Beiträge von Elvira

    Als Mario gegangen ließ Francesco sich auf seinen Stuhl hinter der Theke fallen und atmete tief ein. Verdammt...warum musste er so eine große Klappe haben? Mario hätte ihn zerstückeln können...Aber es ist ja noch einmal gut gegangen. Erneut ging die Tür auf und Francesco sah den Mann an, der hereinkam. Er schluckte. „Was zum Teufel willst du denn hier?“ fauchte er ihn an. „Francesco...deine Tochter braucht eine neue Niere...bitte hilf uns...bitte.... lass sie nicht sterben..“ flehte der Besucher. „Thomas...Schweizer....du bist wirklich erbärmlich.....ich habe dir damals genug Geld gegeben, dass du das Balg damit großziehen kannst...also verpiss dich!“ fauchte Francesco den Mann an. „Du verstehst nicht....mit Geld ist die Gesundheit nicht zu kaufen...bitte...lass dich testen, damit Liane überleben kann...bitte...sie ist deine Tochter!“ flehte Thomas Schweizer weiter. Francesco grinste und ging seiner Arbeit nach. „Was geht mich das an? Denkst du wirklich mich interessiert was dieser Krüppel hat? Nicht die Bohne....es ist euer Kind...und basta...“ gab er verächtlich zurück. „Du bist ihr wahrer Vater. Wenn ich könnte, würde ich die Niere spenden, aber sie passt nicht...es muss ein Blutsverwandter sein...bitte Francesco...es ist doch deine Tochter...“ versuchte Thomas an die Menschlichkeit zu appellieren. Francesco legte den Lappen beiseite und stellte sich vor Thomas hin. „Ihr habt sie vor neun Jahren angenommen...so wie sie war....wo ihr die Niere hernimmt ist nicht mein Ding...von mir aus kann der Krüppel auch verrecken..“ stieß Francesco aus. Thomas schüttelte den Kopf. „So einfach ist das nicht...das weißt du sehr genau. Du hast damals versprochen, dass du alles für sie tun würdest...Du hast doch zwei gesunde Nieren... gib eine Liane...sie ist so ein wundervolles, tapferes und intelligentes Mädchen....hilf ihr... bitte ich flehe dich an...lass sie nicht sterben...“ versuchte Thomas weiter. Er war den Tränen nah, doch Francesco kannte kein Pardon. „Ich werde mich sicher nicht verstümmeln lassen um einem Krüppel zu helfen..“ legte er endgültig fest.

    Thomas Schweizer sah den Mann an. Der Mann der Erzeuger von Liane war, wollte seiner Tochter nicht helfen, weil sie behindert war? Dabei war doch er der Grund, weshalb es so passierte. „Dann sollte ich vielleicht deine Frau mal informieren, was wirklich von neun Jahren passierte. Willst du das?“ fragte er. Die Verzweiflung war in jedem Wort zu hören. Francesco sah ihn drohend an. „Das wagst du nicht! Denk daran, was für eine Macht ich habe! Ich gehöre der großen Tozzi-Familie an...und die ist grausam...sie kann sehr grausam sein. Willst du, dass wir uns um Liane kümmern? Kein Ding... ich rufe meine Leute an und schon bist du die Sorge los. Deine Frau kann arbeiten gehen und ihr könnt ein schönes Leben haben....“ lachte Francesco. „Das kannst du nicht tun!!! Sie ist deine Tochter!!“ schrie Thomas nun raus. Er war über die Kaltblütigkeit des Mannes erschrocken. „Meine Tochter...? Meine Tochter ist gesund...sie ist eine wunderschöne kleine Dame und sehr intelligent....“ gab Francesco von sich. Er hob stolz die Brust und zeigte ein Foto von Chiara. Thomas Schweizer sah ein, dass er hier mit Güte und Bitten nichts erreichen konnte. „Gut...du willst mir nicht helfen...dann werde ich deiner Frau alles sagen....“ drohte er erneut. Francesco lachte leise. „Wenn du das tust, dann werde ich dir unangenehme Leute auf den Hals schicken...das schwöre ich dir...du wirst damit nicht glücklich werden. Hier...hast du Tausend Euro.....mach dir ein schönes Leben..“ kam von ihm und er drückte Thomas das Geld in die Hand. Doch dieser ließ es achtlos fallen. „Steck dir dein Geld an den Hut!! Was jetzt kommt, wird dir verdammt leid tun...das schwöre ich... ich habe alles versucht, aber du willst ja nicht...“ stieß er aus und verließ den Laden. Er stieg in seinen alten Ford und sah Caroline an. „Was hat er gesagt?“ fragte seine Frau leise. „Er wird uns nicht helfen. Nicht auf dem normalen Weg. Nun bleibt nur noch Lara...Lianes Mutter...sie muss uns helfen....“ erklärte er. „Du weißt doch, was dann passiert? Tom... was wenn er wirklich ...“ gab seine Frau ängstlich zu bedenken. „Damit müssen wir leben...ich werde Liane nicht sterben lassen....und ich schwöre dir...er wird uns helfen...“ versprach Thomas und fuhr nach Hause.

    Josefine rüttelte an der Tür, immer und immer wieder. „Wenn ihr glaubt, ich bleibe hier drin, dann habt ihr euch aber geschnitten.“, hatte sie Leon hinterher gebrüllt und machte sich nun am Schloss zu schaffen, doch als dieses nicht nachgab, ging sie zum Fenster und versuchte es dort. Die Zimmer langen nicht allzu hoch, sie und die beiden Kerle waren im ersten Stock untergebracht und neben dem Fenster verlief die Regenrinne. Sie schlüpfte hinaus, zog sich vorher ihre Jacke und Schuhe an, steckte sich ihr Geld ein, und glitt elegant an der Regenrinne zu Boden. „Ihr werdet Ärger bekommen, dafür sorge ich schon.“, drohte sie den Beiden durch das Fenster und schlich sich langsam vom Hof. Sie hatte sich mit Marco einige Meter vom Gestüt weg, im Wald verabredet. Von da aus wollten sie gleich auf die Party fahren. Warum durfte sie kein normales Leben führen? Warum musste sie ihr Vater immer wegsperren und versuchen, vor allen zu beschützen? Sie verstand es nicht und sie wollte es auch nicht verstehen. Sie lief und lief und lief und merkte nicht, wie sie von Toni dabei beobachtet wurde, als sie leise das Tor vom Gestüt öffnete und in den Waldweg hineinlief. Dieser zögerte nicht und rannte hinterher. „Hallo Liebling...“, säuselte sie außer Atem, als sie am Wagen von Marco ankam und dieser sie mit seinen Armen an sich schlang. Beide küssten sich, doch es wurde ein sehr kurzer Kuss. „Ach nein... du schon wieder.“, fauchte plötzlich eine Stimme und erschrocken drehten sich die beiden um. Toni stand vor ihnen, riss Josi von dem Jungen weg. Sie wehrte sich, trat und schlug nach ihm. „Lass mich los, du hirnloser Gorilla.“, schrie sie. „Lass sie los.“, forderte auch Marco und ging auf Toni los, doch dieser blockte den Angriff ab, holte aus und schlug zu. Bewusstlos sackte Marco mit blutender Nase zusammen. „NEIN... du hast ihn getötet.“, schrie Josefine und schlug immer wieder auf den Mann ein, doch dieser schulterte sie letztendlich nur und trug sie, wild keifend und zeternd, zum Gestüt zurück.

    Ben und Semir wurden von dem Krach geweckt, der vor ihrer Tür stattfand. „Was ist denn los?“, wollte Ralf wissen, als er die Tür aufmachte und sofort landete eine Faust in seinem Gesicht, die ihn unvorbereitet traf und er nach hinten taumelte. Sofort war Leon bei seinem Bruder und hielt ihn fest. „Ihr solltet auf die Kleine aufpassen... Könnt ihr denn gar nichts richtig machen?“, fauchte Toni und schob Josefine zu den beiden ins Zimmer. „So... von heute an wird sie hier schlafen. Egal, was der Boss sagt... und passt gefälligst besser auf die Kleine auf, sonst erlebt ihr, wie sauer Arnaud werden kann und ich auch.“, schrie er und knallte dann die Tür zu. Semir oder Ralf hielt sich immer noch seine Nase und betastete sie vorsichtig. „Ist alles in Ordnung mit dir, Ralf?“, wollte Leon wissen und sah seinen Bruder an. Dieser zuckte nur mit den Schultern und warf der Kleinen dann einen strafenden Blick zu. „So... ich denke, das Ganze haben wir dir zu verdanken. Jetzt müssen wir auf dich verzogene Göre auch noch die Nacht über aufpassen.“, fauchte er und wischte sich mit einem Taschentuch das Blut ab. Josefine stand mit verschränkten Armen vor ihm und hatte die Augen zu gehässigen Schlitzen geformt. „Denkst du, mir macht das Spaß, Tunte.“, schrie sie und ließ sich auf Bens Bett fallen. „Wie war das?“, fauchte Semir sie an und wollte sie schon übers Knie legen.

    Ben warf Semir ein Coolpad hin, welches er im Kühlfach gefunden hatte. Er nahm ein Seil und band Josefine ans Bett fest. „Spinnst du?“, fauchte sie ihn an und versuchte sogar nach ihn zu treten. „Hey.. pass mal auf du kleine Mistbiene….ich will heute Nacht schlafen und nicht vor dir sitzen wie ein Hund. Es reicht, dass mein Bruder deinetwegen eine gebrochene Nase hat! Also Klappe…. Es sei denn du willst auch noch einen Knebel haben…“, drohte Ben ihr an. „Das wagst du nicht!! Das sage ich alles meinem Vater!!“, schrie Josefine. Ben sah sie warnend an. „Halt die Klappe!“, fauchte er sie an. „Aber…ich wollte doch nur Marco treffen…und Toni hat ihn einfach zusammen geschlagen!! Er hat ihn umgebracht!!“, fing Josefine nun an zu weinen. Ben setzte sich zu ihr. „Marco ist dein Freund oder?“, wollte er wissen. „Ja…ich liebe ihn, aber mein Vater lässt mich hier wie eine Sklavin halten…ich will weg hier…“, weinte Josefine. Ben streichelte ihr sanft den Rücken. „Hey… wenn du dich still verhältst, sehe ich nach diesem Marco…aber nur dann…“, schlug er vor. Josefine schniefte. „Wirklich?“, wollte sie wissen. „Ja sicher... wo ist er denn?“, kam von Ben die Frage. „Am Schuppen…wenn du raus gehst, direkt links und dann rechts. Toni hat ihn sicher umgebracht…“, weinte Josefine wieder. „Bin gleich zurück.“, versprach Ben und verschwand. Semir kam zurück. „Du kleine verdammte…hey… wo ist mein Bruder hin?“ fragte er. Es hörte sich irgendwie verschnupft an.

    Lara Tremante sah ihre 9jährige Tochter an. „Chiara...bitte...beeile dich doch..“ stöhnte sie. Seit ihre Tochter anfing ihren eigenen Geschmack an Kleidung zu entdecken, dauerte der Einkauf von neuen Sachen eine halbe Ewigkeit. „Meinst du das Shirt passt zu der Jeans?“ wollte Chiara wissen und betrachtete sich skeptisch im Spiegel. „Das sieht perfekt aus...wirklich...es steht dir hervorragend...“ lobte Lara ihre Tochter. „Was meinst du was Daniela dazu sagen wird. Das Ding ist zwar ultrabillig, aber es kann auch mit ihrem Shirt für siebzig Euro locker mithalten. Es sieht sogar besser aus...viel besser...“ kam von Chiara. Lara nickte. Sie kannte diesen Konkurrenzkampf unter den Mädchen. „Aber Mama...das andere Shirt gefällt mir auch...kannst du mir nicht beide kaufen? Bitte....die Entscheidung ist soooo schwer und wenn du beide kaufst, dann muss ich mich nicht entscheiden...“ klagte das Mädchen. Lara lachte auf. „Papa zahlt dir sicher was dazu...bitte....“ bettelte Chiara. Lara sah sie an. Seit sie von Francesco getrennt war, lebte Chiara bei ihm und sie sah sie nur am Wochenende. Das Mädchen wollte die Zeit mit ihr genießen und auch Lara wünschte sich viel mehr Zeit für ihre Tochter. Doch es war damals eine Vereinbarung. Sie war beruflich oft unterwegs und konnte sich nicht so um Chiara kümmern, wie das Mädchen es brauchte. Francesco war selbständig und konnte seine Zeit einteilen. Sie hatten sich im Guten getrennt und waren Freunde geblieben. Aus Lieber zu Chiara. Dennoch hatte Lara eine lange Zeit Angst um ihre Tochter. Sie hatte Angst, das Francesco, der sehr an den italienischen Wurzeln hing, ihr das Kind entfremden... würde. Doch die Angst war unbegründet. Francesco hatte selbst zu große Angst vor Laras Familie, die eine echte Tozzi war. Eine Mafiafamilie, deren Vergangenheit extrem blutig war und mit diesem Vorurteil von Brutalität und Rache schien Chiara sicher zu sein. Sie war ein Mitglied der ehrenwerten Gesellschaft und wurde als solche auch von der Familie Francescos geachtet. Dennoch fühlte sie sich nie wie ein vollständiges Mitglied. Ständig wurde getuschelt und wenn Lara in den Raum kam, schwiegen alle. „Mama!!“ riss Chiaras Stimme sie aus den Gedanken. „Was? Ja…also gut…Beide und die Jeans..und nun komm..ich hab doch noch einen Termin..“ drängelte sie das Mädchen. Sie gingen zur Kasse doch kurz davor blieb Chiara noch einmal stehen. „Meinst du nichtn, dass das eine Shirt mich zu dick macht?“ fragte sie skeptisch. Lara lachte auf. „Nein..mein Schatz..es sieht toll aus…ultrageil….voll fett…oder krass..oder..“ zählte sie auf. Chiara sah sie an. „Mama..was redest du denn da?“ tadelte sie ihre Mutter.

    Francesco richtete sich langsam auf und wischte sich das Blut von der Lippe. „Hey…war doch nicht böse gemeint..aber…wenn…wenn ich in die Vergangenheit und nach Sizilien sehe, dann haben sich die beiden Familien immer bittere Kämpfe geliefert…ich..“ verteidigte er seine Einstellung. Mario lachte verächtlich. „Du bist in der Vergangenheit stehen geblieben Franco..wir sind hier in Deutschland und du bist lediglich in der Familie weil du Lara geheiratet hast. Sie ist die Tozzi und nicht du. Also bilde dir nichts darauf ein…Lara und Chiara sind vollwertige Mitglieder …aber du…du bist ein Nichts…und wenn du so weiter machst wie bisher dann werde ich richtig böse… das willst du doch nicht oder?“ harkte Mario drohend nach. Francesco zuckte zusammen und hob zur Abwehr eine Hand als Mario ihm die Faust zeigte. „Nein..nein…ich…. ich entschuldige mich…ich...“stammelte der Weinhändler ängstlich. „Dann halte künftig die Klappe und dich vor allem aus den Familienangelegenheiten raus. Du hast nichts mitzureden.. Aber nun zu dem Grund weshalb ich eigentlich hier bin…die Hochzeit. Ich brauche den besten Wein den du hast… Was kannst du mir empfehlen?“ fragte Mario und richtete seine Krawatte. Francesco sah ihn an und schon kehrte er den Geschäftsmann heraus. Mario hatte schließlich Geld und konnte einiges für den Wein zahlen. „Ja….ich habe hier eine besonders gute Sorte. Mädchenrosa… und wunderbar süffig. Poggerissi Rosato die Toskana IGT. Ein sehr guter und sehr empfehlenswerter Tropfen…“ holte Francesco aus. Schon griff er ins Regal und hielt Mario eine Flasche hin. „Willst du ihn mal probieren?“harkte er nach. Mario nickte und schenkte ein. Der Mafioso probierte den Wein und befand ihn für gut. „Davon will ich sieben Kisten..“ bestellte er. „Okay…das liefere ich dir natürlich frei Haus. Ich bekomme doch sicher eine Einladung zu der Hochzeit oder?“ wollte Francesco wissen. Mario lachte leise. „Du gehörst nicht zur Familie…du hast auf der Hochzeit nichts zu suchen… und wenn du davon die Lieferung abhängig machst..ich kann dir auch Luigi schicken..der holt das dann ab..“ gab Mario bissig von sich. „Nein..nein…kein Ding..ist schon okay..zahlst du bar?“ lenkte Francesco ein. Mario nickte und übergab den Betrag an Francesco. Noch einmal sah er ihn an. „Hau mich nicht übers Ohr..klar?“ warnte er ihn. „Nein….ich bin ehrlich..wirklich….“ versprach Francesco. „gut….in drei Wochen….will ich den Wein bei mir haben….“ Grinste Mario und verschwand.

    Arnaud sah Bernd und Toni an. „Was wisst ihr über die Beiden?“, wollte er sofort wissen. „Bisher noch nichts. Ralf scheint schwul zu sein. Leon ist ein ziemlich arroganter Typ. Aber sie haben uns geholfen, als die Bullen Bernd festnehmen wollte. Dieser Typ vom BKA....Axel Dingsda...“, knurrte Toni. Arnaud nickte. „Ich werde sie überprüfen....bzw. überprüfen lassen. Das volle Programm... diese Art zum Einschleichen kenne ich von den Bullen....Das ist eine alte Masche.... Habt ihr die Handy abgenommen?“, harkte Arnaud weiter nach. Bernd sah Toni an. „Nein....ich mein, das sind keine Gefangenen, sondern Mitarbeiter....warum sollten sie nicht telefonieren...“, kam erstaunt von ihm. Arnaud lachte leise. „Stimmt...sind nur normale Mitarbeiter... hoffe, die werden sich beweisen. Für den Schwuli habe ich eine besondere Aufgabe.... er wird Josephine bewachen. Unser Freund hat nämlich die Sorge, dass sie zu früh die Beine breit macht...“, gab er bekannt. Bernd lachte leise. „Na...bei Ralfi dürfte das dann ja kein Thema sein...“, nickte er. „Gib den Beiden was zu essen....ich habe in der Küche noch ein paar Reste stehen. Will doch nicht, dass sie verhungern. Lass Robin es reinbringen. Der Junge kann ruhig mal was tun.“, schlug Arnaud vor. Wenig später wurde Robin instruiert, das Essen für die beiden „Neuen“ herzurichten und es ihnen zu bringen. Robin nickte nur und nahm das Tablett vorsichtig in beide Hände. Als er vor der Tür stand, sah er sich vorsichtig um. Keiner von Arnauds Leuten zu sehen. Nervös nahm er seine Hand unter dem Tablett hervor und drehte den Schlüssel rum.

    Ben und Semir drehten sich herum, als sie den Schlüssel hörten und den schmalen Kopf von Robin durch die Tür lugen sahen. „Ich bring euch etwas zu essen.“, meinte er vorsichtig und trat in das Zimmer hinein. Die beiden Kommissare blickten ihn an, als er ohne ein Wort das Tablett auf den Tisch stellte und sich wieder zum Gehen wandte. Doch in der Tür blieb er stehen, drehte sich um und kam wieder auf die beiden zu. „Seid ihr hier, um mir zu helfen?“, fragte er schnell und flüsternd. Immer hatte er die Angst, entdeckt zu werden. Semir nickte nur. „Keine Sorge Robin, wir werden diese Typen schon aushebeln.“, meinte er lächelnd, doch das schien dem jungen Polizisten gar nicht zu gefallen. „Ihr wisst nicht, wie gefährlich diese Typen sind.“, zischte er und kam mit seinem Gesicht an die Kommissare dichter heran. „Wisst ihr, was mit meinem Vorgänger passiert ist?“, wollte Robin wissen. „Wie denn? Wir sind erst eineinhalb Stunden hier.“, kam es nur murrend von Ben, der schon dauernd hungrig zum Tablett rüberäugte. „Er ist verschwunden.... Ich habe mit den anderen Stallburschen versucht, zu sprechen, aber sie alle schweigen... aus Angst. Diese Kerle sind gefährlich. Es sind kalte, unberechenbare Mafiosos, für die ein Menschenleben nicht viel zählt.“, erklärte der junge BKA-Mann. Semir nickte mit hochgezogener Augenbraue. In ihm arbeitete es. Sein Bauchgefühl meldete ihm, dass es vielleicht besser gewesen wäre, auf den Einsatz zu verzichten. Doch nun konnten sie kaum noch nein sagen. „Wir werden halt extrem vorsichtig sein müssen.“, meinte der Deutschtürke nur. „Das wird nicht reichen... Ich warne euch... seht euch vor. Hier gibt es mehr zwischen Schmiede und Koppel, als das bloße Auge erkennt.“, mahnte Robin und verschwand dann wieder. Er ließ zwei verdutzt dreinschauende Autobahnkommissare zurück. „Hm, was meint er nur damit?“, wollte Ben wissen. „Keine Ahnung... aber ich habe so das dumpfe Gefühl, als würden wir es noch herausfinden.... Na ja, essen wir erstmal.“, kam es nur von Semir und gemeinsam machten sie sich über die Reste an Wurst, Käse und Brot her, die Robin ihnen zusammen mit einem Krug Wasser und ein paar Weintrauben gebracht hatte. Danach begaben sich beide in die sehr bequem aussehenden Betten und fielen in einen intensiven, aber kurzen Schlaf.

    Früh um sieben Uhr wurden beide jäh mit einem polternden Hämmern gegen ihre Tür geweckt. „Hey, ihr Beiden... los raus... in einer Stunde gibt es Frühstück.“, fauchte Bernd nur durch die dicke Tür. Sofort schreckten Ben und Semir hoch. „Ja... ja, wir kommen gleich.“, gab Semir nur als Antwort mit verschlafener Stimme und sah dann zu Ben, der sich wieder in sein Kissen hatte fallen lassen. „Na komm Leon... Bruderherz... aufstehen und die Pferde füttern.“, kam es lachend von Ralf. „Hmmmmmmm...“, knurrte Ben nur und schwang sich dann ebenfalls aus dem Bett. Nach einer halben Stunde waren sie fertig und gingen in das Untergeschoss, wo der große Speisesaal war und alle Angestellten an einem langen Tisch saßen. Arnaud saß neben dem Kopfende und blickte auf, als er die beiden Neuen sah. „Ah... da seid ihr ja endlich. Setzt euch und esst, es wird ein anstrengender Tag für euch.“, meinte er nur schnell und neugierig sahen beide auf den leeren Stuhl am Kopfende. Sie hatten sich neben Robin gesetzt und Ben lehnte sich leicht zu dem Jungen rüber. „Für wen ist denn der Stuhl dort am Ende des Tisches?“, wollte er kauend wissen und das so sehr, dass ihn Toni, der den Dreien gegenüber saß, von seinem Teller aufblickte. „Das geht dich nichts an, Leon. Für dich ist nur wichtig, wer dir die Befehle und deinen Lohn gibt. Und den einen siehst du vor dir und der andere sitzt dort hinten.“, er deutete auf Arnaud, der mit Genuss und Schweigen eine geschmierte Brotscheibe aß und aus den Augenwinkeln alle Angestellten zu beobachten schien. „Hab ja nur gefragt.“, kam es von Leon alias Ben und er und Ralf alias Semir machten sich schweigend, aber durch Blicke kommunizierend, über das Essen her.

    Ben holte seine Harley aus der Garage und sah sich die Maschine prüfend an. Alles war in Ordnung, so schien es jedenfalls. Ein letzter Blick zum Himmel. Die letzten Sommertage schienen so langsam angebrochen zu sein. Heute war es herrlich. Sonne ohne Ende und immer noch knapp 23 Grad. Er stülpte sich den Helm über und legte den Nierengurt an. Beschwingt nahm er Platz und startete den Motor seiner schweren Maschine. Wie eine Katze schnurrte er und schon ging die Fahrt los. Er hatte kein festes Ziel sondern wollte einfach nur die Luft genießen, den freien Tag. Zur Abwechslung nahm er diesmal die Landstrasse, denn die Autobahn hatte er jeden Tag und das brauchte er nicht. Er musste Natur um sich haben. Wenigstens heute keine Abgase. Doch kaum hatte er Köln verlassen spürte er das Vibrieren des Handys. Er fuhr rechts ran und holte es aus der Tasche. Ein Blick auf dem Display verriet ihn, wer anrief. „Oh nein...Semir Gerkan....heute nicht. Ich habe frei und will nix von dir hören. Gar nichts...“ sagte er leise zu sich und drückte das Gespräch weg. „doch er wusste auch, das Semir hartnäckig war und das bekam er direkt zu spüren. Ständig vibrierte das Handy. Nach dem fünften Mal des Wegdrückens ging Ben ran. „WAS?!“ fauchte er wütend. „Warum gehst du den nicht an dein Handy?“ maulte Semir leise. Ben glaubte sogar zu hören wie er grinste. „Semir...ich habe frei und ich bin mit der Harley unterwegs. Ich will es einfach genießen....“ stöhnte Ben. „Ja ist ja ganz toll...ich will auch...man ich langweile mich. Ich darf kein Auto fahren....dabei ist mein Bein fast heile. Ich meine...morgen kommt der Gips ab und...“ klagte Semir ihm sein Leid. „Semir...sei froh, das du in der Wache sein darfst und nicht zuhause..“ lachte Ben stöhnend auf. „Aber ich kann doch...“ versuchte Semir erneut. „Nein...und ruf mich heute nicht mehr an....hast du verstanden? Frag Dieter und Hotte ob sie dich auf Streife mitnehmen...aber bitte störe mich nicht mehr...“ unterbrach Ben ihn. „Du willst mich nur loswerden...“ kam leicht weinerlich von Semir. „Mach dir einen schönen Tag....genießen die Büroluft und hör auf zu jammern...“ gab Ben zurück. Semir lachte auf. „Mach dir einen schönen Tag. Ich schreibe noch ein oder zwei Berichte und lasse mich dann von Andrea nach Hause holen..“ Es knackte. Semir hatte aufgelegt. Ben schüttelte den Kopf und steckte das Handy wieder ein. Dann ging es weiter.

    Alessia saß mit ihren Eltern Victor und Gina am Frühstückstisch. „In drei Wochen…warum müssen wir denn noch so lange warten…Paolo und ich wollen jetzt heiraten..nicht erst in drei Wochen..“ maulte Alessia. Gina lächelte. „Weil der Termin beim Standesamt erst in drei Wochen klappt. Vorher nicht…daran müssen auch wir uns halten. „Aber kannst du denn nichts machen? Ich …“ versuchte Alessia. „Alessia … Schatz. Die Drei Wochen vergehen im Flug. Nächst Woche ist dein Geburtstag und der wird gefeiert. Dort geben wir dann ganz offiziell deine Verlobung mit Paolo bekannt und dann sind es nur wenige Tage bis zur Hochzeit. Anschließend werdet ihr nach Venedig zu Tante Carla fahren und wunderschöne Tage verbringen…“ zählte Victor auf. „Ich fahre nachher aber mit Mama in die Stadt und suche mir das Kleid aus….es wird ein wunderschönes Kleid mit einer sehr langen Schleppe….und viele kleine Rosen...ich bin richtig nervös, ... was wenn ich kein Kleid finde?“ fragte Alessia zweifelnd. „Du findest sicher was…“ beruhigte Gina ihre Tochter. „Die Einladungen sind gestern alle raus. Die ganze Familie ist eingeladen. Auch die von Paolo. Es wird sicher eine Feier mit über 200 Gästen….“ erklärte Victor. „Kommen wirklich alle?“ harkte Alessia nach. „Ja sicher alle..2 bestätigte Victor. „Auch Lara und Chiara?“ kam die nächste Frage seiner Tochter. „Wer ist denn das?“ wollte Victor wissen. „Lara ist die Exfrau von einem Cousin….Francesco heißt er. Ein widerlicher Typ und den wird Paolo sicher einladen. Ich mag sie und vor allem mag ich die Kleine…obwohl sie schon 12 ist..“ erklärte Alessia. „Was sagt Paolo dazu?“ wollte Victor wissen. „Er hat mir gesagt, dass ich mir die Personen einladen darf, die ich will...und ich will die Beiden..“ gab Alessia zu verstehen. „Nun..wenn meine Prinzessin es so will, dann soll der Wunsch auch in Erfüllung gehen...“ lachte Victor. „Außerdem ist Chiara eines meiner Blumenkinder...“ stellte seine Tochter fest. Nach dem Frühstück fuhren die Beiden los. Zunächst ging es in die Innenstadt von Köln wo sich Alessia ihr Brautkleid aussuchte. Sie fand tatsächlich eines was ihrer Vorstellung entsprach, auch wenn keine Rosen gestickt waren. Die Schleppe war fast sechs Meter lang. „Weißt du was…ich werde Semir fragen, ob seine Tochter nicht auch Blumenkind werden will…“ strahlte Alessia als sie sich mit dem Kleid im Spiegel sah.

    So hier ist meine nächste Story...so wie ihr es ja wollt….;). Zu dieser Story hat mir Tetty die Idee geliefert. Danke dafür und ich hoffe ich habe deine Idee gut umgesetzt…. Und damit ich nicht ganz ohne bin….habe ich diese Idee mit der Hochzeit in den Mafiakreisen verbunden. Von daher ist dies der zweite Teil der "Familienangelegenheiten" Viel Spaß beim Lesen und Danke Tetty!!

    Francesco Tremante stand in seinem Weingeschäft und räumte die Regale um, als die Tür aufging. Er sah den Kunden an und fing an zu lachen. „Mario....Was für eine Freude..“ gab er zu als er den Onkel seiner Exfrau sah. Ganz nach italienischer Manier umarmten sich die Männer. „Francesco...ich sehe schon....Lara hat dir einiges ermöglicht...du hast ein tolles Geschäft auf ihre Kosten aufgebaut und sie dann abgeschossen. Aber das ist nicht mein Ding. Außerdem hat sie dich ja eh abgeschossen... Aber das ist nicht der Grund weshalb ich da bin. Ich brauche deinen besten Wein...“ erklärte der Mann. „Ah...steht was großes an?“ harkte Francesco nach. „Paolo heiratet...“ verkündete Mario stolz. „Was? Jetzt schon? Ist er nicht viel zu jung dazu?“ wollte Francesco wissen. „Was heißt denn zu jung? Er wird 18 und er hat seine Traumfrau gefunden. Du weißt doch wie die Liebe ist. Und er ist schwer verliebt. Aber das Mädchen, was er sich ausgesucht hat ist auch etwas ganz Besonderes...sie ist liebreizend...gut erzogen, gebildet....sie hat alles was er braucht...“ schwärmte Mario von seiner zukünftigen Schwiegertochter. „sie wird eine wundervolle Mutter meiner Enkelkinder werden...“ hängte er noch an. „Ich freu mich für dich...und für Paolo... Er hat sich also von der kleinen Grazianonutte getrennt...eine sehr gute Entscheidung...“ grinste Francesco. Mario atmete tief ein. „Warum denn Nutte?“ harkte er nach. Francesco lachte auf. „Na...diese Alexandra oder wie sie heißt. Habe gehört dass es ein ganz heißer Feger ist. So eine kann nichts für Paolo sein...die ist doch genau wie ihre Mutter....eine Schlampe durch und durch..“ meinte er nur verächtlich. Mario sah ihn an. „Na komm....die ist doch zu nichts zu gebrauchen. Höchstens auf dem Strich...da wird sie sicher einiges an Gewinn machen...aber sonst....“ hängte Francesco noch an und ließ einiges an Hasstiraden gegenüber der Familie Graziano vom Stapel. Er bemerkte nicht wie Mario immer wütender wurde. „Also wenn ich du wäre...die hätte ich mir erzogen und in den besten Puff geschickt...“ lachte Francesco. Mario reichte es. Er packte den Mann am Kragen und stieß ihn gegen das Regal. Die Flaschen klirrten. „Meine Schwiegertochter ist keine Schlampe und erst Recht keine Nutte.... also sprich nie wieder so über sie...ist das klar?“ fauchte Mario ihn wütend an. „Gerade du...der Frau und Kind allein lässt hat nicht das Recht über sie zu urteilen...ich warne dich...“ hängte er an und riss Francesco an sich. Dieser sah ihn ängstlich an. „Hey...beruhige dich...ich...ich....es war doch nicht so gemeint..“ stammelte er. Mario stieß ihn in die Ecke. Francesco ging zu Boden und sah ihn an.

    Nur wenige Kilometer weiter stadtauswärts sah Caroline Schweizer auf ihre neunjährige Tochter Liane, die zum ersten Mal seit Wochen wieder im Rollstuhl saß. „Mama...sieh mal...das ist....so toll...ich kann wieder raus...“ strahlte das kleine Mädchen. Caroline nickte. Liane war seit ihrer Geburt von der Hüfte an gelähmt und würde nie laufen können. Dennoch war das Mädchen zuversichtlich und sehr intelligent. Ein Unfall während der Schwangerschaft war daran schuld. Caroline opferte sich für ihre Liane auf. „Hey...Prinzessin...das sieht toll aus. Das machst du großartig...Wenn das so weiter geht, können wir sicher bald rausgehen.“ Schlug sie freudig vor. „Das machen wir...aber erst muss ich lernen...ich bin vielleicht behindert aber ich will nicht dumm sein..“ erklärte das Mädchen und nahm sich ein Buch aus dem Schrank in ihrem Krankenzimmer. „Dann hast du sicher nichts dagegen, wenn ich mit Dr. Leinert allein spreche...oder?“ fragte Caroline nach. „Macht ihr nur...mir geht es großartig...“ strahlte Liane und las weiter. Caroline und der Arzt verließen das Zimmer. Als Caroline die Tür geschlossen hat sah sie den Doktor an. „Wie sieht es wirklich aus? Sie scheint sich erholt zu haben...“ fragte sie ängstlihc. „Frau Schweizer... es wird nicht lange anhalten. Liane braucht dringend eine neue Niere. Sie müssen die leiblichen Eltern ansprechen und sie müssen sich testen lassen, wenn Sie Liane retten wollen. Es ist wirklich kurz vor 12. Wenn es nicht bald passiert, dann wird Liane ihren 10. Geburtstag nicht mehr erleben. Die linke Niere arbeitet nicht einmal mehr 50 % und die andere ist auf 10% runter. Über kurz oder lang werden beide versagen. Sie braucht nur eine neue Niere....aber die unbedingt und möglichst schnell...“ mahnte Dr. Leinert. Caroline sah ihn traurig an. „Das ist....ich....die Eltern...sie wollten sie damals schon nicht haben. Wie sollten sie sich dann dazu übereinkommen, dass sie eine Niere spenden...“ kam leise von ihr. „Appellieren Sie an die Menschlichkeit....es ist Lianes einzige Chance...“ wiederholte Dr. Leinert. Caroline nickte leicht. „Ich werde es versuchen....“ erklärte sie. „Trocken Sie die Tränen bevor Sie wieder zu Liane gehen. Sie muss nicht wissen wie es um ihr steht...“ mahnte Dr. Leinert. Caroline nickte und tat was er verlangte.

    kann mich Elina nur anschließen....aber Semir kennt das doch wie sich ne Sardine in der Büchse fühlt...hab ich oft genug mit ihm gemacht....vondaher....wird es einen Wiedererkennungswert haben....;)

    Aber endlich geht die Action los... mal sehen was du mit Semir anstellst....

    24.03.2011 "Das zweite Leben"

    Eine Frau ohne Gedächtnis gerät ins Visier eines Killerkommandos. Ben und Semir würden gerne helfen, aber Alicias Erinnerungen kehren nur bruchstückhaft zurück und sie begeht einen folgenschweren Fehler. Ben und Semir entdecken ein Fahrzeug mit einem geplatzten Reifen auf der Autobahn und eilen zu Hilfe. Doch offensichtlich ist die Unterstützung der beiden Polizisten gar nicht gewünscht - im Gegenteil: Plötzlich geben die beiden Männer - trotz eines fehlenden Reifens - Vollgas. Es entwickelt sich eine wilde Verfolgungsjagd, an deren Ende die Cops zwar das Fahrzeug stellen können, aber den Fahrern dennoch die Flucht gelingt.

    Als Semir und Ben das Fahrzeug untersuchen, entdecken sie im Kofferraum ein hochmodernes Scharfschützengewehr und das Foto einer Frau samt ihrer Adresse. Bei der abgebildeten Frau handelt es sich um Alicia. Alicia wurde vor sechs Jahren schwer verletzt und im dritten Monat schwanger aus dem Rhein gezogen. Sie kann sich weder daran erinnern, wer sie früher gewesen ist, noch, was genau damals geschah. Mittlerweile hat "Alicia" mit ihrer kleinen Tochter und ihrem neuen Freund ein zweites Leben begonnen. Sie berichtet jedoch, dass sie sich am Vortage urplötzlich an eine bestimmte Telefonnummer erinnert hat und diese gewählt habe. Ein folgenschwerer, wenn nicht tödlicher Fehler, denn ab jetzt steht sie auf der Abschussliste des Mannes, den sie angerufen hat. Für Ben und Semir ist klar: Sie können Alicia und ihre Familie nur schützen, wenn Alicia ihr Erinnerungsvermögen zurückerlangt...

    Gegen neun kamen Semir und Ben in der Kneipe an. Semir trug ein Satin-Hemd in einem zarten Rosa sowie eine enge Jeans. „Ich spiele nicht schwul…das sag ich dir…“, knurrte er seinen Partner an. „Ja ist ja gut… kommst du Schatzi?“, fragte Ben und verstellte seine Stimme. Semir knuffte ihn in die Seite. „Also gut… die Show kann beginnen….“, meinte er nur. Es dauerte fast zwei Stunden bis Axel und Kurt in die Kneipe kamen und einen Aufstand verursachten. „Herr Bernd Röder! Sie sind verhaftet.. und täten gut daran, sich nicht zu wehren…“, ermahnte Axel den Mann an der Bar. Semir sah Ben an und nickte. Sie sahen wie Bernd Röder sich erschrocken umsah. Semir nahm sein Glas und wollte Axel noch einen Denkzettel für seine Vita geben. „Was soll das denn?“, fauchte Bernd und griff Axel an, der sofort zum Arm griff und ihn auf den Rücken drehte. Kurt sah diesem zu und nickte Semir unmerklich zu. Dieser nahm sein Tomatensaft, den er sich bestellt hatte und ließ den Inhalt des Glases auf Axels Hemd laufen. „Oh…pardon…Süßer.“, säuselte er. Axel sah ihn erstaunt an. „Was…verdammt noch mal!“, faucht er, ließ wie gewollt Bernd los, Dieser schlug mit der Faust zu und Axel ging zu Boden. Nun kam auch Kurt auf den Plan und wollte eingreifen, doch Ben stellte ihm ein Bein. Kurt flog quer durch die Kneipe und stieß mit dem Kopf gegen die Theke. „Raus hier!“, hörte Axel Bernd sagen und grinste zufrieden. Ben und Semir taten so als würden sie vorn abhauen.

    Bernd sah Toni an und nickte. „Hey…ihr Beiden solltest mit uns hinten raus kommen. Die kriegen Verstärkung!“, ermahnte Bernd die Beiden. „Oh…du bist ja echt fürsorglich…“, meinte Semir leise. Bernd reichte ihm die Hand. „Danke…. Das war wirklich gut….“, bedankte er sich. Semir kniff ein Auge zu und lächelte. „Nichts für Ungut… ich hasse Bullen…“, meinte er lapidar. Ben nickte „Ja und er hasst noch was ganz anderes…“, grinste er. Semir sah ihn warnend an. „Ach und was?“, wollte Toni nun wissen. „Er hasst es lange an einem Ort zu bleiben. Hey… war nett eure Bekanntschaft zu machen, aber wir müssen weiter… wir suchen nen Job…“, erklärte Ben. Bernd nickte. „Kennt ihr euch mit Tieren aus?“, harkte er nach. „Nun ja… wenn es zweibeinige Stuten sind ja…“, lachte Ben. „Nein vierbeinig… aber das ist zweitrangig. Wir brauchen Männer, die anpacken können und die auch mal ein Auge zudrücken…“, erklärte Toni nun. „Ach und wo?“, wollte Semir nun wissen. „Sagt ja und ihr werdet es sehen…“, schlug Bernd vor. In der Kneipe kam es zu Tumult. „Die Bullen bekommen Verstärkung…los weg hier!“, ermahnte Toni die Drei. „Na bevor ich wieder in den Knast gehe, dann lieber mit euch…. Verdammt… unser Wagen steht vorn. Da kommen wir nicht ran…“, knurrte Semir wütend. „Dann fahren wir mit unserem…kommt!“, lachte Bernd und zog Semir mit sich.

    Axel stand nur kurz darauf im Toilettenraum der Kneipe und versuchte den Tomatensaft aus dem Hemd zu bekommen. „Das hat der Mistkerl extra gemacht…er weiß genau, dass ich Tomatensaft hasse… es gibt nichts Schlimmeres!“, fauchte er wütend. Kurt sah ihn grinsend an. „Du hättest ihn halt nicht als schwulen Hund einsetzen sollen. Da wird das Ego von dem Kleinen angekratzt… selbst Schuld…“, meinte er nur. „Man, das war doch nur ein Witz….aber er macht gleich Ernst… aber das wird er mir bezahlen…. Das ist eine Kneipenrunde auf seine Kosten, das schwöre ich dir.“, schimpfte Axel weiter. „Ich denke mal das unsere beiden Freunde hier jetzt von Mitterand überprüft werden. Möchte echt nicht in deren Haut stecken. Wann wird Robin sich melden?“, wollte Kurt wissen. „Sobald er mit den Beiden gesprochen hat. Ich denke mal spätestens morgen Mittag… Verdammt….das Zeug geht nicht raus!!“ Kurt sah ihn an. „Jetzt lass sein... wir müssen jetzt auf die drei Jungs acht geben und aufpassen, dass man ihnen nicht auf die Schliche kommt.“, meinte er nur und Axel nickte. „Die Rechnung von der Reinigung stell ich Semir persönlich in Aussicht.“, knurrte er und ging mit seinem Kollegen aus der Kneipe. Jetzt konnten sie nur noch warten, bis sich Robin meldete und Ergebnisse vorlagen.

    Bernd und Toni fuhren mit Ben und Semir weit in die Pampa hinaus. Obwohl es dunkel draußen war und die Nacht düster trüb war, versuchten beide Kommissare etwas in der Dunkelheit zu erkennen. „Wo fahren wir hin?“, wollte Semir wissen und versuchte dabei, etwas zart zu klingen, was Ben Schwierigkeiten bereite, da er versuchte, nicht zu lachen. „Hör auf... du verrätst uns noch.“, zischte Semir leise und kaum hörbar zu seinem Partner. „Wir bringen euch zu unserem Boss... Wie gesagt, er sucht immer wieder Leute, die fest anpacken können.“, erwiderte Toni und beobachtete die Beiden genau. „Wie heißt ihr eigentlich?“, wollte er dann wissen. „Der große hier ist Leon Weißberg... mein Bruder.“, erklärte Semir und sah den skeptischen Blick von Bernd durch den Rückspiegel. „Ich bin Ralf ... Ralf Weißberg.“, fügte der Deutschtürke hinzu und wieder spürte er den Blick von Bernd durch den Spiegel in seinem Körper. Verlegen blickte er nach unten. „Ihr seid also Brüder, ja?“, kam es dann nur von Bernd und wieder nickten Ben und Semir. „Gut... ihr müsst wissen, unser Boss ist nicht sehr einfach. Am Besten, ihr tut, was er von euch verlangt. Dann habt ihr ein leichtes Leben.“ „Und wenn nicht?“, kam die Frage von Ben. „Tja, dann könntet ihr euch wünschen, euer Leben wäre vorbei.“, antwortete Toni und lächelte mit einem teuflisch falschen Grinsen. Wo sind unsere beiden Helden da nur wieder hinein geraten?

    so lass mich mal Revue passieren..Johannes ist eine Hündin die einen männlichen Namen trägt....sie hat Kokainallerige, Platzangst...schwache Blase....und jetzt auch noch ne Katzenallergie....ich glaub der braucht ne Therapie...

    und der letzte Satz verheißt uns..es geht bald los....

    Also was bisher da zu sehen ist...lässt ja noch viel vermuten. Da steckt verdammt viel Potential drin. Ich finde es toll das es eine Seite von Tom Beck gibt, die jeder besuchen und sicher auch lesen kann. Mal sehen was er dort für Termine bekannt gibt....die nächsten Konzerte sind ja bereits in Planung...

    Schaun wir mal....ich möchte mehr davon haben....viel mehr.... :D

    Arnaud sah Bernd an. „Ich brauche vernünftige Leute hier… verdammt noch mal. Aber diesmal werde ich sie sehr genau überprüfen…Aber Leute, die anpacken können und nicht bei jedem Wehwehchen aufheulen…“, fauchte er ihn an. Bernd nickte. „Ja sicher… Toni und ich machen uns gleich mal in den Kneipen schlau, wo wir auch unseren Robin gefunden haben…er ist doch gut… oder?“, wollte Bernd wissen. „Ja… der Junge ist sehr schweigsam. Eine sehr gute Tugend. Pass mir gut auf den Kleinen auf…“, ermahnte Arnaud ihn. Bernd nickte. „Nur keine Sorge… der Kleine ist hier so sicher wie in Abrahams Schoß.“, lächelte er nur. „Was ist mit dem Hänger? Die Drogen da drin sind bei den Bullen. Wir brauchen sie wieder. Ich verzichte nicht auf das Geld. Hast du das Versteck gefunden, wo Reiser seine geklaute Ware untergebracht hat?“, kamen die Fragen von Arnaud. „…. Ja und nein…“, gab Bernd von sich. Arnaud kniff die Augen zusammen. „Was?“, fragte er nach. „… also der Hänger ist beschlagnahmt und soweit ich erkennen konnte, haben die Bullen nichts gefunden. Das Versteck ist von Reiser verdammt gut gewählt. Wir suchen noch. Aber ich schaffe das…und mit den Bullen müssen wir uns was einfallen lassen.“, erklärte Bernd sofort. Arnaud nickte. „Ich will Ergebnisse sehen und ich will hier einen neuen Mann…einer der sich mit Pferden auskennt…“, wiederholte er.

    Semir sah Axel an, der in der Pathologie auftauchte. „Und der Tote?“, wollte Axel wissen. „Kannst ihn dir ansehen… vielleicht kennst du ihn ja.“, meinte Semir nur und wies auf den Tisch. Axel sah kurz hin. „Reiser… unser Gestütsbesitzer….bzw. der Strohmann…“, meinte er nur. „Ja den hab ich auch erkannt. Dieser Arnaud ist scheinbar nicht gerade zimperlich…“, kam nachdenklich von Semir. „Tja… ich hoffe sehr, dass Robin es schafft, nur ist er noch ziemlich unerfahren. Ich meine, der Junge ist gerade 26 Jahre alt. Der hat die Polizeischule als Bester abgeschlossen. Dennoch habe ich Angst um ihn. Er ist in der Höhle des Löwen und ich habe seinem Vater versprochen gut auf ihn aufzupassen.“, erklärte Axel. Semir sah ihn an. „Du willst uns überreden, den Undercover zu machen?“, grinste er nur. „Semir… wenn ihr es nicht macht, wer dann? Ich meine…. Arnaud Mitterrand macht einfach weiter. Er verkauft Drogen an Kinder. Schickt die Mädchen auf den Strich und…“, erklärte Axel. Semir nickte „Ich verstehe das schon. Aber… ganz ehrlich…meinst du nicht das Arnaud misstrauisch wird, wenn wir zu zweit auftauchen?“, wollte Semir wissen. Axel lachte nur. „Glaubst du nicht, ich hätte mir nicht schon Gedanken darüber gemacht.“, lachte er und stützte sich auf den Seziertischrand ab. Skeptisch sah Semir den BKA-Mann an und zog die Augenbraue hoch. Aus seinem Jackett zog Axel nur vielsagend ein kurzes Blatt und reichte es an Semir weiter. Dieser warf einen Blick drauf und las es sich durch. Nach einigen Minuten musste er lachen. „Was? Ich und Ben als Brüder? Das ist nicht euer Ernst oder?“, wollte der Deutschtürke wissen und sah Axel nur an. „Eigentlich schon... wir werden euch noch eine passende Vita geben... die passende Ausstattung und einige Wissenseinlagen und dann werden wir euch auf die Piste schicken.“, lachte er nur und sah Semir an. Dieser grinste, aber dennoch wollte er nicht glauben, dass dieser Plan klappte. Doch im Moment gab es keinerlei Alternativen, als direkt auf dem Gestüt zu ermitteln. Und sicherlich würde Arnaud Mitterand keine offiziellen Polizeiermittlungen dulden. „Ist mal was anderes.“, kam dann nur von Semir und überlegte sich schon, wie er Ben diese gute Nachricht beibringen sollte. „Semir, alles in Ordnung?“, wollte Axel wissen. „Ja... alles bestens.“, erwiderte er und beide sahen auf, als Dr. Wegener ins Zimmer kam.

    „Sooo, also, wer will den Bericht von euch haben?“, wollte Wegener wissen und sah beide an. Doch Axel deutete nur auf Semir. „Er ermittelt... ich will es nur hören.“, lachte er. Der Pathologe nickte nur und reichte den Bericht an Semir weiter. „Was ich sagen kann, nachdem ich mir die Leiche angesehen habe, ist, dass dieser Reiser zweimal getötet wurde.“, erklärte Wegener und bemerkte, wie die Gesichter der Beiden entgleisten. „Was?“, kam es nur erstaunt von Semir. „Nun... der Mann ist erst erwürgt worden... das hat aber nur zur Bewusstlosigkeit des Mannes geführt. Der Mörder muss aber glauben, dass der Mann bereits tot war, als sie ihn ans Brückengeländer gehängt hatten. Das gab ihm dann den Rest. Durch den Ruck des Fallens und die Festigkeit des Stricks brach dann das Genick.“, erklärte er dann und Semir staunte nicht schlecht, als er den Ausführungen lauschte. „Hm, scheint, als wollte da jemand auf Nummer sicher gehen.“, meinte er und sah Axel fragend an. „Das kann sich nur um Arnaud Mitterands Handschrift handeln, aber ich bin sicher, dass es einen großen Hintermann gibt und den gilt es zu finden.“, führte Axel aus. Semir nickte. „Okay, ich werde mit Ben reden und ruf dich an.“, erklärte er und verabschiedete sich von Axel und Dr. Wegener. Semir merkte nicht, wie Axel fies grinste. Er verließ ebenfalls die Pathologie und nahm sein Handy hervor. „Ich bin's... Pass auf, ich hab sie rumgekriegt. Bereite alles vor und wir treffen uns dann am alten Wasserturm, um die letzten Einzelheiten zu besprechen. Was?... Ja klar... Ach was, den Dreien wird hoffentlich nichts passieren. Wichtig ist, dass wir Mitterand und diesen Hintermann kriegen.“, kam es nur von Axel und dann legte er auf. Das war ein wichtiger Schritt in seiner Karriere. Jetzt konnte... nein, jetzt durfte nichts schief gehen.

    Ben sah auf, als Semir zurück ins Büro kam und lächelte. „Na... war's schön in der Pathologie?“, wollte er wissen und blickte auf den Zettel, den Semir ihn vor die Nase legte. „Was ist das?“, wollte er mit hochgezogener Augenbraue wissen. „Das... das ist das, was die BKA-Boys für uns vorgesehen haben, wenn wir den Undercover-Einsatz machen.“, erwiderte Semir nur und ließ sich in den Stuhl fallen. „Hä? Heißt das, du hast dich überreden lassen?“, kam es nur verwirrt von Ben. „Nein noch nicht... ich wollte erstmal deine Meinung dazu hören.“, erwiderte Semir und wollte sich seinem Mittagessen widmen. „Ben... wo ist mein Lachsbrötchen?“, wollte er wissen und sah auf die leere Verpackung, die sich in seinem Schreibtischfach befand. Ben senkte schlagartig den Kopf und verschwand in den Tiefen des Zettels. „Das ist jetzt nicht wahr oder?“, fauchte Semir und knüllte die Verpackung zusammen, warf sie nach Ben, doch dieser wich nur aus. „Hey... war nur Spaß... hier ist es.“, lachte er und zog neben sich das Lachsbrötchen hervor. „Dein Glück.“, lachte Semir, nahm es ihm schnell weg und biss rein. Ben widmete sich wieder dem Zettel. „WAS? Wir beide... Brüder... Ich seh dir nicht einmal ähnlich.“, kam es dann von ihm. Doch Semir erwiderte nichts. Er ließ sich alles nur durch die Gedanken gehen. Eigentlich war es eine super Tarnung. So konnten sie zu zweit auftreten, ohne Verdacht zu erwecken. „Überleg doch mal…wir könnten uns gleichzeitig einschleusen. Entweder sie nehmen uns im Doppelpack oder gar nicht.“, gab er zu bedenken. „Ja sicher… nur wir haben nicht einmal Ahnung von Pferden… also ich nicht…“, erklärte Ben. „Ja sicher… die Beiden werden uns einen Crashkurs geben. Wir werden uns einen Trick einfallen lassen müssen…“, meinte er. „Ja sicher… Man Semir… das ist die Realität…und nicht irgendein Kitschkrimi…“, meinte Ben nur. „Weißt du was… Ben… du bist so richtig demotivierend…aber gut… wenn du sagst, wir machen das nicht… dann nicht.“, kam beleidigt von Semir. Er verschränkte die Arme vor der Brust und drehte sich demonstrativ von Ben weg.