Auch Ben hörte oben im Zimmer der Mädchen wie Semir schrie. Besorgt sah er auf die Mädchen, doch die lagen schon im tiefen Schlaf und bekamen nichts mit. Sofort ging er raus und schloss die Tür zum Schlafzimmer. Er ging die Treppe runter und sah gerade noch wie Semir aus dem Haus ging. „Lass ihn einen kleinen Moment Zeit…“, hörte er seinen Opa zu Andrea sagen. Doch was wenn Semir diese Zeit für Dummheiten nutzte? „Andrea… ich geh zu ihm.“, sagte er leise und verschwand ebenfalls durch die Tür. Er sah sich suchend vor dem Haus um. Keine Spur von Semir. Dann ging er zum Stall, wo die Pferde standen. „Verdammt…warum kann ich nicht einfach alles vergessen und alles ist wie früher….kannst du mir das sagen? Nein….natürlich nicht…bist halt nur ein dummes Tier…“, hörte er Semir scheinbar zu einem der Pferde sagen. „Die Tiere können dich sicher nicht so gut verstehen, wie wir. Sie deshalb dumm zu nennen ist nicht fair.“, kam leise von Ben. Semir sah ihn an. Die Augen waren verweint. „Ben…ich weiß nicht mehr weiter…ich drehe durch…… was soll ich tun…?“, fragte sein Partner. „Erzähle mir, was alles passiert ist. Ich weiß…du hast es Dr. Friedlich erzählt, aber….rede darüber….bitte….“, versuchte Ben. Semir nickte. „Also gut…ich hoffe du hast Zeit…das ist eine lange Geschichte…eine sehr lange Geschichte.“, gab Semir von sich. Ben nickte und setzte sich mit Semir ins Stroh. „Alles fing an, als ich mit den Kindern und Andrea am See war. Es war so schön. Aida und ich sind morgen schwimmen gegangen und…wir haben den ganzen Tag gespielt. Sie war so fröhlich…so unbeschwert. Es ging einige Tage so, dass ich nur faul im Liegestuhl lag und meinen Kindern zusah. Eines Tages….da sah ich, das gegenüber vom See ebenfalls ein Camper war und dieser schien mich zu beobachten. Ich dachte erst, dass es paranoid ist das zu denken, doch ich spürte es irgendwie. Und dann sah ich ihn. Kalvus… er war es, der sich dort auf der anderen Seite eingenistet hatte. Ich dachte wirklich ich träume…aber…er war es. Er war es…er der eigentlich tot war… beobachtete mich.“, erzählte Semir.
Ben sah seinen Partner an. „Was geschah dann?“, wollte er wissen. „Es vergingen einige Tage und ich passte sehr intensiv auf meine Kinder und Andrea auf. Ich ließ sie nicht wie sonst unbeschwert baden. Andrea bemerkte natürlich sofort, dass etwas nicht stimmte. Aber…dann….ich hatte eines Morgens den Drang zu laufen….und das tat ich dann auch. Es tat mir sehr gut. Nur schien es Kalvus sehr bald herausgefunden zu haben…und….als ich…“, Semir stockte. Ben saß daneben und hörte genau zu. „Sie...sie haben mich...gepackt und mich weg geschleppt...“, kam es dann von Semir. Immer wieder musste er inne halten, mit den Tränen kämpfen. Vorsichtig legte Ben ihm die Hand auf die Schulter, forderte so, dass sein Partner weitersprechen möge. „Sie sperrten mich in einen feuchten Raum, fesselten, knebelten mich und verbanden mir die Augen. Diese Dunkelheit...diese ungewisse Stille war das Schlimmste...vorerst. Dann kam Kalvus und er...er stellte mich auf einen Stuhl...legte mir eine Schlinge um den Hals und ließ mich auf dem wackeligen Stuhl in vollkommener Dunkelheit zurück.“, kam es nur von Semir und dann drehte er sich weg. Er musste das für einen Moment verarbeiten, sehen, wo er in diesem Moment war. Alles kam wieder hoch, die Erinnerungen und die Stimme...immer wieder diese höhnende Stimme. „Semir...es ist gut...rede weiter...komm!!!“, forderte Ben vorsichtig aber mit Nachdruck. „Der...der Stuhl fiel um, die Schlinge zog sich zu...ich...ich hatte bereits mit meinem Leben abgeschlossen...doch...das... Seil riss...es riss, Ben...er...wollte mich nur zu Tode erschrecken.“, stieß Semir aus und ballte die Fäuste. Semir erzählte weiter. Wie er in den Raum mit den Skeletten und Ratten gesperrt wurde, wie ihn eine biss und wie er dann verschleppt wurde. Und immer, immer wieder diese Dunkelheit. „...und dann...dann haben sie mich auf die Schienen gebunden. Ben, sie wollten mich überrollen lassen...ich...ich war ihnen so ausgeliefert...ich...“, schluchzte Semir und schmiegte sich dann gegen Bens Schulter. Er ließ die ganze, bedrückende Last ab und Ben ließ ihn gewähren. „Semir, er kann dir nichts mehr tun, aber du musst aufhören, ihn überall zu sehen. Er ist tot, verstehst du?“, fragte der junge Hauptkommissar und strich seinem Freund fürsorglich über den Rücken. Semir sah ihn an und nickte nur. „Ich...ich will es versuchen.“, kam es nur von ihm. Beide gingen dann zurück zum Haus.
Georg war wieder in seinem Zimmer, warf den Rucksack in eine Ecke und horchte nach seinem Vater. Doch dieser schien schon fest zu schlafen. Leise zog sich der Junge um und versteckte die Klamotten weit hinten im Schrank. Dann nahm er sich seine Beutestücke und ging mit ihnen zum Bett hinüber, ließ sich einfach fallen und nahm den ersten Slip. Langsam führte er ihn zu seiner Nase, strich ihn über sein Gesicht, während er mit der anderen Hand die immer mehr erregte Stelle in seiner Hose bearbeitete. Oh, was für ein süßer, verführerischer Duft. Wieso liebte er diese Frau nur so? War es, weil sie für diesen Kerl viel zu schade war? Ja, sie sollte mit ihm leben. Das wäre es doch...Sabine sollte mit ihm leben. Immer wieder zehrte er von diesen Gedanken, rieb sich über sein Glied und träumte. Er versiegte in diesem Traum und wachte erst kurze Zeit später wieder erschrocken auf. Draußen wurde es fast schon wieder hell. Schnell nahm er den Slip und die anderen und warf sie in die Kiste, die er unter seinem Bett versteckt hatte. Dann legte er sich wieder hin und schlief binnen weniger Minuten ein.
Auch für Semir hieß es, die nächtliche Ruhe anzutreten. Er hatte die Tablette in der Hand, doch dann überlegte er, ob er es ohne versuchen sollte. Nein, das war ihm zu riskant und auch noch nicht mit dem Doktor abgesprochen. Er hoffte inständig, dass es sich bald bessern würde. Noch nie hatten seine Kinder solche Angst vor ihm und das war für den zweifachen Vater eines der schlimmsten Dinge. Warum...warum passierte das mit ihm? Er wollte, dass es aufhörte. Wieder ein ganz normales Leben führen, das war alles, was sich Semir wünschte. Nur nicht mehr diese Alpträume und diese Angstzustände. Er warf sich die Tablette ein, spülte sie mit Wasser runter und legte sich dann ins Bett. Ben war schon eingeschlafen, jedenfalls lag er eine ganze Weile schon ruhig da. „Ben? Schläfst du?“, fragte Semir leise, doch Ben antwortete ihm nicht. Seufzend legte sich Semir schlafen und war binnen weniger Minuten weg. Dass draußen ein Unwetter aufzog, merkte er nicht. Blitz und Donner wechselten sich ab und der Regen peitschte gegen die Scheibe. Semir erschrak als es sehr laut knallte. „NEIN!!“, schrie er. Sofort stand Ben bei ihm. „Was ist?“, wollte er wissen. „Was? Nichts…nein...ich...ich…“, stammelte Semir. „Hast du wieder von ihm geträumt?“, harkte Ben nach. „Was? Nein…diesmal warst du in meinem Traum….du…standst auf der Wiese und…ein Blitz…er hat dich getroffen…volle Kanne...und…dann knallte es so laut.“, erklärte Semir und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Oh…bin ich gestorben?“, wollte Ben grinsend wissen. „Keine Ahnung...ich bin ja vorher wach geworfen.“, gab Semir etwas nachdenklich zurück. Doch dann lachte er. „Es war seit langem der erste Traum ohne ihn.“, gab er leise zurück. „Das ist doch schon mal ein Vorteil…“, meinte Ben. Semir nickte und legte sich wieder hin. „Ich will noch etwas schlafen.“, gab er von sich und schloss die Augen. Auch Ben legte sich wieder hin.