Carla setzte sich auf den Stuhl der neben Isabella stand. Sie sah ihre Freundin an. „Weißt du…als ich nicht mehr wusste wer ich war, wollte ich nicht mehr leben. Wenn ich es jetzt so sehe, dann ziehe ich meinen Hut vor Dir. Du kannst nicht laufen, obwohl die Ärzte doch sicher waren, das es funktionieren würde. Was ist eigentlich passiert?“ wollte sie wissen Isabella lachte bitter. „An diesem Zustand ist mein Ehrgeiz schuld. Die Ärzte hatten mir gesagt, dass ich mir Zeit lassen sollte. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, saß ich noch im Rollstuhl, doch ich wollte es einfach nicht…das André Lyon da ist, ist auch ein Wunder. Oder aber es ist eine kleine Entschädigung für das was ich meinem Körper angetan habe. Alles was ich wollte war laufen…laufen…auf meine eigenen Beine stehen…ich wollte nicht bis zum Ende der Schwangerschaft im Rollstuhl sitzen. Also bin ich gelaufen, immer wenn ich es konnte. Wolfgang hat mich ständig gemahnt, ich solle mich nicht überanstrengen…aber…ich meine du kennst mich… ich will immer alles haben und dafür gebe ich 100 %. Leider habe ich dabei nicht auf meinen Körper gehört. Ich konnte schon die ersten Schritte laufen und wollte die nächste Hürde viel zu früh nehmen. Ich bin die Treppe rauf.. und wollte Andrés Zimmer endlich sehen. Wolfgang hat sich so viel Mühe gegeben und ich wollte einfach nicht warten. Ich bin die Treppen also rauf…und…bin gefallen. Es waren zum Glück für André nur zwei Stufen. Für mich bedeutete es, dass ich für immer im Rollstuhl landen würde. Ich bin auf dem Rücken gefallen, als ich die Stufe nicht richtig traf und habe dabei das vollendet, was bei dem Absturz nur angebrochen war. Der Lendenwirbel brach und beschädigte das Rückenmark. So schwer, dass es irreparabel ist. Aber…mein Leben geht weiter. Und seit André da ist, weiß ich, dass das Leben mit so einem Schicksal weiter gehen kann. Ich bin sehr glücklich…“ strahlte Isabella. André Lyon lag nun in ihrem Arm. Sie sah ihn so zufrieden an. „Er sieht aus wie Wolfgang…nur die Nase…die hat er von mir..“ lachte sie. Carla nickte. „Carla…du und Ben..ihr seid wirklich ein tolles Paar. Auch euer Glück ist doch durch eine Katastrophe auf eine harte Probe gestellt und ihr habt sie gemeistert. Warum heiratet ihr denn nicht?“ wollte sie wissen. Ein leises bitteres Lachen war zu hören. „Er hat mir einen Antrag gemacht, aber…ich habe abgelehnt…“ gab Carla zu.
Sie sah sehnsüchtig nach Ben, der sich mit Semir und Wolfgang angeregt zu unterhalten schien. „Wenn du nicht gewesen wärest…dann wüsste ich vermutlich heut noch nicht wer ich bin, oder was ich war. Das einzige was ich ganz sicher weiß ist, dass ich Ben über alles liebe. Ohne ihn wäre mein Leben völlig leer…“ hängte sie an. Isabella schüttelte den Kopf. „Du bist ein Närrin weißt du das Carla Maria Mercedes de Cossa….du bist völlig verrückt. Lass ihn doch nicht wieder gehen…“ stieß sie aus. Carla drehte sich zu ihr. „Isabella….ich habe Angst…Angst vor diesem Schritt, der für immer ist. Ich weiß nicht ob ich dazu schon bereit bin. Auf der anderen Seite…habe ich unendlich große Angst, dass ich ihn verliere. Nicht das er untreu ist…er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab…er macht alles für mich und…was soll ich tun?“ wollte Carla wissen. „Geh zu ihm….und sag das du ihn liebst und dass du noch einmal darüber nachgedacht hast. Und dass du nun weißt, was du willst….“ schlug Isabella vor. Carla lachte. „Und was will ich?“ harkte sie „Du willst den Mann, den du liebst nicht mehr loslassen…und das geht mit der Hochzeit…und dann kommt das erste Kind…und dann das zweite…, das dritte…ihr werdet eine große Familie haben….“ kam von Isabella zurück. Carla sah sie ernst an. „Aber…was wenn er nicht mehr will?“ stellte sie leise die Frage. „Du hast Angst, dass er nein sagt? Das wird er nicht….ich denke er wird vor Freude an die Decke springen…er würde dich nie verlassen…“ antwortete Isabella. „Woher willst du das wissen?“ „Ich…sehe es ihm an. Er ist überglücklich und du kannst ihn noch glücklicher machen, wenn du seinen Antrag annimmst…Also sei nicht dumm und sag einfach Ja….“ Carla sah zu Ben. Nur kurz trafen sich ihre Blicke und er warf ihr einen Luftkuss zu. „Und wenn er nein sagt?“ wollte sie wissen. Isabella lachte leise. „Warum sollte er denn? Er liebt dich…er hat dir einen Antrag gemacht…warum sollte er es nun ablehnen?“ harkte sie nach. „Weil….weil….ach ich weiß nicht….ich habe einfach nur Angst…“ stöhnte Carla.
