Thorsten und Lukas standen an ihrem Lieblingsstand und hatten einen to-go-Becher mit Kaffee vor der Nase. „Weißt du, vielleicht hat Ben recht und es war eine Beziehungstat.“, meinte Lukas und schlürfte aus seinem Becher. „Wenn, dann hat der Mann uns ein falsches Alibi genannt. Er war doch um zehn Uhr zu Hause und da war die Frau schon mindestens eine Stunde tot.“, erwiderte Thorsten und kratzte mit seinem Holzstäbchen den letzten Rest Milchschaum aus seinem Pappbecher. Immer nahm er lieber einen Latte Macchiato, als einen normalen Kaffee, so wie sein Partner. „Man, wieso trinkst du keinen normalen Kaffee, anstatt dieses italienische Gesöff?“, stichelte Lukas. Thorsten grinste nur. „Damit ich länger was davon habe. Außerdem kriege ich davon bestimmt kein Herzflimmern.“, lachte er und zog genüsslich den Schaum mit seinen Lippen vom Stäbchen. Lukas lachte nur und schüttelte den Kopf. „Wie gehen wir nun weiter vor?“, wollte er dann wissen. „Erst mal sollten wir die finanziellen und materiellen Gegebenheiten der beiden Eheleute überprüfen. Ich bin mir sicher, dass die Lösung des Falles irgendwo bei der Frau zu suchen ist.“, meinte er.
Ben und Semir saßen in ihrem Wagen und warteten nun. „Okay, was denkst du und warum willst du den Wagen untersuchen?“, forderte Semir von seinem Partner. „Ich weiß nicht, aber irgendwas stört mich an diesem Kerl... Seine Trauer, ich meine... da stimmt was nicht Semir.“, meinte Ben nur. „Aha... und sonst geht’s dir gut, ja?“, fragte der Deutschtürke. „Semir... ich weiß, der Mann hat seine Frau verloren und ich weiß auch, dass jeder Mensch anders mit Trauer umgeht, aber ich will einfach auf Nummer sicher gehen. Kannst mich ja bei ihm absetzen und nach Hause fahren. Das schaff ich dann schon alleine.“, meinte Ben. Semir wollte gerade was erwidern, als sein Handy klingelte. Andreas Nummer und Bild erschien auf dem Display. „Andrea? Ist was passiert?“, fragte er sofort. „Nein….. ich wollte mich nur für die wunderschönen Blumen bedanken. Du lässt dir aber auch was einfallen…“, lachte Andrea. Semir sah zu Ben. „Ach so….die Blumen…na wenn sie dir gefallen…dann freut mich das…“, kam etwas verwundert von Semir. Er hatte seiner Frau noch nie Blumen geschenkt…warum auch… die verblühen und landen im Müll. Da kann man sie doch eher auf der Wiese betrachten, so dachte er jedenfalls darüber. „Ich liebe dich…bis später mein Schatz…“, verabschiedete er sich bei ihr.
Ben sah seinen Partner an. „Du schenkst deiner Frau Blumen? Seit wann das denn?“, wollte er wissen. „Ja…das frag ich mich auch. Ich habe es nämlich nicht getan. So ein Unkraut will ich nicht in meinem Haus haben…“, murmelte Semir nachdenklich. „Ja, warum hast du dann gesagt, dass du es doch getan hast?“, harkte Ben nach. „Taktik….und Erfahrung…ich werde schon noch herausfinden, wer Andrea Blumen schickt… darauf kannst du dich verlassen… ich bin schließlich bei der Polizei!!“, empörte Semir sich. „Ja, stell dir vor, ich auch… also wie wollen wir es jetzt machen? Du suchst nach dem Verehrter deiner Frau und ich untersuche den Wagen?“, wollte Ben wissen. „Nein…der Blumensender muss warten. Wir werden uns das Auto gemeinsam ansehen. Aber ich denke, da werden wir nichts sehen.“, lachte Semir und lenkte in die Straße, wo er sofort vor seinem Haus hielt. Ben sah ihn verwundert an. „Und nun?“, fragte er verdutzt. „David Brehmer wohnt in der Nebenstraße. Das schaffst du doch sicher zu Fuß oder?“, lachte Semir und stieg aus. „Also….was für ein eifersüchtiger Kerl.“, murmelte Ben. Doch dann machte er sich auf den Weg. „Ich bin in einer halben Stunde wieder da!“, versprach er. Semir hob nur die Hand. Er schloss die Tür auf und wollte mit Andrea reden. Ob sie einen Liebhaber hatte? Sie war doch schwanger… betrog sie ihn? War das Kind am Ende gar nicht von ihm? Die Eifersucht schaukelte sich hoch. „Ganz ruhig…“, ermahnte er sich selbst.
David blieb noch etwas sitzen, als der Mann gegangen war .Wie war das? Anja war eine Nutte? Eine dreckige Nutte? Konnte sie ihm das wirklich so gut verheimlichen? Er war ständig unterwegs und sie war allein. Ja sicher… das würde auch erklären, warum sie immer so abweisend zu ihm war. Er war lediglich ihr Alibi für ein anständiges Leben. Er war nur ein Hampelmann. Aber woher soll er nun die 20.000 Euro nehmen? Das Erbe bekam er nicht, solange die Polizei den Mord nicht aufgeklärt hatte. Und dann würde er auch leer ausgehen, weil er in den Knast kam. Dieser Kerl…was sagte er? Für da Schweigen 10.000 Euro. Die kann er sich sonst wo hin stecken. Wo zum Teufel kam der Kerl her? Er musste ihm gefolgt sein. Woher kannte er…ach ja… wenn er bei Anja war, dann hat er dort ein Bild gesehen. So muss es gewesen sein. Genau so… Also gut mein Freund… wir werden ja sehen wer am Ende gewinnt, dachte David sich. Dann machte er sich auf den Weg nach Hause. Erst zu seiner Schwester und die sollte ihn dann zu seinem Haus bringen. Er musste dort wohnen. Er war dort zuhause und er würde dort sicher auch etwas finden. Etwas aus Anjas Leben… aus ihren dreckigen Leben. Der Hass glühte in ihm. Wie konnte ihn seine eigene Frau so betrügen? David ging den Weg zurück, den er gekommen war, und stieg in den Wagen seiner Schwester. Mit gemischten Gefühlen fuhr er den ganzen Weg zurück. Er stellte den Wagen seiner Schwester ab und bat sie darum, dass sie ihn in sein Haus brachte. Sie ließ sich nicht lange darum bitten und beide kamen etwa zeitgleich mit Ben an.