Semir wartete auf der Liege auf den Arzt. „Wo ist denn Ihr Kollege hin? Kann wohl kein Blut sehen was…?“, lächelte Dr. Wendehals. „Nein….machen Sie hin, ich werde auf gar keinen Fall hier bleiben. Doc...das können Sie vergessen.“, knurrte Semir nur. „Sie müssen nicht hier bleiben. Lassen Sie sich am besten von Ihrer Frau abholen, die ist nämlich bereits vor der Tür. Semir sah ihn an. „Meine Frau ist draußen? Ist die geflogen oder was?“, harkte er nach. „Das kann ich Ihnen nicht sagen…aber sie scheint etwas missgestimmt zu sein.“, lächelte der Arzt. Semir dachte kurz nach. „Vielleicht ist es doch besser wenn ich hier bliebe.“, meinte er nachdenklich. Wendehals lachte leise. „Frauen können so gemein werden…nicht wahr…obwohl, ich habe das Gefühl, dass sich Ihre Frau nur sehr um Sie sorgt. Sie können natürlich hier auf Station kommen. Bis die Betäubung raus ist, müssen Sie eh unter Beobachtung bleiben. Aber danach besteht keine Chance sich hier zu verstecken.“, erklärte der Arzt. „Ich verstecke mich doch nicht. Ich hab keine Angst vor meiner Frau!“, behauptete Semir. Dr. Wendehals nickte nur. „Können wir anfangen?“, wollte er wissen und zeigte Semir die Spritze. „Ja sicher….tun Sie, was Sie nicht lassen können.“, maulte dieser. Nur kurz darauf spürte er den Stich und wie der Arm nach und nach taub wurde. „Werde ich denn nicht schlafen?“, fragte er erschrocken nach. „Ein solcher Eingriff ist nicht unter Vollnarkose notwendig.“, erklärte der Arzt. „Aha...“, kam nur von Semir. „Wollen Sie eine Vollnarkose?“, kam verwundert zurück. „Ich…nein…nein..ist schon okay…ich spüre ja nichts von dem was Sie dort machen oder?“, wollte Semir nun wissen. „Nein…der Arm ist komplett taub und wird es mindestens für 36 Stunden auch bleiben. Wenn ich fertig bin, dann wird der Arm in einer Gipsschale gelegt und mit einer Schlinge am Körper fixiert.“, ging es bei Wendehals weiter. Semir nickte nur.
Andrea ging im Krankenhausflur auf und ab. Wie konnte Semir nur so unvernünftig sein und seinen Arm so viel bewegen. Sie sollte ihn doch zuhause behalten. Warum lässt sie sich eigentlich immer bequatschen. Sie wusste doch genau wie unvernünftig er war. Aber diesmal…so schwor sie sich, würde er das Haus erst verlassen, wenn der Arm verheilt war. Nach einer halben Stunde kam der Arzt heraus. „Doktor?“, fragte sie besorgt. „Alles in Ordnung. Der Arm wird jetzt in die Gipsschale gepackt und dann können Sie ihn mitnehmen. Aber…er muss den Arm ruhig halten. Aufgrund der frischen Wunde können wir ihn nicht komplett eingipsen. Die Schlinge hält den Arm fest am Körper. Nur ich kenne Personen wie Ihren Mann genau. Sie versuchen alles um die Schlinge nicht zu tragen. Er wird sicher anfangen zu mosern, dass er nichts allein machen kann und solche Dinge.“, gab er zu verstehen. Andrea lächelte. „Lassen Sie das mal meine Sorge sein. Ich weiß, wie ich ihn ruhig bekomme. Ist ja nicht das erste Mal, dass er verletzt ist...“, meinte sie nur. „Ja...das habe ich gesehen. Er hat einige Narben am Körper. So…er dürfte gleich fertig sein…“, lächelte Wendehals und verabschiedete sich von Andrea. Tatsächlich kam Semir etwas schwankend aus dem OP. Ein Pfleger stützte ihn. „Am Besten bringen wir ihn direkt zum Wagen...“, schlug dieser vor. Andrea nickte und ging voraus.
Nur wenig später saß Semir auf dem Beifahrersitz und sah sein Frau mit halb geöffneten Augen an. „Du brauchst gar nicht so schauen…über diese Sache reden wir zuhause...“, gab sie zu. „Super….danke….“, stöhnte Semir. Andrea konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Der Rest der Fahrt ging schweigend vonstatten. Semir hielt die Augen geschlossen. Die Tabletten die er nehmen musste und die ganzen Spritzen die der Arzt ihm verabreicht hatte, schienen ihre Wirkung zu tun. „Weckst du mich, wenn wir zuhause sind…?“, bat er seine Frau. Andrea nickte. „Ja denkst du ich trage dich?“, lachte sie leise. „Du bist ein Schatz…mein Schatz.“, gab Semir zu verstehen. Andrea sah ihn an. Irgendwie tat er ihr Leid, aber dann kam wieder ihr Stolz heraus. Er hat doch selbst schuld, dass es so schlimm geworden ist. Wenn er sich nur eine Woche gegönnt hätte, dann wäre der Arm schon verheilt und er könnte arbeiten...aber nein...er muss ja immer mit dem Kopf durch die Wand. Wenige Augenblicke später waren sie zu Hause und Andrea stellte den Motor aus. „Hey, mein türkischer Hengst...wir sind da...“, säuselte Andrea und weckte ihren eingeschlafenen Mann vorsichtig. Dieser sah verschlafen auf und lächelte dann. „Dann gehen wir mal ins Bett...“ Schon im nächsten Moment quälte sich Semir aus dem Auto und ging mit seiner Frau hoch ins Bett und schlief alsbald ein.
„Los, rauskommen und die Hände vor den Körper...“, fauchte Dieter nur und zielte mit der Waffe genau. Hotte stand mit einem Kollegen auf der anderen Seite und richtete ebenfalls seine Pistole auf den in einen Lkw-Hänger geknallten Wagen. Langsam kamen zwei junge Männer aus dem Wagen gestiegen und hielten die Hände über den Kopf. „Verdammt...warum musst du auch so rasen?“, zischte Jens nur, sah Cedric aber dabei nicht an. „Halt bloß dein Maul...die können uns nichts, hast du verstanden? Halt ja deine Klappe.“, knurrte er zurück und wurde dann von einem Polizisten an den Streifenwagen gestoßen. „Hände aufs Dach und Beine auseinander...“, forderte der große Beamte und tastete den vor ihm befindlichen Körper nach Waffen ab. Und er wurde fündig. „Was haben wir denn da?“, stieß der Kollege aus und reichte die Pistole an Dieter weiter. „Die geht gleich mal in die KTU. Und ihr kommt mit auf die Wache. Das wird eine sehr, sehr lange Nacht für euch...“, zischte der langgewachsene Streifenbeamte. Er wies die Kollegen dementsprechend an und schon waren diese mit den beiden Gefangenen verschwunden. Hotte kam zu seinem Freund und Kollegen. „Da sind uns aber zwei Früchtchen ins Netz gegangen. Was meinst du haben die ausgefressen?“, wollte der beleibte Polizist wissen. „Keine Ahnung...Ben kann sie morgen verhören. Machen wir für heute erstmal Feierabend.“, grinste Dieter nur und ging mit Hotte zum Streifenwagen zurück. Kurze Zeit später waren sie in der PASt, zogen sich um und trafen sich dann wieder an Hottes Privatwagen. Dieser verließ kurz darauf den Parkplatz der PASt. Feierabend...endlich.