Gegen 18 Uhr klingelte Svens Handy. „Was willst du denn? Spinnst du mich anzurufen?“, fauchte er als er sah, dass es Arno war, der ihn anrief. „Hör zu…. Es ist wichtig.. Hier ist ein Semir Gerkhan aufgetaucht und der sucht diesen Ben Jäger…. das ist der Typ der bei dir ist. Herlitz ist hier im Hotel und steht unter Polizeischutz!“, erklärte sein Freund. „WAS???“, stieß Sven aus. „Bist du sicher?“, harkte er nach. „Ja sehr sogar… du hast, wenn ich das richtig verstanden habe, Hauptkommissar Ben Jäger, also einen Bullen, in der Gewalt! Ich bin schon dabei, etwas über ihn herauszufinden. Nur du solltest auf gar keinen Fall bei Herlitz senior anrufen. Der ist eingeweiht!“, stieß Anton aus. Sven beendete das Gespräch und warf sein Handy auf den Tisch. „Verdammt!!“, stieß er wütend aus und schlug mit den Fäusten auf den Tisch. Das Glas darauf fiel um. Wütend wie er war, stieg er zu seinen Gefangenen hinab. Er schloss auf und feuerte die Tür an die Wand. Sein Gefangener sah ihn ängstlich an. „Du verdammter Lügner!!“, stieß er aus und trat sofort zu.
Ben zuckte zusammen als die Tür aufflog. Nur wenig später hatte er den Fuß in der Magengegend und stieß einen erstickten Schrei aus. „Du hast mir nicht gesagt dass du Herlitz bist!! Du bist Ben Jäger!! Du bist ein Bulle!! Ich hasse Bullen!!“, schrie sein Peiniger ihn an und trat erneut zu. Ben zuckte bei jedem Tritt zusammen. Er hatte das Gefühl, dass sämtliche Rippen gebrochen waren, als der Mann aufhörte zu treten. Blut trat aus der Nase und wurde von der Serviette im Mund aufgesaugt. „So… und nun sag mir was du gedenkst zu tun…“, fauchte der Mann ihn an. Jetzt zog er ihn die Serviette aus dem Mund. „Ich…ich…hab…nicht behauptet…der zu sein…“, stieß Ben leise unter Stöhnen aus. „Ach soll das etwas mein Fehler gewesen sein? Ich bin nicht Schuld!! Aber es ist ja immer leicht dem Anderen die Schuld zu geben… Bist du ein Bulle?“, wollte der Mann wissen. Ben überlegte kurz. Leugnen schien eigentlich sinnlos zu sein und deshalb nickte er. „Ohhhh Mann…!“, fauchte der Mann und sofort zog Ben sich zusammen. Und tatsächlich kam wieder der Fuß und diesmal traf ihn die Spitze am Kinn. Ben sah Sterne und versuchte das Bewusstsein nicht zu verlieren. Der Mann schien völlig die Kontrolle über sich zu verlieren. Ben spürte die Hände an seinem Hals und wie ihm die Luft abgewürgt wurde. Mit panischen Augen sah er den Mann an.
„Ihr Sohn wird verdächtigt meinen Partner Ben Jäger entführt zu haben. Und bevor Sie sagen, dass es absurd ist, will ich wissen wo er ist!“, erklärte Semir und versuchte dabei ruhig zu bleiben. Zu seinem Erstaunen reagierte der alte Geistdorfer anders als er es eigentlich gedacht hatte. „Dieser verdammte Idiot… Ich wusste, dass es eines Tages sein Gehirn vergiften würde. Seine Sucht nach Geld… Geld und Macht. Vermutlich denkt er, dass Ihr Partner ein reicher Sohn eines noch reicheren Vaters ist….“, meinte er und blies den Rauch seiner Zigarre in die Luft. „Er hat ihn mit Christoph Herlitz verwechselt. Die Beiden sehen sich sehr ähnlich. Wissen Sie, wo Ihr Sohn ist?“, wollte Semir wissen. Geistdorfer stand auf und blickte auf das Meer… „Er sagte mir, dass er mit Marianne, das ist mein Schiff, ein paar Tage zum Segelturn haben wollte. Er sagte mir, dass ein Gast diesen Wunsch hätte… Ich Idiot hab es ihm auch noch geglaubt…“, stieß er wütend aus. Semir sah ihn an. „Herr Geistdorfer wo ist er hin? Das Meer ist verdammt groß…Bitte helfen Sie mir… Bitte…“, flehte Semir regelrecht. „Ich werde ihnen helfen... gar keine Frage, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo mein Sohn mit dem Boot hin wollte. Eigentlich, wenn er Touristen fährt, zeigt er ihnen immer die Inseln Neuwerk und Scharhörn. Aber wenn er ihren Kollegen wirklich entführt hat, dann kann er überall auf der Nordsee sein.“, meinte Geistdorfer und sah, wie Semir resigniert den Kopf sinken ließ. „Aber vielleicht kann ihnen mein Freund Lichtenhagen weiterhelfen... er ist bei der Küstenwache vom BGS... vielleicht hat er etwas gesehen, was ihnen weiterhelfen kann.“, entgegnete Geistdorfer und nahm sein Telefon zur Hand und wählte die Nummer seines Bekannten.
Ben röchelte und wurde langsam rot. Er wusste nicht, wie lange er noch Luft bekommen würde. Dieser Kerl würde ihn umbringen, wenn er nicht... „Warten sie, ich bin was wert.“, keuchte er und klammerte sich an diesen letzten Strohhalm, in der Hoffnung, dass Sven darauf anspringen würde. Sven jedoch sprang nicht darauf an, lockerte nicht einmal mehr den Griff. „Durch Lügen wirst du dich auch nicht retten können.“, schrie er und drückte noch fester zu. „Keine Lüge... mein Vater ... Jäger Invest.“, keuchte Ben noch hervor. Sven sah ihn mit großen Augen an. Was war das? Jäger Invest? Dieser Bulle war ... und wenn das wieder eine Lüge war? Instinktiv ließ er aber los, sodass Ben röchelnd nach Luft schnappte und sich wie ein Aal auf den Boden wand, soweit es die Fesseln zuließen. Endlich hatte er wieder genug Kraft, um sich aufzurichten. „Bitte... mein Vater wird für mich zahlen, was sie verlangen. Lassen sie mich nur mit ihm telefonieren.“, flehte Ben regelrecht und hoffte, dass ihn dieser Irre wirklich telefonieren ließ. Dann würde er mit Semir reden, ihm die Situation erklären und hoffen, dass sein Kollege dann eine Fangschaltung aufbauen konnte, um ihn zu finden und ihn hier raus zu holen. Sven sah auf und schien angestrengt nachzudenken. Dann verließ er die Kammer, kam nach einigen Minuten mit der Pistole und dem Handy in seiner Hand wieder. „Aber wenn das ein Trick sein sollte, bist du schneller Sushi, als du Fischers Fritze sagen kannst.“, zischte Sven und hielt Ben das Handy hin, damit er ihm die Nummer ansagen konnte.