Carlos Marrone sah Don Marcello bittend an. „Bitte Don... ich kann ihn hier nicht korrekt untersuchen. Er stirbt, wenn er nicht in ein Krankenhaus kommt und die Kugel operativ entfernt wird.“, flehte der Doktor schon, der sonst nur die Wunden von Marcellos Männern behandeln musste. Doch der Don war uneinsichtig. „Hol die Kugel raus und verbinde ihn. Das wird für die Sache reichen, für die er bestimmt ist.“, forderte der Mafioso, doch der Arzt verschränkte seine Arme. „Nein... er muss richtig versorgt werden oder er ist dir nicht mehr nützlich genug.“ „Du wagst es, mir Widerworte zu geben?“, schrie der Don und zog seine Waffe, richtete sie auf den Arzt. „Wenn du mich tötest, hast du keinen Arzt mehr... überleg dir das.“, meinte Carlos, der scheinbar keine Angst vorm Sterben hatte. Semir nahm seine Umgebung nur noch sehr verschwommen wahr. Alles um ihn herum wurde durch die höllischen Schmerzen kontrolliert, die ihn beherrschten. Marcello sah auf Semir hinunter. „In der Nähe hier wohnt ein guter Freund von mir... er hat eine Tierarztpraxis... würde dir das reichen?“, fragte er. „Wenn du mir garantierst, dass er sich danach ausruhen darf... Ja, das würde reichen.“ „Gut... wie lange muss er ruhen?“, wollte Marcello dann wissen. „Etwa drei Tage. Solange sollte die Wunde zugewachsen sein.“ „Er bekommt zwei .... mehr nicht. Danach ist er und sein italienischer Kollege hier fällig.“, fauchte Marcello. Alessandro wandte sich im Griff von Toni hin und her. „Sie glauben doch nicht, dass er den Mann in Ruhe lässt, oder?“, schrie er den Doktor an. „Er wird sie genauso umbringen, wie er es mit uns beiden vorhat ... wie er es mit so vielen schon getan hat.“ „Schweig Bulle.“, schrie Marcello und schlug Alessandro mit einem Kinnhaken bewusstlos. „Bring ihn in das Zimmer von Gerkhan.“, wies er Toni an. Dieser nickte und schleifte den bewusstlosen Körper nach oben. „Und du machst dich besser mit deinem Patienten auf den Weg.“, zischte er Marrone an.
Semir spürte wie er hochgehoben wurde und stieß einen heiseren Schrei aus. „Verdammt seid etwas vorsichtiger!“, hörte er den Arzt fauchen. Kurz darauf saß er im Wagen. „Signore Gerkhan… ich werde Ihnen was gegen die Schmerzen geben. Ich muss Sie operieren. Sie würden sonst sterben.“, erklärte der Arzt und setzte sie Spritze. Semir antwortete nicht. Er war einfach nur müde. „Wissen Sie Ihre Blutgruppe?“, hörte er den Arzt fragen. „Null…negativ…“, gab er leise von sich. „Okay… ich habe noch einige Konserven in meiner Praxis. Die lasse ich holen, denn Sie werden sie brauchen. Nur keine Sorge… Sie sind nicht der erste den ich operiere. Sie dürfen nur nicht aufgeben….“, sprach der Mann weiter. Semir hatte die Augen geschlossen. Er fühlte sich unendlich schwach. Dann schien die Fahrt vorbei zu sein. Wieder wurde er aus dem Wagen gezerrt. Laufen konnte er nicht mehr. Von der Umgebung nahm er nichts wahr. Wenig später lag er auf einem kalten Tisch. „Okay… da es hier keine Schwestern gibt wirst du mir assistieren, Paolo..“, befahl der Arzt. Der Angesprochene nickte nur grunzend. Dann bekam Semir die Narkose und schlief ein. Er wünschte sich nicht wieder zu erwachen, denn wenn dann würde er wieder bei Don Marcello sein und seinen perfiden Spielchen ausgeliefert.
„Hört mal… ich weiß dass es nicht einfach ist, aber…ich kann bei Marcello in die Villa.“, erklärte Nico. Ben und Paulas Kopf ruckten zu ihm. „Bist du wahnsinnig? Genau das will der Kerl doch! Nico… das kommt überhaupt nicht in Frage!!“, widersprach Ben. „Ben… ich habe genug… ich will nicht das Semir wegen mir stirbt. Genauso wenig der Commissario. Ich weiß genau was ich mache. Paula… kann deine Familie nicht auch helfen?“, wollte Nico wissen. Paula sah ihn an. „Ich weiß nicht… ich meine es würde in einem Krieg ausarten. Meine Familie ist nicht wie der Rest der Mafia. Sie ist sanfter, aber sie ist trotzdem ihrer angehörig. Ich habe bisher nicht gewagt zu fragen. Meinst du, wenn du in der Villa wärest würde es anders werden?“, wollte sie wissen. „Ich weiß es nicht wirklich, aber ich denke ja… du uns Semir könnten nach Deutschland fahren. Ich bin bereit mich in die Hände meiner Familie zu geben…ich werde nicht zulassen, das jemand wegen mir stirbt.“, sagte Nico leise. „Was ist denn mit dir? Du willst doch eigentlich auch nach Deutschland zurück. Ich meine…“, fing Ben an. „Ich stehe derzeit ganz weit unten. Semir ist wichtig. Wir wissen doch gar nicht wie schwer er verletzt ist. Aber ich weiß sehr genau, dass er sterben wird wenn ich nicht zurück gehe. Ben… ich werde euch genügend Zeit verschaffen, dass ihr abfliegen könnt. Ich bin stolz dein Freund zu sein.“, kam fest entschlossen von Nico.