„Semir? Ben? Was machen Sie denn hier?“, wollte Kim entsetzt wissen, als die Beiden wenig später in der PAST auftauchten. „Das LKA hat Georg Paschner verhaftet. Er wollte uns zum Versteck führen und diese schlauen Typen vom LKA nehmen ihn fest. Damit ist alles hinfällig. Georg wird denen nichts sagen. Aber das ist nicht das Schlimme. Georg ist schwerkrank. Er hat Leberkrebs und zwar im Endstadium. Er braucht regelmäßig Medikamente…Chefin… Sie wissen doch selbst wie es im Untersuchungsgefängnis abgeht. Die nehmen da keine Rücksicht! Wir müssen was unternehmen…“ Semir klimperte mit seinen Wimpern. Kim lächelte. „Also gut… ich rufe die Schrankmann an. Aber Sie werden mit Georg dann zum Versteck fahren und die Beute holen und anschließend nach Hause fahren. Sie sind noch nicht wieder fit. Moment mal…Semir… Sie konnten mit der Schulter kein Auto fahren und Sie Ben nicht mit dem Bein… Wie bitte sind Sie hier hergekommen?“, fiel Kim plötzlich auf. „Ich habe sie hergefahren.“, meinte plötzlich eine ziemlich verweinte Stimme hinter Kim. Sie drehte sich um und sah in das Gesicht einer Frau ihres Alters. „Sie sind sicher die Tochter von Herrn Paschner?“, stellte Kim fest. Sie nickte nur. „Haben sie die Medikamente für ihren Vater dabei?“, fragte die Kriminalrätin. Wieder nickte Rosi. „Okay, fahren sie mit Bonrath zum LKA... ich werde die Staatsanwältin informieren.“, gab sie von sich und Dieter erhob sich aus seinem Stuhl. Schnell saßen die Vier in einem Streifenwagen und dieser brauste mit Blaulicht zum LKA-Gebäude nach Düsseldorf.
Hamacher hatte Georg in einen der vielen Verhörräume bringen lassen. „So.. und jetzt will ich von ihnen wissen, wo sie ihre Beute versteckt haben oder es raucht im Karton ... haben sie mich verstanden?“, schrie der Mann und schlug auf den Tisch. Georg saß ruhig da, doch merkte er, wie ihm die Schmerzen die Luft abschnitten. Das Atmen fiel ihm schwer und lange würde er diese stickige Luft nicht mehr aushalten. „Bitte... kann ich ein Glas Wasser haben... oder können wir ein Fenster öffnen... ich bekomme so schwer Luft.“, kam es flehend von dem alten Herren. Doch Hamacher ließ nicht mit sich reden. „Erst sagen sie mir, was ich wissen will und dann kriegen sie ihr Glas Wasser vorher nicht... Also, wie hat Gerkhan das Versteck gefunden?“, fragte er und schien einen Augenblick ganz ruhig zu sein, doch Georg wusste, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm war. Er nahm seine Kraft zusammen und stemmte sich vor auf den Tisch. „Wissen sie was, lassen sie mich in Ruhe sterben... Ich werde ihnen nichts sagen, es sei denn, Semir ist mit anwesend in diesem Raum.“, stieß Georg aus und ließ sich wieder nach hinten fallen. Diese Antwort war für Hamacher wie ein rotes Tuch. Er ging um den Tisch herum und wollte mit seinem Handrücken ausholen, als plötzlich eine drohende Stimme erschallte.
„Hamacher.“, schrie Staatsanwältin Schrankmann aus und warf die Tür ins Schloss. Der Mann erschrak und ließ die Hand sinken. „Ich glaube wohl, ich sehe nicht richtig... Hat Frau Krüger also doch recht gehabt, dass sie einen unschuldigen Mann gegen seinen Willen festgenommen haben, obwohl nichts gegen ihn vorliegt. Sie können schon mal ihre Koffer packen... Die Insel ist ihnen sicher, das verspreche ich ihnen.“, schnaubte sie und sah Hamacher wütend an. Hinter ihr tauchte, mit einem schelmischen Grinsen auf dem Gesicht, Semir auf und lehnte sich gegen den Türrahmen. Dann wandte sie sich an Paschner. „Herr Paschner... kommen sie bitte, ich will mit ihnen sprechen.“, bat sie und Georg ging nur grinsend an Hamacher vorbei. Dieser sah nur perplex hinter der Gruppe her. „Aber... aber...“, stammelte er und dann schloss sich die Tür. Wutschnaubend trat er gegen den Stuhl, der in einem hohen Bogen durch das Zimmer flog.
Schrankmann, Georg und Semir gingen nebeneinander her. „So... Herr Paschner, ich werde jetzt mit ihnen und dem Kommissar Gerkhan zu ihrem Versteck fahren und sie holen bitte ihre Beute hervor, damit wir den Fall abschließen können.“, meinte sie mit gewohnt sachlichem, fast unterkühlten Ton in der Stimme. Georg nickte nur und sah, dass seine Tochter mit verweinten Augen am Streifenwagen neben Ben auf ihn wartete und losrannte, als sie ihn aus der Tür schreiten sah. „Ich hatte solche Angst um dich...“, schluchzte sie und strich ihrem Papa über das Gesicht und den Kopf. „Keine Angst... so leicht sterbe ich nicht...“, lachte er und nahm eine seiner Schmerzpillen, die ihm seine Tochter entgegenhielt, schluckte sie runter und setzte sich auf die Rückbank des Wagens. „Zum Westfriedhof.“, bat Semir Dieter und dieser nickte nur... Die beiden Fahrzeuge, Ben hatte das Pech, dass er bei der Staatsanwältin mitfahren musste, die ihm während der Fahrt einen Vortrag über Strafrechtsvorgehen und anderen Disziplinarmaßnahmen hielt. Ben verdrehte innerlich jedoch die Augen und rief sich seine Lieblingsmusik aus den Gedanken hervor... Nur nicht zuhören, dachte er und nickte immer wieder, hielt den Blickkontakt zu der Juristin, bis dann die Fahrt vor den Toren des Friedhofs endete.