Steiner sah Kim erschrocken an, als er das hörte. Wieder fiel sein Blick zum Schiff hinüber. Es gab nur einen Ort, von dem aus, sie das Ufer überblicken konnten und das war die Brücke. „Verdammt, sie wollen, dass wir ihnen die Koffer zeigen.“, erklärte Steiner und sah Kim an. „Dann zeigen sie ihnen die Koffer. Das Geld ist doch vollständig für die Geiseln, oder?“, wollte Kim wissen. „Schon, aber...“, er brach ab und nahm die beiden Koffer, klappte sie auf und stellte sie hochkant auf die Kaimauer. „Und? Können sie es sehen?“, fragte Steiner dann in das Funkgerät und wartete nun auf eine Antwort. Einige Minuten kam nichts, doch dann die erlösende Antwort. „Gut, ich sehe, sie spielen fair. Ich halte mein Versprechen. Die Geiseln können von Bord, aber die anderen Drei bleiben hier.“, kam es aus dem Funk, ehe die Verbindung abbrach. „Na toll.“, zischte er und klappte die Geldkoffer wieder zu. „Was ist?“, wollte Kim wissen und sah ihn nur an. „Sie lassen die Geiseln frei, aber die anderen Drei wollen sie behalten. Als Pfand so scheint mir.“, erwiderte er. Kim lehnte ihren Kopf nach hinten und atmete schwer auf. „Und was machen wir jetzt?“, wollte sie wissen. „Erstmal lasse ich die Geiseln in Sicherheit bringen und dann sollen sich die SEK-Taucher bereitmachen. Nur für den Fall der Fälle.“, erwiderte er und instruierte seine Kollegen von der Wasserschutzpolizei.
Ilja sah aus dem Brückenfenster, als sich ein Polizeiboot mit den beiden Koffern näherte. „Okay... holt jetzt die Geiseln hoch und bringt sie auf die Boote. Keinem darf etwas passieren, aber macht auch die Augen auf. Es kann sein, dass diese Bullen versuchen, uns reinzulegen.“, erklärte er Roman und Oliver. „Okay... was sollen wir mit den anderen Drei machen?“, wollte Roman wissen. „Bringt sie in den Saal zurück. Jetzt sind sie unsere einzigen Geiseln. Wir werden einen von ihnen als Garantie benutzen, wenn wir das restliche Geld haben. Die anderen können mit dem Kahn untergehen.“, lachte Ilja und sah, dass die beiden nichts verstanden hatten. „Man, sobald das Geld für diesen Jäger-Sprössling und den Engländer da ist, werden wir das Schiff durch einen Überdruck in den Maschinen in die Luft jagen und sinken lassen. Wir werden uns ein schnelles Boot kommen lassen, mit dem wir dann in die Schweiz flüchten können. So werden sie uns nicht erwischen und von da geht’s ab in die Sonne.“, lachte Ilja. Jetzt verstanden Oliver und Roman und machten sich an die Arbeit. Doch Ilja hatte noch einen anderen Plan. „Warum soll ich teilen?“, dachte er und überlegte sich schon eine Möglichkeit, wie er die anderen drei Kumpanen auch aus dem Weg räumen konnte.
Semir und Ben saßen gefesselt, Rücken an Rücken, und hörten, wie etwas um sie zischte und dampfte. „Verdammt, Ben? Ben, bist du da?“, rief Semir aus und wollte sich zur Seite drehen, doch es ging nicht. „Wer soll denn sonst hier sein? Glaubst du, ich bin der Osterhase oder was?“, knurrte es nur hinter Semir hervor. „Wo sind wir?“, wollte der Jungkommissar dann wissen und sah sich um. „Das dürfte wahrscheinlich der Maschinenraum sein.“, erwiderte Semir und sah dann auf, als die Tür aufging und die beiden Männer reinkamen, die sie hierher gebracht hatten. „So, hier habt ihr was zum Spielen.“, meinte ein der beiden und hantierte an den Ventilen und Hebeln herum. „Hey, lassen sie das oder wollen sie uns unter Dampf setzen?“, fauchte Semir nur, doch der Mann grinste nur, zog aus seiner Tasche eine Rolle Klebeband, riss ein Stück ab und klebte es Semir über den Mund. Ben hörte nur noch gedämpfte Flüche. „Warum musst du auch die Klappe soweit aufreißen?“, fragte er dann, als die beiden wieder gegangen waren. Doch dann merkte er, was die Männer damit meinten. Der Dampf aus den Rohren schoss ihm genau ins Gesicht und Ben hatte das Gefühl dass es heißer wurde. Die Augen finden an zu brennen. „Das ist unfair.“, stieß er aus und zerrte an den Fesseln. Die Feuchtigkeit forderte ihn zum Husten auf und auch Semir schien davon geplagt zu werden, nur wurde es ihm noch mehr erschwert, da er einen Knebel hatte. „Die Mistkerle…“, fauchte Ben wütend. In seinem Rücken war Semir am keuchen. Scheinbar bekam er mehr Dampf ab, als Ben. „Semir… versuch deinen Kopf aus dem Strahl zu drehen…“, ermahnte er ihn.
Christopher sah Ilja an. „Wo sind meine Freunde? Sie sagten, dass Sie mich zu ihnen bringen!“, forderte er erneut. „Ja sicher… nur sagte ich nicht wann. Sehen Sie… die Gäste sind alle weg und nur wir, und Ihre beiden Freunde natürlich, sind an Bord. Was denken Sie wird die Polizei machen?“, fragte Ilja höhnisch. „Richtig…. Sie werden stürmen. Und Sie können sich doch wohl vorstellen, dass ich das nicht möchte. Ihre beiden Freunde gehören zu dem Verein und die Beiden werden mich davor bewahren. Aber Sie haben Recht… dort, wo sie jetzt sind, können sie nicht viel ausrichten…ich werde sie in der Tat hier her bringen lassen…aber nur einen Trick….und ich …“ Ilja ließ die Drohung offen. Christopher schluckte schwer. Er konnte sich vorstellen was der Mann meinte. Dennoch nickte er nur. „Wir haben Hunger… dürfen wir essen?“, bat er. Ilja lachte leise. „Aber sicher doch….es wäre doch schade, wenn die Köstlichkeiten hier alle verderben würden, oder?“, meinte er nur und verließ den Raum. Christopher sah sich um. Doch hier konnte er nicht viel ausrichten, außerdem war er immer noch festgebunden. Würde man ihn, Semir und Ben wirklich zum Essen losmachen?