschieden fuhr er in die Klinik. Jan ging zu Max. „Das war gute Arbeit..“ lobte er seinen Mann. „Das war Scheiße...!“ stieß Max aus. „Was ist passiert? Ist er ausgerastet? Ich meine Semir...ist er ausgerastet?“ wollte Jan wissen. „Keine Ahnung. Wie der Kollege eben schon sagte, waren wir unterwegs. Es kann schon sein, denn er war lebensmüde. Er denkt vermutlich immer noch, dass ich seine Familie umgebracht habe...“ erklärte Max leise. „hattest du keine Chance ihm zu sagen, dass es nicht so ist?“ fragte Jan erstaunt. „Nein....ich wollte, aber ich war nie allein....nur Ben weiß dass sie nicht tot sind....“ Jan nickte. „Okay.. wir fahren aus ins Krankenhaus...ich will sehen ob Semir es schafft..und... ich muss mich bei ihm entschuldigen...“ kam leise von ihm. Max nickte.

    Semir wurde direkt in den OP gebracht während Andrea, Kim, Jan, Ben und Max auf dem Flur warteten. Nervös ging Andrea auf und ab, sah auf die Uhr und sah zu Ben. „Ben...ich...ich hab Angst...Semir weiß nicht dass wir leben..er wird aufgeben..er wird nicht kämpfen...“ weinte sie leise. Ben nahm sie in den Arm. „Scht....es wird alles gut. Ich hab es ihm gesagt, nur weiß ich nicht, ob er mich gehört hat. Ich hoffe es sehr. Du wirst sehen, die Ärzte werden ihn wieder zusammenflicken und in drei Wochen werden wir wie immer über die Autobahn heizen...Autos schrotten und die bösen Jungs festnehmen...“ machte Ben ihr Mut. Kim sah ebenfalls zu den Beiden. „Und vergessen Sie nicht, dass ich Sie dafür zusammenstauchen werde...“ lächelte sie. „Andrea...er wird es schaffen...er ist ein Kämpfer. Sie werden ihm sobald er aus dem OP kommt, ihm sagen das Sie und die Kinder leben. Ich weiß es klingt verrückt, aber er wird sie hören...ganz sicher...“ versprach Kim. Andrea nickte. „Wann kommen die denn raus...es ist jetzt schon fast ne Stunde her...“ gab sie zu bedenken. „Die Ärzte wissen schon was sie machen....beruhige dich....willst du einen Kaffee? Ich hole dir einen..“ mischte sich nun auch Jan ein. Andrea sah ihn kalt an. „Tu du mir nur ein Gefallen...und verschwinde...du hast Semir in diese Lage gebracht....und denkst er wird sofern er es schafft so einfach darüber hinweg gehen?“ fauchte sie ihn an. „Er wird verstehen warum ich es getan habe, wenn er die Gründe erfährt...“ meinte Jan. „Ach denkst du? Dazu musst du zu ihn..und das verbiete ich dir. Komm nie wieder in die Nähe meines Mannes...“ Jan sah Andrea an. Er kannte sie lange genug um zu wissen, das hier nun die Angst um das Leben ihres Mannes die Leitung ihrer Gedanken übernommen. Er nahm es ihr nicht übel, dass sie ihn so angriff.

    Plötzlich verspürte er einen eiskalten Schwall Wasser auf seiner Haut. Semir schreckte auf, spie einen Schwall Wasser aus und sah sich um. Er war an einem Stuhl gefesselt und sah vor sich einige Leuchter aufgebaut, die mit ihrem grellen Licht ihm direkt ins Gesicht schienen. „Was soll das?“, stieß er aus und zerrte an den Seilen, doch die saßen fest und er somit unbeweglich auf dem Stuhl. Don Marcello kam mit einem Handy auf ihn zu. „Ich habe Nico durch Luciano ein Handy geben lassen... Sicher hat er es schon ihrem Kollegen gezeigt. Wir werden ihn jetzt anrufen und sie werden ihm sagen, dass er mit Nico und dem Buch aufs Forum Romanum kommen soll... und zwar genau um Mitternacht. Sollte er sich weigern... Nun ja, als Polizist erübrigt sich dann wohl die Erklärung, oder?“, lachte der Don und ließ Luciano neben Semir stehen, der vielsagend mit einem Klappmesser vor ihm herumfuchtelte. Semir schluckte kurz, wollte etwas erwidern, sah dann aber die rasiermesserscharfe Klinge und schluckte seine Worte buchstäblich hinunter. Der Don wählte und hielt dann Semir das Handy ans Ohr.

    Nico zuckte zusammen, als das Handy vibrierte und auch Ben vernahm das leise Summen. Nico sah auf die Nummer die im Display angezeigt wurde. „Das ist Marcello oder Luciano...ich kenne die Nummern.“, sagte Nico leise. „Dann melde dich...!“, forderte Ben auf. Nico nickte und nahm das Gespräch an. „Hallo?“, fragte er leise an. „Nico...Semir hier....gib mir Ben... bitte...“, hörte er seinen Freund reden. „Semir!! Wie geht es dir? Bist du okay?“, stieß Nico etwas erfreut aus. Sofort war Ben bei ihm und nahm ihn das Handy weg. „Semir!! Wo bist du?“, fragte er sofort. „Ben...du sollst... du sollst das schwarze Buch und Nico zum Forum Romanum bringen... um Mitternacht...“, sagte Semir nur. „Semir? Kannst du reden?“, wollte Ben wissen. „Nein.. ich...“, kam von Semir. Nur wenig später erklang das Besetztzeichen. Ben sah Nico an. „Das ist ein Problem. Paula!! Ruf Alessandro an. Es ist wichtig!“, befahl Ben und Paula nickte nur. Nico ließ sich auf die Couch fallen. „Endlich... er lebt. Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen...“, stieß er erleichtert aus. „Ja... nur hörte er sich nicht gerade gut an. Dieses Forum Romanum ... was ist das?“, wollte Ben wissen. „Das ist der älteste Platz in der Geschichte Roms. Dir alles zu erklären wäre ziemlich zeitaufwendig. Was wollte Marcello?“, harkte Nico nach. „Er will dich... und das schwarze Buch. So sagt Semir. Um Mitternacht. Natürlich soll ich mit dir allein dahin.“, erklärte Ben leise und sah aus dem Fenster. Was sollte er tun? Würde der Don Semir zur Übergabe mitbringen?

    Dieser saß immer noch auf dem Stuhl. Don Marcello sah ihn an. „Signore Gerkhan... Sie sollten doch nur sagen, dass er zum Forum kommen sollte. Nicht mehr. Und was tun Sie? Das geht so nicht....“, tadelte er seinen Gefangenen. „Sie plaudern mit Ihrem Freund. Wie soll ich Sie nun bestrafen?“, hängte er an. Semir sah ihn fest an. „Ich habe lediglich Ihre Forderungen weiter gegeben! Mehr nicht!!“, fauchte er zurück. Marcello lächelte leicht. „Das ist auch so eine Art an Ihnen, die ich nicht mag. Sie geben ständig Widerworte... Vielleicht sollte ich Luciano doch einmal ein paar Minuten mit Ihnen allein lassen... was meinen Sie?“, grinste er. Semirs Blick ging zu Luciano der dicht bei ihm stand und mit der Messerspritze die Fingernägel reinigte. Dabei sind sein höhnischer Blick zu dem gefesselten Polizisten. „Ich könnte Sie nicht davon abhalten...“, erklärte er leise. Marcello lachte auf. „Das ist richtig. Aber ich finde, dass Sie es doch eigentlich recht gut haben, oder? Ein Zimmer mit Ausblick. Fernsehen, Computer...alles was Sie brauchen. Das kann ich Ihnen auch wegnehmen und gegen ein Zimmer hier unten austauschen.“, drohte der Don. Semir sagte nichts und sah ihn nur an. „Don...! Lass mich nur fünf Minuten mit ihm und dann wird er dich genauso achten wie ich!!“, versprach Luciano. Don Marcello sah ihn warnend an. „Luciano... ich weiß deine Fähigkeiten den Leuten Angst einzuflößen zu schätzen. Aber Signore Gerkhan ist unser Gast. Und er wird so behandelt. Auch von dir! Es sei denn, er macht etwas, was mich ärgern könnte. Dann darfst du es ihm natürlich zeigen, dass es nicht erlaubt ist. Aber ich denke doch, dass er sich ganz friedlich verhält. Nicht wahr Signore Gerkhan...?“, wieder war ein drohender Klang zu vernehmen. „Ich habe Hunger...“, kam leise von Semir. „Ja sicher... Sie dürfen gleich mit uns dinieren. Und auch da gilt... keine Unterhaltung für Sie.... essen, trinken und dann wieder in Ihr Zimmer.“, befahl Marcello. Semir nickte nur.

    Jan sah Andrea und Kim an. „Frau Krüger... Sie können mich gern begleiten, wenn Sie wollen.... aber Andrea wird nicht mitkommen. Sie ist Zivilistin und hat dort nichts verloren..“ gab er an. Kim nickte. „Es geht um meinen Mann...um den Vater meiner Kinder...also werde ich mit fahren....“ bestimmte Andrea. „Nein...Sie bleiben hier...die Kinder brauchen Sie...ich rufe Sie an, sobald wir Ihren Mann und Jäger befreit haben...“ widersprach Kim. Sie sah Andrea bittend an. Diese nickte traurig. „Bitte bringt ihn mir zurück....“ sagte sie leise. Kim lächelte und nahm sie in den Arm. „Das werden wir...versprochen...und wenn auch nur irgendwas passiert, dann werde ich Herrn Richter zur Rechenschaft ziehen...das verspreche ich auch..“ kam drohend an Jan gerichtet. Dieser sah betreten zu Boden. „Das kann ja heiter werden...“ gab er fast unhörbar von sich. Aber nur fast. Kim sah ihn an. „Das kann ich Ihnen garantieren...“ knurrte sie und man hörte die Wut in der Stimme. Sie fuhren los. Die Fahrt endete an einer ziemlich herunter gekommenen Industrieanlage. „Tolles Versteck..“ murmelte Jan. „Hier werden wir mit einer Mannschaft des SEK nicht auskommen...“ gab Kim zu bedenken und wollte zusätzlich Verstärkung anfordern. Jan schüttelte den Kopf. „Die Männer hier sind genug...wenn noch mehr auftauchen, dann steigt das Risiko für Semir und Jäger noch höher und das geh ich nicht ein.“ stellte er dagegen. Kim sah ihn an. „Sie hätten sich früher überlegen sollen, ob Sie das Risiko für die Beiden nicht von Anfang an minimiert hätten könnten...nicht erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Ich sage ihnen und das können Sie auch schriftlich bekommen...sollte einer der Beiden verletzt sein, dann Gnade Ihnen Gott...“ versprach Kim. „Achtung...dort kommen Jäger und Max... Es geht gleich los..“ lenkte Jan ab und wies auf das sich nahende Auto.

    Ben und Max fuhren auf das Gelände wo Hampe bereits wartete. Ben stieg aus und aus Max wurde wieder Torben. „Hat er Ärger gemacht?“ wollte Hampe wissen. „Nein...friedlich wie ein Schaf...“ lachte Torben gehässig. „Sehr gut...bring ihn wieder runter..Volkmann und ich nehmen die Drogen..“ befahl Hampe. Torben nickte und stieß Ben in Richtung Halle. Dort angekommen sah Ben das Semir im Käfig lag. „SEMIR!!“ schrie er und rannte hin. Auch Max war geschockt. Er sah das viele Blut. „Verdammt...das hätte nicht passieren dürfen..“ stieß er aus und schloss den Käfig auf. Ben kroch hinein und drehte Semir vorsichtig um. „Hey...Ben...ich..ich...geh..zu meiner....Familie...“ sagte er leise stockend mit einem leichten Lächeln welches durch die Schmerzen verzerrt war. „Ganz ruhig..die Hilfe ist schon unterwegs....“ erklärte Ben. „Ich....brauche...nichts mehr....ich....es...war...schön mit dir...“ hauchte Semir. Sein Kopf drehte sich zur Seite. „SEMRI!! NEIN!!“ schrie Ben und drehte den Kopf seines Partners zu sich. Auch Max kam in den Käfig. Er untersuchte Semir und erkannte, dass hier schnelle Hilfe angesagt war. „Er hat verdammt viel Blut verloren..wir müssen ihn raus bringen...schnell...“ mahnte er zur Eile. Ben sah ihn an. „Wenn wir ihn jetzt raus bringen, dann ist die Sache aufgeflogen...“ gab er zu bedenken. „Ist mir egal..ich lasse ganz sicher keinen Kollegen für meine Karriere drauf gehen...Nehmen Sie ihn und bringen ihn raus..“ befahl Max. Ben ließ es sich nicht zweimal sagen. Noch einmal sah er auf Semir. „Halt durch Partner...deine Familie lebt...hörst du.. sie lebt...“ sprach er auf ihn ein, doch er zweifelte dass Semir ihn hörte. Vorsichtig trug er Semir aus dem Käfig und Max deckte die Beiden. Vor dem Ausgang kam Hampe rein. „Was wird das wenn es fertig ist?“ wollte er wissen. Ben sah Max an. Dieser richtete die Waffe auf Hampe. „Du bist verhaftet du Arschloch!“ stieß er aus. Hampe nahm die Hände hoch. „Ein Bulle? Du bist ein Bulle? Aber...du hast die Familie...erschossen...du bist ein Killer.“ lachte er etwas irritiert. Max grinste. Er nahm sein Handy und wählte ohne hinzusehen, die Nummer von Jan Richter. „Zugriff!“ befahl er.

    Oliver Hampe war zusammen gezuckt als er die Schüsse hörte und rannte direkt in die Halle. Er sah Kohlhoff im Käfig und davor den Polizisten, der aus einer Bauchwunde blutete. Er hockte sich zu dem Verletzten, der das Bewusstsein verloren hatte. „du verdammter Idiot!!“ schrie er Kohlhoff an. „Hey...der Mistkerl hat mich provoziert...der wollte mich nicht raus-lassen...der hat...“ verteidigte er sich. Oliver ging zu dem Käfig und öffnete die Tür. „Ich wollte ihn vor den Augen von Jäger erschießen...und jetzt hast du meine Rache kaputt gemacht!!“ schrie Hampe ihn an. „Der lebt doch noch...dann erschießt du ihn halt später...man..das wollte ich doch nicht...aber...er ..er hat mich gereizt...er wollte sterben...“ erklärte Kohlhoff. „Na sicher wollte er sterben...seine Familie ist tot...da würde ich auch sterben wollen...“ schrie Hampe wütend. Er zog den verletzten Polizisten in den Käfig zurück und hinterließ eine blutige Spur. Achtlos ließ er ihn einfach fallen. „Also gut...du wirst diesen Käfig nicht noch einmal betreten...ist das klar?“ fauchte er Kohlhoff an. Dieser nickte nur und drehte sich dann von Hampe weg. Er kannte Hampe noch nicht richtig und vertraute ihm blind. Das wurde nur zum Verhängnis. Hampe hob die Waffe und schoss Kohlhoff in den Rücken. Mit einem erschrockenen und erstaunten Blick sah er Hampe an und sackte zusammen. „Ich mache immer alles 100%ig sicher...“ knurrte Hampe. Er sah sich die Schussverletzung des Polizisten an. Was er sah gefiel ihm nicht. Er hatte im Gefängnis eine Ersthelferausbildung gemacht und holte aus dem Auto den kleinen Koffer. Dann verarztete er die Wunde so gut es ging. „Krepiere bloß nicht bevor Jäger hier ist...“ warnte er den Verletzen, der ihn nicht einmal hörte. Er verließ den Käfig und zog den toten Körper Kohlhoffs aus der Halle und warf ihn einfach auf einen Haufen Müll der auf dem Gelände hinter der Halle lag. Er ging zurück. Volkmann sah ihn kurz an. „Wo ist denn Kohlhoff?“ fragte er nach. „Ist weg....wollte nicht mehr.. ich hab ihn ausgezahlt..“ erklärte Hampe.

    Ben sah Max an. „Wie soll es weiter gehen? Sie wissen doch sicher dass, sobald wir zurück sind, unser Leben kein Pfifferling mehr wert ist...er wird vermutlich Semir vor meinen Augen erschießen und dann werde ich hingerichtet...“ meinte er leise. Max nickte. „Ich habe meinem Vorgesetzten bereits mitgeteilt wo wir zu finden sind. Wenn wir da sind, dann werden sie zuschlagen sobald Hampe sich das Koks genommen hat. Sie und Gerkan können nach Hause und alles ist vergessen...“ erklärte er. Ben nickte. Er konzentrierte sich auf den Verkehr. „Warum wurden wir nicht informiert? Wir hätten uns vorbereiten können....Semir wüsste das seine Familie leben würde und nicht....“ stieß Ben wütend aus. „Es war keine Zeit dafür. Ich wollte vorher in Kontakt treten, aber Hampe ließ mich nicht aus den Augen...“ entschuldigte Mark sich dafür. „Ja sicher... es gab keine Möglichkeit... wie oft ich das jetzt schon gehört habe. Meister...ich war selbst beim LKA und ich kenne die Vorgehensweise....lasst doch die Idioten der Autobahnpolizei die Kastanien aus dem Feuer holen.....klar doch....wir sind ja auch Kanonenfutter...“ fauchte Ben wütend. Max schwieg und gab Ben indirekt Recht. Warum nahm sich das LKA heraus, das Leben der Beiden Kollegen aufs Spiel zu setzen nur um an das Ziel heran zu kommen. „Herr Jäger...ich...“ wollte er sich erklären als sein Handy klingelte. „Das ist Jan Richter..mein Vorgesetzer..“ erklärte er und meldete sich. „Jan...es läuft aus dem Ruder...wo seid ihr?“ wollte Max wissen. „Max... wir sind bereits bei der Adresse die du bekannt gegeben hast... alles ist vorbereitet. Wie lange braucht ihr noch?“ hörte er Jan fragen. „Wir sind in knapp zwanzig Minuten dort. Greift aber erst ein, wenn Hampe sich das Zeug holt. Ich werde versuchen dann bei den Kollegen zu sein...“ forderte Max. „Alles klar..wir warten...“ bestätigte Jan. Das Gespräch war beendet.

    „Gut, aber lass uns erst gemeinsam essen.“, bat sie dann und küsste ihren Mann auf die behaarte Wange. Er nickte nur und holte seine Jungs nach unten. Alle setzten sich um den großen Esstisch herum und ließen sich das Hühnchen Toskana munden. Die Jungs waren stolz auf ihren Papa und verstanden, dass sie ihn manchmal alleine lassen mussten, auch wenn sie ihm gerne helfen würden. So brach die Familie im Schutze der Nacht mit dem kleineren Wagen, den Kindern und einigen Gepäck nach Mailand auf. Zurück blieb ein leeres Haus und ein Commissario, der nun ein gutes Versteck für das kleine schwarze Buch suchen musste, denn es war sicher, dass irgendwann die Leute von Don Marcello bei ihm einsteigen und danach suchen würden.

    Derweil sah Ben vom Türrahmen Paula dabei zu, wie sie in der Küche stand und ein typisches, italienisches Essen zubereitete. „Kann ich ihnen etwas helfen, Paula?“, fragte er dann und sah, wie sie die Scampis klein schnitt und in die mit Olivenöl gefüllte Pfanne warf. „Ben... ich finde, da wir hier einige Tage zusammen bleiben müssen, sollten wir uns duzen.“, meinte sie und reichte ihm die Hand. Er nickte, ergriff sie und wurde sofort von ihr herangezogen und auf beide Wangen geküsst, so wie es in Italien nun einmal üblich war, wenn man sich duzte. Etwas verwundert sah er auf, beide Blicke trafen sich und sofort spürte er, wie sein Herz wie wild zu schlagen anfing. Auch Paula spürte eine elektrische Spannung zwischen diesem gut aussehenden Deutschen und ihr, der taffen Journalistin. Sie konnte nicht umher, ihre Blicke von diesen attraktiven Mann zu lassen, der immer noch ihre Hand hielt. Irgendwas kontrollierte nun völlig ihren Körper und sie merkte, wie ihr Kopf sich seinem näherte und auch sein Kopf sich langsam auf sie zu bewegte. Vorsichtig trafen sich ihre Lippen und verfingen sich in einem Spiel der starken, emotionsgeladenen Gefühle.

    Nico stürmte in die Küche und sah die Beiden eng umschlungen. „BEN!!!“, rief er aufgeregt und wurde rot. “Oh…. Entschuldigung…ich also…ich wollte nicht stören… aber ich…”, fing er an. Ben und Paula lösten sich. „Schon gut... was gibt es?“, fragte Ben. „Ich hab ne SMS von Luciano...! Er sagt dass ich zurück kommen soll und das schwarze Buch mitbringen muss, sonst würde es Semir schlecht ergehen. Ben... Luciano scherzt nicht. Wenn er Semir in die Mangel nimmt, dann wird nicht viel von ihm übrig bleiben. Ich will nicht, dass er...“, erklärte Nico aufgeregt. „Schon gut.... zeig mir die SMS...“, bat Ben. Nico reichte ihm das Handy. Ben sah sofort, dass es eigentlich nicht das alte war. „Hast du ein Neues?“, fragte Ben erstaunt. „Nein...ja... Luciano hat es mir geschenkt. Ich kann nur empfangen. Was machen wir denn jetzt?“, kam nervös von Nico. „Vor allem nicht die Nerven verlieren.“ meinte Ben und las sie SMS. Dann nickte er. „Okay... mag für Semir sehr unangenehm sein, aber solange sie dich und das Buch nicht haben, werden die ihn nicht töten. Soviel ist klar. Wir müssen uns einen Plan überlegen. Was meinst du...? Wo könnten die Semir festhalten?“, wollte Ben wissen. Nico sah ihn an. „Wenn Don Marcello Semir tatsächlich am Leben lässt, dann vermutlich im obersten Stockwerk. Dort gibt es ein Zimmer wo es kein Entkommen gibt, wenn man erst einmal da drin ist. Die Fenster sind vergittert. An der Tür fehlt die Klinke und das Schlüsselloch ist von innen verschlossen. Nur von Außen kann man sie öffnen. Aber es ist sehr gut eingerichtet. Du hast alles dort was du brauchst. Nur eben keine Möglichkeit das Zimmer zu verlassen.“, erzählte Nico.

    Paula hörte schweigend zu und schüttelte dann den Kopf. „Ben... das was du denkst kannst du vergessen. Seit ihr in der Villa ward hat Don Marcello garantiert die Wachen erhöht. Du wirst nicht an deinen Freund ran kommen. Luciano wird sich bestimmt mit ihm beschäftigen. Er wird ihn nicht töten, aber in den Händen dieser Familie zu sein, ist schlimmer als der Tod. So wie ich Don Marcello einschätze, wird er deinen Freund foltern. Luciano hat sich bestimmt schon ein paar perfide Spiele ausgesucht, die er mit ihm veranstalten kann. Die Hunde sind scharf und wenn Luciano befiehlt dass sie ihn beißen, dann tun sie das auch. Wenn er beispielsweise dort im Zwinger eingesperrt wird, dann kannst du froh sein, wenn er ihn lebend verlässt. Du hast zwar Recht, dass sie ihn solange sie nicht das Buch und Nico haben töten werden, aber das heißt nicht, dass es keine Hölle auf Erden gibt. Warte bis Alessandro wieder da ist und dann können wir gemeinsam einen Weg finden, diesen Mistkerl zu überfallen.“, sagte sie warnend. Ben sah sie an. „ich kann doch nicht einfach zusehen wie sie Semir...“, begehrte er auf. „Das sollst du ja auch nicht. Aber überstürztes Handeln kann nur noch mehr schaden.“, ermahnte sie ihn. „Also gut... wir warten bis Alessandro da ist.“, stimmte Ben zu. Er wusste im Grunde genommen sehr wohl, das Paula Recht hatte.

    Max stieß Ben zu einem der auf dem Hof stehenden Fahrzeuge. „Sie setzen sich ans Steuer...aber denken Sie an Ihren Partner...er wird für jeden Fehler bezahlen..“ ermahnte er den unwissenden Kollegen. Jäger nickte nur und stieg ein. Max sah genau, dass er sich sorgte. Er hatte Angst, dass sein Partner während seiner Abwesenheit die Komplizen sicher reizen würde ihn zu erschießen. Auch Max hatte diese Sorge. Doch jedes mal wenn er ihnen sagen wollte, das die Familie lebte, kam einer der Anderen herein. Max musste schweigen um nicht selbst aufzufliegen. Er stieg ein und forderte Ben auf loszufahren. Weder er noch Ben ahnten, was sich gleich mit Semir abspielen würde und dieser ein Vabanquespiel veranstaltete. „Fahren Sie auf die Autobahn..“ befahl Max. Die Fahrt ging eine Weile schweigend von sich. Ben musterte den Mann auf dem Beifahrersitz. „Was haben Sie noch mit uns vor?“ wollte er wissen. „Ich gar nichts...ich will Hampe nur festsetzen und dort hin bringen wo er hin gehört...“ knurrte Max. Ben stutzte. „Soll das heißen...Sie...?“ fragte er. Max nickte. „Max Traber...ich bin vom LKA...“ gab er nun zu. „Okay...was ist mit Semirs Familie...ist sie wirklich tot?“ harkte Ben sofort nach. „Nein...ich habe niemanden erschossen. Ich habe mit Frau Gerkan gesprochen und ihr erklärt was passieren würden. Sie hat dafür gesorgt, dass die Kinder ruhig blieben, als die Schüsse fielen. Sie sind wohlauf...“ erklärte Max weiter. Ben schloss erleichtert die Augen. „Wir müssen es Semir sagen...er ist fertig und ….er muss es wissen bevor er Dummheiten begeht...“ gab Ben zu bedenken. „Ja...das werden wir auch...sobald wir zurück sind.“ versprach Max. Er dirigierte Ben zum Versteck der Drogen. Sie brauchten eine knappe Stunde bis sie dort waren. Gemeinsam schafften sie die Drogen ins Auto und machten sich direkt auf den Rückweg. Auf der Fahrt zurück kontaktierte Max seinen Vorgesetzten Jan Richter.

    Horst Kohlhoff hatte den Zwischenfall mit Gerkan nicht vergessen und er wartete nur darauf, das Schneider mit Jäger abfuhr. Kaum waren sie weg ging er in die Halle und in den Käfig von Semir. „So...nun sind wir allein....weißt du...ich mag es überhaupt nicht, wenn man mich vorführt. Du hast es getan..und dafür wirst du nun bestraft....Für dich wäre es besser, wenn du dich nicht wehrst, denn wenn....verpasse ich dir eine Kugel nach der Anderen...solange bist du endlich krepierst...verstehst du...“ drohte er dem Gefangenen, der ihn nicht einmal ansah. Doch damit reizte er Kohlhoff noch mehr. „Antworte gefälligst!!“ schrie er Semir an. Doch es kam keine Reaktion. Kohlhoff packte Semir am Kragen seiner Jacke und riss ihn an sich heran. Nur ganz kurz hatten sie direkten Augenkontakt. Dann schrie Kohlhoff auf, ließ Semir los und krümmte sich. Semir hatte ihn empfindlich getroffen und nutzte nun aus dem Käfig zu kommen. „Mich machst du ganz sicher nicht fertig...“ grollte er wütend und verschloss den Käfig. Doch Kohlhoff zog seine Waffe. „Lass mich raus...oder ich knall dich ab!!“ drohte er Semir. Dieser lachte leise. „Ich wünsche nichts mehr als zu sterben...also drück ab..nur damit bist du dann immer noch der Affe im Käfig...“ kam verächtlich von Semir. „HEY!!! Lass mich hier raus!!!“ schrie Kohlhoff. Semir hockte sich etwas abseits vom Käfig auf den Boden. „Schieß doch endlich!! Na los!!“ forderte er auf. Kohlhoff sah ihn zweifelnd an. Was sollte er nun tun? Er hob die Waffe und schoss.... die Kugel ging dicht vor Semir in den Boden und prallte ab. „Oh...ich verstehe...ich bin zu weit weg...was? Nun gut...also ein neuer Versuch....“ reizte Semir weiter und setzte sich näher an den Käfig. Kohlhoff verstand nicht wirklich, aber er drückte erneut ab und diesmal traf er. Semir sah etwas erstaunt als die Kugel in seinen Bauch schlug. Langsam mit einem leichten Lächeln legte er sich lang hin. „Andrea..ich komme....“ stieß er leise aus und wartete auf den Tod.

    Ben sah etwas irritiert zu dem zweiten Mann, der bisher nicht eingegriffen hatte. Irgendwas stimmte nicht mit ihm. Dieser Typ schien irgendwie anders zu sein. Er kannte ihn nicht. Der Name Torben Schneider sagte ihm gar nichts. Doch als Kohlhoff nun abdrückte kam Leben in den Kerl. „Nicht Horst!! Lass es und komm wieder raus!“ befahl er. „Der Mistkerl ist auf mich los gegangen!!“ fauchte Kohlhoff zurück. „komm raus! Hampe braucht ihn noch!“ gab Schneider ruhig zurück. Ben sah zu Semir, der einfach nur da stand und hektisch atmete. „Gerkan...setz dich wieder hin!“ befahl Schneider. Nur langsam kam Semir dem Befehl nach. Ben versuchte erneut einen Blickkontakt mit Semir aufzunehmen, doch dieser starrte einfach an ihm vorbei. Torben kam zu Ben in den Käfig. „Hier...und sorgen Sie dafür, dass ihr Freund sich ruhig verhält...er wird noch gebraucht..“ meinte er nur. Ben verstand wie es gemeint war. „Was hat Hampe mit mir vor?“ wollte er wissen. „Ist doch klar...oder? Er wird dich fertig machen...so einfach ist das...“ lachte Torben. Vor Kohlhoff musste er den harten spielen. Aber die Aktion von Gerkan hatte ihm gezeigt, dass es an der Zeit war, dem Kollegen zu sagen, dass seine Familie noch lebte, nur wie...solange er nicht allein mit den Beiden war, ging es nicht. „essen Sie...wir sehen uns nachher noch...“ meinte er nur und verließ den Käfig. Ben aß langsam. Semir starrte nur gegen das Gitter. Er aß nicht. Schneider und Kohlhoff verließen den Raum. „Semir... das war leichtsinnig. Wem soll es helfen, wenn du tot bist? Wir müssen beide hier raus aber ohne dich schaffe ich es nicht...also...reiß dich zusammen..hörst du..!“ forderte er seinen Freund auf. Keine Reaktion. „Semir...ich sag es noch einmal...es ist nicht sicher, das Andrea tot ist oder die Kinder....du hast die Schüsse gehört, ja..aber das ist ...“ wiederholte Ben. „Nein...Ben...sie sind tot...wenn ...wenn sie noch leben würden, hätten die Kinder geschrieen als die Schüsse fielen. Aber es war totenstill...verstehst du? Es war totenstill...“ zischte Semir leise. „Iss was....du brauchst Kraft..“ bat Ben ihn. „Wozu....?“ stellte Semir die Gegenfrage.

    Hampe reichte Torben alias Max die Wegbeschreibung. „So...und nun nimm Jäger mit...und hol mir die Drogen. Ich habe bereits heute Nachmittag einen Termin mit einem Käufer...“ befahl er. Torben nickte, steckte den Plan ein und verschwand in die große Halle. Er öffnete den Käfig von Ben Jäger und befahl ihm raus zu kommen. „Was soll das?“ wollte dieser wissen. „Wir machen eine kleine Spritztour...das ist alles...“ gab Max von sich. „Wohin? Was ist mit meinem Partner?“ kam die nächste Frage. „Er bleibt hier!“ meinte Max leise. „Sie sollten ihn jedoch sagen, dass er keine Dummheiten machen sollte. Ich kann hier nicht auf ihn aufpassen...verstehen Sie?“ bat Max ihn noch. Ben Jäger sah ihn an. „Wer sind Sie wirklich?“ wollte er wissen. Max lächelte. „Ich werde alles erklären...aber jetzt müssen wir los. Wir sind in einer Stunde zurück..“ erklärte er. Jäger nickte vorsichtig. „Darf ich zu ihn rein?“ bat er Max. Dieser nickte und öffnete die Tür zu Semir Gerkan. Jäger ging hinein und sah wie dieser sich vor seinen Partner hockte. „Bitte...tu nichts...du weißt wie brutal die Kerle sind...hörst du..ich...ich komme wieder und dann...“ hörte er ihn sagen. „Los..jetzt...je schneller wir zurück sind um so besser ist es.“ trieb Max ihn an. Er wusste genau, dass Hampe ungeduldig wurde. Jäger kam heraus. Max sah zu Gerkan. „Er ist fertig nicht wahr...lebensmüde...“ meinte er nur. Ben Jäger nickte. „Wie würden Sie sein, wenn Sie alles verloren haben, was Sie liebten? Falls Sei das überhaupt können...“ stieß Jäger verächtlich aus. Max sah, dass sich dieser junge Mann große Sorgen um Gerkan machte und auch er konnte sich nicht davon freisprechen. Er sah sich um. Doch bevor er was sagen konnte kam Hampe rein. „Man du sollst hier keinen Smaltalk halten sondern losfahren!“ fauchte er Max an. Dieser nickte und zog Ben Jäger mit sich raus. Es musste als wieder aufgeschoben werden.

    Kapitel 4
    Der Kampf beginnt

    Alessandro fuhr mit seinem Alfa nach Hause, das kleine Buch sicher an seinem Herzen gehalten. Endlich hatte er die Beweise, die ihm fehlten, um die ganze Mafia aus Rom und dem Umland zu verjagen. Endlich... nach dem Tod von Franco war er ein ganzes Stück näher auf der Fährte seiner Mörder gekommen. Er sah die Bilder wieder vor sich... Die Autobombe, die seinen Partner in Stücke riss, weil er erfolgreich einen der vielen von der Mafia betriebenen Geldwäscher- und Drogenschmugglerringe aufgedeckt hatte. Die Mafia hatte ihm mit dem Tode gedroht, doch Franco ließ sich von niemand einschüchtern. Er hatte schon immer einen Sturkopf. All die Jahre hatten beide gegen die Mafia, korrupte Polizisten und gekaufte Staatsanwälte arbeiten müssen, bevor sie diesen Coup landen konnten. Doch die Beweise, die sie all die Jahre gesammelt hatten, verbrannten mit Franco im Wagen und Alessandro stand nun wieder alleine und ganz am Anfang seines langen, harten Kampfes gegen das organisierte Verbrechen in Italiens Hauptstadt.

    Er dachte über die Worte von Ben nach. Sie hatten ihn schwer getroffen, doch wie sollte ein Außenstehender auch das verstehen, was nicht einmal die meisten Italiener zu verstehen vermochten. Die Mafia war ein Staat im Staate. Sie herrschte wie eine zweite, offene Macht über Italien. Alles glitt durch ihre Finger und in jedem größeren Geschäft hatte sie die Finger mit im Spiel. Das war das Italien von heute, doch die meisten Italiener wünschten sich ein anderes, ein besseres Italien, wo man nicht alle zwei Tage auf Leichen stieß, die grausam verstümmelt und hingerichtet wurden. Während der Fahrt zu seiner Wohnung, die in den neueren Stadtteilen der Ewigen Stadt lag, bemerkte er ein Fahrzeug hinter sich, ein schwarzes Fahrzeug, das ihm auffällig zu verfolgen schien. „Da sind sie ja schon.“, dachte er und wusste sofort, dass es nur Don Marcellos Leute sein konnten. Doch wie hatten sie ihn so schnell gefunden? Er wechselte doch alle Woche das Auto und die Automarke? Wieder ein Spitzel im Polizeipräsidium, sogar in seiner Abteilung? Er konnte es sich nicht anders erklären. Dann war seine Familie auch in höchster Gefahr. So schnell wie möglich musste sie aus Rom hinausgeschafft werden. Das galt vor allem für seine schwangere Frau und seine beiden Söhne. Wenn ihnen etwas passieren sollte, würde er, obgleich er dabei getötet werden würde, Don Marcello mit seiner eigenen Waffe erschießen und es dabei noch genießen. Er musste die Verfolger vorerst abschütteln, damit er etwas Zeit gewinnen konnte.

    Don Marcello sah Semir an, der immer noch auf dem Stuhl saß. „Luciano…. Du solltest dich wirklich etwas zurückhalten.“, tadelte der große Mann seinen Enkel. „Er sollte mir sagen, wo das Buch ist! Ich hätte es sicher bald erfahren.“, meinte Luciano. „Na… er ist hart und hätte dir gar nichts gesagt. Toni!! Kümmere dich um unseren Gast und sorge für sein Wohl.“, befahl der Don einem seiner Begleiter und wandte sich an Semir. „Sie tun gut daran sich zu fügen. Ich kann noch brutaler sein, als Luciano… und, ganz ehrlich, das wollen wir doch nicht oder?“, fragte er und hob Semirs Kopf an. „Sie können mich mal…“, stieß dieser aus. Don Marcello lachte leise. „Siehst du.. Luciano… ein ganz harter. Toni! Er bekommt sein Zimmer im obersten Stock. Von dort kann er nicht abhauen! Und du, Luciano, wirst ihn nicht anpacken, klar?“, warnte der Don. Luciano nickte. Er hatte großen Respekt vor Marcello und hoffe immer noch in dessen Fußstapfen zu treten. „Glaubst du wirklich, dass Nico mit dem Buch zurückkommt weil er hier ist?“, wollte er abfällig wissen und sah wie Toni Semir losmachte und raus brachte. Doch dabei ging er nicht ganz sanft mit dem Polizisten um.

    Kim lag mit Gipsbein im Bett als die Tür aufging. Andrea kam herein. „Frau Krüger... ich bin gerade bei Semir gewesen. Es geht ihm soweit gut...“ erklärte sie, denn bisher wusste Kim nur, dass man Semir schwer verletzt aus den Trümmern ziehen konnte. Sie schloss erleichtert die Augen. „Ich werde gleich mal rüber kommen...Helfen Sie mir bitte...“ forderte Kim sie freundlich auf. Andrea hat ihr in den Rollstuhl und schob sie anschließend zu Semir. „Chefin...ich meine Frau Krüger...“ begrüßte er sie. „Semir... bin ich froh, das Ihnen nicht mehr passiert ist...“ stieß Kim erleichtert aus. „Ja ich auch....hab schon gehört, dass Ihr Lover sein Leben beendet hat. Aber das Hochzeitskleid stand Ihnen gut...Sie sollten es sich überlegen..“ scherzte Semir nun. Kim schüttelte den Kopf „Auf gar keinen Fall...ich habe so viele Chaoten im Beruf um mich, da brauche ich keinen von denen auch nach Feierabend... ich bin glücklich so wie ich derzeit bin...Danke...“ verneinte Kimm sofort. Andrea sah sie an. „Das zählt für fast alle Männer.... aber dennoch brauchen wir sie...“ gab sie zu bedenken und küsste Semir auf die Stirn. „So und nun solltest du dich ausruhen...“ befahl sie liebevoll.

    Es zogen etliche Wochen ins Land, bis Semir und auch Kim wieder vollkommen hergestellt waren. Kim trat drei Wochen vor Semir ihren Dienst an und wurde von allen freundlich begrüßt. Als Semir wieder im Dienst war holte Ben ihn von zuhause ab. „Bin ich froh...“ stieß er zur Begrüßung aus. „Was ist denn?“ wollte Semir wissen und bewegte sich immer noch vorsichtig. „Nun ja...die Krüger ist ziemlich anstrengend. Aber das kennst du ja... Nur finde ich es nicht so schlimm wenn du den Ärger abbekommst, wo du doch der Ältere bist...“ grinste Ben breit. „Ach so....ich dachte du hast dich gelangweilt ohne mich... dabei brauchst du mich nur als Prellbock.“ tat Semir enttäuscht. „Es hat schon was, aber ich bin sehr froh, dass man dich aus diesen Trümmern lebend geborgen hat.... das spart mir ne Menge Stress..“ gab Ben zu. Semir sah ihn pikiert an. „Wieso das denn?“ wollte er wissen. „nun ja... also der Stress war ja eher auf die Schutzengel verteilt und die haben ein großes Lob verdient... Wenn du nämlich nicht mehr raus gekommen wärst, hätte ich in einen großen Kranz investieren müssen und ehrlich gesagt, halte ich das für eine ziemliche Geldverschwendung.“ grinste Ben breit. Semir glaubte nicht richtig gehört zu haben. „Wie war das? Ich dachte ich bin dein Freund... Bist du materiell eingestellt und hattest Angst, dein Geld für meine Beerdigung ausgeben zu müssen?“ fragte er nach. Ben grinste. Er hatte natürlich den gespielt verärgerten Ton von Semir verstanden. „Na ist doch so...Außerdem...wäre es verdammt langweilig, wenn du nicht dabei bist... wie soll ich denn da unser Pensum von Schrottfahrzeugen einhalten... Allein schaffe ich das nicht..“ lachte er. Auch Semir musste lachen. Es war schön wieder im Dienst zu sein.


    Ende.

    „Wann willst du den Stoff holen und was hast du dann vor?“ wollte Torben alias Max wissen, als er und die Anderen beim Essen saßen. „in zwei Tagen...dann bekomme ich sie sogar gebracht...“ grinste Oliver. Torben nickte. „Was machst du mit dem beiden Bullen?“ fragte er weiter. Hampe rollte die Augen. „Ich sagte doch...Jäger wird mich anwinseln...Gerkan wird sicher keine Probleme machen...Jäger wird nach dem Essen zusehen, wie ich ihn erschieße....“ gab Oliver bekannt. Max schluckte. Hampe schien ernst zu machen und wollte Ben Jäger erledigen. „Warum wartest du nicht noch...? lass ihn doch hungern...dann hast du länger was von der Rache...“ schlug er vor. Hampe schüttelte den Kopf. „Mein Flieger geht in drei Tagen...bis dahin ist er fertig....du wirst sehen, er wird alles tun um das Leben seines Freundes retten. Und deshalb wird er mir die Drogen holen...gemeinsam mit dir..“ lachte Hampe. „Aber ich weiß doch gar nicht wo der Stoff liegt...“ stieß er verwundert aus. „Nur keine Sorge, das erfährst du dann...“ meinte Oliver nur und biss in sein Hähnchenteil. „Also gut...ich tu es...aber wir sollten den Beiden was zu essen geben....ich meine es liegt genug auf dem Tisch...“ schlug Max vor. Hampe nickte. „Tu das....aber sie bekommen nur ein Stück jeder....ich will sie nicht verwöhnen...“ grinste er. Max nickte und packte sich ein paar Teile ein. „Sag mal....“ wandte Hampe sich an ihn und Max drehte sich zu ihn um. „hast du eigentlich gezögert, als du die Familie erschossen hast?“ wollte Hampe wissen. Max schüttelte den Kopf. „nein..sie hat zwar gefleht, aber...als ich das Baby erschoss, war sie still. Sie starrte auf das tote Kind und weinte nur. Dann die Tochter und zum Schluss sie...“ erzählte Max und tat eiskalt. Innerlich brodelte er und hätte Oliver am liebsten die Faust ins Gesicht geschlagen. „Das ist gut...ich muss sagen, dass ich dich bis dahin für ein Weichei gehalten habe...aber nun...du hast gezeigt, dass man sich auf dich verlassen kann..“ grinste Oliver und widmete sich wieder seinem Essen. Max nickte, dann verließ er den Raum und ging in die Halle. Jetzt war die Möglichkeit den Kollegen einen kleinen Hinweis zu geben, doch er hatte nicht mit Kohlhoff gerechnet, der ihn begleitete. „Was willst du?“ fauchte Max ihn an. „Ich passe auf, dass sie dich nicht fertig machen...“ grinste der Mann.

    Ben versuchte mit Semir zu reden, doch dieser ließ alle Worte an sich abprallen. „Semir..bitte...sieh mich doch an.... sieh mich an..!“ fauchte er wütend. Doch Semir regte sich nicht. „Ben...mein Leben hat keinen Sinn mehr..nicht ohne meine Kinder, ohne Andrea...“ stieß er leise aus. Bevor Ben jedoch tröstende Worte sagen konnte traten zwei Männer in die Halle und kamen auf Ben und Semir zu. „Semir...tu bitte nichts unüberlegtes...bisher ist alles okay..hörst du.?“ ermahnte Ben seinen Freund. Semir gab nichts zurück. Der Mann, den Ben als Kohlhoff erkannte ging zu Semir in den Käfig und warf ihm Hähnchen wie einem Hund zu. Semir reagierte nicht darauf. Ben atmete tief durch. Kohlhoff baute sich vor Semir auf. „hey... hier dein Essen..friss!“ lachte er und stieß Semir in die Seite. Auch jetzt kam keine Reaktion. „hey... was ist denn los? Bist du etwas traurig? Ja...du bist es..ich auch...weißt du mit deiner Tochter hätte ich sicher noch richtig Spaß gehabt..“ reizte er Semir. Langsam hob sich Semirs Kopf. Der Blick hätte jeden umgebracht, wenn es möglich gewesen wäre. In seinem Blick lag Hass...unendlich tiefer Hass. Kohlhoff lachte dreckig und erhob sich. „As für eine Niete...“ tadelte er Semir, der nun seinerseits munter wurde. Unverhofft für Kohlhoff griff er an. SEMIR!! NICHT!!“ schrie Ben um ihn davon abzuhalten, denn Kohlhoff und auch sein Komplize hatten Waffen und die würden sie sicher auch einsetzen. Doch Semir schien völlig die Kontrolle über sich verloren zu haben. Wie ein Wilder prügelte er auf Kohlhoff ein, der versuchte sich gegen Semir durchzusetzen. Tatsächlich schaffte er es, seine Waffe zu ziehen und drückte ab. Die Kugel ging scharf an Semir vorbei und schlug durch das Drahtgeflecht. Semir ließ das unbeeindruckt. „Bleib stehen!!! Oder ich knall dich ab!!“ fauchte Kohlhoff. Semir stellte sich vor ihn hin. „Na los...! Drück doch ab!! Mach schon!!! Denn wenn du es nicht tust, dann bringe ich dich um.....!“ drohte Semir dem Verbrecher.

    Am nächsten Morgen wachte Semir auf. Er spürte die weiche Unterlage und wollte sich aufrichten, doch es ging nicht. Seine Beine waren schwer und sein linker Arm schien wie festgebunden. Lag er doch noch unter den Trümmern? Es roch anders…. Doch er hatte Angst, wenn er die Augen öffnete, dass er nur das schummerige mit Staub belegte Licht sah. Dennoch wagte er es die Augen zu öffnen. Das erste was er sah, war die weiße Wand. Und dann schob sich ein Gesicht in sein Blickfeld. „Hallo Herr Gerkan… wie geht es Ihnen?“ fragte eine freundliche Stimme. Er wollte antworten, doch irgendwie gehorchte die Stimme nicht. Es kratzte im Hals. Er hatte eindeutig Durst. Er hustete leise. „Warten Sie erst was trinken…ganz langsam..“ ermahnte die Krankenschwester ihn. Semir nickte und nahm einen kleinen Schluck. Die Flüssigkeit rannte spürbar seine Speiseröhre runter. „danke….“ Stieß er aus. „Schon gut… wie geht es Ihnen?“ wiederholte die Frau. „Ich habe….Kopfschmerzen. Mein Arm und meine Beine…sind schwer….“ Erklärte Semir mit müder Stimme. „Das wird wieder. Wissen Sie was passiert war?“ harkte sie nach. „Ich…bin verschüttet gewesen…“ erinnerte sich Semir. „Sie haben beide Beine gebrochen, das linke Handgelenk sowie drei Rippen. Absolute Ruhe ist angesagt…und ich sorge dafür, dass Sie sich daran halten.“ lächelte die junge Frau. Erst jetzt bemerkte Semir wie hübsch sie war. Es klopfte zaghaft an der Tür und Andrea und Ben kamen herein.

    „Hey Partner...Wie geht es dir?“ wollte Ben wissen. „Soweit okay....ich hab es immerhin überlebt.. Hallo Schatz...“ erklärte Semir leise. Seine Stimme klang belegt. „Was ist mit diesem Wiesheu?“ wollte er wissen. „Hier wird nicht von der Arbeit gesprochen. Der Patient braucht Ruhe!“ ermahnte die Schwester sofort. Ben nickte dennoch antwortete er auf Semirs Frage. „Er hat sich erschossen, als ihr unter den Trümmern lagt. Marlon Wiesheu ist Geschichte, wie man so schön sagt.“ Semir schloss die Augen. „Das ist gut....“ stieß er nur aus. Andrea sah ihn besorgt an. „Geht es dir gut? Ich meine tut dir was weh?“ fragte sie und streichelte sein Gesicht. „Nein... mir geht es gut. Nun ja... der Arm und die Beine...sie sind gebrochen. Es sieht so aus, als würde ich dir ne ganze Weile zur Last fallen..“ versuchte Semir zu scherzen, doch Ben sah genau, dass dort mehr war. Andrea küsste ihn. „Ich bin die beste Krankenschwester die du bekommen kannst... und die strengste...“ sagte sie leise. „Andrea... kann ich kurz mit Ben allein reden...bitte...“ kam leise von Semir. Andrea sah ihn erstaunt an. „Ja sicher.... ich hole dir was zu trinken...“ lächelte sie und verschwand. Ben zog sich einen Stuhl heran. „Also was ist los?“ wollte er wissen. Semir lächelte leicht. „Ben....ich weiß nicht ob ich jemals wieder laufen kann...“ erklärte Semir leise. „Natürlich!! Was soll das denn? Die sind nur gebrochen und zwar gerade....der Arzt hat mir doch gesagt, dass sie nicht kompliziert sind. Du wirst nur ein paar Wochen liegen müssen und dann das laufen lernen. Hey... ich warne dich...ich hab absolut keinen Bock ohne dich auf die Autobahn zu gehen. Also streng dich an Partner! Ach ja... die haben dir den Sender, den Marlon Wiesheu dir unter die Haut gespritzt hat ebenfalls raus geholt. Brauchst ja nicht mehr... obwohl... wenn man dich mal entführt, dann könnte man dich viel schneller finden...wenn man will...“ kam von Ben. Semir lächelte leicht. „Was ist mit Frau Krüger?“ fragte er nach. „Sie war vor dir oben. Hat sich vorgedrängelt.“ Scherzte Ben. „Ist...sie schwer...verletzt?“ harkte Semir nach. „Sie hat sich ein Bein gebrochen, Schleudertrauma, und ein paar Abschürfungen. Sie liegt übrigens direkt nebenan. Vielleicht bekommt ihr ja zusammen die Krankengymnastik...“ grinste Ben verschmitzt.

    Jan Richter sah Kim Krüger an. „Ich weiß dass ich eigenmächtig gehandelt habe...so sieht es für Sie aus...aber ich habe mir die Deckung von Frau Schrankmann, der Staatsanwältin geholt. Sie war mit der Aktion einverstanden.“ Erklärte er. „Sie war damit einverstanden? Sie war damit einverstanden, dass du Semirs und unser Leben aufs Spiel setzt?“ kam erschrocken von Andrea. „Ja...nein...nein...Andrea so war das doch gar nicht gemeint...“ wollte Jan richtig stellen, doch nun drehte Andrea auf. Sie war mit Jan und Kim ins Büro gefahren. Susanne passte auf die Kinder auf. „Du setzt das Leben deines Freundes aufs Spiel...und das von mir und meinen Kindern!! Jan...du hast dazu kein Recht!! Ich habe es satt, dass immer andere über Semirs Leben entscheiden!!! Es reicht jetzt!!“ schrie Andrea wütend. Kim stand auf und hielt sie fest, bevor sie Jan eine Ohrfeige verpassen konnte. „Andrea... ich weiß dass es schwer ist...aber...ich....“ versuchte Jan erneut. „Immer nur du...du...du...du.....wo ist Semir? Was werden die Kerle mit ihm machen? Meinst du wirklich, dass dein Mann ihn da raus holen kann? Weißt du wo sie sind? Wir können das SEK hinschicken und....“ versuchte Andrea. Sie redete wirr, aber niemand nahm es ihr krumm. Jan sah betreten zu Boden. Damals als er noch mit Semir zusammen Streife gefahren ist, hatte er es gehasst einfach so verplant zu werden, doch nun hatte er es selbst getan. Er hatte in der Tat über das Leben von Semir und seinem Partner Ben Jäger entschieden. Jan kannte Semir lange genug um zu wissen, dass für ihn, Semir, das Leben ohne Andrea nicht lohnte und er sich aufgeben würde. Eine zusätzliche Gefahr für seinen Mann und natürlich auch für Semir und diesem Jäger. Verdammt wie konnte er es ohne Rücksprache machen? Er erinnerte sich an sein Gespräch mit Schrankmann, die ihn lobte, das er gute Arbeit leistete. Als er bei der Autobahnpolizei war, kam so etwas nie. Und auch in dem Gespräch war Schrankmann sehr abweisend wenn es um die Autobahnkollegen ging. „lassen Sie doch Gerkan die Kastanien aus dem Feuer holen...und sacken die Lorbeeren ein...“ hörte er sie sagen. Und er hatte sich tatsächlich darauf eingelassen.

    Ben wurde ebenfalls ins Lager gebracht. Er sah Semir im Käfig sitzen. Teilnahmslos saß sein Partner darin und sah ihn nicht einmal an. Kohlhoff stieß ihn zu einem weiteren Käfig, der neben Semirs stand. „Lassen Sie mich zu ihm...bitte...“ kam von Ben, der immer noch etwas benommen war. „Quatsch nicht! Rein da!!“ fauchte der Mann ihn an und stieß ihn vorwärts. Ben beugte sich der Gewalt. Zumindest konnte er mit Semir reden. Doch dafür musste Kohlhoff erst einmal verschwinden. Dieser tat ihm sogar den Gefallen und verschwand. Er löschte das Licht. Ben wartete noch gute fünf Minuten. Seine Augen hatte sich an die Dunkelheit gewöhnt und er konnte Semir schemenhaft sehen. „Hey...Semir.......“ fing er an. Sein Partner regte sich nicht. „Semir....ich....ich weiß... es ist schwer, aber lass uns bitte darüber reden...“ versuchte er. „Was gibt es denn zu reden...sie sind tot....alle tot...“ kam leise von Semir. Ben schloss die Augen. In diesen Worten war deutlich zu hören, dass Semir aufgab. „Semir....ich weiß es ist vielleicht nur Wunschdenken, aber...sie könnten auch leben...“ machte Ben ihm die Hoffnung. „Ich habe die Schüsse gehört....dreimal hat der Mistkerl abgedrückt... dreimal...für jeden eine Kugel... ich hab es gehört...“ stieß Semir leise aus. „Gehört ja...aber du hast nicht gesehen ob sie wirklich tot sind...Semir...noch ist gar nichts raus....gib dich nicht auf, hörst du? Wenn wir hier wieder raus wollen, dann brauche ich dich...du musst mir helfen...“ redete Ben auf ihn ein. Semir sah ihn an. „Ben...wofür soll ich leben? Mein Leben ist vorbei...ohne Andrea und die Kinder will ich nicht mehr....“ kam leise von Semir. Ben stand auf. „Semir...solange es kein Beweis gibt, das Andrea und die Kleinen wirklich tot sind....müssen wir kämpfen....wir müssen hier raus...“ wiederholte er. Doch die Worte prallten an Semir ab.