Beiträge von Elvira

    Ben saß schweigend an seinem Schreibtisch. Er dachte darüber nach, ob es Sinn machte im Krankenhaus anzurufen um nach den Zustand von Carla zu fragen. Sie war auf dem Weg der Besserung doch sie wusste nicht wer er war. Was sollte es dann bringen, wenn er bei ihr war? „Ben…? Hey…ist alles in Ordnung?“ wollte Semir wissen. Sorgenvoll sah er seinen Partner an. Ben nickte. „Bis gestern war es noch…Semir ich dachte wir könnten wenn sie wach ist einfach dort weiter machen, wo wir aufgehört haben..aber sie kennt mich nicht….und vielleicht ….ich meine wenn sie mich nicht kennt…wie soll sie mich da lieben..? Sie hat alles vergessen…alles was zwischen uns war….“ kam klagend von Ben. Semir nickte. „Warum hilfst du ihr dann nicht, sich wieder daran zu erinnern? Du hast doch Bilder von dir und ihr…Bilder aus ihrem Leben…und wenn es wahre Liebe ist, dann wird sie sich daran erinnern….“ versuchte Semir ihn aufzumuntern. Ben sah ihn an. „Du hast Recht…verdammt…und ich sitze hier und blase Trübsal…ich werde ihr zeigen wie ….ihr Leben ist….und wie es war…danke Semir…danke…“ stieß er aus, erhob sich und rannte raus. Doch nur wenige Sekunden später war er wieder da. „Aber….wir haben doch Dienst…“ gab er von sich. Semir lachte leise. „Mach schon…“ befahl er als das Handy von Ben klingelte. Er sah auf das Display…“Das…ist das Krankenhaus….“ Stieß er aus und reichte Semir das Handy. „Was soll ich damit?“ wollte dieser wissen. „Geh du ran…ich….ich hab Angst…das….“ Stammelte Ben. Er sah Semir flehend an. Dieser lachte und meldete sich. „Gerkan…Apparat Jäger….“ Gab er durch. „Herr Gerkan….ist Herr Jäger auch in der Nähe?“ wollte der Anrufer wissen. „Nein…wer ist denn da?“ wollte Semir wissen. „Dr. Freiwildt….ich bin der Psychologe von Frau de Cossa und wollte Herrn Jäger ausrichten, dass Frau de Cossa wünscht ihn zu sehen…“ erklärte der Anrufer. „Frau de Cossa will Ben sehen?“ fragte Semir nach und sah Ben an. „Ja…es geht ihr sehr gut und sie will ihn sehen. Würden Sie es ihm ausrichten?“ bat der Arzt. „Warten Sie…er kommt gerade rein…“ grinste Semir und reichte das Handy weiter. Ben strahlte vor Freude. „Ja..?“ fragte er ins Handy. Er räusperte sich nervös. „Das ist toll…ja sicher komme ich….ich werde Bilder mitbringen und dann….ja sicher…ich danke Doc…danke…“ stammelte Ben. Das Gespräch war beendete. Ben sah Semir an, nahm ihn in den Arm und drückte ihm ein Kuss auf die Stirn. „Sie will mich sehen!!! Sie will mich sehen!! Sie hat mich nicht vergessen…“ lachte er. „Ist ja gut….“ wehrte Semir sich.

    Ben fuhr rasant nach Hause und sammelte alles zusammen wo Carla und er drauf waren. Er stöpselte seine Digitalkamera an den PC und lud die Bilder hoch. Dann druckte er ein paar aus damit Carla sie bei sich behalten konnte. Außerdem packte er das Bild ein, auf dem Carla „ich liebe dich“ geschrieben hatte. Damit musste ihr doch klar sein, dass es mehr war als nur Illusion. Ben fuhr zum Krankenhaus und traf auf dem Flur Wolfgang. Dieser sah ihn traurig an. „Hey… was ist denn? Geht es Isabella schlechter?“ wollte er sofort wissen. „Nein…mit Isabella geht es Bergauf…nur wird sie vermutlich nie wieder laufen können…und sie lehnt das Baby ab…sie will es nicht….ich versteh es nicht…sie wollte doch immer Kinder haben….“ klagte Wolfgang. Ben legte ihm die Hand auf die Schulter. „Gib ihr doch etwas Zeit….was sagen denn die Ärzte?“ wollte er wissen. „Die sind sich nicht sicher….sie sagen Isa müsste dazu in den MRT aber…da sie schwanger ist, kann man sie nicht röntgen, weil das Baby geschädigt wird…aber wenn sie zu lange wartet, wird sie nie wieder laufen können…ich muss mich entscheiden….zwischen meinem Kind und meiner Frau….was soll ich tun, Ben?“ wollte Wolfgang von seinem Freund wissen. „Wolfgang….wenn man deine Frau operieren muss, damit sie wieder laufen kann, dann aber das Kind verliert…ist es schlimm….aber denke an Isabella… was will sie? Nicht du musst dich entscheiden…ihr müsst es gemeinsam tun….versteht ihr…ihr seid verheiratet und ihr müsst euch entscheiden. Auch wenn es sich hart anhört…aber ihr könnt danach auch noch Kinder bekommen. Triff die Entscheidung die ihr gemeinsam wollt….“ sprach Ben ihm Trost zu. „Sie will nicht mit mir reden…sie will einfach nicht mehr mit mir reden….ich …weiß nicht was ich tun soll…“ weinte Wolfgang. Ben nickte. „Das kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber wenn du willst, spreche ich mit ihr….“ bot Ben sich an. Wolfgang nickte. „Versuch dein Glück…aber vermutlich wird sie dich nicht einmal ansehen…“ gab dieser resigniert zurück. „Vielleicht kann deine Frau mir sogar helfen, bei Carla. Isabella braucht eine Aufgabe…man muss ihr zeigen, dass sie gebraucht wird….das ist der Schlüssel…bin gleich zurück…“ versprach Ben und verschwand im Zimmer wo Isabella Hilgers lag.

    Der nächste Morgen begann für Carla mit Grübeln. Sie hatte nachgedacht….wer war sie. Alle nannten sie Carla oder Frau de Cossa….aber wenn sie es war…warum erinnerte sie sich nicht daran? Was war passiert? Sie fühlte wie die Kräfte zurück kamen. Wenn sie nicht noch Gips an den Beinen hätte, wäre sie aufgestanden…und dann hätte sie laufen können…sich umsehen….vielleicht war hier etwas, das half die Erinnerung wieder zu bekommen. Die Tür ging auf und eine Schwester stellte ein Tablett auf den Tisch neben ihrem Bett. „Frühstück…. Frau de Cossa. Wollen Sie selbst essen, oder soll ich Ihnen helfen?“ wollte die Schwester wissen. Bisher konnte Carla noch keinen Ton reden. Sie versuchte es. „ich….mach….allein…“ sagte sie heiser. „Sehr schön…sehen Sie..die Stimme kommt auch zurück. Nun ist alles gut…“ lächelte die Schwester freundlich und verschwand wieder. Carla sah ihr nach. Ja sicher….alles ist gut…nur mein Leben ist nicht mehr da…. dachte sie bei sich. Sie fing langsam an zu essen. Es schmeckte bis auf dem Kaffee…der war viel zu dünn. Nicht so wie sie ihn kannte. Da war es wieder…. Dieses Wort was aussagte, dass man sich an etwas erinnerte. Doch es war keine Erinnerung… wann kam sie zurück? Was war passiert? Wieso war so eine Leere im Kopf. Carla aß langsam und versuchte sich die Bilder ins Gedächtnis zu holen, die sie mit ihrem Leben verband. Doch es kam nichts…kein Bild…keine Gesichter….nichts…Sie weinte leise. Sie wollte ihr Leben zurück. Doch plötzlich sah sie auf. Dieser Mann….dieser Ben Jäger…wenn er tatsächlich ihr Verlobter war, dann wusste er etwas über sie. Sie musste ihn fragen….er musste ihr sagen wer sie war. Was sie war…wo ihre Wurzeln liegen… Er musste ihr helfen. Ja…..er wird ihr helfen…da war sie sicher. Es klopfte an der Tür. „Ja…“ fragte sie leise. Die Tür ging auf und ein Arzt trat ein. „Guten Tag Frau de Cossa….ich bin Dr. Freiwildt. Arzt der Psychologie….“ Stellte der Mann sich vor. „Wozu brauche ich einen Psychologen? Ich bin doch nicht verrückt..“ stieß Carla aus. Der Mann lächelte. „Das hab ich auch nicht gesagt, dennoch ist es wichtig nach einem Koma die Patienten eingehend zu untersuchen und dazu gehört auch die Psyche…“ meinte er nur. Carla richtete sich leicht auf. „Aber nur, wenn Sie danach Ben Jäger zu mir holen…“ forderte sie. Dr. Freiwildt nickte. „Kein Problem..wenn Sie mir sagen, wer es ist?“ lächelte er. „Er soll mein Verlobter sein..“ kam leise von ihr. Zweifel war in der Stimme zu hören.

    „Isa….ich bin so froh, dass du mich erkennst….nicht wie Carla…sie kennt niemanden mehr…sie weiß nicht was passiert ist oder wer sie ist…nichts….wie ausgelöscht..“ kam von Wolfgang. Er konnte sich von seiner Frau nicht trennen. „Ich weiß, das sie vor dem Absturz von ihrem Verlobten erzählte…Ben Jäger….der Mann ist ein Traum gewesen…und da kam mir der Gedanke, dass ich Mutter werden möchte. Aber….ich kann nicht laufen… ich spüre nichts mehr ab dem Bauchnabel…wie soll ich da Kinder bekommen..“ klagte Isabella ohne auf das was Wolfgang sagte wirklich einzugehen. Der Arzt hatte erneut Untersuchungen anberaumt um dem Grund nach zu gehen, warum Isabella nichts spürte. Die Wirbelsäule war verletzt, und wie sich herausstelle war ein Nerv eingeklemmt. Das man plötzlich nicht mehr laufen konnte, nichts fühlte war ein großer psychischer Druck und den galt es entgegen zu wirken. Aus diesem Grund wurde Dr. Freiwildt, der Psychologe der Uniklinik ebenfalls hinzu gezogen. „Vielleicht kann ich Carla helfen sich zu erinnern. Wir waren doch dicke Freundinnen…wir haben bis zu unserer Hochzeit zusammen gelebt und….wir haben unsere Sorgen geteilt…“ schlug Isabella vor. Wolfgang schüttelte den Kopf. „Du bist selbst schwer verletzt….und musst dich schonen. Werde erst selbst gesund…du musst für dich und dein Kind sorgen…“ lächelte Wolfgang. Isabella sah ihn an. „Kind? Welches Kind?“ fragte sie leise. Konnte es sein, dass sie etwas vergessen hatte? Nein…sie erinnerte sich an alles..an den Absturz, an die Schmerzen…an alles… „Welches Kind meinst du?“ fragte sie deshalb erneut nach. Wolfgang strahlte. „Das Kind was du unter deinem Herzen trägst….du bist schwanger….“ Verkündete er. Doch anstatt der Freude, die Isabella empfinden sollte sah sie ihn nur geschockt an. „Wie soll ich Mutter werden, wenn ich nicht einmal für mein Kind laufen kann?“ fragte sie sonderbarer Weise. Wolfgang streichelte ihr Gesicht. „Bis das Kind zur Welt kommt, wirst du wieder laufen können….“ versprach er. „Und was wenn nicht?“ kam die bange Gegenfrage. „Wir werden es gemeinsam schaffen….ich bin doch auch da….ich liebe dich..Isa….ich wäre fast mit dir gestorben…..verstehst du…nun müssen wir für unser Kind leben…für unser Kind….hörst du….“ Fing Wolfgang auf einmal an zu weinen. Doch von Isa kam keine Regung. In ihrem Kopf konnte sie sich nicht damit abfinden, nie wieder laufen zu können…Obwohl es noch gar nicht sicher war, hämmerte sich ein Wort in ihr Gehirn. Gelähmt….für immer gelähmt…gelähmt…gelähmt….

    hmmm also sehr sonderbar...aber mal sehen was die rausfinden... Hartmut scheint Gefallen an Annelie zu finden und sympathisch ist sie allemale..aber könntet ihr kürzere Pausen zwischen den Teilen machen? denkt doch mal an die Leser...die jeden Tag darauf warten...was zu lesen so wie ich zum Beispiel... :D:D:D

    Rosa nahm Aida und setzte sie samt Käfig hinter der Falltür in Position. „Mal sehen, was dein Papa macht, wenn er dich hier sieht, oder soll er Fliegen? Nicht an dich rankommen? Ja… das ist besser… und das tut ihm sicher noch mehr weh…“, lachte sie gehässig und brachte Aida zu den Fallnetzen. Das, was sie für Semir vorgesehen hatte, war bereits im Gedankenverlauf grausam. Sie hing den Käfig mit Aida im Innenhof etwa eine Handbreit entfernt von dem Fallnetz an dem alten Baum auf. Das kleine Mädchen sah interessiert zu, aber sie weinte. Ständig rief sie nach Mama und Papa… Rosa war eiskalt. Sie hielt es stundenlang aus wenn das Kind weinte. „Siehst du…. hier wird der Papa sein und du hier… er kann dich sehen, er kann mit dir sprechen, aber er kann dich nicht berühren.. Ich weiß wie es ist, den Papa zu sehen und ihn nicht zu berühren. Und dann werde ich dich holen. Wenn ich Ben dann fertig gemacht habe. Dein Onkel Ben wird sehr tief fallen… sehr tief..“, sagte sie zu dem Kind, das heftig schluchzte. Doch es schienen auch Muttergefühle aufzutreten, denn sie gab Aida ein kleines Spielzeug in den Käfig und auch was zu essen. „So und nun warten wir auf die Beiden, die sicher schon vor dem Tor stehen.“, meinte sie und streichelte Aida über den Kopf.

    Semir und Ben betraten den Hof. „Also gut… wir sollten uns aufteilen… ich meine wir hätten dann die Chance diese Hexe in die Zange zu nehmen.“, schlug Semir vor, als er plötzlich ein Weinen hörten. „Das ist Aida!! Sie ist hier!!“, stieß er aus und wollte sofort in die Richtung rennen. „Semir! Es könnte eine Falle sein…“, gab Ben zu bedenken und hielt seinen Partner fest. „Meine Tochter weint! Ben…geh du in die Burg und ich befreie Aida…“, kam flehend von Semir. Ben überlegte kurz. „Also gut…aber bitte, pass verdammt gut auf...!“, ermahnte er seinen Freund zur Vorsicht. „Klar…ich hole meine Tochter und verlasse die Burg. Warte dort, bis die Chefin und das SEK kommen und rette dann dich...“ lachte Semir leise. Ben schüttelte den Kopf. „Nur keine Sorge…sie wird mir nicht entkommen. Rette deine kleine Prinzessin!“ Ben ging auf die große Burg zu, während Semir sich auf das Weinen konzentrierte. Langsam ging er in die Richtung aus der das Weinen kam. Und dann sah er sie. Seine kleine Tochter in einem Käfig sitzend und weinend. „AIDA!!“, stieß er aus. Jede Vorsicht war vergessen. Er rannte einfach auf den Käfig los.

    Doch schon im nächsten Moment wurden ihm die Füße unter dem Boden weggezogen und Semir sauste unter tosendem Geschrei in die Luft. „Aaaaaaaaaaahhhhhhhh“, stieß er aus, als er sich im nächsten Moment in einem Fallnetz wiederfand und etwa einen guten Meter über der Erde baumelte. Langsam beruhigte er sich und versuchte sich zu befreien, doch das instabile Netz ließ kaum eine ordentliche Bewegung zu. Aida sah ihren Papa gegenüber und krabbelte zu den Gitterstäben. „Papa.“, schluchzte sie und streckte ihren kleinen Arm Semir entgegen. Semir zerriss es das Herz, seine Tochter so weinen zu sehen und er versuchte die Hand nach ihr zu strecken, doch er kam nicht ran. „Verdammt.“, stieß er aus und merkte, wie sein Bauch wieder anfing zu schmerzen. Scheinbar war die Wunde doch nicht so gut verheilt, wie er gedacht hatte. Denn er dachte zu fühlen, wie etwas Feuchtes an seinem Shirt hinunterlief und er sah an sich hinunter. Tatsächlich bildete sich ein kleiner, braunroter Fleck. „Verdammt.“, stieß Semir aus und hörte dann ein teuflisches Lachen. Er sah sich um und Rosa kam hinter dem Baum hervor. „So Semir, jetzt wirst du am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man einen geliebten Menschen nahe ist, ihn aber nicht berühren darf.“, stieß sie wütend aus. „Lass meine Tochter frei, du Hexe.“, schrie er und drehte sich dabei im Netz. „Oh... wer wird denn so böse sein? Ich kümmere mich gleich um dich und deine Tochter, aber erst mal ist mein Liebster dran.“, lachte sie und ging auf die Burg zu.

    Auch Wolfgang sah seine Frau gespannt an. „Wird sie mich erkennen, ich meine…wenn sie wach ist….sie…wird doch wissen, wer ich bin..oder?“ fragte er ängstlich nach. Dr. Geissler erklärte ihm, dass es sehr gut sein kann, dass sie ihn nicht erkannte. Aber auch die Möglichkeit, dass es so war wie vorher… „Wir müssen einfach abwarten bis sie die Augen öffnet…“ lächelte der Arzt ihn an. Wolfgang hielt die Hand seiner Frau, die langsam in die Wirklichkeit zurück kam. Dann endlich schlug sie die Augen auf. „Wolfgang…..“ stieß sie heiser aus. „Isa…..Isa…..“ weinte Wolfgang nur. Er konnte nichts sagen, sah seine Frau mit verweinten Augen an. „Was ist denn? Was hast du?“ fragte sie und sah sich um. Die Wände waren weiß gestrichen und Isabella sah die Schwestern herum wuseln. Sie ahnte wo sie war. „Warum bin ich im Krankenhaus?“ fragte Isabella. „Es ist alles gut….du…du hattest einen Unfall….aber nun wird alles wieder gut….Gott…ich danke dir dafür, dass du sie mir nicht genommen hast….“ Weinte Wolfgang hemmungslos. „Wolfgang…was ist mit mir passiert? Warum kann ich mich nicht bewegen…meine Beine…ich spüre meine Beine nicht….“ Kam panisch von Isabella. „Ganz ruhig Frau Hilgers….bleiben Sie einfach ruhig liegen. Wir werden Sie gleich untersuchen….okay?“ redete Dr. Geissler auf sie ein. Isabella nickte. Angst überfiel sie. „Was ist passiert?“ wollte sie wissen. „Erinnern Sie sich an nichts?“ wollte Dr. Geissler. „Doch…ich war auf meinem Flug….und dann ging ein Ruck durch die Maschine….und….sie ging in den Sturzflug….und dann….nichts mehr…das nächste was ich weiß, ist dass es heiß wurde um mich herum. Danach nur Dunkelheit. Ich habe Schmerzen gespürt und fiel einfach nur …was ist mit Carla? Wo ist sie? Wo ist Jana, Frank und Martin?“ wollte Isabella wissen. „Carla hat überlebt….Jana, Frank und Martin….leider nicht….außerdem viele der Fluggäste…“ erklärte Wolfgang. „Oh mein Gott…..wo ist Carla..darf ich zu ihr?“ bat Isabella. „Nein…derzeit nicht. Ihre Freundin war sehr schwer verletzt. Aber Sie stehen jetzt im Vordergrund“ lehnte Dr. Geissler ihren Wunsch ab. „Wolfgang….wenn ich wieder raus bin, dann will ich dir was sagen. Ich…meine..eigentlich kann ich es auch hier sagen. Ich will nicht mehr fliegen. Ich will nie wieder fliegen. Ich will endlich Kinder haben….unsere Kinder…verstehst du?“ wollte sie von ihrem Mann wissen. Wolfgang spürte wieder wie die Tränen flossen. „Ja….ich verstehe das..und ich würde mich freuen, wenn …wenn unser Kind….das Licht der Welt erblickt…“ lächelte er. Noch wusste Isabella nicht, dass sie bereits ein Kind in sich trug. Und die Ärzte hatten es ständig untersucht. Es entwickelte sich prächtig. Wie nah Tod und Leben liegen konnten, zeigte sich bei Isabella sehr deutlich.

    Andrea sah zu, wie Semir seine kleine Tochter Layla wickelte. Wie sanft er mit ihr umging. Als er fertig war, strahlte er stolz. „Siehst du…das sieht doch wirklich gut aus..“ lobte er sich selbst. Andrea nickte. „Ja…das ist fast perfekt….Nur beim nächsten Mal bitte darauf achten, dass die Windel auch richtig liegt und ruhig etwas fester…“ berichtigte sie ihn. „Andrea…das ist doch nun wirklich egal, ob die Klebestreifen nach Hinten oder nach vorn gehen…“ grinste Semir nur. Es klingelte an der Tür. Semir sah Andrea an und diese schaute auf die Uhr. „Wer kann das denn sein? Erwartest du noch jemanden?“ wollte sie von ihm wissen. „Eigentlich nicht….ich schau mal nach. Nimm die Kleine..“ bat er und ging zur Tür. Er staunte nicht schlecht als Ben vor der Tür stand. „Was ist denn mit dir los? Ist was mit Carla?“ wollte er wissen, denn das es Ben schlecht ging, konnte man sehen. Er zog Ben ins Haus. „Was ist denn los?“ wiederholte er die Frage. „Sie erkennt mich nicht….sie weiß nicht wer ich bin…was wir hatten…“ stammelte Ben. Es hörte sich verzweifelt an. Semir sah ihn erschrocken an. „Gedächtnisverlust?“ fragte er nach. Ben nickte. „Komplett. Carla weiß nicht wer sie ist, oder warum sie im Krankenhaus liegt. Sie weiß nicht, wer ich bin…was zwischen uns war….sie….sie hat mich angesehen wie ein Fremden….“ klagte Ben leise. Semir hörte die Verzweiflung in der Stimme. „Ben….bei so einem Unfall ist es möglich, dass der Mensch oder das Menschen im Allgemeinen, die so etwas durchmachen die Erinnerung verlieren. Das ist eine Schutzfunktion des Körpers…ich bin überzeugt, das die Erinnerung wieder kommt. Und dann wird es so sein, als seid ihr nie getrennt worden..“ versuchte Semir ihn aufzumuntern. „Wie denn? Der Arzt sagte ich soll sie für ein paar Tage in Ruhe lassen….und ich soll sie nicht bedrängen….aber ich liebe sie doch….ich liebe sie..verstehst du das nicht…ich liebe sie… ich will sie nicht verlieren…“ weinte Ben plötzlich. Semir legte ihm die Hand auf die Schulter. „Das wirst du auch nicht. Aber du musst sehr viel Geduld haben. Was sagen die Ärzte denn sonst? Halten sie es für eine vorübergehende Amnesie?“ wollte Semir wissen. „Der Doc meint, es könnte retrograd sein, aber sicher sind sie erst nach einer gründlichen Untersuchung..“ stöhnte Ben leise. Er war verzweifelt. Auch Andrea kam ins Wohnzimmer. Auf dem Arm hielt sie Bens Patentochter und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen als er die Kleien sah. „Hey…mein Goldstück..“ sagte er sanft und nahm das Baby auf den Arm. „Sie ist wunderschön..“ lobte er die noch glücklicheren Eltern. Auch Ayda kam dazu und begrüßte Ben mit einem dicken Schmatzer. Dann umarmte sie ihn. Es schien als würde das Kind spüren, das der Freund traurig war. Es schien tatsächlich zu wirken, denn Ben konnte für einen Augenblick seine Sorgen vergessen.

    lol er kann es einfach nicht lassen....also beide mein ich..

    Semir kann das Lauschen nicht lassen..muss überall seine Nase reinstecken...das kann üble Folgen haben....außerdem sollte man Semir sagen, dass es besser wäre eine Schutzweste zu tragen...oder besser noch .....sich vor Chris in Acht zu nehmen...er ist der Schreiber der Story und ich sag nur auauauauauauauaua...

    und was Ben angeht..

    für den ist das Aua schon greifbar.....und dass er das Flirten nicht lassen kann.. .was für ein plumper Anmachspruch....tse...also wirklich...

    Ben lief den Flur auf und ab bis Dr. Geissler heraus kam. „Doc…was ist mit ihr? Ist sie in Ordnung?“ wollte er sofort wissen. „Die Funktionen der Gliedmaßen ist in Ordnung. Sie kann ihre Füße bewegen…die Finger…..den Kopf….sie reagiert auf Reize….was will man mehr. Sie ist zwar noch etwas verwirrt, aber das kommt noch. Sie muss ja erst einmal realisieren, dass sie lebt und in wenigen Tagen wird sie sicher auch die Stimme wieder gefunden haben. So….Sie können wieder zu ihr gehen….aber bitte überfordern Sie sie nicht. Auch wenn sie nicht reden kann, war die Reaktion von ihr auf Sie ein Anzeichen dafür, dass Sie sie nicht erkennt….“ ermahnte der Arzt ihn. „Soll das heißen, dass sie mich vergessen hat?“ harkte Ben nach. „Das ist nach einem Koma nie ausgeschlossen. Sie wissen doch wie es ist, ich hatte es Ihnen gesagt. Aber wir sollten noch ein paar Tage warten. Vielleicht ist es ja doch alles in Ordnung. So..ich muss nun Frau Hilgers aus ihren Träumen befreien… und dort muss ich noch vorsichtiger agieren. Frau Hilgers wird schließlich Mutter…“ lächelte Dr. Geissler und verschwand im Nebenzimmer. Ben wusste, dass dort Wolfgang am Bett seiner Frau saß und das Gleiche durchmachen musste. Ben ging wieder ins Zimmer und sah Carla lächelnd an. „Hey..Carla…..“ begrüßte er sie. Sie sah ihn prüfend an. „Du erkennst mich nicht oder?“ fragte er vorsichtig. Sie schüttelte leicht den Kopf. „Aber du weißt wer du bist?“ harkte er nach. Wieder kam ein Kopf schütteln. „Ich bin Ben…wir…wir sind zusammen. Wir sind ein Paar….und du bist Carla Maria Mercedes de Cossa. Wir haben uns im Urlaub kennen gelernt….und…lieben…wir sind ein Paar…verstehst du das? Wir lieben uns…“ erklärte Ben sanft und nahm ihre Hand. Doch Carla zog sie energisch zurück. Ben nickte. „Okay….schon gut… ich tu dir nichts….“ lächelte er traurig. Mit diesem Ergebnis hatte er nicht gerechnet. „Ich glaube ich gehe jetzt besser….darf….darf ich morgen wieder kommen?“ wollte er wissen. Carla nickte leicht. „Okay…dann bis morgen…“ lächelte er und verließ das Krankenhaus. Doch er fuhr nicht nach Hause, sondern zu Semir. Er brauchte jemanden mit dem er reden konnte.

    Carla sah den Mann hinterher. Dann schloss sie die Augen. Was war nur los….? Ihr Kopf fing an zu schmerzen und sie sah Bilder vor ihrem inneren Auge. Bilder die sie nicht halten konnte. Nur kurze Sequenzen und auch dieser Mann war dort. Aber was hatte es zu bedeuten? Kannte sie ihn wirklich? Was hatte der Arzt gesagt, er wäre ihr Verlobter? Ja…verlobt….Carla…so sagte er….dieser Mann.. er nannte sie Carla. War das ihr Name? Carla ließ sich in ihr Kissen fallen und weinte leise. Sie merkte nicht wie die Tür aufging und eine Schwester herein kam. „hallo….warum weinen Sie denn? Haben Sie Schmerzen?“ wollte sie wissen. Carla schüttelte den Kopf. „Aber warum weinen Sie denn dann?“ kam die Frage erneut. Carla öffnete den Mund, wieder kam nur ein Krächzen. „Ach so….nur keine Sorge..die Stimme ist sicher morgen wieder da…“ beruhigte die Schwester sie. Carla nickte leicht und schloss erneut die Augen. Die Schwester schien nicht zu verstehen, was sie wollte. Die Schwester verschwand. Doch Carla sollte noch nicht zur Ruhe kommen denn ein weiterer Arzt trat ein. „Guten Tag….ich bin Dr. Winkler. Wir müssen Ihren Kopf einmal untersuchen….ein paar kleine Tests wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen..“ lächelte der Mann sie an. Carla schüttelte den Kopf. „Okay..kein Problem….dann machen wir das morgen. Sie sollten etwas schlafen…“ lächelte der Doktor. Carla nickte und schloss die Augen. Es dauerte nicht lange und sie schlief ein. Doch dann sah sie Bilder vor ihrem Auge. Einen hellen Blitz und dann hatte sie das Gefühl zu fallen. Instinktiv krallte sie sich im Bett fest. In ihrem Traum sah sie Menschen durch die Luft fliegen. Blut…viel Blut…Carla wollte schreien doch es kam kein Ton. „Frau de Cossa!! Hören Sie mich….wachen Sie auf…!“ hörte sie eine Stimme, die nicht zu den Bildern passte. Sie schlug die Augen auf und sah einen jungen Arzt vor sich stehen. „Ganz ruhig….Sie haben geträumt…atmen Sei ruhig ein….und aus….und ein….so ist das sehr gut…alles ist in Ordnung…Sie sind in Sicherheit…“ beruhigend sprach er auf sie ein. Carla nickte. Langsam wurde sie ruhiger. Es war nur ein Alptraum. Nichts weiter…. Sie sollten etwas schlafen…..und dann sieht die Welt gleich ganz anders aus…“ Carla nickte. Sie schloss erneut die Augen und diesmal kamen die Bilder nicht wieder.

    17.06.2010 Der Kommissar

    Der pensionierte Polizeibeamte Lambertz beschuldigt seinen Nachbarn Kramer, kriminell zu sein. Tom und Semir glauben zunächst, dass sich ihr Ex-Kollege in eine fixe Idee verrannt hat. Doch dann mehren sich die Anzeichen dafür, dass Lambertz tatsächlich einer heißen Spur folgt und damit zugleich leider auch in Lebensgefahr ist...

    Tom und Semir nehmen auf der Autobahn einen Mann fest, der mit überhöhter Geschwindigkeit einen anderen Wagen verfolgt hat. Bei dem Fahrer handelt es sich um den pensionierten Kriminalkommissar Lambertz, der einem gewissen Kramer auf den Fersen war. Die Kommissare erfahren, dass Lambertz glaubt, Kramer - der im übrigen sein Nachbar ist - sei kriminell. Eine Überprüfung von Herrn und Frau Kramer ergibt dafür jedoch keinerlei Anhaltspunkt. Lambertz hingegen wurde vor ein paar Jahren vom Dienst suspendiert, was seine Anschuldigung nicht eben glaubwürdiger macht. Allerdings erscheinen die Verdächtigungen ihres Ex-Kollegen in neuem Licht, als die Cops sich noch einmal in Kramers Lagerhalle umsehen und dort den bewusstlosen Lambertz am Boden liegend auffinden. Im Licht einer Schwarzlichtlampe entdecken die Polizisten dann auch noch an der Wand des Lagerraums einen Überfallplan. Es stellt sich heraus, dass es sich bei Kramer in Wahrheit um den Gangster Lederer handelt. Lederer plant den Raub russischer Kunstschätze. Können Tom und Semir die Tat noch verhindern?

    „Frau Gerkhan…vielleicht ist die Schwester nur mit der Kleinen auf die Toilette oder in der Cafeteria. Wir sollten zunächst alle anderen Möglichkeiten ausschalten…“, redete Kim auf Andrea ein, die bitterlich weinte. „Da war ich doch schon! Sie ist weg…mein Engel ist weg…“, schluchzte sie. „SEMIR!! Ich weiß wer Aida hat!“, stieß Ben aus, als er das Zimmer stürmte. „Wer?“, fragten Kim, Andrea und Semir wie aus einem Mund. „Rosa… Winter… Sie hat Aida…hier… das ist sie…“, erklärte Ben und zeigte das Foto. „Nein…das ist sie nicht…Ben sie sah doch völlig anders aus. Das ist Schwester Rosemarie…“, meinte Semir zweifelnd. „Du kennst sie nicht… sie ist es… ich sehe es an dem Leberfleck am linken Nasenflügel. Sie hat zwar andere Haare und andere Augen, aber das ist leicht zu erklären. Sie hat eine Sehschwäche und trägt Kontaktlinsen. Sie hat mehrere in verschiedenen Farben. Sie ist es… Oh mein Gott. Wenn sie Aida auch nur ein Haar krümmt, dann werde ich zum Tier…“, stieß Ben wütend aus. „Dazu müssten wir sie erst einmal finden…“, kam von Kim. Semir hielt Andrea im Arm. „Diese verdammte Hexe…Ben hilf mir…ich verlasse heute noch das Krankenhaus...“, kam von Semir. Sofort ruckte Kims Kopf zu ihm. „Oh nein, Gerkhan! Sie werden hier bleiben, bis der Arzt Sie entlässt!“, sagte sie sofort. „Aber Chefin! Es geht um meine Tochter!!“, widersprach Semir sofort. In diesem Augenblick klingelte das Telefon an seinem Bett. „Gerkhan…“, meldete Semir sich mit einer Vorahnung.

    „Hallo Semir… schön, dass es dir wieder besser geht. Ich habe hier jemanden, die ihre Mama und ihren Papa vermisst. Sie weint so herzzerreißend… hör doch mal…“, lachte die Frau am anderen Ende. Semir hörte das Weinen seiner Tochter. „ROSA!!! Lass meine Tochter…bitte… lass sie gehen… sie hat nichts damit zu tun…!“, flehte Semir. „Ja sicher lasse ich sie gehen. Sobald du und Ben bei mir sind. Kommt in die Burg und dann darfst du Fangen spielen… Mal sehen wie deine Tochter aussieht, wenn sie vom Turm fällt…so wie mein Vater…“, lachte die Frau. Semir schloss die Augen. „Okay… wohin und wann?“, fragte er entschlossen. „Nein… nicht so schnell… erst sollst du ein paar Tage im Ungewissen sein. Ich werde gut für den kleinen Engel sorgen…“, sagte sie leise. Ein Knacken in der Leitung zeigte dass sie aufgelegt hatte. „Semir?“, fragte Andrea leise. „Ben hat Recht… Sie hat Aida… sie will mich und Ben im Austausch gegen Aida…ich werde gehen.“, bestimmte er mit einer völlig abwesenden Stimme. „Das kommt überhaupt nicht in Frage. Sie sind gar nicht in der Lage das Krankenhaus zu verlassen! Sie dürfen sich nicht in die Hände dieser Frau begeben!“, befahl Kim. „Chefin… es geht um meine Tochter! Nicht um meine Gesundheit! Ich weiß genau was…“, Semir holte Luft und verzog dabei das Gesicht vor Schmerzen. Sofort war Andrea da und ließ ihn langsam ins Kissen gleiten. „Semir…? Alles in Ordnung?“, fragte sie besorgt. „Geht schon… ich…Andrea ich hol sie zurück… versprochen… ich hole sie zurück.“, gab er das Versprechen. Niemand achtete auf Ben, der die ganze Zeit in der Ecke saß und einfach in die Luft starrte.

    „Semir... ich.“, fing er an und schlug gegen die Wand. „Ich werde zu ihr gehen. Im Austausch gegen Aida.“, schlug er vor. „Ben.. nein.“, stieß Semir aus und wollte dazwischen. „Semir... wenn ich Aida dadurch wiederbringen kann, dann ist es gut so.“, erwiderte Ben und war drauf und dran aus dem Zimmer zu stürmen. Doch Andrea hielt ihn auf. „Nein Ben... das würde ich nicht wollen.“, meinte sie. Doch Bens Augen zeigten, dass es keine andere Möglichkeit für ihn gab. „Andrea, bitte... jetzt zählt nur, dass ihr Aida wieder in die Arme schließen könnt.“ „Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit.“, fuhr Kim dazwischen. „Und welche?“, wollten alle anderen wissen. „Wenn wir die Burg heute Nacht mit dem SEK umstellen lassen und so ihre Tochter rausholen...“, fing sie an, doch Semir unterbrach sie. „Chefin, die Frau ist wahnsinnig. Wenn die einen von diesen Möchtegern-Rambos sieht, tötet sie meine Tochter sofort.“, schrie Semir und hielt Andrea fest in seinem Arm, als er die letzten Worte aussprach. „Semir, es ist die einzige Möglichkeit eingreifen zu können, wenn sie beide bei dieser Frau sind.“, meinte Kim und ging dann, ohne ein Gegenwort abzuwarten, um alles vorzubereiten.

    Während Ben im Krankenhaus wartete das das Liebste was er hatte die Augen aufschlug saß Semir Kim gegenüber. „Sie soll also heute geweckt werden…“ fing sie an. „Ja…und Ben wollte dabei sein, was ich ihm nicht verdenken kann.“ gab Semir zur Antwort. „Das sehe ich auch so. Bis das nicht wieder in Ordnung ist, wäre Herr Jäger eh nicht dienstfähig. Er wäre viel zu abgelenkt. Sie werden heute mit Herzberger Dienst machen. Ich nehme an, das Herr Jäger die nächsten Tage im Krankenhaus bleiben wird. Ich habe ihn unbefristeten Urlaub eingeräumt.“ lächelte Kim. „Danke Chefin…aber den Dienst mach ich allein. Ich kann nicht mit Hotte oder Dieter Dienst machen, wenn ich die bösen Buben packen will..“ lächelte Semir ablehnend. „Gut…dann fahren Sie mit mir...das hat ja vor Kurzem auch schon geklappt…Sie als Beifahrer….“ bestimmte Kim. Semirs Lächeln verschwand. „Ähm..danke..aber ich muss noch ein paar Berichte schreiben…die wollte ich jetzt erst einmal abarbeiten. Bis heute Nachmittag kann ich eh nichts machen…denn dann weiß ich erst etwas von der Obduktion…“ lehnte Semir ab. „Also gut….aber bitte passen Sie gut auf sich auf…“ ermahnte Kim ihn. „Klar doch… ich werde mich nicht überanstrengen. Danke Chefin…“ grinste Semir und verließ das Büro. Er setzte sich in sein Büro und fertigte die Berichte an, mit denen er schon wieder im Rückstand geraten war. Gegen drei kam der Bericht der Obduktion. Semir las ihn sich aufmerksam durch, doch es war nichts was er nicht schon wusste. „Die Tote wurde aus nächster Nähe erschossen. Der Tod trat gegen vier Uhr am Morgen ein. Allerdings ist der Fundort nicht Tatort, da dort zu wenig Blut gefunden wurde….bla bla … bla…“ las Semir vor. Also wurde die Frau dort abgelegt… und damit musste dort wenigstens Reifenspuren zu finden gewesen sein. „Ab in die KTU…“ stieß er aus, erhob sich und fuhr zu Hartmut. „HARTMUT!! WO BIST DU!!“ rief er laut durch die große Halle. „Ja hier…was schreist du denn so?“ wollte der rothaarige Techniker wissen. „Ach …. Da bist du ja…es geht um den Tatort wo die Tote gefunden wurde. Habt ihr da auch Reifenabdrücke gemacht?“ wollte Semir wissen. „Ja haben wir….aber die waren ziemlich schwach. Ob das mit der Analyse was wird ist unklar. Ich denke morgenfrüh hab ich die Daten. Wieso fragst du?“ stellte Hartmut die Gegenfrage. „Weil die Tote dort abgelegt wurde, aber nicht erschossen wurde…“ kam von Semir. „Wer sollte auch eine Tote erschießen…“ grinste Hartmut. Semir sah ihn an. „Hartmut…. Bitte….ich hab keine Lust auf diese Wortspiele…ich will den Reifentyp und dann den Wagen wissen, der auf diesen Reifen unterwegs ist..“ befahl Semir. „Ja ist doch gut….nicht mal Scherzen darf man..“ knurrte Hartmut und machte sich wieder an die Arbeit.

    Carla schlug die Augen auf. Wo war sie? Was war passiert? Fragen schossen durch ihren Kopf. Sie drehte ihn und entdeckte einen ihr unbekannten Mann. „Hey…Schatz….willkommen zurück im Leben..“ hauchte er ihr entgegen und wollte sie küssen. Carla zuckte zurück. Wer war er? Was wollte er von ihr? Vor allem aber…wer war sie? „Was ist denn? Du bist in Sicherheit….du brauchst keine Angst zu haben..“ erklärte der Mann sanft. Carla wollte antworten, doch es kam nichts. Kein Ton…nur ein Krächzen war zu hören. „Ganz ruhig…sie dürfen noch nicht sprechen….Sie sind im Krankenhaus… alles ist gut..“ beruhigte eine zweite Stimme. Carla drehte erneut ihren Kopf und sah einen Mann in Weiß. „Herr Jäger….würden Sie bitte kurz aus dem Zimmer gehen..wir werden sie jetzt untersuchen und dann sehen wir weiter..“ wurde der Mann an ihrem Bett aufgefordert zu gehen. Dieser tat es. Der Mann in Weiß zog ihr die Decke weg. „Sie werden mir jetzt zeigen, ob und wo Sie etwas fühlen. Können Sie sich an irgendwas erinnern? Wissen Sie was passiert ist?“ wollte er wissen. Carla schüttelte vorsichtig den Kopf. „Okay….das werden wir gleich untersuchen. Spüren Sie das?“ wollte der Mann wissen und kurz darauf spürte Carla ein Stechen. Sie zuckte zusammen. „Sehr gut….alles okay. Wir werden nun Ihre Fußsohlen testen…Ihnen passiert nichts…keine Angst…“ redete der Mann auf sie ein. Carla fasste Vertrauen. Ein Stich ging durch ihren Fuß und sie zuckte erneut zusammen. „Alles klar…das ist sehr gut…wirklich…damit ist klar, dass Ihre Wirbelsäule in Ordnung ist.“ Lächelte der Mann und zog ein Stethoskop hervor. Er horchte sie ab. „Atmen sie ruhig und tief ein und aus…“ bat er Carla. Sie tat es. Nach wenigen Minuten ließ der Arzt auch hier von ihr ab. „Es sieht alles sehr gut aus. So und nun werde ich Ihnen einiges erzählen. Sie sind in der Uniklinik in Köln. Haben Sie irgendwie Schmerzen?“ wollte der Arzt wissen. Carla schüttelte den Kopf. „Okay..das ist doch schon mal sehr positiv. Das Sie nicht sprechen können, ist normal. Wir haben erst vor kurzem die Schläuche gezogen und der Rachenbereich ist stark gereizt….aber das kommt wieder… Jetzt werden wir noch die Funktionen der oberen Extremitäten überprüfen…spüren Sie das?“ wollte Dr. Geissler wissen und fuhr mit einem Finger über ihren Arm. Carla nickte. „Sie sind wirklich ein Wunder…“ lächelte Geissler. „Versuchen Sie mal die Finger zu bewegen…“ bat Dr. Geissler. Carla probierte es und auch hier bewies sie, dass die Funktion da war. „Sehr schön…..wirklich sehr schön…“ lachte Dr. Geissler. „bis jetzt gibt es keinen Grund zur Besorgnis….Sie bleiben einfach ruhig liegen und lassen sich verwöhnen. Kennen Sie den jungen Mann, der eben an Ihrem Bett saß?“ wollte er wissen. Carla schüttelte langsam den Kopf .Sie war sich nicht sicher, aber was wusste sie schon. Sie wusste nicht einmal wie sie hieß. Und fragen konnte sie nicht, solange die Stimme nicht da war. „Es war Ihr Verlobter…Ben Jäger..“ klärte Dr. Geissler sie auf. Carla sah ihn nur fragend an.

    Am nächsten Morgen war Ben bereits um sieben vor dem Krankenhaus und erfuhr, das Carla bereits auf ihrem Zimmer lag. „Sie finden Frau de Cossa auf Zimmer 308. Allerdings ist der Doktor noch bei ihr….“ erklärte die Schwester auf der Station. „Wie geht es ihr denn? Hat sie es gut überstanden?“ wollte Ben wissen. „Ja..es ist alles in Ordnung.“ beruhigte die Schwester ihn. „Das ist gut….das ist sehr gut…“ nickte er. Etwas weiter oben auf dem Flur sah er Wolfgang sitzen. Er ging hin. „Hallo Wolfgang…ist Isabella auch da?“ fragte er. „Ja…sie ist hier….Ben….ich habe vor dem Abflug noch etwas erfahren. Etwas wegen Isabella…“ ließ Wolfgang verkünden. „ist sie schlimmer verletzt? Hat sie Folgen zu erwarten?“ harkte Ben sofort besorgt nach. „Nein….nein…es geht ihr wunderbar…und unserem Baby…“ strahlte Wolfgang. „Baby? Willst du sagen, dass Isabella schwanger ist und das das Baby den Absturz überlebt hat?“ fragte Ben erstaunt nach. Wolfgang nickte heftig. „ja…das….das wird ein sehr starker Mensch….mein Sohn…..das ist mein Sohn..“ lachte Wolfgang leise und zeigte Ben ein Ultraschallbild. Dieser nahm es und sah ihn dann erstaunt an. „Ähm..ich will dir ja nicht die Hoffnung nehmen, aber ich sehe da nix…“ gab er zu. Wolfgang lachte leise. „Ja…so ging es mir auch….hier…das kleine Ding da…das ist mein Sohn…“ strahlte er und wies auf einen dunklen Punkt. „Ist der nicht etwas klein?“ wollte Ben wissen. „Noch…aber er wächst…und dann….wird er groß….“ Ben sah Wolfgang an, wie stolz er war. „Wie geht es Isabella sonst? Hast sie den Flug auch gut überstanden?“ harkte Ben nach. „Ja…sie werden sie morgen aufwecken….und dann kann ich ihr erzählen, dass sie ein Baby bekommt…unser Baby….unser eigenes Baby….“ Nickte Wolfgang. „Es freut mich für dich…ich hoffe Carla wird auch bald aufgeweckt. Und dann werde ich ihr sagen, dass ich sie heiraten möchte. Euch…also dich und Isabella lade ich natürlich auch ein. Ich denke aber bis dahin vergehen noch ein paar Wochen..“ lachte Ben und sah wie der Arzt aus dem Zimmer kam. „Entschuldige mich…“ bat er und ging auf den Arzt zu. „Ben Jäger…ich bin der Verlobte von Frau de Cossa…wie geht es ihr?“ fragte er. Der Arzt lächelte ihn an und reichte ihm die Hand. „Wie die Kollegen schon in Frankreich sagten…es ist alles Bestens. Ich denke wir werden morgen anfangen sie zu wecken. Wenn Sie wollen, können Sie dabei sein..“ schlug der Arzt vor.

    „Semir! Ben hier….Carla hat den Flug gut überstanden…sie soll morgen geweckt werden…ich werde dann an ihrem Bett sitzen und …“ gab Ben durchs Handy. „Das freut mich. Sag mir Bescheid wenn es wieder alles okay ist…“ bat Semir. „Mach ich…wie weit bist du mit diesem Vogel?“ wollte Ben wissen. „Noch nicht viel weiter. Die Obduktion läuft noch. Vor heute Nachmittag wird sich wohl nicht viel tun. Nun ja…bis dahin schreibe ich ein paar Berichte. Grüß mir unsere schlafende Prinzessin…“ kam von Semir. „Danke das werde ich…bis denn…“ verabschiedete Ben sich. Er fuhr nach Hause und duschte ausgiebig. Er sah auf das Bild von Carla und ihm und streichelte sanft über das Gesicht. „Ich liebe dich, Carla….“ Sagte er leise. Dann ging er duschen und um zehn ins Bett. Schon bald würde der Platz neben ihm nicht mehr leer sein. Carla, so war er sicher würde schon sehr bald wieder bei ihm liegen und dann konnten die gemeinsamen Morgen beginnen. Um sechs riss der Wecker Ben aus seinen Träumen. Doch er war sofort hellwach. Schließlich war es ein großer Tag. Endlich sollte Carla geweckt werden. Die Ärzte in der Uniklinik hatten den Heilungserfolg bei Carla bestätigt und die Schmerzen würden Carla nicht befallen, wenn sie nun aufwachen würde. Er frühstückte schnell und fuhr zur Klinik. Dort wartete man bereits auf ihn. „Dr. Geissler…wie läuft es jetzt ab?“ wollte er von dem Arzt wissen. „nun das ist einfach… wir werden ihr eine Spritze geben und sie aus den Tiefschlaf wecken. Es ist ja kein wahres Koma, sondern ein künstliches. Und gegen das können wir was tun. Allerdings muss ich Sie warnen…es kann sein, dass sie Sie nicht erkennt…das muss Ihnen klar sein.“ erklärte der Arzt. Ben nickte. „Ich weiß…“ sagte er leise. „Wie geht es dann weiter?“ harkte er nach. „Sie bekommt von mir eine Spritze, die die Gehirnaktivitäten wieder ansteigen lässt. Sie können es dort an dem Gerät sogar beobachten, wie es wirkt. Achten Sie auf die Lienen die Ihnen dort angezeigt werden…“ schlug Dr. Geissler vor. Ben nickte. „Es geht natürlich nur ganz langsam. Die Aufwachphase wird einige Stunden in Anspruch nehmen, aber wir dürfen sie nicht direkt aufwecken um einen Schock zu verhindern. Halten Sie ihre Hand um ihr so etwas Geborgenheit zu geben.“ Bat der Arzt. Ben ließ es sich natürlich nicht zweimal sagen. Er sah auf das blasse Gesicht und streichelte es. „ich liebe dich…“ hauchte er ihr leise ins Ohr. Dr. Geissler setzte die Spritze und Ben starrte stundenlang auf die Geräte. Das Piepen wurde schneller. Ben sah die Linien an und bemerkte die Veränderung. „Sie wird wach…“ sagte er leise. „Ja ich sehe es, Herr Jäger… bleiben Sie ganz ruhig..“ lächelte Dr. Geissler ihn an. „Ja sicher….wie lange wird es dauern…? Ich meine bis sie ganz wach sein wird?“ wollte er wissen. „Vier…oder sechs Stunden…es ist nie genau zu sagen….“ kam von Geissler. Carla war schneller als der Arzt dachte. Nach gut drei Stunden schlug sie die Augen auf. Irritiert sah sie sich um und heftete ihren Blick an Ben. Sie lächelte ihn an. „Sie ist wach…Doc…sie ist wach… sie hat mich angelacht…“ strahlte Ben aufgeregt. „Ja ich sehe, dass sie die Augen aufhat, aber sie ist noch nicht ganz da…“ beruhigte ihn der Arzt. „Aber sie ist doch wach!“ widersprach Ben. „Herr Jäger…Komapatienten machen ihre Augen auf ohne zu sehen, was um sie herum passiert. Bis sie vollständig wach ist, vergehen Stunden. Haben Sie etwas Geduld…bitte…“ lächelte der Halbgott in Weiß.

    Ben betrat leise das Zimmer von Semir. Dieser schlief. Zumindest sah es so aus. Ben setzte sich neben das Bett. „Hey…Partner… ich hab es geschafft. Meine Unschuld ist bewiesen. Zumindest was die Überfälle und die Einbrüche angeht. Aber ich…ich weiß dass ich dir… Semir… ich konnte nicht anders… es tut mir Leid…“, Ben schluckte schwer. „Was tut dir Leid?“, fragte Semir leise. „Du bist wach?“, kam erstaunt von Ben. „Ja sicher… so laut wie du bist, da kann man nicht schlafen.“, fing Semir an zu scherzen. „Semir…ich….ich…“, suchte Ben nach Worten. „Nur keine Sorge… so was bringt mich nicht um. Aber du hast ziemlich hart zugeschlagen. Ich weiß dass du es bei normalem Verstand nicht getan hättest. Und wenn ich nicht angekettet gewesen wäre, hättest du keine Chance gegen mich gehabt. Was ist mit Pfeifer?“, wollte Semir sofort wissen. „Anton Pfeifer ist Geschichte. Ich konnte ihn erledigen. Wie geht es dir?“, harkte Ben nach. „Ganz gut, soweit ich es beurteilen kann. Ich weiß nicht, was bei mir alles kaputt ist, aber der Arzt meinte, es würde heilen.“, lächelte Semir. „Du bist…wegen mir fast gestorben. Wie kann ich das jemals wieder gut machen?“, wollte Ben wissen. „Ben…du warst nicht du selbst. Ich nehme es dir nicht übel… wirklich.“, versuchte Semir ihm zu erklären. „Rosa ist auf der Flucht. Aber sie wird nicht an dich heran kommen. Du bist bewacht. Und nun werde erst mal wieder gesund…“, kam leise von Ben. „Schnapp dir dieses Miststück und pack sie dort hin, wo sie hingehört… in den Knast… bekommst du das ohne meine Hilfe hin?“, stichelte Semir bereits wieder. Ben sah ihn gespielt empört an. „Wo denkst du hin? Steh auf und hilf mir gefälligst!“, lachte er. Nur eine halbe Stunde später verabschiedete er sich. „Danke Semir…“, sagte er bevor er das Zimmer verließ.

    Rosa färbte ihre Haare und trat ihren Arbeitsplatz zum ersten Mal an. Krankenschwester im Marienhospital. Sie war aus einigen Bewerbern hervor gegangen um eine offene Stelle zu besetzen. Die Zeugnisse, die sie vorlegte, waren zwar nicht echt, aber das schien hier niemanden zu interessieren. Rosas Dienst begann auf der inneren Station für Männer. Sie sah bereits am Morgen, dass hier Semir Gerkhan im Zimmer 408 lag. „So sehen wir uns wieder…“, sagte sie leise. Jeden Morgen kam sie ans Bett des Mannes der ihren Vater verhaftet hatte. Sie hatte keine Angst, dass er sie erkennen würden. Denn sie hatte sich ziemlich gut verkleidet. Ein paar Pushups und schon war die Oberweite mehr. Kontaktlinsen in anderen Farben ließen ihre Augen verändern und die andere Haarfarbe und der andere Haarschnitt veränderten ihr komplettes Äußeres. Sie freundete sich sogar mit der Frau von Gerkhan an, die täglich mit ihrer kleinen Tochter kam, um ihren Mann zu besuchen. Rosa hatte ihren Plan… Sie wusste nun was Gerkhan das Liebste war.

    Die Woche ging schnell vorbei und Semir erholte sich immer mehr. Andrea fuhr jeden Tag hin und baute ihn auf. Die Wunden heilten langsam und auch sie war froh, dass Ben von der Schuld freigesprochen wurde. „Wo hast du denn meinen kleinen Engel gelassen?“, wollte Semir wissen. „Sie wartet bei den Schwestern. Die sind ganz vernarrt in die Kleine.“, lachte Andrea. „Das ist gut. Aber hol sie doch bitte. Ich meine, ich hab sie so lange nicht gesehen..“ bettelte Semir. Andrea sah ihn lachend an. Also gut… bin gleich wieder da.“, sagte sie und verschwand. Doch wenig später kam sie völlig blass und geschockt zurück. „Aida…! Sie ist weg!! Semir… unser Engel…sie ist weg!!“, stammelte sie völlig verzweifelt. „Was?“, sofort war auch Semir schlagartig aufgefahren, soweit es die Schmerzen zuließen. „Semir... die Schwester... sie ist mit unserer Kleinen verschwunden.“, stieß Andrea aus. Semirs Augen weiteten sich vor Schreck und Entsetzen. Das Schlimmste, was einer Familie nun passieren konnte, war ihm passiert. „Saßen da nicht noch andere Schwestern?“, fragte er. „Semir, die Schwester ist einfach weg.... Ich ruf Ben an.“, meinte Andrea und wählte mit zitternden Händen Bens Handy an.

    „Wo waren Sie den in den letzten Stunden?“ fragte Ben. Peter Liebig sah ihn an. „Sie denken doch wohl nicht, dass ich meine Exfrau getötet habe oder?“ stellte er die Gegenfrage. „Es ist Routine…also wo waren Sie?“ wiederholte Ben. „Hier…meine Haushälterin kann es sicher bestätigen. Sie lag neben mir…“ grinste Peter. Semir sah Ben an. „Sie haben ein Verhältnis mit Ihrer Hausdame?“ wollte Semir wissen. „Ist das etwas was gegen das Gesetz verstößt? Janette ist bereits seit acht Jahren meine Geliebte. Ja…..auch in der Zeit wo ich mit Carola zusammen war….man muss immer mehr Eisen im Feuer halten. Hat Carola Ihnen erzählt was sie vor der zeit mit mir getan hat?“ wollte Liebig wissen. „Das interessiert uns nicht. Kennen Sie sich mit Waffen aus?“ harkte Ben nach. „Nein….ich schieße nicht einmal auf Tontauben..“ verneinte Liebig die Frage. Ben nickte zu Semir. „Womit verdienen Sie denn Ihren Lebensunterhalt?“ wollte Semir wissen. Das Haus war schließlich nicht ohne und von irgendwas musste das Ganze ja bezahlt werden. „Nun…ich will in Ihnen kein Neid wecken, aber ich arbeite für mein Geld. Ich habe mehrere Häuser, die ich vermiete und außerdem eine Autovermietung sowie ein kleines Reiseunternehmen…“ zählte Liebig auf. „Sie brauchen sich keine Sorgen machen…..wir sind nicht neidisch..“ beruhigte Semir ihn ohne auf die Anspielung einzugehen. „Das ist sehr beruhigend. Wenn Sie auf die Anschuldigungen meiner Exfrau eingehen wollen. Wie ich schon sagte, Carola war sehr labil. Sie hat wohl völlig vergessen, dass ich sie aus den Sumpf gezogen habe. Nun ja….Undank ist der Weltenlohn. Möchten Sie ein Wasser trinken?“ bot Peter Liebig an. Semir und Ben lehnten dankbar ab. „Fingen die Anschuldigungen Ihrer Exfrau erst an, als Sie sie betrogen?“ kam von Semir die nächste Frage. „Nun….Carola wusste, dass ich mir Gespielinnen zugelegt hatte. Sie hätte es auch tun können, aber sie wollte nicht. Nun ja…und aus gekränkter Eitelkeit hat sie dann versucht mich fertig zu machen. Ist ihr nicht gelungen, weil ich ihren Zustand hab prüfen lassen. Sie war geistig etwas umnachtet…litt unter Verfolgungswahn und stellte Theorien auf, das ich sie umbringen lassen wolle….so ein Blödsinn..ich tue niemanden etwas an…“ lachte Peter Liebig. Semir nickte zu Ben und sie verabschiedeten sich.

    „Der Typ ist aalglatt…“ stieß Ben wenig später im Auto aus. „Ja... nur das ist nicht strafbar.“ Entgegnete Semir. „Ich sehe doch, dass es dir überhaupt nicht passt….was denkst du?“ wollte Ben von ihm wissen. „Nun ja….das Alibi ist ziemlich dürftig. Was wenn die Beiden die Frau los werden wollten? Dann decken sie sich selbstverständlich gegenseitig... wie gesagt sofern er was damit zu tun hat. Aber das müssen wir ihm erst einmal beweisen. Und dafür müssen wir die Leiche obduzieren lassen…“ grinste Semir. „Na dann….hör mal…wegen morgen….ich würde gern da sein, wenn Carla ins Krankenhaus gebracht wird. Meinst du ich könnte frei bekommen?“ wollte Ben wissen. Semir nickte. „Ich sehe da keine Probleme… und ich denke die Chefin wird dir da kein Stein in den Weg legen. Wir werden sie gleich einfach fragen. Hast du sie denn heute schon gesehen?“ stellte Semir die Gegenfrage. „Nein….ich…also..wir sind doch gleich los…“ gab Ben zu verstehen. Semir nickte. „Du hast sie also nicht begrüßt…na dennoch..fragen wir sie einfach. Semir lenkte den Wagen gemütlich durch den Verkehr bis sie die PAST erreichten. Sie gingen in ihr Büro und ordneten die Obduktion an. Dr. Walter Wegener versprach das Unmögliche und Semir wusste genau, dass er dies möglich machen wird. „So..und nun ab zur Löwin…in die Höhle..“ grinste er Ben an und ging mit ihm zu Kim ins Büro. Ben klopfte an und wartete bis ein „Ja bitte“ ertönte. „Ähm..Chefin..ich…“ fing er an. „Ben…schön das Sie wieder da sind. Ist alles gut gelaufen? Wie geht es Ihrer Freundin…pardon…zukünftige Frau…“ lächelte Kim. „Danke…soweit ist sie wohl auf. Sie ist auch der Grund weswegen ich Sie störe. Carla wird heute nach Deutschland gebracht und ich würde gern…“ erklärte Ben. Kim sah ihn an. „Sie wollen dabei sein…das verstehe ich sehr gut…und ich denke es wäre möglich. Wie denken Sie darüber Semir?“ wandte Kim sich an den Partner. „Das geht schon klar….derzeit ist es ruhig und wenn es meine Frau wäre, dann würde ich auch dort sein wollen..“ lächelte Semir. Kim nickte. „Also gut…Ben…dann begrüßen Sie ihre Zukünftige und versorgen sie sie…aber das wir uns verstehen….ab Montag sind Sie wieder voll im Einsatz..“ gab Kim zu verstehen. Ben sah sie an. „Aber…wir haben heute gerade Dienstag…“ kam erstaunt von ihm. „Ja…Sie haben genau sechs Tage wo Sie sich um Ihre Frau kümmern dürfen…danach ist der Job dran. Reicht das aus, oder brauchen Sie noch mehr Zeit? Sie haben noch jede Menge Urlaub stehen un die Verwaltung wäre sicher froh, wenn dieses Konto auch mal schrumpft..“ lächelte Kim. „Danke Chefin….vielen Dank..“ strahlte Ben und verschwand.

    Während Ben seinen Dienst tat, wurde Carla und auch Isabella auf den Transport nach Deutschland vorbereitet. Dr. Bonnet verfasste die Krankenberichte für die deutschen Kollegen und regelte alles was es zu regeln gab. Die Betten wurden reserviert und die Maschine gechartert. In wenigen Stunden sollte es schon los gehen. Bonnet hatte sich den frühen Abend ausgesucht, wo weniger Maschinen in der Luft waren um die Wartezeit für die Patienten so gering wie möglich zu halten. Noch einmal untersuchte er die beiden Frauen. Diesmal war Isabella zuerst dran. Er horchte sie ab, kontrollierte die Maschinen und ließ Röntgenbilder für die Kollegen anfertigen. „So...Madame...bald sind Sie wieder in den heimischen Gefilden und werden sicher sehr schnell gesund werden. Er setzte den Ultraschall an und fuhr damit den Bauch der Frau ab. Als er die Gebärmutter untersuchte stutzte er. Was war das? Konnte es sein? Noch einmal legte er etwas von der Gleitgel auf und fuhr erneut über den Bauch. „Das gibt es doch gar nicht...wieso ist das denn nicht vorher aufgefallen?“ murmelte er und zog sich die alten Bilder hervor. Er sah sehr genau hin doch tatsächlich war hier nichts zu sehen. „Oh verdammt.....“ stieß er aus. „Das ist ja ein echtes Wunder.....“ hängte er an. Eine Schwester kam herein. „Doktor? Was ist ein Wunder?“ wollte sie sofort wissen. „Diese Frau hier ist schwanger...wenn ich das richtig sehe würde ich sagen...Anfang 2. Monat...“ kam von Bonnet. „Das Kind...hat den Absturz überlebt? Ist das nicht sehr selten...ich meine...sie ...also es...hätte doch...“ fragte die Schwester. „Nun...normalerweise ist es nicht möglich, das ein Embryo so etwas überlebt. Bei der Erschütterung die durch den Körper geht, hätte es eine Fehlgeburt gegeben...aber der kleine Wurm hier, schient sich richtig festzuhalten...“ lächelte Bonnet. „Ob Herr Hilgers es weiß?“ kam nachdenklich von der Schwester. „Ich glaube nicht... hab das Würmchen ja eben erst entdeckt...“ murmelte Bonnet. „Dann sollten wir es ihm sagen, finden Sie nicht?“ „Ich werde ihn gleich anrufen. Aber er sollte sich nicht zuviel Hoffnung machen. Noch kann viel passieren...“ gab er zu bedenken. „Da haben Sie natürlich Recht...“ lächelte die Schwester. „Machen Sie Frau Hilgers und Frau de Cossa bitte Abreisefertig.“ befahl der Arzt und verließ den Raum.

    „Wolfgang... ich freu mich für dich, das Isabella bald wieder wohlauf ist...“ kam von Peter, als Hilgers ihm erzählte, dass Isabella nach Deutschland gebracht werden sollte. „Sie wird wieder ganz gesund, da sind die Ärzte sicher..“ strahlte Wolfgang. Peter nickte. „Willst du nicht bei ihr sein, wenn sie kommt?“ wollte er wissen. „Doch...aber vor heute Abend wird sie nicht landen..“ nickte Wolfgang. Sein Handy unterbrach die Unterhaltung. Wolfgang sah auf dem Display die Telefonnummer des französischen Krankenhauses. „Das ist Dr. Bonnet..“ stieß er aus und meldete sich leise. „Hallo Dr. Bonnet...ist was mit Isabella? Stimmt was nicht?“ fragte er sofort. Angst schwang in der Stimme mit. „Nun...Herr Hilgers...wie man es nimmt... ich habe Ihre Frau noch einmal untersucht und da ist mir etwas aufgefallen..“ Der Arzt machte eine Pause. „Was ist das?“ fragte Wolfgang heiser nach. „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber so wie es aussieht, ist Ihre Frau.....schwanger...“ kam die Antwort. Hilgers schluckte. „Wie...war das?“ fragte er nach. „Sie werden Vater...aber bitte...es kann noch sehr viel passieren. Wenn ich die Entwicklung des Embryos richtig einschätze, dann ist Ihre Frau im 2. Monat. Also noch am Anfang der Schwangerschaft. Aber ich rechne eigentlich mit keinen Komplikationen. Der Bericht für die deutschen Kollegen ist bereits gefertigt und ich habe natürlich auch den Hinweis der Schwangerschaft eingetragen. Ich würde gern gratulieren, aber ich möchte nicht, dass Sie zuviel Hoffnung in die Schwangerschaft legen...“ ermahnte Bonnet. „Danke Doktor...danke...“ gab Wolfgang leise von sich und beendete das Gespräch. Er sah Peter an. Und dieser sah nur die Tränen. „Oh mein Gott…..was ist mit Isabella? Ist sie…?“ fragte er heiser und wollte seinen Freund trösten. „Sie…sie ist…“ kam von Wolfgang. „Was denn? Verdammt was ist mit ihr!!“ schrie Peter, dem die Ungewissheit nervte. „Sie bekommt ein Baby…..sie….sie ist Schwanger….“ weinte Wolfgang. Erst jetzt erkannte Peter, dass es Freudentränen waren.

    „Frau Krüger...das ist doch absurd!! Hypnose? Wissen Sie, wie oft ich diese Ausrede schon gehört habe? Das ist totaler Schwachsinn. Ich weiß, dass man unter Hypnose einiges anstellt, aber dass es so ausartet, dass man seinen eigenen Partner schwer verletzt? Nein... das halte ich für absolut unmöglich. Die Überfälle hat Herr Jäger bei vollem Bewusstsein gemacht! Aber gut... ich gebe Ihnen die Chance, mir das nachzuweisen. Solange wird Herr Jäger aber in Untersuchungshaft bleiben. Wenn Sie es nicht beweisen können, das Herr Jäger unschuldig ist, wird es ein Prozess geben, der dem Polizeiapparat wieder einmal eine große Schlappe einbringt und das wird dem Polizeipräsidenten sicher nicht gefallen. Was ist mit Herrn Gerkhan?“, wollte Stolberg wissen. „Er hat noch einmal großes Glück gehabt. Wir haben herausgefunden, dass sich Anton Pfeifer, das ist der Mann der für alles verantwortlich ist, Herrn Gerkhan bereits bei der Verurteilung Rache geschworen hat. Und wir vermuten, dass Herr Jäger als Werkzeug missbraucht wurde. Herr Stolberg... ich kenne die Beiden. Sie sind die korrektesten Polizisten. Auch wenn ihre Methoden die Fälle aufzuklären manchmal sehr suspekt sind. Bitte.... versuchen Sie...“, fing Kim an. Stolberg lächelte milde. „Frau Krüger... Sie kennen mich. Ich bin hart, aber ich habe auch einen weichen Kern. Schrankmann hat mir die Leitung übertragen. Der Kollege bei der Staatsanwaltschaft mit dem ich derzeit zusammen arbeite, kenne ich seit der Schulzeit. Er hält sich zurück. Sie haben genau eine Woche Zeit. Was ist eigentlich mit dieser Rosa Winter?“, harkte Stolberg nach. „Sie ist spurlos verschwunden. Das ist auch der Grund dafür, dass ich vor dem Zimmer von Herrn Gerkhan Wachen aufstellen ließ. Wir müssen damit rechnen, dass sie sich an Jäger und Gerkhan rächen will...“, erklärte Kim leise. „Wir sollten ihr eine Falle stellen. Wenn Jäger wirklich unter Hypnose stand und sie dafür verantwortlich ist...“, schlug Stolberg vor.

    Kim ging nach der Besprechung zu Oliver und sprach mit ihm. „Und? Was denkst du?“, wollte sie wissen. „Nun ja... wie ich dir bereits sagte, steht er wirklich unter hypnotischem Einfluss.“, erwiderte der Psychologe. „Kannst du ihn davon heilen?“, fragte Kim und Oliver lachte kurz auf. „Kein Problem... nur ich brauche etwas.“ „Was?“ „Ben hat mir erzählt, dass er von dieser Rosa eine CD geschenkt bekommen hat. Darauf, und damit verwette ich mein Honorar, ist das Aktivierungswort, dass Ben in Trance versetzt. Ich brauche diese CD, um ihn in Trance zu versetzen und ihn für immer zu heilen.“, meinte der Psychologe und ging mit Kim den langen Kiesweg um das Präsidium herum. „Was, wenn du ihn nicht heilen kannst?“, fragte sie und sah ihn besorgt an. „Nun, Hypnose ist keine Infektionskrankheit... mit der Zeit, wenn das Wort nicht mehr gebraucht wird, wird er alles vergessen. Unser Unterbewusstsein speichert wesentliche Dinge nur für eine gewisse Zeit und wenn wir sie nicht mehr brauchen, werden sie mit anderen Informationen überspielt.“, erklärte er. „Wie lange kann so ein normaler Genesungsprozess dauern?“, fragte Kim und blieb stehen. „Nun... ein bis zwei Jahre sicherlich schon... zur vollen Genesung. Der Heilungsprozess fängt schon einige Tage nach der letzten Aktivierung an.“, erklärte der Psychologe. „So lange kann der arme Kerl nicht im Gefängnis bleiben... Ich besorg dir die CD.“, meinte Kim. „Ich komme mit.“

    Am Abend standen sie wieder in Stolbergs Büro. „Frau Krüger, was ist denn? Ich wollte gerade Feierabend machen.“, meinte er genervt und schaltete demonstrativ die Lampe auf seinem Schreibtisch aus. „Bitte... nur einige Augenblicke.“, bat sie. „Na gut... Wer ist das?“, fragte er und deutete auf den Herren hinter Kim, der einen CD-Spieler in der Hand hatte. „Das ist Oliver Müller, er ist Psychologe und ein guter Freund. Er hat sich in den letzten Tagen sehr intensiv mit Herrn Jäger befasst.“, erwiderte Kim nur. „Aha. Und, was hat das jetzt mit mir zu tun?“, fragte er. Oliver lächelte nur und kam einen Schritt nach vorn. „Wie ich hörte, glauben sie nicht, dass Herr Jäger unter Hypnoseeinfluss stehen kann und diese Verbrechen bei vollem Bewusstsein begangen hat.“ „Das ist mein Standpunkt, ja.“, erwiderte Stolberg und ließ sich wieder in seinen Bürositz zurückfallen. „Wären sie bereit, mir bei einem Experiment zu helfen? Ich werde ihnen beweisen, dass es sehr wohl möglich ist.“, bat Oliver und lächelte vielsagend. Stolberg drehte genervt mit dem Kopf. „Gut, wenn es sein muss.“, maulte er. „Danke... Kim, sei bitte auch dabei und zeichne alles mit der Kamera auf.“, bat er und reichte Kim einen kleinen Camcorder. Alle drei fuhren dann in die Untersuchungshaftanstalt, wo Ben für die nächsten Tage einsaß. Noch sollte er nicht wissen, dass dies seine letzte Nacht hinter Gittern war.