Beiträge von Elvira

    „Aber wenn du mein Vater bist…wer ist dann Papa?“ fragte Alessia verstört. „Er ist dein Onkel. Damals habe ich mit deiner Mutter geschlafen. Wir waren ein Paar und plötzlich….kam ich dahinter, dass sie auch mit meinem Bruder schlief. Und als ich ihn aus dem Weg räumen wollte, da gestand si e mir, dass sie ihn liebt und dass sie sagen wird, es ist sein Kind. Ich könnte nichts tun. Aber ich weiß dass du meine Tochter bist… du bist meine Tochter! Alessia….dein Vater ist dein Onkel...ich bin dein Vater. Und ich werde für dich kämpfen. Mit allen Mitteln…“ stieß Fabrizio aus. Er nahm Alessia in den Arm und drückte sie fest an sich. Doch Alessia stieß ihn weg. „Das ist nicht wahr. Mein Vater hat mir gesagt, dass du Mama vergewaltigt hast und ….dann bei der Polizei gesagt, hast, dass er ein Mörder ist. Was ist mit dem Restaurant? Warst du das? Wolltest du Mama und Papa töten?“ harkte Alessia nach. Fabrizio sah sie erschrocken an. „Nein… ich…ich…“ versuchte er zu erklären, doch er fand nicht die richtigen Worte und Alessia reimte es sich zusammen. Sie stand auf und sah ihn hart an. „Ich will sofort nach Hause!“ forderte sie. „Aber Schatz…Alessia….bitte…. versteh mich doch… deine Mutter hat mir alles genommen, was mir lieb war…sie hat dich mir weg genommen… ich wollte immer Vater sein, und damit mein Bruder mich aus dem Weg schaffte hat er mich verstoßen! Es war ein Spießrutenlauf! Er wollte mich fertig machen!! Verstehst du? Ich will nur meine Rache. Ich habe 17 Jahre gewartet! Und nun hole ich mein Recht!“ fauchte Fabrizio. „Aber….ich dachte…du hast doch gesagt, dass ich…du willst Vater und Mutter töten? Du willst nur deine Rache. ES ging dir nie um mich!! Nie…fahr mich sofort nach Hause!“ forderte Alessia erneut. „Gut…wie du willst…aber nicht jetzt… lass und diesen Tag wenigstens gemeinsam verbringen….ich verstehe dich. Es ist schwer für dich aber ich habe dir die Wahrheit gesagt. Glaube mir bitte.“ versuchte Fabrizio erneut. Doch Alessia schien sich nicht darauf einzulassen. „Ich will sofort nach Hause. Ich will von Papa hören, dass es wahr ist und zwar jetzt!“ fauchte Alessia. Sie stapfte mit dem Fuß auf. Fabrizio lachte leicht auf. „Das hab ich früher auch gemacht, wenn meine Mutter mich etwas nicht machen ließ…“ gab er zu. „Das macht jeder irgendwann mal! Fahr mich nach Hause….Bitte…“ Fabrizio nickte. „Also gut…ich fahre dich heim.“ gab er klein bei. Er strich seiner Tochter über das Haar. „Du bist wunderschön, weißt du das eigentlich? Die Männer müssen dir doch zu Füßen liegen…“ lachte er leise. „Aber wir fahren gleich. Ich muss noch etwas einpacken...warte hier bitte. Und gib mir bitte kurz das Handy...“ hängte er bittend an. Alessia tat es unbewusst. Sie war es gewohnt Erwachsenen zu gehorchen. Und gegen Fabrizio hegte sie kein Misstrauen.

    Semir wurde wach und sah sich erstaunt um. Der Raum in dem er sich nun befand war anders. Er lag immer noch auf einem Bett, doch es roch anders. Deutlich waren Moder und Schimmel zu riechen. Er lag nicht ganz flach und konnte alles sehen. Es gab kein Fenster oder aber es war völlig zugemacht worden. Seine Hände waren seitlich mit Seilen gefesselt und nun trug er ein Knebel. Warum? Hatte der Mann, der ihn hier festhielt Angst, dass man ihn hörte? Dann musste er versuchen den Knebel loszuwerden. Doch wie? Ohne Hände war es nicht möglich. Den Kopf konnte er drehen aber bei jeder Bewegung spürte er einen Druck. Wenn er ihn anhob wurde ihm schlecht. Schon jetzt bekam er einen Würgereiz. Die Rippen schmerzten, die Handgelenkte brannten und das Bein pochte. Doch Semir war froh überhaupt etwas zu spüren. Und noch etwas spürte er Hunger und Durst. Er hatte Hunger…sein Magen knurrte extrem. Auch wenn er wusste, dass er von dem Mann vermutlich wieder ein Schlafmittel verabreicht bekam. Noch immer wusste er nicht, was der Mann mit ihm vorhatte. Laufenlassen sicher nicht. Immerhin konnte er ihn beschreiben. Wann kam sein Peiniger und brachte ihm etwas? Kam er überhaupt zurück? Vielleicht hatte er Semir zum Sterben hier gelassen? Semir versuche sich aufzurichten und bewegte dabei sein gebrochenes Bein. Ein tiefes schmerzerfülltes Stöhnen stieß er aus und atmete heftig. Er hob den Kopf und sah dass sein Bein extrem geschwollen war. Immer noch steckt der Fuß in dem engen Schuh was die Schmerzen verstärkte. Wenn er wenigstens den Schuh ausziehen könne...das gäbe immerhin etwas Erleichterung. Doch er bräuchte noch wo anders eine Erleichterung. Der Druck auf der Blase war extrem. Da er bisher nicht sehr viel getrunken hatte, ging es aber irgendwann war sie überfüllt und Semir hatte das Gefühl das sie gleich platzen würde. Irgendwann schloss er die Augen und schlief ein. Er war so unendlich müde. Auch kam die Übelkeit in ihm auf. Mit knurrendem Magen schlief er ein.

    Wow...Gesundheit...Du bist ja so nass? Hast du etwa im Regen gestanden?“, fragte der Deutschtürke mit schelmischem Gesicht. „Nein, ich habe mit einer Seerobbe Unterwasserknutschen geübt. Natürlich hab ich im Regen gestanden.“, fauchte Ben.

    Ja ja... Schadenfreude ist die größte Freude...schäm dich Semir...

    Aber nun schlägt das Bauchhirn ja wieder zu...ich habe eine böse Ahnung...eine ganz böse Ahnung....

    „Hey Ben...“, flüsterte Carla nur und ruckelte an ihrem Mann, während die Musik lief. Er schreckte auf. „Was...was ist?“, wollte er wissen. „Du bist eingeschlafen...mein großer Held.“, lächelte sie und küsste ihn liebevoll auf die Stirn. „Entschuldige, aber ich bin etwas müde. Der Dienst war doch sehr anstrengend.“, rechtfertigte er sich. „Ich verstehe...komm, versuch dich mal ein bisschen zusammenzureißen und lass ein bisschen Kultur in dein Raser- und Autoherz hinein.“, grinste sie nur und küsste ihn innig. Ben versprach es durch ein Nicken und versuchte sich auf die Musik und das Orchester zu konzentrieren. Ihm fiel der junge Geiger in der ersten Reihe auf, der sich angespannt auf sein Spiel, den Stab des Dirigenten und die Noten konzentrierte. Der junge Hauptkommissar sah, wie die Finger und der Bogen über die Saiten der Violine schnellte. Wow...dachte Ben nur und musste gestehen, dass dieser Mann ein Genie war. „Wirklich außergewöhnlich...“, meinte er zu Carla. „Ja, der Mann scheint ein wahres Wundertalent zu sein.“, entgegnete sie nur und liebkoste ihren Mann am Hals, bis zum Dreitagebart hinauf. „Hmm, das ist gut, aber wir sind nicht allein...“, hauchte er angeheizt. Sie lachte kurz auf, was ihnen ein „Shhhhht“ aus sämtlichen Richtungen einbrachte. „Ist ja gut...Wir machen zu Hause weiter...“, grinste sie nur und schmiegte sich zur romantischen Musik von Carmen an ihren Ben ran. Immer wieder sahen sie zu dem jungen Violinisten, der so konzentrisch spielte. Ben wusste noch nicht, dass er diesen Violinisten in einigen Monaten wiedersehen sollte.

    Benjamin Klaasen sah sich verschwitzt um. Die Maske hatte er noch in seinen mit Handschuhen verborgenen Hand. Was sollte er jetzt tun? Er wollte doch nur ein bisschen Nervenkitzel und nun das. Vielleicht sollte er doch wieder mit Bungeejumping anfangen. Das war genau so nervenkitzelig und war obendrein noch legal. „Nein, ich mache das nicht mehr...ich...ich werde mich stellen.“, sagte er zu sich und zog die Karte des Polizisten vor, die er hatte mitgehen lassen. Noch einmal atmete er tief ein und aus und wählte die Nummer. „Gerkhan…“, meldete sich der Mann. „Entschuldigen Sie bitte Herr Gerkhan..ich hoffe Sie haben die kleine Narkose gut überstanden. Ich …ich wollte Sie nicht verletzen, aber ich hab den Kopf verloren, als ich gesehen habe, dass Sie ein Polizist sind….“, erklärte Benjamin. „Bitte was? Sie sind der Kerl der….wo sind Sie? Wenn Sie was für sich tun wollen, dann stellen Sie sich! Machen Sie eine Selbstanzeige.“, schlug Gerkhan vor. „Na…so einfach wollen wir es uns nicht machen..Nehmen Sie meine Entschuldigung an?“, harkte Benjamin nach.. „Wenn Sie mir die persönlich geben ja…wir können uns auch treffen.“, schlug Gerkhan vor. Benjamin grinste. Der Mann war wirklich pfiffig, aber in den Knast wollte er nicht. Benjamin beendete das Gespräch.

    Kim Krüger sah auf, als Semir ins Büro kam. „Semir!! Was bitte ist an meinem Befehl nicht zu verstehen? Ich sagte, Sie sollten die Parkplätze überprüfen! Nicht dem Kerl eine Falle stelle!“, fauchte sie sofort los. „Chefin….“, versuchte Semir. „Nein...Sie werden mir jetzt zuhören…Ab sofort verlange ich von Ihnen, dass Sie sich an die Anordnungen, die ich Ihnen gebe halten… und zwar 100%ig! Ist das diesmal angekommen?“, ging es bei Kim weiter. „Ja…Chefin...ich kann es erklären.“, kam der zweite Versuch von Semir. „Ich weiß genau was passiert ist! Im Gegensatz zu Ihnen halten sich Herzberger und Bonrath an die Vorschriften und Anweisungen. Sie können sich eine Scheibe davon abschneiden!“, erklärte Kim. Die Stimme senkte sich bereits in der Lautstärke. „Ja Chefin…ich entschuldige mich. Aber ich dachte wirklich, dass ich ihn so bekomme. Dass er mich selbst matt setzt ist mein Fehler gewesen. Ich konnte nichts gegen das Chloroform tun…“, gab Semir nun endlich zu. „Nun…ich hoffe, Sie haben aus dem Vorfall gelernt und halten sich künftig an die Befehle. Können Sie den Kerl beschreiben?“, wollte Kim wissen. „Leider nein. Er hat mich von hinten gepackt und den Lappen ins Gesicht gedrückt…keine Chance. Als ich aufwachte, war er weg. Aber er hat mich eben noch angerufen und sich entschuldigt. Leider hat er seine Telefonnummer unterdrückt.“, erklärte Semir weiter. Kim sah ihn an. „Er hat Sie angerufen?“, fragte sie erstaunt nach. Semir nickte. „Ich werde den Kerl dingfest machen, das schwöre ich Ihnen. Es wird Zeit das der Kerl aus dem Verkehr gezogen wird…“, versprach Semir. Kim lächelte. „Aber an die Vorschriften halten.“, ermahnte sie ihn erneut. Semir verbeugte sich tief. „Jawohl!!“, grinste er. „Machen Sie Feierabend...“, lachte Kim. Semir verschwand. Er ahnte nicht, das vor der Haustür bereits Besuch wartete, mit dem er nicht rechnete.

    Ben war froh, als das Konzert endlich vorbei war. Carla sah ihn an. „Du bist ganz schön müde, was?“, fragte sie. „Ja etwas…aber für dich würde ich sogar die Nacht durchmachen. Was macht mein Sohn?“, grinste Ben. „Meine Tochter…Ben…du hast heute Morgen gefragt und heute Mittag und am Abend...du kannst mich tausend Mal am Tag fragen.. ich kann dir nichts sagen, weil ich noch nichts spüre. Aber das wird sich ändern. Wenn der Bauch wächst und das Kind anfängt zu treten. Dann darfst du sogar deinen Kopf auf meinem Bauch betten und mit ihr sprechen…“, lachte Carla. Ben sah sie an. „Mit ihm… meinst du wohl…. Wir müssen uns noch Namen ausdenken….du für das Mädchen und ich für den Jungen…“, schlug Ben fragend vor. Carla lachte. „Ben…. Wir haben doch alle Zeit der Welt….es ist gerade mal der dritte Monat….und wir haben noch ein ganzes halbes Jahr Zeit um uns Namen auszudenken. Ich würde sagen, wir machen das wenn wir wissen was es ist. Hältst du noch drei Monate aus?“, wollte Carla wissen. „Ich sterbe vor Neugier. Wann hast du denn die nächste Untersuchung? Kann ich dabei sein?“, bat Ben. Carla nickte. „Ja sicher….auf dem Ultraschall kannst du schon die Ärmchen sehen und die Beinchen… Es sieht zwar noch nicht aus wie ein Mensch, aber der Doc hat mir gesagt, dass es völlig normal ist…“, erklärte Carla. Ben hielt ihr die Tür des Autos auf und wartete bis sie saß. „Du bist ein echter Kavalier…“, strahlte sie. Ben beugte sich zu ihr und küsste sie. „Nur für dich. Nur für die schönste Frau der Welt…für meine Frau…“, lachte er leicht.

    Ben und Tanja kamen mit dem SEK knappe zehn Minuten später an der Wohnung an. Sie stürmten sofort und durchsuchten die Wohnung. „Nichts! Er ist nicht hier! Verdammt!“ fauchte Ben. Er ging ins Wohnzimmer und sah sich dort um. Tanja nahm sich einen anderen Raum zu. „BEN!!“ schrie sie wenig später. Sofort rannte er in den Raum. Tanja saß auf einem Bett und sah ihn geschockt an. Dann hob sie den Ausweis von Semir hoch. „Er war hier!“ stieß sie aus. „Wir sind zu spät…verdammt...die haben sich mit Semir aus dem Staub gemacht! Weil Sie unbedingt auf das SEK warten wollten!! Wir hätten ihn hier rausholen können, wenn Sie nur etwas gewagt hätten!! Sie sind eine absolute Null!! Aber ich sag Ihnen…wenn durch Ihr dämliches Verhalten Semir nicht gerettet werden kann, dann können Sie sich am besten auf den Mond verstecken….denn hier auf der Erde wird es keinen Ort geben wo ich Sie nicht finde!!“ schrie Ben wütend und trat gegen die Wand. „Ben…ich…es …“ erklärte Tanja, doch sie schwieg als Ben sie ansah. „Ich will nichts hören! Ich weiß nur, dass wenn wir ein paar Augenblicke früher hier gewesen wären, meinen Freund hätten retten können!“ stieß er wütend aus. „Das wissen wir doch gar nicht!! Semir kann vor Stunden hier gewesen sein!!“schrie Tanja nun zurück. Sie verstand, dass Ben ausrastete, aber den Fehler konnte er ihr nicht anlasten. „Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren. Am besten informieren wir die Spurensicherung und dann werden wir die Suche nach Semir ausweiten. Wir finden ihn...“ redete sie auf Ben ein. „Ja sicher! Wenn er tot ist oder was? Verdammt...wir hätten hier direkt herfahren sollen...aber dieser Paulsen wird mich kennen lernen, das schwöre ich…er wird mich kennenlernen...“ stieß Ben hart aus. Tanja sah zu Boden. „Es tut mir Leid…vielleicht war es aus Ihrer Sicht falsch auf das SEK zu warten, aber wir wissen auch nicht, ob Semir eben erst von hier weg gebracht wurde. Vielleicht ist es schon länger her…“ versuchte sie ihn zu überzeugen. Ben sah aus dem Fenster. Er konnte dieser Logik nicht absagen. Sicher war es möglich, das Semir schon längere Zeit vor ihrem Eintreffen weggebracht wurde, aber was wenn nicht? „Wir müssen ihn finden…verdammt wo kann er denn sein?“ fragte er leise. Tanja kam zu ihm und legte die Hand auf seine Schulter. „ich weiß es nicht aber wenn wir diesen Paulsen bekommen, dann wird er es uns sagen. Ich bin Verhörspezialistin…“ lächelte sie ihn aufmunternd an. Ben nickte nur. „Dann sollten wir uns hier auf die Lauer legen. Er wird sicher kommen. Nur mit dem ganzen Aufgebot ist es schwer unauffällig zu bleiben.“ gab er zu bedenken. Tanja stimmte ihm zu. Sie schickte das SEK vor die Tür in Bereitschaft. Sie sollten die Wagen wegfahren und alles wie sonst auch aussehen. Nur Ben und Tanja bleiben in der Wohnung und warteten auf den Eigentümer.

    Moritz Paulsen kam nur einige Minuten nach Ben nach Hause. Das SEK war bereits wieder abgezogen und so sah er nicht, was sich in der Wohnung tat. Die Leiche von Meurer hatte er auf der Müllhalde entsorgt und wollte sich nun um den Polizisten kümmern. In wollte er einfach vor einem Krankenhaus ablegen oder an der Autobahn. Einen anonymen Notruf absetzen und fertig. So wollte Fabrizio es ja. Wieso dieser Mafiaboss so darauf erpicht war den Bullen laufen zu lassen, verstand er nicht. Der Kerl konnte ihn identifizieren und dann war er dran. Er musste ihn beseitigen. Er konnte ihn nicht laufen lassen. Niemals… dachte er nur. In Gedanken verloren schloss er die Tür auf und betrat seine Wohnung. Doch er konnte gerade mal einen Schritt machen, als ihn jemand angriff. Moritz war so erschrocken, dass er sich nicht einmal wehrte. Ihm wurden die Arme auf den Rücken gedreht und dann rasteten die Handschellen ein. „Moritz Paulsen…ich verhafte Sie wegen Freiheitsberaubung und versuchten Mord …“ stieß der Mann aus. „Was? Wer sind Sie?“ harkte Moritz nach. „Ben Jäger…Kripo Autobahn….wo ist mein Kollege?“ harkte der Polizist nach. Moritz stutzte. Was sollte das heißen, wo war der Kollege? Der lag doch im Nebenzimmer… „Nebenan…“ gab Moritz von sich. „Da liegt er nicht mehr! Wo ist er?“ harkte Jäger nach. „Ich weiß es nicht…als ich gegangen bin, war er da!“ behauptete Paulsen weiter. Er wurde auf die Beine gezerrt und erst jetzt bemerkte er die zweite Person. Eine hübsche junge Frau. „Hey..wer bist denn du süße Maus…?“ fragte er. Die Frau trat einen Schritt auf ihn zu. „Jemand der dir die Hölle heiß macht, wenn du mich weiter so anschaust….“ Sie hob den Ausweis. „Tanja Herzog…LKA…Wo ist unser Kollege? Ich frage nicht noch einmal!“ drohte die Frau. „Hey…Baby..auf dem Strich würdest du sicher mehr verdienen als bei den Bullen…“ lachte Moritz und schnalzte mit der Zunge. Doch bevor er sich versah, hatte er eine Faust im Magen. Mit einem Aufschrei ging er zu Boden und stöhnte vor Schmerzen. Die Kripobeamtin hatte ihm mit voller Wucht getroffen. „Uops…eine leichte Zuckung…Sorry…“ verhöhnte sie ihn. Langsam kam er wieder auf die Beine. „Das wird dir noch leidtun, das schwöre ich dir…“ stieß er aus. „Sehr schön…Ben…meinst du nicht, dass ich einen Grund habe ihn zu verhaften? Er bedroht mich…“ kam von der Frau. Moritz sah den Mann an, der sich bisher hinter ihm hielt. „Das habe ich ja bereits gesagt…er ist verhaftet… tätlicher Angriff auf einen Polizeibeamten….und Beleidigung…das reicht für einen Haftprüfungstermin…“ stellte der Mann fest.

    Na gut...ausnahmsweise....Nachtmahl... aber ob es euch dann besser geht? Ich weiß nicht... :D:D

    „BEN!! ICH HAB WAS!!“ rief Susanne plötzlich und riss ihn aus seinen Gedanken raus. Auch Tanja die bis jetzt nur auf den PC gestarrt hatte sprang auf. Beide gingen zu Susanne. „Hier....Moritz Paulsen....er hat ein kleines Landhaus in Hürth....an der Friedischhain 38 angemietet....und....er ist wegen mehrere Delikte gegen das BTM doch vorbestraft....“ strahlte sie. Ben griff seine Jacke. „Dann werden wir mal hinfahren und anschauen wer unser Herr Paulsen ist. Wie hast du das herausgefunden?“ wollte er von Susanne wissen. „Ich hab ne Mail erhalten...unbekannter Absender..... er hat mir geschrieben, dass ich Paulsen dort finde...bitte Ben...beeilt euch!“ flehte Susanne. Ben nickte und rannte mit Tanja raus. Die Fahrt nach Hürth dauerte ihn viel zu lang und immer wieder sah er auf die Uhr. „Cobra 11 für Zentrale!“ hörte er dann Kim rufen. „Chefin...Ben hier. Wir haben eine Spur und hoffen Semir zu finden...“ erklärte er sofort. „Susanne hat mich bereits informiert. Haben Sie das SEK im Einsatz?“ harkte Kim nach. „Nein... wir werden uns erst einmal umsehen....“ widersprach Ben. „Ben! Sie werden auf das SEK warten. Ich werde es zu Ihnen schicken. Vorher werden Sie nichts unternehmen! Haben Sie das verstanden?“ wollte Kim wissen. „Ja...Chefin...verstanden...“ knurrte Ben. Er sah zu Tanja die leicht lächelte. „Sie hat Recht. Wir wissen nicht was uns erwartet und ich mag nicht mein Leben in Gefahr bringen..“ gab sie zu. Ben nickte. „Klar... ist ja nur Semir der dort vielleicht festgehalten wird...“ meinte er missgelaunt. „Sie sagen es ... vielleicht... wenn nicht? Was wenn wir nur einen harmlosen Bürger antreffen, der zufällig den gleichen Namen trägt wie ein Verbrecher? Die Mail könnte ein böser Nachbar geschrieben haben ...“ gab Tanja zum Nachdenken. „Das denke ich nicht. Der Fall ist nicht in der Öffentlichkeit bekannt. Woher sollte der Nachbar wissen, das wir einen Moritz Paulsen suchen?“ setzte Ben dagegen. Tanja wog den Kopf. „Auch wieder wahr.“ kam nachdenklich von ihr. „Aber was wenn wir in eine Schießerei geraten? Wir haben keine Möglichkeit uns zu schützen...wir warten..“ sagte sie nun entschlossen. Ben sah sie an. „Ich werde mich umsehen...ob nun mit oder ohne SEK..“ ließ er verlauten. „Ben...ich habe die Einsatzleitung und ich sage wir warten...und damit Sie nicht auf dumme Gedanken kommen, werde ich hier auf diesem Parkplatz auf das SEK warten!“ legte Tanja fest und fuhr tatsächlich raus. „Sind Sie wahnsinnig!!! Jede Sekunde kann Semir das Leben kosten!“ schrie Ben.

    Fabrizio fuhr zum Internat wo Alessia untergebracht war. Ein teures Internat, das musste er zugeben. Sein Bruder hatte für seine Tochter alles getan. Heute war Freitag und heute würde Alessia eigentlich nach Hause fahren. Doch er wollte sie abfangen und mit ihr sprechen. Er wollte ihr sagen, dass er ihr Vater war und nicht Victor. Alessia hatte ein Recht darauf zu erfahren was wirklich passiert war und er, Fabrizio, wollte es heute in Angriff nehmen. Dann sah er sie. „Alessia!“ rief er. Das Mädchen sah ihn an. „Ja...?“ fragte die 16jährige. „Ich bin Fabrizio...“ stellte er sich vor. Alessia musterte ihn. „Ich kenne Sie nicht oder?“ harkte sie etwas skeptisch nach. Ihre Hand verschwand in ihrer Tasche und Fabrizio wusste schon, was dort drin war. „Warte... ich werde dir sagen, wer ich bin. Ich bin Fabrizio Graziano....ja...ich heiße wie du mit den Namen. Ich bin der Bruder von Victor...“ ließ er verlauten. Alessia sah ihn nach wie vor an. „Sie sind mein Onkel?“ wollte sie wissen. Fabrizio schluckte. „Nein...ich...ja... ich meine...“ er hatte Angst. Was wenn er der jungen Dame erzählte, dass er ihr Vater sei? Würde das sie nicht verschrecken? „Darf ich dich einladen? Kaffee...oder Tee...oder zum Eis?“ schlug er vor. Alessia sah auf die Uhr. „Normalerweise muss ich um vier daheim sein...meine Eltern sind ziemlich streng was das angeht.“ Kam von Alessia. „Ja ich weiß....Victor hat viel von unserm Vater übernommen. Ich bringe dich heim...wirklich...“ versprach Fabrizio. Alessia stimmte ein. Sie ging mit ihm mit und stieg in seinen Wagen. Die Fahrt endete an einem gemütlichen Kaffee in der Frechener Innenstadt. „Wenn du mein Onkel bist, kannst du mir sicher erklären warum du nicht gern gesehen bist und warum man deinen Namen nicht nennen darf. Mein Vater sagt immer, jeder der deinen Namen in den Mund nimmt, ist des Todes...das macht mir manchmal Angst. Hast du wirklich war mit meiner Mutter gehabt? Ich meine...so wird es erzählt. Ich glaube es ja nicht aber...“ wollte Alessia wissen. Fabrizio lächelte bitter und rührte in der Tasse. „Ja...ich hatte was mit deiner Mutter...und...Alessia...ich...ich wünschte ich könnte es dir anders beibringen, aber hast du deine Mutter mal gefragt, was passiert war?“ wollte er wissen. „Ja und sie sagte, es wäre ihre Angelegenheit und ich soll mich damit nicht belasten...“ nickte Alessia. „Weißt du eigentlich was dein Name bedeutet?“ lächelte er plötzlich. „Er bedeutet Mitternachtssonne...ich finde es ganz toll..... Onkel Fabrizio...was ist damals passiert? Bitte sag es mir...“ flehte Alessia regelrecht.

    Victor Graziano saß nachdenklich in seinem Arbeitszimmer. Gina war noch im Krankenhaus. Sie hatte ein paar Verbrennungen die behandelt werden musste. Alessia war noch im Internat und würde erst am Freitagabend hier sein. Bis dahin muss er ...Fabrizio....er war es, der ihn angerufen hatte. Es war durchaus denkbar, das Fabrizio wieder zurück war und nun sein Recht einforderte. Er musste es verhindern. Er musste herausfinden wo Fabrizio steckte. Die Bullen suchen ihn sicher auch schon. Er musste schneller handeln. Er musste ihn zuerst finden. Doch zuerst mussten Gina und Alessia in Sicherheit gebracht werden. Er rief seine Leibwächter zu sich. „Hört mir genau zu... ich werde es nur einmal sagen und jeder der sich nicht daran hält wird von mir persönlich unter die Erde gebracht. Ich vermute dass mein Bruder versucht mich und meine Familie zu töten. Ihr werdet meine Frau und meine Tochter nicht mehr aus den Augen lassen. Sie werden keinen Schritt mehr ohne Bewachung machen!“ erklärte er schroff. Die vier Männer nickten nur und stellten keine Fragen. Sie wussten, dass es nicht umsonst geschah, wenn der Patron einen solchen Befehl gab. „Okay...ab sofort werdet ihr mir dafür verantwortlich sein!“ hängte er an. Nachdem die Männer aus dem Büro waren griff er zum Telefon. Die Nummer hatte er schon lange nicht mehr gewählt, aber irgendwie war es doch an der Zeit. „Hallo Marco...ich bin es Victor Graziano...ich denke du erinnerst dich noch an mich...oder?“ harkte er nach. „Ja...Ja...Patron...wie kann ich dich vergessen. Wie geht es dir?“ wollte der Angerufene wissen. „Danke ich kann eigentlich nicht klagen. Im Augenblick hab ich es im Rücken, aber deshalb rufe ich dich nicht an. Fabrizio ist wieder da..“ gab Victor bekannt. „Wie kommst du darauf?“ kam die Frage von Marco. „Weil ein Anschlag auf mich verübt werden sollte, dem ich gerade noch entgangen bin. Ich bin mir sicher, dass Fabrizio dahinter steckt. Ich will wissen wo er ist und du sollst es für mich raus finden. Und zwar pronto!“ erklärte Victor. „Selbstverständlich. Wenn er in Deutschland ist, dann erfahre ich es...versprochen. Was willst du machen wenn du weißt wo er ist?“ harkte Marco nach. „Dann werde ich dieses Übel ein für alle Male aus der Familie löschen. Und zwar bevor es einen weiteren Anschlag gibt.“ fauchte Victor. „Ich rufe dich zurück, sobald ich etwas weiß..“ versprach Marco. Victor legte auf. Er wusste dass er sich innerhalb der nächsten Stunden auf heiße Gespräche mit seinem Bruder bereit machen musste. Es dauerte nur wenige Augenblickte bis das Telefon klingelte. „Ja...?“ meldete er sich. „Fahr nach Hürth...An der Friedischhain 38...dort wirst du deinen Bruder finden und seinen Helfer...“ kam lediglich durch. Victor legte auf und rief seine Truppe zusammen. Nur wenig später waren die Männer unterwegs nach Hürth.

    Susanne tippte gerade den Namen Liane Winter in den PC als Ben und Tanja eintraten. „Ich habe die Daten…sie ist vorbestraft. Prostitution, Erpressung...Trunkenheit am Steuer...Fahren ohne Führerschein...oh...die Dame hat ja mehr auf dem Kerbholz als ihr Bruder. Ihr Dealer heißt Moritz Paulsen...“ stieß sie wenig später aus. Tanja schlug ihr sanft auf die Schultern. „Nun kommen wir doch der Sache etwas näher. Dann überprüfen wir diesen Paulsen doch mal direkt..“ lachte sie erleichtert. Susanne nickte und machte sich an die Arbeit. Doch egal was sie auch eingab. Moritz Paulsen schien keine Akte zu haben. Er war scheinbar sauber. „Das kann doch eigentlich nicht sein...er dealt und soll sauber sein? Da stimmt doch was nicht...“ kam nachdenklich von Tanja. „Das ist ja seltsam…aber gut…“ Susanne ließ die Finger knacken und tippte auf ihren PC herum. Tanja sah ihr über die Schulter und staunte nicht schlecht, als sie sich den Zugang zum BKA-Zentralrechner verschaffte. „Oh…“ stieß sie aus. „Haben Sie etwas gesehen?“ wollte Susanne wissen und lächelte. „Nein…nein..ist alles okay…“ kam von Tanja. „ich werde niemanden etwas sagen, wenn Sie damit Erfolg haben und wir Semir finden...“ gab sie zu verstehen. Susanne lächelte. „Danke...“ kam leise über ihre Lippen. „Dann wollen wir doch mal sehen, was wir über diesen Herrn Paulsen haben.“ murmelte Tanja und sah auf den Bildschirm. Sie wurden enttäuscht. Gegen Paulsen lag absolut nichts vor. Tanja sah Susanne an. „Da stimmt doch was nicht...“ murmelte sie nachdenklich. „Ja nur bringt uns das im Augenblick nichts.“ Kam von Susanne. „Nicht so…das stimmt…aber ich kenne da auch noch einen Trick. Darf ich mal kurz an Ihrem PC?“ bat Tanja. Susanne nickte und stand auf. „Habt ihr schon was?“ wollte Ben wissen. „Wir sind dabei…“ stieß Tanja aus. Ben ging zurück in sein Büro. Verdammt…seit zwei Tagen war Semir verschwunden und es gab immer noch keine Spur. Er sah auf die Uhr. Der zweite Tag war fast vorbei. Wie ging es Semir wohl?

    Oh Oh Semir..irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass die das Lachen bald vergeht....was die Typen vorhaben ist ja nicht gerade erbauend...die sollten sich besser nciht mit dem türkischen Hengst anlegen....das wird gefährlich...für sie... :D

    Tanja und er fuhren zurück. „Sehen Sie...Herr Graziano weiß gar nichts. Diesen Weg hätten wir uns sparen können. Und mit Semirs Verschwinden hat er sicher auch nichts zu tun..“ erklärte sie als sie zurück zur PAST fuhren. „Sie glauben doch wohl nicht, dass er Semir ausgerechnet in seinem Haus versteckt. Oh nein...so einfach mache ich es ihm ganz sicher nicht. Er steckt da mit drin und er weiß auch wo Semir ist. Das mit der Führung durch das Haus sollte nur Ablenkung sein..“ knurrte Ben. Tanja schüttelte den Kopf. „Ich weiß das Graziano mehrere Grundstücke hat aber das sein Bruder dahinter steckt ist schon ziemlich weit hergeholt. Und ich denke nicht, das er so mir nichts dir nichts nach Deutschland kommt um dann seinen Bruder zu töten.“ Dachte sie nach. Ben sah sie von der Seite her an. „Für Sie ist jeder unschuldig oder? Was denken Sie denn steckt hinter Semirs Verschwinden?“ wollte Ben wissen. „Das weiß ich nicht...aber wenn wir uns auf diesen Meurer fixieren, dann haben wir sicher auch Semir gefunden. Immerhin ist er dort ja auch verschwunden..“ antwortete Tanja. Ben lachte verächtlich auf. „Schon mitbekommen, dass Frau Winter tot ist und wir nicht wissen wo Meurer sich versteckt?“ fragte er höhnisch. „Natürlich..aber wenn sie schon länger Drogen genommen hat, dann ist sie sicher auch schon aufgefallen..“ kam lakonisch von Tanja. Ben sah sie an. Dagegen konnte er nun nichts mehr sagen. „Gut…lassen wir die Dame von Susanne überprüfen..“ lächelte er und griff zum Handy. Er wählte Susanne an. „Ja hallo Susanne….Ben hier. Ich brauche alles was du über Liane Winter herausfinden kannst…von der Geburt bis zum Tod sozusagen…du weißt ja was ich meine…“ lächelte er. Tanja beobachtete ihn beim Telefonieren. „Danke mein Schatz…“ säuselte Ben und beendete das Gespräch. „Läuft da was zwischen Ihnen und der Sekretärin? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass man sich in Kollegen verliebt. Aber Vorsicht…das geht meist daneben.“ ermahnte sie ihn. Ben lachte. „Susanne und ich sind nur Kollegen…“ gab er zu verstehen.

    Fabrizio sah auf sein Machwerk. Diese Bombe würde er seinem Bruder selbst unter sein Auto packen. Ihm war egal ob Gina auch dabei draufging. Sie hatte es nicht anders verdient. Immerhin war sie ihm untreu geworden und hatte scheinbar bis heute Alessia nicht gesagt, wer ihr wirklicher Vater ist. Das sollte sich ändern. Nachdem er die Bombe angebracht hat, würde er sich Alessia holen und mit ihr nach Italien abhauen. Er sah wie der Wagen seines Bruders vor dem Geschäft hielt und Victor ausstieg. Er lachte verächtlich, als Victor Gina die Beifahrertür aufhielt, damit sie aussteigen konnte. „Ein echter Gentleman...mein Bruder....“ knurrte er wütend. Er wartete bis die Beiden ins Geschäft gegangen waren und stieg aus. Er nahm das Sprengstoffbündel und befestigte es mit schnellen Griffen befestigte er sein Geschenk an der Wagenunterseite direkt unter dem Fahrersitz. Dann rannte er mit schnellen Schritten zu seinem Wagen zurück und wartete. Er wollte seinem Bruder noch einmal einen Warnschuss abgeben. Und er wollte ihn nun warnen...telefonisch.. Die Rufnummer sollte noch stimmen. Er drückte auf seinem Handy die Nummer und wartete. Er hörte das Freizeichen und wenig später die Stimme seines Bruders. „Du bist ein Verräter...und du wirst für deine Lebenslüge bestraft!“ gab er mit einem Stimmenverzehrer. „Wer ist da?“ harkte sein Bruder nach. „Das ist egal....sieh was in meiner Macht steht...dein Wagen hat einen Kratzer...“ lachte Fabrizio. Nicht mal eine Minute später standen Victor und Gina auf der Straße. Fabrizio drückte den Auslöser. Der Wagen hob ab und explodierte. Victor und Gina wurden von der Druckwelle erfasst und zu Boden geworfen. Nur wenig später war Ruhe. Fabrizio hielt sich nicht länger auf und raste in seinem Wagen davon. Er musste nun sehen, dass er Alessia bekommen und dann diesen Bullen loswerden. Erst zum Bullen und dann zu Alessia...Victor und Gina würden jetzt erst mal ne kurze Weile im Krankenhaus liegen und ihre Wunden versorgen lassen. Er fuhr zu seiner Wohnung und ging direkt in das Zimmer wo Gerkan lag. Dieser sah ihn an. „Nur keine Sorge....es ist das Letzte Mal, das wir uns sehen. Ich werde Ihnen die Handfessel lösen und Sie werden liegen bleiben...keine Bewegung oder ich drücke ab...diesmal mache ich keinen Spaß...“ warnte er ihn. Doch von Gerkan kam nichts. Er schwieg wie die letzten Tage auch. Fabrizio lächelte leicht. „Sie werden sicher verstehen, dass ich etwas Zeit benötige....deshalb werde ich Sie in ein anderes Versteck bringen. Mein Bruder wird schon sehr bald hier auftauchen und es ist besser er findet Sie hier nicht…“ erklärte er. Er hielt ihm eine Flasche mit Wasser hin. „Trinken Sie…dann haben Sie auch keine Schmerzen auf der Fahrt ins neue Heim…“ befahl er. Gerkan tat was er verlangte. Nur wenig später schlief der Mann ein. Fabrizio schloss die Handfessel auf und ließ sie vor dem Bauch des Mannes wieder einrasten. Dann zog er den Mann hoch und verließ mit ihm die Wohnung.

    Na solange das nur blaue Flecke sind, hat der türkische Hengst ja wohl Glück gehabt und überlebt... nur was passiert jetzt? Werden sie Löwenfutter? oder doch eher zu Hackfleisch verarbeitet? Macht ihr jetzt wird ne lange Pause? Oder bekommen wir noch in dieser Woche eine Fortsetzung?

    Moritz öffnete die Tür und sah Fabrizio an. „Wir haben ein ziemliches Problem..“ begrüßte er den Italiener. „Welcher Art?“ wollte Fabrizio wissen. „Unser junger Freund Meurer ist tot. Ich habe ihn erschossen...“ gab Moritz bekannt. Fabrizio reagierte kühl. „Warum?“ fragte er lediglich. „Er hat den Polizisten zusammengeschlagen und ist vorbestraft. Früher oder Später hätten die Bullen die Spur zu uns gefunden. Er hat nur Scheiße gebaut und jetzt haben wir den Bullen an der Backe..“ erklärte Moritz weiter. „Gut...eine Gleichung die sich erledigt hat. Dann wird er halt entsorgt. So einfach ist es. Was ist mit unserem Gast?“ harkte Fabrizio weiter. „Er liegt auf dem Bett. Es geht ihm nicht sehr gut...“ kam von Moritz. Fabrizio nickte und ging in das Zimmer wo der Gefangene lag. Dieser schlief oder aber er tat so denn die Augen waren geschlossen und der Atem ging regelmäßig. „Wir sollten ihn ebenfalls beseitigen. Er hat dich gesehen...“ gab Fabrizio zu bedenken. „Ich bin nicht vorbestraft. Wenigstens nicht hier in Deutschland. Und die Kollegen von ihm, werden sicher nicht meine Akte bekommen. Die ist in England unter Verschluss...“ grinste Moritz. „Ich weiß nicht...diesen Bullen traue ich nicht über den Weg. Er scheint hier ja auch den Weg zu Meurer gefunden zu haben..“ meinte Fabrizio nachdenklich. „Weil er vorbestraft ist, ja...nur keine Sorge...auch von seiner Schwester geht keine Gefahr aus. Die Kleine hat sich den goldenen Schuss gesetzt. Ich habe alles gerichtet. Was machen wir mit ihm?“ fragte Moritz. „Er ist schwer verletzt?“ harkte Fabrizio nach. „Nun ja....was ich sagen kann...Rippen gebrochen, Bein gebrochen...und vermutlich eine Gehirnerschütterung. Das sind so das was ich erkenne...hab ja meine Saniausbildung gemacht...damals beim Militär..“ grinste Moritz. Fabrizio sah ihn an. „Und da hast du nicht gelernt wie man ein Bein schient oder gebrochene Rippen stützt?“ harkte er nach. „Ja sicher doch...aber...“ fing Moritz an. Doch er schwieg sofort, als Fabrizio ihn ansah. „Ich habe dir von vornherein gesagt, dass ich keine Unschuldigen in meiner Rache haben will. Nur meinen Bruder und seine Frau...niemand sonst sollte leiden. Dieser Mann hier ist unschuldig und er ist wegen Meurer, den du besorgt hast, uns auf die Schliche gekommen. Dennoch ist er unschuldig...also werden wir ihn versorgen und nach dem nächsten Anschlag, der dann gelingt, ihn freilassen.“ erklärte Fabrizio. „Aber ...er ist ein Bulle! Sobald er wieder fit ist, wird er uns jagen!“ stieß Moritz aus. Fabrizio lachte leise. „Bis dahin haben wir Deutschland mit meiner Tochter verlassen..“ gab er an.

    Ben und Tanja kamen bei der Villa von Graziano an. Nach einigen Minuten des Wartens betrat der Mafioso den Raum und sah die Beiden an. „Sie sind doch der, der letztes Mal so ausgeflippt ist. Sagte ich nicht, dass ich Sie nie wieder sehen will?“ harkte der Mann nach. „Für das letzte Verhalten entschuldige ich mich, Herr Graziano. Ich hoffe dennoch, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen können…“ fing Ben an. Graziano sah ihn an. „Sie können vernünftig sein? Nun dann steht einer Unterhaltung nichts im Wege. Kommen Sie in mein Arbeitszimmer. Darf ich Ihnen was anbieten? Kaffee? Wasser? Kuchen?“ bot der Mann an. Ben lehnte dankend ab. Sie setzten sich in der gemütlichen Sitzecke im Arbeitszimmer. „Nun? Was kann ich für Sie tun?“ wollte Graziano wissen. „Wo waren Sie gestern gegen 14 Uhr?“ harkte Ben nach. „14 Uhr? Das ist meine übliche Mittagszeit und ich war hier. Das werden meine Hausangestellten sicher bestätigen können. Meine Sekretärin und meine Familie natürlich auch..“ lächelte Graziano. „Sagt Ihnen der Name Liane Winter etwas?“ wollte Tanja wissen. „Leider nein…was ist mit der Dame?“ kam nun von Graziano. „Die Dame ist ermordet worden. Kurz nachdem unter Kollege verschwunden ist. Sie wissen nicht zufällig wo er ist oder?“ harkte Ben nach. Graziano lachte leise. „Sie machen mich wohl für alles verantwortlich, was? Aber nein..ich weiß nicht wo Ihr Kollege ist.“ Gab Graziano zu. Ben sah ihn eindringlich an. „Sie wissen aber das vermutet wird, dass ihr Bruder Fabrizio wieder in Deutschland ist und das er sicher versuchen wird seine Tochter zu sehen, die Sie als die Ihre ausgeben..“ ließ Ben die Bombe platzen. Grazianos Lächeln verschwand. „Alessia ist meine Tochter! Sie war es immer! Und was mein Bruder angeht…er sollte er sich nicht in ihre Nähe wagen….“ Drohte Graziano. Man spürte das er nervös war. „Herr Graziano….wir können Sie beschützen. Denken Sie, dass ihr Bruder Ihnen die Bombe zugedacht hat? Ist es nicht möglich, dass er Rache für diesen Verrat, den Sie an ihm begangen haben, will?“ wollte Ben wissen. „Rache? Fabrizio ist nicht in der Lage sich an mich zu rächen. Die Bombe sieht ihm zwar ähnlich, aber...nein...das ist doch wirklich absurd..“ lächelte Victor. Ben sah ihn an. „Herr Graziano...einer war das Opfer und ich war es mit Sicherheit nicht absichtlich....und meine Schwester auch nicht. Nun ist mein Kollege und Partner verschwunden. Und ich wette alles hängt mit Ihnen zusammen. Sollte ich herausfinden, dass Sie da mit drinstecken und meinen Partner hier irgendwo festhalten, dann schwöre ich Ihnen, mache ich Sie fertig..“ drohte er. Victor Graziano sah ihn an. „Ich kann Ihnen das ganze Haus zeigen. Überzeugen Sie sich, dass er nicht hier ist....“ lud er Ben ein.

    Benjamin Klaasen sah sich um. Gleich würde er wieder zuschlagen, gleich würde er es wieder spüren. Das Adrenalin. Oh, wie brauchte er diesen Kick. Immer wieder suchte er den Nervenkitzel, etwas verbotenes zu machen. Immer in der Angst leben, erwischt zu werden. Das war eine Art Sport für ihn. Seit einem Monat überfiel er hier Autofahrer in ihren Wagen, überwältigte sie und setzte sie am nächsten Rastplatz gefesselt und geknebelt wieder aus. Er wollte niemanden etwas tun und stehlen wollte er auch nicht. Das Fahrzeug stellte er dann einfach wieder in einen nahe gelegenen Wald oder einfach auf einem Parkplatz in der Stadt ab. Sein schwarzer Sportanzug mit der schwarzen Kapuze lag hauteng an seinem Körper, als er sich zu seinen dunklen Laufschuhen hinunterbückte, um die Schnürsenkel noch einmal zu richten. Immer wieder sah er zu dem Toilettenhäuschen hin und schlich dann langsam an die hintere Fassade. In seiner behandschuhten Hand hatte er einen kleinen Störsender. Dieser unterbrach den Kontakt für die Zentralverriegelung und der Wagen blieb offen, für ihn zugänglich. Benjamin holte aus seiner Hosentasche eine Maske und knetete sie leicht in der Hand. Schon merkte er, wie ihm der Schweiß auf der Stirn stand. Dann sah er wieder zur Toilette und erblickte einen silbernen BMW, der rasend auf den Rastplatz fuhr. „Ein Kunde...“, lachte Benjamin nur, zog sich die Maske auf, die Kapuze drüber und betätigte den kleinen Störsender. Jetzt musste alles ganz schnell gehen.

    Semir ging auf die Toilette und drehte sich langsam um. Er drückte die Fernbedienung für die Zentralverriegelung. „So, dann mal sehen, was unsere Falle macht...“, dachte er nur laut und griff zum Funk. „Hotte...Dieter...seid ihr auf Position?“, wollte er wissen. Doch es kam nur ein Rauschen aus dem Gerät. Verdammt, was war denn nun los?, dachte er nur und holte sein Handy hervor. Doch auch hier war kein Empfang. Oh man...dachte Semir nur und ging zu seinem Wagen zurück. Hoffentlich funktionierte der Funk im Wagen, dachte er und drückte wieder auf die Fernbedienung. Schnell schwang er sich hinters Steuer, doch ehe er zum Funk greifen konnte, packte ihn plötzlich eine schwarze Hand und drehte seine nach hinten. „Hey, was soll der Scheiß?“, stieß Semir aus, doch im nächsten Moment presste sich ein Lappen auf das Gesicht des Deutschtürken. „Mhmmm...Mhmmmm“, keuchte er nur, doch schon atmete er einige tiefe Züge des Chloroforms ein. Die Augen flackerten und langsam driftete der Deutschtürke weg. „So ist es gut...schlaf schön.“, lachte Benjamin nur und zog den Mann nach hinten. „Oh shit...“, stieß er aus, als er das Halfter und die Waffe am Gürtel sah. Ein Bulle...schoss es ihm durch den Kopf. Erschrocken riss er sich die Kapuze und Maske vom Kopf, wischte sich durch das schweißnasse Haar. Verdammt, was sollte er nun machen? Zurück konnte er jetzt nicht mehr. Der Bulle hatte ihn nicht gesehen. Das war sein Glück. Er würde einfach den Bullen jetzt fesseln und knebeln und dann mit seinem Wagen am nächsten Rastplatz oder Waldweg stehen lassen. Ja, das war die beste Lösung. Schnell hatte Benjamin die Hände und Füße des Polizisten mit mehreren Lagen des silbernen Klebebandes umwickelt und wickelte dann noch mehrere Bahnen über den Mund und um den Kopf des Mannes. Er setzte sein Opfer neben sich auf den Beifahrersitz. Somit hatte er bei der Fahrt wenigstens etwas Kontrolle über ihn. Benjamin zog sich die Maske wieder übers Gesicht und fuhr los.

    „Semir? Was ist denn jetzt? Wo steckst du denn?“, fragte Hotte über Funk. Von Semir kam nichts. „Also mir reicht es jetzt…wir fahren zum Platz und sehen nach…“, bestimmte Dieter und fuhr mit dem Wagen aus seinem Versteckt. Sie kamen am Rastplatz an und sahen….nichts… keine Spur von Semirs BMW. „Wo ist er denn?“, fragte Dieter. „Keine Ahnung...ich rufe ihn über Funk…ich meine, er fährt und dann muss er sich auch melden…“, knurrte Hotte und tat was er wollte. „Semir!! Wo steckst du? Verdammt die Chefin reißt uns den Kopf ab, wenn du….Semir? Cobra 11!!“, rief er durch. Nichts…keine Antwort. „Hotte..weißt du, wie das für mich aussieht?“ wollte er wissen. „Sag es nicht….du denkst das Semir ein weiteres Opfer ist?“, kam von Hotte. Dieter nickte. „Oh verdammt…das ist übel…wir müssen ihn suchen. In den Akten steht, dass die Opfer meistens auf den nächsten Parkplatz abgestellt, samt gestohlenem Fahrzeug. Vielleicht macht er das mit Semir auch.“, schlug Dieter vor. Hotte war einverstanden. „Dann aber mit Musik...wer weiß, was der Kerl mit Semir macht….wenn der erfährt, dass Semir von der Polizei ist.“, prophezeite Hotte. „Ich hab doch gesagt, dass die Chefin es anders meint mit der Überprüfung...aber Semir hört ja nicht. Eins sag ich dir du….wenn die Chefin uns zur Sau macht, dann sage ich diesmal wie es war…den Anpfiff soll er sich mal schnell selbst abholen.“, kam von Dieter. Hotte nickte nur. „Ich decke Semir aber. Jeder kann mal in diese Situation geraten… das macht er doch nicht mit Absicht….ich denke auch das hier sollte eigentlich nicht so sein…“, murmelte der alte Polizist. „Nicht mit Absicht!?! Ja, wer ist denn daran schuld, dass er in der Klemme sitzt? Wir etwa? Nee…diesen Schuh ziehe ich mir nicht an. Ich nicht..!“, erklärte Dieter energisch.

    Kim sah Tanja warnend an. „Ihr Vorgesetzter wird sicher gern Ihr Verhalten erfahren. Sie haben nun die Wahl. Ich kann ihn anrufen und den Fall offiziell übernehmen…oder aber Sie fügen sich und dürfen mit Herrn Jäger ermitteln….“ schlug Kim vor. Tanja sah sie an. „Das ist Erpressung..“ stieß sie wütend aus. „aber Frau Herzog….ich erpresse Sie doch nicht. Sagen wir es ist ein Kompromiss…“ lächelte Kim. Tanja atmete tief ein. Sie wusste genau, dass ihr Chef sicher eine Beurteilung durch Frau Krüger eine Entscheidung treffen würde, die ihr nicht gefiel. „Also gut… Herr Jäger übernimmt indirekt die Einsatzleitung….und was wenn jemand dahinter kommt? Dann dürften Sie ja wohl die längste Zeit hier diese Dienststelle geleitet haben…“ stellte sie fest. Kim lächelte immer noch. „Ich kann auch den Oberstaatsanwalt anrufen...“ Tanja schluckte schwer. Sie sah zu Ben. „Semir war eindeutig bei dieser Winter. Ein Nachbar sagte mir, das Semir einen Mann verfolgte. Auf die Baustelle die in der Nähe war. Die Bauarbeiter sagten aus, dass Semir sich mit dem Mann prügelte. Mehr haben sie nicht gesehen. Ich habe mir die Ecke angesehen…nach dem Regen in der letzten Nacht sind aber alle Spuren weg.“ erklärte Ben. Kim hörte schweigend zu. „Was denken Sie sonst Ben?“ wollte sie wissen. „Ich denke das Graziano da mit drin steckt. Er hat Semir entführen lassen um ihn aus dem Weg zu schaffen. Er wurde ihm vermutlich zu gefährlich und deshalb…fahren wir jetzt zu ihm und werden ihn eingehend befragen..“ erklärte Ben und stand auf. Tanja hielt ihn fest. „Graziano ist doch das eigentliche Opfer. Was hat er denn mit Semirs Verschwinden zu tun? Oder besser, was soll er damit zu tun haben?“ harkte sie nach. Ben stieß wütend Atem aus. „Vielleicht hat Semir was herausgefunden, was er nicht herausfinden sollte. Etwas das Graziano doch angelastet werden kann. Dann wäre er ein Zeuge und damit eine Gefahr für ihn. Und damit Semir nichts gegen ihn unternehmen kann, hat er ihn entführt und...“ sinnierte Ben weiter. Tanja legte den Kopf schief. „Das denke ich zwar nicht, denn bisher gilt Herr Graziano als unschuldig. Und aufgrund Ihres Verdachtes bekommen wir sicher keinen Durchsuchungsbefehl für seine Villa. Davon abgesehen wird er ihn dort eh nicht festhalten...“ warf sie ein. Kim sah auf ihren Tisch. „Leider muss ich Tanja hier Recht geben, Ben. Wir haben keine Handhabe für solche Vermutungen.“ gab sie zu verstehen.

    Susanne sah auf, als Ben aus dem Büro kam. Er war wütend, das sah sie sofort. „Hast du diesen Victor Graziano überprüft?“ fragte er mit gepresster Stimme. „Ja...und zwar folgendes... ich habe herausgefunden, dass dieser seinen Bruder verstoßen hat. Und zwar vor gut 17 Jahren. Fabrizio Graziano hat seinen Bruder damals an die Kollegen der Sitte verpfiffen als Victor eine geringe Menge Mädchen aus Polen hier in seine Bordelle unterbringen wollte. Victor Graziano war allerdings nicht selbst vor Ort und ihm konnte so nichts nachgewiesen werden. Fabrizio wurde daraufhin verstoßen. Er behauptet allerdings, dass sein Bruder ihm seine Freundin ausgespannt hatte. Victor selbst hat eine 17jährige Tochter. Alessia Graziano ist genau gesagt 17 Jahre und sechs Monate alt. Einige böse Zungen sagen sogar, dass nicht Victor sondern Fabrizio der Vater von ihr ist. Genaueres liegt nicht vor.“ erklärte Susanne. Ben sah Tanja an. „Wenn Fabrizio der Vater ist, dann hätte er doch einen guten Grund seinen Bruder zu töten. Wie Sie schon sagten, Eifersucht ist manchmal ein triftiger Grund auszurasten...“ gab er nachdenklich von sich. Er sah Susanne an. „Ist denn dieser Bruder hier in Deutschland?“ wollte er wissen. „Ich habe keine Information darüber. Zumindest keine Meldeadresse in hier aber ich habe die Kollegen in Italien angefragt. Sie werden sich informieren und uns dann Bescheid geben.. Bisher jedoch nichts..“ erklärte Susanne. Ben sah zu Tanja. „Also…ist Victor Graziano der Einzige, der uns helfen kann. Wenn es wirklich um seinen Bruder geht.. dann wird er es doch wissen und warum sollte er uns keine Fragen beantworten? Das würde ihn doch nur verdächtig machen. Also fahren wir jetzt hin oder nicht?“ harkte er nach. Tanja stöhnte auf. „Aber….er war schon beim letzen Mal…“ fing sie an. „Das letzte Mal hatte ich mich nicht unter Kontrolle. Aber jetzt schon. Diesmal wird er mich nicht so einfach abweisen…das schwöre ich Ihnen..“ drohte Ben. Tanja gab klein bei. „Also gut…aber Sie halten sich zurück!“ forderte sie. Ben lachte auf. „Wollen wir das mit Frau Krüger besprechen?“ harkte er nach. Tanja sah ihn nur an und schüttelte den Kopf. Sie ging mit hoch erhobenem Kopf zum Ausgang.

    Während Ben sich mit Kim und Tanja herumschlug wurde Semir wach. Er fühlte sich besser, doch er wusste auch, dass es nur eine Täuschung war. Vermutlich eine Nachwirkung des Zeugs was der Mann ihm ins Essen getan hatte. Dennoch tat es gut, ohne Schmerzen zu sein. Das Zimmer war immer noch dunkel. Semir verlor langsam das Zeitgefühl. Wie gern hätte er gewusst wie spät es war. Er war sicher schon einige Zeit hier und die ständige Dunkelheit in diesem Raum ließen ihn das Zeitgefühl verlieren. Seine Hände waren mit der Handschelle am Bettrahmen gefesselt. Er konnte sich aufsetzen aber wirklich bewegen konnte er sich nicht. Die Kollegen würden ihn sicher schon suchen. Warum nahmen diese Männer so ein Risiko auf sich und hielten ihn hier fest. Waren sie sich ihrer Sache so sicher, dass man sie nicht findet? Das man ihnen nicht auf die Schliche kam? Semir setzte sich langsam auf. Er war überrascht, dass es klappte. Doch wenige Augenblicke später drehte sich der Raum. Ihm wurde schwindelig. „Gehirnerschütterung... „ diagnostizierte er selbst. War ja auch kein Wunder. Der Unfall war nicht ohne. Er sah an sich runter um festzustellen ob er sonst noch verletzt war. Am rechten Bein war eine starke Schwellung und als er draufdrückte schrie er leise auf. „Bruch...“ kam leise stöhnend über seine Lippen. Damit konnte er eine Flucht vergessen. Aber zum Glück blutete nichts. Da sobald er sich bewegte das Bett knarrte war es nicht verwunderlich, das Meurer in den Raum kam um nach dem Rechten zu sehen. Er sah Semir sitzen und es schien ihm nicht zu gefallen. „Was soll das hier?“ fauchte er ihn lallend an und machte einen unsicheren Schritt auf Semir zu. Semir erkannte sofort das der Mann unter Drogen stand. „Ich…ich…“ fing er an und versuchte sich wieder hinzulegen. Denn das schien dieser Mann zu wollen. Meurer sah ihn höhnisch an. „Du wolltest wohl abhauen was? Na warte...dir wird ich zeigen, was ich davon halte...“ fauchte Meurer „Du weißt doch sicher auch, dass es keine gute Idee war oder? Mein Freund hat mir zwar verboten dich anzupacken, aber ich finde etwas Erziehung kann nicht schaden...findest du nicht auch, Bulle?“ lacht Meurer. „Wir sind eine Nummer zu groß für euch… Ihr werdet verlieren und damit du schon mal weißt wie es sich anfühlt, wirst du es zu spüren bekommen. Semir sagte nichts. Wozu auch. Er wusste genau, dass mit Meurer nicht zu reden war. Er sah ihn an und sah wie Meurer seinen Ledergürtel aus der Hose zog. „Du bist ganz schön stur...ich will eine Antwort...also?“ fauchte er ihn an und schlug Semir mit der flachen Hand gegen Semirs Hinterkopf.

    Nur kurze Zeit später kam Moritz wieder in die Wohnung. Er war noch beim Imbiss und hatte für sich, Ludwig und dem Polizisten Pommes mit Schnitzel geholt. Er wusste zwar nicht, ob der Polizist es aß aber im Grunde genommen war es ihm doch ziemlich egal. Auch Pommes konnten nahrhaft sein und reichten aus um zu sättigen. Er warf seinen Schlüssel auf die Garderobe und ging ins Wohnzimmer. Ludwig war nicht zu sehen, dafür hörte er aber Geräusche aus dem Nebenzimmer kommen. Er stellte seine Sachen ab und rannte in den Raum wo er gerade noch sah wie Ludwig mit einem harten Gürtel aus Stahl auf den Polizisten einschlug. Dieser versuchte sich mit der ungefesselten Hand vor die Schläge zu schützen. Ein nutzloses Unterfangen wie Moritz feststellte. Gerkan lag nicht mehr auf dem Bett sondern gekrümmt auf dem Boden und versuchte sein Gesicht zu schützen. Die gefesselte Hand war leicht verdreht. „Du verdammter Bulle wirst tun was ich dir sage!!“ schrei Ludwig und wollte erneut ausholen. Moritz sprang auf ihn zu und entriss ihm den Gürtel. Dann warf er diesen in die Ecke und zerrte Ludwig aus dem Raum. „Spinnst du total? Hast du dir was gezogen oder wie???!“ schrie Moritz und schlug zu. Die Faust schien wie ein Dampfhammer in der Magengrube von Ludwig zu explodieren. Ludwig ging schreiend zu Boden und krümmte sich. „Ich sagte dir doch, dass du ihn nicht anfassen sollst! Er ist im Gegensatz zu dir nämlich was wert...und zwar lebend mehr als tot...das kann man von dir nicht behaupten..“ fauchte Moritz. Er zog seine Waffe, zielte auf Ludwig und drückte ab. Ludwig fiel schweigend zur Seite. Moritz packte die Leiche und zerrte sie in die Garage. Dort legte er sie in den Kofferraum und schloss ihn. Anschließend ging er zu Gerkan zurück. Er hockte sich vor dem Mann hin und half ihm sich aufzurichten. Blut lief Gerkan aus Mund und Nase. „Es tut mir wirklich Leid, dass mein junger Partner Sie so behandelt hat. Aber er wird es nicht mehr tun...“ sagte er und fing an das Gesicht zu reinigen. Jedes Mal wenn er die Nase berührte, stöhnte Gerkan auf. „Ich werde Sie jetzt wieder auf das Bett legen...“ erklärte Moritz fast fürsorglich. Tatsächlich zog er Gerkan hoch und ließ ihn auf das Bett sinken. Dabei schrie dieser auf, denn Moritz kam gegen das Bein. „Sorry...“ murmelte Moritz Gerkan stöhnte nur leise. Dann lag er wieder einigermaßen bequem. Er hielt die Augen geschlossen und atmete stoßweise. „Ich weiß, dass Sie eigentlich einen Arzt brauchen, aber den Wunsch kann ich Ihnen nicht erfüllen. Sie bekommen gleich was zu essen und zu trinken. Dann werden Sie nur ruhig liegen bleiben. Es ist besser für Sie...“ redete er leise auf den Mann ein. Doch bevor er seinen Gefangenen versorgen konnte, klingelte es an der Tür.