„Nochmals, wo waren sie in der Nacht vom dritten zum vierten Juli?“, fragte Florian Glade mit lauter Stimme. „Ich mit meiner Freundin unterwegs.“, gab Ben kleinlaut wieder. „Wie lange? Den ganzen Abend?“, kam die nächste Frage. „Nein, wir trennten uns um etwa halb elf.“, erzählte Ben und war mit den Nerven völlig fertig. Dass das Schwert bei ihm gefunden wurde und er auf dem Überwachungsvideo sich selbst wieder erkannt. Er würde sich selbst einsperren. „Dann hatten sie genügend Zeit den Überfall auf den Kiosk zu begehen. Von ihrer Wohnung zum Tatort ist es, nach den nächtlichen Verkehrsverhältnissen, eine gute halbe Stunde. Wenn wir die Gegenüberstellung nachher machen, was meinen sie, wird er sagen?“, fragte Florian Glade. Martin Stolberg hielt sich im Hintergrund. Er beobachtete Ben Jäger genau aus den Augenwinkeln und versuchte sich ein Bild von dem Mann zu machen, den er mit so leichten Mitteln überführt hatte.
Nur wenig später saß Semir bei Stolberg im Büro. Dieser führte ihm das Video vor und Semir saß vor dem Monitor. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Auf dem Bild war eindeutig Ben zu sehen. „Das ist ein Trick! Ein Doppelgänger oder Maskenträger... Mein Partner ist kein Dieb! ER ist reich! Warum soll er denn ausgerechnet Überfälle und Einbrüche begehen! Er kann sich alles kaufen was er will!“, verteidigte Semir seinen Freund und Partner. Stolberg lachte auf. „Das ist doch wohl ein Witz! Ihr Freund mag reich sein, aber das heißt nicht, das er keine Straftat begehen kann. Hier auf dem Video sieht man es ganz deutlich! Was denken Sie wird der Richter wohl sagen? Vielleicht brauch Herr Jäger ja diesen Adrenalinschub? Er kann sich alles kaufen? Ja sicher kann er das, aber das Schwert ist nicht käuflich. Schon mal daran gedacht, dass er es verkaufen wollte um noch mehr Geld zu haben? Diese stinkreichen Leute wollen doch immer mehr von dem Geld. Und Ihr Freund scheint die Arbeit nicht wirklich wichtig zu nehmen. Also geht er auf Diebestour. Die Überfälle können ihm auch nachgewiesen werden. Denn dieses Tattoo, was er trägt ist einmalig. Sehen Sie es ein, Gerkhan.... Ihr Freund ist ein Verbrecher...“, höhnte Stolberg. Semir sprang auf und ließ seine Faust auf Stolbergs Nase landen. Wut entbrannt verließ er das Büro. Zu Ben durfte er nicht, also musste er seine Freundin ausfindig machen. Rosa... mehr wusste er nicht und dass sie mit Ben Musik machte. ER musste in Bens Wohnung irgendwie. Sie war von der Polizei versiegelt worden, aber .... er war ja Polizist... Ein Grinsen zeichnete sich ab.
Auch Kim versuchte mit Engelszungen auf Stolberg einzureden, doch es ging nichts. Dieser Mann war felsenfest davon überzeugt, das Ben der Täter war und Kim musste zugeben, dass es ihr sicher nicht anders ergangen wäre. Die Beweise waren eindeutig. Als sie das Büro von Stolberg verließ sah sie gerade noch wie Semir vom Hof raste. Hoffentlich macht er keine Dummheiten. Sie setzte sich in ihren Wagen und rief ihn über Funk. „Cobra 11 für Cobra 1. Semir... was haben Sie vor?“, fragte sie. „Chefin.... es ist besser wenn Sie es nicht wissen. Vertrauen Sie mir. Ich werde Bens Unschuld beweisen und seine Freundin befragen. Ich finde sie.“, hörte sie Semir sagen. „Semir... ich weiß wie es in Ihnen aussieht, aber die Beweise gegen Ben sind doch eindeutig... “, erklärte sie ruhig. „Glauben Sie auch, dass er es war?“, wollte Semir wissen. „Nein...ja...ich weiß es nicht... Ich würde an Stolbergs Stelle nicht anders handeln... Bitte versuchen Sie sich diesmal an die Vorschriften zu halten.“, bat sie inständig. „Ja sicher Chefin.... wie immer.“, kam verbittert von Semir. Kim verstand ihn sehr gut. „Semir.... beweisen Sie seine Unschuld....bitte auf legalem Weg... Ein Kollege hinter Gitter reicht...“, ermahnte sie ihn. Von Semir kam keine Antwort mehr. Viel Glück....dachte sie nur.
Semir betrat das Studio in dem Ben immer probte. Er suchte nach Hinweisen wer diese Rosa war und vor allem wo sie wohnte. Was war nur mit Ben passiert? Wieso tat er das? Er kannte ihn nicht so... geistesabwesend, vergesslich...unkonzentriert... Irgendwas musste mit ihm geschehen sein. Er hörte wie sich die Tür öffnete und drehte sich erschrocken um. Schnell versteckte er sich in der Ecke und wartete bis die Person hinein kam. Als sie an ihm vorbei war richtete er die Waffe, die er eben schon gezogen hatte auf sie. „Keine Bewegung!“, warnte er. Die Person hob die Hände und drehte sich langsam um. Eine Frau stand vor ihm und sah ihn erschrocken an. „Bitte... nicht schießen...bitte..“, flehte sie. „Wer sind Sie?“, fragte er. „Rosa... Rosa Winter...“, sagte sie mit zittriger Stimme. „Oh... Gott sei Dank... ich suche Sie schon. Gerkhan...Semir Gerkhan... ich bin Bens Partner... Ben steckt in Schwierigkeiten und ich hoffe dass Sie mir dabei helfen können, seine Unschuld zu beweisen...“, kam es wie ein Schwall der Erleichterung hervor. „Ben? In Schwierigkeiten? Wie? Warum?“, schoss sie die Fragen ab. „Er soll Überfälle und einen Einbruch begangen haben. Die Beweise sind erdrückend. Er sagt, er war mit Ihnen zusammen, aber er kann sich nicht erinnern. Sie sind die Einzige die es kann...“, kam es regelrecht flehend von ihm. Rosa nickte. „Ich helfe selbstverständlich... wie?“ wollte sie wissen.