Beiträge von Elvira

    Auch Ben hörte oben im Zimmer der Mädchen wie Semir schrie. Besorgt sah er auf die Mädchen, doch die lagen schon im tiefen Schlaf und bekamen nichts mit. Sofort ging er raus und schloss die Tür zum Schlafzimmer. Er ging die Treppe runter und sah gerade noch wie Semir aus dem Haus ging. „Lass ihn einen kleinen Moment Zeit…“, hörte er seinen Opa zu Andrea sagen. Doch was wenn Semir diese Zeit für Dummheiten nutzte? „Andrea… ich geh zu ihm.“, sagte er leise und verschwand ebenfalls durch die Tür. Er sah sich suchend vor dem Haus um. Keine Spur von Semir. Dann ging er zum Stall, wo die Pferde standen. „Verdammt…warum kann ich nicht einfach alles vergessen und alles ist wie früher….kannst du mir das sagen? Nein….natürlich nicht…bist halt nur ein dummes Tier…“, hörte er Semir scheinbar zu einem der Pferde sagen. „Die Tiere können dich sicher nicht so gut verstehen, wie wir. Sie deshalb dumm zu nennen ist nicht fair.“, kam leise von Ben. Semir sah ihn an. Die Augen waren verweint. „Ben…ich weiß nicht mehr weiter…ich drehe durch…… was soll ich tun…?“, fragte sein Partner. „Erzähle mir, was alles passiert ist. Ich weiß…du hast es Dr. Friedlich erzählt, aber….rede darüber….bitte….“, versuchte Ben. Semir nickte. „Also gut…ich hoffe du hast Zeit…das ist eine lange Geschichte…eine sehr lange Geschichte.“, gab Semir von sich. Ben nickte und setzte sich mit Semir ins Stroh. „Alles fing an, als ich mit den Kindern und Andrea am See war. Es war so schön. Aida und ich sind morgen schwimmen gegangen und…wir haben den ganzen Tag gespielt. Sie war so fröhlich…so unbeschwert. Es ging einige Tage so, dass ich nur faul im Liegestuhl lag und meinen Kindern zusah. Eines Tages….da sah ich, das gegenüber vom See ebenfalls ein Camper war und dieser schien mich zu beobachten. Ich dachte erst, dass es paranoid ist das zu denken, doch ich spürte es irgendwie. Und dann sah ich ihn. Kalvus… er war es, der sich dort auf der anderen Seite eingenistet hatte. Ich dachte wirklich ich träume…aber…er war es. Er war es…er der eigentlich tot war… beobachtete mich.“, erzählte Semir.

    Ben sah seinen Partner an. „Was geschah dann?“, wollte er wissen. „Es vergingen einige Tage und ich passte sehr intensiv auf meine Kinder und Andrea auf. Ich ließ sie nicht wie sonst unbeschwert baden. Andrea bemerkte natürlich sofort, dass etwas nicht stimmte. Aber…dann….ich hatte eines Morgens den Drang zu laufen….und das tat ich dann auch. Es tat mir sehr gut. Nur schien es Kalvus sehr bald herausgefunden zu haben…und….als ich…“, Semir stockte. Ben saß daneben und hörte genau zu. „Sie...sie haben mich...gepackt und mich weg geschleppt...“, kam es dann von Semir. Immer wieder musste er inne halten, mit den Tränen kämpfen. Vorsichtig legte Ben ihm die Hand auf die Schulter, forderte so, dass sein Partner weitersprechen möge. „Sie sperrten mich in einen feuchten Raum, fesselten, knebelten mich und verbanden mir die Augen. Diese Dunkelheit...diese ungewisse Stille war das Schlimmste...vorerst. Dann kam Kalvus und er...er stellte mich auf einen Stuhl...legte mir eine Schlinge um den Hals und ließ mich auf dem wackeligen Stuhl in vollkommener Dunkelheit zurück.“, kam es nur von Semir und dann drehte er sich weg. Er musste das für einen Moment verarbeiten, sehen, wo er in diesem Moment war. Alles kam wieder hoch, die Erinnerungen und die Stimme...immer wieder diese höhnende Stimme. „Semir...es ist gut...rede weiter...komm!!!“, forderte Ben vorsichtig aber mit Nachdruck. „Der...der Stuhl fiel um, die Schlinge zog sich zu...ich...ich hatte bereits mit meinem Leben abgeschlossen...doch...das... Seil riss...es riss, Ben...er...wollte mich nur zu Tode erschrecken.“, stieß Semir aus und ballte die Fäuste. Semir erzählte weiter. Wie er in den Raum mit den Skeletten und Ratten gesperrt wurde, wie ihn eine biss und wie er dann verschleppt wurde. Und immer, immer wieder diese Dunkelheit. „...und dann...dann haben sie mich auf die Schienen gebunden. Ben, sie wollten mich überrollen lassen...ich...ich war ihnen so ausgeliefert...ich...“, schluchzte Semir und schmiegte sich dann gegen Bens Schulter. Er ließ die ganze, bedrückende Last ab und Ben ließ ihn gewähren. „Semir, er kann dir nichts mehr tun, aber du musst aufhören, ihn überall zu sehen. Er ist tot, verstehst du?“, fragte der junge Hauptkommissar und strich seinem Freund fürsorglich über den Rücken. Semir sah ihn an und nickte nur. „Ich...ich will es versuchen.“, kam es nur von ihm. Beide gingen dann zurück zum Haus.

    Georg war wieder in seinem Zimmer, warf den Rucksack in eine Ecke und horchte nach seinem Vater. Doch dieser schien schon fest zu schlafen. Leise zog sich der Junge um und versteckte die Klamotten weit hinten im Schrank. Dann nahm er sich seine Beutestücke und ging mit ihnen zum Bett hinüber, ließ sich einfach fallen und nahm den ersten Slip. Langsam führte er ihn zu seiner Nase, strich ihn über sein Gesicht, während er mit der anderen Hand die immer mehr erregte Stelle in seiner Hose bearbeitete. Oh, was für ein süßer, verführerischer Duft. Wieso liebte er diese Frau nur so? War es, weil sie für diesen Kerl viel zu schade war? Ja, sie sollte mit ihm leben. Das wäre es doch...Sabine sollte mit ihm leben. Immer wieder zehrte er von diesen Gedanken, rieb sich über sein Glied und träumte. Er versiegte in diesem Traum und wachte erst kurze Zeit später wieder erschrocken auf. Draußen wurde es fast schon wieder hell. Schnell nahm er den Slip und die anderen und warf sie in die Kiste, die er unter seinem Bett versteckt hatte. Dann legte er sich wieder hin und schlief binnen weniger Minuten ein.

    Auch für Semir hieß es, die nächtliche Ruhe anzutreten. Er hatte die Tablette in der Hand, doch dann überlegte er, ob er es ohne versuchen sollte. Nein, das war ihm zu riskant und auch noch nicht mit dem Doktor abgesprochen. Er hoffte inständig, dass es sich bald bessern würde. Noch nie hatten seine Kinder solche Angst vor ihm und das war für den zweifachen Vater eines der schlimmsten Dinge. Warum...warum passierte das mit ihm? Er wollte, dass es aufhörte. Wieder ein ganz normales Leben führen, das war alles, was sich Semir wünschte. Nur nicht mehr diese Alpträume und diese Angstzustände. Er warf sich die Tablette ein, spülte sie mit Wasser runter und legte sich dann ins Bett. Ben war schon eingeschlafen, jedenfalls lag er eine ganze Weile schon ruhig da. „Ben? Schläfst du?“, fragte Semir leise, doch Ben antwortete ihm nicht. Seufzend legte sich Semir schlafen und war binnen weniger Minuten weg. Dass draußen ein Unwetter aufzog, merkte er nicht. Blitz und Donner wechselten sich ab und der Regen peitschte gegen die Scheibe. Semir erschrak als es sehr laut knallte. „NEIN!!“, schrie er. Sofort stand Ben bei ihm. „Was ist?“, wollte er wissen. „Was? Nichts…nein...ich...ich…“, stammelte Semir. „Hast du wieder von ihm geträumt?“, harkte Ben nach. „Was? Nein…diesmal warst du in meinem Traum….du…standst auf der Wiese und…ein Blitz…er hat dich getroffen…volle Kanne...und…dann knallte es so laut.“, erklärte Semir und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Oh…bin ich gestorben?“, wollte Ben grinsend wissen. „Keine Ahnung...ich bin ja vorher wach geworfen.“, gab Semir etwas nachdenklich zurück. Doch dann lachte er. „Es war seit langem der erste Traum ohne ihn.“, gab er leise zurück. „Das ist doch schon mal ein Vorteil…“, meinte Ben. Semir nickte und legte sich wieder hin. „Ich will noch etwas schlafen.“, gab er von sich und schloss die Augen. Auch Ben legte sich wieder hin.

    Leo lehnte sich zufrieden zurück. Endlich hatte er gestern das was er brauchte. Das Mädchen war nicht sonderlich gut, scheinbar war er der erste…so gehörte es sich für eine Prinzessin. Sie sollte unberührt sein. Aber leider spürte er auch die Angst des Mädchens als er über sie herfiel. Irgendwie machte es ihm Spaß…die Frauen mussten Angst haben..so wie Aschenputtel….das war sehr gut….und er würde sich noch eine holen. Auch sie wird die Angst spüren. So wie die Frau…die mit diesem Mädchen da war. Sicher war es eine der bösen Stiefschwestern, die auf Aschenputtel aufpassen sollte. Aber das hat sie nicht getan. Denn sonst wäre er sicher nicht an sie heran gekommen. Leo schloss die Augen und sah noch einmal das Gesicht des Mädchens. Sie weinte und sah ihn voller Angst an. Das turnte ihn an...ja….das ließ ihn nicht kalt. Diesmal konnte er sogar länger als sonst. Das war es was er brauchte um zu einem Tier zu werden. Er brauchte die Angst. Das Mädchen hatte nicht gefleht, als er den Gürtel um den Hals schlang und zuzog. Sie hatte nicht geschrien…sie hatte ihn nur angesehen. Aber er war zufrieden. Vielleicht sollte er sein nächstes Opfer einige Tage hier festhalten. Sicher war es noch besser noch erotischer. Ja….ja… sie würde nackt im Keller sitzen und würde Angst vor ihm haben. Vor ihm…vor Leo….das wäre schön…sehr schön…oh ja…dachte er. Doch er musste vorsichtig sein. Die Polizei wird sicher schon auf seine Spur sein, obwohl...bisher war er sehr vorsichtig und auch bei dem Mädchen werden die Bullen keine Spur finden. Sie ist tot und kann ihn nicht verraten….nichts konnte ihn verraten….gar nichts… Seine Hand ging über die Kratzspuren die das Mädchen auf seiner Wange hinterlassen hatte. Eine kleine Wildkatze war sie…warum hatte er sie sich nicht aufgehoben? Warum war er so schnell mit dem Tod….? fragte er sich. Doch das konnte er bei dem nächsten Opfer ja ausgleichen.

    Semir und Ben fuhren zur Pathologie wo Wegener bereits auf sie wartete. „Diesmal haben wir Hautfetzen unter ihre Fingernägel gefunden. Sie hat sich gewehrt. Leider war der Kerl stärker als sie… der Tod trat etwa gegen 3 Uhr in der Früh ein. Sie wurde erwürgt wie auch die anderen Opfer und sie wurde eindeutig vergewaltigt. Dabei muss sie den Kerl gekratzt haben die Hautreste unter den Fingernägeln sind bereits im Labor. Allerdings denke ich nicht, dass der Typ in der Datenbank zu finden ist, aber er wird unvorsichtig..“ gab er Bericht ab. „Können wir was mit der Asche auf ihrem Kleid anfangen?“ wollte Semir wissen. „Da sind wir noch dran. So wie es ausschaut ist es Asche von Holzkohle, oder aber von einem Brand wo hauptsächlich Holz den Flammen zum Opfer fiel .Tatort ist nicht Fundort, denn auch unter ihren Fingernägeln war Asche zu finden. Ihr Todeskampf ging sicher über vier oder fünf Minuten…“ endete der Bericht des Pathologen. „Haben wir diesmal Spermaspuren finden können?“ wagte Ben zu fragen. „Nein…nichts. Entweder ist der Kerl ein Kondomfreund oder aber er kommt nicht. Wenn ihr meine Meinung haben wollt, der Kerl ist irre…und es wird Zeit, dass ihr ihn endlich schnappt…“ meinte Wegener. Semir lächelte gequält. „Da sind wir dran… wir trinken nicht den ganzen Tag Käffchen und essen Kuchen…“ fauchte er leise. „Setzt doch einen Lockvogel ein….“ schlug Wegener vor. „Ja und wen? Soll ich Ben den Bart rasieren und in ein rosa Kleidchen stecken?“ fauchte Semir wütend. „Doc…tun Sie mir einen Gefallen….bringen Sie Semir nicht auf dumme Gedanken…er ist verrückt genug…“ gab Ben von sich. Sie verließen die kalten Hallen. „Der Doc hat Recht…mit einem Lockvogel kämen wir wenigstens an den Kerl ran…“ meinte Ben kurz darauf im Wagen. „Ja und wen willst du einsetzen? Ich will keine Kollegin in Gefahr bringen….das geht zu weit. Das wird die Chefin nie zulassen…“ widersprach Semir sofort. „Noch haben wir sie nicht gefragt…aber du hast Recht…eine Kollegin würde nur auffallen….wir müssen jemanden einsetzen, der unscheinbar ist..“ stimmte Ben zu.

    Soooo die DVDs sind da und wurden gesichtet was die Wiedergabe angeht.

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    Der Umschlag sollte die Größe Din 5 oder aber Din 4 haben.... Und die DVD lohnt sich....

    Semir und Ben sahen auf den Leichnam. „Oh mein Gott…sie ist ja noch ein Kind…“ stöhnte Ben leise. Semir hockte sich hin. „Das Kleid ist voller Asche….und das Gesicht ist geschminkt wie eine Prinzessin….weißt du woran mich das erinnert?“ wollte Semir wissen und sah hoch. „Aschenputtel… das ist ein Opfer unseres Märchenkillers..“ stöhnte Ben. „Scheint ganz so. Und wenn wir nicht bald eine Spur finden, dann wird es immer so weiter gehen. Es scheint als sei sie diesmal vergewaltigt worden. Sieh dir die Abdrücke an den Handgelenken an..und an den Beinen hat sie blaue Flecke. Vielleicht ist er diesmal so unvorsichtig gewesen und hat uns was hinterlassen…“ murmelte Semir und zeigte auf die Flecke an der Leiche. „Stimmt….da liegt eine Tasche….“ Meinte Ben und hob einen Rucksack hoch. „Tabea Ritter….Leichlinger Straße 5 in Köln… Sie war sechzehn Jahre alt…“ kam resigniert von ihm. „dieser verdammte Mistkerl…“ stieß Semir aus. Die Spurensicherung und der Gerichtsmediziner kamen zu ihnen. „Oh…ihr habt Aschenputtel gefunden…“ meinte Wegener. Doch nach dem Blick den Semir und Ben ihn zuwarfen, machte er keine Witze mehr darüber. „Entschuldigung… aber sie sieht wirklich so aus. Da scheint unser Märchenprinz wieder zugeschlagen zu haben….“ entschuldigte er sich. „Das ist ein Killer und kein Prinz…“ stieß Semir wütend aus. „Schon gut….oh….sieh mal an….was haben wir denn da?“ meinte Suttner und hob eine Zigarettenkippe mit einer Pinzette hoch. „Toll eine Kippe..“ stieß Ben aus. „Ja…genau….eine Kippe…und dann sind da auch Speichelreste dran. Unser Freund wird leichtsinnig…“ meinte Wegener. „Wenn sie von unserem Täter ist… das ist noch nicht sicher….“ stöhnte Semir leise. „Aber immerhin….ich werde sie untersuchen lassen… das Mädchen ist aber vergewaltigt worden….wann sie starb und ob wir hier mehr Spuren haben…nach der Obduktion..“ gab der Arzt bekannt und ließ das tote Mädchen abtransportieren.

    Nur eine Stunde später waren sie wieder im Büro. An der Pinnwand hefteten sie das Foto des vierten Opfers des Mannes. „Das war die Jüngste von diesem Mistkerl und wir haben nichts! Absolut gar Nichts!!“ fauchte Semir wütend und schlug mit der Faust auf den Tisch. Ben sah ihn nur an. Er war selbst auch ratlos. Susanne kam rein. „Der Profiler….“ Sie stockte als sie die Bilder an der Pinnwand sahen. „Tabea…!“ stieß sie aus. Ben und Semir sahen sie an. „du kennst sie?“ kam sofort die Frage. „Ja…ja….sie..sie war gestern….das Mädchen was…was ich auf das Schiff genommen habe…“ stammelte Susanne. Sie taumelte. Sofort griff Ben zu. „Hey…ganz ruhig. Setz sich….“ kam von ihm besorgt. „Danke….Tabea war das Mädchen, was ich mit auf das Schiff genommen habe…sie.. ich hab sie doch nach Hause gebracht….was für ein Kerl ist das? Was will er denn?“ weinte Susanne plötzlich. „Hey ganz ruhig….du sagst du hast sie nach Hause gebracht….wann war das?“ harkte Semir nach. „Kurz nach Mitternacht. Sie..sie hatte kein Geld mehr und…ich hab uns ein Taxi gerufen. Es hat erst Tabea nach Hause gebracht und dann mich…ich versteh das nicht…“ weinte Susanne. „Schon gut…Susanne…“ kam sanft von Semir. Er strich der Sekretärin über den Kopf. Nur langsam beruhigte sie sich wieder. „ich…bin schuld…ich hätte auf sie aufpassen müssen..“ kam schluchzend von der Sekretärin. „Das ist doch Blödsinn. Du kanntest sie doch nicht einmal….mach dir nicht diese Vorwürfe….“ beruhigte Semir sie. „Ich habe sie vor ihrer Tür raus gelassen und bin dann nach Hause gefahren. Ich dachte wirklich sie ginge rein…aber sie muss noch mal raus sein und….Gott warum hab ich nicht gewartet…“ machte Susanne sich die Vorwürfe. „Susanne…du kannst doch gar nichts dafür….aber du kannst uns helfen… hat Tabea irgendwas gesagt? Hat sie gesagt, dass sie noch mal weg will, oder was sie vorhat? Hast du jemanden bemerkt, als sie ausgestiegen war?“ harkte Semir behutsam nach. „Sie hat mir gesagt, dass sie nach Hause will…und…bemerkt? Nein…nicht das mir das jetzt einfällt…zumindest nicht vor dem Haus….“ gab Susanne von sich. „Nicht vor dem Haus…okay… was ist auf dem Schiff?“ wollte Semir sofort wissen, weil er eine Unsicherheit spürte. „Auf dem Schiff…das war ein Mann, der….der uns immer beobachtet hatte. Er war überall da, wo wir auch waren. Wenn wir an Deck waren, stand er nicht weit weg….oder wenn wir unten was getrunken haben…da war er auch da…“ murmelte Susanne nachdenklich. „Hattest du den Eindruck, das er Tabea kannte?“ wolle Ben wissen. Susanne schüttelte den Kopf.

    Ben und Andrea sahen zu den beiden Männern rüber. „Was er ihm wohl gesagt hat?“, wollte Andrea wissen, als ihr Mann auf sie zugeschritten kam. „Das werden wir gleich wissen.“, meinte Ben nur und sah dann, wie Aida zu ihrem Papa rannte und dieser sie auf den Arm nahm, während Dr. Friedlich auf dem Stamm sitzen blieb. Semir drückte seiner Tochter einen dicken Schmatz auf die Wange und ging mit ihr zu Andrea und Ben. „Andrea…Ben….ich…“, Semir sah zu Dr. Friedlich. Dieser nickte ihm zu. „Ich…er hat gesagt...das ich…in Gefahr bin…ich…“, versuchte Semir zu erklären, doch ihm ging es nicht so wirklich von den Lippen. Martin Friedlich kam ebenfalls dazu. „Ich habe ihm erklärt, was in ihm vorgeht. Wenn er ein Tier wie den Fisch jetzt mit seinem Feind vergleicht und den Fisch regelrecht zerlegt, ist es ein Zeichen dafür, dass er seinem Feind das antut was ihm angetan wurde. Wenn er nicht über das Erlebte redet und ich meine wirklich reden…dann könnte es so werden, das er anderen gegenüber ebenfalls unfair wird und ihnen wehtut.“, erklärte er. Andrea fuhr unbewusst über ihren Arm, an dem Semir sie kürzlich hielt. Er hatte fest zugedrückt. Vermutlich wäre jedem, der hier stand diese Bewegung unbemerkt geblieben. Nicht so Dr. Friedlich. „Es ist also schon was passiert?“, harkte er nach. „Nein...das wollte ich nicht...ich...ich…“, versuchte Semir. „Schon gut...er hat etwas härter zugefasst ja…aber das ist nicht seine Natur…“, erklärte Andrea. „Nein…das nicht, aber er hat es getan…die Schwelle wird überschritten. Semir…reden Sie…erzählen Sie Ihrem Partner und Ihrer Frau, was Kalvus mit Ihnen getan hat…!“, forderte Friedlich Semir auf. „Aber…das war so schlimm…so….grausam...so…“, jammerte Semir. „Ihre Frau und Ihr Freund sind hart im Nehmen….tun Sie es!“, forderte Martin ihn erneut auf.

    Georg sah sich den Film noch einmal an. „Sehr gut…..bald ist es soweit…und dann wird die Legende wieder ein Opfer finden…ein Opfer, was es nicht gibt….kein Blut, keine Leiche…die Polizei wird im Dunkeln tappen….dachte er bei sich. „Georg!!“, hörte er seinen Vater rufen. „Ja..ich komme!!“, gab er zurück. Heute hatte sein Vater einen kleinen Empfang für seinen Gegner einberufen. Er wollte mit Fritz Reuther reden. Georg wollte diesen Abend ebenfalls nutzen um seinen Vater etwas aufzumuntern. „Vater…du solltest Fritz heute sagen, dass du etwas gegen den kopflosen Reiter unternimmst. Hast du die Geschichte von dem alten Rolf gehört? Er hat gesehen, wie der Reiter sich einen Angler holte…“, lachte Georg. Hans sah seinen Sohn an. „Das ist nicht witzig….jede Legende hat ihren wahren Ursprung. Ich habe von dem Erlebnis gehört. Und ich muss sagen, dass es grausam genug ist. Die Polizei hat ja geschaut…nur es gab keine Leiche….kein Blut…gar nichts. Ich finde es auch nicht gut, wenn Rolf deswegen zum Gespött des Dorfes wird!“, gab Hans wütend zurück. „Aber …das ist doch nur ein Saufbold…Rolf hat zu tief ins Glas geschaut und erzählt nun, dass er ein Mord gesehen hat. Ist das okay? Er verjagt damit die Gäste….die sich hier erholen wollen.“, maulte Georg. Insgeheim lachte er sich über die Naivität der Menschen hier auf dem Lande. Dennoch wollte er hier seine Fäden spinnen. „Georg…das Problem mit den Sichtungen des kopflosen Reiter hat schon oft zu noch größeren Problemen geführt. Wir sollten die Legende ruhen lassen. Ich werde mich nicht in die Gefahr begeben und in den Wald gehen. Schon gar nicht in einer Vollmondnacht…und Fritz wird es sicher auch nicht tun…“, gab Hans mit fester Stimme von sich.

    Fritz Reuther sah seine Frau an. „Nun hab dich nicht so…. immerhin ist er noch der Bürgermeister. Wir müssen zu ihm gehen. Wenn ich den Job habe, dann ist es besser…viel besser. Das Haus muss vollständig renoviert werden und der Garten umgegraben….er ist total verwildert…“, klagte Fritz. „Ja aber….dieser Kerl…er zieht mich mit Blicken aus. Das ist schon immer so gewesen….ich fühle mich nackt, wenn ich vor ihm stehe… kann ich nicht Zuhause bleiben? Sag doch einfach, dass ich Kopfschmerzen habe oder….eine Magenverstimmung, denn die bekomme ich sicher wenn ich nach Hause fahre…“, erklärte Sabine. „Bienchen…..hab dich nicht so. Als zukünftige Firstlady dieser Stadt kannst du dir deine Gäste nicht immer aussuchen. Du wirst sehen…. So schlimm ist Hans nicht.“, lachte Fritz. „Ich rede nicht von Hans…..der Alte hat doch nichts drauf. Ich rede von seinem Sohn…diesem Georg…“, stieß Sabine aus. Fritz sah sie an. „Du hast Angst vor einem Knaben?“, fragte er etwas verwirrt. „Georg ist kein Knabe mehr…er ist erwachsen….und ja….ich habe Angst vor ihm!“, bestätigte Sabine. Fritz nahm seine Frau in den Arm und drückte sie sanft an sich. „Es wird schon nicht so schlimm und wenn doch...ich bleib in deiner Nähe.“, meinte er und küsste sie auf die Stirn. Sie lächelte ihn an, nahm ihr Seidentuch und warf es sich über beide Schultern. „Na komm...bald ist es ja vorbei.“, gab er bekannt.

    Der Montag fing für Semir und Ben mit einer freudigen Überraschung an. Hartmut rief an und hatte herausgefunden dass das Blut an den Dornen nicht von dem Opfer stammte. „Haben wir wenigstens eine Übereinstimmung der DNA?“ wollte Semir wissen. „Leider nein. Der Typ…sofern es der Täter war. Es kann ja auch ein Spaziergänger sein oder jemand der seinen Hund aus dem Gebüsch geholt hat. Die Frau hatte kein Sperma also gibt es kein Vergleichsmaterial.“ erklärte Hartmut. „Also wieder nichts….ich fass es nicht…wir müssen doch irgendwie mal etwas finden…“ stöhnte Semir. Ben sah ihn an. „Wir müssen anders anfangen. Wir müssen anfangen wie der Täter zu denken. Das heißt, wir müssen uns in die Märchen versetzen und uns damit beschäftigen. Außerdem finde ich, dass wir einen Profiler zur Hilfe rufen müssen. Allein schaffen wir das nicht…“ gab er zu verstehen. Semir sah ihn an. „Ich stimme dir zu. Wir sollten wirklich einen Fachmann dazu bitten. Vielleicht kann er uns helfen…“ stimmte er zu. In diesem Augenblick kam Susanne ins Büro. „Susanne….schön das du da bist. Wir brauchen deine Hilfe..“ bat Semir sie sofort. „Lass mich nur erst die Jacke ablegen und dann helfe ich euch..“ lächelte Susanne freundlich. Ben sah sie musternd an. „Hast du ein schönes Wochenende gehabt?“ wollte er wissen. „Ja…herrlich. Gestern war ich auf einem der Rheinschiffe. Am Abend ist es einfach wunderschön…“ gab Susanne zu. „Allein?“ harkte Ben sofort nach. „Nein….in Begleitung… und zwar eine 16jährige, die unbedingt eine Fahrt machen wollte… und da sie nicht ohne Erwachsene auf das Schiff durfte, habe ich sie mitgenommen..“ lachte Susanne. „Oh….wie schön…und rücksichtsvoll…“ grinste Ben. „So…was braucht ihr denn für Hilfe?“ wollte Susanne nun wissen. „Wir suchen einen Profiler. Wir müssen ein Täterbild von unserem Wahnsinnigen erstellen, damit wir endlich was in der Hand haben womit wir arbeiten können..“ bat Semir. Susanne sah ihn an. „Meinst du das hilft?“ harkte sie nach. Semir und Ben zogen die Schultern hoch.

    Elke und Frank Schubert machten ihre Pause, die sich ihnen nach zwei Stunden Autofahrt bot. „Das ist ja herrlich hier…lass uns doch etwas durch den Wald gehen….“ flehte Elke regelrecht. „Sehr gern meine Liebe….gehen wir dort hinten lang….“ bot Frank an und reichte seiner Frau, mit der er nun schon gut fünfzig Jahre verheiratet war. „Sehr gern mein geliebter Mann…“ lachte sie und harkte sich ein. Gemeinsam ging das alte Ehepaar den schmalen Weg entlang. Die Luft war klar und machte sie munter. Als sie eine halbe Stunde gelaufen waren fiel Elke etwas Rosafarbenes im Gras auf. „sieh mal…was liegt da denn? Das sieht aus wie eine Schaufensterpuppe.“ Meinte sie und wies in die Richtung. „Eine Schaufensterpuppe? Ich sehe mal nach…zumindest ist sie angezogen…“ lachte Frank und ging tatsächlich hin. Nur wenig später kam er völlig blass zurück. „Die Polizei….wir..wir müssen die Polizei anrufen…das..das ist ein Mädchen…..sie...ist tot…“ stammelte er. Elke griff mit zitternden Händen in ihre Tasche und holte ihr Handy raus. Sie wählte die Polizei an und gab durch, was sie und ihr Mann gefunden haben. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Sirenen zu hören war. „Gott…das arme Ding…“ kam von Elke. „Es ist grausam… das Mädchen ist fürchterlich hergerichtet…geschminkt wie eine Puppe…“ stammelte Frank. Ein BMW hielt vor den beiden an und zwei Männer stiegen aus. „Gerkan… Kripo Autobahn….mein Kollege Ben Jäger…Sie haben eine Leiche gefunden?“ harkte der Mann nach und zeigte sein Ausweis vor. „Ja..ja…da hinten…dort das rosa Ding….das ist das Mädchen..“ erklärte Frank und wies auf das Feld. Die Männer sahen sich an. „Haben Sie etwas angefasst?“ harkte der Größere nach. „Nein..nein… meine Frau wollte dass ich nachsehe was das ist, das da liegt und..ich bin hin..und…grausam….wirklich grausam…“ stammelte Frank weiter. Die Männer nickten. „Sie bleiben bitte hier stehen….“ befahl der Ältere von den Beiden und sie gingen über das Feld hin.

    hmmmm es scheint sehr gefährlich mit Semir befreundet zu sein...man könnte auch sagen tödlich...mal sehen ob chris sich für das Leben entscheidet oder aber für das ewige von dem seine Mutter spricht....bin gespannt wie es weitergeht..viel kann ja nicht mehr kommen. Die bösen sind verhaftet...Peter tot....Fall erledigt....

    Oder Chris???

    Für Susanne König war es ebenfalls das erste Mal seit langer Zeit, dass sie wieder ausging. Auch sie wollte sich die Altstadt vornehmen und machte sich hübsch für die Männerwelt. Heute würde sie sehr viel Spaß haben. Auch wenn ihre beste Freundin abgesagt hatte, konnte es ein tolles Wochenende werden. Vielleicht traf sie den Mann ihrer Träume. Susanne hatte ein genaues Bild wie er aussehen musste. Groß sollte er sein. Zumindest größer als sie und das war keine Seltenheit. Mit ihren knappen 170 cm war sie relativ klein. Sie zog sich ein Minirock an, der sehr sexy an ihr wirkte. Ihre Haare steckte sie hoch und schminkte sich unauffällig. Dennoch sah sie wunderschön aus. Noch einmal prüfte sie mit einem kritischen Blick ihr Outfit und befand es für gut. Mit einem Taxi ging es in die Altstadt von Köln wo sie ihre kleine Tour beginnen wollte. Sie hatte eine kleine Kneipe in der Altstadt in der Nähe des Doms auserkoren und ließ sich dort auf eine der kleinen Holzstühle vor der Gaststätte nieder. Nicht lange und der Kellner kam. Susanne bestellte zunächst nur ein Cai- pirinha. Susanne sah sich um. Das Wasser des Rheins brach sich im Laternenlicht und sie sah eines der Ausflugsschiffe auf denen man auch in der Nacht eine Rheinfahrt machen konnte. Susanne spürte die Lust, dies zu tun und stand nachdem sie den Cocktail getrunken und gezahlt hatte an eine der Anlegestellen und holte sich ein Ticket für die nächste Fahrt. Nur wenige Personen vor ihr sah sie eine vielleicht 16jährige Teenagerin die wohl das gleiche wollte. Doch die Dame an der Verkaufsstelle ließ es nicht zu. „Die Leute die jetzt auf das Schiff gehen müssen entweder volljährig sein, oder aber in Begleitung von eines Erziehungsberechtigten bzw. eines Vertreters begleitet werden. „Aber ich will das doch unbedingt…“ beschwerte sich das Mädchen. Susanne lächelte. Sie konnte das Mädchen verstehen….eine solche Rheinfahrten waren sehr begehrt.

    Tabea sah die Verkäuferin bettelnd an. „bitte…ich bin doch schon sechzehn…..“ sagte sie leise. „Es tut mir Leid Tabea…aber das geht nicht… hier dein Ausweis…“ meinte die Verkäuferin. Tabea nahm ihn und wollte gerade aus der Reihe gehen. „Tabea…da bist du ja endlich…ich suche dich schon….wir wollten doch mit dem Schiff fahren…“ riss eine unbekannte Stimme Tabea aus ihren Gedanken. Sie sah die unbekannte Frau an. „Aber…?“ fragte sie. Die Frau sah sie an und lächelte. „Hast du schon eine Karte gekauft?“ harkte sie nach. „Nein...ich….ich darf keine…“ erklärte Tabea. „Dann hole ich dir eine…“ lächelte die unbekannte Frau. Tabea wusste nicht was sie davon halten sollte. Die Frau kaufte eine Karte und kam zu ihr. „Susanne…“ stellte sie sich vor. „Tabea…aber das haben Sie ja eben selbst gehört. Danke…das ist echt klasse von Ihnen, dass Sie mich mit auf das Schiff nehmen..“ strahlte Tabea und reichte der Frau die Hand. „Wir sollten beim Du bleiben, sonst fällt es auf… „lachte Susanne verschwörerisch. „also gut…Susanne….“ lachte Tabea. Der Abend konnte doch noch sehr gut werden. Sie amüsierte sich mit der doch wesentlich älteren Susanne köstlich. „Was machst du denn beruflich?“ wollte Tabea wissen. „ich bin Sekretärin bei der Autobahnpolizei…“ erzählte Susanne. Tabea sah sie musternd an. „Du siehst gar nicht aus, wie eine Polizistin…“ meinte sie. „ich bin Sekretärin..nicht Polizistin. Ich arbeite nur bei der Polizei. Aber das ist wirklich toll und was machst du?“ wollte Susanne im Gegenzug wissen. „ich will mal Polizistin werden. Ich hab gestern mein Abitur gemacht und damit steht mir alles offen.“ Strahlte Tabea. „Na das ist doch toll. Hast du dich schon beworben?“ harkte Susanne nach. Tabea nickte. „Nächste Woche habe ich meinen Vorstellungsterim und Einstellungstest. Ich bin total aufgeregt…“ erzählte sie. Die Zeit verging und schnell war es nach Mitternacht. „So…. gleich legen wir an. Wie kommst du denn nach Hause?“ wollte Susanne wissen. „Trampen…ja ich weiß es ist verboten…aber es geht keine Bahn mehr…“ kam sofort von Tabea. Susanne sah das Mädchen an. „Ich mache dir einen Vorschlag…wir fahren mit dem Taxi. Ich bezahle es für dich. Erst zu dir nach Hause und dann fahre ich nach Hause. So ist es eine gute Lösung, oder?“ schlug sie vor. Tabea nickte „Das ist echt klasse… schade das die Fahrt schon wieder zu Ende ist“ meinte sie. „Einmal ist alles zu ende. Komm wir nehmen uns das Taxi da vorn...“ lachte Susanne.

    so mal nachgeholt was am Mittwoch passiert ist....whow...das ging ja ab wie Luzie.....Peter ist tot...das ist gut, leider ging es mir viel zu schnell...und was ist jetzt mit Semir? Chris...da kannst du doch nicht Schluss machen!!!!

    so hier kommt das Abendessen...wie gewünscht...;)

    Bis das Bild stand vergingen Stunden. Der Zeichner schien kurz vor der Verzweiflung zu stehen, denn Guido hatte immer wieder was auszusetzen, doch dann endlich… war das Bild fertig. „Hmm….Sie sind sicher, dass er so aussah?“ harkte Semir nach. „Ja…ganz sicher. Der Typ mit dem die Kleine gegangen ist sah so aus…“ bestätigte Guido. „Also gut…danke und wenn Sie ihn sehen sollten, rufen Sie uns bitte sofort an..“ bat Semir und entließ den Mann wieder. Ben und er gingen in ihr Büro. Susanne hatte heute freu und so mussten sich die Beiden auf ihr eigenes Können im Umgang mit den PCs verlassen. Tatsächlich schafften sie es das Bild mit der aktuellen Datei zu überprüfen. Doch das Ergebnis war niederschmetternd. Es gab keine Übereinstimmungen. „Verdammt… wenn wir nichts haben, wo sollen wir anfangen…“ stöhnte Ben. „Mit den Akten der Kollegen aus Düsseldorf…“ schlug Semir vor und wies auf einen Karton in der Ecke. Ben nickte. „Also gut….dann machen wir uns daran…“ stimmte er zu. Jeder nahm eine Akte und las sie durch. Nach einer weiteren Stunde waren sie genauso weit wie vorher. „Also dieser Typ ist verdammt gerissen. Er hinterlässt keine Spuren. Das kann doch nicht wahr sein. Wieso macht er uns das so schwer?“ stöhnte nun auch Semir. „Der Typ ist gut…aber eins sag ich dir … wir sind besser…“ versprach Ben. „Ja sicher….hoffe nur, dass wir morgen nicht noch eine Leiche finden… Dornröschen… Rotkäppchen….Schneewittchen….was finden wir als nächstens Aschenputtel? Oder Rapunzel?“ wollte Semir wissen. Ben sah ihn an. „Das ist es doch….wir müssen uns mit den Märchen auseinandersetzen….dann finden wir auch was. Der Kerl scheint Märchen zu lieben…Was wenn er diese Bücher ausleiht….? Dann muss er doch in Bibliotheken gehen….“ stieß Ben aus. Semir sah ihn an. „Du meinst wir gehen in die Büchereien und fragen nach ob jemand so aussieht wie auf dem Phantombild?“ harkte Semir nach. Ben nickte. Semir musste zugeben, dass es die einzige Möglichkeit war endlich etwas zu finden. Der Tag zog sich schleppend dahin ohne dass sie ein wirkliches Ergebnis bekamen.

    Tabea machte sich für ihren Abschlussball fertig. Sie war sechzehn und freute sich darauf die Schule endgültig abschließen zu können. Und dann waren Ferien angesagt. Heute würde sie die Sau raus lassen. Nach der Abschlussparty wollte sie noch etwas auf die Piste gehen. Sie musste es ausnutzen das ihre Eltern auch unterwegs waren. Es kam so selten vor, dass sie raus durfte obwohl sie schon sechzehn war. Und wer weiß vielleicht traf sie heute ihre große Liebe. Das war schon lange Zeit. Ihre Freundinnen hatten bereits ihr erstes Mal aber Tabea hatte noch nie mit einem Jungen geschlafen. Ihr Vater war sehr konservativ und ihre Mutter hatte nichts zu sagen. Gegen achtzehn Uhr fuhr sie zur Schule wo sie schon von den Klassenkameraden erwartet wurde. Viele von ihnen hatten den Abschluss geschafft und das Abitur in der Tasche. „Hey….Thomas….“ rief sie einem Schüler zu den sie sehr süß fand. “Hallo Tabi….” Freute sich dieser ebenfalls. „Wir könnten heute Abend zusammen auf die Piste gehen… ich haben Freilauf..“ lachte sie strahlend. „Oh…schade…ich bin mit Yvonne hier. Aber vielleicht ein anders mal…“ meinte Thomas nur. „Schade….na dann mache ich mir allein einen schönen Abend. Ich werde hier höchstens bis zehn bleiben und dann in die Altstadt…heute ist Freitag und sicher viel los!“ meinte Tabea nur. „Hey… wir könnten doch mit Yvi zusammen in die Altstadt gehen…“ schlug Thomas vor. Tabea schüttelte den Kopf. „Lass mal… ich bin nicht gern das dritte Rad am Wagen.“ lehnte sie ab. Die Party war langweilig. Tabea sah zwischendurch auf die Uhr und war froh als es endlich zehn war. Sie verabschiedete sich von den Exklassenkameraden und ließ sich von einem Taxi in die Stadt bringen. Am Dom stieg sie aus und ging die vielen Treppen hoch. Dann waren es nur noch wenige Schritte bis zu der Ecke wo sie eigentlich noch nicht hin durfte. Aber sie wusste auch, dass es vielen Kneipiers egal war ob eine Minderjährige sich in ihrer Kneipe aufhielt. Doch Tabea wollte eine der Nachtfahrten von den Ausflugsschiffen machen. Eine Fahrt die immer so schön romantisch werden konnten. Sie stellte sich an um eine der Karten zu kaufen.

    „Kikeriki...“, schrie der Hahn über den Hof und weckte damit alle im Haus. Ben war der erste, der grummelnd seine Augen aufschlug. „Blödes Vieh...“, zischte er nur und sah dann zu Semir hinüber. Dieser lag noch friedlich und seelenruhig schlummernd im Bett. „Wenigstens einer der schlafen kann.“, grinste Ben und stieg unter die Dusche. Was für ein Hochgenuss, dachte er, als das Wasser über seinen Körper und durch die Haare lief. Plötzlich klopfte es an der Tür. „Gleich...“, gab Ben nur zurück und trocknete sich dann ab, wickelte das Handtuch um seine Hüfte und schloss die Tür wieder auf. Semir stand vor ihm, zwar verschlafen aber sichtlich erholt. „Hast du gut geschlafen?“, wollte Ben wissen, während seine Haare ihm noch ins Gesicht hingen. Semir nickte lächelnd. „Ja, seit Tagen endlich mal wieder. Die Tabletten haben echt gut getan.“, gab er bekannt und grinste. „Fein, dann kannst du ja deine Familie wecken. Sicher hat mein Opa schon das Frühstück fertig.“, lächelte Ben und ging dann wieder ins Bad. Semir nickte nur und ging auf den Flur hinaus. „Miau...“, machte es hinter ihm. Semir stoppte seinen Gang und drehte sich um. „Hey, noch ein Frühaufsteher.“, lachte er, als er seinen Kater auf dem Pfosten des Treppengeländers sitzen sah. „Na, willst du mit mir das Frauchen aufwecken?“, wollte Semir wissen und grinste den Kater an. Felix verstand sofort und dieser sprang seinem Herrchen in die Arme, schnurrte und ließ sich von dem Deutschtürken ordentlich kraulen. Lachend ging Semir nur weiter und öffnete vorsichtig die Tür.

    Andrea schreckte auf, als sie von jemandem geküsst wurde. „Hmmm...Semir?“, kam es nur von ihr. „Hallo mein Schatz...guten Morgen...“, lachte er nur und küsste sie innig, während er Felix aufs Bett absetzte. „Wie geht es dir?“, wollte Andrea dann wissen und stützte sich in ihrem Kissen ab. „Sehr gut...ich habe keine Alpträume gehabt. Und ich hab endlich wieder durchschlafen können.“, grinste er und sah auf Layla, die in ihrer Wiege neben dem Bett lag. „Wo ist Aida?“, wollte Semir wissen und sah sich um. „Die schläft noch...nebenan.“, entgegnete Andrea und stand auf, nahm den Kater hoch und ging ins Bad. „Dann weck ich sie auf. Sicher ist schon das Frühstück fertig.“, erklärte Semir und ging ins Nebenzimmer. Seine älteste Tochter lag noch friedlich im Bett und schlief, doch auch sie wurde sanft von ihrem Vater aufgeweckt. „Papa...“, stieß sie sofort aus. „Das piekt...“, lachte Aida und Semir strich sich über den piekenden Bart. „Stimmt...Komm Frühstück ist bestimmt schon fertig.“, meinte er und nahm seine Tochter vorsichtig hoch. Andrea hatte sich inzwischen umgezogen und nahm Layla auf den Arm. „Felix...komm, es gibt unten Fresschen...“, rief sie dem Kater zu und dieser folgte.

    Harald Krenz sah auf seinen Hund, als dieser vollkommen lustlos am Boden lag. „Flocke...was ist denn mit dir los?“, wollte er wissen und kniete sich neben dem Jagdhund. Dieser sah ihn mit traurigen Augen an. „Dir geht es nicht gut, was? Da holen wir mal lieber die Doktorin.“, meinte er und griff zu seinem Handy. „Hallo? Elena? Ja, hier ist der Bürgermeister...ich brauche dich mal...Flocke, mit Flocke stimmt irgendwas nicht...Kannst du schnell herkommen?“, bat der Mann. „Mache mich gleich auf den Weg.“, kam es nur von der Tierärztin. Eine halbe Stunde später war sie beim Bürgermeister im Haus und untersuchte den Hund. „Hat sie was Falsches gegessen? Wie lange ist sie denn schon so?“, wollte Elena wissen und drückte immer wieder den Unterleib des Hundes. „Sie ist erst seit heute morgen so.“, erklärte der Bürgermeister und rieb sich nervös die Hände. „Hm, mal sehen, was ihr fehlt.“, kam es nur von der Tierärztin und schon nahm sie ihr Stethoskop und horchte den Hund ab. Georg kam dazu. „Hallo Elena.“, begrüßte er die Tierärztin. „Hallo Georg...sind denn schon Semesterferien?“, wollte sie lächelnd wissen. „Ja und ich bin schon seit einer Woche wieder hier…“, nickte Georg. „Wie läuft es denn so im Studium?“, harkte Elena nach. „Danke kann nicht klagen...und was machen die Tiere?“, stellte Georg die Gegenfrage. „Ach weißt du…manchmal sind die Tiere nicht das größte Problem. Bei all dem was uns beschäftigt, vergisst man oft den Menschen.“, erklärte Elena. Georg sah sie ernst an. „Du hast doch keine Probleme in der Familie oder?“, kam etwas erschrocken von ihm. „Nein…nicht ich….der alte Gregor….der hat gerade Gäste und einem davon geht es ziemlich übel…nervlich….ich hab ihm Dr. Friedlich empfohlen…mal sehen ob es hilft…“, gab Elena von sich. „Oh….ähm…ein guter Freund von dir?“, wollte Georg weiterhin wissen. „Ja und nein…eher ein Freund von Nico…aber nun ja…Gregor sagt zwar nichts, aber es geht ihm ziemlich gegen den Strich, weil er den Mann wohl näher kennt….nun ja…so….nun wollen wir mal schauen….Hans….ähm….hat sie normal gefressen?“, wandte sich Elena an den Vater. „Ja…ganz normal…keine übergroße Portion nichts Besonderes…ist es ernst?“, kam besorgt von Hans. „Nun...um das zu erkennen, müsste ich sie röntgen….also mitnehmen…“, gab Elena von sich und erhob sich. In diesem Augenblick würgte die Hundedame etwas hervor. Elena sah hin und lächelte. „Okay….das war wohl der Übeltäter…..sieht aus wie ein Stück Holz…“, kam nachdenklich von ihr. Flocke jammerte leicht. „Ja…ist gut….ist gut…meine Süße…ich würde sie gern mitnehmen...Hans…nur zur Sicherheit…ich lass sie röntgen, aber so wie es ausschaut ist es das dort gewesen. Ich will nur sicher gehen… wenn sie heute Abend wieder fit ist, ruf ich dich an.“, schlug Elena vor. Hans sah auf seine treue Hündin. „Hilf ihr bitte...“, nickte er. Mit Georgs Hilfe wurde Flocke ins Auto von Elena gebracht die umgehend in die Praxis fuhr.

    „Ich soll die was von meiner Tochter ausrichten…“ fing Semir an. Ben reckte sich und sah ihn an. „Sie will mich als Papa?“ grinste er breit und frech. „Nein….aber du bist ihr Märchenprinz…“ lachte Semir. Bens Grinsen verschwand. „Was? Wieso Märchenprinz?“ harkte er nach. „Nun ja….Ayda hat mir heute beim Frühstück gebeichtet dass du ihr Märchenprinz bist, weil du sooo schön Märchen vorlesen kannst. Und ab nächste Woche, soviel Zeit konnte ich für dich rausschlagen… darfst du ihr jeden Abend ein Märchen vorlesen… ich habe wirklich alles versucht aber sie lässt sich auf nichts ein..“ grinste Semir breit und lehnte sich zufrieden zurück. „Das gefällt dir, was? Ja das sehe ich deiner Nasenspitze an… Hör mal…ich habe absolut keine Zeit und auch keine Lust jeden Abend Ayda was vorzulesen… das geht nicht. DAS ist deine Pflicht!“ empörte sich Ben. „Ja…das hab ich ihr auch gesagt, aber…. sie will dich…und sie ist stur..“ erklärte Semir. „Ja wie ihr Vater…“ stöhnte Ben. „…diese Woche hast du ja noch Schonfrist…“ lachte Semir. „Warum macht es dir Spaß mich so zu quälen?“ harkte Ben nach. „Du hast dich mit meiner Tochter gegen mich gestellt….und damit du es lernst nie wieder zu tun, wirst du da durch müssen. Strafe muss sein…“ kam mit einer ernsten und erzieherischen Stimme von seinem Partner. Ben stand auf und stieß einen Seufzer aus. „fahren wir…bevor mir schlecht wird. Und über diese Märchenstunde…bei dir…da reden wir noch mal ganz deutlich mit Ayda…“ versprach Ben. Sie fuhren wenig später ihre Runde. Alles war ruhig. „Cobra 11 für Zentrale…“ plärrte aus dem Funk. „Cobra 11 hört…“ gab Ben durch. „Wir haben wieder eine Leiche… bei Frechen im Rosenfeld….bei Km 278. Ein Hund hat die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie hat ein Ballkleid an..“ gab der Kollege durch. Ben ließ das Blaulicht aufleuchten und Semir trat das Pedal durch. Sie brauchten dennoch zwanzig Minuten bis sie vor Ort waren. Spuren-sicherung und Gerichtsmediziner standen bereits mitten drin.

    „Ach unsere Ermittler sind auch schon da…“ begrüßte Wegener die Beiden. „Ich grüße dich auch...Jochen…was haben wir hier?“ ging Semir direkt zum Fall über. „Eine Frau….ca. 29 Jahre alt, vermutlich sogar jünger. Wie auch beim anderen Fall…ist hier nicht der Tatort. Sie wurde wie Rotkäppchen und Schneewittchen erdrosselt. Alles weitere nach der Obduktion…“ kam von dem Arzt. Semir ging zu Hartmut der sich die Umgebung ansah. „Hast du was für mich?“ wollte er wissen. „Nun ja und nein….also die Frau war mitten im Feld und der Typ der sie hier abgelegt hat, muss sich verletzt haben. Wir haben zwei Dornen gefunden die mit Blut behaftet sind. Die befinden sich bereits auf den Weg zum Labor. Ansonsten haben wir nichts gefunden. Die Rosen sind alle von dort vom Parkplatz aus niedergetrampelt worden…also muss das Fahrzeug des Mörders dort gestanden haben. Vermutlich hat er die Frau durch die Hecken gezogen und nicht getragen. Der Doc hat nämlich einige Dornen in ihrem Körper gefunden die darauf schließen lassen. Wem das Blut gehört was wir am Dorn gefunden haben wird sich zeigen. Lasst mir ein oder zwei Tage Zeit…solange braucht es. Andere Spuren haben wir leider nicht. Fußabdrücke können wir nicht sichern, weil sich die Pflanzen direkt wieder aufrichteten. Dazu müsste man die ganzen Rosen hier wegschneiden und dann ist es nicht mehr möglich Spuren zu nehmen, weil es dann hunderte gibt..“ erklärte Hartmut. „Also wieder gar nichts…das gibt es doch nicht… so langsam müssen wir was finden…“ stöhnte Semir. „Wir müssen zur PAST zurück…weil gleich noch ein Zeuge kommt, der uns vielleicht helfen kann..“ meinte Ben nur. Hartmut hob die Hand. „Dann so long… Jungs… Ich melde mich sobald ich was für euch hab…“ versprach der Techniker. Semir hob die Hand und verabschiedete sich von dem Trupp. Sie kamen mit Guido Grabner, dem Helfer aus der Kneipe zusammen an der PAST an. „Herr Grabner…sehr schön…kommen sie bitte direkt mit..“ bat Semir den jungen Mann. Gemeinsam ging es zum Phantomzeichner.

    so der Nachschlag für die fleißigen Feeder/innen

    Leo hielt mit beiden Händen den Gürtel fest und zog sie auseinander. Kira sah ihn flehend an. Sie war blau angelaufen. Die Augen quollen hervor. Alles in ihr schrie um Hilfe aber von diesem Mann kam sicher keine. „Du hast ein letztes Mal über mich gelacht Dornröschen…aber keine Sorge…dein Grab wird das schönste sein, was ich je gemacht habe…sogar ein tolles Kleid hab ich für dich ausgesucht…und nun stirb…“ fauchte er und riss noch einmal an dem Gürtel. Es knackte leise. Kiras Augen sahen ihn an. Sie waren weit aufgerissen, doch es gab kein Leben mehr in ihnen. Er hatte wieder gewonnen… sah er es. Das Lachen von Kira war verstummt. „Jetzt bin ich wieder der King. Niemand lacht über mich… niemand...hörst du…niemand und niemals…“ sagte er triumphierend. Er nahm den Gürtel, legte ihn sich wieder um und holte ein blaues Ballkleid aus dem Schrank. Dann zog er Kira das Kleid an und schminkte das Gesicht. Als er fertig war sah er auf die Leiche. „Du bist wunderschön…..“ strahlte er. Dann packte er die Leiche und legte sie in den Kofferraum seines Wagens. Er fuhr los. Nicht weit von Frechen, das wusste er, lag ein großes Wildrosenfeld. Dort sollte Dornröschen ihre letzte Ruhestätte finden. Ein Grab musste er nicht herstellen. Hier waren die Hecken so dicht, dass sie wie begraben darin lag. Niemand würde sie finden. Niemand würde diese kleine Nutte vermissen. Die Autobahn war wie leer gefegt und das war auch gut so. Es war fast Mitternacht als er die besagte Stelle anfuhr. Schnell stieg er aus und legte Kira in das Dornenfeld. Als er sie richtig betten wollte geriet eines der spitzen Dornen in seiner Hand. Fluchend riss er es raus und warf es zu Boden. Das Blut welches aus der Wunde lief leckte er einfach ab. Nur eine Stunde später war er wieder zuhause und legte sich auf sein Bett. Er nahm das Märchenbuch in die Hand und las Rapunzel. „Mein liebes Rapunzel…ich werde dich retten. Kein Troll darf dich nehmen…niemand darf dich ansehen…nur ich...ich bin dein Märchenprinz…“ sagte er leise und schlief über das Buch ein.

    Der nächste Morgen fing für Semir mit einem ausgiebigen Frühstück mit der Familie an. Seine Tochter sah ihn strahlend an. „du…Papa…wann kommt Ben wieder?“ wollte Ayda wissen. „Warum denn meine Schatz?“ harkte Semir nach. „Weil Ben mein Märchenprinz ist..er kann sooooo toll vorlesen, dass ich das jeden Abend will!“ erklärte die Kleine vorlaut. Semir lachte leicht. „Aber Ben muss ja auch arbeiten…ich kann dir doch vorlesen, oder die Mama…“ schlug Semir vor. „Nein…ich will das Ben mir vorliest!“ protestierte Ayda. Sie verschränkte die Arme und stapfte mit dem Fuß auf. „Aber Schatz….sieh mal…. Ben ist….“ Versuchte Semir erneut. „Ich will das Ben mir Märchen vorliest!!“ kam erneut von Ayda. Andrea lachte leise. „Schatz…das hat Ben sich selbst eingebrockt. Er hätte damit nicht anfangen sollen..“ gab sie zu und stellte sich eindeutig auf die Seite ihrer Tochter. „Das wird ihm nicht gefallen und mir auch nicht….Ben jeden Abend bei uns….das ist nicht gut für unseren Kühlschrank..“ erklärte Semir nachdenklich. „Nur keine Sorge…das schaffen wir schon..“ lachte Andrea. „Okay… Ayda…ich werde Ben das sagen, aber… erst ab nächster Woche… diese Woche müssen Ben und ich nämlich sehr lange arbeiten..“ erklärte Semir seiner Tochter. Damit war Ayda sogar einverstanden. Andrea sah ihn an. „Was für einen Fall habt ihr diesmal?“ wollte sie wissen. Semirs Lachen verschwand. Er sah zu seiner Tochter und dann zu Andrea. „Nicht vor Ayda…“ gab er bekannt und Andrea verstand. „Ich muss los…“ hängte er an. Andrea brachte ihn zur Tür und sah ihn an. „Was für einen Fall?“ harkte sie erneut nach. „Es geht um einen Mörder, der seine Opfer als Märchenwesen ausstattet. Wir haben bisher zwei Opfer…“ erklärte Semir leise und küsste sie. „Bis heute Abend… es wird sicher spät…“ gab er bekannt. „Schon gut…. Rette du die Welt…“ lächelte Andrea und verabschiedete ihren Mann liebevoll. Semir stieg in seinen BMW und fuhr zur PAST. Auf dem Parkplatz kam er direkt mit Ben an. „Guten Morgen…“ begrüßte er seinen Partner. „Morgen Semir…na alles klar?“ wollte Ben wissen. Semir grinste breit. „Was hast du denn? Ein Bügelbrett gefrühstückt?“ harkte Ben nach. Semir zog ihn in ihr Büro.

    Es dauerte ganze drei Stunden bis sie wieder im Büro waren. „Also...wenn Katrin Thalmann in der Bar direkt in die Arme ihres Killers gelaufen ist, dann müssten wir dort mal nachharken. Vielleicht erinnert sich das Personal an die Dame und kann uns eine Beschreibung des Begleiters geben..“ dachte Semir laut nach. „Du hoffst das der Typ schon öfter dort war?“ harkte Ben nach. „Ich hoffe gar nichts...aber irgendwo müssen wir schließlich anfangen. Außerdem ist es durchaus möglich, dass er dort Stammkunde ist, oder aber jemand der öfter da war und jetzt nicht mehr...“ gab Semir zurück. Ben nickte. „So und weiter im Text…lass uns nochmal überlegen…der Täter hat keine Spermaspuren hinterlassen, also hat er ein Kondom genutzt oder aber er ist nicht zum Schuss gekommen. Die Tote hatte keine Abwehrzeichen, also war es einvernehmlicher Sex. Es muss so gewesen sein, denn in dem toten Körper waren keine Betäubungsmittel zu finden. Sie muss also mitgemacht haben. Was kann ein Mann dazu bringen eine Frau zu töten….?“ dachte Semir laut nach. „Da gibt es sicher einige Gründe…vielleicht ist er vor ihr gekommen und sie hat ihn ausgelacht….gekränkte Männlichkeit hat ihn dann dazu gebracht sie zu töten. Oder aber sie hatten harten Sex und er hat sie während sie dabei waren gewürgt. Soll ja Frauen geben, die darauf stehen, und als er fertig war, hat er bemerkt das sie tot ist…“ mutmaßte Ben ebenfalls ziemlich nachdenklich. Semir nickte. „Das wäre zwar eine Möglichkeit, aber wieso zieht er das Mädchen dann an wie Rotkäppchen?“ harkte Semir nach. Ben zog die Schultern hoch. „Gut…dann sehen wir uns doch mal an was wir über Katrin haben….“ kam von Semir. „Nicht viel…“ gab Ben zu verstehen und sah auf den PC. „Sie war 28 Jahre alt, unverheiratet, keine Familie mehr. Die Eltern starben bei einem Autounfall. Ansonsten keine Angehörigen. Sie lebte mit ihrer Freundin zusammen, arbeitete als Callcenteragentin…und liebte nach Auskunft von Frau Chan das Abenteuer…“ zählte Ben aus. „Sie war also eine ganz normale Bürgerin. Keine Exzesse? Drogenmissbrauch oder so?“ wollte Semir wissen. „Damit kann ich leider nicht dienen…“ gab Ben zurück. „Gut…dann fahren wir jetzt zu der Kneipe und fragen uns durch….“schlug Semir vor. Ben sah ihn an. „Meinst du wir können da jetzt schon auftauchen? Die wird noch geschlossen haben. Vor vier bekommst du dort sicher nur die Putzfrau zu sehen...“ gab er zu bedenken.

    Erst nach einigen Kaffees und nach dem Mittagessen fuhren Semir und Ben zur Kneipe. Diese war gut besucht. Semir und Ben kämpften sich zur Bar durch und sofort fielen Bens Blicke auf die Schönheit hinter der Theke. „Hi…Jungs..was darf es sein?“ wollte sie wissen. Semir hob seinen Ausweis. „Ein paar Auskünfte…“ bestellte er. „Oh..Bullen…was liegt an?“ kam nun viel kühler von ihr. „Es geht um einen Gast von gestern Abend…“ erklärte Semir ohne darauf einzugehen. Einige der Gäste hatte sich schnell verdrückt als das Wort „Bulle“ fiel. „Hmmm…da war ich nicht hier….das war Guido…der kommt gleich. Wollt ihr was trinken?“ fragte die junge Frau. „Ja gern…ich nehme eine Cola on the Rocks…“ grinste Semir. Ben nickte. „ich auch..“ gab er bekannt. Die junge Frau ließ ein paar Eiswürfel in zwei Gläser fallen und anschließend Cola darüber laufen. „Bitte schön…4,80 €“ sagte sie. Semir legte fünf Euro auf den Tisch. „Stimmt so…“ murmelte er und nahm sein Glas. Es dauerte noch eine gute halbe Stunde bis der erwählte Guido in die Kneipe kam. Sofort wurde er zu Semir und Ben geschickt. „Sie wollten mich sprechen?“ meinte er unsicher. „Ja…Gerkan Kripo Autobahn…mein Kollege Ben Jäger… gestern war diese Frau zu Gast bei Ihnen….erinnern Sie sich an sie?“ wollte Semir wissen. Er hielt dem Mann ein Bild vor die Nase. „Ja..die war hier…bis kurz vor Mitternacht und ist dann mit so einem Kerl abgehauen..der schon vorher die Mädchen billig angemacht hat...“ bestätigte Guido. „was ist denn mit ihr? Hat sie was angestellt?“ fragte er nach. „Wie man es nimmt. Sie ist tot. Sie wurde ermordet und wir gehen davon aus, dass es ihre Bekanntschaft war...“ gab Semir bekannt. „Oh verdammt...“ stieß Guido aus. „Haben Sie den Mann gesehen mit dem sie weg ist?“ mischte Ben sich ein. „Ja….ganz deutlich sogar. Wie gesagt er hat einige Mädels angesprochen. Und ich hab ihn ermahnt…“ nickte Guido. „Wie sah der Mann aus?“ harkte Semir nach. „Er war ungefähr 180 cm groß…hatte dunkles schon etwas lichtes Haar und braune stechende Augen….“ zählte Guido auf. Semir schrieb alles auf. „Hatte er etwas Besonderes? Humpelte er oder sonst etwas das ihm auszeichnete?“ stellte Ben die nächste Frage. „Nein…nichts Besonderes….aber ich würde ihm wieder erkennen wenn er hier wäre…“ gab Guido von sich. „Könnten Sie sich vorstellen ein Phantombild von dem Mann mit Hilfe unseres Zeichners anzufertigen?“ wollte Semir wissen. Guido zog die Achseln hoch. „Ich könnte es versuchen….aber versprechen kann ich nichts..“ gab er ehrlich zu. „dann kommen Sie doch morgenfrüh bitte aufs Revier…hier ist meine Karte…“ bat Semir und erhob sich. Guido versprach zu kommen.

    Für Ben und Semir begann der Tag mit einer freudigen Nachricht, denn kaum saßen sie an ihrem Platz kam Susanne ins Büro. „Wir haben die Identität von Schneewittchen..“ stieß sie aus. Ben und Semir sahen sie an. „Und wer war unsere Prinzessin?“ wollte Ben sofort wissen. „Ihre Beschreibung passt auf Katrin Thalmann... sie ist...oder besser war Callcenteragentin bei einer Telefongesellschaft in Köln. Ihre Freundin hat sei heute Morgen als vermisst gemeldet...“ erklärte Susanne. „Na dann sollten wir der Freundin doch mal einen Besuch abstatten..“ meinte Semir und stand auf. Ben folgte ihm. Susanne drückte ihm schnell noch einen Zettel in die Hand. „Die Adresse...“ erklärte Susanne als er sie merkwürdig ansah. Ben sah zu Semir, der bereits den Schlüssel im Laufen zu. „Hey...warte doch mal...mein Essen wird kalt..“ knurrte Ben. „Frühstücken kannst du später auch noch...verhungern wirst du sicher nicht..“ grinste Semir und verließ die PAST. „Wenn der wüsste...“ knurrte Ben und rannte ebenfalls raus. Sie fuhren zu Coralie Chan in die Kölner City. „Hier soll sie wohnen...“ murmelte Semir und klingelte an der Tür. Eine junge Asiatin öffnete. „Frau Chan?“ fragte Semir und zeigte seinen Ausweis. „Ja..“ nickte die junge Frau. „Es geht um Ihre Freundin...Katrin...“ erklärte Semir weiter und Coralie ließ die beiden Männer in ihre Wohnung. Alles hatte hier einen asiatischen Tatsch. Die Farben waren aufeinander abgestimmt. „Sie ist tot...nicht wahr...?“ fragte sie. Semir sah zu Ben. „Ja...zumindest vermuten wir dass es Katrin ist. Aber sicher können wir erst sein, wenn uns ein naher Angehöriger oder ein guter Freund es bestätigt....“ erklärte Ben leise. „Ich weiß...ich...ich...Gott wenn ich doch nur nicht früher gegangen wäre...dann könnte sie vermutlich noch leben..“ stieß die junge Frau aus. „Was meinen Sie denn damit?“ harkte Semir sofort nach. „Ich ...wir... waren zusammen unterwegs. Aber wir haben uns gestritten und...ich bin nach Hause. Sie wollte unbedingt noch jemanden aufreißen, eine aufregende Nacht erleben... wie sie sagte und nun...“ kam leise von Coralie. „Frau Chan... wissen Sie mit wem Katrin sich getroffen hat?“ fragte Ben nach. „Nein... aber sie war sicher im „Goldstern“ das ist ihre Lieblingskneipe. Ich fand sie nicht so gut und das brachte dann auch manchmal Streit..“ erklärte die junge Frau weiter. Semir räusperte sich. „Frau Chan... ich weiß dass es sicher schwer ist, aber...Sie müssten Ihre Freundin identifizieren. Trauen Sie sich das zu?“ fragte er sanft. Coralie nickte. „Ja...sicher...“ gab sie unsicher zu.

    In der Gerichtsmedizin roch es stark nach Desinfektionsmittel. Dr. Peter Wolfrath hatte heute Dienst und sah die drei Personen an. „Frau Katrin Thalmann...ah die unbekannte Tote von Gestern Morgen...ja...die liegt...im Fach 423...hier entlang bitte..!“ forderte er die Drei auf. Sie gingen durch eine große Reihe von schließfächerähnlichen Anlagen und er schloss eine von ihnen auf. Nun entpuppte sich das Schließfach als Kühlfach und er zog die Bahre raus. Die Person die dort lag war bläulich. „Lassen Sie sich Zeit...“ bat Semir Gerkan die junge Frau. Diese atmete tief ein während Ben Jäger die Abdeckplane hoch nahm. Der Gesichtsausdruck der jungen Frau veränderte sich. Die Augen weiteten sich und die Farbe wich aus dem Gesicht. Langsam brach die Frau zusammen und konnte gerade noch von Semir Gerkan aufgefangen werden. „Frau Chan?“ rief er sie an. „Ben...hilf mir mal..“ bat Gerkan und gemeinsam mit Jäger brachte er die junge Frau aus dem kühlen Raum. Dr. Peter Wolfrath ging direkt hinterher und legte ihre Beine hoch. „Geben Sie mir den kleinen Hocker dort...sie hat einen Schock..“ erklärte er und wies die beiden Polizisten an zu helfen. Er prüfte den Puls und zählte leise. „Ist alles in Ordnung...er wird stärker..“ meinte er nur. „Holen Sie ein Glas Wasser, dann kann die junge Frau was trinken..“ bat er Gerkan. Dieser nickte und kam kurz darauf mit einem Glas in der Hand wieder. Coralie Chan saß bereits und sah ihn mit glasigen Augen an. „Frau Chan? Geht es wieder?“ fragte er besorgt. Die junge Frau nickte und brach in Tränen aus. „Frau Chan...ist es Katrin?“ harkte Ben nach. Wieder kam ein Nicken. „Wir werden Sie in ein Krankenhaus bringen...dort können Sie sich dann ausruhen..“ schlug Ben vor. Auch jetzt nickte sie nur. „Ich kümmere mich um die Frau...“ versprach Peter Wolfrath. „Danke Doc...“ kam von Ben und Semir. Schon waren die Beiden verschwunden. Sie mussten einen Mörder finden und wussten auch wo sie ansetzen wollten. „Schon heftig oder.... da gehst du mit einer Freundin aus, streitest dich mit ihr und plötzlich ist sie nicht mehr da. Die Gedanken das man was hätte ändern können, wenn man doch geblieben wäre...“ murmelte er nachdenklich. „Ja... aber es kann auch sein, dass Frau Chan einfach Glück hatte. Sonst hätte sie auch leicht die zweite Leiche sein können..“ bestätigte Semir. „ Die dritte...Du denkst, dass wir noch mehr Leichen finden werden?“ harkte Ben nach. „Es wäre gut möglich...ich hoffe aber nicht...jetzt heißt es diesen Perversling zu finden...“ knurrte Semir, Er konzentrierte sich auf den Verkehr.